Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Ganda ist ein größeres Dorf, welches im Westen liegt. Hier wird mit den verschiedensten Städten gehandelt und auch mit allerlei Waren. Einige Züchter befinden sich hier, welche angeblich die besten Pferde haben.
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Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. Mai 2012, 22:32

[Naya und Nihil kommen von hier: Der westliche Teil Celcias ‹ Der Wald Sarius ‹ Eine Nacht im Sarius]

Die weitere Riese war kein Vergleich zu dem, was sie am Vortag durchgemacht hatten. Wenn man Wetter, Wind und alles andere hätte Planen können, wäre es sicherlich nicht besser gelaufen! Sie waren sogar schneller in dem großen Dorf angekommen, als Naya es eingeplant hatte. Vielleicht spielte dabei auch Albans Enthusiasmus eine kleine Rolle gespielt, denn der schwarze Hengst war durch den Himmel geprescht wie der schnellste Adler und genoss das auch noch sichtlich. Zu lange hatte er darauf verzichten müssen, seiner Natur freien lauf zu lassen und durch die Wolken zu stürmen. Jedenfalls kamen sie am späten Nachmittag in der Siedlung an. Die Sonne stand noch hoch am Himmel, neigte sich aber schon dem Rand der Welt entgegen, als die Hufe des Pegasus auf der schlichten Hauptstraße aufsetzten. Anstatt einer Steinstraße gab es hier jedoch nur einen breiten Weg aus festgetretener Erde. Ganda war nicht so reich, dass man gute Steine für etwas anderes als Gebäude, und wichtige Dinge wie Brunnen, verschwenden konnte. Es war eine einfache, ziemlich kleine Stadt, die aufgrund ihrer zentralen Lage, vor allem als Handelsposten diente.
Eigentlich hätte dies ein sehr idyllischer Ort sein können. Aber irgendwie lag eine bedrückende Stimmung auf Ganda. Etwas, dass man nicht direkt erfassen konnte, aber das trotzdem nicht stimmte. Vielleicht war es die Art, wie die Stadtwachen mit nervösem Blick durch die Gassen Paktroulierten, vielleicht lag es auch daran, dass es nirgendwo spielende Kinder gab und die wenigen Leute, die sich auf die Straßen wagten, schnell und mit gesenktem Blick daher gingen. Eines davon wäre nicht großartig aufgefallen, aber es war ihre Masse, die dem schlechten Gefühl Gewicht gaben. Oder vielleicht war es auch einfach nur Einbildung. Auf jeden fall nahm niemand von den beiden ungewöhnlichen Reisenden Notiz, als diese sich ihren Weg zur örtlichen Schenke, dem Gasthaus zum Nordstern, bahnten. Wenn der Brief, den Nihil gefunden hatte recht behielt, sollte er dort seine Großeltern finden. Zumindest die väterlicherseits.
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Nihil De´val
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Samstag 12. Mai 2012, 18:38

Während des Fluges war noch alles in Ordnung gewesen. Nihil hatte die ganze Zeit darüber nachgedacht, wie er seine heilenden Fähigkeiten optimieren könnte und wie oft er Nayas Hand noch auf diese Art und Weise heilen könnte, bevor der Zauber seine Wirkung verlor. Durch all diese Überlegerei, verging der Flug rasend schnell und plötzlich machte sich Alban wieder zur Landung bereit. Völlig verdutzt erwachte der junge Hymlianer aus seinem Gedankenreich und blickte sich um. Als sie gelandet waren, stieg er ab - wobei scheinbar augenblicklich Suki aus seiner Tasche huschte und sich um seinen Hals legte - und streckte erst einmal seine Glieder. Jetzt erst spürte er es, wie anstrengend so ein Flug für den Körper sein konnte.
Kaum hatte Nihil sich kurz umgesehen, setzte auf einmal die Nervosität ein. Der junge Lichtnovize begann am ganzen Körper zu zittern und seine Hände begannen zu schwitzen. Hier würde er nun endlich nach so vielen Jahren etwas über seinen Vater erfahren und nicht nur das, er würde sogar noch weitere Mitglieder seiner Familie kennenlernen. Wie würden sie auf ihn reagieren? Würde er sie überhaupt finden??? Diese und viele weitere Fragen stellten sich ihm, während sie durch Ganda liefen.
Nun fiel es dem Hymlianer auch auf, dass es ungewöhnlich ruhig war. Wenn in Hymlia Fremde ankamen, war die ganze Stadt in Aufruhr und selbst an normalen Tagen war es nie so ruhig wie hier. Nicht einmal die Stadtwachen schienen sich für die beiden zu interessieren. All dies rief in Nihil ein mulmiges Gefühl hervor und lies ihn leicht erschaudern. Das Gefühl war so bedrückend, dass sogar seine Nervosität davon gehemmt wurde.
"Irgend etwas hier ist komisch....."
Flüsterte er in Nayas Richtung und umklammerte sicherheitshalber fest seine Tasche. Man konnte ja nie wissen, ob in einer solchen Gegend nicht auch Diebe ihr Unwesen treiben würden. Hier war also sein Vater aufgewachsen.... wie es wohl ist oder war hier zu leben?
Vor der Taverne blieb er stehen und starrte auf die Tür. Er legte seine Hand auf den Griff und blickte noch einmal zu Naya
"Warte hier auf mich... ich komme gleich wieder"
Entschlossen öffnete er die Tür und ging hinein. Drinnen suchte er sofort nach Menschen, die er sich als seine Großeltern vorstellen konnte. Unbewusst umklammerte er dabei die Kette seines Vaters. Das einzige, was er von ihm hatte.

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Naya Shan'don
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Naya Shan'don » Montag 14. Mai 2012, 09:33

Die Reise verlief schneller als Gedacht. Das Wetter war den Reisenden wohlgesonnen und auch Alban kam auf seine Kosten. Er peitschte durch die Luft und schien vollkommenen Spass dabei zu haben. Naya erfreute sich über dieses Schauspiel, denn zu lange hatte sie ihn in der Stadt stehen lassen müssen.
Es war später Nachmittag, als Alban schließlich landete und mittlerweile doch erschöpft vor sich hintrabte. Selbst durch ihr Gewand konnte Naya seine müden Muskeln spüren und war froh, dass sie jetzt vermutlich ein paar Tage Ruhe hatten. Zu Nayas Verwunderung gab es hier keinen Pflasterboden, lediglich Erde, die durch die vielen Füße plattgetrampelt wurde. Schließlich stieg Nihil ab. Sein Katzenhörnchen tat ihm gleich und streckte sich ersteinmal auf seinem Hals. Naya blieb noch eine Weile auf Alban sitzen und sah sich um. Sie als Himmelsreiterin musste selbst öfter einmal Wache stehen, weshalb ihr das Verhalten dieser Wachen ins Auge stach. Sie schienen äußerst nervös zu sein. Ihre Blicke waren müde und aufgeregt. Man sah ihnen förmlich an, dass sie bestimmt bei jedem Laut zusammenzucken würden. Um die Bewohner stand es nicht besser. Die meisten huschten mit gesenktem Blick durch die Straßen und wollten einfach so schnell es ging irgendwo hineingehen. Auch hörte Naya keine Händlerschreie, keine spielenden Kinder, ja nicht einmal Vieh, welches zum Verkauf angeboten wurde. Alban schien Nayas Verwunderung zu teilen. Er schnaubte ein paar Mal und warf seinen Kopf in die Höhe. Seine schwarzen Augen waren weit aufgerissen, als würde er ganz genau wissen, was hier nicht stimmte. Naya legte beruhigend ihre Hand auf seinen Hals, ehe sie abstieg und Alban am Zaumzeug neben sich herzog.
Als Naya jedoch wieder zu Nihil sah, überkam sie ehrliche Sorge. Der junge Lichtnovize schien vollkommen aufgelöst. Er zitterte am ganzen Leib, schien diese Stimmung jedoch auch wahrzunehmen. Als Naya ihn schließlich einholte, flüsterte er ihr zu: "Irgend etwas hier ist komisch.....", und ließ Naya stumm aber fürsprechend nicken. Dann steuerte er die Taverne an, vor der er stehen blieb und sich noch einmal zu Naya umdrehte, mit der Bitte, hier auf ihn zu warten. Er würde gleich wiederkommen. Dann war er auch schon in der Taverne verschwunden. Naya blinzelte ihm hinterher. Sie verstand es nicht, wieso er sie jetzt zurückließ, doch würde sie das Beste daraus machen. Eventuell könnte sie etwas aus den Stadtwachen herausbekommen, oder wenigstens etwas Nahrhaftes für Alban auftreiben können. Ihn einfach vor der Taverne anbinden konnte sie nicht übers Herz bringen. Wer weiß was hier alles geschehen konnte. Alban schien ihr dankbar zu sein, denn als er auf den hölzernen Balken blickte, der vor der Taverne angebracht war, wieherte er aufgeregt.
Keine Sorge, Großer. Du kommst mit.“, flüsterte sie ihm verschwörerisch zu und tätschelte seine Wangen. Dann sah sie sich kurz um. Sie bemerkte recht schnell skeptische Blicke, die auf ihr und Alban ruhten. Hoffentlich würde NIhil nicht all zu lange wegbleiben... Da sah sie auch schon zwei Stadtwachen an sich vorbeischleichen. Sie tat einen Schritt vor und rief in ihre Richtung, "Entschuldigt, bitte...", als ihr wieder einfiel, dass die Bewohner hier wohl kaum hymlikor sprachen. Also versuchte es Naya in der Gemeinsprache, die ihr gut geläufig war.
"Entschuldigt, bitte, werte Wachen.", sagte sie uns räusperte sich, als diese nicht reagierten. "Entschuldigung!", wiederholte sie diesmal lauter und tatsächlich zuckte eine der Wachen zusammen und drehte sich zu ihr um. Naya nickte ihnen freundlich zu, ehe sie einen weiteren Schritt auf sie zuging. Beide Wachen starrten sie an und wären am liebsten weggerannt, das konnte selbst Alban sehen. "Könnt Ihr mir wohl sagen, was hier vor sich geht?", erkundigte sie sich in freundlichster Weise und wartete auf eine Reaktion der Wachen. Oh bitte Nihil, beeile dich..., betete sie insgeheim und seufzte resigniert.

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Wirt/in
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Wirt/in » Mittwoch 16. Mai 2012, 23:43

Das innere der Taverne war geräumig und von einem rustikalen Charme geprägt. Fast alles hier war aus Holz, dass zwar schlicht, aber dafür gut gepflegt war. Tische, Stühle, der lange Tresen, alles war aus dunklem, fast schwarzen Holz gefertigt, was in Zusammenspiel mit den dunklen Steinwänden anfangs einen etwas düsteren Eindruck vermitteln mochte. Auch die Tiertrophäen, die als Dekoration an den Wänden angebracht waren, trugen einen Teil dazu bei, denn die Bären-, Hirsch und Wolfsschädel sahen verblüffend lebendig aus. Immerhin war der gesamte Schanksaal hell beleuchtet, auf jedem Tisch stand eine kleine Öllampe und im Kamin brannte ein munter prasselndes Feuer. Doch da war noch etwas, dass diesem Raum einfach etwas freundliches und einladendes verlieh und das war die ältere Frau, die freundlich lächelnd einen der runden Tische polierte. Zwar hatte sie graues Haar, dass sie zu einem strengen Knoten gebunden hatte und ihre Haut war faltig, doch sie stand noch immer aufrecht und wirkte munter wie ein junges Mädchen. In ihrem dunkelbraunen Kleid und der weißen Schürze hatte sie zweifelsohne etwas großmütterliches an sich. Aber da war noch etwas, irgendetwas an ihren Zügen, die seltsam vertraut schienen. Als Dormian eintrat, hatte sie ihm noch den Rücken zugewandt. Grade steckte sie den Lappen in die Tasche ihrer Schürze und räumte die leeren Humpen auf ein Tablett, als die Glocke über der Tür läutete. „Ich wünsche einen schönen Abend,“ begrüßte sie den neuen Gast mit einer warmen, einladenden Stimme. Dann drehte sie sich zu Nihil um. „Was kann ich für euch ...“ Mitten im Satz brach sie ab. Es war dieses Gesicht, dass ihr entgegen blickte geläufig wie kaum ein anderes war. Ihre Augen weiteten sich und das Tablett mit den Kelchen fiel klirrend zu Boden. Langsam ging die Wirtin rückwärts, bis sie den Tresen im Rücken hatte. Dabei schüttelte sie kaum merklich und dennoch unaufhörlich den Kopf. Ihre Lippen zitterten. „Nein., Nein du bist nicht real. Verschwinde wieder, elendes Gespinst! Verschwinde und Quäle mich nicht weiter, in Lysanthors Namen!“ Durch das Scheppern der fallenden Humpen war ein Mann angelockt worden, der ebenso alt schien, wie die Frau, wenn nicht noch älter. Sein schütteres, braunes Haar war von vielen grauen Strähnen durchzogen und er war ähnlich gekleidet wie die Wirtin. „Was ist hier los, Nathalia?“, fragte er aufgebracht und besorgt zugleich. Dann sah auch er den jungen Mann an der Tür. Im ersten Moment schien er ebenso zu reagieren wie seine Frau, doch noch einem kurzen Augenblick blinzelte er mehrmals schnell hintereinander und trat auf Nihil zu. Die Brust des Alten war fast doppelt so breit wie die des Lichtmagiers, aber dass war kein Fett, sondern die Muskeln eines harten Lebens! „Wer bist du?“ fragte er langsam und deutlich, als spreche er mit jemanden, der seine Sprache nicht gut kannte. „Und wieso siehst du aus wie unser verstorbener Sohn!?“

