Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Ganda ist ein größeres Dorf, welches im Westen liegt. Hier wird mit den verschiedensten Städten gehandelt und auch mit allerlei Waren. Einige Züchter befinden sich hier, welche angeblich die besten Pferde haben.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Samstag 8. Dezember 2012, 10:22

Unscheinbar, das war wohl der richtige Begriff für das kleine Mädchen, da da vor Nihil stand und ihn anstarrte, als wollte es sich in seinen Blick hinein werfen und wie eine Motte verbrennen, die zu nah ans Licht fliegt. Man konnte sie schwer einschätzen. War sie wirklich so unschuldig und gutartig wie es den Anschein hatte? Maya hüllte sich in eine seltsame Aura, ein Mysterium barg sie, legte sich um sie wie ein Mantel aus feinster Seide. Aber nein, sie schien gewiss nicht böse zu sein oder sie konnte es sehr gut verstecken. Die Dorfbewohner nannten ihren Namen im gleichen Satz wie das Auftauchen der Wiedergänger. Ob sie etwas mit den Untotenausbrüchen im Dorf zu tun hat oder nicht, zeigte sich nicht jetzt und nicht hier. Aber Nihil hatte sie nun wenigstens persönlich kennen gelernt. Er würde sich seine eigene Meinung bilden können, soviel stand fest. Doch er war nicht hier, um sich lange mit Maya zu unterhalten. Etwas drängte ihn weiter. Es war mehr als Valor, der das Wort an seinen Enkel gerichtet hatte. Es war wohl die Ungewissheit, ob der geschnappte Untote wirklich der zum Unleben erweckte Leichnam seines Vaters war. Er würde es nur heraus finden, wenn er jetzt weiter ging. Dazu musste er sich von Maya lösen.
Al Nihil ihr die Hand auf die Schulter legte, zuckte das Mädchen zusammen, den Blick nahm es aber nicht von ihm. Ihr Körper fühlte sich selbst durch den Stoff hindurch kalt an, irgendwie klamm. Als fehlte ihr jegliche Leben, als sei sie die Wiedergängerin, die Nihil aufsuchen wollte. Ihre Miene blieb eine ausdruckslose Maske. "Ich gehe gern barfuß. Der Stein ist kühl und ich fühle." Valor räusperte sich. Dass das Kind ihm Unbehagen bereitete, erkannte wohl sogar ein blinder, alter Mann mit Gehstock. Doch Nihil wollte noch nicht weiter, erst kamen einige Worte, an das Kind gerichtet. Sie nickte. "Der Graf ist mein Vater", sagte sie mit einer Stimme, die der Nacht zu ähneln schien. "Und die Dorfbewohner mögen mich einfach nicht. Ganz Ganda glaubt, ich bin böse." Mit diesen Worten wandte sie sich ab, nicht länger auf Nihil eingehend. Sie rannte durch die Gänge, aber ihre Schritte waren nicht zu hören. Dann wurde sie von den Schatten des Korridors verschluckt.
"Ein seltsames Mädchen", kommentierte Valor, nickte, als Nihil vorschlug, weiter zu gehen.

Man erreichte die Kellergewölbe, in denen sich Frau Knollenwurz aufhalten sollte. Jene unter dem Grafenhaus befindlichen Räumlichkeiten, in denen sich auch der Wiedergänger aufhielt. Beide wurden in einem Kellerraum gefunden. Frau Knollenwurz stand an einem provisorisch aufgebauten Tisch, allerlei Werkzeuge und kleine Gegenstände vor sich ausgebreitet. Gerade prüfte sie die Schärfe eines Seziermessers an einem Stück Leder. Es glitt hindurch wie ein heißes Messer durch Butter. Der Wiedergänger hockte in einer Ecke, die man zu einer kleinen Kerkerzelle umfunktioniert hatte. Zwei von vier Wänden waren aus Stein, die beiden übrigen stellten eine ums Eck laufende Mauer aus Gefängnisstäben dar. Die Zelle war so klein, dass der Untote gerade darin stehen konnte. So würde er auch dem Seziermesser nicht entkommen. Doch seine Aufmerksamkeit galt weder diesem Werkzeug noch der Frau, die es führte.
"Aaaaaaooooouuuuuhhhhhh!" Er reckte eine Hand durch die Stäbe, als Nihil den Kellerraum betrat. Seine leeren Höhlen, in denen eigentlich Augen hätten sein sollen füllten sich kurz mit düsterem Nebel, der sofort abebbte, als das Wesen verstummte. Valor legte schützend eine Hand auf die Schulter seines Enkels. "Sieh ihn dir an, aber sei vorsichtig, Junge." Frau Knollenwurz hob den Kopf mit fragendem Blick. "Ihr wünscht?"
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Dienstag 8. Januar 2013, 20:26

Er würde sich sicher noch einmal mit der kleinen Maya unterhalten und sich näher mit ihr beschäftigen, dass stand fest. Doch nun wurden all diese Gedanken um das Mädchen blitzartig von einem einzelnem überschwemmt. Nihil musste herausfinden, ob der gefangene Wiedergänger sein Vater war und intuitiv hatte er auch schon eine Idee, wie er das tun würde.
Sie schritten weiter durch die Kellergewölbe und der junge Hymlianer konnte nicht leugnen, dass ihn Unbehagen beschlich. In Hymlia gab es so etwas nicht. Dort war alles hell und erstrahlte in wunderschönem Licht und hier befand er sich UNTER der Erde und fühlte sich eingeengt und bedrückt. Doch sein Ziel trieb ihn weiter an und als sie die Tür zum Laboratorium der Frau Knollwurz erreicht hatten, schlug ihm sein Herz bis zum Hals. Sie traten ein und kurz stand Nihil völlig bewegungslos da.
"Das werde ich und diesen Weg muss ich ganz alleine gehen..."
Die Antwort an Valor war völlig monoton und eiskalt, fast schon so, als wäre nun auch aus Nihil jegliches Leben gewichen. Als hätte Suki ihren Herrn verstanden, löste sie sich von ihm, und sprang stattdessen auf Valors Schulter, von wo aus sie den jungen Lichtnovizen weiter betrachtete.


Die ganze Welt um ihn herum verschwand. Erst Frau Knollwurz, dann Valor, Suki, die Wände und zuletzt auch die Gitterstäbe, bis sich nur noch er und der Wiedergänger im Raum befanden. Nihil hatte sich daran erinnert, als ihm sein Meister einmal davon erzählt hatte, dass jedes Lebewesen Licht in sich trug. Deshalb war die Lichtmagie auch dazu in der Lage, Lebewesen zu heilen. Dieses Licht war ein fester Teil von uns. Es umgibt sowohl unseren Geist, als auch unseren Körper und bildet einen festen Bestandteil von beidem. Wenn dieser Wiedergänger tatsächlich sein Vater gewesen war, so war in seiner Hülle trotz allem immernoch ein kleiner Teil seines eigenen Lichts enthalten und über diesen Teil könnte er auch seinen Geist spüren. Er wusste nicht wie, doch irgendetwas sagte ihm, dass er mit seinem eigenem Licht und der Hilfe seiner Magie herausfinden konnte, wem dieser Körper einmal gehörte, auch wenn es riskant war. Nihil schloss die Augen und atmete tief ein und aus, dann tauchte er aus seinen Gedanken wieder auf und befand sich wieder in den Kellergewölben des Schlosses.

Die Anwesenden mussten gedacht haben, der Junge würde sich nun selbst in einen Wiedergänger verwandelt haben. In den letzten 10 Minuten stand er völlig regungslos da ohne jede Farbe im Gesicht und selbst seine Atmung war kaum zu erkennen und dann drehte er sich ruckartig zu Valor um und sah ihn aus seinen fesselnd strahlenden Augen an.
"Egal was nun passiert, unternimm nichts bevor Suki es nicht tut"
Auch wenn diese Anweisen etwas verwirrend klingen mag, so wusste Nihil, dass es klappen würde. In der Vergangenheit hatte sich schon so oft gezeigt, dass eine mysteriöse Verbindung zwischen ihm und diesem merkwürdigem Tierchen lag, die keiner so richtig erklären konnte. Abgesehen davon, dass sie scheinbar jedes Wort verstand, so schien es auch, als wäre jede Phaser ihres Körpers tief mit Nihil verbunden. Er wusste genau, dass Suki nun erst zu ihrem Herrn laufen würde, wenn er selbst keinen Ausweg mehr hatte, also konnte er sich nun ungestört dem Wiedergänger widmen.

