Zwei Nachtelfen im Dschungel

Der Urwald oder, wie viele ihn nennen, der Dschungel erstreckt sich sehr weit. Hier verbergen sich verschiedene Rassen wie die Affenmenschen. Doch es gibt auch das sogenannte Paradies Shyána Nelle, welches sich in der großen Senke befindet.
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Re: Zwei Nachtelfen im Dschungel

Beitrag von Asgar » Mittwoch 24. November 2010, 22:41

Dunkelheit umgab die Gruppe. Als Nachtelfen konnten sie zwar einigermaßen gut im Dunkeln sehen, doch hier wechselte die Finsternis sich sooft ab, dass man immer meinen konnte, dass sie von Schemen verfolgt wurden. Langsam wurde Asgar nervös. Ihm gefiel das Ganze nicht. Diese anhaltende Dunkelheit gefällt mir ganz und gar nicht…am Ende kommt wieder was und will uns fressen! Seine Angst war begründet. Vielleicht waren sie ja in den Bau einer noch schlimmeren Bestie geraten, die sicher nicht davor zurückschreckte, ahnungslose und verlaufene Nachtelfen auf ihren Speiseplan zu setzen.

Immer noch hielt er die Hand von Rin, wagte es nicht, sie loszulassen, ansonsten fanden sie sich vielleicht nie wieder. Wo sie doch erst vor kurzem richtig zueinander gefunden hatten. Allein der Gedanke, sie in diesem kohlekastedunklen Gang zu verlieren, trieb Asgar den Angstschweiß auf die Stirn.
Die Luft war trotz allem recht angenehm und vorallem kühl. Nicht so warm, wie die von draußen. Ab und zu hörte er das erschrockene Quieken eines Nagetieres, welche sich unverzüglich aus dem Staub machte, als sie näher kamen. Sind wahrscheinlich Mäuse oder Ratten oder was anderes. Unwichtig!
Rin lief nahe bei Asgar, sehr nah. Sie schien sich zu fürchten, denn sie zitterte leicht. Er nicht minder, schließlich war für ihn die Dunkelheit ebenfalls beklemmend. Denn sie wussten ja in keinster Weise, in welche Richtung sie überhaupt liefen.
Und Windfuchs? Der schien sich an alledem nicht zu stören. Vielleicht war es ja von Vorteil seine Seele zu verlieren, zumindest spürte man keine Angst mehr. Aber die beiden Nachtelfen wollten ungern mit dem bedauernswerten Tropf tauschen, lieber blieben sie frei und unabhängig. Auch glaubten sie nicht, dass Seelenlose sich in irgendeiner Weise lieben konnten, was sie beide ja mittlerweile taten.

Nach einer Weile lauschte Asgar hin und wieder. Doch außer ihrem Atem und den leisen aber dennoch schnellen Schritten hörte er nicht viel. Trotzdem horchte er immer wieder. Es konnte ja immer eine Gefahr auftauchen. Dabei kam ihm auch die lange Erfahrung im Schlösserknacken recht gelegen. Auch das ‚lauschen’ der Schlösser hatte sein Gehör noch zusätzlich geschärft, was ihm einen weiteren Vorteil einbrachte. Ich glaube nur deshalb konnte ich das Biest hören, das uns angegriffen hatte. Ob das wirklich stimmte, wusste er selber nicht so genau.

“Hast du auch das Gefühl, als würde dich jemand beobachten?”, meinte Rin, als sie kurz anhielten. Dann spähte sie umher. „Ja, es kommt mir so vor…nimmt dieser Tunnel denn gar kein Ende?“, antwortete Asgar leise. Ihm kam es vor, als würden tausende und abertausende unsichtbarer Augen ihn und seine beiden Begleiter mustern und genau im Auge zu behalten. Hier herzukommen war eine blöde Idee… Doch zurück konnten sie nicht mehr. Dorcha war ja noch da. Bestimmt würde er sich, sobald er sich von dem Sturz erholt hatte, an ihre Fersen heften. Sie mussten da durch.

Ein plötzliches Kratzen ließ ihn aufhorchen. Irgendwas war da. Und er spürte auch mit einem Male einen leichten, wärmenden Luftzug. Und sofort zog Rin ihn mit. “Der Ausgang!“, meinte sie erfreut. „Bist du sicher?“, meinte Asgar, der ihr folgte. Innerlich atmete er erleichtert auf. Wurde auch Zeit! Wir haben lange genug hier herumgeirrt. Endlich eine Chance zu entkommen!
Man sah schon Licht, doch merkwürdigerweise kam das Licht auf SIE zu! Auch sah es jetzt nicht mehr wie Licht der Sonne aus, sondern glich eher dem von Feuerschein oder dem Licht einer Fackel. Irgendwas stimmte hier mal gar nicht. Auch die vierbeinige Gestalt, die sich auf einmal in dem Lichtkegel in ihre Richtung bewegte, war seltsam.

Rin bremste sofort ab und drückte sich gegen die Wand. “Oh, verdammt…ich hatte gehofft hier rauszukommen…entschuldige”, meinte sie etwas kleinlaut, doch Asgar nahm sie behutsam in den Arm. Sanft streichelte er ihre Wange und sagte: „Mach dir keinen Kopf, ich habe auch gedacht, dass es das Licht von draußen ist. Du brauchst dich nicht zu entschuldigen.“ Sein Tonfall klang tröstlich. Schließlich war das jetzt nicht der Zeitpunkt für Kritik oder Zurechtweisung seinerseits. Die Gestalt kam nun näher, doch genaueres konnte man noch nicht erkennen. Nicht mehr lange und sie würden entdeckt werden. Wieso passiert das immer dann, wenn wir fast schon in Sicherheit sind? Dabei wussten sie nicht einmal, ob es sich um eine feindlich gesinnte Kreatur handelte, oder ob sie den seltenen Glücksfall erwischt hatten, sodass es ein freundliches Wesen war.

