Auf der Turmspitze

Der Großteil der Bewohner beherrscht die Luftmagie. Erlernt haben sie dies hier in der Luftakademie, welche von dem Volk und einem starken Luftmagier erbaut wurde. In manchen Gängen muss man regelrecht schreien, so stark sind hier die Winde.
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Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 15. Juni 2011, 12:17

Tahmo kommt vom Sitz der Himmlischen -> Die Suche nach den Schriftrollen

Faro war also bei Ikarus zurückgeblieben. Der Hymlianer würde sich gut um das Pony kümmern, da bestand kein Zweifel. Die Wiesen der Himmelsstadt mochten nicht so weitreichend wie am Boden sein - außerdem wuchs hier schillernd weißes Gras, als wäre es mir Reif überzogen -, aber für Faro würde es schon ausreichen. Das Pony könnte sich dort gehörig satt fressen, ebenso wie Nachtwind, der sich ebenfalls brav dorthin führen ließ. Lua nahm unterdessen Tahmo mit zur Luftakadmie. Ikarus' Idee, auf der Turmspitze zu üben, fand sie großartig. Dort wehte der Wind sicherlich sehr stark. Tahmo könnte die Luft am leichtesten leiten, seine Magie anwenden, ohne sich um die einzelnen Luftpartikel große Gedanken zu machen. Es war wie eine sprudelnde Quelle für den Wassermagier oder ein üppiger Wald für den Zauberer der Naturkräfte. Sie würden sich direkt an der Quelle befinden.
Ikarus holte die beiden rasch ein. Den Weg zur Akademie kannten sie ja, aber er würde sie auf den Turm hinauf führen. In den großen Hallen des Gebäudes konnte man sich so leicht verlaufen. Tahmos Training sollte nicht aufgrund von Orientierungslosigkeit verkürzt werden. Der Hymlianer grüßte einige luftmagische Eleven am Eingang und brachte seine Begleiter dann durch windige Gänge bis in den Ostflügel. Sie erklommen Dutzende Stufen, durchstreiften Korridore, die nicht enden wollten und schließlich ging es eine steinerne Rundtreppe so weit hinauf, dass sie zwischendurch Pausen einlegen mussten. "Huch, mir wird hier noch ganz schwindlig", kommentierte Lua. Sie hielt sich den Kopf, denn um sie herum drehte sich inzwischen alles.
"Ja, die Luft hier oben ist noch dünner als sonstwo, aber die Winde sind stark", lachte Ikarus. Er bot Lua seinen Arm an, dann ging es weiter. Tahmo brauchte auf diese Geste nicht eifersüchtig zu sein. Der Hymlianer hatte bislang nicht den Eindruck gemacht, ihm seine Liebste streitig zu machen. Die beiden waren befreundet, wenn auch sehr innig, aber mehr würde da wohl nicht entstehen.

Endlich oben angekommen, öffnete Ikarus eine Luke aus verblasstem Eichenholz. Hier noch hindurch und schon standen sie auf der Turmspitze. Der Himmelsreiter hatte nicht zu viel versprochen. Hier oben gab es eine Menge Platz. Die Brüstung war etwa hüfthoch, würde also verhindern, dass man gleich von einem starken Wind herab und in die Tiefe gefegt würde. Es gab kein Dach auf dem Turm, aber steinerne Bänke als Sitzgelegenheit sowie einige schwere Blumenkübel. Die saftig grünen Blätter der Pflanzen flatterten, aber waren nicht gefährdet, Opfer einer Böe zu werden.
Der Turm selbst ragte so hoch, dass sich um ihn herum ein Kragen aus halb durchsichtigen Wolken gebildet hatte, wie Nebel. Nicht einmal die Dächer Hymlias waren von hier aus zu sehen. Tahmo, Lua und Ikarus schienen vollkommen isoliert. Es stimmte: dies hier war der perfekte Ort zum Üben. Man konnte sich durch nichts ablenken lassen. Mit Ausnahme vielleicht vom Wind, aber der sollte dem Blondschopf bei seinem Training schließlich dienlich sein.

"Eine Menge Stufen", sagte Lua. Sie war nicht minder erschöpft als ihr Schüler. Lediglich Ikarus schien solche Gewaltmärsche auf Treppen gewohnt zu sein. Er winkte die beiden zur Bank. "Ruht euch einen Moment lang aus. Ich werde das Training für Tahmo vorbereiten."
"Was hast du denn vor, Ikarus?"
Der Hymlianer grinste nur. Er trat zu einem der Blumenkübel. Daneben stand eine Art winziger Altar. Nein, es war eine steinerne Kiste und Ikarus schob soeben mit aller Kraft die Lade beiseite. Er holte einen Beutel hervor, auf dem viele kleine Ornamente gestickt waren. Sie ergaben ein sich ineinander windendes Muster aus Wolkenarmen und kleinen Sternen. "Das hier ist ein Federbeutel. Ich weiß, dass unsere Magier ihren Schülern mit solchen Beuteln das Zaubern beibringen. Sie kämpfen auch oft gegen den Inhalt." Der Hymlianer schnürte den Beutel auf. Vier azurblaue Federn, deren Nebenfedern plüschig und weiß in alle Richtungen abstanden und so einen buschigen Kragen am unteren Ende bildeten, schwebten heraus. Sie flogen vollkommen selbstständig, ließen sich nicht vom Wind beeinflussen.
"Sie sind magisch", erklärte Ikarus. "Lua, du kannst sie mit deiner Luftmagie leiten oder angreifen lassen. Die Magier kämpfen nicht mit Schwertern oder gegen bissige Feinde. Wer sich nicht zu verteidigen weiß, wird zu Tode gekitzelt." Er lachte, aber das spielerische Auf und Ab der Federn ließ seine Aussage nachdenklich stimmen. Die Magierin erhob sich. "Bist du bereit, Tahmo? Kitzelattacken klingen nicht schlecht. Sollen wir es also mal mit einem Verteidigungszauber bei dir versuchen?" Sie erklärte nichts. Sie warnte nicht vor. Sie wollte sehen, was Tahmo denn überhaupt schon von sich aus konnte. Er hatte das dicke Zauberbuch studiert und Zeit bekommen, einen Blick auf die magische Schriftrolle zu werfen. Wie viel hatte er bereits aus der Theorie gelernt?
Die Federn sausten auf ihn zu, bereit zum Angriff.
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Freitag 17. Juni 2011, 16:38

Tahmo atmete noch ein paarmal tief durch, ehe er genug verschnauft hatte und sich wieder gerade hinstellte. Der Wind hier oben war wirklich deutlich dünner, aber gleichzeitig auch um ein vielfaches stärker, beides merkte Tahmo sofort. Dafür brauchte er inzwischen nur noch die Nase in den Wind zu halten. Die Luftströme wuschelten ihm wild durch die Haare, brachten sein Hemd zu flattern und aufbauschen, während Tahmos blick erkundend über die runde Plattform wanderte. Etliche Schritt Durchmesser sorgten für genügen Raum zum Üben. Steinerne Bänke dienten als Sitzmöglichkeit für etwaige Zuschauer und eine etwa hüfthohe Brüstung schützte davor vom Wind hinfort gefegt zu werden... zumindest hoffte Tahmo das.
Ein wenig auffällig waren die Pflanzkübel die hier herum standen. Denn statt aschweissen Gewächsen beinhalteten sie erstaunlich grüne Pflanzen. Ob das etwas zu bedeuten hatte? Tahmo grübelte ein wenig herum, ehe seine Aufmerksamkeit jäh von etwas viel interessanteren angesprungen wurde.
Ikarus schob nämlich gerade knirschend einen massiven Deckel von einer steinernen Truhe, um einen reichlich mit auf gestickten Ornamenten verzierten Beutel hervor zu holen.
"Das hier ist ein Federbeutel. Ich weiß, dass unsere Magier ihren Schülern mit solchen Beuteln das Zaubern beibringen. Sie kämpfen auch oft gegen den Inhalt."
Neugierig tappte Tahmo näher, gesellte sich neben seine Freundin und staunte über den Beutelinhalt. Vier azurblaue Federn mit Krägen aus plüschig weißen Daunen schwebten wie von selbst aus ihrem Behältnis. Sie waren in etwa halb so lang wie Tahmos Unterarme, tanzten ein wenig in der Luft und schienen sich dabei nicht weiter von den Windböen stören zu lassen.
Das sind sicherlich magische Federn! Verzaubert! Was er damit wohl vorhat? Soll ich hier oben etwa Schreiben üben? hm... ich hoffe wohl nicht... Tahmo schielte zu Lua, als seine Gedanken plötzlich jäh von Ikarus beantwortet wurden.
"Sie sind magisch", bestätigte Ikarus Tahmos vermutun. "Lua, du kannst sie mit deiner Luftmagie leiten oder angreifen lassen. Die Magier kämpfen nicht mit Schwertern oder gegen bissige Feinde. Wer sich nicht zu verteidigen weiß, wird zu Tode gekitzelt."
Kitzeln? Moment... ich muss den Dingern gleich ausweichen? Tahmo blinzelte überrascht und machte dabei ein erstauntes Gesicht. Natürlich waren solche Federn viel besser als Gegner geeignet als irgendetwas Lebendiges, feindseeliges.... Aber Kitzeln? Und das wo er furchtbar kitzelig war?
"Bist du bereit, Tahmo? Kitzelattacken klingen nicht schlecht. Sollen wir es also mal mit einem Verteidigungszauber bei dir versuchen?" Lachte Lua fröhlich neben ihm auf.
Tahmo ging kurz darauf hastig auf Abstand, klaubte unterwegs flink seinen Magierstab vom Boden auf und trollte sich angespannt ein Stückchen weg von Lua, die inzwischen von den drei Federn umtanzt wurde. Aufregung machte sich in Tahmo breit. Zum einen weil er keinerlei Lust hatte durch gekitzelt zu werden und somit eine echte Motivation hatte um sich anzustrengen, zum Anderen weil er Lua zeigen wollte was er bisher so alles gelernt hatte. Sei es aus dem Buch, oder direkt von ihr.
„I-ich bin bereit!“ Rief er gegen den Wind an. Seine Zunge fuhr kurz nervös über seine Lippen, unter seinen Handflächen kribbelte ihn das warme Holz seines Stabes... ob dieser wohl ebenso aufgeregt war? Er atmete tief durch, konzentrierte sich auf den Wind – was hier oben eine leichte Übung war – und wurde auch schon angegriffen!

Instinktiv rollte sich Tahmo voller Überraschung über den plötzlichen Angriff zur Seite hin weg.
Die drei Federn raschelten knapp an ihm vorbei, änderten jedoch sofort und auf der Stelle schlagartig die Richtung als sie Tahmo verfehlten. Dieser hatte Mühe und Not sich hastig aufzurappeln um von Federn verfolgt auf allen Vieren erst einmal wieder etwas Land zu gewinnen.
Doch viel brachte seine Flinkheit ihm hier nicht ein, denn die Federn waren um ein vielfaches Flinker! Tahmo lachte auf, zwei Federn kitzelten ihn seitlich am Bauch, während er mit seiner rechten Hand die dritte zur Seite fegte. So konnte das nicht funktionieren. Mit reinem Ausweichen und seinen flinken Füßen kam er hier nicht weit... Lachend rollte sich Tahmo über den Boden, schaffte es hier und dort die Federn immer wieder mit den Händen hinfort zu wischen, ehe sie wieder kamen und an anderer Stelle weiter kitzeln. Dabei schienen sie ein Gespür dafür zu haben Tahmos kitzligste Stellen heraus zu finden. Der junge Blondschopf schaffte es nicht vor lauter Lachen die nötige Konzentration aufzubringen um ein oder zwei Zauber aus dem ersten Kapitel des Buches zu weben. Die Tatsache das er diese Zauber größtenteils erst theorethisch konnte, erschwerte die Sache natürlich.... Also musste er darauf zurück greifen was er praktisch schon ein paar mal angewandt hatte. Das natürliche Bewegen der Luft, eine Grundfertigkeit von Luftmagiern und die Windfaust. Letzteres war zwar eher ein offensiver Zauber... aber das war Tahmo im Moment ziemlich egal. Immerhin konnte er vor Lachen schon jetzt kaum mehr! Sicherlich hörte man ihn in ganz Hymlia gackern. Doch nun war Schluß, Tahmo rollte sich ein paarmal herum, sodass ihm zwar ein wenig schwindelig wurde, die Federn aber dabei weniger Chancen hatten ihn zu kitzeln. Letztendlich blieb Tahmo am Boden auf seinem Hintern sitzen... die Federn stürmten ihm nach, auf ihn zu... Er sammelte den Wind um seine Handflächen, was er inzwischen schon relativ schnell bewerkstelligen konnte und streckte die Arme schwungvoll aus. Doch statt das er eine Faust gebildet hatte, hielt er seine Handflächen geöffnet nach vorne... Er hoffte somit statt einer massiven Windfaust eher eine Windwand.. oder Böe zu bilden mit welcher er die Federn aus der Bahn und von ihm weg warf. Ohne wirklich zu zielen, dafür fehlte ihm die nötige Zeit, schoss er drei, vier derartige Windfäuste einfach in Richtung der Federn. Sollte er sie treffen so würde er versuchen sich aufzurappeln und einen Luftspiegelungs Zauber probieren der mehr Konzentration erforderte und das ehe diese Federn wieder an ihm dran waren.

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Sonntag 19. Juni 2011, 10:02

Im ersten Moment wirkte es lächerlich, als die Federn aus der Truhe schwebten und in gemächlicher Gemütlichkeit vor Tahmo und Lua auf und ab stiegen. Was hatte Ikarus gesagt? Schüler der Akademie der Luftmagie kämpften gegen dieses Gefieder? Sollte das ein Scherz sein? Wie focht man denn einen Kampf gegen Federn aus? Vielleicht hatte Tahmo eine von ihnen zu nehmen und wie einen Degen gegen die anderen zu führen, aber inwiefern hätte ihm dies beim Erlernen der Luftmagie weitergeholfen? Genauso wenig wie Schreiben oder sollten diese blauen Federn einfach nur symbolischer Natur sein? Die Feder ist mächtiger als das Schwert?
Der Blondschopf bekam rasch Gelegenheit, heraus zu finden, was Ikarus meinte. Viel zu rasch, denn große Vorbereitungszeit erhielt er nicht. Was genau er überhaupt gegen die plötzlich heran sausenden Federn unternehmen sollte, wurde ihm ebenfalls nicht gesagt. Verteidigen, ausweichen? Er bekam wenig Zeit, darüber nachzudenken. Nun waren ein schnelles Reaktionsvermögen sowie gute Reflexe gefragt. Letzteres besaß Tahmo in jedem Fall. Er war ein flinker, wendiger Bursche. Oft genug hatte er sich schon aus Gefahrensituationen heraus befördert, indem er ihnen einfach mit einem gekonnten Haken aus der Gefahrenzone gesprungen war. Bei ihm sah es dann sogar noch gewissermaßen tänzerisch aus. Ja, Tahmo konnte sich wie eine Eibe im Wind verbiegen. Schlank und drahtig, einem jungen Baum gleich. Er gab nach, ließ den anstürmenden Wind gewähren und statt sich gegen ihn zu stämmen, glitt man mit seiner Richtung, bis er vorüber gezogen war. Ja, das lag Tahmo, aber half eine solche Fähigkeit auch gegen Federn? Sie besaßen spitze Enden! Die konnten nicht nur kitzeln, sondern auch pieken!

