Gesucht: Abenteuer

Der Urwald oder, wie viele ihn nennen, der Dschungel erstreckt sich sehr weit. Hier verbergen sich verschiedene Rassen wie die Affenmenschen. Doch es gibt auch das sogenannte Paradies Shyána Nelle, welches sich in der großen Senke befindet.
Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Freitag 19. Oktober 2012, 09:50

Vielleicht, wenn die Zwei lange Zeit beieinander wären, könnte die junge Elfe irgendwann einmal deuten, was der Kleine ihr mit seinen Blicken, Gesten und Maunzlauten sagen wollte. Oder sie hätte das Glück und würde jemanden finden, der ihr beibrachte, wie sie sich mit der Tiersprache vertraut machen könnte, um dann wirklich mit ihrem kleinen Freund zu reden. Aber das hatte noch Zeit, musste auf später verschoben werden aufgrund all der Umstände, die sie nun im Griff hatten.

Nach ausreichend erfolglosen Versuchen, den Vogel zu bändigen, zu vertreiben oder gar zu erlegen, hatte Tsyalia endlich den richtigen Einfall, holte sich die Waffe, die genau für solche Situationen geeignet war und begann auch sofort, das Wesen zu verteidigen. Er war mutig gewesen, auch etwas genervt von seiner gesamten Lage, hatte aber nicht damit gerechnet, dass er sich der Angreiferin stellen müsste.
Somit war er schon erleichtert, als er beschützt wurde, und konnte nur mühsam dem Drang widerstehen, zurück unter den Stoff zu kriechen. Wenn der nur nicht so gestunken hätte!

Es war alles sehr hektisch und obendrein flog die Angreiferin nicht in einer geraden Linie, sodass es kein Wunder war, dass die Pfeile hauptsächlich daneben gingen. Dennoch, einmal hatte die junge Frau Glück, die metallene Spitze ritzte einen Flügel und brachte den Vogel zum Sturz.
Benommen blieb das Tier einige Momente lang liegen und hatte unbeschreibliches Glück, danach noch am Leben zu sein, denn der nächste Pfeil traf sie trotz allem nicht.
Verwirrt und nicht ganz Herr der Lage hob die Vogelmutter den Kopf und krächzte kläglich, da sie noch zu mitgenommen war, als dass sie sofort wieder angegriffen hätte.
Und eigentlich sollte man auch Mitleid mit ihr haben. Sie wollte ja schließlich nichts weiter, als den Dieb ihrer Eier bestrafen, sozusagen ihre Familie beschützen, sonst gar nichts. Also im Prinzip auch nichts, wofür sie den Tod verdient hätte…
Wieder schoss ein Pfeil durch die Luft und blieb zitternd direkt vor ihrem Schnabel in der Erde stecken. Protestierend und erschrocken krächzte sie erneut und schlug mit den Flügeln in dem Versuch, so wieder auf die Beine oder sogar in die Luft zu gelangen.
Es war ein klägliches Schauspiel, denn durch die Verletzung war sie lädiert und hatte es nicht so leicht. Eleganz war überhaupt nicht mehr vorhanden und als sie endlich auf ihren beiden dünnen Beinen stand, keuchte sie und brauchte eine kleine Verschnaufpause.
Nun war auch zu sehen, dass die Waffe die Haut geteilt hatte, denn rotes Blut tropfte die Federn auf dieser Seite herab. Vorerst könnte sie im Flug niemandem mehr gefährlich werden, nur, wenn man ihr zu nahe käme oder darauf nicht achtete, dass es genügend große Distanz zwischen ihnen gab.
Musste man so ein Tier also tatsächlich töten?
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Montag 22. Oktober 2012, 15:39

Es tat der Halbelfe leid, dass sie das kleine Tierchen nicht verstehen konnte. Sie waren noch nicht lange genug zusammen, um auch ohne Worte auszukommen. Dennoch war ihr das Kleine bereits nach so kurzer Zeit ans Herz gewachsen und sie würde es beschützen, selbst wenn es sie einiges kosten würde.

Mühsam hatte sie sich mit dem Vogel abgekämpft, versucht ihn mit den Dolchen zu verletzen oder gar zu erlegen. Nichts davon war von Erfolg gekrönt und so musste sie sich überlegen, welche anderen Möglichkeiten sie hatte. Als ihr neuer Freund aus seinem Versteck gekorchen kam und mit seinem leisen Brüllen, die Aufmerksamkeit der Vogelmutter auf sich zog, musste die Jägerin schnell handeln, denn wenn sie es nicht tat, könnte es das Leben des Kleinen kosten, was sie keinesfalls wollte. Also liess sie ihre Dolche fallen, hechtete zu ihrem Bogen und den Pfeilen, postierte sich schützend direkt über dem Fellknäul und begann zu schiessen, wie noch nie zuvor. Es lag ihr viel daran zu treffen, doch der Vogel war zu flink, als dass sie ihn mit einem einzigen Schuss erledigen konnte. Deshalb dauerte es eine scheinbar unendliche Weile und eine Menge Pfeile, bis eines der Geschosse traf und den Vogel verletzte. In seiner Flugbahn gestört, trudelte das Federvieh immer weiter dem Boden entgegen, knallte dann aber an einen Baumstamm und fiel zu Boden, wo es benommen liegen blieb. Drei Pfeile waren noch übrig geblieben. Den einen verschoss Sya, da ihre Schulter unerwartet schmerzte und so blieb er zitternd im Boden, ein gutes Stück vom Vogel entfernt stecken. Für den zweiten nahm sie sich Zeit, die sie eigentlich nicht hatte, denn wer wusste schon, wie schnell sich der Vogel erholte?

Tief atmete die Halbelfe durch und versuchte, den Schmerz auszublenden. Das war die einzige Möglichkeit, um den Vogel vielleicht doch noch zu treffen. Hochkonzentriert, die Stirn gerunzelt, legte sie den zweitletzten Pfeil an, zielte und schoss ab. Leider verfehlte auch er sein Ziel, wenn auch nur knapp. Ein wilder Fluch lag auf den Lippen der hübschen Jägerin und sie nahm sich fest vor, in Zukunft auf den Rat ihres Vaters zu hören. Denn es stimmte was er zu sagen pflegte: 'Ein Jäger konnte nie genug Pfeile haben.' Das murmelte sie jetzt leise, grummelig und wütend vor sich hin, während sie ihren letzten Pfeil nahm, einmal tief durchatmete und erneut auf den Vogel zielte. Er tat ihr leid, denn sie war keine Jägerin ohne Herz. Im Gegenteil, sie besass ein sehr grosses und normalerweise, wenn dieser Vogel sie nicht so vehement attackiert hätte, wäre sie gnädig gewesen, auch wenn es eigentlich ihre eigene Schuld war, dass die Vogelmutter überhaupt erst angriff. Dennoch. Jetzt gerade kannte sie keine Gnade, denn das Vieh hatte sich auf ihren kleinen Puschel stürzen wollen, anstatt sich ihr zu stellen! Mit einem leisen "Tut mir leid" auf den Lippen und der Hoffnung, dass der letzte Pfeil traf, zielte sie direkt auf das Herz des Vogels und liess den Pfeil sirrend von der Sehne schnellen, die an Syas Armschutz knallte und höllische Schmerzen verursachen konnte, wenn man eben keinen entsprechenden Schutz hatte.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 24. Oktober 2012, 10:35

Jedes Tier hatte seine Stärken und Schwächen. So zeigte es sich auch bei dem angreifenden Vogel, der zwar sehr schnell und wendig in der Luft war, seine Eleganz am Boden jedoch vollkommen eingebüßt hatte. Es war nicht nur die Verletzung, das viele Blut, das sie schon jetzt schwächte, sondern schlichtweg nicht ihr Lebensraum. Sie war eine Jägerin der Lüfte und würde sich nie mehr als notwendig auf ihren zwei dünnen Beinchen fortbewegen. Im Moment würde sie diese Stelle sowieso nicht wirklich verlassen, dazu war sie noch zu verwirrt und orientierungslos.
Auch verstand sie nicht so recht, warum dauernd etwas vor ihr in den Boden schoss, besser gesagt, zwei mal und bei dem zweiten Versuch schon so nahe, dass es sie aus Reflex hochschrecken ließ. Durch ihre liegende Position bedeutete dies nun nicht, dass sie sich wieder in die Luft erhob, sondern, dass sie sich endlich auf die Beine quälen konnte.
Schwer atmend, leicht zitternd vor noch immer bebender Wut und gleichzeitig aufsteigender Erschöpfung, stand sie da vor dem Baum. Ein Anblick, der Mitleid erregen sollte, wenn man dazu fähig war, denn im Prinzip war sie nur eine Mutter, die ihren Nachwuchs beschützen wollte. Aber es hieß in der Natur schließlich nicht umsonst, Fressen und Gefressen werden.
Aus dunklen, matt glänzenden Augen blickte sie zu ihrem Feind hoch, der sich langsam näherte und ein weiteres Mal einen Pfeil angelegt hatte. Sie würde nicht mehr rechtzeitig ausweichen können, sollte diese Waffe abgeschossen werden.
Und auch wenn sie diese nicht erkannte oder deren Bedeutung wusste, so war ihr dennoch klar, dass dies nun das Ende für sie sein würde. Das Blut lief ihre Federn entlang, tropfte zu Boden und tränkte dort die Erde. Selbst wenn die metallene Spitze sich nicht in ihr Herz bohren würde, würde niemand die Wunde versorgen, würde sie ebenfalls sterben.

Die Spinne hing noch immer an ihrem seidenen Faden und hatte sich endlich wieder hoch geangelt. Nun hatte sie Stoff unter ihren acht dünnen Beinchen und krabbelte den Rücken entlang in die Höhe. Denn sie suchte einen Eingang in die Dunkelheit, um sich dort erst einmal auszuruhen, ehe sie daran ging, ein neues Netz zu spinnen und auf Beute zu lauern.
Von all dem Treiben rund herum war sie vollkommen unberührt geblieben, dachte nur an sich und hatte genau im falschesten aller Momente Syas Hals erreicht. Die Beine berührten die Haut im Nacken, eine Sekunde, bevor der Pfeil abgeschossen wurde.
Anscheinend gab es doch noch eine Chance für die Vogelmutter, diesen Angriff ebenfalls zu überstehen. Es war, als hätte sich eine Macht gegen die junge Elfe verschworen, als wollte jemand nicht, dass sie ihr Können als Jägerin unter Beweis stellen konnte.

Währenddessen hielt es der Kleine bei dem Gestank unter dem Stoff einfach nicht länger aus. Mochten die Angst und die Gefahr für ihn noch so groß sein, er brauchte frische Luft zum Atmen.
Klagend, als hätte er die Situation schon vergessen und dass er so rasch wieder angegriffen werden könnte, kämpfte er sich zurück an die Oberfläche.
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Mittwoch 24. Oktober 2012, 14:43

Ein Opfer, so konnte man den Vogel nennen, der verletzt und verwirrt unweit von ihr auf dem Boden lag. Das arme Tier hatte die Jägerin nur angegriffen, weil diese seine Eier gestohlen hatte. Dennoch war Sya genervt von der Tatsache, dass sie verletzt war, wenn auch nicht allzu schwer. Pfeil um Pfeil hatte sie auf das Federvieh geschossen, nur einer hat das Tierchen getroffen, sodass es verletzt zu Boden sank. Blutend und ramponiert keuchte die Vogelmutter leise und versuchte wieder auf die Beine zu kommen. Die letzten Pfeile aus ihrem Köcher verschoss Sya, ohne Schaden anzurichten. Der vorletzte verfehlte sein Ziel nur knapp, aber knapp daneben ist auch vorbei. Als sie zum letzten ihrer Pfeile griff, atmete die Halbelfe tief durch und legte danach an. Konzentriert visierte sie ihr Ziel an und wollte gerade schiessen, einen Treffer landen, als die kleine Spinne, von der sie gedacht hatte, dass sie bereits zu Boden gefallen war, über ihren Nacken krabbelte. Mit einem erschrockenen Schrei liess Sya den Pfeil los und schoss wieder daneben. Hektisch sprang sie auf und schüttelte sich, versuchte das Krabbeltier endlich wegzuwischen und hüpfte dabei panisch über die Lichtung.

Ihr kleiner Freund kam gerade aus seinem Versteck hervor und musste sich wohl fragen, was der Zweibeiner da komisches machte, denn Sya hörte nicht auf zu hüpfen und zu jammern. "Urwald war gar keine gute Idee! Warum bin ich nicht woanders hin gegangen? Ach verdammt!" Während sie sich Gedanken darüber machte, wie sie das krabbelnde Etwas loswerden würde, sah sie immer wieder zum verletzten Vogel rüber. Irgendwann, als sie ein wenig aus der Puste war und leicht keuchte, blieb sie stehen und starrte das Vogelweibchen an. Es litt unverkannbar. Statt es weiter leiden zu lassen, sollte sie es erlösen. Oder etwa nicht...? Mit einem Seufzen gab die junge Frau es auf, das Krabbeltier loszuwerden, vielleicht war es schon längst weg. Sie schauderte zwar immer wieder aufs Neue, aber das ignorierte sie so gut wie möglich. Schliesslich konnte das Tierchen immernoch irgendwo auf ihrem Körper sein. Jedenfalls nahm sie ihre Dolche vom Boden auf, steckte einen an seinen Platz und behielt den anderen in der rechten Hand.
Langsam ging sie auf den Vogel zu, während Blätter und Gräser unter ihren Schritten raschelten und kleine Äste leise knackten. Mit etwa zwei Meter Abstand zum Vogel blieb sie stehen und ging in die Hocke. Sie dachte nach, was sie jetzt tun sollte. Leise seufzend schloss sie die Augen und öffnete sie nach einigen Augenblicken wieder. Falls das Krabbeltier noch immer da war, würde sie sich jetzt endlich zusammenreissen. Sie wollte dem Vogel unnötige Schmerzen ersparen und wenn er tot war, hätte sie erstmal ein Problem weniger. Sie könnte endlich ihre Wunden versorgen, sich um ihr kleines Findelkind kümmern, oder es zumindest versuchen, sich dem Nähen ihrer Kleider widmen und sie könnte sogar einen gebratenen Vogel haben. Doch dafür müsste sie ihn erstmal erwischen. Mit einer flinken Bewegung warf sie den Dolch auf den Vogel, in dem Vorhaben, ihn endlich zu töten.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 7. November 2012, 12:08

Es schien das Schicksal oder eine sonstige Macht gut mit dem Vogel zu meinen, denn auch der letzte Pfeil, der vermutlich tödlich gewesen wäre, ging fehl durch einen unvorhergesehenen Zufall. Die Spinne hatte den entblößten Nacken der jungen Frau erreicht und das Gefühl der dünnen, acht Beine war zu markant, als dass sie es nicht sofort erkannt hätte.
Sie verriss den Pfeil und die Vogelmutter bekam eine weitere Schonfrist, in der sie litt und das so lebenswichtige Blut verlor.
In der Zwischenzeit protestierte auch das kleine Wesen, denn er hielt es einfach nicht mehr in dem stinkenden, heißen Stoff aus, in den er sich geflüchtet hatte. Er schüttelte sich draußen und legte den Kopf schief, um zu beobachten, wobei es seinem Gesichtchen anzusehen war, dass er sich fragte, was hier überhaupt vor sich ging.
Denn er verstand nicht, wieso der Vogel noch lebte und seine Ziehmutter herum sprang, als hätte sie ihre fünf Minuten, was auch er kannte. War jetzt die Gefahr etwa schon vorbei? Zumindest schien kein neuerlicher Angriff bevorzustehen, denn die Jägerin krächzte zwar, aber sie rührte sich nicht von der Stelle.
Auch konnte er das Blut riechen, das selbst seinen Gestank minimal übertünchte und seinen Magen knurren ließ. Doch er blieb an seinem Plätzchen sitzen und sah lediglich zu, was weiter geschah.
Die Vogelmutter indes spürte, wie die Schwäche in ihrem Körper immer größer wurde, und sie blickte dem Tod erneut ins Auge, ohne zu begreifen, was genau das für eine Waffe war. Die Beinchen zitterten, das Blut tropfte herab und die Schwäche ließ sie schwer atmen, wie man deutlich am Brustkorb sehen konnte.
Und dann wurde der Dolch geworfen, ein aufblitzendes, tödliches Ding. Aber wieder schien das Schicksal, mehr oder weniger, dem Tier gewogen zu sein, denn genau im rechten Moment gaben ihr die Beine nach, sodass sie einfach zu Boden sackte. Haarscharf sauste der Dolch über den Kopf hinweg, rasierte einige der Federn ab, ritzte jedoch die Haut nicht einmal.
War das nun nicht Zeichen genug für die junge Elfe? Sie kannte ihre Fähigkeiten und wusste, dass sie Wild auch gewöhnlich erlegen konnte.
Allerdings diesmal ging jeder Versuch einfach nur schief, sodass sie inne halten und sich überlegen sollte, ob ihr nicht ein Gott oder das Schicksal persönlich damit etwas mitteilen wollten. Nämlich, dass sie sich um den Vogel kümmern und ihn nicht umbringen sollte.
Ob Sya das nun endlich erkennen würde? Oder bedurfte es eines weiteren Scheiterns, um ihr das deutlich vor Augen zu führen?
Inzwischen näherte sich der kleine Kerl maunzend und wollte auch endlich wieder die Aufmerksamkeit bei sich haben.


