Tief in Jorsas Eingeweiden

Dieser Stadt, umringt von einer Mauer und einigen Spähtürmen, ist ihr Wohlstand anzusehen. Hier behandelt sich jeder mit Respekt, hilft jeder jedem und vorallem leben sie in Frieden beisammen. Auch befindet sich hier der Palast des jungen Königspaars.

Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Freitag 5. Mai 2017, 19:45

(ooc: Grim's Einstiegspost kann hier folgen.)
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Samstag 6. Mai 2017, 19:40

Dunkelheit umhüllte Grimm.

Er hatte seine Augen offen, und dennoch war kaum etwas zu sehen. Sein Schädel pochte vor Schmerz und sein Haar war nass. War es Wasser? Er lag auf kalten, feuchten Stein, dass wäre also am wahrscheinlichsten. Aber sein Kopf schmerzte und in seinem Mund konnte er den vertrauten, kupfernen Geschmack von Blut schmecken. Auch seine Hände waren benässt mit einer Flüssigkeit, die sich nicht wie Wasser anfühlte. Seine Haut war kalt und erst jetzt merkte der Junge, dass er bis auf seine Hose nackt war. Jemand hatte ihm sein Hemd abgenommen und nun lag sein nackter Oberkörper auf kaltem Stein.
Vorsichtig richtete Grimm sich auf, um nicht noch mehr Körperwärme an den eisigen Boden zu verlieren. Ein metallenes Rasseln ließ ihn aufhorchen. Es kam von seinen Gliedmaßen. Er versuchte die Arme zu heben und entdeckte, dass er es nicht konnte. Ketten waren um seine Handgelenke gefesselt und banden ihn an die Wand hinter ihm. Dasselbe galt für seine Beine. Ein altbekannter Druck um seinen Kiefer verriet Grimm auch, dass man ihn seinen Maulkorb umgebunden hatte.

Dann erinnerte er sich. Er hatte Thrandil angegriffen, nein, getötet vor den Augen aller anwesenden Zuschauer. Er konnte immer noch fühlen, wie seine Zähne sich in das Genick des Elfen gebohrt hatten. Das knackende Geräusch, als seine Knochen brachen, hallte durch seine Ohren. Trotzdem kam es ihm merkwürdig vor. Als würde er jemanden anderes zuschauen. Er wusste, er hatte danach Lars den Hals aufgeschlitzt und auch wie er Mart, Lampart und Nick umbrachte war ihm klar vor Augen. Er hatte geschrien, wie ein wildes Tier, und wie wild auf sie eingeschlagen. Mart hatte er geblendet und dann seinen fetten Wanst aufgerissen. Lampart war vor ihm weggerannt. Grimm hatte ihn gepackt und seinen Kopf auf das Pflaster geschmettert. Wieder und wieder, bis der Knochen brach und das Gesicht nur noch ein rote Paste gewesen war. Nick hatte ihn angerempelt, hatte ihn von dem alten Mann runterbringen wollen. Grimm hatte es ihm vergolten, indem er ihn in den Hals gebissen hatte. In seiner Rage hatte er auch die Wachen angegriffen, die gekommen waren, um das Ganze zu beenden
Aber nun fühlte er nichts. Keine Wut, keine Freude, nicht einmal Trauer. Es war als wäre sein Inneres hohl. Dumpf und kahl.

Das Einzige was sich in ihm rührte war seine Erinnerung an Ayla. Ihre großen, grünen Augen und ihr silbrig, weißes Haar. Und ihr schmerzverzerrtes Gesicht als Thrandil sie langsam und qualvoll zu Tode prügelte.
Etwas Nasses rann über Grimms Wange. Eine Träne. Er wollte sie wegwischen, doch gefesselt wie er war, konnte er das nicht. Dankenswerterweise konnte keiner ihn in dieser Dunkelheit sehen. So war es ihm erspart sich seiner Trauer auch noch zu schämen.

Er war ein Mörder. Fünf Personen waren heute durch seine Hand gestorben. Fünf, die den Tod verdient hatten, das wusste er. Doch es war fraglich ob die Stadtwache das genauso sehen würde. Sie würden nur ein wilden Hybriden sehen. Ein Monster, dass mit blutverschmierten Mund vor sich hin mordete. Das war doch der Grund warum sie ihn so gefesselt hatten. Warum sie ihn in ein dunkles Loch geworfen hatten und sich sogar die Mühe gemacht hatten, seinen alten Maulkorb zu finden und ihm ihn umzubinden.

Was würde nun mit ihm geschehen?

Eine Frage, die durch seine Kopf hallte. Nicht geboren aus Sorge. Nein, Grimm kümmerte es nicht wirklich, was mit ihm geschah. Ayla war tot und er war allein. Die Rache an seinen Peinigern hatte er erreicht. Nun war nichts mehr geblieben, was ihn noch antreiben könnte. Der einzige Grund, warum er sich fragte, war dumpfe Neugier. Eine Angewohnheit. Wie jemand der die Seiten zu einem Buch umblätterte, dass er schon längst nicht mehr las.

Und so saß der Wolfshybrid in der Dunkelheit seiner Zelle, starrte mit seinen stechenden grau-weißen Augen ins Nichts und wartete auf sein Schicksal...
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Sonntag 7. Mai 2017, 14:50

Grimms Augäpfel brannten und vielleicht war es nicht nur das dumpfe mit weit aufgerissenen Augen vor sich hin Starren, dass die Feuchtigkeit seine Wangen hinunter laufen ließ. So einfach das gewesen wäre, sich es einzureden, Grimms Gefühle spielten ihm gerade übel mit und seine Erinnerungen ließen die Dämme brechen. Seine linkes Augenlid fühlte sich geschwollen an und er konnte es nicht öffnen. Die Riemen des Maulkorbs drücken fürchterlich an seinem wunden Jochbein, jedes Mal wenn er den Kopf bewegte. Irgendwo hinten am Kopf fühlte er noch immer langsam Blut in sein Haar sickern und seine Rippen taten weh.

Grimm ist verletzt.
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Er fühlte sich schwach und der Versuch die Arme zu heben endete mit einem kurzen Rütteln an seinen Ketten. Er hatte zuvor auf dem Boden gelegen, soweit ließen sie ihn wenigstens Spielraum. Wenn er sich mit dem Rücken an die Wand lehnte, sich zurecht rutschte, dann konnte er wenigstens sein Gesicht reiben. Vielleicht könnte er sogar mit etwas Mühe und Zeit den blöden Maulkorb entfernen. Das Blut an seinen Händen und an seinem Kopf war noch feucht, als konnte er noch nicht lange hier liegen. Seine Augen gewöhnten sich schnell an die tiefe Dunkelheit, die ihn fest umschloss. Langsam konnte er ein wenig mehr erkennen, doch das was er sah, war auch nichts, was seinen Lebenswillen wieder ankurbeln hätte können. Er saß in einer winzigen Kerkerzelle, wie man sie sich eben vorstellte. Dicke Felsbrocken formten die Wände und ein winziger schmaler senkrechter Schlitz sehr weit oben in der Decke ließ etwas Luft und eine Ahnung von Licht herein. Die Luft von dort roch aber nicht nach freiem Himmel, sondern trug Spuren von Schimmel und Kloake mit sich. Die Tür war aus massiven dickem Holz gezimmert und hatte ein mit Gittern versehenes Fensterchen, kaum größer als seine Hände lang waren. Es war von außen mit einer Klappe geschlossen. Nur wenige Laute drangen an seine empfindlichen Wolfsohren. Ein Mensch hätte nichts gehört, aber er ahnte, dass in den über ihm liegenden Ebenen viele Menschen umher liefen. Manchmal hörte er auch das ferne Schallen von Metall, wie wenn Waffen aufeinander knallten. Wenn das hier eine neue Seite des Buchs seines Lebens war, dann war sie verdammt düster. Und so saß der Wolfshybrid in der Dunkelheit seiner Zelle, starrte mit seinen stechenden grau-weißen Augen ins Nichts und wartete auf sein Schicksal...

Zeit war etwas furchtbares, wenn man darauf wartete das sie verging. Die Stille kam und ging und irgendwann verließen auch die letzten fernen Laute Grimms feine Wahrnehmung. Vielleicht war es jetzt Nacht und die Menschen über ihm hatten sich in ihre weichen Betten zu ihren Liebsten gelegt.
Eine Weile hörte er nur ab und an einen Tropfen, der irgendwo auf Stein fiel, oder einen anderen Gefangenen in den Tiefen der Kerkerzellen stöhnen. Er war allein mit sich und seinen Gedanken und irgendwann schlummerte er ein.

„AUFWACHEN, du Bestie!“
Die Stimme riss an seinen Nerven und explodierte schmerzhaft in seinem Kopf. Grimm riss die Augen auf und vor ihm hockte Thrandil. Er trug seine immerwährend grinsende Maske auf dem Kopf, hatte sie nach hinten geschoben, sodass sie nun zur Decke starrte. Um seinen Hals war ein Verband und er lachte leise. Seine Stimme klang heiser und er tippte sich an den Nacken.
„Hast geglaubt, du hättest mich erledigt, was? Wusstest nicht, das die hier mächtige Heiler in der Stadt haben. Haben hier eine Akademie des Lichts! Zusammengesetzt haben sie mich, den guten alten Thrandil! So schnell kommst du mir also nicht davon.“
Eine kleine kurze Klinge blitze in seiner Hand auf. Sie war nur wenig größer als ein Löffel und breit. Grimm hatte so ein Messer mal in einer der Hafenstädte die sie besucht hatten gesehen. Die Fischer öffneten damit die Muscheln, die sie gefangen hatten – Austern.
„Ich werde mir sehr viel Zeit mit dir lassen! Wenn ich mit dir fertig bin, werde ich dich häuten und deine leere Hülle als Decke Abend zum Schlafen über mich legen! Und ich werde gut schlafen, denn ich werde eine Bestie getötet haben.“
Er rückte näher und die Ketten hielten Grimm davon ab sich zu bewegen. Die Wand in seinem Rücken machte ein Zurückweichen unmöglich. Die Klinge kam immer näher und Thrandil flüsterte kalt und tonlos:
„Ich fang am besten mit einem Auge an...“
Seine Hand drückte die Stirn des Jungen an den kalten Stein der wand und sein Ellenbogen bohrte sich in seine Halsbeuge.
„Halt still...!“
Brennend drang die kurze Klinge unterhalb seines Augapfels ein und ein feuchtes Geräusch gesellte sich zu dem ungehörten Schrei, den die Kerkerzellen erfüllte.

