In Serna

Es liegt weiter südlich der Stadt. Hier hausen die Fischer, sowie die Seefahrer, denn dieses Dorf besitzt einen verhältnismäßig großen Hafen.
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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Freitag 7. August 2015, 21:28

"Und genau das ist es, was das Schlechte an Lügen ist: sie unterhöhlen das Vertrauen"
Darna hatte leise gesprochen, doch Wolle hatte es gehört. Seine Kiefermuskeln zuckten erneut und er gab fast noch leiser zurück:
„Es tut mir leid, ich wollte nicht, dass es so... .“
"Gib das bitte Lerchengrund. Wenn das als Lohn hierfür gedacht war, will ich ihm nichts schuldig sein"
, sagte sie. Mehr als offensichtlich hatte sie vor, zu gehen und klang entsprechend ruhig. Sie streckte die Hand Wolle entgegen, um ihm die Münzen zu übergeben und er nahm sie mit zusammen gepressten Lippen und knirschenden Zähnen entgegen. Das ganze war ihm furchtbar unangenehm, aber er hatte seine Rolle zu spielen und so lange sie unter Beobachtung der anderen waren, würde er sich ihr gegenüber nicht erklären, wenn überhaupt. Das einzige was sie ihn noch fragen wollte war:
"Bist du eigentlich Philipp oder Ottfried?“
Seine Mundwinkel zuckten als er recht gut hörbar antwortete:
„Phillip.“
Dann fügte er noch leise im gleichen Atemzug hinzu:
„...jetzt gerade.“
Darna quittierte dies mit einem leichten, weichen Nicken.
"Ich wünsch dir trotzdem alles Gute"
Erst als sie von Wagen schon herunter und fast beim Ausgang angelangt war hellte sich kurz Wolles Miene auf. Für die Anderen musste es wirken, als wäre er froh, dass das Mädel endlich weg war, aber Darna sah noch echte Freundlichkeit kurz in seinen Augen blitzen. Vielleicht hatte er sie auch nur einfach warnen wollen? Dann nahm keiner mehr Notiz von ihr und sie folgte Basil.
Wie spät mochte es sein? Als sie hinaus auf den Pier trat, stand die Sonne hoch hoch. Es war noch genügend Zeit sich um Ausrüstung UND Quartier für die Nacht zu kümmern und in Serna gab es nicht nur eine Taverne! So groß wie der Hafen war, so kamen auf jeden festen Einwohner wohl mindestens zwei Matrosen. Den dörflichen Teil hatten sie noch nicht einmal gesehen und das Hafengelände war ausladend, laut und leider auch naturgegeben etwas schmuddelig. Der Fischgeruch, die Schiffe des Königs, sowie die großen Handelsschiffe lagen hier vor Anker und waren durch den Krieg mit Grandea zu einer Art auf dem Wasser schwimmenden Festung geworden. Man hörte schon des öfteren, dass nicht mehr nur Pirraten die Meere verunsicherten. Das dunkle Volk hatte einen langen Arm und Serna war inzwischen der einzige offene Seeweg nach Jorsa. Segelte man weiter nach Südwesten musste man mit den Rumdetter Piraten rechnen und wählte man den Weg nach Norden, in das Sonnenmeer stieß man bald auf die Schiffe der Dunkelelfen. Es waren düstere Zeiten, aber noch hielt sich Jorsa gut. Richard der III. regierte sein Land sparsam aber so genoss noch immer jeder seiner Untertahnen einen gewissen Wohlstand und Frieden. Einen Frieden den es zu erhalten galt und den sich die Knappen auf ihr Banner geschrieben hatten. Darna trat zu Basil, der draußen auf sie wartete und sah ihn neugierig und in angenehmer Aufbruchstimmung zu ihm auf. Er werwiederte den Blick und ein gewisser Glanz lag in seinen Augen. Sie war ja nicht allein. Sie entfernten sich ein paar Schritte, bevor Basilius das Wort an sie richtete:
"Und was wollen wir mit dem Rest des Tages anfangen, jetzt da wir dem Schicksal eines Hafenarbeiters und der Fuchtel eines sklaventreibenden Händlers entrunnen sind?"
Er funkelte noch einmal über die Schulter hinweg zum Lagerhaus zurück, aber wandte sich nicht wirklich um.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 7. August 2015, 23:32

"Und was wollen wir mit dem Rest des Tages anfangen, jetzt da wir dem Schicksal eines Hafenarbeiters und der Fuchtel eines sklaventreibenden Händlers entronnen sind?"
Persönliche Neugier stillen und in diesem Mietstall herausfinden, was die "zwanzig Lysanthemer" zu bedeuten hatten. Danach mehr in der Ortsmitte eine bodenständige Herberge suchen, wo sie günstig ein anständiges Zimmer bekommen konnten. Dann umziehen; und beten. Vielleicht auch anders herum. Danach den Marktplatz und die Läden anschauen gehen, für Reiseausrüstung sorgen. Soweit der Plan, den sie im Groben bereits im Kopf gehabt hatte.
Sie wollte Basils Worte quittierend leicht nicken, als sie blinzelnd stockte. "Wie bitte? Sklaven?", rutschte es ihr heraus. In beginnendem Entsetzen drehte sie sich halb um. Hatte Basil etwa in der Lagerhalle des Händlers etwas gesehen, was Lerchengrunds Ansehen noch tiefer ziehen würde?! Hatte die versteckte Ladung etwas mit Sklavenhandel zu tun? Moment. Unfug. Oder? Hier würde doch niemand die Anwesenheit von Sklaven einfach so hinnehmen.
Seine Aussage war eine Übertreibung gewesen? Es passte zu Lerchengrunds Verhalten. Außerdem hätte er Käfige und sowas gebraucht, Ketten...

Es war mal wieder einer dieser Momente, die Gernot so geliebt hatte. Einer der Momente, in denen Darna von Eibenau viel zu lange brauchte, um ein im Scherz gesagtes Wort als solches zu verstehen. Für Gernot von Kelterburg immer wieder ein Beweis, dass die Knappin doof wie Stroh sein musste.
Und ihr wurde gerade langsam klar, dass dies wohl wieder einer dieser Momente war. Sie hatte Basil falsch verstanden... nicht? Leichte Furcht blitzte in ihren enger werdenden Augen auf, als sie Basils Blick zu begegnen wagte und mit angehaltenem Atem abwartete, was jetzt kommen würde. Sollte sie sich viel zu spät noch "korrigieren"? Sie wüsste nicht einmal, wie, ihr fehlten gerade die Worte. Käme jetzt Gelächter? Gefeixe? Fehlte ihm ohne Gernot die Vorlage? Also eine halbgare Bemerkung? Oder würde er es einfach übergehen? Oder... ?
Er hatte sich für sein Verhalten entschuldigt - und just wurde ihr klar, dass sie eigentlich bislang wenig darauf gab. Würde Basilius von Gudenberg nun über sie herziehen, es würde sie nicht sonderlich überraschen.

War das jetzt so wichtig? Es war nur ein Wort gewesen, eine lapidare Bemerkung. In Darnas Wahrnehmung spielte sich alles etwas zäh ab, während ihre Gedanken hin und her purzelten, sie unsicher einen halben Schritt in eine unbestimmte Richtung machte wie einen ängstlichen Vorschlag, einfach weiterzugehen, ihre Lippen sich kurz öffneten, wie um etwas zu sagen, aber kein Ton kam heraus.
Manchmal ärgerte sie sich über sich selbst. "Ihr seid wirklich beide dumm wie Brot! ...und das ohne Schimmel! Der wäre schlauer, weil er wenigstens ein Schmarotzer ist." Sie war Gernot scheinbar los, aber sein Gift hallte noch problemlos in ihr nach: "Sie ist ab jetzt euer Problem, alter Freund. Klärt sie auf, oder lasst es. ..."
Immernoch sah sie Basil an, auch wenn ihr Blick für Bruchteile eines Herzschlages nicht wirklich ihn fixierte - und er auch nicht der Grund war, dass sich in diesen Bruchteilen in den Gesichtsausdruck der Knappin wieder etwas grantiges schlich.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Sonntag 9. August 2015, 13:09

"Wie bitte? Sklaven?"
Basil hob die Brauen und sein Mund öffnete sich unwillkürlich für eine Erwiderung, aber dann sah er Darnas Gesicht. Sein Mund schloss sich und zwei Herzschläge lang, sahen sie sich einfach nur in die Augen. Er beobachtete ihr sich veränderndes Mienenspiel. Dann wich er ihrem direkten und etwas grantigem Blick aus und antwortete:
„Nein, keine Sklaven. Ich meinte das nur weil… Ach, nicht so wichtig.“
So richtig schien ihm noch nicht ganz klar zu sein, ob er ihr erklären sollte, was er gemeint hatte, oder ob er einfach den Mund halten sollte.
„... war unglücklich formuliert, entschuldige.“
Etwas aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit lag hier plötzlich schwer und drückend in der Luft. Vielleicht hätte er wirklich etwas unüberlegtes gesagt, allein aus alter Gewohnheit, wenn sie ihn nicht so angesehen hätte? Vielleicht waren sie noch nicht so sehr „Freunde“ oder „Gefährten“ füreinander, wie es wohl möglich ohne Gernot hätte sein können. Basilius von Gudenberg musste sich wohl noch genauso an sie gewöhnen, wie sie sich an ihn. Die gedrückte Stimmung hielt jedoch nur so lange an, wie sie still beieinander standen. Kaum da Darna den ersten Schritt in eine Richtung machte, atmete Basil hörbar aus. Still liefen sie nebeneinander her bis sie die Hauptstraße erreichten. Als sie um die Ecke einer der letzten großen Lagerhallen bogen, erfasste sie ein böiger Wind und zerrte an ihrer Kleidung. Der Himmel hatte sich etwas aufgeklart, aber die letzten Tage hatte es Nachts immer kräftige Regenfälle gegeben. Jetzt gerade aber trafen sie ein paar erste Sonnenstrahlen und wärmten ihre Gesichter. Irgendwo erklang ein herzliches Lachen und lockte sie unwillkürlich die Straße hinunter. Die Bauten links und rechts säumten das über Jahre glatt geschliffene Pflaster und an Ketten schaukelnde Schilder luden in Tavernen und Läden ein. Die Straße hinunter konnten sie einen großen Marktplatz sehen, der dem in Jorsa nur wenig nachstand. Dahinter begann das alte Dorf. Serna war einer der Hauptumschlagsplätze für die Waren die über das Meer herein kamen und dem entsprechend waren auch mehr Menschen unterwegs als wirklich hier fest ansässig waren. Hafenarbeiter rollten Fässer die Straße hinunter, Straßenkinder tollten quietschend zwischen ihnen umher, Fuhrwerke wurden be- oder entladen und überall wimmelte es von Passanten die dem Marktplatz entgegen strebten um vielleicht ein Schnäppchen zu machen. Mit den Sonnenstrahlen kam anscheinend auch die gute Laune der Leute zurück und Darna konnte eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm an einem der offenen Fenster über einer Schmiede sehen, wie sie lächelnd ihr Gesicht dem Licht zu wandte. Dann zupfte ihre freie Hand an der Windel des Säuglings und sie verdrehte lachend die Augen. Kurz darauf verwand sie im Zimmer und Darna wehte er Geruch von frisch Gebackenem in die Nase, dass es einem den Speichel im Munde zusammen laufen ließ. Die Sinneseindrücken wechselten hier mit jedem Schritt den sie taten. Nur wenige Meter vor ihr warb eine an der Wand eines Hauses angebrachte Schiefertafel mit frischem Hefezopf. Allerdings staunte Darna über den Preis von sieben Füchsen, den sie eher mit fünf erwartet hätte. Neugierig sah sie sich genauer um und schnell wurde ihr bewusst, dass alles ein wenig teurer geworden war, seit dem sie das letzte Mal selbstständig einkaufen war - und das war lange her. Das Königreich musste haushalten und das machte sich auch hier langsam bemerkbar. Manche Preise waren gleich geblieben, andere hatten sich fast verdoppelt. Auch Basil schien das festzustellen und bot an die Verhandlungen zu übernehmen, da er früher häufiger die Einkäufe auf dem Gut seines Vaters erledigt hatte. Das traute er sich durchaus zu. Darna erwähnte den Aushang des ominösen Mietstalls von Herrn Bromer und so machten sie sich erst mal auf den Weg dort hin.

Herr Ewald Bromer war ein älterer Mann mit leichtem Bauchansatz dunkelbraunem kurzem Haar und bereits ergrautem, langen Vollbart, der ihn leicht an einen Zwerg erinnern ließ. Auch war er nicht sehr groß mit seinen 1,65m aber seine grauen Augen glitzerten freundlich, als sie den Stall betraten.
„Ventha zum Gruße und einen schönen Tag die Herrschaften. Womit kann ich dienen?“
Er lächelte breit und musterte die beiden Neuankömmlinge. Sein Haus war der größte Stall im Ort, aber auch gute Herberge und wohl sortierter Ausrüstungsladen in einem. Seine ganze Familie schwirrte umher und half an allen Enden.
„Lausbub, wirst du wohl die Stute in Ruhe lassen!“
, schalt er grade einen seiner Enkel, der hinter ihm vorbei filzte und der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten war, nur das sein Bart aus weißer Milch war, anstatt aus grauem Haar. Ewald war so vollkommen anders als Herr Lerchengrund und ein Mann der auf den ersten Eindruck hin Vertrauen verströmte. Nachdem er den Reisigbesen wieder abgelegt hatte, den er kurzzeitig ergriffen hatte um das Jungvolk zu zähmen, sah er wieder Darna und Basil entgegen und lachte.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Sonntag 9. August 2015, 17:03

Er wich ihrem direkten und etwas grantigen Blick aus und antwortete: "Nein, keine Sklaven. Ich meinte das nur weil… Ach, nicht so wichtig. ... war unglücklich formuliert, entschuldige."
Schon wieder dieses seltsame Wort... 'Entschuldigung'... Mit Vielem hatte sie gerade gerechnet, aber damit nicht. Darna senkte den Blick auf eine unbestimmte Stelle zu Boden. Auf einmal war es ihr noch peinlicher, ihn überhaupt in Verlegenheit gebracht zu haben - sie war ja schließlich "schuld"; eine Erleichterung, mit ihrer Einschätzung richtig gelegen zu haben, blieb damit aus. Eher mehrte sich der Ärger über sich selbst.
"Schon gut", brachte sie leise und mit belegter Stimme raus und registrierte, wie ihre Andeutung, einfach weiterzugehen, regelrecht dankbar aufgenommen wurde.
Ich weiß auch nicht, warum mir solche Bemerkungen immer so seltsam vorkommen, tut mir leid. Ich war schon immer so, wirklich. Ich verstehe nicht, warum ich... mit diesen... Lügen? ... Scherzen... Verdrehungen... harch. Sie gingen mehrere Schritte und in ihr brodelte kurz der Wunsch, es ihm irgendwie zu erklären, ihre Probleme begreifbarer zu machen - aber sie verstand es ja selber eigentlich nicht so wirklich, und wenn sie sich schon in Gedanken keine klaren Sätze zurecht gelegt bekam, machte sie den Mund gar nicht erst auf. So arbeitete ihr Kiefer nachdenklich, aber die Knappin schwieg.
Ist wohl auch nicht so wichtig.
Ich bin aber NICHT dumm, verflixt!


Als sie um die Ecke einer der letzten großen Lagerhallen bogen, erfasste sie ein böiger Wind und zerrte an ihrer Kleidung. Darna hob den Blick und sog für einen Moment das ungewohnte Wetter in sich auf. Es war für sie gefühlt gerade mal einen halben Tag oder "ein mal schlafen" her, da hatten Schnee und Eis gelegen. Noch immer hatte sie keine Ahnung, welches Datum genau sie hatten, und sie hatten den Ort deutlich gewechselt. An der Küste war das Wetter immer etwas anders, hieß es. Es wirkte, als würde der Frühling seine ersten Vorboten schicken. Hafenarbeiter rollten Fässer die Straße hinunter, Straßenkinder tollten quietschend zwischen ihnen umher, Fuhrwerke wurden be- oder entladen und überall wimmelte es von Passanten die dem Marktplatz entgegen strebten um vielleicht ein Schnäppchen zu machen. Mit den Sonnenstrahlen kam anscheinend auch die gute Laune der Leute zurück und Darna konnte eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm an einem der offenen Fenster über einer Schmiede sehen, wie sie lächelnd ihr Gesicht dem Licht zu wandte. Dann zupfte ihre freie Hand an der Windel des Säuglings und sie verdrehte lachend die Augen. Eindrücke, die die Knappin mit öfters leicht gefurchter Stirn schlicht registrierte. Sie begrüßte es, dass das Wetter milder wurde, natürlich, aber den herumtollenden Kindern sah sie mit dem ernsten Blick eines Menschen hinterher, der seine Kindheit längst vergessen hatte.
Der Duft von Gebäckwaren stieg ihr äußerst verführerisch in die Nase, aber sie hatte noch die schwankenden Planken gefühlt in den Füßen und traute ihren Hungergelüsten noch nicht. Dazu warnte sie ihr Verstand, nach einer ungewissen Zeit nur mit Dingen wie Gerstensuppe ihren Magen nicht gleich wieder herauszufordern, auch wenn sie zugeben musste, dass sie Hunger hatte! Eine leichte Suppe und ein wenig Brot vielleicht?

Allerdings war das Preisniveau das nächste, was sie schockierte. Ich war aber kein halbes Jahr weg, oder?! Ist das hier teuer!
Hafenstadt. Mit einbrechendem Handel.
Sie verzog bei dieser Analyse leicht das Gesicht.
Ich hoffe, es war kein folgenschwerer Fehler, dass ich zehn Lysanthemer 'einfach so' weggegeben habe. Andererseits schien Lerchengrund zehn Silber selber für ausreichend zu halten, inklusive Pferd und Futter und 'dies und das', wie er sagte und sie hatte noch ihre eigenen hundert Füchse, also beruhigte sie diese Sorge wieder und schob sie in den Hintergrund.
Trotzdem nahm sie Basils Angebot, die Verhandlungen zu führen, mit einem dankenden Nicken an. Schon alleine, um ihn wie beabsichtigt so eigenverantwortlich wie möglich agieren zu lassen. Außerdem gab es immer wieder Händler, die sie gerne übers Ohr zu hauen versuchten, allein weil sie weiblichen Geschlechts war - gerade in einer Hafenortschaft mochte es da sinnvoller sein, ihre männliche Begleitung das Wort führen zu lassen. Kontrollieren und selber mitdenken sowie nachrechnen konnte sie immernoch.

