Auf dem Heimweg

Der Urwald oder, wie viele ihn nennen, der Dschungel erstreckt sich sehr weit. Hier verbergen sich verschiedene Rassen wie die Affenmenschen. Doch es gibt auch das sogenannte Paradies Shyána Nelle, welches sich in der großen Senke befindet.

Auf dem Heimweg

Beitragvon Mya » Samstag 8. Oktober 2016, 11:28

Einstiegspost von Mya

Ein einzelner Lichtstrahl brach durch die dichte Wolkendecke und fiel durch die Wipfel der Bäume direkt auf Myas Nacken. Es war bereits spät am Nachmittag und im Wald herrschte ein gedämpftes, dämmriges Licht. Das Mädchen legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und ließ die Sonnenstrahlen für einen Moment in ihr Gesicht fallen. Sie war bereits seit den frühen Morgenstunden im Wald auf der Suche nach Nahrung und inzwischen war ihr Korb gut gefüllt mit sämtlichen Beeren und Wurzeln des Waldes.
Ich sollte mich langsam auf den Heimweg machen, sagte sie zu sich selbst während sie ihre Augen aufschlug und sich im Wald umsah. Es scheint, als gäbe es hier nicht mehr viel Essbares, was ich noch mitnehmen könnte. Ich bin mir sicher im Dorf wird man meine Hilfe beim Kochen gebrauchen können. So oder so sollte ich auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit zurück sein.
Mya ließ ihren Blick noch ein letztes Mal über die Lichtung schweifen, auf der sie sich befand, aber alles was sie entdeckte war ein kleiner blauer Falter, der sich auf einer schneeweißen Blüte niedergelassen hatte und seine leuchtenden Flügel weit ausgebreitet hatte. Sie betrachtete ihn kurz, wie er so dasaß, ein einzelner blauer Punkt im Grün des Waldes. Blau ist so eine seltene Farbe, überlegte sie, zumindest hier auf der Erde. Am Himmel gibt es eine ganze Menge davon, aber hier ist alles grün und braun und manchmal ein wenig rot oder gelb. Hoffentlich muss dieser Schmetterling sich niemals verstecken, dann wäre er hier nämlich hoffnungslos verloren.
Die junge Tabiki drehte sich langsam um und begann dem schmalen, gewundenen Pfad zu folgen, auf dem sie hergekommen war. Um sie herum sangen die Vögel des Waldes und kleine Insekten summten durch die Luft. Ein paar mal musste sie die Mücken verscheuchen, von denen es im Wald zu ihrem Leidwesen einige gab und die immer wieder versuchten, an ihr anscheinend sehr süßes Blut zu kommen. Tatsächlich war sie in der Nacht schon ein paar mal gestochen worden und hatte nun lästige, juckende Sticke an Armen und Beinen. Es war immer sie, die zuerst gestochen wurde, selbst in einem ganzen Raum voller Leute, kein Wunder also, dass die lästigen Insekten sie hier draußen keinen Moment lang in Ruhe ließen.
Inzwischen war sie so tief im Urwald, dass um sie herum nur noch sehr schwaches, grünliches Licht herrschte. Mya kannte diesen Pfad wie ihre sprichwörtliche Westentasche; sie lief die kleinen Wege im Wald jeden Tag seit vielen Jahren ab und eigentlich fühlte sie sich hier inzwischen schon mehr zuhause, als im Dorf.
Sie machte kaum Geräusche, während sie sich halb laufend, halb über umgestürzte Baumstämme und kleine Büsche kletternd, fortbewegte. Obwohl sie an sich immer sehr schnell und flink lief, ließ sie sich dieses Mal mehr Zeit auf ihrem Rückweg. Sie genoss die Stille des Waldes so lange sie noch konnte, denn im Dorf herrschte um diese Zeit für gewöhnlich noch reges und vor allem geräuschvolles Treiben.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Erzähler » Dienstag 11. Oktober 2016, 01:49

Selbst zu dieser Jahreszeit, der Zeit des Übergangs, strotzte der Urwald Kapayu nur so von safitger Vielfalt. In den Untiefen dieser wildgrünen Oase reifte so manche Pflanze heran, die man sonst nirgends auf Celcia finden konnte. Und die meisten von ihnen dienten den Urwaldbewohnern als Anlaufstelle, um sich das tägliche Überleben zu sichern. Wo sehr viele Sträucher oder die höchst gelegenen Kronen der mehrere Männer dicken Bäume in der Zeit des Erwachens sagenhaft bunte Blütenpracht zeigten, so fand man jetzt noch allerhand Nüsse, Beeren und andere Früchte. Sie wurden zum bunten Blickfang, sowie zur süßen Gaumenfreude. Es war für die Jäger der Tabiki gar nicht notwendig, sich den gefährlichen Urwaldtieren zu nähern, wenn es für die Sammler genug Auswahl gab. Dann herrschte Abwechslung auf dem Essenstisch, respektive auf ausgebreiteten Blättern. Die Tabiki brauchten keine Möbel der zivilisierten Völker.
Obwohl Mya von sich behaupten konnte, den einen oder anderen Dorfbewohner zu kennen, der ein Möbelstück sein eigen nannte. Es gab Tabiki, die Kontakt zu den in der Talsenke Shyána Nelle lebenden Elfen besaß. Man tauschte nebst den Gütern des Waldes auch Wissen aus. Oder Möbelstücke. Jikyu, ein Nachbar ihrer Eltern, hatte die wertvollen Hauer eines Urwaldkeilers gegen etwas eingetauscht, das die Elfen in ihrer Sprache nur Stuhl nannten. Im Grunde war es nichts Anderes als ein seltsam geformtes Stück eines Baumes, verarbeitet, dass es eine flache Fläche auf vier Pfosten besaß, sowie einige erhöhte Holzstäbe an der Rückseite, gegen die man sich anlehnen konnte. Ein guter Stein oder ein bequemes Sitznest aus Blättern hätten es da allemal auch getan. Das waren Worte aus dem Munde von Myas Vater gewesen, der mit solcherlei Elfenkram nichts anfangen konnte. Und wie sah es bei Mya aus? Zumindest für einen wundervoll blauen Schmetterling konnte sie sich begeistern. Zum Glück hatte sie ihn nicht berührt. Der Staub seiner Flügel hätte ein Brennen verursacht. Auch schöne Dinge konnten in einer Welt wie dem Kapayu gefährlich sein.

Während ihre flinken Füße das Tabiki-Mädchen durch die Wildnis beförderten, sie über moosig weichen Boden oder die borkigen Rillen einer Baumstammrinde kletterte, bekam sie mehr und mehr den Eindruck, nicht allein zu sein. Natürlich besaß man als Tabiki immer wachsame Sinne, vor allem außerhalb des Dorfes. Irgendwo lauerte immer etwas oder jemand, aber dieses Mal konnte Mya mit Fug und Recht behaupten, dass etwas anders war. Da herrschte eine Präsenz, wie sie sie noch nicht kannte. Mit nichts vergleichbar drängte sie sich auch nicht wirklich in den Vordergrund und dennoch schien ihre pure Existenz zu genügen, um auf sich aufmerksam zu machen. Da! Etwas raschelte und wieder beschlich die Tabiki die Erkenntnis, dass es kein typisches Urwaldgeräusch war. Es wirkte fehl am Platz, gehörte nich in diese Welt, die ihr über all die Jahre hinweg doch in Fleisch und Blut übergegangen sein mochte. Etwas war ihr nicht vertraut und es hatte ein Auge auf sie geworfen. Es war hinter ihr, wenig später kam es von der Seite. Es verfolgte sie.
Und dann konnte Mya es sehen. Eine innere Stimme sagte ihr, dass ihr Bauchgefühl sie nicht täuschte. Was sie sah, war der Ursprung der Andersartigkeit, der sie seit geraumer Zeit begleitete. Zwischen den herzförmigen, saftig grünen Blättern eines wild wuchernden Strauches lugte ein Paar tiefblauer Edelsteine hervor, umrahmt von Bronze. Im Zentrum verloren sich die runden Kugeln in so unendlicher Schwärze, dass man darin versinken mochte. Zugleich glitzerte es darin, wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann senkte sich ein Fächer schwarzer, dichter Gräser darüber herab. Wimpern! Dichte, volle Wimpern und die Edelsteine, das waren doch Augen. Schöner und intensiver noch als der Schmetterling hatten sie mit ihrem Funkeln für einen Moment an den Sternen übersäten Nachthimmel erinnert, von dem sich hin und wieder eine Lücke durch die offenen Anteile eer Baumwipfel stahl. Jetzt aber schaute dieses Stück Nachthimmel vom Boden aus zu Mya herüber und wem immer es gehörte, sein Träger rührte sich nicht, obwohl er oder sie doch erkannt haben musste, gerade ertappt worden zu sein.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Mya » Sonntag 30. Oktober 2016, 10:59