Occ: jetzt lass den Vogel leben, das ist eine Anweisung :P
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Mittwoch 7. November 2012, 17:45

Sya war es leid. Leid, daneben zu schiessen, den Vogel nicht zu treffen und ihn endlich von seinen Schmerzen zu befreien, die sie selbst verursacht hatte mit ihrem Pfeil.
Das arme Tier war ganz verwirrt und wurde immer schwächer. Auch wenn sie eine Jägerin war, so hatte Sya ein schlechtes Gewissen und fühlte mit dem Federvieh mit.
Als sie ihren letzten Pfeil von der Sehne schnellen liess, verfehlte das gefährliche Geschoss sein Ziel ein weiteres Mal, was ein heftiges Fluchen seitens der Jägerin zur Folge hatte.
Missbillgend mit der Zunge schnalzend, griff die junge Halbelfe nach ihren Dolchen, steckte den Einen in dessen Halterung an ihrer Hüfte und wartete einen Moment ab, bevor sie den Zweiten direkt auf den Vogel warf.
Leider waren die Götter oder wer auch immer, ihr nicht wohl gesinnt und so sackte das Vögelchen zusammen, konnte sich nicht mehr auf den Beinchen halten, weshalb auch der Dolch nicht tat, wofür er eigentlich gedacht war. Das Tier lebte und litt. Mit den Zähnen knirschend sah Tsyalia gen Himmel und verdrehte die Augen. "Wenn es dich gibt Gott, dann erinnere mich dran, dass ich dich erschiesse..." murmelte sie vor sich hin, während sie weiter auf den Vogel zuging. Direkt davor blieb sie stehen und ging in die Hocke. Vorsichtig, darauf bedacht das arme Tier nicht noch weiter zu verletzen und ihm so wenig Schmerzen wie möglich zuzuführen, legte sie die Hände darum und versuchte es hochzuheben, darauf hoffend, dass das Tier so geschwächt war, dass es sich nicht wehrte und sie es in aller Ruhe versorgen konnte.. Mit dem blutenden Körper ging sie zu ihrem Rucksack, kniete sich hin, legte den Vogel vorsichtig auf ihre Oberschenkel und sah kurz zu ihrem kleinen Freund, der ihre Taten beobachtete. "Ich kümmere mich gleich um dich, ja, Kleiner?" meinte sie und lächelte das Katzenähnliche Tierchen an. Danach widmete sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem verletzten Vogel.
Sie griff nach ihrem Wasserschlauch, öffnete ihn, hielt dann mit einer Hand vorsichtig den Hals und Kopf des Vogels so fest, dass sie ihn nicht erdrückte aber festhielt und liess das saubere Wasser über den verletzten Flügel des Vogels laufen. Danach nahm sie ihren Umhang etwas näher heran und riss einen Streifen am unteren Teil des Stoffes ab. Diesen Streifen wickelte sie danach vorsichtig um den Körper des Vogels, den verletzten Flügel so angelegt, dass er richtig verheilen könnte, wenn das Tier überlebte. Den unverletzten Flügel liess sie dabei frei. Als das Tier behelfsmässig verbunden war, nahm sie den Laib Brot aus ihrem Rucksack und brach ein kleines Stück davon ab, bot es der Vogelmutter an. Den Rest verstaute sie wieder in der Tasche. Wenn der Vogel frass, umso besser. Wenn nicht, würde sie das Stück Brot erstmal aufbewahren, bis der Vogel einfach hungrig würde.

Der Vogel war erstmal versorgt und nun wollte Sya sich um das andere Kerlchen kümmern. Ihr Umhang stank fürchterlich, ebenso das kleine Tier, also schnappte sie sich beides, ebenso den Vogel und das Stück Seife aus ihrem Rucksack und ging damit zur Quelle. Das noch brennende Feuer würde wilde Tiere davon abhalten sich an ihrem Proviant zu schaffen zu machen.
Bei der Quelle angekommen, legte die Jägerin den Vogel sanft an, schnappte sich den Umhang und wusch diesen mit Wasser und Seife, bis er nicht mehr so grässlich stank. Glücklicherweise fand sie einen grossen Stein, darauf breitete sie den Umhang aus, um ihn trocknen zu lassen. Lächelnd schnappte sie das Tierchen, das sie nun auf ihren Reisen begleiten würde, im Nacken, hob es ins Wasser und begann auch das Fell des kleinen sauber zu waschen. Erstmal nur mit Wasser, dann benutzte sie nach kurzem Überlegen doch etwas Seife, aber nur sehr wenig. Als auch das Kleine sauber war und frisch roch, setzte sie es am Ufer ab, zog sich erneut aus, wieder bis auf die Unterwäsche und wusch die Wunden an Händen und Schulter aus, was ein wenig schmerzte. Skeptisch sah sie dann zu dem Kleiderhaufen, den sie wieder achtlos zu Boden geworfen hatte. "Diesmal bin ich schlauer..." denn sie hatte die Spinne nicht vergessen. Also nahm sie ihr Oberteil vom Boden, schüttelte es kräftig aus und inspizierte es, bevor sie sich sicher war, dass die kleine Spinne nicht mehr an ihrem Oberteil hing. Nachdem sie es angezogen hatte, machte sie das Selbe mit den restlichen Kleidungsstücken und zog sie erst danach an. Sie blickte auf ihren Umhang, den Vogel und den kleinen Tieger, nickte dann und nahm beide Tiere wieder mit zum Rastplatz. Als sie sich wieder zur Quelle auf machte, nahm sie den Wasserschlauch mit, füllte ihn an der Quelle wieder ganz auf und nahm ihren nassen Umhang mit sich. Auf dem Weg zurück zum Lager entdeckte sie einige Äste, die sie als eine Art "Wäscheleine" benutzen konnte, nahm die drei Äste mit und steckte zwei davon nahe, aber nicht zu nahe dem Feuer in den Boden. Da die beiden Äste kräftig waren und zu allem Glück eine Gabelung hatten, konnte sie den dritten waagrecht darüber legen und den Umhang daran aufhängen. Als sie das getan hatte, verstaute sie den Wasserschlauch und kniete sich vor dem Vogel hin, den sie in eine kleine Erdmulde mit Moos gebettet hatte. Wieder bot sie ihm etwas Brot an und beobachtete das Tier eine Weile. Währenddessen dachte sie nach, was sie jetzt am besten tun könnte und kam zu dem Schluss, dass sie wohl erstmal hierbleiben würden.

Als sie sich um den Vogel gekümmert hatte, wandte sie sich endlich ihrem pelzigen Freund zu und lächelte. "Komm mal her..." lockte sie es und griff gleichzeitig nach einem der Eier, die sie im Rucksack verstaut hatte. So, dass sie das Vogelweibchen im Rücken hatte, wandte sie sich dem Fellknäul zu und griff nach dem Dolch in seiner Halterung. "Oh Mist!" Den zweiten Dolch hatte sie ganz vergessen! Also sprang sie auf, hielt das rohe Ei weterhin vorsichtig in der Hand und sahs ich suchend nach ihrer Waffe um. Es blitzte unter einigen Blättern und als sie diese zur Seite wischte, kam sie zum Vorschein. Schnell an ihrem Rock abgewischt, war die Klinge wieder einigermassen sauber. Beruhigt ging die Jägerin wieder zurück zu ihrem kleinen Freund, setzte sich auf den Boden und schlug die Eierschale mithilfe des eben gefundenen Dolches auf. Das Ei war jetzt so aufgeschlagen, dass der kleine Kerl den Inhalt einfach heraus lecken oder saugen konnte. Das Essen war also praktisch serviert und so hielt sie dem kleinen Ding die gefüllte Eierschale hin, in der Hoffnung, dass sie endlich etwas gefunden hatte, dass es frass.


Occ: Hoffe ist okay so... Wenn nicht, wie immer melden :)

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Dienstag 20. November 2012, 12:59

Es gab anscheinend doch eine höhere Macht, wie auch immer man sie nennen wollte, Schicksal, Zufall, Gottheit. Sie schien diesen Vogel retten zu wollen… oder sie wollte die junge Elfe zur Weißglut treiben, indem sie ihr deutlich zeigte, dass sie wohl mit ihren Waffen noch besser üben müsste, mehr Praxis bräuchte.
Außer diesen einen Streifschuss, durch den dieses Tier nun so litt und bald wohl verbluten würde, hatte sie schließlich kein einziges Mal treffen können. Keine guten Aussichten für ihre weitere Reise, denn wenn es so bleiben würde, würde sie schon recht bald ebenfalls hungern müssen, sollte sie sich nicht immer ausreichend in Siedlungen versorgen können. Was ihr kaum gelingen würde, da sich ihr kleines Vermögen an Geld nicht von selbst vermehren konnte. Also müsste sie sich daran halten, wenigstens auf der Jagd künftig besser zu treffen.
In dem Moment allerdings, in welchem Tsyalia ihre Niederlage einsah und fluchte, kam eine starke Böe auf, welche die Blätter lautstark rascheln ließ. War dies das Zeichen jener angesprochenen Macht, die sich über sie kleines, sterbliches Wesen lustig machte? In Syas Stimmung klang es zumindest danach, was ihr kaum bei ihrem Ärger helfen würde.
Vielleicht jedoch täte es ihr kleiner Freund, der sich inzwischen auch wieder bemerkbar machte. Es stank ihm in seinem Versteck eindeutig zu viel und da der Vogel nicht mehr in der Luft kreiste, wirkte die Gefahr gebannt. Auch wenn der Jäger noch lebte und mit seinem scharfen Schnabel ein großes Risiko für ihn darstellte, nahm er es nicht mehr derart ernst, sondern wagte sich mit leicht tappsenden Schritten heran.
Indes konnte sich der Vogel nicht länger wehren. Lediglich, als er hochgehoben wurde, krächzte sie schwach und versuchte, mit den Flügeln zu schlagen. Das war es auch schon, denn durch den Blutverlust war sie am Rande der Bewusstlosigkeit. So musste sie es zulassen, was mit ihr geschah, obwohl sie in dem Zweibeiner noch immer den Dieb ihrer Eier erkennen konnte.
Der Kleine beobachtete das Ganze mit schief gelegtem Kopf und gab klagende Laute von sich, die darauf aufmerksam machen sollten, dass er auch beachtet werden wollte.
Als er kurze Zeit später tatsächlich angesprochen wurde, gab er wieder ein protestierendes Geräusch von sich, dass er eigentlich nicht mehr warten wollte.
Während der Verarztung rührte sich die Patientin kaum noch, dazu war sie bereits zu schwach. Manchmal zuckte sie, vor allem als Ausdruck für ihren Schmerz. Doch den Rest ließ sie über sich ergehen und auch auf das Brot reagierte sie einstweilen nicht. Der Hunger würde noch kommen… sofern sie die nächste Zeit überstehen würde, um wieder zu ausreichend Kräften kommen zu können.
Sie sträubte sich nicht dagegen, dass sie erneut hochgehoben und getragen wurde. Im Gegensatz zu dem kleinen Wesen, dem es gar nicht gefiel, den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Sofort begann er zu strampeln und zu maunzen, weil er wieder hinunter wollte. Das war so verdammt hoch!
Allerdings würde es noch viel schlimmer kommen. Bei der Wasserquelle wurde er wieder abgesetzt und konnte sich erst einmal eigenständig umsehen. Was er auch machte, neugierig tappste er an das Ufer heran und schnüffelte an dem frischen Nass, das hervor sprudelte.
Ein bisschen sank die Nase zu tief und wurde angespült, sodass er hastig zurück schreckte und sich mit der Pfote über die Stelle zu fahren. Was dazu führte, dass er den Gestank wieder deutlicher wahrnehmen musste. Etwas, das ihm natürlich überhaupt nicht gefiel und somit klagte er wieder.
Jedoch wurde er nicht beachtet und als er aufsah, konnte er nur beobachten, wie seine Ziehmutter komische Bewegungen mit dem Tuch machte. Er protestierte weiter, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Die noch früh genug kam, denn als der Stoff zum Trocknen ausgebreitet worden war, wurde er geschnappt und schon wieder hochgehoben. Das Schlimmste daran war nicht, dass er den Boden erneut unter den Füßen verlor, sondern der Griff im Nacken. Das war fies! Dagegen konnte er sich nicht einmal sträuben! Er ließ sich nur hängen, machte sich schwer und gab ein tiefes Schnauben des hilflosen Protests von sich.
Und dann wurde er auch noch in die Nässe gesetzt, igitt! Sein Sträuben wurde heftig, er schlug mit den Pfoten um sich und klagte, als würde er gleich mit einem Messer abgestochen und gehäutet werden. Das war furchtbar für diesen kleinen Kerl! Er hasste Wasser, wenn er es nicht trinken konnte! Wie konnte sie ihm das nur antun?! Gut, er stank und wollte wieder nach sich selbst riechen, allerdings auf keinen Fall so! Abgesehen davon, dass sie auf einmal ein komisches Ding in die Hand nahm und damit begann, in seinem Fell herum zu wühlen, anstatt ihn ordentlich mit ihrer Zunge zu putzen, wie es sich gehörte.
Er wehrte sich, schlug um sich und traf sicherlich nicht nur einmal die Haut der jungen Elfe, um dort blutige Kratzer zu hinterlassen, die unangenehm brannten. Trotzdem kannte sie keine Gnade und setzte ihn nach schieren Ewigkeiten erst wieder aufs Trockene.
Dort schüttelte er sich erst einmal kräftig und spritzte die nähere Umgebung vollständig nass, ehe er dem Zweibeiner regelrecht giftige Blicke zuwarf. Erst danach hob er eine Pfote an und begann damit, diese selbst ausgiebig abzulecken. Wobei er dennoch seine Ziehmutter nicht aus den Augen ließ.
So konnte er auch das seltsame Betragen beobachten, als sie sämtliche Stoffe durchschüttelte, bevor sie diese wieder anzog. Dabei fiel aus ihrem Rock tatsächlich etwas Schwarzes heraus und landete im Gras, wo es sich auf seinen acht Beinen bewegte, um einen neuen Schattenplatz zu suchen.
Wodurch es die Aufmerksamkeit des kleinen Kerlchens auf sich zog. Dieser war wieder munter und somit auch bereit zur Jagd oder einem kurzen Spiel. Das Putzen war vergessen, sein Blick wurde fixierend und er begann damit, seine Haltung zu verändern.
Gerade wollte er sich erheben, um sich anzuschleichen, als sich ein Arm erneut um seinen Körper schlang und wieder hoch hob. Sofort begann er zu klagen und zu fauchen, da er befürchtete, ein weiteres Mal in die Quelle getaucht zu werden. Diesmal allerdings irrte er sich und wurde mit dem Vogel zurück zur Lichtung getragen.
Dort abgesetzt, sah er fragend in die Höhe, was das nun wieder zu bedeuten hatte. Doch er wurde ignoriert und mit dem Vogel allein gelassen.
Er blinzelte in ihre Richtung und sprang hoch, um ihr nachzulaufen, aus Angst, sie würde ihn verlassen. Gleichzeitig klagte er herzzerreißend.
Weit kam er jedoch nicht, da er über seine eigenen Beinchen stolperte und somit mit dem Gesicht im Gras landete. Da Sya danach nicht mehr für ihn sichtbar war, setzte er sich nur auf und schrie sich die Seele aus dem Leib.
Was anscheinend auch etwas nützte, denn seine Ziehmutter kehrte bald zurück. Kaum war sie wieder da, spielte der Kleine allerdings den Beleidigten. Er würdigte sie keines Blickes mehr und tat so, als müsste er sich weiterhin putzen, ohne sie ihn Wahrheit aus den Augen zu lassen.
Der Vogel indes war noch immer äußerst schwach und am Rande zu einer Bewusstlosigkeit, zeigte aber auch etwas Stärke. Denn als ihr erneut etwas von dem Brot angeboten wurde, reagierte der Kopf, versuchte, sich so hinzudrehen, dass der Schnabel die Krümel erwischen konnte. Was gar nicht so einfach in der liegenden Position war und wobei sie definitiv Hilfe brauchte.
Das Treiben danach bekam die Vogelmutter hingegen zum Glück nicht mit. Das kleine, pelzige Wesen hingegen bemerkte alles, was in seiner Umgebung vor sich ging. Aber so leicht verzieh er dem Zweibeiner nicht, dass sie ihn alleine gelassen und er es auch mitbekommen hatte.
Also schaffte er es gekonnt, wie es nur katzenartige Vertreter konnten, sie zu ignorieren. Zumindest solange, bis sie ihren Dolch hatte und das Ei aufschlug. Sofort stieg ein wohliger Duft in seine Nase und machte es ihm schwer, nicht trotz allem neugierig zu werden.
Dann wurde ihm auch noch das offene Ei direkt unter die Nase gehalten. Diese begann zu arbeiten und wollte seinen Kopf immer weiter in die Richtung des Essens drehen. Dennoch gab er noch einmal einen klagenden Laut aus, denn er würde diese Gabe nur unter Protest annehmen.
Langsam trat seiner Zunge hervor und sein Blick blieb äußerst misstrauisch nach oben. Aber kaum hatte die Spitze etwas von dem Eiklar geschmeckt, knurrte sein Magen hörbar und er stürzte sich regelrecht darauf.
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Mittwoch 21. November 2012, 18:12

Wenn sie eines wusste dann, dass sie keineswegs unfähig war ihr Ziel zu treffen. Nur stellte sich ihr diesmal scheinbar eine höhere Macht in den Weg und so schaffte Sya es lediglich, den Vogel mit einem Pfeil zu streifen und zu verletzen. Dabei blieb es allerdings. Alle folgenden Versuche das Federvieh zu töten scheiterten kläglich. Das zerrte an Syas Nerven und Geduld, also gab sie es schlichtweg auf, nachdem sie sämtliche Pfeile verschossen und auch mit den Dolchen nicht weit gekommen war.
Es war eindeutig, dass die Vogelmutter litt und bald ihrem Blutverlust erliegen würde, wenn sie nicht verarztet wurde. Sich ihrem scheinbaren Schicksal ergebend, seufzte die junge Jägerin und fluchte leise, während sie auf den Vogel zu ging um ihn hochzuheben. Ein schwaches Krächzen entrang sich der Kehle des Tiers, aber es war zu schwach, als dass es sich hätte wehren können. So liess es sich ohne Probleme hochheben und zum Rucksack tragen, damit es dort in aller Ruhe verbunden werden konnte.

