Tief in Jorsas Eingeweiden

Dieser Stadt, umringt von einer Mauer und einigen Spähtürmen, ist ihr Wohlstand anzusehen. Hier behandelt sich jeder mit Respekt, hilft jeder jedem und vorallem leben sie in Frieden beisammen. Auch befindet sich hier der Palast des jungen Königspaars.

Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Samstag 1. Juli 2017, 20:09

„Welpe, mach keinen Ärger!... Ich habe Schmerzen, also bleib weg! ...bin müde... müde...“

Grimm nickte, bevor er merkte, dass der Wolf es wahrscheinlich nicht sehen konnte. Er wollte schon den Mund öffnen, um etwas zu sagen, schloss ihn dann wieder. Nein, besser ruhig zu bleiben. Er wollte seinen neuen Zellengenossen nicht verärgern. Ganz zu schweigen dnvon, wie verstörend es für den Jungen war die Bestie verstehen zu können. Wann hatte er das gelernt? Und wieso konnte er seine "Sprache" sprechen? Fragen über Fragen.
Der Wolf war wieder still geworden. Nach ein paar Atemzügen voll mit angespannten Lauschen erkannte Grimm, dass das Tier eingeschlafen war. Höchstwahrscheinlich das Fleisch, das er verspeist hatte. Es war beruhigend. Ein schlafender Wolf war weniger gefährlich als ein wacher. Nicht dass der hier aggressiv gewesen war. Von der Art und Weise wie er Grimm angesprochen hatte, schien er den "Welpen" nicht als Gefahr wahrzunehmen. Doch was meinte er mit Schmerzen? Grimm wusste es nicht und wagte es erst recht nicht den großen Grauen zu wecken, um ihn zu fragen. Nein, es war besser ihn schlafen zu lassen. Es würden dem Hybriden Zeit geben seine Gedanken in Ordnung zu bringen und vielleicht ein wenig mehr Mut für das nächste Gespräch zu sammeln. Wo er wieder diese "Sprache" sprechen würde, die er nie gelernt hatte...

Nachdenklich strich der Junge über seine Klauen. Diese dicken, gekrümmten Hornhaken, die von seinen Fingern ragten. Er spürte wie sein Schwanz über den nackten Boden streifte und seine pelzigen Ohren zuckten, auf der Suche nach Geräuschen. Zehn Jahre war es nun her, seit Thrandil ihn in diesen Käfig mit dem kranken Wolf geworfen hatte. Er konnte sich immer noch an den Schmerz erinnern, als sie die Verwandlung eingetreten war. Wie seine Knochen geknackt hatten, gebrochen wurden und sich neu zusammensetzten. Wie sein Hintern gebrannt und geblutet hatte, als sich sein Steiß durch die Haut gebohrt hatte. Wie seine Ohren nach oben gezerrt wurden, die Kopfdecke hinauf, spitzer wurden und Haar auf ihnen wuchs. Seine Zähne ausfielen, einer nach dem anderen, und scharfe Fänge sich durch das Zahnfleisch drückten. Wie seine Zehen und Finger krampften, als der Horn wuchs. Wie alles in ihm schrie vor Schmerz und Pein. Und wie das Tier sich in seine Seele schlich.
Grimm zitterte und krümmte die Finger. Seine Klauen kratzten gegen die Handfläche, verhinderten dass er sie ganz schloss. Er war kein Mensch mehr. Menschen konnten Fäuste machen.

Sein Blick fiel nach oben, zu der kleinen Sichel aus Licht, die nun die Höhle ein wenig erhellte. Seine Augen glitten über die Steinwände. Es war das erste Mal, dass er sie sah. Sie kamen ihm unendlich hoch vor. Eine Stimme in seinem Kopf sagte ihm, dass jemand wie Nick oder Nack die Wand raufkraxeln konnte. Womöglich sogar durch den Schacht klettern, der zur Luke führte. Doch Grimm war kein Akrobat und auch kein Kletterer. Für ihn war dies nicht zu erreichen. In gewisser Weise war es sogar noch schlimmer, nun da er den Ausgang sehen konnte, erkennen konnte wie man entkommen konnte. Und wusste, dass es für ihn unmöglich war.

Er wollte sich gerade abwenden, als er im Augenwinkel eine Bewegung mitbekam. Jemand hatte den Lichtschein unterbrochen. War an der Luke vorbeigekommen.
Dann fiel etwas herunter. Grimms Arm schnellte vor, reflexartig, und fing es auf. Es war ein Brotkanten, nicht größer als seine Hand. Jemand hatte davon abgebissen und es klebte ein wenig Butter daran. Verwirrt guckte Grimm nach oben. Er sah nur noch wie die Luke gnz geschlossen wurde und somit die Sichel aus Licht verschwand. Die Dunkelheit kehrte erneut zurück.
War es ein Versehen gewesen? Hatte jemand dort oben gegessen und sein Rest war nur zufällig zu Grimm gefallen? Oder hatte sich sein Wächter erbarmt? Vielleicht war es auch nur ein grausamer Scherz. Grimm wusste es nicht, wie so häufig. Fragen und Einsamkeit waren Plagen, die ihn ständig umgaben. Sein Blick fiel auf den Punkt, wo der Wolf schlief. Nein, keine Einsamkeit mehr...

Vorsichtig schnupperte der Junge an dem Brotkanten. Seine Nase zuckte. Getreide, Butter, Leder und Mensch. Das alles hatter er erwartet. Nein, er wollte mehr erfahren. Nur einen Hinweis erhaschen, warum man ihn hier behielt. Also grub er tiefer in die Gerüche. Wischte die starken beiseite. Suchte nach den flüchtigen, unterschwelligen. Milch, Wiesenkräuter. Dann etwas, was er nicht kannte. Wie weicher Samt, noch warm von der Morgensonne. Und schließlich...Wolf.

Grimm starrte auf die Brotkante. Erneut wirbelten alle möglichen Fragen durch seinen Kopf. Doch zum ersten Mal schlich sich auch eine Erkenntnis in seinen Geist. Das waren keine Wachmänner, die ihn hier festhielten. Nein, weder Waffenfett, noch Eisen oder Stahl. Jemand der oft genug mit Wölfen zu tun hatte, dass ihr Geruch ihm anhing. Warum? Weshalb? Fragen über Fragen.

Frustriert schob Grimm sie beiseite. Stadtwache oder nicht, es änderte nichts an seiner Gefangenschaft. Statt weiter zu grübeln, steckte der den Brotkanten in den Mund und begann ihn langsam zu zerkauen. Er konnte nicht viel tun außer warten. Warten, bis der Wolf wieder aufwachte. Warten, bis seine Wärter sich dazu entschieden ihn rauszulassen oder umzubringen. Warten, bis die Albträume wiederkamen. Warten....
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Sonntag 2. Juli 2017, 13:15

Warten... Warten darauf, dass etwas passierte in seinem Leben. So war es schon immer gewesen. Warten darauf, dass der Vater nach Hause kam. Hoffen darauf, dass er nicht bestraft wurde. Warten auf seinen Auftritt als Bestie. Warten, dass man ihn fütterte. Warten, dass sein Schicksal sich änderte. Warten darauf, dass der Wolf in seinem Gefängnis erwachte. Warten darauf, dass der Wolf in seinem Gefängnis erwachte. Warten darauf, dass der Wolf in seinem Gefängnis erwachte...

