Undurchdringlicher Dschungel

Der Urwald oder, wie viele ihn nennen, der Dschungel erstreckt sich sehr weit. Hier verbergen sich verschiedene Rassen wie die Affenmenschen. Doch es gibt auch das sogenannte Paradies Shyána Nelle, welches sich in der großen Senke befindet.
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Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Montag 5. Juli 2010, 01:42

Asmodeus kommt von Der Wald Neldoreth -> Die Expedition (Seite 4)

Der Karren setzte sich endlich in Bewegung. Der Hirsch war nicht mehr anwesend, also zog der Dämon das hölzerne Gefährt. Er war schneller als das Tier, doch die Fahrt ging bei weitem holpriger vonstatten. Zum Glück hatte er Aurelius auf einem dicken Haufen Decken abgelegt, die jene knochenschmerzenden Bewegungen dämpften.
Mallahall und Cinnamin schoben sich zu dem Medicus. Die Lichtmaga gab Anweisungen, dass man Aurelius regelmäßig drehen musste, damit er sich nicht wund lag. Sie kannte sich mit alten Menschen aus, hatte sie ihn doch schon einmal auf diese Weise behandeln müssen. "Ich selbst werde ihm neue Lichtmagie geben, wann immer es notwendig wird." Das bedeutete aber auch, dass sie ihre Kräfte nicht mehr für Asmodi würde aufbringen können. Der Dämon wurde ohnehin von des Gevatters Tunika geschützt. Wie lange würde der Stoff einer anderen Welt ihm noch zu Diensten sein?
Nach einer Weile veränderte sich die Umgebung. Aus einem blühenden und florierenden Mischwald wurde ein beinahe undurchdringliches Gestrüpp aus Ranken und herab hängenden Zweigen. Wurzeln, so groß wie der Karren selbst, ragten aus dem Boden und versperrten, Wege, die sich die Gruppe erst noch schaffen musste. Im Vorbeifahren hopste Etelin plötzlich aus dem Karren und wagte ein paar Schritte zurück. "Wartet kurz!", rief er. Dann zog er an einem heraus ragenden Ast, bis dieser brach. Ein neuer Stab. Bei weitem nicht so unheimlich schön wie sein alter, auf dessen Spitze der Korpus eines Leichnams schwarze Schwaden am Ausströmen gehindert hatte, aber immerhin eine Waffe und etwas, um Asmodi eine Lektion zu erteilen. Doch der Dämon fiel in letzter Zeit gar nicht mehr so häufig auf wie zu jenen Tagen vor Etelins Verstandsbeschuss.

Irgendwann mussten sie rasten. Nicht wegen Asmodi, er brauchte keine Nahrung aufzunehmen wie es übliche Sterbliche taten. Er war ein Wesen des Harax und ernährte sich vom Leid anderer. Davon gab es genug, jedenfalls in Form von Sorge. Mallahall sah immer wieder nach Aurelius, ergriff seine Hand, drehte ihn oder wischte ihm den Schweiß von der fast durchsichtigen Stirn. Seine Haut war so entsetzlich dünn! Das machte ihr Angst.
"Halte durch, Aurelius. Wir finden einen Weg", sagte sie immer wieder, hauptsächlich um sich selbst zu beruhigen.
Sie rasteten, um gerade ihm die anstrengende Fahrt ein wenig erträglicher zu machen. Zudem mussten sie auch einmal etwas essen. Gerade verteilte Cinnamin die Vorräte, als etwas Seltsames geschah. Niemand der Anwesenden bemerkte es, aber Asmodi würde es spüren. Da war etwas Vertrautes. Geruch und ein Gefühl, das lange Zeit verborgen war, riefen nach ihm. Sie lagen in der Luft, beinahe wie dünne Fetzen einer Brise, die der Wind vom Meer aus über das Land mitnahm. Nur rochen sie nicht nach der salzigen See. Es roch nach ... Harax.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Donnerstag 8. Juli 2010, 15:35

Aufgrund der ruppigen Verladung hatten sich mehrere blaue Flecken auf dem Leib des Alten gebildet. Mallahall war im Moment im Dauereinsatz. Kaum war Etelin aus seiner Starre erwacht bedurfte Aurelius ihrer Hilfe. Wann würde sie endlich Rast finden… und wie lange konnte sie dieser Belastung noch standhalten? Es kam ja bereits zu massiven Ausbrüchen ihres Zustandes und dabei war Asmodi das Hauptziel gewesen. Dieser dachte inzwischen nicht daran den Karren vorsichtiger zu ziehen. Wie ein Bollwerk bahnte er sich seinen Weg durch den Wald. Aurelius hatte sich in der zwischenzeit wieder beruhigt und lag still im hinteren Teil des Karrens. Er lächelte niedlich als Mallahall und Cinnamin zu ihm kamen. Offenbar konnte er noch sehr wohl unterscheiden wer ihm gutes und wer ihm böses tat. Er blickte die beiden mit erstaunlich wachen Augen an. Doch wie viel er tatsächlich realisierte blieb nach wie vor ungewiss. Wenigstens gab er sich pflegeleicht. Er liess sich Problemlos lagern und pflegen was für alte Leute nicht immer selbstverständlich war. Er schien es z mögen wenn Mallahall ihn berührte. Vielleicht waren dies Überreste seiner Liebe von welcher Asmodi gesprochen hatte. Aber Aurelius war Vater… er hatte schon eine Frau die er allerdings mit dem Dämon teilen musste… Zanraia. Wo sie nur sein mochte? Ob sie überhaupt noch lebte?

Der Dämon knurrte vorne als ob er Aurelius Gedankenfragmente welche an seine Familie gerichtet waren spüren konnte. Nun kamen sie tatsächlich etwas langsamer voran, nicht nur weil Etelin die Gruppe kurz aufhielt zwecks besorgung eines neuen Stabes sondern auch weil das Gelände immer schwierige und durchwachsener wurde. Sie befanden sich im Dschungel. Asmodi hasste Wälder und er hasste den Dschungel. Zu viel Grünzeug welches im Weg stand. Seine Laune sank schlagartig in den Keller und er begann unentwegt vor sich hinzuknurren und grollen.

Schliesslich gab Mallahall das Kommando zu rasten. Aurelius wurde im Wagen belassen da er dort die bequemste Liegestätte hatte, ausserdem war jegliche Form der umlagerung anstrengend für ihn. Er erfreute mit einem gesunden Appetit und liess sich füttern. Er wirkte deutlich vitaler als noch vor ein paar Stunden, doch Mallahall wusste dass sein Befinden wieder umschlagen würde. Die Zeit spielte gegen den Medicus. Der Dämon hatte neben Cinnamin Platz gemacht und musterte sie unentwegt. Er starrte sie an. Ständig. Schweigend. Als erwartete er irgendwas von ihr. Immer wenn sie an ihm vorbei lief legte er seinen Kopf schief. Er war nicht bedrohlich aber es war auch nicht unbedingt angenehm was er da veranstaltete. Asmodi hatte eben seine eigenen Methoden um der Elfe zu gefallen. Immer wenn sie in seine Nähe kam begann er mit seinem väterlichen Gegrolle, welches Cinnamin wohl kaum ohne Hilfe von Mallahall oder Etelin als freundliche Geste entziffern konnte.

Doch plötzlich wurde der Dämon abgelenkt. Er reckte sein Haupt in die Höhe und kauerte auf. Er nahm Witterung auf. Ein Geruch den er zuletzt gerochen hatte als er Castus noch bei sich wusste. Er begann zu knurren, wie ein Köter der die Beute roch. „Dämonenrhrrhh…“ Knurrte er und folgte der Witterung ohne sich weiter bei seiner Gruppe zu erklären. Asmodi war nicht der Typ welcher sich an irgendwas anschleichen würde. Er wählte den offenen Weg, nur schon deswegen weil er nicht mit den Blättern und Büschen in Kontakt kommen wollte. Ausserdem gab seine Tunika ihm genug Tarnung.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Freitag 9. Juli 2010, 09:16

"Asmodi, wo willst du ...?" Etelin war der erste, der ihn weg sprinten sah. Hätte Mallahall es früher bemerkt, so wäre ihr Befehl möglicherweise noch bei ihm angekommen. "Stehen bleiben!" Doch ihre Worte gingen in der Unruhe des Urwaldes unter. Überall kreischte oder krächzte es. Dutzende Vögel mit Gefieder bunt wie ein Blumenstrauß, flogen auf, als Asmodi zwischen mannsdicken Stämmen durch Laub und Strauch sauste.
"Was hat ihn so in Aufruhr versetzt", wunderte sich Cinnamin. Sie begann, eine Bindung zu dem Wesen aufzubauen, wenngleich es so groß und unheimlich war. Außerdem knurrte es immer in ihrer Nähe und starrte sie an, was der Elfe Angst machte. Trotzdem attackierte es nicht. Cinnamin sah in Asmodi eine Persönlichkeit ähnlich eine Jagdhundes: solange man ihn in Frieden ließ, hatte man nichts zu befürchten. Sie irrte, denn sie wusste nicht, welche Gefahr hinter einem Dämon stecken konnte.
"Er hatte Dämonen erwähnt", gab Etelin zurück. Mallahall, die erschöpft bei Aurelius hockte, gab ein Schnauben von sich. "Ihr glaubt doch nicht allen Ernstes, dass es hier im Urwald noch mehr Dämonen gibt? Ist der Harax zu klein geworden für sie alle oder vermissen sie Asmodi?" Sie strich über Wange des Medicus. Er reagierte auf diese Gesten, weshalb Mallahall bemüht war, sie zu wiederholen. Jedes gute Gefühl, an das sich ihr Freund klammern konnte und somit mehr eigene Kraft zum Leben aufbrauchte, musste sie erhalten. Ihre Reserven waren erschöpft. Auch eine starke Lichtmagierin brauchte einmal Ruhe, aber jetzt würde sie sich keine mehr erlauben können.
"Er muss zurück kommen, so ungern ich es sage." Das ließ Etelin die Augenbrauen heben. Mallahalls Wärme für den Dämon war tatsächlich erloschen. Er glaubte es nicht! "Ohne ihn wird Aurelius sterben. Wir müssen ihn zurückholen." Der Lich nickte. "Kommt ihr beiden mit Aurelius und der Umgebung allein zurecht?"
Mallahall und Cinnamin bejahten seine Frage. Sie ließ Etelin die Frauen im Karren zurück, gab ihnen den Hinweis, sich mit Ästen auszurüsten und so laut wie möglich um Hilfe zu rufen, sollten sie ihn benötigen. Er wollte versuchen, Asmodi zu finden und zurück zu bringen.

Der Dämon unterdessen verfolgte eine Spur. Etwas war in seine Nase gestiegen, etwas Bekanntes. Die Witterung erinnerte ihn an andere Dämonen, wenngleich sie nicht so rein roch wie er es von Haraxwesen gewohnt war. Da war noch ein weiteres Aroma, ebenfalls vertraut. Es roch nach rotem Haar und dieser Spur Verürcktheit, die er an ihr lieben gelernt hatte. Es roch nach Zanraia!
Und dann tauchte sie vor ihm auf. Wie eine Göttin erhob sich ihre Gestalt aus dem Wasser eines Urwaldteiches. Sie war fast nackt, trug nur durchnässtes weißes Leinen, aber es brachte ihre makellose Figur zur Geltung. Die Brüste hoben sich schön geformt unter dem durchsichtigen Stoff ab. Feucht fiel das ellenlange Haar wie glänzendes, flüssiges Kupfer über ihre Schultern. In den azurblauen Augen spiegelte sich dämonisches Blau wider, als sie ein Kleinkind aus dem Wasser hob und liebevoll anlächelte. Ein Junge, wenige Monate alt, aber er strotzte nur so vor Gesundheit. Sein haraxblauer Haarkamm schimmerte. Zanraia richtete ihn auf, denn auch er war vom Bad in dem kristallklaren Tümpel nass geworden. Mutter und Kind lachten sich an. Castus streckte die Ärmchen nach ihr aus.
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Ringsum lugten verborgene Augenpaare durch das Dickicht. Wollten sie angreifen oder schützen? Gab es überhaupt ein Ziel oder war das nur eine Einbildung des Dämons? Es wirkte so echt, aber Zanraia und ihr Söhnchen waren doch von den Dämonenjägern nach Grandessa gebracht worden! Wie konnte sie hier sein?!
"Wahwah", plapperte Castus und dann gab er ein kindliches Grollen von sich, das dem Asmodis sehr ähnlich war. Daraufhin küsste Zanraia den sauber gewaschenen Bauch des Kleinen und kitzelte sein Näschen. Sie konnten kein Traum sein. Das war echt. Seine Frau und sein Sohn spielten im Wasser eines kapayischen Teiches.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Freitag 9. Juli 2010, 15:06

Der Dämon zog die Luft tief in seine Kiemen und beschleunigte seine Schritte. „RhrhRHRHRHR…“ Er grollte aufgeregt und schlug jeden Strauch und jeden Zweig zur Seite der ihm in die Quere kam. Konnte es tatsächlich sein? Roch er tatsächlich…? „Jarhrhrh…“ Sie musste es sein, sein Riechorgan war in seiner reinen Form deutlich verlässlicher als dieses schäbige Stück welches Menschen als Nase zu bezeichnen pflegten. Asmodi witterte die Energie welche Castus und Zanraia verströmten. Sie lockte ihn wie der Wurm den Fisch. Ob es sich bei Zanraia und Castus auch um einen Köder handelte?

Der Dämon war nicht gerade dafür bekannt überhaupt in eine solche Richtung zu denken. Er fürchtete die Gefahr nicht und glaubte auch nicht dass man IHN angreifen würde. Wenn andere ihm sagen würden dass der Urwald voller Gefahren steckte würde er sie doch nur verspotten! Ausserdem hatte der Dämon im Moment nur eines im Sinn… der Geruch seine Frau und seines Sohnes.

Er erstarrte als er seine geliebte Zanria und seinen Sohn erblickte. Er legte irritiert seinen Kopf schief. Nein, seine Sinne trügen nicht! Niemals! „RHrhrhrhhr…“ Er stimmte in das Grollen des vergnügten Kindes ein. Er musterte die wunderschöne Frau die da gerade aus dem Teich gestiegen kam. Seine Zanraia. Gerade ihre Verrücktheit machte sie so schön für den Dämon. Sie war Chaos… und wenn Dämonen etwas vergötterten dann war es das Chaos. Er kostete von dieser Aura und sie verzückte ihn wie das süsse Nektar eine Biene. „MRHRRMRMRHRHRMMM!“ Er atmete tief durch mit diesen grässlichen Kiemen die eigentlich nicht für diese Welt bestimmt waren.

„Zanraiarhrrhrhhrhr!“ Grollte er sehnsüchtig und trat aus dem Schutz der Büsche hinaus. Die Rothaarige hatte seine wirkliche Gestalt ja schon einmal gesehen, damals als sie auch seinen Erschaffer „kennen gelernt“ hatte. Nur die finstere Tunika die er trug mochte Fremd für sie erscheinen. Dafür war sein Grollen wohlbekannt. Nur Vater und Sohn grollten so. Der grosse Dämon trat auf die beiden zu. Er musterte seinen Sohn und seine Geliebte. Sie sahen so winzig aus im vergleich zu ihm. Castus war gerade mal so gross wie Asmodis Pranke. Die Erzeugung dieses Kindes wäre ohne den Wirtskörper offensichtlich unmöglich gewesen. Keine Frau hätte einen SOLCHEN Leib überlebt. Zumal die Dämonengestalt über gar kein eigentliches Geschlecht verfügte. Dämonen pflanzten sich ja üblicherweise nicht fort… sie erschufen sich.

„Was..rhrr.h..mach.t..ihr…hierr.r..in..diesen… Büschen!“ Besonders das letzte Wort spie er förmlich aus. Der Dämon breitete seine Arme aus und lief auf seinen Sohn zu. Er grollte aufgebracht, war dies ein Zeichen seiner Freude? „CASTUUUSS… Ihr leebbt…rhrh.r. ich wusste dass ihr euch aus den Fängen dieser schwächlichen Menschen befreien könnt! Hahrhahrrhrhrh!“

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Montag 12. Juli 2010, 00:11

Wie Donnergrollen drängte sich ihr Name zusammen mit dem gewaltigen Asmodi durch die Büsche. Zanraia wandte sich neugierig um. "Ja?", fragte sie mit einer Stimme, die wohl selbst in dem Dämon einiges auslösen mochte. So lange hatte er sie nicht mehr gehört und noch immer klang sie so liebreizend und zugleich verführerisch.
Die roten Wellen ihres Haares schimmerten mit jeder Bewegung, vor allem aber, als sie fragend den Kopf schief legte. Die Gestalt kam ihr vertraut vor, dennoch brauchte sie, um ihn zu erkennen. Die Finstertunika des Gevatters verbarg selbst Haraxwesen gut. Lediglich am blau heraus lodernden Haarkamm und den dämonischen Augen, die als feines Glühen aus der Schwärze drangen, erkannte die Frau das Biest, dessen Sohn sie in Armen trug. "Asmodeus ... hallo." Das war typisch Zanraia. Sie zeigte keine Überraschung, keine Verwunderung über seinen körperlichen Zustand. Sie sah nur ihn und grüßte, weil man das eben so machte. Dann lächelte sie.

Es roch süßlich lockend nach ihrer verrückten Art. Aber hatte sie diese nicht an Castus abgegeben? War das Baby nicht voll davon, während sie von ihrer "Krankheit" geheilt schien? So hatten Asmodeus, Mallahall und Etelin die Nekromantin verlassen. Sie hatte so klar denken können mit einem Mal und sich sogar gegen die Dämonenjäger gestellt. Wo steckten diese? Witterte Asmodi keine Falle? Vielleicht bargen sie sich im Gebüsch, aber wie kamen sie dazu? Sie würden kaum Monate im Kapayu campieren und auf den Dämon warten, den sie sicher in Zyranus verwahrt vermuteten.
Etwas stimmte hier nicht.