„AUFWACHEN, du Bestie!“
Die Stimme riss an seinen Nerven und explodierte schmerzhaft in seinem Kopf. Grimm riss die Augen auf und vor ihm stand ein Mann. Er trug die Uniform der Stadtwache und Grimm überlegte noch kurz, dass sein Gesicht ihm entfernt bekannt vor kam, als sein Stiefel ihn hart in den Bauch trat. Alle Luft entwich seinen Lungen und brennende Übelkeit schoss seine Kehle hinauf. Er übergab sich seitlich über seine Brust. Warm und feucht lief der wenige Magensaft den er noch hatte über seinen Bauch hinab über seine Hüfte. Es war fast ein tröstliches Gefühl. Viel zu schnell verließ ihn dann jedoch die Wärme und kalte Luft zerrte an seiner feuchten Haut.
„Schau mich an!“
Wieder traf ihn etwas. Diesmal war es die Faust des Mannes und sein Kopf schlug seitlich an die Wand hinter ihm. Dann packten ihn harte Finger, gruben sich in seine Wangen und rissen den Kopf nach oben. Das Gesicht des Wächters war nun ganz nah vor ihm. Irgendwo hinter ihm steckte eine Fackel in einer Wandhalterung, deren Feuer zuckende Schatten über seine von Hass erfüllte Fratze wandern ließ. Vier lange hässliche Narben entstellten das Gesicht des Stadtwächters. Die oberste Schramme hatte nur knapp sein Auge verfehlt, die nächste hatte sein Nasenbein verunstaltet und seine Wange gespalten, die nächste hatte die andere Wange getroffen und bis zur Oberlippe aufgerissen und die unterste hatte einen Teil seiner Unterlippe abgerissen, so dass er jetzt ständig sabberte. Er sah aus wie eine … Bestie!
„Schau mich an, du Tier! Meine Frau kann mich nicht mehr ansehen! Mein Kind hat Angst vor mir! Du hast mich entstellt! Du...!“
Hass funkelte neu genährt von seinem Leid und seiner Wut in seinen Augen auf und er griff nach Grimms Kehle. Unbarmherzig schlossen sich seine Finger um den Hals des Jungen und raubten ihm den Atem. Immer weniger drang in seine Lungen die schnell so sehnsüchtig nach Sauerstoff brannten. Irgendwo glaubte Grimm noch Schritte zu hören, eine Stimme die schnell näher kam, aber er konnte nichts mehr verstehen. Das Blut rauschte zu laut in seinen Ohren. Dann wurde es endlich still!

Zeit war etwas furchtbares, etwas das man in der Dunkelheit verlieren konnte, das einem zwischen den Fingern wie Sand zerrann. Als Grimm das nächste mal erwachte, kam er deutlich schwerer zu sich.

Grimm ist schwer verletzt
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Der feste Boden zu seinen Füßen war nach rechts abschüssig, was sein Gleichgewichtssinn durcheinander brachte. Er war glatt und an manchen Stellen spiegelte er leicht, als er sein eines Auge endlich auf bekam. Er war aus einem Stück, wie aus Fels geschlagen und irgendwo hörte Grimm das stetige Rauschen von Wasser. Sonst war es absolut still! Was aber noch viel schlimmer war, es war noch finsterer als zuvor und kein Lufthauch war zu spüren. Die Luft war trocken und es roch nach Stein, Kalk und seinem eigenen Blut, was seine gebrochene Nase verkrustete. Seine Kehle schmerzte und sein Hals fühlte sich geschwollen an. Tiefe Atemzüge erinnerten ihn sofort an seine gebrochenen Rippen und sein Schädel schmerzte, als hätte er seine hintere Schädelplatte verloren. Sich bewegen kam erst einmal gar nicht in Frage. Die Schmerzen bescherten ihm noch zusätzlich eine Übelkeit, die ihm auch noch den pochenden Magen umgedreht hätte, wenn noch etwas drin gewesen wäre. Kurz gesagt, Grimm ging es wirklich sehr sehr schlecht! Aber das kannte er.
Thrandil hatte ihn oft verprügelt, aber er hatte es nie so weit getrieben, dass Grimm nicht mehr einsatzfähig gewesen wäre. Der Mann, der Stadtwache, er hatte ihn töten wollen, also warum lebte er noch? Jetzt lag der junge Hybrid flach auf dem felsigen Boden, atmete flach und lauschte jedem Verklingen seines Herzschlages, das einfach nicht aufgeben wollte.
Etwas anderes hatte sich aber auch noch verändert.
Er hatte keine Ketten an seinen Armen und auch nicht an den Beinen. Auch sein Maulkorb war fort. Es war zwar nicht gerade warm hier und auch seine Hose war verschwunden, aber er fror nicht. Hatte man ihn in ein Loch zum vergessen geworfen? War er hier zum sterben her gebracht worden? Waren das vielleicht die letzten Seiten im Buch seines Lebens?
Seine Sinne funktionierten nicht mehr einwandfrei. Auf seine Nase konnte er sich nicht verlassen und auf seine Augen auch nicht. Sein Körper fühlte sich an, wie eine breiige Masse, die sich bei jeder kleinsten Anstrengung verformte, aber er konnte langsam umher tasten und lauschen. Mit etwas Geduld und viel Schmerztoleranz gelang es ihm eine Wand zu erreichen, also war er in einem Raum. Der abschüssige Boden lockte ihn mit der vergehenden Zeit weiter seine Umgebung mehr rollend, als kriechend zu erkunden und er entdeckte an der tiefsten Stelle, in einer Ecke eine Rinne und einen schmalen Spalt, wo hin alles abfließen würde, was er von sich geben konnte. Er tastete die Rinne hinauf und fand ein weiteres Loch. Dann brauchte er erst einmal wieder eine Pause und schlief prompt ein.

„AUFWACHEN, du Bestie!“
Die Stimme riss an seinen Nerven und explodierte schmerzhaft in seinem Kopf. Grimm riss die Augen auf und vor ihm stand ...

… niemand. Er war allein. Nur reine, vollkommene Stille umfing ihn und sein Kopf meldete eine winzige Besserung seines Zustandes, doch noch nicht genug um gehen zu können. Jedes Mal wenn er sich zu schnell bewegte, oder versuchte in eine aufrechte sitzende Position zu gelangen, machte ihm sein Gleichgewicht einen Strich durch die Rechnung und zwang ihn zurück auf den Boden.
Plötzlich hörte er jedoch etwas.
Ein Rauschen!
Es kam näher und näher! Schnell!
Gleich einem Donnern in der Stille toste es auf ihn zu und sprudelte dann klar und frisch aus dem Loch. Grimm lag etwas ungünstig im Weg, sodass er ordentlich durchnässt wurde. Seine Schulter staute kurz das Wasser, dass sich wieder eilig durch das andere Loch davon machen wollte. Ein paar Tropfen benetzten auch seine Lippen und erst da bemerkte er wie durstig er war und trank gierig. Die kalte Flüssigkeit traf hart auf seinen gereizten Magen und fast hätte er sich wieder übergeben, aber sein Wolf, alles seine Instinkte rieten ihm es drin zu behalten. Dann war es auch schon wieder weg. Fröstelnd lag er nun nass am Boden und wartete, dass er trocken wurde. Er rollte sich ein wenig von der Rinne weg und ertastete weiter seine Umgebung, die sich bald als kleine Höhle heraus stellte, zu der es anscheinend keinen Zugang gab, außer den kleinen Wasserlauf. Er zwang sich einfach nur so mal eine Weile wach zu bleiben und stellte so fest, dass das Wasser mit einer gewissen Regelmäßigkeit kam. Da er keinen Orientierungspunkt, wie zum Beispiel einen Sonnenaufgang hatte, konnte er nur fühlen wie viel Zeit verging und riet auf alle vier Stunden. Wenn er es schaffte es irgendwie zu stauen, notfalls mit dem eigenen Körper, würde er zumindest nicht verdursten.
Da war er nun. Nackt, verletzt und leer... aber vielleicht noch nicht leer genug...
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Sonntag 7. Mai 2017, 16:30

„AUFWACHEN, du Bestie!“

Im Schreck riss Grimm seine Augen auf. Vor ihm hockte ein Elf mit langem blonden Haar, das in einem aufwendig geflochtenen Zopf ihm bis zu Hüfte ging. Er trug teure, bunte Seide, die um seinen Körper geschlungen hatte. Auf seinem Kopf ruhte eine grinsende Narrenmaske. Thrandil.

Grimm wich erschrocken zurück, nur um mit seinem Rücken an den kalten Stein zu prallen. Thrandil lachte leise. „Hast geglaubt, du hättest mich erledigt, was? Wusstest nicht, das die hier mächtige Heiler in der Stadt haben. Haben hier eine Akademie des Lichts! Zusammengesetzt haben sie mich, den guten alten Thrandil! So schnell kommst du mir also nicht davon.“ Er klang heiser. Erst jetzt sah Grimm den dicken Verband um seinen Hals.
Thrandil zückte ein Messer. Es war klein, doch mit breiter Klinge. Eine Erinnerung kroch durch Grimms panischen Geist. Er hatte so etwas schon einmal gesehen. In Andunie. Fischer nutzten es um Muscheln aufzuzwängen. Ayla hatte sie Austern-Messer genannt. „Ich werde mir sehr viel Zeit mit dir lassen! Wenn ich mit dir fertig bin, werde ich dich häuten und deine leere Hülle als Decke Abend zum Schlafen über mich legen! Und ich werde gut schlafen, denn ich werde eine Bestie getötet haben.“
Der Elf rückte näher. Grimm versuchte nun in Panik sich zu bewegen, doch seine Ketten hatten sich eng um ihn gelegt. Schrecken füllte seine Seele, als er Thrandil immer näher kommen sah.
„Ich fang am besten mit einem Auge an...“ Der Junge zappelte, schrie, als die Klinge sich seinem Gesicht näherte. Thrandil packte ihm am Schopf und drückte ihn unbarmherzig an die feuchte Wand. Sein Ellbogen bohrte sich in Grimms Halsbeuge.
„Halt still...!“ Kalter Stahl bohrte sich under Grimms Auge und brennend heißer Schmerz zuckte durch seine Kopf. Seine Schreie hallten durch die Dunkelheit, als Thrandil langsam seinen Augapfel herausschnitt...