Die junge Tabiki war völlig überwältigt von diesem Anblick. Für einen Moment konnte sie nur wie angewurzelt dastehen, die eigenen Augen auf die des Fremden gerichtet. Diese Präsenz, die sie bereits vorher gespürt hatte, diese fremdartige, fesselnde Kraft, die sie verfolgt zu haben schien, sie war nun hier in diesem Moment so stark wie nie zuvor. Tief in sich drin wusste Mya, dass sie Angst haben sollte. Niemals war ihr eine Kreatur begegnet, die sie so sehr in ihren Bann gezogen hatte. Vor ihr im Unterholz lag ein Wesen, das anders war als jeder Mensch und jedes Tier, das ihr je begegnet war. Sie konnte sich nicht erklären, woher sie das wusste. Sie spürte es einfach, fast schon instinktiv.
Es ist mir gefolgt, meldete sich nach einer ersten Schrecksekunde ihre innere Stimme zurück. Es schien ungewöhnlich schwer, einen klaren Gedanken zu fassen, auch wenn es so viel gab, was sie gerade beschäftigte. Es ist mir nachgelaufen, die ganze Zeit über. Und jetzt sieht es mich an. Ich kann seinen Blick auf meiner Haut spüren, so durchdringend ist er.
Normalerweise hätte Mya nun die Flucht ergriffen. Der Wald mit seinen unzähligen, ihr bekannten Gefahren war an sich schon bedrohlich genug. Doch diese Kreatur war ihr völlig fremd; ein Eindringling in der kleinen, abgeschiedenen Welt, die sie ihr Zuhause nannte.
Normalerweise wäre Mya gerannt und schneller im Dickicht verschwunden als man blinzeln, geschweige denn ihr folgen konnte.
Doch sie rannte nicht. Etwas hielt sie zurück. Es waren die Augen des Wesens . Nie hatte Mya etwas so Außergewöhnliches und Schönes gesehen. Sie war ganz gebannt von der Schönheit dieses Anblicks, auch wenn sie tief in ihrem Inneren wusste, dass sie durch ihre Neugierde vielleicht ihr Leben aufs Spiel setzte.
Dann, nachdem sie einige Augenblicke nur wie angewurzelt dagestanden hatte, kehrte langsam das Gefühl in ihre Glieder zurück und sie gewann die Kontrolle über ihren Körper zurück. Ganz langsam, während sie mit beiden Augen weiterhin fest die des Wesens fixierte, machte das Mädchen einen Schritt zurück.
Obwohl sie ihren Körper wieder spüren konnte, so waren doch ihre Gedanken noch vernebelt und wirr. Irgendwie fühlte sich das Denken so unheimlich schwer und träge an. Was war es nur, das ihren Geist so sehr verwirrte?
Mit einem Mal wurde sie mit einem gewaltigen Ruck aus ihrer Trance gerissen. Ein Zweig war unter ihrem Fuß zerbrochen und hatte ein lautes Knacken verursacht.
Sofort war Mya wieder hellwach. Ihre dunkeln Augen weiteten sich vor Schreck und ein Zucken durchfuhr ihren kleinen Körper. Ihr Herz begann wie verrückt zu schlagen, während sie hektisch weiter nach hinten auswich. Ihre zittrigen Hände bekamen einen starken Ast zu fassen, an dem sie sich auch augenblicklich emporzog.
Sie warf dem Platz, an dem der Fremde lag, einen verunsicherten Blick zu, während sie höher in den Wipfel des Baumes kletterte. Von dort oben waren die Augen nicht mehr zu sehen, doch Mya spürte, dass ihr Besitzer noch immer im Unterholz verborgen lag. Ihre Gedanken überschlugen sich:
Ich sollte fliehen, jetzt sofort. Ich kann einfach über die Bäume entkommen und zurück ins Dorf laufen. Aber... Was wenn dieser Fremde gar keine bösen Absichten hat? Klar, sie oder er macht mir Angst... Aber ist das berechtigt? Und... Was genau ist dieses Wesen? Wieso konnte ich es schon die ganze Zeit über spüren? Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.
Mya schluckte. Ihr Hals fühlte sich furchtbar trocken und kratzig an.
Dann nahm sie all ihren Mut zusammen und rief mit zittriger, aber lauter Stimme:
„Wer bist du? Zeige Dich!“
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 2. November 2016, 11:10

Der Urwald entpuppte sich entgegen zivilisierter Vorstellungen als farbenfroher denn geglaubt. Nicht alles hier war grün. Nur die Bevölkerung jenseits des Kapayus sprach überhaupt vom "grünen Harax". Seine Einheimischen wussten doch, dass viel mehr in den Tiefen zwischen mehreren Männern dicken Stämmen, gewaltigen Blättern und tief verflochtenen Sträuchern lag. Sie erlebten es täglich. Da waren Pflanzen, die besonderen Wert auf ein weites Farbspektrum legten, um ihre Beute zu locken. Manche von ihnen gebrauchten Insekten nur, damit jene ihren Blütenstaub weitertrugen. Andere, zumeist jene mit den größten und schönsten Blüten, klappten ihren Kelch zusammen. Dann war das Insekt gefangen, wurde mit Pflanzensaft nachhaltig zersetzt und aufgenommen. Tödlich schöne Fallen existierten im Kapayu, aber auch über die Flora hinaus herrschte eine frohe Farbenvielfalt. Sah man sich nur all die Vögel mit ihren prächtigen Federn an, die sie trugen wie die Edlen der Königreiche Jorsan oder Grandessa, wenn es zu einem feinen Ball ging. Oder erst di Schlangen mit ihren schimmernd glatten Körpern, auf denen sich das Licht verfing und ihr Schuppenkleid zum schillern brachte. Es war wundervoll.
Selten jedoch herrschte im Urwald Kapayu die Farbe Blau vor. Natürlich gab es den Himmel, der hin und wieder durch Lücken des dichten Blätterdaches herab lugte. Es gab auch kleine Tümpel oder die kristallklaren Seen nahe der Senke Shyána Nelle. In beiden Fällen konnte man dieses Blau aber eher als hell bezeichnen. Was Mya hier sah, durfte wohl das tiefste und intensivste Blau sein, das in ihrer Vorstellung möglich war. Hatte sie jemals die äußersten Ränder ihrer Heimat erreicht? War sie je an der Küste gewesen, wo sich der Urwald lichtete, bis man an Klippen stand und aus einer Weite aus Grün die Weite von natürlichem Blau - dem Meer - sehen konnte? Vermutlich nicht, denn bis zu den Küstenausläufern war es ein ungemein weiter Weg. Diese gefährliche Reise nahm man nicht allein in Kauf. Erst Recht nicht, wenn der einzige Grund dahinter der Zeitvertreib war.
Somit durfte Mya das Meer auf andere Art und Weise kennenlernen, nämlich in Form dieses Iridenpaares, das sie nach wie vor einfach nur anstarrte. Die bronzene Haut umher trug keinen Pelz. Das Wesen musste nackte Hautstellen haben. War es ein Tier? Die Augen machten keinen solchen Eindruck. Sie wirkten menschlich und doch ruhte in ihren trotz all ihrer Schönheit etwas Dumpfes. Zielstrebig, neugierig, so blickte das Etwas, ja, aber zugleich auch irgendwie traurig, unnahbar und leer. Diese Leere intensivierte sich, je länger man ihm in seine Seelenspiegel schaute, denn die Pupillen fingen mit ihrer ausgefransten Schwärze nachhaltig ein.

Plötzlich senkte sich der Fächer aus schwarzen Wimpern über die Edelsteine. Er zuckte herunter, als wäre ein Vorhang gefallen. Zeitgleich erreichten Myas Ohren den Grund für diese Reaktion. Unter ihrem nackten Fuß brach ein Zweig mit geräuschvollem Knacken entzwei. Das Adrenalin, das ihren Körper durchflutete, zwang sie geradezu zu einer Reaktion und als sich das fremde Wimpernpaar wieder erhob, gab es den Blick auf eine frei gewordene Fläche im Sichtfeld frei. Mya konnte noch erkennen, wie sich die Augen suchend umschauten, ehe sie sie wieder entdeckten und sich erneut nach ihr ausrichteten. Dann wurden sie kleiner, noch kleiner. Mya hatte sich weiter in die Höhen der Bäume begeben, bis das Blau zwischen all den Blättern gänzlich verschwunden war.
Dass sie vor dem Wesen trotz aller Faszination die Flucht ergriff, war für eine ihrer Art nur natürlich. Kein Tabiki war so naiv, die Gefahren des Dschungels zu unterschätzen, auch Mya nicht. Dennoch kreisten ihre Gedanken weiter um das Augenpaar, so dass etwas Zeit verstrich. Zeit, in der sie grübelte und ihre Umgebung nicht mit der Wachsamkeit beobachtete, die man zum Überleben im Kapayu dringend benötigte. Ein Fehler? Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Dschungel und das verborgene Wesen richtete, rief sie ihm fordernd auf, sich zu zeigen.

