Letzte Vorbereitungen

Natürlich wird auch hier fleißig mit Waren gehandelt, welche "vom Boden" beschafft wurden. Aber auch einheimische Waren sind hier zu finden. Es wird getauscht, versteigert und einfach nur verkauft.
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Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Erzähler » Montag 31. Oktober 2011, 07:44

Tahmo kommt von Auf der Turmspitze

Auf dem Marktplatz der Himmelstadt herrschte reges Treiben und obwohl sie so weit über allen anderen Städten schwebten, mit denen ein Handel erst möglich gewesen wäre, schienen sie genug anbieten zu können, um ihresgleichen auf sich aufmerksam zu machen. Geschäfte betrieben die Hymlianer wohl nicht oder wenn, dann nur hier und dort mal ein kleines zwischen den Wohnhäusern. Nein, das Hauptaugenmerk lag auf dem Markt. Dort traf man sich, tauschte neben Waren und Dienstleistungen auch Informationen aus. Die Hymlianer waren ein geselliges, freundliches Volk. Sie saßen gerne beisammen, unterhielten sich und lachten miteinander.
Hier und da konnte man aber auch den ein oder anderen Verträumten sehen. Auf einem erhöhten Mauervorsprung hockte ein Junge, einen kleinen Vogel auf seiner Schulter sitzend. Das Federtier trällerte ihm ein Liedchen und der Junge hielt genüsslich lauschend die Augen geschlossen. Andernorts sah man mehrere, in dünne Seidengewänder gehüllte Frauen, die beinahe ebenso munter vor sich hin zwitscherten. Sie redeten auf eine junge Frau in ihrer Mitte ein, die stolz die neueste Kollektion des ansässigen Schuhmachers präsentierte. Feinste Seidenpantoffeln, die sich bis knapp unters Knie mit gleichermaßen feinen Bändern schnüren ließen. An wieder anderer Stelle tollten Kinder herum. Sie warfen sich etwas zu, das an einen Lederball erinnerte, nur wirkte es weicher, war weiß und zog einen flauschigen Schweif hinter sich her. Sie jauchzten und lachten. Der Tag gehörte ihnen.

Inmitten dieser bunten Idylle spazierten Lua und Tahmo. Ihre Gedanken mochten nicht ganz so heiter sein, aber zumindest Lua konnte sie soweit unterdrücken, dass sie sich auf ihr Ziel konzentrieren konnte. In Tahmos Körper steckte ein Dämon, ein Wurm. Er nannte sich die Windsbraut und versuchte, ihn zu beeinflussen, wenn er Luftmagie wirkte. Solange er nicht zauberte, waren sie offenbar sicher. Ein Dozent der Magierakademie Hymlias, Meister Zephyros, hatte ihnen soweit weiterhelfen können, als dass er glaubte, eine Lösung sei in Grandessas Hauptstadt zu finden. Dort gäbe es einen Zirkel der Ritualmagier, die sich auf Dämonen spezialisiert hätten. Dort musste man doch eine Möglichkeit kennen, die Windsbraut auszutreiben. Aber ehe es wieder hinab auf celcianischen Boden ging, mussten Lua und Tahmo ihre Reserven aufstocken.
Die Luftmagierin schaute sich um. "Es wäre auch nicht falsch, neue Kleidung zu kaufen. Jedenfalls ich würde mir gerne einen neuen Umhang zulegen. Mein alter ist total zerschlissen." Sie zeigte auf einige ausgefranste Stellen. "Und Proviant brauchen wir, außerdem vielleicht auch noch etwas für ... oh, Faro!" Den Namen des Ponys rief sie lauthals über den Platz, dass sich einige Hymlianer verwirrt nach ihr umguckten. Eben jenes Pony stand bei einem der hymlianischen Verkäufer, den Kopf gerade tief in einen Sack steckend und kauend wieder zum Vorschein kommend. Ein verzweifelt dreinblickender Ikarus, der zusätzlich noch Nachtwind - Luas Pferd - am Zügel hielt, versuchte vergeblich, Faro vom Fressen abzuhalten. Außerdem saß ihm ein Hymlianer im Nacken, bei dem es sich vermutlich um den Verkäufer handelte. Er trug eine weiße Schürze und warf immer wieder die Hände über den Kopf.
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Re: Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Tahmo » Sonntag 20. November 2011, 18:12

Tahmo griff nach Luas Hand. Schmiegte seine Handfläche in die Ihrige um sie sanft fest zu halten. Nicht zu stark, aber gerade so das er nicht den Anschluss verlieren konnte während er neben ihr her trottete. Das bunte Treiben des Marktplatzes von Hymlia brach über ihn herein und laute Klänge sowie bunte Farben umhüllten ihn nun wie ein dichter Schleier. Es war fast einem Wunder gleich, vor allem wenn man Tahmos Neugierde gegenüber solch einem Treiben kannte, das der Blondschopf dem allen nicht wirklich viel Beachtung schenkte. Er war müde, seine Gedanken hingen halb bei der Dämonensache und seine Augen waren meistens nach vorne oder nach unten auf seine und Luas Hand gerichtet. Ja, er war sonst nicht so das er zu lange mit den Gedanken an einer Sache hing. Aber der Dämon beschäftigte ihn wirklich enorm. Nachdenklichkeit zählte sonst eher nicht zu seinem sonnigen, windigen Gemüt. Sogar das warme Kribbeln seines Stabs, welchen er in der Linken wie einen Gehstock neben her führte und dessen hartes Ende in einem gleichmäßigen Takt zu seinem und Luas Tempo auf den Boden klackerte, nahm er nur irgendwo am Rande wahr. Überall um ihn herum feilschten währenddessen Händler und Käufer eifrig miteinander. Entstanden hitzige Debatten, wurde der neueste Tratsch ausgetauscht und spielten Kinder ausgelassen miteinander.