Warten darauf, dass der Wolf in seinem Gefängnis erwachte... Dachte er länger über die Situation nach, so war sie schon fast von metaphorischer Mehrdeutigkeit. Er wartete nicht nur darauf, dass der wirkliche Wolf in seiner näheren Umgebung erwachte, er wartete auch schon sein ganzes verdammtes Leben darauf! Als Kind hatte er in seinem kleinen schwachen Leib gewartet und sich still seinem Schicksal ergeben. Als Gefangener der fahrenden Schausteller hatte er auch gewartet, gekauert und gezittert. Er hatte vieles ertragen um zu überleben. Er hatte es müssen. Und dann? Er wartete schon wieder und lauerte auf jeden Bissen, den sie ihm gaben, egal wer da oben für sein jämmerliches Leben sorgte. Warum sie das taten? Warum wartete er noch immer? Er hatte es gelernt. Es war ernüchternd. Es sah hinauf und sah wie sich die fahle Lichtsichel schloss. Wieder hatte er gewartet. Wieder hatte er geschwiegen, nichts getan. Sollte das sein weiteres Leben sein?
Sein bisheriges war ja nicht so rosig verlaufen und jetzt wartete er darauf, dass das Schicksal es besser machte? Aber was wenn das Schicksal ein kaltes Miststück war, dass lieber zusah, wie er sich selbst aus dem Abgrund seines Daseins befreite? Was wenn Gebete zu Göttern nur denen halfen die bereit waren auch etwas zu wagen? Ja, er konnte hier weiter warten und schauen was geschehen würde... oder...
Jemand hatte ihm einen Kanten Brot hin geschmissen, damit ...damit er sich vielleicht nicht von dem mit Schlafmitteln versetzten Fleisch ernähren musste und einen kleinen Vorteil gegenüber der Bestie in seinem „Käfig“ hatte. Er war schließlich auch ein Mensch und er war nicht dumm. Wenn er den Wolf immer zuerst fressen ließ, sich unter ordnete, dann würde dieser viel schlafen und seine Chancen würde sich erhöhen eben nicht gefressen zu werden. Er war nicht stark, aber er hatte Chancen, das hier zu überstehen, egal was es bedeutete. Gerade weil er auch ein Mensch war hinterfragte er das alles natürlich. Er suchte nach Motiven, nach einem Sinn, aber seine Gedanken waren von Hunger, Leid und Furcht zu zerfressen um den schmalen Schacht hinauf zu steigen und an die Oberfläche zu gelangen. Er musste sich auf das konzentrieren was ihm zur Verfügung stand. Da war jetzt ein Wolf. Vermutlich war er verletzt, da er von schmerzen gejault hatte und schlechte Laune hatte. Er sah ihn noch nicht als Bedrohung. Er war ein „Welpe“. Das würde ihm einen gewissen Schutz geben, zumindest eine Weile und solange wie der Wolf nicht zu hungrig werden würde. Er verstand die Sprache und konnte sie sogar anwenden, wenn er nicht zu sehr darüber nachdachte. Etwas in seiner Verwandlung musste auch diesen Teil in ihm verändert haben. Es fühlte sich sehr instinktiv an, sehr ursprünglich und rein. Es war eine Ebene der Kommunikation, die sehr auf den emotionalen Bereichen beruhte. Ein Lüge in dieser Sprache zu formulieren würde falsch klingen und würde ihn viel Übung kosten. Vielleicht könnte er sogar die Anwesenheit des Wolfes auf irgendeine Weise für sich nutzen? Erst einmal musste er lernen mit ihm umzugehen... oder ihn schnell und grausam töten, solange er schlief.

Ein grummeliges Gähnen riss ihn aus seinen Gedanken und verscheuchte seine Grübeleien über sein Warten, denn der Wolf erwachte. Er hörte ein Streifen von Fell über Stein und ein leises Knacken, gefolgt von einem noch wütender werdenden unterdrückten Jaulen. Den Geräuschen nach robbte der Wolf sich wieder näher an die Wasserrinne und leckte dort ein paar Tropfen auf. Das schabende Geräusch seiner rauen Zunge erfüllte Grimms Gefängnis. Dann folgte ein Schnuppern.
„Welpe, … hier riecht alles nach dir. Wie viele Monde bist du hier?“
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Montag 10. Juli 2017, 12:56

Grimm starrte in die Dunkelheit. Doch anders als zuvor drohte nicht die Stille seinen Geist zu verschlingen. Nein, das stetige Seufzen und gelegentliche Schnaufen des Wolfes hallte nun durch die Finsternis. Ein neuer Rythmus, ein Wandel in diesem erdrückenden Zelle. So sehr der Hybrid sich auch vor dem Biest fürchtete, ein Teil von ihm war heilfroh dass er nicht mehr allein war.
Allerdings machte er sich keine Illusionen. Sollte es nicht möglich sein mit dem Tier zusammenzuleben würde ihm nicht anderes übrig bleiben als ihn zu töten. Er wollte nicht das dies geschah, doch die letzten Jahre hatten ihn gelehrt, dass es sich nicht lohnte groß Hoffnung zu schöpfen. Es war auch der Grund warum er nicht viele Gedanken drn verschwendete auszubrechen. Selbst wenn er, wie durch ein Wunder, es nach oben schaffte in den Schacht und dann zur Luke. Was hatter er dann erreicht? Er wäre immer noch alleine, verwundbar und womöglich halb blind, wenn das Licht einer einzelnen Lampe schon jetzt zu viel war. Er wusste nicht wo er war, noch hatte er Verbündete. Es war sinnlos über Flucht nachzudenken. Hoffnungslos. Ulf hätte es vermutlich versucht. Doch Ulf war tot und Grimm hatte man jeden Willen zum Widerstand rausgeschlagen. Nein, es war besser wenn er keinen Ärger machte. Weniger Schmerzen, bessere Aussichten zu überleben.

Überleben. Ein Reflex den sein Geist immer noch nicht aufgegeben hatte, trotz allem was passiert war. Grimm hatte nichts wofür es sich zu leben lohnte. Nicht seit Aylas Leiche am Wegesrand verscharrt worden war. Nicht seit er Thrandils Genick gebrochen hatte. Dennoch, er lebte immer noch. Weigerte sich zu sterben. Nicht aus Trotz. Eher aus Gewohnheit. Sein Herz schlug und so würde er weiter leben. Bis das Ende kam. Und wenn es kam, würde er nicht davonlaufen. Er würde ihm aber auch nicht entgegeneilen. Ganz einfach.

Nach ein paar Stunden, mehr oder weniger, wachte der Wolf wieder auf. Grimm hörte wie sein Fell über den Stein strich. Ein Knacken, Jaulen aus Schmerz. Richtig, das Biest war verwundet. Grimm war sich nicht sicher ob das was Gutes oder Schlechtes war. Ein verletzter Wolf war nicht so gefährlich wie ein gesunder. Es bedeutete aber auch, das sein neuer Zellengenosse nicht lange durchhalten würde, im schlimmsten Fall. Dann wäre er wieder allein.
Das Schaben einer rauen Zunge auf nassem Stein erfüllte die dunkle Höhle. Dann leichtes Schnuppern. „Welpe, … hier riecht alles nach dir. Wie viele Monde bist du hier?“

Grimm dachte nach. Nach einer kleinen Weile entschied er sich für die Wahrheit. Diese "Sprache" war neu für ihn. Instinktiv. Er wusste nicht einmal ob lügen in ihr möglich war. "Weiß nicht. Viele.", sagte er. Dann legte er den Kopf schief, bevor er sich erinnerte, dass der Wolf es in der kompletten Dunkelheit nicht sehen konnte. Er musste die Frage direkt stellen, so lange sie beide blind waren. "Wo tut´s weh?"
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Montag 17. Juli 2017, 08:57

"Weiß nicht. Viele."
, sagte er. Dann legte er den Kopf schief, bevor er sich erinnerte, dass der Wolf es in der kompletten Dunkelheit nicht sehen konnte. Er musste die Frage direkt stellen, so lange sie beide blind waren.
"Wo tut´s weh?"
Mürrisches Grollen rollte über den Steinboden auf ihn zu und Grimm verstand die Worte:
„Sie haben mich mit Hunden gejagt... GRRRrrrr... Ich bin in ihre Falle getreten....kann eine Pfote nicht aufsetzen.“
Dann war wieder eine Weile Ruhe.
„Was ist das hier für ein Ort? Kann man fliehen? Gibt es hier Menschen? ...oder mehr von uns? ...man kann fast nur den Steinboden riechen.“
Uns? Hatte der Wolf gerade ihn als seinesgleichen bezeichnet? Was musste das für Gefühle in dem Jungen auslösen? War er vielleicht wirklich der „Welpe“ für den dieses Raubtier ihn hielt? Grimm hatte die ganze Zeil seit seiner Verwandlung immer seiner Menschlichkeit hinterher getrauert? Wurde es vielleicht Zeit die Dinge einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten?
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Samstag 22. Juli 2017, 19:12

