Schon wieder ein Bergpfad

Das Drachengebirge streckt sich vom östlichen bis in den westlichen Teil Celcias. Es ist die Grenze zwischen dem hellen und dem dunklen Reich. Die große Hauptstadt wurde im Schutze dieses Gebirges gebaut.
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[INFO] In der Stillen Ebene steht die dunkle Armee (bestehend aus Dunkelelfen, Orks und Untoten). Das Fischerdorf ist in der Gewalt von Orks. Pelgar wird von der dunklen Armee angegriffen, die auch im Besitz eines heraufbeschworenen Knochendrachens war. Hinweis: Dieser ist inzwischen besiegt und auf Pelgar abgestürzt. Seht hierzu die Weltereignisse auf der Webseite durch!
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Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Gestalt » Sonntag 18. März 2012, 20:16

[Uriel kommt von hier: Das östliche Drachengebirge ‹ Die Hauptstadt Pelgar ‹ Wohnviertel Pelgars ‹ Schneerosenallee Nummer 13]

Etwa eine stunde lang mussten die beiden ungleichen Weggefährten dem finsteren Tunnel folgen, der bestätig mit leichter Neigung nach oben führte. Der Gang wurde zwar nicht schmaler oder niedriger, aber auch nicht höher, so dass Rakjar, der bis dahin den Kopf einziehen und gebückt hatte gehen müssen, irgendwann auf allen vieren weiter lief. Sein Leonidenblut half ihm dabei deutlich weiter, denn seine Bewegungen hatten nichts mit der krummen Haltung gemein, die ein Mensch einnahm, wenn er auf Händen und Füßen ließ. Tatsächlich erinnerte Rakjar währenddessen eher einem gerüsteten Raubtier, als einem Hybriden. Schließlich drang Sonnenlicht in den Geheimgang und ein paar Minuten später schrumpfte er auf die hälfte seiner Höhe zusammen, ehe er endete und eine kleine Öffnung nach draußen Frei gab. Da der Krieger vorgegangen war, kroch er nun auch als erster durch den Felsspalt und stand wenige Sekunden später auf einem sonnendurchfluteten Felsplateau. Dieser ort hatte gewisse Ähnlichkeit mit dem Ort, den Uriel erreicht hatte, als er auf seiner letzte Reise abgestürzt war, nur dass ihn hier keine Leiche erwartete.
Eine kurze Zeit stand Rakjar einfach nur regungslos da und schnupperte, als erwartete er, eine Witterung aufnehmen zu können. Aber entweder war nichts besonderes hier, oder der Wind kam von der falschen Seite, denn letztlich lies der Hüne den Kopf sinken und fletschte die Zähne. „Sicher,“ gab er seine Einschätzung zum besten, wohl wissend, dass der vor ihnen liegende Weg sicher nicht ’Sicher’ war. Es gab nur einen schmalen Pfad, der sich ans Gebirge drückte und dem die beiden folgen konnten. Dieser war ebenso wie der Geheimtunnel von der Zunft angelegt worden und würde sie direkt zu ihrem Ziel führen: Der großen Lagerhöhle. Wenn die Informationen stimmten, die Vampa und Nikelrah zusammengetragen hatten, dann hielt sich Apollo genau dort auf. Er hatte die Kaverne, die ursprünglich als Sammelplatz für die Diebesgilde funktioniert hatte, zu seinem kleinen Reich erklärt und hielt dort die Soldaten wie das Vieh, dass er aus ihnen gemacht hatte. Nein, dieser Pfad würde garantiert alles andere als Sicher sein ...
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Sonntag 25. März 2012, 21:17

Es war stockfinster. Der Tunnel, den sie durch den versteckten Eingang im zerstörten Tempel der Helden betreten hatten, war eng und stickig. Und vor allen anderen war er dunkel. Rakjar hatte natürlich keine Probleme sich in der Finsternis zurecht zu finden, doch Uriel hatte schon mehr. Als er das dritte Mal gegen eine Mauer rannte, war er kurz versucht, ein Feuer zu entzünden. Dennoch unterließ er es. All die Jahre hatte er seine Magie nur selten und bei äußersten Notfällen benutzt. Er würde diese Regel nicht brechen, zumindest jetzt nicht. Außerdem riet ihm sein Gefühl, dass es klüger war, seine magischen Talente lieber geheim zu halten. Er traute Rakjar nicht, und das nicht nur wegen seinem unglaublich sympathischen Auftreten. Es war vielmehr eine Grundvorsicht, die Uriel so misstrauisch bleiben ließ. Wer wusste schon, was die nächsten Minuten bringen würden?
Der Tunnel wurde immer niedriger und bald musste der Bote seinem Waffengefährten folgen und kriechen, um überhaupt voranzukommen. Allerdings sah es bei ihm längst nicht so elegant aus, wie bei Rakjar. Uriel musste seine Flügel eng an den Rücken pressen. Das Wissen, dass Tonnen von Gestein über ihm lagen und die völlige Dunkelheit, ließ seinen Atem schneller gehen. Er hasste enge Räume und in letzter Zeit war definitiv in zu vielen gewesen. Er wollte Himmel über seinem Kopf haben oder zumindest eine sanfte Brise auf der Haut spüren. Beides aber war im Moment Mangelware und das sorgte bei ihm nicht gerade für große Zuversicht. Er konnte sich nicht einmal in das Bewusstsein des Raben flüchten, da dieser hier unten noch panischer wäre als er.
Endlich erschien ein Licht am Ende des Tunnels und wenig später konnte Uriel an Rakjars Schulter vorbei den Ausgang sehen. Für den Elfen konnte es nicht schnell genug gehen, dennoch schlich der Leonid als Erster nach draußen und sondierte die Lage. Erst als er das Zeichen gab, kroch Uriel ans Tageslicht. Ein böiger Wind fegte durch das Gebirge und Regen, gemischt mit Schnee, prasselte auf die beiden Gefährten herab. Kurz gesagt, es war kalt. Dennoch atmete der Rabenhybrid erleichtert auf, als er den Himmel sah. Selbst das schlimmste Wetter war ihm lieber als irgendeine dunkle Höhle. Na ja, wahrscheinlich würde sich das bei dem nächsten Gewitter ändern, aber im Moment war es so. Von dem Ausgang ging ein schmaler Pfad ab. Die Tatsache, dass Rakjar dorthin blickte, machte deutlich, dass dies der Weg zu Apollo war.
Wieder ein Bergpfad. Man könnte glatt meinen, die Götter haben ein Faible für schmale Stiegen., dachte Uriel. Dann wandte er sich an Rakjar. "Dort hinten ist unser Ziel, oder?", fragte er. Er vermied absichtlich den Namen des Naturmagiers. Besser man beschwor das Unglück nicht so früh herauf. Rakjar starrte in an und hob die Lefzen. Ein Grinsen. "Unter anderem." Uriel hob die Augenbrauen. "Wie angenehm vage.", murmelte er missmutig. Er dachte kurz nach. "Gut, was genau ist dort hinten?" Erneut grinste Rakjar. "Eine Höhle." Uriel schnaubte. Der Kerl hatte Humor. Zumindest riss er Witze. Er neigte auffordernd den Kopf. "Und was ist in dieser Höhle, mein pelziger Freund?" Endlich ließ sich der Leonide erweichen. "War früher eine Lagerhalle, Vögelchen. Nun ist der Hexer dort, zusammen mit den Verfluchten."

Mehr wollte er nicht sagen, denn er stapfte ohne ein weiteres Wort los. Uriel zog eine missmutige Miene und folgte ihm frierend. Das hieß also, dass Apollo dort auf sie wartete mit seinem Spielzeug, welches er sich in den letzten Tagen gekrallt hatte. Sie liefen also in eine Falle. Der Taktiker in ihm fragte sich, wie schwer es war durchsickern zu lassen, dass man sich im Gebirge aufhielt. Für jemanden wie Apollo wahrscheinlich nicht sehr. Und selbst wenn Nickelrah und Vampa wussten, dass dies eine Falle war, so hatten sie keine andere Wahl. Immerhin war dies ihre einzige Möglichkeit Apollo loszuwerden. Er diktierte ihnen die Züge. Uriel fragte sich, wie viele "Glückspilze" vor ihm diesen Bergpfad betreten hatten.
Er war also ein weiterer Bauer auf dem Schachbrett, der geopfert werden sollte. Gut für ihn, dass er nicht vorhatte ein Bauer zu bleiben. Ihm war egal, wie viele Prophezeiungen gesprochen worden waren oder wie hoch die Erfolgsaussichten dieses Auftrages waren. Er hatte ihn angenommen und er würde ihn auch zu Ende bringen. Und was noch wichtiger war: Er würde überleben!
Klackernd brachen ein paar Gesteinsbrocken unter seinen Füßen weg und stürzten in die Tiefe. Hastig zog Uriel seinen Fuß zurück und ging weiter. Er sollte sich lieber erst einmal auf den Pfad vor ihm konzentrieren und sich später Mut zusprechen. "Ich nehme an, wir gehen nicht einfach durch den Vordereingang?", fragte er Rakjar.

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 29. März 2012, 21:09

Rakjar legte ein ordentliches Tempo vor, blieb aber alle paar Meter stehen und hielt seine flache Nase in den Wind. Er schien auf irgendetwas zu warten, dass einfach nicht eintraf. Vielleicht ein Anzeichen eines Feindes, Waffenfett in der Luft oder etwas dergleichen. Leoniden waren für ihren scharfen Reize bekannt, besonders für die guten Augen und die ausgezeichnete Nase. Viele Hybriden hatten Probleme mit ihrer Krankheit, doch die Leoniden wurden durch sie zu den perfekten Jägern und Spähern. Aber davon hing nichts in der Luft, das Aroma war nur kalt und klar. Nur ein winziger Hauch von Blumen war zu erahnen. So wie es den Anschein hatte ließen Uriels Führer seine Fähigkeiten in diesem Fall im Stich, was ihn zusehends angespannter machte. Auch wenn es für ein anderes Wesen ganz sicher mehr als schwer war, in der katzenhaften Miene irgendwelche Regungen abzulesen. Erst als der von Vampa angeheuerte Rabenmann ihn fragte, wie sie die gesuchte Höhle betreten würden, zeigte sich, dass Rakjar ein klein wenig gereizt war. „Gibt nur einen Eingang,“ knurrte er und fletschte dabei die Zähne. Ob das jetzt eine Drohung war, oder ob er grinste, war unmöglich zu sagen. Vielleicht beides?
Auf jeden Fall legte der Leonide danach noch an Geschwindigkeit zu. Die Geschicklichkeit seiner Raubkatzenseite verhinderte selbst auf diesem schmalen Grat, dass er fehltrat und abrutschte, obwohl der Krieger ein gutes stück größer und breiter war als der Bote. Wie der es schaffte, ihm zu folgen, schien dem Diebeswächter nicht wirklich wichtig zu sein. Entweder er konnte mithalten oder aber nicht. Wenn der letztere Fall eintrat, dann wäre er ohnehin keine wirkliche Hilfe gewesen. So ging es schweigend weiter und zwar eine ordentliche Zeit lang. Vielleicht eine halbe Stunde liefen sie über den schmalen Bergpfad, der wie eine Schnur durch das Gebirge führte. Schließlich hielt Rakjar jedoch ruckartig an und wies Uriel an, es ihm gleich zu tun. Aus seinem Waffengürtel zog er seine beiden Krummsäbel. Jetzt konnte man sehr gut erkennen, dass die Klingen mattiert und geschwärzt waren. Sie würden nicht einmal im grellsten Licht reflektieren und so verraten, wo ihr Besitzer stand. Typische Waffen für Diebe. Oder Meuchler. Der Pfad machte knapp vor ihnen einen scharfen Knick und verschwand hinter einer massiven Felswand, so dass man nicht sehen konnte, wo er endete. Den Kopf gesenkt, wie eine jagende Katze, schlich Rakjar auf seinen lautlosen Pfoten vorwärts und einen Augenblick aus Uriels Blickfeld. Dann konnte man ganz deutlich hören, wie Stahl auf den Boden fiel.
Der Grat breitete sich nach seinem Knick rapide aus und mündete in einem kleinen Tal. Der Leonide war auf die Knie gesunken, seine Schwerter lagen links und rechts neben ihm und er starrte fassungslos und mit geöffnetem Maul nach vorne. Vor ihnen erhob sich der Berg, so wie es sein sollte, aber der winzige Tunnel, der in die Sammelhöhle führen sollte, war verschwunden. Stattdessen klaffte ein zwei mal zwei Meter breites Loch in dem dunklen Granit, als hätte man das Gebirge an dieser Stelle mit irgendeinem Zwergenpulver gesprengt. An den Rändern der Felswunde wuchsen dunkle Ranken mit violetten Blüten hervor, die sich selbst in der windstillen Kluft ungewöhnlich stark bewegten. „Keine Zeichen von Leben,“ sagte Rakjar matt und sog noch einmal kräftig Luft durch die Nüstern ein. „Keine Soldaten. Keine Tiere. Keine Menschen. Nur Blumen. Überall stinkt es nach Blumen!“ Blitzschnell ergriff der Krieger seine Säbel, rannte auf den Eingang zu und Schlug mit brachialer Gewalt auf die violetten Blumen ein, die schneller starben als ihnen lieb sein konnte. Erst als alles pflanzliche vernichtet worden war, schien der aufbrausende Krieger sich zu beruhigen. Heftig atmend trat er ein paar Schritte zurück. „Komm Vogel. Zeit unserem Feind zu begegnen und im Kampf zu sterben ...“ Damit trat der Löwenmann durch den zerstörten Eingang ins innere der schwach beleuchteten Halle.

[So noch ein Post von dir, dann triffst du endlich auf Apollo!]
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Dienstag 10. April 2012, 22:14

Hastig lief Uriel über den schmalen Bergpfad. Rakjar war schon mehrere Schritte voraus und lief so sicher, als wäre er sich der Gefahr des Absturzes gar nicht bewusst. Oder vielmehr, als würde sie ihn nicht interessieren. Uriel hatte da schon mehr Skrupel. Vor allem nach seinem letzten Absturz. Aus diesem Grund setzte er seine Schritte vorsichtiger. Dass er gleichzeitig versuchte den Leoniden nicht aus den Augen zu verlieren, machte die Sache nicht einfacher. Wenigstens hatte er keine Höhenangst, so wie früher. Als er noch in Shyána gelebt hatte, waren große Höhen für ihn immer furchteinflößend gewesen. Nun, als Hybrid mit Rabenblut, war das kein Problem mehr. Große Schluchten oder Abgründe hatten ihre Schrecken verloren und waren manchmal sogar so freundlich in Uriel das Gefühl hervor zurufen, einfach abzuspringen, die Flügel auszubreiten und zu fliegen. Glücklicherweise war er noch nicht an dem Punkt angekommen, an dem er sich einreden konnte, er könnte diese Narretei überleben.
Rakjar war so nett, alle paar Meter anzuhalten. Er reckte die Nase in die Luft und schien zu wittern. Und Uriel verstand nun schon genug von der eher befremdlichen Mimik, dass er meinte erkennen zu können, dass Rakjar nicht zufrieden war. Was roch er? Auf jeden Fall nichts Gutes, denn nach einer patzigen Antwort auf Uriels letzte Frage, stürmte er schon weiter. Schneller, als beim letzten Mal. Der Hybrid verzog missmutig die Miene und beeilte sich. Apollo rannte ihnen schon nicht weg! Warum schlug dieser Mistkerl so ein hohes Tempo an? Es war ja nicht so, als wollte Uriel seinem Feind möglichst schnell gegenübertreten. Eher im Gegenteil.

Nach einer halben Stunde hielt Rakjar abrupt an. Uriel rasselte fast in ihn hinein und schaffte es nur knapp, nicht mit dem Hünen zusammenzuprallen. Das wäre es jetzt! In den Tod gestürzt, durch mangelnde Absprache! Einen peinlicheren Abgang konnte es doch nicht geben. Zumindest wenn man "nackt, mit einem Handtuch um die Lenden, aus einem Schlafzimmerfenster gestürzt" rausnimmt. Ach ja, und "freiwillig gegen einen Hexenmeister in einer dunklen Höhle antreten"., dachte Uriel in einem Anflug von Galgenhumor.
Rakjar zog nun seine zwei Säbel - übrigens geschwärzt, schließlich musste man ja Einruck schinden - und schlich vorsichtig um die Ecke. Der Kurier machte keine Anstalten ihm zu folgen oder wenigstens sein Schwert zu ziehen. Wenn der Leonid vorgehen wollte, bitte schön! Uriel würde ihm dieses Vorrecht nicht streitig machen. Und seine eigene Klinge würde nur das Licht reflektieren und war somit für ein heimliches Vorgehen denkbar ungeeignet. Für einen kurzen Moment herrschte drückende Stille.
Dann klirrte es, wie als würden zwei metallene Gegenstände auf steinernen Boden fallen. Aus Reflex zuckte Uriel zusammen. War Rakjar etwas zugestoßen? Stand Apollo schon vor seiner "Haustür"? Vorsichtig lugte der hybrid um die Ecke. Im ersten Moment war er enttäuscht. Rakjar war unverletzt und stand nur angewurzelt da. Dann folgte Uriel seinem Blick und ihm fiel die Kinnlade runter. Vor ihm klaffte ein riesiges Loch im Fels. Nicht eines der Sorte, wo Bergleute einen Eingang geschaffen hatten oder so einer den Uriel gesehen hatte, der durch Wasser ausgespült wurde. Nein, was das vor ihnen gähnte, war ein missgestalteter Schlund. Durch enorme Kräfte aufgesprengt und der Fels auseinandergerissen, mit einer Gewalt, die mit erschreckender Deutlichkeit zu sehen war.
Und nebenbei hingen noch Blümchen an den Wänden. Letzteres war für Uriel nicht so schockierend. Eher verdarb es den Eindruck, den der Eingang vermittelte, auch wenn die Blüten eine monströse Form angenommen hatten. Der Hybrid war aber nicht so dumm, zu glauben, diese Pflanzen wären zur Dekoration dort. Er ahnte, dass sie der Ursprung dieses Eingangs waren. Apollo hatte mittels ihrer Wurzeln vermutlich das Felsgestein auseinandergesprengt und so erweitert. Die Frage war nur: Warum? Wahrscheinlich zur Machtdemonstration. Der andere Grund, nämlich, dass er sonst nicht in die Höhle hineinkam, verwarf Uriel gleich, um nicht vorzeitig Muffensausen zu bekommen. Während Schwarzschwinge den beunruhigenden Teil dieses Phänomens sah, reagierte Rakjar wesentlich extremer. Er ergriff seine Säbel und schlug wie wahnsinnig auf die Blumen ein. Uriel hob angesichts dieses Ausbruchs die Augenbrauen. Als die letzte Blüte gebrochen zu Boden fiel, konnte er sich eines hämischen Kommentars nicht erwehren. "Wenn du Apollo so angehst, wie du diese Pflanzen niedergemacht hast, brauche ich mir ja keine Sorgen zu machen. Ich meine, "Blumenmetzler" hat schon etwas." Rakjar schenkte ihm für diesen Spruch nur ein kalte Schulter und einen schnellen Atem. Anscheinend hatte ihn der Anblick der Naturmagie mehr geschockt, als Uriel angenommen hatte. „Komm Vogel. Zeit unserem Feind zu begegnen und im Kampf zu sterben ...“ Schwarzschwinge verzog das Gesicht. "Wenn wir nun schon so weit sind, dass wir vom ehrenhaften Sterben sprechen..." murmelte er missmutig.
Dennoch folgte er seinen Kameraden. Denn in einer Hinsicht hatte der Leonid Recht. Nun konnten sie keinen Rückzieher mehr machen. In dem Moment, in dem über Uriels Kopf der Himmel wieder steinern wurde, wurde ihm klar, dass es nun hieß: Entweder Apollo oder Rakjar oder er. Merkwürdigerweise beunruhigte dieser Gedanke Uriel weniger, als er erwartete hatte. Es war in gewisser Weise sogar tröstlich. Kein Glück oder Können würde ihm hier groß helfen können. das Einzige was ihn hier am Leben erhalten würde war der Beistand der Götter und die Asse in seinem Ärmel.
Und die Hoffnung, dass Apollo kein so gutes Blatt hatte, wie er...