Doch Lua hatte ihn noch gefragt, ob er nicht einen Verteidigungszauber einsetzen könnte. Nun war seine Aufgabe also klar. Verteidigen, nicht Ausweichen. Wie verteidigte man sich gegen Federn? Sie waren magisch, konnte Tahmo dann mit Luftzaubern überhaupt etwas gegen ihren Flug ausrichten? Sie schossen auf ihn zu. Ihm blieb nur wenig Zeit. Er musste schnell reagieren. Zunächst einmal vergrößerte er die Distanz, das verschaffte ihm etwas Zeit. Genug, um sich auf die Schnelle einen Plan zurecht zu legen.
Lua lenkte ihrerseits durch Magie die puscheligen Feinde. Sie ließ sie im Kreis um sich herum tanzen, dann schwirrten sie wie kleine, pelzige Pfeile auf ihren Schüler zu. "Fang an!", rief Lua aufgeregt. Sie wollte unbedingt wissen, was Tahmo nun tun würde. Er kannte nur die Zauber, die auf der Schriftrolle vermerkt waren. Es gab freilich noch mehr, aber diese stellten die gängigen Tricks dar. Er konnte sich demnach nur auf sie berufen. Unter den Anfängerzaubern gab es nicht wirklich einen, der ihm zur Verteidigung diente, aber vielleicht setzte er sein Köpfchen ein, um eine kreative Lösung zu finden.
Ikarus stand an der Brüstung, einen Fuß auf den Deckel der Steinlade abgestellt. Die Allbogen lehnten locker auf dem harten Stein der Brüstungsmauer. Auch er war gespannt wie sich Tahmo so anstellte. Mit Luftmagie hätte er selbst nicht dienen können, das war nicht sein Metier. Er war Himmelsreiter und somit Wächter der Lüfte und Kämpfer mit dem Anderthalbhänder. Diesen trug er heute früh nicht bei sich. Schließlich ging es für ihn auch nicht in den alltäglichen Kampf, sondern heute war Tahmo an der Reihe. Ein langes Schwert hätte ihm gegen die angreifenden Federn nun jedoch auch nichts geholfen. Bis er es hätte schwingen können, wäre er wahrlich "zu Tode" gekitzelt worden.

Tahmo nutzte eine andere Strategie. Während er all seine Konzentration sammelte, die er in den wenigen Augenblicken aufbringen konnte, vibrierte das Holz seines Stabes immer heftiger. Es brachte seine Fingerspitzen zum Kribbeln. Die Magie war anwesend und sie lauschte auf Tahmos Konzentration. Sie wartete nur darauf, von ihm eingesetzt zu werden. Er durfte den Grat nicht überschreiten. Er musste seine Beherrschung und sein Potenzial im Gleichgewicht halten, sonst könnte etwas Ähnliches passieren wie im Wald Sarius. Ob der Krater noch immer vorhanden war? Wie viele Dunkelelfen und wie viele Waldmenschen hatte er damals eigentlich verletzt? Nein, darüber durfte er jetzt nicht nachdenken. Er musste sich auf die Luftmagie konzentrieren, musste sie zu seinem Nutzen leiten.
Doch die Zeit war zu kurz. Dem ersten Angriff musste Tahmo mit einer Ausweichrolle entgehen, ihm blieb nichts Anderes übrig. "Zaubern! Wende Magie an!", rief ihm Lua zu. "Herum springen kann jeder. Überlass das den einfachen Menschen. Du bist Magier, Tahmo. Also zaubere!" Sie wollte ihn nicht tadeln, sondern zu mehr Einsatz motivieren. Das taten Lehrmeister. Sie feuerten ihre Schüler an und Lua gab eine gute Lehrerin ab. Denn erneut ließ sie die Federn attackieren. Sie schenkte ihrem Schüler nichts.
Der zweite Angriff endete für den Blondschopf mit einem Lacher. Ikarus stimmte ein. Er amüsierte sich. Lua zog die Federn zurück, um eine neue Attacke zu starten. Sie durfte Tahmo natürlich nicht vollkommen mit der Kitzelei außer Gefecht setzen. Wenn er nur lachte und kicherte, lernte er schließlich nichts. "Nochmal!" Die Federn sausten heran. Tahmo hockte am Boden, endlich wob er einen Zauber. Mit einem bekannten Zauber, der Windfaust, wollte er nun experimentieren. Konnte er eine Barriere schaffen, die die Federn ablenkte? Ja. Es gelang, wenngleich Tahmo keine Wand erschuf. Noch immer nutzte er die magischen Fäuste gegen den sich nähernden Feind. Er zielte nicht aber die Magie tat ihr Übriges. Die Fäuste waren groß genug und kamen mit aureichender Wucht heran, dass sie klangvoll gegen die Federn prallten. Diese stoben davon, eine von ihnen wurde sogar so hart getroffen, dass sie auseinander fledderte. Viele kleine, plüschige Teilchen wirbelten umher, ehe sie wie ein weicher Regen auf den Boden des Turmes niedersanken. Es waren aber immer noch vier Federn übrig.
"Gut so, versuche sie zu zerstören! Variiere mit den Zaubern, die du kennst!" Lua lenkte die verbliebenen Federn zu sich zurück, ließ sie einmal um ihren Körper kreisen, um sie dann in V-Formation erneut auf Tahmo zu hetzen. Wenn er nun die Windfaust wiederholt einsetzte, würde er die vorderste Feder ablenken können, aber die übrigen sausten an ihr vorbei und weiter auf ihr Ziel zu. Er musste umsetzen, was Lua ihm riet.


Magische Kraft der 4 Federn:
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Montag 20. Juni 2011, 19:53

Tahmo hatte es nicht leicht, er musste ganz schön springen und weiter Haken schlagen um den Angriffen zu entgehen... wurde aber am Ende doch noch jedes mal erwischt und kitzelnd in die Knie gezwungen. Lua lenkte die Federn aber auch voller Eifer, es schien ihr eine gewisse Freude zu bereiten ihn über die Plattform zu jagen. Sie wollte eben wissen was in ihm steckte.
Zum Glück aber hatten sich die Hymlianer diese Art von Training ersonnen. Man wurde zwar erbarmungslos gekitzelt bis man Bauchkrämpfe hatte, Aber das war immer noch besser als lebendige Gegner aus Fleisch und Blut wo man sich blaue Flecken oder schlimmeres holen konnte.
"Herum springen kann jeder. Überlass das den einfachen Menschen. Du bist Magier, Tahmo. Also zaubere!"
Die hat leicht reden! Tahmo schnaufte schon, er hatte Ausdauer aber die Luft hier oben war einfach ungewohnt dünner. Das strengte zusätzlich an. Seine Lunge brannte ein wenig, er musste sich flink bewegen. Anfangs noch ungelenk herumtaumelnd stimmten sich seine Bewegungen dann jedoch immer mehr mit den Windböen ab die hier hoch oben auf der Plattform ihr Unwesen trieben. Er setzte seine Ausweichmanöver zeitglich mit plötzlichen Richtungsänderungen des Windes, musste sich dadurch weniger anstrengen und bekam ein viel besseres Gefühl über Wind, Magie und Umgebung. Da gelang es ihm auch kurz die Oberhand zu gewinnen, eine Chance die er nicht verstreichen lies. Wie als hätte er darauf gewartet variierte er den Windfaust zauber und setzte zu einem sauberen Konterangriff an der gleich einer Feder das gesamte Gefieder kostete.
„HA!“ Rief Tahmo triumphierend aus, bedacht sofort Abstand zu den anderen Federn zu bekommen. Denn lange Währte sein Triumph nicht. In einer V-Formation rasten sie kurze Zeit später schon wieder direkt auf ihn zu. „Oh oh... Mist... was jetz'? Ah, ich hab's!“
Solangsam kam der Jungspund in fahrt, das Ganze fing an Spaß zu machen und da die Federn noch nicht wieder an ihm drann waren hatte er einen kurzen Augenblick um einen schwierigeren Zauber zu versuchen. Einen den er bisher nur auf dem Papier kannte, in der Theorie sozusagen. Die Luftspiegelung! Kurz rief er sich die Lektion des ersten Kapitels in den Kopf. Luft war überall, was hier oben mehr als nur zutraf. Er war im Vorteil und mit diesem Vorteil würde er es schaffen diesen Zauber zu weben. Tahmo konzentrierte sich, die Federn waren schon ganz nah! Er sog die Luft tief ein und aus, passte seinen Atem den Wind an der ihn umgab, wurde eins mit ihm...
Er hatte diesen Zauber schon einmal geschafft, damals aber vollkommen unabsichtlich. Das war in Pelgar gewesen, zur Zeit als die Stadt von Untoten angegriffen wurde. Dort war ein Zombie in einer Gasse auf ihn und Faro zugewankt und in seiner Angst hatte Tahmo eine Luftspiegelung in Form eines Hirns erschaffen. Der Zombie war abgelenkt und er konnte fliehen ohne angeknabbert zu werden. Genau so etwas wollte er wieder schaffen, nun aber absichtlich.
Tahmo atmete erneut ein, dachte daran was er schaffen wollte... den genauen Vorgang wie so ein Zauber funktionierte konnte er noch nicht beschreiben. Waren es die Bewegungen? Das Atmen? Die Gedanken? Er wusste es nicht, aber es funktionierte! Kurze Augenblicke später standen vier Tahmos auf der Plattform, drei davon waren Luftspiegelungen. Tahmo schielt kurz um sich, die Luftspiegelungen standen reglos da, bewegten sich nicht.... Also tat er das auch nicht! Genauso steif und unbeweglich wie die Spiegelungen stellte er sich hin, darauf hoffend das die Federn den falschen Tahmo anfallen würden... Alles weitere hatte er noch nicht geplant!

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Freitag 24. Juni 2011, 20:53

Er musste sich verteidigen. Die Hymlianer hatten an alles gedacht, auch daran, dass viele - vor allem junge Magier - noch versuchten, gegnerischen Angriffen auszuweichen. Dass Tahmo nicht zu diesem Schlag der Menschenvölker gehörte, verwunderte. Er benahm sich ihnen auf magischer Basis wirklich sehr ähnlich. Auch er wich aus. Aber das würde ihm auf Dauer genauso wenig helfen wie den Hymlianern. Es laugte ihn nur aus. Lua vermutete, dass seine Lungenflügel bereits heftig brannten. Sollte er mit Husten beginnen, würde sie ihre Federflug-Attacken abbrechen. Dann musste sie ihm eben theoretisch die Lektion beibringen. Noch vertraute sie auf das Gespür ihres Schülers, dass er es selbst erkannte und sich eine andere Taktik überlegte. Sie hatte ihm bereits einen ersten Anstoß dazu gegeben, indem sie ihn an seine Zauberkräfte erinnert hatte. Er sollte diese statt seiner flinken Beine einsetzen.
Als er eine der Federn schließlich seinerseits angriff und einen triumphalen Laut ausstieß, rief ihm Lua nur zu: "Benutz nicht immer die Windfaust! Du kannst mehr!" Damit wollte sie ihn keineswegs kränken. Er durfte stolz auf sich ein, er hatte eine der Federn voll erwischt. Doch jetzt durfte er ebenso wenig sich auf seinen Lorbeeren ausruhen. Vor allem auch, weil die Federn magisch waren. Sie konnten lernen, so regulierten die Luftmagier einen gewissen Schwierigkeitsgrad. Wenn es Lua in den Kram passte, dass die Federn sich taktischer verhielten, so ließ sie es zu, wenn sie sich von allein in eine Kurve legten oder sich plötzlich um die eigene Achse drehten. Doch noch verhinderte sie derartige Spielchen. Tahmo war ein Anfänger, sie durfte ihn nicht überfordern. Er musste eine Chance auf Erfolg haben, sonst würde ihn die Anwendung von Magie letztendlich nur frustrieren. Seine Lehrmeisterin glaubte an ihren Schützling. Er würde schon einen Weg finden. Daher hetzte sie erneut die Federn auf ihn. Zugleich beobachtete sie, was ihr Blondschopf trieb. Es war etwas Anderes als die Windfaust. Sie versuchte, herauszufinden, welchen Zauber er sponn. Noch war nichts zu erkennen, außer dass sich Tahmo konzentrierte. Lua blieb gespannt, aber auch Ikarus sah fasziniert von seinem Platz aus zu dem jungen Magier hinüber.

