Der Bergpfad

Das Drachengebirge streckt sich vom östlichen bis in den westlichen Teil Celcias. Es ist die Grenze zwischen dem hellen und dem dunklen Reich. Die große Hauptstadt wurde im Schutze dieses Gebirges gebaut.
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[INFO] In der Stillen Ebene steht die dunkle Armee (bestehend aus Dunkelelfen, Orks und Untoten). Das Fischerdorf ist in der Gewalt von Orks. Pelgar wird von der dunklen Armee angegriffen, die auch im Besitz eines heraufbeschworenen Knochendrachens war. Hinweis: Dieser ist inzwischen besiegt und auf Pelgar abgestürzt. Seht hierzu die Weltereignisse auf der Webseite durch!
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Uriel Schwarzschwinge
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Der Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Sonntag 30. Januar 2011, 11:21

Knackend brachen ein paar Steine und klackerten den steilen Abhand hinab. "Verdammt!", fluchte Uriel und presste sich enger an die Felswand. Nach einer Weile starren Verharrens, kroch er weiter. Die Flügel eng angelegt und mit dem Oberkörper am kalten Fels, schlich der Rabenhybrid den schmalen Bergpfad entlang und bemühte sich möglichst nicht nach unten zu schauen. Der Wind wehte in starken Böen an der engen Felskante und riss erbarmungslos an den Flügeln. Uriel war total durchgefroren, wagte es aber nicht kurz innezuhalten und sich zu wärmen, da er Angst hatte, dabei abzustürzen. Wie bin ich nur in diese verdammte Situation geraten?, fragte er sich inzwischen zum hundertsten Mal.

Am Anfang hatte der Auftrag recht verlockend geklungen. Überbringe einen Brief an eine bestimmte Person, an einem bestimmten Ort. Gute Bezahlung und anschließende Kost und Logis, inklusive. An sich war das ganz gut, weshalb Uriel auch sofort zugesagt hatte. Aber, natürlich war dass nie so einfach. Wäre ja auch zu schön gewesen! Gleich beim Treffen mit dem Auftraggeber hatte der Hybrid gespürt, dass dieser Botendienst doch mehr Aufwand bedeutete, als angenommen. Der Kerl, ein Ritter, einer der ganz verklemmten, war unhöflich und grob gewesen. Nicht dass das Uriel nicht gewohnt wäre, doch die Art und Weise, wie man ihm den Brief zusteckte war doch, gelinde gesagt, ein bisschen grob gewesen. Man hatte ihn bei nächstbesten, natürlich finsteren, Gasse gepackt und an die Wand gepresst. Ein paar gezischte Anweisungen, ein bisschen Schütteln, damit sie sich auch ja einprägten und das Zustecken des Briefes. Dann warf man Uriel wieder auf die Straße.

Noch nicht einmal eine Bezahlung! Als ob dieser gepanzerten Vollidioten unter Geldmangel leiden würden., dachte Uriel wütend und kroch weiter vorwärts.
Und noch nicht einmal ein humaner Auftrag! Nein, ich muss diese verfluchte Nachricht von Zyranus nach Pelgar bringen. Nach Pelgar! Es gibt ja auch nicht einfacheres als in eine belagerte Stadt zu kommen! Vorbei an Orks, Dunkelelfen und Schlimmeren.
Wütend kaute der Hybrid an seiner Unterlippe. Am liebsten würde er diesen blöden Auftrag über den Haufen schmeißen, aber sein Stolz verbot es ihm. Dieser laufende Blechtopf wartet doch nur darauf, dass ich zurückkomme und aufgebe.
Also kroch Uriel weiter den engen Bergpfad entlang. Zuvor war er von Zyranus aus durch den Arus-Wald gelaufen und war dann in das westliche Drachengebirge abgebogen. Nach einer anstrengen Klettertour hatte er es in den östlichen Teil des Gebirges geschafft und näherte sich Pelgar nun vom Norden. Der Grund für diesen Umweg war die dunkle Armee gewesen, welche in der Stillen Ebene lagerte und einen Belagerungsring um Pelgar geschlossen hatte. Uriel rechnete sich kaum Chancen aus dort durchzubrechen, weshalb er nun einen anderen Weg suchte. Natürlich war er sich bewusst, dass kleinere Trupps des dunklen Volkes durch das Gebirge patrouillierten, doch denen konnte er ausweichen oder im Notfall auch beseitigen.

Nach einer Weile wurde der Pfad breiter und Uriel atmete auf. Nun würde es schneller vorangehen. Bleibt nur zu hoffen, dass ich hier niemanden begegne.

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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Dienstag 8. Februar 2011, 16:25