"Es wäre auch nicht falsch, neue Kleidung zu kaufen. Jedenfalls ich würde mir gerne einen neuen Umhang zulegen. Mein alter ist total zerschlissen."
Tahmo blickte blinzelnd auf. Musterte Luas Umhang, dann seine Kleidung.
„Mhjah... 'n neuer Umhang, klar... Jah der sieht echt bissl' Löchrig aus.“
Lua zeigte Tahmo ein paar der ausgefransten Stellen, "Und Proviant brauchen wir, außerdem vielleicht auch noch etwas für ... oh, Faro!"
Tahmo zuckte kurz etwas erschrocken zusammen, als Lua den Namen des Ponys erschrocken und laut über den Platz rief. Das war nun doch einmal ein Grund für den Blondschopf seine Momentanen Gedanken zumindest kurz ruhen zu lassen und seine Sinne auf die Umgebung zu lenken. Und was er da sah versprach nur noch mehr Probleme. Mit genervter Verzweiflung seufzte er auf, lies Luas Hand los und eilte stürzend über den halben Platz nur um sich energisch an Faros dicken Ponyhals zu klammern. „Faroooo! Mensch...Pferd! Was mach's du? Die kost'n sicher heftig viel... lass' … weg....da...!“ Mit aller Kraft versuchte er sein Pony mitsamt dessen Kopf von den Leckerbissen in diesem Sack und vor allem von diesem Stand zu zerren. Ein maßgeblich überforderter Ikarus stand daneben, konnte Nachtwind gerade noch davon abhalten sich ebenfalls wie Faro über den Gemüsestand her zu machen, schaffte es jedoch trotz aller Bemühungen den guten alten Faro eben nicht davon ab zu bringen. Was kein Wunder war, denn dieses Pony war eben so stur wie ein Fels und wenn er fressen wollte, so fraß er. Da konnte sicherlich ganz Celcia nebenbei unter gehen.... Faro würde sich lediglich über das plötzliche Nichtvorhandensein von Kohlköpfen mit lautem Wiehern beschweren.
„Tut mir echt Leid! Er's.... sehr verfress'n!“ Rief Tahmo dem entsetzten Verkäufer zu. Langsam schaffte er es Faro von der Auslage hinfort zu zerren.... was wohl in erster Linie daran lag das nichts nennenswertes mehr übrig war.

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Re: Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. November 2011, 10:36

Die Luftmagierin spürte, dass etwas mit ihrem Liebsten nicht stimmte. Sie kannten einander schon eine ganze Weile, hatten genug Abenteuer erlebt, um einen Tavernenabend mit spannenden Geschichten zu füllen. Heute erlebte sie ihn allerdings zum ersten mal sehr ruhig und nachdenklich, aber wer konnte es Tahmo verübeln? In ihm hauste ein Dämon, eine seltsame Kreatur aus anderen Welten, von denen die wenigsten Celcianer auch nur ansatzweise eine Ahnung hatten. Lua und Tahmo zählten dazu. Sie konnten mit Dämonen und dem Harax nur wenig anfangen. Umso unbehaglicher musste sich der junge Luftmagier fühlen.
Lua führte ihn über den hymlianischen Marktplatz, drückte hin und wieder seine Hand. Ich bin bei dir, signalisierte sie, um ihm ein wenig Mut zu machen. Leider konnte auch sie nicht mehr tun. Noch nicht. Sie mussten letzte Vorbereitungen treffen und dann - hoffentlich mit Ikarus' Hilfe - von Hymlia aus aufbrechen. Es würde sie zurück auf festen Untergrund führen, aber wieder in eine Welt, die ihnen beiden fremd war. Lua hatte das Königreich Grandessa nie zuvor betreten. So weit in den Süden war sie nicht gekommen. Folglich kannte sie auch den Zirkel der Ritualmagier nicht, wusste nicht, ob man ihnen dort wirklich helfen konnte. Es war der letzte Strohhalm, nach dem sie griffen.
Welch finstere und bedrückende Gedanken! Erneut festigte sie kurz den Griff um Tahmos Finger, ließ dann wieder locker und schaute über ihre schmale Schulter hinweg zu ihm zurück. Sie rang sich ein aufmunterndes Lächeln ab. "Kopf hoch", meinte sie nur kurz, versuchte anschließend ihn mit ein bisschen Kaufrausch abzulenken. Man musste schließlich gut gerüstet sein, so lautete jetzt die Devise. Außerdem war es zumindest bei Lua bitter nötig. Selbst Tahmo bemerkte, dass ihr Umhang unter den Abenteuern gelitten hatte und wenn man mal an seine von Spinnenschleim verseuchte Hose zurückdachte, konnte es nicht schaden, wenn er sich ebenfalls neu eindeckte. Hoffentlich reichte das Geld noch aus, obgleich die Luftmagierin zuversichtlich war, auch Tauschhandel betreiben zu können. Womit, war dann nur die nächste Frage. Viel besaßen Tahmo und sie nämlich nicht. Das Wenige, was sie ihr Hab und Gut nennen konnten, war zerschlissen oder man wollte es nicht hergeben. So zum Beispiel Faro, der plötzlich wie durch ein Wunder mitten zwischen all den Hymlianern, ihren Ständen und Waren stand.