Mit dem Hintergedanken im Kopf, dass ihm dieser Zauber schon einmal gelungen war, richtete Tahmo seine Fühler nach den Winden aus. Hochkonzentriert ließ er sich nicht vom Heransausen der Federn verunsichern. Er achtete auf die eigene Atmung. Ein, aus, Luft füllt die Lungen und leert sie. Er spürte seine Verbindung zu dem Element jetzt ganz deutlich. Es besaß die Fähigkeit, Illusionen zu schaffen. Es spielte mit der Wahrnehmung, konnte sie manipulieren. Aber es konnte auch flüstern.
Junge.
Freund.
Spielst du wieder mit mir?
Willst du dich messen?
Du weißt, du kannst mich nicht benutzen, wenn ich es nicht will.
Aber ich will dir ja helfen - wenn du mich nur lässt.
Lass uns gewaltige Stürme schaffen.
Gemeinsam.
Tahmo...
Die Magie rief seinen Namen. Sie säuselte und wisperte ihn. Wie ein Echo sandte sie ihre Botschaft an ihn. Es war ein leise gesungenes Lied, komponiert auf einzelnen Strömungen des Windes, manche warm und sanft, andere scharf und schneidend kalt. Tahmo kannte die Einflüsterungen der Magie. Er wusste, dass es ihr Ziel war, ihn so zu manipulieren, dass er nur zum Katalysator ihrer Macht wurde. Magie wollte gewirkt werden und zwar aus voller Kraft. Die Zauberer Celcias schränkten sie ein, indem sie sich selbst beherrschten. Sie ließen sie sich nicht entfalten. Dabei besaß die Magie so wunderschöne, große und bunte Flügel - man könnte sie sehen, ließen die Kundigen sie nur aus ihrem viel zu kleinen Käfig, den sie bewusstes Zaubern nannten. Sie ließen sich nicht verleiten, die erfahrenen nicht. Aber wie stand es um den Blondschopf? Horchte er immer noch auf das Raunen, den Hauch an seinem Ohr?
Nein. Dieses Mal nicht. Tahmo hatte gelernt. Er hatte sich nicht nur den schweren Wälzer über luftmagische Theorien eingebläut, sondern auch einen Blick auf die Schriftrolle geworfen. Er war mit Lua gereist, hatte ihr zugehört und ihre Ratschläge verinnerlicht. Er entzog sich der Gefahr, die selbst etwa so Faszinierendes wie die Magie bot. Er beherrschte sich und tat das, was er wollte. Nicht, was im Sinne dieser weltlichen Kräfte war. Er schuf Abbilder, ganze vier an der Zahl!
"VIER!", staunte Ikarus. Er blinzelte, vielleicht hatte er sich verguckt. Nein, da standen drei weitere Tahmos. Sie sahen ein wenig verschwommen aus, als schaute man durch einen Regenschleier, aber man erkannte sie als den jungen Mann mit dem wuscheligen Haarschopf.
Von Lua schallte ein Lachen zu ihm herüber. Sie freute sich. Da war ihrem Schüler ein guter Zauber gelungen. "Bravo!", rief sie munter. Dann beobachtete sie die Federn. Diese hatten ihren Angriff abgeblasen. Sie hingen nun in der Luft, schwebten langsam auf und ab. Offenbar konnten sie sich nicht so recht entscheiden, welchen der vier Tahmos sie angreifen wollten. Aber allzu dumm war das Gefieder nicht. Jedenfalls reichte es aus, um zu erkennen, dass sie sich teilen konnten. Also übernahm je eine Feder einen der Jungen. Da allerdings Nummer vier der magischen Feinde bereits außer Gefecht gesetzt war, würde ein Blondschopf übrig bleiben. Es handelte sich um eine der Luftspiegelungen. Somit musste Tahmo noch immer kämpfen, die Anzahl seiner Feinde hatte sich im Moment allerdings drastisch reduziert. Von drei auf eine. Er musste auch diese Feder schnell bezwingen, ehe den anderen der Luftspiegelungstrick auffiel.

Magische Kraft der 4 Federn:

Feder 1
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Feder 2

Bild (attackiert Tahmo)

Feder 3
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Feder 4
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Samstag 25. Juni 2011, 23:21

Es funktioniert! Es funktioniert! Die Federn! Sie wissen nicht wohin und welcher nun der richtige Tahmo ist, hihi. Innerlich triumphierend starrte er die drei ratlos in der Luft schwebenden Federn an. Es war wirklich seehr, seehr schwer für ihn nicht laut los zu jubeln! Er biss sich sogar mit seinen Backenzähnen auf die Innenseite seiner Wangen um nicht mit einem breiten grinsen da zu stehen. Seine Finte schien zu funktionieren, jetzt musste er sich nur noch überlegen wie es weiter gehen sollte. Verkrampft ratterten seine Gedanken, gingen jeden einzelnen Zauber durch mit dem er sich zumindest theoretisch schon befasst hatte.
Hmmm... noch einmal eine Windfaust? Auf eine einzelne Feder? Gut vorbereitet? Nein... ich will Lua eigentlich zeigen das ich mehr kann... Wie wäre es mit diesem Windstille zauber? Oder... nein, dazu ist hier zu viel Luft... das wäre sicher zu anstrengend... Lieber etwas einfacheres.
Hmmm... Da war doch noch dieser andere Zauber mit den Luftwirbeln... Windtänzer oder so. Aber der steht erst weiter unten im dritten Kapitel.... Obwohl die Windfaust dort auch steht und die kann ich ja! Soll ich es probieren? Langsam wird es anstrengend die Illusionen beständig zu halten und... oh... die Federn greifen wieder an

Tahmo rann eine Schweißperle über die Schläfe, es verlangte einiges an Konzentration und geistiger Kraft um den Zauber aufrecht zu erhalten. Und bis eben hatte er auch noch genügend Zeit um sich darauf zu konzentrieren während er nachdachte... Aber nun... In die Federn kam plötzlich wieder Bewegung! Sie umkreisten sich kurz ehe sie zielstrebig auseinander stoben, jede Feder schnappte sich einen Illusionstahmo, aber nur eine hatte das Glück den echten Tahmo zu erwischen! Tahmo schluckte, seine Bedenkzeit war vorbei, er würde diesen Wirbelwindtänzerzauber versuchen. Das würde schon irgendwie klappen....
Der Blondschopf atmete tief ein... und wieder aus, wobei er einen Ausfallschritt nach vorne tat. Seine Schuhsohle trat kräftig auf dem Boden auf, seine Faust schlug gerade nach vorne auf die herannahende Feder zu. Diese würde erneut eine kräftige, gezielte Windfaust abbekommen!
Dann nahm er seinen Stab am oberen Ende, dort wo die beiden Federn baumelten fest in beide Hände, bis sich seine Fingerknöchelchen weiß unter der Haut abzeichneten. Er tat ein paar Schritte, setzte einen Fuß neben dem Anderen und fing an sich mit ausgestreckten Stab um die eigene Achse zu drehen. Hoffentlich blieb sein Frühstück im Magen....
Tahmo hatte keinen Schimmer was er genau tat, er tat es einfach. So wie er es beim Zaubern immer getan hat: Aus dem Bauch heraus! Rein nach Gefühl! Und für so Wirbelwinde war es üblich das sie sich um die eigene Achse drehten, also tat er das ebenfalls. Seine kurzen Haare flatterten im Wind, er drehte sich schneller und schneller, strauchelte dabei ein paarmal und fiel einmal fast der Länge nach zu Boden! Er lud die Luft um sich zum tanze ein, ein wilder Reigen immer weiter im Kreis herum. Horchte gespannt auf die Stimme des Windes. Ihm war schon ganz schlecht vor dem Gedrehe und entweder er würde einen kleinen Wirbelwind erzeugen der die restlichen zwei Federn hinfort wehte sobald sie zu ihm flogen.... oder aber er würde schwindlig taumelnd zu Boden kippen und warten müssen bis sich seine Umgebung nicht mehr mit ihm drehte.

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. Juni 2011, 15:39

Es war ihm geglückt, die Federn ließen sich ablenken. Denn plötzlich gab es mehr als einen Tahmo, den sie mit ihren Kitzelattacken hätten angreifen können. So teilten sie sich auf, um die Chance zu erhöhen, jedem von ihnen eine kleine Lektion in Sachen Lachen zu bereiten. So musste sich auch der echte Tahmo erneut etwas einfallen lassen, denn spätestens wenn die eine Feder, die sich ihm gerade näherte, ihren Angriff startete, würden auch die übrigen beiden auf ihn aufmerksam und seine Luftspiegelung wäre dahin. Er grübelte, ob es Sinn machte, erneut die Windfaust einzusetzen. Diese Frage konnte mit einem Ja beantwortet werden. Die Windfaust hatte auch schon eine der Federn vollkommen außer Gefecht gesetzt. Allerdings würde das seine Lehrmeisterin Lua nicht beeindrucken. Sie hatte bereits deutlich gemacht, dass er kreativer mit der Magie umgehen sollte. Was konnte der junge Mann noch alles?
Tahmo ging in Gedanken die Zauber durch, die sich bereits etwas eingeprägt hatten. Da fiel ihm einer der höherstufigen ein. Windtänzer nannte man diesen Zauber, bei dem kleine Wirbel entstanden, die den Feind zum Tanzen bringen konnten. Einen Versuch war es wert und so bewegte er sich, den Stab vorgestreckt und immer wilder um die eigene Achse drehend. Die Vorbereitungen für den Zauber reichten aus, um die Verwirrtheit der Federn aufzulösen. Jetzt stoben sie wieder alle auf Tahmo zu. Außerdem zerfielen die Luftspiegelungen seiner selbst zu einem Nichts. Er war noch nicht fähig genug, mehrere Zauber gleichzeitig aufrecht zu erhalten und zu weben. Das konnte aber auch niemand von einem Anfänger seiner Künste erwarten!
Er drehte sich, schneller und immer schneller werdend. Schließlich setzte ein Schwindelgefühl ein, aber das war es nicht, was den Blondschopf vollkommen von der Außenwelt abschottete. Eine Stimme zog all seine Aufmerksamkeit auf sich.
Windtänzer.
Ja, das bist du.
Tanz mit dem Wind, tanz mit mir.
Lass mich führen, Tahmo.
Du weißt, dass dieser Zauber für dich allein zu schwierig ist.
Lass mich führen, nimm meine Hand.
Lass dich treiben udn vergiss ... vergiss alles.
Du bist hier. Ich bin hier. Nur wir beide.
Du.
Ich.
ICH!
Und dann wurde alles schwarz.

"Tahmo! Tahmo, wach auf!" Ein Rütteln. Jemand rief seinen Namen, immer und immer wieder. Er lag, unter ihm befand sich fester Grund. Kalt war er und hart. Seine rechte Schläfe meldete sich nun ebenfalls mit einem leichten Pochen. Es war kein wirklicher Schmerz wie bei einer Migräne, aber unangenehm genug, um es wahrzunehmen. Jemand berührte seine Wange. Zart, weich und warm - das Gegenteil von dem, worauf er lag. "Tahmo!" Wieder die Stimme. Er kannte sie. Es war nicht jene der Magie, die auf ihn einflüsterte. Die Magie, die ihm leise zu säuselte, er solle sich ihr hingeben, sich treiben lassen. Die Magie, die durch ihn wirken wollte - und es offenbar wieder getan hatte. Alles klang noch etwas dumpf. Seine Ohren mussten sich erst wieder an Geräusche gewöhnen. Sein Hirn musste diese verarbeiten.
Es dauerte noch geraume Zeit, ehe die Klarheit in Tahmos Denken zurückkehrte. Dann aber würde er schnell erkennen, dass es Lua war, die immer wieder seinen Namen rief. Und dass sie es ebenso war, die seinen Kopf jetzt auf ihrem Schoß bettete und ihm sanft die blonden Strähnen von der Stirn wischte. Ikarus stand neben ihr, das gesicht eine besorgte Maske. Seine Kleidung wirkte zerrissen, ebenso wie die von Lua. Was war geschehen? Warum starrten sie ihn beide so ängstlich an?
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Sonntag 26. Juni 2011, 23:26

Tahmo drehte sich immer und immer schneller, er hatte schon das Gefühl seine Füße würden gar nicht mehr den Boden berühren. Wie in einen sog aus stürmischer Luft geraten konnte er nicht mehr aufhören. Schon bald hielt er seinen Stab nur noch weil er nichts anderes mehr hatte an dem er sich festhalten konnte. Panik stieg in ihm auf, er fühlte wie ihm die Kontrolle über den Wind entglitt und als er erneut diese Stimme hörte hatte er sie schon längst nicht mehr. Der Zauber war noch zu schwer gewesen, so schien es und Tahmos Fertigkeiten waren noch zu niedrig als das er die wilde Eigenheit des Windes hätte weiterhin zügeln können. Er hörte wildes Rauschen, die verlockende Stimme des Sturmes, alles um ihn herum bestand nur noch aus verschwommenen Schemen die an ihm vorüber wirbelnden. Ein gellendes Geheule erklang in seinen Ohren und dann....

… Stille

Tiefe Schwärze umgab ihn, sämtliche Geräusche waren abrupt abgerissen. Ein krasser Gegensatz zu eben noch.... Er wusste weder wo er war, noch was sich zugetragen hatte. Sein Zeitgefühl war praktisch nicht vorhanden und er fühlte sich unangenehm orientierungslos. Irgendetwas heftiges hatte sein Bewusstsein ausgeschaltet und es kam leider nur kläglich langsam zurück. Und mit ihm, erwachte ein unangenehm pochender Schmerz im Kopf. Vor allem hinter seinen Schläfen. Und je mehr seine Sinne zurück kehrten desto unangenehmer wurde es. Hinzu kam noch das Gefühl als hätte man ihn in Watte gepackt, nur ein fernes Rufen drang dumpf durch diese dicke Schicht und er fragte sich kurz ob sein Kopf wirklich so angeschwollen war wie er sich anfühlte.
"Tahmo! Tahmo, wach auf!"
Mit einem tiefen Atemzug riss Tahmo die Augen auf. Das hier und jetzt hatte ihn wieder, wie ein Schwall kalten Wassers schlug es ihm ins Gesicht. Hinter seinen Schläfen explodierten die Kopfschmerzen kurz, ehe sie sich auf ein regelmäßiges Pochen einigten. Tahmo sah alles verschwommen und in dem für ihn grellen Tageslicht brannten seine Augen ein wenig. Er lag auf einem harten Untergrund und noch während seine Blicke umher huschten berührten zarte Finger seine Wangen, jemand zog ihn zu sich heran und da rutschte auch schon Luas besorgtes Gesicht in sein Blickfeld. "Tahmo!"
Er gab ein gequältes Lächeln von sich. Nach wie vor klang alles noch ein wenig dumpf, sein Kopf war noch nicht wieder richtig in fahrt. Er fühlte sich zudem ganz schön ausgelaugt! Freute sich aber Lua zu sehen, allmählich kehrte auch seine Erinnerung zurück. Tahmo blinzelte, sein Herz schlug schneller, was war nur geschehen? Reflexartig rappelte er sich ein Stück weiter auf, nur um sich mit drehendem Kopf und dem aufkommenden Gefühl von Übelkeit sofort wieder auf Luas weichen Schoß zu legen. „Woah.... is' mir schwindlich'...“ Lua strich ihm ein paar Strähnen von der Stirn, während auf Tahmo nun eine anstrengende Flut Gedanken und Eindrücke niederging. „Die Fed'ern... der Wind.... die Stimme, der Zauber! Bei.... was ist passiert?„ Mit fragendem Blick guckte er Luas Gesicht an, konnte sich die Frage inzwischen aber schon selbst wieder beantworten. Vor allem nachdem er Luas und Ikarus mitgenommene Kleidung ansah, letzterer trat nun ebenfalls mit besorgter Mimik in sein Blickfeld.
Tahmo atmete seufzend aus, rieb sich die Augen und massierte seine Schläfen.
„.... 's... is' wieder passiert oder? Wie... damals im Wald un' davor schon'ma...“
Er klang beschämt, wusste nun das er erneut die Kontrolle verloren hatte. Da musste er nur eins und eins zusammen zählen. Konnte er da Angst in Luas Blick sehen? Tahmo biss die Zähne zusammen, stützte sich auf den Ellbogen soweit hoch das er Lua kurz umarmen und sie küssen konnte. Nach wie vor fühlte er sich leicht benommen, schwummrig... schaffte es jedoch sich aufzusetzen obwohl ihm dabei kurz etwas schwarz vor Augen wurde... während seine Hände im zerfurchten Steinboden halt suchten. „Sagt... mir bitte was passiert ist...“ Meinte er seufzend.