„Was..rhrr.h..mach.t..ihr…hierr.r..in..diesen… Büschen!“ "Wir baden!", grinste Zanraia ihn an und hob Castus etwas höher. "Schau, seine Füße sind endlich frei von Schlamm. Er spielt ja so gern im Dreck und krabbelt soooo schnell." Castus quiekte, doch plötzlich wandelte sich sein kindlich unschuldiges Glucksen in leises Wimmern. Fort war das leise grollen, das Jauchzen und Lachen des Kindes. Es starrte den Erzeuger mit großen, dämonenblauen Augen an - und in ihnen stand Angst. Leid strömte aus dem Kleinkind wie der Gestank aus einer verwesenden Leiche. Er weinte, als Asmodi seinen Namen grollte. Schon drehte Castus das Köpfchen fort, um es am Hals der Mutter zu vergraben. Zanraia streichelte über den flaumigen Haarkamm des Kindes, beruhigte ihn mit leisen Worten und schaute dann - nun doch überrascht - zum Dämon herüber.
"Er mag dich nicht", gab sie eine Erklärung ab und wirkte bestürzt.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Montag 12. Juli 2010, 11:58

"Wir baden!" „MRhrrmm dass sehe ich selbst…“ Knurrte er unruhig aber irgendwie wollte er Zanraia nicht böse sein… Trotz dem Feenzauber der auf ihm lastete war die Liebe zu Zanraia ungebrochen. Er hatte jetzt eben einfach einen Sinn für zwei Frauen, er war schliesslich auch nicht das erste Männchen welches derlei Gefühle hatte.
"Schau, seine Füße sind endlich frei von Schlamm. Er spielt ja so gern im Dreck und krabbelt soooo schnell." „Er ist gesund und entwickelt sich wie es sich für den Sohn eines mächtigen Dämons gehört!“ Schwang stolz in seiner Stimme mit?
„Was ist damals mit der Dämonenjägergruppe geschehen Zanraia… ich habe in Zyranus erfahren dass sie Grandea nie erreicht haben! Wo also sind sie verblieben?! Wie hast du dich befreien können?!“

Der Dämon kam näher an seine Familie heran doch er blieb stehen als Castus zu wimmern begann. Asmodi legte seinen Kopf schief. War der Vater verunsichert? Vermutlich, denn sein Sohn reagierte nicht so wie er es erwartet hätte. „WASRH HAT ER?“! Fuhr er Zanraia entgegen. „WARUM WEINT ER?!“ Er verstand Castus nicht. Konnte seine Reaktion nicht einordnen aber sie machte ihn wütend. Er war sein Erzeuger, er war sein Vater er hatte ihn zu ehren, zu huldigen und zu schätzen! Dass Asmodi kein einfacher Vater sein würde konnte man sich nun etwa vorstellen, aber Castus war ja auch kein normales Kind.

„RHRHRHRRHRH!“ Der Dämon begann väterlich zu Grollen und versuchte damit Castus an ihre Bindung zu erinnern. Dennoch hielt er Abstand zu seinem Sohn als wäre eine unsichtbare Wand zwischen ihnen beiden hochgeschnellt. „Meine vermaledeite Herrin….Etelin und Cinnamin sind hier ganz in der Näherhrrhrh…dort seid ihr vorerst sicherhrhrhrh!“
Ihm gefiel es nicht dass seine Zanraia so allein und ungeschützt in diesem grässlichen von Kräutern verpesteten Wald war. Ihnen hätte sonst was passieren können! Der gute Vater war besorgt…

Der Dämon kauerte sich hin und studierte den Säugnling. „WAS IST GESCHEHERNRHRHR?!“ Wollte er sogleich wissen, denn Zanraia war ihm noch eine Antwort schuldig wie sie hier an diesen Ort gelangt war. Allein… mit einem Säugling. Allein schon der Gedanke machte ihn rasend. Er hoffte die Dämonenjäger waren noch nicht alle tot so dass er sich ihrer würde annehmen können. Besonders dieser fiesen kleinen Jägerin wollte er die Brüste vom Leib reissen. Er hatte wohl etwas gegen Frauen die ihm Leid angetan hatten.
"Er mag dich nicht" „MRhrrmrrm vielleicht wurde er in Gefangenschaft zu vermenschlicht! ER IST MEIN SOHN!!“ Er hatte ihn zu mögen! Sie hatten so einen herzlichen Umgang zueinander gehabt, damals als die Welt noch in Ordnung gewesen war. Nun hatte er eine Frau deren süsse Verrücktheit verloren gegangen war, einen Sohn der auf ihn reagierte als wäre er die Beulenpest und eine Herrin die sonst irgendwie Übergeschnappt war ausserdem wurden sie in Zyranus, bei den Dunklen Horden und vielleicht sogar noch von den Dämonenjägern gesucht! Es war verständlich dass Asmodi im Moment etwas unter Stress stand.

"Ist er Krank'?!!?! Wir müssen ihn zu Mallahall bringenrhrhrhr!"

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 14. Juli 2010, 07:42

Zanraia betrachtete ihr Söhnchen. Asmodi hatte Recht. Castus entwickelte sich prächtig. Er war kerngesund, hatte rote Wangen und strotzte nur so vor Neugier. Die Welt, in der er aufwuchs, bot ihm so viel Neues, so viel Leben. Castus konnte sich gar nicht satt sehen und er wollte alles mit seinen kleinen Fingern berühren, alles in den Mund stecken. Würmer schmeckten ihm nicht, das hatte die Mutter schon herausgefunden. Dafür zeigte Castus eine kindliche Schwäche für Erde. Er stopfte sie sich gern in den Mund, ließ die winzigen Steinchen knirschen und quietschte angewidert, wenn er dabei einen Regenwurm verschluckte. Er war ein wirklich allzu süßer Fratz.
"Er wächst schnell und ist klug. Ja, er entwickelt sich", stimmte Zanraia lächelnd zu, "aber er ist nicht nur Dämonensohn. Aurelius ist auch sein Vater." Sie guckte sich verwundert um. "Wo steckt er und wieso seid ihr getrennt? Vermisst du ihn nicht?" Die Fragen sprudelten nur so aus ihr heraus. Jetzt wurde deutlich, von wem Castus seine Neugier geerbt hatte.
Doch auch Asmodi hatte seinerseits Fragen. Zanraia überging diese jedoch zunächst, da sie voll und ganz auf ihre eigenen und ihr Kind konzentriert war. Liebevoll drückte sie Castus an sich, als dieser ob Asmodis Nähe zu weinen begann. Böse schaute sie zum Dämon, als dieser lauter wurde.
"Shhh! Du machst ihm ja Angst!" Sie war eine gute Mutter, die ihr Kind wie nichts Anderes in ihrem Leben hütete. Ja, Zanraia musste sehr gut auf Castus acht gegeben haben in den letzten Monaten, in denen Asmodi hauptsächlich in der zyranischen Glaszelle gefangen saß. Sie hatten beide überlebt und die Dämonenjäger schienen Zanraia nicht länger festzuhalten. Aber was war mit ihnen geschehen? Wo steckten die Feinde?

"Meine vermaledeite Herrin ... Etelin und Cinnamin sind hier ganz in der Näherhrrhrh ... dort seid ihr vorerst sicherhrhrhrh!" "Oh, aber wir sind sicher. Wollt ihr nicht zu uns kommen ... und warum vermaledeit? Meinst du nicht ver-malle-deit?" Sie lachte fröhlich über ihren Scherz. "Wer ist Cinnamin? Ach, egal, sie können alle mit zu uns. Ich habe ein eigenes Haus für Castus und mich, ist das nicht toll. Und ich kann sogar schon ihre Sprache sprechen. Klingt lustig, oder? Ach, du verstehst wohl kein Wort." Wieder lachte sie. Es war schön, Zanraia so ausgelassen und sorglos zu sehen, zugleich jedoch verwunderlich. Sie steckte mitten im Urwald. Etelin hatte diesen Ort schnell durchqueren wollen und die Gefahren betont. Zanraia machte nicht den Eindruck, als könnte es hier den Hauch von Gefahr geben. Ihre Fröhlichkeit verwandelte den Kapayu in ein Paradies.

"WAS IST GESCHEHERNRHRHR?! MRhrrmrrm vielleicht wurde er in Gefangenschaft zu vermenschlicht! ER IST MEIN SOHN!!" Sein Sohn mochte offenbar das Gebrülle nicht oder so sehr, dass er mit einstimmen wollte. Jetzt quängelte Castus, plärrte und weinte immer lauter. Zanraia hatte alle Mühe, ihn wieder zu beruhigen. In den Büschen ringsum raschelte es kurz und einmalig. Jemand beobachtete sie.
"Wir waren gar nicht lang in Gefangenschaft. Hier im Urwald mussten sie uns aus dem Karren holen, weil wir nicht besser durch kamen und dann habe ich dafür gesorgt, dass wir wieder frei waren." Zanraia verzog keine Miene. Es zählte zu ihrer verrückten Art, Probleme auf diese Weise anzugehen. "Ich habe Raben gerufen, die ihnen die Augen ausgehackt haben. Keiner der bösen Leute kam jemals so tief in den Kapayu wie Castus und ich."
Schon einmal war es vorgekommen, dass sie - fast - jemanden getötet hätte. Asmodeus, mit einem Dolch, nur weil sie seinen Körper als Auffangbecken für die Seele ihres verstorbenen Liebhabers haben wollte. Für Zanraia war nichts dabei, anderen Menschen das Leben zu rauben, wenn sie sich oder ihr Kind schützen oder eine Lösung für ein Problem finden konnte. Anders war es wohl bei Freunden. Denen würde sie kein Haar krümmen.
Aber wie hatte sie im dichten Urwald allein überleben und noch dazu einen Halbdämon versorgen können? Auch wenn Castus einen pflegeleichten Eindruck machte - das Weinen hatte er bereits wieder eingestellt - so blieb es doch eine Schwierigkeit, ein Baby fernab von Zivilisation wie Leinenwindeln oder bereit gestellter Nahrung, ja sogar einem Bettchen, aufzuziehen. Hatte Zanraia nicht vorhin etwas von einer Hütte gesagt?

"Ich bin bei den Tabiki untergekommen. Sie haben uns gefunden, als ich mich im Wald verlaufen habe. Meine Füße waren ganz aufgescheuert, aber sie haben mich gepflegt und Castus gekuschelt und alles. Sie sagen, er ist ein ... hm ... Göttergeschenk. Aber sie beten andere Götter an. Möchtest du sie sehen? Ich mag sie. Mallahall und Etelin und ... Cinnamin? ... können auch in ihr Dorf. Dort ist es schön, sie haben bunte Vögel. Aber wo steckt Aurelius? Ist er in dir drin?" Zanraia streckte die Hand nach Asmodi aus, wollte sein blaues Haarfeuer berühren. Da loderte jenes von Castus heller. Er besaß nicht direkt Feuer als Haarkamm, so wie sein Dämonenvater, aber die aufgerichteten Strähnchen leuchteten wahrlich und zwar in einem hell haraxischen Blau.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Samstag 17. Juli 2010, 22:10

"Er wächst schnell und ist klug. Ja, er entwickelt sich…aber er ist nicht nur Dämonensohn. Aurelius ist auch sein Vater." „RHRHRhrhrhrhrrhrh!“ Der Dämonenvater grollte und diesmal nicht wohlwollend sondern düster. „Mallahall hat mich ihm ausgetrieben und jetzt liegt er dahinsiechend im Karren! Ohne mich ist er über 150 Jahre Alt Zanraiarhrhrhrhrh…. Du weiss es ja.rhrhrrh… du kennst dich mit Nekromantie aus und weiss wie alt ein Menschrhrhrh normalerweise werden kannrhrrhrh. Seine Zeit läuft…. ALS HÄTTEN WIR WELCHE RHRHRH! Diese vermaledeite Herrin!“ Begann er wieder zu fluchen und für einen Moment wandte er denn Kopf um. Denn er fühlte sich beobachtet. Seine Kapuze rutschte kurz über den Schädel und gab den Blick auf die Dämonenfratze frei, nur kurz denn er zog sie sogleich wieder tief über sich da er fürchtete sich sonst aufzulösen.

"Wo steckt er und wieso seid ihr getrennt? Vermisst du ihn nicht?" Brav und fast schon erstaunlich geduldig gab der Dämon sogar Antwort. „Errhhh ist bei Mallahall und Etelin sowie Cinnamin im Wagenrhrhrh… Mallahall hat ihn ausgetrieben dieses… Stück…hrRRHR:HR:H:HHR:.“ Asmodi war ebenfalls gar nicht mehr gut auf Mallahall zu sprechen. Die Fronten hatten sich bei denen zwei deutlich verhärtet.

"Shhh! Du machst ihm ja Angst!" „ER IST EIN DÄMON ER KENNT KEINE ANGSTRHRHRHRH!“ Wenn dieses schwächliche menschliche Genom dafür gesorgt hat dass MEIN Sohn Angst empfindet RHARHRHRH! Dafür kannte er selbst diese Emotion sehr gut. Auch wenn er es nicht zugeben wollte.
"Oh, aber wir sind sicher. Wollt ihr nicht zu uns kommen ... und warum vermaledeit? Meinst du nicht ver-malle-deit?" Asmodi runzelte verwirrt seine riesige Stirn und legte seinen Kopf schief, wieder kam diese tiergleiche Haltung zum Vorschein. Er wurde ziemlich oft nicht richtig aus Zanraia schlau doch genau dies hatte ihn ja so vernarrt in sie gemacht. In ihr herrschte ein eigentümliches Chaos. Verrückt hin oder her.
“Wer ist Cinnamin? Ach, egal, sie können alle mit zu uns. Ich habe ein eigenes Haus für Castus und mich, ist das nicht toll…“ „EIN HAUSR?!“ Der Dämon knurrte. Eifersucht stieg in seinem Geist hoch. „WER GIbT DIR EIN HAUS UND WESHALB?!“ Er glaubte nicht an die Selbstlosigkeit der Menschen und meistens lag er mit dieser Einschätzung auch richtig, selten taten Menschen etwas ohne einen eigenen Nutzen für sich zu erkennen.

“Und ich kann sogar schon ihre Sprache sprechen. Klingt lustig, oder? Ach, du verstehst wohl kein Wort." Er starrte sie entgeistert an. Was bei einem Dämon doch schon sehenswert war. Speichel troff ihm aus dem Maul weil er es für einen Moment offenstehen liess. „WASRHRH?!“ Er krabbelte näher und hielt doch Abstand zu seiner Frau. Er legte seinen Kopf schief und musterte sie eingehend. Er war deutlich irritiert. Das was sie erzählte war ja auch zu absurd! Sie steckten hier mitten in der Pampa und sie sprach von einem eigenen Haus und einem seltsamen Kauderwelsch die sie als Sprache bezeichnete von einem Volk welches sie ihm noch nicht genannt hatte. Eines nur Stand für ihn Fest. Mit Wesen die in einem solchen von Kräutern und Pflanzen verpesteten Wald lebten wollte er prinzipiell nichts mehr zu tun haben! Das demütigende Erlebnis mit den Feen hatte schon deutlich ausgereicht! Und dabei war er sich nicht mal bewusst dass er noch immer unter einem Feenzauber litt. Aurelius übrigens auch…. Nur hatte der Alte mit seinen eigenen Augen als erstes… Etelin angeschaut.

Asmodi knurrte und fauchte herum und verstimmte so offensichtlich seinen Sohn. „Schweig stillrhrh! Dämonen heuen nicht!“ Knurrte er. Offenbar war er über einige Entwicklungsschritte seines Sohnes nicht so erfreut. Doch auch er war ja zum ersten Mal Vater und deshalb vielleicht auch ziemlich Überfordert und dass der Dämon dies nicht gut vertrug war inzwischen bekannt.

"Wir waren gar nicht lang in Gefangenschaft. Hier im Urwald mussten sie uns aus dem Karren holen, weil wir nicht besser durch kamen und dann habe ich dafür gesorgt, dass wir wieder frei waren." „Wierhrhrh?!“ Wollte er wissen. Er wollte in Erfahrung bringen wie viel potenzielle nekromantische Magiebegabung sie seinem Sohn weitervererbt hatte. Ein Magiebegabter Dämon der Untote um sich Schaaren konnte und das Seelenfeuer besass… eine unglaublich mächtige Mischung wie er fand.

"Ich habe Raben gerufen, die ihnen die Augen ausgehackt haben. Keiner der bösen Leute kam jemals so tief in den Kapayu wie Castus und ich." Der Dämon begann düster zu lachen. „HARHAHRHR DASS IST MEIN MÄDCHEN AHAHARHARHAHR! Hoffentlich haben diese Bastarde geschrien wie am Spiess… sind sie alle Tot?!“

"Ich bin bei den Tabiki untergekommen. Sie haben uns gefunden, als ich mich im Wald verlaufen habe. Meine Füße waren ganz aufgescheuert, aber sie haben mich gepflegt und Castus gekuschelt und alles.““ DARUM PLÄRRT ER HIER RUM WIE EIN NORMALES MENSCHENKIND!“ Nörgelte der Dämonenvater sogleich. „Tabikirhrhrh…“ Asmodi konnte nicht auf Aurelius Erinnerungen zugreifen, denn der Medicus war weit belesener gewesen als der Dämon für welchen Celcia eigentlich ein fremdes Land war. Natürlich hatte sich der Schmarotzen im Verlauf der Jahre sehr viel Wissen um Celcia eingeprägt doch die Tabiki kannte er nicht. Aurelius vermutlich auch nicht.
“Sie sagen, er ist ein ... hm ... Göttergeschenk. Aber sie beten andere Götter an.“ „Götter? Was ist mit Göttern?!“

“Möchtest du sie sehen? Ich mag sie. Mallahall und Etelin und ... Cinnamin? ... können auch in ihr Dorf. Dort ist es schön, sie haben bunte Vögel. Aber wo steckt Aurelius? Ist er in dir drin?" „Mrhrmrm…NEIN ER IST NICHT IN MIR DRINN DASS HABE ICH DIR SCHON DREIMAl GESAGT!“ Knurrte er ungehalten. Er zählte nach wie vor nicht zu den geduldigsten Zeitgenossen. „Von mir aus… folge mir zum Wagen… und deine uns beobachtenden Freunde rhrhrhr.“ Er schien Zanraia doch ziemlich zu vertrauen wenn er sich offenbar der Anwesenheit der Ureinwohner bewusst war und nicht gegen sie vorging. Er streckte seine Pranke nach Castus aus und wollte ihn in den Arm nehmen. Sobald er seinen Blick auf sein Söhnchen richtete begann er instinktiv mit Grollen an. „Er hat schon sein kleines Seelenfeuer…“ Bemerkte er stolz.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 4. August 2010, 15:01

Zanraia machte keinen erschreckten Eindruck. Sie hielt Castus fürsorglich im Arm. Beschützend, wie eine jede Mutter es konnte. Allein die Anwesenheit ihres Sohnes schien sie ruhig zu halten. Liebevoll strich sie über seine kleinen Ärmchen, die neugierig nach allem zu patschen versuchten, was sich in seine Nähe begab. So streckten sich die winzigen Finger nach einem bunten Schmetterling, der spielerisch an Castus' Gesicht vorbei zog. Das Kind quietschte vergnügt. Seine unschuldige Seele ahnte nicht, worüber sich die Eltern unterhielten.
Schließlich nickte Zanraia. "Er ist zu alt, um noch lange leben zu können. Nicht ohne dich, Asmodi. Du musst zurück in seinen Körper ... oder ich werde ihm einen neuen suchen müssen." Sie lächelte. "Damals wollte ich seinen Körper noch nutzen, um meinen ehemaligen Freund zu retten. Jetzt ist er dran." Da war es. Zanraia besaß noch immer ihre chaotische Denkweise, auch wenn sie nun gezielter nachdachte. Sie hatte Castus einen Teil überlassen, aber ganz verschwinden würde dieser Hauch Chaos wohl nie. Kein Wunder, dass sich der Dämon von ihr noch immer angezogen fühlte, obgleich auf ihm der Feenzauber weiterhin lag.