Doch wo sollten sie hin?

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Re: Zwei Nachtelfen im Dschungel

Beitrag von Erzähler » Sonntag 28. November 2010, 13:24

Der seltsame vierbeinige Schatten kam näher und näher. Gefolgt von einen weiteren seltsam verbogenen Schatten. Es hatte annähernd humanoide Form.
Rin drückte sich zusammen mit Asgar an die Wand. Den Blick hielt sie gebannt auf den Schatten gerichtet. Leise zog sie einen Dolch hervor.
Den einzigen den es nicht kümmerte war Windfuchs. Asgar hatte vergessen ihn anzuweisen, sich ebenfalls zu verbergen. So stand der Hybrid mitten im gang. Aufmerksam aber ohne Regung.
Plötzlich hörte man ein aufjaulen.
Schnelle Schritte.
Der vierbeinige Schatten kam angerannt.
Rin spannte sich mit jeder Faser ihres Körpers, während sie fast Asgars Hand zerdrückte.
Der Schatten wurde größer
“Doger…blieb…DOGER!” Hörte man eine alte krächzige Männerstimme.
Um die Kurze kam ein großes zotteliges Etwas. Entfernt konnte man es für einen Wolf halten. Es würde Asgar mit dem Kopf bis zur Hüfte gehen.
Das Tier rannte auf Windfuchs zu, blieb dann aber vor ihm schlagartig stehen. Seine Rute wedelte aufgeregt hin und her. Es jaulte und fiepte. Drückte seinen Kopf an die Hand von Windfuchs.
Die anderen beide wurden aufgeregt beschnüffelt.
Dieser Hund war zwar groß, aber gefährlich wohl überhaupt nicht.
Tatsächlich schien das Tier Windfuchs zu kennen, der nicht die Miene verzog.
Rin sah fragend zu Asgar dann zu dem Hund.
“ also fressen wird der uns nicht…er kennt wohl Windfuchs…lass Windfuchs ihn streicheln” bat sie Asgar. Sie schien Mitleid mit den Hund zu haben, der wohl überhaupt nicht verstand, warum der Hybrid ihn nicht beachtete. Wieder und wieder schnüffelte er, nur um sich dann zu seinen Füßen zu legen und jämmerlich zu jaulen.
“ Doger…jetzt sei still…oh!..W..Windfuchs?…d..d…du hier?…ohhhh” kam die Stimme eines Mannes aus dem Gang.
Rin drückte sich wieder in den Schatten, zog Asgar mit sich. Vorsicht war besser als Nachsicht.
Das war wohl das Herrchen.
Ein alter Mann unbekannter Herkunft trat aus dem Schatten. In der einen Hand hielt er eine kleine Lampe. Seine Kleidung war praktisch und er trug einen Bogen und ein Langmesser. Sein Haar war goldblond, selbst in diesen Lichtverhältnissen.
Die anderen schien er nicht zu beachten oder gesehen zu haben. Seine Aufmerksamkeit galt den Hybriden.
Nervös nestelte der Hand plötzlich an seinem Langmesser rum.
Er sah angespannt aus. Verlegen und ertappt.
Fast so, als hätte es etwas Unangenehmes Windfuchs zu sehen, anstatt sich zu freuen.
“ DOGER!…HALT die SCHNAUZE!” schrie er den Hund an.
“ Windfuchs!” die Begeisterung war gespielt, dass konnten Rin und Asgar sofort erkennen. Doch wahrscheinlich hätte es Windfuchs nicht gemerkt.
“ mein Junge…du hast es überlebt…schööööönnnn” es war eher ein Zähneknirschen, anstatt wahrer Freude.
Rin kniff die Augen zusammen.
Asgar kannte diesen Ausdruck, ihr passte es ganz und gar nicht. Sie hasste so ein Verhalten.Würden die beiden Nachtelfen etwas unternehmen.
Der Mann war dabei sein Langmesser zu ziehen.
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Re: Zwei Nachtelfen im Dschungel

Beitrag von Asgar » Sonntag 28. November 2010, 15:09

Während sie so im Schatten kauerten und der Schatten immer näher kam, fiel Asgar zu spät auf, dass Windfuchs ja immer noch im Gang stand, gut sichtbar für jedermann. Mist! Wenn ich ihm ja keine Anweisungen gebe, macht er ja nichts! Rin neben ihm wurde auch nervöser, denn sie klammerte sich mit großer Kraft, die er ihr so nicht zugetraut hatte, an seine Hand, sodass diese allmählich taub wurde. Doch er biss die Zähne zusammen. Er wollte deshalb nicht ihr Versteck verraten.
Gerade wollte er den Befehl zum Angriff geben, als sich die scheinbare Gefahr als harmloser Hund entpuppte. Dieser sprang frohlockend um den Hybrid herum, sodass man tatsächlich den Eindruck haben könnte, dass sie einander kannten. “Doger…bleib…DOGER!”, hörte er eine krächzende Stimme. Anscheinend das Herrchen, dieses Hundes. Wenn hier ein Hund ist, dann muss es hier in der Nähe eine Siedlung oder zumindest ein Lager geben. Solche Tiere laufen nicht einfach so durch den Urwald…
Oder waren sie jetzt auf einmal wieder in der Nähe DIESES Lagers, welches sie eigentlich hinter sich lassen wollten? Immer mehr Zweifel begannen durch Asgars Gedächtnis zu spazieren, was ihn zusätzlich noch verwirrte.