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Dienstag 17. April 2012, 22:31

In der Höhle, welche die beiden ungleichen Mitstreiter betraten, herrschte eine sehr schlechte Luft. Es war stickig und der intensive Geruch nach Blumen konnten Gestand von dreckigen Tieren und Fäkalien nicht zur Gänze überdecken. Das ganze mischte sich zu einem mehr als gewöhnungsbedürftigen Bukett zusammen, dass es einem nicht leicht machte, tief durch die Nase einzuatmen. Aber den Mund wollte man auch nicht unbedingt öffnen, denn zumindest Rakjar bekam dann sofort das Gefühl, als würde sich etwas pelziges auf seine Zunge legen. Ja, der Leonide litt unter dem Aroma, dass ihnen bereits in dem weiten Felstunnel entgegen schlug, noch bevor sie die eigentliche Kaverne erreichten. Obwohl der Leonide das Bedürfnis hatte zu husten oder lauthals zu würgen, strengte er sich an, das zu unterdrücken, um nicht unnötig auf sich aufmerksam zu machen. Die beste Waffe, die die beiden Recken hatten, war im Augenblick das Überraschungsmoment. Sollten sie es schaffen, den Magier zu überrumpeln, ehe er einen Zauber wirken konnte, wäre dies ein entschiedener Vorteil. Auch wenn wohl beide nicht mit soviel Glück rechneten. Im Grunde waren sie beide sich sehr ähnlich. Wenigstens waren sie beide Pessimisten.
Obwohl das Loch in der Bergflanke schon mehr als gewaltig war, stellte auch der Tunnel ein großes Monstrum war. Der Gang, dem sie folgten, war breit, dass fünf Männer nebeneinander gehen konnten. Die Bogendecke war an ihrem höchsten Punkt über drei Meter hoch. Anscheinend waren an den Wänden einmal Wandhalter für Fackeln gewesen, aber ebenso wie am Eingang, waren auch die Felsen im Inneren des Gebirges von diesen seltsamen, großen Pflanzen überwuchert. Die dicken, violetten Blüten schienen die beiden Tiermenschen zu beobachten und folgten jeder Bewegung im Tunnel. Aber auch Decke und Boden waren voller dunkler Ranken, die im Zwielicht gefährliche Stolperfallen darstellten. „Früher war dies einmal ein Versammlungsort,“ sagte Rakjar unvermittelt und blieb stehen. Der Durchgang schien noch hundert oder mehr schritte lang zu sein, doch am Ende konnte man bereits ein flackerndes Licht, wie von Fackeln oder einem großen Feuer erkennen. „Die Maus hat gesagt, dass einer von uns beiden zurück kehrt. Sie hat sich bisher nur selten geirrt. Ihre Worte miss zu verstehen, dass ist wahrscheinlicher. Mir ist es gleich, wer von uns beiden und ob überhaupt jemand sterben wird. Wenn du verrecktst, ist es mir gleich, wenn ich sterbe und du den Magier tötest, ist meine Schuld beglichen. Aber ich erwarte, dass du Kämpfst, Vogel!“ Mit einem leisen knurren bekräftigte er seine Worte. Dann steckte er einen der beiden Säbel zurück in seinen Wickelrock und löste den kleinen Rundschild von seinem Rücken. Damit trabte er weiter. Und seine Katzenpfoten verursachten nicht das geringste Geräusch.
Das rötliche Licht wurde immer kräftiger, je näher sie dem Ende des Tunnels kamen. Schließlich war es die einzige Lichtquelle, als man den Eingang nicht mehr sehen konnte. Zu allem Überfluss mischte sich nun auch noch der Geruch nach gebratenem Fleisch zu dem restlichen Odeur in der Luft. Zuletzt ging der Durchgang in eine Höhle über, die von ihren Ausmaßen her, einer Kathedrale glich. Hier hingen noch brennende Fackeln an den Wänden, aber das eigentliche Licht stammte von einem gewaltigen Feuer, über dem sich mehre Schweine auf einem Bratenspieß drehten. Die Pflanzen waren hier im Zentrum noch gewaltiger und erinnerten an große Geschwister der typischen Venusfliegenfalle. Ein paar Orks saßen um das Bratfeuer herum und stocherten gierig mit ihren Messern in dem Fleisch herum, dass noch sehr roh aussah. In der nordöstlichen Ecke, am gegenüberliegenden, rechten Ende der Kaverne, drängten sich etwa vier Dutzend Tiere aneinander. Schweine, Schafe, Ziegen. Sie alle wirkten verwahrlost und abgemagert, was man vor allem den Schweinen mit den deutlich vortretenden Rippenbögen ansah. Einige hatten Ledergürtel umgespannt oder trugen schmutzige Überreste von Jacken oder Hosen. Und sie hatten eindeutig Angst. Sie alle pressten sich dicht aneinander und gegen die raue Felsmauer, als fürchteten sie, dass sie als nächste auf dem Bratenspieß enden würden. Eins war sicher. Wenn dies alle Überlebenden des verfluchten Diebesheeres waren, dann hatte Vampa mit seinen geschätzt 800 weit mehr als einfach nur falsch gelegen. Aber auch die Orks, es mochten grade einmal fünf sein, wirkten angespannt, obwohl sie versuchten, es auf ihre primitive Art zu überspielen. Noch hatte sie niemand bemerkt.
Und dann war da noch eine Person. Auf einer erhöhten Bühne genau gegenüber des Eingangs, hatte man einen Thron errichtet, jedoch nicht aus Steinen, sondern aus Tierknochen und Leder. Von denen war allerdings kaum etwas zu erkennen, denn der Herrschersitz war über und über mit violetten und roten Blumen bewachsen. Darauf rekelte sich lasziv ein Mann, bei dem es sich ganz eindeutig um Apollo handelt musste. Zumindest ließen die schlanken, violetten Hörner die aus seinem Schädel und die pechschwarzen Vogelschwingen aus seinem Rücken darauf schließen. Doch sonst war dieser seltsame Kerl bestimmt nicht das, was man sich unter einem wahnsinnigen Magus vorstellte. Schon sein blasses, feminines Gesicht, mit den violett angemalten Lippen und den stark mit Schminke hervorgehobenen Augen, hatte etwas irritierendes. Die Silbrigen haare fielen ihm glatt bis zu Hüfte. Auch sie hatten einen sehr weiblichen Schnitt. Lila lackierte Finger umklammerten einen feingearbeiteten, zwei Meter hohen Stab aus Weißesche. Seinen Oberkörper bedeckte eine knappe, bauchfreie und offen getragene Weste, die grade einmal seine Brustwarzen verhüllten, die ansehnlichen Brustmuskeln aber gut zur Schau stellten. Die schwarze Lederhose war so Eng wie eine zweite Haut. Zumindest eins war klar; Dieses Mannweib war kein Dunkelelf. Aber um einen Elfen musste es sich schon handeln, zumindest wenn man den spitzen Ohren glaubte.
Im Schatten des Durchgangs stehend, sondierte Rakjar die Lage und wirkte tatsächlich sehr irritiert. „Was bei allen Göttern IST das?“ flüsterte er die brennendste Frage an Uriel weiter und deutete dabei auf das Geflügelte Ding auf dem Thron. Er hatte inzwischen schon mehrmals gehört, dass der Magier Apollo hieße und ein Mann sei, aber wenn da nicht die flache, männliche Brust gewesen wäre, hätte der Leonide geglaubt, vor einem Weib zu stehen. Doch wie dem auch sei, mit schleichen schien nichts zu sein. Der Naturmagier war 30 Meter entfernt am anderen Ende der hellen Halle und zwischen ihnen befanden sich die hungrigen Orks. Selbst wenn sie am Rand lang schleichen würden, hätte man sie lange bevor sie ihr Ziel erreichten, entdeckt. „Irgendwelche Vorschläge, oder stürmen wir einfach hinein?“
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Freitag 27. April 2012, 21:56

Das war nun wirklich langsam aber sicher ekelhaft! Uriel rümpfte angewidert die Nase, während sei weiter in den Tunnel vorstießen. Der Gestank, der sich aus sprichwörtlichem Mist, krankem Vieh und penetranten Blütenduft zusammensetzte war mehr als nur gewöhnungsbedürftig. Für einen Moment fühlte sich Uriel an das Arbeitszimmer seiner Schwester erinnert. Dort hatte es manchmal ähnlich gerochen. Liandrá hatte jedoch die einzigartige Fähigkeit besessen, so etwas als "perfekte Arbeitsbedingungen" entschuldigen zu können. Ganz im Gegensatz zum Rest der Familie, die sie schließlich freundlich gebeten hatten, ihre Experimente an einem weniger belebten Ort durchzuführen. Missmutig schüttelte Uriel den Kopf. Das waren Erinnerungen aus glücklicheren Zeiten und sie passten zur jetzigen Situation ungefähr so gut, wie seinen Füßen jeder nur erdenkliche Schuh.
Als er kurz einen Blick rüber zu Rakjar hellte sich seine Stimmung ein wenig auf. Wenigstens ging einem schlechter als ihm, das war doch schon mal etwas! Der Leonide hatte sichtliche Probleme mit der hiesigen Luft, womöglich durch seine Nase, und konnte sich nur mit Mühe davon abhalten laut zu schnaufen. Während er der Schadenfreude frönte, überlegte Uriel wie er angesichts des kommenden Kampfes vorgehen sollte. Rakjars kämpferische Fähigkeiten waren seinen weit überlegen, das war klar und musste bedacht werden. Allerdings besaß der Leonide neben diesen und seinen natürlichen Talenten vermutlich nichts weiteres. Was wiederum bedeutete, dass Uriel für die restlichen Eventualitäten vorbereitet sein musste. Ihr Gegner war ein Magier und ein mächtiger noch dazu. Überraschungsmoment alleine würde hier nicht helfen. Rakjar riss Uriel aus seinen Gedanken und verwies auf den Tunnel. Der Rabenhybrid musste bei den Worten seines Kameraden lächeln. "Erwartungen haben die unangenehme Angewohnheit, dass sie sich nur selten erfüllen, mein pelziger Freund.", meinte er. Rakjar kniff misstrauisch die Augen zusammen. "Was soll das heißen?", knurrte er drohend und man konnte ihm deutlich ansehen, dass dies eigentlich eine rein rhetorische Frage gewesen war. Dennoch antwortete Uriel, immer noch spöttisch grinsend, mit einem Achselzucken. "Dass dies einer dieser seltenen Momente ist. Vor allem aber deswegen, weil ich nicht intelligent genug bin, um mich einfach umzudrehen und dich im Stich zu lassen." Seine letzten Worte hatten ein bitteren Beiklang, was der Leonide aber nicht kommentierte, sondern stattdessen einfach einen Säbel wegsteckte und den Schild zur Hand - oder war es Pfote? - nahm.

Endlich weitete sich der ohnehin schon riesige Tunnel und gab den Blick auf eine Höhle frei. Obwohl, "Höhle" war vermutlich nicht das richtige Wort. Unter "Höhle" verstand man einen dunklen, stickigen, teils sogar kleinen Raum innerhalb von Felsgestein. Dunkle war dieser Ort zwar auch, aber auch nur deshalb weil selbst hundert Fackeln nicht im Mindesten ausgerecht hätten um ihn vollständig zu erleuchten. Diese Halle war deshalb in ein leicht dämmriges Zwielicht gehüllt, hauptsächlich wegen dem großen Feuer in seiner Mitte. Um das Feuer herum saßen fünf Orks, halb nackt, wobei ihre Anzahl Uriel mehr Sorgen bereitete als ihre Mangel an Kleidung oder Körperpflege. Der Geruch von gebratenem Fleisch kam von den Schweinen, die sich munter auf einem Spieß über den Flammen drehten. Dann ging der Blick des Boten weiter zu einem behelfsmäßigen Stall am anderen Ende der halle. Dort drängten sich dicht an dicht Schafe, Schweine und Ziegen beieinander. Zuerst bemerkte Uriels kritisches Auge den armseligen Zustand der Tiere, die definitiv nicht viel Fleisch an den Rippen hatten. Dann aber sah er die zerrissenen Kleider.
Mit einem Mal war der Hybrid froh, nichts gegessen zu haben. Anscheinend war es tatsächlich keine vage Umschreibung gewesen, als ihm gesagt worden war, die vorherigen Attentäter seien allesamt "verflucht" worden. Dennoch fiel ihm auf, dass dies keineswegs so viele Tiere waren, wie gedacht. Entweder hatten die Orks übermäßig großen Hunger gehabt oder Vampa und Nickelrah hatten mehr als nur leicht übertrieben. Uriel sondierte nun weiter die Halle und schließlich blieb sein Blick an einem Thron..."kleben". „Was bei allen Göttern IST das?“, sprach Rakjar genau das aus, was dem Kurier neben ihm durch den Kopf ging. "Nun, ich würde sagen, ein wahnsinniger Hexenmeister mit riesigen Kräften.....und einer Geschmacksverirrung.", antwortete Uriel trocken, "Entweder das, oder ein schlechter Scherz."
Dennoch, das Aussehen ihres heiß ersehnten Feindes war im Moment von nebensächlicher Bedeutung. Denn sie standen vor einem Problem. Sie kamen nicht an ihn heran. Sie trennten ungefähr 30 Meter um einander an die Gurgel gehen zu können. Dreißig Meter, beleuchtet und mit fünf Orks dazwischen. Viel war da nicht mit Überraschungsmoment. Und natürlich forderte Rakjar auch gleich ein Plan! Stimmt ja, ich trag auch ständig welche mit mir herum!, dachte Uriel wütend, Wo hab ich denn nur "Beim Kampf gegen einen nicht-geschlechtsspezifischen Naturhexer"? Trotzdem schloss er kurz die Augen und dachte nach. Jetzt war der Moment gekommen, wo er seine Karten ausspielen musste. Und der erste Zug würde entscheidend sein. Also rief sich Uriel ins Gedächtnis was er alles zur Verfügung hatte. Rakjars Kampffertigkeiten, meine Magie, möglicherweise Überrumpelung, diverse Trümpfe und die obligatorische Unterschätzung meiner Wenigkeit.
Dann öffnete er die Augen und blickte seinen Kampfgefährten unerwartet entschlossen an. Er deutete auf das Feuer und die Orks, wies dann auf sich. Er würde sich um die kümmern. Dann tippte er auf Rakjars Brust und wies zu Apollo. Der Leonid öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch Uriel schüttelte energisch den Kopf. Sie wussten zu wenig über die Fähigkeiten ihres Gegners. Es gab für Magier viele Möglichkeiten Gespräche mit anzuhören. Rakjar legte fragend den Kopf schief und blickte vielsagend zum Feuer. Nun gestatte sich Uriel ein Grinsen. Überlass es mir, formte er mit den Lippen.

Fackeln zu löschen war nicht schwer, ein großes Feuer hingegen schon eher. Dennoch wusste Uriel genau was er tun musste. Er legte seine Hände auf den flachen Stein. Dann nickte er Rakjar zu, hob drei Finger hoch und zählte langsam ab. Als er er den letzten Finger senkte, konzentrierte er sich und stellte rasch eine Verbindung mit den Lagerfeuer in den Mitte der Halle her. Dann leitete er die Hitze in den Boden, in direkten Kontakt mit den Flammen und dann tiefer ins Gestein hinein. Das Gleiche tat er mit den Fackeln. Mit einem Mal wurde es stockdunkel, als jegliches Licht erlosch. Die Orks würden vermutlich bemerken, dass sich der Boden unter ihren Füßen stark erhitzt hatte, aber sie würden nicht begreifen was vor sich ging. Dann zog Uriel seine Klinge und stürmte los. Er bemühte sich nicht im Geringsten leise zu sein und das aus purer Absicht. Man würde sich sofort auf ihn fixieren und das war der Sinn der Sache. Er lief in die Richtung, wo die orks lagerten, verließ sich auf seinen Sinn für die richtige Richtung. Rakjar würde sich im Dunkeln besser zurechtfinden, als jeder andere, das war ihr Vorteil.
Doch Uriel baute nicht darauf, dass dies funktionierte. Darum hatte er die Hitze im Gestein gelassen. So konnte er auf sie zugreifen, wenn er sie brauchte und brauchen würde er sie. Innerhalb weniger Momente hatte er die Orks erreicht. Ihr Grunzen war gut zu hören. Ohne groß zu zielen, schlug er zu, darauf vertrauend, dass er jemanden traf und dieser dementsprechend auch alarmiert reagieren würde. Dann aber, entgegen jeglicher Logik eines Ablenkungsmanövers, setzte er über die grüne Meute hinweg. Schnell und nun leise ging Uriel weiter, in der Hoffnung, dass ihn niemand in dem Chaos hörte und wendete sich nach rechts. Seine tastenden Hände fanden die Umzäunung des Stalles. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit. Bald würden sich die anderen von ihrem Schock erholen und Rakjar würde es alleine gegen Apollo nicht schaffen, da war sich der Hybrid sicher. Der Leonide wusste nichts davon, aber eigentlich war er die Ablenkung. Apollo musste beschäftigt werden, bis Uriel fertig war. Und eine doppelte Täuschung war dabei am effektivsten. Wer würde denn bitte schön vermuten, dass der Angreifer in Richtung der Schafe und Ziegen stürmen würde.
Mit einem Ruck riss Uriel das kleine Tor auf. Die Verfluchten sahen nichts, doch sie spürten, dass jemand kam. Uriel hörte, wie sich panisch in eine Ecke drängten. Sehr gut!, dachte er. Panik war genau das, was er jetzt brauchte. Er hob sein Schwert und sprang mit einem mal mitten in die Herde hinein. Die flache Breitseite knallte gegen speckige Haut. Zusätzlich flüsterte der Hybrid etwas und presste sein Hand in das Fell eines nahen Schafes. Die heiße Hand biss in die Wolle und qualmender Rauch war zu riechen. Nun würde die Herde mit Sicherheit durchgehen.
Uriel hechtete mit einen schnellen Sprung zur Seite um nicht unter die Hufe zu geraten. Nun war für genügend Verwirrung gesorgt. Zeit, Rakjar zu helfen. Wenn er denn noch lebte...