Sie betraten den Stall von Herrn Bromer und Darna sog die Einzelheiten ihrer Umgebung sofort in sich auf. Sie erwartete eine Falle, das nächste windige Geschäft... und wurde dementsprechend von der Atmosphäre, die der Ort verströmte, leicht vor den Kopf geschlagen.
"Ventha zum Gruße und einen schönen Tag die Herrschaften. Womit kann ich dienen?"
Garmisch.
Eine höfliche Begrüßung.
Mit dem Segen einer Gottheit!
Kurz musste sie glatt die Augen schließen, atmete tief durch und wischte sich ordnend eine Strähne nach hinten, während ihr für einen sehr flüchtigen Moment leicht schwindelig wurde. In diesem Moment hätte sie ihm alles gezahlt, auch dreißig Lysanthemer, während ihr Verstand sie schon zur Ordnung rief, dass das natürlich alles andere als zielführend und außerordentlich gefährlich war! Sie senkte den Blick eine Spur und zog ihr schwarzes Wams zurecht, schob dann die Hände auf den Rücken und sah sich wieder wachsamer um.
Der vorbeiflitzende Junge wurde beobachtet wie ein vorbeigallopierendes Pferd von einem Passanten - aufmerksam, vielleicht etwas vorsichtig, aber ohne echtes Interesse.
Das Lachen des Ladenbesitzers prallte an ihr ab, wer sie kannte, konnte jedoch einschätzen, dass ihre Miene im Moment trotz allem wesentlich milder wirkte als sonst so manches Mal.
"Die guten Götter mit Euch, Herr Bromer", erwiderte sie bedächtig mit einem leichten Nicken seinen Gruß und ließ ihren Blick flüchtig über das Inventar huschen, ehe sie ihn als Geste verdeutlichend kurz über die Schulter nach draußen wandern ließ, "Wir haben vorne am Hafen ein Schild Eures Ladens gesehen, auf dem.. 'Mietpferde für 20 Lysanthemer' geschrieben stand."
Mit der schlichten Schilderung wurde ihre Stimme wesentlich ernster und die Skepsis hinter den Worten begleiteten ihre Augenbrauen, die sich etwas zusammenzogen. "Ich hätte gerne gewusst, was es damit auf sich hat."

Ohne sich darüber im Klaren zu sein, verströmte sie in diesem Moment wohl den Charme eines königlichen Buchhalters, der über einen dubiosen Fehler in der Zollkasse gestolpert war. Kauflaune sah jedenfalls anders aus. Natürlich hatte sie hier keinerlei Befugnisse und hatte auch nicht im Mindesten vor, irgendwelchen Ärger zu machen, so dass ihrem Benehmen wenigstens eine gewisse Arroganz fehlte, aber die heitere Frühlingsstimmung schien an dieser kaum erwachsenen Frau irgendwie gründlich vorbeigegangen zu sein.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. August 2015, 19:26

"Die guten Götter mit Euch, Herr Bromer"
, erwiderte die Knappin bedächtig mit einem leichten Nicken seinen Gruß und ließ ihren Blick flüchtig über das Inventar huschen, ehe sie ihn als Geste verdeutlichend kurz über die Schulter nach draußen wandern ließ,
"Wir haben vorne am Hafen ein Schild Eures Ladens gesehen, auf dem.. 'Mietpferde für 20 Lysanthemer' geschrieben stand."
Mit der schlichten Schilderung wurde ihre Stimme wesentlich ernster und die Skepsis hinter den Worten begleiteten ihre Augenbrauen, die sich etwas zusammenzogen. Herr Bromer jedoch verdrehte nur schmunzelnd die Augen und gluckste leise.
"Ich hätte gerne gewusst, was es damit auf sich hat."
, fuhr Darna mit dem Charme eines königlichen Buchhalters fort. Die heitere Frühlingsstimmung schien an dieser kaum erwachsenen Frau irgendwie gründlich vorbeigegangen zu sein, was aber den Händler wenig zu stören schien, denn sein Grinsen wurde sogar nur noch breiter.
„Ja, ich hätte es wohl schon längst korrigiert, wenn es mir nicht tatsächlich ein paar zusätzliche und vor Allem neugierige Kunden eingebracht hätte. Aber eigentlich ...“
Er hob die Finger an den Mund und pfiff, woraufhin die nahen Pferde leise wieherten und ein Mädchen von vielleicht zehn oder zwölf Jahren um die Ecke geschossen kam. Sie stoppte abrupt beim Anblick der Gäste und das Gesicht zeigte deutlich die Langeweile, die sich dann auch bald in ihrer Stimme wieder spiegelte. Zuvor murmelte der Vater:
„Hast du meinen Kunden etwas zu sagen, Mil?“
Sie verdrehte die Augen und leierte ohne jegliche Emotion bestimmt schon das x-te Mal an diesem Tage ihren Satz herunter:
„Hmhmmmm lieber Kunde es tut mir wirklich leid mein Onkel hat mich zu einem bösen Streich angestiftet und mein Vater schalt mich schon für mein Vergehen ich bin betrübt und gebe zu dass ich die Null nicht hätte zeichnen dürfen kann ich jetzt gehen?“
Das „betrübt“ glaubte man ihr wirklich. Ihr Fuß tappte ungeduldig auf dem mit Stroh ausgelegtem Boden und wirbelte kleine Staubwölkchen auf.
„Troll dich, Mädel und helf deiner Mutter!“
Der Vater lachte leise, als seine Tochter missmutig davon stampfte. Offenbar war ihre Strafe, dass sie höchst persönlich jedem Kunden, der nach den 20 Lysanthemern fragte, ihre Entschuldigung vor leiern musste. Vielleicht fühlte sich Darna auch an ihre eigenen ersten Unterrichtsstunden in dem Fach der Lyrik und Poesie erinnert in der Basil damals mit ähnlichem Elan und ohne Punkt und Komma seine Gedichte vorgetragen hatte.
„Darf ich fragen, ob ihr auch Knappen von der Niemand seid?“
Wandte sich der Herr nun wieder an sie beide und Basil erhob dieses mal zu erst das Wort:
„Da habt ihr Recht und wie kommt ihr darauf?“
„Nun ja, die Kleidung war ein Indiz, die Ausdrucksweise ein zweites und das da ...“
Dabei zeigte er auf die Rolle, die in Darnas Gürtel steckte.
„... hat euch dann wohl letztendlich verraten.“
Er zwinkerte.
„Mein Bruder hat schon letzten Monat sich den Scherz erlaubt, mir Kundschaft unter falschen Voraussetzungen zu schicken, aber dass er dieses Mal mein Töchterchen dafür missbraucht, dass wird ihn etwas kosten.“
Sein Gesicht lachte immernoch, auch wenn seine Worte vielleicht etwas anders aufgefasst werden konnten. Basil sah kurz zu Darna und fragte dann aber weiter:
„Dann nehme ich an, dass eure Pferde zwei Lysanthemer kosten und nicht 20?“
Bromer nickte gewichtig.
„Das erklärt einiges.“
„Außerdem war vor euch schon ein anderer junger Mann von der Niemand hier und hat sich danach erkundigt. Feiner Kerl!“
Aus einem unerfindlichen Grund wurde sein Grinsen teils noch breiter, allerdings schimmerten in seinen Augen plötzlich Tränen, die er schnell mit einer Bewegung zu den gut mit Ausrüstungsgegenständen gefüllten Regalen verschleierte. Darna kannte diesen Ausdruck. Es waren Tränen des Glücks, auch wenn sie vielleicht nicht verstand wieso. Was hatte Leon gemacht, dass dieser Mann so reagierte? Es war höchst merkwürdig.
„Ich nehme an, ihr wollt zwei Pferde nach Jorsa, Sattel, Zaumzeug, Futter und vielleicht für euch selbst eine Unterkunft und Verpflegung für heute Abend und zur Nacht, sowie Proviant und Ausrüstung für den Weg? Mit dem jungen Herrn vor euch habe ich 10 Lysanthemer für alles ausgehandelt. Wäre das für euch in Ordnung?“
Ja, Leon war definitiv schon vor ihnen schon hier gewesen! Überschlug man das Angebot mit den aktuellen Preisen, so war es fair und niemand kam zu Schaden. Basil hatte inzwischen das freundliche Lächeln des Händlers übernommen und perfekt gespiegelt. Er nickte kurz Darna aufmunternd zu und schlug mit einem Handschlag ein.
„Sehr gerne, Herr Bromer. Ihr habt also noch zwei Zimmer für uns frei?“
„Wie der Zufall es so will, das habe ich.“

Er zwinkerte wieder und sah Darna etwas leicht irritiert an, die die kleine Wortspielerei wahrscheinlich nicht verstand und wandte sich dann lieber wieder an den jungen Mann neben ihr, der so sympathisch lächelte.
„Nebenan in der Herberge „Roseneck“ führt meine Frau Lisbeth mit den beiden Größten das Regiment und wird euch geben was ihr braucht. Sagt ihr kommt vom „Göttergeschenk“, dann weiß sie, dass ihr von mir kommt und ich bescheid weiß. Ich werde hier für euch alles fertig machen.“
Basilius holte neben ihr seinen Geldbeutel hervor und zählte die Münzen ab. Für ihn war die Entscheidung schon gefallen. Jetzt konnte es Darna ihm gleich tun, oder eben nicht, ganz wie sie wollte, allerdings spürte sie auch Basils hoffenden Blick auf sich. Vermutlich wäre es ihm auch lieber, wenn sie gemeinsam weiter reisten. Herr Bromer sah abwechselnd zu den beiden jungen Menschen und fragte dann:
„Ich nehme an, ihr habt beide Erfahrung im Reiten? Ich habe nur noch ein „Schaukelpferdchen“ und sonst eher jüngere Rösser. Falls einer von euch besonders gute Kenntnisse vorzuweisen hätte, würde ich demjenigen gern ein Geschäft vorschlagen. Ein Deckhengst muss nach Jorsa, aber er ist noch sehr wild!“
Hoffend betrachtete er die beiden.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 14. August 2015, 11:52

„Ja, ich hätte es wohl schon längst korrigiert, wenn es mir nicht tatsächlich ein paar zusätzliche und vor Allem neugierige Kunden eingebracht hätte. Aber eigentlich ...“
'Korrigiert'... es liegt also ein Fehler vor. Vermutlich ein nicht von ihm verschuldeter. Damit war der größte Teil ihrer Neugier auch schon befriedigt. 'wenn es mir nicht neugierige Kunden eingebracht hätte. Statt es zu beheben, nutzt er einen Fehler - eine Lüge - also aus, weil es ihm zusätzliche Kunden bringt. ... Sie atmete tief durch, um ein Seufzen zu unterdrücken. Dieses Detail war es nun wirklich nicht wert, sich weitergehend darüber aufzuregen oder hier gar den Moralprediger zu spielen, aber diese "kleinen Alltagslügen" sorgten bei ihr häufig für ein ernüchterndes Gefühl kleiner Enttäuschung.
„Hast du meinen Kunden etwas zu sagen, Mil?“
„Hmhmmmm lieber Kunde es tut mir wirklich leid mein Onkel hat mich zu einem bösen Streich angestiftet und mein Vater schalt mich schon für mein Vergehen ich bin betrübt und gebe zu dass ich die Null nicht hätte zeichnen dürfen kann ich jetzt gehen?“


Die Knappin beobachtete diese Farce von "Entschuldigung" und ihr Blick stumpfte noch weiter ab. In einem Anflug eines angewiderten Eindruckes zuckte es verräterisch in ihrer linken Gesichtshälfte. Ihr Onkel hat sie angestiftet?! Das Geschehene fiel eindeutig in die Kategorie "dummer Jungenstreich" und war von einem Erwachsenen angeregt worden?!
Sie war kurz davor, den Laden zu verlassen. Zu verlassen, und nebenher zu dieser Tafel zu gehen und eigenhändig diese Null wegzuwischen, damit dieses Schmierentheater hier aufhörte und die in ihren Augen einzig richtige Maßnahme endlich getätigt wurde.

"Darf ich fragen, ob ihr auch Knappen von der Niemand seid?“
„Da habt ihr Recht und wie kommt ihr darauf?“

Basil... Natürlich, weil wir genauso aussehen? Und wahrscheinlich hat sich Leon hier in irgend einer Art und Weise identifiziert. Sie lauschte dem Wortwechsel mit fehlendem Interesse.
Da wurde Leon auch schon konkreter, doch ohne Namen erwähnt und Herr Bromer zeigte eine seltsam emotionale Reaktion, die sie mit neu erwachender Aufmerksamkeit und leicht schief gelegtem Kopf registrierte. Was hatte Leon gemacht, dass dieser Mann so reagierte? Und das in verhältnismäßig kurzer Zeit, also "mal eben so"? Kannte er den Händler schon länger? Unfug, dann hätte Bromer seinen Namen gewusst... Er sprach irgendwie von ihm, als kenne er ihn auch noch nicht lange. Blinzelnd wurde das Phänomen in ihrem Hinterstübchen verstaut.

Sie lauschte dem Angebot. Und registrierte, dass Basil nicht gedachte, sich einen Raum mit ihr oder weiteren Leuten zu teilen, damit sie Geld sparten. Ein Punkt, an dem sie versucht hätte, Geld zu sparen... nachdenklich furchte sie die Stirn. Das Angebot klang nicht überteuert, also wäre wohl nicht allzu viel daran auszusetzen, vielleicht war es sogar ziemlich fair, wenn Leon schon einen so positiven Eindruck hinterlassen hatte... aber es behagte ihr nicht.
Es war nichts von einer Übernachtung unterwegs erwähnt, die sie noch einmal Geld kosten würde, und vor allem fehlte ihr die Möglichkeit, von dem Geld vielleicht noch eine Waffe, ein einfaches Rapier zu kaufen - oder dieses zumindest nicht vollständig von ihren Mitteln bezahlen zu müssen, immerhin kostete so etwas ungefähr dreieinhalb Lysanthemer... so zumindest ihr letzter Kenntnisstand. Aber unbewaffnet den Weg zurück? Höchst ungerne. Als Geleitschutz würden wir so erst recht nicht taugen. Da hat Lerchengrund recht.
Zudem klangen die angepeilten zehn Lysanthemer wieder so arg verdächtig "passgenau". Diesen Laden aufzusuchen, war naheliegend, geradezu kurzsichtig. Beides waren Punkte, die sie angesichts ihrer "Prüfung", in der sie sich irgendwie noch immer wähnte, nicht als Pluspunkte verbucht hätte, und Basil schien erschreckend schnell darauf einzugehen, obwohl er sich noch als Verhandlungsführer angeboten hatte. Sie presste flüchtig die Lippen zusammen. Die Tendenz, was sie von dieser Vereinbarung hielt, war ihr an der Nasenspitze abzulesen.

„Nebenan in der Herberge „Roseneck“ führt meine Frau Lisbeth mit den beiden Größten das Regiment... Das Regiment? Sie ist für die Leitung der Stadttruppen zuständig?! Nein, das schien ziemlich absurd. Also ging es wohl um die Redewendung, dass sie in dieser Herberge die Verantwortung trug. Sagt ihr kommt vom „Göttergeschenk“, dann weiß sie, dass ihr von mir kommt und ich bescheid weiß. Auf der Bezeichnung "Göttergeschenk" kaute sie ebenfalls einen Moment herum, musste an Reliquien oder heilige Orte denken, während ihr wieder klar war, dass es darum sicher nicht ging... letztlich konnte sie mit dem Begriff einfach wenig anfangen, hätte es aber sicher ausrichten können. Eine seltsame Parole. Sie spürte Basils hoffenden Blick auf sich, konnte sich aber noch nicht durchringen, hätte zumindest erst mit weiteren Läden verglichen. Sie hatten genügend Zeit, warum machte er es sich so einfach?

„Ich nehme an, ihr habt beide Erfahrung im Reiten? Ich habe nur noch ein „Schaukelpferdchen“ und sonst eher jüngere Rösser." 'Schaukelpferdchen'... wieder ein Synonym, wenigstens eines, das sie aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen schneller übersetzen konnte. "Falls einer von euch besonders gute Kenntnisse vorzuweisen hätte, würde ich demjenigen gern ein Geschäft vorschlagen. Ein Deckhengst muss nach Jorsa, aber er ist noch sehr wild!“
Ein Geschäft? Das klang nach einem Ansatz, Geld zu sparen, beziehungsweise sich noch eine Waffe leisten zu können. Allerdings behagte ihr der Gedanke nicht, einen wilden Deckhengst zu überführen. Sie zweifelte weniger daran, dass sie fähig genug wäre, sich trotzdem auf ihm zu halten, aber sie vermied "unzuverlässige" Tiere. Sie bestand schon in Gedanken darauf, sich selbst für die kurze Reise zu bewaffnen, und dann sollte sie auf einem Pferd sitzen, dem eher daran gelegen war, sie abzuwerfen? Lieber nähme sie eines der jüngeren Pferde - oder aber sah sich halt im Ort um, ob es nicht noch weitere Mietställe gab. Sie bezweifelte, dass dem nicht so wäre. Zudem wusste sie durch die Ausbildung um ihre eigenen Qualitäten, was den Umgang mit Pferden anging. Sie vermochte sie absolut akkurat zu pflegen. Sie schätzte die Tiere sehr, waren sie doch die Grundlage eines "Ritters" und oft selbst noch vor einem Hund sein treuester Gefährte.
Aber sie war kein "Pferdeversteher". Sie sprach nicht mit den Tieren, wie es viele taten - es schien ihr angesichts der Tatsache, dass ein Pferd sie nicht verstehen konnte, einfach zu sinnlos und albern. Sie hatte bislang eher den Eindruck, dass dieses Verhalten der Leute ein Deckmäntelchen dafür war, dass sie mit sich selbst sprachen. Und anhand all dieser Neigungen hatte ein erfahrener Pferdezureiter ihr einmal auf den Kopf zugesagt, dass sie im Zweifelsfall ein Pferd eher "brechen" würde, statt es zu zähmen. Eine Aussage, die sie zunächst sehr verletzt hatte, aber es schien kein Weltuntergang zu sein, war die Zahl derer, die sich auf die schonende Kunst verstanden, doch nun einmal eher gering. Manche legten sogar Wert darauf, den Willen des Tieres zu brechen, damit es sich zweifelsfrei fügte, aber dies wiederum behagte ihr nicht unbedingt, denn sie schätzte die Tiere eben und war an ihrem Wohlergehen interessiert. So hielt sie sich einfach zurück, was dergleichen anging.