Schnelles, vermeintlich leicht verdientes Geld war von jeher eine tückische Angelegenheit. Nicht wenige Glücksritter waren bereits der Verlockung nachgegangen und hatten sich letztlich einem unschönen Ende gegenüber gefunden. Ob Uriel ebenfalls ein solches Schicksal ereilen würde, stand im Moment noch in den Sternen, doch die Verrausetzungen waren wohl kaum die besten. Schließlich lautete der Auftrag, eine wichtige Nachricht ins Herz von Pelgar zu bringen. Doch gab es im Augenblick auch nur einen einzigen Ort in Celcia, der gefährlicher und schwerer zu betreten war? Nun, vielleicht Morgeria selbst, aber wer wollte dort schon freiwillig hin?
Eins war klar, den direkten Weg durch die Stille Ebene konnte der Hybrid vergessen. Rund um die Hauptstadt lag ein wie ein riesiger Gürtel das Feldlager der dunklen Armee, bestehend aus Orks, Dunkelelfen und so manch einem noch schlimmeren Wesen. Einige Waghalsige mögen es wohl geschafft haben, sich unbemerkt durch das Lager zu bewegen, aber seine Statur verhinderte schlichtweg Geheimnistuerei. Mit den gewaltigen Schwingen auf seinem Rücken wäre er jedem dümmlichen Goblin aufgefallen, dass letzte was man in einem Herr von fleischgeilen Bestien wollte. Nein, der direkte Weg war keine Option gewesen. Es blieb nur eine andere Möglichkeit, zumindest war dem Elfen keine andere mehr eingefallen: Der Weg durch das Gebirge und eine Annäherung von der anderen Seite aus. Alleine der Umweg, den er nehmen musste um an die Ausläufe des Drachengebirges zu gelangen, hatte ihm einen Tag gekostet, ein weiterer war verloren gegangen, ehe er einen Pfad gefunden hatte. Die schroffen Felswände, die schmalen Grate, die heimtückischen Winde, sie alle machten einen Aufstieg mehr als schwer. Dabei war das ganze Pures Glücksspiel gewesen, denn niemand hätte dem geflügelten Mann sagen können, ob er auf diese Weise wirklich in die nähe von Pelgar gelangen würde.
Doch ausnahmsweise schien ihm das Glück hold zu sein, denn der gewundene Gebirgspfad führte in einem leichten Bogen auf die belagerte Stadt zu. Aber die Strecke war hart. Die Temperaturen, ohnehin schon sehr niedrig zu dieser Jahreszeit, waren so weit oben im Gebirge noch niedriger. Dazu kam der schneidende Wind. Für so eine Kletterpartie war Uriel überhaupt nicht richtig gekleidet, geschweige denn ausgerüstet gewesen, doch das hatte ihn nicht abschrecken können. Über seine Federn hatte sich bereits eine dünne Reifschicht gelegt, die nackten Oberarme und das Gesicht hatten vor stunden aufgehört zu brennen und fühlten sich nur noch taub an. Doch nicht nur das Wetter hatte sich augenscheinlich gegen ihn verschworen, das Gebirge selbst schien den unerwünschten Gast wieder loswerden zu wollen. Immer wieder brachen kleine Bröckchen unter seinen Fußen weg, von höher gelegten Kämmen schlug gelegentlicher Steinschlag hinab. Doch bis jetzt hatte Uriel auch diese Hindernisse mit Bravur, oder vielleicht auch mit mehr Glück als Verstand, bewältigen können. Leider hielt sein Glück wohl nicht mehr viel vor.
In Gedanken verfluchte der Rabenmensch wohl zum zigsten Mal den Blechmann, der ihm den Auftrag gegeben hatte, als es Geschah. Ohne Vorwarnung, ja völlig unerwartet, gab der dünne Grat, auf dem er sich grade entlang drückte, nach und stürzte tosend in die Tiefe. Uriel reagierte zwar schneller als so manch anderer und schaffte es, sich nach einem kurzen Fall an den Resten der Steinkante festzuklammern. Doch der anstrengende Aufstieg verlangte seinen Tribut. Die tauben Finger rutschten über den scharfkantigen Rand und mussten nach einigen Sekunden ihren Griff freigeben.
Unfähig, sich weiter festzuhalten, rutschte der Hybrid die Felswand entlang. Der leicht abfallende Winkel verhinderte es, dass er gradewegs in die tiefe stürzte, doch war es eine schmerzhafte Erfahrung, auf die er wohl lieber verzichtet hätte. Nach etwa sechs Metern hatte die Rutschfahrt ein Ende und Uriel fand sich einem breiten Plateau wieder. Seine Hände patschten in eine dicke Blutlache und für einen Moment schien er ohnmächtig zu werden. Grade noch rechtzeitig fiel sein Blick auf den verkrümmten Körper, der nahe bei ihm lag. Die schuppige Haut verschwand unter einer Rüstung, ein zerbrochener Schild lag in der Nähe. Das Gepäck des Echsenmannes lag ein wenig weiter abseits, die Tasche hatte sich geöffnet und Proviant, Fackeln und mehrere Stoffstücke, wohl Kleidung oder Decken, hatten sich überall verstreut.
Die Blutpfütze, die Uriel zuerst für seinen eigenen Lebenssaft gehalten hatte, entsprang eindeutig dem toten Sumpfechsen-Soldaten, dessen Glieder gebrochen und Haut abgeschält war. Augenscheinlich hatte das seltsame Tierwesen weniger Glück gehabt als Uriel, der sich bei seinem Absturz nur ein paar Kratzer und Abschürfungen zugezogen hatte. Darüber konnte er sich zwar freuen, doch was nun? Wieder hinauf zu klettern war Unmöglich, vor allem wenn man keine vernünftige Ausrüstung zum Bergsteigen besaß. Am Rand des Plateaus ging es geschätzte hundert Meter tief auf eine mit Steinspitzen gespickte Schlucht zu. Nur zwei Wege führten von der kleinen Ebene fort. Der eine war ein stark abfallender Pfad, kaum breit genug um sich frei darauf bewegen zu können. Der andere führte ... gradewegs in das Gebirge hinein? Das möchte eine weitere Sackgasse sein, aber auch der schmale Weg war tückisch. Dem verlauf zu urteilen führten wohl beide Pfade etwa in die gewollte Richtung, wobei sich der Höhlenpfad nach einigen Metern in Dunkelheit verlor und der Steg nach etwa 30 Schritt abknickte. Nun, seine bisherige Reise war auch ein Glücksspiel gewesen, jetzt konnte er wohl auch nur darauf hoffen, mit etwas Glück die richtige Strecke zu wählen.
Die Sicherungshaken, die über ihm in der massiven Gesteinswand steckten, konnte er nicht sehen. Darum konnte er auch nicht wissen, dass er hier nicht alleine war ...
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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 12. Februar 2011, 15:58

Endlich, der Pfad wurde breiter. Ein seltenes Lächeln breitete sich auf Uriels Züge aus. Bis jetzt war die ganze Reise eine einzige Strapaze gewesen, wo er sich mehr auf sein Glück und sein Instinkt für die Richtung verlassen hatte, als auf irgendetwas anderes. Dreimal war er von plötzlichen Steinschlägen fast erwischt worden. Von dem schneidenden Wind und den eisigen Temperaturen, wollte er gar nicht sprechen. Da wurde es aber auch Zeit, dass er mal Glück hatte! Er kam Pelgar nicht nur endlich näher. Nein, der Reiseweg wurde auch endlich mal angenehmer. Das nächste Mal werde ich mich besser vorbereiten. Auch wenn die hiesigen Wetterverhältnisse sicherlich ihren Reiz haben, so sind die Berge mir doch ein bisschen unterkühlt. Aber jetzt ist es ja geschafft! Uriel erlaubte sich ein wenig zu entspannen.