“Also fressen wird der uns nicht…er kennt wohl Windfuchs…lass Windfuchs ihn streicheln”, meinte Rin leise. Doch Asgar war nur dabei, diesen seltsamen Hund anzustarren, als auch schon das Herrchen angerannt kam. Er sah sehr jung aus, das passte schon mal gar nicht zu seiner krächzenden Stimme. “Doger…jetzt sei still…oh!..W..Windfuchs?…d..d…du hier?…ohhhh”, meinte dieser verlegen, so als hätte man ihn bei einer Straftat ertappt. Bisher hatte er die beiden Nachtelfen nicht entdeckt, da Rin und Asgar sich schnell wieder in den Schatten zurückgezogen hatten. Oder er ignorierte sie einfach. Böser Fehler! Ignoriere niemals jemanden, der im Schatten hockt, es könnte ja ein ausgebildeter Meuchler sein. Dachte Asgar grinsend.
Zwar traf das auf sie beide nicht zu, doch sie konnten einem schon ordentlich zu schaffen machen. Besonders wenn es um Flinkheit ging. Doch vorerst hieß die Devise: abwarten und Informationen sammeln. Aus der Aussage des Mannes, es war tatsächlich ein Mann, konnte er herausfiltern, dass sie sich kannten. Komisch war allerdings die Reaktion des Mannes auf Windfuchs. Er ist nicht wirklich erfreut unseren seelenlosen Freund hier zu sehen. Demnach müssen wir vorsichtig sein…

Allein der Klang seiner Stimme schürte den Verdacht des Nachtelfen, dass hier etwas faul war. Und das ist nicht der Gestank, den man hier trotz der kühlen Luft noch gut riechen kann…
Zu dumm, dass Windfuchs seelenlos war und es nicht wirklich registrierte was da gesprochen wurde. Die Worte des Mannes schienen an ihm abzuprallen wie Pfeile, die man auf eine steinerne Mauer abgeschossen hatte. Er ließ sich nicht durch Worte irritieren, geschweige denn einschüchtern.

Dann erkannten sie, dass der Mann nervös wurde und mehrfach an seinem Messer herumhantierte. Das war kein gutes Zeichen. Bitte lasse es nicht in einen Kampf ausarten! Kaum ist man einem entkommen, nur um dann in einem nächsten zu landen! Seiner Meinung nach wurde hier schon viel zu viel gekämpft.

“DOGER!…HALT die SCHNAUZE!”, schrie er den Hund an, der immer noch euphorisch um den Hybriden herumhüpfte. Nun legte der sich winselnd auf den Boden. Dieser Anblick schmerzte Asgar. Oft hatte man sie ebenfalls so behandelt, hatte sie Köter und Abschaum genannt, doch bei Tieren war es anders. Sie funktionierten zwar ähnlich wie Menschen, waren jedoch deren Schutzbefohlenen.

Der Mann spielte weiter den Erstaunten, doch jedes seiner Worte straften ihn Lügen. Asgar wurde langsam aber sicher wütend. Solche Heuchelei hätte er eher einem Dunkelelfen zugetraut, jedoch keinem Menschen. Und so etwas passte ihm natürlich gar nicht. Auch wenn er sich in den eher dunkleren Kreisen Celcias bewegte, waren ihm Offenheit und Vertrauen ein wichtiges Gut. Zwar hatte er sich auch ab und zu aus einer misslichen Lage herausschwindeln müssen, doch das nur im höchsten Notfall. “Mein Junge…du hast es überlebt…schööööönnnn”, sagte der Mann. Es klang jedoch eher wie ein erzwungenes Zähneknirschen. Heuchler! Schon jetzt war ihm der Mensch unsympatisch.
Asgars Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. So wie er den Menschen jetzt im Moment einschätzte, würde der unverzüglich auf Windfuchs losgehen, außer er konnte das verhindern. „Sollen wir uns zeigen und diplomatisch vorgehen, oder sollen wir das störende Problem von Windfuchs beseitigen lassen?“, fragte Asgar leise seine Partnerin. Zuerst wollte er ihr Einverständnis, bevor er selbst entschied was zu tun war.
Er wusste aber genau wie sie, dass die zweite zwar die wirksamere, aber auch die radikalere Methode darstellte. Doch mehr Möglichkeiten würden sie eventuell gar nicht haben. Eine von beiden musste es sein. Bloß komisch, dass der Hund uns nicht gewittert hat.

Vielleicht konnten sie aber auch durch geschickte Diplomatie den Mann von seinem Angriff abhalten, aber was würde passieren, wenn er nicht mehr den Hybriden, sondern sie dann ins Visier nahm? Aber rum sitzen half jetzt nicht, Taten mussten her. Zuerst gab Asgar dem Hybriden Anweisungen: „Windfuchs. Wenn er dich angreifen sollte, mache ihn kampfunfähig, nicht töten hörst du? Wir brauchen ihn noch. Er kann uns bestimmt sagen, wo wir uns befinden.“ Sein Flüstern war für den Menschen nicht hörbar, doch Windfuchs würde es verstehen. Er entschied sich lieber für die weniger radikale Methode. Leben lassen und nicht töten.
Die Erfahrung hatte schließlich mehr als einmal gezeigt, dass der Hybrid ihm aufs Wort folgte und alles gesprochene verstand und ohne Widerworte ausführte, wenn man es zu der Kugel sagte. Zumindest da haben die Magier dieser Sekte gute Arbeit geleistet.