„AUFWACHEN, du Bestie!“
Erneut riss Grimm die Augen auf. Sein Atem ging schnell und panisch und er brauchte eine Moment, um zu erkennen, dass er geträumt hatte. Dass er eingeschlafen war, in der einsamen Dunkelheit. Reflexartig hob er seine Hand um sein Auge zu berühren. Es war noch da! Dann ging sein Blick nach oben. Vor ihm stand ein Mann. Er hatte die Uniform der Stadtwache an. Das Gesicht lag im Schatten, dennoch hatte der Junge das Gefühl, dass er den Mann schon einmal gesehen hatte.
Weiter kam er nicht mit seinen Gedanken, denn ein schwerer Stiefel traf ihn in dem Bauch. Grimm fühlte etwas in sich knacken und reißen und Übelkeit schoss in seinem Mund. Er fiel der Wand entlang zu Boden und übergab sich. Warme, feuchte Flüssigkeit ergoss sich über seinen Bauch, hinunter zur Hüfte. Allzu schnell wich die Wärme, doch der Schmerz, der mit ihr gekommen war, blieb. Grimm keuchte, versuchte wieder zu atmen, und wurde mit heftigem Stechen in seiner Brust belohnt.
Der Mann schrie etwas. Grimm verstand es nicht, zu sehr damit beschäftigt die wenigen Säfte, die er noch besaß, in sich zu behalten. Etwas traf ihm ins Gesicht, sein Schädel schlug gegen die steinerne Wand. Heißes Blut rann über seine Lippen und er fühlte, dass seine Nase gebrochen war. Eine Hand packte ihm am Schopf und riss ihn grob nach oben.
„Schau mich an, du Tier!", schnarrte der Wachmann. Grimm blinzelte die Sterne weg, die vor seinen Augen tanzten. Eine Fackel erhellte nun das Gesicht seines Peinigers. Vier lange Narben zogen sich quer über dessen Gesicht. Eine Schramme lief knapp über seinem Auge, die nächste hatte seine Nase und Wange gespalten. Die dritte hatte die andere Seite geöffnet und die letzte Narbe hatte ein Stück seiner Unterlippe entfernt. Speichel rann aus der Mundöffnung. Das ganze Gesicht war verzerrt in eine hasserfüllte Fratze.
"Meine Frau kann mich nicht mehr ansehen! Mein Kind hat Angst vor mir! Du hast mich entstellt! Du...!“ Eine Erinnerung zuckte durch den Nebel aus Schmerzen. Dasselbe Gesicht erschien vor Grimms inneren Auge, nur nicht entstellt. Und er sah wie seine Klauen sich in die Haut gruben und er sie mit einem Ruck zur Seite zerrte. Der schmerzerfüllte Schrei, als der Wachmann von ihm wegtaumelte und sich die Hände vors Gesicht schlug. Er war der Erste gewesen, der ihn erreicht hatte, nachdem er Nick umgebracht hatte.
Schwielige Finger packten Grimm am Hals. Hass funkelte in den Augen des entstellten Wachmannes und er drückte langsam zu. Grimm öffnete den Mund, doch kein Laut kam über seine Kehle. Er versuchte die Hände zu heben, doch die Ketten sprangen an. Wieder tanzten Punkte aus Licht vor seinen Augen. Seine Lungen brannten, schrien nach Luft. Luft, die nicht kam. Kraft wich aus seinen Gliedmaßen, als sich die Dunkelheit über Grimms Geist legte. Er hing schlaff in seinen Fesseln. Wie aus großer Ferne hörte er jemanden etwas rufen, Schritte näherkommen. Dann gingen auch diese Geräusche in dem dröhnenden Rausch von Blut unter, dass seinen Kopf füllte.
Dann wurde es still...

Es war der Schmerz, der Grimm das nächste Mal aufweckte. Er war sich nicht sicher woher er kam, denn sein ganzer Körper schrie bei der kleinsten Bewegung auf. Sein Atem kam in schnellen, kurzen Zügen. Der Schädel pochte, vor allem hinten, und war feucht vom Blut. Jede Zuckung seiner Lungen ließ seine gebrochenen Rippen protestieren und sein Magen begann sich umzustülpen. Der Wolfsjunge röchelte, doch sämtlicher Inhalt, der sich hätte entleeren können, war schon längst verschwunden. Alles was blieb war Schmerz. Altbekannt, doch noch nie so stark. Thrandil hatte ihn regelmäßig geschlagen, doch nie so sehr, als dass er nicht nachher auftreten konnte. Er war ein Sadist gewesen, aber auch er wollte seine "Investition" nicht irreperabel beschädigen.
Dies war anders. Der Wachmann hatte versucht ihn umzubringen. Auf die schmerzhafteste Weise, die ihm möglich war. Warum hatte er aufgehört? Hatte man ihn gestoppt? Wieso?

Still daliegend, spähte Grimm um sich herum. Er war verlegt worden. Man hatte ihn in einen noch dunkleren Raum als den zuvor gebracht. Der Boden war leicht abschüssig und von irgendwoher konnte er das Rauschen von Wasser hören. Die Luft roch nach Kalk, Stein und Blut. Sein eigenes, wahrscheinlich.
Außerdem war Grimm nackt. Man hatte ihm sein Hose abgenommen. Die Ketten und der Maulkorb waren auch weg. Dennoch fror er nicht. Der Boden war zwar nicht warm, aber trocken. Kein Wind wehte und konnte ihm die Wärme entziehen. Und es war dunkel. Wo in der vorherigen Zelle noch ein Lichtsteifen von oben kam und eine Fackel brannte, so war nichts davon. Nur stille, alles erstickende Dunkelheit.

Langsam und vorsichtig hob Grimm seinen rechten Arm. Schmerz zuckte durch seinen gesamten Körper bei der Bewegung und für einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen. Dann jedoch biss er die Zähne zusammen. Noch langsamerer tastete er um sich. Keine Wand in der Nähe. Er grub seine Klauen in den Boden und versuchte sich vorsichtig vorwärts zu ziehen.
Sein Kopf explodierte vor Schmerzen. Ein leiser Schrei entkam seinen Lippen, als alle Muskeln seines Körpers wie in Flammen standen. Dennoch zerrte er sich vorwärts, jede Bewegung begleitend mit Grunzen und Wimmern.
Dann nach einer Weile, die ihn wie eine Ewigkeit vorkam, erreichte er eine Wand. Er zitterte wie verrückt, nicht vor Kälte, sondern vom Stress. Tränen rannen über sein Gesicht und er hatte nicht einmal die Kraft sie wegzuwischen. Er wusste nicht einmal, warum er dies tat. Er sollte einfach still liegen bleiben und darauf warten, dass die Schmerzen aufhörten. Doch liegen bleiben, hieße wieder einzuschlafen. Und das würde bedeuten, dass er Thrandil wiedersehen würde. Und das fürchtete Grimm mehr, als alle Schmerzen dieser Welt. Also kroch er weiter, der abschüssige Boden macht es einfacher, und erreichte irgendwann eine Rinne. Sie war an der tiefsten Stelle des Raumes. In der Ecke war auch ein Spalt, wahrscheinlich um seine Körperflüssigkeiten abzuleiten. Er tastete weiter und fand oben ein weiteres Loch.
Ab diesem Punkt war er komplett erschöpft. Das Zittern hatte aufgehört und er hatte nicht einmal mehr die Kraft vor Schmerz zu stöhnen. Stattdessen driftete sein Geist langsam in die, von ihm so gefürchtete, Dunkelheit...

„AUFWACHEN, du Bestie!“

Zum dritten Mal erwachte Grimm. Doch dieses Mal war er allein. Kein Thrandil, kein Wachmann um ihn zu peinigen. Nur Dunkelheit und Schmerz. Zumindest Letzteres hatte ein wenig abgenommen. Dennoch fühlte Grimm sich nicht stark genug sich aufzurichten, zumal der abschüssige Boden, ihn wahrscheinlich nur wieder nach unten zwingen würde, um nicht umzufallen.

EIn Gurgeln ertönte. Es kam von dem Loch, aus dem die Rinne entsprang. Der Junge hob den Kopf und wurde mit einem eiskalten Strahl aus Wasser belohnt, dass sich aus der Öffnung ergoss. Flüssigkeit ergoss sich über seine Körper. Dann traf ihn der Durst. In fast schon animalischer Gier, stürzte sich Grimm auf das Wasser. Nässe benetzte seine ausgesprungen Lippen, wusch das Blut von seinem Gesicht und rann hinunter in seine raue Kehle. Sein gereizter Magen protestierte, doch Grimm zwang sich alles zu schlucken, wusste er doch nicht, wann er das nächste Mal was zu trinken bekomen würde.
Dann, nach einer Weile, ebbte das Fluss ab und das Wasser entschwand nach unten durch das zweite Loch. Triefend und vor Kälte zitternd, aber wach, machte sich Grimm daran, den Rest seines Gefängnisses zu erkunden. Bald stellte er fest, dass er sich in einer kleinen Höhle befand. Türen oder andere Öffnungen gab es nicht, was nahe legte, dass man ihn in einer Art Grube geworfen hatte. Er stellte auch fest, dass das Wasser mit einer gewissen Regelmäßigkeit kam. Es war unmöglich, genaud die Zeit abzuschätzen, aber Grimms Instinkt sagte ih, dass es ein ungefähres vier Stunden-Intervall war.