Das Pony reckte die Ohren, schlackerte kurz damit, ließ sich aber von seiner Tätigkeit nicht ablenken. Schmeckte hier schließlich auch alles viel zu köstlich. Freunde konnte er immer noch begrüßen, wenn die verbotenen Waren aufgefressen waren. Ikarus, der direkt neben ihm stand, verzweifelte. Er schaffte es nicht, das Pony von den Nahrungsmitteln weg zu zerren und auch der hymlianische Händler wusste nicht mehr weiter. Anders als einer seiner Kollegen aus Pelgar, Andunie oder beispielsweise Sarma entfachte sich bei ihm kein Zorn über das Tier oder den Halter. Er zeterte nicht und schimpfte auch keinen von beiden aus. Vielmehr stand er ratlos da, eine Hand in die Hüfte gestemmt, mit der anderen kratzte er sich am Kopf.
Doch nun kam der richtige Besitzer Faros heran gelaufen. Wenn man bei einer Freundschaft wie der zwischen dem Pony und Tahmo überhaupt von Besitz sprechen konnte. Die beiden verband etwas auf anderer Ebene. Daher reagierte das Pony auch anders, als sein bester Freund endlich bei ihm auftauchte. Es hob den Kopf, ließ von den Waren ab und drückte sich gegen Tahmo - das Gemüse war ohnehin ratzekahl weggeputzt. Rührselig schnaubte es, dass es dem Blondschopf die Haare nur noch mehr zerzauste. Faro ließ sich nun problemlos beiseite führen. Für den liebsten Gefährten gab es Leckereien gern auf, vor allem, weil er ihm doch schon gefehlt hatte. Sanft wieherte das Pony, zeigte Stand und Händler nun den breiten Hintern. Er hatte eine neue Beschäftigung gefunden, nämlich fröhlich an Tahmos Schulter zu knabbern und zu zupfen. Eine Form der Liebkosung.
Nun folgte auch Nachtwind, den eher die Neugier und ein fragender Blick, ob Lua in der Nähe war, lockten als eine Begrüßung durch den blonden Luftmagus.

"Endlich! Dieses flügellose Pferd hat mir die Auslegware eines ganzen Tages weggefressen." Der Händler betrachtete sich seufzend den Stand - ein paar abgenagte Obstschalen, die Faro ganz offensichtlich verschmäht hatte, lagen noch verstreut. Der Sack erfreute sich noch seines Inhalts. Die Hälfte war verschont geblieben. Der arme Mann ließ den Kopf hängen. Ikarus trat an ihn heran und versuchte zu schlichten. Beide Männer unterhielten sich in ihrer Muttersprache, so dass Tahmo nur noch das Ergebnis mitgeteilt wurde.
"Kannst du ihm als Entschädigung mehr als eine Entschuldigung anbieten?", fragte der Hymlianer schließlich in die Richtung des eigentlichen Pferdebesitzers. Er selbst rollte mit der rechten Schulter. "Ich werde für den Händler nach unten zu den Bodenweltlern fliegen und ihm neue Gemüsesamen beschaffen. Das ist das Mindeste, denn irgendwo ist es auch meine Schuld."
Endlich näherte sich auch Lua. Sie schloss Nachtwind in ihre Arme, wenngleich das große Tier weniger emotional reagierte als Faro. Es ließ sich aber sehr gern den Hals kraulen und war auch brav gewesen im Gegensatz zu dem gefräßigen Pony.
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Re: Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 8. Dezember 2011, 19:45

Er wollte schon fast mit Faro schimpfen, ihn für sein Benehmen rügen... Wobei es sicherlich fragenswert wäre ob dies bei einem Pony überhaupt sinnvoll war. Aber als Faro seinen dicken Kopf begleitet von sanften, begrüßenden wiehern gegen Tahmos Oberkörper drückte und sanft am Tunikastoff an seiner Schulter knabberte... war sämtlicher Groll vergessen. Tahmo seufzte, legte seine Arme um Faros Kopf und schmiegte seine Wange an dessen Stirn. „Wie kan'ch dir nur bös' sein“ Murmelte er leise mit geschlossenen Augen. Seine Hände wanderten zu Faros Hals um ihn dort zu kraulen und erst nachdem er seinen Freund ausreichend begrüßt hatte wandte er sich wieder dem Verkäufer, Lua, Ikarus und dem restlichen Tumult zu. Er lehnte sich an Faros Flanke, sein Blick wanderte über den halb abgerissenen Stand. Überall lagen sauber angeknabberte Schalen und geleerte Kisten herum. Tahmo rieb sich beschämt den Hinterkopf.
"Kannst du ihm als Entschädigung mehr als eine Entschuldigung anbieten?" fragte ihn Ikarus, woraufhin Tahmo nur den Kopf schütteln konnte. „Nein.... leider... denk' nicht, nein. Ich könnt' helfn' den Stand wieder auf zu baun'“
Ikarus lies seine rechte Schulter rollen, blickte wieder zu dem Händler und sprach: "Ich werde für den Händler nach unten zu den Bodenweltlern fliegen und ihm neue Gemüsesamen beschaffen. Das ist das Mindeste, denn irgendwo ist es auch meine Schuld."