Ein Fehler, wie sich bald herausstellen sollte. Kaum hatte der Rabenhybrid ein wenig Abstand von der Felswand genommen, wurde ihm der Boden unter den Füßen weggezogen. Und das wortwörtlich! "Verflucht!", brüllte Uriel in seiner Heimatsprache. Sein rechter Arm schoss vor und packte die Kante. Für ein paar Sekunden hing der Hybrid mit einer Hand an der Wand. Seine tauben Finger versuchten verzweifelt Halt zu finden, doch umsonst. Die anstrengende Klettertour und der eisige Wind forderten ihren Tribut. Fluchend stürzte er den Abhang hinab. Schützend krümmter er sich zusammen und schlug mit den Flügeln. Ein lächerlicher Versuch sich zu schützen, denn fliegen konnte Uriel bei weitem nicht. Immer wieder prallte er gegen hervorragende Felsvorsprünge oder riss sich die Haut an scharfen Steinen auf.
Schließlich endete sein Fall auf einen niedrigergelegenden Plateau. Uriel knallte mit dem Kopf auf den Fels und für kurze Zeit wurde ihm schwarz vor Augen. Als sein Blick sich langsam wieder klärte, bemerkte er dass er in etwas Nassem lag. Blut., registrierte er, als er die Flüssigkeit an seinen Händen sah. Wie schwer bin ich verletzt?, war der nächste Gedanke. Sicherlich würde gleich der Schmerz kommen. Ein furchtbarer Schmerz von gebrochenen Knochen und zerrissenen Gliedern. Gleich kam, gleich....
Doch der Schmerz blieb aus. Uriel öffnete zögernd die Augen und sah den toten Echsenmenschen neben sich liegen. Von ihm stammte das Blut und er war, wenig überraschend, tot. Langsam richtete Uriel sich auf und bewegte vorsichtig die Glieder. So wie es aussah hatte er erheblich mehr Glück, als der bedauernswerte Kerl neben ihm gehabt. Der Rabenhybrid hatte sich nur oberflächliche Schnittwunden und Kratzer zugezogen. Seine Ausrüstung hatte auch keinen Schaden genommen. Freuen tat sich Uriel aber trotzdem nicht. Wäre ja auch wirklich zu einfach gewesen., dachte er verdrießlich als er nach oben schaute, zu dem, nun unerreichbaren, Felspfad. Da kam jetzt die Gelegenheit auf ein wenig Erleichterung, aber nein! Die Götter wollen es einem nie zu einfach machen. Man soll an seinen Aufgaben wachsen, heißt es.
Uriel blickte zu der Leiche. Von ihm kann man das nicht behaupten. Ohne lange zu zögern, beugte sich Uriel herab und untersuchte die Sachen des Echsenmenschen. Das meiste war zerbrochen oder nicht mehr verwendbar, doch die Decke und en Proviant packte der Hybrid mit ein. Der Echsenmensch konnte sie ja nicht verwenden. Vom Kurier zum Leichenfledderer. Was für ein Sprung auf der Karriereleiter!
Nun wandte sich Uriel den beiden Pfaden zu, die vom Plateau abzweigten. Einer war ein schmaler Pfad, ähnlich dem auf dem er vorhin gewandert war, der andere führte in eine Höhle. Beide führten ungefähr in die Richtung Pelgars, doch genau war das nicht auszumachen. Also wieder ein Glücksspiel., dachte Uriel bitter. Der Höhlenpfad kam ihm nicht geheuer vor. Wer wusste schon was da lauerte? Der Bergpfad aber barg dieselben Risiken wie der Letzte und Uriel hatte keine Sehnsucht nach einer weiteren "Flugstunde". Welchen sollte er also nehmen? Seufzend drehte sich der Hybrid zum Höhleneingang. Der Bergpfad war ihm zu riskant. Zudem war ihm kalt und in der Höhle konnte er wenigstens hoffen eine guten Schlafplatz zu finden. Vielleicht war er da auch vor dem Wind geschützt? Es half nichts. Letzten Endes blieb es ein Glückspiel. Aber selbst wenn sich herausstellte, dass er sich falsch entschieden hatte, so hatte er doch wenigstens für kurze Zeit ein wenig Ruhe vor dem Wind.
Also nahm Uriel eine der umliegenden Fackeln, die anderen steckte er in die Tasche des Echsenmenschen, und entzündete sie. Dann ging er in den Höhleneingang. Wird schon nichts Schlimmes passieren., sagte er sich, jedoch ohne richtige Hoffnung.
Als er die Höhle betrat kam ihn noch ein Gedanke. Was hat der Echsenmensch hier im Gebirge gemacht? Und warum war er allein?

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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 17. Februar 2011, 18:26