Von dem, was sich in dem Gasthaus abspielte, bekam Naya natürlich nicht mit. Sie war da praktischer veranlagt und interessierte sich mehr dafür, was in dieser Siedlung los war. Dass etwas nicht stimmte, konnte jeder sehen, der nicht blind war. Doch auch wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte spätestens Albans nervöses Verhalten sie sicher stutzig gemacht. Es war nur das naheliegendste, sich deshalb bei einer der Patrouillen zu informieren, die grade die Hauptstraße entlang kam. Bereits als Naya die beiden Soldaten, die in einfache Kettenhemden, mit einem dunkelroten Überwurf gekleidet waren und lange Piken in den Händen hielten, in der Sprache der Wolkenstadt ansprach, wurde sie erkannt. In so einer stillen Straße, in der die eigenen Schritte erstaunlich laut wiederhallten, zog man unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich, wenn man rief, da brauchte man nicht verstanden zu werden. Doch trotzdem liefen sie Stur weiter, als wären sie zu einem stummen Einverständnis gekommen, die Fremde zu ignorieren. Daran änderte sich auch nicht viel, als die Himmelsreiterin es in der Gemeinsprache versuchte. Erst beim dritten versuch drehte sich endlich der kleinere der beiden herum. Der Mann hatte einen ungepflegte, kurzen Stoppelbart und dunkle Ringe um die Augen. Wie er so unter seinem Bügelhelm hervor lugte, sah er ganz und gar nicht gesund, geschweige denn glücklich aus. Trotzdem bemühte er sich, das höfliche Kopfnicken seitens der Hymlianerin zu erwidern, auch wenn es recht steif wirkte. Inzwischen hatte auch der andere Soldat sich umgedreht, der ähnlich mies aussah. Doch wenn sie vorher blass gewesen waren, so verstärkte sich dass noch, als sie Nayas Frage vernahmen. Sie tauschten einen Blick aus, ehe der kleinere sich zu einer Antwort zwang. „Ihr seid nicht von hier, oder?“, stellte er die überflüssige Frage, denn bereits der schwarze Pegasus war ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die blonde Dame eine Ausländerin war. Solche Tiere gab es in Jorsan einfach nicht. „Ihr solltet von hier verschwinden, werte Dame. Der Graf Morcerf ist mit einem Teil des Heeres zurückgekehrt und hat böse Geister mitgebracht.“ Er deutete mit ausgestrecktem Arm nach Norden, wo sich auf einem Hügel eine kleine Burg befand, die selbst von diesem Punkt aus zu sehen war. Dann mischte sich auch die andere Wache ein, die zu den Worten ihres Kameraden nur den Kopf schüttelte. „Es ist die Tochter des Grafen! Sie ist verflucht. Seit sie laufen kann treiben sich böse Geister in der Stadt herum!“ Sofort hatte der erste den Finger vor die Lippen gehoben, um den anderen zum schweigen zu bringen. „Wie auch immer, derzeit ist es besonders schlimm. Verschwindet einfach und meidet die Toten. Ich wünsche euch Glück, Herrin.“ Mit einem weiteren Kopfnicken verabschiedete sich der Soldat und die beiden setzten ihre Patrouille fort.

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Nihil De´val
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Donnerstag 17. Mai 2012, 09:57

Nihil betrat die Taverne mit einem mulmigen Gefühl. Kaum hatte er den ersten Schritt hinein gemacht und hörte die Tür hinter sich zu fallen, blieb er auch sofort wieder stehen und blickte sich erst einmal um. Auch Suki reckte ihr Köpfchen nach oben und schnupperte und schaute neugiereig umher. Die Tiertrophäen, die unglaublich lebendig wirkten, liesen Nihil erschaudern und verstärkten sein Unbehagen noch ein wenig. Langsam machte er ein paar Schritte weiter hinein und erblickte eine alte Dame. Die Frau verscheuchte jeden schlechten Gedanken aus dem jungen Hymlianer. Sie strahlte etwas so reines und gutes aus, dass er am liebsten sofort zu ihr gegangen wäre und sie in die Arme geschlossen hätte. Ihre Reaktion, als sie ihn erblickte, veränderte die Situation hingegen von Grund auf. Als die alte Frau zurückwich, machte Nihil eilig ein paar Schritte in ihre Richtung und streckte ansatzweise die Hand nach ihr aus,
"Nein nicht.... ich bin kein böser Geist"
hielt dann jedoch sofort inne, als er merkte, dass sich noch eine weitere Person der Runde angeschlossen hatte und dass er gerade sowieso für die Menschen hier völlig unverständlich gesprochen hatte. Kaum hatte der alte Mann den Raum betreten, war sich der junge Lichtnovize sicher. DAS mussten seine Großeltern sein. Der Wirt baute sich vor ihm auf und aus seinem Mund kamen Worte, die Nihil schier den Atem raubten. Als hätte er einen Schlag vor die Brust bekommen keuchte der Hymlianer erst einmal auf und taumelte kurz ein paar Schritte zurück.
"verstorbener Sohn...."
Diese Worte hallten noch eine Weile in seinen Gedanken nach, bis er wieder zur besinnung kahm. Den Tränen nahe blickte er wieder zu seinem Großvater, der sich immernoch schützend vor seiner Frau aufgebaut hatte und nahm all seine Kraft zusammen um das Wort an ihn zu richten.
"Ich... seid ihr euch absolut sicher, dass Nathanael tot ist?"
Nihil kramte in seiner Tasche und zückte den Brief seines Vaters, den er dem Wirt hinstreckte. Dann lies er die Kette, die er die ganze zeit umklammert hatte los und sie baumelte wieder auf seiner Brust, offen sichtbar für alle Anwesenden.
"Mein Name ist Nihil De´val. Ich komme aus der Stadt Hymlia und bin dort als Einzelkind bei meiner Mutter und ihrer Familie aufgewachsen. Ich hatte von meinem Vater nie viel gewusst. Einzig und allein diese Kette habe ich von ihm und ein Gemälde, dass meine Mutter zeichnete, als sie ihn kennengelernt hatte. Vor kurzem erhielt ich diesen Brief und ich hatte gehofft, endlich meinen Vater zu finden.... Ich bin Nihil... Nathanaels Sohn und wie es mir scheint.... euer Enkel"
Nun konnte er es nichtmehr zurück halten und erste Tränen rannen über sein Gesicht. Suki reibte besorgt ihren Kopf an Nihils Wange und schien selbst auch völlig aufgelöst zu sein. Waren nun all seine Hoffnungen zu nichte gemacht, seinen Vater jemals zu treffen?

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Naya Shan'don
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Naya Shan'don » Donnerstag 17. Mai 2012, 14:56

Endlich reagierte eine der Wachen. Er sah müde und erschöpft aus. Seine Augen waren mit dunklen Ringen umrandet, als er seine Augen zu Naya erhob. Schließlich wandte sich auch der andere zu Naya, der nicht sonderlich besser aussah. Ihre Frage schien die Beiden aus der Fassung zu bringen, doch sie antworteten etwas leiser, ob sie denn noch von hier sei. Naya sah zu Alban und dann wieder zu den Beiden. Das war ja wohl offensichtlich, dass sie von Hymlia kam...
„Nein, werte Herren. Ich komme aus Hymlia und bin auf der Durchreise.“, teilte sie den Beiden mit, ehe schon einer von Beiden weitersprach.
„Ihr solltet von hier verschwinden, werte Dame. Der Graf Morcerf ist mit einem Teil des Heeres zurückgekehrt und hat böse Geister mitgebracht.“, Naya konnte nicht anders, als verwundert mit den Augen zu blinzeln. Was redeten die Beiden da nur? Böse Geister? Dann deutete er schon auf einen Hügel, auf dem eine kleine Burg stand. Naya sah herüber. Viel konnte sie nicht erkennen, doch ein Blick genügte, um ihr ein noch schlechteres Gefühl zu bescheren. Dann sprach die andere Wache.
„Es ist die Tochter des Grafen! Sie ist verflucht. Seit sie laufen kann treiben sich böse Geister in der Stadt herum!“, sagte er und hatte vor Angst aufgerissene Augen. Naya verstand kein Wort.
„Was für ein Fluch? Was hat sie?“, fragte sie neugierig und verängstlich zugleich, doch die beiden Wachen drehten sich um, rieten ihr dazu, zu verschwinden, vor den Toten in Acht sein und wünschten ihr Glück, ehe sie ihre Patrouille fortsetzten. Naya stand da und sah den Beiden verwirrt hinterher. Auch Alban schnaubte erneut, als würde er sagen wollen, dass es hier nicht gut ausgehen würde. Sollten hier irgendwelche Toten herum laufen, so würde Naya gewiss nichts gegen sie ausrichten können, zu mal sie nur ein wenig mit dem Schwert umgehen konnte... Um ihre wirren Gedanken loszuwerden, schüttelte Naya leicht ihren Kopf. Was war das hier nur für eine Stadt?, fragte sie sich, ehe sie ein wenig weiter ging. Alban wich ihr nicht von der Seite, sie hätte auch ruhig seine Zügel loslassen können, doch die Gefahr, dass irgendein Dieb sich Alban einfach schnappen würde, war viel zu groß. Vor allem wenn die ganze Stadt verzweifelt schien. Sie drehte sich noch kurz zur Taverne und entschuldigte sich in Gedanken bei Nihil, doch sie musste einfach herausfinden, was hier los war. Als ging sie langsamen Schrittes in Richtung des Marktplatzes, der hoffentlich mit etwas mehr Leben – und vor allem Informationen - gefüllt war.

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Wirt/in
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Wirt/in » Montag 21. Mai 2012, 17:24

Der Wirt wusste nicht so recht, wie er mit diesem seltsamen Burschen umgehen sollte, der ihn auf fast schon unnatürliche weise an seinen Sohn erinnerte. Eigentlich hatte er inzwischen seinen Frieden gefunden, so dachte er zumindest, doch das auftauchen dieses jungen Mannes wirbelte lange vergessene Gefühle in ihm auf. Er schluckte sehr schwer und sah einen Moment lang zu Boden, ehe er kaum merklich mit dem Kopf nickte. „Ja Junge, mein Sohn ist tot. Und zwar schon fast 20 Jahre lang. Das, was von seinen sterblichen Überresten noch übrig war, haben wir auf dem Friedhof, ein Stück außerhalb der Stadt begraben. Ich würde dir ja sagen, dass du sein Grab gerne besuchen kannst, doch angesichts der Wiedergänger, wäre dies ein äußerst herzloser Ratschlag.“ Hinter sich hörte er seine Frau schluchzen. Sie hatte den Tod ihres einzigen Kindes nie wirklich überwunden. Wenn bereits ihn der Anblick des Fremden so verunsichert hatte, wie fühlte sie sich dann jetzt nur? Auch wenn es ein wenig gegen die Gesetze der Höflichkeit verstieß, wandte sich der alte Mann von seinem Gast ab und nahm stattdessen sein Weib in die Arme, die sofort ihr Gesicht in seiner Seite vergrub. Mit müden Augen richtete er seinen Blick wieder auf Nihil, er inzwischen damit angefangen hatte, in seiner Reisetasche herum zu kramen.„Bitte nimm es mir nicht krumm Junge, aber es wäre wohl besser wenn du jetzt ...“ ‚Gehst’ hatte er eigentlich sagen wollen, doch der Anblick der Halskette, die der Lichtmagier nun offenbarte, raubte ihm einen Augenblick lang den Atem. Er kannte das Stück sehr gut. Vor vielen, vielen Jahren hatte er es selbst geschnitzt und seinem Sohn bei seiner letzten Abreise als Glücksbringer geschenkt. Seine Frau trug ein genaus Abbild um den Hals. Mit zitternden Händen nahm er das vergilbte Pergament entgegen, während dieser fremde Junge, der kaum das Mannesalter erreicht hatte, ihnen offenbarte, ihr Enkelsohn zu sein. Ungläubig entfaltete der Wirt den Brief und begann ihn zu überfliegen. Dann reichte er ihn an seine Gattin weiter, die inzwischen verstummt war, aber am ganzen Leib zitterte. „Sieh nur, dass ist eindeutig Nathanaels Handschrift,“ murmelte sie aufgewühlt, „Er hat immer die Buchstaben so lang gezogen, damit er noch einen zwischenschieben konnte, wenn er einen vergessen hatte.“ Mit großen Augen und bebenden Lippen hob die Wirtin den Blick und sah sich Nihils Züge ganz genau an. „Du siehst im so unglaublich ähnlich ...“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber in der herrschenden Stille trotzdem kaum zu überhören. Der Wirt selbst hatte noch immer seine Frau im Arm, aber so langsam schien auch er zu der Meinung zu kommen, dass Nihil tatsächlich die Wahrheit sprach. „Wir haben ... einen Enkel ..!?“ Obwohl seine Stimme fest klang, strich er sich fahrig mit einer Hand über die Stirn. „Mein Name ist Valon. Und das hier ist meine Frau Nathalia. Verzeih uns, dass wir dich nicht herzlicher empfangen, aber es ist ... so unerwartet. Heute Morgen hatten wir keinen Erben mehr und nun steht ein junger Mann vor uns, der unser Enkel sein will. Ich glaube dir, Nihil. Doch an Gedanken müssen wir uns erst einmal gewöhnen. Außerdem kommst du zu einer ungünstigen Zeit. Ganda ist zu diesen Tagen ein gefährlicher und düsterer Ort. Hast du vor länger hier zu bleiben? Wenn ja, dann sei unser Gast, obgleich ich hoffe, dass du diese verwünschte Stadt verlässt, ehe dir ein Übel geschieht....“

Die wenigen Leute die ihren Weg kreuzten, wichen erfürchten zu den Seiten aus, um dem schwarzen Pegasus bloß nicht zu nahe zu kommen. Manche schlugen sogar Schutzzeichen in die Luft, als wäre Alban ein schlechtes Ohmen, dass man verscheuchen müsste. Aber wirklich belebter wurde es selbst dann nicht, als Naya sich dem Marktplatz näherte. Besonders weit von der Taverne entfernt lag dieser nicht, aber die meisten Händler waren bereits im Begriff, ihre Stände abzubauen. Nur einige wenige Menschen versuchten noch, das eine oder andere Angebot zu ergattern. Von der Hymlianerin nahm niemand Notiz, abgesehen um ihr aus dem Weg zu gehen. Sie konnte problemlos eine runde um den kompletten Marktplatz drehen und jeder, auf den sie sich zu bewegte, hatte es sofort erstaunlich eilig. Nicht das die Bewohner von Ganda von Natur aus so scheu und abweisend waren, aber ein düsterer Schatten lag auf ihren Gemütern. Vielleicht hatte der Wächter ja recht gehabt und es gab tatsächlich böse Geister im Handelsdorf. „Hier ist die Bestellung für das Schloss.“ Die Stimme erklang in Nayas Rücken. Ein korpulenter Mann mit Halbglatze reichte einen Korb mit Gemüse an eine jüngere Dienstmagd mit einem schweren, schwarzen Zopf weiter und erhielt dafür ein paar Münzen in die breite Pranke. „Wie steht es dort oben um die Dinge?“ fragte er verschwörerisch und senkte ein wenig die Stimme. Die Magd setzte leise stöhnend den Korb ab und beugte sich über die Auslagen. „Es wird immer schlimmer. Der Graf verlässt sein Arbeitszimmer überhaupt nicht mehr, nicht mal zu den Mahlzeiten. Niemand traut sich mehr in Mayas nähe, während die Gräfin so tut, als wäre nichts los. Nur diese Heilerin läuft durch die Burg, als wäre alles zu ihrer größten Zufriedenheit. Glaub mir, sie macht mir wirklich angst!“ Sie nickte dem Händler zu, dann hob sie ihren Korb wieder in die Höhe. Mit ihrer schweren Last machte sie sich auf den Weg zum Stadtrand hinaus, in Richtung des Schlosses.