Unterdessen war das kleine Tierchen, das nun Syas Begleiter war, munter geworden und unter dem stinkenden Umhang hervorgekrochen. Es schlich sich auf leisen Sohlen an den Zweibeiner und den Vogel heran, denn es konnte keine Gefahr mehr erkennen und vermochte auch nicht länger unter dem Umhang versteckt zu bleiben. Das war ihm dann doch zu blöd. Zudem roch es so entsetzlich streng! Lächelnd betrachtete sie ihren kleinen neuen Freund, widmete sich dann aber wieder dem Vogel. Nachdem sie von ihrem Umhang ein Stück Stoff abgerissen und sich es mit dem Vogel auf dem Schoss ‚gemütlich‘ gemacht hatte, begann sie mit dem verarzten des verletzten Flügels und band ihn so an den kleinen Körper fest, dass er nicht bewegt werden konnte und so vielleicht auch gut verheilte. Ihre Bewegungen wurden mit grosser Neugier und Aufmerksamkeit von zwei grossen Augen beobachtet. Um den kleinen Puschel etwas zu beruhigen, sprach Sya mit ihm und versicherte ihm, dass sie sich bald um ihn kümmern würde, denn mittlerweile konnte auch sie den beissenden Gestank riechen, der von ihm und ihrem Umhang ausging. Ausserdem hatte der Kleine angefangen zu maunzen und forderte so ihre Aufmerksamkeit. Ich muss unbedingt dafür sorgen, dass er stubenrein wird und mir nicht alles vollpinkelt… Das wird sonst zu aufwändig… dachte sie und betrachtete das Tierchen einige Augenblicke.

Als sie mit dem verarzten fertig war, kramte sie in ihrem Rucksack nach etwas Brot, dass sie ihrem Patienten anbot. Sie verschmähte es allerdings, was in Sya ein dumpfes, etwas trauriges Gefühl hinterliess. Also stand die Halbelfe erstmal auf und nahm sowohl Vogel wie auch Fellknäul, Seife und Umhang zur Wasserquelle.
Dort angekommen setzte sie beide Tiere vorsichtig ab, sorgte dafür, dass zum Beispiel die Vogeldame bequem lag und, dass der kleine Rabauke nicht davon spazierte. Dann konnte sie mit dem waschen des Umhangs beginnen. Es war ein ganzes Stück Arbeit und es dauerte eine Weile, bis der Umhang soweit sauber war und wieder gut roch. Nachdem sie ihn ausgewringt hatte, breitete sie ihn auf einem grossen Stein aus, damit er da erstmal ein wenig trocknen konnte.
Anschliessend drehte sie sich zu ihrem neuen Freund um und grinste. „Jetzt bist du dran!“ meinte sie zu ihm, hob ihn wieder hoch, was der Kleine mit einem Protestlaut quittierte und begann ihn im Wasser zu waschen. Auch hier benutzte sie Seife, wenn auch nur wenig, damit der Geruch das Kleine nicht zu sehr störte. Das Klagen des Kleinen zerriss ihr beinahe das Herz, denn sie konnte es, obwohl sie eine Jägerin war, gar nicht hören, wenn Tiere so leidende Laute von sich gaben. Selbst wenn er nicht litt, und das wusste sie, setzte es ihr ein wenig zu. Er sträubte sich heftig und wehrte sich mit Pfoten und auch Krallen, sodass sie ein paar harmlose Kratzer an Händen und Unterarmen davon trug.
Als sie mit ihrem Werk zufrieden war, das Tierchen also wieder schaumlos war und gut roch, setzte sie es auf dem Trockenen ab und entledigte sich ihrer Kleidung, damit sie ihre Wunden ausspühlen konnte. Nachdem die brennenden Einschnitte gesäubert waren, schüttelte sie ihre Kleidung aus und zog sie dann wieder an. Dabei fiel endlich die kleine Spinne runter, die so einigen Ärger verursacht hatte. Das bemerkte sie jedoch nicht und so hob sie gleichgültig die beiden Tiere hoch, brachte sie wieder zum Lager zurück, legte sie dort auf dem Boden ab und kehrte dann wieder zur Quelle zurück.
Das kleine Fellknäul folgte ihr, hatte es doch Angst, allein gelassen zu werden. Sie hörte zwar sein Rufen, ignorierte es aber, da sie sowieso gleich wieder zurück sein würde. Dem war dann auch so und der Kleine tat ganz schrecklich beleidigt, weil sie ihn allein gelassen hatte. Darüber musste Sya schmunzeln, sie reagierte aber erstmal nicht weiter darauf.
Nachdem sie den Umhang mit Hilfe von Ästen am Feuer aufgehängt hatte, wandte sie sich wieder dem Vogel zu und versuchte sie wieder zu füttern, diesmal mit Erfolg. Also nahm sie sich Zeit, die schwache Vogeldame mit Brotkrümeln aufzupeppeln und half ihr so gut sie konnte.

Schliesslich konnte die Jägerin sich endlich dem armen kleinen Kerl widmen, der seiner Meinung nach, zu wenig Aufmerksamkeit bekam. Noch immer spielte er den Beleidigten und versuchte sie zu ignorieren. Als sie aber mit ihrem Dolch eines der Eier aufschlug, wurde er neugierig und sein knurrender Magen machte klar, dass es schon überfällig war, zu essen. Nach einigem Zögern stürzte er sich aber regelrecht auf die Mahlzeit. Lächelnd strich Sya durch sein Fell, über seinen Rücken und beobachtete das hungrige Tierchen. Sie musste etwas finden, dass sie leichter und ohne Kämpfe mit durchgeknallten Vögeln holen konnte. Schliesslich war es dann doch die ganze Mühe nicht Wert, Eier aus Nestern zu stibitzen, wenn sie danach verletzte Vögel verarzten musste und selber Wunden davon trug.
Ein weiteres Ei fiel dem Magen des kleinen Tigerchens zum Opfer, danach war aber erstmal schluss. Sya wusste nicht, wie lange seine letzte Mahlzeit her war und sie wollte auf keinen Fall, dass er sich den Magen verdarb.
Also widmete sie sich dann dem versorgen ihrer Schulterwunden und zischte zwischendurch leise. Mehr als verbinden konnte sie allerdings nicht tun, denn sie war ohne Heilpflanzenkenntnisse und ohne Salben oder derartiges aufgebrochen. Falls sie je wieder in die Zivilisation kam, würde sie sich mehrere Sachen kaufen, sofern es ihr Geldbeutel zuliess. Vielleicht gab es auch eine Bibliothek, wo sie lediglich einige Dinge aus den Büchern abschreiben konnte. Zum Beispiel wovon sich der kleine Kerl neben ihr ernährte. Oder welche Pflanzen hilfreich sein würden, wie man sie verwendete. Es gab so vieles, dass sie jetzt ein bisschen anders machen würde. Sie hätte sich definitiv besser auf ihre Reise vorbereiten sollen. Doch solche Dinge werden einem meist erst mitten auf der Reise und somit zu spät klar.

Leise vor sich hin summend, um den kleinen Kerl zu beruhigen, ging sie über die Lichtung und sammelte die Pfeile ein, die sie finden konnte. Dann begann sie Äste, grosse und kleine, zu sammeln, sowie auch grosse Blätter und derartiges. Die kleinen Ästchen gab sie ins Feuer, da sie nicht wollte, dass es erlosch. Mit den grossen versuchte sie eine Art Unterschlupf zu bauen. Man wusste schliesslich nie, wann es anfing zu Regnen und bisher war ihr das Wetter gnädig gestimmt gewesen. Dennoch galt auch hier, Vorsicht ist besser als Nachsicht. Stunden vergingen, bis sie endlich einmal eine passable Baute errichtet hatte, denn ihre Stärken lagen in anderen Dingen, als Unterschlüpfe zu bauen. Sie war trotzdem ganz zufrieden mit ihrem Werk und seufzte erleichtert.
Alles was trocken bleiben sollte, wurde unter das schützende Dach gebracht. Die Vogelmutter wurde auf ein Bett aus weichem Moos gelegt und nochmal gefüttert. Danach widmete Sya sich erstmal wieder dem Kleinen, denn der war wahrscheinlich schon längst wieder mürrisch, da sie ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Also versuchte sie mit ihm zu spielen, raschelte mit einem Ästchen unter den Blättern und mimte so Beute. Würde sich das Fellknäul dafür überhaupt interessieren? Und würde der kleine Unterstand die Nacht überleben? So viele Fragen und doch gab es darauf noch keine Antwort. Die Zeit würde zeigen, was mit unseren lieben Tierchen und der Jägerin passierte.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Freitag 30. November 2012, 20:51

Die Geräusche des morgendlichen Urwalds waren allgegenwärtig und schienen in jeder Faser der warmen, feuchten Luft mitzuschwingen. Das Rascheln von Blättern, die vereinzelten Schreie von exotischen Vögeln und das Zirpen von Insekten, die dem Klang nach so groß sein mussten, dass Tsyalia sich ihr Aussehen gar nicht vorstellen wollte. Wasser plätscherte laut, obwohl die Stelle, an der die junge Jägerin ihre Kleidung gewaschen und ihre Wunden gereinigt hatte, mehrere Schritte von ihrem Lager entfernt war. Doch natürlich war sie nicht das einzige Lebewesen in diesem Wald - ein Gedanke, der ihr kurz gemischte Gefühle bereitete. Nicht jedes Tier war so zutraulich wie das niedliche Katzenwesen, das nun mit einem glucksenden Knurren und erhobenem Schwanz mitten in den Blätterhaufen sprang und mit den Pfoten nach dem kleinen Ast in Sya's Hand schnappte. Und bestimmt gab es neben einer zornigen Vogelmutter und ekligen, widerlichen aber im Grunde genommen harmlosen Spinnen noch andere Wesen, die ihr womöglich sogar wirklich gefährlich werden konnten. Aber sie war ja auch nicht vollkommen schutzlos. Ihr Bogen lag neben ihr, gemeinsam mit den Pfeilen, von denen sie nur eine Hand voll nach dem überraschenden Angriff nicht mehr hatte finden können. Aber sie würden reichen, für ein Ziel oder mehrere. Die Halbelfe war eine gute Schützin. Was zuvor mit dem Vogel geschehen war, konnte sie sich zwar immer noch nicht erklären, doch war sie fest davon überzeugt, dass dies ein einmaliges Vorkommnis gewesen sein musste. Und selbst wenn - schließlich hingen an ihrer Seite ja noch die Dolche, zwei schlagende Argumente zugunsten ihrer Sicherheit. Und trotzdem: dieses leise Gefühl der Unsicherheit war immer da.

Das Fellknäul indes, hatte ganz andere Sorgen. Aus dem Nichts hatte sich plötzlich vor ihm ein merkwürdig längliches Geschöpf platziert und als er neugierig daran schnuppern wollte, hatte es sich auf einmal bewegt. Leise fauchend war es zurückgesprungen und hatte das merkwürdige Wesen mit großen Augen gemustert. Da es nun wieder still stand, streckte er vorsichtig ein Tätzchen danach aus um es zu berühren. Doch wieder erwachte es zum Leben, wirbelte mit seinen ruckartigen Bewegungen die Blätter auf. Es schien nicht aggressiv zu sein, noch wollte es dem kleinen Tierchen etwas Böses. Dieses aber wollte sich für den Schrecken, den ihm das Ding eingejagt hatte revanchieren. Mehrfach schlug es nach dem Störenfried, der ihm partout keine Ruhe lassen wollte, doch immer war ihm das seltsame Geschöpf einen Schritt voraus und schwenkte zur Seite, sodass das possierliche Tierchen immer aufs neue im Blätterhaufen landete. Doch so schnell gab es nicht auf. Immer wieder sprang der Kleine auf und versuchte seinen Gegner mit den feinen Krallen einen Hieb zu verpassen.

Währenddessen beobachtete Sya den kleinen Rabauken und war froh und erleichtert, dass der Einfall mit den Eiern doch so gut geklappt hatte. Das kleine Tierchen schien die Mahlzeit schon bitter nötig gehabt zu haben und man konnte ihm ansehen, dass es ihm geschmeckt hatte. Vermutlich war er deswegen auch wieder so verspielt. Die Halbelfe ließ das Stöckchen in ihrer Hand auf jeden Fall weiter kreisen, während ihr Blick kurz zu dem Vogel auf dem Moos schweifte. Hätte sie wohl die Eier auch dann gestohlen, wenn sie gewusst hätte, dass dies bedeuten würde, die Vogelmutter höchstpersönlich aus dem Weg zu räumen? So wie es im Moment aussah, hing das Schicksal des Tieres am seidenen Faden. Auch wenn die Verletzung selbst nicht lebensgefährlich war, so waren es doch deren Folgen. Sya kannte, wie das Leben in freier Natur ablief, ihr Vater hatte es ihr als sie noch ein Kind war, beigebracht. Waldbewohner lebten nicht einfach friedlich miteinander unter einem Blätterdach und halfen einander, wenn immer Not zu drohen schien. Es ging allein ums Überleben, was einzig und allein demjenigen gelang, der sich am besten anpassen konnte. Ein Vogel, der nicht mehr fliegen konnte, war so gut wie tot. Als Jägerin wusste sie das natürlich. Doch hatte die junge Halbelfe nicht schon den kleinen Fellknäul vor diesem Schicksal bewahrt, indem sie ihn - wohl eher er sie - gefunden hatte und zu fressen gegeben hatte? Sollte sie jetzt ebenso auf den Vogel aufpassen? Konnte der Kapayu Wald nicht gefälligst selbst auf seine Bewohner achten?

Als hätte der Wald ihre Gedanken verfolgt, ertönte mit einem Mal ein lautes Donnern, das nicht nur zu hören sondern auch zu spüren war, ging es doch durch alle Knochen. Das kleine Tierchen, immer noch mit Syas Stöckchen beschäftigt, schreckte auf und sah zum Himmel hoch. Einen Moment lang geschah nichts, nur dass Donnern hallte noch nach und wandelte sich zu einem leisen Brummen, bis es nicht mehr zu hören war. Doch dann, wenige Sekunden nach dem ersten Schreck ging es los. Es begann mit einem einzigen kleinem Tröpfchen, dass dem Fellknäul vor Tsyalias Füßen auf die Nase fiel und zerplatze. Erschrocken schrie es auf und vergaß auf einmal den Stock, sprang in ihre Arme und kringelte sich vor Angst schlotternd ein. Den Schwanz schlang er um sich und bedeckte mit dem getupften Ende seine Augen, um das furchteinflößende Schauspiel, dass sich den beiden nun bieten würde, nicht mit ansehen zu müssen. Das kleine Ding hatte so etwas schon öfters erlebt, doch war er damals noch bei seiner Mutter gewesen. Warm und weich war es bei ihr. Warm, weich und sicher. Seine Mutter hatte immer gewusst, wann es wieder so weit war und sie in ihren Bau verschwinden mussten. Denn das Donnern war nur das Vorspiel. Kurz hob er den Schwanz von den Augen und sah nach vorne, auf den Boden vor sich. Ein zweiter Regentropfen landete auf dem Boden, gefolgt von einem dritten, einem vierten... Und plötzlich waren es hunderte, tausende Tropfen die sturzflutartig auf den Boden niederdonnerten. Schnell versteckte sich das Fellknäul wieder unter seinem Schwanz und hoffte, dass das Wesen, dass seiner Mama manchmal so ähnlich und doch so fremd war, etwas gegen das was geschah tun konnte.

