Das fröhliche Dorf

Ganda ist ein größeres Dorf, welches im Westen liegt. Hier wird mit den verschiedensten Städten gehandelt und auch mit allerlei Waren. Einige Züchter befinden sich hier, welche angeblich die besten Pferde haben.
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Gestalt
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Re: Das fröhliche Dorf

Beitrag von Gestalt » Sonntag 22. Mai 2011, 22:12

Endlich öffnete Alea das Fenster. Devin streckte ihr die Kleidung entgegen und rutschte kurz darauf hindurch. Behände rutschte er vom Sims und kam mit einem dumpfen Geräusch mit beiden Füßen auf dem Boden auf. Seine Zähne schimmerten hell im Schein des Mondes. Er grinste breit. "Nichts ist los. Ich hab nur alles vorbereitet. Und bitte nicht so laut, mein Onkel hat einen leichten Schlaf", flüsterte der Junge. Seine Haltung zeugte von Verstohlenheit. Er heckte irgendetwas aus. "Zieh dich schnell um, ich guck auch nicht hin. Bin eh beschäftigt. Äh ... kann man deinen Freund einfach so ... anleinen?" Er zückte ein langes Seil, das zuvor aufgerollt an seinem Gürtel gebaumelt hatte. Devin trug keine Nachtgewänder. Er war voll angezogen. Sein weißes Hemd lugte unter einer schnürbaren Lederweste hervor, die im Tageslicht rotbraun leuchtete. Die Beine steckten in einem Satz seitlich schnürbarer Hosen aus dunklem Leder, die in knöchelhohen Schuhen verschwanden. Mit diesen Tretern hörte man Devin kaum, aber er schien auch zu wissen, wie man sich möglichst lautlos zu bewegen hatte. An seinem Gürtel fanden sich diverse kleine Beutel, sowie Taschen aus gehärtetem Leder, die wir Kästchen am Gürtel hingen. Außerdem steckte ein Dolch in Griffnähe. Man sah ihn kurz ausblitzen, als der dunkelbraune Kapuzenumhang aufflatterte - die Waffe steckte in keiner Scheide. Devin schien sich für eine Reise vorbereitet zu haben, so wie er ausschaute.
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Er ließ Alea an Ort und Stelle stehen. "Zieh dich um", wisperte er noch einmal auffordernd. Der Junge wollte keine Zeit vergeuden, außerdem fürchtete er seinen Onkel. Wenn der wach wurde und ihn entdeckte, würde es mehr als den Stock setzen. Dann konnte sich Devin tagsüber die Hände blutig schuften und die Nächte entweder bei den Schweinen im Stall oder im Kohlekeller verbringen. So leise wie möglich fädelte er das eine Ende des Seiles in einen Flaschenzug. Das Schicksal meinte es gut mit ihm, dass Aleas Fenster sich direkt unter einem vorstehenden Gibelbalken befand, an dem sein Onkel die nützliche Erfindung angebracht hatte. Das Gasthaus war einst eine Scheune gewesen, in der so einige schwere Dinge hatten gelagert werden müssen. Um sie nicht durch das ganze Gebäude und die schmale Treppe schleppen zu müssen, hatte man einen Flaschenzug angebracht und die Ware einfach direkt vom Karren heraufgezogen. Nach gut zwei Jahren hatte der Onkel die Scheune aber zu einem Wohn- und schließlich zum Gasthaus umfunktioniert. Es brachte deutlich mehr Geld ein als die Lagerung fremden Getreides. Die Bauern besaßen schließlich alle eigene Scheunen.
Kaum war Devin mit seiner Arbeit fertig, erklärte sich auch seine vorhin gestellte Frage von ganz allein. Er ging zum Bett herüber und drückte das Seil-Ende unter Rejans Körper hindurch. Der Junge begann damit, den Wüstendieb fest zu verschnüren. Er würde ihn wie einen Sack Mehl das Dach herab seilen. Aber wohin?
"Kannst du eigentlich gut klettern? Unten wartet der Pferdekarren. Wenn nicht, musst du dich die Treppe runter und durch den Schankraum schleichen. Die Tür ist entriegelt, ich musste ja irgendwie in den Stall kommen. Aber mir wäre der Fluchtweg über das Dach lieber. Ist auch viel aufregender, nicht wahr?" Er kratzte sich am Hinterkopf und scharrte kurz mit dem Fuß. Natürlich konnte er von Alea nicht verlangen, dass sie in einer Nacht- und Nebelaktion über das Dach des Gasthauses verschwand, als wollte sie vor etwas fliehen. "Leg meinem Onkel am besten noch zwei Füchse auf den Tisch. Dann ... vergisst er die Vorkommnisse. Dem ist so viele egal", meinte der Bursche.
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Re: Das fröhliche Dorf