Er wusste nicht, wie lange man ihn hier behalten wollte. Vielleicht wollten sie, dass er hier verrottete? Doch warum hatten sie ihn dann nicht gleich umgebracht?

So oder so, jetzt würde er keine Antworten bekommen. Also kroch Grimm wieder zur Wasserrinne und legte sich in einer gekrümmten Form davor hin, so dass sein Bauch eine Kuhle bildete. So würde ein wenig Wasser stauen können, dass er trinken konnte, wenn er aufwachte. Er presste seinen Schwanz eng an seinen Körper, um wenigstens ein bisschen wärmer zu sein. Dann, um in der stillen Dunkelheit nicht wahnsinnig zu werden oder vielleicht auch nur, weil es ihn an bessere Tage erinnerte, begann er zu summen. Es war eine simple Melodie, klein und langsam. Ein Einschlaflied, dass ihm seine Mutter vorgesungen hatte, wann immer er des Nachts Albträume gehabt hatte.
In der allumfassenden Stille hallte das Lied durch die Höhle und für einen kurzen Moment konnte Grimm sich einreden wieder zuhause zu sein. In den Armen seiner Mutter, wie sie ihn mit ihrer sanften, klaren Stimme etwas vorsang und er mit ihrem langen, goldenen Haar spielte. Tränen rannen wieder über seine Wangen, doch Grimm merkte es nicht. Er war schon eingeschlafen...
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Montag 8. Mai 2017, 18:59

„Aufwachen, mein Schatz! Ich brauch deine Hilfe. Dein Bruder hat Geburtstag und ich will einen Kuchen backen. Hilfst du mir?“
Natürlich würde Ulf seiner Mutter helfen. Er nickte eifrig, rieb sich den Schlaf aus den Augen und schwang die Beine aus dem Bett. Seine Geschwister waren schon fort und vermutlich halfen sie auf dem Feld ihrem Vater. Ulf tapste seiner Mutter hinterher, die ihn dann mit Schwung auf einen Hochstuhl setzte für den er eigentlich schon viel zu groß war. Sie lachte und küsste seine Stirn.
„Heute kannst du mir helfen, mein Großer...“
Sie breitete ein Tuch vor ihm aus und ließ Haselnüsse aus einer Schale darauf rollen. Dann deckte sie sie mit einem anderen Tuch zu und reichte Ulf einen Holzhammer.
„Jetzt immer feste drauf!“
Sie lächelte und betrachtete ihren Sohn wie er die Nüsse fleißig bearbeitete.
„...immer feste drauf.“
, hörte er sich selber summen. Seine Mutter drehte ihm den Rücken zu und widmete sich den anderen Vorbereitungen. Bald war die ganze Küche erfüllt von den herrlichsten Düften. Sie hatte nicht nur den Kuchen vorbereitet sondern auch frisches Brot gebacken. Ihre fleißigen Hände huschten mal hier mal dort hin und Ulf war glücklich wie nie.
Dann ging die Tür auf und seine Geschwister stürmten herein und fröhliche Chaos breitete sich aus. Als letzter betrat sein Vater das Haus und alle wurden ein bisschen leiser. Er sah seine Frau an und lächelte kurz, doch es war zu schmal, zu kalt und zu müde, als das der Ausdruck seine Augen hätte erreichen können. Während alle beschäftigt waren kam er zu seinem kleinen Sohn und nahm ihm den Hammer weg.
„Du machst das falsch! So!“
Die Schläge wurden härter und donnerten in Ulfs Ohren. Sein Vater grinste verzog das Gesicht, als er das Zucken seines Sohnes sah und stellte sich so, dass der Rest der Familie nur seinen Rücken sehen konnte. Seine Lippen waren zu schmalen Strichen zusammen gepresst und er flüsterte mehr zu sich selbst als zu ihm:
„...kleiner Nichtsnutz! Aber das ist bald vorbei...“
Er grinste und die Zeit schien plötzlich langsamer zu laufen. Er zog ein kleines Austernmesser aus seiner Rocktasche und setzte es an seinem linken Ohr an. Die Klinge fuhr langsam sein breites Kinn hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf, bis zur Stirn und zurück zu seinem linken Ohr. Blut tropfte auf das Tuch mit dem Nussmehrl. Die ganze Zeit lächelte er dabei und klappte dann mit einem leisen Lachen das Gesicht von Ulfs Vater wie eine Maske nach oben. Darunter kam Thrandil zum Vorschein. Sein Lachen war höhnisch und kalt und er streichelte mit der blutigen Hand den Kopf seines Jungen.
„Bald ist es vorbei, mein Sohn. Bald ist es vorbei...“
Dann setzte er sich wieder das Gesicht des Vaters auf, nahm er das Nussmehl und reichte es seiner Frau die ihn dafür sanft die blutige Wange küsste, ohne es zu merken.

Grimm erwachte in dem Bewusstsein, dass dies der Tag gewesen war, der Tag bevor sein Vater ihn verkauft hatte, der Geburtstag seines Bruders, sein letzter glücklicher Tag und er erinnerte sich. Sein Vater hatte genau diese Worte zu ihm gesagt und er hatte sie nicht verstanden. Er war noch so klein gewesen, ein Dreikäsehoch. Er hatte nicht verstanden, was bald vorbei sein sollte.
Der Traum war noch so nah, dass die Eindrücke noch nicht ganz verschwunden waren. Er roch sogar noch den Duft von frisch gebackenem Brot. Er roch es wirklich! Er fühlte den Hunger mit scharfen Krallen an seinen Magenwänden kratzen, aber der Geruch blieb da! Was war hier los? Er hatte wieder lange geschlafen, vor Müdigkeit und Erschöpfung ausgelaugt, aber hier hatte sich definitiv etwas verändert. Er hob seine Nase und witterte. Da war immernoch sein Blutgeruch allgegenwärtig, aber langsam trocknend, aber auch dieser neue Duft drang in seine verkrustete Nase. Es gelang ihm das erste Mal sich aufzusetzen, auch wenn seine Rippen protestierten und er kurz nach Luft schnappte. Dann folgte er dem Geruch, robbte auf ihn zu und fand tatsächlich ein kleines Stück Brot in der Mitte der Höhle hängen. Er hatte ein paar Minuten irritiert auf dem Boden herum getastet, bis ihm seine Nase verraten hatte, dass der Geruch über ihm war. Vorsichtig hatte er sich noch einmal aufgerichtet, die Hand nach oben gestreckt und durch die Luft gewedelt. Seine Finger berührten etwas und ein helles Glöckchen erklang, gefolgt von einem etwas weiter entfernten hohen Pfeifton. Seine Hand ergriff einen weichen Gegenstand und er löste sich aus einer unsichtbare Schlaufe. Es war ein frischer Kanten Brot, von der Größe eines Kuchenstücks und er roch köstlich. Wann hatte er das letzte Mal etwas gegessen? Seine Hände hielten schützend seine Beute als ein winziges leises Surren verriet, dass die Schur wieder hinauf gezogen wurde. Wenn er ganz angestrengt an die Decke guckte, konnte er einen einzelnen kleinen helleren Punkt wahrnehmen. Als das Surren endete, lauscht er angestrengt nach oben, doch egal wer der was dort war, es wartete und verhielt sich ruhig. Dann hörte Grimm das Rauschen des Wassers wieder kommen und glaubte oben noch kurz Schritte zu hören. Dann war nichts mehr zu hören außer das Rauschen, dass durch sein Gefängnis sprudelte. So schnell er konnte rollte er sich zu der Rinne um noch etwas zu Trinken zu bekommen. Dann war es wieder still um ihn.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Dienstag 9. Mai 2017, 19:05

„Aufwachen, mein Schatz! Ich brauch deine Hilfe. Dein Bruder hat Geburtstag und ich will einen Kuchen backen. Hilfst du mir?“
Ulf schlug die Augen auf und blickte in das vertraute Gesicht seiner Mutter. Sieglinde Böckner lächelte ihn an, während die Morgenstrahlen in ihrem blonden Haar tanzten. Eifrig nickte er und sprang aus dem Bett. Stimmt ja, heute hatte Friederich Geburtstag. Und ein wichtiger noch dazu! Mit sechzehn Jahren würde er nun offiziel einer der Großen sein und das musste gefeiert werden. Die Familie hatte extra dafür Zutaten aufgespart, damit es etwas Besonderes wurde.
Die anderen waren schon auf und aus dem Haus. Ulf wusste, dass sie Vater auf dem Feld halfen. Natürlich wollte er auch dort helfen, doch Vater sagte immer er würde nur im Weg stehen. Deswegen half er Mama im Haus. War im auch lieber so.
Die Kochstube war gleich nebenan, wie so ziemlich alles in ihrer kleinen Hütte, und dort angekommen, griff Mama ihm unter die Arme und hebte ihn mit Schwung in den Hochstuhl. Eigentlich war er ja schon zu groß dafür, schließlich war er schon sechs, aber Mama freute es immer, ihn dort sitzen zu sehen, deshalb sagte er nichts. Sie lachte und pflanzte ihn einen Kuss auf die Stirn. Ulf lächelte fröhlich. Er würde alles tun um sie glücklich zu machen!
„Heute kannst du mir helfen, mein Großer...“ Mama bereitete alles für das Nussmehl vor, mit zwei Tüchern, einem Holzhammer und einer Menge Nüsse. Ulf kannte den Ablauf und nickte als sie das Startzeichen gab. Mit großen Enthusiasmus hämmerte er los. Sieglinde lächelte angesichts ihres jungen Sohnes und machte sich ans Backen. Bald füllte der himmlische Duft von Brot den Raum.