Das eigene Licht zu erkennen und zu spüren ist eine der ersten Lektionen der Lichtmagie, doch noch nie hatte Nihil davon gehört oder gelesen, dass ein Lichtmagus sein Licht in Verbindung mit seiner Magie genutzt hatte. Es war natürlich riskant, weil er, wenn er nicht aufpasste, seinen Körper verlassen könnte und dann keinen Weg mehr zurück fand, doch er hatte keine andere Wahl. Langsamen Schrittes ging er auf die Gitterstäbe zu und konzentrierte sich auf sein inneres Licht. Als er so weit an den Gitterstäben stand, dass er die nach ihm ausgestreckte Hand des Wesens leicht ergreifen konnte, schloss er die Augen und stimmte ein Lied an. Magie schwand in seiner Stimme mit und so übertönte sie jedes Geräusch in dem Laboratorium und schien so klar und intensiv zu sein, als würde sie sogar das gesamte Schloss ausfüllen. Nihil bündelte nun sein eigenes Licht mit seiner Magie und lies es so immer weiter anwachsen. Sein Körper begann nun langsam zu leuchten, bis das Leuchten zu einem strahlen wurde und das strahlen zu einem gleißendem Licht. Sein Gesang verebbte nicht und er musste seine gesamte konzentration darauf verwenden, seinen Geist in seinem Körper zu halten. Dieses helle Licht kam tatsächlich nur teilweise von seiner Magie - es war seine Seele die er nun nach außen hin zeigte. Doch wo Licht ist muss auch Schatten sein und auch er bildete dort keine Ausnahme. Wenn man ihn direkt ansah, konnte man immer wieder kleine Schatten erkennen, die von ihm ausgingen, dann aber sofort wieder vom Licht überlager wurden. Nun kam der Moment der Wahrheit. Nihil würde einen kleinen Teil seines Geistes aussenden und nach dem alten Licht im Körper des Wiedergängers suchen und seltsamerweise hatte er nicht einmal den Hauch von Angst. Er streckte die Hand aus und berührte den Wiedergänger und just in diesem Moment streckte sich sein Geist aus.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Dienstag 15. Januar 2013, 11:30

Valor hob seine Hand von der Schulter des Enkels. Er hatte die Kälte in dessen Tonfall vernommen, nahm es ihm aber nicht übel. Der Junge wollte und musste die Erfahrung nun allein machen. "Ich stehe hinter dir, falls du etwas brauchst", gab er Nihil noch mit auf den Weg und trat etwas zurück. Frau Knollenwurz beobachtete die beiden immer noch mit fragend skeptischem Blick. Sie schaute vom Großvater zum Enkel und wieder zurück. Valor näherte sich ihr. Seine Stimme war ein leises, tiefes Raunen wie es nur bei älteren Menschen vorkam. "Er will herausfinden, ob der Wiedergänger sein Vater ist."
Frau Knollenwurz' Blick wanderte wieder zu Nihil und in dessen Nacken. Sie beobachtete ihn, ließ ihn keine Sekunde aus den Augen. Auch der Wiedergänger betrachtete Nihil, soweit man das sagen konnte. In seinen Augenhöhlen begann es wiederholt zu wabern. Er erhob sich und seine toten, dürren Hände, die mehr Fingerknochen glichen, über welche man eine graue Hat straff gespannt hatte, umklammerten seine Zellenstäbe. Seine Haltung lockerte sich erst, als er den Blickkontakt zu Nihils Augen verlor, weil dieser sich umwandte. Schlagartig löste sich der Rauch in seinen Augen auf, die Haltung erschlaffte etwas, als strömte der Rest seines untoten Daseins aus ihm heraus.
Valor nickte nur, auch wenn seine Miene sich verdüsterte. "Pass auf dich auf, Junge", warnte er, würde sich allerdings wirklich zurückhalten, solange Suki friedlich blieb. Er hatte es sich fest vorgenommen. Nur eine Person im Gewölbe schien dagegen. "Was habt Ihr vor, junger Mann?" Frau Knollenwurz kam um ihren Tisch herum. Es war Nihils Großvater, der sie mit einem beherzten, aber keineswegs groben Griff an ihre Schulter aufhielt. Seine klaren Augen taten das Übrige, die Kräuter- und Heilkundige zurück zu halten.

Nihil widmete sich erneut dem Wiedergänge und in diesen kehrte etwas wie "Leben" zurück. Die Augenhöhlen, aufs Neue von Rauch umwabert, richteten sich nach dem jungen Mann aus. Er straffe seine Haltung, streckte jetzt gar eine Hand nach dem Lebenden aus, als wollte er ihn in verzweifelter Angst packen. Doch es lag keine Emotion im Handeln und Sein des Wiedergängers. Er war eine leblose Hülle, gefüllt mit irgendeiner Macht, die ihn antrieb. Vielmehr trieb ihn jedoch Nihils Leuchten an. Er neigte sich weg, drehte den Kopf, mochte das Licht offenbar ganz und gar nicht. Schon wollte er sich von den Gittern fort drehen, auch wenn es ohnehin kein Entkommen gab. Nihil brauchte den Toten einfach nur zu berühren und er tat es. Ein Mark erfüllender Schrei aus der trockenen Kehle des Wiedergängers hallte von den Gewölbewänden wider, aber Nihil würde ihn nicht hören können. Er war nicht länger in seinem Körper. Er war eine Substanz, die suchte. Er suchte nach Licht, nach Erkennbarem und Vertrautem. Er sollte fündig werden. Vor ihm schwebte etwas, ein kleiner Funke. Er war wie in einem Käfig aus Schatten gefangen. Sie tanzten in dünnen Schwaden um den Funken herum. Sie piesackten und quälten ihn. Der kleine Funke war es, der schrie. Rette mich, rief er dem strahlenden Licht von Nihils Seele entgegen. Beschütz mich!
Die Schatten wurden so auf das fremde Licht aufmerksam. Auch sie besaßen ihre ganz eigene Art der Verständigung. Nihil würde den tiefen Hass spüren, der von ihnen ausging, ebenso wie ein großes Hungergefühl, das nicht gestillt werden konnte. Sie gierten offenbar nach Licht und so ließen sie sich von Nihils Leucht-Dasein anziehen wie Motten vom Licht. Eilig löste sich der Großteil dieser finsteren Mächte im Leib des Wiedergängers, um sich auf jenes Strahlen zu stürzen, das ein Band zwischen dem Untoten und dem Magier selbst hergestellt hatte. Würden sie es verschlingen, würde auch von Nihil nur noch eine leblose Hülle übrig bleiben.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Mittwoch 16. Januar 2013, 16:43

Nihil hatte es tatsächlich geschafft diese ihm eigentlich völlig neue Art der Lichtmagie anzuwenden, doch ihm blieb nicht viel Zeit, sich darüber zu erfreuen. Kaum war er in den Untoten eingedrungen, wurde er sofort von dieser erstickenden Dunkelheit empfangen und eine Welle aus gebündeltem Hass und einem alles verzehrendem Hunger übermannte ihn fast. Doch dann sah er es, dort war das Licht das er suchte. Es war da und schrie nach Hilfe. Die Schatten stürzten sich auf ihn mit dem einzigen Ziel, auch ihn zu verschlingen. Diese Finsternis war mächtig doch dem jungen Hymlianer blieb gar nichts anders übrig als ihr zu wiederstehen. Er musste einfach stärker sein und das Licht erreichen. Schlagartig schossen ihm tausende Gedanken durch den Kopf und im Bruchteil einer Sekunde überschlugen sich verschiedene Szenarien, dann prallten die Schatten an Nihils innerem Schild ab und begannen es nach und nach zu zerstören. Plötzlich merkte der Novize, dass der magische Gesang, den er zur Verstärkung seiner Magie angestimmt hatte hier kaum zu hören war und es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Diese Ereignisse hier geschahen nicht auf der materiellen Ebene. Hier galten andere Regeln und so begann er seinen Gesang in seinem Geist fort zu spinnen und rief sich zu dem Bilder und Erinnerungen an Hymlia und seine Familie ins Gedächtnis. Auf dieser Ebene konnte er nun das strahlen der Stadt über den Wolken fast schon sehen und er besann sich auf sein eines Ziel, das Licht zu erreichen unabhängig davon, ob es nun tatsächlich seinem Vater gehörte oder nicht.

Doch die Schatten waren kein leichter Gegner. Wieder und wieder schlugen sie auf ihn ein und nach und nach geriet sein Schild immer mehr ins wanken. Nihil hatte das Licht schon fast erreicht es war zum greifen Nahe und dann brach sein Schild in sich zusammen. Schwärze umhüllte ihn und ein unbeschreiblicher Schmerz lies ihn innerlich verbrennen. War das das Ende?! NEIN - Schrie er in Gedanken und aus den Schatten brach explosionsartig wieder Licht heraus. Es strahlte so stark, dass es für einen kurzen Moment die Finsternis fast vollends verdrängte und ebbte dann wieder ein wenig ab, doch Nihil hatte es geschafft er hatte das Licht erreicht und umschloss es nun wie einen Schatz.

Was für Nihil gefühlte Stunden dauerte, nahm auf der materiellen Ebene nicht einmal eine Minute in Anspruch. Suki war erst völlig ruhig gewesen, doch dann schauderte sie und ein für dieses kleine Wesen unglaublich Lauter Schrei entfuhr ihre zarten Kehle, doch gerade, als Valor losstürmen wollte, schnellte sie vor ihn und bäumte sich so gut es ihr möglich war vor dem Mann auf, in der Hoffnung, er könne sie verstehen.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Dienstag 29. Januar 2013, 11:19