Unter ihr tat sich nichts. Aber einige Meter neben ihr, auf den Zweigen eines anderen Baumes, dessen Äste fast auf gleicher Höhe zu ihrem herüber wuchsen, schob sich etwas aus dem grünen Blätterwall. Tiefblaue Augen, umrahmt von dichten, schwarzen Wimpern in einem bronzefarbenen Gesicht! Er war es: ihr Beobachter! Und er war menschlich, nein besser noch: Er war ein Tabiki.
Schlank mit drahtiger Statur und sichtbaren Muskelansätzen hockte er in animalisch geduckter Haltung auf seinem Zweig. Sein Haar war kahl geschoren bis auf eine gerade schwarze Brüste, in die nahe der Stirn zwei Holzperlen geknotet waren. Sein Gesicht war in etwa so jung wie ihres und bis auf eine kleine Unzierde makellos. Er trug ein Bild auf der rechten Wange. Irgendetwas Verschnörkeltes in schwarz, das unmöglich ein Hautmal sein konnte und demnach nicht natürlichen Usprungs. Außerdem glänzte etwas in seinem rechten Ohr, sowie um seinen Hals. Er trug einen silbrig schimmernden Ohrring und ein graues Metallhalsband mit eingearbeiteten Blitzmotiven. Sein Oberkörper war frei, doch um seine Hüfte und die Beine legte sich mehr als nur ein Schurz, wie bei den Tabiki üblich. Eine zweite Haut, eng anliegend und mit dem Glanz ledriger Fledermausschwingen schützte seine Beine. Die Füße wiederum waren erneut nackt. an dieser Beinkleidung war eine Waffe befestigt, die an die Messer der Tabiki erinnerten, nur dass er nicht as Holz und Stein gefertigt war. Auch hier schimmerte dieses grausilberne Metall auf der Schneide.
"Du sprichst Celcianisch", drangen die wenigen Worte aus der Kehle des Tabiki-Burschen. Seine Stimmfarbe war betörend. Dunkel, aber nicht zu tief, dass es für sein Äußeres unpassend gewesen wäre. Seidig, als würde man eine Hand in eine Schale Honig tauchen oder in das Blau seiner Augen, die Mya auf's Neue musterten.
Er hockte da, rührte sich nicht und wagte es auch nicht, sich ihr weiter zu nähern. Dass er überhaupt bis auf gleiche Höhe auf einen Baum gelangt war, ohne sich bemerkbar zu machen, zeugte von seinen lautlosen Fähigkeiten.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Mya » Mittwoch 9. November 2016, 00:05

Mya war sprachlos. War die Situation denn nicht schon befremdlich genug gewesen? Die Präsenz und die Augen des Fremden hatten ihr den Atem geraubt und den Kopf verdreht. Doch nun, da er ihr so nah war, wusste sie endgültig nicht mehr, was sie tun sollte.
Wie hatte er sich überhaupt so gekonnt angeschlichen? Normalerweise entging Mya nichts. Jahrelange Erfahrung und ein Leben im Wald hatten sie aufmerksam und ihr Gehör empfindlich gegenüber jedem noch so leisen Geräusch gemacht. Und trotzdem hatte der Fremde es geschafft, sich unbemerkt an sie heran zu pirschen.
Wenn sie bedachte, wie schnell er vom Waldboden in den Baumwipfel gekommen war, war sie zugegebener Maßen sehr beeindruckt.
Als er sich mit einem Mal zwischen den dichten Zweigen hervor geschoben hatte, war sie sofort zusammen gezuckt. Doch weggelaufen war sie schon wieder nicht.
Bin ich zu unvorsichtig? Vielleicht. Aber er scheint mich nicht angreifen zu wollen. Zumindest noch nicht. Im Gegenteil: Er scheint sehr vorsichtig, mir nicht zu nahe zu kommen. Ich frage mich, was er will!
Ihre Augen wanderten hektisch hin und her. Sie betrachtete den Jungen, seinen Körper und die seltsame Kleidung. Noch nie hatte sie so einen seltsamen Schurz gesehen. Er war ganz eng und schien auch nicht aus einem gewöhnlichen Fell zu bestehen. Mya konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, warum jemand so etwas tragen würde. Es sah so unbequem und einengend aus!
Genau so einengend aber noch um einiges unbequemer sah der Halsreif des jungen Tabiki aus.
Mya beäugte ihn weiterhin skeptisch. Er hätte ein ganz gewöhnlicher junger Tabiki sein können mit seinem dunklen Haar, der bronzefarbenen Haut und dem schlanken, muskulösen Körperbau.
Doch dann war da sein Schmuck, das Beinkleid und dieses seltsame Messer.
Wo auch immer er herkommt, dachte Mya, die Leute dort müssen wirklich gerne Metall mögen!
Dass er nicht aus ihrem Heimatdorf stammen konnte, war ihr sofort klar. Jemand mit solch außergewöhnlichen Augen wäre dort auf jeden Fall aufgefallen. Doch er war ganz ohne Zweifel ein Tabiki, auch wenn Mya bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar gewesen war, dass ein Tabiki solch tiefblaue, oder generell blaue Augen haben konnte. Um genau zu sein hatte Mya nicht einmal gewusst, dass irgendein ihr bekanntes Wesen solche Augen haben konnte. Sie waren so wunderschön und man konnte sich darin für eine Ewigkeit verlieren, doch gleichzeitig wirkten sie sehr exotisch, fast schon befremdlich, und lösten in Mya ein seltsames Gefühl aus, das sie nicht erklären konnte.
Sie kniff die Augen zusammen und versuchte, das Symbol auf der Wange ihres Gegenübers zu erkennen, doch sein Gesicht war viel zu nah an dem ihren und alles, was das Mädchen sehen konnte, war ein verschwommener Fleck.
Genau so verschwommen waren auch die Gravierungen auf dem Halsband, das der Junge trug. So sehr Mya sich auch anstrengte, auf diese Entfernung konnte sie nicht ausmachen, worum es sich dabei handelte.

Mya hatte ihn für einen Augenblick wieder nur angestarrt, ganz irritiert von seinem Äußeren und seiner immer noch unheimlich fesselnden Ausstrahlung. Und dann begann er mit einem Mal zu sprechen.
Beim Klang seiner Stimme lief ihr ein wohliger Schauer über den Rücken und sie musste sich unwillkürlich schütteln. Sie klang so weich und klar... Irgendwie beruhigend. Das letzte bisschen Panik, das sie bisher noch verspürt hatte, schien sich mit einem Mal komplett verflüchtigt zu haben. Mya sah ihn weiterhin mit großen Augen an.
Er hatte ihr auf Celcianisch geantwortet; vielleicht weil er nicht wusste, ob sie Tabija sprach, was ihr aber angesichts der Tatsache, dass sie eine Tabiki war, eher unwahrscheinlich schien.
Anfangs hatte sie auf Celcianisch gesprochen, da sie nicht erwartet hatte, einen Vertreter ihres Volkes vor sich zu haben. Jetzt, wo sie ihn direkt vor sich hatte, schien es ihr nur angebracht zu ihrer Muttersprache zu wechseln.
Das Mädchen legte den Kopf schief und wiederholte, ohne auf seine Worte einzugehen und dieses Mal auf Tabija: „Wer bist du?
Sie würde nicht eher Ruhe geben, bis sie eine Antwort erhalten hatte.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Erzähler » Montag 28. November 2016, 07:48

Abgesehen von der unterschwelligen Bedrohung, dass ihr ein Wesen vollkommen lautlos bis hinauf auf den Baum gefolgt und ihr nun ungemein nah war, zeigte der Junge keine Anzeichen einer Gefahr. Sicher, da war dieses Messer, aber er blieb auf Abstand sitzen. Weit genug, dass sich Mya nach wie vor in einer persönlichen Komfortzone befand, in die ihr Gegenüber nicht eindrang. Und der Bursche blieb ruhig. Er betrachtete sie mit einem Funkeln in den wunderschön blauen Augen, das von Interesse zeugte.
Er legt den Kopf schief, als sie ihn erneut ansprach, dieses Mal auf Tabija. Zwischen seinen feinen Brauen, die weder zu dick noch zu dünn schienen, bildete sich eine Falte. Er runzelte die Stirn und schaute derart fragend drein, dass es keiner Worte bedurfte. Er verstand nicht. Dennoch drückte der Fremde genau das aus, als er erneut auf Celcianisch die Stimme erhob: "Ich verstehe deine Laute nicht. Was ... hast du gesagt?"
Dieser junge Mann war eine Seltenheit, die ihresgleichen im Dschungel suchte. Nicht nur, dass er sich auf vollkommen seltsame Weise kleidete, mit Metall schmückte, das wohl nur jene wenigen Tabiki kannten, die auch Kontakt zu den Elfen Shyána Nelles hatten, eine Waffe aus diesem Material besaß und ein unnatürliches Bild im Gesicht, eine Rarität an Augenfabre ... nein! Er beherrschte auch nicht die Sprache, die ihm seine Götter auf die Zunge gelegt hatten, um sich zu verständigen. War dieser Junge ein Verstoßener im Antlitz von Iaszar, dem weißen Tigergott und Ilani, dem Streifenhörnchen?
Seine Hand glitt in den Nacken, wo er sich in einer verlegenen Geste kratzte. Außerdem senkten sich die Schleier aus dichten WImpern über seine Augen. "Ich verstehe die Worte nicht", wiederholte er seine eigenen. Dann aber nahm seine Stimme eine für Mya sonderbare Klangfarbe an. Es hörte sich härter an, irgendwie kantiger. "Und ich nehme an, diese Sprache ist dir kein Begriff." Er musterte sie erneut, versetzte dabei einen Fuß leicht nach vorn auf dem Ast, um eine bequemere Haltung einzunehmen. "Das war Garmisch. Hast du auch eine andere Sprache gesprochen? Könnten wir es bei Celcianisch belassen, bitte?"
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Mya » Montag 5. Dezember 2016, 19:50