Beitrag von Alea » Montag 23. Mai 2011, 11:12

Alea schaute Devin irritiert und sprachlos an, als er meinte, nichts wäre los und ihrem Blick mit einem Grinsen begegnete. Was sollte dann das Ganze? Sie hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet und konnte sich nur langsam beruhigen. Offensichtlich herrschte keine Gefahr, wie sie angenommen hatte. Und was sollte das heißen, sie sollte leise sein, weil sein Onkel schlief. Wollte er etwa..? Mit hochgezogener Augenbraue betrachtete sie den Jungen, den sie solch ein Verhalten nie zugetraut hätte. Er kletterte nachts über das Dach in das Zimmer einer jungen Frau und wollte offensichtlich mit ihr und Rejan verschwinden. Noch immer konnte sie nichts wirklich Intelligentes von sich geben und starrte so nur auf das Seil in seinen Händen und vernahm die Aufforderung, dass sie sich umziehen sollte. Er wollte ihnen wohl mit allen Mitteln helfen. Aber das konnte nicht alles sein. Ob der Reisegewänder, die er an seinem Leib trug, konnte Alea kaum glauben, was er vorhatte. "Bist du sicher, dass du das tun willst?", flüsterte sie stattdessen, nahm ihre frisch gewaschene Kleidung entgegen und stand aus dem Bett auf. Er konnte sich doch nicht einfach so in der Nacht davon stehlen. Er konnte doch nicht einfach Ganda und seinen Onkel verlassen. Doch mehr sagte sie nicht, noch viel zu perplex und selbst nicht wissend, was sie davon halten sollte, wollte sie ihm nicht zureden. Im Grunde war es seine Entscheidung, er war alt genug. Und außerdem war es noch nützlich für Rejan und sie.

Kopfschüttelnd ging sie in die hinterste Ecke, die das Zimmer zu bieten hatte und schaute noch einmal über die Schulter zurück zu Devin, der sich in dem Moment daran machte, ein Seil um Rejan zu binden. Dann beeilte sie sich, die Kleidung zu wechseln, wobei ihre Bewegungen schnell waren. Unangenehm war es ja dennoch sich vor Devin umzuziehen, daher hoffte sie, das Zimmer wäre hier dunkel genug, um sie zu verbergen. Zusätzlich scharrte sie noch ein paar Schatten um sich, um wenigstens ihre Konturen im Dunkeln zu verbergen.
Gekleidet in ihre bequemen Sachen drehte sie sich schließlich um und betrachtete Devins Werk, während sie überprüfte, ob ihre Dolche und der Säbel auch fest an ihren Plätzen saßen. Devin hatte Rejan in der Zwischenzeit fachmännisch verschnürt und sie konnte sich ein Schmunzeln nicht ganz verkneifen. Davon würde sie Rejan erzählen und sie war auf seinen Gesichtsausdruck gespannt, wenn sie ihm erzählte, dass der Bursche ihn wie ein Paket festgeschnürt und nach unten verfrachtet hätte. "Natürlich kann ich klettern", erwiderte sie belustigt und zwinkerte Devin zu. "Unterschätze nie die sarmaischen .. Menschen." Fast hätte sie Wüstendiebe gesagt, hoffte aber, dass Devin den kleinen Versprecher nicht bemerkte und sie ihren Fehler gut kaschiert hatte. Irgendwann würde sie es ihm vielleicht sagen, aber jetzt war es zu früh dafür.