„Sie haben mich mit Hunden gejagt... GRRRrrrr... Ich bin in ihre Falle getreten....kann eine Pfote nicht aufsetzen.“

Grimm nickte. Das erklärte einiges. Die schlechte Laune zum Beispiel. Thrandil war auch immer wütend geworden, wenn er sich verletzt hatte. In solchen Fällen hatte er dann tagelang rumgeflucht und war noch grausamer gewesen als sonst schon. Der Junge strich geistesabwesend über eine breite, rote Narbe an seiner Schulter. Die hatte er bekommen, nachdem Thrandil ihm ein Messer dort reingerammt und ein Stück Fleisch rausgeschabt hatte. Damit es Grimm noch schlechter ginge als ihm, hatte er gesagt. Er hatte sich am Morgen den großen Zeh gebrochen...

Grimm reagierte anders auf Schmerzen. Früher hatte er geweint. Inzwischen tat er das nicht mehr. Stattdessen wurde er still und ertrug ihn einfach. Wenn er aufschrie würde er nur seinen Peiniger zufrieden stellen. Und wenn er weinte oder jammerte, würde er ihn wütend machen. In beiden Fällen hieß das noch mehr Schmerzen.
Doch wenn er still war, sich nicht rührte und still lag wie eine Leiche, dann wurde seinem Folterer meistens langweilig. Dann würde es vielleicht ein, zwei Tritte geben, um eine Reaktion von ihm zu kriegen, doch danach ließ man meist liegen. Das machte es einfacher.

„Was ist das hier für ein Ort? Kann man fliehen? Gibt es hier Menschen? ...oder mehr von uns? ...man kann fast nur den Steinboden riechen.“, knurrte der Wolf.

Grimm kratzte sich am Ohr mit seinem Fuß. "Das ist ein Gefängnis....ein großer Käfig unter der Erde. Nein, kannst du nicht. Ja, viele. Keine Ahnung.", beantwortete er jede Frage. Dann schwieg er wieder, unsicher was er sagen sollte. Er war es nicht gewohnt zu sprechen. Sicher, er knurrte, jaulte und schnaufte nur. Dennoch fühlte es sich fremd an, als würde sein Geist erst langsam wieder lernen mit anderen zu kommunizieren.

Die Stille dehnte sich aus. Grimm kratzte nun sein anderes Ohr, tief in Gedanken versunken. Warum hatte man den Wolf hier mit ihm eingesperrt? Es war gefährlich Wölfe zu jagen. Und hier haben sie sich die Mühe gemacht und einen lebendig gefangen und dann den ganzen Weg nach Jorsa gebracht. Wieso? Wozu die Mühe? Was erhofften sie sich?

Grimm schüttelte den Kopf. Was brachte es ihm sich den Kopf zu zerbrechen? Nur noch mehr Fragen und die Antworten würden ihm nicht helfen. Seine Wärter würden ihm nur wehtun oder schlimmer, hungern lassen, wenn er ihnen zu nahe kam. Irgendwann würden sie erreichen was sie wollten und dann würden sie ihn entweder hier rausholen oder ihn töten. In beiden Fällen wäre es endlich vorbei...

Doch des Jungens Gedanken wanderten, getrieben durch Langeweile. Er schlich ein wenig näher zu dem großen Wolf. Sein Schwanz klopfte mit ein wenig Neugier. "Wie heißt du?", fragte er. "Mich nennt man Grimm. Oder Monster, wenn sie wütend sind..."
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 27. Juli 2017, 16:47

„Was ist das hier für ein Ort? Kann man fliehen? Gibt es hier Menschen? ...oder mehr von uns? ...man kann fast nur den Steinboden riechen.“
, knurrte der Wolf. Grimm kratzte sich am Ohr mit seinem Fuß. - Nein tat er nicht, denn dafür war er zu sehr Mensch, aber die Intension war da. Sein Fuß zuckte, doch dann nahm er die Hand, bevor er sich zu sehr verrenkte. Die Anwesenheit des Wolfes schien seine tierischen Instinkte noch zu fördern.
"Das ist ein Gefängnis....ein großer Käfig unter der Erde. Nein, kannst du nicht. Ja, viele. Keine Ahnung.“"
, beantwortete er jede Frage. Dann schwiegen beide eine Weile. Die Stille dehnte sich aus. Grimm kratzte nun sein anderes Ohr, tief in Gedanken versunken, dann schüttelte er den Kopf. Er schlich ein wenig näher zu dem großen Wolf. Sein Schwanz klopfte mit ein wenig Neugier.
"Wie heißt du?"
, fragte er.
"Mich nennt man Grimm. Oder Monster, wenn sie wütend sind..."
Der Wolf gab einen Laut von sich, den der Junge nicht so recht deuten konnte.
„Grimm … oder Monster … nicht sehr schöne Namen! Sie nennen dich so, aber hast du keinen eigenen Namen? Hast du dir keinen gegeben? Ich bin...“
und man hörte, dass er sich streckte um dem folgenden Gesprochenen mehr Bedeutung zu verleihen:
„...laufende Vollmondklaue, der mit dem Sternen spricht, vom Rudel der Nebelschreiter! ...hm... im Moment mehr humpelnde Vollmondklaue. Ach nenn mich einfach Mondklaue.“
Wieder trat Stille ein, die Grimms Kopf mit Gedanken füllte. Es stimmte. Beide Namen waren ihm gegeben worden. Erinnerte er sich noch an seinen menschlichen Namen? Wollte er das? Oder war es vielleicht besser seinen eigenen Namen zu finden? Vielleicht musste er sich auch erst einen Namen verdienen? Mondklaues Titel klang in seinen Ohren fast wie ein Adeltitel unter den Menschen. Was dieser lange Name wohl bedeutete? Er ließ vieles vermuten, sogar eine Familienzugehörigkeit. Wie es wohl war in einem Rudel zu leben? Freunde zu haben?
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Donnerstag 10. August 2017, 19:51

„Grimm … oder Monster … nicht sehr schöne Namen! Sie nennen dich so, aber hast du keinen eigenen Namen? Hast du dir keinen gegeben? Ich bin...“ Der Wolf streckte sich. Grimm konnte seine Glieder knacken hören. In seinem Geiste erschien ein Bild, wie der Wolf versuchte sich einschüchternd oder sogar stolz aufzublasen. Zu posieren.

„...laufende Vollmondklaue, der mit dem Sternen spricht, vom Rudel der Nebelschreiter! ...hm... im Moment mehr humpelnde Vollmondklaue. Ach nenn mich einfach Mondklaue.“

Das war in der Tat ein besserer Name als Grimm. Es klang fast wie Adelstitel. Wichtig, erhaben. Grimm wusste zwar nicht wie man mit Sternen sprechen konnte oder auf Nebel schreiten aber wahrscheinlich war es symbolisch gemeint. Ein Funken Neugier erwachte in seinem müden Geiste.

"Kling wichtig. Warst du ein Anführer?"

Dann kroch ein wehmütiger Gedanke in seinen Kopf. Wie lange war es her, dass er den Himmel gesehen hatte? Die Sterne oder den Mond, gleißend silbrig am dunklen Firmament? Wochen, Monate? Sein Herz schmerzte in seiner Brust vor Sehnsucht. So ein simples Bild von Freiheit und es zerriss auch nur daran zu denken. Die Wehmut verschluckte seine Neugier. Erstickte es wie zwei fette Finger eine Kerzenflamme.