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Nihil De´val
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Montag 21. Mai 2012, 21:05

Die Betroffenheit seiner neu gewonnenen Großeltern färbte direkt auf Nihil ab und er musste all seine innere Kraft zusammen nehmen, um nicht in Tränen auszubrechen. Doch zu seiner Trauer kamen Neugierde und Besorgnis in ihm auf, als er hörte, was Valor ihm erzählte über Wiedergänger und dergleichen die auf dem Friedhof wandelten und die Bewohner Gandas ängstigten. Der junge Hymlianer ging etwas näher an die beiden heran und verstaute währenddessen den Brief wieder sorgfältig in seiner Tasche.
"Was meint ihr mit Wiedergänger? Seid wann ist das so und warum? Und wenn es so gefährlich hier ist warum geht ihr dann nicht? Ich bin nicht alleine hier. Eine gute Freundin aus Hymlia und ihr Pegasus haben mich hierher gebracht. Sie wartet vor der Tür. Unser Weg führt uns nach unserem Aufenthalt hier weiter nach Zyranus, wo wir einen Auftrag meines Mentors erledigen müssen, aber wenn wir wieder in Hymlia sind kann ich mit meinem Onkel und anderen Himmelsreitern wiederkommen und wir nehmen euch mit nach Hymlia. Ihr könntet dort völlig ungestört leben. Mein Volk ist sehr aufgeschlossen und meine Familie, vor allem meine Mutter Salia, möchte euch sicherlich kennenlernen"
Kurz hielt Nihil inne, als er merkte, dass er völlig aufgeregt war und dadurch auch leicht hektisch gesprochen hatte. Er setzte eine kurze Pause ein um sich wieder zu sammeln. Suki setzte sich währenddessen auf seine Schulter und bewies wieder einmal erstaunliche Stabilität in ihren Bewegungen, da sie scheinbar völlig sicher und ohne Gefahr aufzulaufen herunterzufallen auf der Schulter ihres Herren sahs und auffordernd ihren Kopf an seiner Wange rieb als wolle sie sagen, dass sie auch noch da währe. Nihil lächelte leicht, als seine treue Begleiterin auf sich aufmerksam machte.
"Achja... das ist Suki. Sie begleitet mich schon seid ich ein kleiner Junge war und ist ein ganz besonderes Tierchen. Aber zurück zu den momentanen Ereignissen. Ihr müsst wissen, dass ich ein Lichtnovize bin. Ich studiere die Künste der Lichtmagie was mir erlaubt, Wunden oder Krankheiten zu heilen und den mächtigsten unter uns ist es sogar möglich, selbst den Tod zu überlisten und Verstorbene wieder zurück ins Leben zu holen. Ich weiss, noch bin ich weit von derartigen Dingen entfernt aber vielleicht könnte ich zumindest ein wenig helfen. Meine Begleiterin Naya ist eine ausgezeichnete Himmelsreiterin und gut im Umgang mit dem Schwert und so wie ich sie kenne wird sie sicher auch helfen wollen. Bitte lasst uns helfen.... ich habe schon meinen Vater verloren den ich nie kennengelernt, aber immer geliebt habe. Ich möchte nicht auch noch meine Großeltern verlieren, die ich doch gerade erst gefunden habe..."

OT: Wollte nur bescheid sagen, dass du da einen kleinen Fehler in deinem Post hast was die Kette angeht ;) Also erstmal ist sie nicht aus Holz, sondern aus Speckstein und er hat sie nicht zum Namenstag, sondern bei seiner Abreise von seinem Vater bekommen als Erbstück seiner Familie ;)

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Naya Shan'don
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Naya Shan'don » Montag 28. Mai 2012, 21:23

Naya war es nicht gewöhnt, dass ihr Menschen so auswichen. Selbst Alban schien nervös zu werden, denn egal wo sie auftauchten, die Menschen schienen sofort die Flucht zu ergreifen. Dabei wurde zumindest Alban meist von den Erdenbewohnern bestaunt und betatscht, doch nicht so in Ganda. Sie ging um den kleinen Marktplatz herum, der bereits fast vollständig verlassen war. Ob das an diesen "Toten" lag, die hier anscheinend ihr Unwesen trieben? Naya konnte es nicht glauben. Wenn die Ansprache der Wachen stimmte, wieso war hier noch keine Hilfe anderer Städte zu gegen? Ein Dorf, welches von bösen Mächten besetzt schien, konnte man doch nicht einfach so seinem Schicksal überlassen?! Gerade als Naya seufzte und sich wieder zur Taverne aufmachen wollte, schnappte sie ein Gespräch auf. Die Stimme ertönte hinter ihr und sie drehte sich unauffällig um. Eine Frau mit schwarzen Haaren, die zu einem Zopf gebunden waren, gab gerade einem Mann mit Halbglatze ein paar Münzen in die Hand. Dann erkundigte er sich bei der Frau, wie es dort oben stand. Naya war klar, dass er mit "dort oben" die kleine Burg meinte, die sich so kleinlich über das Dort erstreckte und ihr bei jedem Anblick eine Gänsehaut bescherte.
„Es wird immer schlimmer. Der Graf verlässt sein Arbeitszimmer überhaupt nicht mehr, nicht mal zu den Mahlzeiten. Niemand traut sich mehr in Mayas nähe, während die Gräfin so tut, als wäre nichts los. Nur diese Heilerin läuft durch die Burg, als wäre alles zu ihrer größten Zufriedenheit. Glaub mir, sie macht mir wirklich angst!“, war die Antwort der Frau, die ihren Korb eben abgelegt hatte. Nach dieser Antwort hob die Frau wieder den Korb auf und verabschiedete sich mit einem Nicken vom Händler, ehe sie sich in Richtung der Burg aufmachte. Naya sah wieder vor und ging langsam weiter zur Taverne. In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Maya müsste demnach die Tochter des Grafen sein, von dem die Wachen gesprochen hatten. Auch eine Heilerin wurde erwähnt, die wohl so tat, als wäre alles in Ordnung. Naya seufzte erneut. Irgend etwas ging hier vor sich und sie ihre Neugier war nun vollends geweckt. Nihil würde bestimmt interessiert daran sein. Nihil. Was er wohl machte? Hatte er das gefunden, wonach er gesucht hatte? Naya fiel auf, dass sie nicht einmal genau wusste, was er hier eigentlich tat. Aber es war ihr auch egal. Sie war froh, etwas aus Hymlia herauszukommen.
Schließlich war sie vor der Taverne angekommen und lehnte sich an die raue Hauswand. Alban drückte seinen Kopf an ihren Oberarm, als würde er sich am liebsten unter ihrem Kleid verstecken wollen. Naya legte ihre Hand beruhigend auf seinen Kopf und streichelte ihn.

(OT: Nihil, Naya ist keine gute Schwertkämpferin, dass is ja leider ihre Bürde mit ihrer Hand ;) )

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Wirt/in
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Wirt/in » Freitag 1. Juni 2012, 21:52

Mit einer fahrigen Geste strich sich Nathalia, die Wirtin, eine Strähne ihres ergrauten Haares aus dem Gesicht. Ihre dünnen Beine zitterten sichtlich und schienen ihr Gewicht nicht mehr lange halten zu können. Vielleicht war dies der Grund dafür, dass sie den nächstbesten Stuhl zu sich zog und sich darauf nieder lies. Ihr Gesicht war inzwischen aschgrau und obwohl sie immer noch erschrocken wirkte, konnte man sehen wie die alte Frau die Mundwinkel immer wieder kurz nach oben zog und zu lächeln versuchte. Währenddessen hörte Valon seinem frisch gewonnenen Enkelsohn mit einem müden Lächeln auf den alten Zügen zu, winkte jedoch auf das Angebot des Lichtnovizen ab. Gemächlich, so als würde er die Zeit nutzen, um sich ein paar Worte zurecht zu legen, ging der große Mann zum Tresen und beugte sich über diesen. Aus der Innenseite fischte er eine alte, angestaubte Schnapsflasche aus einem besseren Jahrgang und drei Gläser hervor. Mit dieser Ausbeute kam er zurück und lies sich an dem selben Tisch nieder, wie seine Frau. Mit einer einladenden Geste wirkte der alte, aber immer noch sehr kräftig wirkende Wirt auf einen freien Stuhl, ihm gegenüber, auf das Nihil sich setzen möge. Dabei entkorkte er die Flasche und füllte alle drei Gläser bis zur hälfte. Eines schob er seinem Weib zu, eines seinem Enkel und das dritte führte er schließlich an die Lippen, um den scharfen Schnaps auf einmal herunter zu spülen. Das war gut für die Nerven. Der Bursche dürfte inzwischen auch in einem Alter sein, dass er so ein Glas Alkohol vertragen müsste. Lustlos musste er grinsen. Von allen Gefühlen herrschte im Moment vor allem jenes, betrogen worden zu sein, in ihm. Nicht von Nihil, sondern vom Schicksal. Er hätte seinen Enkel gerne aufwachsen sehen. Ihm beigebracht wie man ein Schwert schwingt und etwas gegen die dürren Arme getan. Aber was sollte man von einem Magier auch anderes erwarten? Immerhin, darauf konnte man sich auch etwas einbilden und Stolz sein. Wie viele Menschen in Ganda hatten schon einen echten Magier in der Familie? „Dein Angebot ehrt dich,“ sagte Valon schließlich und nickte ihm freundlich zu. Das kommende Aber in der Luft war deutlich zu spüren. „Aber wir werden hier ausharren, so wie wir es immer getan haben. Seit sieben Jahren passieren immer mal wieder schlimme Dinge, aber sie ebben auch wieder ab. Es ist im Augenblick zwar schlimmer als sonst, aber ich bin zuversichtlich. Außerdem ... was sollten wir in Hymlia? Unser Leben ist hier. Unsere Freunde sind hier, unsere Ahnen liegen auf dem Grabhügel. Ich habe hart gearbeitet um mir einen angenehmen, ruhigen Lebensabend leisten zu können.“ Ein wenig Stolz schwang in seinen Worten mit, aber dennoch blieb er wagen. Valon wusste nicht, wie viel sein Enkel über ihn und seine Vergangenheit wusste und wollte keinen düsteren Schatten über ihr ersten zusammentreffen werfen. „Und mach dir wegen den finsteren Gestalten keine zu großen Sorgen. Dein Großvater weiß sich seiner Haut ganz gut zu erwähren.“ Mit einem schelmischen zwinkern deutete er nach links, wo über dem gemauerten Kamin zwei gekreuzte Kurzschwerter hingen. Auch andere Waffen waren überall in der Taverne aufgehangen und bei den meisten bestand kein Zweifel daran, dass sie ursprünglich nicht als Dekoration gedacht, sondern bereit mehrfach zum Einsatz gekommen war. Als er weiter sprach, hatte er einen freundlichen Plauderton angenommen. „Vielleicht ist es besser, wenn du diese Sache mit dem Wiedergängern einfach wieder vergisst. Erzähl mir mehr von dir, Nihil. Du bist also Lichtmagier, ja? Auf dem Weg nach Zyranus. Das ist sicherlich interessant. Bist du denn schon ein guter Heiler? Du musst wissen, die einzige Magierin in Ganda ist auch eine Heilerin, darum verstehen wir uns auf diese Schule ein wenig besser als auf andere. Es erfordert sicher viel Disziplin um zu Heilen. Es ist nicht viel leichter, als jemanden zu verletzen, denn soweit ich mir das vorstellen kann, ist der Anblick der selbe.“ Ja er schwatzte. Natürlich war er am Leben seines Enkels interessiert und im Augenblick konnte er sich um die hundert Fragen ausdenken, die er gerne beantwortet haben würde, doch noch wichtiger war es, seinen fatalen Fehler wieder auszumerzen. Wieso hatte er nur mit den Untoten angefangen. Es war töricht gewesen. Aber wer hätte auch denken können, dass er sofort selbstlos seine Hilfe anbot. Wie Valon es fürchtete, würden dann eher die Großeltern ihren Enkel verlieren als umgekehrt. Dass hieß es auf jeden Fall zu verhindern!
Ganda war bekannt für seine Pferdezucht. Und wo gute Pferde waren, da gab es auch jene, die sie stehlen wollten. Aus diesem Grund verfügten viele Gasthäuser und Tavernen über besonders gute Ställe, die man des Nachts abschließen konnte. Beim Gasthaus von Nihils Großeltern war es nicht anders und so konnte Naya ihren geliebten Alban wenigstens für den Augenblick in Sicherheit wissen, als sie ihn in den gemauerten Unterstand führte, der mit frischen Stroh ausgelegt war. Wassertränke, Futtertrog, alles war für etwaige Gäste vorbereitet und die Kabinen so groß, dass selbst der Pegasus darin stehen konnte, ohne dass ihm seine Flüge eingeengt wurden. Als sie dann in die Gaststube eintrat, richteten sich sofort die Augen des Wirtspaares auf sie und man begrüßte sie freundlich. „Und das muss wohl deine Freundin, die Himmelsreiterin sein, ja? Mit der hast du einen guten Fang gemacht, ihr gebt ein hübsches Pärchen ab!“ Breit grinsend erhob sich der Wirt, um noch ein viertes Glas zu holen, dass er, ebenso wie sein eigenes, erneut füllte. Dann hob er seins in die Höhe. „Auf eine unerwartete Familienzusammenkunft!“