"Es gibt einen nekromantischen Zauber", fuhr Zanraia fort. "Ein Ritual, mit dem man einen Pakt mit dem Tod selbst schließt. Man schenkt ihm etwas seiner eigenen Lebenszeit, um die eines anderen zu verlängern. Ich kenne niemanden, der das jemals gewagt hat. Wer gibt schon freiwillig etwas von seinem Leben?"
Etelin hatte es getan. 10 Jahre ... eine lange Zeit für ein Menschenleben. Er kämpfte um Aurelius. Mallahall ebenfalls, doch warum hatte sie den Dämon dann ausgetrieben? Sie wusste doch, dass der Medicus auf seine haraxische Macht angewiesen war.
"Mallahall ist kein Stück, sie ist eine gute Freundin und deine Herrin. Sie hat deine Unschuld getragen, so wie ich es jetzt tue." Zanraia hob Castus etwas an und knuddelte ihn. Wahrlich, dieses kleine Halbdämonenkind war die Unschuld in Person. Und es besaß menschliche Eigenschaften, Gefühle. So zeigte Castus deutlich Furcht, als Asmodi so aufbrausend wurde. Er mochte Mut besitzen, denn welches Baby spielte noch vergnügt weiter, wenn ein ausgewachsenes Haraxwesen in der Nähe stand? Asmodi verströmte eine Aura, dass es einem kalt den Rücken hinunter lief. Castus zeigte da keine Scheu, doch er mochte die Nähe seines Vaters nicht unbedingt. Etwas stimmte nicht. Es gab nich mehr seltsame Dinge. Zanraia sprach von einem Heim. Ein eigenes Haus, hier mitten im Urwald?

"WER GIBT DIR EIN HAUS UND WESHALB?!" "Die Tabiki, meine neuen Freunde. Weil ich wegen meiner Füße kaum noch gehen konnte und weil Castus ein Dach über dem blauen Haarschopf braucht." Zan streichelte ihrem Söhnchen über den Kopf. Dann winkte sie den Büschen zu.
Es raschelte darin. Blätter und Zweige teilten sich, als Gestalten mit rotbraun gebrannter Haut die Lichtung betraten. Ihre dunklen Augen musterten Asmodi. Sie trugen Lumpen aus Tierfellen oder -häuten und in ihren Händen ruhten primitive Waffen wie Speere und Jagdmesser. Aber keiner zeigte eine offensive Haltung. Mehr defensiv und verteidigend näherten sie sich vorsichtig Zanraia, ohne dabei Asmodi umzingeln zu wollen. Sie besaßen keine feindlichen Absichten, blieben dennoch wachsam.
Im Halbkreis stellten sich die Tabiki hinter Zanraia auf, die Asmodi nun von ihrer Befreiungsaktion erzählte. Mit dem Karren waren die Dämonenjäger schlecht durch den Urwald gekommen, was überaus logisch erschien. Asmodis Gruppe hatte auch so ihre Probleme - abgesehen von jenen mit dem vor sich hin sterbenden Medicus. Dass Zanraia die Dämonenjäger wohl alle mit ihrem nekromantischen Zauber getötet hatte, gefiel dem Dämon. Sie selbst lachte herzlich mit, freute sich schließlich darüber, sich ganz allein befreit zu haben.
"Sie sind alle tot. Die Tabiki haben ihre Überreste der Erde gegeben oder so. Es hat ziemlich gestunken, als sie verbrannt wurden." Die Urwaldmenschen legten die Köpfe schief - eine Eigenart, die sie mit dem Dämon gemein hatten. Einige blieben auf Abstand. Ihnen war die Gestalt nicht geheuer, wenngleich auch sie eine Art blauen Haarschopf besaß.
"Das ist Castus' Vater. Einer davon!", verkündete Zanraia mit ausgestrecktem Zeigefinger. Sie deutete auf Asmodi. "Der andere liegt krank in einem Karren. Ihr solltet ihnen helfen, sie sind lieb, alle beide!"

Die Tabiki zögerten. Einige besaßen den Mut, etwas näher zu treten, doch das war es auch schon. Keiner machte Anstalten, an Asmodi vorbei in den Urwald zu dringen. Sie kannten immerhin die Gefahren des Kapayu und sahen die Welt eindeutig mit anderen Augen als Zanraia. Aber weshalb bezeichneten sie Castus dann als Göttergeschenk?
Der Dämon hatte zumindest das mit den Göttern mitbekommen und hakte nach. Zanraia lächelte ihn stolz an. Sie freute sich über so viel Aufmerksamkeit. "Castus ist ein mächtiges Kind", sagte sie, was Asmodi bestimmt auch stolz machte. Doch für wie lange? Die nächste Nachricht besaß sicherlich eine andere Wirkung als erwartet.
"Er hat einen furchtbar verängstigten Tabiki gekuschelt. Der wollte nicht mehr aus seiner Hütte, hat nur rumgelegen und gewimmert. Castus hat ihn gestreichelt und dann haben seine Haare wie Feuer gelodert. Jetzt hüpft und springt der Tabiki wieder fröhlich herum. Er sagte mir, er habe Angst vorm Kapayu gehabt, weil seine Geliebte dort umkam. Castus habe ihm jeglichen Zweifel genommen und Mut sowie Lebenswillen zurückgegeben. Er hat ihm die schönen Dinge des Lebens vorgezeigt, so habe ich es jedenfalls verstanden. Haben wir nicht einen Prachtsohn?" Sie hielt den kleinen Jungen hoch, der Asmodi nun mit seinen dämonenblauen Augen musterte. "Und nun gehen wir zum ... ETELIN!"

Zanraia drückte Asmodi seinen Sohn in die Hände, damit sie beide frei hatte, um den Lich in einem einzigen Freudensprung zu umarmen, als er durch das Dickicht der Wildnis gestapft kam. Etelin war überrascht, denn er stand einen Moment lang nur mit hochgezogenen Augenbrauen da. Schließlich realisierte er Zanraia und legte seinerseits die kurzen Arme um ihren Körper. Die Frau drückte sich eng an den Lich, machte ihn mit ihren feuchten Haaren ebenfalls nass, kümmerte sich aber nicht darum. Etelin klopfte ihr vorsichtig den Rücken.
"Wie schön, dass es dir gut geht! Dann sollten wir gleich Mallahall und Aurelius und diese Cinnamin holen! Wir feiern und wir retten Aurelius. Sicher finde ich einen neuen Körper für ihn." Zanraia kam aus dem Brabbeln nicht mehr heraus. So sehr wie sie plapperte, so sehr winselte nun Castus in Asmodis Armen.

Das Kind schaute zu seinem Vater auf. Die blauen Haare züngelten magisch hin und her wie Dämonenfeuer. Die kindliche Miene nahm eine traurige Maske an. Tränchen bildeten sich, doch Castus zeigte keine Angst. Sie hatten es falsch interpretiert, allesamt.
Castus zeigte Mitleid. Das Kindchen weinte um die chaotische Finsternis seines Vaters. Zugleich wanderte die Aura des Kindes über dessen Leib. Er suchte nach etwas, nach Fröhlichkeit. Asmodi konnte Bilder von schwarzen Würmern sehen, die ein Dorf vernichteten. Er konnte in aller Genauigkeit Adelmunds Gesicht erkennen, ehe dieser tot neben ihm zusammenbrach. Er sah andere schändliche Bilder, an denen sich nur eine Dämonenseele ergötzen konnte. Castus schenkte ihm düstere Erinnerungen, die ihn stärkten. Er gab ihm Seelenfrieden, wenngleich diese Bilder jedem anderen die Seele zerrissen hätten.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Freitag 6. August 2010, 10:55

"Er ist zu alt, um noch lange leben zu können. Nicht ohne dich, Asmodi. Du musst zurück in seinen Körper ... oder ich werde ihm einen neuen suchen müssen." Der Dämon knurrte düster. „Das musst du nicht mir sagen, sondern dieser Magierhure! Sie ist dafür verantwortlich, nur sie allein!“ Keifte er. Oh er war ganz und gar nicht mehr gut auf Mallahall zu sprechen. Verstanden die Augenpaare hinter den Büschen was er von sich gab? Es schien zumindest so als wäre es dem Dämon egal.
"Damals wollte ich seinen Körper noch nutzen, um meinen ehemaligen Freund zu retten. Jetzt ist er dran." „Und ich?! Ich kann nicht ewig mit diesem Gewand auf Celcia wandern!“ Fauchte er beinahe etwas eingeschnappt. An Aurelius dachte sie, an ihn nicht. So warf er es ihr zumindest gedanklich vor. Er reckte sein Haupt hoch so dass die Tunika kurz beinahe über seine Flammenhaare glitt. Seine Augen funkelten und qualmten bedrohlich. Es war verwunderlich dass sich die Beobachter so ruhig verhielten, angesichts dieses grossen schwarzen Schattens.

"Es gibt einen nekromantischen Zauber. Ein Ritual, mit dem man einen Pakt mit dem Tod selbst schließt. Man schenkt ihm etwas seiner eigenen Lebenszeit, um die eines anderen zu verlängern.“ Asmodeus legte seinen Kopf schief und begann zu grollen. Er war sich bewusst von welchem Zauber sie sprach. Denn er kannte dessen Macht.
„ Ich kenne niemanden, der das jemals gewagt hat. Wer gibt schon freiwillig etwas von seinem Leben?" Er grollte nur, sagte aber nichts. Er wollte die Grösse von Etelins Akt nicht anerkennen und akzeptieren. Schliesslich müsste er sonst ja dankbar sein. „Wüäkr.“ Er spuckte aus bei diesem Gedanken.

"Mallahall ist kein Stück, sie ist eine gute Freundin und deine Herrin. Sie hat deine Unschuld getragen, so wie ich es jetzt tue." „Widersprich mir nicht!“ Grollte er. „Sie ist ein Stück und es ist eine Schande dass ich sie für diese Aufgabe auserwählt habe! Sie hat versagt! Schlimmer noch, sie hat mich verraten! Mich und ihren kleinen Medicusfreund!“ Beschwerte er sich wütend. Der Dämon bekam noch mehr Grund sich aufzuregen als Zanraia ihm erzählte dass sie sich irgendwo häuslich eingerichtet hatte.
"Die Tabiki, meine neuen Freunde. Weil ich wegen meiner Füße kaum noch gehen konnte und weil Castus ein Dach über dem blauen Haarschopf braucht." „Tabikiiirhrhrh?!“ Er konnte diesen Stamm nicht, wusste nicht was Tabiki waren. Doch er war Dämon genug um für sich selbst zu wissen dass kein Stamm aus reiner Nächstenliebe handelte wenn es zwei so zerstreute Wesen wie Zanraia und Castus bei ihnen aufnahm. Er glaubte nicht an das Gute in den Menschen, sondern an ihre Dunkle Seite.

Der Dämon drehte sich einmal um die eigene Achse als die Tabiki auf ihn zukamen. Er selbst nahm sofort eine kauernde Haltung an. Er lauerte und wirkte damit von allen am angriffigsten. Er knurrte als er die Waffen sah und ballte seine klauenbewehrte Hand zur Faust.
„RHRHRHRHRHHRHRHR!“ Begann er bedrohlich zu grollen. In Anwesenheit von Zanraia und seinem Sohn war der Dämon deutlich aggressiver und feindseliger als ohne. Vielleicht ein Beschützerin stinkt?

Er wurde erst etwas ausgelassener und entspannter als seine Geliebte ihm erzählte wie die Dämonenjäger ihr Ende gefunden hatten.
"Sie sind alle tot. Die Tabiki haben ihre Überreste der Erde gegeben oder so. Es hat ziemlich gestunken, als sie verbrannt wurden." „Mit den Füssen nach oben begraben und verroten lassen hätte man sie sollen!“ Knurrte er düster.
"Das ist Castus' Vater. Einer davon!" „HRRHHRhRHRHRH!“ Der Dämon grollte und richtete sich auf. Wenn er nicht kauerte nahm er doch eine beachtliche Grösse an. Seine Klauen die ab und an unter dem Gewand hervor blitzten und sein düsteres Dämonenhaupt waren schon ziemlich unheimlich anzusehen. Asmodis Kopf war gut zu erkennen denn sein Seelenfeuer leuchtete im Dunkel des Gewandes.

"Castus ist ein mächtiges Kind" „Natürlich ist er das! Er ist MEIN Sohn! Er trägt MEIN Erbe!“ Meinte der Vater wahrlich stolz. Er musterte sein Söhnchen. Wenn es jetzt schon so mächtig war… wie mächtig würde er sein wenn er ausgewachsen ist.
"Er hat einen furchtbar verängstigten Tabiki gekuschelt. Der wollte nicht mehr aus seiner Hütte, hat nur rumgelegen und gewimmert.“ Seine Augen flammen auf. Er musterte seine Frau. Musterte seinen Sohn.

“ Castus hat ihn gestreichelt und dann haben seine Haare wie Feuer gelodert. Jetzt hüpft und springt der Tabiki wieder fröhlich herum.“ „WUAAAAAAAAAAASRHRHRHHRHRRH?“ Der Dämon wollte noch nicht glauben was er hörte. Doch Zanraia hämmerte ihm die Hiobsbotschaft eifrig ins Bewusstsein.
“ Er sagte mir, er habe Angst vorm Kapayu gehabt, weil seine Geliebte dort umkam. Castus habe ihm jeglichen Zweifel genommen und Mut sowie Lebenswillen zurückgegeben. Er hat ihm die schönen Dinge des Lebens vorgezeigt, so habe ich es jedenfalls verstanden. Haben wir nicht einen Prachtsohn?" „WUAHRHRHRHRHRHHRH!“ Der Dämon riss seine Augen auf. Funkelte seinem Sohn entgegen. Bemerkte Zanraia diese Reaktion nicht? Oder missinterpretierte sie sie? Asmodis Wut und Freude sahen manchmal genau gleich aus.

Dann überstürzten sich die Ereignisse. Zanraia erblickte Etelin und raste auf ihn zu. Um ihn umarmen zu können reichte er dem verdutzten Dämon seinen Sohn. Dieser hielt Castus in seinen Klauen und starrte seinem Sohn entgegen. Er schnüffelte an ihm. Grollte ihm entgegen und konnte doch nichts Verdächtiges erkennen.
Dann geschah es. Castus wandte sein Seelenfeuer an seinem eigenen Vater an und die Macht die er damit bereits besass war gewaltig. Der Dämonenvater riss seine Augen auf. Starrte die Dörfer an, die Toten, die Leidenden die Gequälten.

„Rhrrrrrrrrrh…“ Grollte er nur noch. Er hielt inne. Lange Zeit. Die Welt um ihn herum erschien ihm wie in Zeitlupe. Doch mit den Bildern die er sah. Mit der Genugtuung die sie in ihm Auslösten… mit der Fröhlichkeit…brach auch ein grosses Unglück über den Dämon herein.
Er packte seinen Sohn am Kragen. Brüllte auf. Er riss ihn brachial von sich und schleuderte ihn Etelin und Zanraia entgegen als hätte er sich einem lästigen Tier entledigen wollen.

„UWAAAAAAAAAAAAAAARHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!“

Wut durchflutete seinen Blick. „WAS HABT IHR MIT IHM GEMACHT?!“ Brüllte er. Dämonenfeuer… dass Fröhlichkeit erzeugte? Zufriedenheit? Sein Sohn war... falsch gewickelt. Verdorben. „RHAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARHRHHHH!!!“ Wutschnaubend griff er die Tabiki an welche er dafür gerade schuldig machte.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Samstag 7. August 2010, 16:11

Zanraia war verwirrt. Es handelte sich nicht um die übliche Verwirrung, die mit ihrer chaotischen Persönlichkeit einher ging, sondern dieses Mal war sie wirklich verwirrt. Asmodi machte deutlich, Mallahall nicht mehr zu mögen und das verstand die Rothaarige nicht. Mallahall war nicht nur seine Herrin, sondern auch seine Freundin und vielleicht sogar Mentorin in Sachen Celcia gewesen. Asmodi stammte nicht von hier, er kam aus einer eigenen Welt, die sich Zanraia nicht einmal im Traum vorstellen konnte oder wollte. Sie wusste, dass er mit alltäglichen Dingen oftmals überfordert war und nicht gerade normale Verhaltensweisen und Reaktionen an den Tag legte. Zanraia schmunzelte. Sie waren sich ähnlich.
Aber warum verachtete er Mallahall nun so sehr? Immer wieder knurrte und maulte er davon, dass sie ihn ausgetrieben hatte. Zanraia wollte das kaum glauben. Mallahall wusste doch, dass Aurelius den Dämon zum Überleben brauchte. Niemals wäre sie ein solches Wagnis eingegangen. Oder doch? Was war geschehen, seit man die Freunde zwanghaft voneinander getrennt hatte?
Viele Dinge hatten sich entwickelt. Allen voran Castus, der eine ganz eigene Methode für sich entdeckt hatte, das haraxische Seelenfeuer zu nutzen. Menschliche Anteile seines Blutes hatten ihn in ein Wesen mit gottgleicher Gabe verwandelt. Das Kleinkind war in der Lage, Seelenfrieden zu geben, statt Zweifel und Ängste zu schüren. Woraus auch immer dieser Seelenfrieden bestehen mochte.
So sah Asmodi Bilder von Gewalt und brachiale Brutalität vor Augen. Bilder, mit denen das Söhnchen das Gemüt des Vaters hatte beruhigen wollen. Konnte Castus sein Seelenfeuer in seinem Alter bereits bewusst lenken? Das Kind schien klüger als andere Kleinkinder zu sein. Mit nur wenigen Monaten legte es bereits Fähigkeiten an den Tag, die ein normal sterblicher Mensch niemals erreichen würde. Aber Castus war auch kein reiner Mensch.