Tahmo blinzelte. Ein leichtes Lächeln stahl sich auf seine Lippen ehe er eifrig nickte. „Ja, gute Idee. Wir nehm'n einfach von untn' ein paar neue Sam'n mit! Was meins' du dazu Lua?"

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Re: Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Erzähler » Freitag 9. Dezember 2011, 16:11

Bei einem Pony wie Faro wäre ein Tadel sicherlich auf fruchtbaren Boden gestoßen. Zumindest in der Hinsicht, dass das Tier es irgendwo verstanden hätte. Faro war nicht dumm, ganz und gar nicht. Er hätte genau gewusst, weshalb Tahmo ihn gescholten hätte. Dass sich daraufhin seine Selbstbeherrschung in Gegenwart eines Haufens an Leckereien gebessert hätte, blieb jedoch mehr als fraglich. Aber Tahmo schimpfte nicht und das hatte Faro ebenfalls seiner Intelligenz, genauer gesagt seiner Gerissenheit, zu verdanken. Letztendlich zählte aber auch die aufrichtige Freude des Wiedersehens mit dem jungen Mann. Das Pony hatte den Blondschopf ehrlich vermisst, war froh, sich mal wieder so richtig an ihn pressen und kraulen lassen zu können. Die Hymlianer beherrschten Streicheleinheiten zwar ebenfalls, aber sie kannte Faro nicht. Er war lieber mit Tahmo zusammen.
Die Umstehenden gönnten beiden die Zeit ihrer Wiedersehensfreude, selbst der Händler griff nicht ein. Er war froh, den Vielfraß erst einmal vom Rest seiner Waren fort zu wissen und dass sie ihn vorerst nicht ablenkten. Rasch begann er sogar damit, die übrigen Säcke hinter dem Stand zu verstauen. Man musste Faro nicht unnötig in Versuchung führen. Er war noch immer damit beschäftigt, als sich Tahmo endlich von seinem Pony löste und zu den anderen gesellte. Ikarus blickte ihn entschuldigend und zugleich auch hilfesuchend an. Sicher konnte der junge Luftmagier genau verstehen und nachvollziehen, dass man das Pony nicht hatte aufhalten können. Trotzdem hatte der Hymlianer ein schlechtes Gewissen. "Ich hätte ihn nicht auf den Markt mitnehmen sollen", entschuldigte er sich nun auch bei Tahmo. "Ich wollte ihm allerdings Auslauf gönnen."
"Den wird er bald wieder haben", entgegnete Lua. "Wir müssen auf celcianischen Boden zurück, Ikarus. Kannst du uns nochmals mit deiner Zauberei helfen?"
"Natürlich." Der Hymlianer nickte. Das war das Mindeste, was er für seinen kleinen Fehler nun tun konnte. Jedoch würde es den Händler dadurch nicht glücklicher machen. Sein Angebot hatte sich auf ein Minimum reduziert. Wie sollte er nun sich und möglicherweise auch seine Familie ernähren, sofern er eine besaß? Ihm fehlten nun die Einnahmen eines ganzen Tages, denn für so viel hatte Faro gefressen. Tahmo wusste nicht, was man dem armen Mann als Entschädigung bieten konnte. Beim Vorschlag, seinen Stand wieder aufbauen zu helfen und nachdem Ikarus für seinen Mitbürger übersetzt hatte, schüttelte der Verkäufer den Kopf. "Den habe ich schnell wieder stehen, allerdings wird er fast leer sein." Er seufzte, stand er doch noch immer vor einem gewaltigen Problem.
Lua trat an seine Seite, tätschelte dem Mann die Schulter und sprach ihm leise Entschuldigungen, aber auch Hoffnung zu. Sie würden eine Lösung finden. Hoffentlich.
Ikarus fühlte sich beschämt, hatte aber auch eine Idee. Er wollte dem Händler neue Pflanzensamen vom Boden mitbringen. Als dieser das hörte, nickte er. "Darüber ließe sich verhandeln. Ich baue nicht alles an, es müssten also ausgewählte Gemüsesamen sein. Kohl, Salat und Paprika. Ach und natürlich eine ganze Stange Möhren. Die verkaufen sich gut."
Tahmo und Lua zeigten sich ebenfalls einverstanden. "Wir werden nicht nur Samen mitbringen", gelobte die Luftmagierin. "Sicherlich finden wir auch einen ganzen Korb an Obst und Gemüse. Vielleicht auch etwas Fleisch?" Erneut übersetzte Ikarus.
"Ich esse kein Fleisch, das ist nicht nötig - aber mit dem Obst gebe ich mich zufrieden."
"Dann ist es abgemacht." Lua reichte dem Verkäufer die Hand und beide besiegelten das Geschäft durch kräftiges Schütteln. Dann entfernte man sich von dem nun leeren Gemüsestand. Lua wollte schließlich noch neue Kleidung kaufen. Ikarus schloss sich den beiden an und dass Faro nun gemächlich schmatzend mit trottete, war selbstverständlich.