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Montag 27. Juni 2011, 20:52

"Langsam, langsam, junger Zauberer", warnte Ikarus, als sich Tahmo aufrichten wollte. Der Ratschlag kam zu spät, denn obwohl sich Tahmo eben schon besser gefühlt hatte, die schnell Bewegung erzeugte neuen Schwindel. Für Sekunden drehte sich alles, als sei er in einen der Wirbel geraten, die er versucht hatte, im Wind zu erschaffen. Übelkeit setzte ein. Er konnte es nicht verhindern, aber sein Körper hielt das Gefühl unter Kontrolle. Das Frühstück würde sich nicht den falschen Weg aus seinem Leib suchen. Lediglich ein seltsamer Kloß steckte ihm im Hals, den er nicht würde herunter schlucken können.
Lua drückte ihn sanft, aber bestimmt wieder auf ihren Schoß, so dass sein Kopf nach wie vor auf ihrem Oberschenkel ruhte. Geradezu überfürsorglich tätschelte sie erneut seine Wangen. Und schon gab er kund, wie schwindelig ihm war. "Bleib ruhig, Tahmo. Keine schnellen Bewegungen, du hast da ganz schön was angestellt."
Ikarus nickte. "Du solltest dich jetzt einen Moment schonen und dann überlegen, ob du dich überhaupt aufsetzen kannst. Bei Ventha, ich hätte niemals so viel Kraft hinter dir erwartet! Alle Achtung!"
Offensichtlich hatte Tahmo etwas Großes geleistet, ob positiv oder negativ war für ihn noch nicht ersichtlich. Es ließ sich nur Letzteres vermuten. Im Wald Sarius war ihm mit dem Krater schließlich auch Großes gelungen. Er hatte zwar den Feind ausgeschaltet, aber auch auf der Seite der Verbündeten waren einige verletzt worden. Wie sah es nun hier aus? Ikarus und Lua schien es gut zu gehen. Ihre Kleidung wirkte etwas ramponiert, aber sie lebten und keiner von ihnen blutete oder hatte sonstige sichtbare Blessuren.
Der Blondschopf teilte seine Befürchtungen mit. Er brauchte Antworten. Ikarus war damals nicht dabei gewesen, er konnte sie also nicht geben. Von ihm kam nur ein Schulterzucken, während er die Arme vor der Brust verschränkte. Lua jedoch gab Entwarnung, als sie mit dem Kopf schüttelte. "So schlimm war es nicht."
"Naja, die Federn sind hin", räumte der Hymlianer ein. Er zeigte, was von den magischen Feinden übrig geblieben war: Stiele, mit zerfetzten einzelnen Fasersträngen aus feinen Härchen, die zusammen erst das Kleid einer jeden Feder bildeten. Keine von diesen schönen schwebenden Stücken hatte "überlebt". Ikarus lächelte schief. "Nun, zumindest hast du uns bewiesen, dass du mit den Federn fertig wirst. Ich bin sogar der Meinung, dass du weitaus mehr Potenzial hast als andere Luftmagier auf diesem Niveau."
"Das stimmt. Er kann es leider noch nicht kontrollieren. Das ist, was ich mit ihm lernen möchte, Ikarus. Ich weiß, wie viel hinter Tahmo steckt." Lua wuschelte ihm das Haar, als sei er ein kleiner, pausbäckiger Junge und nicht der Mann, mit dem sie am Morgen noch im Bad erotische Spiele getrieben hatte. "Du hast die Kontrolle über den Zauber verloren. Der Windtänzer oder irre ich mich? Noch viel zu anspruchsvoll für dich, Tahmo. Aber du hast ihn hinbekommen, irgendwie. Leider etwas zu heftig. Du hast viele kleine Tornados erschaffen, die alles in einen Sog gezogen haben, dessen Zentrum du selbst warst. Die Federn hat es sofort erwischt. Sie wurden in der Luft zerfetzt. Ikarus und ich konnten uns an der Brüstung festhalten. Nur unsere Kleidung geriet etwas in Mitleidenschaft."
Den Stein hatte er also nicht bewegt. Aber einige der Blumenkübel waren umgefallen. Die Pflanzen lagen zusammen mit der Erde auf dem Boden verteilt. Auch sie machten dein Eindruck, als hätten sie einen heftigen Sturm hinter sich. Tahmo konnte sich nun ausmalen, welche Kräfte er da gewirkt haben musste. "Wir sollten das Training dringend fortsetzen, sobald du dich dazu bereit fühlst. Es kann nicht so bleiben, Tahmo."
"Deine Lehrmeisterin hat Recht. Wenn du die Magie nicht unter Kontrolle kriegst, bist du eine Gefahr für dich und deine Mitmenschen", stellte Ikarus die unangenehme Lage klar.
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Mittwoch 29. Juni 2011, 21:11

Tahmos seufzte, die Federn hatte er zerstört sowie im selben Zug eine ordentliche Verwüstung angerichtet. Er blickte sich um, musterte dabei die umgekippten Blumenkübel. Die Erde lag über den Boden zerstreut und die Wurzeln der Pflanzen ragten nackt hervor. Hier und da waren Blätter umgeknickt und manche Behälter hatten einen ordentlichen Sprung abbekommen. Sie taten ihm Leid, aber er würde das wieder wie in Ordnung bringen. Zerbrochen war ja zum Glück nichts! Ikarus hatte Recht wenn er sagte das Tahmo wohl eine Menge Potential besaß. Potential das er noch nicht beherrschen konnte...
Er sah sich weiter um, Ikarus und Lua waren unverletzt... und er selbst? Tahmo suchte sich ab, bewegte Arme und Beine, drückte hierhin und dorthin während sich Lua und Ikarus kurz unterhielten. Zufrieden nickend kam Tahmo zum Entschluss das er, bis auf die Kopfschmerzen, unversehrt war.
„Jah... es war der Windtänzer, Lua... Hab' mich da wohl... überschätzt. Aber die Windfaust schaff' ich ja auch, da dacht' ich mir das ich den Zauber auch schaff'.“ Tahmo rutschte herum, sodass er im Schneidersitz genau gegenüber von Lua saß. „Ihr habt Recht.... solang' ich's nich' kontrollieren kann... bin ich gefährlich...“ Er senkte kurz den Kopf, ehe sein Blick abwechselnd von Lua zu Ikarus wanderte. „Jedesmal.... auch schon im Wald, Lua... hör' ich so'ne Stimme. Glaub das is' die Stimme vom Wind... Die versuch' mich zu überreden ihr Macht zu geb'n un'... im Wald hab' ich's getan un' dann aber nie wieder... hab' sie immer ignoriert... aber vorhin bei dem Zauber. Ich hab' einfach die Kontrolle verlohrn'? Is' das … normal? Die Stimme?“

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. Juni 2011, 21:41

Hier oben war eine richtige Verwüstung, wie sie im Sarius geschehen war, nicht wirklich möglich. Außer dem Stein hatte es nur die Blumenkübel gegeben, die er hatte zerstören können. Das war Tahmo allerdings gelungen. Die Pflanzen lagen in seltsamen Posen am Boden. Wie Verletzte und Tote nach einer Schlacht, die Enden ihrer Körper - in diesem Fall grüne Pflanzenteile - verrenkten sich oder hatten sich seltsam gekrümmt. Die Rüstung aus rotem Ton, die der Kübel geboten hatte, war gekippt. Erdkrumen verteilten sich über dem Boden. Brauner, bröckeliger Nährstoff. Das braune Blut der Pflanzen, jener tapfere Krieger, stillen Wächter und Beobachter. Tahmo hatte ihrem Leben ein Ende gesetzt. Vielleicht würden ein paar der Pflanzen sich erholen, doch die Blätter der meisten lagen in Fetzen - wie die Federn.
Tahmo hatte es im Gegenzug überhaupt nicht erwischt, sah man einmal von der Beule ab, die er sich beim Aufprall zugezogen hatte. Ihm ging es gut, er fühlte sich höchsten etwas wackelig an. Immerhin hatte ihn der Einsatz dieses unkontrollierbaren Zaubers erneut starke Kräfte gekostet. Warum nur beherrschte er ihn nicht? Die Windfaust konnte er trotz seiner noch geringen Kenntnisse auch einsetzen - sehr präzise sogar inzwischen. Lag es wirklich nur daran, dass er noch ein sehr junger Magier war? Er musste mit Lua sprechen, ihr Fragen stellen. Also tat er es, noch ehe Tahmo wieder auf den Beinen war.
Lua musterte ihn lange, mit ernstem Gesicht. "Der Windtänzer, ja, das dachte ich mir. Er müsste für dich eigentlich sogar einfacher als die Windfaust sein, denn bei ihm brauchst du die Wirbel nur erzeugen, ohne zielen zu müssen. Sie kreisen dann einfach in der Gegend herum. Für die Windfaust ist weitaus mehr Koordination nötig. Hm, ich verstehe es auch nicht so ganz." Jetzt setzte sich der Schüler auf und Lua hin. Auch Ikarus ließ sich auf dem Steinboden nieder. Er war kühl, aber nicht kalt. Die höhere Brüstung hielt den Wind ab, so dass das Haar nicht zerzaust wurde. Die perfekte Höhe also, um sich zu unterhalten.
"Wir bekommen das noch in den Griff. Du bist jung und hast die Magie nicht von Kindesbeinen an ausgebildet bekommen. Deshalb ist es gefährlich, weil es nun schwerer ist, sie beherrschen zu lernen. Es ist wie mit neuen Sprachen. Als Kinder lernen wir sie spielend nebenbei. Als Erwachsene fällt es uns schwerer, ist aber nicht unmöglich. Du schaffst das, Tahmo. Sei unbesorgt." Sie legte ihm die Hand auf die Schulter. Aber dann erwähnte er eine Stimme. Die linke Braue der Luftmagierin hob sich. Skeptisch blickte sie ihren Liebsten und Schützling an. "Ich selbst habe nie eine Stimme gehört. Der Wind, sagst du?" Sie schaute zu Ikarus herüber. Der zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf.
"Ich bin kein Luftmagier, ich weiß nicht, was ihr hört und was nicht. Ihr solltet mit jemandem sprechen, der sich auskennt."
Lua ließ die Schultern hängen. "Wenn Vintha hier wäre. Er ist ein Großmeister der Luftmagie. Er könnte dir eine Antwort geben. Aber bis dahin müssen wir selbst heraus finden, was da nicht stimmt. Eine Stimme ... nein, ich glaube, das ist nicht normal." Jetzt machte sie sich richtig Sorgen um Tahmo.
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Freitag 1. Juli 2011, 17:10

Tahmo machte große Augen, ehe es ihm abwechselnd heiß und kalt den Rücken hinunter jagte. Was sagte Lua da? Sie hörte diese Stimme nicht beim Zaubern? Ihm sackte das Herz regelrecht in die Hose, noch nie hatte er sich schlagartig so beunruhigt gefühlt. Was war nur los mit ihm? War diese Stimme etwa doch nicht der Wind? Woher kam sie dann? Fragen über Fragen sausten durch seinen Kopf, wobei er von Sekunde zu Sekunde deutlich blässer wurde im Gesicht. Kurz konnte man wohl meinen, dass es ihn gleich wieder umwehte. Was jedoch zum Glück nicht eintrat. In ein tiefgründiges Schweigen versunken musterte Tahmo seine Handinnenflächen.
Er holte tief Luft, fuhr sich dabei mit der Zunge über die trockenen Lippen und sah zu Lua. Sein Blick war nervös. „Lua... „ Sprach Tahmo, deutlich war zu hören wie sehr ihn dies nun beschäftigte. „woher.... glaub's du kommt die Stimme dann? Ich... hab' sie mir sicher nich' eingebildet... Sie sagte mir sie wär' der Wind... Un' ich dacht' das wär' normal.... 'ch hätt' dich früher fragen müssen ob du sowas auch hörs'“
Weil er es im sitzen nicht mehr aushielt stand Tahmo auf. Fing an unruhig auf und ab zu gehen, sein Herz klopfte laut in der Brust und hallte pochend in den leichten Kopfschmerzen nach. „Wir müss'n jeman' finden' der da bescheid' weis! Kenns' du da jemand'n Ikarus? Also... jeman' andre's als dies'n Westwind...“

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Freitag 1. Juli 2011, 19:18

Lua spürte schon instinktiv, dass sich Tahmo unwohler fühlte. Er wirkte auf sie auch plötzlich ein wenig blasser, aber vielleicht irrte sie sich auch. Doch die Nachricht, dass sie keine Stimme hörte, die angeblich dem Wind zustand und die Magie darstellte, die durch Tahmos Adern floss, beunruhigte ihn eindeutig. Die Magierin tätschelte seine Wange. Erneut wischte sie ihm über die Stirn, obwohl sie bereits alle blonden Strähnen zuvor schon beiseite geschoben hatte. "Du musst damit jetzt erst einmal klar kommen. Wir alle, Tahmo. Aber wir finden schon heraus, was da nicht stimmt."
"Es ist auf jeden Fall sehr seltsam, wenn du Stimmen hörst. Erzähl mal, was sagt sie? Könnte es ein Windgeist sein? Ich hörte Geschichten, dass elementare Geister zu einem sprechen, aber in Hymlia ist mir noch nie einer begegnet. Sie sollen sich in Berggebieten aufhalten." Ikarus zuckte mit den Schultern, ehe er die Hände unwissend hob. "Wie auch immer, das finden wir auch nicht so einfach heraus. Wir sind an einem Punkt, an dem deutlich wird, dass du Hilfe brauchst - von jemandem, der sich damit auskennt."
Lua nickte. Ihrer Meinung nach konnte da nur Vintha sa Véstha, der Geoßmeister Westwind, helfen. Aber den hatte sie auch schon eine ganze Weile erfolglos gesucht, bevor sie Tahmo begegnet war. Und eigentlich fehlte dem Jungen die Zeit. Er sollte eine Ausbildung machen, seiner Heimat helfen. Dass es nun neue Schwierigkeiten gab, warf alle Pläne der Magierin über den Haufen. Sie konnten sich nicht auf die Suche nach einem Großmeister begeben, Tahmo weiter ausbilden, die Zauberstimme von ihm fern halten und darauf hoffen, dass er noch rechtzeitig heim kehrte, um das Schlimmste zu verhindern. Niemand konnte das. Vintha war also nicht wirklich eine Option. Er mochte helfen können, blieb für die Suchenden aber unerreichbar. Es war auch zu vertrackt!

