In Serna

Es liegt weiter südlich der Stadt. Hier hausen die Fischer, sowie die Seefahrer, denn dieses Dorf besitzt einen verhältnismäßig großen Hafen.
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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Freitag 27. August 2010, 19:19

Als sie aus dem Zelt traten, stand Dorcha gleich neben Bol. Sie schienen sich ein Blickduell zu liefern. Der Ork verschränkte fast schon trotzig die Arme vor der Brust. Der Dunkelelf hatte eine provozierenden Miene drauf.
“ benimmt euch, Kinder!” reagierte Silvarius gelangweilt auf die beiden.

Erhobenen Kopfes schritt er dann wieder von ihnen weg. Doch nicht irgendwo hin, sondern zum Zelt, wo Arelia verschwunden war.
“ der hält sich wirklich für was besseres”, zischte Dorcha. Er spielte auffällig mit seinem Dolch herum.
Silvarius blieb kurz stehen, sah sich nochmals um, Dorcha spannte sich an.
Als Silvarius im Zelt verschwand, lockerte er sich Dorcha wieder.
“ nun, er scheint es aber zu dürfen”, warf Rin ein.
Ein Blick, der einem das Blut in den Adern gefrieren ließ, sprang ihr entgegen. Sie wendete sich jedoch nicht ab, erwiderte den Blick nur.
“LAß Sie!” knurrte Bol.
“Bleib bei deiner Feuerstelle, Ork…ich mag ihn nicht besonders, dass stimmt. Jetzt kommt!…Asgar, willst du dich verstecken?”

Lachte Dorcha und legte dabei seinen Arm um Asgars Schultern. Die Kapuze zog er etwas zurück und blickte ihn an.
“ das hasst du nicht nötig. Wir kennen dich doch! Oder willst du dich aus allem raushalten? Ich erzähl dir was, Asgar, Orks sind bestimmt das Dümmste Volk was es gibt… sie sind wie Tiere. Sie gehorchen, wenn sie wissen, wer intelligenter als sie ist. Nicht wahr? Genau diese Einstellung wirst du hier noch lernen.”
Bol sagte nichts. Doch in seinen Augen konnte man deutlich Wut sehen. Ein Zucken war in seinen Muskeln zu sehen.
Dorcha grinste schäbig auf, ignorierte den erzürnten Ausdruck Bols. Dieser war kurz davor den Dunkelelfen eine gehörige Schelle zu verpassen. Die Fäuste schon erhoben, ließ er sie dann ohne sichtlichen Grund wieder sinken.

“ Mir sind andere Völker bekannt, die wesentlich dümmer sind und alles unterschätzen” stieß es aus Rin hervor.
Nun war es an Bol sein Gesicht zu einer kurzen Grinsen zu verziehen. Nur kurz.

Noch bevor Dorcha zu einer Antwort ausholen konnte, schallte deutlich eine Frauenstimme über das Lager.
“Dorcha!… Luzien wartet nicht gerne!… Beweg deinen faulen Arsch mit den neuen hierher! Sofort!”
Mehrere Leute im Lager zuckten bei der lauten Stimme zusammen. Ebenso auch Dorcha.
Es waren hier wohl viele ziemlich ungeduldig.
Dorcha bleckte kurz die Zähne und schob dann Asgar voran. Rin warf er einen finsteren Blick zu.

“ lauft selber, haltet euch rechts, dann kommt ihr genau auf Luzien zu… ich laufe direkt hinter euch. Keine Sorge, ich mache schon nichts” irgendwie erweckte die Stimme kein Vertrauen..
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Re: In Serna

Beitrag von Asgar » Samstag 28. August 2010, 00:44

Draußen angekommen bemerkten die beiden, wie sich der Ork Bol und Dorcha gegenseitig angifteten. Was ist den hier los? Gibt es schon wieder einen Streit, in dem Essen vorkommt? Doch Silvarius beendete das sofort, was Dorcha mehr als missfiel.
“Der hält sich wirklich für was besseres”, zischte der Dunkelelf Silvarius hinterher, der sich nochmals umdrehte. Sofort wurde er still. Immer diese Machtkämpfe… Über solches Verhalten könnte Asgar jetzt verwundert den Kopf schütteln, doch er beherrschte sich. Sie waren immer noch nicht außer Gefahr.

“Nun, er scheint es aber zu dürfen”, bemerkte Rin mit einem raschen Einwurf. Dorcha sah sie mit einem Blick an, der töten könnte, doch sie wandte nicht einmal den Kopf ab. Mach jetzt bitte nichts Falsches! Er hoffte inständig, dass sie nachgab, denn sonst würde es wirklich gefährlich für sie beide werden.
“LAß Sie!”, mischte sich der Ork nun wieder ein. Wie bitte? Asgar war über die Reaktion des Orks verwundert. Unterstützung hätte er von ihm am wenigsten erwartet.

“Bleib bei deiner Feuerstelle, Ork“, maßregelte er Bol. „…ich mag ihn nicht besonders, dass stimmt. Jetzt kommt!…Asgar, willst du dich verstecken?” Asgar sah auf. „Hm…Nein eigentlich nicht. Verzeih, eine dumme alte Angewohnheit“, meinte er mit einem leichten Grinsen. Als der Dunkelelf auch noch seinen Arm auf seine Schulter legte, durchfuhr Asgar ein Schauer. Irgendwas hatte Dorcha vor, nur was es war, konnte er im Moment noch nicht sagen.
“Das hast du nicht nötig. Wir kennen dich doch! Oder willst du dich aus allem raushalten?“ Seit wann kennt ihr mich so gut? Skepsis stieg in dem Nachtelfen auf. Laut sagte er aber: „Solange es mich nicht selbst oder andere mir nahe stehenden Personen betrifft, mische ich mich nicht ein“.
„Ich erzähl dir was, Asgar, Orks sind bestimmt das Dümmste Volk was es gibt… sie sind wie Tiere. Sie gehorchen, wenn sie wissen, wer intelligenter als sie ist. Nicht wahr? Genau diese Einstellung wirst du hier noch lernen.”

„Hm. Da kenne ich mich nicht so aus“, antwortete der Nachtelf.
Asgar hatte nicht wirklich viel mit Orks zu schaffen gehabt, doch irgendwo waren Dorchas Worte mehr als wahr. Er hatte ein paar Geschichten über Orks gehört: viel Muskeln, das bei ihnen zum Großteil das Gehirn ersetzten. Sie waren leicht zu manipulieren und gefügig zu machen. Auch Bols Wut entging ihm nicht. Auch die drohend erhobenen Fäuste zeugten von unberechenbarer Wildheit. Immer diese Gewalt. Das sich die Orks nicht gegenseitig ausgelöscht haben, grenzt an ein Wunder!

“Mir sind andere Völker bekannt, die wesentlich dümmer sind und alles unterschätzen”, sagte Rin. Asgar glaubte sogar, dass sie die Dunkelelfen gemeint haben könnte, doch sicher war er sich dabei nicht. Bol jedoch grinste kurz, verfiel dann aber wieder in seine alte Mimik zurück.

Der Dunkelelf wollte gerade zu einer konternden Antwort ansetzen, als auch schon ein erneuter Ruf ertönte: “Dorcha!… Luzien wartet nicht gerne!… Beweg deinen faulen Arsch mit den neuen hierher! Sofort!” Junge, junge hier scheinen aber viele Leute sehr ungeduldig zu sein. In der Ruhe liegt die Kraft! Es war ihm ein Gräuel, wenn immer alles flott und schnell gehen musste. Asgar ging lieber behutsam vor. Würde man bei einem Einbruch zu schnell machen, würde der Dietrich abbrechen und man könnte den Bruch vergessen. Eile ist kein guter Ratgeber. Es bringt einen nur in Schwierigkeiten.

Dann schob ihn Dorcha auch schon vorwärts, nicht ohne Rin einen vernichtenden Blick zuzuwerfen. Anscheinend konnten sie sich nicht leiden. “Lauft selber, haltet euch rechts, dann kommt ihr genau auf Luzien zu… ich laufe direkt hinter euch. Keine Sorge, ich mache schon nichts” Wenn der Dunkelelf dachte, er würde Vertrauen in beiden erwecken, war das ein tiefer Griff ins Leere. Er hat irgendetwas vor. Ich weiß langsam nicht mehr, wem man hier überhaupt noch trauen kann.

Aber sie fügten sich und gingen weiter. Er konnte Blicke in seinem Rücken spüren, doch er versuchte sie eisern zu ignorieren. Bald würden sie diesen Luzien treffen und vielleicht ein paar Informationen bekommen, die wenigstens zu etwas taugten.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Dienstag 31. August 2010, 21:15

Sie wurden nach rechts gedrängt. Vorbei an den meisten der Zelten und kleinen Lagern. Sie konnten da die anderen sehen. Sie saßen teils gemütlich beisammen. Mal waren sie noch am speisen, übten, schliefen oder sie erzählten sich Geschichten. Die drei wurden nur hin und wieder mit den Blicken gestriffen. Und wenn sie ihnen einen Blick mal länger zuwarfen, so senkten sie ihn sofort, als sie Dorcha zu Gesicht bekamen.
Vertreten war hier fast jedes Volk und es hatte eine gesellige Atmosphäre. Es hatten sich sogar einige zusammen gefunden, die Schießübungen mit Dolchen auf eine Zielscheibe machten.
Da konnte man es spüren.
Eisig wie der Griff des Todes und doch irgendwie anders. Sie konnten jemand sehen, der immer perfekt ins Ziel traf.
Sein Haar war feuerrot, das Gesicht recht jung. Spitze Ohren und doch weder Mensch noch Elf. Ein Fuchshybride.
Leichte Lachfältchen waren an seinen Augen zu sehen, doch sahen jetzt sie leer. Atmete er überhaupt?
Nur seine Wurfhand schien sich zu bewegen, sonst stand er vollkommen still. Er schien nicht einmal zu zielen. Er traf jedoch immer ins Schwarze.
„ das werdet ihr auch bald beherrschen…vielleicht auch besser“ hörten sie Dorcha hinter sich sagen.
Rin schloss zu Asgar auf.
„dir ist klar, dass das wohl einer von denen ist, oder? Ich meine so einer…du weißt schon..hmm?“

Nicht weit von diesem jungen Mann stand ein anderer Herr. Sein Haar war weißblond. Es war eindeutig ein menschlicher Magier. Er trug dunkle Kleidung, was seine eisigen Augen noch betonte. In seiner Hand hielt er einen Gegenstand. Wenn man genauer hinschaute, konnte man sehen, dass er eine Kugel hielt- Sie war milchig weiß.
Leise Worte wurden zu ihnen rüber getragen.
„…treffe das Ziel…jetzt“
Der Hybrid warf wieder einen Dolch. Wieder mitten ins Schwarze.
Die Frau in Weiß war ebenfalls anwesend. Die Hände in die Hüfte gestemmt, wirkte sie eher wie eine Domina. Ihr Ausdruck sprach davon, dass sie keinen Widerspruch duldete. Sie hatte wohl gerufen. Von Silvarius war nichts zu sehen. Jedoch jemand anders.
Felton stand nicht weit, von diesem Magier entfernt und tippte ihn jetzt auf die Schulter. „sie sind da.“
Alle Blicke richtete sich nun auf Asgar und Rin. Alle? Nein, der eine nicht. Er starrte geradeaus.
„ Ah! Wunderbar!...Dydra, bring unseren jungen Freund zum ausruhen ins Zelt…sei doch bitte so lieb.“ Sprach der Weißhaarige. Er lächelte die beiden Neuankömmlinge an. „ verzeiht, dass ich mich bis jetzt so rar gemacht habe. Ihr habt uns immerhin einen guten Dienst erwiesen. Ich bin Luzien. …Dorcha, du kannst gehen, sie sind gut hier angekommen.“
Wieder lächelte er.
Asgar konnte sehen, dass sich Rin anspannte noch etwas hinter Dorcha hinterher rufen wollte. Man sah es ihr förmlich an. Doch tatsächlich behielt sie es zurück. Vielleicht lag es aber auch am Blick, den ihr Dorcha zuwarf. Eine eindeutige Morddrohung war zu verstehen.
„ Verzeiht junge Dame, doch ihr scheint nicht besonders auf Dorcha klarzukommen. Man muss ihn erst kennen lernen.… und mit der Zeit, kennt man dann jeden gut genug. Doch so was braucht seine Zeit….erstmal ein Willkommen von mir aus…ich hoffe, das Gefängnis war nicht zu hart, Asgar?“ Er deutete den Beiden sich zu setzen. Am Boden waren mehrere Decken und Felle ausgebreitet worden, wo sich man gemütlich machen konnte. Rin ließ sich in eins der Felle plumpsen..
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Re: In Serna

Beitrag von Asgar » Dienstag 31. August 2010, 22:16

Als sie immer weiter gingen, vorbei an kleineren Lagern, bemerkte Asgar, wie sie immer wieder von Blicken getroffen wurden, die jedoch aufhörten, als sie Dorcha erblickten. Er musste hier wirklich eine menge zu melden haben, wenn man solch einen Respekt hatte. Vielleicht gehörte zu der Führungsriege.

Auch kamen sie an einem Übungsplatz vorbei, wo einige Messerwerfen übten. Oder sie hielten einen Wettstreit ab. Nur eine Sache war komisch: einer der Kerle traf immer wieder direkt ins Schwarze. Wie macht er das? Bis er sah, dass dieser junge Kerl einen seltsamen leeren Ausdruck in den Augen hatte. Sieht man so aus, wenn man seine Seele verloren hat? Die Tatsache, dass es sich bei diesem Individuum um einen Seelenlosen handelte, war unleugbar. „Das werdet ihr auch bald beherrschen…vielleicht auch besser“, sagte Dorcha hinter ihnen, so ganz beiläufig. Asgar musste unfreiwillig schlucken. Wie beruhigend. Ich habe aber nicht vor, zum Mörder zu werden, oder andere Gräueltaten zu verüben.

Aber wenn er richtig überlegte, hatte er doch ziemlichen Bammel. Vor allem was Aralia passiert war. Er hatte nicht vor so zu enden. Auf jeden Fall steckten sie ziemlich in der Tinte.
Auch Rin machte ihn nochmals darauf aufmerksam. „Dir ist klar, dass das wohl einer von denen ist, oder? Ich meine so einer…du weißt schon..hmm?“ Anstatt zu antworten, nickte er nur mit dem Kopf. Natürlich hatte er geahnt, dass Dorcha ebenfalls in diese Sache mit verwickelt war. Er wusste nur nicht, wie tief.

Ihm hatte der Anblick dieses bemitleidenswerten Geschöpfes die Sprache verschlagen, nach allen Regeln der Kunst. Und auch die Wörter, die zwar nur leise, aber dennoch verständlich zu ihnen beiden herüber getragen wurden, ließen keinen anderen Schluss zu. Scheiße! Direkt in die Hände von Wahnsinnigen Seelenverkäufern!
Ihn überraschte es nicht wirklich, dass diese Frau in Weiß auch anwesend war. Offenbar auch jemand, der hier gewissen Einfluss hatte. Und noch ein alter Bekannter stand dabei, Felton, auch er beobachtete den Seelenlosen beim Training.
Als er jedoch sie beide sah, tippte er auch schon den Magier, ja ein Magier war es, auch schon an und sagte etwas zu ihm. Sodann wurden sie von den meisten Anwesenden angestarrt. Außer von diesem Kerl, der einfach weiter seine Messer warf.

„Ah! Wunderbar!...Dydra, bring unseren jungen Freund zum ausruhen ins Zelt…sei doch bitte so lieb“, sagte der Mann zu der Frau. Offenbar war der Seelenlose gemeint, der ja sehr jung aussah. Alles andere hätte Asgar überrascht. Er selbst war auch nicht mehr der allerjüngste. Mit 92 Jahren galt man nicht mehr als junger Nachtelf, aber auch nicht als steinalt. Zu seinem Glück hatte sein Charisma nicht gelitten, weder durch den Kerkeraufenthalt, noch durch irgendetwas anderes.

Der Mann stellte sich vor: „Verzeiht, dass ich mich bis jetzt so rar gemacht habe. Ihr habt uns immerhin einen guten Dienst erwiesen. Ich bin Luzien. …Dorcha, du kannst gehen, sie sind gut hier angekommen.“ Asgar erkannte, wie Rin noch zu etwas ansetzen wollte, als Dorcha davon ging. Dem Anschein nach eher etwas unfreundliches, doch zu ihrer beider Glück hielt sie sich zurück. Puh! Das hätte uns in Teufelsküche gebracht.
„Verzeiht junge Dame, doch ihr scheint nicht besonders auf Dorcha klarzukommen. Man muss ihn erst kennen lernen.… und mit der Zeit, kennt man dann jeden gut genug. Doch so was braucht seine Zeit“, tadelte er Rin. „….erstmal ein Willkommen von mir aus…ich hoffe, das Gefängnis war nicht zu hart, Asgar?“

Diese Frage war jetzt an ihn gerichtet. „Es ging einigermaßen. Bin schlimmeres gewohnt“, meinte er locker. Wer aus dem Armenstand kam, war in solchen Dingen abgehärtet.
Luzien gab ihnen mit einer Geste zu verstehen, dass sie sich setzen konnten, was Rin auch sofort in die Tat umsetzte. Schon hockte sie auf einem der Felle. Sie sahen bequem aus. Also tat Asgar es ihr gleich und setzte sich im Schneidersitz ebenfalls hin. Jetzt wäre eine gute Zeit zum Fragenstellen gewesen, doch im wollte so auf die Schnelle nichts einfallen. Ihm schwirrten immer noch die Bilder von diesem jungen Kerl im Gedächtnis herum: Dieses ‚Ding’ da war ein Junge. Und er wirft Messer wie ein Meister! Das verstehe ich nicht. Wurden Fähigkeiten durch diesen seelenlosen Zustand verbessert? Ob er selber vielleicht besser stehlen könnte, wenn er keine Seele mehr hatte? Aber eigentlich war er nicht scharf darauf, sein kostbarstes Gut an eine Horde Verrückter zu verpfänden und ein armseliges Dasein als wandelnder Tod zu führen. Da hätte er sich in Andunie auch gleich aufknüpfen lassen können. So ein Zustand wäre mit Sicherheit wirklich schlimmer als der Tod.

Hoffentlich konnte Silvarius sie hier lebendig und mit Seele herausholen. Zwar traute er ihm auch nicht wirklich über den Weg, was nichts Persönliches war, sondern einfach nur die Denkweise eines Diebes war, aber er musste dieses einsame Rettungsseil einfach ergreifen. Doch wo steckte er? Vorhin hatte er ihn noch gesehen. Wo war er hin?

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Samstag 4. September 2010, 16:58

Luzien ließ sich ebenfalls auf einem der Felle nieder, genau wie auch Felton. Dieser schien Asgar genausten zu mustern. Vielleicht sah er den Konflikt den der Nachtelf gerade ausfocht.
Wer konnte schon sagen, ob sich die Fähigkeiten eines Seelenlosen verbesserten.
Wahrscheinlich konnten dies nur die Personen beantworten, die das ganze lenkten.
Rin sah ebenfalls hin und wieder in die Richtung, wo die Frau in Weiß den Jungen hinführte.
Luzien saß ihnen jetzt gegenüber. Er wirkte etwas fehl am Platz, so als Magier mit Robe. In der einen Hand hielt er weiterhin die kleine Kugel. Ein leichtes bläuliches Leuchten strahlte sie aus. Es wirkte hypnotisch. Und irgendwie war einem, als würde man bei genauen hinhören, als würde jemand um Hilfe rufen.
Es klang wie weit weg und ängstlich und verzweifelt.