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Re: Zwei Nachtelfen im Dschungel

Beitrag von Erzähler » Sonntag 5. Dezember 2010, 19:03

Rin sah Asgar an, als dieser leise in die Kugel flüsterte. Die Kugel leuchtete schwach auf. Rin nickte einverstanden Asgar zu. Also fand sie seine Idee gut.
Der Hund sah zu den beiden, doch machte keine Anstalten sie zu verraten. Er blieb zu Windfuchs Füßen liegen und blickte nur winselnd auf.
“ Junge, ich freu mich ja so…dich zu sehen…lass dich umarmen” sagte der Mann währenddessen.
Rin stieß Asgar ihren Ellenbogen in die Rippen. Sie nickte zu den Mann hin. Der hatte inzwischen sein Langmesser so in der Hand, dass man es auf den ersten Blick nicht sehen konnte.
Windfuchs Ohren zuckten, sonst machte er keine Anstalten.
Der Mann trat vor, stieß den Hund mit einem Fuß an, dass er gehen sollte und umarmte den Hybriden.
Rin keuchte auf.
So war es erst kein Angriff.
Dann stieß er zu.
Jedoch noch bevor der Mann seine Klinge in den Rücken des Hybriden stoßen konnte, wurde dieser lebendig.
Die Klinge hatte gerade die Haut des Hybriden berührt, da hob er schlagartig die Arme hoch.
Die Umarmung wurde gelöst. Mit der nächsten Bewegung wich Windfuchs dem Langmesser aus, indem er unter den Arme des Mannes wegtauchte und den Arm ergriff. Mit einer ruckartigen Bewegung verdrehte er diesen, das die Schulter nachgab. Er kugelte die Arm aus.
Die Waffe Fiel zu Boden.
Der Mann schrie auf.
Der Hund begann wild zu bellen. Sprang von rechts nach links, doch griff weder Asgar, noch Rin , noch Windfuchs an.
Es hallte durch den Gang.
Ein gezielten Tritt in die Kniekehlen brach ihn dann endgültig zu fall.
Der Mann ging in die Knie.
“ Spinnst du….arrggh…mein Arm ….Doger, schnauze….verdammt….begrüsst man so …seinen Bruder….Windfuchs, du hast doch einen Knall…”

“ Bruder?” Rin klappte die Kinnlade runter.
Jetzt reichte es sogar ihr.
Sie sah diesen Mann wutschnaubend an, und bevor Asgar etwas machen konnte, trat sie in den Lichtschein.
Noch hatte der Mann sie nicht gesehen, doch bevor er weiterfluchen konnte, hatte er die Klinge von Rins Dolch vor dem Gesicht.
“ Mistkerl!” schnaubte sie wütend.
“ Du hast versucht ihn umzubringen….”
Der Mann sah sie mit erschrockenen und weit aufgerissenen Augen an. Wieder und wieder sah er in den Schatten, wo die Fremde hervorgekommen war. Dann sah er zu Doger, der fröhlich mit dem Schwanz wedelte.
“ Verfluchter Köter… du hast es gewusst” Windfuchs hatte inzwischen die Waffe an sich genommen. Wie eine Statue aus Stein gehauen stand er da. Doch sein Blick war auf diesen Mann gerichtet, so dass dieser es sich dreimal überlegte noch etwas zu tun. Doger gesellte sich zu Windfuchs. Erwartungsvoll sah er hoch, merkte dass keine Reaktion kam und stellte sich zu Asgar.
“ du miese Ratte, du….er ist fast ein Kind und DU willst ihn umbringen” Rin kochte vor Wut.
“ Wer bist du, dass du dich da einmischt, Elfe…sein Beschützer? …wenn du mich töten willst, mach es…” kam nur die trotzige Antwort von dem Mann.
Doger knurrte ihn an.
“oh, das will ich nicht…noch NICHT!…doch der Hund scheint nicht gut auf dich zu sprechen zu sein…” Sie spielte wieder. Oh ja, sie konnte gut bluffen, wenn man sie nicht gut kannte.
Würde Asgar ihr zur Seite stehen.
Noch war er verborgen. Vielleicht konnte man die Rolle, der gefährlichen Nachtelfen auch zu zweit spielen.
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Re: Zwei Nachtelfen im Dschungel

Beitrag von Asgar » Montag 6. Dezember 2010, 16:39

Immer noch saßen die beiden Nachtelfen im Schatten und beobachteten das Geschehen. Aus den Augenwinkeln konnte er Rins zustimmendes Nicken erkennen. Auch sie war dafür, den Mann lebend zu fangen, anstatt sein Leben durch den Hybriden auszulöschen. Die Kugel glühte schwach und wieder war da dieses pulsierende Gefühl, dass sich Asgars Arm hinaufzog. Langsam hatte er Gefallen an seiner Meister-Rolle gefunden. Trotzdem entschied er nie für sich allein, Rin bezog er dabei immer mit ein. Sie waren doch Partner…und ein Paar.