Langsam spürte Mya, wie sie sich wieder entspannte. Der Furcht und Anspannung, die sie empfunden hatte, seit sie das Augenpaar im Unterholz erblickt hatte, wich nun langsam einer beinahe kindlichen Neugier.
Der Fremde sah, wenn man denn nun einmal von der seltsamen Kleidung und der auffälligen Menge an Schmuckstücken absah, trotz der leuchtend blauen Augen aus wie ein ganz gewöhnlicher Tabiki. Die bronzefarbene Haut, das schwarze Haar und die dichten Wimpern waren alles Merkmale, die man bei wohl jedem Vertreter ihres Volkes wiederfinden konnte. Auch die Statur des Jungen und seine Gewandtheit und die Vertrautheit mit dem Wald ließen eigentlich darauf schließen, dass er hier her gehörte- dass er einer von ihnen war.
Und trotzdem verstand er Myas Worte nicht. Sie hatte es schon kaum noch für möglich gehalten, dass der Fremde ihr noch seltsamer erscheinen könnte, und nun verstand er noch nicht einmal die Sprache ihres Volkes; seines Volkes, denn anders konnte es nun wirklich nicht sein. Der Junge war ein Tabiki und doch war er ein Fremder.
Ich frage mich, woher er kommt. Ob es wohl Tabiki außerhalb des Waldes gibt, die ganz anders leben als wir? Oder ist er alleine? Hat er den Wald auf eigene Faust verlassen? Aber nein, er muss schon sehr lange fort von hier gewesen sein, vielleicht ist er sogar zum ersten Mal hier. Denn hätte er einst im Dorf bei den Anderen gelebt, hätte ich bestimmt schon von ihm gehört, dem Jungen mit den blauen Augen, und vor allem könnte er mich dann auch bestimmt verstehen.
Und dann begann der Junge mit einem Mal in einer fremden Sprache zu sprechen. Mya runzelte die Stirn beim Klang dieser harten, rauen Worte. Sie war den Klang von Tabija gewohnt, der trotz der Tatsache, dass er dem Mund eines Menschen entsprang, mehr dem Gesang eines Vogels ähnelte, als diesen befremdlichen Worten des Jungen.
Garmisch also...
Das Mädchen legte einmal mehr den Kopf schief und nickte dann langsam.
„Ja, das können wir.“ Nach einer kurzen Pause, in der sie versuchte, all die Fragen in ihrem Kopf zu ordnen, fügte sie dann noch hinzu: „Also... Wer bist du? Ich habe dich noch nie hier gesehen. Wo kommst du her?“
Myas Neugierde sprach ganz klar aus ihrer Stimme heraus. Diese Begegnung war mit Abstand das Seltsamste, das ihr jemals im Wald untergekommen war, und das bei all den kleinen Abenteuern und interessanten Entdeckungen, die man hier jeden Tag aufs neue machen konnte. Noch nie hatte sie einen Menschen von außerhalb des Waldes getroffen. An sich wusste sie auch kaum mehr über Ebendiese, als dass es sie gab und dass sie sehr anders waren, als die Leute in ihrem Dorf.
Mit einem Mal kam in Mya der Gedanke hoch, dass der Junge vielleicht gar nicht wusste, wer die Tabiki waren. Sollte er wirklich nicht aus dem Urwald kommen, wofür die Tatsache sprach, dass er ihre Muttersprache nicht zu kennen schien, so war es sehr wahrscheinlich, dass er auch noch nie wirklich Kontakt zu ihrem Volk gehabt hatte.
„Ich bin Mya“, meinte das Mädchen, sobald ihr dieser Gedanke gekommen war, „Ich bin eine Tabiki. Aber... Du auch, oder? Ich weiß, du kannst meine Sprache nicht verstehen, aber du... Siehst eben... Irgendwie so aus.“
Mya spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, ob der Verlegenheit, ihre Frage laut auszusprechen. Sie fühlte sich nicht wirklich wohl dabei, ihn mit all diesen Fragen zu Löchern, doch sie konnte einfach nicht anders. Und wenn sie ihre Situation und die Tatsache, dass er ihr schon am Boden gefolgt war, einmal ganz objektiv betrachtete, dann waren diese Fragen ja wohl die einzige natürliche Reaktion darauf.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Erzähler » Montag 19. Dezember 2016, 13:21

Rein vom Äußeren her war das fremde Blauauge eindeutig ein Tabiki. Daran bestand gar kein Zweifel. Die Farbe seiner Iriden mochte zwar ein wenig verwirren, aber unmöglich war sie nicht. Überraschender schien, dass der Bursche nicht ein Wort Tabija verstand, geschweige denn selbst sprechen konnte. Versucht hatte er es bislang nicht. Aber der Urwald war groß. Vielleicht existierten andere Tabikivölker viel weiter in den Tiefen. So weit, dass Mya und vielleicht nicht einmal ein anderer ihres Dorfes von ihnen wusste. Und jetzt war einer dieser Tabiki bis zu ihr vorgedrungen. Ein Tabiki mit schönen, blauen Augen.
Dann gab es natürlich noch die Alternative, dass er zwar zum Volk der Tabiki zählte, aber unter anderer Kutlur aufgewachsen war. Die Affenhybriden mochten ihm eine Familie geworden sein, warum auch immer man einen Tabiki aus seinem Volke verstoßen sollte.
Im Grunde existierten unzählige Möglichkeiten, die seine Anwesenheit und den Umstand erklären würden, warum er nicht ein Wort von dem verstand, was Mya in ihrer Muttersprache zu ihm sagte. Sie würde es nicht herausfinden, wenn sie ihrerseits keine Fragen stellte. Dieses mussten lediglich auf Celcianisch an den jungen Mann herangetragen werden. Wenigstens beherrschte er diese Sprache. So war Kommunikation über Gesten hinaus möglich und das ließ sich nur als Vorteil verzeichnen.

"Man nennt mich Nyack." Er schüttelte er den Kopf. "Ich komme von hier, aber das ist lange her. Sehr lang." Er war also ein Tabiki des Urwalds. Dennoch, ihre eigentliche Frage beantwortet er damit nicht. Stattdessen stellte Nyack eine Gegenfrage: "Du kommst aus einem Tabiki-Dorf? Hat es viele Einwohner?"
Der Junge lehnte sich ein wenig auf seinen Füßen zurück. Sein Rücken berührte den rückwärtigen Stamm des Baumes. Dass ihm dabei ein kleiner, bunter Käfer über die Schulter krabbelte, störte ihn nicht. "Ich bin Tabiki, das stimmt. Aber meine Sprache habe ich lange vergessen. Mir sind nur wenige Worte in Erinnerung geblieben." Seine Stirn runzelte sich leicht, als er sich konzentriert. "Mh ... ich kenne noch Vogel, weiß aber nicht mehr, was es bedeutet."
Nyacks Augen hefteten sich auf Mya. Er schaute ihr direkt ins Gesicht, seine eigene Miene recht unbewegt. Viel zu ernst wirkte er, ohne jegliche emotionale Regung. "Du wirst rot", bemerkte er ebenso tonlos.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Mya » Montag 2. Januar 2017, 11:36