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Nihil De´val
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Freitag 1. Juni 2012, 22:29

Vorsichtig, wie ein wildes Tier, das sich seiner Beute annahm, näherte sich Nihil dem Stuhl, der für ihn bereitgestellt wurde und setzte sich langsam. Er spürte in sich das Verlangen, aufzuspringen und seine Großmutter zu umarmen, konnte es jedoch noch unter Kontrolle halten, doch irgend etwas musste er gegen diese bedrückte Stimmung tun. Langsam nippte er an dem Glas. Der Alkohol rann wie flüssiges Eisen seine Kehle herunter und lies sich als wohlig warmer Schauer in seinem Bauch wieder. Ein Lächeln glitt über die Züge des Lichtnovizen. Wie oft hatte er mit seinem Onkel Endres, wenn dieser mitten in der Nacht von einem seiner Aufträge heimgekommen war, zusammengesessen und getrunken und erzählt. Vorlons Worte rissen den Hymlianer aus seinen Gedanken. Wie er damit gerechnet hatte, lehnte sein Großvater sein Angebot zu helfen ab, doch so leicht würde Nihil ihm das nicht machen. Ein warmes Lächeln legte sich in sein Gesicht und er erhob sich langsam.
"Dann werden wir euch besuchen kommen. Denkt blos nicht, dass meine Mutter sich diese Gelegenheit nehmen lassen wird ihre Schwiegereltern kennenzulernen. Ja das heilen erfordert ziemliche Disziplin, doch die Lichtmagie erstreckt sich über weit mehr als nur das heilen. Es gibt zum Beispiel auch Lichtmagier, die sich fast vollends auf das kämpfen spezialisiert haben und mächtige Zauber gegen ihre Feinde wirken. Strahlen aus gebündeltem Licht, die ihre Feinde von innen heraus vergehen lassen oder strahlend helles Licht, dass sie erblinden lässt. Doch in den Grundfesten ist jeder Lichtmagier auch ein Heiler. Erlaubt mir euch einen kleinen Gruß aus Hymlia zu geben"
Fast schon bedächtig schloss Nihil die Augen und stimmte einen kristallklaren Gesang an, in dem deutlich seine Magie mitschwang. Die Töne waren erst melancholisch und wurden dann deutlich fröhlicher und obwohl seine Worte auf der Sprache seines Volkes - Hymlikor - waren, so konnte man sich, wenn man die Augen schloss, die Stadt über den Wolken mit all ihrer Schönheit so bildlich vorstellen, als würde man vor ihr stehen. Nihil wirkte einen der ersten Zauber, die er von seinem Meister gelernt hatte, äußerst simpel doch mit manchmal unglaublicher Wirkung, was ihn zu einem seiner Lieblingszauber machte. Dabei wirkt man mit seiner Magie auf die Psyche des Menschen und kann so, je nach intensivierung, sein Ziel beruhigen bis hin zu völlig euphorisieren. Es schien, als würden die Lichter im Gastraum für die Wirkungsdauer des Zaubers, die so unendlich lang und doch so schmerzhaft kurz wirkte um ein vielfaches reiner und heller strahlen. Als Nihil seinen Zauber beendet hatte, senkte sich kaum merkbar ein goldener Schleier über seinen Großeltern, der bei ihnen ein Gefühl der Geborgenheit, inneren Ruhe und der Freude zurück lassen sollte. Der Lichtnovize lächelte und lies sich zufireden auf seinen Stuhl sinken. Suki war mittlerweile ihrer Neugierde unterlegen und hatte sich von ihrem Herren gelöst, um vorsichtig die Taverne zu erkunden und alles zu beschnuppern. Gerade nippte Nihil wieder an seinem Glas, als plötzlich die Tür auf ging und Naya eintrat. Er wollte sie begrüßen, als Vorlon das Wort ergriff und Nihil dazu brachte, den Schnaps fast quer über den Tisch zu spucken. Gerade so schluckte er ihn noch herunter, musste jedoch trotzdem laut husten und wurde sichtlich rot. Er dachte er und Naya...... und ....
"Ehm das ist ja und ehm"
Nihil hielt kurz inne um sich zu sammeln und begann dann erneut, als wäre nichts gewesen. Er winkte Naya heran und lächelte sanft.
"Naya komm doch zu uns. Dürfte ich vorstellen, Vorlon und Natalia meine neu gewonnenen Großeltern väterlicher Seits. Vorlon, Natalia, das ist Naya von der ich euch erzählte die es sich sicherlich auch nicht nehmen lassen wirt, euch und den Bewohnern Gandas zu helfen. Ich bin gekommen um das Erbe meines Vaters anzutreten und er hätte sicher nicht anders gehandelt"

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Naya Shan'don
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Naya Shan'don » Dienstag 12. Juni 2012, 22:13

Naya hätte beinahe selbst über sich gelacht. Wieso hatte sie die tollen Ställe am Gasthaus nicht schon vorher bemerkt? Mit einem leichten Kopfschütteln ging sie nun mit Alban zu einem dieser Ställe und band ihn drinnen an einen Holzpflock an. Diese Ställe waren sogar abschließbar, was ihr ein wenig Gefühl der Sicherheit vermitteln konnte. Auch Alban schien entzückt zu sein. Er verhielt sich ruhig und wohl erzogen. Ein Vorzeige-Pegasus eben. Kurz atmete sie durch, ehe sie durch die Türe der Taverne trat.
Sofort spürte sie einige Blicke auf sich ruhen. Sie schluckte nervös und senkte ihren Blick. Sie mochte es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Doch nicht genug. Eine ihr unbekannte Stimme rief laut durch die gesamte Taverne:
„Und das muss wohl deine Freundin, die Himmelsreiterin sein, ja? Mit der hast du einen guten Fang gemacht, ihr gebt ein hübsches Pärchen ab!“, es war unverkennbar, dass die raue Stimme des älteren Mannes an sie gerichtet war. Sie zuckte unmittelbar zusammen und wurde wieder einmal knallrot. Hübsches... Pärchen... ?! Hilfe suchen wanderte ihr Blick sofort zu Nihil, der genauso verwundert schien, wie sie selbst. Dann erhob sich der Mann auch noch. Naya stand wie angewurzelt an der Stelle und sah zu, wie der Mann ein Glas holte und füllte. Der Anstand und Nihils plötzlich sanftes Lächeln geboten es ihr jedoch, auf die Gruppe zuzugehen. Zaghaften Schrittes ging sie auf den Tisch zu. Dort saß auch eine ältere Frau, die irgendwie blass um die Nase schien.
"Naya komm doch zu uns. Dürfte ich vorstellen, Vorlon und Natalia meine neu gewonnenen Großeltern väterlicher Seits. Vorlon, Natalia, das ist Naya von der ich euch erzählte die es sich sicherlich auch nicht nehmen lassen wird, euch und den Bewohnern Gandas zu helfen. Ich bin gekommen um das Erbe meines Vaters anzutreten und er hätte sicher nicht anders gehandelt", sagte Nihil und Naya wusste nicht mehr recht, wohin mit ihren Gedanken. Sie hatte keine Ahnung, um was es bei Nihils Ansprache ging. Immer noch war sie viel zu aufgeregt wegen der Pärchen-Sache...
„Auf eine unerwartete Familienzusammenkunft!“, sagte Nihils Großvater schließlich und Naya nahm schweigend das Glas an sich, um mit dem Mann an zu prosten. Sie freute sich letztendlich für Nihil, dass er seine Großeltern gefunden hatte und konnte sich sogar ein etwas schiefes Lächeln abringen.
„Freut mich sehr.“, sagte sie schließlich leise und verbeugte sich kaum merklich vor der Tischrunde. Sollte sie erwähnen, dass Nihil und sie nicht... Naja, dafür war später noch bestimmt Zeit.
„Wisst Ihr genaueres über die Vorfälle hier?“, fragte sie dann neugierig wie sie war und war wie ausgewechselt. Ihre Augen strahlten und sie hoffte auf weitere Informationen, um sich ein genaues Bild der Situation machen zu können...

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Wirt/in
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Wirt/in » Mittwoch 20. Juni 2012, 19:37

Der in die Jahre gekommene Wirt hatte bereits die eine oder andere Begegnung mit Magiern gemacht. Keine davon war besonders gut ausgegangen. Glücklicherweise war es meistens der Zauberweber gewesen, für den es am Ende schlecht ausgesehen hatte, doch ganz unversehrt hatte Valon diese Abenteuer auch nicht überstanden. Brandwunden und Narben, die nun von seiner Kleidung verdeckt wurden, konnten ganz gute Geschichten erzählen. Einem Lichtmagier jedoch war er nie begegnet. Wobei, vielleicht schon, doch so genau wusste er das nicht zu sagen. Jedenfalls war er noch nie auf einen getroffen, der auch seine Magie seiner Schule gewirkt hatte. Um so überraschter waren er uns seine Frau daher, als Nihil plötzlich anfing zu singen und der ganze Schankraum von einem sanften Leuchten erhellt wurde. Ungläubig hob er seine Finger und betrachte, die von einem goldenen Schimmer umgeben waren. Er fühlte sich innerlicht mit einem mal sehr ruhig und ausgeglichen. Nathalia erging es nicht anders. Das Schluchzen, dass sie bislang zu unterdrücken versucht hatte, hörte vollends auf und in ihren Geist kam wieder Frieden ein, nachdem sie von Nihils erscheinen zuerst so durcheinander gebracht wurde. Das war wirklich erstaunlich. Das man Magie auch so wirken konnte, hätte keiner der beiden Wirte je erahnt. „Unglaublich...“, murmelte Valon leise, als sich die Tür zum inneren öffnete.
Als die blonde Hymlianerin eintrat , dachte Valon eigentlich, er würde sie freundlich und offenherzig aufnehmen. In Ganda wurde die Familie von jeher sehr groß geschrieben und die Gefährtin seines Enkels gehörte für den Jorsaner ebenso zu dieser, wie seine Frau und vor langer Zeit einmal sein Sohn. Damit sie sich erwünscht und respektiert fühlte, hatte er sie extra freundlich begrüßt. Aber seine Worte schienen aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht auf fruchtendem Boden gestoßen zu sein. Das hübsche Ding zuckte stattdessen zusammen, als hätte er sie angebrüllt und wurde puterrot. Sosehr der Wirt sich auch den Kopf zerbrach, wollte ihm dafür kein passender Grund einfallen. Schließlich verzog er bestürzt und entschuldigend den Mund. Er hatte garantiert nicht vorgehabt, sie peinlich zu berühren. Schließlich kam Valon zu dem Schluss, dass es wohl an dem Leben in der Himmelsstadt lag. Andere Länder andere Sitten. Vielleicht ging man in Hymlia nicht so offen mit seinen Gefühlen um? Ja das musste es sein. Folglich beschloss der alte Mann, das Thema erst mal auf sich ruhen zu lassen. Spätestens wenn die beiden den Bund der ehe schlossen, würde die kleine sicher etwas offener werden.
Schließlich griff auch Naya auf das Thema der unheimlichen Vorfälle in Ganda zu, was Valon dazu veranlasste, resigniert zu stöhnen. Kaum hatte er den einen davon abgebracht, kam die nächste darauf zu sprechen. Genervt massierte sich der ehemalige Assassine seine Stirn, als ihm seine Frau plötzlich die Hand aufs Knie legte, leicht zudrückte und ihm zulächelte. „Sie lassen sich ja eh nicht davon abbringen,“ murmelte sie ihm freundlich zu und nickte in Richtung der beiden Jungspunde. Was für eine Wahl hatte er jetzt schon? Die Beiden würden ja ohnehin nicht mehr locker lassen. Valon schüttete sich noch ein Glas ein und leerte dies mit einem Zug. Ein wenig zusätzliche Courage half immer. „Wisst ihr, seid zehn, zwölf Jahren gehen immer mal wieder seltsame Dinge in Ganda vor. Am Anfang waren es nur Alptraumepidemien, Trugbilder und dergleichen. Hat den Leuten Angst gemacht, aber ihnen nicht geschadet. Das ganze hat angefangen, kurz nachdem Maya, die Tochter des Grafen, dass Licht der Welt erblickt hat. Keine Ahnung ob es mit ihr zusammen hängt oder ob man sie einfach zum Sündenbock macht ... ich hab sie ein paar mal getroffen. Ein gutes Kind, aber sehr melancholisch. Was soll man auch erwarten, wenn alle vor dir angst haben? Na jeden falls ist es in letzter Zeit schlimmer geworden. Es ist ein paar Wochen her, da kehrte der Graf Morcerf von seinem Kriegszug gegen Jorsan zurück. Zwei Tage später tauchten die ersten Widergänger auf. Untote, keine Intelligenz, aber aggressiv und schwer zu töten.“
Valon legte eine kurze Pause ein und blickte schwermütig zu den beiden gekrümmten Kurzschwertern, die neben der Eingangstür. Männer wie er kamen bei so etwas nicht aus der Übung. Ein echter Kämpfer konnte seinen Namen ändern, seine Verdienstart, ja sein ganzes Leben, aber was in ihm steckte niemals. „Die Stadtwachen sind gute Männer, aber sie haben kaum Kampferfahrung. Es sind ein paar alte Haudegen wie ich, die Nachts auf Patrouille gehen und die Monster endgültig vernichten. Bestimmt könnten uns auch die Soldaten des Grafen unterstützen, doch sie haben, seid ihrer Rückkehr, die Burg nicht mehr verlassen. Und um es jetzt einmal klar zu sagen; Ich wüsste nicht, wie ihr beide helfen könntet. Das Einzige, was mir einfiele, wäre dass ihr bei der Gräfin vorsprecht. Sie lässt seit Jahren jeden Heiler und jede Kräuterhexe bei sich vorsprechen, denn sie beharrt darauf, dass die arme Maya nicht verflucht, sondern nur krank ist. Vielleicht ist es ja wirklich so. Ich kann es nicht sagen ...“