Und schon wieder war ihr ihre Einstellung dazu leicht anzusehen. Sie sah einschätzend zu Basil, fand aber selbst den Gedanken, dass er dann im Ernstfall mit solch einem Tier "gestraft" wäre, wenig reizvoll.
"Ich fürchte, ich muss ablehnen, Herr Bromer", sagte sie schließlich wieder ruhig und ernst. "Ich schließe nicht aus, dass es selbst auf dieser eher kurzen Reise zu Zwischenfällen kommen könnte, und dann ist uns mit einem Pferd, das sich nur schwer unter Kontrolle halten lässt, schlecht gedient." Dass sie den Hengst womöglich brechen würde, lag ihr kurz auf der Zunge, verschwieg sie dann aber lieber.
Mit ungutem Gefühl schob sich ihr Kiefer nachdenklich leicht vor. "Darf ich denn fragen, was in dieser erwähnten 'Ausrüstung' alles enthalten wäre? Ich nehme an, keine Waffe? Ich würde noch gern ein einfaches Rapier erwerben, um uns im Notfall verteidigen zu können, aber das ist ja kein unerheblicher Kostenpunkt. Zudem gehe ich davon aus, dass wir leicht in die Lage kommen könnten, unterwegs eine weitere Übernachtung organisieren zu müssen? Wisst Ihr über Herbergen auf dem Weg bescheid? Oder enthält die Ausrüstung ein Zelt? Alles in allem habe ich mit zehn Lysanthemern zu rechnen und mir wurde gesagt, dass ich damit auch gut zurecht kommen sollte, aber dies hier wäre - Verzeihung - eine ziemlich schnelle und vollständige Ausschöpfung dieser Mittel ohne, dass tatsächlich alles abgedeckt wäre."
Sie sah den Händler aufmerksam an und hoffte durch die Fragen auch Basils Verstand wieder zum arbeiten zu bewegen - in ihren Augen hatte er sich gerade etwas einwickeln lassen von all dieser scheinbar zuvorkommenden Freundlichkeit. Entgegenkommend neigte sie den Kopf leicht seitlich, während sie hinzufügte:
"Lieber spare ich, wenn das hilft, an Details wie der Unterkunft. Ich brauche im Zweifelsfall kein Zimmer für mich, eine sichere und saubere Schlafstätte reicht mir. Und vielleicht lässt sich bei der Ausrüstung das eine oder andere Detail verhandeln. Vielleicht kann man Euch auch anderweitig dienlich sein."
Nun begann sie doch, Verhandlungen zu übernehmen... etwas ärgerte sie das, aber sie stand weiterhin korrekt, die Hände auf dem Rücken, aristokratisch gerade, aber für Kenner in "entspannter" Haltung.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. August 2015, 10:23

"Ich fürchte, ich muss ablehnen, Herr Bromer"
, sagte sie schließlich wieder ruhig und ernst.
"Ich schließe nicht aus, dass es selbst auf dieser eher kurzen Reise zu Zwischenfällen kommen könnte, und dann ist uns mit einem Pferd, das sich nur schwer unter Kontrolle halten lässt, schlecht gedient."
Dass sie den Hengst womöglich brechen würde, lag ihr kurz auf der Zunge, verschwieg sie dann aber lieber.
Mit ungutem Gefühl schob sich ihr Kiefer nachdenklich leicht vor.
"Darf ich denn fragen, was in dieser erwähnten 'Ausrüstung' alles enthalten wäre? Ich nehme an, keine Waffe? Ich würde noch gern ein einfaches Rapier erwerben, um uns im Notfall verteidigen zu können, aber das ist ja kein unerheblicher Kostenpunkt. Zudem gehe ich davon aus, dass wir leicht in die Lage kommen könnten, unterwegs eine weitere Übernachtung organisieren zu müssen? Wisst Ihr über Herbergen auf dem Weg bescheid? Oder enthält die Ausrüstung ein Zelt? Alles in allem habe ich mit zehn Lysanthemern zu rechnen und mir wurde gesagt, dass ich damit auch gut zurecht kommen sollte, aber dies hier wäre - Verzeihung - eine ziemlich schnelle und vollständige Ausschöpfung dieser Mittel ohne, dass tatsächlich alles abgedeckt wäre."
Sie sah den Händler aufmerksam an.
"Lieber spare ich, wenn das hilft, an Details wie der Unterkunft. Ich brauche im Zweifelsfall kein Zimmer für mich, eine sichere und saubere Schlafstätte reicht mir. Und vielleicht lässt sich bei der Ausrüstung das eine oder andere Detail verhandeln. Vielleicht kann man Euch auch anderweitig dienlich sein."
Nun begann sie doch, die Verhandlungen zu übernehmen, doch der Händer nickte nur freundlich.
„Natürlich … hier ...“
Mit einer Armbewegung bat er sie um die Ecke des Tresens herum zu treten um ihr die fertig zusammen gepackte Ware eines anderen Kunden zu zeigen, vermutlich die von Leon.
„Abzüglich der Armbrust sammt Kecher und Bolzen, sind das die Dinge die ich euch auch für den gleichen Preis angeboten habe...“
Tatsächlich hing eine ausgesprochen gut gearbeitete Arbust an der Seite der beiden Satteltaschen, die über einen Bock, wo auch der Sattel und das Zaumzeug hingen.
„Zur Ausrüstung hier zählt natürlich noch die Übernachtung, Abendessen und Frühstück, sowie Proviant für den Weg, welches ihr morgen von meiner Frau erhalten würdet.“
Unter seinen erklärenden Worten öffnete er die Taschen und präsentierte dessen Inhalt. Auf den ersten Blick war da der Schlafsack, eine dicke inprägnierte Decke fürs Pferd, Futter und Trinksack, sogar ein Hufkratzer, die Zeltplane und Haken für die Befestigung, Schnur, ein aufgerolltes Seil, ein kleines Messer, Feuerstein und Zunderdose, einfaches Kochgeschirr, ein noch leerer Wasserschlauch, ein Tiegel Lederfett und vielleicht noch tiefer verborgenen Kleinigkeiten. Auch Darna hatte hier sicher nicht das Gefühl über den Tisch gezogen zu werden. Das einzige was halt wirklich besonders war, war die Armbrust. Sie sah teuer aus, auf jeden Fall deutlich mehr als die vereinbarten zehn Silberstücke.
„Ach ja, hier ist noch eine kleine Karte für den Weg. Ist ja nicht so weit, aber meine Elli zeichnet so gern. Sie macht sie für unsere Kunden.“
Da war er wieder, dieser warme Blick, als er stolz die doch recht gute kleine Karte mit einigen notwendigen Landmarken und Markierungen präsentierte. Sie war nicht perfeckt, aber doch gut zu gebrauchen und sogar nachträglich gewachst worden. Natürlich war Jorsa im Mittelpunkt und es waren sogar einzelne kleine Höfe eingezeichnet, wo man Rast machen könnte, wollte man nicht unter freiem Himmel schlafen. Man wusste schließlich nie, wie einem das Wetter mitspielte. Die Katenzeichner in Jorsa waren sicher besser und verkauften ihre Werke für teures Geld, aber diese hier war auch nicht schlecht zu nennen, wenn gleich noch etwas kindlich in den Details. Zum Beispiel zeigte sie in der Nähe von Jorsa einen Baum, dessen Krone eindeutig herzförmig war.
Herr Bromer kam wieder auf ihre Verhandlungen zu sprechen:
„Für 80 Füchse, beziehungsweise vier Lysanthemer kann ich euch bestimmt noch ein ordentliches Rapier vom Schmied organiesieren.“
Fragend sah er sie an, ob sie nun einverstanden war, oder lieber doch noch wo anders ihr Glück versuchen wollte. Falls sie zu Basil sah, der würde nur mit den Achseln zucken und nicken, denn er war ja schon mit dem Angebot einverstanden.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 18. August 2015, 23:59

Mit leichtem Nicken folgte die Knappin dem Händler um die Theke herum und besah sich die Sachen. Schon die Anordnung und die Art, wie alles fachkundig verstaut schien, weckte ihre Zufriedenheit, gleichzeitig verdüsterte sich flüchtig ihre Miene, als sie die Armbrust sah. Sie sah nicht billig aus und war eine Waffe, die nicht allgemeingültig verschrien war und deren Vorteile so mancher schätzte, doch Darna stand auf der Seite solcher Ritter und hoher Herren, die es mit Geringschätzung und sehr viel Argwohn betrachteten, dass eine so simpel selbst von Bauern zu benutzende Waffe theoretisch in der Lage war, sogar gut gearbeitete teure Panzerungen zu durchschlagen und mühsam erworbene Waffenausbildung obsolet erscheinen zu lassen.
Leon wollte sowas führen und gab dafür auch noch eine Menge Geld aus? Pfh. Na schön, sein gutes Recht, aber... sie atmete tief durch und konzentrierte sich lieber auf den Rest, der sie deutlich mehr zu interessieren hatte.

„Zur Ausrüstung hier zählt natürlich noch die Übernachtung, Abendessen und Frühstück, sowie Proviant für den Weg, welches ihr morgen von meiner Frau erhalten würdet.“ Erneut ein beiläufiges Nicken.
Mhm... Gute Ausrüstung für die Pferde, sehr schön. ... Nun ja, schließlich sind das ja auch seine... Dabei fiel ihr etwas ein, wofür sie sich eine gedankliche Notiz machte. Zelt... und so weiter und so fort. Wie groß ist das Zelt? Alles dabei, um ein mal draußen zu übernachten. Hm, sicher nicht verkehrt, aber müssen wir das? Naja, ohne wären wir im Ernstfall aufgeschmissen. Messer, Lederfett, Wasserschlauch: hab ich selber.
Eine komplette Ausrüstung, bei der sie nicht das Gefühl hatte, über den Tisch gezogen zu werden, aber trotzdem hatte sie mehrere Ansätze, wo sie die Möglichkeit sah, Geld zu sparen. "Wie groß ist denn das Zelt? Ich nehme an, es ist für eine Person ausgelegt?", fragte sie zunächst eher beiläufigen Tons.
Letztlich war es bloß eine Ein-, höchstens Zwei-Tagesreise nach Jorsa, bei der sie wenig darauf erpicht war, dafür Ausrüstung zu erwerben, die sie für noch sehr viel längere Reisen verwenden könnte. Nun ja, wer mochte wissen, was bald käme? Aber wozu sollte sie "zuhause" - im Anwesen von Aarenhorst - unnötiges Kochgeschirr herumliegen haben?
„Ach ja, hier ist noch eine kleine Karte für den Weg. Ist ja nicht so weit, aber meine Elli zeichnet so gern. Sie macht sie für unsere Kunden.“
Darna betrachtete die Karte, neigte den Kopf leicht seitlich und hob anerkennend dabei die Augenbrauen. Für eine "kleine Dreingabe" war dies ein mit viel Sorgfalt hergestellter Gegenstand, der ihr durchaus nützlich schien. Der Baum, nun ja... kindliche Kreativität war dabei sicher nicht auszuschließen.

„Für 80 Füchse, beziehungsweise vier Lysanthemer kann ich euch bestimmt noch ein ordentliches Rapier vom Schmied organisieren.“ Vier Silber... für zwei Tage! Auch diesmal schien der Preis vermutlich nicht unverschämt, aber ihr eigenes Geld deutlich belastend - genauer gesagt fast komplett aufbrauchend. Ein eigenes Rapier wiederum war sicher auch mittelfristig nicht verkehrt, andererseits hatte sie keine Vorstellung davon, was ihre Familie ihr zur Verfügung stellen würde, sollte sie tatsächlich den Ritterschlag erhalten. Besser betuchte Jungritter bekamen dann kostbare Rüstungen, manchmal gar die traditionsreichen Familienwaffen - Dinge, von denen Darna sicher nur träumen konnte. Geizig war ihr Vater allerdings auch nicht zu nennen.
Was von alledem hier wäre über kurz oder lang also überflüssig? Darna war nicht geizig; aber ehrgeizig sparsam.

Sichtlich nachdenkend, die kleine Karte höflich zunächst zurück reichend, hatte sie bisher mit durchaus ersichtlichem Wohlwollen das Angebot immer mal wieder nickend registriert. "Würdet Ihr uns kurz entschuldigen?", fragte sie dann. Dies war immer wieder natürlich eine rein rethorische Floskel - bei der Knappin schien dem allerdings nicht so zu sein. Sie erwartete nicht wirklich Widerspruch, aber es waren trotzdem mehr als inhaltsleere fünf Worte. Sie bat höflich um Nachsicht, dass sie sich mit Basil ein paar Schritt im Raum zurück ziehen wollte, um sich leise mit ihm zu unterhalten. Darna hätte es schlicht als unhöflich empfunden, direkt im Beisein des Händlers Absichten zu bereden, die letztlich dazu dienen sollten, seinen Profit zu schmälern:
"Sag Basil, wie sehen deine weiteren Absichten aus? Willst du übrig bleibende Teile der Ausrüstung irgendwie für später aufbewahren, oder benötigst du dies auch lediglich für die Strecke nach Jorsa? Wenn ja, würde ich vorschlagen, dass wir die Ausrüstung für uns beide zurecht legen lassen und dadurch einige Dinge einsparen?", schlug sie ruhiger Stimme etwas gedämpft vor und begleitete ihre Worte mit einer vagen Geste der rechten Hand, ehe diese wieder auf den Rücken wanderte. "Zum Beispiel bräuchten wir nicht zwei Töpfe, sondern nur einen. Ein Zwei-Mann-Zelt dürfte billiger sein als zwei Ein-Mann-Zelte, weil es Material spart. Und uns spart es entsprechendes Gepäck dann auch. Wir brauchen nicht zwei Mal Striegelzeug, und so weiter. Was denkst du?"
Sie sah ihn ohnehin die ganze Zeit ruhig an, für einen kurzen Moment suchte sie aber direkt seinen Blick. Sie fürchtete Ausflüchte, Herumlavieren... Schließlich müsste er dann irgendwie das Zelt mit mir teilen. Sicher keine angenehme Vorstellung für ihn. Ob er ihr gar Vorwürfe machen würde, weil sie nun so zauderte und noch zu feilschen versuchte, obwohl er ja hätte verhandeln wollen? Trotzdem ließ sich, selbst wenn er auf zwei Zelten bestand, einiges an doppelter Ausrüstung einsparen. Und davon sollte ja nicht nur sie einen Vorteil haben, das wäre schließlich ungerecht: "Und was wir an Geld dabei einsparen, teilen wir dann durch zwei."

Zudem überlegte sie, Herrn Bromer vorzuschlagen, Dinge wie das Zelt, Striegelzeug und Kochgeschirr, was sich ohne nennenswerte Abnutzungserscheinungen nach gründlicher Reinigung auch von anderen weiter verwenden ließ, ähnlich wie das Pferd nur zu "mieten" und in der Niederlassung in Jorsa wieder abzugeben. Mit diesen üblichen Teilen ließ sich mehrfach Geld verdienen, und sie wären den "Ballast" schnell wieder los.
Käme dabei genug Ersparnis zusammen, konnte sie nochmal über das Rapier nachdenken...

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 19. August 2015, 16:32

"Wie groß ist denn das Zelt? Ich nehme an, es ist für eine Person ausgelegt?"
„Oh, es ist für eine Person ausgelegt, aber notfalls würden auch zwei darunter passen, wenn man nicht auf all zu großen Komfort wert legt.“
"Würdet Ihr uns kurz entschuldigen?"

, fragte sie dann und der Händler nickte zuvorkommend. Die beiden Knappen zogen sich in eine Ecke der großen Scheune Schrägstrich Laden zurück.
"Sag Basil, wie sehen deine weiteren Absichten aus? Willst du übrig bleibende Teile der Ausrüstung irgendwie für später aufbewahren, oder benötigst du dies auch lediglich für die Strecke nach Jorsa? Wenn ja, würde ich vorschlagen, dass wir die Ausrüstung für uns beide zurecht legen lassen und dadurch einige Dinge einsparen?"
, schlug sie ruhiger Stimme etwas gedämpft vor und begleitete ihre Worte mit einer vagen Geste der rechten Hand, ehe diese wieder auf den Rücken wanderte.
"Zum Beispiel bräuchten wir nicht zwei Töpfe, sondern nur einen. Ein Zwei-Mann-Zelt dürfte billiger sein als zwei Ein-Mann-Zelte, weil es Material spart. Und uns spart es entsprechendes Gepäck dann auch. Wir brauchen nicht zwei Mal Striegelzeug, und so weiter. Was denkst du?"
Sie sah ihn ohnehin die ganze Zeit ruhig an, für einen kurzen Moment suchte sie aber direkt seinen Blick, doch er schwieg und hatte nur einmal kurz mit der Augenbraue gezuckt. Ob er sich Gedanken wegen des Zeltes machte?
"Und was wir an Geld dabei einsparen, teilen wir dann durch zwei."
Er nickte langsam und antwortete dann:
„Ich hab einen Gegenvorschlag. Du behältst das Geld, was du dir mit den Einsparungen verschaffen kannst! Ich habe ja noch die zehn Silber die du bei Lerchengrund abgegeben hast. Die behalten wir für den Notfall oder wenn wir doch eine Herberge finden und du holst uns beiden ein paar Waffen. Ich gehe ohnehin nicht davon aus, dass wir unter freiem Himmel nächtigen müssen. Die anderen Sachen sehen aber alle sehr ordentlich aus und ich muss gestehen, dass ich langsam neugierig auf diesen „Milagros“ bin. Eine Armbrust? Hast du das gesehen?“
Er blinzelte zwei mal, als könnte er es kaum glauben und hatte den Nachnamen Leons etwas stärker hervor gehoben als gewöhnlich, als wollte er den Klang auf der Zunge testen.
„Die hat ihn bestimmt sechs oder acht Lysanthemer gekostet, wenn nicht mehr. Mal ganz davon abgesehen, dass es normaler Weise nicht die Waffe eines Knappen ist ...“
Basil kaute nachdenklich auf der Innenseite seiner Unterlippe herum und hatte somit auch Danas Gedankengänge unbewusst bestätigt.
„Aber egal. Eigentlich wollte ich den Überschuss in Jorsa wieder verkaufen. Ich kenne da ein paar gute Abnehmer, aber so geht es auch. Ich bin halt gern auf Reisen lieber zu gut ausgerüstet, als zu sparsam, aber deine Einstellung gefällt mir auch. Sie ist … königlich.“
Er grinste kurz und hoffte vielleicht wenigstens ein kleines Leuchten in ihren Augen erkennen zu können, denn es war allgemein bekannt, dass der König zu extremer Sparsamkeit, wenn nicht sogar zu Geiz neigte. Treue Untertanen begründeten seine Wirtschaftlichkeit mit den eingeschränkten Handelsruten und ein treuer Untertan wäre vielleicht auch gerührt mit ihm verglichen zu werden. Versuchte er ihr gerade ein Kompliment zu machen?
Basil beobachtete Darna was sie nun tat und hielt sich höflich zurück.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 20. August 2015, 20:41

„Ich hab einen Gegenvorschlag. Du behältst das Geld, was du dir mit den Einsparungen verschaffen kannst! Ich habe ja noch die zehn Silber die du bei Lerchengrund abgegeben hast. Die behalten wir für den Notfall oder wenn wir doch eine Herberge finden und du holst uns beiden ein paar Waffen. Ich gehe ohnehin nicht davon aus, dass wir unter freiem Himmel nächtigen müssen. ..."
Darna hob die Brauen angesichts dieses schlicht großzügigen Vorschlags. Gut, Basil konnte auf zehn weitere Lysanthemer zurück greifen, aber auch, was weitere Ausgaben betraf, schien er sie nicht hängen lassen zu wollen. Das war... nett. Kurz wollte sie sich darüber ärgern, "ihre" zehn Silber einfach abgegeben zu haben, andererseits war sie noch immer überzeugt, damit richtig gehandelt zu haben ohne, dass sie Basil daraus im Gegenzug einen Vorwurf gemacht hätte. Nun gut. Sie würden schon irgendwie zurechtkommen, beide.
Es lag ihr auf der Zunge, Basil Leons richtigen Namen mitzuteilen, aber sie pfiff sich selber zurück. Sie hatte den tatsächlichen Namen schließlich auf eine Weise erfahren, die ihr nicht zugedacht gewesen wäre, also würde sie Leons Wunsch nach Anonymität respektieren. Flüchtig huschte die Frage durch ihre Gedanken, ob sein Wappen wohl ebenfalls gefälscht gewesen war? Aber es hatte für sie einen Erkennungswert gehabt... vermutlich war es also korrekt. Ja, "langsam neugierig" traf im Prinzip auch bei ihr zu.