Das Licht war klein, so unendlich winzig. Im Grunde konnte man nicht einmal mehr von einem Licht sprechen, denn das Leuchten wäre für alle Dunkelheit zu schwach gewesen. Es konnte sie nicht vertreiben und so umgab diese nicht nur diesen letzten Seelenfunken, sondern plötzlich auch Nihils Dasein, das einfach in den anderen Körper eingedrungen war. Die Schatten wollten sich um den Fremdling kümmern, zugleich wuchsen sie vor Hunger. So viel Licht, so viel pure Seelenkraft, die man da verschlingen konnte. Er lockte sie geradezu an und sie näherten sich. Sie umgaben Nihil, der sich nicht durch das Vorhandensein seines eigenen Körpers schützen konnte. Ja, er war hier ein Fremdling, eingedrungen in einen anderen, von dem er nur hoffen konnte, dass es sein Vater war. Das Wissen fehlte ihm noch, aber er wollte es herausfinden. Er wollte nicht gehen, ohne diese Antwort nicht erhalten zu haben. Sein Wille war stark, stärker als die ihn umgebende Dunkelheit und so gelang es ihm, seine Kräfte zu mobilisieren. Er leuchtete, glühte fast schon. Die Schatten gaben ein Kreischen ab. Er hörte es nicht, er fühlte es nur. Es war in ihm und es schmerzte. Es drohte, seine Existenz zu zerreißen. Und dann war es weg, verstummt. Die Schatten lösten sich auf. Sie waren es, die rissen wie ein schwarzer Vorhang, ehe sie sich in Nichts auflösten. Zurück allein blieb eine leere Hülle und dieser winzige Seelenfunken, der so entsetzlich schwach glomm. Er wagte kaum, heller zu leuchten. Es erlosch gar beinahe, als Nihil sich schützend um es legte, wie eine Mutter ihr Kind in den Arm nahm. Als es jedoch spürte, dass Nihil ihm nichts anhaben wollte, fasste das sanfte Leuchten neuen Mut. Es glomm etwas stärker, doch würde es nie wieder so hell erstrahlen wie eine lebendige Seele. Es waren die Überreste, in einer toten Hülle, die Frieden hätte finden sollen und ... Die Seele war ihm fremd. Sie hatte nichts mit ihm gemein. Sie war nicht das, was man fühlte, wenn man jemanden antraf, der vom selben Blut war. Nein, dieses Seelchen erzählte ihm eine andere Geschichte. Nihil konnte jene aufnehmen wie ein Schwamm, der Wasser gesogen hatte. Ihm wurde Einblicke geschenkt, Bilder eines fremden Lebens. Er sah die letzten Momente dieser Seele. Er sah durch die Augen dieser Seele, konnte sich selbst nicht sehen. Dafür erkannte er einige Menschen, die einen Waldweg entlang spazierten. Es waren Edelleute, ganz eindeutig. Kurz darauf änderte sich das Bild. Die Edelleute lagen tot am Boden. Der Blick schwenkte auf die eigenen Hände. Sie trugen Dolche und waren blutverschmiert. Dann drang ein Geräusch an Nihils geistige Ohren. Eine dunkle Stimme, die ihn aber auch ein bisschen an ihn selbst erinnerte. War er es, der sprach?
"Deine Strafe, mein Nutzen. Die Götter mögen mir vergeben." Nihil nahm wahr, wie sich der Kopf jener Seele hob, die er soeben umklammerte. Er blickte in ein Spiegelbild, etwas älter als er selbst - und die Augen waren nicht seine. Die Seele ... war nicht sein Vater, denn diesen hatte er zuletzt gesehen, bevor das lebendige Licht erlosch und die Hülle verließ. "Verzeih mir. Ich hab sie nicht umbringen wollen", hauchte der Seelenfunken in seinen Armen. Wäre er befähigt gewesen, zu weinen, er hätte es getan. "Ich möchte nur Frieden. Ruhen. Bitte."

Derweil hatte sich Nihils Großvater in Bewegung gesetzt. Die Heilkundige Knollenwurz stand reglos hinter ihm, beobachtete, was der Enkel des Wirtshausbesitzers mit dem Untoten anstellte. Beide hingen relativ verkrampft am Gitter des winzigen Gefängnisses. Der Wiedergänge gab gequälte Laute von sich. Seine Finger zuckten und unter seiner Haut suchte sich Licht einen Weg in die Freiheit.
"Nihil." Valor wollte dichter an seinen Enkel heran. Er schaffte es nicht, denn Suki war von seiner Schulter gesprungen. Fauchend stand sie ihm im Weg oder war es ein Zeichen, sich schnell um den Enkelsohn zu kümmern? Was auch immer, der Großvater war in Sorge. Er sprang vor, hechtete zu Nihil und packte ihn an der Schulter. Er zerrte an dem Jungen, um ihn von dem Wiedergänger zu lösen, der immer qualvoller aufstöhnte. Dem alten Mann gelang es und kaum, dass er die Verbindung löste, schwanden auch die Bilder vor Nihils geistigem Auge. Er kehrte in sich selbst zurück, während der Wiedergänger absolut reglos zusammenklappte. Von ihm war nichts mehr. Er hatte seinen Frieden endgültig gefunden. Das letzte Licht seiner Seele zersprang wie ein gesplitterter Spiegel in Myriaden von winzigen Scherbensplittern.
"Nihil! Sag etwas! Alles in Ordnung, Junge?", redete Valor auf seinen Enkel ein. Suki huschte näher, schmiegte sich an das Bein ihres Gefährten und gab leise Schnurrlaute von sich.



Nihils Fertigkeit der Lichtmagie hat sich auf "durchschnittlich" verändert. Bitte im Profil aktualisieren und auch im charakterlichen Werdegang des Steckbriefes eintragen!
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Donnerstag 21. Februar 2013, 08:13

Kaum hatte er ein Gefühl für seine körperlose Existenz gefunden, spürte der schlagartig seine eigene Überlegenheit gegenüber diesen Schatten. Er explodierte förmlich in einer Supernova aus Licht und verdrängte jeden einzelnen Schatten, der von dieser seelenlosen Hülle Besitz ergriffen hatte. Dann schloss er sich um den Seelenrest und erlebte dessen letzte Augenblicke als Lebender. Nihil konnte gar nicht fassen was er dort sah. Sein Vater lebte noch! Er hatte diesen Menschen nur als Vorwand getötet, damit er seine eigene Existenz auslöschen konnte. Gerade, als der Junge Lichtnovize eine Frage an den kleinen Lichtfunken stellen wollte, wurde die Verbindung aprubt beendet und er fand sich in den Armen seines Großvaters wieder.

Nihil begann aus voller Kehle zu schreien. Viel zu schnell wurde er aus dem fremden Körper gerissen und musste den Seelenfunken ziehen lassen. Als er sich wieder vollends in seinem eigenen Körper wiederfand, blickte er sich zitternd und noch etwas verkrampft um. Dann löste er sich unsicher aus dem Griff seines Großvaters und blickte ihn und die Frau Knollenwurz mit seinem typisch hymlianischen warmen Lächeln an.
"Diese Seele hat nun ihren Frieden gefunden. Entschuldigt meinen kleinen Zusammenbruch, doch die Verbindung wurde zu plötzlich gekappt und so wurde meine Seele zu schnell aus dieser Hülle dort gerissen. Ich werde mich nun erst einmal in das Zimmer zurück ziehen, dass mir der Graf zugewiesen hat und werde ihn heute Abend aufsuchen. Begleitest du mich Großvater?"
Mit diesen Worten ging Nihil in Richtung der Tür, öffnete diese und bewegte sich in Richtung des Zimmers, in dem er vorher erwacht war.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Samstag 9. März 2013, 09:41

Sicherlich schwirrte Nihil nicht nur eine Frage im Kopf herum. Er hatte Einblick in die letzten Momente einer Seele erhalten und er hatte seinen Vater - Nathanael - gesehen. Oh, wie ähnlich er ihm doch wirklich sah! Jetzt wusste er es selbst, er war fast sein Ebenbild, zumindest was das anbelangte, was er von diesem Traumgespinst noch in Erinnerung hatte. In den eigenen Körper zurückgeholt zu werden war keine angenehme Angelegenheit. Es gab da diesen Zug, der fast schmerzlich war, aber doch viel mehr Kraft kostete. Vielleicht hatte das aber auch mit der geballten Form der Lichtmagie zu tun, die Nihil freigesetzt hatte. In jedem Fall wurde er davon abgehalten, das Seelenlicht weiter auszufragen, fand sich in den Armen seines Großvaters wieder, Suki an seinem Bein. Das Tierchen drückte sich dicht an ihn, rieb immer wieder den pelzigen Kopf an seinem Hosenstoff. Valor jedoch schaute seinen Enkel voller Sorge entgegen und was war mit Nihil? Nun, der wusste jetzt, dass zumindest dieser Wiedergänger nicht sein Vater war. Keiner von jenen, die sich nachts durch Gandas Gassen schoben. Sein Vater lebte noch, jedenfalls durfte er darauf hoffen!
Fraglich war, warum Nathanael, der ihm doch diesen rührenden Brief hinterlassen hatte, niemals nach Hymlia zurückgekehrt war, sondern seinen Tod vortäuschte. Warum machte er das? Warum hatte er nie versucht, Kontakt zu Nihil aufzunehmen? Aber um diese ungeklärten Dinge musste sich der junge Mann allein kümmern, auch wenn er ebenso wissen müsste, dass er darauf hier und jetzt keine Antworten erhielt. Er befand sich nahe Ganda, im Anwesen des Grafen Morcef, sowie in dessen geheimnisvollen Kellergewölben, in denen die Heilerin Inezka Knollwurz einen Untoten hatte analysieren wollen. Ja, die Heilerin, sie befand sich auch noch im Raum, beobachtete zunächst die Szenerie schweigend, wohingegen es Nihil war, der für Lärm sorgte. Er schrie, schrie so laut, dass sein Großvater ihn sorgenvoll an sich drückte, ihm den Kopf strich und dennoch nur hilflos abwarten konnte, bis es vorbei war. Erst als die Schreie nachließen, der Bursche nur noch zitterte, mit verkrampften Gliedmaßen, da setzte sich die Heilerin in Bewegung. "Ich mische ihm einen Trunk gegen die Schmerzen zusammen, der ihn schlafen lassen wird. Dann findet auch er vorerst seinen Frieden." Sie ließ sich nicht aufhalten, verschwan tatsächlich für einen Moment aus dem Gewölbe. Diesen Augenblick hatten Großvater und Enkel Zeit, um sich zu unterhalten. Lediglich Suki blickte der Frau neugierig nach.
Nihil aber wollte gar nicht mehr hierbleiben. Entkräftet war er, das stand außer Frage. Er spürte es wohl auch, weshalb es ihn erneut in seine Gastgemächer zog. Valor half ihm natürlich, ließ nicht zu, dass der Junge sich vollends aus seinem Griff wand. Der gute Wirt stützte ihn, soweit er konnte und Nihil es zuließ. "Macht Euch keine Mühe, gute Frau Knollenwurz!" Aber die Heilerin hatte die Räumlichkeiten bereits verlassen. Sie würde sie leer vorfinden oder eben in Nihils Zimmer auftauchen müssen, wenn sie ihm wirklich noch den Trank geben wollte. Valor eilte sich nämlich jetzt, seinen Enkel vorsichtig wieder zurück zu bringen. Unterwegs stützte er ihn weiterhin, sprach erst im Gang leise: "Du sagtest, diese Seele, als sei sie fremd. Demnach ... war es nicht mein Sohn, dein Vater, nehme ich an." Ein Seufzen entwich den runzligen Lippen des alten Mannes. "Wir hatten Pech, so ein Jammer."