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Nihil De´val
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Donnerstag 21. Juni 2012, 17:35

Als sich die etwas beschämende Stimmung so langsam gelegt hatte, die Valon durch Nayas Begrüßung hervorgerufen hatte, nahm Nihil noch einen Schluck aus seinem Becher und schloss kurz die Augen, als der Alkohol wie Feuer seine Kehle hinabglitt und wohlige Wärme zurück lies. Gespannt und doch hochkonzentriert lauschte er den Berichten seines Großvaters über die seltsamen Ereignisse, die Ganda heimsuchten und dachte währenddessen schon darüber nach, wo die Ursache liegen konnte. Auch Naya schien konzentriert zu lauschen. Nihil ertappte sich dabei, wie er sie genau musterte und dabei sanft lächelte. Wärme breitete sich in seinem Brustkorb aus, als er sie ansah und in ihre funkelnden Augen blickte. Kaum hatte er diese fast schon unbewusste Tat von sich bemerkt, wendete er eilig den Blick ab und hoffte, dass die Himmelsreiterin seine Blicke nicht bemerkt hatte. Bevor er sich weiter über diese Gefühlsregungen Gedanken machen konnte, musste er sich erst einmal um seine Großeltern kümmern. Der junge Hymlianer musste kein Menschenkenner sein um zu merken, dass es seinem Großvater unangenehm war, ihm davon zu erzählen und dass es ihm eigentlich lieber wäre, wenn er sich aus dieser Sache raushalten würde. Wenn sie wirklich vorankommen wollten, musste Nihil ein wenig Nachdruck machen. Er holte sein Notizbuch aus seiner Umhängetasche und Blätterte kurz darin, bis er eine Seite fand, auf der eine Zeichnung von zwei Personen zu sehen war. Einer Frau in einem langarmigen Kleid, dass sich wie flüssige Seide an ihren Körper schmiegte und einen Jungen von vielleicht 15 Jahren. Der Lichtnovize drehte das kleine Buch so herum, dass Valon die Zeichnung genauer erkennen konnte.
"Meine Mutter hat dies einmal gezeichnet, als ihr mein Notizbuch in die Hände fiel. Sie meitne, so hätte ich sie immer bei mir. Familie steht für mich sehr weit oben und ich könnte meiner Mutter nichtmehr unter die Augen treten, wenn ich nicht alles getan hätte, um meine Großeltern zu beschützen. Lasst mich und Naya heute Nacht mit euch auf Patroullie gehen, sodass wir selbst ein Bild davon bekommen, was hier vor sich geht. Gleich morgen werden wir dann zum Schloss gehen um dort vorzusprechen und vielleicht etwas mehr herauszufinden. Du hast meinen Vater ausgebildet und bist wie ich mir denken kann noch immer ein Meisterassassine. Ich bin von deinem Blut also mach dir keine Sorgen Faldor bekommt mich nicht so schnell und bei Naya wird er wohl genausolange warten müssen. Abgesehen davon kann es nie schaden, einen Heiler mit sich zu haben."
Suki war inzwischen bei Natalia angekommen und schnupperte vorsichtig an dem Bein der alten Frau, bevor sie skeptisch und mit dieser für ein Tier ungewöhnlichen Intelligenz zu ihr herauf blickte und mit einem Satz auf den Schoss von ihr sprang um ihr Gesicht genauer zu mustern. Nihil hob überrascht die Brauen, als er das sah und lächelte gleich darauf.
"So schnell hat sich Suki noch nie jemandem freiwillig genähert außer mir. Sie ist schon ein ganz besonderes kleines Tierchen.... sie erkennt wohl, dass du zur Familie gehörst Großmutter"

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Wirt/in » Mittwoch 11. Juli 2012, 00:09

Hinweis: Weil Naya das Spiel in Celcia verlassen hat, wird sie so lange von mir als NPC gesteuert, bis sich eine Möglichkeit findet, sie aus der Handlung zu schreiben.

Aufmerksam lauschte auch Naya den Worten von Nihils Großvater. Sie hatte kaum Zeit, sich dessen bewusst zu werden. Da saß sie zusammen mit ihrem hymlianischen Freund - der nicht so ein Freund war - einem Mann und einer Frau gegenüber, die Nihil heute auch zum ersten Mal betrachtete und die beide doch eng mit ihm verwandt waren. Seine Großeltern. Leider überschattete die seltsame Geschichte mit den unheimlichen Ereignissen, diesen geheimnisvollen Wiedergängern und der möglichen Krankheit der Grafentochter momentan alles und Naya konzentrierte sich ausschließlich darauf. Umso aufmerksamer sog sie jedes von Valons Worten in sich auf, auch wenn ihr nach und nach ein immer kälter werdender Schauer über den Rücken lief.
Derweil bemerkte Nihils Großmutter, was sich zwischen den beiden Hymlianern abspielte. Seit ihr Gemahl fälschlicherweise erwähnt hatte, beide gäben ein hübsches Paar ab, ertappte sie ihren Enkelsohn immer wieder dabei, dass er Naya flüchtig anschaute. Und jetzt lächelte er sogar! Da konnte die alte Wirtin nicht anders, als ebenfalls zu schmunzeln. Ihr Mann hatte Recht. Die beiden passten gut zueinander und vielleicht würde sich ja etwas entwickeln. Erst einen Enkel, dann Enkelkinder. Euphorie wuchs im Herzen der alten Dame. Nun ertappte sie sich selbst dabei, wie sie Naya anlächelte: sehr selig und mit dem Gedanken im Hinterkopf, sich auf dem Markt neue Wolle zu kaufen, um kleine Socken und Lätzchen zu stricken. Sie ging es doch recht eilig an, aber derzeit wollte man an jedem schönen Gedanken festhalten. Ganda barg genug Probleme, da erfreute man sich an jeder Kleinigkeit, selbst wenn noch nicht einmal richtig feststand, ob sie auch die Zukunft beherrschen würde.
Wo Nathalia allerdings erste Glücksgefühle hegte, da machte sich Valon dann doch echte Sorgen. Auch wenn Nihil weiter drängte, mit zusätzlicher Unterstützung durch die hübsche Hymlianerin, behagte es ihm nicht, dass sein gerade erst entdeckter Enkel versuchen wollte, den Geheimnissen Gandas auf den Grund zu gehen. Um sich zu beruhigen, nippte er erneut an seinem Schnaps. "Möchtest du eigentlich auch einen Schluck, Mädchen?", bot er Naya freundlich an, aber diese lehnte mit einem Kopfschütteln ab. Das Zeug roch sie bereits von ihrem Platz aus und wollte es definitiv nicht probieren. Es erinnerte sie an den bitteren Hustensaft ihrer Mutter, der ihr noch nie geschmeckt hatte. Valon zuckte nur mit den Schultern. Wer nicht wollte, der hatte schon.
Derweil hatte Nihil ein kleines Buch gezückt und zeigte dessen Inhalt nun dem Wirt des Gasthauses. Valon warf einen Blick auf die Zeichnung. Er lauschte den Worten des Jungen, schwieg jedoch eine ganze Weile, als dieser geendet hatte. Valon verschränkte die Arme vor der Brust, senkte den Kopf, dass sein Kinn die Brust berührte und runzelte die ohnehin schon faltige Stirn. Zwischen den Brauen entstand jetzt eine weitere, sehr tiefe Furche. So verharrte er eine ganze Weile. Seine Frau schien diese nachdenkliche Haltung zu kennen. Sie sagte nichts. Schließlich brummte der Großvater: "Ihr lasst euch wohl wirklich nicht abbringen. Also gut. Die Patrouille beginnt um Mitternacht. Bis dahin könnt ihr euch hier ausruhen oder vorbereiten. Was du in diesem Haus findest, Enkelsohn, das soll dir gehören. Nimm dir nur mit, was du brauchst, aber achte im Dunkeln auf dich - und vor allem auf deine Freundin. Ihr soll kein Leid geschehen, weil ich mich habe breitschlagen lassen."
"Das Kleine bleibt aber hier!", mischte sich Nathalia ein. Sie beugte sich unter einem leichten Ächzen zu Suki vor, die an schon auf ihrem Schoß gelandet war. Die Frau war nicht mehr die Jüngste. Behutsam ließ sie Suki zunächst an ihrer Hand schnüffeln, ehe sie sie hochnahm. "Du bekommst eine große Schale frischer Milch. Wir haben eine Ziege, das wird dir bestimmt schmecken. Ja, du bist ein braves Kätzchen. So niedlich!" Sie knuddelte Suki und herzte sie, dass das Tierchen munter maunzte. Erst dann schaute sie auf. "Du kannst das Gästezimmer über der Kochstube haben, Nihil. Dann hast du es schön warm, wenn ich den Ofen anheize. Was meinst du? Bring ruhig deine Sachen dort unter, ich achte auf alles."

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Mittwoch 11. Juli 2012, 19:07

Innerlich jubilierte Nihil vor Triumph, als sein Großvater doch noch einwilligte, sie bei der Patroullie mitzunehmen, doch äußerlich schien er bis auf das lodernde Feuer in seinen Augen völlig ruhig zu sein.
"Gut gut... und keine Angst es braucht weitaus mehr, als ein paar Wiedergänger, um einen De´val auszuschalten"
Letzteres betonte er mit einem neckischen Grinsen. Er war noch nie in einen wirklichen Kampf um Leben und Tod verwickelt gewesen und natürlich lies ihn der Gedanke daran einen Schauer über den Rücken laufen, doch gleichermaßen - nein sogar mehr noch hatte Nihil das Gefühl, dass die Aussicht auf einen baldigen Kampf in dem sein Leben auf dem Spiel stand etwas in ihm weckte, das er noch nicht kannte. Sofort musste er an seinen Vater denken. Vielleicht hatte er ja doch mehr als nur sein Aussehen von ihm geerbt. Wieder huschte unbewusst ein Lächeln über sein Gesicht, doch lag diesesmal sher viel Melanchonie in seinem Blick.
Als er die Worte seiner Großmutter vernahm blickte erkwie aus einem Traum gerissen auf und betrachtete grinsen die Szenerie, die sich ihm bot.
"Nun Nathalia ich glaube nicht, dass Suki damit einverstanden ist. Seid jeher waren wir beide nie weiter als eine Armeslänge voneinander entfernt gewesen. Sie ist ein ganz besonderes Tierchen und ich bin der festen Überezeugung, dass mehr in ihr steckt, als einfach nur ein einfaches kleines Kätzchen"
Leise säuselnd sties der junge Hymlianer Luft aus, worauf Suki augenblicklich die Ohren spitzte, zu ihm herübersah und ihn mit funkelnden Augen musterte. Für Ausenstehende musste es so aussehen, als würden die beiden telephatisch miteinander kommunizieren, da sie sich einfach nur ansahen. Dann maunzte Suki auf, legte den Kopf schief und kletterte auf die Schulter von Nathalia.
Nihil erhob sich und wendete sich wieder an Naya und Valor.
"Siehst du Naya, so ein Abstecher nach Ganda hat sich doch gelohnt. Am besten du und Alban ruhen sich erst einmal aus.
Valor... sag hatte Natha.... Vater hier ein Zimmer? Und wenn ja darf ich es sehen? Auch wenn er nicht mehr am leben ist... er war ja immerhin mein Vater... und auch wenn ich ihn nie kennenlernen durfte, so liebe ich ihn doch, als hätte er mich aufgezogen. Ich habe oft von ihm geträumt und vielleicht ist der Nathanael aus meinem Träumen dem Echten garnicht so unähnlich"

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Wirt/in » Freitag 13. Juli 2012, 11:57