Eine Entscheidung zu treffen, wenn man den Ausgang der beiden Optionen nicht kennt, war wirklich nicht einfach. Egal welchen Weg Uriel sich aussuchen würde, dieser führte ins Ungewisse und barg gefahren! Der Rabenhybrid hatte natürlich keine Ahnung von den Trupps, die sich bereits durch dieses unliebsame Gelände geschlagen haben, weder von den Echsenmenschen, die als angeheuerte Söldner die Truppen der dunklen Brut verstärken sollten, noch von dem kleinem Orkrudel, dass zur Überwachung der Sumpfechsen ausgesandt worden war. Zu welcher der beiden Fraktionen der Tote, der zusammen mit Uriel auf dem Plateau lag, war dabei keine schwere Frage. Er war abgestürzt, als die Echsenwesen sich von der höheren Ebene abgeseilt hatten. Im Gegensatz zu Uriel hatten diese erfahrenen Soldaten durchaus die Unbegehbarkeit des Pfades bemerkt. Nun ja, der Bote konnte sich über den Unfall wohl ein wenig freuen, denn schließlich kam er so umsonst zu ein wenig Ausrüstung und noch wichtiger, zu Proviant! Dem Toten schenkte er dabei genauso viel Aufmerksamkeit, wie es seine Artgenossen getan hatten. Nämlich gar keine!
Worauf es nun im Moment ankam, war das Fällen einer Entscheidung, und eben das tat Uriel nach kurzem Zögern. Er entschied sich dafür, in die höhlenartigen Gänge vorzudringen, die zwar ebenso unübersichtlich waren, wie der schmale Berggrat, aber zumindest vor Wind und Wetter schützte. Ob es eine Entscheidung war, die er später noch bereuen würde, müsste sich zeigen.
Eine der Fackeln des Echsenmannes wurde von Uriel entzündet, damit der Lichtschein zumindest ein wenig das Dunkel vertrieb. Der Gang lag wie ausgestorben vor dem Hybriden. Sich wie eine Schlange windend, führte er tiefer ins Herz der Berge. Die steinernen Wände wirkten fast wie geschliffen, denn nirgends standen irgendwo Unebenheiten hervor. Dabei sah es nicht so aus, als wären Werkzeuge hier zum Einsatz gekommen. Es war eher so, als wäre der weg von einem reißenden Strom Wasser glattgetrimmt. Trotzdem musste Uriel die Flügel einziehen, denn der fast Kreisrunde Pfad war nicht besonders Breit. Dass der Elfensohn den Kopf nicht einziehen musste, war auch schon alles. Dass einzige, was der Rabenmensch hörte, während er sich tiefer ins Gebirge vorwagte, war das Echo seiner eigenen Schritte. Allerdings wirkte es bestimmt beruhigend, dass er sonst alleine zu sein schien. Seine bisherige Reise nach Pelgar war schon anstrengend genug, da brauchte er nicht auch noch kurz vor dem Ende von einer Bande von Gebirgsräubern aufgegriffen werden.
Hier in der Dunkelheit und Stille, war es sehr schwer, die Zeit richtig abzuschätzen. Das einzige, was sich veränderte, war die Fackel, die langsam abbrannte. Noch war sie als Lichtquelle gut zu gebrauchen und Uriel hatte ja auch noch einen kleinen Vorrat an Fackeln, doch blieb die Frage, wie lange er hier unten verbringen würde. Nach etwa drei Stunden, wobei es dem Boten wohl viel länger vorgekommen war, verbreiterte sich der Gang leicht und ein lauterwerdendes Geräusch drang an seine Ohren. Nicht viel später und Uriel trat aus dem Gang in eine große, Kavernenartige Höhle. Die mit Tropfsteinen geschmückte Decke war so hoch wie die eine Kathedrale, das Licht reichte nicht einmal im Ansatz, um das ganze Ausmaß der Kammer zu erhellen.
Der Rauschen, wie man den Lärm nun zuordnen konnte, stammte von dem Fluss her, der Quer durch die Höhle lief und dabei wild gegen sein Bett schlug, so als wolle er sich aus der gewohnten Strecke befreien. Aber da war noch etwas ...
Ganz undeutlich erklangen weitere Geräusche in dieser Halle, die eigentlich verlassen sein sollte. Zwar überdeckte der lärmende Fluss den grossteil, doch nachdem man angestrengt lauschte, konnte man etwas erahnen, dass wohl eine Stimme war, die sich ein wenig grunzend unterhielt.
Hätte Uriel seine Fackel nun gelöscht, so wäre ihm ach sicher das leichte Flackern eines Lagerfeuers aufgefallen, dass am anderen Ende der Höhle aufgebaut sein möchte. Vielleicht waren die Stimmen für den Boten ja Warnung genug. Wo genau in dieser gewaltigen, steinernen Kammer weitere Ausgänge waren, war schlecht auszumachen und noch hatte er die Chance zurück zu gehen. Noch ...
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 19. Februar 2011, 12:58

Schweigend wanderte Uriel durch den engen Tunnel. Es war stockfinster. Einzig die brennende Fackel spendete ihm ein wenig Licht und beleuchtete die Höhlenwände. Bei näherer Betrachtung fiel ihm auf, dass die Wände glatt geschliffen waren. Uriel war kein Steinmetz, doch Werkzeuge konnten so etwas nicht erschaffen haben. Ein unterirdischer Fluss wäre eine Erklärung dafür. Das Wasser könnte im Laufe der Jahre den Fels abgeschmirgelt haben. Wenn diese Vermutung stimmte, wäre er auf dem richtigen Weg. Schließlich hatte Pelgar Zugang zu Grundwasser und seine Kanalisation war vielleicht auch an einen unterirdischen Fluss gebunden. Natürlich war das reines Wunschdenken. Im Drachengebirge gab es viele solcher unterirdischen Flüsse. Warum sollte dies jetzt der Richtige sein?
Statt sich mit Tagträumen aufzuhalten beschloss Uriel lieber sich wieder auf den Weg zu konzentrieren. Der Tunnel war sehr eng und der Hybrid musste die Flügel eng anlegen um nicht an die Wände zu stoßen. Zudem fühlte er sich zunehmend unwohl. Der Rabe in ihm wollte hier raus. Er wollte die Flügel strecken und den Himmel sehen. In einer dunklen Höhle zu stecken mit festem Fels über dem Kopf passte ihm ganz und gar nicht. Doch Uriel hatte mehr als 50 Jahre Zeit gehabt den tierischen Aspekt seiner Persönlichkeit unter Kontrolle zu bringen, weshalb er aufsteigende Nervosität beiseite schob. Anfangs war es gar nicht so einfach gewesen, dem Tier im Inneren standzuhalten. Die ersten Jahre seines Lebens als Hybrid waren erfüllt mit dem ständigen Zwiespalt eines Vogels, der unbedingt diese schmackhaft aussehende Raupe fressen wollte, und dem eines zivilisierten Elfen, der am liebsten Verhungern würde als sich so etwas Widerliches den Hals hinunterzuwürgen. Doch mit der Zeit hatte Uriel gelernt, den Raben als Teil seines Wesens zu akzeptieren und in bestimmten Situationen übergab er ihm sogar das Ruder.