Das Zimmer fand Nihil genau so vor, wie er es verlassen hatte. Inzwischen war lediglich gelüftet worden, das roch man, denn eine gewisse Muffigkeit war nicht vorhanden. Die Fenster hatte jemand trotzdem vorsätzlich wieder geschlossen, die Vorhänge waren zurückgezogen worden. Eine Veränderung aber gab es. Suki, die den ganzen Weg über auf Nihils Schulter zugebracht hatte, sprang nun von selbiger und huschte direkt zu einem der Fenster. Mit beiden Ellenbogen auf den Sims gestützt stand dort die Tochter des Grafen: Maya. Noch immer war sie ausschließlich in dieses dünne Hemdchen gekleidet. Noch immer war sie barfuß, das lange schwarze Haar hing ihr seidig über den Rücken. Sie wandte sich nicht um, als Nihil und Valor den Raum betraten und trotzdem schien sie genau zu wissen, wer dort kam.
"Spielst du mit mir?", fragte sie unverblümt mit einer träumerisch mysteriösen Stimme, ehe sie leicht hustete.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Donnerstag 11. April 2013, 16:50

Um das erlebte vollends zu verarbeiten, würde Nihil sicherlich noch einige Zeit brauchen, doch wusste er, dass er seinen Vater nun unbedingt finden musste. Kurz dachte er an seine ehemalige Begleiterin. Er würde vor seiner Rückkehr nach Hymlia auf jeden Fall noch in der Stadt der Magie vorbeischauen, aber zuerst musste er herausfinden, was wirklich mit seinem Vater geschehen war.
Als er Valors Worte vernahm, musste er mit Mühe einen schockierten Gesichtsausdruck unterdrücken. Er überdeckte das ganze mit einem herzerwärmenden Lächeln und sah seinen Großvater an.
"Nun ich habe jedoch auch nicht gesagt, dass es mein Vater war. Seelen sind anders als Lende vor allem die Überreste einer Seele. Und warum hättest du Pech gehabt, wenn es nicht Nathanael gewesen wäre? Wäre es denn nicht schön gewesen zu wissen, dass dein Sohn noch lebt?"
Nihil wollte den alten Wirt nicht belügen, doch einerseits hatte ihn dessen Aussage stutzig gemacht und andererseits gab es sicher einen guten Grund, warum sein Vater all dies getan hatte, um seinen Tod vorzutäuschen.
Suki hatte sich wieder ähnlich wie ein Schal um Nihils Nacken gelegt und schnurrte leise. Sie verließen die Kellergewölbe und gingen wieder durch die Flure des Schlosses in Richtung Gastgemächer.
Als sie in seinem Zimmer angekommen waren, endteckte der junge Hymlianer sofort die kleine Maya, die verträumt aus dem Fenster sah. Die kleine hatte ein echtes Talent dafür immer zu den unpassendsten Momenten zu erscheinen. Nihil ging langsam auf das Bett zu und setzte sich mit dem Blick zu Maya darauf.
"Hey meine Kleine. Weisst du, ich glaube im Moment kann ich nicht wirklich viel mit dir spielen. Ich bin sehr erschöpft und brauche etwas Ruhe, auch wenn ich jetzt viel lieber mit dir zusammen spielen würde. Gib mir etwas Zeit zum ausruhen und dann verspreche ich dir, dass wir zusammen spielen"
Er log nicht. Zwar war er weniger daran interessiert mit einem kleinen Kind zu spielen, aber er wollte dieses Mädchen unbedingt genauer kennenlernen und im Moment würde er tatsächlich viel lieber etwas anderes tun, als schon wieder ruhen zu müssen, doch Geist und Körper riefen nach Schlaf und so legte er sich langsam auf sein Bett und wartete noch auf Mayas oder Valors Reaktion, bevor er sich dann ins Reich der Träume aufmachen würde.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 17. April 2013, 11:31

Nihil hatte sich verausgabt, aber wer konnte es ihm übel nehmen? Immerhin hatte er sich mittels seiner Lichtmagie mit der Seele eines anderen verbunden. Er hatte diese von ihrem dunklen Dasein befreit! Da musste man absolut fix und fertig sein. Es wurde Zeit, etwas zu ruhen. Da half es auch nichts, dass sich die kleine Maya im Zimmer befand und ihn um ein Spiel bat. Er brauchte den Schlaf jetzt. Trotzdem fragte er vorher noch den Großvater nach dessen Aussage. War es denn wirklich Pech, dass der Wiedergänger nicht Nathanael gewesen war? Der Großvater lächelte sacht, schüttelte auf gleiche Weise den Kopf. "Du hast ja Recht, Junge. Ich sollte mich freuen und doch ... es nimmt uns beiden die Gewissheit, was mit ihm geschehen ist und ... warum er deine Großmutter und mich angelogen hat." Das schien den alten Mann durchaus zu belasten. Er versuchte allerdings, sich nichts anmerken zu lassen und so hob er beide Munwinkel, dass sich Runzeln um seinen Mund kräuselten, und lächelte erneut. "Du hast Recht", wiederholte er. "Ich bin froh, dass Nathanael vermutlich noch lebt. Irgendwo. Aber jetzt solltest du dich ausruhen. Und du, kleines Fräulein, solltest ihn dabei nicht stören, hm?" Valor schaute zu Maya herüber.
Noch immer stand das Mädchen am Fenster, hatte sich kaum gerührt, lediglich zu den beiden umgedreht. Sie hob die winzige Faust vor den Mund, als ein Husten sie schüttelte und den Schimmer auf ihrem schwarzen Seidenhaar tanzen ließ. "Ich störe ihn bestimmt nicht. Ich werde ganz brav sein. Versprochen!"
Valor konnte selbst diesem ein wenig unheimlich angehauchten Kindergesichts nichts abschlagen. Er nickte, auch noch einmal in Nihils Richtung. "Dann ruh dich gut aus, mein Enkelsohn. Sobald du wieder munter bist, überlegen wir, wie es weitergeht."
Er verließ den Raum. Zurück blieben nur Nihil und die kleine Maya. Sie beobachtete den Lichtmagier dabei, wie er sich gemächlich auf dem Bett niederließ. Ihre Schritte waren fast lautlos, als sie sich nähert. Neben dem Bett blieb sie stehen. Ihr dunkler Blick ruhte auf Nihil. "Wenn du so sehr erschöpft bist, lasse ich dich gut schlafen, ja? Ich kann sowas." Sie wollte nach der Hand des anderen greifen, diese festhalten und kaum, dass ihr das gelang, konnte Nihil etwas Interessantes spüren: ein Kirbbeln, das so ungleich zu dem war, das er von seiner eigenen Magie kannte. Plötzlich jedoch sank die Welt in sich zusammen. Es wurde ruhig, dunkel. Schwärze lullte ihn ein. Träumte er bereits? Mayas Stimme war ihm gefolgt.
"Du brauchst keine Angst zu haben. Sag mir, was du gern erleben würdest und vertrau mir", sagte sie, umhüllt wie von einem nebelfeuchten Schleier.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Donnerstag 18. April 2013, 12:54

Die Aussage seines Großvaters machte dem jungen Lichtmagier immer noch zu schaffen. Traurig blickte er zu diesem auf und legte ihm eine Hand auf den Arm.
"Weisst du.... so etwas wie gerade eben habe ich noch nie gemacht. Und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob es nicht doch die Seele meines Vaters war. Lass mich ein wenig ruhen dann kann ich das Geschehene besser verarbeiten"
Als er auf dem Bett lag und die kleine Maya bemerkte, die noch immer im Raum stand, wollte er sie gerade darum bitten doch auch das Zimmer zu verlassen, als sie plötzlich zielstrebig auf ihn zu schritt und seine Hand nahm.
Sofort spürte Nihil, dass Magie durch ihn schoss, jedoch nicht seine eigene und die Welt um ihn wurde schwarz. Sein Meister hatte ihn gelehrt, seine eigenen magischen Ströme im Körper so zu leiten, dass sie wie ein Reflex automatisch eingreifen, wenn fremde Magie versucht in den Körper einzudringen, doch nun war es einfach so passiert. Vielleicht lag es daran, dass seine Kräfte so sehr erschöpft waren, oder aber diese Magie hatte tatsächlich nicht den Zweck, ihm zu schaden.
Der Hymlianer fand sich in völliger Schwärze wieder. Einzig und allein Mayas Stimme war zu hören die darum bat, ihr zu vertrauen und ihr zu sagen, was man erleben möchte. Seine Neugier stieg. War dieses kleine Mächen also eine Magiebegabte und dazu keine besonders schlechte, wenn sie es vermochte, ihn mit nur einer einzigen Berührung zu verzaubern. Nihil würde sich darauf einlassen, auch wenn er ein etwas mulmiges Gefühl bei dem ganznen hatte. Doch er war fest davon überzeugt, dass sein inneres Licht ihn auch in seinen Träumen nicht im Stich lassen würde. Kurz überlegte er, dann streckte er seinen Kopf nach oben und sagte
"Ich möchte meinen Vater sehen....mit ihm reden... und ihn mit zu meiner Familie nehmen..."
Dann schloss er die Augen und lies sich fallen.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Samstag 27. April 2013, 19:50