„Aber egal. Eigentlich wollte ich den Überschuss in Jorsa wieder verkaufen. Ich kenne da ein paar gute Abnehmer, aber so geht es auch. Ich bin halt gern auf Reisen lieber zu gut ausgerüstet, als zu sparsam, aber deine Einstellung gefällt mir auch. Sie ist … königlich.“
Er grinste kurz und hoffte vielleicht wenigstens ein kleines Leuchten in ihren Augen erkennen zu können
, doch wenn es ein Kompliment oder Lob sein sollte, so glitt es reaktionslos an ihr ab, wie es auch bei Meister Roderich, seiner Gnaden Talarion oder sonst jedem stets der Fall gewesen war. Lieber zu gut als zu sparsam ist ein Punkt, natürlich. Hm. Vielleicht also trotzdem zwei Hufräumer. 'Königliche' Einstellung? Was meint... achso. Sparsam. Nun ja, wir haben das Geld dann sofort, nicht erst in Jorsa, und es spart Zeit. Sie überlegte kurz, ob in der Beschreibung 'königlich' versteckte Ironie lag, also eigentlich Kritik, so wie sie es auch bei Zunge argwöhnt hatte, aber dafür sah Basils Miene trotz des Grinsens zu freundlich aus. Darna blinzelte verarbeitend und beließ es dabei, nickte leicht und registrierte, dass sie nun also wieder am Zug war.

Die Knappin ließ den Blick nochmal flüchtig durch den Raum huschen, bevor sie mit gemessenen Schritten wieder zum Händler zurück kehrte. Sie nickte ihm für die Geduld dankend zu. "Herr Bromer? Also, es ist so, dass wir gemeinsam lediglich zurück nach Jorsa wollen und bei seiner Hochgeboren von Aarenhorst die Dinge wahrscheinlich nicht brauchen werden. Ich wollte also fragen, ob es auch möglich ist, bis dahin kaum oder gar nicht benutzte Dinge wie vielleicht das Zelt oder Kochgeschirr ähnlich wie Eure Pferde nur zu 'mieten' und in Eurer Niederlassung in Jorsa wieder abzugeben? Das würde uns unnötigen Aufwand ersparen, die Sachen selber zu veräußern und Ihr habt ja sicherlich auch in Jorsa öfters Kundschaft, die solche grundlegenden Sachen benötigt, die Ihr dann nicht extra neu anschaffen müsstet, sondern in bekannter Qualität gleich vor Ort hättet."
Darna konnte sich nicht recht vorstellen, dass Bromer solche Vereinbarungen noch nie getroffen hatte, wollte ihm aber trotzdem die Sache 'schmackhaft' machen und gleichzeitig dezent signalisieren, dass sie sich über die Vorteile für ihn im Klaren war. Natürlich nutzten die Sachen sich mit der Zeit ab - aber sie waren auch Knappen, keine Orks.
Wieder bewegte sich ihre rechte Hand in einer versöhnlich verhandelnden Geste, während ihre Stimme trotz der sachlich bleibenden Mimik noch ein wenig freundlicher wurde: "Wir bräuchten also zwar einige der Gegenstände nicht in unnötig doppelter Ausführung, dafür würden wir aber gerne Eure Dienste in Anspruch nehmen, um zusätzlich zwei Rapiere mit uns führen zu können."
Er will doch ebenso ein Rapier, oder? Ihr Blick ging kurz zurück zu Basil. Das hatte sie nun zu fragen vergessen... "Verzeihung, oder soll es eine andere Waffe sein?", fragte sie vergewissernd.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Montag 24. August 2015, 10:19

Die Knappin ließ den Blick nochmal flüchtig durch den Raum huschen. Die teilweise zum Laden umgebaute Scheune war sehr funktionell eingerichtet. Im hinteren Teil waren die Boxen der Pferde, der Heuboden und alles was die Tiere sonst noch benötigten. Dort gab es auch ein weiteres großes Scheunentor, was vermutlich zu einer anderen Straßen hinaus führte. Der Vordere Teil war mit Regalen, kleinen Schränken, Truhen, der Theke und den Böcken für die Sättel voll gestellt. Es gab hoch gelegene Fenster, die an gekippt waren und frische Luft und Licht hinein ließen. Zum Übernachten „im Stall“ sah sie jedoch keine Möglichkeit, wie es sonst auf den Höfen im Landesinneren welche gab. Jeder noch so kleine Raum war hier mit einem praktischen Nutzen erfüllt. Der Inhaber hatte sich gründlich Gedanken zur Platzeinteilung gemacht und auf ihn ging sie nun ihm für die Geduld dankend zu.
"Herr Bromer? Also, es ist so, dass wir gemeinsam lediglich zurück nach Jorsa wollen und bei seiner Hochgeboren von Aarenhorst die Dinge wahrscheinlich nicht brauchen werden. Ich wollte also fragen, ob es auch möglich ist, bis dahin kaum oder gar nicht benutzte Dinge wie vielleicht das Zelt oder Kochgeschirr ähnlich wie Eure Pferde nur zu 'mieten' und in Eurer Niederlassung in Jorsa wieder abzugeben? Das würde uns unnötigen Aufwand ersparen, die Sachen selber zu veräußern und Ihr habt ja sicherlich auch in Jorsa öfters Kundschaft, die solche grundlegenden Sachen benötigt, die Ihr dann nicht extra neu anschaffen müsstet, sondern in bekannter Qualität gleich vor Ort hättet."
Darna konnte sich nicht recht vorstellen, dass Bromer solche Vereinbarungen noch nie getroffen hatte, wollte ihm aber trotzdem die Sache 'schmackhaft' machen und gleichzeitig dezent signalisieren, dass sie sich über die Vorteile für ihn im Klaren war. Wieder bewegte sich ihre rechte Hand in einer versöhnlich verhandelnden Geste, während ihre Stimme trotz der sachlich bleibenden Mimik noch ein wenig freundlicher wurde. Hätte sie sich ein Lächeln aufsetzen können, so wäre ihre Argumentation vermutlich sofort angenommen worden, denn in Verhandlungen war ein freundliches Gesicht von Vorteil. So zog Herr Bromer etwas nachdenklich die Brauen hoch und hörte weiter zu.
"Wir bräuchten also zwar einige der Gegenstände nicht in unnötig doppelter Ausführung, dafür würden wir aber gerne Eure Dienste in Anspruch nehmen, um zusätzlich zwei Rapiere mit uns führen zu können."
Ihr Blick ging kurz zurück zu Basil. Das hatte sie nun zu fragen vergessen...
"Verzeihung, oder soll es eine andere Waffe sein?"
, fragte sie vergewissernd
„Nein, nein. Rapier ist gut.“
, war Basils schnelle Antwort und Darna erinnerte sich nicht, dass ihr Gefährte in irgendeinem Waffengang besonders heraus gestochen hätte. Einzig eine kleine Erinnerung eines Lobes huschte ihr durch den Kopf, als Basil sich am Jagdbogen versucht hatte. Vielleicht lag darin auch das artverwandte Interesse an der Schusswaffe begründet, was er gezeigt hatte, als er die Armbrust bemerkt hatte. Er gesellte sich an ihre Seite und versuchte Danas fehlendes Lächeln mit seinem freundlichen Strahlen wett zu machen. Gemeinsam verscheuchten sie etwaige Zweifel aus Herrn Bromers Gedanken und er zeigte sich schnell sehr verständig. Er erklärte sich einverstanden, schlug vor, dass Darna sich unter seinem Blick die nötigen Dinge zusammen suchen konnte und würde ihnen dann einen anständigen Mietpreis machen. Derweil schrieb er einen kurzen Brief an seinen Bruder, einen gewissen „Hendrik Bromer“, den sie ihm dann in Jorsa übergeben sollten. Dieser würde dann nach eingehender Prüfung die überzähligen Gegenstände sicher zurück nehmen.
Darna und Basil mussten nun also nur noch ihre Sachen für den nächsten Tag zusammen suchen, die beiden Sättel beladen und Herr Bromer half und zählte mit. Danach würden sie sich über einen Preis zwischen sechs und acht Lysanthemern einig werden und er geleitete sie zur Tür wo er ihnen den benachbarten Eingang zur Taverne „Roseneck“ zeigte.

Der Name zeugte von einer weiblichen Note, mehr noch als der kahle Rosenstock, der fast die ganze Hausfront einnahm. Im späten Sommer musste das Haus sehr schön aussehen. Jetzt jedoch, zu dieser frühen Jahreszeit, wirkte es durch die knorrigen und mit Dornen bewehrten Äste ein wenig wild und wehrhaft. Basils Augen wanderten über die Pflanze hinauf zu den Fenstern im ersten Stock und er meinte mehr zu sich selbst, als zu seiner Umgebung:
„Eins ist sicher. Niemand würde es durch diese Fenster wagen, wenn er auf seine Finger nicht verzichten kann!“
Dann wandte er Darna das Gesicht zu und nickte aufmunternd:
„Wollen wir?“
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Montag 24. August 2015, 23:03

Basil gesellte sich während der Verhandlungen an ihre Seite und obwohl sie zu keinem Zeitpunkt gesagt hätte, dass es schlecht lief, bekam Darna doch das Gefühl, dass ihre Anfangsbefürchtung sich bestätigte: es schien besser zu gehen, wenn "von Mann zu Mann" verhandelt wurde. Auf den Gedanken, dass es etwas mit ihrer stockernsten Mimik zu tun haben könnte, kam sie nicht. Was war an einem sachlichen Gespräch schon auszusetzen?

Ein wintertaugliches Zelt mit Boden für zwei Personen, zwei Schlafsäcke, zwei einfache Wolldecken, die jeweilige Ausrüstung fürs Pferd, Schnur, Seil, ein mal Feuerstein und Zunder, eine Phiole mit etwas Lampenöl, einen mittelgroßen Topf, zwei Holznäpfe, zwei Fackeln und zwei Rollen einfachen Stoffverband nebst etwas sauberem Tuch, um Wunden abzudecken. Das brauchen wir hoffentlich nicht, kann aber wichtig werden. Messer, Wasserschlauch und Lederfett ließ sie für sich weg und packte sie höchstens für Basils Bedürfnisse ein mal dazu. Es mochte zunächst scheinen, dass sich nicht viel an dem änderte, was der Händler für Leon zusammengestellt hatte, doch letztlich fiel wie von Darna beabsichtigt einiges weg, was bei zwei Personen ansonsten doppelt gewesen wäre. Dazu kam die Ersparnis durch den Miet- statt einen Kaufpreis. Darna war zufrieden, und Herr Bromer schien es auch; so weit, so gut. Schon beim Zusammenpacken konnte der Händler beobachten, wie die Knappin sorgfältig mit den Sachen umging: sie wühlte nicht unnötig in den Regalen herum, verstaute Gegenstände platzsparend und rutschsicher - es hätte nur noch gefehlt, dass sie an den Regalen, bei denen sie war, selber hinter sich her geputzt und Staub gewischt hätte.

Als sie sich von ihm die Taverne zeigen ließen, verabschiedete Darna sich höflich: "Vielen Dank für Eure Mühen, Herr Bromer. Mögen die guten Götter Euch und Eurer Familie gewogen bleiben, ich wünsche noch einen erfolgreichen Tag." Sie neigte angedeutet den Kopf und wandte sich mit Basil dann dem "Roseneck" zu.
Sie sah kurz über die Fassade des Hauses, wobei sie weniger den Pflanzenwuchs beachtete als mehr den Zustand und Gesamteindruck. Wie erwartet und erhofft schien es sich um eine ähnlich bodenständige und ordentliche Unterkunft zu handeln, wie sich schon der Laden präsentiert hatte. Zwischen den gut sortierten Regalen bei Herrn Bromer hatte sie sich richtig wohlgefühlt und war fast "aufgeblüht", so weit man das bei ihr behaupten konnte.

"Eins ist sicher. Niemand würde es durch diese Fenster wagen, wenn er auf seine Finger nicht verzichten kann!" Sie drehte leicht den Kopf. Dann schaute sie selber die Dornenranken hoch. Warum sollte jemand da hoch klettern wollen? Naja. Um was zu stehlen. Das halten die Ranken doch gar nicht? Durch ihre Gedanken huschte kurz das Bild einer schwarz gekleideten Gestalt, die mitsamt dem ganzen Gestrüpp aufgrund seines Gewichtes die Mauer herunter fiel, danach halb begraben unter Dornenranken... und verzog fast mitleidig das Gesicht. Sie überlegte kurz, ob sie etwas erwidern sollte, ließ es aber.
"Wollen wir?" Ein Nicken.
Der Gedanke, sich endlich umziehen zu können, ihr Gebet nachzuholen... Gibt es hier eigentlich einen Tempel? Vielleicht lieber da...? und irgendwie an etwas zu Essen zu kommen, bekam etwas ungemein konkretes und verlockendes!

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. August 2015, 10:42

Auf dem kurzen Weg zur Taverne konnte Darna nirgends ein Anzeichen für einen Tempel erspähen. Sie waren in einem ursprünglich eher kleinen Dorf, dass nur durch seine enorme Hafenanlage so groß geworden war. Wenn es einen Tempel oder einen Schrein gab, dann sicher einen der Ventha geweiht war und in der Nähe der Küste lag. Eine andere Vermutung lag auch nahe, aber sicher eher im Verborgenen, da Manthala oft von zwielichtigen Händlern jeglicher Art angebetet wurde. Herr Lerchengrund hätte ihr vielleicht den Weg zu ihrem Schrein weisen können, was aber eher nicht wünschenswert war.
Basil beschleunigte kurz vor der Eingangstür seine Schritte, öffnete sie und trat dann hinter Darna ein. Er benahm sich so so gut er konnte. Vielleicht hatte er ein schlechtes Gewissen und versuchte auch etwas von den vergangenen Jahren wieder gut zu machen? Das Innere der Schenke war so ansprechend wie der Laden zuvor. Auch wenn das Mobiliar alt und an manchen Stellen sicher abgewetzt war, so war es sauber und es roch nach frischen Kräutern. Der Ursprung des Duftes war schnell gefunden, denn hinter den Fenstern, auf kleinen Tischen, standen in kleinen Töpfen diverse Pflanzen und begrünten so die Taverne. An den Fenstern hingen kleine hölzerne Amulette mit dem Symbol der Apfelblüte, also waren diese winzigen liebevoll angelegten Gärten Florencia geweiht. Der Schankraum war geräumig und mit massiven Tischen und Bänken aus Wurzelholz bestückt. Die niedrige Decke wurde von dunklen Balken getragen an denen abermals Kräuter zum trocknen hingen. Ein paar Gäste saßen in den Ecken zu Mittag und aßen deftigen Eintopf, der den Raum mit herrlichem Duft erfüllte. Hinter dem Tresen stand ein junger Mann der freundlich lächelte und ein zweiter fast identisch aussehender kam gerade mit einem Eimer und Schrubber die Treppe aus dem ersten Stock hinunter. Die Ähnlichkeit war frappierend und jeder konnte sehen, dass sie Zwillinge waren. Ein Gang führte nach hinten weg, vermutlich zum Hinterhof, der Küche und zu den privaten Räumen der Familie. Aus der Küche hörte man eine Frauenstimme singen.
„Willkommen im Roseneck. Ich bin Falk. Kann ich etwas für euch tun?“
Das der junge Mann hinterm Tresen sie in Celcianisch begrüßte war normal, denn sicher gab es hier auch häufig fremdländische Gäste, aber mit einer einfachen Antwort im Garmischen, wäre es wohl „gemütlicher“. Er wie sein Bruder waren hoch gewachsen mit breiten zur Arbeit geschaffenen Schultern. Sie wirkten etwas wild um die Köpfe, als bräuchten sie mal wieder einen Haarschnitt, aber ihre blauen Augen funkelten freundlich.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 25. August 2015, 23:45

Basil beschleunigte kurz vor der Eingangstür seine Schritte, öffnete sie und trat dann hinter Darna ein. Dabei drohte seine Kameradin sich selber fast so zu benehmen, als hätte sie nie eine höfische Ausbildung in Etikette genossen: sie hätte nicht im Traum erwartet, dass er ihr die Tür aufhalten würde und stand da einen Moment darauf wartend, dass er auch selber als erstes hindurch ging. Sie war seltenst das Zielobjekt höflichen Herrenbenehmens gewesen - am ehesten nur zu Übungszwecken und nur unter Zwang. Jedes Mal war es ihr peinlich, wenn jemand sie selber wie eine Dame behandelte und nicht... nun ja, wie einen Knappen eben. Und jetzt behandelte einer ihrer Kameraden sie wie eine Dame?! Die Welt wurde verrückt!