Großvater Valor konnte über den zuversichtlichen Scherz seines Enkels nicht lachen, ja, nicht einmal schmunzeln. Er hatte im Gegensatz zu Nihil diese Wiedergänger ja bereits gesehen. Die Begegnung mit ihnen scheute er und das, obwohl er ein ausgebildeter Assassine war. Aber genau darin lag der Knackpunkt. Assassinen waren im Allgemeinen keine Kämpfer, die sich frontal ihrem Gegner näherten. Sie agierten aus den Schatten heraus, ließen ihre Opfer im Unklaren, bis es Zeit war zu sterben. Wenn man aber selbst im Unklaren blieb und nicht wusste, wo und wann ein Feind wie der Wiedergänger zuschlug, verspürte selbst ein Meuchelmörder Unbehagen. Dass sich Nihil der Gruppe anschließen wollte, die das Dorf bei Nacht verteidigte, gefiel ihm nicht sonderlich. Es handelte sich um seinen Enkelsohn und er schaute nicht gerade wie ein stämmiger Krieger aus. Diese Erkenntnis zauberte nun doch ein dünnes Lächeln auf die alten Züge des Wirts. Nihil ähnelte seinem Vater - zu sehr vielleicht, ohne dass er davon wusste. Niemand wusste es, aber es würde sich zeigen. Seine Entschlusskraft hatte er eindeutig von Nathanael geerbt. Auch der Vater des jungen Mannes war einst ein richtiger Sturkopf gewesen, der Argumenten so lange trotzte, bis sie sich auf seine Seite schlugen.
Der alte Mann ertappte sich dabei, in Erinnerungen zu schwelgen, wo er doch seinem Enkel und dessen Gefährtin eigentlich ein Zimmer anbieten sollte, damit sie beide sich ausruhen konnten. Vor allem Nihil würde etwas Schlaf gebrauchen können, wenn er vor hatte, die Nacht auf Patrouille zu gehen. Er hob den Kopf und versuchte, der Szenerie wieder volle Aufmerksamkeit zu schenken. Seine liebe Frau Nathalia zog soeben Nihils tierisches Pelzknäuel enger an ihre Brust. Suki gab einen erstickten Laut von sich, ließ die extreme Kuscheleinheit aber über sich ergehen. Sie sollte Nihils Oma nicht einfach so kratzen, um frei zu kommen. Stattdessen hoffte das Tier darauf, irgendwann wieder losgelassen zu werden. Doch Nathalia zeigte sich entsetzt über die Worte ihres Enkels. "Du kannst dieses arme, kleine Ding doch nicht mit auf Patrouille nehmen! Nihil, wenn dem Tierchen etwas zustieße! Willst du das verantworten? Die Kleine könnte bei mir am Ofen liegen, während ich stricke und ... oh, sie will wohl wirklich nicht von dir fort. Sieh dir das an!" Suki reichte es nun doch. Sie bekam ja kaum noch Luft und so hatte sie sich aus dem Griff gewunden wie eine behaarte Schlange. Mit zwei Sätzen war sie von der Schulter der Alten und auf jene von Nihil gesprungen. Dort rollte sie nun ihren buschigen Schwanz um seinen Nacken und beobachtete sie Szene skeptisch. Nichts und niemand würde sie von ihrem Freund trennen. Schnurrend drückte sie ihren Kopf unter das Kinn des Hymlianers, um sich an dessen Hals zu reiben.
Die Großmutter resignierte. "Also gut. Niemand kann euch beide wohl von eurem Vorhaben abbringen. Aber ich möchte, dass ihr gut gegessen habt, bevor ihr loszieht. Ihr alle! Keiner kommt mir mit leerem Magen aus dem Haus." Sie erhob sich, um gemächlich Richtung Küche zu schlurfen. Sie würde ihrem Enkel eine Mahlzeit verpassen, die er nicht so schnell vergaß. Derweil nickte Naya ihrem Begleiter zustimmend zu. "Du hast Recht. Es ist schön, dass du deine Großeltern wirklich gefunden hast. Ich glaube auch, dass es nicht schadet, wenn wir etwas später Richtung Zyranus aufbrechen. Lass uns heraus finden, was in dem Dorf hier vor sich geht, wenn es dunkel wird." Doch ehe sich Nihil mit den Wiedergängern und den Geheimnissen um Graf Morcerf und seine Tochter näher beschäftigte, startete er einen Versuch, noch mehr über seinen leiblichen Vater heraus zu bekommen. Valor nickte und erhob sich nun ebenfalls. Das Glas Schnaps stellte er auf einem der Gästetische ab. "Natürlich hatte mein Sohn - dein Vater - ein Zimmer hier. Ich habe nichts daran verändert, es sogar nicht einmal mehr betreten, seit der Gevatter ihn uns genommen hat. Komm, ich zeige es dir. Wenn du möchtest, kannst du es beziehen. Sieh es als Erbe deines Vaters an. Alles darin soll dir gehören, Junge." Er stapfte voraus.
Naya schloss sich Großvater und Enkel nicht an. Sie sagte: "Nihil, ich helfe deiner Oma in der Küche. Dann habe ich etwas zu tun, bis wir essen. Danach suche ich mir ein eigenes Zimmer, wo ich mich ausruhen werde. Wir sehen uns." Sie trat durch die Tür, durch die Nathalia verschwunden war, während sich Valor und Nihil auf den Weg zu Nathanaels Zimmer machten.

Es handelte sich um eine kleine, aber liebevoll eingerichtete Kammer. Sie war holzvertäfelt, unter der Decke hing eine Öllampe an einer schwarzen Metallkette. Valor trat in die Mitte des Raumes und drehte die Lampe auf. Es zischte kurz, dann aber brannte eine kleine Flamme hinter schmutzigem Glas. "Ich hätte wohl doch ein paar Mal herein kommen und Staub wischen sollen." Über den gesamten Raum hatte sich eine Staubdecke gelegt. Der Holzboden war kaum mehr zu erkennen, denn ein grauer Fusselteppich winziger Staubpartikel überdeckte ihn. Er hatte sich auch auf dem Einzelbett niedergelassen, dessen Bettpfosten etwas höher ragten. Am linken Pfosten zum Fußende des Bettes hing ein dunkler Schal. Motten hatten einige Löcher in ihn hinein gefressen, ansonsten hätte man ihn wohl noch benutzen können. Neben dem Bett fand sich ein Nachttisch mit genug Freiraum, dass man dort einen kleinen Topf für nächtliche Bedürfnisse unterstellen konnte. Die Ablage des Nachttisches war leer. An der Wand gegenüber dem Bett befand sich noch ein geräumiger Schreibtisch mit vielen Schubladen und kleinen Nischen, in denen sich allerlei Dinge unterbringen ließen. Eine welke Blume stand in einer gläsernen Vase darauf. Bis auf zwei Bücher, die in einem Fach des Schreibtisches lehnten, sowie einigen Papieren unter einem rundem Stein, der als Briefbeschwerer diente, lag nichts an dem Arbeitsplatz.
Ein durch einen Raumteiler abgetrennter Bereich verbarg eine Nische, in der man sich waschen und umziehen konnte. Dort stand auch immer noch - von schwerem Staub bedeckt - die Kleidertruhe, in der Nathanael stets seine Kostbarkeiten aufbewahrt hatte. Es gab hier nicht viel, das über ihn erzählte und dennoch wirkte dieses Zimmer mit all seinen Staubschichten irgendwie ... lebendig.
"Sieht dich nur um. Hier schlafen wird wohl doch unmöglich. Falls du es trotzdem vor hast, am Ende des Flures ist die Besenkammer. Meine Frau würde das Bett dann frisch beziehen." Valor räusperte sich. "Sofern du keine Frage mehr an mich hast, würde ich mich zurück in den Schankraum begeben. Bald dürften die ersten Gäste eintreffen, dann muss es ordentlich aussehen."

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Freitag 13. Juli 2012, 18:19

Nihil musste unweigerlich grinsen, als Suki sich aus der Umklammerung Nathalias befreite und blitzschnell zu ihm auf seine Schulter sprang, um sich dort in der gewohnten Stellung zusammenzukauern.
"Keine Angst Großmutter... Suki wird nichts passieren. Sie ist etwas besonderes und auch wenn sie wehrlos erscheinen mag, so glaube ich daran, dass mehr in ihr steckt. Abgesehen davon steht sie natürlich unter meinem Schutz"
Zärtlich streichelte er über den Kopf des kleinen Tierchens, das sich schnurrend gegen die Hand drückte und zufrieden zu ihrem Herrn aufschaute.
Als sich schließlich alle erhoben und aufteilten, wendete sich der junge Hymlianer noch einmal seiner Begleiterin zu.
"Dann pass mal schön auf meine Großmutter auf und kocht was schönes......"
Kurz bevor er sich abwenden und Valor nach oben folgen wollte, fasste er Naya noch einmal beim Handgeleng und zog sie ein Stück weit zu sich heran.
"Wir werden herausfinden, was genau hier vor sich geht und diesen Leuten helfen...."
Dann ging er seinem Großvater hinterher die Treppen nach oben. Als sich die Tür öffnete und die beiden eintraten, sog Nihil die Luft tief ein. Auch wenn es schon viele Jahre her sein musste, dass sein Vater in diesen Gemächern gewandelt war, so trieb der Geruch des Raumes dem jungen Lichtnovizen trotzdem einen Schauer über den Rücken. Hier hatte er gelebt... sein Vater. Es schien, als wäre der Junge nachdem er den Raum betreten hatte zu einem völlig anderem geworden. Seine Züge schienen kantiger und sein Blick stechender. Wie ein Schwamm sog er jedes bisschen des Raumes in sich auf. Als er den Schal erblickt hatte, eilte er zu ihm, und nahm ihm vom Bett, um ihn abzustauben und zu begutachten. Auch wenn er von Motten zerfressen war, so war er immer noch etwas, das seinem Vater gehört hatte, also steckte Nihil ihn nach reichhaltiger säuberung ein. Langsam drehte er sich zu seinem Großvater um.
"Danke.... ich werde heute hier schlafen. Keine Angst ich kümmere mich um alles. Jetzt wäre ich aber gern ein wenig allein.... Wenn ich etwas brauche werde ich euch schon finden....."
Kaum hatte er den Satz beendet, versank er förmlich in dem Zimmer. Langsam und fast schon ehrfürchtig schritt er hindurch und betrachtete erst alles, bevor er vorsichtig auf Erkundungstour ging. Er öffnete die Schränke und Schubladen, durchstöberte die Schriftstücke und Bücher und durchsuchte einfach jeden noch so kleinen Winkel, er überprüfte sogar die Bodendielen, ob sich unter einer ein Geheimfach oder ähnliches befand. Zum Schluss öffnete er die Kleiderkiste seines Vaters. Die ganze Zeit über hatte er nichts anders im Kopf außer etwas zu finden, was ihn näher an seinen Vater bringen konnte etwas, mit dem er mehr über ihn erfahren konnte. Suki schien genauso konzentriert alles abzusuchen während sie über die Schulter des Hymlianers hing. Als er sich schließlich sicher war, dass er wirklich das gesamte Zimmer durchforstet hatte, ging er zur Besenkammer, holte sich einen Besen sowie eine kleine Bürste und begann damit, das Zimmer von oben bis unten zu reinigen, wobei er natürlich noch einmal jeden Winkel absuchte.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Sonntag 15. Juli 2012, 10:44

Sein Großvater ließ ihn allein zurück. Er hatte ohnehin erwähnt, noch letzte Vorbereitungen treffen zu müssen, ehe er das Gasthaus für alle öffnete, die einen ruhigen Platz zum Ausruhen oder essen suchten. Außerdem spürte Valor, dass sein Enkel jetzt diesen Moment für sich ganz allein brauchte. Immerhin stand er im alten Zimmer seines Vaters, eines Mannes, den er nie hatte kennen lernen dürfen und der ihm vermutlich doch irgendwie vertraut war. Das erkannte der alte Wirt, als er Nihil auf den Schal zustürmen sah. Das erste Objekt, das dem Jungen ins Auge fiel, war wirklich dieser vor Schmutz stehende, durchlöcherte Schal. "Er hat ihn immer getragen, wenn es kalt und regnerisch war." Mit diesen Worten verabschiedete sich Valor und schloss langsam die Tür. Seine Schritte verhallten auf dem Flur draußen. Nun hatte Nihil diese kleine Welt vollkommen für sich. Er konnte auf eigene Faust durch den Raum streifen, ihn erkunden und herausfinden, wer sein Vater gewesen war. Er wusste ja immer noch nicht viel über Nathanael, den Assassinen.
So machte er sich auf die Suche, ließ nichts aus, durchforstete jeden Winkel der Schlafkammer. Er würde vermutlich oft husten oder niesen müssen, denn alles hier war verstaubt und das kleine Fenster erkannte man nur daran, dass ein ebenfalls verstaubter Vorhang es verdeckte. Diesen Raum musste seit Monaten niemand mehr betreten haben, vielleicht sogar seit Jahren nicht. In den kleinen Schrankfächern und Schubladen des Schreibtisches wurde Nihil zuerst fündig. Jedoch entdeckte er nichts, was er nicht auch in anderen Schreibtischen fremder Haushalte vorfinden würde. Ein kleines Tintenfass, mehrere Federkiele und ein Bogen Papier, natürlich noch unbeschrieben. Auch fand er ein kleines Federmesser, mit dem sich die Spitzen der schönen Vogelfedern anritzen ließen, damit sie zum Schreiben geeignet wären. Ein Schubfach barg des Weiteren einen kleinen Gedichtsband. Das war der erste, persönliche Gegenstand, abgesehen von Nathanaels Schal, den Nihil erblickte. Er würde Aufschluss darüber geben, an welchen Gedichten sein Vater interessiert gewesen war und somit ein bisschen über seine Persönlichkeit preisgeben. Mehr jedenfalls als die beiden eingestaubten Bücher in der Schreibtischnische. Diese waren nämlich vollkommen leer, unbenutzte Notizbücher, vorsorglich bereitgestellt.
In der Kleidertruhe hinter dem Raumteiler fand Nihil dann weitere Spuren der Vergangenheit. Alte Kleidungsstücke lagen darin, fein säuberlich gefaltet. War sein Vater ein Ordnungsfanatiker gewesen? Überhaupt wirkte ja alles sehr ordentlich in dem Raum, berücksichtigte man einmal die Staubschicht nicht, die sich auf sämtliches Mobiliar gelegt hatte. Sein Vater besaß Geschmack, wenn auch weitaus anderen als es typisch für einen Hymlianer gewesen wäre. Man merkte, dass er sich in die Frau dieses Volkes verliebt, nicht aber ihren Stil übernommen hatte. Es fanden sich Tuniken in der Truhe. Sie alle waren entweder schwarz, dunkelgrau oder ein Gemisch aus Schwarz und dunklem Blau. Einige besaßen Rüschen an der Knopfleiste, andere waren ausschließlich mit silbernen Knöpfen verziert. Hier lag ein kleines Vermögen in Form von Kleidung herum. Ob Valor von diesen Schätzen wusste? Die Hosen, die zu den Tuniken gehörten, zeigten sich in grauen oder beigem Farbton. Auch sie wirkten gewissermaßen elegant, wenn auch noch nicht so teuer, dass ein Adliger sie getragen hätte. Was unter all diesen Habseligkeiten natürlich auffiel, war ein Satz schwarzer Kleidung. Dies musste dem Assassinen gehören, der sein Vater gewesen war. Eine schwarze Lederhose, welche man seitlich schnürte, dazu ein schwarzes Leinenhemd mit engen Ärmeln. Ein Lederwams, mit dunklen Nieten beschlagen, in gleicher Macharcht Arm- und Beinschienen. Komplettiert wurde das Outfit durch einen langen, aber leichten Umhang, dessen Kapuze so groß war, dass sie wohl das gesamte Gesicht in Schatten hüllte, wenn man sie über den Kopf streifte. Ein Ledergurt mit vielen Laschen für Waffen lag ordentlich auf diesem Stapel Kleidung zusammengerollt. Und das war alles, was es über Nathanael, den Jorsaner zu erfahren gab. Der Rest war Staub.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Sonntag 15. Juli 2012, 17:44