Die Zeit verrann langsam. Uriels eigene innere Uhr hatte schon längst ihren Geist aufgegeben und gaukelte ihm vor, dass er schon seit unzähligen Stunden in diesem Tunnel herumwanderte. Laut der Fackel konnten es aber nicht mehr als drei Stunden gewesen sein. In Gedanken war der Hybrid bei dem toten Echsenmenschen. Was hatte der Kerl hier zu suchen gehabt? Die Fackeln, die er dabei gehabt hatte, waren ein Indiz dafür gewesen, dass er die Höhle hatte erkunden wollen. Die freundliche Bergwelt hatte ihm zwar einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber was, wenn er nicht allein gewesen war? Uriel erwartete zwar nicht, dass er ausgerechnet hier auf jemanden treffen würde, dennoch behagte es ihm gar nicht, womöglich geradewegs in die Arme einer, bis an die Zähne bewaffnete, Gruppe von Echsenmenschen zu laufen. Sie waren zwar ebenfalls Hybriden wie er, dennoch würde Uriel nicht auf eine freundliche Konversation hoffen können. Derzeit hörte er nur seine eigenden Schritte, was ihm ein wenig Sicherheit gab.
Schlielich verbreiterte sich der Gang ein wenig und endete auf einmal in einer riesigen Höhle. Stalaktiten und Stalagmiten reihten sich an - und übereinander und das Licht der Fackel reichte nicht einmal im Ansatz aus um den gigantischen Raum zu beleuchten. Staunend betrachtete Uriel dieses Wunder der Natur. Beim Götterpaar! Ich habe nie viel vom Zwergengott Brocknar gehalten, aber dieser Anblick lässt mich verstehen warum die Nogroter ihn anbeten. Das muss man gesehen haben, um es zu glauben.
In der Mitte der Höhle rauschte ein Gebirgsfluss vorbei. Uriel sah sich in seiner Theorie zur Entstehung der Höhle bestätigt. Langsam näherte er sich dem schäumenden Wasser, welches sich wütend gegen sein Bett schmiss. Der Hybrid öffnete seine Wasserflasche und füllte sie vorsichtig mit dem klaren Bergwasser. Die Fckel löschte er hierfür kurz. Als er sich wieder aufrichtete, bemerkte er etwas am anderen Ende der Höhle. Er hatte es vorher im Schein der Fackel nicht sehen können, doch nun erspähte er einen flackernden Lichtschein. Ein Lagerfeuer! Und nun hoben sich auch Geräusche über das lärmende Rauschen des Flusses. Uriel konnte sie nicht genau verstehen, doch der grunzende Unterton reichte ihm aus. In seinem Kopf schrillten die Alarmglocken! Der Echsenmensch war tatsächlich nicht alleine unterwegs gewesen. Und neben seinen Artgenossen hatten ihn auch Orks begleitet. Was sollte er jetzt tun? An den Rastenden vorbeizuschleichen kam nicht in Frage. Einen anderen Ausgang aus der Höhle zu finden, als den den die Orks blockierten, war unwahrscheinlich. Bliebe also nur der Rückzug. Langsam und vorsichtig, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, richtete Uriel sich auf. Die gelöschte Fackel steckte er zu den anderen. Sie anzuzünden war zu riskant. Dann drehte er sich um und schlich leise den zum Eingang zurück. Er konnte nur hoffen, dass die Orks keine Wachen abgestellt hatten, die ihn entdeckt hatten.

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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Montag 21. Februar 2011, 14:06

Es hatte bestimmt nichts mit Feigheit, wenn man sich in bestimmten Situationen für einen geordneten Rückzug entschied. Und sich in einer unübersichtlichen Höhle zu befinden, deren Finsternis keine zwanzig Fackeln verdrängen konnten und in der es womöglich von blutrünstigen Feinden wimmelte, gehörte bestimmt zu diesen Situationen! Dass Uriel seine Fackeln gelöscht hatte, als er seinen Trinkschlauch an der reißenden Strömung gefüllt hatte, war dabei ein Glück gewesen. Es gab Lebewesen, die in dieser dunklen Welt besser sehen konnten, als es die Augen eines Elfen vermochten. Orks gehörten mit Sicherheit dazu, wie es sich bei Sumpfechsen verhielt war da zwar ungewisser, aber ihre animalischen Instinkte waren nicht zu verachten. Auf seine eigene tierische Seite konnte Uriel sich wohl eher weniger berufen, denn schließlich war ein Rabe kein Höhlenbewohner.
Um nicht entdeckt zu werden, belies es Uriel bei der gelöschten Flamme, um unfreundlichen Augen zu entgehen, doch brachte dies auch den Nachteil mit sich, dass der Rabenmensch sich nun in fast völliger Dunkelheit befand. Da er sich noch nicht soweit im inneren befand, als dass er den Weg zurück nicht finden würde, machte das wenig aus, denn sobald er wieder im Tunnel wäre, brauchte er ohnehin keine Fackel mehr, um dem Wurmgang zu folgen. Langsam schlich er in die Richtung, aus der er gekommen war, umsichtig keinen Fehltritt zu machen, als er plötzlich gegen ein Hindernis stieß, strauchelte und zu Boden fiel. Ein Hindernis, dass zuvor noch nicht auf diesem Weg gewesen war und sich auch nicht wie Stein anfühlte ...
Ein zischendes Geräusch erklang, dann brannte direkt vor dem Gesicht des Hybriden eine leuchtende Kugel, die von einer hochgewachsenen gestallt in der Hand gehalten wurde. Ein schwarzes Gesicht, dass von weißen Haaren eingerahmt wurde, grinste bösartig auf Uriel hinunter. Ein Dunkelelf. Der Bote war direkt in eine dieser schwarzhäutigen Bestien gerannt, dem schlimmsten, dass die dunkle Armee zubieten hatte! Damit war es wohl aus für ihn. Langsam hob der Dunkelelfenkrieger, in dessen Seite zwei Schwerter baumelten, seinen Arm ... und schlug ihm Uriel freundlich gegen die Schulter?
”Da bist du ja endlich!“ sagte der Krieger in der für Uriel unverständlichen Sprache der Dunkelelfen, schüttelte dann aber leicht den Kopf und lachte. Wie einem alten Freund warf er dem Rabenhybriden einen Arm um die Schulter und bugsierte ihn mit sanfter gewalt durch die Höhle. Noch immer hatte er die linke Hand erhoben, in der die magische Lichtkugel brannte. Als er wieder das Wort an ihn richtete, versuchte der Dunkelelf es mit einer schlechten Variante der Tiersprache. ”Du nicht sprichst mein Sprachen, ich vergessen Apollo,” meinte der Elf und schmunzelte dabei überheblich. Es war ganz klar, dass er Boten deshalb für minderwertig hielt, dass musste er ihm nicht einmal direkt ins Gesicht sagen. ”Wir warten lange auf dir. Dachten schon, wärst zu die Schuppentier übergewechselt, kleiner Spion.”
Wo war er da nur rein geraten? Ganz offensichtlich verwechselte der Dunkelelf ihn hier grade. Verwechselte IHN. Wie wahrscheinlich war es schon, dass jemand, mit zwei riesigen Rabenflügeln auf dem Rücken von jemanden verwechselt wurde? Ganz offensichtlich schien er im Augenblick nicht in unmittelbarer Gefahr zu sein, aber das mochte sich noch ändern. Vor allem wenn man beachtete, dass der Dunkelelf seinen „Kameraden“ direkt in den Lichtkreis des Lagerfeuers führte. Je näher die beiden sich dem Lager näherten, desto deutlicher wurden die verschlagenen Umrisse von einem duzend Orks, dass faul rum lagen und sich den Bauch voll schlugen. Woher ihr Fleisch stammte, dass wenig mit dem von normalen Tieren gemein hatte, sollte man wohl besser nicht fragen.
Die hässlichen Visagen wandten sich den beiden Elfen zu als sie sich näherten, ohne dass einer von ihnen aufsprang. Es sah so aus, als wäre kein unerwarteter Besuch angekommen. “Hat seine Fackel in den Fluss fallen lassen und ist blind wie ein baby durch die höhle geschlichen!“ begrüßte der weißhaarige Hüne seine orkischen Kumpanen, die daraufhin grunzend auflachten. Auch der Drow lachte böse, aber wesentlich leiser und dezenter. Dann wandte er sich wieder Uriel zu, so als erwarte er, dass dieser etwas sagen würde. Nach einigen Augenblicken jedoch, schien er des wartens überdrüssig und fragte belegter als zuvor: ”so, was befehlen hoher Herr? Warte oder weiter gehen in die Siedelung?“
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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Mittwoch 2. März 2011, 16:05