Regen - und was für einer! Das hatte der jungen Halbelfe gerade noch gefehlt. Es war so schnell gegangen, so unerwartet hatte sich das Wetter grundlegend verändert, sie hätte es nicht für möglich gehalten. Doch sie war noch nicht lange Gast dieses Waldes, erst für ein paar Tage. Vielleicht geschahen solche extremen Wetterumstürze hier öfter? Ein Wassertropfen fand seinen Weg durch das schwächliche Dach, dass sie über sich erbaut hatte und fiel ihr in den Kragen. Die Idee war gut gewesen, die Ausführung hatte ihre Schwächen. Ein weiterer Tropfen rann ihr den Hals hinunter, gefolgt von einem weiteren. Das Wasser war eiskalt. Die Vogelmutter auf ihrem Moos schlug schwach mit ihrem gesunden Flügel und Wasserperlen spritzen über Syas ganzen Körper. Vor ihrem Unterschlupf, hatte sich in sekundenschnelle schon eine große Pfütze gebildet, die schon bald zu einem kleinen See anschwellen würde. Es blieb nur zu hoffen, dass der Regen von kurzer Dauer sein würde - oder die Elfe würde schon bald schwimmen müssen.
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Samstag 1. Dezember 2012, 15:26

Obwohl ein Urwald viele gefährliche Tiere beherbergte, schien es Sya gerade sehr friedlich. Die steten Geräusche und Laute von irgendwelchen Lebewesen beruhigten sie einerseits, andererseits verunsicherten sie die junge Halbelfe auch ein wenig. Sie hatte keinerlei Erfahrungen mit Urwäldern, nur mit den stinknormalen Wäldern bei ihr zuhause. Und diese konnte man keineswegs mit dem Kapayu Urwald vergleichen.
Nachdem alles soweit geregelt war, der kleine Unterstand geschaffen war und alles darunter sicher verstaut wurde, widmete sie sich dem Spiel mit ihrem kleinen Katzenfreund. Noch immer wusste sie nicht, was es denn nun eigentlich war, ob ein Männchen oder ein Weibchen, aber das spielte erstmal keine Rolle. Es sah richtig süss aus, wie es sich auf einen Angriff vorbereitete und danach im Blätterhaufen regelrecht versank. Die losen Blätter flogen in die Luft und fielen sowohl auf, als auch neben den kleinen Kerl, der noch immer munter mit dem Ästchen in Syas Hand spielte. Zwischendurch sah sie auf um die Umgebung zu beobachten, denn man konnte nie wissen, ob sich nicht etwas Gefährliches anschlich. Glücklicherweise hatte sie so gut wie alle Pfeile wieder gefunden und die wenigen die fehlten, konnte sie später durch neue ersetzen. Hier gab es schliesslich genug Holz, das sich perfekt dafür eignete zu Pfeilen verarbeitet zu werden. Sie würde zwar keine metallenen Spitzen befestigen können, aber sie hatte von ihrem Vater gelernt, mit den Materialien, die ihr zur Verfügung standen Pfeil und Bogen zu fertigen, sodass sie einfach auf einige Steine, die sie leicht zurechtschlagen konnte zurückgreifen würde.

Unterdessen spielte das kleine Katzenwesen munter mit dem Stöckchen, denn sein Jagdtrieb wurde wohl geweckt. Sya konnte schnell reagieren und forderte dadurch die Geschicklichkeit des Kleinen sehr. Zwischendurch liess sie es auch einen Treffer landen, ansonsten würde ihm das Spiel wohl bald nicht mehr interessieren. Es war faszinierend das Muskelspiel des noch sehr jungen Tieres zu betrachten und zu sehen, wie es sich meistens geschmeidig und lautlos bewegte. Die maunzenden Laute, die es von sich gab, waren durchaus unterhaltsam, es schien fast so, als würde es reden.
Manchmal benutzte Sya ihre freie Hand, um die Aufmerksamkeit des Kleinen auf eine andere Stelle zu ziehen, oder aber um es von hinten anzustupsen, was es immer herrlich verwirrte.

Immer wieder wanderte der Blick der Jägerin zum verletzten Vogel unter dem Blätterdach. Es war nicht zu übersehen, dass die Vogeldame litt und schmerzen hatte. Sya hoffte, dass sie bald wieder auf die Beine kam, aber es war durchaus möglich, dass sie einfach starb. Und dann würde Sya den Vogel braten. Würde er schmecken? Keine Ahnung, aber so ein Vogel über dem offenen Feuer gebraten würde sicher gut riechen. Vielleicht konnte sie ein paar Kräuter finden, um dem Fleisch ein bisschen mehr Geschmack zu geben. Oft genug hatte sie ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester beim Kräutersammeln geholfen. Auch wenn sie nicht annähernd über das Wissen der beiden verfügte, konnte sie doch einige der wohlschmeckenden Kräuter erkennen und wusste, wo sie zu finden waren. Doch von einer leckeren Mahlzeit war sie noch lange entfernt. Sie würde sich darauf konzentrieren, dem Vogel zu helfen und wenn er nicht überlebte, dann konnte sie ihn immer noch verspeisen.

Das überraschende Donnern liess Sya zusammenzucken. Sie hatte gewusst, dass das Wetter manchmal von einem Mal aufs andere schnell umschlagen konnte, hatte aber nicht damit gerechnet, dass es so bald und vor allem so schnell passieren würde. Das Katzenwesen war erschrocken in ihre Arme gesprungen und nun drückte sie es dicht an ihre Brust, sah gen Himmel und blinzelte, als die ersten Tropfen auf ihr Gesicht fielen. Da sie nicht damit rechnete, dass gleich ein ganzer Schwall Wasser über ihnen zusammenbrechen würde, ging sie nur langsam zum Unterstand und nahm in aller Seelenruhe ihren Bogen und die Pfeile mit. Gerade als sie den kleinen Unterschlupf erreicht hatte, ging es richtig los. Doch ein wenig überrascht über die heftigen Wassermassen, die hier vom Himmel stürzten, drückte sie das kleine flauschige Tierchen dichter an sich und sah zu ihrem Umhang. „Oh Mist!“ rief sie aus, setzte das kleine Wesen kurz auf dem Boden ab und rannte zur Feuerstelle, die bereits Wasserdurchtränkt war um ihren Umhang zu schnappen und ihn mit zum schützenden Blätterdach zu nehmen. Dort angekommen, warf sie sich den bereits nassen Umhang um, nahm das Tierchen wieder hoch, drückte es an ihre Brust, lehnte sich mit dem Rücken an den Baum und hob den Vogel mit ein wenig Moos als weiche Unterlage in die Kuhle zwischen ihren Beinen, die sich bildete, als sie sich im Schneidersitz hingesetzt hatte. Danach schlang sie den Umhang fast Zeltartig um ihren Körper, damit der Vogel und das Katzenwesen trocken blieben, denn vorhin gerade hatten einige Wassertropfen ihren Weg durch das Blätterdach in ihren Kragen gefunden und liefen gerade ihren Nacken herunter. Glücklicherweise hatte ihr Umhang eine Kapuze, auch wenn diese nicht viel bringen würde, zog sie sich über und tief ins Gesicht. Beruhigend strick sie über das Fell der völlig verängstigten Fellknäuls und kuschelte es dicht an sich. Auch dem Vogel strich sie zwischendurch sanft über den Kopf. Kurz wanderte ihr Blick zum Rucksack, den sie glücklicherweise mit einigen Blättern bedeckt hatte, sodass er sicher vor der Nässe wäre. Sie selbst aber wurde trotz Umhang ziemlich nass, was durchaus in einer Erkältung enden konnte. Aber wer weiss? Vielleicht würde sie Glück haben und der Regen würde bald nachlassen?

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Montag 3. Dezember 2012, 23:31

Das kümmerliche Mauzen des verschreckten Katzenwesens, das noch immer zusammengerollt und bibbernd auf Tsyalias Schoß lag, ging in dem ohrenbetäubenden Trommeln des Regens unter. Jeder einzelne Wassertropfen war Teil dieses gigantischen Zusammenspiels, erfüllte seine Rolle und klang nicht einzeln sondern gebündelt mit allen anderen, sodass jegliches andere Geräusch von dem Lärm verschluckt wurde. Einzig und allein die Gedanken der Halbelfe konnten sich gegen diese Übermacht beweisen und spiegelten sich in ihrem hübschen Gesicht wieder, welches leicht besorgt unter der Kapuze hervorspähte. Der Vogelangriff, die Spinnen die ihr - wie es ihr vorkam - viel zu oft in die Quere kamen und nun auch noch der Regen, dessen Schaden sich wohl erst noch herausstellen würde. Lag ihre Reise unter einem schlechten Stern? Oder hatte sie einfach nur Pech? Was auch immer davon zutraf - das Leben einer Abenteurerin hatte sie sich bisher immer ganz anders ausgemalt. Als sie Troman verlassen hatte, war sie in Gedanken zielstrebig auf große Heldentaten, ruhmreiche Reisen und epische Schatzsuchen zugegangen. Dass ihr Weg sie nun hierher geführt hatte - in diesen menschenfeindlichen, spinnenverseuchten Wald und in diese unangenehme Situation - dass hätte sie sich damals eingestehen wollen. Doch vielleicht musste es so sein, vielleicht war dies ja genau das, was man unter einem Abenteuer verstand. Womöglich fing jede der Geschichten, die ihr in ihrer Kindheit von ihrem Vater vor dem Einschlafen erzählt worden waren, mit einem Held oder einer Heldin an, die einsam, nass und frierend unter einem schwachen Unterstand im Regen hockte. Hatten sie aufgegeben? Nein! Und sie würde an ihnen ein Beispiel nehmen und es auch nicht tun!

Während die junge Jägerin sich stumm Mut zusprach und darauf hoffte, der Regen würde bald ein Ende nehmen, gab jemand anderes die Hoffnung auf die Flucht aus diesem aus Zufall entstandenen Gefängnis auf. Das Schwache Krächzen der Vogelmutter hatte keine Chance gegen das Tosen der anschwellenden Wassermassen, doch der Blick aus dem starren Auge des gefiederten Geschöpfs, ließ Tsyialia zu ihr hinunter sehen. Er wirkte anklagend, fast so als gäbe der Vogel ihr nicht nur die Schuld für den verletzten Flügel und die gestohlenen Eier, sondern auch den schweren Regen, der ihr nun da er an den Boden gefesselt war, auch im Handumdrehen zum Verhängnis werden konnte. Vermutlich konnte das Tier auch nur nicht verstehen, warum es immer noch am Leben war - schließlich war die Halbelfe ja nicht besonders zimperlich dabei gewesen, sie mit Pfeil und Bogen zu attackieren. Vielleicht war es so gesehen auch ganz froh über den überraschenden Regen, der die Zweibeinerin daran hinderte es über den Feuer zu braten - doch noch schien die Vogelmutter eine Art Gnadenfrist zu genießen, denn sehr wohl hatte sie gemerkt, was die Halbelfe da mit ihren Flügel gemacht hatte. Das Stück Stoff war ein Fremdkörper und als solcher kratze er und fühlte sich äußerst ungewohnt an, doch gab er dem verletzten Knochen auch Stabilität und verhinderte, dass der Schmerz noch in andere Teile des Vogelkörpers vordringen konnte. Trotzdem - dankbar sah die Vogelmutter auf keinen Fall aus.

Und nicht nur sie fühlte sich gerade äußerst unwohl in ihrer Haut und wäre am liebsten an einem anderen Ort. Das schlotternde Fellknäuel in Syas Armen wünschte sich nichts sehnlicher als wieder zurück bei seiner führsorglichen Mama zu sein, die ihm stets den Kopf und die Nase leckte, wenn er sich fürchtete und ihn ermunternd anstupste. Es konnte noch so viel Wasser vom Himmel fallen - bei ihr fühlte er sich sicher. Die Ersatz-Mama, die so seltsam roch und so komisch aussah tat zwar alles was sie konnte um das kleine Ding aufzumuntern, doch es war nicht das selbe. Sie hatte ihn nah an ihrem Körper schlafen lassen, an einer Stelle, die sehr warm und weich gewesen war und dem Tierchen sehr gefallen hatte. Auch das glibberige Essen, das zwar nicht so süß und gut wie das, was es bei seiner echten Mutter zu essen gegeben hatte gewesen war, hatte ihm geschmeckt. Doch hier und jetzt, beim tosenden Lärm des Monsuns, der in den feinen Ohren des Tierchens noch viel lauter klang, wollte es nur noch eins: zurück zu seiner Mama.

Als Sya gerade die Hand erhoben hatte um das Knäuel aus Haaren auf ihrem Schoss erneut durch das Fell zu streichen, entwand es sich sträubend aus ihrem Griff und sprang auf den Boden. Es sah sich noch einmal hektisch um, von dem Prasseln, dem Plätschern, dem Trommeln so verwirrt und verängstigt, dass es einfach nur noch weg wollte. Es flitzte nach draußen, fort von dem schützenden Unterstand und dem Dach aus Stoff. Sofort durchnässten ihn die ersten Regentropfen und es machte einen Satz, gefolgt von einem Laut das teils Wimmern, teils Kreischen war. Dann zischte es - nur das mehr ein unscharfer Strich seiner Gestalt zu sehen war davon, orientierungslos und von dem eiskalten Wasser ganz verrückt geworden, das klägliche Mauzen die Richtung angebend wohin es verschwunden war.
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Mittwoch 5. Dezember 2012, 18:17

Sya wusste schon jetzt, dass ihr dieser Regen überhaupt nicht gefiel. Doofer Regen. Doofer Urwald. Doofes Abenteuer. Doofes Alles. Ihr ging es mächtig auf den Sack, dass sie schon jetzt solche Turbulenzen erleben musste, und das stimmte sie missmutig und brummelig. Hätte sie einen Bart, würde sie da jetzt hinein murmeln, wie doof doch alles war. Aber das hatte sie nicht, und so schwieg sie, ganz nach Jägermanier vor sich hin und schielte unter dem Kapuzenrand hervor.
Aber die junge Jägerin dachte nicht mal daran umzukehren und ihr Abenteuer in den Wind zu werfen. Pah! Sie war schliesslich keines dieser zerbrechlichen kleinen Mädchen, die sich wegen allem an den Rockzipfel der Mutter klammerten oder ihre Männer anflehten sie zu beschützen! Sie konnte sehr wohl auf sich selbst aufpassen und auch gut diesen Wetterbedingungen trotzen.

Die beiden Tiere in ihren Armen taten ihr allerdings leid. Der kleine Puschel schlotterte am ganzen Körper und schien sich sehr zu fürchten. Die Vogelmutter, die nun eigentlich keine mehr war, sah sie anklagend an und krächzte leise. Wie lange sie noch durchhalten würde, war ungewiss. Beide Tierchen schienen sich sehr unwohl in ihrer Haut zu fühlen. Noch dazu war der kleine Puschel zu klein um das alles zu verstehen, um zu begreifen, warum seine Ziehmutter sich so von seiner Mutter unterschied, warum sie sich so seltsam und anders benahm, warum sie nicht wusste, wie man sich um ihn kümmerte. Aber wie sollte eine junge Halbelfe wie Sya es war denn auch wissen, wie sie sich um ein Tier zu kümmern hatte, dass normalerweise im Neldoreth vorkam, in der Heimat ihres Vaters? Sie wusste, wie sie mit Kühen, Hunden, Ziegen, Schafen, Schweinen und derartigem umgehen musste. Aber wie bitteschön sollte man sich um einen so kleinen getigerten Winzing kümmern? Sya war diesbezüglich ratlos und das machte sie irgendwie verrückt. Sie bemitleidete das arme Wesen und wollte sich wirklich gut um das Kleine kümmern, nur wusste sie eben nicht wie.

Gerade als sie es wieder einmal streicheln und so beruhigen wollte, sprang es aus von ihrem Schoss, direkt in den Regen, sah sich um und rannte dann davon. Von Panik ergriffen, sprang Sya sofort auf. Zum Glück hatte sie Vogelmutter zwischen ihren Beinen gelegen, sodass sie nicht bewegt wurde. „Kleiner! Komm zurück!“ rief sie dem Kleinen Tierchen hinterher, doch vergebens. Angst machte sich in ihr breit und sie rannte, ohne einen Blick zurück zu werfen, ohne ihren Bogen und die Pfeile zu nehmen, ohne den Rucksack zu schultern, nur mit den Dolchen bewaffnet den Lauten des Puschels nach. Es war selbst für sie, die sie doch geübt darin war, die kleinsten Geräusche wahrzunehmen, sehr schwierig das Maunzen und die Rufe des Kleinen auszumachen. Die Halbelfe versuchte das kleine Tierchen einzuholen, aber wenn sie es nicht sehen, sondern nur hören konnte, wurde das schwierig. Wenn es nicht regnen würde, könnte sie notfalls auch Spurenlesen, aber so verwischte der Regen jegliche Spuren, die das Kleine hinterlassen haben könnte. Also musste Sya auf ihr Gehör vertrauen und rannte, keuchte, hörte das Prasseln der Regentropfen auf den Blättern, hörte ihren eigenen Herzschlag, der ihr laut in den Ohren pochte und versuchte verzweifelt das Kleine ausfindig zu machen.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Sonntag 9. Dezember 2012, 20:35

Blind vor Angst raste das kleine Tierchen durch den Urwald, vorbei an riesigen Bäumen deren lange, dürre Äste sich nach ihm auszustrecken schienen, mitten durch Büsche, die es mit ihren spitzen Dornen kratzten und über Wurzeln, denen es auszuweichen galt. Über allem war dieses andauernde Trommeln und Grollen, das in den feinen Ohren des Katzenwesens schmerzte und es verrückt machte. Wohin es lief entschied es spontan, mal wich es einem größeren Tropfen aus und schwenkte in die eine Richtung, dann war da ein Baum im Weg und es ging weiter in die andere Richtung. Das verängstigte Ding hatte kein Ziel oder eine ungefähre Vorstellung, wo es vor den eisigen Wassermassen sicher sein würde, deshalb rannte es einfach weiter und hoffte darauf, das aus dem nichts seine Mama auftauchen würde, es mit ihrem Zähnen sanft am Genick packen und es an einen sicheren Ort bringen würde, so wie sie es früher immer gemacht hatte.