Maya besaß magische Fertigkeiten, darin bestand kein Zweifel. Selbst Nihil, der bislang doch eher zu den Anfängern seiner eigenen Künste gezählt hatte, konnte es jetzt deutlich spüren. Ihre kleinen Finger, die seine Hand hielten, kribbelten und bevor er ins Reich der Träume ... oder was immer war ... abdriftete, konnte der Hymlianer ein Flackern in ihrem Blick ausmachen. Hell und strahlend, als glomm dort ein kleines Licht. Es wirkte freundlich, aber dann versank Nihils Welt in Dunkelheit und er konnte nur noch Mayas Stimme hören, der er antwortete. Es folgte ein Kichern des Mädchens, glockenhell. Sie war noch ein Kind, unschuldig und rein, denn nur Kinder dieser Reinheit vermochten so zu lachen.
"Ein schöner Wunsch ... viel Spaß damit", hauchte daraufhin ihre Stimme noch, als endlich wieder Farbe in die Umgebung trat. Helligkeit lullte Nihil ein. Er konnte Wolken sehen und weiße Gebäude, sowie Bäume mit pastellfarbenen Blättern. Das war seine Heimat. Das war Hymlia, doch bis auf einige wenige Personen ließen sich keine Bürger der Himmelsstadt ausmachen. Nihil kannte sie allesamt. Da standen Valor, sein Großvater, sowie dessen Frau. Sie hielten einander an den Händen, lächelten Nihil zu, der da mitten auf dem Platz der inneren Ruhe stand. Neben seinen Großeltern konnte er die eigene Mutter erkennen. Auch sie lächelte, wischte sich ein Tränchen aus den Augenwinkeln, aber weshalb nur? Auf dem Arm hielt sie Suki. Und dann fiel ein Schatten von hinten auf Nihil, der sich zwischen ihn und die Strahlen der angenehm warmen Sonne stellte.
"Sohn." Seine Stimme war dunkel, dem Raunen eines Nachtwindes gleich und vielleicht war es dieser melodiös kratzige Klang, der dem gesamten Wort so viel Zauber schenkte, als wäre ein Ritual abgehalten worden. Hinter Nihil stand ein größeres Ebenbild von ihm, älter und vielleicht etwas gezeichnet ob dieser Jahre, aber es bestand kein Zweifel, dass dieser Mann Nathanael war. Die Haut mochte dunkler sein, die Augen waren es in jedem Fall. Aber das Haar, das unter Stoff in kleinen Strähnen hervor lugte, zeigte dasselbe Braun des Lichtmagiers. Nathanael lächelte nicht, obgleich seine Augen kurz vielsagend aufblitzten. Er trug schwarz, war vermummt, bis auf den schmalen Streifen seines Gesichts, der diesen Blick wiedergab, auf den Nihil sicherlich sein ganzes Leben lang gewartet hatte.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Samstag 25. Mai 2013, 14:47

Versunken war er in reiner Dunkelheit. Kein Geräusch konnte ihn erreichen und nichts konnte er erblicken. Nihil konnte nicht sagen wo oben und unten ist geschweige denn, ob er überhaupt auf irgend etwas stand. Er befand sich scheinbar mitten im Nichts und plötzlich explodierte alles um ihn herum in hellem Licht. Schützend hielt er sich die Arme vor sein Gesicht, doch als er sie wieder herunter nahm, fand er sich in Hymlia wieder. Vor ihm stand seine Familie und sogar sein verschollender Onkel stand neben seiner Tante und alle lächelten ihn an. Onkel Endres stand in prächtiger Rüstung geben seinem Pegasus und fuhr diesem durch die Mähne. Valor und seine Frau standen neben Salias Vater und bewunderten die Bauten um sich herum. Dann bemerkte der junge Lichtnovize den Ausdruck im Gesicht seiner Mutter. Was war nur mit ihr los???
Gerade als er sie danach fragen wollte, vernahm er ein einzelnes Wort, dass ihn augenblicklich herumfahren lies. Hinter ihm stand eine ältere Version von ihm selbst und sah ihn aus dunklen, geprägten Augen an. Ein Schauder lief ihm über den Rücken, als er realisierte, dass dies sein Vater war. Zitternd und unsicher ging er auf ihn zu und sah ihn ungläubig an.
"Nathanael..... Vater....."
Mehr brachte er nicht heraus. Fast schon stolperte er nach vorne und warf sich seinem Vater in die Arme. Nihil schlang seine Arme um den Assassinen und lautlos liefen Tränen über sein Gesicht.
Mit der Kleidung die er von Valor erhalten hatte, sah es nun wirklich fast so aus, als würden sich eineiige Zwillinge umarmen.
"Endlich habe ich dich gefunden..... so vieles hast du verpasst... haben WIR verpasst.....warum?"
Am liebsten hätte Nihil diesen Moment eingefroren und nun klammerte sich sein gesamtes Wesen mit aller Kraft daran voller Angst, dieser wunderbare Traum könnte ein Ende haben.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Samstag 1. Juni 2013, 15:45

Hymlia tauchte in dunkle Schatten. Sie waren nicht bedrohlich, sie überdeckten nur alles wie ein grauer Schleier. Sie blendeten aus. Ebenso rückten Verwandte und Familie in den Hintergrund. Niemand war mehr wirklich zu sehen, sie alle waren zu Schemen geworden. Alle, bis auf das ältere Ebenbild, welches Nihil gegenüber stand: Nathanael, sein Vater. Der Mann rührte sich nicht. Er ähnelte Nihil bis aufs Haar, abgesehen von den Augen, die der junge Hymlianer eindeutig von seiner Mutter hatte. Außerdem war der Blick aus jenen seines Vaters anders. Das Leben hatte ihn geprägt, es lag wenig Wärme darin. Doch jenes Bisschen, welches dieser Mann erübrigen konnte, schenkte er nun seinem Sohn, den er aufmerksam musterte.
Viel mehr machte Nathanael auch nicht, selbst als sein Fleisch und Blut ihn stürmisch stolpernd umarmte. Er stand da, wartete ab. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sich seine Hand zu dem jungen Mann hob und sich an dessen Rücken legte. Fast zögernd tätschelte er Nihil dort. Es wirkte mechanisch.
"Du hast mich noch nicht gefunden, Sohn. Ich bin ein Traum. Ich bin eine Hoffnung, ein Gedanke, ein Teil aus deiner Seele, den sie nur so darstellen kann, wie sie Zugriff auf dich hat. Ich bin leider nicht mehr, aber wir werden uns finden. Halte nur an diesem Traum fest."
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Montag 1. Juli 2013, 18:28

Nihil hörte die Worte seines Vaters, doch es vergang eine gefühlte Ewigkeit, ehe er sie auch begriff. Langsam löste er sich von der Traumgestalt und sah mit leeren Augen geradeaus. Dann griff er unter sein Hemd und holte die Kette seines Vaters darunter hervor.
"Ja ich werde dich finden. Du hattest diese Kette damals an Mutter weitergegeben und ihr gesaagt sie würde sie beschützen und euch immer wieder zusammen führen. Ich müsste nicht einmal ein Magier sein um zu erkennen, dass dies nicht einfach nur ein Schmuckstück ist. Sie wird mir helfen dich zu finden und ich schwöre dir, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis wir uns sehen"
Endlich hatte er es begriffen und diese Erkenntnis lies die Energie in ihm erwachen. Plötzlich fühlte er sich eingeengt von diesem Traum. Er wollte aufwachen und seinen Vater finden. Vorher musste er zwar noch ein paar Dinge in Ganda erledigen, doch dann würde ihn nichts mehr halten. Der junge Hymlianer schloss die Augen und konzentrierte sich.
Danke für diesen schönen Traum und die Erholung die du mir so schnell ermöglichen konntest. Ich freue mich wirklich darüber. Doch nun ist es an der Zeit für mich wieder zu erwachen

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Sonntag 7. Juli 2013, 12:32

Er stand direkt vor ihm und doch war Nihil so weit fort von ihm. Das hier war Nathanael und andererseits auch wieder nicht. Er war, was er war. Er war, was er ihm selbst gesagt hatte: nur ein Traum, eine Erinnerung. Das Mädchen, die kleine Maya, hatte ihm geschenkt, wonach er sich gesehnt hatte, doch auch sie konnte seinen Vater nicht zu ihm führen. Nihil musste ihn selbst suchen und finden.
Der Traum ließ jedoch eine Erholsamkeit zurück, von der der junge Hymlianer zehren konnte. Er kräftige ihn, stärkte seinen Körper und seine Seele. Das war deutlich zu spüren. Manthalas Domäne würde ihn lebendig und wach entlassen, sofern Maya dies gestattete. So sprach Nihil im Geiste zu ihr, bat darum, den Traum enden zu lassen und er wurde erhört.
Als wären nur Minuten vergangen, durfte er sich in seinem Bett im Zimmer des Anwesens wiederfinden, das er mit seinem Großvater Valor aufgesucht hatte. Doch es war nicht der alte Schänkenwirt, der neben ihm am Rand der Bettstatt saß. Da hockte noch immer das Mädchen, blass und schmal. Das schwarze Haar fiel ihr seidig glänzend über die Schultern, verdeckte ihr Gesichtchen halb, wie ein Vorhang.
"Hast du gut geschlafen?", fragte sie, aber ihr Lächeln zeugte davon, dass sie die Antwort bereits kannte. Sie neigte den Kopf etwas, wirkte so harmlos und unscheinbar. Dennoch ... sie war es gewesen, die Nihil den Traum geschickt hatte. Hinter Maya steckte mehr als nur ein kleines, liebenswertes Mädchen. Aber noch bevor Nihil in irgendeiner Weise auf die Kleine reagieren konnte, wurden Stimmen laut. Schritte hallten schwer auf den Korridoren fernab seines Raumes. Das Klirren und Scheppern von Metall kündete von gerüsteten Wachmännern, die Befehle brüllten, während sie durch die Gänge eilten. Man verstand nicht alles, aber ein Wort trat immer wieder in den Mittelpunkt: Wiedergänger.
"Ohweh, sie sind wieder da. Ich hab es schon wieder getan", wimmerte Maya mit einem Mal, schlug sich die winzigen Hände vor den Mund und huschte bereits Richtung Tür. "Ich muss gehen!", versuchte sie Nihil noch zu erklären, rüttelte schon an der Klinke.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Dienstag 6. August 2013, 14:37