Phaun, steh mir bei! Dies war der erste Gedanke, der Uriel durch den Kopf schoss als er gegen den Dunkelelfen prallte. Was, bei der Hölle, Faldor und allen sonstigen Bösen, hatte er den Göttern getan? Erst stürzt er eine Felswand hinunter, dann läuft er beinahe einem Trupp der dunklen Armee in die Arme und nun muss er ausgerechnet auf einen Dunkelelfen treffen! Das Götterpaar musste ihn wirklich verlassen haben, damit er in so eine Pechsträhne geraten konnte. Uriel machte sich keine Illusionen. Seine Schwertkunst war bei weitem nicht gut genug um es mit diesem Ungeheuer aufzunehmen. Und Feuermagie kam auch nicht in Frage. Der Dunkelelf hätte ihm schneller den Kopf von den Schultern geschlagen, als dass Uriel auch nur das Wort "Feuer" sagen könnte. Dennoch würde er sich nicht kampflos ergeben.
Der Drow hob die Hand und Uriel senkte seine Hand auf sein Schwert. Dann passierte etwas Unerwartetes. Der Kerl schlug ihm auf die Schulter und lachte, als hätte er einen alten Freund wiedergetroffen! Der Dunkelelf legte einen Arm um Uriels Schulter und zwang ihn mit sanfter Gewalt mit ihm zu gehen. Während er den Boten zu den Lagerfeuer auf der anderen Seite der Höhle brachte, redete er in der Sprache der Tiere auf Uriel ein. Mit einem grauenhaften Akzent, nebenbei gesagt. Uriel selbst war im ersten Moment viel zu überrascht um etwas zu sagen. Was war hier los? Erlaubte sich der Dunkelelf einen Scherz mit ihm? Vielleicht war das seine Art, mit seinen Opfern zu spielen, bevor er sie dann umbrachte. Als er nach einer Weile immer noch kein Messer im Rücken hatte und er dem Soldaten zugehört hatte, begann es Uriel zu dämmern. Dieser Kerl und seine Truppe warteten auf einen Spion. Und nun glaubten sie Uriel wäre eben dieser. Die Situation war so absurd, dass er gelacht hätte, wenn sie unter weniger gefährlichen Umständen zu stande gekommen wäre. Man KONNTE ihn nicht verwechseln. Selbst für einen Blinden war der Hybrid unverwechselbar. So aber, mit einem mordlustigen Dunkelelfen neben sich, zwang er sich gerade mal freundlich zu lächeln, was ihm anhand der Überheblichkeit des Dunkelelfen nicht leicht fiel.
Sein neuer Begleiter brachten ihn zum Lagefeuer. Rund herum saßen Orks und schlugen sich die Beute mit Fleisch voll. Von wem es stammte, wollte Uriel lieber gar nicht wissen. Der Dunkelelf sagte etwas in Lerium zu den Orks, welche daraufhin auflachten. Auch hier wollte Uriel lieber nicht wissen, was sie so lustig fanden. Nun schien man von ihm zu erwarten, dass er etwas sagte. Doch seine Lippen waren wie versiegelt. Was sollte er den bitte schön sagen? Entschuldigung, ich bin nicht euer Spion, aber habt einen schönen Tag? Nein, das kam nicht infrage. Sie hielten ihn für den Spion, den sie erwarteten und Uriel musste diese Rolle nun spielen, sonst wäre sein Leben schnell zu Ende.
Der Dunkelelf schien des Wartens überdrüssig und verlangte ungeduldig nach Anweisungen. In Uriels Kopf begannen die Gedanken zu rasen, als er sich ein Bild von seiner Situation machte. Diese Truppe hielt ihn für ihren Spion. Das hieß, dass sie auf einen Hybriden gewartet hatten, aber nicht wussten, wie der aussah. Wahrscheinlich dienten sie nur als Eskorte. Die Bemerkung des Dunkelelfen wies zudem daraufhin, dass es Echsenmenschen gab, welche der Dunklen Armee feindlich gegenüberstanden. Der Tote vor dem Höhleneingang zählte wahrscheinlich dazu. Was den Auftrag des Spions anging, wusste Uriel durch den letzten Satz des Drows nur, dass es in eine Siedlung gehen sollte. Pelgar war damit wahrscheinlich nicht gemeint, oder der Dunkelelf hatte kein geeignetes Wort für "Stadt" gefunden. Nun gut., dachte Uriel, Wenn ich überleben will, muss ich mitspielen. Mal sehen, wo die mich hinbringen...
Damit war sein Entschluss gefallen. Er wandte sich an den Dunkelelfen. "Wir brechen auf! Je schneller wir da sind umso besser.", antwortete er. Am liebsten hätte er diesem arroganten Mistkerl auf Celcianisch geantwortet, aber er wusste noch zu wenig, über seine "Rolle" als dass er sich das hätte leisten können. Auch für das hastige Aufbrechen hatte er einen Grund. Der richtige Spion war höchstwahrscheinlich noch da draußen. Darum musste Uriel hier wegkommen und beten, dass der Kerl sie nicht fand. Beten war jetzt sowieso angebracht...