Tahmo kam nun in den Genuss echter hymlianischer Schneiderkunst. Die Gruppe erreichte einen halbmondförmigen Verkaufsstand, über dem eine bunte Markise gespannt war. Stoffe lagen in aufgerollten Ballen zum Verkauf bereit, es fanden sich aber auch fertige Kleidungsstücke. Lua schwärmte sofort für einen Gürtel aus weißem Leder, in den mit feinster Handarbeit und sicherlich stundenlangem Aufwand kleine Pegasi aus goldenem Faden hinein gestickt worden waren. Jeweils ein Auge eines Pegasus ergab ein Loch im Gürtel. Die Schnalle war aus poliertem Messing und glänzte hübsch in der Sonne.
Ikarus hielt plötzlich ein hellblaues Seidenhemd vor Tahmos Brust. "Das könnte dir stehen, Freund. Vor allem die Silberknöpfe passen zu dir." Sie waren rund und reicht verziert. Jeder einzelne Knopf mochte ein Vermögen wert sein. War diese Kleidung überhaupt bezahlbar? "Oh, Ikarus, du hast Recht! Tahmo, du sähest in dem Hemd sicher noch stattlicher aus als jetzt schon." Lua grinste ihn verschmitzt an. Sie schnappte sich das Hemd und legte es sich über den Arm. Anschließend stöberte sie noch für sich nach einem Kleidungsstück. Sie betrachtete sich zwar mehr als einmal die wunderschönen langen Gewänder, in denen sie auf einem Bankett sicherlich eine mehr als bezaubernde Figur abgegeben hätte, entschied sich aber letztendlich für etwas Praktisches. In feinen Seidenkleidern konnte man keine Abenteuer erleben.
Lua kaufte den Gürtel, das Hemd für Tahmo und eine blauweiße Tunika für sich mit farblich passender Hose aus dünnem Stoff. Hinzu kam noch ein Satz grauer Mäntel, deren Kragen und Ärmelsäume mit weißen Federrändern berziert waren. Es sah aus, als würde der Träger sich in ein Federgewand hüllen. Sogar die Knöpfe, die den Mantel zusammenhielten, besaßen die Form kleiner Federn.
"Hymlianische Falkenmäntel", lächelte Ikarus, "auch wenn die Federn nicht nur von diesen Prachtvögeln stammen. Gut. Sind wir soweit? Dann könnten wir heute noch aufbrechen und den Boden gegen Nachmittag erreicht haben. Kommt natürlich drauf an, wo ihr hin wollt."
"Wir sind soweit", sagte Lua, die sofort ihren Falkenmantel anprobieren musste. "Allerdings geht es dieses Mal nicht in den Urwald. Wir müssen in ein Königreich namens Grandessa. Wegen Tahmo." Ein kurzer, sorgenvoller Blick streifte den Blondschopf. Ikarus wusste ja noch nicht, weshalb. Er ahnte nicht, dass ein Dämon in diesem jungen Mann schlummerte, der Luas Herz so bezaubert hatte. Aber er ahnte, wie lang eine Reise nach Grandessa dauern könnte. "Also dich der frühe Abend", meinte er. "Schneller wird es nicht gehen."
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Re: Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Tahmo » Freitag 30. Dezember 2011, 14:20

Kohl, Salat, Paprika und Möhren sollten also als Entschädigung für den Händler mitgebracht werden. Tahmo atmete auf, er hatte schon mit unglaublichen Summen gerechnet, sah sich in Gedanken schon wieder in irgendeiner miefigen Tavernenküche stehen um Teller abzuwaschen, nur um auf kleine Kobolde zu treffen die nur Unsinn im Kopf hatten... Wobei er im selben Augenblick bezweifelte ob man hier in Hymlia miefige Tavernen überhaupt kannte. Dennoch, das war eine leichte Aufgabe. Kohlsamen konnte man in jedem noch so kleinen Dorf erstehen, war Kohl doch die unfreiwillige Lieblingsspeiße der eher einfachen Bevölkerung. Mit Salat und Möhren verhielt es sich ähnlich, nur bei den Paprikasamen würden es schwieriger werden. Solcherlei Gemüse gab es eher in den größeren Städten und war sicherlich auch nicht billig. Aber ihm würde schon etwas einfallen. Mit einem freundlichen Nicken entschuldigte er sich erneut bei dem Händler, ehe er, Faro und Ikarus weiter zogen. Eigentlich wäre Tahmo froh gewesen ein wenig Ruhe zu finden, etwas zu speißen und vielleicht ein klein wenig zu schlafen. Lua jedoch wurde auf einmal von einem Stand mit Kleidern magisch angezogen. Tahmo hatte sich noch nie großartig etwas aus modischen Stilrichtungen oder edlen Stoffen gemacht. Für soetwas hatte damals keiner im Fischerdorf Verständnis gehabt, nicht einmal er. Kleidung hatte für ihn praktisch und Widerstandsfähig zu sein und wenn möglich sollte sie aus bläulichem Stoff bestehen. War dies doch seine Lieblingsfarbe.