„ soso“ reagierte Luzien auf Asgars Antwort. Die Kugel drehte er zwischen den Fingern seiner linken Hand.
„ Ihr seit also schlimmeres gewöhnt. Ihr habt wohl jedes Mal dann großes Glück gehabt, dass ihr aus allen so gut herausgekommen seid. Ihr scheint dann ja für euch das Glück gepachtet zu haben…oder ihr seit ein wahrlich guter Lebenskünstler….doch was rede ich hier… habt ihr keine Fragen?“ Seinen Blick wechselte er zwischen Rin und Asgar.

„ Doch…die habe ich…verzeiht für mein Verhalten vorhin“ begann dann Rin die Initiative zu ergreifen. Auffordernd trafen ihre Augen auch auf Asgar, der wohl noch zu sehr mit dem jungen Hybriden zu tun hatte.

„ Wer war der junge Mann…wow, der war ja ziemlich gut“ Spielte sie die Beeindruckte. Wer Rin nicht kannte, würde ihr diese Lüge schnell abkaufen. Sie sagte es mit so viel Bewunderung.
„ Dorcha meinte…so was könnte wir auch lernen“

Felten horchte auf. Sein Blick schien kurz die Gegend zu durchsuchen.
Fand ihn jedoch nicht. Doch war seine Aufmerksamkeit von jemand anderen angezogen worden.
„ Er redet zu viel““ hörten sie plötzlich die monotone Stimme von Silvarius hinter sich.
Felten grinste den Elfen an.
Luzien steckte jedoch sofort die Kugel in einer seiner Seitentaschen. Oder war es Zufall!
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Re: In Serna

Beitrag von Asgar » Samstag 4. September 2010, 19:09

Felton schien ihn nicht aus den Augen zu lassen. Beunruhigend, aber nicht so beunruhigend wie dieser junge, seelenlose Kerl. Es grauste ihm davor, so zu werden wie dieser Knabe. Dann wandte sich seine Aufmerksamkeit Luzien zu. Der spielte unterdessen mit einer bläulich schimmernden Kugel herum, die eine hypnotische Wirkung auszustrahlen schien.
Und doch: man konnte Stimmen aus der Kugel hören. Aber nur sehr leise. Als wie wenn jemand unter Wasser rufen würde. Doch da Nachtelfen ein sehr empfindliches Gehör hatten, entging ihm das nicht völlig. Aber er konnte diese Rufe nicht wirklich deuten.

„Soso“, sagte Luzien. „Ihr seit also schlimmeres gewöhnt. Ihr habt wohl jedes Mal dann großes Glück gehabt, dass ihr aus allen so gut herausgekommen seid. Ihr scheint dann ja für euch das Glück gepachtet zu haben…oder ihr seit ein wahrlich guter Lebenskünstler“, meinte er nun.
Asgar sagte darauf: „Nun, wenn man des Öfteren auf der Flucht vor unliebsamen Personen ist, eignet man sich schon den einen oder anderen Trick an. Ab und zu gab es auch Situationen, aus der ich nicht alleine hätte entkommen können, aber wenn man Freunde hat, die einem zur Seite stehen“, er schielte zu Rin herüber, „dann kann man auch die meistern.“

Ein leichtes Grinsen huschte über sein Gesicht. Ja, er musste oft, sehr oft vor jemandem davonlaufen und hat wahrscheinlich genau so oft auf blankem Boden geschlafen. Man konnte ihn schon als Überlebenskünstler bezeichnen, obwohl sich seine Künste eher im Bereich des Diebstahls befanden.

„…Doch was rede ich hier… habt ihr keine Fragen?“, meinte Luzien zu ihnen beiden. Bevor Asgar jedoch etwas sagen konnte, fing Rin auch schon an zu reden: „Doch…die habe ich…verzeiht für mein Verhalten vorhin. Wer war der junge Mann…wow, der war ja ziemlich gut.“ Das klang zumindest für jemanden, der Rin nicht kannte überaus überzeugend. Einmal sah sie ihn auffordernd an.
Auch Asgar hätte das gerne gewusst. Aber ihm brannte noch eine andere Frage auf der Zunge. Und zwar, wie konnten diese Gruppierung hier so unentdeckt ihrem Handwerk nachgehen?

Aber er wartete geduldig ab, bis sie fertig mit sprechen war. Aber als der Satz, „Dorcha meinte…so was könnte wir auch lernen“, fiel, setzte Asgars Herz für einen Schlag aus. War das jetzt ernst gemeint? Jetzt war auch er unsicher. Zwar kannten sie sich schon eine ganze Weile, schließlich waren sie zusammen bei dem gleichen Meister in die Lehre gegangen, aber das war doch ungewohnt, sie so zu hören. Will sie sich im Ernst die Seele rausreißen lassen? Ich will nicht unbedingt als seelenloser Messerwerfer enden!

Nun stellte Asgar seine Frage, die ihn schon die ganze Zeit beschäftigt hatte: “Ich hätte auch noch eine Frage: Wie könnt ihr hier so ungestört euren Handwerken nachgehen?“ Für ihre Tätigkeit fiel ihm im Moment kein anderes Wort ein, das gepasst hätte. Außerdem verschleierte es seine wahren Absichten.
Er wollte mehr über sie herausfinden, und zwar so, ohne dass er sein Wissen, das er schon besaß preiszugeben. Das Wissen, dass sie von Silvarius erhalten hatten. Gefährliches Wissen.

„Er redet zu viel“, hörten sie die gleichgültige Stimme eines alten Bekannten wieder. Silvarius trat zu ihnen heran. Asgar sah zu ihm herüber. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Luzien die Kugel, die ihn vorhin so verlockend vorkam, schnell in seinem Gewand verschwinden lies. Merkwürdig. Sieht so aus, als wäre der Boss hier nervös. Man konnte das jetzt als blanken Zufall abstempeln, oder war es etwas anderes?

Doch noch waren sie nicht in Sicherheit.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 8. September 2010, 13:44

Rin war zwar auf Luzien konzentriert, doch sie kannte ihn gut genug um zu merken, dass er gerade geschockt war.
Sie sah ihn fragend an.
“ sei doch ehrlich, dich interessiert es auch, Asgar” hackte sie bei ihm ein. Zwar wirkte sie überzeigend, doch das zwinkern, während sie sich eine Strähne weg strich, zeigte den Hohn in den Worten.
Es konnte jedoch interessant sein zu wissen, worauf man achten musste.

Luzien blickte zu Silvarius der sich nun zu ihnen gesellte. Felten nickte ihm kurz zu, Luzien reagierte gar nicht.
Wenn man mit Blicken töten könnte, so hätte es Silvarius getan. Er schien zwar böse Miene zum Guten Spiel zu machen, doch er schien große Abneigung gegen Luzien zu haben.
felten grinste auf das Kommentar von Silvarius.
" nun, ich finde nicht das Dorcha zu viel ausplaudert... er neigt eher dazu auszusprechen, was er denkt. er hat eine gute Fähigkeitenerkennung"
" das ist deine Meinung!" war nur die monotone Antwort.
Er machte hinter den Rücken wieder Zeichen.
“ Wenn ihr das Zeichen hört, lauft in östliche Richtung. Folgt Bol! Asgar versuch an die Kugel zu kommen. So kann man den Jungen retten.”
Luzien hingegen ignorierte den Elfen vollkommen, behielt jedoch die Hand in der Tasche mit der Kugel.

“ Silvarius…geselle dich zu uns….ihr kennt ihn bereits? Nun, dass ist unser Spezialist. Früher war er sogar ein talentierter Magier, doch durch einen kleinen Unfa…”
“ Wenn du etwas erzählen willst, dann gefälligst richtig” fuhr Silvarius Luzien dazwischen. Er ballte eine Faust und wieder war deutlich das Knacken zu hören.
Rin und auch Felten verzogen das Gesicht. Es hörte sich grausig an.
Aber konnte Asgar nicht gerade einen kleinen Elektrischen Funken sehen? So als würde man mit Magie hantieren.?

“ Wie immer hast du recht!…er wurde überfallen, da ist es passiert… “
Die angespannte Haltung von Silvarius zeigten das dies eine Lüge war. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte wohl Luzien selber etwas damit zu tun.
“…um so etwas zu erlernen,” sprach Luzien erklärte Luzien weiter.
“… muß man seinen Geist frei machen. Ein Fähigkeit, die nicht jeder beherrscht. Doch ich bin sicher, ihr habt das Talent dazu. Nun, was denkst du von den beiden, Silvarius?”
Silvarius blickte auf Rin und Asgar herab. Er war als könnte er auf den innersten Kern sehen.
“ Untalentiert!” war dann sein Kommentar, als er wieder aufschaute.
Felten rollte mit den Augen. Wortlos schüttelte er den Kopf.

Luzien dagegen schien es kurz die Sprache zu verschlagen. Er sah Silvarius nur zweifelt an.
“untalentiert?…ihr habt ja wohl einen Schaden…was gibt euch…” Prustete Rin dann los.

RUMPS!
KAWUUUUUUUUUUMMMMMMMMMMM!!!!!
Eine Explosion folgte von der anderen Seite des Lagers. Felten sprang auf, Luzien ebenfalls. Über Silvarius Gesicht huschte ein kurzer Lächeln.
Das Zeichen?!
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Re: In Serna

Beitrag von Asgar » Donnerstag 9. September 2010, 16:34

Sie meinte es, Manthala sei dank, nicht ernst. Zumindest lächelte sie ihm verstohlen zu. Um den Schein zu wahren, sagte er schnell: „Doch, doch. Ich war nur etwas … abgelenkt.“ Dann grinste er auch, aber so, dass es die anderen nicht sehen konnten. „Hätte ich mir ja denken können“, flüsterte er, immer noch grinsend.

Danach folgte ein kurzer Disput zwischen Luzien und Silvarius. Offenbar hassten sich diese beiden Männer. Asgar blieb sitzen und hörte aufmerksam zu. Ihm entging nicht, dass Luzien seine Hand in derselben Tasche verbarg, in die er vorhin in aller Eile die kleine Kugel gesteckt hatte. Als Silvarius seine Handknochen knacken ließ, spürte Asgar, wie ihm eine Gänsehaut den Rücken hinunter lief. Schaurig!

“Wenn ihr das Zeichen hört, lauft in östliche Richtung. Folgt Bol! Asgar versuch an die Kugel zu kommen. So kann man den Jungen retten.” Er stutzte. „Das Zeichen?“ Offenbar hatte Silvarius etwas geplant. Und noch etwas trug er ihm auf: die Kugel solle er an sich nehmen. Genau die Kugel, mit der der Mensch diesen armen Kerl kontrollieren konnte.
Doch dafür müsste er so tief in die Trickkiste greifen wie noch nie. Er glaubte kaum, dass Luzien die so ohne weiteres rausrücken würde. Wie stelle ich es bloß am Besten an? Freiwillig rückt der das nicht raus, soviel ist gewiss. Fieberhaft überlegte er, wie er es am Besten anstellen könnte. Ab und zu schielte er zu dem großen Ork hinüber. Der sah nicht sehr Vertrauen erweckend aus. Wir werden sehen, was wir davon haben…

Danach folgte ein weiterer Dialog zwischen den beiden Männern, in dem es immer offensichtlicher wurde, dass sie beide nur Hass für einander hegten. Bis schließlich der Satz fiel: “…um so etwas zu erlernen, … muss man seinen Geist frei machen. Ein Fähigkeit, die nicht jeder beherrscht. Doch ich bin sicher, ihr habt das Talent dazu. Nun, was denkst du von den beiden, Silvarius?” Jetzt geht’s aufs Ganze. Und zwar hoffte er, dass sie ihre Seelen behalten durften. Wo ich mich doch so ungern von etwas trenne…

Er spürte den prüfenden und zugleich bohrenden Blick des Elfen auf sich ruhen. “Untalentiert!”, meinte dieser jedoch. Nur wusste Asgar nicht, ob er das jetzt gut oder schlecht heißen sollte. Seine Partnerin sprang sofort protestierend auf. “Untalentiert?…ihr habt ja wohl einen Schaden…was gibt euch…”, prustete die Nachtelfin los. Sie ist gut, sie hätte auch Schauspielerin werden sollen. Dachte Asgar und ein Lächeln huschte über seine Lippen. Doch weiter kam sie leider nicht, denn sogleich ertönte ein ohrenbetäubender Lärm.

RUMPS!
KAWUUUUUUUUUUMMMMMMMMMMM!!!!!


Alle sprangen auf und starrten in die Richtung, aus der der Lärm gekommen war. Das war die perfekte Chance, sich dieses Kügelchen unter den Nagel zu reißen.
Blitzgeschwind war Asgar neben Luzien, der vor Schreck die freie Hand aus der Gewandtasche gezogen hatte und griff sich unbemerkt die kleine Kugel. Zwar war Taschendiebstahl nicht seine Profession, ihm lag das Schlösserknacken mehr, doch er stellte sich nicht ungeschickt oder tollpatschig an. Zum Glück hat mich der Meister lang genug in der Kunst des Taschendiebstahl unterwiesen, sonst wäre es viel schwerer. Dieser Lärm war die ideale Ablenkung. Schnell verbarg er die Kugel in dem Ärmel seines Umhanges. Keine unnötige Aufmerksamkeit erregen. Vielleicht würde der Mensch denken, es wäre bei all dem Chaos aus seiner Tasche gefallen. Konnte ja immer mal passieren.

Gespielt geschockt sagte er: „Was war das?“ Immer wieder blickte er zu Rin und Silvarius. „War das das Zeichen?“, übermittelte er dem Elfen über einige unbemerkte Gesten. Wenn ja, dann mussten sie jetzt gaaanz schnell von hier verschwinden.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Freitag 17. September 2010, 13:05

Es funktionierte besser als gedacht. Auch wenn Asgar kein Taschendieb war, so kannte er doch die Tricks.
Luzien und auch Felton schienen nichts ungewöhnliches zu finden, als sich der Nacht elf plötzlich zu ihnen gesellte. Wieso auch! Rin tat es ihm auch gleich.
“was war das? Fragt Rin Luzien mit erschrockener Stimme. Sie wusste wie man jemand ablenkte.
“ keine Panik, wir haben die Sache gleich im Griff!” antwortete dieser geistesabwesend.
“DORCHA!…KOMM HER!” brüllte Felton ins Lager.
“ Hmm, ich würde sagen… wir wurden entdeckt” fügte Silvarius dazu.
Asgar konnte es sich zwar einbilden, doch der Elf hatte ihn gerade anerkennend zugenickt.
Die Situation hätte ja auch nicht passender sein können.
Die Aufmerksamkeit lag anderswo. Aus der entgegen liegenden Seite des Lagers, war Qualm und Rauch zu sehen. Panische Schreie waren zu hören. Mehrere hatten zu ihren Waffen gegriffen, andere ergriffen eher die Flucht. So wie auch der Ork Bol, es wirkte zwar seltsam einen Ork wegrennen zu sehen, doch hier schien es keinen zu verwundern. Der Ork rannte in südlicher Richtung, tiefer in den Wald hinein.
Silvarius spielte seine Rolle ebenfalls perfekt, obwohl man sich fragte, ob er überhaupt Regung zeigen konnte.
Felton blickte zu Luzien, der wie Asgar erhoffte die Hand aus der Tasche genommen hatte.
“ Felton! Silvarius…was ist da los?… Findet es sofort raus…bringt die Ware in Sicherheit, Felton…hier, nimm…wo?” Er wollte wohl gerade Felton die Kugel gegen, denn er griff wieder in die Tasche. Nichts.
Hektisch suchte er den Boden ab.
“…verdammt…egal…ruf Dorcha, er soll sich um die Aufrührer kümmern… ich muß etwas noch in Sicherheit bringen… und ihr? Folgt Felton!” damit drehte sich der Magier ohne ein weiteres Wort um und eilte rasch zu einem Gruppe von Leuten. Die Frau in weiß war ebenfalls dort.
In dem Gewirr gab Silvarius Asgar endlich das Zeichen, dass sie jetzt loslaufen sollte.
“ ist es nicht offensichtlich?… lauft!”
Felton sah noch Luzien nach, warf dann aber einen Blick zu Silvarius.
Es war als wäre in ihm die große Erkenntnis gekommen.
“DU?…VERRÄTER!”
Ohne auf die beiden anderen zu achten sprang er auf den Elfen zu. Dieser konnte gerade noch die Hände heben und wurde umgeworfen.
“Asgar, lass uns los…da!” zerrte Rin Asgar am Ärmel. Sie zeigte auf eine Gestalt, die schnell näher kam. ES war Dorcha, er hatte die Waffen gezogen und sah bereit zum Töten aus.
“ Dorcha!…ich habe ihn…er hat es angezettelt“ erklärte Felton den anderen beiden kurz. Silvarius schien zwar nicht die Kraft gegen Felton zu haben, doch wirkte er trotzdem ungewöhnlich ruhig.
Er sah Asgar an, als Felton sich kurz zu ihnen wandte und blickte dann in die Richtung in die Bol verschwunden war.
Was sollten sie jetzt tun?
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Re: In Serna

Beitrag von Asgar » Samstag 18. September 2010, 12:24

Niemand dachte im Moment, dass Asgars Geste lediglich der Ablenkung gedient hatte. Auch Rin half so gut sie konnte, indem sie sich zu ihnen gesellte. Und Silvarius bekundete Asgar nickend Anerkennung. Im Moment lief alles noch nach Plan.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Lagers konnte man deutlich Rauch erkennen. Vielleicht eine magische Explosion oder dergleichen. Aber im Moment war das einerlei, Hauptsache es diente der Ablenkung.
Vielleicht hätten sie beide jetzt zu rennen anfangen sollen, denn kurz darauf bemerkten sie Bol, den großen Ork, der sein Heil in der Flucht suchte. Es sah schon etwas komisch aus, ja schon albern, da Orks normalerweise bis zum letzten Atemzug kämpften, aber anscheinend hatte ihn sein Aberglaube vor Magie derart durcheinander gebracht, dass er es lieber vorzog, zu fliehen und zu anderer Zeit weiterzukämpfen. Vor allem, gegen was auch immer.

Dann bemerkte er, wie Luzien in die Manteltasche griff und nun hektisch auf dem Boden herumkroch. Mist, er hat also geschnallt, dass die Kugel weg ist. Jetzt bloß keinen dummen Fehler machen! dachte der Nachtelf. Noch war die Situation äuerst heikel. Doch irgendwie schien es Luzien im Moment egal zu sein und war nach einigen Worten verschwunden, während Felton das Geschehen beobachtete. Vielleicht schien es beiden entfallen zu sein, sie nach ihrer Berufung zu fragen. Ich bin froh, dass sie es nicht getan haben. Denn wer zwei und zwei zusammenrechnen konnte, würde dann sofort die beiden Nachtelfen verdächtigen.

Endlich gab der Elf das lang ersehnte Zeichen. “Ist es nicht offensichtlich?… lauft!” Das musste er ihnen nicht zweimal sagen, denn Asgar spürte sofort, dass sich Ärger anbahnen würde, sollten sie länger bleiben. „Sehen wir zu, dass wir hier weg kommen“, flüsterte er seiner Partnerin zu und vergrößerte instinktiv den Abstand ein kleines Stück. Aber nicht zu stark, damit niemand misstrauisch wurde. Silvarius sagte er per Gestik: „Danke für alles.“

Aus den Augenwinkeln beobachtete der Dieb Felton, der scheinbar eine Erkenntnis hatte und nun wutentbrannt auf Silvarius losging. “DU?…VERRÄTER!”, schrie er den Elfen an. Anscheinend drohte die Situation nun doch zu eskalieren. Der Nachtelf selbst mochte solche Situationen überhaupt nicht, aber die hier war nun unvermeidbar.
Rin drängte Asgar, hier endlich zu verschwinden. „Asgar, lass uns los…da!” Sie zeigte auf Dorcha, der nun bewaffnet und bereit zum Töten auf sie zu schritt. Aber sie wären nicht das Ziel. Oder doch?