Rins Rippenstoß lenkte seine Aufmerksamkeit nun vollständig auf den Mann, der sein Langmesser so positioniert hatte, dass man es vorerst nicht sehen konnte. Oh oh! Sein Körper spannte sich an. Die kritische Phase beginnt. Gleich wäre es soweit. Doch zu Asgars Verwunderung umarmte der Kerl den Hybriden.
Dann jedoch machte er die zustechende Bewegung. Da er jedoch diese Bewegung bereits erahnt hatte, tat Windfuchs das, was Asgar ihm befohlen hatte: er tauchte unter dem Stich hindurch und kugelte dem verdutzten Mann blitzschnell die Schulter aus. Dann brachte er den Mann durch einen geschickten Tritt aus dem Gleichgewicht und dieser stürzte zu Boden. Geschieht dir ganz recht, Drecksack! Auf ungeklärte Weise erfreute ihn der Anblick. Aber nur beinahe.

Der Hund bellte aufgeregt, doch er griff nicht ein. Weder zugunsten von Windfuchs oder seinem angeblichen Herrchen, welches sich nun auf dem Boden vor Schmerzen krümmte. “Spinnst du….arrggh…mein Arm ….Doger, schnauze….verdammt….begrüßt man so …seinen Bruder….Windfuchs, du hast doch einen Knall…”, fluchte der Mann. Das war ja der Gipfel der Frechheit! War die Begrüßung mit blankem Stahl nicht genauso gewesen?
Er spürte förmlich, wie sich Rin neben ihm anspannte. Am liebsten hätte sie dem Kerl ihre Waffe in den Hals gejagt. “Bruder?”, hauchte Rin erschrocken. „Bruder?“ Auch Asgar kam das sehr komisch vor. Kurz sahen er und Rin sich verwirrt an.

Er hatte mit allem, nur nicht dem gerechnet. Ab und zu sah er zu dem „Bruder“ von Windfuchs hinunter. Der lag nun ungefährlich und unbewaffnet auf dem Boden. Windfuchs stand wieder aufrecht da, unnahbar und emotionslos, aber bereit zu töten, sofern es ihm befohlen wurde. Bestimmt würde er nicht begreifen, was er eben getan hatte. Zumindest solange nicht, wie er seelenlos war. Auch ein Umstand, den wir bald beheben müssen. Doch erst mal einen Magier finden, der sich damit auskennt…

Bevor er ihr weiteres Handeln planen konnte, war Rin schon in den Lichtschein marschiert und hielt dem Mann eine Standpauke die sich gewaschen hatte: “Mistkerl! Du hast versucht ihn umzubringen….”, schnaubte sie zornig.
Der Mann sah sie erschrocken und ziemlich kleinlaut an. Ab und zu schielte er in Asgars Richtung, der immer noch im Schatten wartete. Jetzt bekommst du Panik, nicht wahr? Man sah dem Mann deutlich an, dass er Angst hatte, doch der versuchte diesen mit Trotz zu überdecken: “Wer bist du, dass du dich da einmischt, Elfe…sein Beschützer? …wenn du mich töten willst, mach es…” Selbst jetzt, wo er verloren hatte, spielte der Kerl weiter den starken Mann.
Asgar wusste genau, dass sie es nicht tun würde, doch das würde keiner der beiden dem Kerl unter die Nase reiben. Sollte er doch in dem Glauben bleiben, eine mordlüsterne Nachtelfe wolle ihn in die ewigen Jagdgründe schicken. Eine? Nein, gleich zwei, denn er selbst war ja auch noch da.
“Oh, das will ich nicht…noch NICHT!…doch der Hund scheint nicht gut auf dich zu sprechen zu sein…” Ihre Stimme klang nun hart und dunkel. Sie hatte wirklich das Talent zur Schauspielerin. Und der Hund? Der knurrte nun seinen ehemaligen Herrn an. Würde Asgar auch machen, wenn er an des Hundes Stelle wäre.

Wer Rin nicht kannte würde ihre Worte sofort mehr als ernst nehmen. Das mag ich so an ihr. Dachte der Nachtelf. Immer wieder war er von ihrer Wandlungsfähigkeit beeindruckt, ja sogar begeistert.
Vielleicht sollte ich mal eingreifen, bevor hier alles außer Kontrolle gerät. Wer weiß, vielleicht macht sie ihre Drohung doch noch wahr. Dachte Asgar mit einem belustigten Grinsen.

Schnell zog er sich die Kapuze tief ins Gesicht, sodass man nur noch den Schatten seines Gesichts wahrnehmen konnte und erhob sich.
Dann trat er ebenfalls ins Licht, jedoch langsam und bedächtig. Er verhielt sich ähnlich wie der Tiger, der sie vor einer ganzen Weile attackiert hatte, erst lauern. Ob er wirklich angreifen würde, war erst einmal nebensächlich, es genügte der psychologische Effekt seines Auftretens. Er würde es nicht tun.
„Es war nicht klug von dir, zu versuchen ihn zu ermorden. Das kann sehr schnell nach hinten losgehen, wie du ja gesehen hast.“ Er versuchte seiner Stimme eine eisige Kälte zu geben, um glaubwürdiger zu erscheinen Und es schien zu funktionieren. Der Mann sah fast schon panisch herüber. Mit zwei Gestalten hatte er bestimmt nicht gerechnet. Dieses Spielchen kann man auch zu zweit spielen. Jetzt mime ich erst mal den großen Oberbösewicht. Er blickte kurz zu seiner Partnerin hinüber. Sie spielte ihr Spiel perfekt. Kein Außenstehender würde dahinter kommen, dass das alles lediglich eine Finte war.

Langsam schritt er auf den am Boden liegenden Mann zu. „So. Jetzt erzähle uns, wer du bist und woher du kommst. Versuche nicht uns irgendwie reinzulegen oder zu veralbern. Es würde dir nicht gut bekommen“, erklärte er mit ruhiger, aber dennoch bedrohlicher Stimme. Damit war seine Rolle perfekt.