In Asmodis Augen jedoch hatte sich das Kind zu etwas Abartigem entwickelt. Keine zerstörerische Wesenheit, sondern eine Heilende. Er hatte fast etwas von Mallahall. Ob sie als Dämonenherrin einen Teil dazu beigetragen hatte, dass Castus nun Seelen beruhigte anstatt sie zu vernichten?
Als der Dämon seinen Sohn plötzlich durch die Luft schleuderte, ging ein Ruck durch die Versammelten. Castus kreischte ängstlich und fast herzzerreißend. Zanraia fing ihn an einem Ärmchen und einem Beinchen. Sofort legte sie schützend das Köpfchen in ihren eigenen Arm. Ihre azurblauen Augen starrten zum Dämon herüber. Verwirrung wich blankem Entsetzen. "Was tust du da?!", schrie sie ihn in einem emotionalen Gemisch aus mütterlicher Wut und schreckhaftem Unglauben an.
Castus' blauer Haarschopf leuchtete wie eine Mitternachtsblume und sofort erweichten Zanraias Züge. Sie stand da, hielt ihr Kind im Arm und guckte zu einem seiner Väter herüber, der sich nun wie ein aggressives Tier auf die Tabiki stürzte.

Das Volk der Tabiki lebte schon viele Generationen im Kapayu. Es kannte kaum anderes Territorium und besaß somit einen aus Evolution entstandenen sechsten Sinn für Gefahren. Der Urwald war kein Paradies voller bunter Blumen, reifer Früchte und singender, harmloser Vögel. Es war eine grüne Hölle, der sich dieses Volk täglich aufs Neue aussetzen und in ihr irgendwie überleben musste. Viele schafften es nicht, aber die stärksten reagierten bereits instinktiv, wenn auch nur der Hauch einer Gefahr auf sie zu steuerte.
So sprangen die Tabiki wie Flöhe in alle Himmelsrichtungen auseinander, ohne dass es Asmodi gelungen wäre, nach auch nur einem von ihnen zu packen. Sie wussten, dass nicht jedes Unwesen des Urwaldes bezwungen werden konnte. Manchmal war es besser zu fliehen und dafür ein paar Tage länger zu leben.
Einige hatten ihre Speere und Jagdwaffen fallen gelassen, um sich mit waghalsigen Sprüngen gegen Lianen und vorhängende Äste in die Höhen des Kapayus zu retten. Schnell wie Affen kletterten sie die meterhohen Bäume hinauf, schwangen sich davon oder suchten Schutz in dichtem Dickicht, das sie vollkommen verbarg. In nur Sekundenbruchteilen hatten sie sich zerstreut und schienen vom Urwald vollkommen verschluckt. Doch nicht wenige hielten sich noch immer in der Nähe auf. Sie beobachteten das Wesen, das Zanraia als Vater ihres Göttergeschenks vorgestellt hatte. Dieses seltsame und gefährliche Wesen, dem sie sich nicht mehr nähern wollten. Asmodi käme ihnen nicht in ihr Heimatdorf, da waren sich die Tabiki einig.

"Genug jetzt!" Etwas schnellt von hinten Auf Asmodis Kopf zu. Etelin hatte sich einen stabilen neuen Wanderstab besorgt. Ihm wohnte vielleicht keine nekromantische Magie mehr inne, doch das Holz war ebenso hart wie jenes seines alten Stabes. Krachend ging die Spitze auf Asmodis Hinterkopf nieder. Der Dämon war um einiges größer als sein menschlicher Wirt, wohingegen Etelin seine Winzigkeit behalten hatte. Davon abschrecken ließ sich der Lich allerdings nicht.
"Wir suchen Hilfe und du greifst die einzigen Lebewesen an, die uns Schutz im Urwald gewähren könnten!" Mit tadelndem Blick senkte er seinen Stab. "Denk auch einmal an Aurelius, an Mallahall oder das Elfenmädchen Cinnamin. Willst du sie hier verrecken lassen?" Etelin atmete durch, nahm wieder seine monotone Ruhe ein und fand zu seiner Beherrschtheit zurück. "Für niemanden von uns ist es leicht."
Dann wandte er sich Zanraia zu, die noch immer wie zur Salzsäule erstarrt da stand. "Alles in Ordnung? Es erscheint wie ein Wunder, dass wir dich ausgerechnet hier finden. Wir glaubten, dir in Grandessa zu begegnen." Die Nekromantin schüttelte nur den Kopf, ohne den Blick von Asmodi zu nehmen. Sie antwortete auch nicht Etelin, als sie sprach: "Du hast deinen eigenen Sohn nach mir geworfen wie einen Gegenstand. Du bist ein böser Vater! Schäm dich!" Zanraia drückte Castus an sich. "Ich möchte Aurelius sehen ... und Mallahall."
"Natürlich, sie sind ein Stück abseits dieses Teiches im Karren. Aurelius geht es nicht gut. Vielleicht kannst du helfen oder deine Urwaldfreunde. Vorausgesetzt, sie zeigen sich uns noch einmal." Etelin berührte Zanraias Ellbogen, um sie zu den anderen zurück zu führen. Über die Schulter hinweg rief er Asmodi zu: "Komm mit, du hast hier genug angestellt. Außerdem gelingt es Zanraia und mir vielleicht zusammen, dich wieder in Aurelius' Körper zu befördern."
Lich und Mutter stapften los, allein gingen sie aber nicht. Über ihnen und ringsum raschelte das Laub. Die Tabiki behielten die Mutter ihres Göttergeschenks im Auge.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Samstag 14. August 2010, 09:52

"Was tust du da?!" „WAS HABEN DIE MIT IHM GEMACHT?!“ Brüllte der Dämonenvater sogleich zurück und grollte wütend. Er fauchte als er Castus erblickte als handelte es sich bei seinem Söhnchen um eine Abart. Vermutlich hielt er ihn sogar für eine. Sofort wollte der Dämon auf die Tabiki losgehen doch diese zersprengten sich in alle vier Himmelsrichtungen so dass der Dämon bald alleine da stand. Er konnte nicht klettern, dies sah man seiner Körpermasse an. Vielleicht hatte er einmal fliegen können doch die Flügel waren heute so verkümmert und verstümmelt dass sie wohl nie wieder das tun konnten wofür sie mal gedacht gewesen waren. Zum Glück für die Tabiki. „RHAHRHRRHRHRHHRRH!!!“ Asmodi wütete herum fluchte und grollte und brüllte als wäre er selbst das wildeste Tier im Dschungel… und wer weiss, vielleicht stimmte es gar.

Asmodi packte nach einem der Speere und verarbeitete ihn zu Kleinholz. „RHARHRHRHRH!“ Bis ihn schliesslich ein dumpfer Schlag traf. Der weit weniger Schmerzte als üblich, denn Asmodis reine Gestalt war weit widerstandsfähiger als Aurelius Schädel – bereits dieser war ja schon ziemlich dick gewesen. „RHrhrhghgh!“ Das Zeichen jedoch war selbst für den Dämon unmissverständlich und er wusste auch wer es gesetzt hatte. Wütend wirbelte er herum und funkelte dem kleinen Lich entgegen.

"Wir suchen Hilfe und du greifst die einzigen Lebewesen an, die uns Schutz im Urwald gewähren könnten!" Er knurrte und fletschte die Zähne. „Sei vorsichtig kleiner Mann!“ Zischte der Dämon. Er meinte es ernst. Asmodi war wütend und zu was er imstande war hatte er bei Adelmund oder bei dem kleinen Schafshirtenjungen vor den Toren Zyranus eindrücklich und auf brutale Art und Weise bewiesen.
"Denk auch einmal an Aurelius, an Mallahall oder das Elfenmädchen Cinnamin. Willst du sie hier verrecken lassen?" Die Erwähnung von Aurelius und Mallahall hätten ihn wohl kaum zur Vernunft gebracht. Der ehemalige Wirtskörper war im Moment schliesslich nicht gerade in einem für einen Dämon attraktiven Zustand und Mallahall… war in den Augen Asmodis im Moment eine verfluchte Hure. Cinnamin hingegen…

Der Dämon legte seinen Kopf schief, ein Zeichen dass er über Etelins Worte nachdachte. "Für niemanden von uns ist es leicht." „Komm mir nicht damit! DU magst keinen Sohn haben. ICH jedoch habe eine Missgeburt!“ Knurrte er und wandte sich ab. Der Dämon war grässlich enttäuscht und in seinen Vatergefühlen zu tiefst verletzt. Zudem sah er Castus „Behinderung“ als unnatürlich an. Entweder hatten die Dämonenjäger ihn verfremdet oder Zanraia hatte ihn mit ihrer Mutterliebe verweichlicht. Er machte sich vorwürfe, weil er in so einer dummen zyranischen Zelle gehockt hatte während das Wesen seines Sohnes vor die Hunde gegangen war. Im Grunde waren doch Mallahall und Aurelius daran schuld! Ohne die Beiden wäre er nie in die Zelle gesteckt worden! Für Asmodi war es einfacher einen Schuldigen zu finden als es selbst zu sein. Er blickte Zanraia entgegen, wich dann aber ihren Blick aus. Er hielt diese vorwurfsvolle Aura kaum aus. Somit zeigte der Dämon echte Gefühle… und vielleicht einen Anflug trotziger Reue. "Du hast deinen eigenen Sohn nach mir geworfen wie einen Gegenstand. Du bist ein böser Vater! Schäm dich!" Er knurrte nur. Stierte betreten zu Boden als würde er sich tatsächlich schämen.

"Komm mit, du hast hier genug angestellt. Außerdem gelingt es Zanraia und mir vielleicht zusammen, dich wieder in Aurelius' Körper zu befördern." „RHARHRHRHRH!!!“ Wieder brauste der Dämon auf. „HÖR AUF MICH WIE EINEN ELENDIGEN KÖTER ZU BEHANDELN LICH ODER ICH PRESSE DIR DEINEN BESSERWISSERISCHEN SCHÄDEL ZUSAMMEN! ICH GEH WOHIN ICH WILL!“

Brüllte er Etelin entgegen und stampfte unwirsch voran, beim vorbeigehen rempelte er den Lich ziemlich brüsk an. Doch auch er lief in Richtung des Lagers. Wenn auch knurrend, grollend und fauchend.
Er ist missraten! War sein einziger schmerzlicher und wütend machender Gedanken.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Samstag 14. August 2010, 13:08

Auf dem Rückweg musterte Etelin Asmodi unentwegt. Außerhalb seines Wirtes zeigte der Dämon nicht nur erhöhte Aggressivität, sondern auch deutlichere Bereitschaft, Böses zu tun. Er drohte schneller und brüllte lauter. Dem Lich wurde hier offenbart, wieviel Einfluss der Medicus auf das Wesen des Harax gehabt hatte. Schweigend folgte er Asmodi, mit jedem Schritt auf seinen Stab stützend.
Neben ihm ging Zanraia. Sie hielt Castus dicht an ihren Körper gedrückt. Der Kleine hatte sich längst beruhigt. Es schien gar, als wäre er es, der nun seine Mutter ebenfalls beruhigte. Sie machte dennoch keinen glücklichen Eindruck. "Du bist keine Missgeburt, nein, das bist du nicht", murmelte sie ihrem Sohn zu und strich immer wieder über seinen blauen Haarkamm. Sie schaute Asmodi nicht ein einziges weiteres Mal an.

Es dauerte keine halbe Stunde, da erreichte die Gruppe wieder den Karren. Mallahall traute ihren Augen kaum, als sie Zanraia und Castus erblickte. Ihre Augen glitzerten und sie lächelte vor Freude. Mit einer Hand winkte sie Mutter und Kind eifrig zu. Die andere Hand lag Beistand leistend auf Aurelius' Brust. Der Medicus war zunehmend schwächer geworden. Die Last des Alters holte ihn schneller ein als erwartet. Mallahall speiste ihn in regelmäßigen Abständen mit Lichtmagie, aber diese elementare Kraft war nicht in der Lage, den natürlichen Verfall aufzuhalten.
Cinnamin unterstützte die Magierin, indem sie feuchte Tücher auf Aurelius' Stirn legte oder um seine Beine wickelte. Letzteres sollte den Blutkreislauf anregen. Wirklich viel konnte man für den alten Mann nicht tun. Er brauchte seinen Dämon oder er würde endgültig sterben. Weit im Hintergrund und für jeden unsichtbar wartete ein Schatten mit Sense. Er beobachtete die Szene. Dieses Mal war nicht klar, wie es ausgehen würde, denn eine einzige chaotische Entscheidung konnte alles verändern. Asmodi war Faktor über Leben und Tod.

"Mallahall!", rief Zanraia und rannte los. Sie kam überraschend gut durch das Gelände, obwohl sie nicht einmal Schuhe trug. Das weiße, feuchte Tuch flatterte hinter ihr her. Sie schämte sie nicht ihrer Nacktheit, schon gar nicht vor ihrer guten Freundin. Wie ein Wind sauste sie an Asmodi vorbei und auf Mallahall zu. Castus quietschte auf, als er sich zwischen der Umarmung der beiden Frauen wieder fand.
"Zanraia! Wie kommst du hierher? Wir dachten schon ... ach, ist nicht so wichtig. Hauptsache, du bist wieder bei uns."
"Mallahall, Asmodi muss zurück in Aurelius' Körper. Er ist böse ... er hasst seinen Sohn. Ich will nicht mehr, dass er Castus' Papa ist. Er wirft ihn rum und er nennt ihn Missgeburt." Auf einmal war die Rothaarige vollkommen aufgelöst. Sie schniefte und schluchzte an Mallahalls Schulter, die sie noch enger in ihre Arme zog und ihr tröstend die Schulter klopfte.
"Ich weiß, er muss zurück", sagte sie und ging auf die verpetzten Anschuldigungen Zanraias nicht ein. "Leider kann ich das nicht bewerkstelligen. Ich bin keine Ritualmagierin. Etelin konnte auch nicht helfen." Sie seufzte und darin lag das Unheil, das sie nicht wagte, zu verkünden: Aurelius würde hier im Kapayu sterben. Bis nach Grandessa schafften sie es mit ihm unter keinen Umständen.

"Wir müssen zu diesen Tabiki, Zanraias Freunden." Etelin blieb neben dem Karren stehen. Nur sein Stab kündete davon, er selbst reichte ja kaum über die Karrenräder hinaus. "Sie sind Urwaldmenschen und kennen den Kapayu offenbar. Wenn uns jemand helfen kann, dann sie."
"Oh ja, sie können helfen!", entgegnete Zanraia mit strahlenden Augen. Sie löste sich endlich aus Mallahalls Umarmung. Die Trauer schien vorerst versiegt. "Sie sind sehr kluge Leute und sie haben auch Zauberer bei sich. Bestimmt helfen sie Asmodi und Aurelius. Aurelius!" Endlich wurde sie sich des Alten bewusst. Sacht kniete sich Zanraia zu ihm, ergriff seine Hand und strich mit dem Daumen über seinen Handrücken. Castus guckte neugierig auf die alternde Hülle seines Vaters nieder. Er blies eine Sabberblase auf.
"Aurelius, du bist ab jetzt sein einziger Papa. Asmodi ist böse. Er liebt sein Söhnchen nicht. Er nennt ihn Missgeburt." Diese Beleidigung nagte an Zanraias Seele. Mallahall legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Er hat sich verändert ... nein, er hat sich nicht verändert. Er wird für immer ein Dämon bleiben und uns enttäuschen." Zanraia legte Castus in die Armbeuge ihres Geliebten.
Das Kleinkind gluckste. Wieder leuchtete sein dämonenblauer Haarschopf. Castus' Kräfte erwachten aufs Neue. Er schenkte Aurelius gute Erinnerungen, die er direkt aus dessen Seele bezog. Bilder, die nur der Medicus sehen konnte, traten vor sein geistiges Auge und wärmten sein Herz. So zerstörerisch Asmodis Seelenfeuer sein konnte, so reinigend und beruhigend war jenes von Castus. Er verbrannte nichts, er schenkte Wärme und Geborgenheit.

"Du hast dich sehr wohl verändert", sagte Etelin mit ruhiger Stimme. Er sprach zu Asmodi, ob dieser ihn nun hörte oder nicht. Er hatte die Haltung des Dämons beobachtet. Asmodi zeigte Ansätze von Reue. Er war bestürzt über Castus' Entwicklung, wo er zuvor noch so stolz gewesen war. Emotionen, die kein Dämon jemals besessen hatte, geschweige denn so öffentlich zeigte.
"Jetzt müssen nur noch Mallahall und Zanraia dies wieder erkennen. Es ist nichts verloren. Wir können es ein gutes Ende nehmen lassen, wenn wir alle uns anstrengen." Etelin entschied sich zu kämpfen. Daher wies er mit dem Stab auf das Gespann des Karrens und rief deutlich lauter: "Mein guter Asmodi, würdest du den Karren ziehen? Zanraia soll uns zu den Tabiki bringen, auch wenn du wegen ihnen verstimmt bist. Wir müssen Aurelius helfen - und somit uns allen."