Vollends erholt erhob sich Nihil langsam. Dank Maya konnte er seinen Vater, oder zumindest ein mehr oder minder lebendiges Abbild von ihm sehen und neue Anhaltspunkte von ihm erhalten. Nun war er zuversichtlich, seinen Vater wieder zu finden. Er wollte das kleine Mädchen gerade fragen wie sie das getan hatte und ihr danken, als plötzlich Stimmen laut wurden und immer wieder das Wort "Wiedergänger" zu hören war. Maya wollte aus dem Zimmer eilen und sagte etwas davon, dass sie es schon wieder getan hatte. Nihil musste sie fragen was genau sie damit meinte, obwohl er schon eine dunkle Vorahnung hatte. Doch dazu musste er das Mädchen erst beruhigen. Nihil stimmte einen harmonischen Gesang an und Magie schwang in seiner Stimme mit. Das Licht im Zimmer wurde warm und schmeichelnd und ein goldener Schimmer legte sich wie eine sanfte Decke über das Mädchen. Diesen Zauber hatte er bereits damals bei seinen Großeltern angewandt um sie zu beruhigen und sie in eine wohlige Stimmung zu versetzen. Nachdem er seine Magie gewirkt hatte, ging er langsam auf Maya zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
"Was meinst du mit - du hast es schon wieder getan? Was haben die Wiedergänger mit dir zu tun? Du hast mir geholfen nun will auch ich dir helfen"

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Gestalt » Samstag 17. August 2013, 12:51

Von außen wurden die Rufe lauter. Immer mehr scheppernde Schritte. Da rannten Wachen durch die Korridore, aber Nihils Aufmerksamkeit galt dem Mädchen mit dem seidenschwarzen Haar. Maya stand an der Tür, hielt die kleine Holzklinke in der Hand und hielt den Blick auf das maserige Holz der Zimmerpforte gerichtet, auch wenn sich der Kopf etwas senkte. Ihre schmalen Schultern begannen zu beben und ihre Stimme klang etwas belegt, als sie sprach. Nihil musste dafür umso mehr die Ohren spitzen, denn ihr Stimmchen blieb sehr leise, vor allem musste es gegen den Lärm von draußen ankämpfen.
Einzig Nihils Magiekünste verhalfen wohl dabei, dass Maya jetzt nicht in Tränen ausbrach und schlagartig die Flucht ergriff. Sie zuckte zusammen, als seine Hand auf ihrer Schulter landete, wagte nicht, sich nach ihm umzudrehen. "Ich bin schuld ... an den Toten, die ihre Gräber verlassen. Jedenfalls sagt Inezka Knollwurz das. Sie sagt, ich bin krank und sie will ein Heilmittel finden." Jetzt wandte das Mädchen doch den Kopf, ihre dunkeln Augen wurden von einem Schleier feuchter Tränen überdeckt. "Ich ... ich will das doch nicht. Sonst hab ich immer nur mit den Träumen der Schlafenden gespielt und mit den Schatten an den Wänden. Ich wusste doch nicht, dass ich auch die Toten beeinflusse. Ich will, dass sie sich wieder schlafen legen. Sie machen mir Angst." Und als die Furcht des Mädchens Nihils magische Bemühungen zunichte machte, da konnte man wirklich sehen, wie sich der Raum etwas verdunkelte, wie Schatten an den Wänden tanzten und seltsame Fratzen bildeten.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Dienstag 1. Oktober 2013, 23:00

Dieses Mädchen war in der Tat etwas ganz Besonderes. Was auf den Fluren passierte, beachtete Nihil kaum. Seine Aufmerksamkeit galt vollends der kleinen Maya und auch Suki sahs einen Schritt von Maya entfernt, wie eine Statue da und studierte sie.
Diese Inezka..... langsam aber sicher beschleicht mich das Gefühl, dass irgend etwas an ihr faul ist...
Eine leichte Gänsehaut machte den jungen Hymlianer darauf aufmerksam, dass sein Zauber gebrochen wurde. Für den Bruchteil einer Sekunde weiteten sich seine Augen vor Erstaunen. Schon wieder umging dieses kleine Kind einfach so seine magischen Künste.
Als sich der Raum verdunkelte und die Schatten einen grausigen Tanz begannen, wich Suki zu ihrem Herrn und versuchte so viele Schattentänzer wie möglich auf einmal im Auge zu behalten. Nihil war klar, dass er nun eingreifen musste, bevor die Situation außer Kontrolle geriet. Er erinnerte sich an die Anfänge seiner Ausbildung als Lichtmagier. Eine seiner ersten Lektionen war es, Licht zu erschaffen wo sonst nur Dunkelheit war. Dazu brachte ihn sein Meister in einen Raum ohne Fenster und einer abgeschotteten Tür, die im geschlossenen Zustand nicht einen Funken Licht hineingelassen hatte. Die Aufgabe des jungen Lichtnovizen war es, den Raum mit seiner Magie vollends in Licht zu hüllen und die Finsternis zu vertreiben.
Hier handelte es sich um magische Dunkelheit, was die Sache etwas erschwerte, doch in Nihils Kopf liefen bereits alle erdenklichen Szenarien ab, wie er die Situation am besten bewältigen sollte.
Er konzentrierte sich auf sein Inneres Licht und bündelte die magischen Ströme, die durch seinen Körper flossen. Zuerst ging nur ein leichter Schimmer von ihm aus, der jedoch stetig heller wurde und sich dann zu einer prismaförmigen Sphäre vor seinem Brustkorb zusammenzog. Von der Sphäre ging ein leises aber glasklares monotones Summen und mit ihm sanfte Wärmeimpulse, die sich beruhigend auf die Gemüter der Anwesenden legten. Ein stummer Befehl des Novizen und die Sphäre senkte sich gen Boden, wo es zu einer Art Pfütze wurde, die sich unaufhaltsam immer weiter und weiter ausbreitete, bis der ganze Raum vom Licht erfüllt war.
Behutsam zog er das kleine Mädchen zu sich herum, sodass sie ihm direkt gegenüber stand. Dann schenkte er ihr ein engelsgleiches Lächeln und umarmte sie vorsichtig. Er hielt sie sanft in den Armen und flüsterte ihr ins Ohr:
"Beruhige dich Maya. Ich bin da und werde dir helfen. Wenn du tatsächlich irgendetwas mit den Wiedergängern zu tun hast, werde ich das herausfinden und alles in meiner Macht stehende tun, um dir zu helfen. Du hast eine außergewöhnliche Gabe mit der du viele wunderbare Dinge tun kannst, wenn du lernst sie zu kontrollieren. Ich kann dir dabei helfen. Vertrau mir. Ich bin für dich da"
Nachdem er das letzte Wort ausgesprochen hatte, begann er leise zu summen und eine beruhigende Melodie erklang, die den Zauber vollendete.
Nun konnte der junge Hymlianer nur noch hoffen, dass sein Zauber die erhoffte Wirkung erzielt hatte

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Montag 4. November 2013, 11:10

Die Schatten mochten unheimlich wirken. Sie besaßen finstere Fratzen mit weit aufgerissenen Mäulern, in denen sich gezackte Zähne zu grausigen Reihen zusammentaten. Doch das war auch schon alles. Keines dieser Phantombilder löste sich von den Wänden. Kein Schatten griff an. Sie tanzten am Rand des Raumes, als könnten sie ihn nicht betreten. So blieben sie lediglich Bilder, tanzende Gespinste am Rand der Wahrnehmung, die Angst und mehr schüren, aber nicht körperlich verletzen konnten.
Dennoch wollte Nihil etwas unternehmen. Mayas Augen weiteten sich ein Stück und auch wenn sie nichts sah, so schien sie das Kribbeln zu spüren, dieses leichte Vibrieren der Luft, wenn Magie im Spiel war. Ihre Augen wurden noch größer, als sie schließlich das seichte Licht sah, das Nihil wie eine Haut aus Feenstaub umgab. Sie löste ein Händchen von der Klinke, reckte es etwas in die Luft, wagte aber nicht, ihn zu berühren. Sie wollte, brachte es zugleich nicht fertig.
Im nächsten Moment schon zog Nihil Maya an sich heran. Das Kind erstarrte. Als es aber spürte, dass ihr keine Gefahr drohte und sie unter all dem Licht nicht verging, sondern lediglich in seiner Helligkeit stand, da begannen die schmalen Schultern zu zucken und das Mädchen zu schluchzen. Sie starrte mit tränenfeuchten Augen zu dem Lichtmagier hinauf, während ihre Schatten sich langsam zurückzogen. Sie liefen wie nasse Farbe von den Wänden, sammelten sich am Boden zu einer Pfütze aus Dunkelheit und dann waren sie fort. Das Mädchen jedoch war alles andere als ruhig. Schniefend wischte sie sich mit dem Ärmchen über die Augen.
"Ab-aber Inezka hat doch gesagt, dass es mir wehtun würde. Was hast du gemacht? Sie sagte doch, das Licht würde mich tot machen. Ich will doch nicht sterben."
Derweil nahm der Lärm draußen nicht ab. Maya hatte sich, was ihre Magie betraf, beruhigt. Sie hatte zumindest das Schattenhafte unter Kontrolle, auch wenn das Kind weinte. Doch noch immer klangen von draußen die Rufe über entdeckte Wiedergänger durch die Flure.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Mittwoch 11. Dezember 2013, 10:39