"Du siehst nicht gut aus", bemerkte der Hymlianer mit einem Mal. Also hatte sich Lua nicht geirrt. Tahmo war blass. "Du solltest das Training vorerst beenden, Freundin."
"Du hast Recht. Tahmo ist ohnehin schon zu erschöpft, oder kannst du noch? Willst du mal versuchen, dich aufzurichten?" Sie sorgten sich beide. Er musste sehr kränklich oder geschwächt auf sie wirken. Tatsächlich war der Blondschopf zumindest magisch erst einmal ausgelaugt. Die arkanen Kräfte mussten sich regenerieren. Es wäre wirklich besser, zunächst einmal andere Dinge zu tun, als zu zaubern. Es schien ohnehin keine gute Idee zu sein. Ikarus begann damit, die Blumenkübel wieder aufzustellen.
Derweil unterhielten sich Lua und ihr Schüler weiter. Ihm lagen die Fragen schwer auf der Seele, aber ob seine Lehrmeisterin sie beantworten konnte? Niemand schien zu wissen, woher diese Stimme kam. "Hattest du sie früher schon gehört? Bevor du bewusst Luftmagie eingesetzt hast?" Offenbar versuchte Lua, den Zeitpunkt einzugrenzen, ab wann Tahmo die Stimme aufgefallen war. Das war gar nicht so dumm. Vielleicht konnte man den Ort und Zeitpunkt so heraus finden und sich noch einmal dorthin begeben. Vielleicht brachte es eine Lösung herbei. "Ich glaube auch nicht, dass du dir sie eingebildet hast. Du würdest uns keinen so gemeinen Streich spielen, nein. Das traue ich dir gar nicht zu, Tahmo. Umso wichtiger ist es aber, dass wir mehr über die Stimme heraus finden. Kannst du denn jetzt mit ihr sprechen? Antwortet sie oder geht das nur, wenn du Magie wirkst?" In Luas Kopf keimte eine Idee auf, doch sprach sie diese noch nicht aus. Sie wollte ihrerseits erst Antworten von Tahmo. Dann erst konnte sie reagieren.
"Mach dir keine Vorwürfe, du konntest es nicht wissen. Da Vintha uns nicht zur Verfügung steht, sollten wir hier in der Luftakademie nachfragen, ob jemand helfen kann. Leider kenne ich hier niemanden so gut. Ikarus, würdest du ...?"
"Ich bin kein Magier, Lua. Aber ich begleite euch gern. Wir könnten mal bei den ansässigen Lehrmeistern vorbei schauen oder uns erneut an den Rat der Himmlischen wenden. Sie regieren unsere Stadt. Sie sollten die Mächtigen kennen, ob es nun Himmelsreiter oder Zauberer sind. Wenn ihr wollt, werde ich bei ihnen erneut vorsprechen. Ihr könntet derweil hier warten oder schon einmal die Magier der Akademie um Rat bitten."
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Dienstag 5. Juli 2011, 21:13

Tahmo bückte sich, um seinen Stab aufzuheben. Er stellte das stabile Stück Holz senkrecht neben sich und verlagerte sein Gewicht darauf. Die Federn am oberen Ende tanzten fröhlich im Wind, welcher wieder in normaler Stärke unbeschwert über die Plattform hinweg brauste. Der Blondschopf seufzte, lauschte Luas Worten und massierte dabei sanft mit seinen Fingern seine beiden Schläfen.
„Ney ich.... hab' diese Stimme erst gehört... als ich zu zaubern angefangn' hab'... hmmm.... Damals im Wald, da war's das erste mal, ja... davor noch nie. Zuminde's erinner' ich mich nich' drann'. Und reden'... ich weis' nicht sie kommt immer wenn' ich Zauber und mich auf den Wind konzentriere... „
Tahmo blickte Lua ratlos an, wandte sich dann jedoch Lua zu als dieser näher schritt. Die Pflanzen standen wieder einigermaßen gerade an Ort und Stelle. Sie sahen wie geschlagene Krieger aus. Zerzaust, verwundet und überall lagen Blätter. Tahmo tat es richtig leid, was er da wieder angerichtet hatte. Ikarus Idee sich an die Himmlischen zu wenden klang zudem momentan ganz plausibel. Zumindest waren sie die Einzigen welche laut Ikarus für Hilfe in dieser Sache in Frage kämen...
„Ja... lass' uns die Fragen, Lua. Und solang' suchen wir ein paar Magier... Ich kann jetz' nicht hier rumstehen und warten...“

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 6. Juli 2011, 15:23

Lua kam die ganze Sache mit der Stimme in Tahmos Kopf sehr seltsam vor. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen, woher dieses ... Ding ... kam. Sie selbst hatte noch niemals eine Stimme gehört und schon gar nicht beim Zaubern. "Und du glaubst, das ist wirklich die Magie, die da zu dir spricht?" Es könnte immerhin sein. Vielleicht besaß der Blondschopf dermaßen hohes Potenzial, dass er mit den arkanen Kräften selbst kommunizieren konnte! Das käme einem Wunder gleich. Wie viel könnte man mit seiner Hilfe von der Magie lernen?
Andererseits schien die Stimme es darauf abgesehen zu haben, sämtliche Macht in Tahmo zum Vorschein zu bringen, egal, welchen Zauber er wirkte. Sie benutzte ihn, um es gewaltig - verheerend - werden zu lassen und das war nicht gut. Sie mussten verhindern, dass Tahmos Magie immer und immer wieder derart außer Kontrolle geriet. "Vielleicht ist es besser, du verzichtest erst einmal auf das Zaubern. Wir trainieren nur kleine Sachen, die harmloser sind. Wenigstens so lange, bis wir wissen, was mit dir los ist." Nur wie sollten sie das heraus finden? Da konnte nur jemand Erfahrenes helfen. Vielleicht einer der Himmlischen. Ikarus wollte sie um Rat bitten. Inzwischen bekamen Tahmo und Lua die Gelegenheit, sich in der Akademie umzuschauen. Das Training konnte man schließlich nicht fortsetzen. Das war der Luftmagierin zu gefährlich. Aber vielleicht fanden sie einen weisen Professor oder Dozenten, der ihnen weiterhelfen konnte. Tahmo hielt es jedenfalls für eine gute Idee und Lua stimmte zu.
So verabschiedeten sich beide zunächst von dem Hymlianer. Sie alle verließen den Turm und seine Übungsplattform. "Gehen wir einfach ein bisschen durch die Korridore und Hallen. In die einzelnen Lehrräume der Magier möchte ich nicht herein platzen." Lua gab die Führung an, aber auch sie wanderte eher ziellos umher. Man begegnete vereinzelten Magiern, leider allesamt Studenten. Die wussten nichts über Stimmen und konnten kaum weiterhelfen. Aber eine von ihnen, ein wahrlich bezauberndes Mädchen mit einer hochgetürmten, goldenen Frisur, gab ihnen einen Rat: "Versucht es doch einmal bei Meister Zephyros. Die meisten nennen ihn Zeph, aber er ist ein Spezialist auf seinem Gebiet. Vielleicht kann er heflen." Sie wies den beiden noch den Weg zu dem genannten Magier, der sich hinter einer der Hörsaal-Türen befinden sollte. Offenbar hielt er gerade eine Vorlesung. Alles war still, abgesehen vom Sprecher.
"Wir müssen jetzt stören, es ist immerhin wichtig", meinte Lua, auch wenn ihr der Gedanke nicht ganz so gefiel, mitten in die Vorlesung zu platzen. Trotzdem öffnete sie die Tür - vorsichtig.

"... kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Träume stark mit unserem Volk verknüpft sind. Achtet darauf, achtet auf Bilder und Geräusche. Erinnert euch, wenn ... oh ... kann ich helfen?""
"Äh ... hallo", antwortete Lua ein wenig verlegen. "Entschuldigt, wir verstehen Hymlikor nicht. Wir ... müssten mit Meister Zephyros sprechen. Aber wir warten gern, bis die Vorlesung vorbei ist." Der Hymlianer, welcher vorn am Pult stand, nickte. Er winkte Lua und Tahmo zu zwei Sitzplätzen in der vordersten Reihe vieler Hörerbänke. Sie reihten sich stufenartig bis nach hinten in den Raum hinauf, der schräg nach oben gebaut zu sein schien. Steinerne, weiße Säulen trugen das Gebilde und wieder endeten sie in verspielten Statuen der geflügelten Pferde. Magierstudenten musterten Lua und Tahmo. Sie trugen allesamt weiße Roben mit Verzierungen in allen Blau- und Graufacetten. Es ließ sie beinahe wie Geister aussehen, allerdings überaus schöne Geister. Einige lächelten, andere wirkten etwas verärgert, weil die Vorlesung kurzzeitig unterbrochen worden war. Doch der Dozent setzte seine Umschreibungen fort. Natürlich auf Hymlikor. Tahmo und Lua verstanden kein Wort. Das musste allerdings Meister Zephyros sein. Er war ein hoch gewachsener Mann von schlanker Statur. Ein wenig schmächtig, strahlte er dennoch Sympathie aus. Und er wirkte jung, jünger als man es von einem Lehrmeister erwartete. Doch war nicht auch Lua Lehrerin?
Meister Zephyros hatte langes, seidiges Haar, das manchmal weiß, meistens jedoch sehr hellblond schimmerte. Es verdeckte seine Ohren und einen Teil der Stirn, außerdem ließ es ihn ein wenig feminin wirken. Das lag aber auch an seiner dünnen Gestalt, die sich in seidige Robengewänder hüllte, welche um die schlaksige Figur herum flatterten. Er trug feine Sandalen aus weißem Leder udn einen Gürtel desselben Materials, der die Kleidung wenigstens etwas beisammen hiel. Die Oberarme und Waden schmückten goldene Bänder mit winzigen Saphiren. Hymlianer achteten offenbar sehr auf ihr Äußeres. Um den Hals legte sich eine Kette aus dünnen, goldenen Gliedern, an derem unteren Ende eine vergoldete kleine Wolkenplakette baumelte.

Die Vorlesung zog sich noch gut eine Stunde. Anschließend klopften die Studenten wild und dem Meister für seine Unterweisungen dankend auf die Bänke. Sie erhoben sich, um den Hörsaal zu verlassen. Zurück blieben nur Lua, Tahmo und der Dozent. Er wischte eine Tafel mit etwas, das wie ein wolkenförmiger Schwamm aussah und sprach endlich auf Celcianisch zu den beiden Anwesenden. "Nun, die Vorlesung ist vorbei. Wie kann ich euch helfen? Ich bin der, den ihr sucht. Nennt mich einfach Meister Zeph. Zephyros klingt so ... hochgestochen. Gut, worum geht es?"
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Dienstag 12. Juli 2011, 18:01

Bisher stand es regelrecht in den Sternen ob Tahmos anscheinende – und momentan eher widerwillig von ihm geduldete – Begabung mit dem Wind zu reden ein gewaltiger Vorteil oder ein brandgefährlicher Nachteil war. Angelehnt an die bisherigen Ausbrüche dieser Macht schien es momentan jedoch letzteres zu sein, weshalb Tahmo sehr einverstanden damit war erst einmal keinen Gedanken an die Zauberei zu verschwenden...
vielleicht verschwendete diese dadurch auch keinen Gedanken an ihn und bewahrte den Blondschopf somit vor weiterem Unheil.
Alles in Einem hatte Tahmo ein beklommenes Gefühl tief in seiner Magengrube als er zusammen mit Lua durch die luftigen Hallen der Windakademie schritt.
Seine Augen bewunderten einmal nicht all die freiheitsliebende, himmelstrebende Baukunst der Hymlianer sowie die kleinen Übungsgrüppchen an Luftmagieschülern die hier und dort in runden Höfen und auf umwehten Plattformen gemeinschaftlich ihre Bewegungen und die dazugehörigen Zauber erprobten. Er folgte einfach nur stumm der etwas planlos umherwandernden Lua. Solange bis sie von einem Mädchen mit goldener Turmfrisur an einen gewissen Meister Zeph weitergeleitet wurden, in dessen Vorlesung sie auch schon kurze Zeit später hinein platzten. Tahmos Blick wanderte nun doch noch einmal umher, als man sie zu zwei leeren Sitzplätzen in der vordersten Reihe hinein winkte. Der Hörsaal hatte Ähnlichkeiten mit einem Theater in dem man Opern aufführte. Nicht das Tahmo so etwas schon jemals gesehen hätte, aber würde er es kennen so würde er es damit vergleichen. Stufenförmig gingen die Reihen hinter ihnen im Halbkreis in die Höhe. So konnte jeder, von jeder Position aus alles sehen und hören was vom Lehrmeister weiter unten, in der Mitte gezeigt und erklärt wurde. Der Wind welcher hier wehte trug sein übriges dazu bei das die Stimme des Referenten ja auch alle Ohren erreichen konnte. Dutzende neugieriger, aber auch in ihrer Ruhe gestörter, erboster Augen vielen wie Pfeile auf Lua und Tahmo. Letzterer brachte ein freundlich-angespanntes Lächeln zu Stande um sich dann zusammen mit Lua fix zu den beiden freien Plätzen zu schleichen. Auch hier trugen alle diese typische Hymlianische Tracht aus dünnen, seidenartigen Stoff in zarten Farbtönen. Tahmo konnte dieser Nachthemdähnlichen Mode schlichtweg nichts abgewinnen. War er sonst von der Hymlianischen Kultur recht begeistert, so fand er deren Kleidungsgeschmack ein wenig seltsam. Er selbst mochte seine festen, stabilen Sachen viel lieber. Lua schien jedoch ganz angetan zu sein von dieser Art der Kleidung. Sie selbst würde allenfalls auch um einiges besser darin aussehen als er selbst, da war sich Tahmo sicher.