Unterdessen hetzte eine mittlerweile triefnasse Halbelfe durch den Wald, die Augen auf das Buschwerk vor ihr gerichtet, auf eine Bewegung hoffend, die ihr den Aufenthaltsort des flüchtenden Fellknäuels verraten würde. Die langen Ohren waren gespitzt und lauschten auf das ferne Maunzen des Tierchens, das jedoch in dem Tosen des Monsuns unterging. Wie sollte Tsyalia den armen Puschel nur wieder finden? Der Dschungel war riesig und wer wusste, wohin das Katzenwesen wohl laufen würde? Noch schien sie in die richtige Richtung unterwegs zu sein, doch was wenn das Tierchen umkehrte oder sich versteckte? Was wenn es sich verletzte, in eine Felsspalte fiel oder von einem wilden Raubtier entdeckt und gefressen wurde? So viele schlimme Dinge gingen der Jägerin vor Sorge durch den Kopf, dass sie sich zusammenreißen musste, den einen oder anderen Gedanken nicht zu Ende zu denken. Dem Fellknäuel ging es bestimmt gut, es hatte sich eben nur erschreckt. Wahrscheinlich suchte es auch nur nach seiner Mutter. Sie würde es schon finden, bestimmt. Wenn nur dieser verdammte Regen nicht wäre.

Ventha selbst schien wohl ihren Spaß mit der jungen Frau zu haben, denn der Regen legte sich fast augenblicklich. Genau so schnell wie es gekommen war, hörte es auf einmal auf wie aus Eimern zu schütten und was bieb war das leise Tropfen das vom Wald selbst rührte, welcher sich die Last des übrig gebliebenen Wassers von den Blättern zu schütteln schien. Die darauf folgende Stille war eine Wohltat für das Gehör und es dauerte nicht lange, da erwachten auch wieder die gewohnten Umgebungsgeräusche des Urwalds wieder, fast so als hätte es zuvor nicht für mehrere Minuten den Anschein gehabt, die Wolken würden sich über den Kapayu entladen und alles, was nicht verwurzelt war mit den schwallenden Wassermassen hinfort spülen.

Nur wenige hundert Meter von Sya entfernt öffnete ein kleines, verschrecktes Tierchen seine Augen und blinzelte. Vorsichtig hob es den Kopf, den es an das Fell seines Rückens gepresst hatte und löste den Schwanz, der wie ein Seil um seine Ohren geschlungen war. Es lauschte für einen Moment und wunderte sich über die plötzliche Stille, die im krassen Unterschied zu dem Inferno stand, vor dem er zu flüchten versucht hatte. Langsam erhob sich das Katzenwesen und schnupperte in der Luft, nahm so unbewusst Informationen auf, die er zwar nicht verstand, ihm sein Gehirn aber freundlicherweise übersetzte: Es war wieder sicher. Einen Augenblick blieb es unsicher stehen, tapste auf den Pfoten herum. Es konnte nun wieder zurück zu der Ersatz-Mutter. Die war zwar nicht seine richtige Mutter, aber sie war wohl das Wesen, das ihr am ähnlichsten kam. Außerdem war sie so weich und warm gewesen und hatte ihm dieses leckere Glibberzeug zu Fressen gegeben. Er war vermutlich bei ihr am Besten aufgehoben. Leise maunzend schüttelte das Tierchen sein Fell, sodass es kleine Wassertröpfchen versprühte, die in der Morgensonne aufglitzerten. Dann machte es sich auf, streckte die Pfote aus um sie auf den Boden vor sich zu setzen - doch dann erstarrte es. Unter seinem gefleckten Pfötchen war kein Boden, nur gähnende Leere die sich endlos hinzuziehen schien, mehrere Meter bis unendlich winzig unter ihm das Buschwerk des Urwalds zu sehen war. Instinktiv fuhr der Puschel seine Krallen aus, die sich in den Untergrund unter seinen Beinen bohrte. Es war Holz. Mit geweiteten Augen sah sich das Tierchen erschrocken um. Es war auf einem Ast, direkt hinter ihm der dicke Stamm eines Baumes, den es wohl in seiner Panik hinaufgeklettert war. Es konnte sich nicht mehr daran erinnern, war er doch so in Angst vor dem Donner und dem Regen gewesen. Das Katzenwesen begann zu zittern und kläglich zu maunzen, so laut, dass es auch zu der Halbelfe drang. Aus eigenen Kräften würde es wohl nicht mehr herunterkommen können.
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Montag 10. Dezember 2012, 09:54

Sya hatte keine Ahnung, wie sich das Kleine fühlte, aber es musste schreckliche Angst haben. Der grollende Donner klang schon in ihren Ohren bedrohlich und schmerzte ein wenig, wie würden dann die Ohren des Tierchens wehtun?
Bevor sie sich weiter in den Urwald wagte, ohne darauf zu achten, wo sie hinging und wo sie entlang kam, löste Sya einen der Dolche aus seiner Halterung und begann im vorbeirennen an den Stämmen der Bäume die Rinde einzuritzen, sodass sie hoffentlich im Nachhinein noch wusste, welchen Weg sie eingeschlagen hatte. „Oh bitte, mach, dass es dem kleinen Ding gut geht“ murmelte sie zu sich selbst. Dass sie mittlerweile bis auf die Haut durchnässt war, war ihr egal, sie hatte etwas, worum sie sich kümmern musste und das würde sie auch tun. Wenn dieser doofe Regen nicht wäre, dann könnte sie Spuren lesen und wüsste genau, wo das Tierchen hin gerannt war. Aber nein, der Himmel musste ihr ja einen Strich durch die Rechnung machen und sämtliches angestaute Wasser auf einmal über ihr entleeren.
Die Jägerin machte sich schreckliche Sorgen, denn dem hilflosen kleinen Ding konnte was weiss ich alles passieren. Es war so allein im riesigen Urwald, der Donner machte ihm bestimmt Angst und es lagen sicher auch riesige Raubtiere auf der Lauer, für die das Kleine nur ein gefundenes Fressen wäre.

Urplötzlich hörte es auf zu regnen. Die Jägerin blieb stehen und sah gen Himmel, den sie zwischen dem dichten Blattwerk kaum erkennen konnte. Als ihr ein Wassertropfen auf die Nasenspitze fiel, blinzelte sie, da ihr etwas Wasser in die Augen gekommen war. Kurz schüttelte sie den Kopf, rannte dann aber weiter, noch immer nahe der Panik. „Puschel! Komm her mein Kleines! Wo steckst du denn? Puuuuscheeeeel!“ rief sie, in der Hoffnung das Tierchen anlocken zu können, oder es dazu zu bewegen, irgendwelche Laute von sich zu geben. Ihr Rufen blieb ohne Erfolg und so langsam wuchs ihre Sorge.
Leise hörte sie ein klägliches Rufen, ein Maunzen, das ihr sehr bekannt vorkam. Erneut blieb sie stehen, diesmal um zu horchen und die genaue Richtung auszumachen. Gott, war sie dankbar für ihre Fähigkeiten und ihr gutes Gehör, denn diesmal würde es vielleicht ein Leben retten. In etwas langsameren Schritten ging die Halbelfe auf das Geräusch zu, blieb immer wieder stehen, da ihr pochendes Herz ihr in den Ohren dröhnte und das Rauschen ihres Blutes ihren Gehörsinn störte. Von der ganzen Rennerei war sie ein wenig ausser Atem, nicht weiter schlimm, aber es reichte, um sie leicht keuchen zu lassen.

Das Maunzen und Rufen des Kleinen wurde immer lauter und irgendwann war sie so nahe dran, dass sie sich wieder davon entfernte. Immer wieder ging sie zurück, ging in eine andere Richtung, nur um kurz darauf wieder zurück zu kommen. „Wo steckst du denn…?“ fragte sich die Halbelfe verwundert und runzelte nachdenklich die Stirn. Wenn nicht links, rechts, vorn, hinten, dann unten oder oben dachte sie und sah hoch, wo sie es endlich entdeckte. Das Tierchen war völlig verschreckt und sass zitternd auf einem Ast, einige Meter über dem Boden. „Na toll… Musstest du dir ausgerechnet einen Baum als Versteck suchen?“ seufzte Sya und begutachtete den Baumstamm. Nachdem sie sich ein wenig gesammelt hatte, begann sie den Baum hochzukraxeln, denn von Klettern konnte nicht die Rede sein, anmutig sah die Übung schon gar nicht aus, aber immerhin fiel sie nicht hinunter.
Es dauerte eine Weile, bis sie auf einem ersten Ast ankam, bei dem sie sich einen Moment lang ausruhte. Danach kletterte sie etappenweise weiter, bis zu dem Kleinen. Als sie sicher sass, nahm sie das Kleine in den Arm und kuschelte es an sich. „Was machst du denn für Sachen, hm…? Shhh… Ist ja gut… Ich bin ja da…“. Mit zusätzlichem Streicheln versuchte Sya es zu beruhigen und summte ihm sogar etwas Leises vor. Als es schien, dass sich das Kleine wieder etwas beruhigt hatte, sah sich die Halbelfe um. „Wie kommen wir jetzt hier wieder runter…?“ fragte sie sich. Nach kurzem Überlegen, stopfte sie das Tierchen praktisch in ihren Ausschnitt, so wie es auch schon geschlafen hatte und bedeutete ihm, in der Hoffnung, dass es verstand, dass es still bleiben und sich nicht bewegen soll.
Als das Kleine sicher an ihrer Brust Platz gefunden hatte, wagte sich Sya an den Abstieg. Die Kraft in ihrem linken, verletzten Arm liess schnell nach, da ihre Schulter vom Krallenangriff dieses dummen Vogels noch schmerzte. Als sie sich nur noch wenige Meter über dem Boden befanden, rutschte sie zudem noch ab und fiel so die restlichen Meter runter, prallte auf den Rücken und blieb erstmal nach Luft schnappend liegen, die Augen geweitet. Als sich ihre Lungen endlich wieder mit frischer Luft füllten, zitterte die Halbelfe vor Anstrengung, den rechten Arm noch immer um ihre Brust gelegt, da sie das Kleine hatte schützen wollen. Glücklicherweise hatte es nichts abbekommen, höchstens einen Schrecken. Langsam rappelte die Jägerin sich wieder auf und torkelte anfangs etwas in der Gegend herum, bis sie wieder gerade Gehen konnte und den Markierungen folgte. Hoffentlich fand sie den Weg zum Lager zurück…

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Montag 17. Dezember 2012, 00:46

Als Tsyalia ihrem Reflex und dem sich vielleicht langsam entwickelnden Hauch von Muttergefühl gefolgt und dem flüchtenden Fellknäuel hinterher gerannt war, hatte sie keinen Augenblick an ihren Besitz oder den verletzten Vogel gedacht. Es galt das kleine Tierchen zu retten, alles andere war unwichtig. So kam es, dass die Vogelmutter erschrocken aufkrächzte, als die junge Halbelfe hastig über sie hinweg stieg und sie dabei mit Wasser bespritzte, das sich in ihrem zerzausten Gefieder verfing. Schon wollten sich der Ärger und die Angst in ihr zu einem wütenden Protest gegen die Jägerin äußern, schon einmal hatte sie die junge Frau mit ihren Krallen verletzt. Doch selbst wenn das arme Federvieh die Kraft dazu gehabt hätte, waren die Füße der Halbelfe schon längst außer Reichweite einer weiteren Attacke. Träge folgten die schwarzen Augen den Lederstiefeln, die in den Wasserpfützen kleine Wellen erzeugten und schon bald im nahen Gebüsch verschwunden waren. Dann wandten sie sich ab und sahen zum Himmel hinauf. Dort gehörte sie hin. Frei ohne Grenzen, vor sich den Horizont, unter sich den grünen Teppich des Waldes, den Wind in den Flügeln. Der Vogel gurrte schwach, während er sich an den letzten Flug erinnerte, der schon so lange her zu sein schien. Tief in seinem inneren wusste er, dass er nie mehr fliegen würde...

Einstweilen schmiegte sich das durchnässte Puschel, noch immer zitternd, an Tsyalias Brust. Hier war es warm und weich und sicher - fast wie bei seiner Mutter. Der Herzschlag des Kleinen beruhigte sich ein wenig und als es Sya's Stimme gehört hatte, begann es laut zu Schnurren. Nicht für die Halbelfe, sondern für sich selbst, um sich selbst davon zu überzeugen, dass nun alles gut werden würde. Die Ersatzmama würde schon alles richten. Sie würde einen Weg finden sie beide wieder heil auf den Erdboden zu bringen, ganz bestimmt. Und das kalte Zeug aus seinem Fell, das würde sie auch wegmachen. Und etwas zu Essen würde sie ihm geben - nach dieser anstrengenden Rennerei und der unbewussten Kletterpartie war ihm eine kleine Mahlzeit nur recht.
Doch die Ersatzmama hatte derzeit andere Probleme so schien es. Das kleine Tierchen schwanke hin und her, stieß gegen Tsyalias Brüste und maunzte verärgert, da es für diese Wacklerei nun wirklich nichts übrig hatte. Plötzlich hörte es einen Laut des Erschreckens und spürte die Hand der Halbelfe, die es schützend an sich drückte. Das Katzenwesen kreischte schrill auf als es den Aufprall spürte - zwar vom Körper der Jägerin größtenteils abgefangen, aber dennoch stark genug um es tiefer in Tsyalias Ausschnitt zu pressen. Darauf hob und senkte sich die Brust der Ersatzmama einige Male heftig und das Tierchen begann wieder beruhigend zu Schnurren, diesmal auch für Sya, die offensichtlich selbst erschrocken war. Nach einiger Zeit schien sie sich wieder gefangen zu haben und das Schwanken begann von vorne. Der Puschel kuschelte sich wieder an die weichen Brüste, nicht wissend, dass ihn viele Männer um diese angenehme Position beneiden würden. Es nieste leise, schüttelte sich dann - und nieste erneut. So richtig warm wollte ihn in seinem nassen Fell nicht werden.

Die Vogelmutter hatte sich in der Zwischenzeit nicht vom Fleck bewegt - wie konnte sie auch. Sie starrte immer noch zum Himmel empor. Die Wolken hatten sich wieder verzogen und die Sonne zeigte sich. Die Sonne, dieses großzügige Ding, dass ihre wohltuenden Strahlen mit allen Lebewesen des Waldes teilen wollte. Wie gerne wäre sie nun zu ihr hinaufgeflogen, hätte die Wärme in den Federn gespürt. Doch sie lag am Boden, im Schatten, unfähig sich zu bewegen. Sie würde die Sonne nur noch von dieser Perspektive aus sehen können - mit der quälenden Gewissheit, dass sie von hier aus nur ein Bruchteil ihrer Schönheit offenbarte.
Plötzlich schob sich etwas von der Seite in ihr Blickfeld, verdeckte den Himmel und verdunkelte die Sonne. Mit starren Blick sah die Vogelmutter zu dem schmalen Gesicht auf, dessen Einzelheiten sie nicht erkennen konnte. Nur die spitzen Ohren erkannte sie sofort. Schweigend blickte sie zu dem Fremden empor und er sah zurück. Sie erkannte den schmalen Gegenstand, den er langsam über den Kopf hob. Es war genau so ein Ding wie jene, die die Halbelfe nach ihr geworfen hatte. Doch diesmal hatte sie keinerlei Chance, der Waffe auszuweichen. Das wusste sie auch. Gebannt von dem leichten Blitzen des Stahles, das durch eine Brechung eines Sonnenstrahls entstand, schaute sie unverwandt hoch. „Auf das Phaun und Florencia dir neue Flügel geben.“ Die helle Stimme klang traurig und bedauernd, zugleich schwang in ihr jedoch auch ein melodischer Singsang mit, der den Worten eine gewisse Feierlichkeit gab. Die Vogelmutter wusste nicht, was sie bedeuteten, doch das musste sie auch nicht. Sie spürte keinerlei Schmerz, als der Dolch ihre Haut durchstieß, in ihre Brust drang und geradewegs ins Herz fuhr. Auch fühlte sie keine Angst oder Bedauern.
Das einzige was blieb als die Sicht schwand und sie in die Dunkelheit sank, war der Gedanke ans Fliegen...

Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Dienstag 18. Dezember 2012, 18:36

Sya wusste, dass sich nicht die beste im Klettern war, aber sie würde das Kleine und sich selbst hier sicher runter bringen. Wie das Tierchen hier hochgekommen war, blieb ihr ein Rätsel. Ihr war zwar bekannt, dass Katzenwesen, oder was auch immer das hier war, gut klettern konnten, aber solche Höhen hochzuklettern und sich auf einem Ast zu verschanzen, das war neu für sie.

Nachdem sie sich etwas vom hochklettern erholt und dafür gesorgt hatte, dass das kleine Tier es schön weich und warm an ihrer Brust hatte, begann sie mit dem Abstieg. Es war keineswegs einfach an einem nassen Baumstamm halt zu finden um sicher runter zu kommen. So passierte es dann auch, dass sie auf den letzten paar Metern über dem Boden ausrutschte und mit dem Rücken aufschlug. Die Luft wurde ruckartig aus ihren Lungen gepresst und wie es so üblich ist, wenn man so hinfällt, fiel ihr erstmal das Atmen schwer. Sie war froh, die Klagelaute des Puschels zu hören, denn das zeigte ihr, dass es ihm gut ging. Vor allem, wenn es so protestieren konnte - wer so meckerte, dem fehlte es kaum an was. Langsam strich sie mit dem Zeigefinger über das kleine Köpfchen, das aus ihrem Ausschnitt heraus lugte und lächelte sanft. Dann setzte sie sich wieder auf und versuchte den Weg zum Lager zurück zu finden. Froh, dass der Regen aufgehört hatte, war sie auf jeden Fall, aber das kleine Ding, dass es sich zwischen ihren Brüsten bequem gemacht hatte, hatte ein nasses und kühles Fell, was ihr nicht so recht passte. Sie würde sich nachher um das Trocknen kümmern müssen. Und sie selbst, sollte auch wieder trockene Kleidung anziehen. Nur hatte sie nichts dergleichen, wer hätte auch gedacht, dass sie Ersatzkleidung benötigen würde? Sya zumindest nicht, also hatte sie nur das dabei, was sie am Körper trug. So war es auch einfach zu Reisen, denn dadurch sparte sie etwas Gewicht.