Nihil war sichtlich erleichtert, dass er die Magie des kleinen Mädchens unter Kontrolle bekommen konnte und sie ein wenig beruhigter war, was man von ihm nach ihren Worten nicht wirklich sagen konnte.
Inezka hat zu ihr gesagt, sie würde im Licht vergehen?!?!?! Irgendetwas ist da verdammt faul
Als sein Zauber langsam wieder verebbte, löste sich der junge Hymlianer von der Tochter des Grafen und sah sie etwas besorgt an.
"Was genau hat Inezka zu dir gesagt? Du hast jetzt gesehen, dass die das Licht nichts anhaben kann und wenn du es zulässt, bin ich mir sicher, dass ich dir helfen kann deine Magie unter Kontrolle zu bekommen. Ich verspreche dir, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde um dir zu helfen und dieses Wiedergängerproblem ein für alle mal aus Ganda zu schaffen."
Nihil erhob sich und blickte über seine Schulter zu Suki, die als Antwort sofort auf seine Schulter sprang und sich in gewohnter Weise wie ein Schal um seinen Hals legte. Der Lichtmagier legte seine Hand auf den Türknauf und hielt Maya seine Hand hin.
"Ich würde mich freuen, wenn du mit mir kommst. So lange du bei mir bist, kann ich dich vor den Schatten beschützen solange du sie noch nicht voll unter Kontrolle hast. Vertrau mir"
Ich will ihr helfen. Allein schon weil ich durch sie von dem Überleben meines Vaters erfahren habe...
"Lass uns am besten zuerst herausfinden, ob die anderen Hilfe brauchen um sich über die Wiedergänger zu kümmern ansonsten statten wir Inezka einen Besuch ab"
Damit öffnete er die Tür und würde mit Maya hinaustreten, wenn sie mit ihm kommen würde. Danach würde er sich bei der nächstbesten Person nach der momentanen Situation erkundigen um zu entscheiden, was nun als erstes zu tun wäre.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Samstag 28. Dezember 2013, 13:37

Nihil fiel es schwer, sich nach seinem Lichtzauber von Maya zu lösen. Die Kleine klammerte an ihm, hilfesuchend und als wäre er einziger Ausweg einer Ertrinkenden im Wasser. Ihre schmalen Finger krallten sich in die Kleidung des jungen Mannes und er musste durchaus etwas nachhaltiger sein, um sich von ihr zu lösen. Letztendlich gelang es ihm. Furchtsam blickte das Mädchen zu ihm auf, die dunklen Augen noch immer von einem feuchten Tränenschleier umhüllt.
"Sie sagte, ich bin schuld ... was ich kann und was ich bin, ist daran schuld." Die zarte Stimme zitterte, aber die Scheu fiel von der Grafentochter ab. Offenbar gewann sie mehr Vertrauen in Nihil als in einen anderen. Warum auch nicht? Er hatte sie gerade von Gegenteilen überzeugt. Er hatte ihr die Sorge genommen, im Licht zu sterben. Der Vorhang ihrer seidigen Haare stob etwas auseinander, als sie leer schluckte und nun direkt in seine Augen spähte. Das Mädchen fasste den Mut, zu berichten. "Es ist jetzt schon einige Monate her, da ich sehr krank geworden bin. Mir ging es schlecht. Ich war blass, hatte Fieber und ständig diese Albträume. Ich hab mich gefürchtet, wenn ich allein im Dunkeln war. Mein Vater wusste sich nicht zu helfen. Er schickte Heiler, aber sie entdeckten bei mir keine Krankheit und verletzt war ich auch nicht." Sie seufzte, unglücklich. Offenbar hatte der Graf einiges in Bewegung gesetzt, was ihr hätte helfen sollen - ohne Erfolg.
"Irgendwann tauchte dann Inezka Knollwurz auf", fuhr Maya fort. Inzwischen hatte sie sich doch etwas mehr beruhigt, konnte das Zittern in ihrer Stimme vertreiben. "Sie hat sich um mich gekümmert und konnte meinem Vater einen Grund für mein Unwohlsein nennen. Sie sagte ... sie ... ich bin böse!" Bestürzt schniefte sie nochmals auf. "Ich habe böse Kräfte in mir, von denen ich geheilt werden muss. Diese Kräfte wurden aber schlimmer. Jetzt sind überall Wiedergänger da, terrorisieren das Dorf und machen den Menschen Angst. Inezka versucht, ein Heilmittel zu finden, dazu muss sie aber möglichst viele der Wiedergänger untersuchen können, sagt sie."
Der Hand Nihils wich Maya allerdings aus und so zog sie sich etwas in den Raum zurück, als er nach der Türklinke griff. Hastig schüttelte sie den Kopf. "Ich darf doch nicht", teilte sie ihm mit. "Ich bin böse, ich darf das Haus nicht verlassen. Die Wiedergänger ... ich würde noch Schlimmeres anrichten. Es ist besser, ich bleibe hier. Inezka wird mich heilen, ganz bestimmt! Nur wenn du zu ihr gehst, komme ich mit. Den wandelnden Toten sollte ich nicht zu nahe kommen."

Ob Maya nun folgte oder nicht, draußen auf dem Gang herrschte Hektik. Diener rannten in die eine, Wachen in die andere Richtung. Sie folgten dem Korridor, der zu einer Treppe ins Erdgeschoss führte. Und immer wieder drangen Schreie, Rufe an die Ohren des Hymlianers. Die Diener stießen es auch entsetzt genug aus. Wiedergänger! Im Hof des Anwesens! Unter ihnen, oh Schreck, eine Tote, die das Brautkleid von Mayas Mutter trägt. War die Gräfin als Untote zurückgekehrt?
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Dienstag 7. Januar 2014, 12:51

Nihil drehte sich wieder zu der Kleinen um, ging vor ihr in die Hocke und sah sie mit einem ernsten und doch freundlichem Blick direkt an.
"Du bist nicht böse glaub mir. Deine Gabe ist nur etwas außer Kontrolle geraten und sobald ich weiss warum, kann ich dir auch helfen das alles wieder normal wird. Vertrau mir"
Dann öffnete er die Tür und nahm Maya bei der Hand.
"Lass uns Inezka einen kleinen Besuch abstatten. Ich denke ich muss mit ihr ein paar Worte wechseln"
Auf dem Gang herrschte totales Chaos. Alle eilten umher und Nihil viel es nicht gerade leicht, sich mit der kleinen Maya bis in die Kellerräume vorzukämpfen. Hier und da nahm er ein Paar Gesprächsfetzen auf und war schon drauf und dran, sich das ganze genauer anzusehen, doch im Moment galt es anderes zuerst zu erledigen. Im schlimmsten Fall hatte er auch noch ein kleines Ass im Ärmel. Je näher sie dem Kämmerchen der Heilerin kamen, desto unbehaglicher fühlte sich der junge Lichtmagier. In ihm breitete sich der Verdacht aus, dass Inezka Knollwurz die wahre Ursache für die Wiedergänger war. Stellte sich nur die Frage, welches Ziel sie damit verfolgte. Sein Herz pochte ihm bis zum Hals als er vor ihrer Tür stand und instinktiv pulsierte die Magie durch seine Adern, bereit sekundenschnell entfacht zu werden und sich wie ein Lauffeuer auszubreiten. Noch einmal warf er der Grafentochter ein warmes Lächeln zu, dann klopfte er entschlossen an der Tür und legte seine Hand zum öffnen auf die Tür. Was würde ihn nun wohl erwarten?!

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Dienstag 14. Januar 2014, 10:40

Unglücklich blickte die kleine Maya Nihil entgegen. Da er vor ihr in die Hocke gesunken war, konnte sie dies tun, ohne zu ihm aufsehen zu müssen. Sie befanden sich auf einer Augenhöhe und ihre Seelenspiegel waren erneut tränenfeucht. Die schmalen Lippen pressten sich aufeinander, rieben hin und her, bis sie ganz weiß und blutlleer waren. So sollte kein Mädchen ihres Alters aussehen!
Aber es sollten auch keine Wiedergänger in einem Dorf dessen Bewohner in Angst und Schrecken versetzen. Maya schüttelte hastig den Kopf. Ein Schweif aus Tränen glitzerte flüchtig, bis er sich in ihrem Vorhang schwarzer Haare verfing. "Es ist keine Gabe und ich hatte es nie unter Kontrolle. Es ist böse. Bitte, hilf mir!"
Nur allzu bereitwillig legte das Mädchen ihre Hand in Nihils. Sie würden zu Inezka gehen. Ja, die gute Kräuterkundige konnte sicher etwas tun. "Sie hat immer geholfen", murmelte Maya, während sie erste Schritte durch den Korridor führten.
Den weiteren Weg jedoch schwieg sie, duckte sich, wenn einer oder mehrere Wachen durch die Gänge huschten. Hin und wieder folgte ihnen ien verängstigter Diener oder einige Mägde rannten in die entgegengesetzte Richtung. Es herrschte Tumult, das gesamte Anwesen war in heller Aufregung. Kein Wunder, die Wiedergänger waren vorher nie bis in den Hof gedrungen. Am meisten Sorge machte man sich aber über jene Untote, die im vertrauten Brautkleid der Gräfin unterwegs war. Man konnte die Wachen ständig davon rufen hören. Was sollten sie tun?
"Schlagt ihr den Schädel ab!"
"Nein! Das ist die Gräfin, das können wir nicht tun!"
"Wäre der Graf erzürnt, wenn wir sie verbrennen?"
Neugierde wuchs in Nihil, doch er musste sie herunterschrauben. Zu Inezka Knollwurz zu gelangen war im Augenblick wichtiger. Der Hymlianer hatte bemerkt, dass hier etwas nicht stimmte und er brachte es mit der Heilkundigen in Verbindung. So eilte er zusammen mit Maya zu ihren Kellerräumen. Hier unten gab es keinen schweren Teppich, der ihre Schritte verschluckte. Man hörte das Klackern der Stiefel, gelegentlich unterbrochen von einem Platschen, wenn man durch eine Pfütze sprang. Pfützen? Feuchtigkeit? Es musste zu regnen begonnen haben. Wasser sickerte durch den tiefen Stein der Gewölbe ins Innere. Er befeuchtete nicht nur den Untergrund, sondern machte die Luft kalt und klamm.
Als Nihil klopfte, kam es einem pochenden Donnergrollen gleich. Hinzu gesellte sich eine erboste Stimme, wie er sie zuvor nicht von Inezka gehört hatte. "Wer da? Hinweg! Ihr stört!"
"Oh, sie ist wütend auf mich", hauchte Maya und zog an Nihils Hand. Angst erfüllte ihren Körper, ließ sie zusammenzucken. Wie ein verschrecktes Reh wollte sie lieber wieder nach oben, aber ihre kleinen Finger wurden von Nihil umschlungen. Derweil hatte Nihil die Tür geöffnet. Ihm zeigte sich ein gar seltsames Bild. Die Heilerin, Inezka Knollwurz, stand vornübergebeugt über einem Tisch. Auf diesem hatte sie einen der Wiedergänger gelegt - freiwillig wohl, so schien es, denn er war nicht fixiert, obwohl er sich bewegte. Seine Bauchdecke war geöffnet, der Gestank verblichener Innereien hing als bestialisches Omen in der Luft. Um die Frau herum scharten sich vier weitere der Untoten. Sie standen einfach nur da, blickten mit leeren Gesichtern auf den Fünften, an den Inezka gerade mit einem scharfen Skalpell hatte ansetzen wollen. Ihre Augen blitzten auf, kaum dass sie Nihil und an seiner Hand Maya entdeckte.
"Du kleines Biest! Hab ich dir nicht gesagt, dich fern zu halten, wenn die Wiedergänger aufkreuzen? Hinfort, vermaledeites Kind! Du wirst sie noch unruhig machen!"
Maya starrte erst Inezka, dann die Wiedergänger an. Und plötzlich geriet "Leben" in die Toten. Sie wankten, als sie ihr leerer Blick mit dem des Mädchens traf. Sie verzogen ihre Gesichter zu verzerrten Fratzen und reckten Hälse, sowie Arme. Einer von ihnen stieß einen gedehnten Laut aus. Inezka schnaubte. "Nun, habt ihr mich ohnehin bemerkt. Es macht keinen Unterschied mehr. Die Wiedergänger werden euch vermutlich in dem Chaos erwischt und getötet haben. Ich konnte nichts tun." Und mit herrischer Befehlsstimme schickte sie die Untoten auf Nihil und Maya los.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Dienstag 28. Januar 2014, 13:22