Castus' friedenspendende Kraft versetzt Asmodeus' Gesundheitszustand auf Bild
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Montag 16. August 2010, 12:29

Seine Welt war komprimiert worden auf einige Schemen und Schatten, fern jeder Erinnerung. Geräusche blieben ohne Bedeutung, Worte ohne Sinn. Das mühselige Pochen seines müden Herzen, die Krämpfe in der Brust, das kehlige Röcheln seiner Atemzüge, die alles verschlingende Müdigkeit. Der Prozess des Sterbens. Aurelius steckte in eben jenem Fest. Denn man liess ihn nicht gehen, man hielt ihm am Leben, mit Magie die immer wieder durch seinen inzwischen bereits lichtdurchfluteten Körper gejagt wurde. Eine leuchtende Hülle. Ohne die Fähigkeit des Bewusstseins. Ohne Verstand, doch mit sehr viel Schmerz und Pein erfüllt. Alles umschlingende Hilflosigkeit umgab den einstigen Medicus. Seine Seele schien das Sterben verlernt zu haben oder vergessen, denn sie war längst überfällig gewesen. So erkannte Aurelius nicht mal den Tod, der auf ihn wartete. Ein seltsamer Umstand. Denn eigentlich müsste jedes Lebewesen den Gevatter erkennen wenn er bei ihnen war. Manche wollten es vielleicht nicht wahrhaben, doch sie erkannten ihn sofort. Aurelius nicht. Vermutlich als erste lebende Seele überhaupt war ihm der Tod unbekannt geworden. Obwohl er ihm doch schon so oft begegnet war. Seine Seele war von etwas unnatürlichem Befallen worden. Etwas welches sich über die Grenzen Celcias hinwegsetzte. Dem Haraxwesen. Es hatte Spuren hinterlassen, deutliche, tiefe Kerben und klaffende Furchen.
Da drückte es ihn, dort schmerzte es. Es wollte nicht aufhören. Er konnte nicht ruhen.

Asmodi hingegen war äusserst Vital und drückte dies auch stimmlich aus. In Form mächtiger Flüche und düsterem Gegrolle. Er war noch immer eingeschnappt und beleidigt. "Zanraia! Wie kommst du hierher? Wir dachten schon ... ach, ist nicht so wichtig. Hauptsache, du bist wieder bei uns." Asmodi schnaubte. „Ja… wir haben so viele tolle Dinge erlebt in deiner Abwesenheit!“ Knurrte er. Als er merkte dass man ihm gar nicht zuhörte wandte er sich von den Frauen ab. Er hätte am liebsten diesen Vermaledeiten Wirtskörper weggekickt der so viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Wegen ihm war wer überhaupt noch da! Asmodi schmollte hörte aber doch sehr aufmerksam hin was sich die Frauen zu erzählen hatten..

"Mallahall, Asmodi muss zurück in Aurelius' Körper. Er ist böse ... er hasst seinen Sohn. Ich will nicht mehr, dass er Castus' Papa ist. Er wirft ihn rum und er nennt ihn Missgeburt." „WEIL ER EINE IST!“ Brauste er auf. „ABER DU WIRST MIR MEINEN SOHN NICHT WEGNEHMEN! ER GEHÖRT ZU MIR! ER HAT MEIN BLUT UND MEIN FEUER IN SEINEM KÖRPER!“ Fauchte er Zanraia entgegen. „ICH WERDE IHN SCHON WIEDER AUF DEN RECHTEN WEG RÜCKEN!“ Der Dämon tobte. Doch in Anwesenheit seiner Herrin war er ohnehin unterlegen. Sie konnte ihn wenn nötig mit einem Befehl zum Schweigen bringen. „ICH WERDE IHN IN DEN HARAX BRINGEN WO ER LERNT EIN RICHTIGER DÄMON ZU SEIN!“ DU hast ihn verdorben. DU hast ihn mit deinem schwächlichen menschlichen Erbe schwach und vermaledeit gemacht!“

"Leider kann ich das nicht bewerkstelligen. Ich bin keine Ritualmagierin. Etelin konnte auch nicht helfen." Asmodi funkelte den Alten an. „RHRHRHRHrhrhrhrh. Das ist alles Mallahalls schuld! Sie hat mich ausgetrieben! MÖRDERIN!“ Asmodi benahm sich unmöglich, doch er war auch aufgebracht, verwirrt, verletzt und enttäuscht.
Aurelius nahm das Toben des Dämons nicht wahr. Genau so wenig wie Zanraia die gerade seine Hand in die ihre nahm und darüberstrich. Nichts drang bis zu seinem Bewusstsein vor… noch nicht…
Asmodi kauerte sich hin und funkelte seine Herrin vernichtend an. „DU hast dich aber verändert. DU mordest seit neuem hahahaah…“ Vielleicht war er auch so weil er hilflos war. Weil er weder ein noch aus wusste. Asmodi war überfordert und er verhielt sich oft unberechenbar wenn er dies war. Er begann an sich rumzubeissen. Doch Mallahall schritt nicht ein. Es war sein Körper, nicht Aurelius an dem er knabberte. Doch der Dàmon offenbarte mit dieser Geste dass er sich in seiner eigenen Haut nicht wohlfühlte. Die Aggression war manchmal tatsächlich jeweils gegen sich selbst gerichtet und nicht gegen den Wirt.

Aurelius riss seine trüben Augen auf. Man konnte sich beinahe daran erschrecken. Er keuche. „NRgharhk…“ Da sah er es. Bilder prassten auf ihn herein. Die seiner Eltern, wie lange waren sie denn schon tot gewesen? Bilder seiner Kindheit, wie er immer seine Schulkameraden verarztet hatte. Wie er sich einst den Arm gebrochen hatte weil er von einem Baum gefallen war und er dann zu einem Medicus gekommen war der ihm einen Verband anlegte. Pass auf deine Hände auf kleiner Aurelius, du wirst sie für dein Handwerk brauchen. Hatte er ihm gesagt. Bilder seines Studiums, seiner ersten geheilten Patienten, lachende Kinderaugen, Freundschaften und die Liebe zu Zanraia. Der Dämon fehlte gänzlich. Wie der Turm. Wie den grössten Teil der letzten Jahren, denn es waren schwere Jahre gewesen. Er sah nur Schönes und Heilendes. Aurelius beruhigte sich. Sein Atem löste sich etwas. Er wirkte entspannter, weniger gequält.

Asmodi war nach wie vor damit beschäftigt an sich rumzukauen. Er hasste es wenn niemand ihn beachtete. "Du hast dich sehr wohl verändert" Er funkelte Etelin entgegen.
"Jetzt müssen nur noch Mallahall und Zanraia dies wieder erkennen. Es ist nichts verloren. Wir können es ein gutes Ende nehmen lassen, wenn wir alle uns anstrengen." Er fletschte die Zähne. Er dachte nicht daran den Karren zu ziehen. Er blickte trotzig zu Cinnamin. Erst als diese nickte gab er nach und packte nach dem Gefährt. Knurrend zog er es weiter. Wieder mit einer beinahe schon halsbrecherischen und ziemlich unsanften Geschwindigkeit.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Dienstag 17. August 2010, 16:57

"Er beruhigt ihn?" Mallahall betrachtete das Kleinkind, dessen blauer Haarschopf leuchtete wie Asmodis Dämonenaugen. Castus schmiegte sich eng an den alten Körper des Medicus heran. Er kuschelte mit dem alten Mann, als sei es sein liebevoller Großvater, der nur ein wenig zu müde zum Spielen war. Und er schenkte ihm Frieden. Jenen Frieden, der ihm noch immer verwehrt wurde. Der Tod würde ihn nicht ereilen, solange Mallahalls Lichtmagie weiterhin durch seine Adern strömte und die pergamentdünne Haut ein wenig zum Glänzen brachte. Die Magierin nahm seine Ruhe wahr, seit Castus bei ihm lag. Sie lächelte. Das Dämonenkind schien kein Abbild Asmodis zu sein, wenn es so viel Geborgenheit spendete.
"Er ist ein Göttergeschenk. So nennen ihn die Tabiki, zu denen wir bald aufbrechen sollten. Castus kann viel, so wie sein Papa." Damit meinte Zanraia nicht den Dämon. Ihn blendete sie aus. Alle Frauen schienen sich gegen Asmodi zu wenden und in Ignoranz ein Mittel gefunden zu haben, ihn in eine Ecke zu drängen. Mallahall reagierte nicht einmal, als er begann, an sich herum zu beißen. Auf sein Gebrüll ging sie ebenfalls nicht ein. Er war ihr egal geworden und Zanraia ließ sich davon nun auch noch beeinflussen. Sie hielt lediglich schützend die Hände über ihr Söhnchen. Entschlossen verspannte sich ihre ganze Haltung. Niemand würde diesen Unschuldsengel in den Harax mitnehmen, nur über ihre Leiche! Aber sie sagte kein Wort.

Lediglich Cinnamin schenkte dem Dämon einen Blick aus ihren braunen Rehaugen. Mit elfischer Grazie kletterte sie in den Karren hinein, da es den Anschein hatte, als würden sie bald losfahren. Dämon und der kleine Lich unterhielten sich nur noch kurz, wie es aussah. Etelin gab Anweisungen, dass Asmodi sich wieder vor den Karren spannen sollte. Zuerst wollte dieser nicht, doch unter einem tiefen Knurren befolgte er den Wunsch des Lichs. Dieser hatte sich kaum über den Rand des Wagens geschoben, da donnerte der Dämon auch schon los. Holpernd und polternd überquerte der Wagen unter Asmodis Zug dicke Urwaldwurzeln und beinahe unwegsames Gelände.
Castus wimmerte. Er mochte nicht so wild durchgeschaukelt werden und da teilte er vermutlich die Meinung aller. Zanraia legte schützend ihre Arme um Sohn und Vater, während Cinnamin sich an Etelin und dem Karren festhielt. Mallahall tat es ihr gleich, wandte jedoch den Kopf nach vorn um. "Nicht so wild, du gottverlassener Dämon!" So hatte sie ihn nie zuvor beschimpft. "Fahr ruhiger, wir haben einen Sterbenden im Wagen!"
"Ja, bitte etwas langsamer. Mir ist schon ganz schwindlig", klagte Cinnamin, die sich mit ihren durch die Sklaverei geschwächten Gliedern kaum halten konnte.
"Er weiß ja nicht einmal, wo die Tabiki wohnen", fügte Zanraia hinzu und stieß anschließend einen Schmerzensschrei aus. Sie hatte sich bei all dem Gerumpel auf die Zunge gebissen. "Du mufft nach rechtf fahren." Sie zeigte an einem großen Baum vorbei, der seine knorrigen Äste bis zum Boden hängen ließ und so in kurzen, aber ausholenden Abschnitten natürliche Tunnel und Torbögen schuf.

Die Gruppe wurde weiterhin von den Tabiki beobachtet. Diese ließen Zanraia und das Gottesgeschenk namens Castus nicht einfach so aus den Augen. Sie verfolgten den wilden Karren, wobei sie ungesehen durch das Dickicht des Urwaldes und die über weiträumige verzweigte Aststraßen eilten. Immer wieder waren Vogelschreie zu hören, teilweise stammten sie von dem Volk des Kapayu selbst. Sie schickten Nachrichten in ihr Dorf, dass man sich auf Zanraias Rückkehr vorbereiten sollte, aber auch auf die Ankunft einer Bestie, die sie als Vater des Gottesgeschenks benannt hatte.
Natürlich missfiel es den Tabiki, Asmodi in ihr Dorf zu lassen, doch sie vertrauten darauf, dass die Mutter des kleinen Blauschopfes wusste, was sie tat. Zanraia jedoch klammerte sich besorgt an Aurelius. "Mallahall, warum hast du ihn ausgetrieben? Aurelius braucht ihn doch! Und er ist gefährlich, so wie er ist."
Die Lichtmagierin betrachtete schuldbewusst den Medicus. "Ich weiß", gab sie zu. "Es war auch nicht meine Absicht. Ich wollte ihn nicht austreiben. Ich ..." Sie schluckte. "Ich wollte ... ihn vernichten."
"Warum?!", stießen sowohl Zanraia als auch Etelin hervor. Letzterer natürlich mit deutlich weniger Emotion in der Stimme. In Mallahalls saphirblaue Augen stiegen die Tränen. Sie versuchte noch, diese fort zu blinzeln, doch es gelang ihr nicht. Schluchzend hielt sie sich beide Hände vor das Gesicht. Dazwischen brachte sie halblaut hervor: "Er wird sich niemals ändern. Wir haben uns alle getäuscht. Asmodi hat uns enttäuscht. Wegen unserer Naivität zu glauben, das grundlegende Verhalten einer Haraxbestie zum Guten wandeln zu können, haben viele ihr Leben lassen müssen."
"Du trauerst um Adelmund, habe ich Recht?"
"Ja, Etelin. Um Meister Adelmund ... und den Jungen vor dem zyranischen Tor. Ich trauere um die vielen Tiere, die er eiskalt getötet hat, um den Angriff auf die sarischen Namudus und um den Goblin in Kosral und auch ..." Ihre Hände fuhren zum Unterleib, dann zu ihrem eigenen Herzen. Es war so viel geschehen. Asmodi hatte Mallahalls Seele befleckt wie er Aurelius Körper besetzt hatte. Für eine kurze Zeit war sie von ihm besessen gewesen und hatte schlimme Dinge getan. All das keimte tief in ihr, so dass sie den Dämon schließlich aufgegeben hatte. "Aurelius sollte nicht länger unter ihm leiden."
"Ohne Asmodi stirbt er", betonte Zanraia. Diese Option wollte sie anscheinend nicht geschehen lassen, doch das bedeutete, dass Asmodi zurück in seinen alten Wirtskörper musste. Es bedeutete, dass Aurelius unter dem Dämon würde leiden müssen, bis man ihn erneut austrieb und er endlich sterben durfte.

Zanraia sah Mallahalls verweintes Gesicht, als diese hilflos die Arme senkte und zu Boden starrte. Sie zog ihr Söhnchen aus den Armen des Medicus, beteuerte aber leise, dass er ihn gleich zurück bekam. Sie hatte ja auch gesehen, wie gut Castus dem alten Mann tat. Doch nun brauchte Mallahall ein wenig glückliche Erinnerungen.
Castus rollte sich zusammen, als er in Mallahalls Umarmung landete. Die Magierin drückte den Kleinen dicht an sich. Erneut leuchtete sein blaues Haar. Wie viel Kraft besaß er? Wie oft konnte er auf seine Mächte zurückgreifen?
Mallahall keuchte plötzlich. "Nein! Das kann nicht sein!", schrie sie fast und gab Castus rasch zurück. Verwirrt blickten Zanraia, Cinnamin und Etelin sie an. "Was ist geschehen? Was hast du gesehen, Mallahall?", fragte die Mutter des kleinen Wunders. Die Lichtmaga reagierte nicht auf sie. Sie erhob sich im noch fahrenden Karren und starrte nach vorn. Sie klammerte sich am Kutschbock fest und schrie ihren Befehl in den Urwald hinein, dass viele Tiere aufgeschreckt wurden. "HALT SOFORT AN, ASMODI!" Dann sank sie in sich zusammen, die Augen noch immer weit aufgerissen. Hatte Castus' Seelenfeuer bei ihr eine andere Wirkung? Sie schaute entsetzt ... was Asmodi dazu wohl sagen würde?
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Mittwoch 25. August 2010, 18:14

Für Asmodi war es deutlich unangenehm durch den dicht bewachsenen Dschungel zu tingeln. Die Gerüche welche ungehindert auf ihn einfielen störten ihn. Gerüche sind etwas unfaires, denn man kann ihnen kaum entfliehen. Besonders ein Wesen wie Asmodi nicht, der paradoxer Weise noch sehr feine Geruchsrezeptoren besass. „WUrärkrkrrkh!“ Es war verständlich dass er darum möglichst schnell lief, verständlich vielleicht dann wenn man sich überhaupt mit dem Haraxwesen auseinandersetzte. Dies tat zur Zeit niemand und so wurde sein Verhalten natürlich wieder als widerspenstig bewertet. Besonders Mallahall reagierte ziemlich heftig auf die Anwesenheit des Dämons, über welchen sie verfügen konnte wie sie wollte. Es war beinahe schon wunderlich dass sie ihre Macht nicht noch viel mehr missbrauchte um den leidbringenden Dämon zu strafen.

"Nicht so wild, du gottverlassener Dämon!" Mallahall erntete ein düsteres Fauchen zur Antwort, doch die Fahrt wurde augenblicklich deutlich ruhiger. „Die Götter können mich nicht verlassen haben. WIR HATTEN NIE GÖTTER du Närrin!“ Knurrte er trotzig. Er mochte es gar nicht wenn er beleidigt wurde.
"Fahr ruhiger, wir haben einen Sterbenden im Wagen!"“WAS JA WOHL NICHT MEINE SCHULD IST!“ Gab er tonkräftig zurück. Er wusste, dass sie wusste, dass er Recht hatte.

"Ja, bitte etwas langsamer. Mir ist schon ganz schwindlig.“ „Mrhrhrhrh…“ Der Dämon wandte seinen riesigen Schädel um und blickte nach hinten in den Wagen hinein. War er etwa besorgt um Cinnamin? Er musterte sie kurz, schnaubte dann und achtete sich wieder auf den Weg. Unter Weg verstand Asmodi im Moment jene Strecke mit den wenigsten Kräutern, eigentlich irrten sie einfach tiefer in den Wald hinein, ohne bekanntes Ziel. Dies fiel nun endlich auch Zanraia auf. Doch vor lauter aufregung biss sie sich auf die Lippen, wieder drehte der Dämon seinen Kopf und musterte die kleine Chaotin. „Mrhrhrhr.“ Er fletschte kurz die Zähne und musterte das Blut welches ihr über die Lippen troff. „Tu ausnahmsweise mal was gescheites uns Heile sie Herrin..rhr.hr..“ Meinte er vorwurfsvoll. Dennoch waren dies ganz neue Töne des Dämons. Bisher hatte er sich kaum um das Befinden anderer gekümmert.
"Du mufft nach rechtf fahren." „Jarhrhrhrh!“ Knurrte er und schlug eine rechte Fahrroute ein.

Im Innern des Wagens hingegen verschlechterte sich Aurelius Zustand zunehmend. Die Reise strapazierte den ohnehin schon gebeutelten Körper. „Nrrhr…“ Unruhe machte sich langsam in dem Greis breit. Denn die holprige Fahrt von vorhin hatte ihn verschreckt und ihm Schmerzen bereitet. Schliesslich spürte er jede unebenheit des Bodens in seinem Kreuz.

"Mallahall, warum hast du ihn ausgetrieben? Aurelius braucht ihn doch! Und er ist gefährlich, so wie er ist." „Rar…“ Krächzte Aurelius hilflos. Ihm war nicht mehr wohl. Unruhig begann er seine Arme und Beine zu bewegen. Auch sein Atem beschleunigte sich. Immerhin, solange er sich bewegte und gegen die Unannehmlichkeiten ankämpfte, war er noch wach und vital genug um überhaupt Schmerz zu spüren.
"Es war auch nicht meine Absicht. Ich wollte ihn nicht austreiben. Ich ..." Sie schluckte. "Ich wollte ... ihn vernichten." Die grau getrübten Augen richteten sich für einen Moment auf die Gestalt des Gevatters. Doch er erkannte ihn nicht.