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Samstag 12. Mai 2012, 23:03

Auch wenn er es nicht zugegeben hätte, er war nicht grade das, was man ein Ass unter den Taktikern und Strategen nennen konnte. Im Gegenteil, als Rakjar die Umgebung und die Situation sondiert hatte, wurde ihm ziemlich mulmig, denn selbst wenn er die Fähigkeiten des Hexenmeisters überschätzte, so wollte ihm kein Plan einfallen, mit dem sie es schafften, nahe genug an den spitzohrigen Bastard zu gelangen, um ihn auszuschalten. Entweder würden die Orks oder das Ziel selbst auf sie aufmerksam und das war es dann. Ja, er überlies es Uriel, sich eine Strategie auszudenken, aber auch nur, weil ihm keine andere Wahl blieb. Aber auch wenn er vielleicht nicht grade der umgänglichste Typ war, mit dem man sich einlassen konnte - und im Prinzip bestand daran gar kein Zweifel - so verstand er sich sehr wohl darauf, Befehle zu befolgen. Zwar war sich Rakjar absolut nicht schlüssig, was wohl in diesem Vogelhirn vor sich ging, doch er hatte die Anweisung, wenn sie auch nur non-verbal erfolgte, verstanden. Er sollte also direkt den Naturmagier attackieren, während Uriel – hoffentlich – für eine Ablenkung sorgte und oder sich dabei um die Orks kümmerte. Gut. Das war machbar. Innerlich wünschte er sich zwar, dass dieser geflügelte Dreckskerl ein paar Informationen mehr geäußert hätte. Aber der Rabenkerl hob bereits seine Hand und streckte drei Finger aus. Zwei. Einer. Noch einmal atmete Rakjar tief ein und sofort stellte sich in ihm diese seltsame Ruhe ein, die vor jeder Schlacht aufkam. Dann hob er sich seinen Schild vor die Brust, verstärkte den Griff um sein Schwert und stürmte nach vorne ...

Bereits als fast auf einen Schlag die gesamte Beleuchtung der Höhle erlosch, breitete sich leichte Panik unter den fünf Orks aus, die gewiss nicht freiwillig noch hier in der Kaverne waren. Viele Leute behaupteten, Orks seien in Wirklichkeit grundsätzlich Feiglinge und nur in ihren Rotten mutig. Auf diese fünf traf das auf jeden fall recht gut zu, denn sie wären wirklich lieber mit dem Rest der Horde gezogen, anstatt sich um den Nachschub zu kümmern. Man hatte sie damit beschwichtig, dass es in Apollos nähe absolut sicher wäre und nichts unvorhergesehenes Geschehen könnte. Und nun das! Kaum war das Licht erloschen, konnte man bereits das Stampfen von schweren Stiefel, Klingeln von Kettengliedern und das Scharren von Waffen, die aus ihren Scheiden gezogen wurden. Die Grünhäute stellten sich nervös grunzend um die Überreste des Lagerfeuers herum auf. Da sie nichts sahen und aufgrund des alles überlagernden Geruchs von Vieh und Blumen, sich auch nicht auf ihre Nasen verlassen konnten, waren sie komplett auf ihre Ohren angewiesen. Doch die wurden durch den Lärm, den Uriel verursachte ebenso überrumpelt, wie ihre Nasen durch das Odeur. Für sie klang es so, als würde eine ganze Meute im Mantel der Dunkelheit angreifen. Wild mit seiner Waffe durch die Luft wirbelnd erreichte der Hybrid die kleine Meute. Auch wenn er es nicht darauf anlegte, seine Feinde zu töten, so schnitt seine Klinge doch wie durch Zufall durch die Kehle eines Orks, der daraufhin ein angsterfülltes Quieken, ähnlich einer abgestochenen Sau, von sich gab und damit seine Kameraden noch mehr verschreckte.
Auch die eingepferchte Herde reagierte ziemlich stark auf Uriels Ablenkungsmanöver. Bereits als das Licht verlosch, wurden die Tiere unruhig, was noch stärker wurde, als die Orks zu grölen, grunzen - und in dem einen Fall zu quieken – begannen. Als dann etwas Unsichtbares mitten unter sie sprang, Hiebe verteilte und mit Hitze um sich schlug, brach eine Stampede aus. Die gesamte Herde verfiel in eine Massenpanik und wollte nur noch fort von diesem unliebsamen Ort. Wildes Hufgetrampel brandete aus, dass durch die Höhlenwände noch hundertfach geechot wurde. Die verbliebenen Orks wussten gar nicht was vor sich ging, als sie von 200 Hufen niedergetrampelt wurden. Große, kampferprobte Krieger wurden von Ziegen, Schafen und Schweinen getötet. Und die verfluchte Herde suchte sich ihren Weg zum Tunnel, der in die Freiheit führte.

... Das jede Lichtquelle im Gebiet sich wie auf ein Kommando verdunkelten, überraschte Rakjar zwar in der ersten Augenblick ein wenig, tat seinem Sturm auf den wahnsinnigen Magier jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil, es dauerte nur wenige Sekunden und seine Katzenaugen hatten sich an die Finsternis gewöhnt. Sie verstärkten das verbliebende Glimmen und den kaum wahrnehmbaren Schimmer der Pflanzen so sehr, als wäre es grade Dämmerung. Aus den Augenwinkeln beobachtete der Löwenmann, wie unter dem unkordinierten Schwertgefuchtel des Rabenelfen ein Ork tödlich verwundet niederging, ehe sein Verbündeter sich auf eine andere Taktik verlegte und zur Herde schlich. Er konnte sich bereits in etwa denken, was der andere vorhatte, aber darauf kam es grade nicht an. Die Katzenaugen richteten sich wieder nach vorne und fixierten den Elfenmagier. Irgendetwas stimmte hier nicht. Der Kerl war immer noch viel zu ruhig! Bei all dem unerklärlichen Dingen, die hier grade passierten, bei dem Lärm und allem, hätte er doch wenigstens überrascht oder verwirrt sein müssen, aber nein, er saß immer noch so lächelnd in seinem Beinthron, als wäre nichts passiert. Mit einem mal strauchelte Rakjar und mit dem nächsten Schritt verlor er vollends das Gleichgewicht und fiel alle Viere von sich gestreckt auf den Boden. Es fühlte sich an, als hätte jemand seine Knöchel ergriffen und festgehalten, doch als der Leonide zurück blickte, sah er die wulstigen Ranken, die sich dicht über den Füßen um seine Beine geschlungen hatten und jetzt versuchten, ihn in die Luft zu zerren. Geistesgegenwärtig lies er seinen Schild fallen und ergriff seinen Säbel mit beiden Händen, um einen kräftigen Hieb gegen die lebende Pflanze zu führen. Gegen den geschwärzten Stahl hatten die Pflanzen nichts entgegen zu setzen und Rakjar konnte von der wütenden Pflanze wegkriechen und die toten Enden von seinen Knöcheln entfernen.
Ein wenig wackelig kam der Krieger wieder auf die Beine und als er sich umsah, fand er sich direkt unterhalb des Plateaus wieder, auf dem Apollos Thron aufgebaut worden war. Jetzt hatte der Magier sich endlich erhoben und majestätisch in Pose geworfen. Seinen langen, reich verzierten Stab hielt er wie ein Szepter vom Körper weg. Der drahtige Elf schnipste mit der freien Hand. Sofort wurde das Leuchten der Pflanzen ringsherum intensiver, bis es schließlich sogar das ursprüngliche Licht der Fackeln und des Lagerfeuers überbot. „Ahhhh, endlich mal ein paar Intelligente Übelchen,“ flötete Apolle und richtete seinen Stab auf Rakjars Herz. Dann drehte er den Kopf leicht und lächelte Uriel zu. Der Überraschungsmoment schien augenscheinlich vertan. „Ich heiße euch willkommen, auch wenn ich es euch ein bisschen übel nehme, wie ihr mit meinen Dienern und meinem Nachschub umgegangen seid!“
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Montag 28. Mai 2012, 22:02

Es war doch immer wieder ein Freude, wenn ein Plan funktionierte! In Uriel machte sich beinahe so etwas Ähnliches wie gute Laune breit, als er hörte, wie die Orks nähere Bekanntschaft mit Horn und Huf machten. Die Herren in Grün waren sogar so freundlich gewesen nach dieser aufreibenden Begegnung ihr Leben auszuhauchen. Eine Rücksicht, die Uriel so gar nicht von ihnen kannte. Wären sie noch ansprechbar und noch vom Felsboden zu unterscheiden gewesen, hätte er ihnen gerne gedankt. Ein Händedruck wäre vielleicht auch noch drin gewesen.
So aber stahl sich nur ein zufriedenes Schmunzeln auf das Gesicht des Hybriden während er im Dunkeln vorsichtig in die Richtung ging, in der Apollo sich vermutlich noch aufhielt. Durch das Blöken und Grunzen, der sich entfernenden Herde konnte er nicht hören, ob Rakjar schon mit dem Hexenmeister kämpfte, oder ob er das Attentat schon vollführt hatte. Letzteres war natürlich ebenso wunderbar, wie unwahrscheinlich. Uriel hatte auf den ersten Blick schon einen recht guten Eindruck von diesem Apollo bekommen. Allein seine Haltung hatte verraten, das er jemand war, der alles unter Kontrolle hatte. Vielleicht keine taktische Kontrolle, aber auf jeden Fall eine "Herrschaft durch Macht". Das Verhalten der Orks war der Beweis dafür gewesen. Diese grünhäutigen Schweinsnasen hatten sich vor Angst buchtsäblich in die Hosen - oder vielmehr Lendenschurz - gemacht. Und etwas, was eine ganze Meute Orks dazu bringen konnte, sich über längere Zeit hingebungsvoll auf ein Lagerfeuer zu konzentrieren, dass würde sich nicht einfach durch solch eine Stegreif-Taktik erledigen lassen, dessen war sich Uriel sicher.

Schnell sprang er über eine Wurzel vor seinen Augen. Nun müsste es nur noch ein paar Schritte zum Thron sein. Wo war Rakjar? Wieso....Moment mal! Abrupt blieb Uriel stehen. Ich konnte die Wurzel SEHEN!? In dem Moment schnippte jemand und plötzlich wurde die gesamte Höhle von einem leicht bläulichen Schein erleuchtet. Zuerst blinzelte der Kurier verwirrt. Dann sah er die glühenden Pflanzen und seine Miene verfinsterte sich. Warum konnten seine Erwartungen nicht ein einziges Mal enttäuscht werden!? War es denn so schwer einmal falsch zu liegen?
Nun sah Uriel auch den Grund, warum es keine Kampfgeräusche gegeben hatte. Rakjar lag am Boden, Apollos Stab drohend auf der Brust, während der Besitzer von Selbigen seine unheimlichen Augen auf den Rabenhybriden richtete. Der funkelte seinen Kampfgefährten wütend an. Große Töne spucken und den Kerl dann nicht einmal von seinem Stuhl bringen können! Super Leistung, du Meuchler! Dann wandte Uriel sich Apollo zu. Da der Überraschungseffekt vertan war, musste ein andere Plan ran und zwar schnell. Doch für so etwas brauchte Uriel Zeit. Auch um Rakjar eine weitere Gelegenheit zu schaffen. Also hieß es jetzt reden. Sein Mund verzog sich zu einem schiefen Lächeln. "Wir hätten uns ja gerne angekündigt, aber mein Freund meinte, das wäre zu profan.", sagte er in einem glatten Tonfall. Dann blickte Uriel bedeutungsvoll auf die kläglichen Überreste der Orks und verzog kurz das Gesicht. "Obwohl unsere Kreativität wohl mehr Spuren hinterlassen hat, als gedacht."
Anscheinend verlegen kratzte sich der Hybrid sich mit der rechten Hand am Kopf, als er weiterredete. "Üblicherweise gehen solche Gespräche immer in eine leicht unschöne Richtung. Soll heißen, Mord und Totschlag. Bevor wir aber zu diesem eher praktischen Teil kommen, würde ich gerne noch ein Frage stellen." Nun Uriel den rechten Arm aus und wies auf die Höhlenwände.
"Warum so ein, zu groß geratener, Fuchsbau? Ich meine, Pelgar ist erobert. Ich bin mir sicher, die Dunkelelfen sind so freundlich und räumen dir ein Haus frei. Zu Not kannst du es auch selbst übernehmen. Oder hast du dafür etwa bestimmte Gründe?" Die letzten Worte sprach Uriel in Lyrintha. Wenn Apollo sich wirklich auf ein Gespräch einließ, könnte der plötzliche Sprachwechsel ihn ein wenig aus dem Konzept bringen. Eigentlich aber hatte Uriels Geschwafel natürlich einen anderen Zweck. Während er nämlich mit der einen Hand gestikulierte, löste er bereits mit der anderen eine der Mehlbomben. Gleichzeitig fokussierte er einen Teil seines Geistes auf die, in dem Fels noch gespeicherte Wärme, um sie hervorzuholen, wenn es nötig war. Außerdem gab er Rakjar somit Gelegenheit auch mal seinen Kopf anzustrengen.

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Gestalt » Dienstag 29. Mai 2012, 20:17

In einer typischen Siegerpose stellte der Magus einen seiner hochhakigen Stiefel auf Rakjars Brust. Der Leonide biss die Zähne zusammen und atmete pfeifend ein, als sich der spitze Absatz etwa zwei Fingerkuppen tief durch den Leinenpanzer und in seine Haut bohrte. Es war keine schwere Verletzung, eher im Gegenteil, aber es war dafür umso schmerzhafter. Ein süffisantes lächeln umspielte die Lippen des silberhaarigen Elfen. Der Boden um ihn herum war bedeckt von Dutzenden, dieser seltsam lebendig wirkenden Ranken, von denen einige sich schlangengleich auf den am Boden liegenden Krieger zu bewegten. Mit der freien Hand fuchtelte Apollo durch die Luft, während das spitze Ende seines Stabes weiterhin auf Rakjars Brust zielte. Langsam begannen sich die Ranken um die Hand- und Fußgelenke des am Boden liegenden zu wickeln, um ihm jede Freiheit zu nehmen und sicher zustellen, dass von ihm keine Gefahr mehr aus ging. Erst als es dem Leoniden unmöglich war, sich zu Bewegen, hob der wahnsinnige Naturmagier seinen Stab und wirbelte ihn einmal elegant durch die Luft. „Orks sind nichts weiter als Nutztiere. Nur solange sie Arbeiten können und Befhele befolgen, sind sie etwas wert. Es ist gut, wenn man eine Horde zur Verfügung hat, aber nicht weiter schlimm, wenn das nicht so ist. Ich hege keinen Groll deswegen gegen euch.“ Mit der linken Hand auf der Brust deutete Apollo eine Verbeugung an und sein Grinsen wurde noch eine Spur breiter, so dass man deutlich zwei Reihen von strahlend weißen Zähnen sehen konnte. Seine stimme war unnatürlich weiblich für einen Mann und auch wenn sie fröhlich und seltsam melodiös klang, hatte sie einen finsteren Unterton. Als Uriel dann weiter sprach und plötzlich die Elfensprache verwendete, schnalzte der Elfenmagier mit der Zunge und gab einen genießerischen Laut von sich. Für zwei Sekunden schloss er sogar seine Augen. "Ahh, es tut gut, endlich nach so langer Zeit jemanden zu hören, der Lyrintha gut und fehlerfrei spricht. Ach das Leben fern der Heimat ist ja soooo ... entbehrungsreich. Als dank dafür und weil du ohnehin in wenigen Minuten nichts weiter bist als ein blökendes Schaf, werde ich dir deine Frage beantworten. Danke mir nicht für meine Milde!"
„Pah, elender Bastard!“, knurrte Rakjar von unten rauf. Für diese unerhörte Unterbrechung kassierte er sofort einen kräftigen Hieb mit dem Stabende, an dem ein kopfgroßer Ring angebracht worden war. Der Leoniden zuckte schmerzhaft zusammen, ausweichen war ihm nicht möglich gewesen. Eine weitere der gefährlichen Ranken hatte damit begonnen, sich um seinen Hals zu schlängeln. Trotzdem war da noch ein Funke in seinen Augen. Er wirkte nicht so, als wäre er besiegt. Ganz im Gegenteil, er schien sich bei weitem nicht geschlagen zu geben. Stattdessen suchte er Blickkontakt mit seinem Verbündeten. Ein paar Sekunden lang währte dieser, dann bewegte er seine Augen ruckartig nach oben. Das ganze wiederholte er noch zwei mal, bevor er abbrechen musste. Dafür kamen nun gurgelnde Laute aus seiner Kehle und er begann zu hecheln. Die Ranke um seinen Hals begann ihm die Luft abzudrücken. Aber was war es, worauf der Leonide seinen Kameraden hatte aufmerksam machen wollen? Direkt über ihm und Apollo hing eine dieser unheimlichen, violetten Blumen an der Decke. Alleine die Blüte maß sicher die selbe Größe wie ein Felsbrocken. Gehalten wurde sie lediglich von einem dünnen Stängel, durch die sie mit dem Blätter und Wurzelwerk an der Höhlendecke verbunden war. Sie schwang leicht hin und her. Der wahnsinnige Naturmagier hatte jedenfalls nichts bemerkt, sondern sich die Worte für seinen Monolog zurecht gelegt.
"Natürlich hätte ich in die Stadt gekonnt, aber ich fühle mich hier Wohler, als in dieser Menschenkloake. Ganz frei von Gestank bin ich auch hier nicht, aber hier können meine Pflanzen wenigstens etwas tun. Ich will ganz ehrlich sein: Diese ungehobelten Dunkelelfchen interessieren mich einen dreckigen Dreck. Ich unterstütze sie, weil man es mir befohlen hat. Und als Lohn erhielt ich den Stab des Hirten!" Langsam hob Apollo seinen langen Ahornstab über seinen Kopf. Tatsächlich ging von ihm eine starke, magische Präsenz aus, auch wenn sie zu einer Schule gehörte, mit der Uriel nicht vertraut war. Naturmagie, höchstwahrscheinlich. ”Ich spiele den gefügigen Diener, verwandle ihre Gefangenen in Vieh und versorge sie so mit Fleisch. Wie glaubst du, wird dieses gewaltige Heer mit Nachschub versorgt? Die Soldaten Pelgars füllen inzwischen die Bäuche der dunklen Armee.” Apollo lies ein schrilles, hohes Lachen erklingen. Das passte nun eindeutig zu einem Wahnsinnigen. Aber leider erklärte das auch, warum hier nicht die erwarteten 800 Mann waren. Die waren inzwischen wohl geschlachtet worden. Ein schreckliches Schicksal. ”Ich denke mein Herr wird bald Kontakt mit mir aufnehmen. Soweit ich weiß, hat seine Agentin bereits alles gesuchte in ihren Besitz genommen. Meine Anwesenheit wird langsam überflüssig. Ganz genau so wie noch jemand anderes ...” Mit einem mal schlich ein düsterer Ausdruck in Apollos Gesicht. Etwas bösartiges, hungriges. Das Ringbesetzte Ende des Stabes schnellte herunter und zielte direkt auf das Herz des Rabenhybriden. ”Lebe Wohl, Vogelmensch!“ Ein hellgrünes Licht umspielte den Stab plötzlich, sammelte sich in der Ringspitze und löste sich in einem Impuls daraus. Dieser flog wie ein Kugelblitz auf Uriel zu und erfasste ihn, ehe er ausweichen konnte. Ein paar Sekunden lang umspielte das Licht ihn und es kribbelte unangenehm, dann verpuffte es. Sonst geschah nicht das geringste. Apollos Mund stand leicht offen und erstarrte ungläubig auf den Boten im Dienste des Diebesfürsten. Anscheinend hatte er mit etwas anderem gerechnet. Er runzelte die Stirn und schlug mit der freien Hand gegen seinen Stab. ”Willst du wohl funktionieren? Was ist hier nur los? Warum verwandelst du diesen Eindringling nicht in Ein Schaf!!" Wie es aussah, hatte Vampa recht gehabt. Seine tierische Seite schien ihn vor Apollos Magie zu schützen. Oder war es gar doch etwas anderes!?