Nun würde er abwarten, ob sich der Mann kooperativ gab oder ob er weiter den Trotzigen spielen wollte. Nur allzu lange durfte das ja nicht dauern, schließlich waren sie beide ja Flüchtlinge.

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Re: Zwei Nachtelfen im Dschungel

Beitrag von Erzähler » Montag 20. Dezember 2010, 20:34

Der Mann drehte erschrocken seinen Kopf in die Richtung aus der Asgars Stimme zu hören war. Seinen Augen begannen sich furchtsam zu weiten. Ein kurzer Blick zu Rin, dann wieder zu der neu aufgetauchten Gestalt.
Tatsächlich war es beängstigend wie Asgar aus der Dunkelheit hervorkam. Ein Raubtier unter dem elfischen Volk. Das Gesicht unter der Kapuze verborgen, blitzen nur die Augen aus der Dunkelheit.
Rin selber sah nur kurz zu ihm rüber. Sie hob kurz anerkennend eine Augenbraue, bevor sie ihr Spiel weiterführte. Ein verschlagenes Lächeln umspielte ihre Lippen.
Tatsächlich hatten die beiden Nachtelfen eine bedrohliche Ausstrahlung, auch wenn sie gespielt war. Doch es würde beiden auch nicht anders gehen, wenn urplötzlich sich aus dem Dunkeln ein Dorcha lösen würde.
„ Z..zwei…oh, bei den Faldor…verdammt…“ Zischte der Mann. Der Kampfgeist war wohl gebrochen.
Kurz huschte der Anflug von Abscheu über Rins Gesicht, als der Name der dunklen Gottheit fiel. Sie war schon immer Manthala treu gewesen und verabscheute Faldor wegen seiner Grausamkeit.
Der Mann sah es jedoch nicht. Oder er konnte es nicht deuten.
Noch am Boden, versuchte er rückwärts von Asgar wegzukommen. Scheinbar hielt er ihn für sogar noch gefährlicher.
Er sah zu Windfuchs, der noch immer keine Regung gab und wie eine Statue schauend das alles geschehen ließ.
„ Bitte…Bruder….ich…“
Doger , der Hund, sprang plötzlich schützend vor Windfuchs. Sein Knurren eine Warnung an den Mann, der seinen Bruder töten wollte.
Jetzt hätte man den Hund eher als den von Asgar und Rin halten können.
„Das ist nicht das, was wir hören wollten“ tadelte Rin ihn. Den Blick auf ihre Klinge gerichtet, drehte und spielte sie mit diesen in ihrer Hand.
„ Außerdem kannst du gleich erzählen warum du deinen Bruder umbringen wolltest“
Wer sie nicht kannte, der würde sie für kalt halten. Doch Asgar konnte genau sehen, dass sie angespannt und zitterte. Sie hätten fast mitbekommen, wie jemand vor ihnen den eigenen Bruder getötet hätte.
„ Verdammt…ich rede ja“ zischte er dann zwischen zusammengebissenen Zähnen.
„ich heiße Acellius Sonnenwind. Ich bin sein Bruder. Ich komme aus dem Wald Neldoreth,..warum?...weil er eine Schande für das Blut der Sonnenwinde ist. Eine Mistgeburt…ich habe nur das Blut unserer Familie bereinigen wollen.“ Zorn wurde aus seinen Augen versprüht.
„…Seine Mutter hatte meinen Vater verführt…dieses Miststück von einer Elfe. Und sie hatte ihn bezaubert….Als das Weib endlich starb, da kümmerte Vater sich umso mehr um den ‚kleinen Prinzen’“ Er spuckte es förmlich aus.
„…selbst als er so ein Vieh wurde…doch er war so dumm…hörst du, wie ein dämliches Tier, was du jetzt bist…ich brachte ihn zu jemanden…Der meine Familie bereinigte…und sich seiner annehmen wollte…“ Wütend schlug er auf den Boden.
„ich wollte nur das Familienwappen holen, die die mein Vater im Irrsinn ihn gegeben hatte, deswegen bin ich hier.“
Wenn Blicke töten könnten, so hätten sie jetzt alle umfallen müssen. Zorn und Rachsucht vernebelte den Blick des Mannes.
„ Aber jetzt weiß ich…dass du wirklich nur Dreck bist….deine Ehre ist wohl mehr als gelogen, wenn du mit so was rumrennst…“
Rin schielte zu Asgar. Es war als würde sie ihn fragen wollen, was er davon hielt. Wie viel wusste der Bruder von der Sache im Wald?
Wie gefährlich war er?
Rin konnte ihn augenscheinlich ebenso wenig leiden, wie der Hund.
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Re: Zwei Nachtelfen im Dschungel

Beitrag von Asgar » Dienstag 21. Dezember 2010, 18:20

Sein Auftreten hatte seine Wirkung nicht verfehlt, denn in dem Blick des Mannes war nun akute Panik zu lesen. Mit Asgars Auftreten hatte er nicht gerechnet und sein Kampfeswille erlahmte, da sich „sein“ Hund nun auf die Seite der Unbekannten geschlagen zu haben schien.
„Z..zwei…oh, bei den Faldor…verdammt…“, stammelte der Mann. Rin verzog merklich das Gesicht und auch Asgar ging es nicht anders. Der Dunkle Gott war in ihrer beider Vorstellung zu mordgierig. Er war überhaupt nicht ihr Favorit. Dass dieser Mann ausgerechnet ihn anrief, sorgte nicht gerade für einen Sympathieschub bei den beiden. Im Gegenteil, sie verschlechterte sich zunehmend.
Doch noch verhasster als Faldor war dieser verdammte Gott des Lichtes, Lysanthor, der es dem Volke der Nachtelfen mehr als missgönnte ohne ihren schützenden Umhang bei Tage zu wandeln. Sie beide würden den Namen eher ausspucken denn aussprechen. Zumindest diese Sache teilten sie voll und ganz mit den Dunkelelfen.