"Er wird sich niemals ändern. Wir haben uns alle getäuscht. Asmodi hat uns enttäuscht. Wegen unserer Naivität zu glauben, das grundlegende Verhalten einer Haraxbestie zum Guten wandeln zu können, haben viele ihr Leben lassen müssen." Glücklicherweise war das Viech so sehr damit beschäftigt sich über die Kräuter und Pflanzen zu ärgern dass er nicht hinhörte. Er lachte plötzlich auf. „Glaubt ihr ich sehe euch nicht?! Ich kann euch Riechen… ich kann eure Auren spüren!“ Er meinte die Tabiki die ihnen folgten. Asmodi sah Auren, Seelen denn darauf war er spezialisiert. Er nahm die Welt nicht wie ein Mensch war, in seinem natürlichen Körper schon gar nicht. Er nahm Licht und Dunkelheit wahr, Auren, sowie Duftspuren. Besonders letzteren galt es aus dem Weg zu gehen.
"Aurelius sollte nicht länger unter ihm leiden." Just in diesem Moment achtete der Dämon gerade nicht auf einen grösseren Stein unter sich, so dass der Wagen ziemlich holperte. Aurelius ächzte auf. Schweiss rann ihm über die Stirn. Seine Atmung ging stockend. Die Zeit rann davon. Einzig Castus vermochte ihn noch ruhig zu halten. Er keuchte auf als man ihm seinen Sohn wegnahm. Sofort verstärkten sich seine negativen Symptome. Es sah so aus als wollte der Greis aufstehen, obwohl er schon längst nicht mehr in der Lage war sich auch nur aufzuhocken. Er konnte nicht ausdrücken was ihm fehlte. Hatte er Schmerzen? War er Hungrig? Durstig? Wo lag der Schmerz? War er Traurig? Man musste versuchen seine Mimik zu lesen… und die verriet wenig.

Asmodi wurde erst wieder auf seine Fahrgäste aufmerksam als seine Herrin grell aufschrie. Es gehört zu dem Wesen eines treuen Dieners… oder Köters… sich umzusehen wenn das Frauchen schrie. Er musterte sie verwirrt und sauer. „Was hast du denn nun schonwieder?!“ Er sah wie sie gerade seinen Sohn wieder aus ihren Händen gab. Er wandte seinen Blick wieder nach vorn. Schliesslich hatte er Befehl zu laufen… bis… "HALT SOFORT AN, ASMODI!" Der Wagen blieb abrupt stehen. Asmodi fuhr wütend herum. „WAS?! WAS IST?!“ Knurrte er. Doch als er ihren Blick sah grinste er. „Was hast du?“ Nun wollte er es wirklich wissen.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 26. August 2010, 00:35

Mallahall starrte ihren Dämon an. Jenes Biest, das sie zur Herrn gekürt hatte. Ihre Augen waren weit aufgerissen und wie abwesend hob sie den brabbelnden Castus über Etelins Kopf hinweg zu seiner Mutter. Zanraia nahm ihn sofort, aber nur kurz entgegen. Sie hatte Aurelius' Unruhe bemerkt und legte nun das Kleinkind wieder zu seinem menschlichen Vater. "Beruhig ihn, ja? Er ist wieder so ein alter Mann, er weiß gar nicht, was um ihn herum vorgeht."
Die Tabiki, die der Gruppe gefolgt waren und die Asmodi die ganze Zeit über wahrgenommen hatte, lugten nun aus den Baumkronen heraus auf den Karren nieder. Warum hatte dieser angehalten? Was geschah dort unten? Sie verstanden die Sprache kaum bis gar nicht und konnten mit der Szene nichts anfangen, welche sich dort unten abspielte.
Noch immer guckten Etelin, Cinnamin und nun auch wieder Zanraia zu Mallahall. Diese stand in direktem Blickkontakt mit Asmodi. Sie starrte ihn nur an, aber ihre Augen waren feucht.

„WAS?! WAS IST?! Was hast du?“ Die Lichtmagierin antwortete Asmodi nicht. Sie wandte jedoch auch nicht den Blick von ihm ab, fragte allerdings Zanraia: "Castus hat diese Gabe, was bewirkt sie noch gleich?"
Die Mutter des Betroffenen kicherte: "Er holt gute Gedanken und Erinnerungen an Guteff hoch. Ich weiff nicht wie er daff macht. Ifft befftimmt ffo ein Dämonenpfffauber oder ffo. Aber eff ifft pffchön, oder?"
"Was hast du an schönen Erinnerungen gesehen, Mallahall?", hakte Etelin nach. "War es Adelmund?" "Auch", gab die Magierin zurück und fügte beinahe mit Entsetzen in der Stimme an, "aber nur nebensächlich. Der Fokus lag ... bei jemand anderem." Sie kletterte aus dem Karren. Noch immer ließ sie dabei Asmodi nicht aus den Augen. Sie gab sich lediglich einmal kurz der Unachtsamkeit hin und wischte sich die Feuchtigkeit fort. Dann trat sie seit langem erstmalig wieder an den Dämon heran. "Castus zeigt also nur Erinnerungen, bei denen man sich gut fühlt. Schöne Dinge, die das eigene Herz erfüllen und leben lassen. Ich hab zwar Adelmund gesehen und auch dich, Etelin, Zanraia ...", sie lächelte, "das Seelchen für einen Moment. Aber vordergründig sah ich Asmodi. Ihn und auch Aurelius, doch vor allem ihn ... dich, Asmodi." Mallahall blickte ihren Dämon an. Sie schien sich in diesem Augenblick selbst erst klar werden zu müssen, was diese Erkenntnis wirklich bedeuten sollte. "Es hat gut getan zu sehen, dass du dich bemühst. Dass du lernen wolltest."
"Er hat gelernt, Mallahall", warf der Lich ein. Die Magierin winkte ab, nickte. Sie wusste es. Sie hatte es die ganze Zeit gesehen und gewusst - und dennoch hatte sie ihm nicht verzeihen wollen! "Es tut mir leid, Asmodi. Ich habe Fehler gemacht. Ich hoffe, dieses mal bist du es, der mir vergeben kann. Ich würde mich freuen, wenn du dies als Dämon wenigstens versuchst. Ich weiß ja, wie schwer dir solche Herausforderungen fallen und wie schnell du in den altes Schema zurückkehren kannst. Ich hätte nicht blind für deine Mühen sein sollen." Sie wagte nicht, ihn direkt zu berühren, denn sie wusste nicht, wieviel Seelenfeuer sie damit Zugang zu ihrem Selbst gewähren würde. Also legte sie die Hand auf eine Stelle seines Körpers, die von der Tunika des Gevatters verborgen wurde. "Du kannst stolz auf deinen Sohn sein, dass er mir die Augen geöffnet hat. Und jetzt bring uns bitte ins Dorf dieser Tabiki, damit wir Aurelius helfen können ... und dir."

Mallahall bestieg wieder den Holzwagen. Alle starrten sie an, lächelten jedoch. Etelin neigte zufrieden den Kopf. Gut gemacht, du hast dich wiedergefunden, lautete die Geste. Mallahall bedankte sich mit leicht geröteten Wangen. Auch ihr fiel es nicht leicht, sich Fehler einzugestehen, doch sie hatte ihren Stolz überwunden und hoffte nun darauf, der Dämon würde ihr verzeihen. Vielleicht lachte Asmodi sie ob ihrer Worte nur aus, aber sie würde es ihm nicht übel nehmen. Er war ein Dämon, ja, das würde sich nie ändern. Aber er war ein Dämon, der sich geändert hatte! Obgleich es ihn in seiner Gefährlichkeit nicht einschränkte. Doch, vielleicht, eines Tages ...
"Fahren wir weiter?", fragte Zanraia mit besorgter Miene. "Ihm geht es nicht gut." Gemeint war Aurelius, aus dem immer mehr das Leben floss. Er brauchte weitere Lichtmagie. Mallahall würde sie ihm gleich geben. Zunächst aber legte sie ihre Finger an Zanraias Lippen und sandte Heilung für ihre Zunge aus. Erst dann kümmerte sie sich um Aurelius. Ihr Licht war nicht so hell wie noch vor ein paar Stunden.
"Hast du noch genug Kraft?", fragte Cinnamin, die der Anblick des sterbenden Greises ebenfalls stark berührte. Mallahall nickte wieder. "Nicht mehr viel. Asmodi muss sich beeilen, aber er darf nicht zu stark poltern. Das tut Aurelius' Rücken nicht gut."

Aurelius Templar? Dies war der Tod. Er wandte sich an den alten Mann. Ich weiß, dass du mich hören und mir auch Antworten kannst. Dein Geist ist nicht so gebrechlich geworden wie dein Körper. Willst du gehen? Er teilte ihm nicht mit, dass er ihn holen würde, obwohl beide wussten, dass wohl keine andere Seele so sehr ihm gehörte wie jene des Medicus. Wie oft war er durch Asmodis Kraft dem Tod von der Schippe gesprungen? Wie oft hatte er ihn um diese Seele betrogen?
Fragte der Zeitlose deshalb? Ahnte er, dass es noch eine letzte Chance gab?
Wenn du auf ewig sterben möchtest, sage es. Deine Seele ist schon lange bereit, das weißt du. Wenn du leben möchtest, dann vertraue auf deine Freunde, dass sie dich lange genug im Körper halten können, bis der Dämon dich mit Kraft versorgt. Andernfalls wird er uns beide um das, was du bist, betrügen. Er sagte nicht, was aus Aurelius würde, sollte er sich für das Leben entscheiden und Asmodi nicht mehr rechtzeitig in seinen Wirt zurückkehren. Doch vielleicht war das nicht nötig. Es rankten sich genug Geschichten und Legenden um jene Seelen, die keinen Körper besaßen.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Asmodeus » Samstag 28. August 2010, 23:30

"Castus hat diese Gabe, was bewirkt sie noch gleich?" Der Dämon rollte mit den Augen. „Erst soll ich mich beeilen weil der Medicus am verrecken ist und jetzt haben wir plötzlich Zeit HIER SO DUMM RUMZUSTEHEN!“ Keifte er ungeduldig. "Er holt gute Gedanken und Erinnerungen an Guteff hoch. Ich weiff nicht wie er daff macht. Ifft befftimmt ffo ein Dämonenpfffauber oder ffo. Aber eff ifft pffchön, oder?" Er knurrte. „DAS IST MISGESTALTET!“ Fauchte er wütend. Noch immer wollte er nicht akzeptieren was Castus konnte. Seine Fähigkeit war etwas unnatürliches. Normalerweise gefielen ihm ja unnatürliche Dinge, er war selbst ein unnatürliches Wesen. Aber dieses Chaos, war selbst ihm zu viel.
"Was hast du an schönen Erinnerungen gesehen, Mallahall?" „AH JETZT HALTEN WIR AUCH SCHON SCHWÄTZCHEN!“ Grollte der Dämon düster und kauerte sich hin. Ungeduldig kratze er sich hinter dem Ohr, was doch schon eindrücklich aussah wenn man bedachte wie gross das Viech war. Offenbar war Asmodi von einer Art Dämonenfloh befallen zu sein, denn er kratzte sich dort immer wieder.

"aber nur nebensächlich. Der Fokus lag ... bei jemand anderem.“ Er bemerkte, dass er von Mallahall angesehen wurde. Doch dafür hatte er nur ein schnauben übrig. Er legte seinen Kopf schief, hielt mit seiner kratzerei inne und duckte seinen Kopf etwas nach unten, wie ein Hund welcher Streicheleinheiten nicht mochte. So nahe war sie ihm zuletzt gekommen als sie ihn ausgetrieben hatte. Es war durchaus normal dass er einwenig vorsichtiger war.
"das Seelchen für einen Moment. Aber vordergründig sah ich Asmodi. Ihn und auch Aurelius, doch vor allem ihn ... dich, Asmodi." „Seelchen..r.rr.hrhr.h..“ Sein Haarkamm flammte auf. Seelchen war der Inbegriff dessen gewesen was aus ihm geworden war. Dort hatte er sich anders verhalten als vermutlich je ein Dämon zuvor. Er hatte sich geopfert, hatte eine Träne vergossen, war Unschuldig gewesen. Der Dämon schauderte. „Seelchen wurärkggkkhkh!“ Spie er aus und wich zurück. Dass ihm dies nicht gefiel konnte man durchaus als positiv bewerten. Ihm gefielen prinzipiell all die Dinge nicht welche er getan hatte, die nicht in das Muster eines Dämons gepasst hatten.

Er knurrte nur. „MICH INTERESSIERT NICHT WAS DU SIEHST HERRIN!“ Knurrte er. Dieses „Herrin“ war immer eine sehr seltsam unterwürfige Bezeichnung für Mallahall, wenn man denn Rest seiner Sätze bedachte. Doch er musste es sagen, sie war und blieb seine Herrin… und sie war dabei dem Dämon wieder näher zu kommen. Doch wie verhielt es sich umgekehrt? Schliesslich hatte ausgerechnet seine Herrin die Macht ihn gänzlich zu vernichten und beinahe wäre ihr dies auch gelungen. Etwas, dass ihn misstrauisch stimmte und sie zu einer unglaublichen Gefahr für ihn machte.
Er schnaubte und stiess dabei kleine blaue Wölkchen aus. Es war bestimmt nicht einfach in diese lodernde Augen zu blicken. In dieses unheilvolle Seelenfeuer. Und doch hatte die Frucht von Aurelius, Asmodi und Zanraia ein wundervolles Wesen geschaffen. Castus. “ "Es hat gut getan zu sehen, dass du dich bemühst. Dass du lernen wolltest."

„ICH BIN NICHT ZU DEINER BEFRIEDIGUNG HIER!“ Fauchte er düster. Es schien für ihn wichtig zu sein ihre Äusserungen abzuwerten. Er war es nicht gewohnt dass sich jemand bei ihm entschuldigte und er erwartete es auch von niemanden. "Er hat gelernt, Mallahall" „SPRECHT NICHT VON MIR ALS WÄRE ICH NICHT ANWESEND!“ Keifte er dem Lich entgegen und warf einen Stein nach ihm. Asmodi war tatsächlich weit aggressiver als sonst.
"Es tut mir leid, Asmodi.“ „RHRhrhrhrhr.r.hr.HRH:R.h…“ Der Dämon wich irritiert zurück. Begann sich in den Arm zu beissen. Er schnaubte. Dieses Gefühl welches Mallahall ihm entgegenbrachte verunsicherte ihn, erschütterte ihn weil es neu war.

“ Ich habe Fehler gemacht. Ich hoffe, dieses mal bist du es, der mir vergeben kann.“ „RHARHRHRhrhrhr lass mich in Ruhe!“ Brüllte er ihr entgegen er schnaubte, strich mit seinem Kopf über den Kopf und wand sich gar kurz auf dem Boden. „RHARHRHraharhrhrhrr!“ Wie wild biss er an sich rum. Sicherlich eine Reaktion die niemand erwartet hätte. Doch dieses Gefühl welches ihm Mallahall entgegenbrachte ertrug er kaum.
“ Ich würde mich freuen, wenn du dies als Dämon wenigstens versuchst. Ich weiß ja, wie schwer dir solche Herausforderungen fallen und wie schnell du in den altes Schema zurückkehren kannst.“ „GAR NICHTS WEISST DU! Brüllte er ihr wütend entgegen.
“Ich hätte nicht blind für deine Mühen sein sollen." „RHARHARHRH hör auf SEI STILL!“ Er kauerte sich zusammen. Hielt schnaubend inne. „Rhrrhrhrh…RHrh.R:Hr.hr.hr..“ Seine Klauen zitterten.

"Du kannst stolz auf deinen Sohn sein, dass er mir die Augen geöffnet hat. Und jetzt bring uns bitte ins Dorf dieser Tabiki, damit wir Aurelius helfen können ... und dir." „Rhrhrrh:RH:rh.rhrh…“ Er wich zurück. ASmodi musste solche Gespräche auf seine Weise verarbeiten. Er erhob sich und packte wieder nach dem Wagen. Sobald Mallahall aufgestiegen war marschierte er auch schon wieder los. Ruhig und doch zügig.
Aurelius hingegen bekam von dem ganzen Tumult draussen nichts mit. Langsam verdrehte er die Augen, seine Sinne schwanden und sein Geist wurde endlich empfänglich für den Tod. Dieser hatte sich auch lange genug gedulden müssen.

Aurelius Templar? Aurelius Templar kannte den Tod. Nicht nur aufgrund seiner Profession, sondern weil er ihm bereits begegnet war, ja sogar auch sein Reich betreten hatte. Er kannte seine Stimme und wusste genau dass er ihm seine Seele schuldete. Dies schon lange. „Gevatter.“
Dein Geist ist nicht so gebrechlich geworden wie dein Körper. Willst du gehen? Aurelius schwieg. Er seufzte. „Ich… bin Vater… und habe meinen Sohn kaum gesehen, ausserdem was soll mit Asmodi werden?“ Durchaus Argumente die jeder zweite Sterbende von sich gab. Die einzigen beiden Dinge welche Aurelius von anderen unterschied war, erstens er war bereits über 150 Jahre alt und zweitens, er würde einen freiwandelnden Dämon auf Celcia hinterlassen. Es war nicht so dass sein Geist durch die langen Jahre seines Lebens für den Tod offener wurde, im Gegenteil. Nie hatte er so viel zu verlieren gehabt wie heute.

Wenn du auf ewig sterben möchtest, sage es. Deine Seele ist schon lange bereit, das weißt du. „Ja.“ Antwortete er in Gedanken. „Ja… ich weiss es und doch ist sie untrennbar mit dem Dämon verbunden nicht wahr? Kann ich überhaupt jemals in dein Reich eintreten? Kann ich jemals den Tod eines normalen Menschen sterben?“ Die Antwort wusste er selbst, dies konnte er nicht, denn für einen Menschen lebte er bereits viel zu lange.
Wenn du leben möchtest, dann vertraue auf deine Freunde, dass sie dich lange genug im Körper halten können, bis der Dämon dich mit Kraft versorgt. „Ja. Sie werden es schaffen.“ An die Alternative wollte er gar nicht erst denken, er wusste auf was der Gevatter hinaus wollte. Wusste welches Schicksal ihn sonst erwartete. Jenes eines Geistes, einer verlorenen Seele welche den Pfad ins Totenreich verloren hatte. Eine Seele die schlussendlich so verwirrt war, dass selbst der Tod sie nicht mehr abholen konnte.