Nyack also. Endlich hatte der Fremde einen Namen.
Einerseits war Mya sehr froh darüber, dass sie es endlich geschafft hatten, ein vernünftiges Gespräch anzufangen, doch andererseits wurde sie mit jedem Wort, das aus seinem Mund kam nur noch neugieriger. Während sie seinen Worten lauschte, bemerkte sie einen kleinen, schillernden Käfer, der auf Nyacks Schulter umherkrabbelte und sich nun langsam auf den Weg seinen Hals hinauf machte. Den Jungen schien das kleine Insekt nicht zu stören; er schenkte ihm keinerlei Aufmerksamkeit. Mya hingegen betrachtete für einen Moment fasziniert die leuchtenden Farben des Käfers, bevor sie sich wieder fing und auf die Worte ihres Gegenübers konzentrierte.
Nyack wirkte seltsam teilnahms- und emotionslos. Was war nur mit ihm los? Man geriet nicht jeden Tag in eine Situation wie diese; jeder andere hätte wenigstens ein kleines Zeichen von Überraschung, Neugier oder wenigstens Interesse gezeigt. Doch dieser Junge saß einfach nur da, erzählte ihr all diese DInge, als seien sie ganz alltäglich, und sah sie dabei so furchtbar ernst an...
Sein Blick macht mich nervös, dachte Mya und rutschte ein wenig unbeholfen hin und her, um eine bequemere Position zum Sitzen zu finden, während sie gleichzeitig versuchte, seinem Blick standzuhalten. Ich wünschte er würde mir ein paar klarere Antworten geben. Sonderlich gesprächig scheint er ja nicht gerade zu sein. Und so ernst... Aber naja, immerhin ist er nett und gar nicht mehr so angsteinflößend, jetzt wo ich weiß, wer und was er ist. Vorhin, als ich wie versteinert war, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass hinter diesen außergewöhnlichen Augen nur ein gewöhnlicher Junge steckt. Ein Fremder, andersartiger, das stimmt schon. Aber trotzdem ein einfacher Junge, ganz egal welche Sprache er spricht oder wie er sich kleidet.
Vorsichtig beäugte Mya Nyacks Augen, ständig darauf bedacht nicht zu auffällig zu starren. Doch so genau sie auch hinsah, sie schienen ihre hypnotische Wirkung verloren zu haben.
Seine letzte Bemerkung ließ Mya nur noch röter werden. Ja, sie war zweifellos nervös und aufgeregt. EIne Begegnung dieser Art hatte man nicht alle Tage und etwas an Nyack machte sie sehr unsicher. Sie war ohnehin nicht die Gesprächigste, doch diese Situation war eine Herausforderung der besonderen Art für die junge Tabiki.
Mya biss die Zähne zusammen und versuchte, einen klaren Kopf zu bekommen. Sie hatte noch so unfassbar viele Fragen, auf die sie nun endlich Antworten haben wollte und wenn sie ihn dafür auch immer wieder und wieder fragen musste. Es fühlte sich irgendwie so an, als wäre er ihr diese Antworten schuldig, nachdem er sie so überrumpelt und erschreckt hatte.
Sie ignorierte also kurzerhand seine letzten Worte, um das Ganze nicht noch unangenehmer zu machen und ging stattdessen auf seine vorherigen Worte ein.
"Das Wort bedeutet Vogel", meinte sie und lehnte sich ein wenig nach hinten,um entspannter zu sitzen, "Seltsam, dass genau das das einzige Wort ist, an das du dich erinnerst. Und irgendwie auch nicht... Immerhin sind sie hier ja überall." Mya ließ ihren Blick umherschweifen. Überall in den Kronen der Bäume unter ihnen und um sie herum konnte sie die kleinen Gestalten ihrer gefiederten Gefährten ausmachen. Auch hören konnte man sie noch: Einige lauthals singend, andere krächzend, wieder andere nach ihren Partnern oder Eltern rufend. Für einen Moment ließ Mya die unzähligen Stimmen einfach auf sich wirken. Dann wandte sie sich wieder Nyack zu und fuhr fort.
"Wie lange warst du denn nicht mehr hier? Es muss schon sehr lange sein, denn ich kann mich nicht mehr an dich erinnern. Und wo warst du die ganze Zeit?" Dieses Mal musste er ihr einfach eine klare Antwort geben. Oder wollte er ihr einfach nicht antworten?
"Ach, und ja, ich komme aus einem Dorf. Wir nennen es Hajikya. Ich weiß nicht ganz, was du unter viel verstehst. Ich war noch nie in einem anderen Dorf, also habe ich nichts zum Vergleich. Aber an sich würde ich schon sagen, dass unseres recht groß ist. Es wohnen also ziemlich viele Menschen dort, um genau zu sein alle, die ich kenne."
Das war die genauste Antwort, die Mya geben konnte. Sie hatte sich noch nie zuvor gefragt, ob ihr Dorf groß war oder ob dort viele Leute lebten. Außerhalb des Dorfes kannte sie nichts als den Wald. Andere Menschen, Dörfer oder gar Städte waren nie wirklich etwas gewesen, das ihr Interesse geweckt hatte. Doch nun, wo sie darüber nachdachte, schien dieser Gedanke alles andere als langweilig. Wie viele Dörfer es wohl noch gab, von denen sie nichts wusste? Und was für Menschen in ihnen lebten? Waren alle von ihnen so wie Nyack? Vermutlich nicht. Mit einem Mal wurde Mya klar, wie klein der Wald mit all seinen weiten Tälern und hohen Bäumen doch eigentlich war. Hinter seinen Ausläufern musste es noch so viel mehr geben, so viel Neues. Und ein Teil dieser fremden Welt saß gerade vor ihr.
"Hast du schon viele Dörfer gesehen?", fragte Mya, kaum dass diese neue Welle aus Fragen und Gedanken sie überkommen hatte. "Und wie leben die Menschen dort? Tragt ihr alle... Sowas?"
Sie deutete auf die Hosen und das Halsband des Jungen. "Ich habe so etwas noch nie gesehen."
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Erzähler » Samstag 21. Januar 2017, 16:03

Wo zuvor Nyacks Augen allein Myas Faszination erlangen und sie in Bann schlagen konnten, so breitete sich mit jeder weiteren verstreichenden Sekunde das Gefühl aus, dass der Junge im Ganzen etwas Besonderes war. Nicht nur dieses Blau seiner Seelenspiegel, eine Seltenheit unter Tabiki und dass er einer war, ließ sich nicht bestreiten. Aber seine gesamte Art wirkte ... seltsam. Gefährlich? Vielleicht. Er zeigte so gar keine Überraschung gegenüber dem Mädchen. Er kleidete sich seltsam und er trug befremdlichen Schmuck, der zwar in der Sonne nicht glänzte, aber doch aus Metall bestehen musste.
Einige Tabiki kannten Metalle, vor allem jene, die mit den Elfen der Talsenke zu tun hatten. Die spitzohrigen Bewohner von Shyána Nelle trugen viel Schmuck. Es passierte, dass sie in den säulenartigen Sonnenstraheln, welche manchmal das Blätterdach durchbrachen, wie magisch schillerten. Nyacks Schmuck zeigte diesen Glanz nicht. Er war im Ganzen seltsam. Und dennoch gelang es Mya nicht, sich von ihm abzuwenden. Sie konnte nicht wissen, was hinter seinem Verhalten, hinter seiner teils abwesenden Emotionslosigkeit steckte. Wie eine wunderschöne, bunte Blume lockte er, indem er einfach nur existierte und sich präsentierte. Farben, Geruch ... gewiss besaß Nyack eigene Lockstoffe, die man beim ersten Eindruck nicht wahrnahm und die dennoch verströmt wurden. Sie lockten Mya. So sehr, dass sie den Burschen nicht einfach hinter sich lassen konnte. Er war da, er strahlte etwas aus und sie blieb.
Nyack verweilte ebenso. Er bewegte sich auf dem Ast kein bisschen. Seine Position gab ihm einen perfekten Halt und die Rinde im Rücken sicherte ihn davor, wieder in die Tiefe zu fallen. Nichts an ihm rührte sich, sah man von seinen Augen ab. Nyack verfolgte jede von Myas Bewegungen. So teilnahmslos und ernst wie er sich gab, so hellwach war sein Blick. Obwohl auch das nicht ganz die richtige Beschreibung sein konnte. Über dem wundervollen Blau legte sich ein Schleier, der seinen gesamten Blick irgendwie stumpf erscheinen ließ. Dennoch ... es existierte Wachsamkeit. Nyack mochte mehr mitbekommen als er vorgab.
Was er definitiv nicht beherrschte, war Tabija. Die Sprache ihres offensichtlich gemeinsamen Volkes war nicht die seine. Bis auf das Wort Vogel konnte er sie nicht sprechen und selbst dessen Bedeutung musste Mya ihm erklären. Er nickte daraufhin lediglich. Keine euphorische Erleichterung, endlich den Sinn hinter dem Wort zu begreifen. Auch Nachdenklichkeit blieb aus, dabei hätte man nun vermuten können, dass Nyack grübeln mochte. Warum war ihm Vogel auf Tabija noch im Gedächtnis? Woher kannte er das Wort überhaupt? Warum beherrschte er keine weiteren Begriffe? Aber da war nichts. Nur dieses Nicken. Er ließ sich nicht einmal dazu hinreißen, in die Zweige zu schauen, um nach einem der Kapayu-Vögel zu sehen.
Sie hockten überall, krächzten oder sangen zwitschernde Melodien. Einige segelten mit ihrem knallbunten Federkleid von Baum zu Baum. Andere flirrten als kleine Schwärme wild umher. Sie waren nicht größer als eine der hölzernen Vogelpfeifen, die mancher Tabiki schnitzte, um seinen Gefährten zu rufen. Und sie tranken den Nektar der Blüten mit winzigen Zungen. Man konnte sie als gefiederte Schmetterlinge bezeichnen. Ihr schwärmen hinterließ ein leises Summen in der Luft. Nichts davon ließ Nyack aufsehen.
"Meine Heimat ist eine andere", wich er ihrer Fragerei mit nur einer einzigen Antwort aus, die Myas Neugier sicherlich nicht vollkommen stillen konnte. "Hajikya", wiederholte er, ohne sich dabei zu verhaspeln. Die Kleinsten der Tabiki hatten manchmal Schwierigkeiten, sich durch das Worte zu arbeiten. Einige glucksten gern, dass es nach einem Wort klang, welches man ausstieß, wenn einen der Schluckauf packte. Andere wiederum sagten es laut, nachdem ein Niesen ihren kleinen Körper durchrüttelt hatten. Die Alten sahen darüber hinweg, erinnerten jedoch oft genug, das Dorf zu ehren und auch seinem Namen den nötigen Respekt zu zollen.
"Ich kenne mehr Dörfer als du." Er brauchte es nicht als Frage formulieren. Er schlussfolgerte es aus ihrer Antwort heraus und noch ohne einen Hinweis seinerseits, ob er Hajikya nun kannte oder nicht, fügte Nyack an: "Deine Heimat ist kleiner." Ob er aus dem Reich der Urwald-Elfen stammte? Es sollte groß sein, fast die gesamte Talsenke ausmachen. Vielleicht gab es aber auch noch weitere Dörfer im Urwald. Fern genug, dass nicht einmal die Tabiki aus Myas Dorf sie kannten. Irgendwo in ihrer Nähe hatten sich Affenhybriden angesiedelt, aber zu denen konnte Nyack mit seiner ruhigen Art kaum Bezug haben. Die meisten Affenhybriden waren laute Schreihälse. Man konnte sie manchmal durch den Urwald kreischen hören, zusammen mit ihren weniger intelligenten Verwandten, den richtigen Affen.
Nein, Nyack hatte mit ihnen nichts gemein. Er besaß ja nicht einmal Fell. Aber etwas Anderes. "Das sind Hosen", erklärte der Junge. "Sie sind aus Leder gemacht und das wird aus ... ich glaube, Tierhaut hergestellt. Die Menschen, die ich kenne, tragen noch weitaus interessantere Dinge." Auf seinen Halsschmuck ging er überhaupt nicht ein. Auch stellte er selbst keine Fragen mehr. Das Gespräch verlief recht einseitig und seine Antworten gaben nur Freiraum für noch mehr Fragen. Er wusste es, interessant zu bleiben.
"Vielleicht ... lasse ich es dich eines Tages sehen."
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Mya » Samstag 25. Februar 2017, 10:43