[Du darfst in deinem nächsten Post ruhig bereits etwas aggressiver ran gehen, die Vorgehensweise überlasse ich dir. Du darfst Rakjar gerne befreien und auch steuern. Allerdings darfst du Apollo weder besiegen, noch in die enge treiben. Ansonsten ist alles erlaubt ;)]
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 2. Juni 2012, 22:27

Beim Götterpaar, Iaszar und den weniger wichtigen Göttern! Was war der Kerl doch für eine Labertasche! Ein recht glücklicher Umstand für Uriel, dennoch ging ihm Apollos zuckersüße Stimme schon nach wenigen Sätzen tierisch auf die Nerven. Der Kerl hatte offensichtlich ein noch größeres Ego, als sein Aussehen vermuten ließ. Ein Wunder, dass es in solch eine Höhle passte. "Ahh, es tut gut, endlich nach so langer Zeit jemanden zu hören, der Lyrintha gut und fehlerfrei spricht. Ach das Leben fern der Heimat ist ja soooo ... entbehrungsreich. Als dank dafür und weil du ohnehin in wenigen Minuten nichts weiter bist als ein blökendes Schaf, werde ich dir deine Frage beantworten. Danke mir nicht für meine Milde!"
"Keine Sorge, hatte ich nicht vor.", erwiderte Uriel genervt, doch der "Herr des Bösen" schien die Antwort gar nicht mitbekommen zu haben. Stattdessen widmete er sich kurz Rakjar und rügte ihn auf recht gewaltsame Art und Weise für die Unterbrechung. Leicht besorgt sah der Rabenhybrid, wie sich weitere Ranken um den Hals des Leoniden wickelten und ihm die Luftröhre zuschnürten. Dann sah er, wie Rakjar hektisch die Augen nach oben verdrehte, bevor er seine Prioritäten auf Atmen verlegen musste. Doch Uriel hatte schon verstanden. Ein kurzer Blick nach oben zeigte ihm, auf was sein Waffenkamerad ihn hatte verweisen wollen. Direkt über Apollo hing eine große Blüte. Riesig und einigermaßen massiv. Sie schaukelte leicht, wie diese teuren Kronleuchter, die Uriel einmal in dem Haus eines Adeligen in Andunie gesehen hatte. Wenn er die Ranke durchtrennen konnte, würde sie unweigerlich fallen.

Währenddessen hatte sich Apollo - vor dem Uriel inzwischen jeglichen Respekt verlor - in einen Monolog verloren. Anscheinend wollte er sich ganz klar als "Bösewicht" etablieren und verhielt sich dementsprechend stilecht. Unglücklicherweise hatten solche Auftritte auch nur in Märchen oder Geschichten einen gewissen Reiz. In einer realen Begegnung waren sich schlichtweg langweilig. Als würde dieser Elf eine Rolle aus einem schlechten Theaterstück rezitieren - und das ohne schauspielerisches Talent!
Immerhin verriet er einige interessante Informationen. Abgesehen davon, dass er ganz offensichtlich höchst arrogant war, eröffnete er, dass der Großteil von Vampas achthundert Mann, inzwischen wohlverdaut ihren Weg in die pelgarische Kanalisation begonnen hatten. Um den Naturmagier eine angemessene Reaktion auf diese ernüchternde Nachricht zu geben, verzog Uriel kurz schmerzhaft das Gesicht. "Kann mir einen besseren Abgang vorstellen.", meinte er trocken. Er begann sich schon einmal zu konzentrieren und sammelte die Hitze aus dem Felsen unter seinen Füßen. Während Apollo weiterschwafelte, teilte er die Energien in drei Teile auf. Den ersten Teil lenkte er zu Rakjar, dieser würde vermutlich eine leichte Hitze wahrnehmen, den zweiten hoch zur Decke und den dritten und größten sammelte er ins einem eigenen Körper. Als unangenehmer Nebeneffekt begann Uriel nun zu schwitzen, was aber auch als Angstschweiß durchgehen konnte. Dann löste er zwei Mehlbomben. Er konnte so gut wie loslegen. ”Ich denke mein Herr wird bald Kontakt mit mir aufnehmen. Soweit ich weiß, hat seine Agentin bereits alles gesuchte in ihren Besitz genommen. Meine Anwesenheit wird langsam überflüssig. Ganz genau so wie noch jemand anderes ... Kurz stockte Schwarzschwinge. "Wen meinst du mit Herr?", fragte er, ohne nachzudenken.Das Zögern sollte sich rächen. Mit einem Mal fiel Apollos schmalziges Grinsen ab und er entblößte eine hungrige, bösartige Miene. Uriel konnte nur noch Nee, oder? denken, da richtete der Hexenmeister seinen Stab auf ihn und schoss. Der Impuls traf Uriel mitten in die Brust.
Für einen Moment, dachte der Hybrid, dass er ausgespielt hatte. Doch statt der, äußerst erniedrigenden, Verwandlung in ein Schaf, fuhr nur ein unangenehmes Kribbeln durch seinen Körper und verpuffte schlussendlich. Kurz herrschte verblüffte Stille, während alle drei den Stab anstarrten. Dann grinste Uriel zum ersten mal an diesem Tag. Prächtig!

Er ließ Apollo keine Zeit zum Nachdenken. Als Erstes schleuderte er mit einer Handbewegung zwei Mehlbomben in seine Richtung, die den Hexenmeister auch sofort in eine erstickende Wolke hüllten. Dann ballte Uriel die rechte Faust und bellte "Lösen!" Die Hitzeenergie an der Decke, zusammengestaut durch seinen Willen, brach in einer hellroten Stichflamme auseinander, die das Wurzelwerk innerhalb von Augenblicken verbrannten. Es knallte, als das Gewicht der Blüte, gepaart mit Mutter Schwerkraft, die letzten Ranken auseinander riss und die Pflanze gen Boden, direkt auf Apollo stürzte. Uriel hörte den Aufprall, doch er hatte keine Augen dafür. Stattdessen drehte er sich zu den, am Boden liegenden, Rakjar und schrie noch einmal "Lösen!" Wieder gab es eine Stichflamme, die die Ranken um den Leoniden zerfetzte. Richtiger Schweiß trat Uriel auf die Stirn, als er die Flammen davon abhielt das Fell des Befreiten zu entzünden. Dieser sprang schwungvoll in den Stand. "Wurde aber auch Zeit, Vögelchen!", knurrte er.
"Gern geschehen.", giftete Uriel zurück. Dennoch war er froh, dass der Leonid wieder im Spiel war. "Ich kümmere mich um die Pflanzen.", rief er. Rakjar nickte und stürmte in Richtung von Apollo. Diesmal zog er beide Säbel, da der Schild ihm hier nicht viel half. Uriel indes kniete nieder und presste beide Handflächen auf den Boden. Der nächste Zauber würde ihm viel abverlangen, dennoch brauchte er danach noch genügend Energie, um seinen Plan weiterverfolgen zu können. Für einen kurzen Moment geisterte durch seinen Kopf die Frage, warum er Apollos Angriff überstanden hatte. Lag es wirklich, wie Vampa behauptet hatte, an dem Tier in ihm? Oder war womöglich etwas oder JEMAND anderes dafür verantwortlich.
Energisch schüttelte der Kurier den Kopf um die störenden Fragen aus seinem Kopf zu bekommen und konzentrierte sich wieder aufs Wesentliche. Erneut packte er das Wurzelwerk und schloss die Augen. "Flammen der Seele, Feuer des Geistes. Kraft der Meinen, Schwäche der Ihren. Am Anfang das Fleisch. Am Ende nur Asche." Er zog die gespeicherte Energie aus seinem Körper. Tosende Flammen umhüllten seine Arme und Hände, griffen auf das lebendige Wurzelwerk über. Uriel knirschte mit den Zähnen und fügte die Wärme seinen eigenen Körpers hinzu. Schlagartig kroch ihm die Kälte von unten von den Füßen, hoch in die Beine und fraß sich schließlich tief in seine Eingeweide. Just in dem Moment, als die Kälte hoch in seinem Bustkorb schlich, gaben die Pflanzen in Uriels Händen nach. Wie Wasser durch einen gebrochenen Damm, strömten die brüllenden Flammen durch die Halle. Sie erfassten die Ranken, Blüten, Blätter, alles was irgendeine Verbindung zu Uriels Händen hatte. Erschöpft dankte dieser dem Umstand, dass Apollo seinen Garten anscheinend aus einer einzigen Pflanze geschaffen hatte. Das Feuer fraß sich durch das lebende Wurzelwerk und hinterließ nichts als Asche.
Schwer atmend und leicht zitternd erhob sich Uriel. Er überließ die Flammen nun sich selbst. Sie würden sich nun selbst ernähren, wie es in ihrer Natur war, und solange wüten, bis kein Strauch oder Ast mehr lebte. Schwankend zog der Hybrid sein Schwert. Er hatte Apollo nun seiner Helfer beraubt. Doch Magier selbst war noch am Leben. Und Rakjar würde nicht alleine mit ihm klarkommen...

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 13. Juni 2012, 18:56

Von der Tatsache, dass die magische Kraft seines Stabes bei Uriel komplett versagt hatte, noch völlig überrumpelt, bemerkte Apollo nicht, wie sich die nächste böse Überraschung, in Form von zwei Mehlbomben, näherte. Die beiden Wurfgeschosse explodierten in seiner unmittelbaren Nähe und hüllten den Elfenmagier in eine heiße Wolke aus weißen Staub. Er hustete hörbar laut und völlig ohne seine feminine Art. Aus Instinkt riss er beide Arme hoch vor sein Gesicht und taumelte ein paar Schritte zurück, um der direkten Gefahr einstweilen zu entgehen. Was der Magier aus natürlichem Antrieb heraus machte, war im Augenblick sein Glück, denn als kaum darauf die gewaltige purpurne Blüte von der Decke fiel, verfehlte sie ihren Schöpfer um haaresbreite. Trotzdem wurde Apollo von der kinetischen Druckwelle des Aufpralls erfast und nach hinten geschleudert. Ein schmerzhaftes Stöhnen entwich seinen Lippen, als er unsanft von der Tribüne fiel. Doch lange Zeit um sich wieder zu sammeln hatte er nicht, den kaum einen Herzschlag später stand der Leonidenkämpfer direkt über ihm. Dabei hatte der Hexer gedacht, dass dieser bereits aus dem Spiel sei! Wie konnte ein normaler Mensch so einer Strangulierung stand halten ohne Ohnmächtig zu werden!? Aber das war ja das Problem, diese Bestie war kein normaler Mensch, sondern ein Tier! Abermals verdankte der Naturmagier es seinen Instinkten, dass er weiter leben durfte, als er ohne darüber nachzudenken, seinen Stab nutzte, um die beiden Schwerthiebe abzufangen, ehe sie ihr tödliches Werk verrichten konnten. Wild schlug Apollo mit seinen großen Flügeln und wirbelte dabei eine Menge staub und Mehl auf. Als Rakjar sich hustend eine Hand vor die Schnauze hielt, nutzte der am Boden liegende seine Chance und verpasste dem Löwenmann einen kräftigen Tritt ins Gemächt. Nicht sehr schön, dafür um so effektiver. Unter dem Stöhnen Rakjars rollte sich der feminine Elf nach hinten weg um aus der Gefahrenzone zu kommen. Doch anstatt des überheblichen Lächelns, dass er eigentlich auflegen wollte, weiteten sich seine Augen vor Schrecken.
Ein wahres Inferno war in der Halle ausgebrochen, alles Brennbare stand in Flammen und „alles Brennbare“ bedeutete in diesem Fall alle von Apollos Pflanzen! "Was hast du getan DU … DU FIESER KERL!" Der Naturmagier schien vor Zorn ebenso zu brodeln wie die Überreste seiner Gewächse. "Wie konntet ihr nur so grausam zu meinen Babys sein!?" Langsam verebbten die Brände ringsherum. Der Großteil der Pflanzen in der Höhle war tot. Statt der fluoreszierenden Bluten waren es die verbleibenden Schwelbrände, die nun für Licht sorgten. Ruckartig sah sich Apollo in der großen Halle um. Die Magie seines Stabes hatte versagt, seine Blumen und Ranken waren verbrannt, selbst seine Diener waren tot. So war das nicht geplant gewesen! Er hatte mit den Eindringlingen spielen wollen, seit er bemerkt hatte, wie sie durch den Tunnel gekommen waren. Seine Pflanzen hatten ihn vorgewarnt, aber er hatte sich so sicher gefühlt, dass es hatte drauf ankommen lassen. Das war ein ganz klarer Fehler gewesen. Nun stand er mit dem Rücken zu Wand und zwei bewaffnete Hybriden bedrohten sein Leben. So war das GANZ UND GARNICHT geplant gewesen!! Angriffslustig mahlten Apollos Kiefer gegeneinander. Während er seinen Langstab mit der rechten Hand abwehrbereit vor den Körper hielt, tastete er mit der linken nach der handtellergroßen, silbernen Raute, die als Schmuck um seinen Hals hing. Es wäre klüger zu fliehen, keine Frage. Er war niemals jemand gewesen, der sich auf einen ernsten Kampf einließ. Aber andererseits war er noch nicht geschlagen und der Herr würde es nicht gutheißen, wenn er feige den Schwanz einziehen würde, wie ein geprügelter Hund! Noch hatte er Optionen. Er war immerhin ein mächtiger Naturmagier, dessen Kraft durch den Stab des Hirten noch verstärkt wurde. Vielleicht sollte er sich selbst in eine so monströse Bestie verwandeln, dass er die beiden Störenfriede einfach zerfetzen konnte! Aber damit würde er auch seine eigene Schönheit vernichten! Undenklich!! Seine Augen wanderten unstet durch die fast leere Höhle und blieb schließlich auf den todgetrampelten Orks haften. Plötzlich überkam ihn eine einfach geniale Idee und er begann wild zu lachen.Mit kräftigen Flügelschlägen löste sich Apollo vom Boden und erhob sich in die unerreichbare Höhe der Kaverne. Augenscheinlich hatte er nicht das geringste Problem damit zu fliegen, ganz im Gegenteil zu Uriel.
Rakjar knurrte gereizte und überlegte einen Augenblick lang, eine seiner Waffen nach dem wahnsinnigen Elfenmagier zu werfen, entschied sich jedoch dagegen. Sein Nackenfell sträubte sich leicht. Irgendwie gefiel ihm die plötzliche Wendung gar nicht. Grade noch schien es so, als hätte der Kurier ihren Feind in die Enge gedrängt, doch der Stimmungsumschwung des Magiers lies schlimmes ahnen. Wenn er wenigstens an ihn heran kommen könnte... „Hol ihn da runter, ehe er irgendetwas anstellen kann!“ knurrte der Leonide, doch just in dem Augenblick schien es dafür zu spät zu sein.
In der kurzen Zeit, die er sich durch seine Flucht zur Decke ergatterte, hatte Apollo seine Konzentration gesammelt. Dunkelgrüne Leuchtkugeln umgaben seine linke Hand und die Spitze des Stabes. Er kanalisierte das Leuchten der beiden Kugeln zu einem einzigen Lichtblitz, den er senkrecht nach unten schoss. Sein Ziel waren jedoch weder Rakjar noch Uriel, sondern die Überreste seiner Leibwache. Sie wurden von dem Leuchten erfüllt, doch auf den ersten Blick schien nichts weiter zu geschehen. Abgesehen davon, dass der Höhlenboden um sie herum von moosartigen Flechten bedeckt wurde. Doch darauf begrenzten sich die Moospflanzen nicht, sondern fingen auch an, die Kadaver zu überwuchern, bis alle sechs komplett bedeckt waren, was überaus schnell geschah. Die Orkkörper verloren dadurch die meisten ihrer Konturen. Mit einem mal ging ein Ruck durch einen der Kadaver. Wie eine Marionette, die von einem ungeschickten Puppenspieler gelenkt wurde, erhob sich einer um den anderen. „HAHAHA! Wieso sollte ich mich mit euch abgeben, wo ich doch genauso gut Sporenzombies auf euch losschicken kann!“ Einer der Orks riss sein Maul auf und entblößte scharfe Zähne. Ein unmenschlicher laut entrang der Kehle, selbst das innere des Schlundes war mit den Flechten vollbewachsen. Waffn hielten sie keine mehr, doch Zähne und Klauen waren ebenso gefährlich! Wie auf ein lautloses Kommando stürmten die Orks alle auf einmal los.
Mit einem abwertenden Knurren erwartete Rakjar die hirnlosen, untoten Bestien. Der ersten, die ihn erreichte schlug er mit einem brachialen Hieb den rechten Arm ab und rammte ihm seinen Fuß in den Magen, woraufhin das Biest umkippte und in die kokelnden Überreste einer großen Blüte fiel. Sofort fing der moosbewachsene Körper Feuer. In einer schnellen Körperdrehung wirbelte der Leonide die beiden Säbel herum und enthauptete seinen nächsten Feind einfach. „Die Orks wären vielleicht eine Herausforderung gewesen, doch diese hirnlosen Biester kann ich problemlos im Schlaf ausschalten!“, grölte Rakjar siegessicher, doch Apollo lies sich nicht im mindesten beeindrucken. "Zu früh gefreut," war die einzige Erwiderung, dann drang ein Schmerzensschrei aus der Kehle des Kriegers. Der enthauptete Ork hatte sich in dessen Rücken wieder erhoben und eine Klaue in seinen Nacken versengt. Auch der brennende Tote stürzte sich auf ihn. Normale Untote konnte man durch Enthauptung oder Feuer leicht beikommen, dass wusste in Pelgar inzwischen jedes Kind. Doch diese Dinger waren ... anders! Eine dritte Bestie warf sich auf Rakjar, der trotz seiner Muskelmasse unter den leblosen Moosmonstern begraben wurde. Blut sickerte aus einem halben Dutzend Wunden, während die anderen drei Feinde sich wieder Uriel zuwanden. "Es gibt NICHTS, was du mit deinen Fähigkeiten gegen Sporenträger tun könntest!", brüllte Apollo von oben herunter. "Solange ich den Stab des Hirten führe, bin ich unbesiegbar!!"
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 16. Juni 2012, 22:50

Es knirschte, als Uriel durch die Asche und die glimmende Glut am Boden ging. Überall um ihn herum starben Apollos Pflanzen. Doch der Hybrid hatte keine Augen für sein, zugegebenermaßen recht beeindruckendes, Werk - er würde den Anblick später wieder in sein Gedächtnis rufen, wenn er schlecht drauf war. Nein, seine Aufmerksamkeit galt vielmehr dem Kampf zwischen Rakjar und Apollo. Während Ersterer es beim Töten erstmal nur beim Versuchen ließ, machte Letzterer eine noch schlechtere Figur, als ohnehin schon. Anscheinend hatte der Hexenmeister nicht mit solchen einem Widerstand gerechnet. Es war fraglich, ob er überhaupt mit Widerstand gerechnet hatte. "Was hast du getan DU … DU FIESER KERL!", spie dieser gerade, als er Uriels Flammen sah. "Wie konntet ihr nur so grausam zu meinen Babys sein!?"
Uriel gewährte sich ein kleines spöttisches Lächeln. "Welch Wortgewalt....die sind noch nicht ausgewachsen?", sagte er spitz. Allmählich war er auch wieder zu Atem gekommen. Es war zwar unwahrscheinlich, dass er ein zweites Kunststück, wie das gerade eben, vollbringen würde, aber zumindest würde er nicht beim nächsten Sprint vor Atemnot zusammenbrechen. Allerdings schien Rakjar bis jetzt keine Hilfe zu brauchen und der Rabenhybrid hatte gegen eine Verlängerung der Pause nichts einzuwenden. Was sollte schon passieren?