Seine Befürchtungen hatten sich bewahrheitet. Schützend hielt er sich den Arm vors Gesicht, als der bestialische Gestank aus dem Raum drang und die grausige Kulisse freigab. Also war es doch Inezka die hinter dem Problem mit den Wiedergängern steckte. Langsam erhoben sich die Wiedergänger und wankten auf Nihil und Maya zu. Innerhalb weniger Sekunden sausten mehrere Szenarien durch die Gedanken des jungen Hymlianers. Eine Flucht würde nicht viel nützen, da Inezka nun gewarnt war. Er musste sich hier um sie kümmern und vielleicht würden die Wiedergänger von alleine verschwinden, wenn diese scheinheilige Kräuterfrau tatsächlich ihr Ursprung war. Doch drei Wiedergänger und eine scheinbare Nekromantin waren kein leichter Gegner für Nihil. Seine Entscheidung war gefallen. Entschlossen wandte er sich Maya zu.
"Jetzt kannst du mir glauben, dass die Wiedergänger nicht deine Schuld sind und dass du auch nicht böse bist. Hab keine Angst. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um uns hier raus zu helfen. Du musst mir einfach nur vertrauen."
Dann nahm er sie bei der Hand und stellte sich einen Schritt nach vorne versetzt schützend vor die kleine. Die Wiedergänger kamen immer näher und die Hexe schien schon vollends von ihrem Plan überzeugt zu sein, doch sie hatte absolut keine Ahnung von dem Licht, das Nihil in sich trug und was es bewirken konnte. Nach seiner letzten Begegnung mit einem Wiedergänger, hatte der Lichtmagus sehr genau Bekanntschaft mit der Art von Finsternis gemacht, die diesen Wesen ihr untotes Leben gibt. Genau dieses Wissen gab ihm nun den entscheidenden Vorteil. Seine Magie pulsierte bereits in mächtigen Schüben durch seinen Körper und in seinen Gedanken formte sich bereits sein Zauber. Beinahe flüsternd stimmte er mit geschlossenen Augen seinen magischen Gesang an und sanft strichen die Töne durch den Raum, glitten durch die Körper der Wiedergänger, die Gegenstände, Inezka Knollwurz und sogar den Stein der Mauern. Zwar waren seine Augen nun geschlossen, doch sah er nun durch seinen Zauber und nahm das magische Geflecht wahr, dass die Wiedergänger durchzog. Vor dem Hymlianer entstanden 3 dünne Nadeln aus purem Licht, die auf eine flüchtige bewegung seiner freien Hand hin jeweils in einen Untoten schossen und die Finsternis in ihnen vergifteten. Einmal begonnen, sponn sich der Zauber seinen Weg durch die gierige Schwärze der Wiedergänger, geleitet durch das Wissen seines Meisters bis hin zu dem kleinen Restfunken der Seele, die einmal in dem Körper gehaust hatte, verband sich mit ihm und ging auf in ein Feuer aus purem Licht, dass von innen heraus sein unheiliges Ziel von der Dunkelheit reinigte und sie zerstörte. Dieser Zauber forderte Nihils gesamte Aufmerksamkeit und Konzentration sowie einen Großteil seiner Kraft. Er hoffte ein wenig, dass die kleine Maya ihm helfen könnte. In ihr ruhte zweifellos ein großes magisches Potential und wenn sie Nihil genug vertrauen würde um ihn über ihre Berührung auf ihre Magie zugreifen zu lassen, hätte er auch noch nach seinem Zauber genug Kraft, um sich problemlos um Inezka zu kümmern. Ansonsten müsste er wohl einfach auf seine Kraftreserven vertrauen und so mit dieser Hexe fertig werden...

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. Februar 2014, 22:53

Mayas Griff um Nihils Finger festigte sich. Sie hielt erschreckt den Atem an, vielleicht aber auch um möglichst wenig von dem Gestank in sich aufzunehmen, der ihnen beiden seitens der Untoten entgegen wehte. Das Mädchen konnte nicht verstehen, was für Nihil bereits Gewissheit geworden war: Inezka steckte irgendwie hinter all dem und auch wenn ihm die Hintergründe, vor allem die Motive, noch nicht ganz klar sein mochten, er würde sie schon noch erschließen. Jetzt galt es jedoch zunächst, zu überleben. Inezka hetzte ihm und Maya ihre Widergänger auf den Hals.
Welch schrecklicher Anblick das für das Mädchen sein musste. Zum Glück waren die Untoten schon stark verwest. Schlimmer noch wäre es wohl gewesen, hätte sie in ihnen verstorbene Bewohner des Dorfes erkennen müssen. Das Mädchen starrte dennoch wie gebannt auf die heran schlurfenden Toten. Selbst als Nihil sich ihr zu wandte, konnte sie den Blick nicht von ihnen nehmen. Ob sie ihm überhaupt zuhörte?
Ein Nicken. Ja, sie hörte zu. Sie hatte ihn gehört und sie glaubte ihm. "Ich helf mit", drückte sie Nihil gegenüber ihre Loyalität und kindliche Entschlossenheit aus. Ihr würde schon etwas einfallen. Kindern passierte in den Märchen schließlich auch nie etwas. So groß die Gefahren auch sein mochten, es ging doch immer gut für sie aus! Maya hatte keine Angst. Trotzig blickte sie an Nihil vorbei zu den Untoten, die inzwischen nur noch auf kurzer Distanz zu den beiden waren.
Inezka, welche sich noch im Hintergrund hielt, grinste höhnisch auf. "Glaubst du wirklich, ihr kommt hier nochmal lebend heraus? Vielleicht schneide ich der Kleinen die Haut vom hübschen Gesicht." Hinter Nihil quiekte es, aber er konnte - er durfte - sich jetzt nicht darum kümmern. Sein gewebter Zauber forderte alle Konzentration von ihm. Es hatte schon einmal geklappt. Er musste den Rest der Seele finden, der sich in den toten Hüllen noch verborgen hielt. Dazu schickte er drei Nadeln aus Licht auf die Wiedergänger los. Das war zu viel. Zu viel für einen Magier, der es gleich mit drei Gegnern aufnehmen wollte. Immerhin, bei zweien gelang sein Zauber. Die Wiedergänger stöhnten laut und weniger gequält. Vielmehr kam ihr letzter Ruf einer Erlösung gleich, als sie in sich zusammensackten und endgültig vergingen. Nur der Dritte, bei dem hatte die Magie nicht ausgereicht. Sie prallte ab, schoss am Seelenfunken vorbei und verlor sich in den Tiefen der schwarzen Magie, die das Wesen zum Unleben erweckt hatte.
"Ein kleiner Zauberer?", fauchte Inzeka Knollwurz, die Nihils Begabung nicht erwartet hatte. Aber dann drehte sie nebst der noch immer drohenden Gefahr durch den verbliebenen Untoten den Spieß herum. "Maya! Kind, merkst du nicht, was hier passiert? Er zerstört die Toten, weil sie aus finsterer Magie bestehen. Magie, die auch in dir ruht. Glaubst du, er lässt dich danach einfach so gewähren? Vernichten wird er dich. Wehr dich, wehr dich, Kindchen!"
Erneut quiekte es hinter Nihil und er konnte spüren, wie die kleine Hand in seiner heftig zusammenzuckte. Die großen, dunklen Augen hoben sich zu seinem Gesicht. Zweifel, Furcht flackerte darin. "Aber ...", ächzte das Mädchen, während ihre Unterlippe zitterte.
"Komm ihm zuvor! Vernichte ihn, Maya!"
Nun wurde es richtig gefährlich für den Hymlianer. Er musste etwas unternehmen, noch bevor die kleine Maya gezwungen war, ihre Entscheidung zu treffen; noch bevor der Wiedergänger ihn erreichte; noch bevor Inezka etwas gegen ihn unternahm!
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