"Du musst das nicht tun, Devin. Ich bin dir dankbar für das Pferd und den Karren und würde euch beides zurück bringen oder euch dafür bezahlen. Aber bitte überleg es dir, ob es so gut ist, wenn du einfach verschwindest." Etwas ernster blickte sie ihn an. Sie wollte nicht, dass er überstürzt sein Leben aufgab. Vielleicht wollte er sie nur bis zum Strand begleiten und dann zurück kehren. Aber es beschlich sie das Gefühl, dass er weit mehr wollte als sechs Tage die Welt zu sehen. Sie seufzte leise und holte dann drei Füchse aus ihrem Geldbeutel, die sie wie geheißen auf den Tisch legte. Ein Ausdruck des Anflugs eines schlechten Gewissens, weil sie den Neffen des Wirtes mitnehmen würde, wenn er es wirklich wollte. Sie kannte die Abenteuerlust, die auch in ihr brannte und sie selbst genoss dieses Leben und würde alles dafür geben, es zu behalten und nicht zurück in die ärmlichen Straßen Sarmas zurück zu kehren, wo sie aufgewachsen war. Obwohl sie sich noch immer nach Sarma sehnte, nach dem Leben unter den Wüstendieben, und hoffte, bald in ihre Heimat zurück zu kehren.

Ohne weiter Zeit zu verlieren, schnappte sie sich ihr Gepäck und kletterte lautlos wie Devin eben durch das Fenster und auf das Dach. Man sah ihr an, dass es nicht das erste Mal war, dass sie so etwas tat. "Ich warte unten, dann kannst du Rejan herunter lassen", flüsterte sie und lief auch schon los, in geduckter Haltung über das Dach des Wirtshauses bis sie an der Kante angelangt war. Dort ließ sie sich auf den vorstehenden Balken herab sinken, ging abermals auf die Knie und umfasste die Kante des Balken, ehe sie sich an diesem herunter hängen ließ. Auch wenn es schon ein Weilchen her war, seit Alea über Dächer, Balken und Vorsprünge geklettert war, verlernte eine Wüstendiebin so etwas nicht von heute auf morgen. Es fiel ihr nicht sonderlich schwer einen Weg nach unten zu finden und es dauerte nur wenige Minuten, bis sie sich die letzten Zentimeter zu Boden fallen ließ und sicher auf den Füßen landete. Direkt neben ihr stand das für sie beeindruckend große Pferd, das Devn schon vor den Karren gespannt hatte. Etwas scheu war sie diesen Tieren noch immer gegenüber, Kamele waren ihr da weitaus vertrauter. Daher unternahm sie auch keinen Versuch, dem Pferd noch näher zu kommen und wisperte zu Devin hinauf, dass sie unten angekommen war und er somit Rejan zu ihr hinab seilen konnte.