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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Freitag 4. März 2011, 15:42

Der Dunkelelf wirkte nicht wie jemand, mit dem man es sich verscherzen sollte. Der Krieger war selbst unter seinesgleichen ein Hüne, sein zwei Meter großer, muskulöser Körper wurde durch eine geschwärzte Silberrüstung bedeckt. Wie er da vor dem Schein des Lagerfeuers stand, von hinten beleuchtet, so dass seine Konturen härter wurden, sein Gesicht jedoch nur noch schwärzer, wirkte er wie ein Standbild des Gottes Faldor persönlich. Seinem Blick konnte man die Ungeduld ablesen, er war es wohl gewohnt, sofort Antworten zu erhalten. Und das diese ihm für gewöhnlich gefielen. Auch die knapp zwei duzend Orks wurden langsam Unruhig. Einige waren bereits aufgesprungen, andere hatten in ihren halb liegenden Positionen die Pranken an ihre Waffen gelegt. Ein Blutrünstiger Trupp, mit dem man es sich wohl nicht verschärfen durfte.
Als Uriel dann endlich eine Antwort lieferte – wenn man es genau nahm, die einzige mehr oder weniger sichere Antwort – runzelte der Elf zuerst die Stirn, dann hellte sich sein Gesicht jedoch auf und er lächelte breit. Anscheinend hatte er nicht nur Probleme damit, in der Tiersprache zu sprechen, sondern auch sie zu verstehen, weshalb er für die Übersetzung von Uriels Antwort länger gebraucht hatte. ”Wir brechen auf!”, brüllte er seine kleine Schar böse an und diejenigen, die noch nicht aufgestanden waren, holten dies nun schnell nach. Einige von ihnen johlten etwas in ihrer abartigen Sprache. Ganz klar: Sie waren begierig darauf, sich den Menschen entgegen zu werfen! Einige von ihnen Entzündeten Fackeln am Lagerfeuer, ehe dieses Mit einem Eimer Wasser gelöscht wurde.
”War haben gespäht schon. Habe gefunden dem Eingang zu dem Wasserabtunneln. Ab danach du haben zu leiten, Apollo.“ Das war es also. Mit seinem Gedankenspiel, dass dieses Unterirdische Tunnel- und Flusssystem in die Kanalisation von Pelgar überging, schien der Hybrid wohl sehr nah dran gewesen sein. Aber wie es aussah, erwartete man nun von Uriel, dass er diese Truppe der dunklen Brut durch die Abwasserkanäle dirigieren musste.
Die ersten Orks hatten sich in Bewegung gesetzt und marschierten zielsicher in Richtung eines Tunnels, der sich nicht im geringsten von den anderen drei Durchgängen unterschied, die im Licht der vielen Fackeln zu sehen waren. In gewisser Weise hatte der Rabenelf wohl sogar ein wenig Glück gehabt, als er auf diese Gruppe gestoßen war. Diese Höhlen waren ein Labyrinth, in dem man sich sehr schnell verirren konnte. An Hunger und Durst zu sterben, weil man den Ausgang nicht mehr fand, war gewiss kein schöner Tod.
Der Dunkelelf hatte sich noch nicht bewegt, sondern stand unbeweglich dort, wo zuvor noch ein Feuer gebrannt hatte. Da die Fackelträger der Unholde sich immer weiter entfernten, wurde es auch immer schwerer ihn zu erkennen. Er wirkte nachdenklich, vielleicht witterte er einen verdacht gegen den Rabenmenschen. Auch wenn er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. ”Du kommen?” fragte er langsam und nachdenklich und wies zu dem Tunnel, in dem die hässlichen Soldaten verschwunden waren. Der Lichtschein daraus wurde immer schwächer.

[oot: Ich stelle es dir an dieser Stelle frei, ob du in deinem nächsten Post erst noch weiter durchs Gebirge krabbelst, oder ob du direkt bis in die Kanalisation vorstößt :)]
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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Sonntag 6. März 2011, 11:41

Uriel fiel ein Stein vom Herzen, als der Dunkelelf den Befehl zum Aufbruch gab. Er hatte erwartet, dass der Kerl ihm im nächsten Moment den Kopf abschlagen würde, doch bis jetzt schien er seine Rolle gut zu spielen. Doch für wie lange. Uriel wusste, dass er irgendwann einen Fehler begehen würde. Bei dem Glück, dass er bis jetzt gehabt hatte, würde es wahrscheinlich nicht lange dauern, bis irgendeiner aus dem Trupp Verdacht schöpfen würde.
Die Orks machten sich auf, entzündeten Fackeln und stapften los. Der Dunkelelf eröffnete Uriel, dass sie einen Eingang zur Kanalisation gefunden hatten. Wenn vorhin erleichtert gewesen war, so war er nun gelinde gesagt überrascht. So wie es aussah, war er mit seiner Vermutung, dass Pelgar mit den Bergflüssen verbunden war sehr nah dran gewesen. Und zu allem Überfluss war er auch noch auf die einzigen Personen im Gebirge gestoßen, die ihn dorthin führen konnten und es nun auch taten. Vielleicht war das Glück ihm doch noch hold. Zumindest wird es das so lange sein, bis ich in Pelgar bin. Dann werde ich entweder von misstrauischen Dunkelelfen oder von rechtschaffenen Rittern auseinandergerissen., meldete sich sein pessimistischer Teil.
Sicher war, dass er, sobald er in der Kanalisation war, die Orks und den Dunkelelfenhünen loswerden musste. Auf einen direkten Kampf konnte er sich mit ihnen nicht einlassen. Uriel traute sich zwar schon zu, es mit einem oder zwei Orks aufzunehmen, aber mit einem ganzen Dutzend? Das kam nicht in Frage! Auch Apollo war ein Gegner, mit dem sich der Hybrid nicht messen konnte. Er brauchte also einen Plan...
So vertieft in Gedanken bemerkte Uriel fast zu spät, dass die Orks schon losgegangen waren. Der Dunkelelf schien schon misstrauisch zu werden. Ohne übertriebene Hast und mit einer Selbstsicherheit, die er keineswegs empfand, beeilte sich der Bote und momentane "Spion" zum Trupp aufzuschließen. Während sie durch die Tunnel gingen, reifte in seinem Kopf eine Idee heran, wie er sich aus dieser Misere befreien könnte.
Sobald sie in der Kanalisation wären und er die Führung übernahm...