Als sie eintrat und sich umsah, waren ihre Wangen zunächst leicht gerötet.
Hier möchte ich bleiben. Götter, war es gemütlich und ansprechend hier! Irgendwie erinnerte es sie ein bisschen an ihr Zuhause in Ganda: rustikal, sauber gepflegt und doch liebevoll. Auch wenn ihr eigenes Heim... anders gewesen war, natürlich vor allem, was die Einrichtung anging. Sie sog die Luft tiefer ein. Liebstöckl?, versuchte sie eines der Kräuter zu identifizieren. Es war nicht ganz einfach, denn der Eintopf drohte schnell jede andere Geruchswahrnehmung zu verdrängen. Für Basil ergab sich derweil die Gelegenheit, ähnlich wie schon bei Herrn Bromer an Darna Details zu beobachten, die er im Anwesen von Aarenhorst selten gesehen hatte: welche Unterschiede es machte, wenn sich die Knappin zu entspannen schien.
Noch immer blieb die Haltung gerade, aber den Schultern fehlte die Spannung. Die Kiefer waren nicht fest aufeinander gesetzt, die Mimik wirkte dadurch einen Tick milder - ein Eindruck, der sich für Fremde durch die Narben sowieso selten ergab. Die Finger der auf den Rücken gelegten Hände berührten sich nur flüchtig, statt akkurat übereinander gelegt zu sein.
Hatte Basil sie während der jahrelangen Ausbildung wirklich so selten gelassen erlebt? Nun ja - wenn er da war, war Gernot meist nicht fern gewesen...

Die Knappin sah zum Tresen und betrachtete für einen Augenblick analysierend den hinzutretenden Zwilling, nickte dann kaum merklich für sich und prompt strafften sich wieder ihre Schultern, hob sich ihr Kinn eine Spur, als ihnen geschäftliche Aufmerksamkeit zuteil wurde.
"Willkommen im Roseneck. Ich bin Falk. Kann ich etwas für euch tun?"
"Die Götter mit Euch, guten Tag", erwiderte Darna den Gruß mit der wie zuvor schon ruhigen, höflichen, aber auch irgendwie etwas nüchternen Stimme und trat derweil gemächlich näher an den Tresen heran. Sie überlegte kurz, ob sie Basil und sich bereits komplett vorstellen sollte, schließlich hatte der Bursche auch seinen Namen genannt, andererseits war das im Dienstgewerbe eine Selbstverständlichkeit. Ein kurzes nachdenkliches Blinzeln. "Wir sind Knappen auf der Reise nach Jorsa und haben einen Handel mit Herrn Bromer abgeschlossen. Wir möchten für eine Nacht hier ein Quartier in Anspruch nehmen und hätten seiner Gattin - Eurer Frau Mutter, wie ich annehme? - von ihm eine Nachricht zu überbringen."
Bei aller Höflichkeit hätte besagte Nachricht schon wieder von einem "Bring noch den Müll raus, Schatz" bis zu einem "Wenn du diese Worte hörst, bin ich bereits tot" reichen können...

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 27. August 2015, 18:30

"Die Götter mit Euch, guten Tag"
, erwiderte Darna den Gruß mit der wie zuvor schon ruhigen, höflichen, aber auch irgendwie etwas nüchternen Stimme und trat derweil gemächlich näher an den Tresen heran.
"Wir sind Knappen auf der Reise nach Jorsa und haben einen Handel mit Herrn Bromer abgeschlossen. Wir möchten für eine Nacht hier ein Quartier in Anspruch nehmen und hätten seiner Gattin - Eurer Frau Mutter, wie ich annehme? - von ihm eine Nachricht zu überbringen."
Der junge Mann mit Namen Falk drehte sich in Richtung der Küchentür und rief:
„MA! KUNDSCHAFT VON PA!“
Falk trat beiseite und in der Küche hörte die Stimme nur kurz auf zu singen, es öffnete sich die Tür und die eine Melodie summende Wirtin trat mit einem Geschirrtuch in den Händen auf sie zu. Ihre Arme waren mit Mehl bestäubt, was sie noch eilig am Tuch abzuwischen versuchte, dann streckte sie die Hand entgegen.
„Der guten Götter Seegen mit euch, ihr kommt von meinem Mann?“
Ihre grau blonden Locken kringelten sich unter einer weißen Haube und ihre blauen Augen strahlten, zwar schon über einigen Falten, aber doch über das ganze gebräunte Gesicht. Sommersprossen zierten ihre Nase und Wangen. Sie war, wie man es nennen würde mollig, oder eben eine weibliche Person mit üppigen weichen Kissen an den richtigen Stellen. Schon etwas in die Jahre gekommen, wirkte sie doch so angenehm, dass Basil neben Darna unwillkürlich ihren Gruß erwiderte:
„Die Götter mit euch und ja, euer „Göttergeschenk“ schickt uns.“
Sie strahlte.
„Ah dann seid ihr die weitere Knappen auf der Durchreise, von der Niemand.“
Sie rollte amüsiert mit den Augen.
„Lasst mich raten, Mil musste wieder ihren Spruch aufsagen! Ihr Onkel, mein Bruder ist ein rechter Schalk. Tut so hart, ein ganzer Mann und kommandiert so gern, aber früher hat er lieber mit den Kälbchen und Hasen gespielt als heute die eisernen Fäuste zu schwingen. Ach ich red zu viel! Ihr könnt mich Lissi oder Lisbeth nennen, wie ihr mögt. Ihr seid sicher hungrig! „Göttergeschenk“, hat mein Mann gesagt?“
Basil nickte noch einmal, lauschte aber lieber weiter, da sie gerade so schön erzählte.
„Also eine Übernachtung mit allem drum und dran. Fühlt euch wie zu Hause. Ach dann kennt ihr auch den feinen Herrn Milagros? Ein netter Mensch! Und so hilfsbereit! Ein warmer Seegen in jedem Haus! Ich hoffe, er erholt sich schnell, der Ärmste. Na dann werd ich euch erst mal jeder einen schönen Teller Eintopf holen, oder wollt ihr auf den Braten warten? Gibt Klöße und viel Soße dazu!“
Eine winzige Hand erschien an ihrer Seite und zog an ihrer Schürze, so dass sie sich abwandte, bevor einer der beiden antworten konnte. Die fünf erdigen Finger gehörten einem Mädchen, wohl um die zwei, maximal vier Sommer zählend, schwer zu schätzen, von dessen Erscheinung man nur den wilden blonden Haarschopf sah. Von der Größe reichte sie Darna wohl bis zur Kniescheibe und war selbst bis zum eigenen genannten Körperteil mit Haaren überwuchert, als wären sie noch nie geschnitten worden. Unwillkürlich musste vielleicht der ein oder andere an Legenden von Feenkindern oder Wechselbälgern denken. Geschichten von Kindern die unter dem Seegen des ein oder anderen Gottes geboren worden waren. Dieses ähnelte dann wohl sehr Florencia in seiner natürlichen Wildheit. Die Wirtin beugte sich zu ihr hinunter und bekam etwas ins Ohr geflüstert, dann sah sie auf zu Darna und wieder zu ihrer Tochter. Lisbeth flüsterte:
„Sie ist ein Mädchen und will einmal ein Ritter werden, meine Süße.“
Das Kind staunte und riss die riesigen, grünen, wie Jade funkelnden Augen weit auf.
„Da geh?“
Die Wirtin nickte.
„Mit viel Fleiß...“
„au Flei!!!“

Die Kleine raffte voller Entschlossenheit ihr Leinen, so dass man auch die erdigen Füße sehen konnte und eilte sogleich wieder tapsig davon. Dabei konnte man auch kurz das kleine Gesicht sehen, dass zwar unter den Haaren verborgen gelegen hatte, aber kurz bei der eiligen Bewegung beiseite wehte und eine ausgesprochen stark gerötete Wange zeigte. Darnas Erscheinungsbild musste auf irgendeine Art Eindruck auf das Kind gemacht haben!
„Entschuldigt...“
, fuhr die Wirtin nun wieder an die beiden Knappen gewandt fort.
„Das war meine Kleinste, Elli. ...“
Sie sah ihrer Tochter hinterher, als sähe sie sie zum ersten Mal.
„Ist sie nicht wunderschön?!?“
Sie blinzelte abwesend und lächelte dann Basil versonnen an.
„Wenn sie sich nur kämmen ließe! Irgendwann wird mal ein schneidiger, junger Mann vorbei schaun und sie mir weg nehmen und dann wird er glücklichste Mann der Welt werden!“
Im Hintergrund lachten die Zwillinge.
„Ma, hör auf. Du machst ihn noch ganz verlegen.“
Eine Bewegung neben ihr erregte ihre Aufmerksamkeit und als Darna zu Basil sah, schaute der gerade sie an und war hoch rot geworden. Eilig sah er weg und betrachtete angestrengt einen Strauß Liebstöckel auf dem Tresen. Die Wirtin kam ihr zu Hilfe, in dem sie mit den Armen rudernd gleich die Aufmerksamkeit wieder auf sich lenkte. Das Geschirrtuch schwenkte sie dabei wie feinste Spitze.
„Ach ich werd doch wie jede gute Mutter träumen dürfen, dass mein Kind in gute Hände kommt. Vielleicht mal einen Ritter, oder einen hohen Herrn bei Hof? Wieso soll ich nicht träumen, wenn es doch jetzt möglich wäre. Hahahahaha.“
Die Brüder brachen bei der Vorstellung der Mutter synchron in Gelächter aus und auch sie lachte herzlichst. Die ausgelassene Stimmung wäre normaler Weise ansteckend gewesen, doch irgendetwas kaltes kroch just in diesem Moment Darna den Nacken hinauf. Sie kannte dieses Gefühl nur zu gut, nahm es gewöhnlich nicht einmal bewusst war. Es war eine fest verkapselte Erinnerung, die sie schon so lang verdrängt hatte und die ihr trotzdem noch die Freude am Leben nahm. Das war nun mal ihr Leben und auch wenn sie gerade nicht mitlachen konnte, so war es doch, als würde es hier niemanden stören, oder sie ausgrenzen. Alle fühlten sich wohl und waren glücklich, - sehr glücklich! Vielleicht zu glücklich? War hier etwas im Gange oder schon geschehen, was sie nicht mitbekommen hatte?
Nachdem Basil sich gefangen hatte, drehte er sich wieder zu Darna und meinte leiser:
„Ich hätte nichts gegen eine anständige Mahlzeit einzuwenden. Ich könnte sogar beides vertragen!“
Er nickte der Wirtin zu, sah seine Begleiterin fragend an und dann zu einem der Nischen, die von rankenden Pflanzen umsäumt waren. Mit einem Nicken in die gewiesene Richtung setzte er sich in Bewegung und steuerte den Tisch an.
„Bier, Wein oder Wasser?“
, fragte Lisbeth oder Lissi schon halb auf dem Weg zur Küche und zeitgleich hob Falk, noch immer glucksend, den Kopf sehr aufmerksam lauschend, da wohl er für die Getränke zuständig war. Sein Bruder hatte inzwischen den Eimer und Schrubber versaut und wischte nun summend in einer anderen Ecke des Schankraums die Tische sauber.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Samstag 29. August 2015, 23:14

Die Wirtin streckte die Hand zum Gruß entgegen und Darna erwiderte die Geste ein weiteres Mal höflich korrekt, aber mit einer Spur Befremdung, kurz darauf war sie aber überaus erleichtert, dass Basil diese seltsame Nachricht mit dem Begriff "Göttergeschenk" ausrichtete. Sie hatte sich schon den Kopf zerbrochen, wie um Himmels Willen sie das formulieren sollte. Bei Basil klang das dann so einfach, wie ein Gespräch über das Wetter.
"Lasst mich raten, Mil musste wieder ihren Spruch aufsagen! Ihr Onkel, mein Bruder ist ein rechter Schalk." Darna beschloss spontan, sich von ihm fern zu halten, sollte er hier auftauchen. "Tut so hart, ein ganzer Mann und kommandiert so gern, aber früher hat er lieber mit den Kälbchen und Hasen gespielt als heute die eisernen Fäuste zu schwingen." Jetzt... wurde es doch privat. Die rechte Augenbraue der Knappin ruckte hoch. Sie wäre NIE auf den Gedanken gekommen, peinliche Anekdoten über ihren Bruder zu erzählen und fragte sich, ob das hier nicht Ärger geben würde. "Ach ich red zu viel!" Das befürchte ich auch.
Die eisernen Fäuste schwingen? Ihre Gedanken schlugen kurz Kapriolen: Ein Schmied? 'Eiserne Fäuste' passt ja, 'Eisenfaust' hatten wir gerade genug... Moment. Mh... nein! Nein, abwegig. Unwillkürlich suchte sie nach Zeichen von Familienähnlichkeit, ohne ihrem Verdacht wirklich zu vertrauen.

Sie blinzelte, als die Sprache wieder auf Leon kam und es erneut den Eindruck machte, als hätte der Bursche binnen kürzester Zeit die Herzen wildfremder Menschen gewonnen. Was machte der nur?! "Ich hoffe, er erholt sich schnell, der Ärmste." Die Knappin legte prompt den Kopf aufmerksam schief. Was war denn mit ihm? Als er von Bord ging, war doch noch alles in Ordnung? "Na dann werd ich euch erst mal jeder einen schönen Teller Eintopf holen, oder wollt ihr auf den Braten warten? Gibt Klöße und viel Soße dazu!" Darna schloss flüchtig die Augen. Ihr lief das Wasser im Munde zusammen, herrje! Aber Eintopf war sicher vernünftiger. Nun ja - selbst der hatte ja alles andere als schlecht gerochen.
Fünf erdige, kleine Finger verlangten nach der Aufmerksamkeit der Mutter, und die junge Frau sah auf das schmutzige Kind. Das Mädchen sah aus wie die wilde Natur selbst - wie aus dem nächsten Himbeerstrauch entsprungen. Irgendwie... sympathisch, was sicher der allgemeinen Niedlichkeit kleiner Kinder geschuldet war. Oder? Das Wurzelholz der Möbel, die Kräuter... die Kleine schien hier gut rein zu passen. Trotzdem wünschte sich Darna beim Anblick ihrer Haare spontan eine Bürste. Oder eine Sche... nein. Also VIEL Zeit...
Bei dem kurzen Gespräch der Beiden hob sich langsam die rechte Braue der Knappin. "Auch Fleiß"? Ohje... Irgendwas wollte die Kleine doch jetzt anstellen! Passte da etwa niemand drauf auf? Kinder waren furchtbar. Man konnte gar nicht so schnell gucken, wie diese kleinen Wesen imstande waren, Unheil zu stiften, das man nicht erwartete! Und diese kleinen, schwachen, wehrlosen Wesen zu beschützen... eine immense Aufgabe, bei der Darna nicht verstand, wie so viele Menschen das irgendwie so leicht hinzunehmen schienen. Nun ja. Zum Glück musste sie sowas nicht machen. Blinzelnd konzentrierte sie sich wieder auf die Wirtin und hoffte, dass die Kleine jetzt keine zu großen Dummheiten machte. Ihre Mutter würde das schon einschätzen können und müssen.

"Ist sie nicht wunderschön?!?" Vermutlich. Wenn sie sauber und gekämmt wäre. Kurz beschlich Darna das Gefühl, dass es ihr fast leid täte, wenn dem tatsächlich so wäre, gleichzeitig widerstrebte ihr ganzer - gewaltiger - Ordnungssinn dieser verwilderten Erscheinung. "Wenn sie sich nur kämmen ließe! Irgendwann wird mal ein schneidiger, junger Mann vorbei schaun und sie mir weg nehmen und dann wird er glücklichste Mann der Welt werden!" Aha. Sie versagt also bei der Pflege, schade.
"Ma, hör auf. Du machst ihn noch ganz verlegen." Huh? Wen?
Sie schaute zu Basil, der hoch rot geworden war. Beide Brauen hoben sich. Wieso macht sie ihn verlegen? Will er ihr die Kleine wegnehmen? Die Verwirrung wuchs. Das machte überhaupt keinen Sinn. Was sollte Basil mit einem Kleinkind anfangen? Der Blick ging wieder zurück zu Frau Lisbeth. Darna betrachtete das Ganze rasch zunehmend wie ein verwirrendes Theaterstück, bei dem sie einen Stehplatz hatte - die Hände blieben stur auf dem Rücken und der Blick schwenkte distanziert mal hier, mal dort hin.
"Ach ich werd doch wie jede gute Mutter träumen dürfen, dass mein Kind in gute Hände kommt. Vielleicht mal einen Ritter, oder einen hohen Herrn bei Hof? Wieso soll ich nicht träumen, wenn es doch jetzt möglich wäre. Hahahahaha." 'Jetzt möglich'? Wieso 'jetzt möglich'? Für einen winzigen Augenblick barg der Blick zu Basil eine Spur Entsetzen: Er zieht doch nicht in Erwägung, ein zweijähriges Kind zu heiraten?! Nein. Nein, nein, abwegig! Außerdem lachten hier alle... Ich verstehe also ohnehin gerade mal wieder nicht, was hier passiert. Sie zog sich innerlich zurück.

Sie schob sogar unauffällig einen Fuß eine halb Füßlänge rückwärts und zog sich noch ein wenig mehr aus dem Fokus des Geschehens. Wenigstens hatte sie nicht den Eindruck, dass sie ausgelacht wurde, sie hatte nicht einmal das Gefühl, dass sie als Störfaktor an der guten Laune wahrgenommen wurde, wie es sonst so oft der Fall war - aber eben weil es oft der Fall gewesen war, zog sie sich selber zurück. Sie wollte die anderen nicht stören. Und sie gehörte nicht dazu.
Nachdem Basil sich gefangen hatte, drehte er sich wieder zu Darna und meinte leiser: „Ich hätte nichts gegen eine anständige Mahlzeit einzuwenden. Ich könnte sogar beides vertragen!“ Sie nickte vage, was zunächst aber nur eine Bestätigung war, dass sie etwas zu Essen vertragen konnte. "Mir nur den Eintopf bitte", merkte sie dann gedämpft aber verstehbar an.
Als Basil sich in Bewegung setzte, blieb sie zunächst noch stehen.
"Bier, Wein oder Wasser?", fragte die Wirtin und Darna hob ähnlich wie dann auch Falk aufmerksam den Kopf. "Wasser bitte", antwortete sie und fügte halblaut an:
"Frau Lisbeth? Verzeihung, aber was ist denn mit Herrn Milagros, dass er sich erholen muss?"