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Re: Das fröhliche Dorf

Beitrag von Gestalt » Dienstag 24. Mai 2011, 15:35

Devin hatte schon geahnt, dass er auf Widerstand stoßen würde, allerdings hatte er eher geglaubt, sein Onkel bekam etwas mit und hielt ihn dann auf. Eine Arbeitskraft zu verlieren, noch dazu eine, die im Grunde fast die ganze Arbeit allein machte, gefiel ihm bestimmt nicht. Dass aber Alea mit hoch gezogener Braue nachhakte, ob er seine Pläne wirklich umsetzen wollte, damit hatte der Junge nicht wirklich gerechnet. Stand sie denn nicht auf seiner Seite? Konnte sie nicht nachvollziehen, was in ihm vor ging? Sie war doch selbst eine Abenteurerin. So reckte er nur das Kinn vor, verzog den Mund, dass eine trotzige Mimik enstand und meinte: "Zieht Euch um."
Ja, er wollte es wie er noch nie etwas in seinem Leben gewollt hatte. Aber irgendwie konnte er das der Frau nicht ins Gesicht sagen. Es käme feindselig herüber, wenn er auch nur den Mund öffnete. Und Devin wünschte sich doch, dass sie gemeinsam Abenteuer erleben könnten. Allein ihrem Freund Rejan zu helfen war wesentlich spannender als sein bisheriges Leben Zusammenfassend bestand es schließlich aus wenig mehr als der Arbeit im Gasthof des Oheims.
Devin beachtete Alea zunächst nicht weiter. Er packte nach dem Seil, um Rejan zu verschnüren. Dabei ging er sehr konzentriert und gewissenhaft vor. Schließlich wollte man den Mann an einem Flaschenzug herunter lassen. Das war nicht ungefährlich und Rejan sollte sich unter keinen Umständen verletzen. Devin wollte für seine Mühen in Aleas Gunst steigen. Vielleicht wirkte sie dann weniger skeptisch und sah ein, dass sie einen so tüchtigen jungen Mann wie ihn auf ihrer Reise gut gebrauchen konnte.
So eifrig wie der Bursche arbeitete, bekam er nicht mit, dass sich die Wüstendiebin inzwischen umgezogen hatte. Er war noch immer vollauf mit dem Seil beschäftigt, als sie erneut an ihn heran trat. Wieder sprach sie seine Pläne an. Versuchte sie, ihn davon abzubringen? Glaubte sie wirklich, er sah es als Pflicht an, sie und Rejan zu begleiten? Devins Finger krampften sich geradezu um den Strick. Mit großen Augen blickte er Alea entgegen. Seine Stimme überschlug sich beinahe, als er entgegnete: "Ich werde nicht im Weg stehen. Versprochen! Ich kann nützlich sein und ... ich kann auch kämpfen! Ich lenke den Wagen, wenn du willst." Seine hastigen Sätze endeten. Er ließ die Schultern und für einen Moment auch den Kopf hängen. Dann schaute er sie fast schon flehend an. "Ich werde euch keine Last sein. Bitte. Nimm mich mit." Es klang wie der Hilferuf eines Verdurstenden in der Wüste. Etwas zog Devin von hier fort und es schien mehr zu sein als der Wunsch, Abenteuer zu erleben. Eine tiefe Sehnsucht hatte ihn gepackt - Fernweh. Die Welt wartete auf ihn, aber wenn Alea ihm diese Gelegenheit entzog, würde alles ewig warten müssen. Dann blieb er der Neffe des Gastwirts, ein nicht beachtenswerter Bursche, der die Stube fegte, Betten machte, den Stall ausmistete und die Schweine fütterte. Devin glaubte fest daran, dass sein Leben ihm mehr bieten könnte. Er wollte den Versuch wagen.

Wie auch immer Aleas Entscheidung ausfiel, Devin würde ihr wenigstens helfen, Rejan sicher auf dem Karren zu verstauen. Vorsichtig hievte er ihn aus dem Fenster, das Seil fest um seinen eigenen Körper gespannt. Rejan wog mehr, so dass sich der Junge mit aller Kraft gegen sein Gewicht stemmen musste. Langsam ließ er ihn über den Flaschenzug herab. Der Karren stand nicht gnaz ausbalanciert unter dem Fenster, so dass Alea nachhelfen musste. Ansonsten hätte es Rejan einfach auf die erhöhte Seite des Wagens verfrachtet. Kaum dass sich der Wüstendieb im Laderaum des Karrens befand, löste Devin oben das Seil vom Flaschenzug. Er warf es gezielt herunter. Im Werfen zeichte er Geschick. Und dann tauchte sein Gesicht am Fenster auf. Er blickte zu Alea herab. Fragend. Wartend. Durfte er mitkommen?
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Re: Das fröhliche Dorf