Asgar zögerte. Zwar wollte er so schnell wie möglich von hier weg, aber dann war da noch Silvarius. Der wurde allerdings immer noch von Felton bedrängt und auch gegen Dorcha hätten sie keine Chance. Zumal sie beide weder Kämpfer noch gewandt im Nahkampf waren. Da blieb nur noch die Option Flucht. Mal wieder. Scheiße! So sollte es eigentlich nicht laufen! Zumindest sah er selbst es so. Aber vielleicht war das von Silvarius eingeplant gewesen. Er verstand die Motive des Elfen eigentlich immer noch nicht genau. Auch nicht, warum er ihnen so bereitwillig geholfen hatte.

Doch er hatte keine Zeit zum lange hin und her überlegen, denn die Gefahr aufzufliegen war nun größer als zuvor. Sollten sie bemerken, dass er diese Kugel bei sich hatte, würden sie ihn vermutlich töten. Und wieder wünschte er sich in den Zellentrakt von Serna. Da wäre er wesentlich sicherer als hier.

Er fasste Rin bei der Hand und dann rannten sie los, kreuz und quer durch das Lager, immer auf der Spur des Orks. Bol war praktisch wie ein Rammbock durch das Dickicht gepflügt. Zumindest ließ sich seine Spur gut verfolgen. Für mögliche Verfolger würde es schwerer sein, da sie Licht zur Orientierung brauchten, außer sie konnten sich im Dunkeln gut orientieren. Nachtelfen hatten da klar einen kleinen Vorteil, da sie im Dunkeln aufgewachsen waren und natürlich im schwachen Licht hervorragend sehen konnten.
Nur dumm, dass sie nicht wirklich eine Ahnung hatten, wohin sie eigentlich rannten. Sie folgten weiterhin den Spuren von Bol, der wie ein Wahnsinniger durch den Urwald hetzte. Waren sie nun in eine noch schlimmere Situation gerutscht? Alleine und ohne Vorräte in einem riesigen Dschungel und höchst wahrscheinlich auch noch verfolgt. Keine Situation, die man sich wünschen würde.

[Juchuu! Die Kreativität ist wieder da!!]

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 22. September 2010, 14:01

weiter in:
Urwald Kapayu- zwei Nachtelfen im Jungle
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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Montag 13. Juli 2015, 22:39

Darna kommt von: Zu Gast auf der „Niemand“

Die Fischer hausten hier und Seefahrer, denn der Hafen war groß und ein beliebter Umschlagplatz für alle möglichen Handelswaren. Das Dorf war fast kleiner als die Hafenanlage mit ihren Lagerhäusern und den Tavernen. Es gab nur wenig alte Gebäude, da in den letzten Jahren der Krieg und der ein oder andere Angriff auf die Handelsruten ihren Tribut gezollt hatten. Aber die Hauptstadt hatte immer wieder Hilfe geschickt um alles wieder aufzubauen. Helle, junge Reetdächer strahlten golden in der Sonne, die sich just kurz zeigte, von teilweise Ruß geschwärzten Wänden herab. Der Wind war schneidend, doch ein Hauch von Wärme lag schon darin. Er zerrte an Darnas Haaren und wehte sie ihr in die Augen. Die langen Piere tauchten auf und überall waren Schiffe vertäut. Matrosen und Hafenarbeiter, aber auch Bewaffnete waren zu sehen. Sie näherten sich langsam, so dass man alles gut beobachten konnte und noch einige Minuten vergingen. Ein anlegendes Schiff brachte immer viel Bewegung in eine Hafenstadt. Dicke Taue wurden über die Poller geworfen und mit einem kurzen Schaukeln kam die „Niemand“ zu Ruhe. Es roch nach Salz, Fisch, Rauch und frisch Gebratenen. Die Steling, ein Steg vom Schiff zum Steg wurde ausgelegt und ein Mann trat aus einer Gruppe von Arbeitern vom Land her darauf und blieb in der Mitte stehen um sich zu präsentieren. Er war recht klein, untersetzt und kahlköpfig, trug aber gute Kleidung und einen erstaunlichen Mantel, der an den Säumen mit allerlei bunten Mustern verziert war. Sofort grollte wieder Eisenfaust stimme über das Deck:
„Das ist Herr Lerchengrund. Er ist Händler und wird morgen nach Jorsa aufbrechen. Er braucht ein paar gute Leute für den Schutz seiner Waren. Holt eure Zeugnisse ab und meldet euch bei ihm, wenn ihr wollt. Ihr seid entlassen!“
Eisenfaust Ton und Formulierung ließ einige etwas irritiert aufhorchen. Man hatte sie hier her gebracht, teils wohl auf nicht ganz freiwillige Art und Weise und nun schickte man sie wieder nach Hause. Allerdings wollte Eisenfaust wohl mit dem weiteren Transport der Knappen nichts mehr zu tun haben, also gab es da diesen Händler, der Leute suchte. Es gab sicher schlimmeres, aber in manchen Gesichtern stand ein gewisses Maß an Frustration geschrieben. Nadel stand inzwischen neben Eisenfaust und hielt eine Tasche mit sieben Rollen bereit. Basil stupste vorsichtig Darna an und flüstere:
„Wollen wir?“
Damit meinte er wohl die Aufgabe des Geleitschutzes. Die restlichen „Übriggebliebenen“ machten sich daran ihre Zeugnisse zu holen und verließen das Schiff. Dabei fiel Darna auf, dass der „Schweigsame“ aus der Waffenkammer sehr zielstrebig an dem Händler vorbei ging und auf eine der Tavernen zu steuerte, die auch einen Mietstall hatte. Anscheinend nutzte nicht jeder diese „Gelegenheit“.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 14. Juli 2015, 23:29

Nadel nahm Darna ihre Kleidung ab. Ihre Brauen wanderten ein Stück nach oben. „Gute Arbeit! Ich glaub, jetzt könnte ich sie als neu verkaufen … Habt Dank für die Hilfe!“
Die rechte Braue der Knappin wanderte ein Stückchen nach oben. Sie hatte jetzt hoffentlich nicht dazu beigetragen, einen Betrug vorzubereiten? Vermutlich nicht. Die Rüstung war noch in ordentlichem Zustand, aber jeder Kenner konnte klar definieren, dass die Stücke nicht unbenutzt waren. "Gern geschehen", erwiderte die jüngere Frau also schlicht, inzwischen bewusst die Allgemeinsprache benutzend und schob die Hände beiläufig auf den Rücken, "und entschuldigt nochmals, dass das überhaupt geschehen ist."
Sie drehte den Kopf etwas seitlich, wie um auf den Gang zu lauschen, doch wer immer "Troll" gewesen war, er schien so rasch verschwunden, wie er gekommen war, und der Befehl war eindeutig gewesen. So eindeutig, dass die Leibwächterin
...
Leibwächterin? Die Knappin zog die Brauen nachdenkend-kritisch zusammen, als sie das Geschehen beobachtete. Eine Leibwächterin, die sich auf Kartographie verstand und die Navigation übernahm.
Unwahrscheinlich.
Dazu die gerade eben erfolgte Demonstration, dass auch hier in der Mannschaft Kunstnamen verwendet wurden - oder besser: verwendet worden waren.
Ihr könnt jetzt gehen." Die Knappin nickte, zog sich höflich zurück und atmete auf dem Gang mal wieder durch. Was für ein überflüssiges Possenspiel. Auf nichts hier konnte man vertrauen, und es widerte sie an!

Zurück in der Waffenkammer verschaffte sie sich einen Überblick über die Lage und hielt sich am nächsten Stützbalken fest, als das Schiff zu schlingern begann. Bald komm ich hier runter!, machte sie sich selber Mut, diesen elenden Zustand noch etwas auszuhalten. Den seltsam zurecht gemachten Waffen schenkte sie nur wenig Beachtung. Eher war ihr kurz mulmig zumute, als Eisenfaust ihre Arbeit sehen wollte, aber es war ja zum Glück nicht so gewesen, dass sie vor dem Malheur bei Nadel nichts getan hätte - und dadurch, dass sie selber diesen Teil der Waffen sortiert hatte, griff sie schnell eine von ihr gepflegte Klinge.
"Vergesst eure Sachen nicht. Sobald wir angelegt haben geht ihr von Bord. ALLE AN DECK!"
Unsere Sachen? Darna konnte mit dieser Order zunächst nichts anfangen. Zudem irritierte sie noch eine Aussage, die der Herold verkündet hatte und über die sie schon zu jenem Zeitpunkt noch an Deck gestolpert war: "... Auch jene die nun zu ihren Herren zurück kehren, erhalten von uns ein Zeugnis über ihre Leistungen. - Jene, die sich dem ehrenwerten Inquisitor Gregorius Faust anschließen, werden alle beim nächsten Anlegen von Bord gehen. Alle Anderen reisen nach Jorsa zurück." Das hatte geklungen, als würde das Schiff zwei mal anlegen. Aber sie kamen doch nun nach Serna... wohin auch sonst? Gingen jetzt also alle von Bord? Wohin würde Inquisitor Faust seine Gruppe bringen? Und wohin kämen diejenigen, die für seine Majestät ausgewählt worden waren? Doch auch nach Jorsa?

Sie hasste dieses Gefühl, blind herumgeschubst zu werden. Als sie auf dem Gang die Beutel sah, blinzelte sie irritiert, bis sie an den ersten beiden kleine Namensschilder entdeckte. Die ersten wurden gegriffen. Leicht überrascht nutzte sie trotzdem die Gelegenheit, so den einen oder anderen Namen ihrer Begleiter aufzuschnappen und zuordnen zu können. Und dann merkte sie, dass es tatsächlich fünf Beutel waren, nicht vier... Auf einem stand "Darna von Eibenau"! Mit etwas geweiteten Augen sammelte sie ihn auf. Sie hätte gar nicht zu hoffen gewagt, ihre persönlichen Sachen so unerwartet früh wieder zu bekommen! Sie hatten sie tatsächlich mitgenommen!
Die Knappin wollte schon als erstes gleich ihren Ring heraus holen, als sie die allgemeine Eile um sich herum registrierte und sich erinnerte, dass Wolle den Ring in den Beutel getan haben müsste - irgendwo... sie verkniff es sich, herumzukramen und ging lieber mit den anderen an Deck.

Gernot wiederzusehen, war kein schöner Moment. Ich bin dich endlich los..., versuchte sie ihre eigene Laune aufzuhellen, aber es gelang ihr nicht. Du hast dich reingeschummelt. Er musste bescheid gewusst haben! Irgendwann wirst du darüber stolpern. Irgendwann wirst du über deiner eigenen verlogenen Art und deine Schummelei stolpern. Irgendwann helfen dir deine Kontakte und ganzen Tricks nicht mehr. Ihre Hand krallte sich fester in den Beutel und sie zwang sich, zum Hafen zu sehen.
Sie wischte ihre Haare beiläufig aus dem Gesicht, aber dann ließ sie den Blick doch noch einmal über das Deck schweifen. Waren die Leute des Inquisitors auch hier? Lungerte Zunge noch irgendwo herum? War Wolle auszumachen? Oder etwa Grinsi?

Als das Schiff anlegte und der kahlköpfige Mann mitten auf den Steg trat, sah sie kurz zu ihm, schenkte ihm aber relativ wenig Beachtung, bis Eisenfaust auf ihn Bezug nahm:
"Das ist Herr Lerchengrund. Er ist Händler und wird morgen nach Jorsa aufbrechen. Er braucht ein paar gute Leute für den Schutz seiner Waren. Holt eure Zeugnisse ab und meldet euch bei ihm, wenn ihr wollt. Ihr seid entlassen!"
Also werden wir weiter in Sachen Geleitschutz geprüft, dachte sie zunächst nüchtern und nicht begeistert, bis Eisenfaust sie quasi "rauswarf". Kritisch zogen sich ihre Brauen zusammen und sie sah zum bisherigen Befehlshaber, ließ die Worte sacken. Und in Sachen 'wie benehmen wir uns, wenn wir angeblich frei entscheiden dürfen und auf uns allein gestellt sind', oder was ist das jetzt wieder? Sie hasste diese ganze Farce, bei der sie nie wusste, woran sie war! Jene Knappen, die frustriert wirkten, konnte sie bestens verstehen. Sie wurden mit sich allein gelassen. Ein ekliges Gefühl.
Aber ist das nicht gerade der Zweck?, huschte es ihr plötzlich durch den Sinn und sie sah noch einmal kurz zum Händler. Immer nur unter dem behütenden Schutz unserer Ritter... kommen wir auch alleine klar? Können wir selber ... Ritter sein?
Mit diesem Gedanken erlangte sie eine erstaunliche Ruhe und ihre Schultern strafften sich. Selbst, wenn sie irren sollte, war ihr plötzlich klar, dass das ein wichtiger Schritt vom Knappen zum Ritter sein musste. Sie wusste noch nicht wirklich, wie sich das anfühlen mochte, aber sie wusste, was sie tun würde.
Basil stupste sie vorsichtig an und sie drehte ihm den Kopf zu. "Wollen wir?" Damit meinte er wohl den Geleitschutz. Nochmal zogen sich nachdenkend ihre Brauen kurz zusammen.
"Kommt darauf an", erwiderte sie ernst und zurückhaltend. "Wir sollten uns zumindest anhören, um was genauer es geht." Sie fügte leiser, fast warnend an: "Und nicht jeden Mist mitmachen, oder würdest du jetzt selbst einen Transport verbotener Waren ungefragt beschützen?" Ihr Kopf pendelte kurz, während sie die Geschehnisse um sich herum beobachtete. Dabei fiel ihr auch der "Schweigsame" auf und sie vermerkte seine Reaktion im Hinterkopf. Sie schienen wirklich freie Wahl zu haben...

"Es wäre gut, wenn wir den Händler nicht aus den Augen verlieren." Sie begab sich gemäßigten Tempos, aber nicht trödelnd langsam zu Eisenfaust und den Zeugnissen, während sie zügig und leise weiter mit Basil sprach: "Aber ich würde vielleicht noch gerne jemanden verabschieden. Du nicht?"
Außerdem wollte sie vielleicht noch etwas herausfinden... Wenn sie zu lange brauchte, wäre der Händler womöglich weg, und mit ihrer Frage nach Basils Absichten lotete sie aus, ob sie ihn vorschicken konnte, um mit dem Händler zu reden. Falls ja, und falls der Händler woanders hin wollte, bevor sie hier fertig wäre, bat sie Basil, in der Nähe des Kais zu warten und vorher in Erfahrung zu bringen, wo man den Händler wieder treffen konnte.

Dann war sie endlich dran, ihr Zeugnis entgegen zu nehmen, und sie hatte sich bewusst Zeit damit gelassen, damit nicht mehr so viele Leute bei Eisenfaust stünden und ihn "belagerten". Sie musste ein bißchen ihren Mut zusammen nehmen, um ihm bei korrekter Haltung fest in die Augen zu sehen, allerdings nahm sie diesmal keine Hab-acht-Stellung ein. Ihre Worte waren etwas persönlicher und tadellos höflich, wenn auch sehr sachlich klingend:
"Herr Eisenfaust, ich wollte Euch noch den nötigen Dank aussprechen, dass Ihr Euch offensichtlich um meine Versorgung gekümmert habt, nachdem ich verletzt wurde." Ihr Blick wurde etwas härter, weil im gleichen Moment, wie sie die Worte aussprach, auch ein Teil des Ärgers wieder in ihr hoch kroch, und es war das erste Mal, dass sie ihn überhaupt zur Rede stellen konnte und es auch tat. Ihre Kopf legte sich kritisch eine Spur schief: "Aber ich wüsste doch gerne, warum Ihr überhaupt Befehl dazu gegeben hattet, dass ich bewusstlos geschlagen werden sollte?!" Als ihr selber gewahr wurde, was für ein grollender Unterton in ihrer Stimme lag, hoffte sie, dass es nicht zu respektlos klang. Sie wartete seine Reaktion ab.

"Dieser Vorfall hat mir die Gelegenheit verwehrt, in vollem Umfang beweisen zu können, zu was ich befähigt gewesen wäre und zu was nicht. In meinen Augen war es das also auf keinen Fall wert. Ich hätte gerne mehr beigetragen. Zumal es wohl eine einmalige Gelegenheit war."
Sie reckte ihr Kinn noch ein Stück. Dass nun mal geschehen war, was geschehen war, war ihr selber bewusst - aber die Frage, ob diese Farce wirklich hatte sein müssen, blieb. Eigentlich blieben ziemlich viele Fragen. Aber eine davon versuchte sie noch zu klären und bemühte sich, wieder etwas versöhnlicher zu klingen, zupfte dabei flüchtig ordnend den Saum ihres linken Ärmels nach unten:
"Doch nun, wo dieses ganze Schauspiel hier vorbei ist..." Was ich selber nicht glaube... Sie sah ihm nochmal direkt in die Augen, während sie fortfuhr: "...ist es mir vielleicht noch erlaubt, Euren tatsächlichen Namen zu erfahren, Herr?"
Diesmal war sie mit dem Klang ihrer Worte einigermaßen zufrieden; es hatte nicht klingen sollen wie das bockige Gehabe irgend eines Beamten, der das bloß wissen wollte, um sich bei nächster Gelegenheit zu beschweren... nein, es klang wie die Frage von jemandem, der diese Heimlichtuerei einfach endlich bereinigt wissen wollte, um sich höflich verabschieden zu können.

Und apropos Abschied... ob sie Wolle noch einmal entdeckte?

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 15. Juli 2015, 20:13

Darna nutzte die Gelegenheit, den einen oder anderen Namen ihrer Begleiter aufzuschnappen, als die Gruppe aus der Waffenkammer nach ihren Beutel griffen. Da war Basils, den kannte sie ja schon zur Genüge. Der „Was?“-Typ hieß Derrick von Sichelgrund, oder Sichelgrau? So genau konnte sie es in der Eile nicht lesen, da sie von den anderen fast weiter geschoben wurde. Dann war da noch ein „ Karl von Lauterbach“, den dessen Schildchen sie nur kurz sehen konnte, da „Leon Milagros“ ihr im Weg stand und ihr die Sicht nahm, als er nach seinem Beutel griff. Aber der Name „Lauterbach“ kam ihr entfernt bekannt vor und er war einer der Waffen-Knappen gewesen, doch eher der „normalste“ unter ihnen. „Milagros“ war der Ruhige, der ihr zu Hilfe gekommen wäre, wenn es nötig geworden wäre, der Name sagte ihr allerdings nichts. Von den ursprünglich sieben waren sie auch nur zu fünft in die Waffenkammer gegangen, zwei waren draußen geblieben und ihre Beutel blieben unberührt. Einer hieß Philipp Hundsrück und der andere Ottfried Magertal. Kein „von Weißenfels“, obwohl sie das Zeugnis deutlich gesehen hatte. Da reiste wohl jemand gern inkognito.