Grimm senkte den Kopf und schwieg.

Nicht ganz, jedoch. Ein leises Wimmern entrang sich seiner Kehle. Für Menschen unverständlich und nichtssagend. Doch das Tier schwieg nur schwer und seine Trauer und Sehnsucht konnte nur mühsam unterdrückt werden. Und der Junge war müde, erschöpft und ausgelaugt. Und so Grimm wimmerte.

"Ich will den Mond wieder sehen....I-Ich will hier weg...."
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Freitag 18. August 2017, 13:16

"Kling wichtig. Warst du ein Anführer?"
„Ich bin es... jetzt bist du mein Rudel.“

Dann kroch ein wehmütiger Gedanke in Grimms Kopf. Wie lange war es her, dass er den Himmel gesehen hatte? Die Sterne oder den Mond, gleißend silbrig am dunklen Firmament? Wochen, Monate? Sein Herz schmerzte in seiner Brust vor Sehnsucht und pochte wild, als wollte es zerreißen. Grimm senkte den Kopf und schwieg eine Weile. Auch der Wolf tat es. Er schien seinen Schmerz zu spüren und ließ ihm Zeit.
Ein leises Wimmern entrang sich irgendwann seiner Kehle. Für Menschen unverständlich und nichtssagend. Doch das Tier schwieg nur schwer und seine Trauer und Sehnsucht konnte nur mühsam unterdrückt werden. Und der Junge war müde, erschöpft und ausgelaugt. Und so Grimm wimmerte:
"Ich will den Mond wieder sehen....I-Ich will hier weg...."
„Dann werden wir einen Weg finden.“

Der Wolf robbte näher und legte sich an die Seite des Jungen. Es war eine merkwürdig nahe Geste für einen Menschen, aber etwas selbstverständliches für einen Wolf. Er zeigte durch dieses Kontakt-liegen seine Zugehörigkeit. Er nahm ihn einfach in sein Rudel auf, ohne irgendwelche Prüfungen, Fragen oder Bedingungen. Grimm spürte warmes Fell, hartes Muskelfleisch und Knochenspitzen unter dem weichen Pelz. Er hätte nie gedacht, dass ihm die Wärme eines lebenden Wesens so sehr hätte fehlen können. Ohne einen funken Kontrolle rollten ihm sofort dicke Tränen über die staubigen Wangen und versickerten im dichten Fell seines neuen … Freundes? Seiner neuen Familie? Dem Wesen, das zu ihm gesandt worden war, von wem auch immer. Die Wärme tat so unendlich gut, dass sein ganzer Körper erzitterte und er eine Weile brauchte um das Zucken unterdrücken zu können. Dann fiel er in einen tiefen Schlaf.

Grimm erwachte aus einem schrecklichen Traum und schüttelte sich! Himmel, wo war nur dieser Horror hergekommen! Er musste Manthala gehörig auf den Umhang getreten sein, wenn sie ihm solche Träume schickte! Er hatte geträumt, dass er von seinem Vater verkauft worden war, einer Schautellertruppe eine Zeit lang folgte und sie ihn dort gefoltert hatten, nicht so wie im wahren Leben, wo er stark und mächtig war und seine Freunde um sich scharte. Er war in diesem Traum gefangen genommen worden, nachdem er sich an seinen Peinigern gerächt hatte und fristete ein jämmerliches Dasein in einem Loch. Grimm schüttelte sich noch einmal. Was für ein dummer Traum. Vielleicht war es wieder Zeit den Mond anzusingen? Er streckte sich und dehnte dabei seine straffen Muskeln. Leise ließ er die Gelenke knacken und blinzelte dann den Schlaf fort. Er sah sich um und fand alles dort wo er es gelassen hatte.
Wildfang, sein Beta lag halb unter ihm, am Fuß des alten Sessels, den er seinen Thron nannte. Das ursprüngliche Mobiliar war schließlich bei der Übernahme zu Bruch gegangen. Sichelklang, sein Alphaweibchen lag auch nicht weit weg. Auch sie war eine Hybridin, aber noch ein wenig mehr Tier als er. Sie war hübsch, gerade noch menschlich, aber hatte mehr Fell als er.
Er war der Kopf des Rudels. Der Rest der Meute aus Straßenkötern lag wild verstreut in den alten Ruine herum. Er grinste zufrieden und begutachtete den ehemaligen Thronsaal der Menschen. Einst hatte hier der König von Jorsa gesessen und seine Untergebenen regiert. Jetzt hatte die Stadt einen neuen König, ihn! Er hatten die Rebellion gegen die Zweibeiner erfolgreich angeführt. Nur irgendetwas war komisch...
Er konnte sich partu nicht daran erinnern, wie er hier her gekommen war oder was er getan hatte. Irgendwie fehlten ihn die letzten paar Tage oder Monate. Wo war er gewesen? Wie war er überhaupt nach Jorsa gelangt und warum erinnerte er sich nicht an seine Vergangenheit? Na ja, er war König der Hunde ...und nun? Er stand auf und sah aus dem Fenster. Unter ihm eröffnete sich der Blick auf ein zerstörtes Jorsa. War das sein Werk? Was sollte man mit dem Tag anfangen, wenn man König der Asche war? Irgendetwas kroch in einiger Entfernung durch das Geröll und sofort hörte er ein aggressives Knurren.
„Es ist ein Zweibeiner, Herr! Soll ich es töten?“
Wildfang, sein „Zweiter“ stand halb hinter ihm. Ein Wolfsmischling, gewaltig und immer hungrig.
„Sie haben es verdient! Sie haben uns geschlagen und versklavt! Ich töte sie alle für euch!“
Sichelklang schob sich an ihm vorbei und spähte aus dem Fenster. Sie sah Grimm an und meinte leiser:
„Es ist nur ein Kind. Und sieh, es flieht schon von selbst.“
Grimm sah hinaus und entdeckte den mageren Knaben in der Ferne. Irgendwie erinnerte er ihn an jemanden. Doch Wildfang knurrte unterdrückt. Grimm wusste, er wollte Rache für sein Leben in Gefangenschaft. Er wollte Blut sehen.
„Herr?“
Grimm musste entscheiden.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Montag 28. August 2017, 19:57

„Dann werden wir einen Weg finden.“

Der Junge hörte den Wolf näher kommen. Mondklaue rückte an ihn heran und lag nun neben ihm. Das Fell nah gepresst an seinen nackten Körper, warm und schützend. Der Junge zögerte einen Moment. Zuckte fast schon vor Angst, aus Reflex. Wie lange war es her, dass ihn jemand berührt hatte ohne ihm wehtun zu wollen? Wann war das letzte Mal, dass jemand bereit gewesen war ihm zu helfen, dem Monster? Seit Ayla, seit ihrem Tod...
Langsam glitten seine Finger in Mondklaues weiches Fell. Er spührte die Muskeln unter Haut, hart und zäh. Wie der Brustkorb sich ausdehnte bei jedem Atemzug, ruhig und gleichmäßig. Der Junge biss sich auf die Lippen, schmeckte ein wenig Blut als seine scharfen Zähne die Haut verletzten. Dann begann er zu weinen.

Jegliche Kontrolle verließ ihn, als dicke Tränen über seine Wangen rannen. Leise, verzweifelte Schluchzer schüttelten seinen Körper und der Junge vergrub sein Gesicht in das dicke Fell seines...Gefährten. All die Trauer, all die Verzweiflung brach sich nun ihre Bahn. Seine Folter durch Thrandil, der Tod Aylas. Schmerzen, Wahnsinn, Einsamkeit. All dies strömte nun aus ihm heraus, ließ ihn zucken und wiegen. Ein langer, ins Fell gedämpfter Schrei bahnte sich aus aus seiner Kehle.

Dann, nach einer kleinen Ewigkeit, hörte der Junge auf zu weinen und versank in einen dunklen Schlaf...