Apollo schien durch Uriels Worte nur noch mehr in Rage zu geraten, zumindest war das anhand seiner Mimik deutlich abzulesen. Der Kurier zog angesichts dieser mangelnden Selbstbeherrschung tadelnd die Augenbrauen hoch. Passend wäre es jetzt, wenn er sich nun in ein riesiges, abstoßendes Monster verwandelt., kam es ihn in den Kopf, Hoffentlich kommt er nicht die Idee. Uriel hatte schon Geschichten über diese Art der Naturmagie gehört und auch wenn die meisten nicht einmal die Zeit wert waren, die man zum Zuhören brauchte, so hatten sie dennoch dafür gesorgt, dass er einen gesunden Respekt davor entwickelt hatte. Nicht zuletzt die praktische Demonstration eines Magiers in Zyranus, vor ein paar Jahren. Der recht hitzköpfige Herr hatte einen lautstarken Streit mit einem Rivalen/Bekannten/Freund gehabt. Der Magier hatte just zu dem Zeitpunkt als Uriel gerade versuchte, an ihm vorbei, zu einem Treffpunkt zu gelangen, das Ende seines Geduldsfaden erreicht und vor Frust kurzerhand mit der Faust gegen einen Obststand geschlagen. Ein paar Minuten später konnte sich der Naturmagier vom Besitzer des Standes lautstark erklären lassen, dass Kiefernholz nicht dazu geschaffen war, einer Bärenfaust standzuhalten.
Aus diesem Grund erwartete Uriel schon das Schlimmste, als er Apollo plötzlich grinsen sah und war dann ein wenig verwundert, als dieser sich auf einmal in die Luft erhob. Im Gegensatz zu Uriel schien der Hexer nicht das Problem mit der Schwerkraft zu haben. Ein Umstand, auf den der Hybrid ein wenig neidisch war. Rakjar blieb beim Wesentlichen, dennoch zog Uriel genervt die Stirn kraus. "Ich glaube, dafür ist es schon zu spät.", meinte er düster. Und tatsächlich, Apollo schoss genau in dem Moment einen Lichtblitz nach unten, der jedoch nicht auf seine Gegner, sondern auf die Überreste der Orks gerichtet war. Zuerst passierte nichts. Dann aber erhoben sich die Ungeheuer, als hätten sie eben unisono beschlossen, dass der Tod doch nicht in ihrem Sinne lag. In Uriels Kopf schrillten die Alarmglocken und er brauchte nicht auf Apollos laute, und übrigens unnötige, Erklärung zu hören, um zu wissen, was da auf ihn zugewankt kam. Wenn ich so darüber nachdenke...können wir nicht doch das Monster nehmen?
Rakjar warf sich natürlich sofort in den Kampf. Uriel selbst war zurückhaltender und wich erst einmal zurück. Wer wusste schon, was dieser Sporenzombies konnten? Er wollte kein Risiko eingehen. Ein wütendes Brüllen ließ ihn sich zu dem Leoniden umwenden. Dieser bezahlte gerade den Preis für sein unüberlegtes Handeln und wurde von zwei Zombies in die Mangel genommen. Nun wich Uriel erst recht zurück. Diese Untoten waren nicht zu vernichten, zumindest nicht mit den Mitteln, die ihm derzeit zur Verfügung standen. Er könnte sie vermutlich mit den Flammenhänden auslöschen, doch das war ausgeschlossen. Ein frisch Verstorbener war noch voller Körpersäfte und somit schwer brennbar. Das Einzige was bei denen brennen würde, wären die Sporen, dennoch hatte Uriel nicht genug Kraft um das zu bewerkstelligen. Außerdem hatte er den Verdacht, dass Apollo sie immer und immer wieder auferstehen lassen konnte. Uriel knirschte wütend mit den Zähnen. So sehr ihn Apollo mit seinem Gekreische nervte, der Hexer hatte nicht Unrecht. Er konnte sie nicht besiegen. "Solange ich den Stab des Hirten führe, bin ich unbesiegbar!!" Der Hybrid stockte kurz und blickte ungläubig zu seinem Feind hoch. Hatte er das gerade tatsächlich getan? War er wirklich so hinverbrannt, dass er...
Ein Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Elfen aus. "Danke für den Hinweis." Dann stürmte er los.

Um genau zu sein, hatte Uriel keinen richtigen Plan. Vielmehr war es ein Versuch, geboren aus Verzweiflung und einer gehörigen Portion Wahnsinn. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dieses Vorhaben nicht überleben würde, lag sogar höher als die Aussicht auf Erfolg. Nichtsdestotrotz musste er es versuchen. Er baute darauf, dass seine Vermutung, dass Apollo seine Knochen fürs Fliegen ähnlich denen eines Vogels gemacht hatte, und diese dementsprechend fragil waren, sich als richtig erwies. Also löste er eine weitere Mehlbombe und warf sie auf die Sporenzombies. Eine dicke Wolke hüllte sie ein. Wenn er sie erreicht hatte, würde er springen. Sein Fuß würde den Vorderen der Drei Zombies treffen und er würde sich daraufhin abstoßen. In der Luft würde er dann das Mehl unter sich in Flammen setzen. Wenn alles klappte, würde dieses dann explodieren. Die Druckwelle und die verdängte Luft würde seine ausgebreiteten Flügel treffen und in nach oben schleudern. Auf Apollo. Und den Stab.
Wenn alles klappte...
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Sonntag 8. Juli 2012, 14:06

Wer nichts wagte, konnte auch nichts gewinnen. Dies schien wohl gerade die Devise vom Rabenhybrid zu sein. Die Sporenzombies schwankten auf ihn zu, wollten ihn mit bloßen Händen und Klauen das Fleisch von den Knochen trennen.
Vermutlich das gleiche Schicksal erteilen, was auch der Leonid erfahren hatte.
Dies hatte Uriel aber nicht vor mit sich machen zulassen.
Er stürmte los.
Apollo lachte oberhalb des ganzen und sah auf sein Werk hinunter. Es klang hysterisch und viel zu schrill für ein Wesen, welches rein biologisch zum männlichen Geschlecht gehörte. Seine Aufmerksamkeit war auf den Berg über den Leoniden gerichtet, der sich bis jetzt nicht wieder erhoben hatte.
Ob er es je wieder tun würde, das würde ich wohl am Ende dieser Schlacht zeigen. Jetzt war keine Zeit sich darum zu kümmern.
Der Magier machte eine Drehung in der Luft und ließ sein langes Haar einer Frau gleich nach hinten fallen. Seine schlanke Hand verbarg den Mund, wie als wäre er fast schon peinlich berührt.
“nun, sieht doch selbst. Die Kraft der Pflanzen ist stärker als alles andere. Ihr mögt einen Teil zerstört haben…”dabei schien ihn ein Anflug von Trauer zu befallen.
“…aber dank euch werde ich sie stärken und ihnen neue Kraft…” Das weiter Wort blieb ihm im Halse stecken.
“nein…du darfst so was nicht”
Das Brüllen von den Zombies erfühlte die Höhle. Uriel reagierte.
Gerade wollte ein dieser Sporenzombies nach ihn greifen, da landete die Mehlbombe auf den ersten . Sie zersprang und das Mehl bildete eine Wolke, welche sich schnell verbreitete und den ersten und die folgende Zombies blendete. Sie waren zwar durch veränderte Sporen zu wandelnden Zombies gemacht worden, doch sehen mussten auch sie. Nur mit dem Husten verstanden sie es nicht. Was ihnen einen zusätzlichen beängstigen Wirkung verleih.
Aber darauf hatte es der Rabenhybrid ja nicht abgesehen.
Er sprang hoch, sein Fuß traf das Gesicht, der Ork wankte unter der plötzlichen Last dem Boden entgegen, seine Hände griffen hoch.
Apollo blickte auf das Bild hinunter, fast schon amüsiert machte einen Flügelschlag und hob sich etwas höher. Aus der Reichweite von Uriels Hand.
“vergiss dein Unterfangen… du schaffst es niemals… Aufhalten!”
Eine Pranke fuhr über das wegziehende Bein des flinken Botschafters, als ein anderer Orks durch den Nebel aus Mehl griff und zu Uriel packen versuchte.
Der Funke war schon gesetzt und folgte.
Sie entflammte sofort das anvisierte Ziel.
Eine abermals gewaltige Explosion brannte sich durch das Mehl. Der Griff lockerte sich augenblicklich wieder. Sein Bein war frei.
Der Geruch von versenkten Fleisch und Augen die durch Hitze schmolzen. Wärme breitete sich aus, wurde zu Hitze und gewann an Kraft. Diese Energie entlud sich in einer Welle und schlug gegen die Flügel von Uriel, der mit großer Kraft nach oben gedrückt wurde. Ein Lenken war fast unmöglich.
Apollos Augen wurden weit, wie erstarrt konnte er nur mit ansehen, wie sich der Hybrid gegen ihn gedonnert. Wurde. Uriels Rücken krachte gegen einen Widerstand. Es konnte man Glück sagen, dass er nicht die Decke getroffen hatte.
Sein Sehfeld war durch einen Vielzahl fremder Federn verdeckt und ihm stieg der Geruch von der Süße der Rosen in die Nase mit dem beißenden Aroma vom verbrannten Horn.
Die Hitze versenkte die Federn der Flügel. Ob es Uriels oder von Apollo war, konnte man nicht sagen.
Ein Knacken war zu hören. Knochen?
Ein schriller Schrei!
Schmerzen, die durch den Aufprall entstanden sind.
“NEIN!..NEIN!!!!…“
Apollo zappelte wild in der Luft, der Flug nicht halb so elegant wie zuvor. Stieß und trat nach Uriel, hielt sich an ihm fest und kratze ihn wie ein Furie, riss ihn mit…um sich abzustoßen.
Der Stab entglitt den Händen des Naturmagiers.
Uriel war somit uninteressant.
Apollo versuchte den Stab zu greifen, aber griff ins leere. Kurz berührten die Finger den Stab, konnten aber nicht zu fassen. Fast war es so, als tänzelte der Stab in der Luft und spielte mit den beiden Geflügelten. Auch für Uriel war er zum greifen nah.
Aber eben nur fast!
Die Schwerkraft setzte ein, als die Druckwelle sich verflüchtete.
Alles fiel zu Boden.
Es hatte auch etwas positives, denn alles was oben war, kam wieder runter. Darüber brauchte man sich keine Gedanken machen. Nur der Aufprall würde etwas schmerzhaft werden.
Ein Albatros gleich stürzte Apollo auf den Boden, versuchte wild flatternd sich zu schützen, mähte sich durch die verbrannten Pflanzen und Trümmer.
Seine Flügel scharten über den Boden, und machten eine richtige Schneise frei.
Der Stab fiel anders ort zu Boden, geradewegs in den Truppe von Orks rein, welche den Flug des Stabes verfolgten. Keiner griff nach den Stab, sie folgten wie der Stab in ihrer Mitte zu Boden ging und einmal kurz aufsprang als er dort landete. Ein kleiner Blitz zuckte nochmals durch die Höhle, dann war es still.
RUMPS
Zeitgleich fielen alle Zombieorks um, kippten ohne ein Wort zur Seite weg.
Apollo rappelte sich gerade wieder auf, sah sich suchend nach den Stab um.
Gehetzt sah er nicht halb so schön aus, wie er versucht hatte auszusehen.
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Montag 23. Juli 2012, 22:21

Uriel rannte. Seine Augen waren starr auf das Ziel gerichtet. Die Stirn des Sporenzombies, der geradewegs auf ihn zuwankte. Der Bote wusste, dass er nur diesen einen Versuch hatte. Wenn er nur einen Fehler machte, wie mit den falschen Fuß abzuspringen oder sich nicht richtig abstoß, war alles vorbei. Apollo war geradeso in seiner Reichweite und wenn Uriels verzweifeltes Vorhaben nicht funktionierte, würde er kein zweites Mal darauf reinfallen. In dem Fall würde sich der Hybrid gleich zum Sterben hinlegen können.
Nein! So etwas durfte er jetzt nicht denken, selbst wenn es sich geradezu aufzwängte! Alles was nun zählte war diese eine, dreckige, mit Moos übersäte, hässliche Stirn. Alles andere war bedeutungslos! Uriels konzentrierte sich nun völlig auf diesen einen Punkt. Er konnte die gebrochenen Knochen und die zerfetzte Haut unter den Sporen sehen, roch das Blut, dass daraus hervor sickerte. Der Rabe in ihm schrie und wollte panisch mit den Flügeln flattern. Es widersprach seinem Wesen direkt in ein Raubtier zu rennen. Flieh!, schrie er, Flieh und flieg! Doch Uriel wusste mehr. Wusste, dass diese Instinkte, so logisch und verlockend sie auch waren, ihm hier nicht halfen. Klar, weglaufen war immer eine Option und womöglich würde es ihm sogar gelingen. Und alle Regeln der Vernunft sprachen auch dafür. Wozu einen Kampf ausfechten, wo die Chancen auf einen Sieg so gering waren? Dennoch, Uriel war vieles. Opportunistisch, listig und ein Zyniker. Doch Feigheit, das sollte nicht zu einer primären Charaktereigenschaft werden. Abgesehen davon war es nun sowieso zu spät. Wenn er nun sterben sollte, konnte er sich im Jenseits für seine Dummheit verfluchen.
Er hatte die Zombies nun fast erreicht. Ein letzter Blick. Und er sprang...

Schon im Flug wusste er, dass er richtig geschätzt hatte. Sein rechter Fuß traf die grüne Stirn des vorderen Monsters. Ein ekelhaftes Knacken ertönte, als die Knochenstücke ein weiteres Mal brachen. Für einen kurzen Moment stand Uriel schwankend in der Luft.
“vergiss dein Unterfangen… du schaffst es niemals… Aufhalten!”
"Ach, halt doch endlich dein Maul!", zischte der Hybrid.
Kurz bevor der Ork einknickte, stieß er sich ein zweites Mal ab. Eine Klaue streifte kurz seinen Fuß, doch man konnte ihn nicht halten. Sein Arm schoss nach unten, folgte den Abläufen, die Uriel in seinem Kopf schon festgelegt hatte und schleuderte eine Flamme in die Mehlwolke. Dann kam die Explosion.
In weniger als einem Augenblick verwandelte sich weißes Mehl in feuerrote Flammen. Die Hitze traf zuerst auf Uriel. Er spürte wie seine Haare anfingen zu kokeln und seine Federn sich erhitzen. Dann kam die Druckwelle. Apollo raste ihm entgegen. Nein, umgekehrt. Noch rechtzeitig kam ihm der Gedanke, die Arme vors Gesicht zu halten. Apollo schrie. Und Uriels Fahrt in Höhe bekam ein schmerzerfülltes und plötzliches Ende, als er gegen den Hexer krachte.
Er hörte etwas laut knacken. Ob es seine Knochen oder die des Weib-Manns waren, konnte er nicht sagen. Seine Hände krallten sich in Apollos Schultern. Dieser fauchte, kratzte und spuckte. Uriel reagierte instinktiv, verpasste ihm eine Kopfnuss. Der Rabe schrie. Er spürte, wie die Kraft der Explosion unter ihm nachließ. Die Schwerkraft setzte wieder ein.
Die Welt kippte.

Krachend fiel Uriel auf den harten Felsboden. Schmerz explodierte in seinem Schädel. Asche wirbelte auf und hüllte ihn ein. Für einen kurzen Moment wurde ihm schwarz.
Sein Bewusstsein hielt es für angebracht wiederzukehren, als Apollos Stab zu Boden fiel und ein Lichtblitz durch die Höhle fuhr. Im selben Moment kippten die Sporenzombies um, als hätten sie sich erinnert, dass Tote sich üblicherweise nicht bewegen sollten. Stöhnend stemmte Uriel sich hoch. Klasse Plan! Super! Man könnte meinen, ich wäre froh, dass geklappt hat...stattdessen wünsche ich mir jetzt gerade einfach nur, dass diese Kopfschmerzen weggehen. Er warf einen Blick rüber, zu Apollo, der eine beeindruckende Schneise in die Asche gelegt hatte. Der Hexenmeister war ebenfalls wieder auf den Beinen. Seine Haare waren bedeckt mit Staub und wild durcheinander, während sein Gefieder zerzaust war und seine Kleidung zerrissen. Außerdem blutete er an der Lippe. Alles in allem sah diese Version von Apollo nicht gerade wie ein Hexenmeister aus. Eher wie jemand, der gerade aus einer Kneipenschlägerei kam.
Gehetzt blickte Apollo sich um. Anscheinend suchte er seinen wertvollen Stab des Hirten. Uriel grinste. "Suchen Sie den hier?", fragte er laut und hob den Stab auf, der inmitten der Orkleichen lag. Er nahm das Ding in beide Hände und betrachtete es ausgiebig. "Schönes Stück, wirklich. Und nützlich. Zumindest, wenn man darauf steht Leute in Tiere zu verwandeln und Untote zu erschaffen." Dann ging sein Blick wieder zu Apollo und seine roten Augen glühten.
"Das Glück hat sich gewendet, großer böser, Hexenmeister." Mit diesen Worten ließ Uriel das magische Stück Holz in seinen Händen in Flammen aufgehen. Er wusste, dass der Verlust des Stabes ein großer Schlag für Apollo sein würde. Ein Zuschauer dieser Tat würde nun vielleicht meinen, dass er den Stab hätte verwenden sollen, anstatt ihn zu vernichten. Doch sprachen einige Punkte dagegen. Erstens, mit dem Ende des Stabes würde auch der Fluch aufgehoben werden, der Apollos Opfer in ihrer Tiergestalt hielt. Zweitens, zog der Naturmagier einen nicht geringen Teil aus diesem Artefakt. Drittens....hatte Uriel nicht geringsten Schimmer, wie er das Ding bedienen sollte. Er war ein Feuermagier. Die zerstörerische Natur war ihm nicht fremd, er verstand sie sogar. Aber mit der verändernden Prinzipien der Naturmagie konnte er nichts anfangen. Dementsprechend auch nichts mit Artefakten, die in dieser Richtung geartet waren.

Uriel zog sein Schwert - das Ding hatte den Fall irgendwie unbeschadet überstanden - und richtete es auf Apollo. "Beenden wir es." Dann stürmte er los...