So ging es eine ganze Weile. Dann, nachdem Ulf schon mit der Hälfte der Nüsse fertig war, ging die Tür auf und der Rest der Familie trat ein. Friederich war der Erste, groß gewachsen mit Sommersprossen und blonden Haar, sein Gesicht leuchtend vor Vorfreude. Dann kam Margarete, ihre schwarzen Haare hochgesteckt, so dass sie ihr nicht ins Gesicht fielen, mit einem Korb voll Beeren im Arm. Ludwig versuchte an ihrem Arm vorbei ein paar zu stibitzen und erntete einen Klaps auf seinen schwarzhaarigen Hinterkopf. Sofort brach freudiges Chaos aus, als die Geschwister in die Stube kamen und sich sofort am Backen beteiligten oder, Ludwigs Falle, versuchten schon vorneweg was zu naschen.
Das Gebrabbel wurde sichtlich leiser als Wulfhard, der Herr des Hauses und ihr aller Vater, eintrat. Er war ein großer, stämmiger Mann. Sein rabenschwarzes Haar hing ihm schweißverklebt ins Gesicht. Er hatte ein dichten Bart, der dennoch die Müdigkeit und Erschöpfung in seiner Mimik nicht verdecken konnte. Ein kurzes, in Ulfs Augen merkwürdig kaltes, Lächeln glitt über seine Züge, als er seine Frau anguckte. Als sein Blick aber zu Ulf wanderte, verschwand jedwede Freude. Der kleine Junge schluckte. Er wollte es nicht zugeben, doch er hatte Angst vor Vater. Er war streng und wurde häufig laut. Ulf wusste nicht wie er früher gewesen war, aber Margarete hat ihm mal geflüstert, dass vor Ulfs Geburt viel freundlicher gewesen war.
Ob das nun die Wahrheit war oder nicht, eins wusste Ulf. Sein Vater war zu ihm besonders streng. Nun kam er ihm entgegen, und sein Ausdruck war kalt und steinern. „Du machst das falsch! So!“ Sein Vater riss ihm den Hammer aus der Hand und ließ ihn donnernd auf die Nüsser niederfahren. Der Lärm war ohrenbetäubend und Ulf musste sich seine schmerzenden Ohren zuhalten. Die anderen schien es nicht zu stören, nicht einmal seine Mutter, die vor sich hin summte.
Sein Vater stellte sich nun zwischen Ulf und den Rest der Familie, versperrte den Blick. Sein Gesicht war angespannt, fast schon verzerrt und der flüsterte: „...kleiner Nichtsnutz! Aber das ist bald vorbei...“

Ein grausiger Schauer lief über Ulfs Rücken. Das Donnern des Hammers erfüllte nun den ganzen Raum, hallte wie eine Turmglocke. Alles wurde langsamer, die Bewegungen von Ulfs Familie glitten durch die Luft wie durch Syrup. Sein Vater fing an zu grinsen, breit und gehässig. Aus seiner Tasche zog er ein Austernmesser hervor. Er setzte die Klinge an sein linkes Ohr an, bohrte sie unter die Haut, ungeachtet des Blutes, das hervorströmte. In einer qualvoll langsamen Bewegung ließ er das Messer nach unten gleiten, schnitt unter sein breites Kinn, die rechte Wange hinauf, über die Stirn, bis er wieder am Ohr angekommen war. Dicke Blutstropfen fielen auf das Nussmehl hinunter, tränkten es. Dann griff Wulfhard unter den losgelösten Hautlappen und riss sein Gesicht wie eine feuchte Maske nach oben. Blut traf Ulf bei der plötzlichen Bewegung und ihn Schockstarre blickte er Thrandil entgegen, seine Züge klar erkennbar im Muskelfleisch seines Vaters. Sein kaltes, höhnisches Lachen erfüllte den Raum und Ulf fühlte ein blutverschmierte Hand seinen Kopf streicheln.
„Bald ist es vorbei, mein Sohn. Bald ist es vorbei...“
Die Maske klappte runter und sein Vater ging rüber zu seiner Mutter. Sieglinde nahm das bluttriefende Mehl entgegen und küsste seine labbrige, immer noch tropfende Wange. Grimm schrie...

...und wachte auf. Die nun gut bekannte Dunkelheit umhüllte ihn und er war wieder zurück in seinem Gefängnis. Sein Atem ging rasselnd und sein Herz pochte wie wild. Die Schmerzen, die sich von seinen Rippen meldeten, erinnerten ihn daran, dass er wieder in wirklichen Welt war. Dass er nur geträumt hatte.
Er erinnerte sich. Dass war sein letzter Tag gewesen. Am nächsten Morgen waren die Tänzer vorbeigekommen und sein Vater hatte ihn an Thrandil verkauft. Der Geburtstag seines Bruder war der letzte glückliche Tag in seinem Leben gewesen. Er hatte sich immer gefragt, ob er etwas hätte daran ändern können. Vielleicht, wenn er nicht so häufig krank gewesen wäre, oder an seinen besseren Tagen sich mehr angestrengt hätte, dann hätte sein Vater ihn womöglich nicht an eine Gruppe Kinderschänder übergeben. Im Nachhinein wusste er, dass das Zeitverschwendung war. Aus irgendeinem Grund hatten die Götter es für nötig gehalten ihn mit einem kränklichen Körper zu strafen und nichts hätte das ändern können. Ironischerweise hatte erst seine Verwandlung in einem Hybriden dem ein Ende bereitet, nur um es mit einer anderen, perfideren Qual zu ersetzen. Der Tatsache, dass er nun kein Mensch mehr war. Eine Bestie, ein Monster.

Der Duft von Brot war ihm von seinem Traum gefolgt. Wie auf Kommando zog sich Grimms Magen zusammen, an der Vorstellung von Essen. Er stöhnte vor Schmerz, als der Hunger sich mit aller Macht bemerkbar machte. Wann hatte er das letzte Mal etwas gegessen? Er wusste es nicht, aber der Schmerz sagt ihm, dass es zu lange her war. Er schüttelte vorsichtig den Kopf um die letzten Reste seines Traumes zu vertreiben, doch der Geruch blieb störrisch in seiner Nase.
Grimm hielt inne. Das war keine Einbildung! Sein geschundenes Riechorgan nahm tatsächlich den Duft von etwas Essbarem auf! Mit einem Mal kamen seine Lebensgeister wieder. Mit einem Ruck, gefolgt von einem weiteren Schmerzenschrei wegen der Rippen, setzte er sich auf. Der Geruch kam von der Mitte der Höhle. Vorsichtig kroch er dorthin und tastete den Boden ab. Dort fand er nichts und Enttäuschung machte sich breit. Doch sein Magen machte klar, dass er sich gleich selbst verschlingen würde, wenn er nicht etwas zu tun bekam, also suchte Grimm weiter. Bald erkannte er, dass der Geruch von weiter oben kam und tatsächlich! Seine Hände streiften etwas in der Dunkelheit. Hastig griff er zu und etwas Weiches fiel ihm entgegen. Dabei berührte er auch eine Klingel, desses Klirren kurz darauf von einem hellen Pfeifen begleitet wurde.
Grimm wollte schon gierig das Bort verschlingen, als seine Augen über ihm einen entfernten Lichtschein fanden. Er konnte nicht viel erkennen, doch er meinte eine Schnur zu sehen, die hastig nach oben gezogen wurde. Man hatte ihm also Essen gebracht. Das hieß wohl, dass er nicht verhungern sollte. Eine Erleichterung, auch wenn es weitere Fragen aufwarf. Warum hier in diesem Loch? Und was erhofften sie sich genau? Hatten sie Angst vor ihm oder war diese Höhle zu seiner Sicherheit? Und wieder keine Antworten.

Grimm entschloss sich die Probleme anzugehen, die er lösen konnte. Was auch immer die Stadtwache mit ihm vorhatte, er konnte nichts daran ändern. Seinen Hunger stillen konnte er allerdings. Den ersten Bissen nahm er noch vorsichtig. Sobald jedoch die ersten Brotkrumen seine Zunge erreichten, erwachte etwas in ihm. Mit einem lauten Knurren und Schmatzen stopfte er sich den Rest seiner Mahlzeit in seinen Rachen. Er hatte Hunger, so viel Hunger! Im Nu war das Brot verschwunden, doch er war immer noch hungrig. Ein Teil von ihm wusste, dass dies erst einmal ausreichen würde, um ihn am Leben zu halten, doch das Tier kümmerte es nicht. Es wollte immer noch fressen! Ein wütendes, verzweifeltes Knurren und Jaulen erfüllte die Höhle.

Das Rauschen von Wasser riss Grimm aus seinem Anfall. So schnell und vorsichtig er konnte, robbte er wieder zur Rinne, just als das Wasser wieder zu sprudeln anfing. Hastig nahm er ein paar Schlucke, dann versuchte er mehr von dem Nass aufzuhalten, mit seinem Körper, bevor es abfloss. Er schaffte es eine kleine Pfütze in seinem Schoß zu retten.
Er war wach und wollte auch nicht allzu schnell wieder in Land der Albträume zurückkehren. Aber dies würde unvermeidlich sein, wenn er sich nicht beschäftigen konnte. Aber sein Körper verbat es ihm, die Zeit mit irgendwelchen anstrengenden Tätigekeiten totzuschlagen und Grimm wusste auch, dass er sich sowas nicht leisten konnte. Wer wusste schon, wann er das nächste Mal etwas zu essen bekommen würde? Er musste jegliche Energie, die er noch hatte, bei sich behalten. Also widmete er sich dem Einzigen was er noch tun konnte. Seine Verletzungen zu richten.
Für seine Rippen konnte er nicht viel tun und er wusste nicht, was sonst noch kaputt war. Obwohl er abgeebbt war, war der Schmerz noch immer allgegenwärtig. Also kümmerte er sich um sein Gesicht. Vorsichtiges Tasten verriet ihm, dass seine Nase in der Tat gebrochen war. Der Schlag der Wache hatte den Knorpel gebrochen und nun war sie zur Seite gebogen. Grimm atmete tief ein und aus. Er zögerte vor dem was getan werden musste. Doch er wusste, er musste es hinter sich bringen, wollte er nicht, dass seine Knochen falsch zusammenwuchsen. Er versuchte sich an das zu erinnern was Ayla ihn über Heilung erzählt und an ihm demonstrierte hatte, wenn Thrandil mal wieder es übertrieben hatte.
Er setzte beide Handflächen an seine Nase, biss die Zähne zusammen, und rückte sie mit einer kraftvollen Bewegung gerade. Schmerz schoss durch seinen Kopf und ein leiser Schrei hallte durch die Höhle. Er fühlte wie frisches Blut seine Lippen benetzte. Rasch tauchte er seine Hände ins Wasser und begann, mit leisen schmerzerfüllten Keuchen, sich das Gesicht zu waschen. Er wusste nicht wie erfolgreich er damit war, aber nach einer Weile konnte er kein Blut mehr schmecken, wenn er mit seiner Zunge über die Lippen fuhr.