Grimm riss die Augen auf! Er verzog das Gesicht, als die Bilder aus seinem Traum vor seinem inneren Auge vorbeizogen. Eine dunkle Zelle, Einsamkeit, Hunger und - am allerschlimmsten - eine jämmeriche, weinerliche Version von ihm selbst! Hatte er die Herrin der Nacht verärgert, dass ihn mit solch einem Albtraum strafte? Allein sich vorzustellen, dass er verkauft worden wäre wie ein Tier...
Grimm schüttelte sich. Vielleicht sollte er den Mond wieder ansingen, um Manthala zu besänftigen. Seine Lieder sollten ihren Zorn besänftigen, da war er sich sicher. Langsam begann er sich zu strecken. Er genoss das Gefühl seiner spannenden Muskeln. Die Kraft in seinen Glieder und die Energie, die ihn erfüllte wie Feuer in seinen Adern. Er blickte sich um.

Wildfang lag zu seinen Füßen, ein riesiger Wolfsmischling, dessen braunes Fell wild und borstig in alle Richtungen abstand. Er döste am Boden, doch Grimm sah sein Ohr zucken. Ein Beweis, dass er wach war. Als er sich wieder hinsetzte auf seinen Thron - na ja, eigentlich ein Sessel - ließ er seinen Blick wandern. Er sah Sichelklang nicht weit von ihm in einer Ansammlung aus teuren Kissen und Bettdecken liegen. Ihr graues Fell bedeckte ihren ganzen Körper, verhüllte ihre verzaubernden menschlichen Kurven gerade genug um ihren Anstand zu wahren ohne ihre Schöhnheit zu verhüllen. Eine Hybridin würdig sein Weibchen zu sein.
Die Halle war verwüstet. Überall in den Ecken und Enden, lagen Hunde, Wölfe und ein paar Hybriden. Grimm wusste, dass noch weitaus mehr außerhalbs seines Blickes in den Ruinen umherschlichen. Ruinen, die einst der Königspalast von Jorsa gewesen waren. Viel war nicht von ihm übrig geblieben, seit Grimm sein Rudel gegen die Zweibeiner in den Krief geführt hatte. Von der Stadt ganz zu schweigen...

Grimm runzelte die Stirn. Merkwürdig...warum konnte er sich nicht an den Kampf erinnern? Oder wie er überhaupt hier hergekommen war? Wann hatte all dies angefangen? Wieso hatten sie gegen die Zweibeiner gekämpft? Fragen. Fragen, die ihn störten, denn er wusste keine Antwort darauf. Sie hinterließen ein vertrautes nagendes Gefühl in ihm. Ein Gefühl, dass er hasste.

Grimm richtetet sich auf. Langsam trat er an ein Fenster und blickte herab auf Ruinen. Jorsa war vernichtet. Kaum ein Stein lag auf dem anderen und hier und da sah man die traurigen Überreste von Leichen. Zerrissen und zerstückelt. Wieder schüttelte Grimm den Kopf. Hatte er dies getan? Natürlich, er war der König der Hunde! Er musste dies getan haben. Dies war sein Reich nun. Sein Reich aus Fell und Asche...

„Es ist ein Zweibeiner, Herr! Soll ich es töten?“, knurrte Wildfang, der hinter Grimm nun stand und witternd die Nase in der Luft hielt.

Der Wolfshybrid guckte hinab auf die Stadt, suchend. Dann sah er es. Ein mageres Junges, klein und allein. Es kletterte durch die Ruinen. Verloren. Und seltsam vertraut...

Wildfang schnappte wütend und riss Grimm aus seinen Gedanken. „Sie haben es verdient! Sie haben uns geschlagen und versklavt! Ich töte sie alle für euch!“

„Es ist nur ein Kind. Und sieh, es flieht schon von selbst.“ Dies war nun Sichelklangs Worte. Mahnend. Tadelnd zu Wildfang und seiner Blutlust.

Doch Grimm hörte kaum zu. Er spürte seines Zweiten Wut. Seine Rage und Durst an Rache für all die Jahre, die man ihn gefangen gehalten hatte. Grimm kannte das Gefühl, den Zorn, die Ohnmacht. Und wie verlockend es war all diesen Hass rauszulassen...

"Herr?"

Grimm schritt die Stufen von seinem Thron herab. Seine Klauen kratzten über den geschundenen Marmor. "Ruf das Rudel zusammen!", befahl er. Wildfang knurrte freudig und lefzte die Zähne, bevor er vorauslief. Die anderen Wölfe und Hunde erhoben sich ebenfalls. Grimm rollte die Schultern und streckte die krallenbewehrten Finger. Ein leises Lächeln berührte seine Lippen. "Zeit für eine Jagd..."
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Freitag 1. September 2017, 17:39

Grimm hörte Sichelklangs Worten kaum zu. Er spürte seines Zweiten Wut. Seine Rage und Durst an Rache für all die Jahre, die man ihn gefangen gehalten hatte. Grimm kannte das Gefühl, den Zorn, die Ohnmacht. Und wie verlockend es war all diesen Hass rauszulassen...
"Herr?"
Grimm schritt die Stufen von seinem Thron herab. Seine Klauen kratzten über den geschundenen Marmor.
"Ruf das Rudel zusammen!"
, befahl er. Wildfang knurrte freudig und leftze die Zähne, bevor er vorauslief. Die anderen Wölfe und Hunde erhoben sich ebenfalls. Grimm rollte die Schultern und streckte die mit Krallen bewehrten Finger. Ein leises Lächeln berührte seine Lippen.
"Zeit für eine Jagd..."
Nur am Rande bemerkte er, dass Sichelklang zurück blieb. Ihr gefiel diese Art des Jagens nicht. Sie rollte sich wieder in ihre Ecke voller seidiger Kissen und vergrub ihr schönes Gesicht unter ihren Armen. Das ungeduldige Jaulen des Rudels zog Grimm jedoch hinfort und er streckte seine Glieder. Er war ein Jäger und ein Mann! Er war kein verschüchterter kleiner Junge, er war Herrscher über sein Reich! Er sah an sich hinunter und genoss das Gefühl von aufsteigender Jagdlust in seinen Adern. Seine Muskeln wölbten sich sehnig unter seiner Haut und versprachen unbändige Kraft auf die er sich verlassen konnte. Irgendwie wirkte sein Körper auch ausdauernder und größer als er ihn in Erinnerung hatte. Er war mächtiger! Er war – Alfa!!! - Alle folgten seinem Befehl, sein Wort war Gesetz und die Jagd hatte begonnen! Kein Mensch sollte sich je wieder in seinem Revier sicher fühlen! Sein Zweiter jaulte weiter vorne und riss Grimm tiefer in die Blutlust. Er hatte eine Fährte und das peitschte das Blut des Rudels auf. Automatisch stimmte Grimm ein gewaltiges Heulen an, dass ihn fast selbst erschreckte. Seit wann hatte er so eine gewaltige Stimme? Um ihn herum stimmte seine Rudel mit ein und der Gesang der Nacht zerriss die Stille, wie ein drohendes Omen. Die Jagd war eröffnet. Heute Nacht würde Blut fließen!
Schon rannte er los.
Das Gefühl seiner starken Beine, die ihn mühelos über die brüchigen Ruinen trugen war unbeschreiblich. Er fühlte sich unbesiegbar und irgendwo vor ihm war ein Mensch! Ein Mensch, wie jene die ihre Tiere knechteten und misshandelten. In Sklaverei hatten sie gelebt, waren geschlagen und getreten worden, hatten sich von Unrat ernährt. Diese Zeiten waren vorbei! Jetzt standen sie an der Spitze der Nahrungskette!
Das Rudel fächerte auf und Grimms Späher und besten Jäger preschten durch die Trümmer der Stadt. Sie trieben ihre Beute und hier und da konnte er schon sein flüchtendes Opfer sehen. Ein Junge. Ein Bengel. Sein Fleisch würde zart sein und würde sein Rudel nähren. Grimm hörte die kurzen Befehle die sein Zweiter auf der Jagd bellte:
„Linke Flanke ausbrechen und Bogen schlagen! Rechte Flanke, bleibt zurück!“
Das Rudel reagierte ohne Zögern und die Beute ging in die Falle. Wildfang führte sie immer sicher zum Ziel, aber er gehorchte seinem König. Grimm war ihnen dicht auf den Fersen, aber mit vier Beinen rannte es sich in diesem Gelände einfach schneller, als er auf seinen zwei Beinen. Der Parcours den die Ruinen bildeten, war für Grimm nicht unüberwindlich, mehr ein Training, eine Übungsstrecke und er kannte jeden Winkel. Er sprang über einen zerstörten Torbogen und lief eine schräg umgestürzte Wand hinauf, kam zum stehen und sah sein Rudel, wie es den Menschen in die Ecke drängte. Seine Angst lag wie süßer Honig in der Luft und sein wilder Herzschlag war bis hier zu hören. Der Junge hatte sich in Lupen gewickelt und einig seine geweiteten Augen waren zu sehen. Wildfang heulte hungrig:
„Gestellt!“
, was das Zeichen für Grimm war, wie immer seinen Tötungsbefehl zu geben. Nichts anderes würde sein Rudel jetzt von ihm erwarten. Das war sein Gesetz!
„FASS!“
, donnerte seine eigene Stimme über das Trümmerfeld und sofort stürzten sich die Leiber auf den panisch zuckenden Körper.