Asgar sog geräuschvoll die kühle Luft ein, die den Gang entlang strömte. Bestimmt würde das bei ihrem „Gefangenen“ eine neue Welle von Panik heraufbeschwören. Man sah ihm an, dass er wirkliche Angst um sein Leben hatte und das obwohl beide keinen Wert darauf legten ihn tatsächlich umzubringen. Er hat Angst. Das erleichtert so einiges. Seine Mimik konnte man glatt mit der von Windfuchs vergleichen, etwas unnahbar und fast emotionslos. Wenn sie der Mann sehen würde, denn immer noch war der größte Teil von Asgars Gesicht in Schatten getaucht.

Kurz stammelte er etwas zu Windfuchs hinüber, doch als der Hund wieder anfing zu knurren, stockte er abermals. „Das ist nicht das, was wir hören wollten“, sprach Rin mit tadelnden Worten. „Außerdem kannst du gleich erzählen warum du deinen Bruder umbringen wolltest“, fügte sie noch kalt an. Langsam sollte der Kerl besser reden, denn allzu lange würde sich der Hund nicht mehr zurückhalten lassen, sondern dann tatsächlich angreifen.

„Los rede endlich!“, drängte nun auch Asgar mit kaltem Tonfall. Und schon sprudelten die Informationen aus dem Kerl heraus. Das er aus dem Neldoreth kam. Womöglich einer dieser neldorethischen Elfen. Asgar hatte schon des Öfteren ein paar Gerüchte über dieses Elfenvolk gehört, dass sie niemals logen. Sie sagten immer die Wahrheit. Ab und zu sehr praktisch. Dachte er und ein feines Grinsen flog über seine Gesichtszüge.
Der Mann sprach weiter, von Familienehre und Bereinigung. Immer diese Reinblutfanatiker! Man sollte sie wirklich alle in den Harax verbannen! Dachte Asgar entnervt. Solche Leute gab es leider überall.

Und er erwähnte einen Jemand, der sich der Sache annehmen sollte, jemanden, der wusste, wie man das Problem Windfuchs loswerden konnte. Meint er vielleicht Dorcha? Das konnte zutreffen. Angst beschlich ihn, doch er zeigte sie nicht nach außen.
Der war ja auch noch da. Und der war ziemlich ungehalten über die Bekanntschaft, die er mit der von Asgar geschleuderten Vase machen musste.

„Wer war dieser Jemand? Los rede!“ Er wollte nun endgültig wissen, ob dieser Kerl seinen eigenen Bruder an Dorcha, einen Massenschlächter, verkauft hatte, damit dieser im Namen der Dunklen Armee Gemetzel anrichten würde. Dass sie zwei einem ähnlichen Schicksal vorerst knapp entkommen konnten, erwähnte er nicht.

Sein Blick traf den des Mannes. In ihm konnte er die gleiche Abscheu sehen, die der Mann im Moment auch für sie hegte. Und auch Rin war kurz davor die Beherrschung zu verlieren. „Ganz ruhig. Nicht aufregen, meine Liebe. Ich weiß, dass seine Erzählungen schlimm sind, doch ich glaube, er spricht die Wahrheit. Ein neldorethischer Elf lügt nicht.“ Er sprach absichtlich seine Muttersprache, damit der Mann nichts von ihrem Gespräch mitbekam.

Problematisch würde es werden, sollte Dorcha mitten in das Geschehen platzen. Im Nahkampf wären sie dem Dunkelelfen klar unterlegen, doch vielleicht konnte ihnen dann Windfuchs wieder einmal helfen. Ein guter Junge. Der Hybrid wirkte vom Aussehen her noch sehr jung, doch wie er alt er tatsächlich war, ließ sich nicht sagen.

Sein Blick wanderte erneut zu dem Mann. „Dann wirst du uns helfen, Neldoreth zu erreichen. Und wehe du versuchst uns reinzulegen oder in die Irre zu führen, denn sonst und das schwöre ich bei Manthala, werde ich dir dein Herz raus schneiden und deine Leiche den Tieren zum fressen geben, klar?“ Seine Stimme hatte nun einen drohenden Ton angenommen. Kurz und für den Mann nicht zu sehen, blinzelte er Rin zu. Diese Geste sagte: ‚Ist natürlich nicht ernst gemeint.’
Doch er musste das Schauspiel aufrechterhalten um nicht doch aufzufliegen.

„Windfuchs, wir brechen auf“, sagte er. Er achtete darauf, die Kugel verdeckt zu halten, denn der Mann, der Bruder von Windfuchs durfte nicht merken, dass der Hybrid im Moment ein seelenloses Werkzeug war. Unbegrenzte Macht…Nutze sie! Flüsterte eine Stimme in seinem Kopf, die jedoch erfolgreich ignoriert werden konnte. Es war dieselbe Stimme, die immer wieder seinen Verstand heimsuchte. Ständig wollte sie, dass er den Seelenlosen zu seiner Bereicherung einsetzte, doch immer wieder blockte der Nachtelf ab. Warum ausgerechnet er? Doch deshalb wollte er sich jetzt keine grauen Haare wachsen lassen.