Danach nutzte er den kümmerlichen Rest des Wassers um seinen blutigen Hinterkopf zu reinigen, wobei er darauf achtete, nichts richtig anzufassen. Er fürchtete, das etwas an seinem Schädel kaputt sein könnte und traute sich nicht zu, dagegen etwas tun zu können. Stattdessen wusch er nur das Blut heraus und ließ das schmutzige Wasser abfließen.
Mit puckernder Nase lehnte er sich gegen die steinernde Wand und versuchte durch den Mund zu atmen. Mehr konnte er nicht tun. Was auch immer seiner Kerkermeister vorhatten, er konnte nur auf sie warten. Und hoffen, dass sie es tun würden, bevor er wieder einschlafen würde...
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Dienstag 9. Mai 2017, 20:25

Nachdem er endlich etwas gegessen hatte, widmete sich Grimm dem Einzigen was er noch tun konnte. Seine Verletzungen zu richten. Für seine Rippen konnte er nicht viel tun und der Tritt in den Magen, den er von dem Wächter bekommen hatte, drückte nach der spärlichen Mahlzeit erneut schmerzhaft. Doch dagegen konnte er auch nichts tun. Obwohl insgesamt weniger, war der Schmerz noch immer allgegenwärtig. Also kümmerte er sich um sein Gesicht. Vorsichtiges Tasten verriet ihm, dass seine Nase in der Tat gebrochen war. Der Schlag der Wache hatte den Knorpel gebrochen und nun war sie unnatürlich zur Seite gebogen. Grimm atmete tief ein und aus. Er zögerte vor dem was getan werden musste. Doch er wusste, er musste es hinter sich bringen, wollte er nicht, dass seine Knochen falsch zusammenwuchsen und er wohl möglich für immer sein Riechsensor verlor. Er versuchte sich an das zu erinnern was Ayla ihn über Heilung erzählt und an ihm demonstrierte hatte, wenn Thrandil mal wieder es übertrieben hatte.
Er setzte beide Handflächen an seine Nase, biss die Zähne zusammen, und rückte sie mit einer kraftvollen Bewegung gerade. Schmerz schoss durch seinen Kopf und ein leiser Schrei hallte durch die Höhle. Fast wäre er ohnmächtig geworden, aber er wahr in den zehn Jahren der Qualen härter geworden und hielt es tapfer aus. Er fühlte wie frisches Blut seine Lippen benetzte. Rasch tauchte er seine Hände ins Wasser und begann, mit leisen schmerzerfüllten Keuchen, sich das Gesicht zu waschen. Die Kälte tat gut. Er wusste nicht wie erfolgreich er damit war, aber nach einer Weile konnte er kein Blut mehr schmecken, wenn er mit seiner Zunge über die Lippen fuhr.
Danach nutzte er den kümmerlichen Rest des Wassers um seinen blutigen Hinterkopf zu reinigen, wobei er darauf achtete, nichts richtig anzufassen. Die Wunde am Hinterkopf war deutlich größer als er zuerst vielleicht vermutet hatte. Er fürchtete, das etwas an seinem Schädel kaputt sein könnte und traute sich nicht zu, dagegen etwas tun zu können. Stattdessen wusch er nur vorsichtig das Blut aus seinem Haar und ließ das schmutzige Wasser abfließen.
Mit puckernder Nase lehnte er sich gegen die steinerne Wand und versuchte durch den Mund zu atmen. Die Kälte der Wand war auch hier angenehm, aber er musste vorsichtig sein, wie er den Kopf gegen den Fels lehnte. Der Druck tat zwar weh aber auch irgendwie gut. Mehr konnte er nicht tun. Was auch immer seiner Kerkermeister vorhatten, er konnte nur auf sie warten. Und hoffen, dass sie es tun würden, bevor er wieder einschlafen würde.

Und wieder war die Zeit sein Feind. Das einzige an dem sich Grimm gerade orientieren konnte, das einzige was ihm tatsächlich bestätigte, dass die Zeit wirklich verrann, wirklich voran schritt, war dass stetige Pochen in seiner Nase. Der Schmerz war sein einziger Verbündeter, der ihn nicht wahnsinnig werden ließ in der Dunkelheit. Stunden vergingen und der Druck in seinem Magen ließ auch wieder nach um neuen Platz für das Hungertier in ihm zu machen, dass seine Krallen in seine Schleimhäute krallte. Hunger – Auch hier war Thrandil ein grausamer Herr gewesen, aber er hatte ihn nicht verhungern lassen, fast nicht. Unterernährt war Grimm allemal und daran hatte auch seine Verwandlung nichts ändern können. Sein veränderte Metabolismus verlangte nach mehr als nur einem Kanten Brot.

Thrandil trat ihn gegen seine Beine und Grimm schreckte auf.
„AUFWACHEN, es gibt Fressen!... Ach nein, nicht für dich! HAHAHahahaha...“
Sein Herr ging an ihm vorüber und setzte sich zu den Anderen, während Grimm angekettet unter dem Vordach einer der Wagen gelegen hatte. Fast die ganze letzte Nacht hatte er schlaflos im Mondlicht gebadet. Er war müde und irgendwie spannte seine Haut unter dem Fell auf seiner Wirbelsäule. Die Schausteller hatten sich auf einer kleinen Lichtung versammelt und Nick hatte sogar erfolgreich ein paar Fallen ausgelegt. Über einem kleinen Feuer drehten sich drei dicke kleine Kaninchen und der letzte Rest Hammel von der Woche zuvor. Die Mädchen hatten ein paar Wurzeln und Pilze gesammelt und Baubeeren standen in einer Schale auf dem Baumstumpf der als Tisch diente. Grimms Magen knurrte. Marth beugte sich gerade Über den Braten und goss etwas darüber als der Wind drehte und eine köstliche Komposition aus knusprigem Fleisch und Waldkräutern in seine Nase wehte. Rosmarin war die Hauptnote und kitzelte köstlich in seiner Nase.

HUNGER!
Plötzlich blendete Grimm etwas durch seine geschlossenen Augenlider und er hob schützend den Arm. Seine Rippen protestierten immernoch, aber das Atmen war wieder etwas leichter geworden. Nach der langen Dunkelheit waren seine Augen vollkommen überreizt und brannten sofort, als hätte man Sand hinein gestreut. Vorsichtig blinzelte er zwischen zwei Fingern dem Licht entgegen und konnte nur einen unscharfen dunklen Punkt in der gleißenden Helligkeit ausmachen, der langsam zu ihm hinab schwebte. Instinktiv wich er so weit es ging an eine Wand zurück und beobachte was passierte. Die Hand konnte er nicht herunter nehmen, deshalb sah er nur wenig, aber konnte erahnen, dass vermutlich eine Laterne an einem Seil herunter gelassen wurde unter der einige Meter darunter ein Korb schaukelte. Ein zweites Seil war am Boden des Korbs befestigt und als er fast den Boden erreicht hatte, verkürzte sich das zweite Seil und kippte den Korb aus. Ein Glöckchen erklang und etwas fiel auf den Fels und Grimm roch Fleisch und tatsächlich Rosmarin. Die ganze Konstruktion wurde wieder nach oben gezogen und als Grimm sich das Fleisch griff, erklang wieder der hohe Pfeifton. Der Korb verschwand samt Licht und über Grimm wurde die leuchtende Öffnung wieder verschlossen.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Mittwoch 10. Mai 2017, 21:10

Isolation und Langeweile produzieren eine ganz besondere Art von Wahnsinn. Stunden, Minuten, Sekunden. Alles zog sich dahin in gleicher Länge, wie Syrup, durch die Dunkelheit. Grimm starrte durch die gähnende Leere, verzweifelt mit dem Gedanken spielend sich zu bewegen, zu laufen, irgendetwas zu tun, dass ihm davon abhalten würde seinen umherirrenden Gedanken nachzugeben. Der Schmerz stellte sich ausnahmsweise mal als hilfreich heraus. Seine Rippen verbaten es ihm, seine Energie sinnlos zu verschwenden und seine puckernde Nase half ihm sich auf etwas anderes zu fokussieren, als seine Ängste.
Dann war da noch der Hunger. Der Brotkanten hatte nicht viel geholfen, das krampfende Gefühl im Magen zu stillen. Im Gegenteil, es schien nun nur noch schlimmer zu werden. Jetzt, wo sein Körper sich daran erinnerte, wie es war zu essen, schrie es lauthals danach, wieder etwas zu sich zu nehmen. Ein Verlangen, das Grimm nicht stillen konnte. Und mit jeder Stunde wurde der Hunger schlimmer. Und je schlimmer er wurde, so heftiger rührte sich das Biest in ihm. Er merket schon, wie er vor sich ihn knurrte, ohne es zu merken. Wie Speichel aus seinem Mund lief, bevor er ihn erschrocken herunterschluckte. Er fühlte, wie er die Kontrolle verlor. Wie das Tier in ihm begann die Kontrolle zu übernehmen. Seinen Geist beiseite schob, in einem verzweifelten Versuch den Körper am Leben zu halten und nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Grimm hielt sich den Kopf und schüttelte ihn heftig, völlig bewusst der Schmerz, die das brachte. Schmerz war in Ordnung. Schmerz hielt ihn zusammen, verhinderte, dass seinen Albträumen und dem Tier zum Opfer fiel...