Andernfalls wird er uns beide um das, was du bist, betrügen.“Was soll ich nur tun Gevatter? Ich will Leben, will meine Familie erleben.. und dennoch… diese Schmerzen, diese Müdigkeit…wird die weggehen sobald der Dämon wieder in meinem Körper ist?.“ Er wollte den Gevatter unbedingt in ein Gespräch verwickeln. Denn es lenkte ihn ab, von dem Schmerz, von dem Alter von seinem dasein als Sterbender.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Gevatter Tod » Dienstag 31. August 2010, 01:28

Der Gevatter musste wohl mehrmals existieren. Wie konnte er sich sonst stets um Aurelius kümmern und zugleich für alle anderen Seelen Celcias da sein? Oder war er nur eine einzige Persönlichkeit? Dann wäre es doch Zeitverschwendung, sich dem Medicus zuzuwenden. Seine Seele schien ja offensichtlich niemals für den Tod bestimmt zu sein. Dennoch kam er Schnitter jedes Mal zu ihm. Er behandelte alle gleich und er bot Aurelius an, sein Leben an dieser Stelle endlich ein Ende werden zu lassen. Er würde ihn ins Reich der Toten geleiten, wo er auf immer ruhen konnte. Weg vom Dämon, weg von den Problemen, die das Viech bereitete. Frieden. Aber dieser Friede hätte seinen Preis. Er bedeutete auch, seine Familie im Stich zu lassen und seine Freunde. Mallahall hatte gerade erst wieder Vertrauen in den dämon gesetzt. Selbst Asmodi gehörte seiner Familie an. Er würde ihm weiterhin in seinem Körper beherbergen, aber auch hüten müssen. Achtsam musste er sein, um Zanraia und Castus vor ihm zu schützen, ihn zu bremsen, wenn er zu wild wurde. Letztendlich würden ihm hierbei ebenfalls Mallahall und auch Etelin helfen. Sie waren immer für ihn da gewesen, seit er beide kannte. Und nun bot ihm der Gevatter an, sie alle im Stich zu lassen für ewigen Frieden.
Nein, dass konnte Aurelius nicht tun. Sein Schicksal sah es nicht vor.
Tod beantwortete seine Fragen. Dein Sohn wird aufwachsen, sofern ihm das Leben es gestattet. Er ist in Gefahr, denn er ist nicht das, was sein Teilvater sich erhofft hatte. Dieser wird Gefahr für mehr als Castus bedeuten. Er wird sich einen Wirt suchen müssen oder vom Licht des Tages vernichtet werden. Das kann geschehen. Allerdings nur, wenn du nun mit mir kommst. Deine Seele ist mit Asmodi verbunden. Diese Bande sind weitaus stärker als das Ende. Du kannst in mein Reich einkehren, aber ein Teil des Dämons wird seinen Weg dorthin finden. Selbst im Tod ist dein Friede in Gefahr, diese Nachricht muss ich dir mitteilen.
Es würde also nicht einmal die ewige Ruhe geben. Welcher Teil auch immer von Asmodi mit ins Jenseits glitt, er würde nicht von Aurelius loslassen. Er würde ihn ewig begleiten. Keine Option für jemanden, der so vieles dafür aufgeben müsste.

"Was soll ich nur tun, Gevatter? Ich will leben, will meine Familie erleben ... und dennoch ... diese Schmerzen, diese Müdigkeit ... wird die vergehen, sobald der Dämon wieder in meinem Körper ist?" Tod musterte Aurelius' Seele. Er stand als zeitloser Schnitter vor ihm. Die Gewandung ewig schwarz und wallend, darunter knöcherne Finger, die die Sense hielten. Ein Schädel lugte unter der Kapuze hervor. Er schien zu lächeln. Tod lächelte immer, die Form des menschlichen Kiefers bewirkte das. So ganz ohne Haut, Muskeln und Sehnen blieb ein ewig währendes Lächeln zurück. Winzige bläuliche Punkte schimmerten aus den Augenhöhlen heraus. Beinahe wie bei Asmodi, wenn er den Wirtskörper beherrschte.
Du kennst die Antworten längst. Ich brauche sie dir nicht zu geben. Tods Sense löste sich in Wohlgefallen auf. Ich werde jetzt gehen. Sei gewiss, ich beobachte dich. Noch ist unklar, ob das Vertrauen in deine Freunde berechtigt bleibt. Leb wohl, Aurelius Templar. Andernfalls sehen wir uns sehr bald wieder. Damit schwand die ominöse Gestalt des Gevatters und die Seele des Medicus blieb allein zurück. Gefangen in seinem altersschwachen Körper, der bereits wieder das leichte Holpern unter sich spüren konnte. Asmodi zog den Karren - schnell, aber zugleich so bedacht wie es möglich war. Das Gespräch mit dem Zeitlosen hatte Aurelius abgelenkt, auch von seinen Schmerzen. Castus lag noch immer dicht bei ihm und schenkte ihm weitere Möglichkeiten, sich nicht auf die Pein konzentrieren zu müssen. Schon bald erreichte man das Dorf der Tabiki.


weiter bei Das Dorf Hajikya -> Der heilige Baum -> Letzte Rettung?
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Freitag 7. Januar 2011, 19:07

Tahmo kommt von Der Wald Sarius -> Dorf der Waldmenschen -> Unter Elfen und Menschen

Die Umgebung hatte sich verändert. Buchen, Eichen und andere bekannte Laubbäume waren uralten Ungeheuern gewichen. Gigantische Bäume, deren Stämme nicht einmal von einem Dutzend Männer hätten umfasst werden können, ragten endlos weit in den Himmel hinauf. Von ihren Ästen hingen armdicke Lianen herab. Ranken schlängelten sich wie fleischige Wurzeln an den Stämmen herauf. Ihnen entwuchsen Blüten, so groß wie Faro. Eigelb mit orange leuchtenden Pollenstempeln oder bizarr knallig in roten, violetten oder blauen Tönen, die Insekten auf diese Weise nicht nur mit ihrem Duft lockten.
Über Tahmos und Luas Köpfe flogen Schmetterlingen hinweg, die vermutlich einen Bergadler hätten erschrecken können. Ihre Flügel schimmerten in wilden Farben, besaßen verwirrende Kringel oder unheimliche Kreise, die wie Augen auf den Wald herab blickten.

Als Tahmo und Lua ihre erste Nacht im Kapayu verbrachten, kreuzte eine Schlange ihren Weg, die so lang wie ein normaler Baumstamm war. Zum Glück interessierte sie sich nicht für die Eindringlinge des Dschungels, die das ihre liebe Mühe hatten, einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Der Boden schien an keiner Stelle eben genug zu sein.
Lua kickte missmutig einen Stein beiseite. "Es dämmert schon und das Zelt steht immer noch nicht. Wir müssen uns beeilen. Wenn nur dieser holprige Boden nicht wäre."
Faro bot die Rettung. In seiner Gefräßigkeit war das Pony eine dicke Wurzel hinauf marschiert, um sich an den verführerischen Früchten zu laben, die da von einer der Ranken herab hingen. Sie sahen aus wie Brombeeren, nur mochte eine einzige Frucht so groß wie Tahmos geballte Faust sein. Kein Wunder, wenn Faro angesichts dieser Leckerei tellergroße Augen bekam. Jedoch erreichte er die dunkelroten Beeren nicht. Wiehernd machte er auf sich aufmerksam.
"Was ist denn da los? Siehst du mal nach, Tahmo?" Lua versuchte sich weiterhin im Zeltaufbau.

Faros Wiehern nahm nicht ab. Das Pony war zwischen die Wurzeln in eine kleine Mulde gerutscht. Zwar hätte es jederzeit von dort wieder heraus springen können, doch hatte sich sein Zaumzeug mit einem frechen, kleinen Wurzelzweig verstrickt. So gelang er weder aus der Mulde, noch konnte die Beeren erreichen. Kläglich schlackerte er mit den Ohren.
Die Mulde, in der er stand, maß im Durchmesser wohl knapp 4 Meter. Sie war flach und moosbewachsen, so dass sie einen weichen Untergrund bot. Das Moos war trocken, denn über der Mulde hingen mehrere große Blätter, die den Regen abhielten.
Seit Lua und Tahmo den Urwald erreicht hatten, mussten sie nämlich mindestens alle halbe Stunde mit einer nieselnden Erfrischung rechnen. Bei den vorherrschenden Temperaturen wäre diese sogar recht angenehm gewesen. Leider sorgte die vorherrschende Luftfeuchtigkeit dafür, dass es eher schwül und unangenehm feuchter Regen war.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Tahmo » Sonntag 9. Januar 2011, 13:58

Diese Reise zog sich dahin. Seit Wochen wanderten sie nun durch den endlos erscheinenden Wald, dessen Erscheinungsbild sich nie zu ändern schien. Zum Glück hatten ihnen die Waldleute genügend Proviant, ein paar zusätzliche Decken sowie ein nützliches Zelt mitgegeben. Und wenn Tahmo am Abend damit fertig war seine Lektionen in dem schweren Buch der Windmagie zu lernen, um sich danach schlafen zu legen, dauerte es nie lange bis sich Lua wortlos an ihn schmiegte. Am Anfang trieb es dem Blondschopf dabei noch regelmäßig die Röte ins Gesicht. Er stellte sich schlafend und tat so als würde er nichts mitbekommen. Nach einigen Tagen jedoch fing er an sich ebenfalls von selbst an Lua zu schmiegen da ihre Nähe ihm einen ruhigen Schlaf verschaffte. Zudem waren manche Nächte erstaunlich kühl. Aber genau wie Lua sprach er weder am Tage, noch in der Nacht diese Art der Zärtlichkeit und die allgemeine Zuneigung zu ihr, an. Trotzdem musste sich daran etwas ändern. Irgendwann sollte er mit ihr darüber reden.

Diese recht ruhige und ereignislose Reise führte auch dazu das Tahmos Knöchel vollständig gesundete. Er jubelte vor Freude als er seinen Fuß wieder vollständig belasten konnte und seinen Magierstab somit nicht mehr als Gehstütze missbrauchen musste. Es war ein herrliches Gefühl endlich wieder unbeschwert laufen und vor allem rennen zu können. Auch wollte er nicht ständig als zusätzliches Gewicht auf Faros Rücken hocken. Das Pony hatte so schon genug zu schleppen. Also ging Tahmo erst einmal zu Fuß weiter. An jenem Tag erreichten sie auch die ersten Ausläufer des Kapayu, ein mächtiger Urwald. Und hier veränderte sich nun auch das Umgebungsbild aufs deutlichste.

Schöne, junge und hohe Laubbäume wie Eichen und Buchen machten respektvoll Platz für alte, dunkel- fast schwarzbraune, knorrige, dicke Bäume deren Formen an erstarrte Ungeheuer erinnerten. Man brauchte sicherlich mindestens ein paar Minuten um die dicken Stämme komplett zu umrunden. Tahmo fröstelte es ein wenig beim Anblick dieser stummen Zeitzeugen. Die Äste erinnerten an knorrige, dürre, alte Finger die Haushoch über ihm die Baumkrone bildeten. Auch hier fanden sich wieder Lianen und Pflanzen welche die alten Stämme emporwuchsen. Nur fand man hier an fast jedem Baum eines dieser, aus Tahmos Sicht, Unterschenkel dicken, fleischigen, dunkelgrünen Pflanzenschlangen. Von weiter oben baumelten sie dann wie Fühler die jeden Moment nach einem Greifen wollten aus dem Astwerk hinab. Dazu kamen diese riesenhaften Blüten von denen eine mindestens so groß war wie Faro. Sie erstrahlten in auffallenden Farben wie Eigelb, Blutrot, Veilchenviolett oder unheilsblau. Ein dicker, orangener, zungenartiger Pollenstempel war jedoch neben dem süßlich-fauligen Geruch bei allen gleich. Tahmo wollte gar nicht wissen welche Kreaturen sich zu solchen Pflanzen hingezogen fühlten - er gehörte jedenfalls nicht dazu. Als hätte er seine Gedanken laut ausgesprochen erfüllte plötzlich heftiges Geflatter die Luft. Der Windmagier duckte sich reflexartig, als ein Schafs großer Schmetterling knapp über ihn hinweg brummte. Dem Ungetüm folgten weitere die sich alle hungrig auf die Blumen stürzten. Tahmo staunte nicht schlecht, denn die Schmetterlinge schafften es die Blumen in Sachen Farbenpracht bei weitem zu überflügeln. Wilde Kringel, Kreise und andere Muster in den unmöglichsten Farbkombinationen beseelten die Schwingen der Insekten.

In der ersten Nacht die Lua und Tahmo im Urwald verbringen sollten kreuzte eine Baumstamm lange Schlange ihren Weg. Dem Blondschopf blieb fast das Herz stehen, als das Ungetüm knapp vor seinen Schuhspitzen seelenruhig vorbei Schlängelte und im dichten Buschwerk verschwand.
Mit klopfenden Herzen blickte Tahmo zu Lua und dann wieder auf die Stelle an der die Schlange entlang gekrochen war. Nachdem er den Schrecken verdaut hatte wurde weiter nach einer Stelle gesucht die Eben genug war für einen Schlafplatz.

Missmutig kickte Lua einen Stein beiseite. "Es dämmert schon und das Zelt steht immer noch nicht. Wir müssen uns beeilen. Wenn nur dieser holprige Boden nicht wäre."
Tahmo, der ein paar Meter weiter stand, nickte nur zustimmend als Faros plötzliches Wiehern seine Aufmerksamkeit erregte. "Was ist denn da los? Siehst du mal nach, Tahmo?" Rief Lua dem Blondschopf zu, der jedoch schon auf halbem Weg zu seinem Pony war. Es war kein schrilles Wiehern, also ist Faro nicht in Gefahr dachte sich Tahmo, der eilend über ein paar Wurzeln sprang, Hoffentlich ist nichts passiert. Es klang so als wollte er uns was zeigen

„Was zum... Faro?“ Tahmo staunte nicht schlecht. Das Pony war tatsächlich eine dicke Wurzel hinauf marschiert um an ein paar saftig aussehende Früchte zu kommen die dort von einer dicken Ranke hinab hingen. Tahmo kletterte über weitere Wurzeln des großen Baumes zu dem diese Ranke gehörte, um zu Faro zu gelangen. Es war eine ziemliche Kletterarbeit, manche Wurzeln waren Brusthoch, bei anderen konnte er glatt wie durch einen Torbogen unten durch marschieren. Tahmo konnte gar nicht sagen wie riesig der Baum letztendlich sein mochte zu dem diese Wurzeln gehörten.

Bei Faro angelangt sah Tahmo den Grund für Faros wiehern. Sein Zaumzeug hatte sich in einem kleinen Wurzelzweig verstrickt. Mild lächelnd kletterte Tahmo hinab in die Mulde zu Faro um ihn zu befreien. Beruhigend tätschelte er dem Pony den Hals und kraulte dessen dicken Kopf. „Na, wolltes' du an die Früchte da?“ Sprach Tahmo mit ruhiger Stimme, „Hm, ich weis' aber nich' ob die gesund sind... so wie die Blüt'n von den Rankendingern da aussahen würd' ich die lieber nicht essen.“ Tahmo grinste als Faro kläglich mit den Ohren schlackerte. Er schmiegte sich an dessen Hals, ehe sein Blick zum ersten mal genauer die Umgebung in Augenschein nahm. „Hey... das ist ja..“ Sie befanden sich in einer kleinen, aber flachen Mulde mit gut 4Metern durchmesser. Der Boden war mit weichem, sanftgrünen Moos bewachsen und die hohen, dicken Wurzeln des Baumes umringten die Mulde wie ein kleiner Schutzwall. „Woah... Faro da hast du nen tollen Ort gefund'n. Hier könnt'n wir schlaf'n. Ich sag' mal Lua bescheid, vielleich' kennt die auch die Früchte da ob'n.“
Tahmo wandte sich von Faro ab, er wollte Windmagie einsetzen um Lua bescheid zu sagen. So musste er nicht laut rufen und machte am Ende auch keinerlei fremde Kreaturen auf sich aufmerksam.
Konzentriert schloss er seine Augen, konzentrierte sich auf die Luft und flüsterte ihr seine Botschaft zu welche zusammen mit dem Wind an Luas Ohr getragen werden sollte. Lua musste dann nur dem Lufthauch folgen um zu wissen wo Tahmo war. Und kein anderes Wesen in diesem Wald würde Wind von der Sache bekommen.
„Lua komm, Faro hat'ne Stelle zum übernacht'n gefund'n!“ Flüsterte Tahmo leise in die Luft. Der Wind sog seine Worte auf und nahm sie auf nächstbesten Weg mit zu Lua.
Wartend lies er seinen Blick wandern. Nachdem sie das Zelt aufgebaut und ein lager errichtet hatten wollte er sich hier auf jeden Fall noch umsehen. Natürlich vorsichtig, nicht das er dabei erneut einer Schlange oder etwas anderem begegnete.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Gestalt » Montag 10. Januar 2011, 19:25

Tahmos Lebensenergie ist wieder vollständig regeneriert. Du kannst den Wert für "unverletzt" im Profil eintragen.

Faro ließ es zu, dass Tahmo ihn ein wenig tätscheln und kraulen konnte. Er musste schließlich Dankbarkeit für seine Befreiung zeigen. Aber allzu lange hielt es das Pony nun nicht mehr aus. Endlich war es von dem bösen, bösen Zweig erlöst, der ihn mit solcher Beharrlichkeit festgehalten hatte. Nach so viel Warterei musste er sich nun erst einmal stärken.
So reagierte Faro auf Tahmos Frage nur mit einem missmutigen Ohrenschlackern. Die Warnung gefiel ihm nicht. Er war hungrig! So schoss das Pony sie schnaubend in den Wind. Die Beeren sahen lecker aus: dunkelrot und beinahe triefend vor Saft. Die konnten unmöglich ungesund sein! Faro schielte von unten herüber zu seinem zweibeinigen Freund. Es arbeitete in dem störrischen Ponykopf, dass man es beinahe rattern hören konnte. Sagte Tahmo das nur, damit er alle Beeren für sich allein haben konnte? Nein, das würde er nie tun … aber um ganz sicher zu gehen …
Wie von einer Hornisse gestochen, die hier im Urwald vermutlich auch die Größe der Schmetterlinge teilte, sauste Faro an Tahmo vorbei und die Wurzel hinauf. Schon schlossen sich große Pferdezähne um einen Teil der Beere. Die hauchdünne Fruchthaut platzte, das saftige Fruchtfleisch brach und der süße Saft strömte in Faros Maul. Das Pony trank, kaute auf dem Fruchtfleisch herum. Es wirkte zufrieden.
Tahmo ebenfalls. Er hatte die flache Mulde bemerkt, in der sein Vierbeiner festgesessen hatte. "Woah … Faro, da hast du 'nen tollen Ort gefund'n." Faro warf seinen Schweif von links nach rechts. Er hatte vor allem tolle Früchte gefunden. Schon biss er das nächste Stück ab. Inzwischen tropfte der Saft bereits auf die Wurzel. Faros Brust war feucht und rot von ihm.