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Re: Der Bergpfad

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 9. März 2011, 19:25

Der letzte Fackelträger der Orks war hinter einer Biegung verschwunden, damit verebbte das Licht in der Höhle zu einem schwächlichen Schimmern. Das von dem Dunkelelfen waren nur noch die groben umrisse zu erkennen. Und seine weißen Augen, die in dem nachtschwarzen Gesicht zu Schlitzen verengt waren. Bedrohlich, misstrauisch und ohne ein einziges Blinzeln. Die beiden weißen Lichtflecken schlossen sich endlich für einen Moment und wandten sich schließlich ab. Die Geräusche, die seine schweren Panzerstiefel von sich gaben, übertönten in der Finsternis sogar das Rauschen des Wasser. Auch wenn der Elf es mit keinem Wort sagte – schließlich bestand auch die Wahrscheinlichkeit, dass er sich irrte – so schenkte er dem Boten kein vertrauen. Man hatte ihn unterrichtet, dass dieser Apollo ein seltsamer Kauz war, andere würden sagen exzentrisch. Persönlich war der Schwarze dem „Meisterspion“ nie begegnet, nur Gerüchte hatte er über diesen vernommen. Angeblich war er ein besonders mächtiger Naturmagier, der in der Lage war, sich in jedes Tier zu verwandeln und sich alle möglichen Gliedmaßen und sonstigen tierischen Besonderheiten wachsen zu lassen. Oft traf man ihn mit mächtigen Adlerschwingen an, angeblich wollte er damit majestätischer und unnahbar wirken. Deshalb war der echte Apollo auch meist unverwechselbar. Wie viele Menschen konnten schon Flügel oder Krallen statt Füßen vorweisen? Der Bursche musste Apollo sein!
Mit langen, schnellen Schritten hatte der schwarze Elf zu seinem Trupp aufgeschlossen, ohne hektisch zu wirken oder zu rennen. Er wollte es sich nicht mit diesem Mann verderben, der theoretisch einen höheren Rang inne hatte, als er selbst. Ohne einen der hässlichen Krieger zu berühren oder auch nur zu nahe zu kommen, schlängelte er sich durch den engen Tunnel und bis nach vorne, bis zum ersten Orks des Zuges. ”Sag mir Kahrduk,” wandte er sich leise an den grobschlächtigen Soldaten, der so groß war wie er selbst, aber fast doppelt so breit, “Wenn du dir Flügel wachsen lassen könntest, würdest du sie auch in einer solch engen Höhle tragen, wo sie mehr als bebhinderlich sind?“ Der mit Kahrduk angesprochene Orks grunzte leise, eine Denkfalte entstand zwischen seinen stumpfen Augen. Man sagte dieses hässliche Kreaturen für gewöhnlich nicht viel Intelligenz zu. Nun, der Gefreite und damit stellvertretende Truppenführer, war vielleicht nicht der schnellste, aber Dumm war er ganz bestimmt nicht! Sonst wäre er in seinem Leben nicht so weit gekommen. ”Nein Meister Marek,“ gab er schließlich langsam zurück und spie auf den Boden. “Mich würden solche Flügel stören.”
Marek, der Dunkelelf, nickte zögerlich seinem Vertrauten zu und verfiel dann in Schweigen. Er überlies es dem Gefreiten, den richtigen Weg durch das Höhlensystem zu finden, um seinen eigenen Gedanken ungestört nachhängen zu können. Überhaupt hatte er sich nicht viel mit dem Auskundschaften dieser verdammten Tunnel beschäftigt. Das war Aufgabe des niederen Gesocks. Er hatte andere Aufgaben. Die Bande mit besonderen Maßnahmen zu „Motivieren“, um ein Beispiel zu nennen. Kahrduk hatte instinktiv das Kommando übernommen. Das Licht seiner Fackel leitete den Zug der zwanzig Orks – und Uriel – durch ein wirres Labyrinth. Zuerst schienen sie weiter nach Norden zu gehen, aber schon bald waren sie um so viele Ecken gebogen, dass keiner mehr mit Sicherheit sagen konnte, in welche Himmelsrichtung sie unterwegs waren. Das einzige, woran kein Zweifel bestand, war dass sie immer weiter hinab wanderten. Das war wohl ein gutes Zeichen. Zu dem Zeitpunkt, da Uriel abgestürzt war, befand er sich noch weit über der Hauptstadt. Da das Ziel der Truppe die Kanalisation war, war es also absolut rechtens, immer tiefer hinab zu steigen
Die Wanderung durch die immergleichen Kavernen, Tunnel und unterirdischen Gänge zog sich in die Länge. Es gab kaum eine Abwechslung, von gelegentlichen Leuchtmoosen und seltsam glühende Pilzgeflechten einmal abgesehen. Gesprochen wurde nicht, zumindest nicht mit dem Rabenhybriden. Ab und zu grunzten sich zwei Orks ein paar Worte in ihrer unverständlichen Sprache zu, meistens mit dem Ergebnis das Beide zu lachen begannen. Das war alles. Der Dunkelelf, allem Anschein nach der Einzige, der Uriel einigermaßen verstand, zog es vor zu schweigen und lief weiterhin als einer der ersten vorneweg.
Nach mehreren Stunden, zumindest kam es den meisten so vor, machte die Abteilung plötzlich halt, als Kahrduk den Arm hob. Alleine bog er um eine Biegung, sein lautes, animalisches Schnüffeln, war das einzige Geräusch, dass er von sich gab. Nach ein paar Minuten kam er zurück und grunzte ein paar Orkworte zu Marek. Der Truppenführer nickte abermals und brüllte sehr aggressiv den Befehl zum weitergehen. Allerdings bewegten sie sich dieses mal völlig anders als davor. Wirkten sie grade noch wie eine undisziplinierte Truppe auf Wanderschaft, waren sie nun eindeutig eine militärische Einheit. Alle waren in Habacht-Stellung, Hände an den Waffen und die Augen aufmerksam. Als der gesamte Trupp um die Ecke gegangen war, wurde auch deutlich warum. Der Gang, der vor ihnen lag, war nach etwa zehn Metern eingestürzt. Dafür prangte in der linken Wand ein Scheunentor großes Loch, durch dass ein unangenehmer Geruch drang und das leise Rauschen von träge fließendem Wasser zu hören war. Zwei der Krieger blieben links und rechts des Durchbruchs als Wachen stehen. Der Rest schlüpfte durch die Öffnung und nahm auf der anderen Seite Stellung ein. Sie befanden sich nun in einem Gemauerten Tunnel, mit einer runden Decke. Auf beiden Seiten des Abwasserstroms befanden sich Gehwege, die grade breit genug waren, dass ein Ork problemlos darauf laufen konnte.
Marek räusperte sich und warf Uriel einen der für ihn typischen, bösartigen Blicke zu. ”Nun du dran bist. Vogelmann. Zeigen uns Weg zur Halle von die Mutigen!“ Jetzt lag es also an den Fähigkeiten des Rabenhybriden. Nicht nur, dass es hier unten nicht leicht war, sich zurecht zu finden, er hatte auch noch zwei Duzend hungriger Bestien im Nacken, die sicherlich nicht über besonders viel Geduld verfügte. Da konnte man nur Hoffen, dass Uriel wirklich einen vernünftigen Plan hatte ...

[Uriel wurde hier hin gelenkt: Die Hauptstadt Pelgar - Die Kanalisation]
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