Plötzlich war alles anders.
„FASS!“
, donnerte seine eigene Stimme über das Trümmerfeld und sofort stürzten sich die Leiber auf SEINEN panisch zuckenden Körper. NEIN! Hier lief was falsch! Warum griffen sie ihn an? Er war doch ihr König! Schon fühlte er den Schmerz und das Knirschen, als sich ihre langen Fänge durch seine Muskeln in seine Knochen gruben.

Schmerz zuckte durch seinen Körper und er wäre fast eingeknickt. Nein, er stand wo er war. Seine erhöhte Position ließ ihn alles genau sehen. Sein Rudel tötete schnell und ließ dann ebenso schnell von seiner Beute ab, denn er war der Alfa. Ihm gebührte die Ehre als erster zu fressen, selbst wenn er nicht direkt an der Jagd beteiligt war. Langsam schritt er auf das Bündel zu, dass da blutig zwischen den Trümmern lag. Sein Rudel lag geduckt zu seinen Füßen und einige winselten vor Hunger und Blutgier, aber sie gehorchten. Wie immer war es eine Machtdemonstration und ganz vorne lag Wildfang und schaute ihn ungeduldig an. Sobald sich Grimm seinen Teil genommen hatte, war er der erste der fressen würde.
Grimm trat an den Leichnam und hockte sich hin. Muskelfleisch gab es an diesem Jungen nicht viel, aber die Inneren Organe waren noch saftig. Die Leber gäbe ein gutes Geschenk für seine Liebste ab. Er nahm sie sich und biss selbst einmal herzhaft hinein. Warmer Blutgeschmack füllte seine Sinne und rann seine Kehle köstlich hinunter. Dann sah er in die Runde seiner getreuen Untertanen. Sie waren hungrig und es war seine Aufgabe für sie zu sorgen. Er wollte sich gerade wieder erheben als sein Blick aus dem Augenwinkel auf den Kopf des Jungen fiel. Sein Gesicht war von Lumpen bedeckt und wie von selbst hob er seine Hand zu dem zerrissenen Tuch. Warum? Neugierde? Instinkt? Grimm starrte in das Gesicht des Jungen...
„Wach auf!“
Grimm rührte sich nicht. Er starrte in das hab zerfetzte Gesicht und konnte sich nicht bewegen. Erneut drang die Stimme seines Zweiten an sein Ohr:
„Wach AUF!“
Wieso? Er war wach! Was sollte der Unsinn. Obwohl... war das überhaupt Wildfangs Stimme?
„Heilige Mutter des Mondes gib ihn frei! Bitte! ...WACH AUF!!!“
Sein Blick saugte noch immer den Anblick ein, der sich ihm bot. Zerzaustes Haar, ein paar Wolfsohren, die ihn als Hybriden kennzeichneten. Nun ja, jeder machte einmal einen Fehler. Warum hatte er sich auch nicht zu erkennen gegeben! Ein heraus gebissenes Auge fiel aus dem Stoff, seine aufgerissene Wange unter der der Kiefer klaffte auf und ein paar Zähne waren zu sehen. Seine... seine aufgerissene Wange... seine... Seine?... SEINE!!!
Etwas stieß gegen seinen Kopf und drückte warm gegen seinen zitternden Körper und die Welt begann sich zu drehen.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Dienstag 17. Oktober 2017, 17:45

Das Blut rauschte in seinen Adern. Grimm spürte die Muskeln unter seiner Haut spannen. Mit jedem Schritt, jedem Satz, fühlte er sich lebendiger. Das stetige Brennen in seiner Brust, wenn die Luft durch sie strömte. Die Erschütterungen in seinen Knien, wenn über eingestürzte Mauern und Geröll sprang. Das Kratzen seiner Krallen, wenn er über den Boden schlitterte oder Haken schlug. Es war ein Rausch!

Ein Heulen zerriss die Nacht, als Grimm in wilder Freude die Jagd eröffnete. Und mit noch größerer Freude hörte er, wie mehrere - nein, Dutzende seinesgleichen antworteten. Der Gesang des Mondes. Die Harmonie der Jagd.
Ihr Ziel war ein Mensch. Einer der Folterknechte, der Mörder, der Tyrannen seiner Art. Wie sie ihm wehgetan hatten. Wie sie ihn und die seinen gejagt hatten. All dies hatte sich nun geändert. Aus Jäger war Beute geworden! Und Grimm würde ihnen allen Schmerz heimzahlen!

Schon sah er sein Rudel auffächern. Die Schnellsten hetzten an die Front, trieben die Beute vor sich her, schnitten ihm die Wege ab und zwangen es in Richtung des Rudels. Grimm konnte es nun auch sehen, einen Blick erhaschen hier und da. Ein Junge, klein und mickrig. Doch zart würde sein Fleisch dennoch sein, dass wusste er. Sein Rudel würde sich gütlich tun heute.
„Linke Flanke ausbrechen und Bogen schlagen! Rechte Flanke, bleibt zurück!“, hörte er Wildfang knurren.
Das Rudel reagierte sofort. Ihre Disziplin und Koordination perfekt, ohne Makel. Grimm hörte den Jungen aufschreien und grinste. Er war gefasst!

Der Hybrid sprang über die Überreste eines Torbogens und lief mit Schwung eine halb eingestürzte Mauer hinauf. Sein Rudel wartete schon auf ihn. Vier Beine waren schneller als zwei, egal wie gut Grimm die Stadt nun schon kannte. Doch seine Kraft und sein Verstand war unerreicht und sicherte seine Position unter dem Rudel. Und mit loyalen Gefährten wie Wildfang würde Grimm stets über jegliche Herausforderer triumphieren.
Der große Wolf wartete gehorsam am Rande, ein hungriges Grinsen auf seinen Lefzen. „Gestellt!“, schnarrte er stolz.
Die Beute kauerte in der Ecke, in Lumpen gehüllt und das Gesicht hinter Händen versteckt. Die Angst war förmlich zu riechen, wie Honig in der Luft. Grimm schauerte vor Vorfreude.

"FASS!", donnerte er den Tötungsbefehl und sein Rudel stürzte sich auf die Beute.

Die Welt kippte.

"FASS!", hörte er sich sagen. Dann sah er wie seine Wölfe, sein Rudel sich auf IHN stürzten. Grimm schrie schrill vor Angst. Fänge gruben sich in seinen Körper, rissen seine Haut und Muskeln in zwei, brachen seine Knochen. Was war hier los!? Er war ihr König! Warum griffen sie ihn an? Schmerz blendete durch seinen Kopf, bevor alles schwarz wurde.