Eisenfaust beendete seine „Abschlussrede“, dann wurden sie entlassen und sofort fühlte man sich allein und verloren.
Immer nur unter dem behütenden Schutz unserer Ritter... kommen wir auch alleine klar? Können wir selber ... Ritter sein?
Mit diesem Gedanken erlangte sie eine erstaunliche Ruhe und ihre Schultern strafften sich. Selbst, wenn sie irren sollte, war ihr plötzlich klar, dass das ein wichtiger Schritt vom Knappen zum Ritter sein musste. Sie wusste noch nicht wirklich, wie sich das anfühlen mochte, aber sie wusste, was sie tun würde und wenn dies die letzte Prüfung sein sollte,eine Prüfung um zu sehen, ob sie auch selbständig handeln und planen konnten, dann würde sie sicher nicht darin versagen!
Basil stupste sie vorsichtig an und sie drehte ihm den Kopf zu.
"Wollen wir?"
Damit meinte er wohl den Geleitschutz. Nochmal zogen sich nachdenklich ihre Brauen kurz zusammen. Ob Basil in der Lage wäre alleine nach Hause zu finden? Sein „Wir!“ war für ihn bezeichnend. Er war wie eine Klette, die man nur mit sorgsam dosierter Gewalt abgestreift bekam, doch wollte Darna das? Würde er durch diesen Teil der Prüfung fallen, wenn sie ihm half – wenn sie sich seiner annahm oder was wäre wenn sie selbst dadurch „Abzüge“ in ihrer Bewertung erhalten würde? Es gab so viele „Wenn's“, so viele Unwegbarkeiten.
"Kommt darauf an"
, erwiderte sie ernst und zurückhaltend.
"Wir sollten uns zumindest anhören, um was genauer es geht."
Sie fügte leiser, fast warnend an:
"Und nicht jeden Mist mitmachen, oder würdest du jetzt selbst einen Transport verbotener Waren ungefragt beschützen?"
Ihr Kopf pendelte kurz, während sie die Geschehnisse um sich herum beobachtete. Dabei fiel ihr auch der "Schweigsame" auf und sie vermerkte seine Reaktion im Hinterkopf. Sie schienen wirklich freie Wahl zu haben...
"Es wäre gut, wenn wir den Händler nicht aus den Augen verlieren."
Sie begab sich gemäßigten Tempos, aber nicht trödelnd langsam zu Eisenfaust und den Zeugnissen, während sie zügig und leise weiter mit Basil sprach:
"Aber ich würde vielleicht noch gerne jemanden verabschieden. Du nicht?"
Basli sah verwirrt zu Gernot, der mit den anderen auf der Brücke stand und kalt lächelte.
„Eher nicht.“
, war seine kurze Antwort und ging schon vor. Basil war zwar manchmal etwas langsam, aber so dumm, wie Gernot ihn gelegentlich dargestellt hatte war er auch wieder nicht. Ihre Freundschaft war definitiv beendet und Basil hatte wohl seinen Teil daraus gelernt.
„Ich schau mal was der Händler so zu bieten hat.“
Er zwinkerte Darna verfügt zu, bekam sein Zeugnis von Nadel ausgehändigt, die neben Eisenfaust stand und lächelte sie breit an. Auch er war anscheinend glücklich das Schiff endlich verlassen zu können. Dann war Darna an der Reihe. Sie nahm diesmal keine Hab-acht-Stellung ein. Ihre Worte waren etwas persönlicher und tadellos höflich, wenn auch sehr sachlich klingend:
"Herr Eisenfaust, ich wollte Euch noch den nötigen Dank aussprechen, dass Ihr Euch offensichtlich um meine Versorgung gekümmert habt, nachdem ich verletzt wurde."
Er nickte den Dank annehmend und wandte sich schon wieder geistesabwesend der letzten Rolle zu. Darnas Blick wurde etwas härter, weil im gleichen Moment, wie sie die Worte aussprach, auch ein Teil des Ärgers wieder in ihr hoch kroch, und es war das erste Mal, dass sie ihn überhaupt zur Rede stellen konnte und es auch tat. Ihre Kopf legte sich kritisch eine Spur schief:
"Aber ich wüsste doch gerne, warum Ihr überhaupt Befehl dazu gegeben hattet, dass ich bewusstlos geschlagen werden sollte?!"
Als ihr selber gewahr wurde, was für ein grollender Unterton in ihrer Stimme lag, hoffte sie, dass es nicht zu respektlos klang. Eisenfausts Ohren zuckten tatsächlich. Er sah langsam auf und wartete mit glitzernden Augen, was noch kommen würde. Seine Miene verriet keine Regung.
"Dieser Vorfall hat mir die Gelegenheit verwehrt, in vollem Umfang beweisen zu können, zu was ich befähigt gewesen wäre und zu was nicht. In meinen Augen war es das also auf keinen Fall wert. Ich hätte gerne mehr beigetragen. Zumal es wohl eine einmalige Gelegenheit war."
Sie reckte ihr Kinn noch ein Stück. Dass nun mal geschehen war, was geschehen war, war ihr selber bewusst – und das sah er wohl ganz genau so. Etwas in seinem Blick schwankte zwischen etwas Entnervtem und sogar Wütendem.
- aber die Frage, ob diese Farce wirklich hatte sein müssen, blieb. Eigentlich blieben ziemlich viele Fragen. Aber eine davon versuchte sie noch zu klären und bemühte sich, wieder etwas versöhnlicher zu klingen, zupfte dabei flüchtig ordnend den Saum ihres linken Ärmels nach unten:
"Doch nun, wo dieses ganze Schauspiel hier vorbei ist..."
Was ich selber nicht glaube...
Sie sah ihm nochmal direkt in die Augen und entdeckte fast so etwas wie Erleichterung.
"...ist es mir vielleicht noch erlaubt, Euren tatsächlichen Namen zu erfahren, Herr?"
Diesmal war sie auch mit dem Klang ihrer Worte einigermaßen zufrieden. Eisenfaust hatte die Augenbrauen gehoben und musterte Darna eindringlich. Er sah zu Nadel hinüber, die mit den Schultern zuckte und schmunzelte:
„Ich hab doch gesagt sie ist schlau.“
, waren ihre geflüsterten Worte. Eisenfaust sah geistesabwesend auf die Rolle in seiner Hand und dann wieder die Knappin an. Dann wanderte sehr langsam ein Lächeln erst in seine Augen und breitete sich zögerlich auch zu seinen Wangen aus. Erst als es auch seinen Mund erreichte und eine Reihe erstaunlich weißer Zähne frei legte wurde es fast unheimlich. Eisenfaust beugte sich ein Stück zu ihr näher und sprach so leise er mit seiner donnernden Stimme eben konnte:
„...vielleicht wenn wir uns das nächste mal sehen!“
Er hielt seine offene Hand zu Nadel und diese legte ihm schmunzelnd einen Kohlestift hinein. Seine Faust schloss sich, er hob die Rolle an, malte ein Kreuz darauf, packte Darnas Hand und drückte die Rolle hinein. Dann nickte er ihr zu und meinte:
„Und jetzt verschwinde, Mädchen!“
Seine Stimme klang fast - ihr Götter verzeiht - großväterlich? Der gestandene Veteran zeigte mit einem winzigen Zwinkern so etwas wie Zuneigung, was sein ganzes Sein veränderte. War das noch der gleiche Mann? Doch das Nicken seines Kopfes ging nicht in Richtung des Händlers sondern wies ins Landesinnere. Ob er sich dessen bewusst gewesen war? War es wirklich ein Hinweis für sie gewesen oder wieder nur irgend eine unbestimmte Geste. Eisenfaust richtete er sich wieder auf und das Grinsen war weg, als wäre es nie da gewesen.
Im Hintergrund gingen gerade die zukünftigen Templer von Bord und Darana musste sich beeilen um nicht den Anschluss zu verlieren, denn kaum, da sie den Steg verließ wurde er auch schon von Hafenarbeitern erstürmt, die Fässer und allerlei andere Dinge auf das Schiff brachten. Wie sie sich auch umsah, Wolle war nirgends zu sehen.

Darna schloss bald zu Basil auf, der abseits wartete.
„Also – was ich beobachtet habe – Herr Lerchengrund lässt sich die Depesche mit unseren Namen zeigen, dann teilt er die Leute als Vor- oder Nachhut ein. Keine Ahnung wonach er das bestimmt. Bis jetzt sind es vier, die sich ihm angeschlossen haben. Zwei aus der Waffenkammer, und zwei die ich nicht kenne. Hab aber ihre Namen gehört; Philipp Hundsrück und Ottfried Magertal. Was der Händler transportieren lassen will, erzählte er nicht von selbst. Da wirst ihn fragen müssen. Sie sind schon in Richtung der Lagerhäuser gegangen … Nummer 13.“
Er zögerte.
„Ich wusste nicht ob du ihn nun deinen Begleitschutz anbieten wolltest oder nicht – deswegen hab ich gewartet. Ich hab mir gedacht, nach dem ganzen Mist … du weist schon … als ich … mit Gernot ...“
Das Stottern in seiner Stimme nahm zu, dann riss er sich zusammen.
„Ich hab mir gedacht, ich bin's dir schuldig zu warten und mal jemand anders zu helfen als mir selbst. … Ent … Entschuldige.“
Vielleicht war bei Basil doch noch nicht Hopfen und Malz verloren, wenn er begriff, dass sein vergangenes Verhalten nicht in Ordnung gewesen war. Immerhin eine Entschuldigung, keine flüssige, aber immerhin.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 16. Juli 2015, 14:14

Die Beutel gewährten ihr endlich durch ein Fenster einen Blick hinaus, zurück in das "echte" Leben, zurück in die Wahrheit. Im Eiltempo wurden die Namen aufgesaugt und zugeordnet.
Lauterbach... mh, Fürstenfamilie. In dem Moment stolperte sie wieder über den Namen "von Weißenfels", den sie auf dem Zeugnis gesehen hatte. Graf von Weißenfels? Aber die Namen der derzeitigen Grafenfamilien kannte sie doch allesamt - da war kein Weißenfels mit bei! Ein Irrtum? Irgendwie glaubte sie nicht daran. Zumal ein "Leon von Weißenfels" bei den Beuteln auch nicht auszumachen war - aber wohl von "Leon Milagros" verkörpert wurde.
Hier ist doch schon wieder irgendwas faul! Es nervte und für einen kurzen Moment bohrte sich ihr Blick regelrecht in den Rücken von diesem Leon.
Philipp Hundsrück und Ottfried Magertal. Einer davon war Wolle. Hm.

Ob sie Eisenfaust mit der Frage, was der Befehl am Ende des Kampfes gesollt hatte, wütend gemacht hatte? War es ihm peinlich? Egal war es ihm nicht... aber schlau wurde sie noch immer nicht aus ihm. Ihr Manöver, nach ihrer Frage etwas zu warten, um ihn damit zu einer Antwort zu provozieren, funktionierte nicht. Ihr eigener Blick verengte sich, als seiner entnervt zu wirken begann.
Danach doch noch einmal gelassener zu wirken, erwies sich im Nachhinein glatt als Kunststück von ihr. Und diesmal knackte sie irgendwie die Schale - sie wusste nur nicht, warum!
"Ich hab doch gesagt, sie ist schlau", flüsterte Nadel und verursachte damit, dass Darna sich noch dümmer vorkam. Um die "Entdeckung", dass das alles hier nur Theater war, konnte es nicht gehen, schließlich war das regelrecht offiziell längst verkündet worden. Ging es darum, dass sie das alles gerade ignorierte und die Wahrheit wissen wollte?
Regelrecht argwöhnisch beobachtete sie die Veränderung in Eisenfausts Mimik.
"...vielleicht wenn wir uns das nächste mal sehen!"
... Moah! Grrrr! Aber irgend etwas passierte hier gerade. Mit Luchsaugen beobachtete sie, wie das Kreuz auf ihrem Zeugnis landete. Was war das nun wieder? Ein Zeichen, mit dem irgend jemand irgend etwas würde anfangen können, und es schien nichts schlechtes zu sein... kurz schlug ihr Herz schneller. Die "Freigabe" für ihren Ritterschlag?
"Und jetzt verschwinde, Mädchen!"
Es klang fast großväterlich. Er zwinkerte. Darna wünschte sich spontan innerlich seufzend den gewohnten Eisenfaust zurück - denn mit diesem hier konnte sie auch nichts anfangen.

So prallte sein vermutlich wohlwollenderes Zwinkern auf eine seltsame Wand bei der jungen Frau. Sein Kopfdeut wies ins Blaue hinein in die Ferne, und ihr schwante, dass der "Händler" da auf dem Steg nicht halb so wichtig war, wie es sich präsentiert hatte.
Nicht für sie? Nicht mehr?
Liebend gerne wäre sie ähnlich wie Leon ausgeschert. Sie hatte ihr Zeugnis... und sie hatte irgendwas "geschafft"... sie hasste dieses Theater. Aber da waren noch ein paar Punkte, die es stattdessen zu überdenken galt.
Einer davon stand am Hafen dann vor ihr und berichtete, was es vom Händler bisher zu berichten gab. Mit nüchterner Mimik und dankbar, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, hörte sie Basil zu. Wolle war also mit bei dem Begleittrupp, wie sie nebenher registrierte. Ein wenig überraschte es sie, dass er nicht bei Eisenfaust geblieben war, andererseits nicht.
Ob Leon auch so etwas wie ein "Kreuz" auf seinem Zeugnis oder einen anderweitigen Hinweis erhalten hatte? Oder hatte er einfach nur die Nase voll? Verstanden hätte sie es.
Ihr Blick hob sich etwas gedankenverloren gerade in den Himmel, als:

"Ich wusste nicht ob du ihn nun deinen Begleitschutz anbieten wolltest oder nicht – deswegen hab ich gewartet. Ich hab mir gedacht, nach dem ganzen Mist … du weist schon … als ich … mit Gernot ...“ Das Stottern in seiner Stimme nahm zu, dann riss er sich zusammen.
„Ich hab mir gedacht, ich bin's dir schuldig zu warten und mal jemand anders zu helfen als mir selbst. … Ent … Entschuldige."

Ihr Kopf drehte sich zu ihm hin und sie schaute ihn mit seltsam leerem Blick an. Zwei mal blinzelte sie, während sie in Gedanken seine Worte bildlich gesprochen wie ein Fremdobjekt in Händen hielt, sie drehte, wendete und nichts rechtes damit anzufangen wusste.
Entschuldigte er sich, damit sie ihn nicht zum Dämon jagte?
Nein.
Nein, auf ihre Gesellschaft musste er wohl keinen unbedingten Wert legen, schließlich hätte er sich den anderen Jungs einfach anschließen können. Er stellte sich aber auch nicht über sie - eher im Gegenteil. "...jemand anders zu helfen als mir selbst...", hallten seine Worte nochmal nach. Ein klarer Ausdruck von Selbsterkenntnis. Einen, den sie selber nicht einmal so hart formuliert hätte, was Basil anging. Irritiert stolperte sie darüber, dass sie ihn nicht einmal besonders gut zu kennen schien? Nun ja. Wie auch?
Sie atmete tiefer durch.
Basil braucht noch den Händler, schätze ich, ging es ihr seltsam analysierend durch den Kopf. Ich glaube irgendwie nicht, dass er 'ein Kreuz' hat. Nachdenklich schob sich ihr Unterkiefer hin und her und sie registrierte beiläufig, dass sie mal wieder ziemlich lange schwieg, aber sie analysierte noch die Lage. Wenn ich ihm einfach helfe, bringt das nichts. Über ihre Stirn zog sich flüchtig eine Furche.
Und wenn ich ihn einfach alleine lasse... bin ich nicht besser als Gernot.

Damit war ihre Entscheidung, was den Händler anging, im Prinzip gefallen. Abgesehen von logistischen Problemen - wie zum Beispiel dem, dass sie kein Geld dabei hatte, um sich wie Leon scheinbar einfach so ein Pferd zu mieten. Wie lange sie wohl zu Fuß von Serna bis Jorsa bräuchte? Wenn in dem Beutel tatsächlich ihre Sachen waren, hatte sie nicht mehr dabei als einen kleinen Beutel mit Handgeld, um sich auf einem Markt ein paar Brötchen zu kaufen. Man hatte sie schließlich mitten aus dem Unterricht gerissen.
Oder hatte man ihnen sogar was mitgegeben? Sie hob den Beutel kurz an und schaute darauf, aber Zeit, alles gründlich nachzusehen, hatte sie wohl gerade nicht.

Immernoch hatte sie keinen Ton gesagt, und sie sah nun Basil an, als bemerke sie jetzt erst wieder, dass er ja bei ihr stand und etwas nicht ganz Unerhebliches gesagt hatte. Sie atmete nochmal ein.
"Der Händler ist noch immer Teil dieses... 'Manövers', um zu testen, ob man zum Ritter taugt", erklärte sie nüchtern, "und vermutlich die letzte Gelegenheit, bevor wir wieder in Jorsa sind.
...
Ich werde dir helfen. Wir sind Kameraden.
Aber ich werde dich nicht... 'mitschleifen', wie es Gernot tat."
Ihr Kopf senkte sich in ernster Geste eine Spur, während sie versuchte, es ihm zu erklären. "Damit täte ich niemandem einen Gefallen - dir nicht, und mir selber auch nicht."
Ihr Blick wurde etwas härter, während sie fest, fast grimmig erklärte: "Aber ich werde dich auch nicht fallen lassen und verraten wie Gernot."
Damit schulterte sie ihren Beutel und begann sich umzusehen, wo dieses Lagerhaus 13 wäre.
Ach, da war ja noch was: "Entschuldigung angenommen", meinte sie leiser, aber genauso schlicht.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 16. Juli 2015, 21:46

Hier ist doch schon wieder irgendwas faul!
Es nervte und für einen kurzen Moment bohrte sich ihr Blick regelrecht in den Rücken von diesem Leon. Darna betrachtete ihn sich genaustens, denn es konnte nicht schaden, sich das Gesicht zu merken. Sie hatte ihn ja schon vorher in der Waffenkammer kurz betrachten können, aber hier im Tageslicht fielen ihr noch seine stahlgrauen Augen auf - fast metallisch - die merkwürdig glitzerten, als er sich kurz umdrehte und sie ansah. Auch schien er länger unterwegs zu sein als die anderen jungen Männer hier, denn sein Bartansatz war etwas fülliger als bei den meisten. Er war hier wohl der Älteste, auf jeden Fall wirkte er ungemein reif und sein Blick stellte alles in Frage, was Darna bisher hier erlebt hatte. Irgendetwas mystisches haftete diesem Kerl an. Er sah so ernst aus, aber auch konzentriert, als würde er vielleicht mehr „sehen“ als andere. Er nickte leicht zum Abschied, während er in seinem Beutel etwas suchte, bevor sie den Gang verließen und die Zeugnisse entgegen nahmen. Diese kleine Geste hatte etwas endgültiges. Er war hier fertig!

(Bild per pm)

Aus Eisenfaust war leider nicht mehr raus zu holen. Der alte Haudegen ließ sich einfach nicht so leicht in die Karten schauen, aber wo wäre da auch die Herausforderung gewesen? Wie sollte man auch einen Knappen beurteilen, den man nicht kannte, als ihm alle möglichen und unmöglichen Aufgaben zu stellen und in Situationen zu stecken, in denen er oder sie an ihre körperlichen und nervlichen Grenzen geführt wurde. Wer behielt den Überblick? Wer verlor die Kontrolle? Wer mutete sich zu viel, wer zu wenig zu? Kannten sie ihre Grenzen und waren sie bereit darüber hinaus zu wachsen? Wer besaß Ehr- und Pflichtgefühl, wer kam wem zu Hilfe? Wenn man es sich genau überlege, gab es sicher hunderte von Fragen die ein Ausbilder sich stellen musste und wie sollte man in so kurzer Zeit jemanden auf Herz und Nieren prüfen?! Nein, es ging hier nicht um Fähigkeiten, wie man eine Waffe putze oder einen Harnisch reinigte, es ging um viel mehr und Darna hatte das Gefühl, dass es noch nicht ganz vorbei war, zumindest nicht für alle.

Nach dem Gespräch mit Eisenfaust hob sie kurz ihren Beutel kurz an und schaute hinein. 20 Lysanthemer und ihre eigenen 100 Füchse klimperten darin. Als sie aufsah und den Steg hinunter schaute, fiel ihr Blick auf ein kleines gemaltes Schild, das an einem der Poller hing:
"Mietpferde 20L"
Darunter stand etwas kleiner der Name des Besitzer des Stalls in Jorsa, ein gewisser Ewald Bromer.
Natürlich! Dieser Leon hatte vermutlich als erstes seine Geldkatze kontrolliert, hatte den Zettel gesehen und war sofort zum Stall marschiert. Das er das Schauspiel hier satt hatte, war nur zu gut nachzuempfinden.