Dennoch stand er schon wenige Augenblicke später an einem halbmondförmigen Verkaufsstand auf dem allerlei bunte Stoffe und Kleidungsstücke lagen, oder an geschwungenen Kleiderbügeln von der ebenso bunten Markise baumelten. Misstrauisch beäugte Tahmo abermals diesen halb durchsichtigen Kleidungsstil der Hymlianer. Er war zwar nicht unbedingt verklemmt, oder gar Bider... dennoch besaß er etwas das man als ausgeprägtes gesundes Schamgefühl bezeichnen konnte. Aus den Augenwinkeln entdeckte er ein besonders freizügiges Kleid. Es bestand aus einem halb durchsichtigen, leicht rosafarbenen Stoff. Hatte einen sehr tiefen und weit nach unten reichenden, V-förmigen Ausschnitt, sowie schlitzartige Öffnungen an den Seiten. Das Kleid hing am äußersten Ende des Standes, auf einem geschwungen geformten Kleiderbügel den man am Markissendach befestigt hatte. So stach es jedem gleich ins Auge. Tahmo ging darauf zu, musterte es aus nächster Nähe, sah sich ein paarmal zu allen Seiten hin verstohlen um und... strich vorsichtig mit seinen Fingern über den Stoff. Er fühlte sich äußerst weich an, ungefähr so weich mussten Wolken sein. Tahmo lächelte, fuhr mit der Hand nun hinter den Stoff und stellte fest das man an einigen Stellen erstaunlich gut hindurch sehen konnte, an anderen jedoch weniger. Der Stoff musste also unterschiedlich dicht sein. Ein Gedankenbild schoss hinter seiner Stirn vorbei. Er stellte sich Lua in diesem Kleid vor, woraufhin seine Wangen etwas an Röte erlangten. Ein Umstand der in seinem durch die Strapazen der letzten Stunden blass gezeichneten Gesicht deutlich zu sehen war. Tahmo vernahm ein verhaltenes, mehrstimmiges Kichern in direkter Umgebung. Blinzelnd verschwand das Gedankenbild, er sah sich um und bemerkte eine Gruppe von 3 Mädchen die ihn beobachtet hatten und anhand seiner Reaktion nun miteinander tuschelnd kicherten. Natürlich hatten sie keine Ahnung was Tahmo gerade gedacht hatte, sie sahen nur einen jungen Mann mit einfacher, grober Kleidung der recht müde aussah und ein äußerst edles Kleid streichelte was ihm scheinbar die Röte ins Gesicht stieg. Dies wurde auch Tahmo bewusst, weshalb er sich sogleich auf der Stelle hastig umdrehte und dem Grüppchen seinen Rücken zuwandte, nur um aufgrund der Peinlichkeit dieser Situation noch einen Funken mehr Rot im Gesicht zu bekommen. Tahmos Blick huschte gerade zu Lua hinüber, die einen edlen weissen Ledergürtel mit kleinen Pegasi darauf bewunderte, ehe ihm Ikarus just in diesem Moment ein hellblaues Hemd mit einer silbernen Knopfleiste an den Ärmeln vor die Brust hielt "Das könnte dir stehen, Freund. Vor allem die Silberknöpfe passen zu dir." ... was natürlich zu erneutem, dieses mal weniger verhaltenem, Gruppengekicher hinter Tahmos Rücken führte. Der Blondschopf seufzte.
"Oh, Ikarus, du hast Recht! Tahmo, du sähest in dem Hemd sicher noch stattlicher aus als jetzt schon." Meinte nun auch Lua. Tahmo blickte zu ihr, sie wirkte wirklich begeistert und ehe er auch nur einen Einwand erheben konnte, hatte Lua das Hemd schon über ihre Schulter gelegt. Tahmo kratzte sich den Hinterkopf, freute sich immer mehr auf ein wenig Ruhe. Hatten sie überhaupt genügend Geld dafür? Sicherlich würde Ikarus das alles bezahlen... Sie standen schon wirklich tief in dessen Schuld was Tahmo gar nicht behagte. Er wollte dem Reiter dafür eines Tages danken. Er lies sie bei sich schlafen, gab ihnen Essen und bezahlte Sachen für sie. Er sollte Lua wirklich einmal fragen woher sie ihn kannte. Tahmo wollte gerade zu den Beiden hinüber gehen, als ihm eine Schatulle mit kleinen Anhängern ins Auge viel. Es war die Einzige Schmuckschatulle die es hier an diesem Stand gab und ihr Inhalt schien auch nicht so enorm Teuer zu sein. Vielleicht sollte er.... Auf die Gefahr hin erneutes Gekicher zu provozieren näherte er sich der Schatulle, schielte hinein, kramte vorsichtig herum und.. zog einen kleinen Pegasus aus blauem Stein hervor. Zumindest vermutete Tahmo das er aus Stein bestand. Der Pegassus war vielleicht so groß wie ein Daumen und hatte am Rücken eine Öse an der man eine Schnur hindurch ziehen konnte. Tahmo grinste, ihm viel ein wie begeistert Lua vorhin die Pegasi auf dem Gürtel betrachtet hatte und guckte sogleich nach dem Preis. Ein Schild stand vor der Schatulle auf dem eine große Eins abgebildet war. Tahmo war sich nicht sicher, um welche Währung es sich hier handelte. Ob nun Lysanthemer oder Fuchsmünzen gemeint waren, oder irgend eine andere Währung. Er guckte in seinen Beutel, dort fand er nur noch Zwei Lysanthemer und neun Fuchsmünzen. Da er nicht glaubte das so etwas kostbar wirkendes nur eine einfache Fuchsmünze kostete... kramte er einen Lysanthemer hervor. Er suchte den Verkäufer und bot diesem die Münze an. Der Mann beäugte diese erst, fragte Tahmo etwas auf Hymlianisch woraufhin dieser nur verständnislos den Kopf schütteln konnte aber Tahmos Geld letztendlich annahm. Tahmo war sich nicht sicher ob er nun einen guten, oder einen schlechten Kauf gemacht hatte... er hoffte jedoch das sich Lua über das kleine Geschenk freuen würde. Schnell versteckte er es in seinem kleinen Beutel welcher an seinem Ledergürtel befestigt war und ging zu seinen Freunden.