Eifrig begann Nihil den gesamten Raum abzusuchen. Dass er zwischendurch immer wieder durch den aufgewirbelten Staub Husten und Niesen musste, nahm er billigend in Kauf. Suki hingegend hatte nach dem zweiten Nieser genug davon, sprang von der Schulter ihres Begleiters, setzte sich neben die Tür und boabachtete alles aus sicherer Entfernung. Der Gedichtband war der erste Schatz den Nihil im alten Zimmer seines Vaters fand. Das ganze Zimmer war eigentlich schon wie ein Schatz von unschätzbarem Wert für ihn. Immer wieder blickte sich der junge Hymlianer um, weil er dachte jemanden gehört oder gesehen zu haben. Hier lebte einst sein Vater. Ging ein und aus, schlief, träumte, plante und dachte vielleicht auch an ihn und seine Mutter. Jetzt wurde Nihil erst bewusst, wie sehr er seinen Vater liebte und sich mit ihm verbunden fühlte und das trotz dessen, dass er ihn nie kennengelernt hatte. Das kleine Buch verschwand augenblicklich in seiner Umhängetasche und die Suche ging weiter. Als er schließlich bei der Kleiderkiste angekommen war, ging er langsam auf die Knie und öffnete fast schon ehrfüchtig den Deckel. Die Kleider die er darin vorfand gefielen ihm alle irgendwie, auch - oder vielleicht genau deshalb - wenn sie völlig anders als die Kleider in Hymlia waren.
Dennoch schienen alle Sachen kaum getragen bis auf eine Kollektion. Die Lederhose sowie das Hemd, der Umhang und der Rest der Sachen waren nicht abgetragen oder alt, doch war sich Nihil einfach nur im tiefsten innern absolut sicher, dass sie von seinem Vater getragen wurden. Vorsichtig nahm er die von Staub und Motten verschonten sachen aus der Truhe und betrachtete sie. Ohne dass er es merkte, rannen Tränen über sein Gesicht. Die Gefühle übermannten den Lichtnovizen und für einen Moment stand sein Vater vor ihm und lächelte ihn freundlich an. Als der Traum langsam verblasste und der verstaubte Raum wieder vor seinen Augen erschien, wischte sich der Hymlianer die Tränen aus dem Gesicht, legte die Sachen vorerst wieder behutsam in die Truhe. Danach verließ er den Raum und ging zur Besenkammer, aus der er sich Putzutensilien besorgte und damit bewaffnet wieder ins Zimmer zurückkehrte. Zuerst einmal öffnete er das Fenster und lies frische Luft hinein. Kurz blickte er über die Schulter zu Suki, die immernoch neben der Tür Stellung genommen hatte.
"Warte am besten kurz draussen, das wird eine schmutzige Angelegenheit"
Und als hätte das kleine Tierchen jedes Wort verstanden, schlüpfte es durch die noch einen Spalt geöffnete Tür und setzte sich wie eine Statue direkt dafor hin. Nihil schloss die Tür, nahm seinen eigenen dünnen Schal aus der Tasche und band ihn sich zum Schutz gegen den Staub um Mund und Nase. Dann machte er sich eifrig ans Werk und wütete wie ein Putzteufel in dem Zimmer, wischte über die Schränke, kehrte den Boden, reinigte das gesamte Mobiliar. Während des putzens machte er sich auch ein wenig seine Magie zu nutze. Er hatte ja damals in der Luftakademie auch einige Zauber der Luftmagie gelernt, bevor er bei seinem Meister in die Lehre gegangen war. So kanalisierte er etwas seiner Magie und beschwor einen leichten aber dennoch ausreichenden Windstoß, der den Staub im Raum gezielt aufwirbelte und aus dem Fenster beförderte. So musste er sich zumindest darum keine Gedanken mehr machen und nur noch einmal grob durchwischen. Glücklicherweise war über dem Bett eine weite Leinendecke ausgebreitet, unter der sich eine Bettdecke und zwei Kissen befanden. Die Leinendecke hatte zwar durch die Motten auch hier und da ein kleines Loch, doch konnte Nihil sie vorsichtig abheben, ohne dass zu viel Staub auf das darunterliegende Bettzeug geriet. Das gesamte Bettzeug schüttelte er vor dem Fenster aus und legte es dann bis auf die Leinendecke wieder ordentlich auf das Bett. Die Decke legte er zusammen und lagerte sie auf dem Nachttisch zwischen. Später würde er sie mit runter nehmen und seiner Großmutter geben. Als er schließlich das ganze Zimmer beeindruckend schnell blitzeblank geputzt hatte, setzte er sich auf das Bett um kurz zu verschnaufen.
Dann öffnete er die Tür wieder einen Spalt und lies die wartende Suki herein, die nicht schlecht staunde, als sie sah, was ihr Freund nach so kurzer Zeit geschafft hatte. Sie lies sich auf einem der beiden Kissen nieder, rollte sich zusammen und beäugte den Hymlianer, der sich nun wieder zur Kleiderkiste bewegte, und die Sachen seines Vaters herausholte. Damit ging er wieder zum Bett und sog den Geruch der Sachen ein. Sie rochen wie solche Sachen eben riechen nach Leder, etwas nach Holz und nach einem anderen Geruch, den Nihil nicht in irgend etwas bekanntes einordnen konnte. Er sagte sich einfach, dass dies der Körpereigene Geruch seines Vaters gesein Wesen musste, wie jedes Wesen einen besaß. Abgesehen davon hing etwas von diesem Duft in so ziemlich allen Sachen hier. Kurzum entschloss er sich, dass er sie tragen würde. Mal sehen ob er Nathanael wirklich so sehr ähnelte. So entkleidete Nihil sich und legte seine Sachen mit in die Kleidertruhe zu den anderen. Kurz zögerte er, als er dann bis auf die Lendenschurz entkleidet vor den auf dem Bett ausgebreiteten Kleidungsstücken stand, doch dann begann er damit, sie anzuziehen. Als er fertig war, sah er an sich herab. Es war ein etwas ungewohnter Anblick und doch gefiel er ihm. Alles passte so gut wie angegossen, nur dass die Ärmel nicht wirklich eng anlagen, was wohl daran lag, dass Nihils Vater sicherlich etwas muskulösere Arme hatte als sein Sohn. Suki schien im ersten Moment völlig geschockt darüber zu sein, wie Kleidung jemanden verändern konnte, zumindest schien es Nihil so, da sie ihn mit weit aufgerissenen Augen musterte und vorsichtig und erst nach eingehender Beschnüffelungsrunde wieder auf ihn zukahm, auf seine Schulter sprang sie jedoch vorsichtshalber noch nicht, da ihr der Lederwams noch nicht so geheuer war. Die Kette seines Vaters baumelte nun glänzend auf seiner Brust und passte perfekt ins Bild. Würde er sich in einem Spiegel ansehen, so müsste der junge Lichtnovize sicherlich sofort an das Gemälde seines Vaters denken, dass seine Mutter in ihrem Zimmer hängen hatte. Die Sachen aus seiner Umhängetasche konnte er eigentlich weitestgehend in den Gürteltaschen seiner neu erworbenen Kleidung verstauen und so legte er sie auch mit in die Truhe. Dann ging er wieder hinunter in den Gastraum wo nun tatsächlich auch schon ein paar Menschen sahsen. Nun würde er nach seinem Großvater suchen und dann zusammen mit en anderen das sicherlich köstliche Mahl seiner Großmutter zu sich nehmen.

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Montag 16. Juli 2012, 10:41

Die Kleidung seines Vaters saß wie angegossen, abgesehen von den etwas zu weiten Ärmeln des Hemdes, die ein wenig locker um seine Unterarme flatterten. Doch bei Nihil wirkte das nicht schmächtig, vielmehr gab es seinem Charakter einen Hauch von lockerer Selbstsicherheit. Er sah nun unglaublich verwegen aus, ein kleiner Assassine auf dem Weg zu seinem ersten Auftrag. So hätte man ihn sehen können. Suki folgte dem Hymlianer im neuen Gewand wieder hinunter in die Schankstube. Dort hatten sich inzwischen erste Gäste eingefunden. Zwei Soldaten hockten an einem der Tische. Auf ihren geben Wappenröcken prangte der rote Adler des Königreiches. Sie unterhielten sich leise, stachen hin und wieder ihr Besteck in das Fleisch auf den Tellern. Die Helme hatten sie während der Mahlzeit neben sich auf den Tisch gelegt. Sie aßen relativ ungestört und ihre Anwesenheit schien bei den übrigen Gästen auch nicht für Aufsehen zu sorgen. Es kam häufig vor, dass sich jorsanische Soldaten im Gasthaus einfanden, denn dort schmeckte es ihnen besser als in der Kantine der kleinen Kaserne vor Ort.
Ansonsten verteilten sich vereinzelt Bauern an den Tischen und auch vorn am Tresen, wo Großvater Valor die Getränke ausschenkte. Sie sprachen nicht viel miteinander. Murmeln wäre hier ohnehin das treffendere Stichwort gewesen. Die meisten Bauern hatten sich schon vor Sonnenaufgang auf ihre Felder begeben und saßen nun hier, um ihre wohlverdiente Pause zu genießen, ehe sie sich zurück an ihre Arbeit machten. Ein Feld zu bestellen konnte den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Wer zusätzlich noch Vieh besaß, musste sich auch darum kümmern. Solche Männer kehrten also entweder um diese Zeit in Gasthäuser und Tavernen ein oder erst zur späten Abendstunde, um mit den Freunden noch ein Bier zu genießen oder den Abend bei einem Kartenspiel ausklingen zu lassen. Letztere Sparte Bauern gab es in Ganda deutlich mehr, denn die derzeit Anwesenden konnte man an zwei Händen abzählen. Dass es im Moment abends allerdings auch nicht voller in der guten Stube wurde, war Valor durchaus bewusst. Wer wollte schon vor die Tür treten, wenn Wiedergänger die nächtlichen Straßen unsicher machten? Die einzigen, die sich dann heraus wagten, waren jene Tapferen auf Patrouille.

Valor war in seine Arbeit vertieft, mehr oder weniger. Er unterhielt sich derzeit angeregt mit einem der Gäste. Der Bauer erzählte ihm von seiner hoch treibenden Ernte und dass er bald besonders große Kürbisse zum Verkauf anbieten könnte. "Wenn mir die Wiedergänger nicht alle Kürbisse zertrampeln! Letzte Nacht waren sie auf meinen Feldern, ich hab sie gehört und sofort die Mistgabel gezückt. Aber du kennst ja mein Weib, die olle Agnes. Hat mich nich' nach ihnen jagen lassen, hat sie nich'! Seit ihr Bauch immer runder wird, macht sie sich eben Sorgen um den Vater. Ha, als käm das Kind nich' ohne mich auf die Welt."
Nihils Großvater nickte hin und wieder, grinste am Ende und gab schließlich seinen Kommentar zu der Sachlage ab. Das Gespräch war eher uninteressant, außerdem wollte der Junge sowieso nun seine Mahlzeit genießen. Aus der Küche roch es verführerisch. Da tauchte auch schon Nayas Kopf an der Tür auf. Sie lächelte, hatte sie ihren Freund doch sofort entdeckt. Schon winkte sie ihn nach hinten. Suki sprang bereits voraus, huschte an der Theke vorbei, wo sich Valor soeben einem schmutzigen Glas widmete, und verschwand in der Küche.
Nihil würde allerdings gar nicht erst so weit kommen. Gerade trat Nathalia in den Schankraum. Sie trug einen Korb mit Brotscheiben vor sich. Den Inhalt wollte sie in auf die kleinen Körbchen, welche sich auf den Tischen befanden, verteilen. Jetzt jedoch, da sie Nihil entdeckte, verteilten sich die Brote stattdessen allesamt auf dem gefegten Boden, denn sie ließ den Korb fallen. Die Wirtin starrte Nihil aus großen Augen an, ihr Gesicht verlor alle Farbe. Tränen stiegen ihr in die Augen und sie konnte kaum den Namen hervor bringen, weil sich ihre Kehle zusammenschnürte: "Na...Nathanael ... du lebst?!" Alle Augen richteten sich nun erst auf Nathalia, dann auf Nihil. Großvater Valor kam hinter der Theke hervor, trat an seinen Enkel heran und konnte auch nicht anders als starren. Er berührte die Schulter des Jungen, musterte ihn von Kopf bis Fuß. "Wie dein Vater, als ich ihm diese Sachen anfertigen ließ. Du siehst aus wie dein Vater, Junge!" Selbst dem alten Valor standen Tränen in den Augen.
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Montag 16. Juli 2012, 15:57