Unbeirrt von den zwei Neuankömmlingen setzte der Dozent seine Rede fort. Dummerweise in der Sprache der Hymlianer, welche Tahmo leider nicht verstand. Die Worte klangen schwungvoll, geflügelt, sanft und einfach irgendwie nur 'windig'. Seufzend lehnte er sich zurück, musterte den Dozenten der dort vorne seinen Schülern sein Wissen kund tat. Jung sah er aus, hatte aber dennoch weißes Haar. Allerdings besaßen viele Hymlianer weißes Haar ohne wirklich alt zu sein. Ein wenig ungewöhnlich, aber anscheinend war dies bei Hymlianern eine normale Haarfarbe. Tahmo legte seinen Kopf schief, erst zur einen dann zur anderen Seite.... ihm wurde langweilig, was kein Wunder war da er ja kein Wort verstand. Und mit der Langweile kam die Unruhe. Er wurde nervös, konnte es kaum erwarten mit Meister Zeph zu reden. Hoffentlich konnte ihm dieser weiter helfen. Tahmo versuchte sich irgendwie abzulenken, musterte seine Hände, guckte zu Lua, beobachtete die anderen Schüler... ein paar schienen in seinem Alter zu sein …. dachte auch kurz an seine Heimat das Fischerdorf und daran wie es Faro wohl ging. Er dachte an all die Fragen welche er Lua mal noch bei Zeiten stellen musste.... ihm kam die Erkenntnis das er, trotz der entstandenen Nähe, noch kläglich wenig über sie wusste. Ein Umstand den er schnell ändern wollte! Und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit der Unruhe, Angespanntheit und den Versuchen sich selbst abzulenken kam Bewegung in den Hörsaal. Die Studenten standen unter lauten gepolter auf. Sammelten Bücher, Pergamente und Federkiele auf. Weckten eingeschlafene Mitstudenten und verließen wuselnd den Raum... Bis nur noch Lua und Tahmo übrig blieben.

Zeph wischte die Tafel mit einem wolkenförmiger Schwamm ab, während Lua und Tahmo endlich auf ihn zutreten konnten. "Nun, die Vorlesung ist vorbei. Wie kann ich euch helfen? Ich bin der, den ihr sucht. Nennt mich einfach Meister Zeph. Zephyros klingt so ... hochgestochen. Gut, worum geht es?" Der Meister sprach in einem guten Celcia, ohne irgendwelchem Dialekt oder Akzent. Tahmos Blick wanderte zu Lua, dann zurück zu Zeph. Der Lehrmeister wirkte wirklich jung! Tahmo räusperte sich, er hatte das Gefühl das es an ihm selbst war das Problem zu schildern. “Erm... Es geht um... „ Tahmo überlegte kurz, solange man nicht sagen konnte ob diese Stimme schlecht oder gut war, wollte er nur das nötigste sagen und fertig. „... Is' es möglich das man beim Zaubern die Stimme vom Wind hört? Un' wenn man sie nu' hört... was bedeutet das? Un' was is'...“ Er zögerte kurz...“Also nuuur ma' angenommen, wenn' die Stimme... die Macht über die Zauber übernimmt un' den Zauberer übernimmt? Ich frag' das... weil ich da mal 'ne Geschichte darüber gehört hab'!“

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 14. Juli 2011, 11:19

Lua verstand wenige Brocken Hymlikor, aber es reichte bei weitem nicht aus, einem Vortrag wie dem derzeitigen zu folgen. Der Dozent sprach einfach zu schnell oder verwendete zu viele Worte, die sie nicht kannte. Sein Vokabular war eben auch weit ausgeprägter, schließlich war er selbst Hymlianer. So wurde es der Luftmagierin bald langweilig. Sie stützte den Kopf in die offene Handfläche und ließ ihre Gedanken schweifen. Als aber Tahmo neben ihr spürbar unruhiger wurde, schaute sie mit schläfrigem Blick zu ihm herüber. Wenn sie ihren Blondschopf so musterte, fielen ihr ganz andere, wesentlich interessantere Dinge ein, die sie anstelle von Zuhören jetzt hätte tun können. Sie alle hatten mit Tahmo zu tun, sollten aber an einem ungestörteren Ort vonstatten gehen. Grinsend schob sie ihre Hand zu ihm herüber. Händchen halten war ja wohl noch in Ordnung.
Beide harrten aus, zusammen und doch jeder seinen eigenen Gedanken und Träumereien nachhängend. Endlich endete die Vorlesung, die Schüler verließen den Hörsaal und Meister Zephyros war für die beiden Gasthörer verfügbar. Nach anfänglicher Begrüßung in akzentfreiem Celcianisch aber runzelte der hymlianische Dozent die Stirn. Eine lang gezogene Falte entstand zwischen seinen Brauen, als hätte ein fiktiver Bauer dort seinen Pflug angeesetzt und seit durch die Haut hindurch gefahren. Er strengte sich wirklich an, Tahmo zu verstehen, doch dessen Worte strotzten nur so vor einem Akzent oder mundfauler Nuschelei. Der arme Zephyros verstand kaum ein Wort. "Nun, äh...", begann er leidlich. "Eine Stimme, ja?" Das war das einzige, was er hatte auffassen können. "Ich bin Traumforscher. Ich studiere das Phänomen der Träume und freilich hören wir dann Stimmen. Mystische Worte, Einflüsterungen, aber ... wie war das noch in Eurer Geschichte?"
Lua seufzte: "Mein Schüler lernt die Luftmagie und es gibt Komplikationen. Eine Stimme spricht zu ihm, gibt vor, der Wind zu sein und versucht - ich bin nicht sicher, ob es so stimmt - naja, die Windstimme benutzt ihn irgendwie. Seine Zauber sind verheerend."
"Verstehe." Meister Zeph trat erneut an die Tafel. Er zückte ein Stückchen Kreide und machte sich Notizen. Sehr viele. Offenbar stellte er auch gleich Theorien dazu auf. Die Tafel füllte sich zusehendst. Wildes Gekritzel, kleine Anmerkungen, sogar eine grobe Zeichnung, die an einen Kopf erinnerte, in den er eine verschnörkelte Wolke gemalt hatte. Nachdem er damit fertig war, legte er die Kreide beiseite und trat zurück. Er ging bis zu den Sitzreihen zurück, fixierte das Geschriebene anschließend als Ganzes. Er blinzelte. "Hört Ihr die Stimme beim Schlafen oder auch im wachen Zustand? Tagträume, meine ich. Das ist sehr interessant. Was erzählt sie Euch genau? Ich möchte alles wissen. Bei Venthas stürmischen Launen, Ihr könntet mein nächstes Forschungsprojekt sein, wenn Ihr wollt. Wirklich faszinierend." Er musterte Tahmo mit funkelnden Augen. Sein Blick wurde allerdings von einem skeptischen von Seiten Luas erwidert. Sie wollte ihren Schüler und Liebsten nicht zu einem Forschungsobjekt degradieren. "Er braucht Hilfe und soll niemandem vorgeführt werden", brummte sie mit einer Spur Eifersucht in der Stimme.
Meister Zeph nickte akzeptierend. "Natürlich nicht. Zu schade. Es wäre überaus interessant geworden. Aber nun zu der Stimme", räusperte er sich. "Was erzählt sie? Was verlangt sie? Ist sie weiblich oder männlich? Neutral vielleicht? Ich muss alles darüber wissen. Nur so kann ich der Sache genauer auf den Grund gehen."
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Dienstag 26. Juli 2011, 19:34

Meister Zeph war anscheinend nicht nur ein Luftmagier und Lehrmeister nein, es stellte sich heraus er auch im Gebiet der Traumaforschung bewandert war... zumindest behauptete er das von sich selbst. Tahmo konnte darüber nur die Augenbrauen wölben, was gab es denn bei Träumen großartig zu forschen? Man konnte schlecht Träumen, vor allem wenn man kurz vor dem Schlafen gehen zu viel aß und man konnte auch gut träumen.... aber was gab es da noch großartig mehr zu erforschen? Er wusste es nicht, aber anscheinend war es ein äußerst Interessantes, wissenschaftliches Gebiet! Sobald nämlich Lua, Tahmos äußerst eigenwilligen Fischer-Dialekt übersetzt hatte, stürmte Meister Zeph mit wehender Robe zurück zu seiner Tafel. Zwischen den Fingerspitzen eine frische, weiße Kreide umklammert wirbelte er wie ein Derwisch über diese um sie mit einem Schwall an Notizen, Zeichnungen und Dingen zu überfluten welche in Tahmos Augen einfach nur wie grobe Krakeleien wirkten. Wolkenförmige Gebilde, Sätze die, wenn sie den Tafelrand erreichten, einfach quer nach unten weiter geschrieben wurden und eine Unmenge an Pfeilen stellte schließlich das Gesamtkunstwerk des Lehrmeisters dar, welcher es sich nun begleitet von seichtem Kopfknicken aus der Ferne besah.

"Hört Ihr die Stimme beim Schlafen oder auch im wachen Zustand? Tagträume, meine ich Stellte er eine Frage an Tahmo,
„Najaah... eign'tlich nur wenn'ch..“
„...Das ist sehr interessant. Was erzählt sie Euch genau?..“
“Uhm... die Stimme sag't mir nur das....“
“....Ich möchte alles wissen. Bei Venthas stürmischen Launen, Ihr könntet mein nächstes Forschungsprojekt sein...!“
„Ich kann... was?“
„wenn Ihr wollt. Wirklich faszinierend.

funkelnde Augen traffen den verwirrt blinzelnden Blondschopf und musterten ihn eingehend. Tahmo stand nur ein wenig regungslos da, sein Oberkörper leicht nach hinten gelehnt, mit halboffenen Mund... Er ein Forschungsobjekt? Genau so was kam dabei raus wenn man fremden zu viel erzählte! „Woah... woah... jetz' ma' langsam... Ich bin kein Forschungsobjekt!“ Verteidigte er sich hastig mit abwinkenden, rudernden Armen und empört klingender Stimme. „Ich will nur..... jah genau, Lua hat' Recht....!“
Schnell deutete er mit seinen beiden Zeigefingern hinüber zu Lua die ihm, den Göttern sei gedankt, Zur Hilfe eilte. Hörte er da Eifersucht in ihrer Stimme?
Sein Blick schielte hinüber zu Lua. Er stellte sich neben sie, grinsend als der Lehrmeister die Kreide auf sein Pult legte und nun einen, in Tahmos Ohren, sympathischeren Ton anschlug.

"Natürlich nicht. Zu schade. Es wäre überaus interessant geworden. Aber nun zu der Stimme, was erzählt sie? Was verlangt sie? Ist sie weiblich oder männlich? Neutral vielleicht? Ich muss alles darüber wissen. Nur so kann ich der Sache genauer auf den Grund gehen."
Tahmo kratzt sich am Kopf, verschränkte seine Arme vor der Brust, runzelte die Stirn und machte auch sonst alles was man so tat wenn man angestrengt nachdenken musste.... War die Stimme weiblich? Oder eher männlich? Oder keines von beidem? „Hmmmm...ich....denk'...'s is' schwer. Also... sie redet mit mir als wär'se weiblich... aber...'ch glaub' sie's irgendwie kein's von beid'm... also eher dazwisch'n.... Genau kann ich's aber nich' sag'n.“

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. August 2011, 15:49

Wer von der Traumforschung eines hymlianischen Dozenten nichts verstand, für den waren die Kritzeleien auf der Tafel nur ein verworrenes Muster aus Aufzeichnungen, Notizen und nicht lösbaren Bildern. Meister Zephyros hatte Gleichungen aufgestellt und Zahlenkolonnen hinterlegt, dass man ihn eher in die Sparte der Mathematica stecken mochte anstatt ihn der Traumforschung zuschreiben zu wollen. Dabei war dies eine höchst angesehene Wissenschaft, zumindest hier in Hymlia. Über den Wolken, wo die Menschen auch am Tag bei ihren Träumereien waren, ihnen nachhingen oder sie versuchten z7u erfüllen, da war es sehr wichtig, die Träume auch bis ins kleinste Detail deuten zu können. Dem widmete sich Meister Zeph seit Jahren. Er hielt Vorlesungen, forschte und verfolgte jede noch so kleine Spur, die ihn bei seiner Arbeit weiterbringen könnte. Kein Wunder also, dass er sich Tahmo mit großem Interesse näherte. Eine geheimnisvolle Stimme, die scheinbar in der Lage war, den Blondschopf dermaßen zu manipulieren, dass sie seine Magie steuern konnte, klang mehr als faszinierend. Inwieweit diese Stimme mit Träumen zu tun hatte, das musste er jedoch erst herausfinden, doch der Hymlianer war zu allem bereit. Und so löcherte er Tahmo geradezu mit Fragen, dass dieser sie unmöglich alle auf einmal beantworten konnte. Vermutlich hatte er die Hälfte auch schon wieder vergessen, ehe Meister Zephyros verstummte und ihm Gelegenheit zum Sprechen gab.
Eine richtige Antwort bekam der Mann allerdings nicht. Tahmo stammelte herum, gab kaum eine Information preis und wirkte ziemlich überfordert. Lua war es, die versuchte, Ordnung ins Chaos der vielen Fragen zu bringen. Wenigstens bot sie Tahmo Unterstützung an, als sie seinen Oberarm berührte und sanft streichelte. Sollte der Dozent ruhig wissen, was zwischen ihnen war. Ihr war im Augenblick wichtiger, dass er zur Ruhe kam und die Fragen auch verarbeiten, vor allem aber beantworten konnte.
Er fand die nötige Ruhe, nahm sich die Zeit, die Arme vor der Brust zu verschränken und endlich sprudelte mehr aus seinem Mund als gedruckstes Entsetzen über sein Beinahe-Schicksal als Forschungsobjekt. Der Griff um seinen Arm festigte sich, als er seine Meinung über das Geschlecht der Stimme abgab. Weiblich? Lua schien dies nicht zu gefallen. Sie schob sich dichter an ihren Schüler heran, drückte sogar ihren Kopf auf seine Schulter. Meister Zephyros hob die Brauen. "Ihr glaubt aber eher, dass der Wind eine Frau sein könnte. Interessant. Könnte Ventha zu Euch sprechen?" Er wandte sich wieder der Tafel zu, leise vor sich hin murmelnd, dieses Mal in Hymlikor. "Ventha? Aber nein, sie würde niemanden dazu anstiften, mit seiner Magie Unheil anzurichten - oder doch? Sinnt sie auf Rache? Tappe ich im Dunkeln? Es muss ja nicht die Göttin sein ... faszinierend."
Lua hob den Kopf. "Vielleicht kann er uns doch nicht helfen. Wir sollten gehen", wisperte sie in Tahmos Ohr. Doch ihr Vorschlag kam verfrüht. Meister Zeph wirbelte erneut herum. "Ich glaube nicht, dass es Ventha ist! Es muss ein anderes Phänomen sein und ich werde der Sache auf den Grund gehen. Wann hört Ihr die Stimme? Beim Zaubern, korrekt? Nun, dann sollten wir uns in einen sicheren Raum zurückziehen und Ihr solltet ordentlich zaubern. Anschließend will ich Traum- und Schlaftests mit Euch durchgehen." Er begann, einen Ranzen zu packen, in dem seine Unterlagen sich zu einem Wirrwarr aus Pergamenten und einzelnen Notizen zusammengeknüllt hatte. Ordnung existierte bei diesem Mann offensichtlich nur auf der Tafel.
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Freitag 12. August 2011, 13:05