Sie hatte die „Niemand“ verlassen und stand neben Basil auf dem Pier.
"...Jemand anders zu helfen als mir selbst..."
, hallten seine Worte nochmal nach. Ein klarer Ausdruck von Selbsterkenntnis. Einen, den sie selber nicht einmal so hart formuliert hätte, was Basil anging. Er ging mit sich hart ins Gericht und das war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Wahres Rittertum hinterfragte immer seine eigenen Taten. Irritiert stolperte sie darüber, dass sie ihn nicht einmal besonders gut zu kennen schien? Nun ja. Wie auch? Was wusste sie über ihn, AUSSER dass er Gernots Freund gewesen war? In seinem monströsen Schatten war er nie großartig aufgefallen. Ihr Blick erfasste ihren Kameraden eigentlich das erste Mal bewusst.

(Bild per pm)

Sein dunkelblondes, in den Spitzen ausgeblichenes Haar war schon wieder etwas länger geworden, als er es üblicher Weise trug. Der Seewind zerrte daran. Es wellte sich in den Längen und ließ ihn so etwas verstrubbelt aussehen. Sein Gesicht war ebenmäßig, ein kantiger Kiefer, breites männliches Kinn, aber alles nicht zu auffällig, dass es sich in den Vordergrund drängen würde. Die Nase war gerade. Die Augen waren groß mit dunklen Wimpern und von einer dunkelgrünen Farbe, die außen einen braunen Ring hatte, der nach innen sternförmig in das Grün über ging. Er hatte sich wohl ebenfalls die Tage nicht rasieren können und so hatten sich leichte Schatten auf seiner Oberlippe, Kinn und Kieferknochen gebildet. Darna konnte ihm gut in die Augen sehen, denn er war nicht viel größer als sie, jedoch sprach seine Statur davon, dass er noch nicht ganz ausgewachsen war. Seine Haltung hatte des öfteren Maßregelungen zur Folge gehabt, da er meist zu locker da stand. Die Schultern hingen tief, aber waren aber eigentlich breit und gut gebaut. Seine Zurückhaltung ließ ihn insgesamt kleiner wirken, als er in Wirklichkeit war und das nicht nur körperlich. Manchmal hatte er regelrecht geistesabwesend gewirkt und deswegen oft Ärger bekommen. Besonders Gernot hatte ihn gern als „Schemel“ benutzt um selbst besser zur Geltung zu kommen, aber diese Jahre waren wohl nun vorbei. Seit Gernots „Verrat“ hatte Basil – in diesem Moment fiel Darna sein voller Name wieder ein – Basilius Wolff von Gudenberg, verarmter Adel, der seinen Besitz vor einigen Generationen an die Familie von Gernot von Kelterburg verloren hatte – Er hatte jetzt ein leichtes Funkeln in den Augen, als spielte sich in seinem Kopf doch deutlich mehr ab, als er nach außen hin zeigte. Darna hatte nie über ihn nachgedacht, aber die Informationen waren irgendwo in ihrem Kopf gewesen.

Sie hatte keinen Ton gesagt, und sah nun Basil an, als bemerke sie jetzt erst wieder, dass er ja bei ihr stand und etwas nicht ganz Unerhebliches gesagt hatte. Auffällig war er wirklich nicht, nur eben erst wenn man ihn bewusst ansah. Sie atmete nochmal ein.
"Der Händler ist noch immer Teil dieses... 'Manövers', um zu testen, ob man zum Ritter taugt"
, erklärte sie nüchtern,
"und vermutlich die letzte Gelegenheit, bevor wir wieder in Jorsa sind. ... Ich werde dir helfen. Wir sind Kameraden. Aber ich werde dich nicht... 'mitschleifen', wie es Gernot tat."
Er nickte ernst.
"Damit täte ich niemandem einen Gefallen - dir nicht, und mir selber auch nicht."
Ihr Blick wurde etwas härter, während sie fest, fast grimmig erklärte:
"Aber ich werde dich auch nicht fallen lassen und verraten wie Gernot."
Seine Kiefermuskeln spannten sich kurz, dann folgte er ihrem Blick, der das Lagerhaus 13 suchte.
"Entschuldigung angenommen"
, meinte sie leiser, aber genauso schlicht. Seine Augen huschten unter den dichten Wimpern noch einmal kurz zu ihr und er atmete merklich durch. Es war nicht direkt Erleichterung, die sich da in seinem Gesicht wider spiegelte, eher so etwas wie Aufbruchstimmung in ein neues Leben. Tatsächlich bewegte er kurz die Schultern durch, als ob er von einer Last befreit wäre und zeigte Darna dann den Weg.
„Hier lang.“
Auch seine Stimme klang jetzt etwas härter.

Am Lagerhaus Nummer 13 angekommen sahen sie schon von weitem die Anderen, wie sie beim Beladen der Wagen halfen. Insgesamt waren es vier Fuhrwerke. Drei der Ladeflächen waren noch geöffnet und wurden mit Kisten und Fässern bestückt, während der erste schon fertig war und mit einer Plane abgedeckt worden war. Wollten sie noch dazu stoßen, mussten sie an dem Kerl, der hier der Hafenmeister oder Vorarbeiter der Lagerhalle war vorbei. Der Kerl war fett! Anders konnte man ihn nicht beschreiben. Fettiges Haar, fettige Haut, fettes Gesicht, fetter Bauch und so ging es immer weiter. Er brüllte die ganze Zeit herum und kommandierte die Leute von einem Ort zum anderen.
„HEH SPARGEL! DIE KISTEN KOMMEN IN DEN LETZTEN WAGEN! - UND DU PASS AUF!“
Der Händler, stand mit Derrick von Sicheldings etwas abseits und kontrollierte wohl irgendwelche Ladelisten, alle anderen halfen und auch Wolle entdeckte sie hier wieder. Er stand auf dem letzten Wagen und nahm die Kisten entgegen, die ihm gereicht wurden und sortierte sie platzsparend ein. Irgendwie wirkte er nicht sonderlich erfreut über seine Aufgabe, eher mürrisch und schlecht gelaunt.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 17. Juli 2015, 19:09

"Hier lang", sagte Basil einfach, aber auf eine Art und Weise, die... seltsam war. Für sie. Plötzlich war da etwas in seiner Haltung, etwas in seinem Ton, etwas in seinem Benehmen, dass sie in Versuchung kam, ihre Meinung noch einmal zu ändern, ob sie ihm helfen "musste". Sie hatte plötzlich ein gutes Gefühl, was ihn betraf. Was sie mehr irritierte, war, dass sie anfing, sich irgendwie wohl neben ihm zu fühlen. Ähnlich wie bei Ritter Hagen.
Neben Basil?! Fünf Jahre lang hatte sie den verlängerten Arm von Gernot so gut wie gehasst, das konnte doch nicht mal eben einfach so weg sein!
Aber dann konzentrierte sie sich doch lieber darauf, dass sie nicht schon wieder den Anschluß verlor.

"HEH SPARGEL! DIE KISTEN KOMMEN IN DEN LETZTEN WAGEN! - UND DU PASS AUF!"
"Spargel"? Hat er damit einen von uns gemeint? Sie standen noch ein paar Meter entfernt von der Szenerie und sie streckte automatisch die rechte Hand nach Basil aus, dass er warten möge. Götter, was war denn hier los?! Sind wir Hafenarbeiter oder was?
Ihre Augen weiteten sich. Sie entdeckte Wolle und hatte spontan Mitleid mit ihm. Dann zogen sich ihre Brauen zusammen. Ist das ihr Ernst? Das hier sah nicht nach einer militärischen Lektion in Sachen Geleitschutz aus.
Das hier sah nach blanker Erniedrigung aus.

Ein Anblick, der in ihr nicht übel Lust aufkommen ließ, es doch noch Leon gleich zu tun und zum Mietstall zu gehen. Wollen sie wissen, wie weit wir uns erniedrigen lassen? Schon wieder geriet sie ins Grübeln über den Sinn und Unsinn dieser ganzen Prüfungen und in ihrem Kopf begannen sich Für und Wider grob zu sortieren:
Wenn dieser 'Händler' mit Teil des Unternehmens ist, kann er uns unterwegs problemlos beobachten. Das ist eigentlich gut. Für Basil. ...
Ist es das?
Wenn es darum geht, ob wir es eigenständig bis nach Jorsa schaffen, reicht doch eigentlich schon, wenn sie sehen, ob wir alleine heil und gesund ankommen oder ob wir diesem Herrn da am Rockzipfel hängen müssen?
Könnte es etwa ein schlechtes Signal sein, wenn wir mit dem Händler kommen? War das von Eisenfaust wirklich ein Schubser in die richtige Richtung? Lotse ich Basil damit etwa in eine schlechte Richtung?
Kämen wir mit dem Geld denn bis nach Jorsa? Wenn wir die zwanzig Lysanthemer einfach für ein Pferd ausgeben, haben wir kein Essen, kein Trinken, kein Geld für eine Unterkunft, nur ein Pferd... hm. Haben überhaupt wir Geld, oder...?

Sie drehte den Kopf etwas in Richtung ihres Kameraden. "Sag mal Basil, hast du auch zwanzig zusätzliche Lysanthemer bei deinen Sachen? Wie viel Geld hast du dabei?"

Die Knappin begann im Kopf herumzurechnen: Wie oft würden sie zu Pferde auf dem Weg nach Jorsa vermutlich übernachten müssen? Und wie oft, wenn sie zu Fuß gingen?
Jetzt konnte sich das trockene theoretische Wissen über Geographie doch plötzlich im Praktischen bezahlt machen...
Hat Leon das Geld vorschnell ausgegeben? Ich meine, diese genau passende Summe da zu dem Schild vor dem Mietstall sieht ja schon fast so überdeutlich aus, dass es eine Falle sein könnte. Ein Pferd, und sonst nichts - das ist ein bißchen wenig. Und 20 Lysanthemer sind ziemlich viel für ein Pferd, oder? Oder hatte er selber mehr Geld? ... Gibt es hier eigentlich noch einen Mietstall? Einmal mehr seufzte sie innerlich. Diese Mission hatte ihr das Vertrauen entrissen. Gründlich. Das war vielleicht auch gar nicht so sehr schlecht, aber es hatte auch Nachteile. Sie mochte sich gerade auf gar nichts mehr verlassen und argwöhnte überall Betrug - es drohte ihre Entscheidungsgeschwindigkeit im Moment enorm zu lähmen.
Dafür dachte sie aber gründlich nach, ging in Gedanken durch, was sie für die Reise wohl tatsächlich brauchten und in was der Händler ihnen behilflich sein müsste, um nennenswert Kosten und Aufwand zu sparen. Würde es eine Entlohnung geben? Kost? Unterkunft? Bewaffnung? Es hatte geheißen, dass Lerchengrund morgen los wollte, also gäbe es in jedem Fall eine Übernachtung vorher. War generell ein Aufbruch heute noch klug?
Und wenn ich Basil nicht mitschleifen will, muss er auf all das im Prinzip auch noch selber kommen... Nun ja. Sie würden sich wohl zumindest absprechen und koordinieren dürfen, oder? Sie waren Kameraden, und auch ein Ritter musste kein Einzelkämpfer sein, der bevorzugt alleine reiste.
Vielleicht begleiten wir den Händler sogar auch nur, ohne 'in seinen Diensten' zu stehen... hm.

Immernoch sah sie zu den Wagen und mit leicht verengtem Blick registrierte sie bewusst den ersten Wagen, der schon fertig schien und abgedeckt war. Der war schon vorher fertig, oder? So schnell können sie keinen Wagen beladen haben, so sehr haben wir uns nun auch nicht verspätet.
Ihr missfiel, wie die Jungs von einer unangenehmen Aufgabe zur nächsten geschubst wurden. Keine Zeit zum Nachdenken, keine, um für sich selber Prioritäten zu setzen. Ihr Beschluß war gefasst, zumindest damit jetzt ein Ende zu machen. Sie würde sich von diesem Händler nicht wie eine kleine Leibeigene herumscheuchen lassen. Und Basil sollte das besser auch nicht.
Plötzlich verspürte sie sehr drängend den Wunsch, sich überhaupt erst einmal umzuziehen und vornehmlich wieder ihre Sachen zu tragen! Aber nun ja, jetzt waren sie schon mal beim Lagerhaus und sollten wohl auch nicht völlig den Anschluß verlieren, sollten sie ihn doch begleiten wollen.

Sollten und wollten sie denn? Vor allem... Will Basil das?
Wieder sah sie ihn an.
"Was hälst du von der Sache? Ich meine, das sieht gerade nicht nach Geleitschutz aus, sondern als würden die anderen da gerade als Hafenarbeiter missbraucht. Wenn es nur darum geht, kann ich darauf bestens verzichten." Sie schwieg einen Moment nachdenklich.
"Was würdest du den Händler alles fragen oder erwarten, um zu entscheiden, ob du da mitmachst?"
Sie persönlich bezweifelte, dass er Lerchengrund hieß. Es würde sie nicht überraschen, wenn er auf dem ersten Wagen etwas dabei führte, was dem Grafen der Münze oder gar dem Graf der Feder nicht gefiele oder angezeigt werden müsste.
Sie rechnete mit einem fingierten Angriff auf den Wagenzug oder versuchtem Diebstahl angeblich kostbarer Waren.
Vielleicht war es gar nicht so schlecht, wenn Basil und sie ihre Ideen einfach zusammen taten, und sie ließ Basil bewusst dabei den Vortritt.
Ich würde gerne auch den anderen helfen... Wolle zumindest.

Irgendwie war es schade, dass Leon fort war. In Gedanken kam ihr kurz noch einmal der Moment vor Augen, als er sie angesehen hatte... dieser Blick... Und wieder war da dieses Kribbeln, als sich ihr im Nacken und auf den Wangen sämtliche feinen Härchen aufgestellt hatten. Einfach nur, weil er sie ansah. Wie winzig sie sich auf einmal gefühlt hatte! Als stünde sie furchtbar weit weg von ihm. Was für ein...
...
ein...
...

Phuh. Ihr fiel kein Wort dafür ein. Das musste einer dieser Jungen sein, dem die Adelsfräulein hoffnungslos hinterherschmachteten und aufgeregt herumhüpften und kicherten, wenn sie glaubten, seine Aufmerksamkeit zu haben.
Etwas, das ganz... ganz... ganz, ganz weit weg war.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Montag 20. Juli 2015, 14:08

Kämen wir mit dem Geld denn bis nach Jorsa? Wenn wir die zwanzig Lysanthemer einfach für ein Pferd ausgeben, haben wir kein Essen, kein Trinken, kein Geld für eine Unterkunft, nur ein Pferd... hm. Haben überhaupt wir Geld, oder...?
Sie drehte den Kopf etwas in Richtung ihres Kameraden, während sie überlegte wie lange sie überhaupt bis nach Jorsa brauchen würden. Unter guten Bedingungen lag die Hauptstadt nur eine Tagesreise entfernt, aber das Wetter und andere plötzlich eintretende Umstände konnten die Reisezeit verlängern. Eine Übernachtung unter freiem Himmel, oder auf einem der Höfe die auf dem Weg lagen sollte sicherheitshalber schon mit eingerechnet werden. Bis zu ihrem Heimatgut wären es vielleicht noch ein paar Stunden mehr.
"Sag mal Basil, hast du auch zwanzig zusätzliche Lysanthemer bei deinen Sachen? Wie viel Geld hast du dabei?"
Ihr Kamerad senkte den Kopf und griff in seine Tasche. Er befühlte wohl kurz den Beutel und zog verwundert die Bauen hoch, dann holte er ihn heraus. Nach kurzem Nachzählen, nickte er erstaunt auf Darnas Frage. Sein verwundertes Gesicht wandelte sich jedoch eben so schnell wie ihres als sie am Lagerhaus ankamen. Ihm wie ihr missfiel, wie die Jungs von einer unangenehmen Aufgabe zur nächsten geschubst wurden. Keine Zeit zum Nachdenken, keine, um für sich selber Prioritäten zu setzen. Die Unselbständigkeit, zu die sie hier verdammt wurden, missfiel nicht nur ihnen. Sie wurden von diesem Händler wie kleine Leibeigene herum gescheucht.
Plötzlich verspürte Darna den Wunsch, sich überhaupt erst einmal umzuziehen und vornehmlich wieder ihre Sachen zu tragen! Ein Wappen auf der Brust, saubere Stiefel, sie waren kein Schutz, aber gaben doch Selbstvertrauen. Aber nun da sie jetzt schon mal beim Lagerhaus waren, sollten sie wohl auch nicht völlig den Anschluss verlieren, sollten sie ihn doch begleiten wollen.
Sollten und wollten sie denn?
Wieder sah sie Basilius an, der die Szenerie beobachtete.
"Was hältst du von der Sache? Ich meine, das sieht gerade nicht nach Geleitschutz aus, sondern als würden die anderen da gerade als Hafenarbeiter missbraucht. Wenn es nur darum geht, kann ich darauf bestens verzichten. - Was würdest du den Händler alles fragen oder erwarten, um zu entscheiden, ob du da mitmachst?"
Basil überlegte ein paar Momente lang. Sie persönlich bezweifelte, dass der Händler wirklich Lerchengrund hieß. Es würde sie nicht überraschen, wenn er auf dem ersten Wagen etwas dabei führte, was dem Grafen der Münze oder gar dem Graf der Feder nicht gefiele oder angezeigt werden müsste. Inzwischen traute sie diesen Menschen, dieser Prüfung, der ganzen Situation absolut Alles zu, so viel Misstrauen hatte sich in ihrer Seele angereichert. Sie rechnete mit einem fingierten Angriff auf den Wagenzug oder versuchtem Diebstahl angeblich kostbarer Waren. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, wenn Basil und sie ihre Ideen einfach zusammen taten, und sie ließ Basil bewusst dabei den Vortritt.
Ich würde gerne auch den anderen helfen... Wolle zumindest.
Wolle schwitzte unter der Last, die die jungen Männer meist zu zweit zu ihm allein hinauf stemmten. Er hielt sich wacker, war er doch ein Riese, gegenüber den Anderen. Dieser junge Mann war ungefähr im gleichen alter wie Darna nur überragte er sie noch um einen ganzen Kopf und schien immernoch nicht ausgewachsen. Sein Gesicht war mit einem dichten blonden Bart bedeckt und sein Haar war mittellang und im Nacken zusammen gebunden. Als sie ihn das erste Mal gesehen hatte, hatte er sie offen getragen. Da waren sie ihm in dichten Wellen bis auf die Schultern gefallen. Jetzt, da er sie streng nach hinten geflochten hatte, fiel ihr auch auf, dass die Seiten ausrasiert waren. Nur seine hellbraunen Augen, die funkelten wie Bernstein, ließen einen erkennen, dass er jünger war, als er auf den ersten flüchtigen Blick aussah. Wolle war vor allem anderem ein Krieger!

(Bild per Pm)

Und irgendetwas passte ihm nicht, denn Darna konnte seinen Blick, der mürrisch ab und zu zu dem Händler wanderte nicht recht einordnen. Die Arbeit war zwar anstrengend, aber schien ihm doch gut von der Hand zu gehen. Etwas anderes missfiel ihm. Er sah fast schuldbewusst aus und just als er gerade sich kurz streckte um den Rücken zu entlasten, sah er Darna und Basil etwas entfernt da stehen und sie beobachten. Seine Miene gefror zu Eis und Daran konnte sich die Reaktion nicht erklären. Die Spannung seiner Kiefer ließ die Adern an seinen Schläfen hervortreten und offensichtlich war er eben NICHT erfreut sie zu sehen – oder? Warum? - Das alles war mehr als verwirrend.