Lua kaufte gerade das von Ihr und Ikarus ausgesuchte Hemd für Tahmo, sowie eine eigene blauweiße Tunika mit passender Hose und Gürtel. Tahmo fragte sich kurz ob es so ein ähnliches Kleidungsstück war wie das was er bewundert hatte. Dazu kamen noch ein paar seltsame graue Mäntel die, auf den ersten Blick wie ganz normale Umhänge wirkten so wie man sie oft bei Reisenden antraf, bei genauerem hinsehen entpuppten sie sich jedoch als, wie Ikarus sie nannte 'Hymlianische Falkenmäntel. Tahmo staunte, diese Mäntel gefielen ihm. Sie hatten etwas imposantes an sich, auch wenn er selbst keine weißen Federn gewählt hätte.
Sie verliesen nun also den Markt, besprachen ihre Abreise, auch das sie nach Grandessa mussten. Verschwiegen Ikarus jedoch den Grund ihrer Reise zu diesem wohl weit entlegenen Winkel Celcias.
"Also doch der frühe Abend", meinte Ikarus letztendlich. Schneller würden sie wohl kaum loskommen. Tahmo hatte nichts dagegen einzuwenden, somit konnte er sich zumindest noch ein paar Stunden ausruhen... sofern er den Stand der Sonne richtig einschätzte.
„Früher Abend is' in Ordnung.... ich brauch', ehrlich gesag', 'n klein wenig Schlaf noch vorher.“ Meldete er sich zu Wort und schlüpfte ebenfalls in einen Falkenmantel. Sofort bemerkte er wie angenehm sie zu tragen waren.

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Re: Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Erzähler » Freitag 6. Januar 2012, 23:07

Nicht jedes Abenteuer lief letztendlich darauf hinaus, bösartige Ungeheuer zu besiegen, Jungfrauen zu retten oder seltene Artefakte zu bergen. Dieses Mal sollten es nur Obst und Gemüse sein. Der Händler würde darauf allerdings eine Weile warten müssen. Er konnte sich nur auf Ikarus verlassen, dass der Hymlianer auch die beiden Gäste der Wolkenstadt im Auge behielt. Jemand wie er und die kleine Bitte nach neuem Gemüse konnten so schnell vergessen werden! Vielleicht kämen Lua Chii und Tahmo auch nicht mehr so schnell nach Hymlia zurück. Es würde sich zeigen, wie dieses Abenteuer ausging. Jetzt kehrte man zunächst auf einen alten Pfad zurück. Tahmo war immer noch von der Windsbraut besessen. Man musste nach Grandessa reisen, in der Hoffnung, ihm helfen zu können.
Dass ihm modische Kleidung hierbei wenig hilfreich wäre, schien zumindest ihm ersichtlich. Trotzdem ließ es sich Lua nicht nehmen, für sich und Tahmo einige Kleidungsstücke heraus zu suchen. Dabei ging sie letztendlich nicht nur nach ihrem persönlichen Geschmack vor. Praktisch musste es auch für sie sein. Robuste Kleidung, die sie vor Wetterbedingungen schützte. Danach stand ihr der Sinn und daher wählte sie einen hymlianischen Falkenmantel aus. Während sie sich noch weiter umschaute, war ihrem Liebsten und Schüler ein Schmuckkästchen ins Auge gefallen. Besonders gefiel ihm der Pegasus, der im Licht wunderschön blau schimmerte. Sofort, wenn auch mit ein wenig Sprachschwierigkeiten, kaufte Tahmo den Anhänger. Er sollte zu einem Geschenk für Lua werden, die nichts von der Transaktion bemerkt hatte.

Sie alle schienen genug gekauft zu haben und Ikarus schätzte die Zeit ab, wann sie an ihrem Zielort ankämen. Tahmo musste hierbei wohl etwas falsch verstanden haben. Der Hymlianer hob augenblicklich die Hände. "Moment, Moment! Ich meinte, wenn wir jetzt los fliegen, können wir Grandessa am Abend erreichen und das natürlich vorausgesetzt, es gibt kein Unwetter."
Lua warf einen Seitenblick zu Tahmo herüber. Er wirkte tatsächlich ein wenig erschöpft. Der Schock musste ihm noch tief in den Gliedern sitzen. Sein Gesicht war blass, aber die Wangen schimmerten leicht rötlich. Ohne jegliche Vorwarnung streckte sie ihre Hand aus und berührte ihn sanft. "Fieber hast du keines. Deine Augen sind auch nicht glasig, nur ein wenig trüb. Du musst sehr müde sein." Fürsorglich strich sie ihm einen Büschel Strähnen aus der Stirn. Weniger, damit er besser aussah, sondern vielmehr, weil sie ihre Finger gern durch sein Haar gleiten ließ. Sie mochte den Lichteinfall, wenn sich die blonden Strähnen unter ihrem Pflug von einem Finger zerteilte. "Glaubst du, du könntest hinter mir auf Nachtwind etwas Erholung finden, wenn du dich während des Fluges einfach fest hältst? Ich ... möchte, ehrlich gesagt, nicht noch länger warten." Ihre Motive waren berechtigt. Niemand wusste, was dieser haraxische Parasit in Tahmos Körper alles anrichten konnte. Vielleicht sorgte er für bleibende Schäden oder Schlimmeres. Lua wollte das Risiko nicht eingehen.
"Wenn du dich festhalten kannst und wir nicht allzu schnell fliegen, sollte das von meiner Seite aus kein Problem sein. Wir müssen nur hin und wieder etwas von meinem Zauber nachwirken lassen, damit die Flügel eurer Tiere nicht schwinden. Aber selbstverständlich kann Tahmo während der Reise auch schlafen." Ikarus legte den Kopf schief. "Zu schade nur, wenn er dann die schöne Landschaft unter uns verpasst."
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Re: Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Tahmo » Samstag 7. Januar 2012, 18:16