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Montag 31. August 2015, 18:47

„Für mich ein Bier.“
, sprach Basilius.
"Wasser bitte"
, antwortete sie und fügte halblaut an:
"Frau Lisbeth? Verzeihung, aber was ist denn mit Herrn Milagros, dass er sich erholen muss?"
Besagte Frau Lisbeth machte mitten im Gehen kehrt und kam zu Darna zurück. Ihr Augen strahlten, da die Knappin wohl etwas erfreuliches gefragt hatte und sie nun ausführlicher erzählen durfte. Unbewusst suchte Darna noch nach familiären Ähnlichkeiten, während ihre Schritt näher kamen. Vielleicht stellte sie sich Frau Lisbeth gerade glatzköpfig und mit schwerer Rüstung vor, aber so richtig wollte sich das Bild im ihren Kopf nicht ähneln. Irgendjemand hatte mal gesagt, dass sich Geschwister am ehesten glichen, wenn sie lachten, doch Eisenfaust hatte zu wenig gelacht und die Wirtin des Rosenecks zu viel um da einen Vergleich zu ziehen. Die Augenfarbe war ähnlich, aber selbst da konnte es geschwisterliche Unterschiede geben. Sie schnipste mit den Fingern und die Zwillinge hoben ihre Köpfe.
„Gavin, geh bitte nach Elli sehen und schau dann nach dem Braten. Wende ihn wenn nötig.“
Damit waren die Aufgaben neu verteilt und Gavin, der zweite Bruder legte seinen Lappen auf dem Weg nach draußen auf den Tresen, wo ihn Falk übernahm. Die Wirtin widmete sich nun ganz ihren neuen Gästen und begleitet Darna an ihren Tisch um sich dort, nach einem einladenden Nicken von Basil, für ein kleines Weilchen dazu zu setzen.
„Er hat sich sehr verausgabt, der Arme und doch bin ich guter Dinge. Ja es mag seltsam klingen, aber der Dienst, den er uns erwiesen hat, der stimmt mich froh. Natürlich nicht sein Leid, aber er meinte das verginge schnell mit Ruhe und ein wenig gutem Essen. War ganz grau, der Beste. Deshalb gibt es heute zusätzlich den guten Rehbraten und ihr wollt wirklich nicht? Die Soße ist mit Preiselbeeren …“
Sie forschte munter in Danas Gesicht, ob da nicht doch eine Zusage zu finden wäre.
„… Ist genügen da, müsst auch nix extra zahlen! Soll ja nicht schlecht werden. Wenn er fertig ist, soll ich bei Herrn Milagros klopfen, hat er gesagt. Solange wollt er in sich gehen. Hat's so formuliert.“
Sie zuckte leicht die Schultern, als wüsste sie nicht so recht, was er damit gemeint hat, aber fuhr fort:
„Wenn er sich ausgeruht hat wird er vielleicht herunter kommen, oder wir bringen ihm sein Mahl hinauf, ganz wie er will. Vielleicht back ich noch ein paar Haferplätzchen. Die nähren gut und ich mach sie mit eingelegten Pflaumen aus der letzten Zeit des Wandels, so sind sie weich und saftig, halten aber trotzdem lange. Wenn meine Kinder krank waren, dann hab ich sie auch immer damit gefüttert und schwupps, ging's besser.“
Sie lachte abermals und sah dabei Basil an, der die Geste erwiderte. Dann musterte er die Wirtin etwas ernster und fragte genauer nach, da sie von selbst nicht so schnell auf den Punkt kam:
„Womit hat er sich denn so verausgabt?“
„Oh, oh, ich vergaß es zu erwähnen? Natürlich, ich Schussel! Er hat mein Mädchen wieder schön gemacht! Einfach so und hat nicht mal was verlangt für seine Dienste!“

Basil und Darna vielleicht auch, sahen sie weiter fragend an.
„Meine Elli!
„War sie denn vorher ..nicht hübsch?“
„Nein bewahre, ein kleines Monster war sie, wenn auch ein liebes, gleich der Winterrinde einer hundert jährigen Eiche sah sie aus! Ihr Gesicht war von Geburt an entstellt, aber sie ist sonst ein rechter Seegen. Herr Milagros kam herein und hatte sich gerade nach einem Zimmer erkundigt, wie ihr. Ich brachte grad den Eintopf nach vorne und sie trug den Brotkorb, als er sie gesehen hat. Er fragte gleich nach ihrem Gesicht, was ich erst als etwas „direkt“ empfunden hatte, doch dann hockte er sich hin und sie ging auf ihn zu. Mein schüchternes Mädchen hat sich mit dem glänzenden Spiel einer Fuchsmünze locken lassen, die er über seine Knöchel tanzen ließ. Er war ganz sanft und strich ihr das Haar aus dem Gesicht. Er meinte, er könnte sie heilen.“

Lisbeth drückte von den noch nahen Erinnerungen gerührt ihre Hände an ihre gewölbten Brüste.
„Ich hab natürlich eingewilligt, als er meinte, er wolle es versuchen. Ich hab die ganze Zeit ihre Hand gehalten, aber sie hatte gar keine Angst. Sonst ist sie scheu wie ein Reh, aber bei dem Herrn Milagros war sie sanft wie ein Kätzchen und hat sich an seine Brust gelehnt während er sein Zauberwerk vollbrachte.“
Die Wirtin hatte sich in Fahrt geredet und beugte sich über die Tischplatte um abwechselnd Basil und Darna aufmerksam ihren Bericht vorzutragen. Ihre Wangen waren rot vor Eifer.
„Bei meiner Treu, ich hab davon gehört, aber noch nie wirklich gesehen, wie die Lichten sowas tun! Unter seiner Hand leuchtete es wie die Sonne selbst, ich schwöre es! Elli war ganz brav und hat nicht gezuckt, nicht einmal am Ende, wo es ihr zu heiß wurde. Der Schweiß lief beiden von der Stirn! Und ihr werdet's nicht glauben, als er die Hand weg nahm da rieselte Asche von der jungen neuen Haut! Elli weinte ein bisschen, da die Wange ihr doch sehr weh tat. Da meinte er zu ihr, sie sollte die Asche im Garten vergraben, ihre Tränen der Erde schenken und ihren liebsten Samen darauf pflanzen. Das hat sie sofort glücklich gemacht. Sie lief hinaus, bevor ich sie recht bewundern konnte, aber ich war so glücklich! Mein Mädchen ist so schön wie jede Rose und wird nun ganz ohne Scham aufwachsen können.“
Sie lächelte versonnen in Richtung der Hintertür und schien ganz vergessen zu haben wo sie war. Dann wischte sie sich eine glückliche Träne aus dem Augenwinkel und seufzte leicht.
„Welch glücklicher Tag! Lysanthor hat seinen Seegen durch seinen Diener gegeben und mein Mädchen vor zukünftigem Gram bewahrt. Welch glücklicher Tag!“
Falk brachte einen Krug Bier und eine Karaffe Wasser an ihren Tisch und schmunzelte, als er das verträumt Gesicht seiner Mutter sah.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Mittwoch 2. September 2015, 22:24

"Deshalb gibt es heute zusätzlich den guten Rehbraten und ihr wollt wirklich nicht? Die Soße ist mit Preiselbeeren …" Sie forschte munter in Danas Gesicht, ob da nicht doch eine Zusage zu finden wäre.
Die Knappin litt. Das war gemein! Das war fast so gut wie Wildschweinkeule, ein wahres Festessen, und sie wollte hier wirklich Enthaltsamkeit üben?! Lisbeth Bromer konnte mit Leichtigkeit sehen, wie die junge Frau mit sich rang. "… Ist genügen da, müsst auch nix extra zahlen! Soll ja nicht schlecht werden." Jetzt drohten auch noch Schuldgefühle.
Rehbraten... schlecht werden...
Was für eine Sünde!
Eigentlich glaube ich ja nicht, dass er schlecht würde. Sie wird ihn sicherlich schon irgendwie an die Gäste bringen können. Sie nutzte die nächstgelegene Sprechpause - nach dem "Hat's so formuliert" - der Wirtin, auch wenn diese Pausen rar waren, um vorsichtig und hörbar bekümmert zu erklären:
"Es ist bei mir so, Frau Lisbeth, dass ich die letzten Tage kaum etwas außer ein wenig Gerstensuppe gegessen habe. Ich würde liebend gerne den Braten genießen, habe aber Sorge, dass das für meinen Magen noch zu viel sein könnte."
Haferplätzchen... Gütiger Himmel, selbst am Hof des Stadtgrafen hatte es für die Knappen oft nicht so gutes Essen gegeben.

Du bist nicht hier, um dich vollzufressen, ermahnte sie ihr Gewissen dahingehend, sich lieber wieder darauf zu konzentrieren, was Frau Bromer über Leon erzählte. Basil ließ sich zum Glück auch nicht so leicht ablenken.
Kurz huschten durch ihre Gedanken Erinnerungen an einige Sagen, in denen Helden mit allem möglichem verführt wurden, um sie von ihren Questen abzuhalten - aber gutes Essen war da bisher, soweit sie sich erinnerte, nicht bei gewesen. Höchstens im Rahmen eines insgesamt konfortablen Aufenthalts. Naja... wenn ich mich hier so umsehe... Sie atmete unauffällig tief durch und konzentrierte sich.
"Nein bewahre, ein kleines Monster war sie, wenn auch ein liebes, gleich der Winterrinde einer hundert jährigen Eiche sah sie aus! ..." Huch? Jetzt wurde es interessant.
Als Darna das Mädchen gesehen hatte, hatten sich schon Sagen und Märchen aus Florencias wildem Reich aufgedrängt, aber das hier? 'Entstellt...' - das konnte vieles bedeuten. Bei einem Wechselbalg war das - falsche - Kind ja auch im Charakter unausstehlich, nicht? Das war hier wohl nicht der Fall, also war eine Krankheit wesentlich naheliegender, als wilde Theorien auf der Basis von Märchen zu entwickeln.
Frau Bromer erzählte, wie Leon sich unverblümt nach dem Gesicht des Mädchens erkundigt hatte, und im Herz der Knappin gab es einen kleinen, aber empfindlichen Stich. Was muss sie gelitten haben..., regte sich ehrlichstes Mitgefühl und umwölkte ihre Laune. Sie hörte sehr ruhig zu, die Brauen mal wieder enger zusammen gezogen. Was die Wirtin beschrieb, malte mit Leichtigkeit greifbare Bilder in die Vorstellung der jungen Frau.

Das Zutrauen des ansonsten scheuen Mädchens klang seltsam. Aber geschadet hat es ihr ja nun wirklich nicht. Ob sie das gewusst hat?
Aber über etwas anderes wunderte sie sich sehr viel mehr:
Er kann zaubern?! Lichtmagie?! Bei Lysanthor, wenn Leon dann auch noch ein scheinbar ausgezeichnetes Zeugnis bekommen hatte, warum war er dann nicht bei den Knappen gelandet, die nun Gregorius Faust begleiteten? Das macht doch überhaupt keinen Sinn! Ein Knappe, der die Lichtmagie beherrschte? Ernsthaft? Diese Leute waren wohl so rar wie Diamanten unter Kieselsteinen. Sie verstand wirklich nicht, warum der junge Mann dann... bei ihnen... den Versagern... gelandet war. Wieder schmerzte es kurz, für keine der höheren Ehren ausgewählt worden zu sein, gleichzeitig bekam es einen tröstlichen Charakter, dass sie mit jemandem wie Leon in "ihren" Reihen doch so fürchterlich schlecht nicht sein konnten?
Die Wange des Mädchens hatte sehr geschmerzt, mehr als der Rest? Warum ausgerechnet die Wange? Asche vergraben, Tränen auf die Erde, Lieblingssamen vergraben - es klang wie ein kleines Ritual, und vor allem klang es, als wisse Leon um solcherlei Dinge. Aber wo und wann hätte er sowas lernen sollen? Vor allem während einer Knappenausbildung, und das nicht unter der Obhut der Kirche? Er muss doch von irgendwie mehr ausgebildet worden sein, als 'nur' einem Ritter... Nebenbei wurde dem Kind verziehen, dass sie so schmutzig ausgesehen hatte. Dafür gab es also einen mehr als guten Grund.

"... aber ich war so glücklich! Mein Mädchen ist so schön wie jede Rose und wird nun ganz ohne Scham aufwachsen können. Der nächste Stich. Nur viel tiefer.
Wie sehr muss es Eltern schmerzen, wenn ihr Kind entstellt ist? Darna von Eibenau hätte sich für Elli und ihre Mutter, für die ganze Familie gar, sicher gefreut, aber sie konnte nicht. Nichtsdestotrotz empfand sie tiefstes Mitgefühl und eine Art Erleichterung, die den 'blinden Fleck' in ihrem Herzen umspülte und die Leere darin unauffällig werden ließ - zumindest für Darna.

Sie beobachtete Frau Bromer und stellte sich vor, wie ihre eigene Mutter auf die Narben reagieren mochte. Aufgrund der Nähe zu Ganda hatte es sich nicht vermeiden lassen, dass die Eltern von dem Vorfall erfahren hatten, und ihr Vater war sogar persönlich an den Grafenhof gekommen, um nach seiner Tochter zu sehen, aber es war ein kurzes Treffen gewesen, das sie bis heute nicht recht einzuschätzen wusste. Ihr Vater war selber Ritter - es musste ihm klar gewesen sein, dass mit Verletzungen im Leben eines Kämpfers, egal ob männlich oder weiblich, zu rechnen war. Darna war sich ziemlich sicher, dass er seiner feinfühligeren Gattin irgendwie schonend berichtet haben musste, wie sie nun aussah, ansonsten hätte nämlich vermutlich auch Siglinde von Eibenau bald darauf ebenso vor der Tür gestanden.
Aber seither hatte sich die Tochter zwei Jahre lang erfolgreich darum gedrückt, sich selber zuhause blicken zu lassen... so irrational es war, tief in ihr saß die Angst fest, daheim glatt stehenden Fußes weggesperrt zu werden, um weiteren Schaden von ihr abzuwenden. Angst, dass man ihre Ausbildung abbrechen würde, dass ihr das 'Ritter sein' doch noch verboten werden würde. Fast meinte sie, die Schelte ihrer Frau Mutter in den Ohren zu hören, was sie nur wieder angestellt habe - so, als wäre sie wieder wie früher von einem Kletterbaum gefallen.

"Welch glücklicher Tag! Lysanthor hat seinen Seegen durch seinen Diener gegeben und mein Mädchen vor zukünftigem Gram bewahrt. Der Rest ging für einen Moment in Rauschen unter. Ein irriger Gedanke in ihr wollte Hoffnung schöpfen, doch einfach Leon zu fragen, ob er nicht auch bei ihr... und wie ein Schuster eine vorwitzige gelöste Nagelspitze wieder zurück in den Schuh hämmerte, so schlug die Knappin diese eitle-Mädchen-Hoffnung nieder und auch das ganze gedankliche Hin und Her, das sie zwei Jahre lang in der einen oder anderen Weise für sich durchgekaut hatte, manchmal Nacht für Nacht für Nacht für Nacht.
... ist als Strafe angemessen. Für den Mist, den du gebaut hast. DU HAST MIST GEBAUT, DARNA! ... Zeit deines Lebens für alle zu sehen... Das Los, wenn eine Frau zu scharfen Waffen greift. Stehst du nicht dazu? Lieber hübsch und fein? ... 'Gnade nur für den, der auch bereut'... Sie blinzelte die Wirbel vor ihren Augen weg.
Schon, als Darna Platz genommen hatte, hatte sie die Hände sittsam ordentlich vor sich auf der Tischplatte ineinander verschränkt und daran hatte sich seither auch nichts verändert. Die Fingerknöchel waren aber weiß geworden, und die Haltung bewahrte sie davor, dass die Hände ein Zittern verraten konnten. Sie war blass um die Nase und sah die Wirtin ähnlich gedankenverloren an, wie diese es selbst war. Noch ein Blinzeln.
"Ich bin sehr erleichtert, dass Eurer Tochter so überraschend geholfen werden konnte, Frau Bromer." Die Stimme der Knappin hatte ein Timbre wie eine dicke Saite, die man gefühlvoll anschlug - und ähnlich vibrierte sie auch.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Samstag 5. September 2015, 18:57

Darnas Fingerknöchel waren weiß geworden, und die Haltung bewahrte sie davor, dass die Hände ein Zittern verraten konnten. Sie war blass um die Nase und sah die Wirtin ähnlich gedankenverloren an, wie diese es selbst war. Noch ein Blinzeln.
"Ich bin sehr erleichtert, dass Eurer Tochter so überraschend geholfen werden konnte, Frau Bromer."
Die Stimme der Knappin hatte ein Timbre wie eine dicke Saite, die man gefühlvoll anschlug - und ähnlich vibrierte sie auch. Ihre lieben Worte holten die Frau zurück in die Gegenwart. Ihre teilweise von altem Leid und jungen Glück verklärten Augen sahen sie versonnen an.
„Ich bin sehr glücklich, ja – überglücklich! Habt Dank für euer Mitgefühl und dass ich es erzählen durfte, ich wäre sonst wohl bald geplatzt. Sicher werde ich es noch viele hundert Mal erzählen müssen um es wirklich zu glauben, aber so oder so, jetzt sieht die Zukunft wieder rosig aus.“
Die Wirtin nickte langsam und kurz darauf kam ihr Sohn, Falk oder Gavin, mit den Getränken und danach holte er ein Tablett aus der Küche. Er servierte zwei tiefe Schüsseln mit dampfendem Eintopf und knuspriges Brot.
„Die Küche ruft.“
, stellte Lisbeth fest und erhob sich.
„Esst erst einmal den Eintopf und wenn er gut bekommt, könnt ihr auch zum Nachtmahl noch den Braten haben. Ich heb euch gern was auf.“
Sie sah zu Basil, ob er widersprechen würde um gleich an das feine Essen zu kommen, aber dieser schloss sich Darnas vorgehen an und nickte bestätigend.
„Dann wünsch ich guten Appetit.“
Damit entfernte sie sich summend und verschwand wieder trällernd in Richtung Küche.
„Wohl bekommts.“
Basil hatte sein Glas erhoben und prostete Darna zu. Dann machte er sich ausgehungert über den leckeren Sud aus diversem Wurzelgemüse, Fleisch und frischen Kräutern her.

Sie aßen eine Weile schweigend, als Darna sich irgendwie seltsam fühlte. Es war wie das Gefühl, dass sie kannte, wenn kurz darauf Gernot erschien um sie mal wieder zu drangsalieren, oder das Wetter plötzlich um schlug und einem die Nackenhaare auf stellte, doch diesmal war es anders. Es lag keine Gefahr in der Luft und doch war da etwas. Instinktiv sah sie sich um und entdeckte dann auch bald unter einem Tisch den Auslöser ihres Unwohlseins. Der dreckige kleine Blondschopf saß breitbeinig unter einem der Tische und beobachtet sie angestrengt. Sobald Darna sie entdeckte hatte, versteckte sie etwas hinter ihrem Rücken und spielte dann eifrig mit ihren bloßen Zehen. Sie hatte sich ein großes Blatt auf die Brust geheftet und etwas Dreck darauf verteilt. Sah Darna sie zu offensichtlich an, legte sie einfach die Hände vors Gesicht, als würde die Knappin sie dann selbstverständlich auch nicht sehen können.
„Ich glaube, du hast eine kleine Bewunderin in ihr gefunden.“
, meinte Basil irgendwann leise und steckte sich darauf hin einen großen Löffel Eintopf in den Mund. Mit prall gefüllten Wangen schaffte er es trotzdem noch zu schmunzeln.