Lua hatte weder das eine noch das andere kleine Wunder bemerkt. Sie mühte sich noch immer mit dem Zelt ab, das einfach nicht gerade stehen wollte. Ständig schnappten die Zeltstangen aus ihren Verbindungen oder die kleinen Heringe ließen sich nicht in den Boden, respektive die Wurzeln, rammen. Die Waldbewohner hatten ihnen bedauerlicherweise keinen Hammer mitgegeben. Lua verwendete daher einen dicken Zweig wie einen Hammer oder Knüppel. Trotzdem teilten die Heringe das Holz der Wurzeln nicht im Geringsten.
Sie seufzte: "Es ist zum Mäuse melken." Da hielt sie inne. War da nicht ein Wispern? Lua drehte den Kopf. Oh, es war so leise! Die Geräusche des Urwaldes überdeckten das Flüstern fast vollständig. Sie schloss die Augen, konzentrierte sich nur auf den Wind. Dann hörte sie Tahmos Stimme, getragen von selbigem.

Sie drehte sich, nachdem sie die Botschaft endlich richtig vernommen hatte. Suchend versuchte sie auszumachen, woher die sanfte Flüsterbrise kam. Sie schickte ihre eigenen Winde aus. Inzwischen wusste sie sehr gut, wie Tahmo roch. Wenn man sich jede Nacht dicht an ihn heran schmiegte, konnte man das gar nicht verhindern.
Und dann brachte der Wind ihr eine Spur. Es dauert nicht lange, da erreichte sie ihn.
"Du hast gelernt, Nachrichten durch die Luft zu schicken." Lua lächelte, stemmte aber in gespielter Verärgerung die Hände in die Hüften. "Ich kann nicht mehr viel stolzer auf dich werden, also halt dich beim Lernen mal zurück." Dann lachte sie, kam dicht an Tahmo heran, um ihm das Haar zu zerzausen.
Nachdem auch sie sich die Mulde angesehen und für perfekt befunden hatte ("Du bist ein Genie, Faro!" – Anschließendes Wiehern), holte sie gemeinsam mit ihrem Schüler die Zeltausrüstung.
Es gelang ihnen, den Schlafplatz noch rechtzeitig herzurichten, ehe die Dunkelheit über sie hereinbrach. Und wie schnell das ging! Im Nu verwandelten sich das Grün des Waldes und die farbenfrohe Blütenpracht in ein Gemisch aus Schwarz- und Grautönen. Lianen mit kleinen Blättern wurden zu düsteren Schlangen mit Zackenkamm. Zwischen den verschiedenen Nuancen aus Schwärze lugten plötzlich leuchtende Augen hervor. Aus Vogelzwitschern und dem Kreischen verschiedenster Affengattungen entstand ein schnarrendes Rasseln, Zischen, Knurren oder tiefes Grollen.

Lua presste sich einen Moment lang eng an Tahmos Seite. Faro lag hinter ihnen im Zelt. Er hatte sich den Bauch mit Beeren vollgeschlagen. Nun gönnte sich das satte Pony ein Verdauungsschläfchen. Scheinbar waren die Früchte ungefährlich, zumindest für ihn. Das stetige, tiefe Atmen zeugte davon wie zufrieden Faro war.
Lua jedoch zeigte Furcht. "Es ist unheimlich hier. Ich hatte das ganz vergessen, jetzt weiß ich auch wieder, warum. Man will sich an Nächte im Kapayu nicht erinnern." Sie rang sich ein Lächeln über ihren matten Scherz ab. Auf einmal keuchte sie, als Kühle vom Boden aufstieg. Es fröstelte ihr. "Wir haben noch kein Lagerfeuer, nicht mal Holz! Wer von uns … sollte … raus?" Sie schluckte bei der Erkenntnis, dass Tahmo diese Aufgabe auch ihr übergeben könnte.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Tahmo » Montag 10. Januar 2011, 22:20

Gerade als sie den letzten Zelthering in den moosgrünen Boden stachen, brach die Nacht über den Urwald herein. Wie ein stiller Schatten legte sie sich über die Baumkronen, die Pflanzen und die knorrigen Wurzeln um alles in ihren dunklen Mantel zu hüllen. Alle Farben verschwanden und was blieb waren graue Schatten, schemenhafte Umrisse in der Umgebung mit denen die Fantasie gruseligen Schabernack spielte. Gespenstisch winkten dürre Äste in dem kalten Nachtwind der nun raschelnd durch den Urwald zog. Und als wäre dem nicht genug, so gesellten sich knurrende, schnarrende, zischende und grollende Laute in die kalte Nachtluft. Tahmo schluckte hart, er wollte gar nicht wissen zu welchen Kreaturen diese Klänge gehörten. Kleine putzige Eichhörnchen waren es sicherlich nicht.
Er und Lua saßen dicht aneinander gedrängt im Eingang des Zeltes. Ihr Schlaflager lag schon ausgebreitet hinter ihnen im Zelt, genau wie ihr ganzes Gepäck. Nur Faro lag hinter dem Zelt, tief und friedlich schlafend. Ihm schien die Umgebung nichts auszumachen, was hoffentlich nicht an den Früchten lag. Tahmo hatte Faro nicht mehr davon abhalten können die Früchte zu fressen. Wenn es ums Essen ging konnte das sonst eher träge Pony verdammt flink werden. Der Blondschopf durfte nur noch darauf hoffen das die Früchte nicht schädlich waren.

Tahmo zuckte zusammen, als er kurz ein paar rosa glühender Augen unter einer Wurzel entdeckte. Unwillkürlich presste er sich an Lua, während ihm der Atem stockte.
"Es ist unheimlich hier. Ich hatte das ganz vergessen, jetzt weiß ich auch wieder, warum. Man will sich an Nächte im Kapayu nicht erinnern." Flüsterte die Magierin mit deutlicher Furcht in der Stimme. Tahmo nickte lediglich, er war mehr als froh die Nacht hier nicht alleine verbringen zu müssen. Fröstelnd zog er seine Beine näher an sich heran, während Lua seine Gedanken laut aussprach: "Wir haben noch kein Lagerfeuer, nicht mal Holz! Wer von uns … sollte … raus?" Langsam schielte der Blondschopf zu Lua hinüber. Stimmt... Lagerfeuer... so ein mist.. Mit bangem Blick guckte er zurück zu der Wurzel unter welcher er eben noch dieses lauernde paar Augen erblickt hatte. Verdammt... einer muss Holz holen... Und ich glaube fast das ich das sein werde. Ich kann Lua nicht schicken das wäre... nicht nett. In Geschichten sind es immer Helden die so etwas tun. Oh man...

Langsam und recht ungern, löste er sich von Lua, während er nach seinem Magierstab griff. „Ich...ich such' Holz.“ Gab er kurz mit halblauter Stimme von sich. „Mach' schon'mal ne' Stelle frei.... bis gleich.“ Mit etwas weichen Knien stemmte er sich in die Höhe, nur widerwillig wollten seine Füße in die Dunkelheit hinein. Bald schon war er nur noch ein grauer Umriss irgendwo in der Nähe des Zeltes.

Seine Hand fest an das warme Holz des Stabes geklammert, hielt Tahmo auf einen niedrigen, fast blattlosen Busch zu. Zumindest hoffte er das es ein Busch war... und nicht irgend ein Wesen mit Stacheln, oder Klauen oder Beidem. In gebührendem Abstand blieb er stehen. Das Blut rauschte in seinen Ohren, sein Herz schlug schnell und entfachte einen wahren Adrenalin Rausch den man nur in derlei Situationen hatte. Fest nahm er den Stock in beide Hände, schluckte kurz und... stubste nach dem Busch, nur um sofort einen Schritt weit zurück zu springen um einem etwaigen Angriff zu entgehen. Lautlos und mit schnellem Atem verharrte Tahmo regungslos für ein paar Augenblicke, die Augen starr auf den Busch gerichtet. Schritt um Schritt ging er näher heran, der Busch zeigte nach wie vor keine Reaktion... war wohl doch nur ein Busch. Hastig ging er vor der Pflanze in die Hocke und fing an altes Reisig sowie tote Wurzeln und trockene Blätter aufzusammeln. Er wagte es nicht etwas von dem Busch abzureißen... man konnte nie wissen. Die Ohren offen haltend nach gefährlichen Geräuschen hatte er schon nach kurzer Zeit einen ordentlichen Haufen zusammen. Tahmo zog seinen Umhang aus, legte den Haufen hinein und faltete alles zu einem kleinen Paket. Das würde jedoch nicht reichen, er brauchte noch Äste... dazu würde er jedoch noch ein wenig weiter müssen. Die Umgebung nur schemenhaft wahrnehmend, allein von dem bisschen Mondlicht erleuchtet das durch das Blätterdach fiel, tastete er sich auf leisen Sohlen weiter voran. Er durfte nur nicht vergessen wo das Zelt stand...
.... Und meistens treffen Helden in solchen Geschichten dann irgendwelche Monster
Schoß es ihm schlagartig durch den Kopf. Ein Gedanke der ihn nicht wirklich ermutigte, denn nun schlug sein Herz nur noch lauter vor Furcht.

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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. Januar 2011, 19:24

Lua atmete hörbar aus, als sich Tahmo anbot, das Holz für ein Lagerfeuer zu sammeln. Sie war erleichtert, dass sie sich nicht in die Dunkelheit wagen musste. Zu gruselig empfand sie den Urwald bei Nacht. Trotzdem blickte sie ihren Schüler mit Sorge in den graublauen Augen an. "Pass auf dich auf und … komm zurück, ja?", sagte sie. Sie nickte, als Tahmo vorschlug, dass sie in der Zwischenzeit eine geeignete Stelle für das Feuer suchen konnte. Das würde sie tun. Trotzdem rührte sich Lua noch nicht, als ihr Schüler das Zelt verließ. Sie schaute ihm nach, bis seine Konturen vollkommen mit der Nacht verschmolzen. "Ich hätte Feuermagierin werden sollen", murmelte sie leise.

Tahmo hatte sich mutig gezeigt. Immerhin war er auch ein Held und in diesem Glauben empfand er es als seine Pflicht, das Feuerholz zu sammeln. Dabei vergaß er aber wohl den ebenso oft erwähnten Heldenmut. So, wie er sich nun einem Busch – war es wirklich einer? – näherte, bewies er nur sehr wenig Courage. Aus sicherer Entfernung stocherte er in dem Busch herum. Nichts geschah. So in dem Glauben bestätigt, dass es tatsächlich nur ein Busch war, trat er näher. Unter den blättrigen Ästen lag genug Material, dass es zum Anfachen eines Feuerchens reichte. Tahmo musste lediglich noch Holz finden, damit die Flammen nicht gleich nach kurzer Zeit wieder erloschen. Das Kleinzeug genügte nicht, um dem Feuer nachhaltig als Nahrung zu dienen.

Noch während der junge Luftmagier in Ausbildung sammelte, fand die Gefahr in ihm ein Ziel. Sie ging nicht vom Busch aus, sondern lugte von weit oben auf ihn herab. Langsam und lautlos begann sie sich zu senken, glitt immer tiefer herab. Ein dicker und dennoch in der Dunkelheit nur als schwer auszumachender Faden silbriger Seide verband einen weit über Tahmo hängenden, stammdicken Ast und den hinteren Teil der Kreatur, welche sich ihm gnadenlos näherte.
Tahmos Gestalt spiegelte sich bereits in allen acht Augen des Wesens. Die gleiche Anzahl an Beinen fädelte den Körper zielstrebig tiefer. Jedes Bein besaß die Dicke eines menschlichen Beines, aber die doppelte Länge eines ausgewachsenen Mannes. Fingerdicke, borstige Haare standen davon ab, Widerhaken gleich. Die Schatten der Nacht wandelten jedes einzelne Haar in einen Dolch. Dabei waren doch nur die messerscharfen Kauwerkzeuge des Geschöpfs vergleichbar gefährlich. Sie glänzten trotz ihrer weißlichen Farbe nicht im Mondlicht. Der Mond schaffte es nicht, bis zum Boden durchzudringen, von den Sternen ganz zu schweigen.
Bereits jetzt tropfte ein fast farbloses Sekret von diesen Zähnen. Gift.

Der Jäger sank lautlos tiefer. Noch weniger Meter, dann würde aus dem gewaltigen Spinnenmaul ein klebriger Fangfaden schießen, um Tahmo am Boden festzuhalten. Weitere solcher Fäden würden folgen, um ihn zu fesseln. Danach sollte das auserkorene Opfer mit dem Gift gelähmt werden. So hatte die Spinne genug Zeit, es endgültig einzuweben und schließlich in ein sicheres Versteck zu zerren. Dort konnte es die Körperflüssigkeit aus der Beute saugen, bis nur noch die leblose, ausgetrocknete Hülle zurück blieb.
Das Spinnenwese freute sich bereits.

Da erhob sich Tahmo. Er hatte aus seinem Umhang ein kleines Paket geschnürt. Nun wollte er sich auf die Suche nach den größeren Ästen macht. Schon tappte er außer Reichweite. Die Spinne gab ein erstes Geräusch von sich: ein Klackern mit ihren Beißwerkzeugen, das in der animalischen Symphonie unterging, die die Nacht selbst bildete. Lange ließ sie sich jedoch nicht dadurch ablenken. Schon folgte sie dem ahnungslosen Tahmo weiter in den Dschungel hinein.
Der Blondschopf hatte unterdessen wohl noch nicht bemerkt, dass er sich im Moment immer weiter vom Zelt entfernte.
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Re: Undurchdringlicher Dschungel

Beitrag von Tahmo » Mittwoch 12. Januar 2011, 20:41

Tahmo ahnte natürlich noch nichts von der Gefahr in seinem Rücken. Er war weiter gegangen, den Zeltplatz immer hinter sich haltend, hatte er ein Gebiet mit kniehohen Farnen gefunden. Während er die Blätter der Farne mit seinem Stab zur Seite bog und beide Augen auf den Boden konzentrierte um ja keine Schlange oder ähnliches zu übersehen, rumpelte er geradewegs gegen einen umgeknickten, alten Baumstamm der dort sicher schon ein paar Tage lag. Die Blätter fehlten größtenteils und die Baumkrone war zur Hälfte zerschmettert. Der Blondschopf grinste, was für ein Glück! Er musste nur ein paar Äste abbrechen und schon hatten sie genug Holz!

Kurz umgeblickt, obwohl er sowieso nur Umrisse und vom Mond beleuchtete Schatten sah, griffen seine Hände flink nach den ersten Ästen um sie knackend abzubrechen. 'knack' er klemmte den ersten Ast unter seinen Arm. 'knack' auch der zweite Ast landete dort und der dritte ebenfalls. Zu dem knackenden Geräusch des Holzes gesellte sich ein weiteres, hungrig klingendes knacken.
Stutzig hielt Tahmo inne. Er brach einen weiteren Ast ab. Es knackte und dann gleich noch einmal.
Zweimal knacken pro abbrechen? Das ist komisch... Mit gewölbten Augenbrauen sah er zu dem Brennholz in seiner Hand, ehe er erschreckt aufhorchte. Es knackte wieder, dieses mal nur näher und irgendwie hinter ihm. Mit bangem Gefühl wirbelte Tahmo herum und... das Blut gefror ihm regelrecht in den Adern.

Acht apfelgroße Augen in denen sich das silbrige Mondlicht spiegelte, starrten ihn hungrig an. Zu den Augen gesellten sich klackernde, geifernde Spinnenhauer von denen langsam eine zähe Flüssigkeit tropfte. Die Umrisse eines massiven, Runden, pelzig wirkenden, riesenhaften und pechschwarzen Spinnenkörpers mit acht langen, ebenso großen, mit Fingerdicken Wiederhaken bedeckten Beinen gesellten sich zu den Augen und den Malmwerkzeugen. Das Untier stand keine drei Schritte von Tahmo entfernt!

Sekunden vergingen, die Bestie lies ein aufgeregtes Klackern und bedrohliches Zischen von sich hören. Und Tahmo? Zuerst war er kurz wie versteinert, doch dann brachen seine Überlebensinstinkte hervor. Wie auf Kommando lies er alles fallen, die Spinne zischte abermals laut, Tahmo ballte seine Hände und sammelte Luft um seine Fäuste. Die Spinne streckte ihre Beine durch, ein klebriger Faden mit einem dicken Klumpen an der Spitze schoß aus einer Drüße an ihrem Maul direkt auf den Oberkörper des Blondschopfes zu. Dieser reagierte instinktiv und riss die rechte Faust nach vorne. Er hatte den Zauber schon öfters geübt, sodass er nur noch selten fehlschlug. Aber in diesem Moment schoss soviel Adrenalin durch seinen Körper das all seine Sinne hellwach und vollkommen konzentriert waren. Tahmo dachte nicht mehr nach, er handelte rein instinktiv. Die erste Windfaust fegte den Faden zur Seite, lenkte ihn von seiner Bahn sodass er an Tahmo vorbei und hinter ihm den Baumstamm traff. Dann riss Tahmo die zweite Faust nach vorne, um die nächste Windfaust auf die Spinne loszulassen.
Kaum das er den Zauber gewirkt hatte, drehte er sich herum und sprang beinahe auf den umgestürzten Baum. Von hier oben hatte er einen besseren Überblick und stand auch nicht mitten im Farn. Mit klopfenden Herzen und zitternten Beinen überblickte Tahmo in geduckter Haltung das Farnenmeer, hielt ausschau nach der Spinne. Seine Gedanken kehrten ein wenig zurück, die unmittelbare Lebensgefahr war vorbei, dennoch blieb sein Geist hellwach und konzentriert. Die Angst war vorerst in den Hintergrund geschoben und konnte ihn somit nicht lähmen. Er befand sich in einer Stress Situation, es zählte allein das Überleben.

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