Ein grober Tritt traf seine Beine und Grimm schreckte auf. Thrandil guckte auf ihn runter, seine Maske hochgezogen.
„AUFWACHEN, es gibt Fressen!... Ach nein, nicht für dich! HAHAHahahaha...“
Sein Herr kicherte höhnisch, lief an ihm vorbei und setzte sich zu den Anderen ans Feuer. Sie hatten auf einer Lichtung im Arus Halt gemacht. Sie waren gerade auf den Weg zu einer Stadt namens Dessaria und die Nacht hatte sie ihm riesigen Wald überrascht. Nick hatte ein paar Fallen ausgelegt und auch tatsächlich etwas gefangen. Nun rösteten drei Kaninchen über dem Feuer. Etwas Hammel von letzter Woche war auch drauf.
Grimm war unter dem Vordach von Thrandils Wagen angekettet. Er lag an einer Stelle, wo der Mond auf ihn scheinte, und hatte den weißen Himmelskörper beobachtet. Nun klebten seine Augen an dem Fleisch, dass sich brutzelnd über den Flammen drehte. Die Mädels hatten es mit Pilzen und Wildkräutern verfeinert. Ana hatte Blaubeeren gesammelt, die nun in einer Schale auf dem Baumstumpf lagen, der nun als Tisch diente. Grimm schaute sehnsüchtig auf die Mahlzeit, die er nie bekommen würde, während ihr Duft seine Nase kitzelte und seinen Bauch knurren ließ. Mart goss eine Soße über den Hammel. Es roch nach Rosmarin...

Magenknurren schreckten Grimm aus seinem Halbschlaf wieder auf. Er blinzelte kurz und stöhnte laut auf, als gleißend helles Licht seine Augen blendete. Rasch hob er den Arm, um sich abzuschirmen. Schmerz zuckte wieder durch seine Brust, aber es war nicht mehr so scharf. Eher dumpf.
Seine Augen tränten nach den Stunden - nein, Tagen in der Dunkelheit angesichts des plötzlichen Lichts. Mit Händen vor dem Gesicht wich er an die Wand zurück, leise fiepend. Der Hunger malträtierte ihn nun so sehr, das in diesem Moment nicht wirklich sagen konnte ob das von ihm oder dem Tier kam. Er konnte, an den Fingern vorbei, einen dunklen Punkt ausmachen, der sich von oben langsam näherte. Etwas sagte ihm, dass das Licht wahrscheinlich von einer Laterne kam. Nach einer Weile konnte er auch grob die Umrisse des Gegenstandes darunter ausmachen. Ein Korb.
Als er fast am Boden angekommen war, wurde ein zweites Seil gezogen, dass an unteren Ende des Korb befestigt war, und kippte ihn aus. Etwas fiel auf den Boden, etwas feuchtes. Der Geruch von Fleisch und Rosmarin traf Grimms Nase.

Wie wild stürzte er sich auf die Mahlzeit. Ohne Rücksicht oder Scham rissen seine Zähne das Fleisch auseinander, als sowohl Tier als auch Junge sich über die lang ersehnte Mahlzeit her machten. Fett tropfte von seinem Kinn, nur um von seiner Zunge aufgeschleckt zu werden und lautes Schmatzen erfüllte die Höhle. Er hatte Hunger. Sooo großen Hunger! Fleisch. Fressen, endlich.

Über sich hörte Grimm eine Klingel läuten und einen hohen Pfeiton. Dann wurde die Klappe geschlossen und Dunkelheit umhüllte ihn. Doch den Hybriden kümmerte das nicht. Er wollte einfach nur fressen. Einen Wahnsinn loswerden...
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Samstag 13. Mai 2017, 09:33

Stille...
Klingel – Fressen – Pfeifton...
Stille...
Trinken...
Schlafen...
Träumen...
Stille...
Klingel – Fressen – Pfeifton...
Stille...
Trinken...
Schlafen...
Träumen...
Irgendwie konnte man den Eindruck gewinnen, das ganze würde sich wiederholen.

„Schläft er oder ist er tot?“
„Keine Ahnung, tritt ihn mal!“
„Wieso ich?“
„Weil du deine Beine nicht so dringend brauchst wie ich!“
„Was?? Du spinnst doch!“
„Ich bin Artist.“
„Und was bin ich?“
„Hübsch anzusehen?“
„Ich bin Tänzerin, verdammt noch mal! Ich werde bestimmt nicht das Mistvieh treten und riskieren, dass er mir in die Beine beißt! Außerdem sollst du ihn doch wecken! Ich bin nur zur Unterstützung mitgekommen!“
„Memme!“
„Feigling!“
„Ich habs!“
„Hä?“
„Wir brauchen einen Maulkorb für ihn!“
„AUFWACHEN, du Bestie!“
Die Stimme riss an seinen Nerven und explodierte schmerzhaft in seinem Kopf. Grimm riss die Augen auf und …

...war wieder allein! Sein Gesicht fühlte sich seltsam an. Es war irgendwie anders... etwas fehlte!
Das jahrelange Tragen des verhassten Maulkorbs hatte sein Haar an bestimmten Stellen, wo die Gurte eng saßen, nicht richtig wachsen lassen. Deshalb sah er auch so wild aus um den Kopf. Die Haut auf seinen Wangen, dort wo das Metall aufgelegen hatte, hatte mit der Zeit Schwielen bekommen und fing nun an zu jucken. Auch die Wunde am Hinterkopf juckte. Die Nase tat nur noch weh, wenn er atmete, dafür schmerzten die Rippen nur noch wenn es saß, lag oder stand. Laufen war noch immer zu anstrengend. Auf allen Vieren durch die Höhle zu krabbeln war tatsächlich am angenehmsten. Irgendwie hatte Grimm auch jegliches Zeitgefühl verloren und der Schmerz, der ihn bisher im Hier und jetzt gehalten hatte, begann sich langsam zu verflüchtigen. Es ging ihm besser.

Grimm ist verletzt.
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Aber was würde werden, wenn er nicht mehr hatte um sich selbst zu spüren? Was wenn er sich in dieser Dunkelheit und ihren immer wiederkehrenden Ritualen verirren würde?

Stille...
Klingel – Fressen – Pfeifton...
Stille...
Trinken...
Schlafen...
Träumen...

Ayla beugte sich über ihn und flüsterte:
„Aufwachen, Grimm! Du bist bald dran und musst dich noch umziehen.“
, sanft zog ihre Stimme in aus dem Reich der Träume. Es war schon dunkel und die Tage waren kurz und die Nächte lang und kalt geworden. Grimm schlief fast immer den ganzen Vormittag und am Abend gab er Vorstellungen zur Belustigung der Dorfbewohner. Er erhob sich, streckte sich und Ayla lächelte kurz und ging dann eilig weg. Er sah ihr nach und roch den Eintopf, den sie ihm dagelassen hatte, bevor er ihn sah. Schnell schlag er die kleine Mahlzeit hinunter und streifte sich dann den Maulkorb über. Dann kam auch schon Thrandil um die Ecke des Wagens.
„Schau mal, was ich hier für dich hab!“
Er grinste und holte hinter seinem Rücken ein Bündel hervor, dass er entrollte und hielt dann ein Wolfsfell in die Höhe.
„Hübsch oder?!“
Grimm wurde leicht übel. Gestern Nacht hatte er die Wölfe gehört. Sie hatten die Schausteller eine Weile im Wald verborgen vor ihren blicken begleitet. Doch er hatte einen von ihnen gesehen. Wild, frei und wunderschön hatte er ausgesehen. Sein Fell war geprägt von warmen Braun- und kühlen Grautönen. Ihr Blick hatte sich für einen langen Atemzug ineinander verfangen. Seine goldenen Augen hatten Grimm tief in die Seele geschaut. Der Wolf hatte ihn erkannt. Sie hatten ihn in den frühen Morgenstunden in den Schlaf gesunden und er hatte so gut geschlafen wie noch nie.
„Das hier wirst du von jetzt an bei allen Vorstellungen tragen. Ist doch passend, oder? Ein Fell für eine Bestie! HA!“
Damit warf Thrandil ihm das Fell zu und Grimm erkannte es wieder. Kalt lief es ihm den Rücken hinunter. Er hielt die Haut des Wolfes in den Händen, der für ihn den Mond an gesungen hatte.

Stille...
Klingel – Fressen – Pfeifton...
Stille...
Trinken...
Schlafen...
Träumen...

Waren schon Tage vergangen oder nur Stunden? War er schon Monate hier?
Was am Anfang für ihn nicht wichtig gewesen war, wurde nun langsam zum Inhalt seines Lebens. Er erinnerte sich nur wage an das erste Mal, als er das saftige Fleisch in Fetzen gerissen hatte, es gierig herunter geschlungen und den sanften Duft nach Rosmarin in der Nase gehabt hatte. Damals war ihm alles egal gewesen. Damals hatte es ihn nicht gekümmert was um ihn herum vor ging, doch heute...
Wenn das Glöckchen erklang lief ihm unwillkürlich das Wasser im Mund zusammen und er begab sich zur Mitte der Höhle. Der Korb wurde herunter gelassen und er nahm sich brav sein Futter. Irgendwann hatte er einmal versucht an dem Seil zu ziehen, an ihm hinauf zu klettern oder es herunter zu reißen, oder denjenigen, der dort oben war und ihn versorgte. Die Folge war gewesen, dass er lange Zeit nichts zu Essen bekam und der Hunger ihn wieder gefügig machte. Gutes Verhalten wurde belohnt, schlechtes bestraft, so war das nun mal. Obwohl die Strafen deutlich weniger schmerzhaft waren wie bei einst Thrandil. Meistens war es das Aufblenden der Laterne, dass ihn geblendet in eine Ecke der Höhle zurück weichen ließ, oder eben längere Hungerzeiten. Es gab keine Schläge mehr, keinen Hohn, niemanden der ihn auslachte. Es gab nur die Stille und sein Tier, das Stunde für Stunde, Tag für Tag stärker wurde und in seinen Träumen ihm näher kam.