Ein wenig später, seit ihrem Erscheinen war bald eine Stunde vergangen und ein paar Gäste mehr waren gekommen. Ein deutlich älteres Ehepaar, der ausgiebigen Begrüßung der Wirtin nach gute Bekannte, hatten sich auf der anderen Seite des Raumes einen Tisch ausgesucht und während Er schwieg und geduldig zu hörte, sprach Sie unentwegt von ihren Krankheiten. Was man so heraus hörte, so hatte sie es im Rücken, in den Knien und die Finger taten morgens weh, die Stimme ließ nach (auch wenn man davon nichts in ihrem jammernden Tonfall bemerkte) und die Augen waren auch nicht mehr so gut wie früher. Was vielleicht aufgefallen war, dass Lisbeth dieser Frau nicht von der Wunderheilung ihre Tochter berichtet hatte. Ein paar Bauern aus der Umgebung waren ebenfalls eingekehrt und saßen über das Wetter redend zusammen. Dort ging es vor allem um die erste Aussaat und wann diese wohl frühstens möglich sein würde. Allen schienen sich einig, dass dies noch lange hin war. Einer von den dreien holte Karten heraus und sie begannen zu spielen, da hörten Darna Schritte die Treppe herunter kommen. Sie erkannte Leon bereits an seinen Stiefeln, doch dann mochte manch anderer Geist kurz zweifeln, dass er es war. Basil schien auf den ersten Blick nichts aufzufallen, aber er hatte sich auch noch nie wirklich mit dem jungen Mann beschäftigt. Darna hingegen fiel sofort die deutlich blassere Haut auf, die dunklen Augenringe und selbst dass Haar wirkte ein wenig ausgebleicht. Als sie ihn das letzte Mal auf dem Schiff gesehen hatte, hatte er voller Kraft gestrotzt, gesunde, ja sogar gebräunte Haut gehabt, doch jetzt wandelte er wie halb tot unter ihnen. Die Wangen waren eingefallen und die Haut auf seinen Handrücken wirkte durchsichtig, fast blau auf den Adern. Er ging langsam auf einen der Tische am Rand zu. Selbst seine Bewegungen waren kaum wieder zu erkennen. Müde und schlaksig nahm er platz und ließ die Schultern hängen. Sein Blick war auf die Tischplatte gesenkt und erst als Falk ihn entdeckte und seine Mutter holte, diese sofort aus der Küche kam und ihn ansprach hob er ihn wieder.
„Mein Herr, ich hätte euch das Essen auch hinauf bringen lassen.“
„Ist schon in Ordnung, ein bisschen Bewegungen tun mir gut.“
„Der Braten dauert noch ein wenig, aber die Kekse sind gleich fertig. Meinem Mann geb ich immer Milch und Kekse, wenn er sich nicht gut fühlt.“
„Dann werde ich es ihm gleich tun und freue mich auf eine warme Milch und euer köstliches Gebäck.“

Die Wirtin lächelte verzückt und eilte davon. Leon ließ seinen Blick wieder sinken. Auch wenn er deutlich mitgenommen aussah, so hatte er seine guten Manieren nicht vergessen.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Montag 21. September 2015, 00:02

Der Vorschlag der Wirtin, etwas vom Braten für später abends aufzubewahren, war sehr nett und die Knappin nickte dankbar. Aber sie wunderte sich etwas, warum Basil sich diesem Vorgehen anschloss - hatte er auch sehr unter der Seekrankheit gelitten?
Sie erwiderte die zuprostende Geste noch etwas neben sich stehend und widmete sich dann schweigsam der Suppe. Das Tempo, in dem sie aß, variierte: zunächst probierte sie vorsichtig, dann verschwanden die nächsten zwei, drei Löffel deutlich zügiger, ehe sie sich doch wieder zurücknahm und in Rücksicht auf ihren Magen bewusst langsam aß und aufmerksam auf ihren Körper hörte, wie es zu bekommen schien: einen Rest der unbestritten leckeren Suppe ließ sie stehen und hatte damit lieber etwas zu wenig, als zu viel im Magen. Es würde schließlich nicht an weiterem Essen mangeln, wenn ihr Körper das alles gut vertrug.

So dauerte es auch etwas, ehe sie wirklich realisierte, dass sie sich beobachtet fühlte. Der dreckige kleine Blondschopf saß breitbeinig unter einem der Tische und beobachtet sie angestrengt. Was versteckt sie denn da? Darnas Argwohn regte sich, ehe ihr Verstand die ersten angespannten Muskeln wieder lockerte. Was sollte von dem Mädchen schon für eine Gefahr ausgehen? Und wer wusste schon, was kleine Kinder gern vor anderen versteckten. Kuchen..., meldete sich ganz leise eine winzige Stimme weit hinten in ihrer Erinnerung. Überrascht zog sie den Kopf in skeptischer Geste ein Stückchen zurück, als das kleine Mädchen die Hände vor's Gesicht schlug. Sollte sie jetzt etwa Verstecken mit ihr spielen?!
„Ich glaube, du hast eine kleine Bewunderin in ihr gefunden“, meinte Basil schmunzelnd. Irritiert sah seine Kameradin ihn an. Wie kam er darauf? Wieder sah sie zu dem Blondschopf. Sie will nicht, dass ich sie sehe, fiel die erste Fuchsmünze. Die Knappin betrachtete das große Blatt auf dem Kleidchen. Soll das ein Wappen sein...?, drohte der nächste Fuchs über die gedankliche Klippe zu stürzen. Ein leises Stöhnen wollte sich Bahn brechen. Ich mag doch keine Kinder!
Sie, ein Ziel von Bewunderung?! Warum ausgerechnet von einem kleinen Kind?!, jaulte es in ihr weiter. Ihre Miene drohte, sich leidend zu verziehen. Beim Harax, du hast auch in diesem Alter angefangen, oder? Muss ja furchtbar... gewesen... sein... hrmpf.
Ratlos sah sie zur Seite. Was sollte sie denn jetzt machen? Musste sie irgendwas machen?
Vorbildlich sein.
Mh...
...
Uhm...

Zumindest müsste sie sich die Haare kämmen.
Nachdenklich ließ Darna den Löffel noch einmal durch die Suppe kreisen. Aber wie soll ich ihr etwas zeigen oder gar an sie heran kommen, wenn ich sie nicht einmal sehen soll? Ein vager Plan begann sich in ihren Gedanken zu formen.
"Entschuldigst du mich kurz?", ließ Darna Basil höflich am Tisch sitzen und nahm ihren Beutel mit. Danach suchte sie eine Ecke im Schankraum, die leer war und sich ein wenig abseits befand - ein Ort, wo es keinen Anstoß erregen würde, wenn sie plötzlich anfinge, sich selber die Haare zu kämmen. Ihren Kamm suchend, begann sie halbwegs gezielt in dem Beutel zu kramen. Er musste sich, wenn nicht alles heillos durcheinander war, in einer ihrer Gürteltaschen befinden, welche wiederum wohl leichter auszumachen waren. Kurz huschte es ihr durch den Sinn, der Kleinen ihre Einhornfigur zu schenken, ehe ihr wieder mit Bedauern einfiel, dass diese ja unter etwas mysteriösen Umständen verschwunden war. Schade. Von Vorbildern hat man doch gerne etwas, irgend ein kleines Andenken... Sie entdeckte ihren Ring und streifte diesen nach kurzer Überraschung mit einem tiefen erleichterten Ausatmen sogleich über, an seinen angestammten Platz.
Nein, der Ring kam schlicht nicht in Frage. Aber was dann? Ich hab sonst nichts Persönliches, stellte sie etwas ernüchtert fest. Schließlich hielt sie ihren schlichten Holzkamm in der Hand. Hm... Ob der reicht...? Sie sah sich noch einmal verstohlen um - eigentlich eher, ob sie wirklich nicht bei anderen Gästen Anstoß hier in der Ecke damit erregte, aber gleichzeitig versuchte sie zu entdecken, ob das kleine Mädchen ihr gefolgt war oder sie weiter von dem Tisch aus beobachtete.
Dann begann Darna, sich mit versonnenen Bewegungen die Haare zu kämmen, wobei sie mit leichtem Erschrecken feststellte, dass wohl die Pflegebedürftigkeit der letzten Tage dafür gesorgt hatte, dass sie wirklich mit einiger Hartnäckigkeit und Sorgfalt mehrere verklettete Stellen in ihrer Frisur entwirren musste. Ihr Gesicht verzog sich dabei, natürlich ohne dass sie einen Laut von sich gegeben hätte. Die Strähnen wurden zwischen die Finger der linken Hand genommen und dann beharrlich glattgekämmt.
Himmel, ich muss mich wirklich noch um mein Erscheinungsbild kümmern! Aber dazu bräuchte es zunächst ihr Zimmer. Beten nicht vergessen...

Fast hätte sie das kleine Mädchen darüber vergessen gehabt. Nachdenklich sah sie nach getaner Arbeit auf den Kamm und begann, ihr Wams wieder ordentlich zu ziehen, als ihr Blick dann doch suchend umher huschte.


Weitere Gäste bevölkerten etwas später noch den Schankraum und Darna versuchte, den Leidensmonolog der älteren Frau nach einigen Sätzen lieber auszublenden, als dem wirklich zuzuhören. Die Gespräche der Bauern erwiesen sich als auch nicht spannender und langsam begann eine gewisse Erschöpfung an ihr zu zerren. War sie wirklich erst seit heute wieder auf den Beinen gewesen? Es kam ihr plötzlich alles als zu viel vor und zeitlich kaum einsortierbar. Gerade, als sie Basil gegenüber leise eingestehen wollte, dass es ihr noch nicht wieder besonders gut ging, entdeckte sie Leon und revidierte ihre eigene Meinung. Im Gegensatz zu ihm musste sie noch in bester Verfassung sein!
„Mein Herr, ich hätte euch das Essen auch hinauf bringen lassen.“
„Ist schon in Ordnung, ein bisschen Bewegungen tun mir gut.“
„Der Braten dauert noch ein wenig, aber die Kekse sind gleich fertig. Meinem Mann geb ich immer Milch und Kekse, wenn er sich nicht gut fühlt.“
„Dann werde ich es ihm gleich tun und freue mich auf eine warme Milch und euer köstliches Gebäck.“
Die Wirtin lächelte verzückt und eilte davon. Leon ließ seinen Blick wieder sinken.
Darna betrachtete ihn still ein paar Momente nachdenklich und etwas mitleidig. Sie hatte davon gehört, dass Magie sehr kraftzehrend sein konnte, aber wenn sie bisher etwas in der Richtung gesehen hatte, hatten die jeweiligen Magier immer einen recht großen Bohei darum gemacht, der ihr eher geheuchelt vorkam und sie abgestoßen hatte.
Was Leon betraf, regte sich in ihr jedoch Mitleid. Nie im Traum wäre sie auf die Idee gekommen, ihn jetzt anzusprechen oder sich gar zu ihm an den Tisch setzen zu wollen. Wenn es ihr schlecht ging, wollte sie ihre Ruhe haben, und bei ihm ging sie von Ähnlichem aus. Hoffentlich nervt ihn das Gejammer dieser älteren Dame nicht. Unaufdringlich beobachtete sie ihn.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. September 2015, 11:18

Das Essen war ein Traum! Der Eintopf war würzig und doch leicht. Selbst das Fleisch war angenehm mager und Darnas Magen machte kleine Freudenhüpfer, als er die ersten Löffel bekam. Es war gut, dass sich die Knappin zum langsamen Essen ermahnte, denn das kleine Hüpfen im Magen könnte auch einen anderen Ursprung haben. Nach einem halben Teller gemütlichen vor sich hin speisen war aber klar, dass alles drin bleiben würde. Noch eine Nacht Ruhe und Danas Gesundheitszustand und Wohlbefinden wäre wieder ganz hergestellt, ganz im Gegensatz zu dem später auftauchenden Gast der Taverne zum Roseneck.

Doch erst einmal musste Darna einer ganz anderen Aufgabe sich stellen. Einer Aufgabe, mit der ihre Mutter eine ganzes Leben lang betraut gewesen war.
Beim Harax, du hast auch in diesem Alter angefangen, oder? Muss ja furchtbar... gewesen... sein... hrmpf.
Hatte sie eben geflucht? Ratlos sah sie zur Seite. Was sollte sie denn jetzt machen? Musste sie irgendwas machen?
Vorbildlich sein.
So kam ihr dann auch eine gute Idee. Danas Versuch das Mädchen zu sich zu locken war schnell von Erfolg gekrönt. Kaum hatte die Knappin sich in ihre Nische verzogen, krabbelte das Kind unter den Tischen ihr hinter her. Dabei konnte sie auch einen verstohlenen Blick auf das kleine Holzschwert richten, dass die kleine Elli auf ihrem Rücken trug und aus Ermangelung einer Scheide einfach in den hinteren Halsausschnitt ihres Kleidchens gesteckt hatte. Das Handstück war jedoch zwischen den verfilzten Locken bestens zu erkennen, als sie erst auf allen Vieren und dann bäuchlings unter einer Bank entlang kroch und sich so unaufhaltsam dem Versteck der Knappin näherte. Hinter einem Blumentopf bezog sie dann neue Beobachtungsposition, zog ihre Waffe und strich mit den Fingern darüber, als hielte sie einen Wetzstein. Basil, der das alles beobachtete, konnte sich nur mit einer vorgehaltener Hand gerade so das Lachen verkneifen. Als Darna dann begann ihr Haar zu kämmen, sah Elli ihr todernst dabei zu. Ihre großen Kinderaugen wurden noch größer und starrten die Knappin eine Weile ungläubig an. Es dauerte jedoch nicht lange bis die Neugierde über die Scheu siegte und das Kind einen weiteren Vorstoß wagte. Mutig zog sie sich zwischen den Stuhlbeinen hindurch, blieb dabei mit ihrem improvisierten Schwert hängen und zog das Möbelstück quietschend mit sich. Basil tat, als hätte er nicht gehört und schaute lieber zu den Bauern, während er sich auf die Unterlippe biss und die Augen zusammen presste. Elli machte sich los, schaute sich ängstlich um und huschte dann unter Danas Tisch, als sei nichts gewesen. Von dort unten beobachtet sie weiter ihr Vorbild und ahmte ihre Bewegungen nach. Das Ritter, oder jene die es werden wollten, sich tatsächlich mit „Mädchenkram“ abgaben war ihr wohl neu.

Währenddessen hatte Leon den Schankraum betreten und bald bekam er seine dampfende Milch mit einem kleinen Glas Honig und noch warme Kekse serviert. Seine Bewegungen waren langsam und wirkten unsagbar müde, als er den kleinen Holzlöffel in den Honig tunkte um ihn dann in die Milch zu führen. Von Danas mitleidigem Blick bekam er nichts mit, genauso wenig wie er von seiner Umgebung fast nichts mitbekam. Er sah nicht wirklich krank aus. Er hatte keine gerötete Nase oder so, er wirkte einfach nur so, als hätte man ihm einen großen Teil seiner Lebensenergie entzogen, bzw. als hätte er eben jenen Teil freiwillig weiter gegeben um einem kleinen Mädchen und seiner Familie eine glücklichere Zukunft zu schenken.

Irgendetwas zupfte an Danas Bein. Als sie unter den Tisch sah, schauten sie zwei riesige geweitete Jadeklunker an.
„Daf i au?“
Die ausgestreckte Hand des Mädchens wies ehrfürchtig auf den Kamm in ihrer Hand, während sie nervös auf ihrer Unterlippe kaute und einen Finger in die Nase gestopft hatte um kräftig darin zu bohren.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Sonntag 11. Oktober 2015, 22:29

Sehr zufrieden stellte die Knappin fest, dass ihr Magen nicht annähernd so schlimm zu reagieren schien, wie sie es befürchtet hatte. Der spätere Braten wäre also nicht verschwendet. ... Gut. Alles andere wäre bedauerlich gewesen.

Ein Holzschwert. Hätte ich es nicht gleich ahnen können? Das Rätsel, was das kleine Mädchen hinter dem Rücken versteckt hielt, löste sich auf banale Weise. Aber warum versteckt sie es? Der Versuch, sich "anzuschleichen", wurde mit skeptisch gefurchter Stirn mitverfolgt, aber sie war wenigstens nicht so unhöflich, die plumpen Versuche des Kindes mit zu offensichtlicher Aufmerksamkeit desillusionierend zu entlarven.
Ihr simpler Plan funktionierte tatsächlich. Sie sah mit dem Kamm in der Hand an sich herunter, als an ihrem Bein gezupft wurde. "Daf i au? Das ist ja fast zu einfach. Sie wollte schon zustimmen, als sie in Gedanken bereits Popel an ihrem Kamm kleben sah.
"Nur, wenn du den Finger aus der Nase nimmst. - Das macht man nicht." Hoffentlich klang das nicht zu angewidert.
Eigentlich wollte sie Elli den Kamm ja geben. Ihr sogar Hilfe anbieten, sollte das Mädchen wie erwartet mit dem Kämmen überfordert sein...

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 14. Oktober 2015, 09:44

"Nur, wenn du den Finger aus der Nase nimmst. - Das macht man nicht."
Elli bekam große Augen, zog noch einmal die Nase hoch und nickte, dass sie verstanden hatte. Eilig wurde der Finger samt Popel in den Mund gesteckt und gründlich ausgelutscht. Danach wurden die Finger noch an der sandigen Schürze, bzw. dem Wappenrock, abgewischt und erst dann dem Kamm ungeduldig entgegen gestreckt. Die kleinen Finger wedelten in der Luft, bis sie das Instrument zu greifen bekamen. Dann wurde das gute Stück ausgiebig gewendet und gedreht, auch einmal kurz in den Mund genommen und wohl für gut befunden. Mit leicht fragendem Blick, so als wenn sie von Darna bestätigt wissen wollte, ob sie es richtig machte, begann dann das Mädchen mit der glatten Seite des Kamms über ihre verfilzten Haare zu fahren.
„...ut so? I etzt Itter?“
Nein, vom Haare kämmen wurde man nicht zum Ritter, selbst wenn ein gepflegtes, vor allem vorbildliches Äußeres tatsächlich gefordert wurde. Es wäre aber vor allem ein Anfang aus dem völlig verwilderten kleinem Ungeheuer ein Mädchen zu machen, was vielleicht dadurch ein leichteres Leben haben könnte. Was aber jetzt schon in den großen Augen des Kindes zu lesen stand, war die große Ehrerbietung, die sie Rittern gegenüber hatte. Elli war Danas größte Bewunderin und würde sicher einiges tun um ihr zu gefallen, bzw. um später einmal Ritter zu werden!
Sah Darna einmal auf, so konnte sie im Türspalt zur Küche eine Mutter sehen, die den Tränen nahe war. Sie wagte nicht heraus zu kommen und hatte nur den Kopf durch den Spalt gesteckt um wahrscheinlich nach ihrer Tochter zu sehen. Was sie jetzt sah, ließ sie jedoch stahlen. Ihr wildes Kind bemühte sich ganz selbstverständlich und selbstständig ordentlich wie ein Ritter auszusehen. Die Wirtin hatte ihre Fäuste auf ihr Herz gepresst und blinzelte in einem fort. Traf sich kurz der Blick mit Darna, nickte sie nur bestätigend und zog sich dann zurück um das kleine Glück nicht zu stören. Anscheinend war das alles ein wenig zu viel für die gute Frau.
Erst hatte ein Lichtmagier ihre Tochter geheilt und jetzt kam auch noch eine Knappin daher und brachte ihrem Kind Manieren bei? Konnte es für eine verzweifelte Mutter einen schöneren Tag geben?