Mit gerunzelter Stirn sah Mya Nyack fest in die tiefblauen Augen, während er sprach. Ihr gefiel seine Art nicht. So beeindruckend und fesselnd seine Präsenz und er als Person auch schienen, so sehr war das Mädchen auch von der kühlen, distanzierten Art des Jungen irritiert.
Er schien es nicht für notwendig zu halten, ihr ihre Fragen zu beantworten. Stattdessen wich er ihnen immer weiter aus und versuchte sie mit halben, wagen Antworten abzuspeisen. Sie hatte ihn nun bereits zum zweiten Mal gefragt,wo er herkam und mit einem einfachen „Meine Heimat ist eine andere“ würde sie sich nicht zufrieden geben.
Warum konnte er ihr nicht einfach antworten? Und warum wirkte er so unendlich distanziert?
Es wirkte fast schon so, als hätte er keinerlei Interesse an ihrem Gespräch, trotz der mehr als ungewöhnlichen Umstände, unter denen es zustande gekommen war.
Selbst für jemanden wie ihn, der von weit her kam und sich metallene Reifen um den Hals legte, was, einmal in Worte gefasst sogar noch befremdlicher klang, als es ohnehin schon war; selbst für jemanden wie ihn war es sicher nicht alltäglich, Fremden nachzustellen und anschließend hoch oben in den Kronen der Urwaldbäume Gespräche mit ihnen zu führen.
Die ganze Situation, in der sie sich befanden, war so überaus seltsam und ungewöhnlich, dass es Mya mehr als nur befremdlich erschien, wie Nyack sich gab. War er wirklich nicht an dem interessiert, was sie zu sagen hatte, oder gab er sich lediglich distanziert und desinteressiert, um eine Fassade zu wahren?
Die beiden waren in etwa im Gleichen Alter, doch trotzdem schien es einen gewaltigen Unterschied zwischen ihnen zu geben. Während Nyack zwar nicht offensichtlich von oben herab zu Mya sprach, so begegneten sie sich doch nicht auf Augenhöhe. Er war der Fremde, der Eindringling in Myas Welt- ihrer Heimat. Sie kannte jeden Pfad, jeden Vogel, jede Blume des Waldes. Sie war vertraut mit den Geräuschen und Gerüchen des Urwalds und bewegte sich sicher und bestimmt in dieser Umgebung.
Nyack hingegen hatte zugegeben, den Wald nicht zu kennen. Für ihn war hier alles fremd, genauso wie er hier selbst ein Fremder war.
Und trotzdem hatte Mya das Gefühl, sie wäre diejenige, die von nichts eine Ahnung hatte. Seine Art, zu antworten, oder eher, nicht zu antworten, ließ sie sich nur noch unwissender und fast schon dumm vorkommen. Der Mangel an Emotion in seinem Ausdruck und die abweisende, komplett gelassene Körpersprache suggerierten mangelndes Interesse, fast schon Langeweile. Dabei musste er ja ebenfalls einige Fragen haben. Warum wäre er ihr denn wohl sonst gefolgt, wenn nicht, um etwas über sie zu erfahren?
Mya fühlte sich unwohl. Die Panik von vor ein paar Minuten war vergangen und auch die überwältigende Faszination für seine Person wich langsam einem Gefühl der Ungeduld und Frustration. Es schien komplett einerlei, welche Fragen sie ihm stellte und wie oft, das Gespräch gestaltete sich weiterhin als zäh und einseitig.
Die junge Tabiki kam sich wieder wie ein Kind vor. Sie war ein Kind mit zu vielen Fragen und Nyack ein Erwachsener, der es leid war diese zu beantworten.
Mya war frustriert ob der Richtung, in der sich die Unterhaltung entwickelte. Seine Bemerkung über Hajikya mochte zwar der Wahrheit entsprechen, das Dorf war an seinen Maßstäben gemessen sicher nicht allzu groß, doch trotzdem traf sie sie stärker als erwartet. Er mochte es nicht negativ, oder gar verletzend gemeint haben, doch für Mya schienen seine Worte wie eine Degradierung ihrer Heimat. Sie hatte ihr gesamtes Leben dort verbracht, nie ein anderes Dorf, oder eine Stadt gekannt, und nun ließen seine Worte es so aussehen, als wäre das Dorf völlig unbedeutend; als wäre ein Ort nur an seiner Größe und der Zahl seiner Einwohner zu messen.
Auf seine letzten Worte entgegnete Mya lediglich ein knappes „Vielleicht. Wenn ich will.“
Es klang schnippischer als beabsichtigt, das wurde ihr selbst auch klar. Doch sie verlor langsam aber sicher die Geduld. An sich passierte ihr das nicht so schnell, doch diese Unterhaltung führte nur dazu, dass sie sich selbst schlecht fühlte. Es war ihr unangenehm, die ganze Zeit über Fragen zu stellen, doch gleichzeitig brauchte sie einfach Antworten.
Sie zog eine Augenbraue hoch, wie, um etwas kritisch zu betrachten. Ihre Augen ruhten auf Nyack. Sie zwang sich selbst, komplett ruhig zu bleiben, während sie innerlich von Neugierde, Frustration und Aufregung zerfressen wurde.
Wenn er dieses Spiel spielen wollte, dann würde sie sich ihm anschließen. Wenn er keine Antworten geben wollte, dann würde sie ihm auch keine weiteren Fragen stellen.
Mya zwang sich, ihren Atem ruhig zu halten, während sie Nyack ein weiteres Mal musterte. Er wirkte so fehl am Platz und schien hier doch irgendwie... Zuhause zu sein. Die Art, wie er sich in den Baumwipfeln bewegte, wie er sich mühelos auf dem Ast hielt...
Etwas anderes zog mit einem Mal Myas Aufmerksamkeit auf sich. Ein kleiner Vogel war neben ihr auf dem Ast gelandet, kaum größer als die geballte Faust des Mädchens. Verglichen mit den flirrenden, singenden Vögeln, die sie umschwirrten, schien er erstaunlich unauffällig. Sein Gefieder war von einem matten braun-beige, sein Schnabel blass gelb und die kleinen, schillernden Augen pechschwarz. Mya legte den Kopf schief und sah ihn freundlich an. Langsam streckte sie ihre Hand aus, darauf bedacht, ihn nicht zu verschrecken. Die Tiere des Waldes waren wild und nicht an die direkte Nähe von Menschen gewöhnt. Die Tabiki lebten mit und von ihnen, doch sie hielten sich keine Haustiere, wie die Menschen in den Städten außerhalb des Waldes. Die Idee, ein Tier einzusperren, war Mya noch nie in den Sinn gekommen.
Sie hatte schon immer einen besonderen Draht zu diesen gefiederten Tierchen gehabt. Sie kamen zu ihr, ganz ohne Käfig oder Köder und sangen ihr ihre Lieder vor oder erzählten ihr von den Dingen, die sie über den und jenseits der Baumwipfel gesehen hatten.
„Komm her“, lockte Mya den Vogel mit einer sanften und glockenklaren Stimme. Die Sprache der Vögel ließ es fast so erscheinen, als ob sie singe.
Für diesen Moment galt ihre gesamte Aufmerksamkeit dem kleinen Tier und ihr Ärger schien mit einem Mal nebensächlich. Sie hielt vollkommen still, während der Vogel langsam ein paar hopsende Schritte in ihre Richtung tat. Sie hoffte von ganzem Herzen, dass Nyack ihn nicht verschrecken würde. Sie wusste nicht, wie vertraut er mit den Tieren des Waldes war, doch sie fände es mehr als nur schade, ihrem kleinen neuen Freund Angst einzujagen.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Erzähler » Samstag 11. März 2017, 13:58