Beitrag von Alea » Donnerstag 26. Mai 2011, 12:34

Der Weg nach unten war nicht lang und auch nicht schwer. Aleas Gedanken kreisten um Devin und seine Worte. Er hatte sie so flehend angesehen und seine Fähigkeiten vorgetragen. Er wollte unbedingt mit und wieder überkam sie eine leichte Gänsehaut, wenn sie an die Stimme voller Emotionen dachte, die um ihre Gunst flehte. Er wollte mitkommen und es schien, als wäre es das Einzige, das er wollte. Sie konnte ihn verstehen. Hier besaß er einen familiären Rückhalt, auch wenn sein Onkel ihn augenscheinlich nicht sehr freundlich behandelte, wollte sie glauben, dass er in der Not seinem Neffen helfen würde. Und doch, was war das im Gegensatz zu einem Leben, wie sie es führte? Seit sie Sarma verlassen hatte, hatte sie schon so viel gesehen und so viel erlebt. Sie hatte so viele Freunschaften geschlossen, war auf so viele verschiedene Völker getroffen wie in Sarma in ihren ganzen 19 Lebensjahren nicht. Halt boten ihr heute ihre Freunde und Rejan. Sie hatte eine neue Familie gefunden, aus deren Wurzeln sie nicht entstammte.

Sie streckte Rejan die Arme entgegen und versuchte auf dem Karren einen festen Stand zu finden, um ihn in die Richtung des Laderaums zu schieben. Das Ganze klappte besser als sie gedacht hätte und Rejan landete schließlich relativ sanft auf dem Boden des Karrens. Das Seil folgte gleich darauf und Alea fing es genauso geschickt auf, wie Devin es warf. Sie war gespannt, wie er sich entwickeln würde. Ob er nach einigen Tagen überhaupt noch die Lust verspüren würde, weiter mit ihnen zu reisen und ob er Spaß an ihren Abenteuern finden würde - und an die Dinge, die sie ihm beibringen würden.

Als sie hochschaute, nach Devin suchend, wo er blieb und seinem fragenden Blick begegnete, schaute sie ihn zuerst verwundert an. Er hatte seinen Entschluss mehr als deutlich bekräftigt und sie wollte ihn nicht daran hindern, seinen Lebensweg zu finden. "Na komm schon." Sie grinste und winkte ihn mit der Hand zu sich hinab. Dann hockte sie sich neben Rejan und versuchte das Seil um seine Hüfte zu entwirren und die festen Knoten zu lösen, die Devins geschickten Fingern zu verdanken waren.
Als dieser unten bei ihnen war, hob sie den Kopf und ihre Augen funkelten teils voller Belustigung, teils voller Abenteuerlust. "Ich wäre dir dankbar, wenn du den Karren lenken würdest. In Sarma besitzen wir eher Kamele, die sind mir lieber als eure Pferde." Sie lächelte Devin an und vermied es, ihn erneut auf seinen Entschluss anzusprechen oder ihn je wieder anzuzweifeln. "Wir müssen zurück nach Rumdett und ans Meer vor der Stadt", informierte sie ihn und war voller Tatendrang.