Was in der Zeit, in der sie zum Lager zurück ging mit dem Vogel passierte, entging ihr. Erstmal musste sie ihre Hinweise wieder finden. Teilweise hatte sie im vorbeigehen nicht genügend stark in die Baumrinde geritzt, sodass der kleine Schlitz kaum sichtbar war, was ihr die Suche nach dem richtigen Weg erschwerte.
Trotz allem dauerte es nicht allzu lange, selbst mit dem langsamen Tempo, dass sie wegen des Tierchens bei ihr angesetzt hatte. Als sie allerdings einige Meter von der Lichtung entfernt war, blieb sie stehen. Wenn sie sich nicht täuschte, hatte sie durch das Blattwerk jemanden gesehen. Dieser Jemand war gerade an ihrem Lager.
Ganz die Jägerin duckte sie sich, zückte ihre Dolche und schlich sich lautlos an die Lichtung heran. Noch im Schutz des Dickichts warf sie eine der scharfen Klingen nach dem Fremden und zielte dabei auf die Wade, die ihr am nächsten war. Den zweiten Dolch behielt sie in der Hand, bereit zum Kampf. Ohne ein Geräusch von sich zu geben und inständig hoffend, dass das kleine Fellknäul dies auch nicht tun würde, verharrte sie in ihrer Position, geschützt durch die Umgebung und beobachtete den Fremden.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Samstag 29. Dezember 2012, 00:25

Als der letzte Herzschlag der Vogelmutter unter den Händen des Fremden verklungen war, zog er den Dolch aus deren Brust und säuberte ihn gewissenhaft in der Wasserlacke neben ihm. Während er das tat ruhten seine bernsteinfarbenen Augen immer noch auf dem toten Körper vor ihm. Trauer und Mitleid lag in diesem Blick - mit einer Intension die nach seiner scheinbar spontanen Tat kaum nachvollziehbar zu sein schien. Als er mit der Reinigung der Klinge fertig war, steckte er sie wieder weg, hob den Vogel behutsam hoch, sah sich einen Moment suchend um und bettete ihn dann sanft auf einen kleinen Felsen, der hell von der Sonne beschienen wurde. Er verblieb einen Moment schweigend neben dem Stein, seine Lippen bewegten sich lautlos, als rezitiere er in Gedanken ein Gebet. Dann wandte er sich ab und nahm den spärlichen Unterschlupf aus Ästen und Zweigen ins Auge. Er runzelte die Stirn und trat einen Schritt darauf zu, dann bückte er sich und zog Tsyalias Rucksack, sowie ihren Bogen und den Köcher mit den Pfeilen daraus hervor. Die langen Finger des Fremden strichen nachdenklich über die feine Waffe. Irgendetwas an ihr schien ihn zu verwirren.

Ein leises Sirren ertönte - von Menschen oder anderen unachtsamen Rassen kaum hörbar - und die spitzen Ohren des Fremdlings zuckten leicht. Was dann geschah, spielte sich in nur wenigen Sekundenbruchteilen ab.
Der Dolch, den die Halbelfe nach dem vermeintlichen Eindringling geworfen hatte durchbrach die Blätterwand der Lichtung und sauste zielsicher auf dessen linkes Bein zu. Aber statt die Wade des Fremden zu verletzen, bohrte sich die Klinge in die Wurzel eines Baumes. Doch die junge Halbelfe hatte nicht danebengeworfen, noch hatten sie ihre Zielfähigkeiten in Stich gelassen. Der Fremde war gesprungen, dem Geschoss ausgewichen. Doch mehr als diese Tatsache schien sie noch etwas Weiteres zu beschäftigen: Wo war die Gestalt hin?
Wo der Fremde vor ihren Angriff gestanden hatte, war nun nichts mehr zu sehen. Wortwörtlich nichts. Keine Fußabdrücke und keine weiteren Spuren. Nichts. Wie konnte das möglich sein? Der Boden war vom Regen aufgeweicht und an den Stellen, wo das Wasser sich nicht schon zu Pfützen gesammelt hatte, gab es Schlamm, der doch zumindest Auskunft nach dem Verbleib ihres Gegners haben müsste. Doch es war nichts zu finden. Seltsam.

Plötzlich ertönte ein leises Niesen, direkt unter Tsyalias Kinn. Das Katzenwesen in ihrem Ausschnitt hatte sich nicht mehr beherrschen können und rieb nun die verklebte Nase genüsslich an den Brüsten der Halbelfe ab. Das Geräusch war nicht besonders laut gewesen, dennoch klang es in der angespannten Stille wie das Donnern der Blitze, die vor wenigen Minuten zuvor noch den Wald erbeben hatten lassen. Hoffentlich hatte es der Fremde nicht gehört, denn bestimmt versteckte er sich irgendwo am anderen Ende der Lichtung, wartete darauf, dass sie sich zeigte. Doch wenn sie hier, hinter dem Schutz der Bäume und Sträucher des Waldes blieb, konnte er sie nicht ausmachen...oder?
Die Antwort auf diese ungestellte Frage erübrigte sich, als sie über sich ein lautes Rascheln vernahm und sich gleich darauf ein Schatten über sie legte. Lose Blätter fielen von den Ästen als die schemenhafte Gestalt des Fremden grazil vor ihr auf den Boden aufkam, die Beine geschickt abgewinkelt, eine Hand auf den feuchten Boden abgestützt, die andere griff an seine Seite. Bevor sich die Jägerin wehren konnte, wurde ihr der verbliebene Dolch aus der Hand geschlagen und sie selbst wurde gegen einen Baumstamm gepresst. Vor ihr blitzte etwas auf und im nächsten Moment spürte sie eine zweifellos scharfe Klinge die ihr an Hals gedrückt wurde. Von den unvorhersehbaren Ereignis noch immer etwas betäubt, hörte sie eine drohende Stimme an ihrem Ohr, die sich zwar offensichtlich feindselig anhörte, diese Emotion sich jedoch nicht auf den melodischen Klang auswirkte. „Ihr mordet, ihr versklavt, ihr nehmt uns die Heimat. Nicht einmal der Wald ist vor euch sicher, ihr Ausgeburten der Finsternis!“

Mandelförmige Augen starrten Tsyalia ins Gesicht, schienen ihr direkt in die Seele sehen zu können. Wie zwei leuchtende Bernsteine hoben sie sich vom Gesicht ihres Angreifers ab, sodass alles andere von ihnen überschattet wurde. In ihnen lagen Gefühle verborgen, die die junge Halbelfe noch nie zuvor so intensiv erlebt hatte. Blinde Wut, ruheloser Zorn aber auch Leid sowie Schmerz und Kummer. Der Blick des Fremden hielt sie wohl mehr gefangen als sein Griff, der sich durch eine glückliche Fügung sofort lösen würde.
In Tsyalias Dekollete nämlich regte sich etwas. Das Kleine Fellknäuel hatte sehr wohl gemerkt, dass dort draußen, in der Welt fern dieses warmen Unterschlupfes etwas vorging. Es spürte das etwas nicht stimmte und da war es wohl am naheliegensten den Kopf einmal vorsichtig aus dem Versteck zu heben um nachzusehen, was da wohl los war. Das tat das Katzenwesen auch und es gefiel ihm überhaupt nicht, was der Fremdling mit ihrer Ersatz-Mama da machte. Sie war für ihn dagewesen als er Hilfe gebraucht hatte, deswegen fand es das Fellknäuel nun an der Zeit ihr zu helfen. Mit einem lauten Fauchen schlug es mit ausgezogenen Krallen nach dem Arm des Angreifers und hinterließ dort mehrere blutige Striemen.

Dieser schrie leicht auf, mehr aus Überraschung als aus Schmerz und sprang seinem Reflex folgend einen Schritt zurück, hinaus ins Licht, sodass Sya erstmals ihren Angreifer in Augenschein nehmen konnte. Es war ein Elf, spätestens jetzt, als sie die schmalen Gesichtszüge und die spitzen Ohren erkennen konnte war es eindeutig, auch wenn die übermenschliche Agilität ihres Angreifers schon darauf hingewiesen hatte. Ihr Gegenüber hatte tiefbraunes Haar, das ihm seitlich bis zu den Schultern und hinten bis zum Rücken reichte. Sein Gesicht war mit Zeichen verziert, die entweder aufgemalt oder tätowiert waren und ihm ein animalisches Aussehen gaben. Der Elf trug eine Rüstung aus Leder, die perfekt zu der Farbe der Baumrinden um ihn herum passte und ihm so wohl auch zu Tarnung gereichten. Auf seinem Rücken an einem Gurt befestigt konnte Tsyalia einen Bogen erhaschen, der in der Bauweise ihrem eigenen sehr stark ähnelte, sowie einen Köcher mit mehren Pfeilen. In seiner rechten hielt er eine Art Schwert, das jedoch stark gekrümmt war und so mehr einem Säbel ähnelte.
Als sich ihre Blicke trafen veränderte sich etwas an seinem Gehabe. Die schwarzen Linien und Muster spalteten sich, als er die Stirn in Falten legte und langsam die Waffe senkte. Er schien die Halbelfe von oben bis unten zu mustern, noch immer angespannt doch seine Angriffslust schien mit einem Mal abgenommen zu haben. „Ihr...seid kein Dunkelelf...“ Er sprach nun Celcianisch, sodass Sya seine Worte verstehen konnte. Mit einer fließenden Bewegung ließ der Elf das Schwert zurück in seine Scheide gleiten, behielt die Hand aber auf dem Griff, sollte sein gegenüber doch eine Gefahr darstellen. Seine Augen ruhten auf der Halbelfe, bereit ihr wieder an die Kehle zu gehen, wenn sie sich nach dem Dolch am Boden bückte oder eine andere Dummheit begehen wollte. „Warum habt ihr mich aus dem Hinterhalt angegriffen? Sprecht - oder schweigt, wenn Ihr nichts Ehrliches zu sagen habt!“
Versteckt:Versteckten Text anzeigen
Bild
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Samstag 29. Dezember 2012, 10:03

Der Elf hatte sie mehr als überrascht. Noch nie war jemand so schnell ihrem Dolch ausgewichen, nie hatte ein Mensch es geschafft ihr einen einfach aus der Hand zu schlagen! Das alles gleich auf ein Mal, überforderte Sya etwas, sodass sie, als der Fremde sie an einen Baumstamm presste und eine Klinge an ihren Hals hielt, sich erstmal nicht bewegte. Sie war wie gelähmt und blinzelte ihn überrascht an, während sie in seine leuchtenden Augen sah.
Gerade als sie sich wieder gefasst hatte und dem eindeutig männlichen Wesen das Knie zwischen die Beine rammen wollte, machte sich das kleine Fellknäul zwischen ihren Brüsten bemerkbar und verteidigte sie fauchend. Ein leises lächeln umspielte Syas Lippen und sie strich sachte über den kleinen Kopf, der herausragte. "Shh.... Ganz ruhig, mein Kleiner..." murmelte sie leise, sodass es kaum hörbar war.

Als sie den Blick hob, um den Fremden anzusehen, der inzwischen einen Satz zurück gemacht, sowie seine Klinge wieder eingesteckt hatte, wirkte sie kühl. "Ich habe dich aus dem Hinterhalt angegriffen? Dann sag mir mal, ob du nicht ähnlich oder gleich gehandelt hättest, wenn du siehst, dass sich jemand Fremdes an deinem Lager befindet!? Pff... Und du kannst aufhören so hochgestochen zu reden. Das hasse ich. Und selbstverständlich bin ich kein Dunkelelf!" Ihre grünen Augen blitzen den Eindringling ein wenig böse und feindseelig an. "Falls du es nicht bemerkt hast, ich hab' meinen Dolch lediglich auf deine Beine gerichtet, du den deinen gleich an meine Kehle gesetzt, bereit mir den Garaus zu machen! Was ist da hinterhältiger? Dein Angriff, oder meiner?" Ob bewusst oder nicht, Sya dutzt den anderen Elfen einfach und ohne zu zögern. Aber das Beste; nachdem sie ihre Worte gesprochen hatte, streckte sie ihm einfach die Zunge raus, beugte sich rasch nach ihrem Dolch und steckte ihn sofort in seine Scheide, sodass der dumme Angreifer nicht noch auf die Idee kam, wieder mit seinem Messer herumzufuchteln.

Während sie beruhigend das kleine Köpfchen des Puschels an ihrer Brust strich und kraulte, ging sie am Elfen vorbei zurück zu ihrem Lager und rammte mit ihrer Schulter gegen seine - absichtlich. Ob sie ihn traf konnte sie nicht ahnen, denn er bewegte sich schliesslich unheimlich schnell und vielleicht wich er ihr einfach aus.

Als sie den Vogel entdeckte, wurde ihr Blick traurig und bedauernd. Dennoch wusste sie, dass es das Beste war, wenn die Vogelmutter nicht mehr litt. Kurz strich sie über den kleinen gefiederten Kopf und seufzte danach leise. Schliesslich ging sie weiter zu ihrem Lager. Vielleicht war es nicht das Beste dem Fremden den Rücken zuzukehren, aber ihre Ohren war auch nicht gerade schlecht und sie hatte nicht das Gefühl, dass von ihm eine Gefahr ausging.
Als ihr Rucksack in griffnähe war, hangelte sie nach den zwei kleinen Eiern, die noch übrig waren, suchte mit dem Blick kurz den zweiten Dolch, ging auf die Wurzel zu, in der er stecken geblieben war, zog ihn aus dem feuchten Holz und ging in die Hocke. Vorsichtig fischte sie das kleine Wesen aus ihrem Dekoltée und setzte es auf ihren Oberschenkeln ab. Sanft lächelnd öffnete sie die Eier wie schon vorhin und hielt sie dem Kleinen hin, damit es sie ausschlürfen konnte.
Aus den Augenwinkeln heraus, beobachtete sie den Fremden und musterte ihn von oben bis unten. Was genau er war, konnte sie nicht sagen, das bereuhte sie jetzt. Sie kannte sich kaum aus mit all den Völkern, ihren Sitten, selbst Tiere und Pflanzen waren ihr so viele nicht bekannt. Bei ihrem nächsten Aufenthalt in einer Stadt würde sie sich ein Buch kaufen oder sich in einer Bibliothek informieren. Vielleicht konnte Sya sich Notizen machen, die sie anstelle eines dicken Buchs mit zu vielen Informationen mitnehmen konnte. Sie brauchte vielleicht auch einen neuen Umhang, einer, der Wasserabweisend war und vielleicht auch etwas wärmer.
Der Blick der Halbelfe wanderte wieder zu dem Tier vor ihr und sie lächelte sanft. Das Kleine war ihr schon nach so kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen.

Nach einer Weile blickte sie wieder zu dem Fremden und sah ihn skeptisch an. "Was stehst du denn da noch so rum? Was willst du überhaupt hier? Wer bist du?"

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Dienstag 8. Januar 2013, 23:18

Dem Elfen war es anzusehen, dass ihm das Verhalten der jungen Frau ein Rätsel war - mehr noch - sie schien ihn ernsthaft zu verwirren und ihr empörtes Verhalten ließ ihn beinahe daran zweifeln, dass er derjenige war, der sich vor wenigen Augenblicken noch gezwungen gefühlt hatte sich gegen einen hinterhältigen Angriff zu wehren. Stumm sah er sie aus seinen bernsteinfarbenen Mandelaugen an und versuchte gerade zu entscheiden, was an ihr am skurrilsten war. Da war einmal die Tatsache, wie sie mit ihm sprach. In ihrer hübschen Stimme, die im normalen Zustand wohl durchaus zum Zuhören verleiteten konnte, schwangen Wut und Entrüstung mit, die die Luft um sie beide herum fast schon zu Knistern brachte. Und nicht genug, dass sie ihn einfach ohne weiteres duzte, als wäre er ein Kind oder ein Narr der es nicht wert war mit Respekt behandelt zu werden, so regte sie sich auch noch über seine Art zu Sprechen auf.

Der ausdruckslose Blick des Fremden wanderte über Tsyalia und musterte sie erneut, nun etwas genauer. Er wanderte von ihren leicht schräg gestellten Augen, die denen des Mannes im Ansatz leicht ähnelten, zu ihren Ohren, die zwar nicht ganz so spitz wie die eines Elfen waren, aber dennoch deutlich größer als die anderer Rassen. Zudem offenbarten ihm die vergleichsmäßig breiten Wangenknochen und der in ihrem Celcianisch leicht mitschwingendem Akzent die menschliche Herkunft seines Gegenübers - was für ihn nur noch weitere Rätsel aufwarf.

Als Tsyalia ihn anrempelte, wich der Elf nicht zurück sondern hob nur eine seiner schön geschwungenen Brauen. Es war ihm anzusehen, dass er über ihr Verhalten ziemlich verärgert war, doch schien er sich aus irgendeinem Grund zurückzuhalten, fast als würde er sich auf eine alte Tugend besinnen, die über den Umgang mit Fremden besagte, dass Geduld und Zurückhaltung der richtige Weg zum gegenseitigen Verständnis sei. So ließ er diese Geste des Trotzes über sich ergehen und nahm den kleinen Stoß ohne sichtbare Regung seiner starren Miene hin, der sowieso mehr der Halbelfe selbst schadete, denn die hatte ihre verletzte Schulter scheinbar schon wieder vergessen - ein Fehler, denn sie mit einem schmerzhaftem Stechen bezahlen musste. Doch natürlich ließ sie sich nichts anmerken, denn dem merkwürdigem Elf wollte sie natürlich keine Schwäche preisgeben.