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Freitag 27. Juli 2012, 09:50

Der Stab fühlte sich warm in den Händen von Uriel an. Warm wie die Rinde eines lebenden Baumes. Er strahlte keine Aura des Bösen aus und doch war es gefährlich mit dieser Waffe umzugehen.
Apollo hatte sich halb aufgerichtet, wischte sie gerade Blut von der Lippe. Seine Augen weiteten sich,als er den Stab in den Händen des Rabenhybriden sah.
„NEIN!!!! NICHT!!!!“ die eine Hand ausgestreckt, so als wolle er selber über die Entfernung nach den Stab greifen. Das Gesicht eine Maske des Entsetzens.
Alle Farbe wich aus dem Gesicht es Magiers, als sie langsam die Flammen über das Holz fraßen und diesen mehr und mehr zerstörten. Apolle rappelte sich auf, humpelte Uriel entgegen, nur um nach ein paar Metern wieder zu Boden zu sacken. Scheinbar sah nicht nur die Flügel so ramponiert aus, sondern hatte ebenso seine Beine etwas abbekommen.
Es dauerte ungewöhnlich lange bis das Holz richtig Feuer fing, so als weigerte sich der Stab dagegen. Das Holz saugte die Flammen ins innere von sich.
Apollos Gesicht ließ Hoffnung erkennen, dann knackte es und blaue Flammen züngelten plötzlich hoch und der Stab zerfiel zu Asche, die sich langsam auf den Boden verteilte.
„AAARRRRHHHHHHHHHHHHHHHHH“
Schrie Apollo wie von Schmerzen gepeinigt auf, seine Hände krallten über sein Gesicht und dann sagte er wie ein Häufchen Elend zusammen, Tränen rannten über seine Wange, spülten die Schminke herunter. Die Haut darunter war wesentlich dunkler, so als wäre er ein Mischlingself zwischen Dunkelelf und irgendwas.

Als Uriel seine Waffe er griff, brauchte Apollo einen Moment um dies zu begreifen. Rückwärts kriechend versuchte er von der todbringenden Waffe fort zukommen.
„bitte, bitte...nein..bitte...“ flehte und bettelte er, während er schützend seine Hände vor sich hielt. Seine Flügel flatterten, konnten ihn jedoch in keine sichere Höhe mehr bringen.
Uriel würde spätestens jetzt merken, dass zwar sein Schwert den Sturz gut überstanden hatte, er selber aber doch mehr als nur Kopfschmerzen hatte. Und diese ließen ihn jedes mal pulsierende Wellen des Schmerzes durch den Kopf schießen. Jede schnelle Bewegung machte es nicht besser. Und zu allem Überfluss schmerzte sein linker Flügel.

„Bitte , töte mich nicht...ich geb dir alles...alles hörst du...ich...ja, ich kenne ein Heilmittel gegen den Hybridenfluch.... du könntest geheilt werden...bitte töte mich doch nicht! Du hast mir alles schon genommen, jetzt sei besser als ich...bitte!!!!!“ jammerte und bettelte er ehemalige mächtige Naturmagier. Er weinte und schluchzte hemmungslos, dass Tränen und Rotz zeigten, wie erbärmlich er tatsächlich war. Von der Schönheit gar nichts mehr übrig und auch die so hell und weibisch klingende Stimme, hatte eine dunklere Tonfärbung angenommen. Sie klang zwar hell, aber nicht so extrem wie zuvor, sondern eher wie eine helle Männerstimme- oder eher Kastratenstimme?

Ob Uriel Interesse an einem Heilmittel hatte würde sich zeigen, Apollo schmiss sich jedenfalls mit dem Gesicht voran auf den Boden. Unterwarf sich nun der Gnade seines Bezwingers.
Uriel hatte recht gehabt, mit dem Stab war auch der Stolz gebrochen.
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Mittwoch 15. August 2012, 22:39

Was für ein jämmerlicher Wicht! Das zumindest wäre das, was wahrscheinlich Rakjar gedacht hätte. Uriel hingegen war schlichtweg amüsiert. Äußerlich verzog er zwar keine Miene, doch in seinem Inneren machte sich ein Lachen breit. Ein bitteres, um genau zu sein. Der große Apollo! Grausamer Hexenmeister und Nemesis der Diebesgilde! Der Mann, der nahezu 800 Soldaten verflucht hatte und für Lucheni Vampa nicht zu töten war! Genau diese Person kroch jetzt auf den, von Asche bedeckten, Boden und winselte um sein Leben. Uriel konnte fast nicht glauben, dass dieses Häufchen Elend vor wenigen Augenblicken noch ein halbes Dutzend Orks eingeschüchtert hatte. War das wirklich dieselbe Person? Vielleicht hatte man die beiden in Windeseile ausgetauscht und dies war nur ein armer Bäckerssohn, der seine Ziele ein wenig zu hoch gesetzt hatte. Oder Uriel hatte bei seinem Sturz einen heftigeren Schlag auf den Kopf bekommen, als er gedacht hatte und er träumte dies alles nur, während er in Wirklichkeit gerade bewusstlos auf dem Boden lag.
Na ja, um ehrlich zu sein, war Letzteres nicht sehr wahrscheinlich. Die Antwort dafür war simpel. Uriel hatte nie gute Träume. Eher würde Faldor in der Stillen Ebene Blümchen pflücken udn daraus einen Kranz flechten, als dass er mal einen schönen Traum hatte, der sich mit dieser Situation vergleichen ließ. Außerdem wäre dies das erste Mal für den Hybriden, das während des Schlafens Schmerzen verspürte. Der Sturz hatte ihn zwar nicht bewusstlos werden lassen, dafür hatte sein Körper aber entschieden dies mit anderen Schäden zu kompensieren. Bei jedem Schritt prallte Schmerz gegen seinen Schädel und zu allem Überfluss verlangte auch noch sein linker Flügel nach Aufmerksamkeit, der besonderen Art. Dies alles, gepaart mit einem vorsichtigen Zwicken in den Arm, sorgte dafür, dass Uriel sich entschied, dies nicht als Traum zu werten. Nichtsdestotrotz würde er sich folgende Situation als eine der ungewöhnlicheren in seinem Leben merken. Man sah immerhin nicht alle Tage einen Hexenmeister mit Geschmacksverirrung, der um sein Leben bettelte.

„Bitte , töte mich nicht...ich geb dir alles...alles hörst du...ich...ja, ich kenne ein Heilmittel gegen den Hybridenfluch.... du könntest geheilt werden...bitte töte mich doch nicht! Du hast mir alles schon genommen, jetzt sei besser als ich...bitte!!!!!“ Mein Gott, das war wirklich erbärmlich. Umso beunruhigender war deshalb der Gedanke, dass Uriel in Apollos Situation sich vermutlich fast genauso verhalten würde. Fast, aber nur. Das Weinen würde er lassen. Das würde bei ihm nicht überzeugend rüberkommen. Dennoch ließen ihn Apollos Worte innehalten. Der Kurier neigte nachdenklich den Kopf und drehte ihn dann seitwärts, um mit einem Auge den Mann zu seinen Füßen anzustarren. Dieser schmiss nun in den Staub zu seinen Füßen und bettelte um sein Leben. Uriel senkte das Schwert...
Und trat Apollo mit aller Kraft ins Gesicht! "Ich hasse Märchen, wusstest du das?", sagte er mit stählener Stimme, "Sie behaupten ständig, dass es einen Ausweg gibt. Und das ist schlichtweg eine Lüge. Während sich der Naturmagier das blutüberströmte Gesicht hielt, kam Uriel langsam näher und hielt ihn das Schwert direkt auf die Brust. "Aber in einem hast du Recht. Ich bin besser als du." Mit diesen Wort fuhr seine Klinge herab und schlug Apollo die rechte Hand ab. "Du darfst verschwinden.", sagte Uriel und drehte diesem jämmerlichen Feigling den Rücken zu.

Während er zu Rakjar ging, dachte Schwarzschwinge über das nach, was er gerade getan hatte. Nicht über das Handabschlagen. Das war äußerst befriedigend gewesen. Vielmehr war es die tatsache, dass Apollo am Leben gelassen hatte. Das hatte weniger mit Gnade, sondern mit Kalkulation zu tun. Inzwischen glaubte Uriel nämlich nicht, dass Apollo der Schuldige hinter dem Fluch war. Er war nur ein Frontschwein. Ein Idiot, den man ein wenig Macht gab und ihn dann in die Richtung schubste, die einem passte. Ja, eigentlich war er sich sicher. Jemand stand hinter Apollo! Jemand, der die Fäden in der Hand hatte und für all das hier verantwortlich war. Außerdem hatte dieser Möchtegern-Bösewicht einen "Meister" erwähnt.
Hätte Uriel ihn jetzt also getötet, hätte er lediglich ein Symptom bekämpft, jedoch nicht die Ursache dahinter. Und damit sich diese "Krankheit" nicht noch einmal äußerte, musste sie bis zu ihrer Wurzel verfolgt werden. Ich sollte wirklich überlegen ein Buch zu schreiben. Ich fange langsam an in Metaphern zu denken., ging es ihm kurz durch den Kopf. Aus diesem Grund hatte Apollo am Leben gelassen. Wenn Uriel richtig lag, würde dieser sich wie ein geprügelter Hund zu seinem "Meister" rennen. Und Uriel damit zu ihm führen. Damit er das auch wirklich tat, hatte der Hybrid dafür gesorgt, dass die Niederlage des Hexenmeisters offensichtlich war und dieser es nicht herunterspielen konnte. Eine abgetrennte Hand war dabei ein schöne Botschaft. Ja, inzwischen hatte Uriel beschlossen Vampa mehr zu liefern, als nur den Kopf eines Mörders. Der Diebesregent hatte sich als äußerst spendabel erwiesen und es stand in Aussicht noch mehr aus diesem Auftrag rauszuspielen, als ohnehin schon. Vorrausgesetzt Rakjar hatte es nicht so schlimm erwischt, wie es ausgesehen hatte. Ohne den Leoniden würde es für Schwarzschwinge dann doch recht riskant werden. Zur Not konnte das mit Apollos Tötung ja noch nachholen.
Apropos, Rakjar. Vorsichtig kniete sich Uriel nieder und tippte seinem gefallen Gefährten an die Schulter. Hoffentlich lebte das Kätzchen noch...

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Montag 20. August 2012, 17:28

Das Gesicht war bettelt und als Uriel ihm die Klinge auf die Brust setzte, schluchzte Apollo um so mehr. Seine Nasse war stark am bluten, die hatte der Rabenhybrid durch seinen Tritt ordentlich entstellt. Man konnte wirklich nicht sagen, dass diese Gestalt noch der gleiche hochmütige Magier war.
keine lüge“ nuschelte er, während er seine Hand gegen die Nase drückte. Er versuchte die Flut des Blutes zurückzuhalten, jedoch vergebens. Das Schluchzen war wirklich abartig dabei.
hab ich?...ja…AARRRRHHHHHHHH“ der Rest blieb dem Elfen im Halse stecken, er wurde kreidebleich. Starrte mit größer werdenden Augen auf seine abgetrennte Hand, dann rollten seine Augen nach hinten weg, so dass nur noch das Weiße zu sehen war und er sackte in nächsten Moment einfach nach hinten weg. Bewusstlos- was für ein Bösewicht.
Doch Uriel mochte Recht haben, es war von einem Meister die Rede gewesen. Dieser musste noch gefunden werden. Ob Apollo den Weg bis dorthin schaffen würde, wäre jedoch fraglich. Er könnte auch an Blutverlust sterben.
Jetzt wollte sich der Rabenhybrid aber um seinen Kamerad kümmern, der mit ihn aufgebrochen war.
Der Leonid atmete nur noch schwach. Uriel hatte sich nicht getäuscht, man sah mehr Wunden als heiles Fleisch. Eine Gesichtshäfte war komplett zerstört. Jeder Atemzug war ein heiseres Röcheln. Es brauchte keinen Experten um zu sehen, dass der Leonid im Sterben lag. Doch er hatte in seinem funktionierenden Auge, den Lebensgeist, den man Katzen nachsagte. Ein „ich kann nicht gehen“.
Es war nur eine Frage von Zeit- doch so was konnte lange dauern.
„ge…geschaft?“ keuchte er schwach. Seine Pranke griff nach Uriel, zog diesen mit viel zu wenig Kraft näher zu sich.
„ Glück… mit dirrr!... nimm“ er wies zu seiner Waffe.
„…für…R..rrrespekt… errlös..ss …mich“ Er sah Uriel fest in die Augen.
Katzen starben nicht, selbst wenn sie schwer verletzt waren. Sie waren zäh, die meisten jedenfalls. Der Leonid gehörte zu der Sorte. Er würde hier noch lange liegen und warten.
Ob Uriel je so was erwartet hätte?
Hier wollte gerade jemand, dass er ihm den Gnadentod schenkte. Aber war es nicht vorhergesagt, dass nur einer von der Mission zurückkehren würde? Und da sagte er gerade noch, dass er nicht an Märchen glaubte. Uriel befand sich selber in einem mehr als fantastischen Abenteuer. Und nicht jedes Märchen ging immer gut aus..
Es fehlte nur noch der Drache, der Feuer spuckte und die gute Fee.
Die gute Fee könnte auf jeden Fall den armen Kerl zu Uriels Füßen erlösen oder retten.
Aber er könnte etwas spüren. Es war als man ihn beobachten würde. Als wäre im Schatten der Höhle noch jemand, der jetzt auf sich aufmerksam machte, indem er zu Uriel starrte.
Würde Uriel genauer hinsehen, so würde er einen großen Spiegel sehen.
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Montag 20. August 2012, 20:54

Vorsichtig rollte Uriel den verwundeten Leoniden herum, als dieser auf sein Stupsen mit einem Lebenszeichen, genauer gesagte einem leisen Röcheln, reagierte. Was er sah, ließ die Zuversicht des Kuriers schlagartig sinken. Rakjar sah schlimm aus. Der eheste Vergleich, der Uriel im Kopf rumgeisterte, war der, dass der Krieger aussah, als hätte ein Drache auf ihm rumgekaut und dann wieder ausgespuckt. Oder drei Zombies, die wie wild auf ihn eingeschlagen haben... Das Fell war büschelweise ausgerissen worden, an mehreren Stellen waren sogar Stücke von Fleisch rausgebissen. Doch es war vor allem das Gesicht, das dem Rabenhybriden klar machte, dass für den Leoniden jede Hilfe zu spät kam. Rakjars linke Gesichtshälfte schwamm im Blut. Das Auge fehlte, unter der zerrissenen haut sah man, wie sich die gebrochenen Knochen bewegten. Der Schädel war an der rechten Seite eingedrückt. Es war fast schon ein Wunder, dass der Kerl über noch lebte, geschweige denn Laute von sich geben konnte. Dennoch blickte Rakjar ungewöhnlich klar, fast schon trotzig. "ge...geschaft?" Uriel blickte rüber zu dem bewusstlosen Apollo. Dann nickte er knapp. Rakjar packte ihn am Hemd und zog ihn zu sich. Zumindest versuchte er es. Es war hauptsächlich der Kurier, der sich mitziehen ließ. Glück... mit dirrr!....nimm...für...R..rrrespekt... errlös..ss ...mich" Uriel folgte den Augen des Sterbenden und sah den Säbel, der ganz in der Nähe lag. Er verstand.
Jemand wie Rakjar würde nicht aufgeben, egal wie schwer verletzt er war. Seine Ehre verbat es ihm, sich dem Tod einfach zu ergeben. Das hatte der Rabenhybrid schon im dem Augenblick begriffen, als er ihn das erste Mal gesehen hatte. Wenn er ihn jetzt alleine ließ, würde der Leonid einen langsamen, qualvollen Tod sterben. Uriel lächelte bitter. "Man versteht die kleine Maus gerne falsch, heh?", meinte er. Rakjar gab ein Geräusch von sich, das vielleicht ein Lachen hätte sein können. "Scheint, als hätte ich Recht gehabt." Er nahm den Säbel in die Hand. Kurz verharrte er mit der Waffe im Anschlag über der Brust seines Gefährten. Rakjar schloss die Augen und ballte die Faust. Ich hasse es, Recht zu haben.... Dann fuhr die Klinge nieder.

Langsam stand Uriel auf. Mit einem abgerissenen Kleidungsstück von Rakjars Leiche reinigte er den blutigen Säbel. In dem schwarzen Stahl spiegelten sich die rot glühenden Punkte der ersterbenden Glut um sie herum. Man sagte, die Klinge eines Schwertes würde die Seele eines jeden widerspiegeln, der hinein sah. Wenn das so ist, dann sollte ich keine großen Erwartungen haben., dachte der Hybrid düster. Er blickte noch einmal zu der Leiche und lachte dann bitter auf. Wer hätte gedacht, dass ihn das so mitnahm? Er hatte doch gewusst, dass es nicht einfach werden würde. Und er hatte Rakjar auch nicht sonderlich leiden können. Warum also fühlte er so dreckig?
Sein Blick fiel auf den bewusstlosen Apollo. Und warum darfst du noch leben? Auf diese Fragen hatte er keine Antworten. Und er würde sie wahrscheinlich auch nie bekommen. Jetzt aber musste erst einmal zu Ende bringen, was er angefangen hatte. Ohne den Leoniden konnte er sein ursprüngliches Vorhaben vergessen. Also musste er umdenken. Wenn er Apollo nicht verfolgen konnte, würde er ihn wohl verhören müssen. Allerdings konnte er das nicht hier tun. Dafür brauchte Uriel Zeit, einen geeigneten Ort und ein wenig Unterstützung. Und all das würde er in der Diebesgilde finden. Vorausgesetzt, Vampa würde den Hexenmeister nicht sofort zum Tode verurteilen. Und dieser würde nicht an Blutverlust sterben.
Rasch schnitt Uriel weitere Streifen von Rakjars Gewandung und nahm den Dolch zur Hand, den er dem Dunkelelfenhauptmann in der Kanalisation abgenommen hatte. Dann legte er die stumpfe Seite des Dolches auf die Schlagader des Armes und befestigte sie so fest wie möglich, mit den Bändern. Als Letztes dreht er die Klinge so tief ins Fleisch, bis der Blutverlust aufhörte. Zufrieden hörte er Apollo vor Schmerz stöhnen. Was für eine Ironie, dass er Rakjars Leben beenden musste und diesem Mistkerl gerade seines rettete.