Was er wollte, das war endlich aus dieser grünen Hölle zu entkommen. Vielleicht würden sie im Neldoreth endlich länger verschnaufen können.

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Re: Zwei Nachtelfen im Dschungel

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. Dezember 2010, 15:51

Der Mann bemerkte sehr wohl die finsteren Mienen der beiden Nachtelfen. Er schluckte und rieb sich vorsichtig die Schulter.
„ ich kenne seinen Namen nicht…ich hatte ihn durch jemand anderes empfohlen bekommen. Als ich in einem Gasthaus war und zu laut mich über meinen Bruder beschwerte…Mir wurde ein Treffen organisiert.“
Er atmete tief durch. Wieder und wieder blickte er hasserfüllt zu Windfuchs.
Doch war er sichtlich irritiert, warum sein Bruder sowenig Regung zeigte.
Vielleicht erhoffte er sich eine enttäuschte oder wütende Reaktion.
„Wie sah der Mann aus?“ hackte Rin nochmals nach.

„..ist ja in Ordnung…der Mann war vermummt, trug ebenfalls einen Umhang, so konnte ich nicht viel sehen. Er hatte mehrere Waffen bei sich. Besonders einen ziemlich langen Dolch, der geschwärzt war….Das Gesicht konnte ich nicht sehen, doch er schien dunkle Hautfarbe zu haben. …Das was besonders auffällig war, er hatte eine tiefe befehlsklingende Stimme….das ist alles was ich weiß…er wollte meinen Bruder wegbringen…ihn erledigen, …für immer!“
Es klang ernst, ohne Reue.
Vielleicht war es besser, dass Windfuchs davon nichts mitbekam. Es hätte ihm vielleicht das Herz gebrochen.
Doch wie viel bekam der Hybrid wirklich mit?
Würde er sich an alles erinnern, was er zur Zeit ohne Seele erlebt hatte.?

„ Beruhigen?...ich würde ihn gerne persönlich kalt machen…egal wer Windfuchs war oder ist, so was hat man nicht verdient….aber glaubst du wirklich, das die Geschichte mit dem Nicht- Lügen stimmt?... Der Vermummte, du weißt, das könnte Dorcha gewesen sein?..Wir sollten hier verschwinden.“
Der Mann blickte abermals von rechts nach links. Seine Stirn legte sich in Falten. Er verstand nichts von dem, was die Nachtelfen sagten.
Doger knurrte weiter.
Erst als Rin ihre Hand auf den Kopf des Hundes legte, wedelte er kurz mit dem Schwanz. Seine Wachsamkeit ließ jedoch nicht nach.
„ ich soll euch nach Neldoreth bringen?...NIEMALS…ich verrate mein Volk nicht…ich bringe den Tod nicht in meine Heimat.“ Brauste er zuerst auf.
Doch die Drohung Asgars wirkte Wunder.
„…aber ich will nicht mein Leben verlieren…ich füge mich …widerwillig“
So erhob er sich …Langsam.
Hast du das gehört…er verrät nicht sein Volk…aber seinen eigenen Bruder… wer macht so was“ knirschte Rin . Sie kochte inzwischen.
Wenn der Mann es so weiter trieb, so würde sie wohl bald tatsächlich einen Mord begehen.
Aber ihre Miene lichte sich rasch, nachdem sie Asgar in die Augen sah. Beide hielten sich davon ab, etwas Dummes zu machen. Sie waren wirklich füreinander bestimmt.

Windfuchs reagierte wie immer auf den Befehl von Asgar und setzte sich in Bewegung. Rin achtete auf den Fremden, ihre Klinge so gerichtet, dass er auf keine dummen Ideen kommen konnte. Doch Sonnenwind war nicht lebensmüde. Gegen drei, mit Hund sogar vier, hatte er schon verloren.
Asgar spürte wieder, das inzwischen mehr und mehr, vertraute Gefühl, wenn er die Kugel nutzte. Die Stimme konnte er zwar ignorieren, aber wie lange?
Leuchtete die Kugel auf, so kribbelte es- jedoch war auch eine angenehme Wärme zu fühlen. Ein Gefühl von Macht.
Etwas, was Leuten seines Schlages eigentlich meist verwehrt war.
Selbst als die Kugel nicht mehr leuchtete, kribbelten seine Finger noch immer.
War das ein gutes Zeichen?
Rin sah kurz zu ihm rüber. Ihre Sorge war in ihren schönen großen Augen zu sehen. Hatte sie mitbekommen, das immer etwas war, wenn er die Kugel benutzte. Oder gewöhnte sich sein Körper vielleicht sogar an die Nutzung.
„ Wir sollten ihn vorgehen lassen. Ich glaube der Hund wird schon Acht geben….“ Flüsterte sie ihm zu.
Der Mann blickte verwirrt zurück. Rin hatte extra ihre Worte härter ausgesprochen, damit er glaubte, sie würde etwas gegen ihren Gefangenen planen.
„ ..ähh…wir müssen hier lang…kann sich Windfuchs nicht erinnern…oh, wie traurig….es wird etwas dauern“
Somit ging er vor. Der eine Arm hing schlaff herunter. Nur unter Schmerzen konnte er ihn heben.
Aber er führte sie weiter. Und nach einiger zeit durch den Gang, hörten sie das vertraute Zwitschern von Vögeln und rochen den Geruch des Waldes. Licht kam ihnen entgegen. Sie hatten den Ausgang erreicht.



OT: Du kannst gerne ein neues Kapitel eröffnen.
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