So langsam schien sich die Faszination für das Neue zu verlieren, Obgleich der fremde Junge mit seinen schönen blauen Augen noch immer vor ihr saß, so begann eine Spur Desinteresse in Mya aufzukeimen. Man konnte es ihr nicht verübeln. Immerhin gab es über die schillernden Iriden hinaus weng an Nyack zu entdecken. Er war ein Tabiki, genau wie sie. Er musste einer sein, denn abgesehen von Schmuck und Kleidung war die Optik doch gleich. An ihm existierte unter der Fassade nichts, das ihn von anderen jungen Männern ihres Dorfes unterschied - von der Augenfarbe einmal abgesehen. Und Nyack bemühte sich auch nicht, für Mya interessant zu bleiben. Im Gegenteil, er wich ja gekonnt allem aus, mit dem er diesen Schleier aus sich lüftender Neugierde weiterhin hätte tragen können. Durch seine schwammigen Antworten aber wickelte er sich nur tiefer in den Stoff, so dass sein Gegenüber die Lust verlor, ihn daraus Schicht für Schicht zu befreien.
Nur ein Funken blieb, der Mya weiterhin zum Nachdenken brachte. Die Situation selbst. Es war einfach zu bizarr. Dieser Junge, der trotz seiner erkennbaren Zugehörigkeit so deplatziert im Urwald wirkte. Die Tatsache, dass er einfach auftauchte und nie zuvor gesehen worden war. Und nicht zuletzt sein merkwürdiges Verhalten. Er schien kein bisschen darauf aus zu sein, das Gespräch fprtzuführen. Fand Nyack ihre Begegnung denn nicht auch faszinierend oder wenigstens seltsam? Er wirkte so distanziert, einem stillen Beobachter gleich. Bloß nicht einmischen, aber zuschauen wollen. Nur kam so kein Stein ins Rollen. Mya musste schon dafür sorgen ... und das tat sie.
So knapp, fast schon schnippisch ihre Antwort war, sie löste etwas in dem Jungen aus, der ihr gegenüber auf dem breiten Ast saß. Unter seinen Füßen knackte die Rinde, als das - wie nannte er es? Leder? - seiner Stiefel sich gegen den Zweig presste. Außerdem zuckten die Mundwinkel des Jungen mehrmals. Es war schwer einzuschätzen, ob er nun zum Lachen oder zu einem verbissenen Blick ansetzte. Irgendwie war Letzteres aber naheliegender, denn in seinen blauen Augen begann die Reflektion zu wirbeln. Strudel aus Wildheit wirbelten plötzlich darin. Sie formten sich immer wieder neu, drehten sich dabei um sich selbst und brachten das gesamte Ausmaß dieses wundervollen Blautons in Wallung.
Tief im Kapayu gab es überall kleine Tümpel und Wasserlöcher, an denen man sich erfrischen konnte. Sie lagen so still und friedlich da. Wenn Sonnenlicht auf sie traf, schimmerte das Blau ihrer Oberfläche hypnotisch. Doch wenn ein Steinchen in diese friedliche Oberfläche stürzte, stoben zentrale Wellen kreisförmig vom Einsturzpunkt aus davon. Genauso verhielt es sich jetzt mit Nyacks Augen, nur dass sich die Wellen keineswegs mehr beruhigten. Sie türmten sich nur immer höher, bis aus ihnen gigantische Wellen wurden, die alles zu verschlingen drohten. Der Anblick hielt wenige Sekunden, löste sich allerdings in der Zeit nicht von Mya. Dann atmete Nyack einmal tief durch und Frieden kehrte in seine gesamte Haltung ein, zurück in seine Augen. Das vorherige Desinteresse hatte wieder Einzug gehalten.
"Du wirst es sehen. Du musst", entgegnete der gebräunte junge Mann. Seine Stimme blieb im dunklen Timbre, duldete allerdings keine Widerrede. Für ihn schien es in Stein gemeißelt, dass Mya sich sein Dorf einmal anschauen würde. Erneut verstummte er, als sich die Aufmerksamkeit des Mädchens am anderen Ende des breiten Astes von ihm löste. Er betrachtete sie und den Vogel, der direkt in ihrer Nähe gelandet war. Der Gefiederte legte das Köpfchen schief. Sein Blick kreuzte sich auf diese Weise mit Myas. Er streckte den Schnabel vor und öffnete ihn für ein Zwitschern, kaum dass das Mädchen in seiner Sprache geträllert hatte. Nyack sah zu und allein dass er es tat, zeugte bei ihm doch von Neugierde und Faszination. Oder nicht? Er verzog nach wie vor keine Miene. Sein Gesicht blieb ausdruckslos.
Der Vogel hatte da mehr zu erzählen als es der Bursche bisher getan hatte. Viel mehr. "Ruckediku, Ruckediku", grüßte er das Mädchen in einem rhythmischen Singsang, "so anders als du! Er kam mit Fremden daher, im Bauch eines Holztiers sonst leer. Farbenfroh und funkelnd, das Federkleid, so schön! Bin ich froh, hat's mein Weibchen nicht gesehen. Ruckediku!" Der Vogel sorgte sich offenbar um Konkurrenz, selbst wenn er wusste, dass Zweibeiner eigentlich keine darstellten. Sie hatten ja nicht einmal Flügel! Und trotzdem musste etwas an diesen erwähnten Fremden sein, dass selbst das Federtier beeindruckt schien. Nyack war also nicht allein.
"Du bist vertraut ihm. Ein Freund?", ließ sich der Junge endlich aus der Reserve locken. Sein Fingerzeig wies auf den Vogel, der sich keck Mya genähert hatte und nun sogar auf ihre Schulter gesprungen kam.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Mya » Mittwoch 29. März 2017, 16:18

Mya ließ sich Zeit mit ihrer Antwort.
Wenn Nyack anscheinend so viel Spaß daran hatte, sie vor Neugierde zappeln zu lassen, dann konnte sie das ja ruhig auch einmal versuchen!
Sie hatte nichts auf seine Bemerkung, sie müsse sich das Dorf anschauen, nichts geantwortet. Gehört hatte sie sie sehr wohl, doch sie wusste schlichtweg nicht, was sie erwidern sollte. An sich hätte sie ihm ja gerne widersprochen, doch die ganze Situation war ihr ohnehin schon unangenehm genug; sie wollte nicht auch noch riskieren, eine Diskussion auszulösen.
Das Mädchen bemühte sich, Nyack nicht anzuschauen und so ausdruckslos wie möglich zu bleiben, was ihr allerdings sichtlich schwer fiel. Angesichts der Neuigkeiten, die ihr kleiner gefiederter Freund ihr gebracht hatte, hätte sie den Fremden am liebsten auf der Stelle erneut mit Fragen bombardiert. Wenn Nyack nicht allein war, wo waren dann seine Begleiter? Und waren sie ebenfalls Tabiki? Unwahrscheinlich, wenn sie ebenfalls von dort kamen, wo Nyack den Großteil seines Lebens verbracht hatte. Und was meinte der Kleine bloß mit einem Holztier? Tiere waren nicht aus Holz, das sollte selbst jemand wissen, dessen Hirn die Größe einer Walnuss hatte. Aber was könnte er dann gemeint haben? Eins stand jedenfalls fest: Was Nyack anging hatte gewiss keiner der Vögel Konkurrenz zu befürchten, zumindest nicht was Mya anging. Sie liebte diese kleinen Tiere; sie waren ihre besten Freunde, noch vor ihren eigenen Art- und Stammesgenossen. Obwohl sie diesen Vogel, der sie gerade so munter und aufmerksam aus seinen kleinen, schwarzen Augen heraus anfunkelte, noch nie zuvor bewusst gesehen oder mit ihm gesprochen hatte, so schienen sie sich doch auf anhieb zu verstehen. Es war, als hätte das Mädchen einen natürlichen Draht zu diesen Tieren, noch vor jeglichen anderen Bewohnern des Waldes.
Dass der Kleine eifersüchtig zu sein schien, fand sie höchst amüsant und konnte sich ein kleines Grinsen einfach nicht verkneifen. "Mach dir darum keine Sorgen", beruhigte sie den Piepmatz, der nun über ihren Arm auf ihre Schulter hüpfte, "Sie mögen vielleicht beeindruckend aussehen", meinte sie nachdenklich und warf Nyack nun doch einen ungewollten Blick zu, "Aber ich denke nicht, dass allzu viel dahinter steckt."
Sie ließ ihren Blick für ein paar Augenblicke auf dem Jungen ruhen, dann senkte sie ihn und betrachtete nachdenklich ihre Hände, unsicher, was sie antworten sollte- sowohl ihrem gefiederten Freund, als auch Nyack. Sie beschloss, dass es jetzt erst einmal am wichtigsten war, Antworten zu bekommen, und dafür war Nyack ja wie sie festgestellt hatte nicht gerade die beste Anlaufstelle. Sie beschränkte ihre Antwort ihm gegenüber also auf ein knappes "Hm", das wohl Zustimmung ausdrücken sollte, auch wenn das eigentlich eine Lüge war.
Dann wandte sie sich wieder an ihren neuen, kleinen Freund:"Wo genau hast du sie gesehen? Und wie viele waren es? Hast du gesehen, ob sie alle so aussehen wie er?" Sie hoffte einfach, dass das nicht zu viele Fragen auf einmal für das winzige Köpfchen waren. So sehr sie ihre gefiederten Freunde liebte, manchmal konnte sie schon ein einfacher Satz verwirren und in ihrer Schusseligkeit vergaßen sie oft schon, was sie gerade gesagt hatten, bevor sie überhaupt zu Ende gesprochen hatten.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Erzähler » Dienstag 18. April 2017, 01:36