Abermals wandte sich Meister Zeph seiner ellenlangen Schreibtafel zu. Flink huschte die Kreide über den dunkelgrünen Untergrund und hinterlies, in Tahmos Augen, nur wirre, nichtsbedeutende Linien während der Hymlianer in seiner Muttersprache vor sich her murmelte. Der Meister stellte kurz die Vermutung auf das die stürmische Göttin Ventha hinter all dem stecken könnte und den armen Tahmo nur als eine Art Ventil benutzte. Andererseits war es wieder unwahrscheinlich das Ventha die Absicht hatte Unheil anzurichten. Wobei man ja wohl nie sagen konnte was so im Kopf einer Gottheit vor sich ging! Der Blondschopf selbst glaubte an die Götter, betete aber eher selten und bietete ihnen genauso selten Opfergaben dar. Vielleicht sollte er er in Zukunft so etwas doch einmal öfter tun? Tahmos Blick wanderte zu Lua, die nun neben ihm stand. Ganz dicht an ihn gedrückt und den Kopf auf seine linke Schulter abgelegt. Zum Glück passten die Zwei auch von ihrer Körpergröße her wunderbar zusammen, so musste sich die Magierin weder weit hinauf noch weit hinunter buckeln dabei und Tahmo freute sich scheinbar über Luas plötzliches Anschmiegen. Ihm war ihre leicht eifersüchtige Reaktion darauf das die Stimme eventuell weiblich war nicht entgangen. Er lehnte seinen Kopf ebenfalls zur Seite, schmiegte diesen an Luas um letztendlich auch noch einen Arm hinter ihrem Rücken um sie zu legen. So verharrend verfolgte er verträumt die Kreidelinien auf der Tafel, schüttelte nur einmal behutsam seinen Kopf als Ihm Lua seinen Vorschlag ins Ohr wisperte und wurde letztendlich von Zeph wieder aus seinen Gedanken gerissen noch ehe er Ihr antworten konnte.

"Ich glaube nicht, dass es Ventha ist! Es muss ein anderes Phänomen sein und ich werde der Sache auf den Grund gehen. Wann hört Ihr die Stimme? Beim Zaubern, korrekt? Nun, dann sollten wir uns in einen sicheren Raum zurückziehen und Ihr solltet ordentlich zaubern. Anschließend will ich Traum- und Schlaftests mit Euch durchgehen."
Tahmo atmete tief und merklich durch. Das war ein gewagter Vorschlag!... Aber sicherlich die einzige Möglichkeit der Sache näher auf den Grund zu gehen, zumindest fiel ihm selbst momentan noch nichts besseres ein... was jedoch wohl auch daran lag das sein Kopf vom letzten Zaubervorfall auf dem Turm immer noch ein wenig benebelt war. Das Ganze hatte Kraft gekostet. Tahmo drückte Lua kurz einen Kuss auf die Wange, löste sich dann von ihr griff jedoch zeitgleich nach ihrer Hand.

„Jah... das...kling' nach 'ner gut'n Idee“ Kommentierte er Meister Zephs Vorschlag, ehe er jedoch auch Bedenken äußerte: „Aber.... ich kann's nich' beherschen... wenn's passiert dann... hab'ch keine Kontrolle mehr un' weis' nich' mehr was passiert. Un' es is' von Mal zu mal stärker. Ich will nix' zerstör'n, oder jemand'n verletz'n...“ ... Oder mir am Ende selbst Schaden zufügen Dachte er still den Satz zu ende.
Nun war ihm wirklich mulmig zu mute. Er fühlte leichte Angst aufkeimen, vor allem weil er sich vom letzten Zaubern noch nicht ganz erholt hatte. Zeitgleich war aber auch neugierig, begierig darauf zu wissen was das denn letztendlich für ein Spuk war. Ach was... das wird schon... es ist die einzige Möglichkeit Versuchte er sich letztendlich selbst zu beruhigen. Er griff Luas Hand ein wenig fester und machte ein zuversichtliches Gesicht.
„Keine Sorge... 's wird scho' Lua. Ich muss einfach wiss'n was da los is'. Weis' du? Ich glaub, wenn ich nich' weis' was's is', dann kann ich au' nie richtig zaubern. Also.... lasst uns gehn'!“

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Samstag 13. August 2011, 16:17

Nicht nur Tahmo war über den Vorschlag des Dozenten ein wenig beunruhigt. Auch Lua schaute skeptisch. Sie wechselte kurz einen Blick mit dem Blondschopf, doch über ihre Lippen drang kein Wort des Widerstandes. Sie schien einzusehen, dass es tatsächlich nur so ging oder hoffte sie gar, dass man mit dieser Methode etwas herausfinden könnte? Tahmo hatte erwähnt, dass die Stimme des Windes durchaus weiblich sein könnte und Luas Reaktion darauf hatte nur so von Eifersucht gesprüht. Sie mochte liebreizend und herzlich sein, er verträumter kleiner Wind, in den sich der gebürtige junge Mann aus dem Fischerdorf sofort verliebt hatte, doch sie konnte manchmal auch sehr besitzergreifend werden. Vor allem bezüglich Personen, die ihr viel bedeuteten. Tahmo war eine solche Person. Deshalb auch die Skepsis in ihren Augen, welche heute graublau wie Silberrauch funkelten. Natürlich wollte sie nicht, dass ihm etwas geschah. Sie selbst hatte die Auswirkungen seiner Magie miterlebt. Er brachte damit andere in Gefahr, aber wie sah es bei ihm selbst aus?
"Vortrefflich, folgt mir bitte. Ich habe den passenden Raum für das Experiment." Meister Zeph eilte voraus. Er hatte sich den Ranzen nicht auf den Rücken geschwungen, sondern ehrgeizig und voller Tatendrang unter den Arm geklemmt. Seine Schritte waren groß und ausladend, als er quer durch den Hörsaal Richtung Ausgang stakte. Lua folgte mit weniger Enthusiasmus. "Bist du sicher, dass der Wind dich nicht opfern würde, wenn er könnte?" Ja, sie hatte Angst um seine Gesundheit. Bislang gab es zwar keine Anzeichen, dass sich diese Windstimme dazu entschließen könnte, Tahmo etwas anzutun, aber sie schöpfte gehörig von seiner Kraft. Zwischen dem letzten Kontrollverlust seiner Macht und dem gegenwärtigen Augenblick war nicht viel Zeit vergangen. Ihr Schützling hatte weder essen, noch sich lange und ergiebig ausruhen können. Vermutlich war er, was seine magischen Kräfte anbelangte, noch nicht wieder vollauf genesen. Er würde also an seinen Reserven zehren. Wenn das mal gut ging.

Meister Zephyros führte die beiden an weiteren Hörsälen vorbei. In einigen wurde bereits wieder unterrichtet. Obwohl die Hymlianer träumerisch veranlagt waren, besaßen sie zumindest an der Luftakademie einen strengen Unterrichtsplan. Die Studenten und Schüler wurden nach bestem Wissen und Gewissen in die hohe Kunst der Luftmagie eingeweiht und dies geschah und disziplinarischen Methoden. Ein kleiner Teil des Lebens, der von Strenge erfüllt war, aber er zahlte sich letztendlich aus. Die Hymlianer bewiesen große Kenntnis und einen perfekten Umgang mit dem windigsten aller Elemente.
Das Trio durchschritt eine Reihe von Torbögen, die weit nach oben ragte, bis knapp unter die kuppelförmige Decke einer achteckigen Halle. Sechs Türen führten von ihr aus zentral in andere Bereiche der Akademie und neben dem Zugang, durch den Lua, Tahmo und Meister Zeph soeben gekommen waren, existierte noch ein zweiter Korridor, der ebenfalls unter mehreren Bögen hindurch führte. "Das ist die achteckige Halle. Sie führt in mehrere Übungsräume, allesamt perfekt abgesichert für die Nutzung wirklich wilder Luftmagie. Einen dieser Räume werden wir für uns beanspruchen. Ah, ich glaube, Nummer vier ist frei." Der Dozent ging auf eine der Türen zu, die sich in nichts unterschieden. Vermutlich sahen die Zimmer dahinter ebenfalls ähnlich aus. Das, welches die Gruppe nun betrat, war jedenfalls sehr ... geräumig, wenn man es so bezeichnen mochte. Es gab jeweils eine breite Bank an zwei Wänden. Man hatte sie sorgsam am Boden befestigt, direkt in den Stein gegossen. Da müsste schon ein Sturm her, der das ganze Gebäude auseinander nahm, um diese Sitzgelegenheiten zu lösen. Der Raum besaß ausnahmsweise keine Fenster und somit auch keinen Blick auf die Außenwelt, aber das hatte einfache Gründe, die Zeph nun bekannt gab. "So kann kein magischer Wind nach draußen gelangen oder sich die Kraft der Luft von außen herein holen. Wir bekommen nur die Macht des Einzelnen zu spüren, das ist sicherer. Das Ergebnis wird letztendlich dieselben Informationen liefern und darum geht es mir schließlich. Ich brauche nicht zu sehen, welche Macht Ihr besitzt, Junge. Aber ich möchte herausfinden, ob diese Stimme sich meldet." Er wies Lua an, die Tür zu schließen. Es gab einen großen und sehr breiten Riegel, den die Luftmagierin sofort vorschob. Nun war auch der Zugang gesichert. Es sah so aus, als könnte nichts hier großartig verletzt werden, solange Tahmos Magie die Anwesenden nicht herum wirbeln würde. Denn bis auf die bereits erwähnten Bänke und zwei von der Decke hängende Laternen, die als einzige Lichtquellen dienten, gab es hier nichts. Es handelte sich wirklich um einen einfachen Raum zur Demonstration der magischen Fähigkeiten.

"Fangen wird an!" Meister Zephyros klatschte in die Hände und rieb sie aneinander. Er winkte anschließend Lua zu sich, wisperte ihr kurz ein paar Worte zu und sie nickte. Die beiden tauschten sich nur über die Sicherheitsmaßnahmen aus, aber Lua wimmelte die Ratschläge des Dozenten schnell ab. Sie wusste längst, wozu Tahmo imstande war, besser noch als Meister Zeph. Somit hatte sie Erfahrung, wie sie sich im Falle eines vollkommenen Kontrollverlusts zu verhalten hatte. Der Hymlianer nickte. Er wollte das lediglich klargestellt haben. Nun wandte er sich direkt an den Blondschopf aus dem Fischerdorf. "Du erinnerst dich an einen Zauber, bei dem die Stimme zu dir sprach? Genau diesen solltest du jetzt erneut anwenden. Locke sie, bitte sie, sich zu zeigen. Ich möchte wissen, was geschieht. Vielleicht kannst du auch direkt mit ihr sprechen - über ihre Herkunft und Motivation, sich deiner Magie habhaft machen zu wollen. Versuche es, Junge. Wir sitzen in der Nähe und beobachten alles mit Argusaugen."
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Dienstag 16. August 2011, 23:03

Mit eiligen Schritten folgten Lua und Tahmo dem begeistert voranschreitenden Traumforscher durch die hohen Gänge der Luftakademie.
"Bist du sicher, dass der Wind dich nicht opfern würde, wenn er könnte?" Brachte Lua ihre, durchaus berechtigten Zweifel, an der ganzen Sache hervor. Lua schien um Tahmos Unversehrtheit Angst zu haben, was sicherlich nicht unberechtigt war. Keine konnte genau sagen wer diese Stimme war und wie weit sie gehen würde. Ja geschweige denn, was ihr eigentliches Ziel war! Tahmo hörte die Angst in Luas Stimme. Er machte sich selbst auch Gedanken in diese Richtung. Sein Blick wanderte hinüber zu Lua, nach wie vor hielt er Ihre Hand fest in seiner. Unsicherheit stand in seinen Augen und mit der Antwort lies er sich ebenfalls reichlich Zeit. Er wollte Lua nicht beunruhigen, denn immerhin sah er keine andere Möglichkeit. Vielleicht sollten sie ja noch ein wenig warten bis er wieder mehr Kraft hatte. Aber wer wusste schon was in der Zwischenzeit alles passieren konnte! Nein, sie hatten keine Zeit zu verlieren, bei allen möglichen Risiken! …. Zudem verspürte Tahmo neben Angst und Sorge auch eine unbändige Neugierde. Er musste wissen was da nur los war mit ihm! „Mach.... dir keine Sorg'n Lua... das wird scho', wirklich! Un' wenn was is' dann bis' jah du auch noch da.“ Er schenkte ihr ein hoffnungsvolles Lächeln, oder versuchte zumindest seine eigene Unsicherheit damit zu kaschieren.
Es ging stetig weiter. Vorbei an noch mehr Hörsälen, voll mit fleißigen Studenten die dort mit einer Disziplin die man Hymlianern sicherlich nicht sofort zutrauen würde, mit rauchenden Köpfen den Vorträgen des Meisters folgten oder über ihren dicken Wälzern brüteten. Tahmo konnte verstehen warum Lua als Meisterin sicherlich lieber in der Weltgeschichte herum wanderte anstatt hier zu hocken. „Sieht eeecht trock'n aus, Lua... Ich kann mir denkn' warum du hier nich' Unterrichtes'.“ Flüsterte er ihr leise zu, mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Die mächtigen Torbögen durchschreitend, erreichten sie schon bald eine achteckige Halle mit einer hohen, kuppelförmigen Decke. Es schien eine Art Kreuzung zu sein, denn von hier aus führten sechs an den Wänden verteilte Türen in andere Bereiche der Akademie. Staunend drehte sich Tahmo langsam einmal um sich selbst. Wie groß die Akademie wohl wirklich war? Unvorstellbar! Er hatte wirklich noch nie so ein enorm großes und weitläufiges Gebäude gesehen. Zeph erklärte kurz den Nutzen dieses Raumes und der Räume die hinter den Türen lagen. Es waren Übungsräume, gut gesichert sodass man sich wohl richtig in ihnen austoben konnte.