Nachdem das erst einmal erledigt war, überlegte Uriel, wie er den Kerl rausbrachte. Tragen war keine Option, dafür war er zu schwach und Apollo zu schwer. Allerdings konnte man aus den herumliegenden Knochen und Fellstücken eine Trage basteln. Damit wäre er einfacher zu transportieren. Und womöglich waren noch ein paar der Verfluchten, die gerade von ihrem Fluch erlöst worden war, noch dort draußen und halfen ihm? Na klar, und dann kommt eine gute Fee und erfüllt mir drei Wünsche!, dachte Uriel zynisch. Besser war es, wenn er seine Hoffnungen nicht so groß anlegte.
Während er alles zusammensuchte, was er brauchte, fiel dem Kurier etwas auf. Im hinteren Teil der Höhle, größtenteils versteckt im Schatten, stand ein Spiegel. Mannshoch, mit schlichten Rahmen. Doch die Spiegeloberfläche war so rein und glatt, dass sie alles ohne irgendwelche Unreinheiten spiegelte. Uriel konnte sich selbst sehen, verdreckt und mit Asche im Haar. Er fragte sich, was ein Spiegel an solch einem Ort tat. Dann fiel ihm wieder Apollos Gerede von seinem Meister ein und die Miene des Boten verfinsterte sich. "Gefällt dir das, was du hier siehst?", fauchte er sein Ebenbild an, "Mir jedenfalls nicht!" Wut kochte in ihm hoch. Wut an allem. Wut über diesem bescheuerten Auftrag. Wut auf Apollo. Wut auf die ganze beschissene Welt, der es offensichtlich gefiel ihn immer wieder leiden zu lassen! Aber vor allem, Wut auf sich selbst, weil er nicht an dem Punkt aufgehört hatte, an dem gesund gewesen wäre. Weil er unbedingt noch mehr haben wollte!
Klirrend fuhr sein Schwert aus der Scheide und mit einem Schrei, schlug Uriel auf den Spiegel ein. Der erste Hieb, ließ sein Spiegelbild zersplittern. Seine verzerrte Miene starrten ihn aus vielen kleinen, bizarr verdrehten Bruchstücken an. Der zweite Hieb zerschmetterte die Oberfläche und der dritte spaltete das Holz. Keuchend trat Uriel zurück und betrachtete dieses Werk der Zerstörung. Er wusste selber nicht, warum genau er es getan hatte. Vielleicht, weil er das Gefühl gehabt hatte, dass ihn jemand durch diesen verfluchten Spiegeln beobachtet hatte. Vielleicht hatte er es auch einfach nur nicht ertragen können, sich selbst dort zu sehen und sich schuldig zu fühlen, noch am Leben zu sein. Es war ihm ehrlich, gesagt auch, egal! Uriel drehte den Überresten des Spiegels den Rücken zu und kehrte zu Apollo und der Trage zurück.

Nachdem er fertig war, und die behelfsmäßige Konstruktion stabil aussah, packte er den Hexenmeister rauf, band ihn fest und schleppte ihn aus der Höhle. Zuvor steckte er noch Rakjars Schwerter ein. Schließlich musste es einen Beweis für sein Ableben geben. Dann ging er los. Er wollte diese verfluchte Höhle endlich verlassen....

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Samstag 25. August 2012, 19:29

Wut und Trauer äußerte sich immer anders. Uriel kannte sich mit Wut gut aus, Trauer war eine andere Sache. Vielleicht lag es einfach an seiner Geschichte, dass er so voller Missmut und einer Laune ausgestattet war, dass man nie glauben würde, wie er eins früher war.
Der Spiegel ging unter seinen Wutanfall zu Bruch. Konnte sich in jeder der vielen Bruchstücke sehen.
Erst als dieser tatsächlich komplett zerstört war, widmete er sich wieder seinen Aufbau eines Krankentransports. Und vorsichtig ging er nicht mit dem verletzten Apollo um. Andere würden vielleicht sogar sagen, er wäre herzlos und sogar sadistisch.
Das Leben konnte eben einen Verändern.

Doch vielleicht hätte er sich nicht zu früh abgewendet.
Die Scherben klirrten leise, bewegten sich wie bei einem bevorstehenden Erdbeben. Eine Scherbe nach der anderen zitterte und wurde plötzlich rot. Wie Blut das in Formgepresst worden war. Dann zerfloss es. Die Scherben zerflossen zu einer zähen Masse und als würde es keine Schwerkraft geben, war ihre Richtung wieder innerhalb des Rahmens zu fließen. Der Boden dagegen sah seltsam glänzend aus, so als wäre etwas mit großer Hitze und Druck darüber gefahren. Es glänzte wie ein Rohdiament.
Die rote Masse sammelte sich im Inneren, schien leichte Wellen zu schlagen.
Der Rahmen aus Holz knackte und es sah aus als griffen Fäden, die wie Hände aussahen nach jeder Spalte, zogen das zerstörte wieder zusammen.


„Uriel!...Steckt tatsächlich so viel Wut in dir?... hmm, da kann ich ja stolz auf dich sein. gefühle werden sowieso überschätzt„
Die Stimme schallte von dem Spiegel, der eine absonderliche Hitze ausstrahlte und dann erkaltete.
Sie war tief und doch klang sie fast schon verführerisch. Lockend und einem unter einen Bahn nehmend, der man sich nicht entziehen kann. Dafür musste man schon ziemlich alt und erfahren sein oder eine göttergleiche Willensstärke haben.
„keiner hat verlangt, dass du diesen Kampf führen musst, doch du hast es freiwillig getan...Und nein, ich bin kein Drahtzieher noch ein Strohmann, was diesen Apollo betrifft. Was hier geschehen ist, interessiert mich nicht, ich erscheine nur, wenn ich MEINE Kinder spüre. Ich bin einzig und allein wegen dir hier, Uriel“

Und damit erhärtete der Spiegel wieder und es zeigte sich ein Szene ihm.
Im ersten Moment könnte man denken, dass es sich um Uriel selbst handelte- jedoch bei weitem anders aussehend. Älter und mächtiger.
Das schwarze Haar war lang und umfloss diese Person. Sie war nicht aufgetakelt wie Apollo, war sich aber seines guten Aussehens bewusst. Ein Gesicht welches markante Züge hatte und einem Körper, der ohne Probleme mit dem eines trainierten Kämpfers mithalten konnte. Mächtig waren auch die schwarzen Schwingen, die den Fremden aus dem Rücken wuchsen. Es sah nicht unnatürlich aus, sondern als wäre er geboren damit.
Handelte es sich um ein Bild aus der Zukunft oder war es Zufall, dass die beiden sich so ähnlich sahen?
Die Person umgab etwas, was man wie Hitze definieren konnte und eine Hand ruhte auf einem Felsen. Der Felsen war dabei unter seiner Hand mehr und mehr weiß zu glühen.
Was jedoch auffällig war, dass diese Gestalt massige Metallreifen um Hals und Handgelenke hatte, die Ketten verschwanden in etwas, was wie eine Mischung aus schwarzem Teer und Blut aussah. Wohin wies der Spiegel.
Dunstwolken stiegen aus diesem seltsamen Gemisch auf, da wo die Gestalt war, was auf große Hitze deuten ließ.
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Freitag 14. September 2012, 23:29

Uriel hatte schon den Tunnel fast erreicht. Die Trage mit Apollo, die er hinter sich herzog, schleifte auf dem Boden und wirbelte die erkaltete Asche auf. Die Tatsache, dass der Hybrid sich einen wortwörtlichen Dreck darum scherte, wie viel davon auf den Verletzten fiel, zeigte, was er von seiner eigenen Entscheidung, den Hexer zu retten, hielt. Es nagte mehr als nur ein kleines bisschen, an ihm, dass Apollo noch leben durfte. Es war zwar eine logische und angesichts der Umstände auch lohnende Vorgehensweise, dennoch hatte Uriel das Gefühl, dass er sich definitiv besser fühlen würde, wenn er diesem Weibmann hier und jetzt den Kopf abschlug.
Kurz drifteten die Gedanken des Boten zurück in seine Vergangenheit. Seine Eltern wären höchstwahrscheinlich entsetzt, wenn sie ihn jetzt sehen würden. Seine Mutter Nathía war schon immer zart besaitet gewesen. Sie hatte nicht einmal das Schlachten eines Schweines ertragen können. Blumen, das waren ihre Lieblinge gewesen. Wie hatte sie immer gesagt? "Sie sind die ersten Kinder Florencias. Und auch die schönsten..." Diese Kinder hatten nun vor wenigen Augenblicken noch versucht Uriel umzubringen. Und er hatte sie, im Gegenzug, verbrannt. Ja, Mutter wäre definitiv entsetzt. Und sein Vater würde ihr in nichts nachstehen. Auch wenn er immer härter im Nehmen war, so wäre auch er nicht über die Entwicklung seines jüngsten Sohnes erfreut, dessen war sich Uriel sicher. "Zolle deinen Freunden Respekt und deinen Feinden noch mehr!", so war sein Leitspruch gewesen. Völliger Unsinn, wie der Hybrid nun wusste. Respekt hielt den Gegner nicht davon ab, ihm die Kehle aufzuschlitzen. Und Uriel sah auch keinen Sinn darin seinen Feinden etwas anderes als Wut und Hass entgegenzuschleudern. Sie waren immer noch die besten Mittel, um sich zur Wehr zu setzen. Es ist leicht, klug daher zu reden, wenn man ein friedliches Leben führt., rief sich Uriel ins Gedächtnis, Aber der Krieg folgt anderen Regeln...

Ein Klirren ließ Uriel innehalten. Kurz überlegte, ob er sich das Geräusch nur eingebildet hatte, doch dann erklang es wieder. Es klang, als würden Glasscherben auf dem Boden zusammengekehrt werden. Langsam drehte er sich um. Was er sah, ließ ihn die Grübeleien über seine Eltern und Apollo schlagartig vergessen. Die Überreste des Spiegels, Zeichen seiner Wut, begannen sich vor seinen Augen zusammenzusetzen. Die Scherben, vorher noch zerschmettert, flossen wie zäher Sirup ineinander und wurden wieder in den Rahmen gezogen, der sich ebenfalls mit einem lauten trockenen Knacken wieder zusammensetzte. Und obwohl Uriel am anderen Ende der Höhle stand, konnte er die Hitze, die nun von dem blutroten Glas ausging spüren. Und noch etwas anderes. Magie. Und mächtige noch dazu. Etwas, das von einem ganz anderen Kaliber war, als Apollos Verwandlungskünste.
Uriel wusste, wann es Zeit war, zu gehen. Und gerade eben schrie jede Faser in ihm, diesen verfluchten Ort zu verlassen. Sollen sich doch die Diebe um diesen verfluchten Spiegel kümmern. Er hatte für heute genug gehabt. Schon drehte der Bote sich um, als eine Stimme aus dem Spiegel schallte. „Uriel!...Steckt tatsächlich so viel Wut in dir?... hmm, da kann ich ja stolz auf dich sein. gefühle werden sowieso überschätzt„ Der Klang dieser Stimme ließ Uriel auf der Stelle verharren. Es war nicht so, als wollte er ihr zuhören. Im Gegenteil! Uriel wollte weitergehen, doch seine Beine verweigerten den Dienst. Als wären sie mit dem Felsboden verwachsen, blieben sie wie angewurzelt auf der Stelle. Und es kam noch besser! Während die Stimme weiterredete, drehte sich der Hybrid auf der Stelle um. Die Bewegungen waren abgehackt und langsam, als würde Uriel mit sich selbst kämpfen. Doch sein Körper gehorchte seinen Instinkten nicht mehr und so musste der Bote hilflos mitansehen, wie er sich dem Spiegel näherte. Erst als er nur noch zehn Schritt entfernt war, hielt er an. Auf dem Gesicht des Hybriden war eine Mischung aus Widerstand und Wut zu sehen. Wut darüber, dass er ganz offensichtlich die Kontrolle über die Situation verloren hatte. Widerstand, da er immer noch gegen den Einfluss der Stimme ankämpfte. Der Rabe in ihm schrie und wollte so schnell wie möglich weg und Uriel war mehr als geneigt ihm zuzustimmen, doch solange er sich nicht bewegen konnte, konnte er diesen Empfehlungen nicht Folge leisten.

Dann erschien ein Bild im Spiegel und Uriel blickte einem nackten, schwarzhaarigen Mann in die Augen, auf dessen Rücken gewaltige Schwingen ruhten. Das Haar verdeckte einen Teil seines scharf geschnittenen Gesichtes, dennoch konnte man die glühend roten Augen sehen, deren Blick sich förmlich durch ihn zu bohren schienen. Die Ähnlichkeit, die dieser "Mann", abgesehen vom Haar, mit ihm hatte, beunruhigte Uriel. Doch es war diese Aura der Macht, die ihn mehr denn alles andere einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Dem Hybriden war eines klar: Diese Person konnte ihn, wenn sie wollte, mit nur einem Fingerschnippen auslöschen. Der weiß glühende Stein und die sichtbare Hitze unterstrichen diesen Eindruck nur. In Uriels Kopf schrillten inzwischen sämtliche Alarmglocken, doch er war immer noch wie erstarrt. Er hatte keine Ahnung, wer der Kerl war, noch von was er da sprach. Welche Kinder? Und was hatte er selbst damit zu tun?
Da er im Moment nichts zu tun konnte, gab Uriel seinen Widerstand auf. Jedoch blieb er wachsam, um beim kleinsten Zeichen davon, dass die unsichtbaren Fesseln sich lösten, zu verschwinden. Dann erst widmete er sich vollständig dem Spiegel und der Person darin. "Wer und Was bist du?", fragte er, ohne sich auch nur mit einer Begrüßung aufzuhalten. Wenn er schon mit einem Spiegel reden musste, dann wollte er wenigstens wissen, ob dieser sich einen Namen gegeben hatte. Erst jetzt fielen ihm die massiven Ketten auf. "Und was willst du von mir?"

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. September 2012, 11:07

Uriel stand also wie gebannt vor dem Spiegel. In kurzen Intervallen spürte man Hitzewellen, die durch diesen Spiegel sich in der Höhle ausbreiteten. Der Mann auf der anderen Seite hatte seine Aufmerksamkeit auf Uriel gerichtet. Ein eisiges Lächeln umspielte seine Mundwinkel und er erhob sich zu seiner ganzen stattlichen Größe. Die Flügel breiteten sich kurz komplett aus und schlugen einmal und aus dem Feder wurde dieses seltsame Gemisch hin fort geschüttelt. Träge floss an an den Haaren und dem Körper vorbei. Die Ketten klirrten.
„Weiß du etwas nicht wer ich bin?... hat dir deine Mutter denn nichts von mir erzählt? Das sie wusste, dass du irgendwann diesen... Fluch bekommen wirst. Hast du dich nie gewundert, das sie so seltsam zu dir danach waren?...du wurdest hintergangen, Uriel!“
Die Gestalt trat näher zum Spiegel ran und ihr Lächeln war fast sanft.
„Wundert dich nicht unsere Ähnlichkeit? Nenn mich Meresin oder auch ...Vater...Was ich bin?...siehst du es nicht? Einst war ich ein Elf, ein Feuermagier...jetzt bin ich ein Gefangener“
Uriel konnte die Macht spüren, die sich von diesem Mann ausging. Es war, als würde Uriel ein Kribbeln spüren, dass er nur bei zu viel Feuermagie spüren konnte. War dies wirklich einst als Elf? Vielleicht jemand, der mit einem Dämon paktiert hatte.
„Aber ich kann über Spiegel kommunizieren...besonders wenn ich meine Kinder fühle. Die Wut, die Verärgerung über Situationen, die unfairer nicht sein konnten. Jemanden leben zu erhalten, andere Sterben zu lassen. Frust!“
Die Stimme war tief und bei den Worten wie „Wut“ loderte ein Feuer in den Augen.
„Und ist es nicht ersichtlich, dass ich deine Hilfe will?“ er legte den Kopf leicht schräg, während die Flügel leicht zuckten. Die ketten hielt er Uriel entgegen. Also auf jedenfalls sprach der Mann aus, was man sich denken konnte. Wer wollte schon eingesperrt sein.
„Skeptisch? Das wäre ich auch an deiner Stelle
Von weiter hinten, Richtung Ausgang war ein Stöhnen war zu vernehmen. Gepeinigt durch die Hitze, die selbst die letzte Flüssigkeit aus einem raus holte. Nur Uriel selber schien davon bewahrt zu sein. Würde sich der Botschafter jedoch die Leiche von dem Leoniden ansehen, so sah dieser schon wie eine Trockenpflaume aus. Mumifiziert im Schnelldurchlauf. Apollo war nicht direkt im Hitzeradius und konnte davon von Glück reden.
Er er würde Gefahr laufen an Dehydrierung zu sterben.
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 22. September 2012, 22:44

Uriel schien in größeren Schwierigkeiten zu stecken, als er gedacht hatte. Und dass sollte etwas heißen! Angesichts der Tatsache, dass er die Augen nicht von diesem verdammten Spiegel lassen konnte, ihm alles wehtat und er gerade mit jemanden sprach, der anscheinend direkt aus dem Harax stammte, war es für ihn ein guter Anlass die Skala für "Tief-in-der-Scheiße-stecken" zu erweitern. Warum musste er auch von einem Irren in den Nächsten stolpern? Warum konnte er nicht einmal mit einem Blümchen pflückenden Bauernmädchen sprechen oder einen philosophierenden Pazifisten treffen? Weil du dich vor fünfzig Jahren dazu entschieden hast, dass es eine tolle Idee wäre, Shyana Nelle zu verlassen., flüsterte ihm eine böse, aber unglücklicherweise ehrliche Stimme in seinem Kopf zu.

Inzwischen stand dem Hybriden der Schweiß auf der Stirn. Nicht nur aus Angst, sondern vielmehr weil er sich inzwischen fühlte wie in einem Backofen. Vom Spiegel ging eine Hitze aus, wie er man sie allemal in der Wüste Sarmas erwarten konnte. Der Mann hinter dem Glas richtete sich nun zu seiner vollen stattlichen Größe auf - er war nackt, wie Uriel nebenbei mit einem kritischen Blick bemerkte - und präsentierte Aufmerksamkeit heischend seine Flügel. Eine Aktion, die seinen Gegenüber jedoch, den Umständen entsprechend, kalt ließ. Uriel wusste, dass das wirklich tolle Flügel waren und sie sicher äußerst beeindruckend waren, und so weiter. Aber er war mit so etwas nicht einzuschüchtern, schließlich schleppte er die gleichen Dinger schon mehr als sein halbes Leben mit sich herum. Auch auf die Worte des Mannes, die er an richtete, lösten keine äußerliche Reaktion aus. Vielmehr blieb Uriels Mimik ruhig und grimmig. Seine glutroten Augen taxierten den Mann und schienen in seinem Gesicht nach verräterischen Anzeichen einer Lüge zu suchen. Dieser....Meresin behauptete also sein Vater zu sein. Toll! Was kam als nächstes? Dass zu seiner Geburt irgendeine Prophezeiung gesprochen worden wäre und das es sein Schicksal sei, Lord So-und-so zu töten? Wie gesagt, Uriel hasste Märchen. Und dass sich diese ganze Angelegenheit gerade in eines verwandelte, schmeckte ihm überhaupt nicht.
Aber immerhin kam Meresin endlich zur Sache und bat ihn, Uriel, um Hilfe. War ja klar, dass es darauf hinausläuft., ging es dem Boten durch den Kopf, Die Gegend, in der er ist, sieht auch nicht so aus, als ob er wegen der guten Luft und den angenehmen Klima dort ist. Aber aus welchem Grund war dort eingesperrt worden? Und von wem? Denn dass derjenige - oder diejenigen - mächtig gewesen sein mussten, dass war dem Hybriden klar. Durch den Spiegel konnte er die Macht dieses Kerls spüren. Bedrohlich und erdrückend. Keiner, den die Flammen liebten, sondern der sie mit Angst und Furcht nährte, womöglich sogar Hass. Und wenn dies der Fall war, wie sollte Uriel ihm dann irgendwie vom Nutzen sein? Nicht dass er überhaupt Intentionen hatte Meresin zu helfen, das Götterpaar bewahre! Allein die Aura, die dieser versprühte, sprach dagegen. Dennoch wollte Uriel den Grund für diese Bitte wissen, oder zumindest einen Ansatz.