Im Gastraum angekommen musterte Nihil die anwesenden Gäste und versuchte hier und da auch ein paar Gesprächsfetzen aufzufangen, was sich jedoch als äußerst umständlich herausstellte, da so ziemlich alle hier anwesenden Garmisch redeten, wovon der junge Hymlianer gerade einmal ein paar Worte sprechen konnte, die sich auch eher schlecht als recht anhörten. So erhielt er auch nur ein paar Wortfetzen, bei denen er sich jedoch auch nicht sicher war, ob er sie auch richtig deutete. Also lies er davon ab und wollte gerade zu seinem Großvater an die Schenke gehen, als Naya ihren Kopf aus der Küche streckte und ihn eifrig zu sich winkte. Aus der Küche roch es bereits köstlich und so machte sich Nihil sofort auf den Weg dorthin, stoppte jedoch nach ein paar Schritten gleich wieder, als ihm seine Großmutter entgegen kahm, die ihn erschrocken anstarrte und den Brotkorb den sie in Händen hielt abrupt fallen lies und den Inhalt auf dem Boden verteilte. Sofort schossen Tränen in ihre Augen und sie nannte ihn beim Namen seines Vaters. Als dann auch noch Valor mit Tränen in den Augen auf ihn zu trat, bemerkte er, dass alle Gespräche im Raum verstummt waren und jeder zu ihm starrte. Scheinbar war er wirklich wie ein Spiegelbild seines Vaters, doch nun musste er sich erst einmal um seine Großeltern kümmern, um ihnen nicht noch mehr Kummer zu bereiten. Suki hatte sich inzwischen wieder auf die Schulter ihres Freundes gewagt und lag wieder wie ein Pelzschal über seinen Nacken gestreckt. Als er die Worte seines Großvaters vernahm lief wieder ein Schauer über seinen Rücken und kurz musste sich der Lichtnovize zusammenreißen, um nicht selbst in Tränen auszubrechen. Sein Vater hatte diese Sachen also tatsächlich getragen. Er lächelte Valor auf seine warme Art an und ging dann hinüber zu seiner Großmutter. kurz vor ihr kniete er sich hin und hob ein Stück Brot vom Boden auf, dass er prüfend betrachtete, kurz abputzte und lächelnd zu Nathalia hinauf sah.
"Ach Großmutter nun wirf doch nicht wegen mir das gute Brot auf den Boden. Du hast es gemacht also ist es viel zu schade um nicht gegessen zu werden"
Genüsslich bis er ein Stück ab und schluckte es herunter. Dann erhob er sich wieder, erreichte mit einem Schritt seine Großmutter und umarmte sie fest. Ihm war klar, dass dies ihre Tränen wohl kaum mindern würde und doch schien es ihm nun das richtige zu sein.
"Ich danke euch von ganzem Herzen, dass ihr mir das hier ermöglicht hab und dass ich euch beide kennenlernen durfte. Ich habe das Erbe meines Vaters angetreten, wie er es sich von mir in seinem Brief gewünscht hatte und irgendwann einmal zeige ich euch Hymlia dort lernt ihr dann auch meine Mutter kennen sowie den Rest meiner Familie, doch nun weine nicht. Es ist eher ein Grund zur Freude, dass wir hier alle zusammen sind"
Dann löste er die Umarmung wieder und stellte sich neben Nathalia, als wäre nichts gewesen.
"Lass mich dir helfen Großmutter ich bin nicht den weiten Weg hierher zu kommen, um euch für mich schuften zu lassen. Das Zimmer habe ich bereits sauber gemacht soll ich dir helfen das Essen heraus zu tragen?"

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Dienstag 17. Juli 2012, 10:13

Naya blinzelte zunächst überrascht, konnte nicht einschreiten, da sie aufgrund der plötzlichen Situation viel zu perplex war. Sie starrte Nihils Großmutter an, die soeben den Korb fallen gelassen hatte, dass sich die Brote weit über den Boden der Schankstube verteilten. Es herrschte absolute Stille, abgesehen von Nathalias Schluchzen. Die Gäste schauten erst sie, dann Nihil und schließlich den Wirt an. Der Mann lächelte matt, obgleich ihm Tränen in den Augen standen. Die Erinnerung und dieses Bild von Nihil, der seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten war, nun, da er dessen Kleidung trug, hatte beide Großeltern stark berührt.
Suki begann, die Stille durch zweimaliges Maunzen zu durchbrechen, aber sie schaffte es nicht, die liebe Großmutter ihres Freundes zu beruhigen. Da musste Nihil schon selbst heran. Seine Umarmung war in diesem Moment Gold wert. Nathalia stieß zwar noch einmal einen heftigen Schluchzer aus und klammerte sich anfangs retten an Nihil, aber nach wenigen Augenblicken schon gewann sie ihre Fassung zurück. "Du bist so ein guter Junge", hauchte sie ihm ins Ohr, noch während sich Nihil von ihr löste. Eine Hand strich über seine Wange und ein tränennasses Gesicht lächelte ihn an. Großmutter Nathalia tätschelte ihn. "Lass mal die Brote, mein Lieber. In der Küche wartet eine Mahlzeit auf dich. Iss, solange sie noch warm ist. Auf, auf!" Sie ließ Nihil keine Gelegenheit, sich nochmals nach einer der Brotscheiben zu bücken, sondern schob ihn konsequent durch die Küchentür, wo Naya immer noch stand und ihn anstarrte. Erst als Nihil gänzlich in der Küche verschwunden war, wandte sie sich ihm zu. "Was war das denn gerade? Du musst ja wirklich das bloße Ebenbild deines Vaters sein, dass deine Oma und dein Opa so aus der Fassung geraten!" Sie musterte ihn von Kopf bis Fuß. Sein Äußerliches hatte sich durch die Kleidung aber wirklich stark verändert. Wo vorher verträumte, hymlianische Farben vorgeherrscht hatten, waren sie nun den dunklen Tönen eines Mannes gewichen, der sich beruflich mit dem Töten anderer Menschen beschäftigte. Ein Schatten hatte sich über Nihils Erscheinung gelegt, ohne ihn dabei düster aussehen zu lassen. "Schaust nicht schlecht aus."
Naya zeigte zu einem kleinen Tisch, an dem Großmutter Nathalia sonst den Teig zu rollen pflegte. Jemand hatte einen Hocker an den Tisch geschoben und vor diesem Platz einen Teller mit dampfenden Kartoffeln, einer Hammelkeule und dicken, runden Erbsen hergerichtet. Daneben stand ein Holzbecher, randvoll mit frischer Ziegenmilch. "Lass es dir schmecken." Naya holte sich einen weiteren Hocker heran. Offenbar hatte sie den Großteil ihrer eigenen Mahlzeit schon verputzt. Nun schnitt sie sie noch einen Apfel zum Nachtisch. Für Suki stand eine Schale mit Milch am Boden bereit, auf die sich das muntere Kätzchen sofort stürzte.
"Wie sieht deine Planung nun aus, Nihil?", fragte Naya. "Ruhen wir uns bis zum Abend aus? Ich ... glaube, ich möchte nicht wirklich auf Patrouille gehen. Mit meiner Hand kann ich sowieso noch nicht richtig kämpfen und wäre keine große Hilfe. Außerdem finde ich die Vorstellung von Toten, die nachts umher wandern, irgendwie unheimlich. Doch wie könnten wir helfen? Willst du morgen erst zu diesem Grafen gehen? Dann lege ich mich gleich nämlich etwas schlafen. Die Reise war ziemlich anstrengend."
Sie schob sich ein Stückchen Apfel in den Mund, hielt Nihil ebenfalls eines hin. "Möchtest du?"
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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Nihil De´val » Dienstag 17. Juli 2012, 16:54

Als Nihil die Küche betreten hatte und das dort für ihn angerichtete Essen sah, bemerkte er plötzlich, dass er einen Mordshunger hatte. Kurz schluckte er noch einmal und dann setzte er sich direkt an den Tisch und begann eifrig zu essen. Es schmeckte wirklich köstlich. Anders als das Essen in Hymlia war es in jedem Fall, da die Hymlianer ja ihre ganz eigenen Rohstoffe hatten, die es auch nur in der Stadt über den Wolken gab. Von Kartoffeln hatte er bis jetzt nur gelesen und so war die Mahlzeit Freude und Lehre zugleich. Im nu war der Teller geleert und auch Suki hatte schnell ihr Schälchen ausgeleckt. Während Nihil einen Schluck von der Ziegenmilch nahm, dachte er über Nayas Worte nach. Entschlossen stellte er dann den Becher ab und sah ihr direkt in die Augen.
"In Ordnung. Ich möchte dich nicht zu etwas zwingen, das du nicht willst. Ich werde mich nun noch ein wenig ausruhen bis wir zur Patroullie aufbrechen und ja morgen werde ich mich zum Schloss begeben, um dort mehr zu erfahren. Wenn du möchtest kannst du gerne mitkommen. Es ist ohnehin ratsam, dass du deine Hand etwas schonst bis wir in Zyranus angekommen sind. Der Heilzauber meines Meisters wirkt von mal zu mal weniger von daher sollten wir mit den Anwendungen sparsam umgehen und sie nurnoch auf den Flügen und in Notsituationen anwenden."
Dann erhob er sich, leerte seinen Becher und schob sich ein Stück Apfel in den Mund. Als er fertiggegessen hatte, wandte er sich noch einmal Naya zu, bevor er wieder in den Gastraum ging.
"Entschuldige mich jetzt ich werde ein wenig schlafen. Wir sehen uns dann morgen"
Als nächstes ging der zu seinen Großeltern, die beide hinter der Theke standen und sich gerade unterhielten. Als Nihil auf sie zukahm, beendeten sie ihr Gespräch und sahen ihn lächelnd an.
"Danke Großmutter. Es war wirklich köstlich. Und diese... Kartoffeln sind wirklich gut. Bei uns in Hymlia gibt es solche Dinge nur, wenn gerade Händler vom Boden da sind aber Kartoffeln habe ich heute zum ersten mal gegessen. Großvater ich werde mich nun ein wenig ausruhen um für die Patroullie bei Kräften zu sein. Kannst du mich bitte wecken, wenn es soweit ist?"
Er wartete noch die Antwort ab und ging dann zusammen mit seinem lebenden Pelzkragen alias Suki wieder nach oben in sein Zimmer. Dort angekommen überkahm ihn wieder dieses fast schon ehrwürdige Gefühl, als würde er sich in einem Tempel befinden. Langsam entkleidete er sich und legte sich ins Bett. Suki rollte sich wie gewohnt neben ihm zusammen eng an ihren Freund gekuschelt und mit seiner Hand unter ihrem Köpfchen. Lange dauerte es nicht, da glitt Nihil schon in das Reich der Träume. Bald würde es los gehen....

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Re: Das Dorf auf dem ein Fluch lag

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 18. Juli 2012, 12:16

"Junge, aufwachen! Es geht los."
Jemand rüttelte Nihil an der Schulter. Gerade eben hatte er noch geträumt, doch die Handlung, in die er sich im Traum verstrickt hatte, ließ ihn los, schwand, als sein Großvater versuchte, ihn wach zu bekommen. Er stand an Nihils Bett, halb darüber gebeugt, eine kleine Laterne in der Hand, mit der er seinen Enkel anstrahlte. Die Schürze eines Gasthausbetreibers war einem Umhang aus dunkelgrünem Filz gewichen, unter dem ein Lederwams bräunlich schimmerte. Quer über die Brust hatte Valor sich einen Gurt geschlungen, an dem Nihil zwei befestigte Messerscheiden erkennen konnte. Griffe der Messer ragten aus den oberen Enden. Am Gürtel, der sich um den Ranzen seines Großvaters legte, baumelte ein Dolch.
"Hoch mit dir, Junge! Die Patrouille geht los. Du kommst heute Nacht mit mir und Andrias, dem Knecht vom Nachbarshof. Eil dich! Zieh dich an!" Er trieb wirklich zur Eile. Offenbar wartete benannter Knecht bereits.
Draußen herrschten Dunkelheit und Stille. Letztere wurde nur leise von einem gleichmäßigen Plätschern durchbrochen. Es regnete sanft. Der Nachthimmel reinige Gandas Pfade mit klaren Wassertropfen, aber die Wiedergänger würde dies gewiss nicht aufhalten. Vom kleinen Fenster aus, das Nihil noch am Vortag erst geputzt hatte, konnte man vereinzelt rundliche Lichtflecke in der schwarzen Finsternis erkennen. Das mussten andere Bewohner des Dorfes sein, die bereits die Umgebung durchstreiften. Es wurde wirklich Zeit, dass sich Nihil und sein Großvater den Gruppen anschlossen.
Valor wartete noch, bis sich sein Enkel angezogen und soweit vorbereitet hatte. Er guckte skeptisch, als sich Suki um Nihils Hals legte, aber wie der Junge bereits erwähnt hatte, würde ihm das Tier nicht von der Seite weichen. "Wir müssen leise sein. Deine Großmutter, Naya und einige eingekehrte Gäste schlafen bereits." So schlich Valor auf leisen Sohlen durch den Korridor und die Treppe herunter. Er nahm die Hintertür und den Weg über den Hof, am Stall vorbei. Die Vordertür war gut verriegelt. Kein Wiedergänger sollte ins Gasthaus gelangen. Unter einem schrägen Dachvorsprung wartete eine weitere Gestalt. Dies musste Andrias vom Nachbarhof sein. Wie auch schon Nihils Großvater trug er einen Filzumhang, allerdings ohne Kapuze und in ockergelber Farbe. Ein rotbrauner Jagdhut mit Fasanenfeder zierte sein Haupt, unter dem strohblondes Haar, sowie ein Spitzbart dem Fremden Schneid verliehen. Er war lang und hager, wirkte dadurch jedoch nicht schwächlich. Drahtig traf es besser. An seinem Gürtel hing ein mit Nägeln gespickter Knüppel. Er reichte Nihil eine behandschuhte Hand zum Gruß und stellte sich vor: "Hallo, ich bin Andrias Apfelkern, Knecht auf dem Hof Apfelkern. Du musst Valors Enkel sein, den er angekündigt hat." Andrias mochte kaum auf das dreißigste Lebensjahr zugehen, trotzdem besaß er kleine Falten um die Augen. An Valor gewandt sagte er: "Wir haben heute das Pech, den Totenacker zu überwachen. Das wird eine harte Nacht."
Valor brummte nur etwas, legte Nihil die Hand auf die Schulter. Eindringlich sah er ihn an. "Auch wenn sie dir wie Menschen vorkommen mögen, sie sind bereits lange tot. Zögere nicht, sie niederzuschlagen. Hast du überhaupt eine Waffe, Junge?"
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