Irgendwie war es schade, dass Leon fort war. Er hatte so eine ruhige Ausstrahlung gehabt und so souverän gewirkt. Sicher hätte er auch eine Meinung zu dem ganzen Theater hier gehabt. In Gedanken kam ihr kurz noch einmal der Moment vor Augen, als er sie angesehen hatte... dieser Blick... Und wieder war da dieses Kribbeln, als sich ihr im Nacken und auf den Wangen sämtliche feinen Härchen aufgestellt hatten. Einfach nur, weil er sie angesehen hatte. Wie winzig sie sich auf einmal gefühlt hatte! Als stünde sie furchtbar weit weg von ihm.
Was für ein... ... ein... ...
Phuh. Ihr fiel kein Wort dafür ein. Das musste einer dieser Jungen sein, dem die Adelsfräulein hoffnungslos hinterher schmachteten und aufgeregt herum hüpften und kicherten, wenn sie glaubten, seine Aufmerksamkeit erregt zu haben.
Etwas, das ganz... ganz... ganz, ganz weit weg war. Eine Darna von Eibenau herum hüpfend? NEIN! Eher würden einem Schrank lange Beine wachsen und er sich im Tanze mit Röckchen zum Klang der Musikanten drehen. - Aber Leons Meinung hätte sie vielleicht doch gern gewusst. Irgendwann musste sie sich ja entscheiden, ob sie den einen oder den anderen Weg gehen würde, oder noch einen Anderen fand.

Basil, der bis eine Weile mit seiner Antwort gezögert hatte, bewegte sich an ihre Seite und er raunte ihr leise zu:
„Das ist nie und nimmer ein normaler Händlers. Siehst du das?“
Er wies auf den ersten Wagen.
„Die Achsen hängen durch, als hätte er Steine geladen. Wir werden nur langsam voran kommen und tiefe Furchen auf den Wegen ziehen. Das linke hintere Rad steht leicht schräg, siehst du? Es wird Schlingern und eine deutlich erkennbare Spur hinterlassen, sollten wir von unserem geplanten Weg abweichen müssen. Im schlimmsten Fall werden sie es verlieren und ein wirklicher Händler würde nicht mit einem Wagen in so einem Zustand aufbrechen. Das alles gefällt mir nicht.“
Er hatte wohl Darnas fragenden Blick auf sich gespürt und fügte erklärend hinzu.
„Ich hab früher gern den Bauern bei der Ernte geholfen. Die Fuhrwerke mussten immer vorher und hinterher gründlich kontrolliert werden und einer war so nett und hat mir erklärt worauf man achten muss.“
Er lächelte kurz, als gäbe es eine schöne Erinnerung in seinem Kopf dazu und starrte dann wieder nachdenklich den Händler an.
„Ich würde ihn fragen, warum er bewusst einen Unfall riskiert. Ich würde ihn fragen, was auf dem ersten Wagen ist und warum sein Mantel besser ist als seine übrige Kleidungsstücke. Ich würde ihn fragen, warum er mit einem angeschlagenen Rad eine so offensichtliche Fährte für eventuelle Verfolger legt, aber das alles wäre sehr unhöflich und sehr direkt. Ich würde ihn damit beschämen und bloßstellen und ich denke, dass ist nicht meine Aufgabe. Ich weiß nicht genau, was meine Aufgabe hier ist, aber er Kerl ist so falsch wie Schnee in der Wüste.“
Basil runzelte die Stirn, als ihn nun auch Wolles Blick aufgefallen war. Er sah ihn verwundert an, zu Darna, auf seine Brust und wieder zu ihm, dann fragte er zögerlich:
„Sag mal. Kennst du den Kerl da oben auf dem Wagen? Ist der dein Freund oder so etwas?“
Basil musste dem Ton nach Wolles Blick total missverstanden haben. Es klang so unmissverständlich doppeldeutig, dass er den Zorn des vermeidlichen „eifersüchtigen Mantroners“ wohl auf sich bezogen hatte.
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Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Montag 20. Juli 2015, 22:56

Als Basil bestätigte, dass auch er zwanzig Lysanthemer hatte, fing Darna schon in Gedanken zu überschlagen an, was für Ausrüstung sie für zwei Tage Reise, notfalls drei, brauchen würden. Die zwanzig Lysanthemer für ein Mietpferd erschienen ihr mehr und mehr wie ein schlechter Scherz. Ich will ein Pferd mieten, nicht kaufen, dachte sie missmutig. Aus den wenigen Gelegenheiten, wo sie Ritter Hagen von Weilenscheidt begleitet hatte, kannte sie ein paar Faustregeln, was Reisekosten anging. Für ungefähr einen Lysanthemer konnte man sich in einer Herberge drei einfache, aber anständige Tagesmahlzeiten leisten, und eine einfache aber solide Unterkunft für die Nacht kostete zwischen fünf und zehn Fuchsmünzen.
Vierzig Lysanthemer?! Sie wollten doch keinen Monat unterwegs sein!
Ob sie bei unserer Ankunft nachzählen, wie viel Geld wir gebraucht haben und ob wir also damit umgehen können?, dachte sie missmutig, aber als der Gedanke erstmal in ihrem Kopf war, fand sie das gar nicht mal so abwegig.

Dass Basil über die Szenerie beim Händler genauso wenig erfreut zu sein schien wie sie, erleichterte sie doch. Seine Mimik sagte schon viel, aber sie ließ ihm auch die Zeit, über die Antwort auf ihre Frage nachzudenken - schließlich nahm sie sich sowas ja auch ständig heraus.
Wieder war ihr seine Gesellschaft für einen Moment angenehmer, als sie es je erwartet hätte.
Sie sah zu Wolle herüber, während Basil nachdachte und hob leicht die Brauen. Mit den Haaren so nach hinten sah er viel .. hm, brachialer aus, als sie ihn in Erinnerung hatte. Die Arbeit, die er gerade verrichtete, tat sein Übriges zu dem Eindruck. Und als er sie auch noch so kalt wütend ansah... huch? Ihre Brauen hoben sich stärker, nun verwundert. Warum ist er jetzt so sauer auf mich? Ihre naheliegendste Vermutung war, dass er sich darüber ärgerte, dass sie nicht gleich mitgekommen waren und er nun alleine auf dem Wagen da oben schuftete, statt dass sie beide dabei halfen.
Allerdings war er daran auch etwas selber schuld, wie sie kurz darauf innerlich abblockte. Eisenfaust hatte sie schließlich ohne konkrete Befehle entlassen, und ihnen nicht befohlen, sofort dem Händler zur Hand zu gehen. Und dass sie sich dann auch noch so herumscheuchen ließen... ihr Blick ging kurz zu diesem Derrick, der ihr irgendwie schnell immer unsympathischer wurde.

"Das ist nie und nimmer ein normaler Händlers. Siehst du das?" Er erklärte ihr die Besonderheiten des Wagens und sie hörte seiner Fachkenntnis mit zunehmendem Erstaunen zu. Aber das waren wirklich wertvolle Informationen!
"Ich hab früher gern den Bauern bei der Ernte geholfen. Die Fuhrwerke mussten immer vorher und hinterher gründlich kontrolliert werden und einer war so nett und hat mir erklärt worauf man achten muss."
Den Bauern bei der Ernte geholfen? Er offenbarte binnen kürzester Zeit immer neue Überraschungen. Sie konnte fast schon Gernot hören, wie er sich über dergleichen sicher lustig gemacht hätte. Die ritterlichen Vorgaben von "Bescheidenheit" und "Würde" waren manchmal nicht ganz einfach zu vereinbaren, aber gerade bei Kindern unterlag man da doch noch anderen Maßstäben - und anderen Menschen zu helfen, war höchst selten etwas Schlechtes.
Apropos helfen...

"Ich würde ihn fragen, warum er bewusst einen Unfall riskiert. Ich würde ihn fragen, was auf dem ersten Wagen ist und warum sein Mantel besser ist als seine übrige Kleidungsstücke. Ich würde ihn fragen, warum er mit einem angeschlagenen Rad eine so offensichtliche Fährte für eventuelle Verfolger legt, aber das alles wäre sehr unhöflich und sehr direkt. Ich würde ihn damit beschämen und bloßstellen und ich denke, dass ist nicht meine Aufgabe. Ich weiß nicht genau, was meine Aufgabe hier ist, aber er Kerl ist so falsch wie Schnee in der Wüste."
"Hm", war es nachdenklich und seine Erklärungen quittierend von ihr zu hören und sie nickte leicht, meinte aber dann schlicht:
"Nun, man kann ihn das alles sicher im Prinzip auch fragen, ohne ihn damit in arroganter Weise bloßzustellen; sondern halt höflich verpackt und indirekt. Man könnte ihn zum Beispiel freundlich darauf hinweisen, dass sein Wagen ein Rad zu verlieren droht und er es vielleicht lieber austauschen sollte, bevor er aufbricht. Und dass der Wagen ungünstig beladen ist - ihm stehen doch noch drei weitere zur Verfügung... Weigert er sich, wissen wir, dass das Absicht ist und hätten einen offenen Beweis, dass da etwas nicht stimmt. Wichtig wäre dabei lediglich, dass andere es mitbekommen, ohne dass man künstlich zu laut wird."
Darna schob während ihrer Erklärung unbewusst wieder die Hände auf den Rücken, was dem Ganzen einen gewissen belehrenden Eindruck zu geben drohte, aber ihr Tonfall klang dafür etwas zu beiläufig und gelassen.
"Sollten wir nach einer Entlohnung fragen und er herumdrucksen, wie wenig Geld er doch habe oder wie arm er sei, kann man immernoch anmerken, dass es für einen teuren Mantel ja aber offensichtlich noch gereicht hat."
Aus vielen anderen Mündern wäre eine solche Bemerkung bitterster Sarkasmus gewesen - allerdings nicht bei Darna von Eibenau. Sie kannte die Formulierungen des höfischen Parketts und mochte selten die ganze Tiefe des verdrehten Humors begreifen, die vielen Formulierungen inne wohnte, aber sie war bei Gernot durch eine harte Schule gegangen und wusste, wie man jemand anderem gnadenlos Schwächen vor Augen hielt, ohne zu direkt zu werden. Sie sah nicht den geringsten Grund, warum sie vor dem Händler kuschen sollte; dabei galt es aber natürlich trotzdem, auch nicht zu arrogant aufzutreten.

So falsch wie Schnee in der Wüste... Ja. Es überraschte sie nicht, auch wenn sie es nicht einmal so fachkundig wie Basil hätte aufdecken können. Und mehr noch, sie hielt die Figur "Lerchengrund" für eine komplette Lüge; sie wäre nicht einmal überrascht, wenn er sich zu guter letzt als redlicher Mann entpuppen würde, der aber für diese Mission nun mal den fadenscheinigen Halunken mimen sollte.
War es also ihre Aufgabe - die Aufgabe der Knappen hier - dafür zu sorgen, diesen Mann nach allen Regeln der Redlichkeit zu überführen?
Wir könnten ihn einfach ignorieren. Aber das würde eben vielleicht bedeuten, dass man einen Halunken unbehelligt ziehen lässt. Sie schürzte leicht die Lippen.
"Ich denke, unsere Aufgabe ist, ganz genau so zu handeln, wie es ein anständiger Ritter nun mal täte und wie es seine Pflicht wäre. Das Problem ist, wir sind keine Ritter und es fehlt uns also ein gewisser Teil an Authorität und Bewehlsgewalt, aber das heißt ja nicht, dass wir nichts tun können." Sie sah Basil an. "Oder?"

"Sag mal. Kennst du den Kerl da oben auf dem Wagen? Ist der dein Freund oder so etwas?" Sie furchte leicht die Stirn. Für ihre Verhältnisse häufte sich die "Unterstellung", wer ihr Freund sei, in den letzten Stunden inflationär, und es irritierte sie jedes Mal; bei Zunge schon und jetzt auch bei Basil.
"Eher 'so etwas'", wiederholte sie Basils Worte nüchtern und ziemlich spontan. Wäre ihr bewusst gewesen, wie kalt bis ablehnend diese Reaktion auf andere wirken mochte, hätte sie vielleicht andere Worte gesucht, aber so wollte sie nur klar stellen, dass sie Wolle nicht als ihren "Freund" bezeichnen würde. Basils Worte hatten unmissverständlich doppeldeutig geklungen - für normale Menschen. Darna verstand es allerdings nicht. Erklärend fügte sie an: "Er ist der Knappe von Eisenfaust und hat mir bei der Ankunft etwas geholfen."
Dass er sie nackt gesehen hatte, verschwieg sie lieber. Das hatte hier nun wirklich nichts zu suchen und spielte schließlich auch keine Rolle.
"Ich werd ihn fragen, was los ist", beschloß sie schlicht und wollte sich in ihrer üblich korrekten Art zielstrebig in Bewegung setzen, um mit dem verstimmten Knappen ein paar Worte zu wechseln.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Freitag 24. Juli 2015, 10:11

"Ich denke, unsere Aufgabe ist, ganz genau so zu handeln, wie es ein anständiger Ritter nun mal täte und wie es seine Pflicht wäre. Das Problem ist, wir sind keine Ritter und es fehlt uns also ein gewisser Teil an Autorität und Befehlsgewalt, aber das heißt ja nicht, dass wir nichts tun können."
Sie sah Basil an.
"Oder?"
Bevor dieser zu einer Antwort ansetzen konnte, war ihm wohl auch der "böse Blick" von Wolle aufgefallen.
"Sag mal. Kennst du den Kerl da oben auf dem Wagen? Ist der dein Freund oder so etwas?"
"Eher 'so etwas'"

, wiederholte Darna Basils Worte nüchtern und ziemlich spontan. Basil beobachtete etwas erstaunt ihr Profil, während sie ihn weiter, mit Blick auf den Wagen, aufklärte:
"Er ist der Knappe von Eisenfaust und hat mir bei der Ankunft etwas geholfen. - Ich werd ihn fragen, was los ist"
Mit ihrer üblich korrekten Art setzte sie sich zielstrebig in Bewegung, um mit dem verstimmten Knappen ein paar Worte zu wechseln. Basil schritt neben ihr her, nicht so wie bei Gernot bei dem er immer einen Halbschritt hinter ihm gelaufen war und merkwürdiger Weise richtete er sich noch weiter auf, als wollte er sie vor dem bohrenden Blick abschirmen. Wollte er sie beschützen? Wolles Blick wurde immer finsterer um so näher sie kamen. Er verdrehte sogar die Augen, als ob ihm von ihrem Anblick übel werden würde und schnaufte ein paar mal hörbar. Darna kam gerade in einem Moment an dem Wagen an, da die anderen Helfer und zweckentfremdeten Knappen etwas entfernt waren. Sie wollte ihn zur Rede stellen, doch er kam ihr zuvor. Seine Stimme war gesenkt, aber scharf wie eine Rasierklinge:
"Was macht ihr hier? ..."
Das "Ihr" bezog sich in diesem Fall deutlich auf Darna und nicht auf sie und Basil, denn seine Augen fixierten wütend ihr Gesicht.
"... verschwindet!"
"HEEEHHH IHR DA!"
, brüllte der Händler von hinten und machte sich in Begleitung seines „Adjutanten“ Derrick von Sichelgrund, auf seinen fleischigen Beinen, die eher Säulen ähnelten, auf dem Weg zu ihnen. Wolle hatte ihn auch gehört, wie wohl jeder andere hier und ließ plötzlich die Schultern hängen. Er biss sich auf die Unterlippe und machte dann eine äußerst grimassierte gute Miene zum „bösen“ Spiel.
„Ich hab ihnen nur ...“
„SCHWEIGT! IHR DA! HIER WIRD NICHT GESCHWATZT WIE BEI TEE UND GEBÄCK...“
Eigentlich war er nun so nah heran gestapft, dass er nicht mehr schreien müsste.
„ICH MAG KEINE NACHZÜGLER! PÜNKLICHKEIT IST EINE ZIER! NA STEHT NICHT SO LETHARGISCH RUM! WO SIND EURE PAPIERE? NU NICHT SO SCHÜCHTERN! LOS ZEIGT MIR EURE DEPESCHEN!“
Mit ausgestreckter Hand forderte er sie auf die Rollen zu zeigen, wobei seine wurstigen Finger ungeduldig zuckten. Aus der Nähe betrachtet waren seine kleinen runden grauen Augen eigentlich ganz lustig, wenn er sie nicht gerade verkrampft zusammen kneifen würde. Seine Wangen waren rund und gerötet und seine Glatze glänzte unter einen dünnen Schweißschicht. Als er nun so nahe stand, roch er etwas talgig aber nicht dreckig. Da Darna schon von Basil darauf aufmerksam gemacht worden war, fiel ihr Augenmerk fast automatisch auf die Kleidungsstücke, die er unter seinem prunkvollen Mantel trug. Sie waren in der Tat deutlich einfacher. Am Hals schaute eine wattierte, am Kragen schon etwas abgewetzte Weste ein Stück hervor und die Hose steckte in einfachen Lederstiefeln ohne jede Zier. Basil hatte seine Rolle schon vorgezeigt. Der Händler hatte die Depesche kurz in der Hand gedreht, dann nur ein kurzes Stück geöffnet, den Namen überprüft, der ganz oben stand und sie gleicht wieder geschlossen, während Derrick ihn auf einer Liste abhakte.
„IHR SEID KRÄFTIG! HELFT BEIM AUFLADEN!“
Basil zögerte aber die Aufmerksamkeit von Herrn Lerchengrund wandte sich schon zu Darna und seine Hand forderte ihre Rolle.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 24. Juli 2015, 16:36

Wolles Blick wurde immer finsterer um so näher sie kamen. Er verdrehte sogar die Augen, als ob ihm von ihrem Anblick übel werden würde und schnaufte ein paar mal hörbar.
Eine kleine Furche grub sich in die Stirn der Knappin. Was war nur geschehen, dass er plötzlich so völlig anders reagierte als bisher? Wenn sie bisher dergleichen erlebt hatte, dann eigentlich immer nur, wenn von Gernot oder anderen in ihrer Abwesenheit irgend ein Mist über sie erzählt worden war, und sie hasste das. In allen andere Situationen wäre eine Körpersprache wie die von Wolle für sie genug Anlaß gewesen, einen großen Bogen um ihn zu machen, aber es frustrierte sie jedes Mal entsetzlich lange, wenn sie darüber rätseln musste, was überhaupt nur los war!
Sie wollte ihn zur Rede stellen, doch er kam ihr zuvor. Seine Stimme war gesenkt, aber scharf wie eine Rasierklinge:
"Was macht Ihr hier? ..." Das "Ihr" bezog sich in diesem Fall deutlich auf Darna und nicht auf sie und Basil, denn seine Augen fixierten wütend ihr Gesicht. "... verschwindet!"

Die Furche auf ihrer Stirn vertiefte sich und bei Wolles Ton stellten sich ihr die Nackenhaare auf. "Ich wollte herausfinden, warum du plötzlich so verärgert - über mich? - wirkst", erwiderte sie mit Mühe dabei, ihren Tonfall währendessen unter Kontrolle zu halten, denn sie wusste nicht, wie sie mit dieser offenen Anfeindung wirklich umgehen sollte. Also blieb sie nach Möglichkeit sachlich - etwas in ihrer Stimme vibrierte jedoch.
"Ich wüsste nämlich nicht, weswe..."
"HEEEHHH IHR DA!"
Sie drehte den Kopf in Richtung des Händlers und vollendete ihr Wort: "..gen."

„Ich hab ihnen nur ...“
„SCHWEIGT! IHR DA! HIER WIRD NICHT GESCHWATZT WIE BEI TEE UND GEBÄCK...“
Eigentlich war er nun so nah heran gestapft, dass er nicht mehr schreien müsste.