Grimm stolperte einen Schritt nach vorne. Wie ein Nachhall puckerte sein Schädel. Doch er stand nach wie vor auf hinter dem Rudel. Er konnte sehen, wie sie die Beute zerrissen. Das Genick brachen und seinen Leben auslöschten. Der König der Wölfe schüttelte seinen Kopf und vertrieb die Schmerzen. Stattdessen trat er nach vorne. Er war Alfa! Damit gebührte ihm der erste Bissen. Wildfang wartete an seiner Seite, Speichel tropfend. Hunger brannte in seinen Augen, doch er kannte seinen Platz. Nachdem sein König sich gütlich getan hatte, würde er fressen können. Doch zuvor musste Grimm zeigen warum er Alfa war.
Grimm kniete vor dem Fleisch nieder. Es war ein mageres Wesen gewesen und somit war nicht viel an ihm dran. Doch sein Blut war frisch und die Innereien warm und saftig. Er grub die Leber aus der Leiche und biss herzhaft hinein. Roter Lebenssaft tropfte an seinem Kinn herunter und mit Genuss kaute er. Dann stopfte er den Rest in die Tasche. Sichelklang würde es bekommen, als Geschenk um sie zu besänftigen.

Grimm wollte sich gerade erheben, als sein Blick an dem Gesicht der Beuet hängen blieb. Die Lumpen verhüllten es, doch irgendwie kam es ihm bekannt vor. Im hinteren Teil seines Kopfes spürte er einen Druck. Etwas presste sich gegen seine Ohren. Grimm schüttelte den Kopf, doch es brachte nichts. Er fühlte sich unwohl und er konnte sich nicht davon abbringen wegzuschauen. Langsam streckte er seine Hand aus. Seine Finger fassten das Tuch an und zogen es dann mit einem Ruck nach unten.

"Wach auf!"

Grimm starrte in das zerfetzte, fast unkenntliche Gesicht. Der Druck wurde unerträglich. Sein Kopf klingelte und seine Ohren dröhnten. Er starrte in das magere, tote Gesicht.

"Wach auf!"

Zerzaustes, schwarzes Haar. Hohle Wangen. Wolfsohren und spitze Zähne.

„Heilige Mutter des Mondes gib ihn frei! Bitte! ...WACH AUF!!!“

Grimm starrte in sein eigenes Gesicht.

...

Sein Kopf explodierte. Ein unerträglich lauter, schriller Schrei brach durch seine Ohren. Sein Schrei. Sein Schrei! Grimm schreite wie am Spieß. Er spürte wie seine Hände sich in sein Gesicht gruben vor blinder Panik und Schmerz. Irgendetwas prallte gegen ihn.

Er riss seine Augen auf. Nichts. Dunkelheit.

Wild um sich schlagend, rollte er durch den Raum. Bilder blitzen vor ihm auf. Das Blut! Die Zähne! Der Schmerz!

Sein Kopf prallte gegen Stein und Sterne tanzten vor seinen Augen.

Er schmeckte noch das Fleisch auf seinen Lippen. Sein Magen stülpte sich um. Mit einem ekelerfüllten Würgen erbrach der Junge seinen Mageninhalt. Warme Flüssigkeit und Halbverdautes klatschte auf den Boden und gegen seinen nackten Körper.

Grimm zuckte immer noch, sein Schreien heiser und verzweifelt vor Wahnsinn. Er war tot! Er hatte sich selbst gerissen! Der Schmerz! Der Schmerz! Das Tier! Das Tier!

...

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, doch bald war der Junge zu schwach und zu heiser um weiter zu schreien. Stattdessen kauerte er in der hintersten, dunkelsten Ecke und wimmerte wie ein verwundetes Tier. Seine Augen starrten in die Dunkelheit und seine Hände hielten seinen Kopf, als er sich hin und her wiegte.

"Nur ein Traum...nur ein Traum...nur ein Traum...nur ein Traum..."
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 18. Oktober 2017, 11:53

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, doch bald war der Junge zu schwach und zu heiser um weiter zu schreien. Stattdessen kauerte er in der hintersten, dunkelsten Ecke und wimmerte wie ein verwundetes Tier. Seine Augen starrten in die Dunkelheit und seine Hände hielten seinen Kopf, als er sich hin und her wiegte.
"Nur ein Traum...nur ein Traum...nur ein Traum...nur ein Traum..."

Nach einer weiteren Ewigkeit kam sein neuer Zellengenosse auf ihn zu gehumpelt. Grimm hörte ihn, mehr als dass er ihn sah und dann lehnte sich sein warmer Körper gegen ihn. Mehr geschah nicht. Er war da und mehr brauchte es nicht. Gemeinsam lagen sie in der Stille und langsam kehrten Grimms Gedanken zurück in die Wirklichkeit. Genauso langsam wurde ihm bewusst, dass er seinen neuen Freund hier gehört hatte und dass er ihn aus seinem Albtraum geholfen hatte zu fliehen. Worte wiederholten sich in seinem Geist:
Heilige Mutter des Mondes gib ihn frei! Bitte!
Und er war aufgewacht. Hatte Manthala ihn wirklich so fest in ihren Klauen? Warum schickte sie ihm immer wieder diese furchtbaren Träume? War sie wütend auf ihn? Hatte er etwas falsch gemacht? Wenn ja, wusste Grimm nicht was und auch nicht wie er es wieder gut machen konnte. Vielleicht spielte sie auch nur mit ihm und war schlicht eine grausame Göttin, aber so ganz wollte er das auch nicht glauben. Irgendwann hörte er wieder die Stimme des Wolfes neben sich:
„Du hast im Schlaf gesprochen...“
Eine kleine Pause folgte und dann:
„Ich habe nicht alles verstanden. Manchmal redest du wie die Zweibeiner, manchmal nicht, aber dann verstehe ich dich.“
Sein Kopf legte sich auf eines von Grimms Beinen und vibrierend ging seine Stimme in die Knochen des Jungen über.
„Du hast von einem König der Wölfe gemurmelt, ...von dir...und von jemandem mit Namen Sichelklang...“
Wieder folgte eine Pause und er dachte anscheinend nach, was er diesem seltsamen Wolf auf zwei Beinen sagen sollte.
„Wölfe haben keinen König... Wölfe haben Familien! Wir halten zusammen, beschützen einander, aber wir brauchen keinen König wie die Menschen. Menschen sind dumme Tiere. Sie wollen sich über andere stellen... besser sein, mehr sein als sie sind, mehr als die Natur ihnen zugesteht. Deshalb jagen sie andere Tiere zum Spaß und nicht weil sie sich nähren wollen. Sie sind grausam... Bist du grausam? Ich frage mich das, denn es klang als ob du König sein wolltest. König über die Wölfe. König über das Tier... und das wäre grausam...so wie ein Mensch es nur sein kann.“
Still wartete Mondklaue, dass der Welpe über seine Worte nachdachte. Da Grimm aber noch heiser vom Schreien war, sprach er nach einer Weile weiter.
„Ich glaube, die Mutter des Mondes wäre wütend, wenn du König über alle Wölfe wünscht zu sein, denn das wäre nicht richtig. Wir leben in kleinen Revieren. Kein Wolf würde seine Grenzen überschreiten und Andere töten, nur um mehr Land zu besitzen. Grausame Menschen streben nah mehr und mehr und mehr und hören nie auf. Aber die Mutter des Mondes schickt manchmal Bilder in unseren Geist, damit wir klarer sehen was wir sind.“
Er wartete wieder ein kleines Weilchen, dann stellte er seine Frage:
„Was willst du sein?“
Das war für Grimm sicher keine leicht zu beantwortende Frage. Nach allem was er durch Menschen, bzw. Zweibeiner erlebt hatte, konnte man sich durchaus die Frage stellen, ob er noch Mensch sein wollte. Zweibeiner waren sein ganzes Leben lang grausam zu ihm gewesen. Sein Vater hatte ihn verkauft, seine Peiniger ihn geschlagen und gefoltert. Nur Zweibeiner taten einander so unsagbar grausame Dinge an. Wieder einmal sah er Alya's blasses totes Gesicht vor sich verblassen und Thrandils auftauchen. Nein, Tiere töteten nicht mit einem Lächeln auf den Lippen. Kein Tier spielte mit seiner Beute... (Außer vielleicht dies grässlichen Katzen!)
Aber trotzdem fürchtete sich Grimm immer noch vor dem Tier in sich. Er fürchtete sich vor den Fängen des Wolfes, der ihn gebissen hatte und verwandelt. Vielleicht hatte er deshalb geträumt, er würde „König“ über die Wölfe sein wollen? König, also Herrscher über das Tier in sich? Aber zerfleischte er sich damit nicht selbst? Er war beides, aber der Mensch hielt das Tier in ihm klein, dominierte es, folterte seine unterlegenen verhassten Instinkte, wo sie auszubrechen drohten. Grimm hatte Angst vor sich selbst und so lange das so war, würde er wohl immer wieder von Albträumen geplagt werden. Vielleicht war das einfach sein Schicksal, seine Art. Vielleicht würden seine Zweifel ihn sein Leben lang begleiten, aber hier und jetzt, in diesem Loch musste er erkennen, dass all sein Zweifeln, seine Furcht, seine Klagen sich nur gegen sich selbst richteten. Nichts davon würde ihm hier raus helfen, nicht seine Schreie und auch nicht sein Leid. Es gab niemanden, der hier Mitleid mit ihm empfand... oder?
Weich und warm fühlte er den etwas struppigen Pelz an seiner Seite. Doch, es gab jemanden, der für ihn da war. Stellte sich nur die Frage, ob er auch wie in einer richtigen Familie, auch für ihn, den Wolf, da sein konnte. Konnten sie ein Rudel werden?
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Donnerstag 19. Oktober 2017, 19:58