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Re: Das fröhliche Dorf

Beitrag von Erzähler » Samstag 28. Mai 2011, 10:04

Alea hatte keinerlei Schwierigkeiten, über das Dach hinweg den Karren zu erreichen. Es wäre auch mehr als seltsam gewesen, wenn sie dies als Hindernis hätte ansehen müssen. Immerhin war sie eine Wüstendiebin und Rejan hatte ihr mehr als nur die Beutelschneiderei und Schleichen beigebracht. Rejan. Dafür, dass man ihn wie einen nassen Sack herabgelassen hatte, lag er nun friedlich im Laderaum des Holzwagens. Er sah immer noch so aus, als würde er sich nach einer langen Reise in ewigem Schlaf erholen. In Andunie gab es ein Märchen dazu, das sogar bei einigen Sarmaern bekannt war. Es handelte von einer schönen, jungen Frau, die von einer Fee verflucht wurde und fortan in ewig andauernden Schlaf verfallen musste. Nur der Kuss wahrer Liebe konnte sie retten. Das arme Ding hatte hundert Jahre warten müssen, bis sie der erlösende Kuss hatte retten können. Dafür war ihre Liebe an einen stattlichen Prinzen geraten. Man behauptet, er habe sie im obersten Stockwerk des Turms der Weisheit gefunden und der Prinz sei ein Vorfahre des jorsanischen Königreichs gewesen. Die Grandessarer - schon immer Feinde der Jorsaner - hatten ihre Variante des Märchens. Darin hieß es, dass auch der Zahn der Zeit nicht an der Schlafenden vorbei gezogen sei und so war sie mit dem Kuss rapide um hundert Jahre gealtert und der jorsanische Prinz habe sich eine hässliche, verdorrte Jungfer zur Frau genommen. In Grandessa lachte man herzlich über dieses "glückliche" Ende.
Hoffentlich würde Rejans Erlösung nicht auch Jahrhunderte in Anspruch nehmen. Der Fluch, von dem er befallen war, schien ihn nicht altern zu lassen. Aber wer konnte das nach einer knappen Woche schon sagen? Es hatte ihm jedenfalls sichtlich gut getan, dass Alea ihn gefüttert hatte. Sein Teint war immer noch kränklich grau, aber die Wangen wirkten nicht mehr allzu dunkel.

"Ist er gut unten angekommen?", rief Devin von seinem Fensterplatz aus herunter, achtete aber darauf, nicht allzu laut zu sein. Er blickte sich verstohlen um. Ganda mochte kein von Soldaten überflutetes Dörfchen sein so wie beispielsweise Jersa, aber auch hier gab es nächtliche Wachen, die nach dem Rechten sahen. Derzeit hielten sich glücklicherweise aber bis auf Alea, Rejan und ihm niemand auf der Straße auf. Der Junge fixierte wieder die Diebin mit seinem aufgeweckten Blick. Würde sie ihn mitnehmen oder jetzt die Zügel ergreifen, um mit Pferd und Wagen zu türmen?
Nein. Devin konnte sein Glück kaum fassen. Er kletterte aus dem Fenster und rutschte bis zum Rand des Daches. Dort klammerte er sich an einer Holzvorrichtung fest, die das Regenwasser in einer Rinne auffing und nach unten in eine Tonne leitete. Sein Onkel zeigte wenigstens in dieser Hinsicht ein kluges Köpfchen, indem er das Wasser auffing, das Devin stets zum Wischen nutzen sollte. Er würde nie wieder den Boden der Schankstube schrubben. Alea war Dank! Grinsend hangelte er an der Rinne und ließ sich dann einfach fallen. Es war ja nicht einmal mehr ein Meter bis zum Boden. Geschickt federte er seinen Aufprall ab. Schon im nächsten Moment erklomm er den Karren und setzte sich mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf den Kutschbock.
"Ich habe noch nie ein Kamel gesehen! Zeigst du mir eines, sollten wir nach Sarma kommen? Fahren wir dorthin?" Die Antwort lautete nein. Rumdett, genauer gesagt der dortige Strand war ihr Ziel. "Die Piratenstadt?" Devin staunte hölzerne Bauklötze. "Ich habe davon gehört. Ein alter Seemann, der sein Glück an Land versuchen wollte, kam mal in unsere Taverne. Du erlebst wirklich einiges, Donnerwetter!" Der Junge ergriff die Zügel. "Aber genug geredet, sonst erwischt man uns noch. Los geht's!" Ein Schnalzen genügte. Schon setzte sich das Zugpferd in Bewegung. Es war ein stattliches Tier von enormer Größe. Die Hufe konnten vermutlich problemlos einen Kopf zerstampfen als sei es eine Melone. Fell wuchs an den kräftigen Fesseln, die problemlos jede Hürde nahmen. Trotzdem lenkte Devin den Wagen so, dass Unebenheiten nicht zu einem Achsenbruch führten. Das hätte ihnen jetzt gerade noch gefehlt. "Da hinten findest du Decken. Du solltest zumindest Rejan einpacken, damit er nicht auskühlt. Lass mich den Rest übernehmen." Und Devin lenkte den Karren unbemerkt aus dem Dorf heraus.

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