Ein Stöhnen unterbrach Uriels Gedankengang. Er blickte sich nicht um, aber er wusste, dass es von Apollo kam. Anscheinend war die Hitze für den verletzten Hexer schwerer zu ertragen, als für den Hybriden. Es war also Eile geboten, ansonsten war all die Mühe für die Katz! Uriel schloss kurz die Augen und holte dann kurz Luft. "Bevor wir diesen Mist hier fortsetzen, solltest du dich besser zurückhalten. Ich hab diesen Kerl hinter mir nicht zum Zeitvertreib am Leben gelassen, also tu uns den Gefallen." Dann ging sein Blick von den Flügeln, über das Gesicht, das ihm so ähnlich war, bis hin zu der rot glühenden Masse am Boden. "Lass mich ein paar Dinge klarstellen: Erstens, es ist schwer einem Kerl zu glauben, der in einem Spiegel steckt und behauptet jemandes Vater zu sein. Zweitens: Ich helfe niemanden, wenn ich nicht weiß, was für mich dabei herausspringt. Drittens: ich habe einen Scheiß-Tag hinter mir und du machst es nicht besser, wenn du mich hier festhälst!" Die letzten Worte stieß Uriel in einem knurrigen Ton hervor, den man die unterschwellige Wut nur allzu gut anmerkte. Ja, der Hybrid war definitiv nicht gut gelaunt...

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 26. September 2012, 15:23

Vorsicht hatte den Rabenhybriden erfasst. Die Ausstrahlung dieses Fremden machte ihn nervös, wenn er es auch gut zu verbergen könnte. Der Rabe in ihm wurde dagegen zunehmend ängstlicher, dass war in der Natur von Tieren. Und auch wenn Uriel es ablehnen würde, so war er nicht komplett ein Elf, sondern sein Denken auch durch das Tier geprägt.
Bei dem Fremden hingegen, schien jede Bewegung noch immer die Anmut eines Elfen zu besitzen- wenn er auch mächtige Flügel hatte.
Angeberei, so wirkte die Erscheinung vor ihm.
Aber man konnte ja immerhin , wenn man schon auf einer Stelle fest hing, eine große Klappe riskieren. Ob es klug war, war noch immer eine andere Sache.
Meresin trat näher auf den Spiegel, der Anflug eines eisigen Lächeln auf den Lippen.
Ob dieser Mann den hybriden anlog, konnte der Hybrid ebenso wenig erkennen- wie er die Ähnlichkeit verleugnen konnte.
Meresin strahlte, trotz der ziemlich unangenehmen Umgebung, irgendwie sogar eine seltsame Ruhe aus.Eine fast schon Unbekümmertheit.
So ließ sich der geflügelte durch die Worte des Hybriden nicht aus der Ruhe bringen, oder aber er schien ihn diesbezüglich nicht ernst zu nehmen. Sein Blick glitt zur Seite, vermutlich dorthin wo der verletzte Magier am Boden lag.

„diesen Mist?...ah, ich versteh! Aber ich bin nicht der Auslöser dafür...immerhin bin ich ja auf der anderen Seite“ Er schielte da dabei nur auf Uriel, während sein Gesicht noch Apollo zugewandt war.
„Deine Kraft erweitert sich“ ein süffisantes Lächeln.

Als dann Uriel mit seiner Wut hervor kam, sah Meresin ihn wieder genauer an. Musterte dabei den jungen Hybriden ebenso, wie dieser zuvor Meresin gemustert hatte.
„zu erstens: du hältst es für unglaubwürdig? Immerhin redest du mit mir und wer hat eigentlich gesagt, dass dies hier nur ein Spiegel ist...“
Und mit diesen Worten kam er dem Spiegel näher und streckte seine Hand durch. Die Hand um dessen Gelenk ein schwere Kette hatte, stieß durch die Oberfläche, als wenn da nichts wäre. Sie kam hindurch, nur dass auf der Seite von Uriel keine Kette um das Gelenk lag.
Meresin lächelte und zog seine Hand zurück, hielt sich am Rahmen fest und stieg hindurch. Die seltsame Masse perlte von seinem Körper ab und als die Beine folgten trugen sie eine tiefschwarze Hose.
Uriel würde jetzt merken, dass er sich sehr wohl bewegen konnte. Er konnte fliehen, oder schnell wegrennen.
Mit geschmeidigen Bewegungen trat Meresin aus dem Spiegel. Auf der anderen Seite konnte man jedoch tatsächlich noch sein Spiegelbild sehen, welches sich nicht verändert hatte.
„..Nachdem du gegen Pflanzen und verrückten Magier gekämpft hast, glaubst du noch immer nicht an Märchen?. Du verleugnest, was dir selber schon widerfahren ist, mein Lieber! Zweitens:wenn ich dir was nennen würde, käme vermutlich die gleiche Antwort, die du Apollo schon gegeben hast...das du nicht an Märchen glaubst. Du steckst bereits in einem!...und Drittens: Ich habe dich nie festgehalten...das hattest du nur deiner Neugier zu verdanken, auf keinem Fall mir, Sohn“
Er legte den Kopf zur Seite, sah wieder Uriel an. Dann wanderte sein Blick an sich selber runter und er schaute sich die Umgebung an. Es hatte etwas, wie ein erstes Mal.
Aber was hatte ihn befreit?
Oder war er nicht wirklich frei?
Der Spiegel zeigte noch die selbe angekettete nackte Gestalt, die ebenso an sich runtersah.
„ich kann dir vieles geben...aber was du möchtest, musst du entschieden, ich will nur deine Hilfe!“
Die Luft schien zu vibrieren und zu zittern unter seiner Stimme, die jetzt nicht mehr ganz so tief grollte. Einen seltsam vertrauten Klang für Uriel hatte, etwas was an eine glücklichere zeit erinnerte.
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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Mittwoch 26. September 2012, 18:16

Für einen kurzen Moment der Selbstkritik hatte Uriel gedacht, dass er zu weit gegangen war. Es hätte ihn zumindest nicht verwundert, wenn Meresin ihn jetzt zurechtweisen oder wütend gucken würde. Wenigstens ein genervter Seufzer wäre doch angesichts dieser deutlichen Missachtung der Machtverhältnisse drin gewesen. Aber nein, der liebe Herr war sich leider zu fein für irgendwelche emotionalen Ausbrüche. Was Uriel einerseits erleichterte, andererseits ihn auch ein wenig enttäuschte. Man bekam viel leichter Antworten aus einem wütenden oder verängstigten Gesprächspartner. Da Angst in diesem Falle eher sein Part zu sein schien, hatte er sich für den provozierenden Weg entschieden. Nicht, dass es er wirklich geglaubt hätte, dass es etwas bringen würde, aber man konnte es ja wenigstens probieren.
So zumindest war der Plan des Elfen gewesen. Dass Uriel deutlich mehr auf den zivilisierten Part seiner Persönlichkeit die Führung überließ, war logisch. Der Rabe in ihm hatte nämlich immer noch nur eines im Sinn: Flucht! Und auch wenn diese Entscheidung sinnvoll war und äußerst attraktiv, so konnte es der Hybrid nicht über sich bringen. Dieser Kerl, Meresin, hatte ein paar Dinge gesagt, die ein flüchtiges Interesse geweckt hatten. Und außerdem hatte Uriel noch ein anderes Gefühl bei dieser Angelegenheit, neben zahlreichen anderen, wie Paranoia, Schmerz, Angst und dem unterschwelligen Frust. Ein Gefühl, dass zu der üblichen deprimierten Mischung ungefähr so gut passte, wie ein Gänseblümchen in der Toten Ebene: Vertrautheit.

Und das gefiel ihm gar nicht. Er versuchte es zu ignorieren, zu leugnen. Doch es klappte nicht so gut, wie er gedacht hatte. Die Bewegungen, die Stimme. Schon allein diese verdammte Gelassenheit, die dieser Kerl ausstrahlte. Das alles kam ihm so ekelhaft bekannt vor. Dabei war sich Uriel doch sicher, dass er diese Person noch nie in seinem Leben zuvor getroffen hatte. Oder doch?
Wütend schüttelte der Bote den Kopf, um diese unangebrachten Zweifel zu vertreiben und versuchte, sich wieder auf das Gespräch zu konzentrieren. Die nächsten Worte Meresin verlangten nämlich nach Klärungsbedarf. Es war seine Kraft, die dies verursachte? Kurz flackerte Verwirrung in den Zügen des Hybriden, bevor er sich wieder zusammenriss und seine übliche steinerne Miene aufsetzte. Doch innerlich war er immer noch aufgewühlt. Wie sollte er diese Energie ausstrahlen können? Er hatte gerade erst vor wenigen Augenblicken einen äußerst kräftezehrenden Zauber eingesetzt und auch sonst hatte er in letzter Zeit mehr Magie angewandt, als in den letzten zwei Jahren. Wie war es da möglich, dass er dazu auch noch DAS hier verursachen konnte. Doch...vielleicht war genau dies der springende Punkt. Vielleicht hatte sein sparsamer Gebrauch dazu geführt, dass sich Energie in ihm aufgestaut hatte und nun kam sie mit Gewalt nach draußen. Ja, das war eine akzeptable Erklärung! Zumindest eine, mit der sich Uriel fürs Erste zufrieden stellen konnte, ohne auf die Worte Meresins eingehen zu müssen und zu riskieren, dass er ihm womöglich noch Recht gab. Denn eines hatte er für sich schon entschieden. Er konnte diesen ominösen Flügeltypen nicht leiden.
Dann passierte erneut etwas, was Uriel nicht erwartet hatte - Das wird langsam zur Gewohnheit.... - als Meresin mit einem Mal völlig überraschend aus dem Spiegel trat, als würde das Glas nicht mehr Widerstand leisten als Wasser. Zumindest die minimalen Anforderungen an Kleidung gestattete er sich zu erfüllen, denn er trug nun eine Hose. Und noch etwas fiel Uriel auf. Er konnte sich wieder bewegen. Denn in dem Moment, in dem sein angeblicher "Vater" den Spiegel durchstieß, war er selbst instinktiv mehrere Schritte zurückgewichen. Auch konnte er nicht verhindern, dass seine Flügel angespannt zuckten und in seinen Augen huschte ein animalischer Schatten vorbei. Dann hatte er sich wieder im griff und der Moment verflog. „..Nachdem du gegen Pflanzen und verrückten Magier gekämpft hast, glaubst du noch immer nicht an Märchen?. Du verleugnest, was dir selber schon widerfahren ist, mein Lieber! Zweitens:wenn ich dir was nennen würde, käme vermutlich die gleiche Antwort, die du Apollo schon gegeben hast...das du nicht an Märchen glaubst. Du steckst bereits in einem!...und Drittens: Ich habe dich nie festgehalten...das hattest du nur deiner Neugier zu verdanken, auf keinem Fall mir, Sohn“ "Nenn mich nicht so!", fauchte Uriel, bevor er seine Zunge zurückhalten konnte. Verdammt, dieser Kerl brachte ihn völlig aus dem Konzept! Allein, dass er schon wusste, was Uriel in jedem Fall geantwortet hätte. Als würde er ihn kennen. Aber das war doch völlig unmöglich für einen Fremden! Für einen Fremden....

Wieder riss ihn ein Stöhnen aus seinen Gedanken. Da er sich wieder bewegen konnte, blickte Uriel sich um und sah Apollo, der wie ein Schwein in der Sommerhitze schwitzte. Und er sah Rakjars sterbliche Überreste und das Gesicht des Hybriden wurde eine Nuance blasser. Die Leiche des Leoniden sah aus, als wäre sie schon seit Wochen starker Hitze ausgesetzt worden. Dürr, verschrumpelt, steif. War ich das?, schoss es durch Uriels Kopf und er ging ein paar Schritte von Apollo weg. Hin zu Meresin, wie ihm auffiel. „ich kann dir vieles geben...aber was du möchtest, musst du entschieden, ich will nur deine Hilfe!“
Uriel wandte sich wieder um und blickte seinem Gegenüber in die flammenden Augen. Doch sein Blick war nicht suchend, oder fragend. Nein, er war stechend und unfreundlich. Keine falsche Freundlichkeit und auch nicht die Zweifel, die in seinem Inneren rumorten. "Sag mir, was du von mir willst...", sagte er, "Und dann wirst du von mir hören, was ich dafür verlange."

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Re: Schon wieder ein Bergpfad

Beitrag von Gestalt » Dienstag 2. Oktober 2012, 11:14

Jede Bewegung von Uriel wurde genausten beobachtet. Selbst noch so kleine Regung, ob es Körper oder Geist betraf schien analysiert zu werden. Und dabei mit einer Lässigkeit, die die Situation für den Hybriden nicht einfacher machte. Noch während Uriel überlegte, ob er tatsächlich irgendwelche seltsamen Kräfte entfacht hatte, die ihn ihn selber schlummerte, war der Blick von Meresin nicht von ihm gewichen. Nur der Anflug eines winzigen und irgendwie zustimmenden Lächeln umspielte dessen Mundwinkel.
Er musste nichts sagen, was offensichtlich war.
Das ihn Uriel nicht einen Anflug von Respekt entgegen brachte, kümmerte Meresin so wenig, wie die Kälte vor einem Obdachlosen zurückwich.
Sollte doch der Hybrid sich beschweren und zetern, es würde nur ihn unnötiges Kopfschmerzen bereiten.
Und als wenn es nicht mehr schlimmer kommen könnte für den Rabenhybriden kam Meresin auch direkt aus dem Spiegel. Jetzt wich der Hybrid doch zurück, konnte aber noch Fauchen wie eine wilde Katze.
Meresin zog eine Braue hoch und wieder lag sein Augenmerk auf Uriel. Sein Finger legte sich auf die Lippen des jungen Boten und so wurde ihm Einheit geboten. Die Hand war schlank, wie die eines Elfen, die Fingernägel dafür viel zu lang, dass sie eher an Krallen erinnerten und von tiefschwarzer Farbe. Und diese sahen nicht angemalt aus, sondern als wenn sie von Natur aus so waren.
„tze,tze, tze...und weswegen nicht?...“ Er sah für einen Moment nachdenklich zur Decke der Höhle hoch, bevor er weiterfuhr.
„Weil du nicht weiß, dass es stimmt?...Du spürst doch, dass du mich kennst! Oder weil du dich an einen ANDEREN MANN ALS VATER ERINNERST?“
Die letzten fünf Worte waren zwar ruhig gesprochen, aber trotzdem war ein Aufleuchten in den Augen. Es sah aus, als würde dort ein Feuer auflodern, was aber im nächsten Moment zu einer halbwegs normalen Farbe verblasste. Die Augen hatten einen Farbton, der an flüssiges Gold erinnerte.
Er wandte sich von Uriel ab und blickte sich weiter um. Jeder Schritt war eine Mischung aus Eleganz und als würde er die Last von Tonnen an sich tragen.
Im Spiegel konnte Uriel sehen, dass die Ketten seinen angeblichen Vater das Laufen erschwerten, so massig wie sie aussahen.

Uriel selber hielt es wohl auch nicht mehr vor dem Spiegel aus, denn die Geräusche die Apollo von sich gab, hörten sich immer weniger lebendig an. Keuchend nach Luft schnappend, während der Schweiß nur so runterrann. Apollos wohl ehemals sorgfältig auf getragene Schminke verlief und ließ ihn wie eine schlecht gemalte Puppe aussehen. Er hatte die Augen geöffnet und sah zu Uriel und Meresin rüber. Die Lippen öffneten sich, aber sie waren bereits so ausgedörrt, dass das Sprechen schwer fiel. Man konnte sich denken, dass er um Wasser bettelte.
Als Uriel sich die Überreste des Leoniden betrachtet und blasser wurde, war es Meresins Hand die seine Schulter kurz erfasste und diese beruhigend drückte.
„Er war bereits tot, also was kümmert dich, dass er jetzt so aussieht?“ Wurde die Tatsache nochmals von Meresin beleuchtet. Dieser war dicht neben Uriel, setzte jeden Fuß mit bedacht auf und wo er oder Uriel auftraten, zerbarst förmlich alles.
Die toten Pflanzen, die Asche waren, die seltsamen Zombies, es zerfiel alles zu Staub. So viel Zeit war noch nicht vergangen, aber hier war alles so vertrocknet, wie in der Wüste selber. Apollo versuchte sich nach draußen zu schleppen.
Vor den Leoniden ging Meresin in die Hocke.
„Ein tapferer Krieger, vermute ich mal.... er hat gut gekämpft. Hmm..“ Seine Hand strich über dessen Wange und diese fiel einfach ein. Die pergamentartige Haut und das Fell blätterte ab und er zerbröckelte Schicht für Schicht zu Staub.
Meresin sah auf seine Hand, kurz war es so als hätte er etwas erwartet, dass geschehen würde. Ein leichter Anflug von Ärger strich über seine Züge, war aber sofort wieder verschwunden als er sich erhob und sich wieder seinem Sohn widmete.
„ich will, dass du mir hilfst ein Weib zu finden. Keine Sorge, ich werde deiner Mutter und VATER …" Wieder dieses Aufleuchten.
„... nichts tun. Aber ich brauche eine Verbindung zu dieser Welt, die mich befreit. Und die Frau wird es können. Wir müssen nach Morgeria„
Er lächelte sanft, aber nie wirklich von Herzen aus. Immer mit Kälte.
„ja, es geht immer um Frauen. Sie sind unser alles ...Verhängnis“ Er legte den Kopf leicht schräg, so dass das lange Haar, welches ihm bis zur Hüfte jetzt nur noch ging, zur Seite wegfiel. Trotzdem wirkte nichts bei dieser Gestalt irgendwie weiblich, so wie es bei Apollo der Fall war. Es hatte immer eine Eleganz, die auch in Vögeln vorhanden war und eine Spur von Erotik und Macht. Und wenn man es schon ansprach, er hatte keine Flügel mehr. Nur zwei große Tätowierungen, die sich über seinen Rücken ausbreiteten. Seltsam dass man trotzdem das Gefühl hatte, als würde sie leben und könnten sich gleich entfalten.

„jetzt bist du dran Uriel...was kann ich für dich tun?“ er war dabei auf dem Weg zu Apollo, sah über seine Schulter den Rabenhybriden an.
„Wir sollten den armen Kerl nach draußen bringen, wenn du ihn noch brauchst!... Eine Blamage für sein Volk! „Schüttelte Meresin den Kopf und winkte den Rabenhybriden zu sich.
Man konnte trotzdem das Gefühl nicht verhindern, dass Meresin hier fremd wirkte. Unwirklich und deplatziert.
„Uriel, ich habe nicht vor dir einen Weg auf zu zwingen...aber du solltest etwas mit deinen Kräften machen. Sie sind unkontrolliert. Du könntest sonst noch versehentlich andere töten...oder willst du das?“
Meresin sah zu seinen Sohn und ließ kurz seine Zähne aufblitzen, die eher weniger Elfisch wirkten. Eher wie das Gebiss eines Vampirs.
Meresin hob den Verletzen hoch, als wenn dieser nichts wog und brachte ihn nach draußen vor die Höhle. Einen Moment zögerte der seltsame Fremde vor dem Ausgang, bevor er fast schon zögerlich nach draußen ins Licht ging.
„Wunderschön!“ flüsterte ehrfurchtsvoll und blickte sich um. Wie lange er wohl festgehalten wurde?
Sein Kinn hob er an, reckte sein Gesicht der Sonne und dem Himmel zu.
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