Grimm spürte etwas neben sich. Warm und fuzzelig. Haare, dass über seine nackte Haut streichte. Wie ein Ertrickender klammerte er sich dran und versenkte sein Gesicht in das dichte Fell von Mondklaue. Er zitterte immer noch, doch die Anwesenheit des Wolfes gab im Halt, ein wenig. Etwas an dass er sich klammern konnte am Rande des Wahnsinns. Zum ersten Mal seit Monated war jemand an seiner Seite. Und trotz aller Furcht und Schmerzen, half es Grimm zusammenzuhalten. Wenn auch gerade so...

„Wölfe haben keinen König... Wölfe haben Familien! Wir halten zusammen, beschützen einander, aber wir brauchen keinen König wie die Menschen. Menschen sind dumme Tiere. Sie wollen sich über andere stellen... besser sein, mehr sein als sie sind, mehr als die Natur ihnen zugesteht. Deshalb jagen sie andere Tiere zum Spaß und nicht weil sie sich nähren wollen. Sie sind grausam... Bist du grausam? Ich frage mich das, denn es klang als ob du König sein wolltest. König über die Wölfe. König über das Tier... und das wäre grausam...so wie ein Mensch es nur sein kann.“

Grimm beruhigte sich langsam. Sein Herz wummerte immer noch in seiner Brust und sein Atem raste durch seinen Hals. Doch er hörte zu. Ein Teil von ihm begriff, wovon Mondklaue sprach. Von der natürlichen Ordnung. Hatte er deshalb diesen Traum gehabt? War es eine Warnung gewesen? Der Junge wusste es nicht. Wenn ja, so hoffte er dass die Herrin des Mondes ihn solche Warnungen in Zukunft ersparte. Wenn nicht, dann...hab es lediglich einen weiteren Grund den Schlaf zu fürchten.

„Ich glaube, die Mutter des Mondes wäre wütend, wenn du König über alle Wölfe wünscht zu sein, denn das wäre nicht richtig. Wir leben in kleinen Revieren. Kein Wolf würde seine Grenzen überschreiten und Andere töten, nur um mehr Land zu besitzen. Grausame Menschen streben nah mehr und mehr und mehr und hören nie auf. Aber die Mutter des Mondes schickt manchmal Bilder in unseren Geist, damit wir klarer sehen was wir sind.“

Langsam hob Grimm seinen Kopf aus Mondklaues Fell. Seine Worte und der Traum hatten ihm zu denken gegeben. War es Grimms Angst vor dem Tier, dass ihn so verletzte? War es gar der Mensch in ihm, der im Unrecht war? Dem jungen Hybrid schmerzte der Schädel. Er wusste es nicht! Einerseits machte es Sinn. Seit er an Thrandil verkauft worden war, hatte man ihn nichts außer Schmerzen zugefügt. Selbst jene, die wussten dass es falsch waren, haben sich entweder abgewandt oder waren zu schwach gewesen was zu dagegen zu tun. Doch...doch war es wirklich so einfach?

Der Junge starrte in die Dunkelheit. Er sah Thrandil vor sich stehen, das Messer spielerisch in die Luft wirbeln mit einem sadistischen Grinsen. Neben ihm Ayla, leichenblass. Ihr Gesicht eine Ruine, eingeschlagen und aufgeschlitzt von Peitschenhieben. Und dann spührte er eine Hand auf seiner rechten Schulter. Langsam drehte sich Grimms Kopf zur Seite. Und er starrte in das gaffende, fangenbewehrte Maul seiner selbst, dass sich gierig um ihn schloss.

Mit einem Aufschrei sprang Grimm weg. Weg von Alfa, weg von Mondklaue. Sein Brust fühlte sich an, als wollte sein Herz explodieren und voller Furcht starrte er in Dunkelheit. Nichts. Keine Spur mehr von den Spukgestalten. Nur Streiche seines Geistes...

„Was willst du sein?“, kam die Frage des großen Wolfes.

Grimm setzte sich nieder. Er fürchtete sich. Er fürchtete sich so sehr. Vor Schmerz, Folter, Tod. Vor Schlaf, Albträumen und Wahnsinn. Vor Hunger, Durst und Elend. Er fürchtete all dies so sehr. Und egal ob Mondklauer recht hatte oder nicht. Ob er sich nun selbst sein größter Feind war. Eins war nun klar. Er konnte hier nicht mehr bleiben. Wahnsinn hatte seine Klauen schon in ihn geschlagen. Es war nur noch eine Frage der Zeit bis Grimm völlig zerbrechen würde. Er musste raus!
Sein Blick ging nach oben. Zu der geschlossenen Luke, so weit entfernt. Er wusste nicht was ihn erwarten würde. Vielleicht war sinnlos, womöglich unmöglich. Doch nun trieb ihn seine Angst und Verzweiflung, die Dinge die ihn die ganze Zeit hier gehalten hatten. Sie trieben ihn nun nur noch in eine Richtung.

"Ich will frei sein...", flüsterte er heiser.

Der Junge und das Tier wollten raus!

Mit diesen Worten richtete er sich auf und tastete sich an der Wand entlang. Er kannte die Ritzen und Rillen inzwischen auswendig. Doch er hatte es nie die Meter über ihm versucht. Nun war es an der Zeit.
Er krallte seine Klauen in den Stein. Er gab sich keinen Illusionen hin. Es würde nicht beim ersten Mal klappen. Oder beim zweiten, dritten oder vierten. Oder beim zehnten, doch darüber hinaus konnte er nicht zählen. Doch er würde lernen. Er musste lernen. Den Weg nach oben. Den Weg, den er nutzen würde um diesem Loch zu entkommen, irgendwie. Er und Mondklaue.

Bevor er begann, blickte er in die Richtung in der er den großen Wolf riechen und hören konnte. "Hilfst du mir...?"
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