Immer noch folgten die bernsteinfarbenen Augen ihren Bewegungen, wie sie den Vogel noch ein letztes Mal streichelte. Erstmals ging eine Regung durch das starre Gesicht des Elfen. „Ihr hättet ihn gleich töten sollen, als Ihr die Gelegenheit dazu hattet. Es war edel von Euch, seine Wunden zu verbinden, doch hättet Ihr wissen müssen, dass Ihr ihm dadurch nicht helfen würdet. Selbst wenn er die Verletzung überlebt hätte, so wäre es doch ein armseliges Leben in den Schatten der Bäume, für ein Wesen, dass es gewohnt ist sie unter sich ausgebreitet zu sehen.“ Mit der einen Hand strich er scheinbar geistesabwesend über die roten Kratzer an seinem Arm. „Und auch ein Eon-Junges hat seinen Platz. Normalerweise ist dieser jedoch nicht zwischen den Brüsten einer Frau, sondern an der Seite seines Muttertieres.“ In seiner Stimmlage konnte man die Missbilligung über solch grobe Missachtungen der Regeln der Natur erahnen, doch ließ er sich nicht dazu hinreißen sie noch mehr zu kritisieren, sondern sah ihr weiterhin zu wie sie den munter mauzenden Fellknäuel versorgte und schien darauf zu warten, dass sie sich wieder an ihn wenden würde. Als sie es tat, feindselig und angriffslustig, antwortete er ihr mit ruhiger, klarer Stimme.

„Mein Name ist Feoden Dralion, ich bin Jäger und Elf der Neldoreth und ich stehe noch hier, weil ich der Meinung bin, dass Ihr nicht recht begreift, was in diesem Wald zurzeit vorgeht.“ Seine Gelassenheit im Angesicht Tsyalia's Kaltschnäuzigkeit war bewundernswert. „Offensichtlich nehmt Ihr mir es übel, dass ich Euch so unwirsch behandelt habe. Ich bezweifle zwar, dass Euch meine Entschuldigung besänftigt, dennoch bitte ich Euch mir diesen Vorfall zu verzeihen.“ Es klang ehrlich, auch wenn nicht gerade echtes Bedauern in seiner Stimme mitschwang. „Aber Ihr müsst wissen, dass dieser Wald nicht mehr sicher ist. Das dunkle Volk hat seine Hand nach ihm ausgestreckt.“ Erstmals sah Tsyalia die ausdruckslose Miene des Elfen für einen Moment bröckeln, als sich ein Schatten auf sein Gesicht legte „Die Dunkelelfen haben das Dorf Neryan angegriffen...wen sie nicht sofort töteten, sperrten sie in Käfige und verschleppten sie.“ Die Knöchel an der Hand des Elfen wurden weiß, als er die Faust um den Säbel an seiner Seite ballte. „Sie haben meine Frau...und meinen Sohn mitgenommen. Ich war auf der Jagd als ich ihre Schreie hörte...als ich im Dorf ankam, waren sie schon verschwunden...und alles niedergebrannt...“ Er verstummte und sein Blick verlor sich im Nirgendwo. Für mehrere Momente herrschte Stille, dann schien er sich wieder einigermaßen gefasst zu haben und war beinahe wieder zu seiner alten Unbekümmertheit zurückgekehrt - auch wenn Sya nun wusste, dass diese nur aufgesetzt war. „Ihr mögt nicht viel von meinen Worten halten aber hört auf meinen Rat: Kehrt um. Der Wald ist gefährlich, vor allen für jemanden, der hier nicht heimisch ist. Kehrt um, oder Ihr läuft Gefahr vom dunklen Volk eingefangen zu werden. Und auch wir wenigen hinterbliebenen Elfen können euch nicht für eure Sicherheit garantieren, wenn Ihr uns angreift und Ihr euch so fälschlich als unser Feind preisgebt.“
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Sonntag 13. Januar 2013, 14:49

Sya bemerkte sehr wohl, dass der Fremde sie beobachtete und wohl abschätzte, wie er auf sie reagieren sollte. Es war ihr allerdings egal, was er von ihr dachte. Falls er sie für unhöflich befand, so interessierte sie das nicht. Jedenfalls machte sie sich keine Sorgen darum, dass sie ihn ziemlich respektlos behandelte, so wie sie ihn ohneweiteres duzte. Trotzdem, solche Typen, die so hochgestochen sprachen regten sie nunmal auf.
Ihr Aussehen schien ihn etwas zu verwirren. Vielleicht hat er noch nie eine Halbelfe gesehen...? dachte sie sich.

Als sie ihn anrempelte, war ihr tatsächlich entfallen, dass ihre verletzte Schulter dies wohl nicht ohne Protest mitmachen würde. So verzog sie danach kurz das Gesicht, fasste sich aber wieder, da sie ihm ihre momentane Schwäche nicht auf den Silbertablett präsentieren wollte. Schliesslich hatte er sie eben noch angegriffen. Besser sie riskierte nichts.

Während sie ein letztes Mal über den leblosen Körper des Vogels strich, sprach der Fremde zu ihr. "Ich weiss... Trotzdem habe ich es irgendwie nicht übers Herz gebracht, sie zu töten...". Als er allerdings von dem kleinen Wesen, das sich an ihren Körper schmiegte sprach, sah sie ihn wütend an. "Was weisst du schon?! Das Kleine ist mir nachgelaufen. Ich hab es seiner natürlichen Umgebung nicht weggenommen! Es bleibt freiwillig bei mir und wäre verhungert, wenn ich nicht versucht hätte es irgendwie zu füttern. Ich habe keine Ahnung von diesen Tieren, diesen Eon, wie du sie nennst. Deshalb ist es auch verdammt schwer, für das Kleine zu sorgen. Aber wenn du meinst, dass du alles besser kannst, dann bitte. Such seine Mama, bring das Kleine hier zu ihr und du hast das Tierchen vor der grossen bösen Halbelfe gerettet, die es zwischen ihren Brüsten herumträgt, weil es sich dort wohlfühlt und ich es so am besten transportieren kann." Ihr wütender Blick glitt über das schöne Gesicht des Fremden. Wie konnte er es wagen, sie so anschludigend anzusehen? Sie hatte schliesslich nichts falsch gemacht und das Fellknäul war bei ihr geblieben.

Schlieslich stellte er sich endlich vor und als er bekannt gab, dass er ein Elf der Neldoreth sei, wanderten Syas Augenbrauen in die Höhe und sie sah ihn überrascht an. Wenn sie ihn genauer betrachtete... Ja, er hatte einige Ähnlichkeiten mit ihrem Vater. Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen, ihr Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Vielleicht könnte sie mit diesem Artgenossen mehr über die Welt der Elfen erfahren? Mehr über ihr Volk väterlicherseits? Das alles war so aufregend und mit einem schlag schien ihr Abenteuer richtig zu beginnen.
Als er vom dunklen Volk erzählte, runzelte Sya die Stirn und lauschte seinen Worten. Nachdem er geendet hatte, schloss sie kurz die Augen, setzte das Fellknäul von ihrem Schoss auf den Boden, strich kurz über seinen Kopf und stand auf. Mit langsamen und langen Schritten ging sie auf Feoden zu, streckte ihm die Hand entgegen und lächelte sachte, mit einer Spur Freundlichkeit. "Ich bin Tsyalia Laszetaseu. Ebenfalls Jägerin, allerdings zurzeit auf Abenteuersuche. Mein Vater ist ebenfalls ein Elf der Neldoreth, so wie du auch. Meine Mutter ist allerdings Grandessanerin, deshalb das weniger elfische Aussehen..." Ein Grinsen huschte über das schöne Gesicht der Halbelfe, verschwand dann aber wieder und sie sah ihm tief in die Augen. "Ich bedaure, was dir, deiner Familie und deinem Dorf angetan wurde. Dennoch werde ich nicht auf dich hören. Ich will nicht umkehren. Falls es eine Möglichkeit gibt dir und deinesgleichen zu helfen, die Gefangenen zu befreien, dann würde ich mich gerne zur Verfügung stellen. Ich bin sicher nicht ganz so Flink und Geschickt wie du... Trotzdem würde ich dir gerne helfen, deine Frau und deinen Sohn zu befreien. Nehmt ihr meine Hilfe an...?"
Eine nahezu unheimliche Stille legte sich über die Beiden. Nur weit entfernt hörte man einige Tiere rufen, der Wind brachte die Blätter der Bäume zum rascheln und strich sanft durch die Haare der beiden Elfen. Syas grüne Augen ruhten auf den bernsteinfarbenen Feodens und funkelten in jugendlicher Neugierde und voller Tatendrang.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Samstag 19. Januar 2013, 17:55

Ihr Sinneswandel schien so prompt und plötzlich von Statten gegangen sein, dass selbst die junge Halbelfe darüber verwundert zu sein schien. Doch nur ein Gedanke an die Tatsache, dass sie einen waschechten Neldorethischen Elfen - einen Angehörigen des Volkes ihres Vaters vor sich hatte - ließ scheinbar jede aufgesetzte Feindseligkeit ihm gegenüber verblassen. Der Fremde, dieser Feoden, konnte ihr so viele Fragen beantworten. Wie lebten die Elfen, was waren ihre Bräuche, wie feierten sie, wie suchten sie ihre Partner, was waren die höchsten Ziele, die man in ihren Augen erreichen konnte, was war gut, was schlecht und wie lange lebten sie eigentlich? So viele Fragen schwirrten im Kopf der Halbelfe herum, die es zu beantworten galt. Doch jetzt schien nicht die richtige Zeit dafür und natürlich dürfte sie auch nicht vergessen, dass der Elf noch immer von der Zerstörung seines Dorfes beeinträchtigt wurde.

Wovon er sprach klang furchtbar. Tsyalia hatte natürlich vom Dunklen Volk gehört. Die finsteren Geschichten von den Dunkelelfen und ihren blutrünstigen Orkschergen waren auch in Troman allseits bekannt. Vielleicht machte die Tatsache, dass die Erzählungen gerne auch einmal ausgeschmückt um sie noch blutiger und damit noch furchteinflößender zu machen, sie nicht mehr allzu glaubwürdig, doch musste selbstverständlich auch etwas wahres an ihnen sein. Und hier war sie also, mitten im Urwald der außer wilden Tieren auch noch diese Art von Monstern beherbergen sollte? Es schien fast so als würde sie an ihr Gesuch nach einem Abenteuer erinnert, dass sie noch vor wenigen Tagen geäußert hatte, als sie den Rand des Kapayu hinter sich ließ. Jetzt wurde es wohl erhört...auf die eine oder andere Weise...

Als Tsyalia ihre Hand ausstreckte und dem Elfen hinhielt, war es einen Moment nicht ersichtlich, wie dieser reagieren würde. Wie immer war seine Miene unergründlich und auch die bernsteinfarbenen Augen verrieten nichts über die Gedanken des Elfen. War er beleidigt? Vielleicht hatte sie ihn mit ihren vorigen harschen Worten so sehr erzürnt, dass er nun mehr nichts mit ihr zu tun haben wollte und froh wäre, wenn sie sich wohl endlich entfernen würde.
Doch bevor sie sich Sorgen musste, erwiderte Feoden ihre Geste und schlug ein. Er griff nicht fest zu und seine Hand lag viel mehr in ihrer, als umgekehrt, doch konnte sie deutlich die Kraft in den schmalen Fingern und dem grazielen Handballen fühlen. Sie schüttelten sich kurz die Hände, dann ließ Feoden sie wieder sinken. "Laszetaseu..." Die Stimme des Elfen klang nachdenklich und Tsyalia, die noch immer direkten Blickkontakt mit ihm hielt, bemerkte wie seine Augen kurz zu dem Bogen huschten, der noch immer an den Baum hinter ihr gelehnt war. Bevor sie ihn deswegen Fragen konnte, war er es, der wieder den Mund aufmachte. "Keine Sorge, es ist nicht das Aussehen allein, welches Eure Herkunft verrät. Doch ich danke Euch, für Eure Ehrlichkeit." Spielte er auf ihr Verhalten an? Waren Neldoreth-Elfen womöglich doch nachtragend?

"Verzeiht mir meine Offenheit, aber Ihr seid Eurer Heimat bereits sehr fern. Ihr müsst den Kapayu-Wald durchstreift haben, wenn Ihr aus dem Reich der Menschen gekommen seid, das wird Euch mehrere Tage gekostet haben. Doch Ihr steht hier am Rande des Walds der Neldoreth...meiner Heimat." Er trat einen Schritt auf sie zu. "Als Neryan noch war und meine Brüder und Schwester noch Augen und Ohren im ganzen Wald hatten, hätten wir euch beobachtet und uns Euch erst zu erkennen gegeben, wenn wir uns sicher gewesen wären, dass Ihr in friedlicher Absicht kommt. Ich fürchte aber, wir haben nun keine Zeit mehr dafür." Feodens helle Bernsteinaugen musterten Tsyalia noch einmal durchdringend. "Ihr seid noch ein Kind." Es war weder beleidigend noch abschätzig gemeint, es schien eine reine Feststellung zu sein. Eine Feststellung, die die Halbelfe natürlich gar nicht gerne hörte. Doch wer wusste schon, wie alt der Elf vor ihr in Wirklichkeit war? Er sah aus wie ein Mann in den frühen Dreißigern aber bestimmt wirkte er nur so jung. In seinen Augen war sie mit ihren jugendlichen 21 Jahren wohl wirklich nur ein Kind.
"Aber ich denke auch, dass Ihr kein Nein akzeptieren werdet...und wir brauchen zurzeit jede Hilfe, die uns geboten wird..." Hätte sie durch die undurchdringliche Miene des Elfen blicken können, hätte sie womöglich das deutliche Hin und Her, dass sich in seiner Stimme abzeichnete sehen können. Schließlich schien er sich entschieden zu haben.

"Ich nehme euer Angebot an. Ich hoffe, ich bereue es nicht im Nachhinein" Er deutete auf Tsyalias Gepäck. "Seid ihr bereit aufzubrechen? Ich führe euch zu unserem Lager, ein paar Stunden von hier." Er sah sich kurz um und ging dann zum Rand der Lichtung, wo er sich noch einmal umdrehte und auf sie wartete. "Bleibt direkt hinter mir. Versucht möglichst leise zu treten und so wenig wie möglich von Euch Preis zu geben. Wenn ich Euch ein Zeichen gebe, dann duckt ihr Euch und verweilt so lange, bis ich Euch erneut Bescheid gebe. Habt Ihr Verstanden? Dann los."

Es sah so aus, als würde ihr Abenteuer nun endlich beginnen. Und auch wenn sie nicht wusste, wohin sie schlussendlich ihre Füße führen würden, so war dies vielleicht gerade der größte Reiz...

Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Sonntag 27. Januar 2013, 14:32

So viele Gedanken, die ihr im Kopf herumschwirrten, so viele Fragen, die dieser Elf ihr vielleicht beantworten konnte. Ihr Vater war betreffend seinem Volk nicht sehr gesprächig gewesen und so wusste Sya leider viel zu wenig über dieses Vermächtnis. Dass jetzt ein echter Elf ihrer Art vor ihr stand, konnte sie kaum fassen und so beobachtete und musterte sie ihn genau.Feoden hatte grosse Ähnlichkeit mit ihrem Vater, aber scheinbar sahen irgendwie alle Elfen einer Art gleich aus. Zumindest für sie, denn sie hatte noch nicht viele Elfen gesehen.

Was Sya etwas verwirrte, war seine kühle Ausstrahlung. Er wirkte stets gefasst und man konnte ihm nicht ansehen, was er dachte oder was er vielleicht von ihr hielt. Normalerweise konnte sie durchaus an der Mimik und Gestik einer Person erkennen, was sie so ungefähr dachte. Bei Feoden konnte sie das nicht im geringsten. Nachdenklich musterte die Halbelfe den Elfen und versuchte irgendetwas über ihn in Erfahrung zu bringen.
Gerade als sie ihn fragen wollte, ob ihr Nachname, den er eben gemurmelt hatte, ihn an etwas erinnerte, sprach er weiter. Nachdenklich legte sie den Kopf schief und musterte Feoden. Seine Hand war kleiner als ihre gewesen, als sie eben die Hände geschüttelt hatten. Das hatte sie etwas überrascht und so musterte sie jetzt ihre eigene Hand, dann huschte ihr Blick zu seiner und wieder zurück zu ihrer. Die Hand ihres Vaters war etwas grösser als ihre eigene, warum hatte Feoden dann so kleine und zierliche, beinahe Frauenhände? Ihre Gedanken machten sich selbstständig, bis der Elf wieder mit ihr sprach.
Als er sie aber als Kind bezeichnete, sah sie ihn empört an. "Hey! Ich bin vielleicht jung aber kein Kind mehr! Zumindest nicht nach menschlichem Massstab...!" Dass genau ihr Verhalten jetzt gerade sehr kindisch war, vergass sie total. Schliesslich fuhr er aber weiter und akzeptierte schliesslich ihre Hilfe, woraufhin Sya überrascht blinzelte. "Oh..." langsam breitete sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht ab und ihre gute Laune war wieder da. "Perfekt! Ich freue mich drauf."