Zum Glück war einer der Übungsräume gerade unbenutzt, also betraten sie diesen. Tahmo staunte erneut, der Raum war ebenfalls sehr groß doch im Gegensatz zu den restlichen Räumen hatte dieser hier keinerlei Fenster, Lücken oder andere Verbindungen zur Außenwelt. Bis auf die wuchtige, solide Tür. Die Wände, der Boden und sogar die zwei Bänken waren Fugenlos ineinander gegoßen. Hier konnte man sicherlich eine unwahrscheinliche magische Kraft entfachen ohne das auch nur ein Kratzer im Bauwerk entstand. Nachdem Zeph noch einmal die Funktion des Raumes erläuterte, Lua anwies die Türe zu schließen und die nötigen Sicherheitsmaßnahmen zu treffen, lies er Tahmo anfangen.
"Du erinnerst dich an einen Zauber, bei dem die Stimme zu dir sprach? Genau diesen solltest du jetzt erneut anwenden. Locke sie, bitte sie, sich zu zeigen. Ich möchte wissen, was geschieht. Vielleicht kannst du auch direkt mit ihr sprechen - über ihre Herkunft und Motivation, sich deiner Magie habhaft machen zu wollen. Versuche es, Junge. Wir sitzen in der Nähe und beobachten alles mit Argusaugen."
Tahmo nickte, er wusste noch genau welcher Zauber das gewesen ist. Aber sollte er ihn wirklich erneut probieren? Nachdenklich schritte er in die Mitte des Raumes, seinen Stab hatte er bei Lua gelassen... nicht das die Stimme am Ende die Machte seines Stabes auch noch nutzen würde. Tahmo konnte nun abermals diesen Wirbelwindtanzzauber wirken... oder es lieber langsam angehen lassen. Der Blondschopf setzte sich für eine Weile nachdenklich auf den Boden. Er fühlte den kühlen, harten Stein unter sich durch die Gewänder hindurch. Ja, hier würde sicherlich nichts nach außen dringen. Mit geschlossenen Augen fing er an ruhig und beständig ein und wieder aus zu atmen. Ein... und aus.... Ein... und aus.... Ein...und aus.... Er lenkte seine Konzentration auf die Luft in ihm und dann auf die Luft um ihm herum. Sofort merkte er den Unterschied zwischen diesem Raum und womöglich allen anderen Orten. Hier herrschte einfach kein Wind! Luft war vorhanden, Luft war ja schließlich überall! Aber dafür ging hier kein einziges Lüftchen... nur die, welche er selber verursachen würde. Die Luft stand regelrecht still, er musste also vollkommen alleine dafür sorgen das sie in fahrt kam! Hier gab es keinen Wind dessen Energie er nutzen konnte. Langsam stand Tahmo wieder auf. Stellte sich ein wenig breitbeinig hin, um einen festen Stand zu haben und fing an tiefer zu atmen. Er bewegte seine Hände von rechts nach links, kreisförmig über seinen Kopf und wieder vor sich von rechts nach links. Er spürte die Luft um sich, wie er sie in Bewegung brachte, wie er die Luftströme formte... und diesmal war das nur er. Kein anderer Wind der mit in den entstehenden Wirbel einwirkte. Nur er ganz alleine. Tahmo wirbelte immer mehr Luft auf, fing an den Zauber zu weben und achtete dieses mal mit Absicht nicht darauf Kontrolle über die Windpartikel zu behalten. Er lies sich gehen, vertiefte sich ganz in den Windtänzerzauber und rief innerlich nach der Stimme das sie doch kommen und mit ihm zaubern würde.... hoffentlich erkannte diese fremde Macht nicht den Plan den Er, Zeph und Lua ausgeheckt hatten.

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Freitag 19. August 2011, 17:41

"Ich werde auf dich aufpassen." Das waren Luas Worte, noch bevor sie den Raum betreten hatten, in dem Tahmo seine Magie freisetzen sollte. Sie hatte seine Hand fest gedrückt und ihm einen so ruhigen Blick geschenkt, bar jeder Sorge, dass es unmöglich an ihm vorüber gezogen sein konnte. Obwohl sie vorher noch offen ihre Angst gezeigt und ihre Sorgen mit ihm geteilt hatte, wusste sie zu diesem Zeitpunkt, dass nur sie ihm die nötige Ruhe geben konnte, die der Blondschopf für seine Zauberei brauchte. Selbstbeherrschung war eine wichtige Eigenschaft für jeden Magier. Also hatte sie auf ihre eigene zurückgegriffen, die Ängste verdrängt und sich nur auf diese Aufgabe konzentriert: Tahmo Mut und Kraft zukommen zu lassen. Sie war zu einem Ruhepol geworden, auf den er sich wirklich verlassen konnte. Und Lua Chii bewahrte diese Ruhe, auch nachdem die Tür des Übungsraumes geschlossen worden war.
Sie hatte Tahmo nicht einmal mehr auf seinen Kommentar geantwortet. Er wusste ja, wie sie zum Lernen in Hörsälen und anhand des Einsatzes ihrer Magie draußen in der Welt dachte. Sie zog Letzteres vor. Es war schon immer ihre Bestimmung gewesen, nicht in einem alten Turm, einer magischen Stadt oder einer Akademie einzustauben. Nein, Lua folgte einem Ruf. Dem Ruf des Windes und der trieb sie hinaus. Was flüsterte er Tahmo zu? Was würde er - oder sie? - sagen, sobald er erneut seine arkanen Kräfte fließen ließ? Darauf kam es jetzt an. Das galt es, herauszufinden. Hoffentlich würde Meister Zephyros die Erkenntnis kommen, damit er dem jungen Magier helfen konnte.

Tahmo setzte sich in die Mitte des Raumes und konzentrierte sich - zuerst auf seine eigene Atmung, dann auf die Luftgegebenheiten. Es herrschte absolute Stille. Meister Zeph und Lua blieben ganz ruhig, Beobachter am Rande seiner Wahrnehmung. Wie in einer einzigen fließenden Bewegung erhob er sich. Die Luft um ihn herum geriet ein wenig in Wallung, das spürte er nun genau, so konzentriert war er. Unter seinen Fingerspitzen kribbelte es leicht, als er begann, die Hände zu bewegen. Er erzeugte einen Hauch von Wind. Seine Haarspitzen zitterten, als läge elektrostatische Spannung in der Luft. Aber es war wohl die Magie, die in ihm ruhte. Oder die Stimme des Windes, die sonst zu ihm sprach?
"Hallo, Tahmo.
Windkind.
Wirst du deine Kondition erhöhen, weil du versuchst, Wind in windstiller Umgebung zu erzeugen?
Du lässt dich gehen - soll ich dir helfen?
Du weißt, ich kann es. Ich kann alles, wenn du mir nur freies Handeln gewährst.
Ich könnte Hymlia vernichten. Ist es das, was du willst?
Was ist schon eine Stadt in den Wolken, eine Welt?
Lass uns ganz Celcia untertan machen.
Der Wind ist auf deiner Seite - lass mich gewähren, Tahmo."
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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Tahmo » Montag 22. August 2011, 00:32

Tahmo fühlte es. Er fühlte die Macht der Arkanen Ströme, den Wind der durch seine Finger glitt, die Arme hinauf und an seinem Kinn brach. Er brachte seine Haare zum Wehen und verfing sich in seiner wallenden Kleidung. Er spürte, roch fast das Knistern in der Luft.... noch nie zuvor war ihm seine Magie so intensiv, so Nahe und so Bewusst vorgekommen. In diesem Raum konnte man tatsächlich seine wahre Kraft erproben und erfahren. Oder lag es daran das er noch ein wenig angeschlagen von seiner letzten Zauberei auf dem Turm war? Er fühlte sich seltsam beschwingt, müde und doch bis in die Haarspitzen gespannt. Als hätte er eine Nacht durchgemacht und würde am Tage danach immer noch wach sein.... und da war sie plötzlich. Erst noch ein Flüstern, leise, aber dann konnte er sie schon deutlich hören. Wo war sie? In ihm? Oder um ihn herum? Er konnte es nicht wirklich sagen....
"Hallo, Tahmo.
Windkind.

flüsterte sie ihm zärtlich erst in sein linkes, dann in sein rechtes Ohr...
Wirst du deine Kondition erhöhen, weil du versuchst, Wind in windstiller Umgebung zu erzeugen?
Ja... ja das will ich... Dachte sich Tahmo leise, immer hoffend das die Stimme nicht die Wahren Gründe erfuhr.
Du lässt dich gehen - soll ich dir helfen?
Du weißt, ich kann es. Ich kann alles, wenn du mir nur freies Handeln gewährst.
Ich könnte Hymlia vernichten. Ist es das, was du willst?
Was ist schon eine Stadt in den Wolken, eine Welt?
Lass uns ganz Celcia untertan machen.
Der Wind ist auf deiner Seite - lass mich gewähren, Tahmo."
Tahmo schluckte, kurz lies er seine Konzentration sinken... nur um sich sofort mit pochenden Herzen wieder komplett und noch mehr als zuvor auf seine Zauberei zu konzentrieren. Weiterhin bewegte er einfach nur harmlos Luft um sich herum... einmal in stärkeren und einmal in weniger starken Wirbeln. Er war nervös, die Worte der Stimme gefielen ihm ganz und gar nicht... sie klang feindselig in seinen Ohren... so feindselig hatte sie noch nie zuvor geklungen. Dennoch, er musste sich zusammenreißen. Die Stimme, was auch immer sie war, durfte keinen Verdacht schöpfen. Er beließ es auch erst einmal bei einem ganz einfachen Zauber den er Kontrollieren konnte, denn immerhin hatte es nicht mehr gebraucht damit die Stimme zu ihm sprach... es brauchte von mal zu mal immer weniger...
„Nein....nein.... 'ch will nix zerstör'n...“ Antwortete er leise in den Wind um sich hinein. „Sag' mir, wer bist du? Wiso' kann'ch dich hör'n un'... was wills' du?“

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Re: Auf der Turmspitze

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 24. August 2011, 14:43

Lua und Meister Zephyros beobachteten Tahmo dabei, als er seine arkane Kraft spielen ließ. Sie bauschte seine Gewänder auf, wirbelte um ihn in fast nicht sichtbaren Bahnen herum und zerzauste sein Haar. Sie zerrte an der Kleidung. Alles sprach für typische Luftmagie, denn beide konnten im Gegensatz zum Blondschopf nicht hören, was ihm der Wind einflüsterte. Sofern er es wirklich war. Die Stimme besaß wieder einen weiblichen Unterton, zudem etwas Lockendes. Ja, so hatte sie sich immer angehört. Jetzt, da er sie erneut vernahm, wusste es Tahmo ganz genau. Sie klang jedes Mal so - verführerisch, frei, ungebändigt. Allein das ungestüme Schwingen und Rauschen in jeder Silbe lockte Freigeister. Aber wohin wollte diese Windstimme ihre Eingefangenen führen? Was wollte sie ihnen offenbaren? Indirekt gab sie es bereits preis, doch wie viele vergaßen die durchschimmernden Pläne dieser Macht, wenn sie ihre betörenden Worte vernahmen? Der Wind wollte Tahmo nutzen, wie einen Kataslysator. Die Magie selbst schien sich nur durch einen solchen wirklich freisetzen zu können. Es hatte den Anschein, aber brauchte etwas so Machtvolles wirklich einen Menschen als Zwischenpart? Sie sprach davon, Hymlia zu vernichten. Sie entwickelte Größenwahn, wollte ganz Celcia dem Erdboden gleich machen. Und dazu brauchte sie jemanden wie Tahmo? Gelang es ihr nicht allein?
Zum Glück wohl nicht, sonst wären sie alle vielleicht längst tot. Aber verhielt sich jede Magie so ... zerstörerisch?

Auch Tahmo kam dies seltsam vor. Er raffte all seine Konzentration zusammen, nachdem sie beinahe eingebrochen wäre. Die Macht dieser Stimme zeigte sich als enormer Widerstand und seine Abngeigung gegenüber dieser Macht stieg. Was sie sagte, gefiel ihm nicht. Sie verlangte von Mal zu Mal mehr von ihm, wurde gefährlicher. Wuchs ihre Macht etwa weiter an? Was würde passieren, wenn sich Tahmo ihr verweigerte? So viele Fragen, doch die Antworten heraus zu finden, konnte mehr als brenzlig werden.
Tahmo beschloss, sich nichts anmerken zu lassen. Trotzdem musste er mehr erfahren. Lua und Meister Zeph konnten nicht nachvollziehen, was geschah. Sie mochten anwesend sein, aber sie sahen das Wesen nicht, genauso wenig wie der Blondschopf. Doch er konnte es hören. Wie musste es für die beiden Zuschauer aussehen? Tatsächlich saßen Lua und Zephyros stumm auf der stabilen Bank und betrachteten Tahmo. Sie ahnten nichts. Sie wussten nicht, dass er sich bereits im Zwiegespräch mit dieser Windsubstanz oder was immer es war beafand. Sie sahen nur einen jungen Magier, der Luft bewegte.
"Nichts zerstören, mächtiger Magus?
Welchen Sinn haben dann deine Kräfte?
Lass mich wirken, ich zeige dir, wie es geht.
Ich zeige dir Macht. Willst du sie haben?
Ich kann dir mehr Macht verleihen als jedem anderen Celcias.
Du könntest größer werden als jeder Luftmagiemeister dieser bedeutungslosen Welt."
Der Wind um Tahmo herum verstärkte sich. Er drang nun unter seine Kleidung, brachte die Haut zum Kribbeln und stellte winzigste Härchen auf. Er durchlüftete seine Kleidung, fegte durch sein Haar wie durch ein Feld golenen Weizens. Er ließ nicht nach und selbst dieser geringe - einfache - Zauber wurde für den jungen Mann zu einer Herausforderung. Es war, als zöge noch jemand an den Fäden, die diese Magie wie eine Marionette zum Tanzen brachte. Er war nicht der alleinige Puppenspieler in diesem Stück. Es gab noch jemanden und der wollte sich nicht vertreiben lassen. Das konnte nicht die Magie sein und auch nicht der Wind. So verhielten sich elementare Kräfte nicht!
"Du willst wissen, wer ich bin?
Ahnst du denn nichts, Windkind?
Kichernd sag ich dir meinen Namen, denn längst bist du mir verfallen.
Du kommst nicht mehr von mir los, kleiner Mensch.
Ich bin die Windsbraut ... und du weißt genau, was ich will.
Also lass es micht tun, Menschenkind.
Lass mich handeln!"
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