Ein Tonfall wie auf dem Schiff. Warum lässt sich Wolle von ihm so herum schubsen? Ihr Missmut vertiefte sich zusehends mit dem Benehmen des Händlers. Seine Stimme wehte ihr entgegen und brüllte überflüssigerweise herum. Sie war es so leid!
Die Knappin hatte sich schon vorher "vorgenommen", sich nicht in dieser Weise behandeln zu lassen, und das half ihr nun auch dabei, die Contenance zu bewahren.
„ICH MAG KEINE NACHZÜGLER! PÜNKLICHKEIT IST EINE ZIER! NA STEHT NICHT SO LETHARGISCH RUM! WO SIND EURE PAPIERE? NU NICHT SO SCHÜCHTERN! LOS ZEIGT MIR EURE DEPESCHEN!“
Dieses Benehmen stieß sie ab. Ihr Rücken bog sich eine Spur gerader durch und einige Muskeln in ihrem Gesicht strafften die Haut leicht nach hinten. Ihre rechte Braue hob sich leicht und der Blick wurde starr. Wolle würde den Anblick sicher wiedererkennen: Die junge Frau wirkte noch etwas größer und nun äußerst unnahbar, ähnlich als sie ihn nur mit einer Decke bekleidet aus der Kabine "gejagt" hatte.
Als Basil der Aufforderung auch noch nachkam, kräuselte sich mißmutig ihr linker Mundwinkel, dass ihr Gesicht wieder diesen Ausdruck "Wachhund kurz vor dem Knurren" bekam, den Gernot an ihr so liebend gern provoziert hatte. Sie registrierte aber, wie der Mann seltsam mit den Zeugnissen umging: er schien genau zu wissen, wo er was nachzugucken hatte. Er weiß eh, wie wir heißen, vermutete sie, schon selbst in Gedanken düster klingend. Und dass dieser Derrick ihn umwuselte wie ein schmieriger Sekretär, gefiel ihr auch nicht.

Seine Hand forderte ihre Rolle, und Darna zwang ihre Mimik dazu, ihre Ablehnung nicht ganz so offensichtlich zu zeigen - mit sehr mäßigem Erfolg. Sie begegnete kurz dem Blick von Lerchengrund, dann schob sie ihr Zeugnis sehr bewusst wie beiläufig rechts in ihren Gürtel und nahm den Blickkontakt erneut auf.
"Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Und auch Euch einen göttergesegneten Tag, Herr Lerchengrund." Ihre Stimme klang im Ton sachlich und höflich, aber jeder Narr konnte die Kühle dahinter heraushören.
"Ich bin Darna von Eibenau, wie Ihr vermutlich bereits wisst, und uns wurde nicht befohlen, Euch unverzüglich wie... Hafenarbeiter zu Diensten zu sein, also können wir uns auch nicht verspätet haben." Ihr Blick wurde bei den letzten Worten für einen kurzen Moment wirklich eisig.
"Und solange kein vernünftiges Gespräch mit Euch über die näheren Konditionen dieser Reise möglich sein sollte, gehe ich auch nicht davon aus, dass wir Euch tatsächlich Geleitschutz anbieten werden, bedaure."
Sie nutzte im Moment die verbale Taktik, die sie Basil zuvor empfohlen hatte: sie sprach nicht wirklich laut, dass man ihr hätte unterstellen können, den Händler öffentlich anzuprangern, aber es war selbst auf mehrere Meter mit Leichtigkeit jedes Wort zu verstehen. Sorgsam bemühte sie sich darum, den sich cholerisch gebenden Händler noch nicht wirklich zu Wort kommen zu lassen, sondern ließ stets nur sehr kurze Kunstpausen.
"Denn ich weiß nicht völlig sicher, wie es bei unseren Kameraden", sie betonte das Wort als Seitenhieb in Richtung Wolle, "aussieht, aber uns wurde genügend Barschaft mitgegeben, um mit eigenen Mitteln die Reise zu bestreiten, ohne hier derart.." herumgescheucht... entwürdigt... "..behandelt werden zu müssen."
Auf den Seitenhieb Richtung Wolle folgte ein Zaunpfahl.

Ob er jetzt wieder herum brüllen würde, um sie los zu werden? Wenn ja, beschloss sie schon jetzt, ihm noch irgendwie unangenehm zu werden und sei es im mindesten, dass sie bei den Zollwächtern von Jorsa auf seinen Wagen aufmerksam machen würde. Ob Wolle glaubte, dass sie ihm gerade irgendwie schaden wolle? Ein verquerer Gedanke, aber sie schloß es nicht aus und hielt ein paar Aufmerksamkeitsfühler auch in seine Richtung ausgestreckt.
Es ärgerte sie regelrecht, dass Basil überhaupt auch nur in Gefahr geraten war, sich doch einfach hier herein ziehen zu lassen, aber das war vielleicht auch zu viel erwartet, nachdem er jahrelang im Windschatten von Gernot mitgelaufen war.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. Juli 2015, 23:18

Die Hand des Händlers forderte ihre Rolle, und Darna zwang ihre Mimik dazu, ihre Ablehnung nicht ganz so offensichtlich zu zeigen - mit sehr mäßigem Erfolg. Sie begegnete kurz dem Blick von Lerchengrund, der eher genervt als alles andere wirkte, dann schob sie ihr Zeugnis sehr bewusst wie beiläufig rechts in ihren Gürtel und nahm den Blickkontakt erneut auf.
"Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Und auch Euch einen göttergesegneten Tag, Herr Lerchengrund."
Ihre Stimme klang im Ton sachlich und höflich, aber jeder Narr konnte die Kühle dahinter heraushören. Die Miene des Händler änderte sich langsam zu neugierig.
"Ich bin Darna von Eibenau, wie Ihr vermutlich bereits wisst, und uns wurde nicht befohlen, Euch unverzüglich wie... Hafenarbeiter zu Diensten zu sein, also können wir uns auch nicht verspätet haben."
Ihr Blick wurde bei den letzten Worten für einen kurzen Moment wirklich eisig und Lerchengrund hob inzwischen erstaunt die Brauen.
"Und solange kein vernünftiges Gespräch mit Euch über die näheren Konditionen dieser Reise möglich sein sollte, gehe ich auch nicht davon aus, dass wir Euch tatsächlich Geleitschutz anbieten werden, bedaure."
Sorgsam bemühte sie sich darum, den sich cholerisch gebenden Händler noch nicht wirklich zu Wort kommen zu lassen, sondern ließ stets nur sehr kurze Kunstpausen.
"Denn ich weiß nicht völlig sicher, wie es bei unseren Kameraden"
, sie betonte das Wort als Seitenhieb in Richtung Wolle,
"aussieht, aber uns wurde genügend Barschaft mitgegeben, um mit eigenen Mitteln die Reise zu bestreiten, ohne hier derart..
" herumgescheucht... entwürdigt... "
..behandelt werden zu müssen."

Auf den Seitenhieb Richtung Wolle folgte ein Zaunpfahl, dessen Kieferknochen so fest aufeinander gepresst waren, dass das Knirschen bis zu ihr zu hören war. Ob Wolle glaubte, dass sie ihm gerade irgendwie schaden wolle? Ein verquerer Gedanke, aber sie schloss es nicht aus und hielt ein paar Aufmerksamkeitsfühler auch in seine Richtung ausgestreckt. So bekam sie mit, dass er den Kopf langsam neigte und fast gequält die Lieder senkte. Sehr langsam schüttelte er den Kopf, so dass man es fast nicht als Bewegung erkennen konnte. Gleichzeitig bewegte sich Basil an ihrer Seite, als er nun seine Rolle ebenfalls zurück in seinen Gürtel steckte. Es ärgerte sie regelrecht, dass er überhaupt auch nur in Gefahr geraten war, sich doch einfach hier herein ziehen zu lassen, aber das war vielleicht auch zu viel erwartet, nachdem er jahrelang im Windschatten von Gernot mitgelaufen war. Der Händler hielt den Blick auf Darnas Gürtel geheftet und grinste dann etwas zu freundlich. Langsam hoben sich seine fleischigen Arme vor die Brust und verschränkten sich dort, so dass das Fell im Dekolletee seiner Weste erstaunlich weiblich anmutete. Ob er das Kreuz bei der Bewegung gesehen hatte?
„Fräulein von Eibenau also, es freut mich ihre Bekanntschaft zu machen.“
Er grinste immernoch zu breit und machte eine kleine Verbeugung. Derrick, der sich im Hintergrund hielt suchte anscheinend ihren Namen auf der Liste die er in den Händen trug und wirkte nervös, während der Händler freundlich fort fuhr.
„Auch euch einen gesegneten Tag.“
Er reichte ihr sogar die Hand um sie kräftig zu schütteln.
„Ich glaube mich zum Glück in der Lage, dieses kleine Missverständnis aus der Welt schaffen zu können, wenn ihr euch die Zeit nehmen möchtet um mir zu lauschen?“
Er nickte wie selbstverständlich und ließ auch sie seinerseits nicht zu Wort kommen.
„Meinem Kenntnisstand nach, habt ihr zehn glitzernde Lysanthemer zusätzlich in eurem Beutel um die Kosten eurer Heimreise zu decken, um euch ein Pferd zu besorgen, Futter für das Tier, euch selbst mit Lebensmitteln einzudecken, einer Schlafdecke, einem einer Zeltplane gegen den Wind, denn der ist hoch recht kühl dieser Tage, vielleicht noch einer Dame von Stand entsprechenden anderen Kleinigkeiten oder diversen anderen Dingen die ihr nach eigenem Gutdünken für notwendig halten könntet ...“
Er holte tatsächlich kurz Luft.
„... UND wenn ihr das alles berücksichtigt haben solltet, dann wäre nach meiner nicht ganz unerheblichen Erfahrung nach noch immer ein kleines Sümmchen übrig, die euch als Sold für eure freundlichen, wenn auch vielleicht noch etwas unerfahrenen Dienste angerechnet werden könnten, nicht wahr? “
Die Frage gen Ende war wohl keine Frage.
„Schließlich seid ihr keine Ritter oder ausgebildete Gardisten. Ihr habt weder Pferd, noch Ausrüstung oder einen in der Welt bekannten Namen anzubieten, der Sicherheit verspräche. Es steht euch frei zu gehen, wenn es euch beliebt, Fräulein von Eibenau.“
Sein Blick huschte zu Basli.
„Und? Basilius, Wolff von Gudenberg? Wollt ihr auch lieber gehen anstatt zu helfen und kräftiger Hände Tagwerk zu vollbringen?“
Er nahm sie abwechselnd beide ins Visier und seine Stimme wurde wieder lauter:
„ICH HABE KEINE ZEIT FÜR DISKUSIONEN! ENTWEDER IHR SCHIESST EUCH AN ODER IHR LASST ES BLEIBEN! ES GIBT NOCH ZWEI WAGEN ZU BELADEN!“
Damit drehte er sich schon halb von ihnen weg und musterte streng die bereits rekrutierten Knappen, von denen einige eilig wieder ihre Arbeit aufnahmen, nachdem sie doch dem Gespräch ein paar Herzschläge lang neugierig zugehört hatten. Einzig Wolle stand stocksteif oben auf der Ladefläche und starrte Darna an, als sei sie ein Geist oder ähnliches. Lerchengrund sah ihn an und seine Augen funkelten wütend. Dann schien Wolle einzuknicken, hob kurz die Schultern als ob ihm fortan alles egal wäre und ignorierte seine Umgebung vollständig. Darna sah kurz zu Basil und stellte fest, dass seine Augen sich verengt hatte und er mindestens eine Faust geballt hielt. Herr Lerchengrund wandte sich wieder zu Darna und ihrem Begleiter zu.
„Seid ihr zu einer Entscheidung gekommen, wertes Fräulein?“
Der Klang seiner Stimme verriet zu deutlich, dass er wohl keinerlei Interesse mehr daran hatte, dass sie zu der Gruppe dazu stoßen sollte. Er hatte sie zwischen den Worten verborgen, indirekt als „verzogenes adeliges Fräulein“ hingestellt, die sich harter Arbeit wohl zu schade war, sich selten die Hände schmutzig machte oder seinen barschen Ton nicht vertrug, war aber ebenso wie sie stehst höflich geblieben. Vielleicht war dies Taktik, vielleicht forderte er sie heraus, vielleicht wollte er sie auch nur loswerden, da sie offensichtlich schon zu viel Unannehmlichkeiten bereitete?
„Wenn ihr euch uns DOCH anschließen möchtet, dann solltet ihr euch allerdings den anderen anpassen und einen barscheren Ton ertragen lernen. Für „vernünftige Gespräche“, ein Tässchen Tee oder höfischen Tratsch habt ihr Zeit, wenn die Ladung verstaut und verzurrt ist. Vorher nicht!“
Das schien nun doch sein letztes Wort zu sein, denn er wandte sich seinem hilflosen Helfer zu und tippte auf Darnas Wappen, dass Derrick wohl ohne den Vergleich mit der Rolle nicht finden konnte. Derrick setzte schon den Stift an um es auszustreichen, zögerte und sah sie über die Schulter des Händlers hinweg noch einen Moment an, damit er wohl keinen Fehler machte, für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie doch einwilligte. Zwei andere Wappen war ebenfalls noch offen. Das von Basils Familie und das letzte musste das der Weißenfels sein. Darna konnte es noch einmal kurz sehen, als von Sichelgrund sein Schreibbrett etwas höher hielt. Es waren zwei weiße Löwen, nur wenig ausgefüllt mit Farbe, die ein graues Schild hielten. Im Schild war ein Fels und auf ihm die Zinnen eines kunstvoll umrankten Schlosses zu erkennen. Alles war Ton in Ton in Grau, wenig Schwarz und Weiß gehalten. Das Bild weckte eine verschütt gegangene Erinnerung in ihr. Sie war gut im Studium der Heraldik gewesen, doch diesen Adelsstamm hatte sie nicht studiert. Vielleicht war er nicht wichtig genug gewesen? Trotzdem wurde sie vielleicht das Gefühl nicht los, dieses Wappen schon einmal gesehen zu haben. In den Büchern von Hofkaplan Talarion, oder in der Bibliothek von Widumar von Aarenhorst , oder doch zu Hause? Irgendwie schlich sich es jedoch immer wieder in ihre Gedanken. Erst in der Kabine von Nadel, der Navigatorin der „Niemand“ und jetzt zeigte es sich wieder hier. Oder war es doch Leon, der sie mit seinem merkwürdigen Blick verunsichert hatte? Trotzdem wurde der Gedanke nicht greifbar und Darna hatte gewiss gerade zu viel anderes abzuwägen. Leider wollte das Schicksal in Form eines Kohlestiftes in Derricks Händen, dass sie sich jetzt entschied, ob sie ihre Dienste unter die Fuchtel dieses merkwürdigen Händlers stellte oder es eben doch auf eigene Faust nach Jorsa schaffen wollte. Weder Basil, noch Wolle, noch Herr Lerchengrund würden ihr diese Entscheidung abnehmen.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 31. Juli 2015, 00:57

Wolle neigte langsam den Kopf und senkte fast gequält die Lider. Sehr langsam schüttelte er den Kopf, so dass man es fast nicht als Bewegung erkennen konnte.
Er drohte sie fast aus dem Konzept zu bringen, weil sie kein bisschen schlau aus ihm wurde. Hätte sie den Händler nicht konfrontieren sollen? War an Lerchengrund irgend etwas ernsthaft gefährlich? Tat sie gerade etwas Verkehrtes?
Oder passte es nur Wolle nicht? "Pfuschte" sie ihm gerade ins Handwerk?
Sie verstand ihn nicht.
Ein Teil von ihr fing an, es entnervt dabei belassen zu wollen, aber ein wesentlich größerer Teil in ihr schrie danach, endlich Klarheit zu erlangen, was hier überhaupt los war!

So ruhte für einen Moment auf dem Händler sogar nur der kleinere Teil ihrer Aufmerksamkeit; aber das änderte sich rasch wieder: „Auch euch einen gesegneten Tag.“ Er reichte ihr die Hand, um sie kräftig zu schütteln. Sie mochte diese Geste nicht, aber hier war sie vielleicht gerade wichtig und fast so etwas wie ein eigenes Politikum - der Händler würde deutlich spüren können, wie die Knappin ihren Händedruck seinem anpasste, ihn kräftig erwiderte aber sorgsam abmaß, keinen Kraftwettkampf daraus zu machen.
"Ich glaube mich zum Glück in der Lage, dieses kleine Missverständnis aus der Welt schaffen zu können, wenn ihr euch die Zeit nehmen möchtet um mir zu lauschen?"
Diesmal war Darna es, die Neugier zeigte und tatsächlich ohne Absicht, ihn zu unterbrechen, zuhörte. "Meinem Kenntnisstand nach, habt ihr zehn glitzernde Lysanthemer zusätzlich in eurem Beutel..." Zwanzig, war sie kurz versucht, prompt zu korrigieren, merkte dann aber, dass er die Summe zu unterteilen gedachte. Was er an Ausrüstung aufzählte, glich sie sorgfältig mit ihrer eigenen groben Einschätzung ab. Futter für das Tier... hoppla, da hatte er wohl recht - um diese Jahreszeit war Gras am Wegesrand eher weniger geeignet. Zumindest musste es wohl mit etwas Hochwertigerem ergänzt werden. Den Lebensmitteln stand sie ähnlich zwiespältig gegenüber, da sie doch davon ausging, in einer Herberge, die sich sicher finden ließ, wesentlich besser zumindest zu einer Hauptmahlzeit zu kommen. Aber gut, auch das würde man sehen.
Der letzte Teil war interessanter: er bezeichnete zehn der Lysanthemer, die sie bei sich hatten, bereits als Sold für diese Unternehmung? Wie bitte? Die Frage des Händlers, die keine war, wurde mit einem fragenden, leicht skeptischen Zusammenziehen der Brauen quittiert.

Wieso sollten zehn der Lysanthemer schon der Sold für diesen Begleitschutz sein? Weder wurden wir gefragt, noch wurde ein Handel abgeschlossen. Uns wurde von Eisenfaust freigestellt, zu gehen, ohne jeden Hinweis auf das Geld. Sie glaubte nicht an einen Irrtum. Diesmal nicht. Wer hat dieses Geld denn gezahlt?! DU? Dann wäre das reichlich leichtsinnig. Sie bemühte sich, sich darüber im Klaren zu bleiben, dass all das hier immer noch in verquerer Weise mit Eisenfaust und der ganzen Unternehmung zu tun hatte, aber es fiel wirklich nicht leicht. Nachdenklich blinzelte sie kurz und nahm die zurechstutzende Bemerkung über ihre fehlenden Referenzen lediglich mit einem knappen Zucken der rechten Braue zur Kenntnis. Er hatte recht, auch wenn sie es als ebenfalls in gewisser Weise leichtsinnig erachtete, ihre Verbindung zum Grafen der Wehr unter den Tisch fallen zu lassen, wenn er nach Jorsa wollte. Aber nun gut, das traf schließlich nicht auf alle hier anwesenden Knappen zu. Außerdem wollte er offenbar wieder die Oberhand in diesem Gespräch gewinnen.
Mißmutig verdüsterte sich ihre Miene, als er in seiner provokativen Frage an Basil ihnen Faulheit und Unredlichkeit unterstellte. Noch mehr verdüsterte sie sich, als er wieder zu brüllen anfing.