Schnell packte sie also ihre sieben Sachen zusammen, nahm das Puschel auf den Arm, nachdem sie den Rucksack geschultert hatte und ihre Waffen ebenfalls, kuschelte das Tierchen an sich und küsste es kurz auf die Nasenspitze.
Lautlos wie es für Jäger üblich war, folgte Sya Feoden durch den Wald. Ihr brannten so viele Fragen auf der Zunge, so vieles, das sie wissen wollte. Und doch versuchte sie sich zu gedulden und ihre Neugierde im Zaum zu halten. Das fiel ihr zwar keineswegs leicht, aber der Elf hatte ihr gesagt, dass sie leise sein sollte und daran würde sie sich halten.

Es war ein ziemlich friedliches Bild, das die beiden da mitten im Wald abgaben. Das grüne Laub raschelte leise, der Wind strich sanft durch Syas hochgesteckte braunen Haare und spielte mit einigen loosen Strähnen. Vögel zwitscherten vor sich hin und zwischendurch raschelte es im Unterholz, weil wohl gerade ein Tier davon huschte. Das Gesicht der Halbelfe wirkte entspannt und friedlich, ihre Gedanken wanderten aber von einer Frage zur nächsten. Sie fragte sich, ob sie gleich weitere Vertreter ihrer Art kennenlernen würde. Stand ihr vielleicht auch ein Kampf mit Dunkelelfen bevor? Sie wusste es nicht und so musste sie abwarten und hing ihren Gedanken nach, während sie sanft das Köpfchen des kleinen Puschels in ihren Armen kraulte.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 31. Januar 2013, 21:46

Versteckt:Versteckten Text anzeigen
Bild
Atmosphäre

Tsyalia und Feoden schritten nun schon einige Stunden durch den grünen und nur so von Leben strotzenden Wald. Die Sonne hatte bereits ihren mittäglichen Herrschersitz am Horizont eingenommen und ab und zu sendete sie einen ihrer Strahlen zu ihnen hinab, schien sie durch das dichte Blätterdach grüßen zu wollen und ihnen ihre sanfte Wärme mitzugeben. Die junge Halbelfe lauschte mit den geübten Ohren einer Jägerin nach den vielen Tierlauten, welche um sie herum immer wieder zu hören waren. Hier und da sah sie auch einen aufflatternden Vogel oder einen davon springenden Frosch, der vor ihren Schritten flüchtete. An einem umgestürzten Baum, welcher schräg zur Seite geneigt lag, hatte sie sogar beim zweiten Hinsehen eine riesige hellgrüne Schlange entdeckt, die ihnen, um einen Ast geschlungen, träge hinterher sah als sie sie passierten.
Sie war nun im Wald der Neldoreth angelangt - der Heimat ihres Vaters und wohl auch ihrer elfischen Vorfahren. Hätte sie je geahnt, dass sie ihre Reise an diesen Ort bringen würde? Nun, ganz instinktiv hatte sie den Weg nach Norden eingeschlagen, hatte den Kapayu-Urwald in mehreren Tagen durchquert - von denen sie vermutlich wohl auch einige im Kreis gelaufen war. Doch das Tat jetzt nichts zur Sache. Sie hatte sich kein Ziel gemacht, keinen richtigen nächsten Wegpunkt für ihre Reise festgelegt. Und dennoch fand sie in diesem riesigen grünen Wirrwarr einen waschechten Elfen, wie ihr Vater einer war. Auch wenn er ein klein wenig anders aussah, seine Züge vielleicht noch eine Spur elfischer waren als bei ihrem Vater der schon seit Jahrzehnten unter Menschen lebte, so war er ihr dennoch in einer merkwürdigen Art und Weise vertraut. Und dennoch...zugleich auch wieder so vollkommen fremd.
Allein die Tatsache wie er sich bewegte. Er ging schnell, einen Fuß vor den andern setzend ohne scheinbar groß darüber nachzudenken wie er es tat. Trotzdem war jede seiner Bewegungen bedächtig, ja fast schon anmutend. Und auf was er auch trat - ob nun feuchte Erde, dichtes Gras, eine knorrige Wurzel oder einen Stein - nicht das leiseste Geräusch ertönte, noch hinterließ er eine deutlich sichtbare Fußspur. Es war fast so als wandle er auf Wasser, dass unter seinen Schritte nicht nachgab sondern ihn hielt und jegliche Erschütterung unter seinen Füßen die Wellen erzeugen konnte verschluckte. Es war einfach unverständlich für eine an sich erfahrene Jägerin wie Sya, eine solche Selbstverständlichkeit wie das Hinterlassen von Spuren und Geräuschen einfach zu übergehen. Vielleicht würde der Elf ihr ja beibringen sich so zu bewegen wenn sie ihn fragen würde...oder womöglich einer der Elfen zu denen er sie führte.

Seitdem sie die Lichtung verlassen hatten, hatte sich das kleine Katzenwesen in ihren Armen nicht bewegt und gab ab und zu leise Schnarchlaute von sich, die nur allzu leicht zu deuten waren. Der Puschel war natürlich nach der überstürzten Flucht und dem Überraschenden Auftauchen des Fremden etwas erschöpft und da sie ihm ja noch vor ihrem Aufbruch etwas zu fressen gegeben hatte, ging es ihm bestimmt nicht schlecht.
Eigentlich war es schon bedenklich, wie sehr sie das putzige Tierchen in ihr Herz geschlossen hatte. Und dies schien auch umgekehrt zu gelten, sie brauchte nur an das empörte Fauchen und den darauffolgenden Krallenhieb denken, als Feoden sie auf der Lichtung überrumpelt hatte. Dieser nannte das Kleine ja ein Eon-Junges. Tsyalia hatte noch nie von einem solchen Tier gehört und vermutlich gab es sie auch nur in diesen Wäldern. Höchstwahrscheinlich wusste der Elf noch mehr darüber und konnte ihr helfen, sollte sie Fragen zu dem Kleinen haben. Außerdem sollte sie dem Tierchen auch einmal einen Namen geben. Schließlich war es schon zu einem festen Reisebegleiter geworden!

In Gedanken über dieses und jenes vertieft, bemerkte sie die Blicke des Elfen nicht, die sie ab und zu trafen und sie fixierten. Feoden hatte schon seit sie losmarschiert waren nicht gesprochen und Tsyalia hatte dies akzeptiert - schließlich schien er nicht allzu gesprächig zu sein. Außerdem bot die Landschaft und Umgebung um sie herum genug Abwechslung, um auf ein Gespräch zu verzichten ohne peinliche Stille durchleiden zu müssen. Doch nun brach der Jäger der Neldoreth sein Schweigen. Er drehte sich nicht zu ihr um sondern ging einfach weiter und erneut sprach er wieder in der peniblen Höflichkeitsform, an die sich Tsyalia scheinbar bei ihm gewöhnen musste.

"Es dauert nicht mehr lange bis wir im Lager angekommen sind" Vermutlich schien dies wirklich der Fall zu sein, doch Tsyalia hatte das dumpfe Gefühl, dass sie diese Information nicht nur aus reiner Freundlichkeit bekommen hatte, sondern der Elf vor ihr viel mehr ein Gespräch einleiten wollte um etwas anzusprechen, dass ihn scheinbar beschäftigte. Er sah kurz über die Schulter zurück während sie eine kleinen Hang voller kniehoher Büsche hoch stapften. "Sagt...Euer Bogen. Er stammt von Eurem Vater, nicht?" Er schien sich schon seine eigene Meinung gebildet zu haben und nur noch eine Bestätigung für eben diese zu suchen. Die Halbelfe wusste gar nicht warum er fragte. Ihr Bogen und der des Elfen waren sich ziemlich ähnlich, auch wenn Feodens Exemplar sich ein wenig von ihrem unterschied. Bei seinen nächsten Worten war sie sich beinahe sicher, dass er sich über sie lustig machte. "Könnt Ihr auch mit ihm umgehen?"
Bild

Benutzeravatar
Tsyalia Laszetaseu
Gast
Gast

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Tsyalia Laszetaseu » Samstag 2. Februar 2013, 16:01

Feoden war für Sya ein Studienobjekt wenn man so wollte. Wie er sich bewegte, diese geschmeidigen Bewegungen, der lautlose Gang, dass er keine Spuren hinterliess und nichts. All das faszinierte die Halbelfe sehr und sie versuchte parallelen zwischen dem Elfen und ihrem Vater zu finden. Ihr Vater schien ihr ein wenig kleiner als Feoden zu sein aber auch kräftiger und vor allem grössere Hände hatte er. Die Hände des Elfen der vor ihr herging waren beinahe winzig, sogar ihre eigenen waren grösser als seine. Bei dem Gedanken daran musste sie schmunzeln. Sie interessierte sich zwar nicht auf diese weise für Männer - noch nicht zumindest - aber wenn sie einmal einen Mann an ihrer Seite haben würde, so musste er schon grössere Hände haben als sie. Es würde für diesen Mann allerdings schwer werden mit so einer Frau an der Seite. Sya hatte keine Ahnung vom kochen, abgesehen von dem, was man eben so in der Wildnis am Lagerfeuer braten und zubereiten konnte. Auch eine leckere Suppe konnte sie kochen, aber ihre Kochkünste kamen denen von anderen jungen Frauen in ihrem Alter nicht mal nahe. Sie konnte Essen nicht einfach schön anrichten oder dergleichen. Für sie musste es einfach praktisch sein.
Worin Sya allerdings gar nicht mal so schlecht war, war das Nähen. Sie konnte mühelos ihre Kleidung flicken aber was darüber hinaus ging, wie zum Beispiel die Herstellung von aufwändigen Kleidern, Taschen und weiterem war ihr nicht möglich.

Die Gedanken der Halbelfe waren abgeschweift und sie beobachte mittlerweile die prächtige Umgebung. Das Bild, das sich ihr bot wenn einige Sonnenstrahlen das Blätterdach durchdrangen und alles um sie herum erhellten war einfach unbeschreiblich schön. Das war definitiv ein Ort an dem sie hingehörte. "Neldoreth..." murmelte sie leise und lächelte sanft. Sie wusste nicht warum aber eine innere Ruhe überkam sie, wenn sie durch diesen Wald ging. Es war atemberaubend wie vielfältig die Pflanzenwelt hier war, welche Tierarten sich hier versteckten. Sya war stehts etwas rastlos gewesen und hatte sich bisher nie vorstellen können irgenwann mal eine Familie zu gründen und/oder sich irgendwo niederzulassen. Aber wenn sie sich diesen Wald ansah, dann änderte sich ihre Meinung schlagartig. Sie fühlte sich wohl hier, in mitten des Waldes, geborgen und... Zuhause. Ja, das war es was sie fühlte. Sie fühlte sich endlich zuhause. Als wäre sie von einer langen Reise heim gekommen. Ein leises seufzen spaltete kurz ihre Lippen, die sich dann wieder zu einem sanften und sehr hübschen Lächeln schwangen.

Als ihr Blick nach unten zwischen ihre Brüste wanderte musste sie grinsen. Das kleine Tierchen war eingeschlafen und schnarchte zwischendurch leise. Vorsichtig, um es nicht zu wecken, kraulte sie sanft sein Köpfchen. Es sah dermassen süss aus, wenn es schlief! Sie hoffte, dass Feoden ihr mit dem Tier etwas helfen konnte. Vielleicht wusste er, wie sie es füttern musste. Er konnte ihr vielleicht auch helfen, dass sie wusste, wie sie sich richtig darum kümmerte.
Aber erstmal sollte das Kleine schlafen und sich ausruhen. Das arme Ding hatte so viel erlebt die letzten Stunden und musste völlig ausgelaugt sein. Glücklicherweise bemerkte Sya von ihrem Sturz vom Baum nichts mehr, sie humpelte nichtmal.
Ihre Schulter allerdings war eine andere Geschichte. Sie würde bald danach sehen müssen und hoffte, dass sich die Verletzung nicht entzündet hatte. Das könnte nämlich böse Enden.

Als Feoden überraschend zu sprechen begann, wurden Syas Gedankengänge jäh unterbrochen und ihre Aufmerksamkeit wandte sich dem Elfen zu. Bei der Frage ob der Bogen von ihrem Vater stammte lächelte sie, als er danach aber fortfuhr und fragte, ob sie auch damit umgehen könnte, erlosch ihr lächeln und sie sah ihn ein wenig giftig an. "Der Bogen stammt von meinem Vater, ja. Ob ich damit umgehen kann?" Etwas gereizt miemte sie die Stimme eines dieser hilflosen und hirnlosen Mädchen aus dem Dorf. "Nein! Wie kommt ihr denn darauf? Ich bin doch eine hilflose arme kleine Frau, die nichts weiter tun kann ausser kochen und putzen und Kinder kriegen...! Habt ihr nicht gesehen wie ich mit den Dolchen umgehe? Ich hätte euch nichtmal im Traum treffen können....!" leise schnaubend verdrehte sie die Augen und murmelte etwas abwertend "Männer....".

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4246
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Gesucht: Abenteuer

Beitrag von Erzähler » Sonntag 3. Februar 2013, 12:42

Zuerst dachte Tsyalia sie verhörte sich. Zwitscherte da ein Vogel in den Baumkronen über ihnen? War es der Wind der in den Verästelungen der Bäume wehte und zu ihr hervordrang? Nein, es war ein anderer Laut, den sie vernahm. Er kam nicht vom Wald um sie herum sondern direkt von dem Elfen vor ihr. Feoden lachte. Nie hätte sie es für möglich gehalten dass der schweigsame und verschlossene Elf solch eine Emotion auf diese Art und Weise zeigen konnte - das hatte sie ihm einfach nicht zugetraut. Und doch Klang seine Stimme rein, beinahe glockenhell und die Fröhlichkeit die so gar nicht zu seiner ernsten Art zu passen schien kam deutlich zum Vorschein. Er wandte erneut den Kopf zu ihr und nun sah sie ihm auf einmal in einem vollkommen anderen Licht, was vermutlich auch an dem zwar nur leichten aber eindeutig vorhandenen Lächeln lag. "Ihr gefällt mir Tsyalia." Vielleicht schien sie es sich auch nur einzubilden und in wenigen Augenblicken war er wieder der zurückhaltende Elf von vorher, doch im Moment wirkte er so als würde er sich an ihre Gesellschaft gewöhnen. "Ihr sagtet ihr stammt aus Grandessa? Ich kann mir vorstellen dass dort Eure Abenteuerlust nicht gerade mit Wohlwollen betrachtet wurde. Die Menschen haben in der Hinsicht doch etwas... konservative Meinungen wenn ich mich recht entsinne." Bei diesen Worten kam ihn der jungen Halbelfe die Frage auf, wie Feoden eigentlich zu den Menschen stand. War er wie ihr Vater gereist und hatte die vielen Reiche und Länder gesehen, die sich über ganz Celcia erstreckten oder war er sein ganzes Leben lang hier, im Schoße des Neldoreth-Wald geblieben? Er hatte seine Familie erwähnt, hatte Frau und Kind. Doch vielleicht hatte der Elf vor ihr mehr erlebt, als sie im Moment erahnen konnte.

"Aber wir werden Eure Fähigkeiten bauchen. Wahrlich wir haben sie bitter nötig..." Das Lächeln verschwand was eine Schande war, da nun das Antlitz des Elfen wieder zu einer kalten, starren Maske zu werden drohte. Doch nun wusste Tsyalia zumindest, dass Feoden nicht durch und durch ein missgelaunte Zeitgenosse war. Vielleicht hatte er früher öfters gelacht, hatte ein Glitzern in den Augen getragen, welches sie jetzt nur noch erahnen konnte. Jedoch hatten ihn die Zeit und die Umstände zu denjenigen gemacht, der er nun war - was nur verständlich war. Sya musste nur einen Augenblick daran denken wie es sich anfühlen würde, all die Menschen die sie liebte mit einem Schlag zu verlieren, sie vielleicht nie wieder zu sehen. Der Heimat entrissen und nur mit einer scheinbar winzigen Hoffnung auf ein Wiedersehen mit der eigenen Familie. Wahrlich, Feoden hielt sich vermutlich so gut, wie man sich in seiner Situation eben halten konnte.

So herrschte nach dem Gespräch, dass so überraschend und viel versprechend begonnen hatte wieder ein Schweigen zwischen ihnen, in denen vermutlich beiden ihren Gedanken nachgingen. Doch es hielt nicht lange an. Als Tsyalia und der Elf gerade einen kleinen Bach durchquert hatten, welcher vermutlich aus dem großen Fluss Auwin entsprang der sich sowohl durch den Neldoreth als auch den Kapayu zog, sprach er wieder zu ihr.

"Sieht so aus als werden wir schon erwartet..." Die junge Jägerin sah sich verirrt um. Was meinte er? Hier war doch niemand? Als sich ihre Blicke trafen nickte er ihr mit dem erneuten Hauch eines Lächelns ermutigend zu. " Unter normalen Umständen würden wir eine Trägerin unseres Blutes, die ihren Weg das erste Mal zu uns gefunden hat mit einem Fest begrüßen. Da wir aber zurzeit andere Probleme haben um die wir uns kümmern müssen, müsst Ihr leider darauf verzichten. " Feoden streckte die Hand aus und wies mit einer einladenden Geste vor sich. "Willkommen im Neldoreth Tsyalia Laszetaseu. Willkommen zu Hause..."

Weiter geht es bei: Der Wald Neldoreth: Die Letzten, die übrig sind
Bild

Antworten

Zurück zu „Der Urwald Kapayu“