Miya mochte Nyacks Blicken ausweichen, aber er beobachtete sie sehr genau. Zwar verstand er das Gezwitscher nicht, das zwischen ihr und dem kleinen Vogel vonstatten ging, doch das hieß nicht, dass er seine Wachsamkeit fallen ließ. Die großen, blauen Augen, welche vor einigen Momenten noch solche Faszination auf das Tabikimädchen ausgeübt hatten, schillerten nach wie vor. Sie zogen Miya nur nicht mehr in ihren Bann. Diese hatte einen neuen Fokus entdeckt. Die Informationen ihres Federfreundes weckten Interesse. Und sie lösten neue Fragen bei ihr aus, die nicht ganz unbeachtet bleiben sollten. Es war sicherlich nicht verkehrt, sich zu fragen, was mit Nyacks Begleitern war, woher sie kamen und ob sie auch Tabiki waren. Möglicherweise hatte er bei den Affenhybriden gelebt oder bei den Elfen der Talsenke ... oder ... gab es noch andere Völker, deren Grenzen das Mädchen in ihrer Dschungelwelt noch nicht erreicht hatte?
Aber der Urwald war doch so riesig! Unendliches Grün, gesprenkelt mit den bunten Farben verschiedener Blüten, Früchte und Tiere. Was konnte es jenseits dieses Paradieses denn noch geben?
Der Vogel sah darin jedenfalls eine Form von Bedrohung für die Gunst seines erwählten Weibchens. Er plusterte das Gefieder ein wenig auf, dass er wie ein zauselig bunter Ball aus Federn aussah. Nicht einmal Miyas Versuche, ihn zu beruhigen, fruchteten wirklich. "Ruckediku Ruckediku, verstehen sollst du! Ein Vöglein nur sein Weibchen freit, wenn er hat das schönste Federkleid. Ruckediku!" Dann aber legte er wiederholt den Kopf schief. Sein Auge schillerte wie ein kleiner schwarzer Käfer. Es reichte nicht an das schöne Blau von Nyacks Iriden heran. "Vielleicht hast du Recht, Ruckediku! Im Grunde schaut's Weibchen nur meinem Tanz zu." Der Vogel zwitscherte plötzlich sehr begeistert, als ihm klar wurde, dass er somit der schönste und prachtvollste des ganzen Kapayu sein musste.
Nyack würde ihm seine Partnerin jedenfalls nicht wegschnappen. Er schien nur Augen für Miya zu haben. Seine Haltung hatte sich während ihres Gesprächs mit dem Vogel kaum verändert. Viel redseliger war er allerdings auch nicht geworden. Man würde ihm alles aus der Nase kitzeln müssen. Das war Miya offenbar viel zu anstrengend. Sie verließ sich neuerlich auf den kleinen Piepmatz und der war sofort bereit, ihr alle Antworten zu zwitschern, die er parat hatte.
Das Federköpfchen schüttelte sich. "Ruckediku, Ruckediku ... sie sehen nicht aus wie du! Und auch nicht wie der Knab dor auf dem Ast. Obwohl er in die Gruppe passt. Trägt seltsam Federkleid in Braun und ich sah ihn bei den Weibch... den Menschenfrauen." Unter einem lang anhaltenden Tschirpen stieß sich der Vogel von Miyas Schulter, umkreiste in hektischem Flug Nyacks Gestalt und kehrte zurück. Der Bursche legte erstmals den Kopf schief. "Was hat er?", fragte er Miya.
"Viele sah ich, Ruckediku! Sie hielten auf den Urwald zu. Sah sie schon jenseits des Waldes ziehen, als wollten sie in unsere Heimat fliehen. Machten nicht Halt, ruhten nicht aus. Was hecken diese Fremdvögel aus? Ruckedikuuuuu! Willst du sie denn sehen, ruckediku? Ich könnt zu ihnen gehen, doch nicht im Nu. Triff morgen mich jenseits des Dorfes im Beerenhain. Dann werde ich dein Wegweiser sein, ruckediku!" Das Vöglein mochte nicht zählen können und seine Art, mit Miya zu kommunizieren, war beschwerlich, weil er ein Liebhaber von Reimen war, doch ihre Fragen hatte er alle so weit beantwortet, wie es sein kleiner Vogelverstand vermochte.
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Mya » Freitag 26. Mai 2017, 15:34

Mya sah dem kleinen gefiederten Kerl nachdenklich in die winzigen, schwarzen Knopfaugen. Langsam aber sicher begann sie sich Sorgen zu machen ob der Dinge, die ihr kleiner Freund ihr zu sagen hatte. Zugegeben, Nyack wirkte wirklich nicht allzu gefährlich oder bösartig, doch solange sie nicht wusste wer er war und woher er kam, würde Mya ihm bestimmt nicht über den Weg trauen.
Dem Angebot, am nächsten Tag mal einen genaueren Blick auf Nyacks sonderbare Begleiter zu werfen, wollte Mya nur zu gerne nachkommen. An sich wäre sie am liebsten sofort aufgebrochen, um nach den Fremden Menschen zu suchen, die sich allem Anschein nach hier in ihrem Wald aufhielten.
Obwohl sie Geschichten über Menschen von außerhalb des Kapayu gehört hatte und obwohl sie ein lebendiges Beispiel hier direkt vor sich sitzen hatte, wusste sie nicht im geringsten, was sie zu erwarten hatte. Wenn die Fremden nicht so aussahen wie Nyack, wie dann? Und was konnte eine solch große Gruppe hier wollen, so weit entfernt von ihrer Heimat?
Mya nickte kurz als Antwort und fügte dann noch hinzu: "Vielen Dank, mein Freund! Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du mir so weiterhilfst. Mach dir keine Sorgen, morgen gehen wir uns diese seltsamen Vögel anschauen und dann wirst du schon sehen, dass sie gar nicht so anders sind als die Tabiki."
Noch während sie sprach, wusste Mya schon, dass ihre Worte keinesfalls dem entsprachen, was sie selbst dachte und fühlte. Aber wieso sollte sie dem kleinen Piepmatz unnötig Sorgen machen? Ihn betraf die Ankunft der fremden Menschen sicherlich nicht. Was sie und ihren Stamm anging er Mya sich da allerdings nicht ganz so sicher, vor allem wenn sie an Nyacks Fragen über ihr Dorf und die Tabiki nachdachte.
"Zu welchem Stamm gehört ihr?", fragte sie ihn gerade heraus ohne ihn dabei anzusehen,"Du und deine Leute meine ich."
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Re: Auf dem Heimweg

Beitragvon Erzähler » Montag 3. Juli 2017, 00:40

Mit einem wilden Trällern in hoher Tonlage erhob sich das Vögelchen von Myas Schulter. Seine Flügelschläge trugen ihn schon schnell außer Sicht, hinein in ein buntes Geflecht von Wildblüten, die sich über ein beeindruckendes Rankennetz die Baumstämme empor schlängelte. Sie legten in ihrem Wuchs sehr weite Strecken zurück, nur um ihre Knospen so nah wie möglich an das löchrige Blätterdach zu bringen. Denn dort erreichten die Sonnenstrahlen sie eher als auf dem oftmals kühlen und im Schatten liegenden Waldboden. Dort unten, so knapp über der Erde, fühlten sich Nachtschattengewächse viel wohler. Manche Tabiki, die sich mit der Pflanzenkunde besser auskannten, pflückten Blätter und Früchte oder gruben die Wurzeln dieser Pflanzen aus. Sie boten eine vielfältige Nahrungsabwechslung. Vor allem aber waren sie leichter zu bekommen als das Fleisch der Urwaldtiere. Zu viele Gejagte konnten selbst zu Jägern werden, wenn ihr Volk nicht wachsam blieb. Auch Mya hatte eine Art persönliche Beute vor sich sitzen. Die Frage war immer noch, ob Nyack sich als Jäger oder Gejagter herausstellte. Bisher machte er auf die junge Frau keinen gefährlichen Eindruck, aber der Schein konnte trügen. Mya blieb misstrauisch. Und Nyack? Der saß noch immer vollkommen ruhig auf dem breiten Ast. Er hatte seine Haltung nicht einen Finger breit verändert. Lediglich seine nach wie vor tiefblauen Augen schillerten wie unnatürliche Seen aus seinem dunklen Antlitz heraus. Er wurde nicht müde, Mya zu betrachten.
Wenn sie ihn ebenso aufmerksam beobachtete, würde sie eine Regung in der Mimik des Burschen erkennen, nachdem sie ihm die Frage zu seinem sonderbaren Stamm gestellt hatte. Seine Augen engten sich nämlich um eine Spur und das linke Lid zuckte kurz. Für diesen Bruchteil von Sekunden hinterließ Nyack erstmals einen verärgerten Eindruck, aber seine Züge glätteten sich wieder schnell. Aus seiner Stimme konnte Mya nichts heraushören, was Auslöser für diese Nuance an Ärger gewesen sein mochte. Trotzdem ließ sich ein Zögern erkennen. Nyack hatte wohl etwas Anderes sagen wollen, beherrschte sich im letzten Augenblick allerdings. Er begnügte sich damit, die Frage einfach zu beantworten, wortkarg wie bisher: "Grandea. So könntest du den ... Stamm nennen. Grandea aus dem Reich Grandessa." Das war ja schon beinahe eine richtige Plauderei. Nyack taute offenbar etwas auf. Er ließ seine Verschwiegenheit ein wenig hinter sich, denn er fügte noch an: "Es ist mit dem Urwald nicht zu vergleichen. Wenn du nicht weißt, was ein Schloss ist, brauche ich es nicht weiter zu erklären." Er lehnte sich nun ein wenig mit dem Rücken gegen den Stamm.
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