Mit Argusaugen beobachtete sie das ungleiche und erneut seltsame Blickduell zwischen Lerchengrund und Wolle. Dass Wolle sie zuvor wie einen Geist angesehen hatte, wurde ein weiterer Mosaikstein an ihrem Unverständnis, was ihn betraf. Was. ist. hier. los?
Tief in ihrem Hinterkopf formte sich kurz eine Vermutung, die sich an einem vielleicht winzigen Hinweis von Lerchengrund aufhing: "...Ihr habt weder Pferd, noch Ausrüstung oder einen in der Welt bekannten Namen anzubieten, der Sicherheit verspräche." Keinen bekannten Namen... auch das stimmte wohl. Ging es hier darum, sich über ihn als Händler - wenn er denn tatsächlich einer war - einen ersten Namen zu machen? Ging es hier um etwas wie Weiterempfehlungen? Wenn ja, arbeitete sie gerade an einer Beschreibung, die einem gefälligen "Packt fleißig mit an und stellt keine Fragen" überhaupt nicht entsprach. Sie hatte aber auch gar nicht vor, einem "stellt keine Fragen" zu entsprechen, im Gegenteil! Sie war schließlich kein Söldner, der das Maul hielt, solange man ihn gut genug bezahlte.

"Seid ihr zu einer Entscheidung gekommen, wertes Fräulein?" Ja. Im Prinzip schon. Dass Basil auf Lerchengrund ebenfalls nicht gut zu sprechen zu sein schien, erleichterte ihr die Entscheidung, sich auf keinen Fall in den Dienst dieses eingebildeten Klotzes pressen zu lassen. Eigentlich hatte sie kein Interesse an Lerchengrund.
"Wenn ihr euch uns DOCH anschließen möchtet, dann solltet ihr euch allerdings den anderen anpassen und einen barscheren Ton ertragen lernen. ..." Auf keinen! Fall!
Sie hatte dieses plumpe Herumgebölke so satt! "...Für „vernünftige Gespräche“, ein Tässchen Tee oder höfischen Tratsch habt ihr Zeit, wenn die Ladung verstaut und verzurrt ist. ..." Ein vernünftiger Ton und ein bisschen Benehmen ist für dich schon Adelsfräuleingetue oder wie? Himmelnocheins! Es gibt ja bittschön sehr wohl etwas zwischen Hafengebrüll und 'Tässchen Tee'!
"...Vorher nicht!" Dann hast du eine seltsame Reihenfolge. Erst hat man in deinen Dienst zu treten, und dann kann man erst Fragen dazu stellen? Ich glaube nicht.
Allerdings gab es da eine Sache, die sie doch wurmte und die sie so nicht auf sich sitzen lassen würde, wenn sie ablehnte:

Als faul oder verzogenes Adelsfräulein würde sie sich nicht hinstellen lassen, indem sie einfach ginge, als würde sie sich nicht die Hände schmutzig machen wollen! Andererseits sah sie keinerlei Anlass, den Eindruck zu erwecken, als würde sie Lerchengrund beschwichtigen wollen. Jetzt wurde es also mit einem Gegenbeweis kompliziert. Aber auch wieder nicht. Nach und nach, in einer zügigen Reihenfolge, wie in einem simplen Steckspiel, reihten sich Dinge aneinander, die sie als Konsequenz aus dem Ganzen zu tun gedachte.
Leichte Unsicherheiten blieben, weil sie sich so schnell nicht mit Basil absprechen konnte. Irgendwie musste sie es hinkriegen, ihn nicht vollends zu verwirren.

Sie sah zu Derrick, der den Stift bereits an ihr Wappen hielt. Sie deutete mit der rechten Hand unmißverständlich einen finalen Federstrich an, ihr Wappen durchzustreichen und sagte es auch hörbar und sehr entschlossen: "Streicht mich von der Liste". Ohne Verzögerung und mit steinerner Miene, der sich bis auf zornig gerötete Wangen wenig anmerken ließ, zog sie danach den Geldbeutel aus der mitgegebenen Tasche und zählte so zügig, wie es fehlerfrei ging, zehn Lysanthemer ab.
Ihr würde niemand vorwerfen, sie hätte sich mit unrechtmäßig behaltenem Geld einfach aus dem Staub gemacht!
Allerdings war die Frage ja noch offen, ob nun wirklich Lerchengrund dieses Geld "gehörte" - und wie er selber betont hatte, würde diese Frage nicht gestellt und beantwortet werden, bevor nicht die Wagen beladen waren - also verschwanden die abgezählten zehn Lysanthemer zunächst in einer genügend tiefen Hosentasche...

Danach zog die Knappin sich aufs Zupacken vorbereitend ihre Ärmel in kurzen, akkuraten Rucken höher, während sie in Basils Richtung eine hoffentlich ausreichende Erklärung knurrte: "Aber als verwöhntes arbeitsscheues Adelsfräulein lass ich mich nicht hinstellen!"
Sie suchte kurz seinen Blick, um seine Haltung zu dem Ganzen und seine Absicht einzuschätzen. Würde er begreifen, was sie vor hatte und mitziehen?

Dann machte sie sich daran, den zweiten Teil ihres Planes umzusetzen: Sie wollte sportlich anmutend, aber bloß nicht mit angeberischer Geste zu Wolle auf die Ladefläche und ohne große Worte - wenn möglich, ganz schweigend - mit helfen, die Kisten zu verstauen; die Arbeit sinnvoll ergänzend, die er zuvor mit viel körperlichem Einsatz alleine hatte stemmen müssen. Die Führung gedachte sie dabei ihm zu überlassen, schließlich schien er sehr wohl zu wissen, wo was hin gehörte.
So half sie nicht Lerchengrund, sondern vornehmlich ihm. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der für sie persönlich entscheidend war, sich mit dieser Handlung vollends zu arangieren, und die sie so auch erklären würde, wenn nötig.

Natürlich galt es, auch bei Wolle sehr genau darauf zu achten, was er von dieser Aktion nun hielt und wie - oder ob überhaupt - er dieses Hilfsangebot annahm. Darna hoffte, von ihm endlich eine Erklärung zu bekommen, warum er sich ihr gegenüber plötzlich so ablehnend verhalten hatte, auch wenn sie ihn nicht dazu drängen wollte, gegen das von Lerchengrund angeordnete Schweigen zu verstoßen. Sie wollte keinen "Plausch". Vielleicht ließ sich seine Aversion auch ohne Worte aus der Welt schaffen, weil ihre Geste reichte. Oder sie konnten nach erledigter Arbeit ein paar Worte wechseln. Man würde sehen.
Was Lerchengrund persönlich von ihr denken mochte, war ihr relativ egal - aber dass er sie und Basil als arbeitsscheu hinzustellen drohte, wenn sie einfach gegangen wären, wollte sie, sofern es irgend ging, vermeiden.
Sie hätte ihm die zehn Lysanthemer mehr oder weniger vor die Füße werfen können, aber das wäre ein ungezogenes Benehmen. Sollte er es ihr vor Ende des Beladens zum Vorwurf machen wollen, das Geld für sich zu behalten, konnte er es wieder haben, ohne dass sie mit der Wimper zucken würde.
Genauso fand sie es aber ungehörig, überhaupt von einer Verpflichtung ihrer Person auszugehen, der sie in keiner Weise vorher zugestimmt hatte. Sowas war ein äußerst einseitiger Handel und für einen redlichen Kaufmann eigentlich eine Schande!

Wieso waren da überhaupt ihre Wappen ohne Namen abgebildet gewesen...
Weißenfels... dieses für adelige Gepflogenheiten ungewöhnlich blasse Wappen ließ wieder irgend etwas in ihrem Hinterkopf klingeln...
aber in der Tat, dafür war jetzt keine Zeit.

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Re: In Serna

Beitrag von Erzähler » Freitag 31. Juli 2015, 11:01

Sie sah zu Derrick, der den Stift bereits an ihr Wappen hielt. Sie deutete mit der rechten Hand unmissverständlich einen finalen Federstrich an, ihr Wappen durchzustreichen und sagte es auch hörbar und sehr entschlossen:
"Streicht mich von der Liste."
Derrick tat wie ihm geheißen, Lerchengrund nickte zufrieden und in der allgemeinen neugierig geladenen Stille die um sie herrschte, war sogar das Kratzen seines Stiftes zu hören, als sein Lakai über ihr hübsches Wappen fuhr. Darna zog derweil den Geldbeutel aus der mitgegebenen Tasche und zählte so zügig, wie es fehlerfrei ging, zehn Lysanthemer ab und verschwanden dann zunächst in einer genügend tiefen Hosentasche. Danach zog die Knappin sich aufs Zupacken vorbereitend ihre Ärmel in kurzen, akkuraten Rucken höher, während sie in Basils Richtung eine hoffentlich ausreichende Erklärung knurrte:
"Aber als verwöhntes arbeitsscheues Adelsfräulein lass ich mich nicht hinstellen!"
Basils Gesicht verriet Verwirrung ein ein großes Maß an Misstrauen dem Händler gegenüber. Er zögerte ein wenig zu lange und die Knappin machte sie sich daran, den zweiten Teil ihres Planes umzusetzen. Sportlich anmutend hechtete sie zu Wolle auf die Ladefläche und packte mit an. Lerchengrund stand mit offenem Mund da und glotzte. Anscheinend hatte dieses Weib sich dazu entschlossen immer genau das Gegenteil von dem zu tun, was man von ihr erwartete.
Man hörte seine plötzlich sehr leise klingende Stimme an Derrick gewandt:
„Hatte sie nicht eben gesagt, ihr sollt sie von der Liste streichen?“
Von Sichelgrund nickte eifrig und zeigte ihm noch einmal das durchgestrichene Wappen und der Händler blinzelte ein paar Mal. Dann sah er zu der jungen Frau hinauf, die wie ein Mann schuftete. Die Kisten und Fässer wurden nun von jeweils zwei Mann in schneller Reihenfolge mal links mal rechts Hinten auf den Wagen gehievt und Wolle wie auch Darna nahmen die schwere Fracht entgegen.
Wolle zeigte nur wenig Regung, aber er beobachtete sie. Er wies mit ausgestrecktem Arm mal auf die eine oder andere Lücke, wenn ein neues Frachtgut angekommen war und gemeinsam schoben sie es dann mit Kraft über die Ladefläche. Die Muskeln seiner blanken Arme spannten sich unter der Haut und eine Weile schwieg er. Allein die angespannten Kiefermuskeln verrieten, dass er ihr wohl auch gerne etwas gesagt hätte, aber er hielt sich zurück, zumindest so lange wie sie beobachtet wurden. Lerchengrund behielt sie eine kleine Weile lang verdutzt im Auge, dann zuckte er mit den Schultern, als würde er es akzeptieren und murmelte leise etwas von:
„...Weiber!...“
Dann fiel er aber wieder sofort in sein übliches Gehabe zurück und brüllte die anderen „Faulpelze“ an. Mit wedelnden Armen koordinierte er das Aufladen und verschwand so langsam im hinteren Teil des Lagerhauses, so dass die Spannung an Eingangsbereich langsam abnahm.
Basil hatte nicht einen Handschlag getan und lehnte mit verschrenkten Armen am Tor. Seine Mimik war eingefroren und starr auf den Händler gerichtet. Zumindest hatte er angefangen eigene Entscheidungen zu treffen.
„Du solltest nicht hier sein! Hast du denn kein Kreuz bekommen?!“
Wolles geflüsterten Worte kamen so unvermittelt, dass sie ihn unwillkürlich ansehen musste. Sein Gesicht war immernoch wütend verzogen, als ob er sie nicht leiden konnte, aber da war auch noch etwas anderes.
Sorge?
Seine Augen suchten nach der Rolle während er schnell und leise weiter sprach:
„Deine Prüfung ist zu Ende, du solltest verschwinden!“
Einer der anderen Knappen ging gerade nah am Wagen vorbei und Wolle verstummte. Erst als der junge Mann hinten im Lager angekommen war, sprach er weiter:
„Das hier ist nicht deine Aufgabe! …“
Leiser und missmutig fügte er hinzu:
„... das hier ist meine.“
und klang dabei irgendwie traurig. Darna verstand vielleicht nicht sofort, was er damit sagte, aber langsam begann dann vielleicht doch sein merkwürdiges Verhalten ihr gegenüber einen Sinn zu ergeben. Sie beobachtete ihn von der Seite und seine Wangen zuckten vor Anstrengung als er ein weiteres Fass in die oberste Reihe hielte. Danach sah er sie kurz an und seine Augen waren leer und irgendwie sah es so aus als ob er sich schämte. Er schluckte deutlich, so dass sein Adamsapfel sich hob und senkte.
„Ich gehöre dazu.“
Im gleichen Moment krachte irgendwo eine Kiste zu Boden und alle zuckten leicht zusammen. Lerchengrunds Stimme grollte wie ein Donnerschlag durch die Halle und alle blieben still stehen. Aus dem Augenwinkel nahm Darna vielleicht gerade deswegen die Bewegung am Eingangstor deutlicher war. Basil hatte anscheinend genug, denn er wandte sich zum gehen.
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Re: In Serna

Beitrag von Darna von Eibenau » Samstag 1. August 2015, 22:35

Aus den Augenwinkeln registrierte sie, wie der Händler ihre Handlungen mit anfänglicher Fassungslosigkeit beobachtete und ein überaus warmes Gefühl von Genugtuung, ja gar Triumph durchflutete sie. Kurz wollte sich Angst dazuschleichen, dass es ihn zu sehr verwirren würde und er ihr Bemühen einfach als verquer abtäte, aber diese Sorge war sicherlich unbegründet. Es schien, als hätte sie zumindest in diesem Detail genau das erreicht, was sie wollte: sie hatte eine Schublade zügig wieder verlassen, in die sie nicht hatte gesteckt werden wollen.

Eine Weile ließ sie auch Wolle verdauen, was gerade passierte und war froh darüber, dass er nicht wieder dieses Übermaß an Ablehnung zeigte wie vorhin. Basil wartete einfach ab und demonstrierte seinen Unwillen, für Lerchengrund auch nur einen Finger rühren zu wollen - in Ordnung.
"Du solltest nicht hier sein! Hast du denn kein Kreuz bekommen?!"
Wofür steht es? Sie ahnte was, sie hoffte was, aber sie wollte es wissen. Die junge Frau sah ihn an und wurde einmal mehr aus seiner Mimik nicht schlau.
"Deine Prüfung ist zu Ende, du solltest verschwinden!"
Kaum merklich atmete sie tiefer ein. Es wäre Irrsinn, nach diesen Worten noch zu befürchten, dass das Kreuz etwas Schlechtes oder Nebensächliches bedeutete. Wieder begann ihr Herz, schneller zu schlagen, während ihre sich weitenden Augen regelrecht zu leuchten anfingen - in einem ansonsten steinern ernsten Gesicht, in dem sich die Mundwinkel einfach nicht heben wollten.
"Das hier ist nicht deine Aufgabe! ... das hier ist meine." Als er sie mit leeren Augen ansah, verblasste der Eindruck hellster Aufmerksamkeit bei der Knappin langsam, und mit seinen nächsten Worten wurde ihr Blick scheinbar nachdenklich - und... mitleidig?
"Ich gehöre dazu."

Die Worte wollten in ihr widerhallen und tiefer dringen, aber ein Krachen ließ ihren Kopf zur Seite rucken.
"Ich gehöre dazu." Im Bild, an dem sie so lange herumgeknobelt hatte, begannen sich mehrere Mosaiksteine an ihren Platz zu schieben. Natürlich, warum hätte er ansonsten die "Rekruten" so an Deck gerufen? Nein, dazu hätte es auch andere Erklärungen gegeben. Aber seine zutiefst erschütterte Haltung nach Verteilung der Briefe... Lüge. Und in der Kabine?
"Bitte… du musst der Sache nicht vertrauen, aber vielleicht vertraust du ja mir."
Sie hatte ihm in dem Moment nicht glauben wollen, aber es schmerzte gerade, als hätte sie es doch getan. Seine Freundlichkeit, war die gespielt gewesen?
Sie horchte in sich, ob sie wütend auf ihn werden wollte, aber da war nichts. Nur etwas Enttäuschung.
"Und genau das ist es, was das Schlechte an Lügen ist: sie unterhöhlen das Vertrauen", hallte ein Teil aus dem Gespräch mit Zunge in ihr nach und sie sagte die Worte auch leise, aber ohne belehrenden Ton - eher sinnierend. Es bestätigte sich gerade, aber sie war nicht froh darüber, sondern traurig. Gerade sagte Wolle offensichtlich die Wahrheit zu ihr und sie ging nicht davon aus, dass er ihr je wirklich etwas Schlechtes gewollt hatte, aber ein Teil des Fundamentes fehlte, auf das sie ansonsten nun hätte bauen wollen.

Sie sah, wie Basil sich bewegte und atmete durch. Ja. Dann war es wohl Zeit, zu gehen, denn ihre Absicht, Wolle zu helfen, hatte sich gerade als unnötig herausgestellt. Sie würden den Händler nicht begleiten und sie brauchte Wolle nicht einmal Hinweise zum ersten Wagen zu geben. Derrick und der andere Knappe würden alleine zurecht kommen müssen. Damit hatte sie keine Probleme.
Hat Basil ein Kreuz? Braucht er das hier?, flammte plötzlich kurz Sorge auf, aber diese Flamme erstickte sich schnell wieder von selbst. Nein. Was immer das hier darstellte und wie immer Basils Status aussah, er brauchte das hier nicht. Selbst, wenn ihm noch etwas fehlte, war sich Darna irgendwie in seelenruhiger Überzeugung sicher, dass es wesentlich wichtiger und nutzbringender war, dass er gerade begann, auf eigenen Beinen zu stehen. Er würde schon irgendwie ebenso an sein Ziel kommen.
Sie griff in die Hosentasche und zog die zehn Lysanthemer heraus. "Gib das bitte Lerchengrund. Wenn das als Lohn hierfür gedacht war, will ich ihm nichts schuldig sein", sagte sie und streckte die Hand Wolle entgegen, um ihm die Münzen zu übergeben.
Mehr als offensichtlich hatte sie vor, zu gehen und klang entsprechend ruhig.

Kurz überlegte sie, was sie ihm persönlich noch sagen sollte, aber irgendwie... schien ihr plötzlich alles gesagt. Fast alles. "Bist du eigentlich Philipp oder Ottfried?", fragte sie noch ebenso unvermittelt und sah ihn noch einmal an. Wer wusste schon, ob man sich wieder begegnete oder was aus ihnen werden würde. Was er nun auch sagen mochte, sie würde es mit einem leichten, weichen Nicken quittieren. "Ich wünsch dir trotzdem alles Gute", verabschiedete sie sich leise und würde dann vom Wagen springen, um zügig zu Basil aufzuschließen.

Erledigt. Tatsächlich erledigt, und sie brauchte nichts damit zu tun haben! Eigentlich war sie erleichtert darüber, versuchte die Sache abzuhaken, aber ganz so einfach fiel das noch nicht.
Und was würden sie nun tun? Sich den seltsamen Mietstall mit dem scheinbaren Wucherpreis ansehen? Die "zwanzig Lysanthemer für ein Mietpferd"? Die Neugier trieb sie dazu, auch wenn sie leise fürchtete, dass da nur ein Nebenschauplatz dieses ganzen Theaterstückes noch auf sie... Nachzügler... wartete. Ob Leon sich da ernsthaft Schwierigkeiten angelacht hatte? Vor ihrem geistigen Auge sah sie ihn plötzlich irgendwo am Straßenrand hocken, ohne Ausrüstung, ohne Geld, nur mit einem Pferd...
Unfug.
Er hatte nicht den Eindruck auf sie gemacht, dumm zu sein oder sich nicht zu helfen zu wissen.
Also Ausrüstung besorgen? Wobei... Wie spät mochte es sein? Lieber erstmal ein Zimmer für die Nacht, dann Ausrüstung? Ja, das wirkte vernünftiger. Aber... sie sah neugierig und in angenehmer Aufbruchstimmung zu Basil. Sie war ja nicht allein.

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