Auch wenn das Land einiges an sonderbaren Wundern und Dingen enthielt, so war wohl der Anblick dem sich nun so manch unbesonnen in den Himmel guckenden Bewohner bot doch wirklich etwas nicht alltägliches. So manch einer schaute vielleicht sogar zweimal hin, ehe er es begreifen konnte das diese drei Flecken am Himmel weder Vögel, noch Drachen sondern.... Pferde waren! Ein weisses, ein schwarzes und ein etwas kleineres, untersetzteres braunes das sich damit begnügte wilde Kreise und Sturzflüge zu vollführen. Kopfschüttelnd und mit gerunzelter Stirn wunderte sich nun so mancher Bauer über den Zustand der heutigen Zeit, in der Pferde schon am Himmel flogen.

Für Faro jedoch schien diese neue Art der Fortbewegung langsam selbstverständlich zu werden, auch wenn es erst das zweite mal war das man ihm Flügel auf die Schultern gesetzt hatte, so war dies doch um Weiten besser als stundenlanges getrabe über löchrige Straßen. Das Pony flatterte übermütig mit seinen Flügeln – welche im Vergleich zu den anderen Pferden aufgrund seines Gewichts deutlich größer hatten ausfallen müssen – und drehte immer wieder wie ein Adler seine Runden um die kleine Reisegruppe. Ja, Faro war – abgesehen von seinen Fressgewohnheiten und Starrköpfigkeit – ein wirklich eigenartiges Pony.
Tahmo bekam bisher von all dem nichts mit. Weder von Faros Treiben noch von der atemberaubenden Landschaft die sich viele Trollfußlängen unter ihm erstreckte.
Er hatte es sich hinter Lua auf Nachtwinds Rücken gemütlich gemacht und war seid ihrem Aufbruch in einen tiefen Schlaf verfallen. Seine Arme hielt er um Luas Taille gelegt, während er mit seiner Wange auf ihrem Schulterblatt ruhte. Die Federn seines Falkenmantels wehten im Wind, ebenso wie die Federn an seinem Stab welchen er horizontal hinter sich am Sattel befestigt hatte, damit die Enden Nachtwind nicht in die Flanken stoßen konnten. Zudem, so verbunden er sich mit seinem Stab auch fühlte, wollte er ihn momentan nicht unmittelbar am Körper tragen. Zumindest bis dieser Dämon von ihm abgelassen hatte. Denn wer weis, vielleicht nahm sich der Dämon während er schlief auch einfach Macht von seinem Stab wenn er ihn am Körper trug und... niemand wusste was dann passieren konnte. Auch wenn sich die Windsbraut bisher nicht mehr gemeldet hatte – Tahmo vermied tunlichst jeden einzelnen Gedanken ans Zaubern – so musste er dennoch vorsichtig sein. Am Ende ahnte der Dämon was sie vorhatten und würde versuchen sie aufzuhalten!

Tahmo atmete im Schlaf tief durch. Schmiegte seine Wange näher an Lua bis ihn eines ihrer Haare an der Nasenspitze kitzelte und er so heftig niesen musste das er beinahe von Nachtwind gestürzt wäre. „Woaaaaah...hu... das war knapp...“ hastig hielt er sich kurz etwas besser fest, ehe er seinen Griff wieder lockerte und an seinen Stiefelspitzen vorbei hinunter blinzelte. Es war ziemlich ungewöhnlich so hoch oben von einem kleinen Nickerchen aufzuwachen. Ungewöhnlich, aber nicht unangenehm. Tahmo grinste breit, er fühlte sich frisch, ausgeruhte und das unglaubliche Panorama sowie diese spektakuläre Höhe liesen seine Finger und Zehenspitzen angenehm kribbeln. Schon immer hatte er es geliebt soweit oben wie möglich zu sein, den Wind zu schmecken und die Aussicht zu genießen. Zum Glück hatte er scheinbar nicht den ganzen Flug durchgeschlafen, wie Ikarus es befürchtet hatte, sonst wäre ihm wirklich etwas entgangen. „Hey Lua, tolle Aussicht, mh?“ Rief er ihr mit etwas lauterer Stimme zu, um gegen den Wind anzukommen und küsste sie kurz auf den Nacken, ehe er sein Kinn auf ihre Schulter legte. „Wo sin' wir denn grad'? Ich hab' irgen'wie Hunger bekomm'n, soll ich mal in Nachtwin's Sattl'tasch'n nachguck'n? Will's du au' was?“
Es war unglaublich was ein ausreichendes Nickerchen, verbunden mit großer Höhe, toller Aussicht und dem ungestümen Flugwind scheinbar mit Tahmos Laune anrichten konnte. Er war ganz der Alte plötzlich. Gut gelaunt mit sonnigem Sorglosen Gemüt. Ja, er schien gerade keinerlei Gedanken an die Windsbraut zu verschwenden sondern einfach nur den Moment zu genießen.

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Re: Letzte Vorbereitungen

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 12. Januar 2012, 13:58

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