Durch das Gebaren der Wirtin aufmerksam geworden wandte Leon nun auch einmal den Kopf in die Ecke wo Darna saß. In seinem müden Gesicht hoben sich erkennend die Brauen und er nickte ihr grüßend zu. Dann fiel sein Blick auf das Kind unter dem Tisch und seine Mundwinkel hoben sich ein kleines Stück. Gerade in diesem Augenblick kam die Wirtin aus der Küche und brachte seine warme Milch und Kekse. Als sie bei ihm am Tisch stand, sprach er etwas leise zu ihr und sie grinste darauf breit. Ihr Kurs änderte sich und sie kam an Danas Tisch, stellte die Milch und den Teller ab und meinte:
„Falls ihr meine Tochter seht, schickt sie bitte zu mir. Sie soll mir noch beim Abwasch helfen.“
Dabei sandte sie jedoch eine ganz andere Botschaft mit ihren Händen und Gesten. Sie schüttelte während sie sprach mit dem Kopf,wies mit einer Hand unter den Tisch und machte mit der anderen Hand eine dankende Geste. Dann drehte sie sich schnell um um von Weißenfels aus dem Weg zu gehen und eilte zurück in die Küche. Unter der Tischplatte erklang ein leises und sehr missmutiges:
„Wi ni abwa!“
Leon hatte sich erhoben und war der Köchin gefolgt. Nun stand er vor dem Tisch und fragte höflich:
„Darf ich mich setzen?“
Von unten erklang ein lauteres und etwas lang gezogenes:
„Leeeooo!“
und plötzlich ging ein Ruck durch den jungen Mann. Er schwankte kurz, fing sich aber. Dann sah er verwundert an sich herunter und hatte ein Kind am Bein. Ohne eine Antwort abwarten zu können, musste er sich setzen, da er sonst drohte umzufallen.
„Verzeiht, ich darf doch ...“
Er verlagerte sein Gewicht und hielt sein Bein so, dass die Kleine nirgends gegen stoßen konnte. Vorsichtig schob er sich auf die Bank und atmete einmal hörbar aus. Dann beugte er sich unter den Tisch und sagte:
„Grüße, Elli. Wie geht es dir?“
„...üße! Uuut! Da gug!“

Sie reichte ihm den Kamm.
„Oh! Wunderschön!“
„Wi Itter erden!“
„Das ist ein lobenswertes Ziel! Hat dir die ...“

Er sah kurz zu ihr auf und lächelte:
„... edle Knappin Darna schon gezeigt, wie …“
„Nappin ?“
„Ja Knappin. Sie will einmal Ritter werden, so wie du. Man muss Knappe werden, bevor man Ritter werden kann. Hat sie dir schon gezeigt, wie man einen Kamm benutzt?“

Man hörte Rascheln unter der Tischplatte, dann kam Elli auf Danas Seite hervor und reichte ihr ihren Kamm, als sei es ein Schwert.
„Nappin Dana?“
, fragte sie und wollte anscheinend gekämmt werden. Leon lächelte und sein Gesicht ähnelte plötzlich jemandem aus Danas Vergangenheit. So hatte ihr Vater sie immer angesehen, wenn er stolz auf sie war. So wie dieses Kind hatte sie immer von größeren Dingen geträumt, als nur einen guten Mann zu bekommen oder wie man am besten einen Kreuzstich stickt. Ihr Vater hatte sie in diesen immer Dingen unterstützt.
„Knappin Darna, wärt ihr so freundlich diesem Kind die Werte der Ritterschaft näher zu bringen?“
Es klang nach der Frage die das Kind wohl gerne gestellt hätte, wenn es schon besser sprechen könnte, aber Leon hatte sie formuliert und Elli nickte fleißig. Da das Mädchen ganz auf sie fixiert war konnte er noch etwas leiser zwischen ein paar Schlucken warmer Milch etwas hinzufügen:
„Ihr habt es sicher von der Mutter schon vernommen.... Ich konnte nur ihren Körper heilen … Vielleicht vermögt ihr es ihren Geist zu lenken.“
Seine grauen Iriden schimmerten unter den sternförmigen Wimpern silbern und auch wenn er sehr müde wirkte, war da doch eine innere Ruhe und Stärke, die man unmöglich übersehen konnte.
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Darna von Eibenau
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 15. Oktober 2015, 18:07

Die kleinen Finger wedelten in der Luft, bis sie das Instrument zu greifen bekamen. Dann wurde das gute Stück ausgiebig gewendet und gedreht, auch einmal kurz in den Mund genommen und wohl für gut befunden. Tu's nicht!, flüsterte es in ihren Gedanken einem verzweifelten Ruf ähnelnd, als das Geschehen erst ein seltsames Befremden in ihr auslöste und sich dann die Lippen der Knappin schon öffneten, um Elli auch irgendwie auszureden, den Kamm in den Mund zu stecken. Das ist für kleine Kinder normal, oder?, dachte sie hin und her gerissen. Wie alt mochte das Mädchen nur sein? Darnas Erziehung widerstrebte diesem ganzen "patschigen" Benehmen, gleichzeitig hielt sie irgend etwas, was sie selber nicht so genau benennen konnte, mühsam davon ab, zu streng zu werden. Sie wollte die Kleine nicht verschrecken.
Mit leicht fragendem Blick, so als wenn sie von Darna bestätigt wissen wollte, ob sie es richtig machte, begann dann das Mädchen mit der glatten Seite des Kamms über ihre verfilzten Haare zu fahren.
„...ut so? I etzt Itter?“

Durchatmen!
"Nicht ganz...", sagte sie gezwungen behutsam und versuchte, den Kamm in Ellis Hand zu drehen, dass die Zinken an die Haare kamen. Götter, waren die verfilzt! Leichter wäre, die abzuschneiden..., kam die nächste Sorge. Was eigentlich eine Schande wäre. Ob das wohl noch zu retten war?

Frau Bromer stand in der Tür und schien den Tränen nah, als Darna sie in einem flüchtigen Moment entdeckte. Ob sie auch befürchtet, dass wir die abschneiden müssen? Mütter waren sentimental... Außerdem kannte Darna das, wenn die adligen Fräulein beim deutlichen Kürzen ihrer Haare heulten wie die Schloßhunde. Vermutlich weint sie jetzt schon um die schönen Haare, dachte Darna in einer Mischung aus ein wenig beipflichtendem Mitleid und viel pragmatischem Unverständnis. Frau Bromer nickte ihr zu und zog sich unauffällig zurück. Holt sie jetzt die Schere?

Leon wurde auf die Szenerie aufmerksam und nickte ihr grüßend zu. Darna erwiderte die Geste, während sie einen Haarknoten nach dem anderen entdeckte. Im ersten Moment dachte die Knappin irritiert, sie bekämen nun ebenfalls Milch und Kekse, ehe sie realisierte, dass das Leons Portion sein musste. "Falls ihr meine Tochter seht, schickt sie bitte zu mir. Sie soll mir noch beim Abwasch helfen." Die ist doch hier..? Der linke Zeigefinger wies angefangen bereits in die Richtung des Kindes, als die Mutter deutlich den Kopf schüttelte und mit den Händen herumwedelte. Ähhhhh...
Darna von Eibenau schien wieder schwer von Begriff zu sein.
Sie weiß, dass Elli unter dem Tisch hockt. Analyse eins.
Also lügt sie irgendwie gerade. Analyse zwei. Inneres Seufzen; und noch aufmerksameres Beobachten. Sie ist froh, dass sie da gerade unter dem Tisch hockt? ... Warum?? Frau Bromer eilte zurück in die Küche. Sie will heimlich die Schere holen. Elli soll das nicht mitbekommen. Ein erster Erklärungsversuch, auf den leises Entsetzen folgte: Muss ICH ihr etwa die Haare abschneiden?! Das wäre fies!
"Wi ni abwa!"
Und ich will dir nicht die Haare schneiden! Die Knappin befürchtete ein riesiges Gezeter. Und danach wäre sie die Böse. Mrrmpfhgr!
"Darf ich mich setzen?", fragte Leon und Darnas Mimik signalisierte nur nebenher ihre Zustimmung, während sie abgelenkt immernoch Lisbeth hinterher schaute und Basil die Hauptverantwortung über die Tischgesellschaft überließ.

Aber dann forderte das Geschehen doch zur Gänze Darnas Aufmerksamkeit. Ihre Hand zuckte vor, um Leon vor einem Sturz zu bewahren, was bei dem Abstand aber wohl weder gelungen wäre, noch zum Glück wirklich nötig war.
Still und noch etwas neben sich stehend beobachtete sie den Wortwechsel.
"Oh! Wunderschön! Naja...
"Wi Itter erden! Inneres Seufzen. Sie lauschte dem weiteren Gespräch und war einmal mehr etwas überrascht und doch erleichtert, wie viel das Mädchen schon verstand. Man konnte sich halbwegs normal mit ihr unterhalten, auch wenn die Kleine noch merklich Mühe mit dem Sprechen hatte.
Man hörte Rascheln unter der Tischplatte, dann kam Elli auf Darnas Seite hervor und reichte ihr ihren Kamm, als sei es ein Schwert.
„Nappin Dana?“, fragte sie und wollte anscheinend gekämmt werden.

Das war einerseits, was die Knappin ja hatte erreichen wollen, andererseits schwante ihr inzwischen, nachdem sie einen näheren Blick auf die Haare hatte werfen können, dass das keine leichte Aufgabe werden würde. Sie fing Leons Blick auf... und hielt unwillkürlich den Atem an.

Und wenn sie sie fünf Stunden kämmen würde! Es schien, so wie Leon sie ansah, eine Meisterleistung gewesen zu sein, dieses Kind dazu zu bringen, sich die Haare kämmen lassen zu wollen, auch wenn Darna noch nicht ganz verstand, was hier insgesamt eigentlich los war.
"Knappin Darna, wärt ihr so freundlich diesem Kind die Werte der Ritterschaft näher zu bringen?" Uhmm... uff. Wir sind doch aber bloß einen Abend hier? Oder ging es jetzt erstmal mehr oder weniger nur um das Kämmen? Sie hatte das vage Gefühl, hier irgend etwas gerade nicht mitbekommen zu haben. Warum reagierten alle so merkwürdig?
Leon lieferte so etwas wie eine Antwort: "Ihr habt es sicher von der Mutter schon vernommen.... Ich konnte nur ihren Körper heilen … Vielleicht vermögt ihr es ihren Geist zu lenken."
Nur ihren Körper zu heilen? Was sollte mit Ellis Geist denn los sein? Frau Bromer hatte doch erzählt, die Kleine sei auch vorher ganz lieb gewesen, nur 'etwas scheu' - wer wollte es dem Mädchen bei ihrem vorigen Aussehen denn auch verdenken?
Wie soll sie denn auch sonst reagieren, wenn alle sie immer bloß entsetzt oder seltsam angucken... Eine gedankliche Tür, die sich für eine gewisse Selbsterkenntnis einen Spalt weit öffnen wollte, wurde von ihrem Unterbewusstsein rasch und entschlossen wieder zu gedrückt. Für einen Moment verlor sie sich in diesen wunderschönen grauen Augen.
Du bist nicht zwanzig Jahre alt... oder was auch immer.
Kein Mensch in diesem Alter schaut so innerlich gelassen. So schauen Priester. Oder gestandene Krieger. Vater schaute so.
Ich weiß nicht, wer du bist.
Aber du bist seltsam.

Ein veträumtes Wispern irgendwo in ihrem Hinterkopf gelangte in völliger Gelassenheit zu dieser Meinung, und es gab auch keinen Grund für Argwohn. Nur Gründe für mehrere Fragezeichen.
Ob diese Augen ihr Antworten liefern konnten? Ihre Mimik entspannte sich ungemein, während sie ihn ansah. Etwas in ihren Augen begann, das Strahlen erwidern zu wollen, als eine Art kalte Übelkeit und Unbehagen sie schleichend und doch zügig in das Hier und Jetzt zurück holte. Ich starre ihn viel zu lange an. Völlig unhöflich, meine Güte! Was sollen die Leute noch denken. Sie blinzelte, räusperte sich kaum merklich und schaute ernüchtert zu Elli herunter, die immernoch den Kamm hielt. Oh, so lange kann das nicht gedauert haben?

Ihr Blick wurde wieder wacher, aufmerksamer, auch wenn eine gewisse Milde darin zurückblieb, als sie vor Elli in die Hocke ging und die Hand für den Kamm auf hielt.
"Wollen wir dich richtig fein machen, Elli? So richtig ansehnlich, wie einen Ritter in Rüstung?"
Es klang nach einer spannenden Queste, und sie warnte Elli auch gutmütig mit erhobenem Finger: "Das wird aber dauern und du musst ganz tapfer sein!"
Gleichzeitig betete sie, dass sie ihr die Haare wirklich retten konnte...

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 15. Oktober 2015, 19:26

Für einen Moment verlor sie sich in diesen wunderschönen grauen Augen. Ein verträumtes Wispern irgendwo in ihrem Hinterkopf flüsterte in völliger Gelassenheit in ihren Gedanken und es gab auch keinen Grund für Argwohn. Nur Gründe für mehrere Fragezeichen.
Ob diese Augen ihr Antworten liefern konnten? Darnas Mimik entspannte sich ungemein, während sie ihn ansah. Etwas in ihren Augen begann, das Strahlen erwidern zu wollen, als eine Art kalte Übelkeit und Unbehagen sie schleichend und doch zügig in das Hier und Jetzt zurück holte.
Ich starre ihn viel zu lange an. Völlig unhöflich, meine Güte! Was sollen die Leute noch denken.
Sie blinzelte, räusperte sich kaum merklich und schaute ernüchtert zu Elli herunter, die immernoch den Kamm hielt.
Oh, so lange kann das nicht gedauert haben?
Ihr Blick wurde wieder wacher, aufmerksamer, auch wenn eine gewisse Milde darin zurückblieb, als sie vor Elli in die Hocke ging und die Hand für den Kamm auf hielt. Somit konnte sie Leons Gesichtsausdruck nicht sehen und sich auch besser auf das Kind konzentrieren.
"Wollen wir dich richtig fein machen, Elli? So richtig ansehnlich, wie einen Ritter in Rüstung?"
Es klang nach einer spannenden Queste, und sie warnte Elli auch gutmütig mit erhobenem Finger:
"Das wird aber dauern und du musst ganz tapfer sein!"
Gleichzeitig betete sie, dass sie ihr die Haare wirklich retten konnte.
„JAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!“
Die Antwort war vorhersehbar gewesen, weniger jedoch die heftige Reaktion! Das Kind riss die Arme in freudiger Geste auseinander, rannte an Darna vorbei, sprang mit einer Hecht-rolle unter einen anderen Tisch, zog sich dahinter einen Stuhl hinauf, kletterte auf den Tisch und rief von ihrer erhöhten Position durch den Schankraum:
„JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!! Iiii wede ITTER!!!“
Dabei tapste sie an den Rand der Tischplatte und streckte die Arme nach Darna aus, die sie wohl auffangen sollte! Sie beschleunigte sogar noch ein wenig, als die junge Knappin schon ein Unglück nahen sah und sprang ab um in ihren Armen zu landen. Da wurde sie sofort ganz sanft und weich und schmiegte sich an Danas Armbeuge.
„I wede apfer ein!“
, versprach sie feierlich und strahlte wie eine kleine Sonne. Dann sprang sie auch schon wieder runter und griff nach Danas Hand.
„Omm! I eige immer!“
Manchmal war sie schwer zu verstehen, aber dass Darna mitkommen sollte, war offensichtlich.
„Omm, omm!“
Die winzige Hand zerrte an Danas Fingern. Basil lachte leise und meinte:
„Das ist dein Abenteuer. Ich misch mich da nicht ein.“
Auch der Rest der Anwesenden lächelte den beiden hinterher.

Darna wurde Flur zwischen der Küche und dem Lager entlang gezogen. Lisbeth hatte kurz ihren Kopf heraus gestreckt und geflüstert:
„Wenn ihr was braucht, ich bring es gern. Ruft nur danach, ich hör es schon.“
Dann ging es auch schon um die Ecke in ein Wohnzimmer, wo wohl die Familie in ihrer wenigen Freizeit zusammen kam. Alles war sehr einfach eingerichtet, aber mit vielen floralen Mustern und Ranken verziert, so dass es anheimelnd und doch irgendwie wild wirkte. Ein Tisch mit sechs Stühlen, ein Schrank, ein Sessel vor einem offenen grob behauenen Kamin, Strickzeug und Nähkorb, ein Spinnrad standen offen herum, aber Elli führte Darna hinter einen mit Efeu-blättern bestickten Vorhang. Dort stand ein Waschzuber aufrecht seitlich an der Wand und vier Betten standen in Reih und Glied mit Truhen davor. Elli sprang auf das am Fenster und begann darauf herum zu hüpfen. Zum Glück war sie noch so leicht, dass es dem Mobiliar nichts ausmachte.
„Da mei! Nappin Dana, ih mi etzt fei mach?“
Eine Schere fand sich im Notfall sicher im Nähkasten und neben dem Waschzuber stand ein kleines Regal voller Utensilien, wie einem kleinen Stück grober Seife, einem Fläschchen Öl, Handtücher, Bänder, vermutlich von der größeren Schwester und ganz oben die Rasiermesser der Männer im Haus. Jetzt musste Darna das Kind nur noch so weit beruhigen, dass es auch still hielt.
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