(Hintergrundmusik)

Leises ätherales Heulen, fern von seinen Sinnen und doch ganz nah an seiner Seele erklang immer häufiger in seinen Träumen. Es rief ihn, lockte ihn sich ihm anzuschließen, dem Wolf. Da waren immernoch all die furchtbaren Gedanken und Erinnerungen, die Grimms Unterbewusstsein quälten, doch manchmal brach der Wolf sich Bahn und übernahm die Kontrolle. Dann war es anderes, dann war er frei!
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Weite Steppen flogen unter seinen kraftvollen Sprüngen dahin, dunkle Wälder waren sein Zuhause, schützten ihn, boten ihm Geborgenheit. Die Welt war sein Revier. Das Licht der Nacht war sein Mantel, der Mondschein sein Fell. Der Wind trug seinen Atem, die Luft sein Heulen, dass die seinen zu sich rief. Er war nicht allein!
Er war nicht allein! Der Mond war voll und er war nicht allein!
-

Grimm erwachte wieder einmal, aber dieses Mal hörte er ein fernes Heulen. War es Einbildung? War er wahnsinnig geworden? Brach nun doch das Tier in ihm durch? Es verklang im Rauschen des nahenden Wassers. Nachdenklich betrachtete Grimm seine Umwelt. Man hatte ihm inzwischen eine Decke und eine Holzschale zugestanden, in der er Wasser sammeln konnte. Seine kleine Welt hatte etwas an Komfort gewonnen. Noch immer schwieg er und auch die Wesen die über ihm lebten schwiegen. Sie versorgten ihn, gut sogar. Er wahr gut genährt, die Wunden fast verheilt.

Grimm ist leicht verletzt.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Dienstag 16. Mai 2017, 18:51

Die Tage flossen dahin. Stunden verwelkten wie das Blatt in der dunklen Zeit und Gedanken, Geister und Träume glitten durch die endlose Dunkelheit. Grimm lag auf dem steineren Boden seiner Zelle, stumm und regungslos. Seine Augen waren offen und doch sahen sie nichts. Der Schmerz verließ allmählich seinen Körper. Furcht packte sein Herz bei dem Gedanken. Der Wolf wollte springen, laufen, jagen. Er konnte nicht und seine Unruhe und Wut zersetzen Grimms Gedanken wie Gift. Die Furcht sich zu verlieren, fügte dem noch eine eigene, bitterkalte Note hinzu und ließ den Jungen in einen Mahlstrom aus widersprechenden Gefühlen, Instinkten und Albträumen zurück.

Mal kroch er durch die Höhle, knurren und jaulend, mehr ein Tier als irgendetwas anderes. Danach lag er gelähmt in der Ecke, mit Schrecken den nächsten Anfall erwartend. Oder die Albträume.
Sie kamen jetzt immer wieder. Er wusste nicht einmal, ob er schlief, wenn sie ihn besuchten. Er kannte den Unterschied nicht mehr. Wachte er? Oder war dies nur ein Albtraum? War er in Wirklichkeit noch bei Thrandil und den Tänzern und diese anhaltende Dunkelheit war der Traum? Und die Stille und die Klingel und das Essen und das Pfeifen und die Stille...

„Schläft er oder ist er tot?“
„Keine Ahnung, tritt ihn mal!“
„Wieso ich?“
„Weil du deine Beine nicht so dringend brauchst wie ich!“
„Was?? Du spinnst doch!“
„Ich bin Artist.“
„Und was bin ich?“
„Hübsch anzusehen?“


Grimm konnte sie hören. Salazara und Nick. Oder war es Nack? Nein, nur Nick verwendete Olivenöl. Der Geruch unverkennbar. Er schmierte es sich immer ins Haar, um es geschmeidig zu halten und bei Vorstellungen ölten er und sein Bruder sich auch die Körper ein, so dass im Licht der Flammen glänzten. Sie schleppten immer ein paar Mädchen danach ins Zelt.
Salazara kam aus Sarma. Sie hatte dunkelbraune Haut und war die wohl exotischste unter den vier Tänzerinnen. Sie kam immer gegen Nacht auf die Bühne, wenn die Kinder langsam ins Bett gebracht wurden. Grimm hatte es nie wirklich verstanden, aber Ayla hatte ihm erklärt, dass den erwachsenen Männern das Hüftenwiegen und Bauchkrümmen gefiel. Er musste zugeben, dass sie sich ziemlich verbiegen konnte.
Beide fürchteten sich vor ihn...

„Ich bin Tänzerin, verdammt noch mal! Ich werde bestimmt nicht das Mistvieh treten und riskieren, dass er mir in die Beine beißt! Außerdem sollst du ihn doch wecken! Ich bin nur zur Unterstützung mitgekommen!“
„Memme!“
„Feigling!“
„Ich habs!“
„Hä?“
„Wir brauchen einen Maulkorb für ihn!“
„AUFWACHEN, du Bestie!“


Dunkelheit. Er war wieder wach. Oder schlief. Wer wusste es schon...
Vorsichtig strich er über seine Wangen. Schwielen hatten sich dort und an den Seiten seines Kopfes gebildet, seit sie Maulkorb dort vor vielen Jahren angebracht hatten. Sie hatten zuerst einen für einen Bauersköter verwendet, der schäbig und dreckig gewesen war. Nachdem sich Grimm aber einmal fast an Wundbrand erkrankt worden war, weil Dreck in die aufgeschürfte Haut geraten war, hatte Ayla Thrandil davon überzeugt einen neuen anfertigen zu lassen. Der hatte besser gepasst, obwohl sie ihn immer noch zu eng geschnürt hatten.
Nun begannen die alten Wunden zu jucken. Am Hinterkopf auch. Grimm hieß es willkommen, es würde ihn wach halten. Und es hieß, dass seine Wunden heilten. Seine Nase und die Rippen taten auch nicht mehr ganz so weh. Ein kalter Schauer lief dem Jungen über den Rücken. Bald würde der Schmerz aufhören. Bald würde das letzte Gefühl, dass ihn wach hielt, dass ihn menschlich hielt, dahin sein. Das einzige, was dann übrig bliebe, wäre der Hunger. Und der Wolf regierte dort.
Er konnte es dazu nicht kommen lassen. Er war kein Biest!

Grimm ließ seine Krallen langsam über sein Gesicht fahren. Er konnte sie in der Dunkelheit nicht sehen, doch die stumpfen Spitzen konnte er fühlen, wie sie über seine Haut kratzten. Sie waren nicht scharf, waren sie niemals gewesen. Er konnte Wunden mit ihnen reißen, doch sie waren grob und heilten schlecht. Der vernarbte Wachmann war der lebende Beweis dafür.
Er zögerte einen Moment, ein Teil von ihm fürchtete sich vor dem, was getan werden musste. Doch Schmerz war ein alter Bekannter. Ein Freund, hier in der Dunkelheit. Im Schmerz herrschte Grimm.

Er packte seinen linken Arm. Grub die Krallen tief in die Haut, ließ das Stechen seinen Kopf erreichen. Dann biss er die Zähne zusammen und riss seine rechte Hand zurück. Die Klauen rissen die Haut auseinander. Er fühlte wie das Fleisch darunter sich teilte und brennender Schmerz seinen Körper lähmte. Ein Schrei kroch gedämpft durch seine Zähne. Heißes Blut tropfte auf den Boden.
Er hatte nicht zu tief geschnitten, aber auch nicht zu leicht. Die Wunde war nicht schwer, aber sie schmerzte. Das war gut. Schmerz war gut.

„Aufwachen, Grimm! Du bist bald dran und musst dich noch umziehen.“
Er erwachte und blickte in Aylas grüne Augen. Sie lächelte, als er gähnte und sich streckte. Die Tage waren kürzer geworden. Nacht hatte nun die Jahreszeiten erobert und Grimms Schlafzyklus musste sich noch anpassen. Normalerweise schlief er den gesamten Vormittag durch, unterbrochen von Thrandils Tritten, und gab am Abend Vorstellungen. Sie waren in irgendeinem Fischerdorf nun. Er hörte Möwen.
Ayla wartet bis er wach war und ging dann eilig weg. Seine Nase nahm einen Geruch auf und er sah den Eintopf, dem sie ihn gebracht hatte. Er wusste er hatte nicht viel Zeit, bis Thrandil kam, also schlang er ihn so schnell es ging herunter. Danach band er sich den Maulkorb um.

Keine Minute zu früh, denn Thrandil kam schon um die Ecke des Wagens. „Schau mal, was ich hier für dich hab!“, sagte er und entrollte ein Bündel. Es war ein Wolfsfell.
In der letzen Nacht war ihnen ein Wolfsrudel gefolgt. Sie waren zahlreich, doch gut versteckt gewesen. Angegriffen hatten sie nicht, sie waren nicht hungrig gewesen. Es war wohl nur Neugier, die sie angetrieben hatte. Einen von ihnen hatte Grimm gesehen. Ein schönes Tier. Braunes Fell, untersetzt mit silbrigem Grau, dass im Mondlicht zu glitzern schien. Seine goldenen Augen hatten Grimms getroffen und für einen kurzen Moment hatte so geschien, als ob er ihn verstand. Auf ein innige, ursprüngliche Ebene, tief in der Seele. Sein und des Rudels Gesang hatte die Nacht erfüllt. Grimm hatte seit langem nicht mehr so gut geschlafen.
Und nun lag ein Wolfsfell vor ihm. Übelkeit stieg in ihm hoch. Sein Entsetzen war ihm wohl aufs Gesicht geschrieben, denn Thrandil fing an zu grinsen. „Hübsch oder?!“ Er warf es ihm zu.„Das hier wirst du von jetzt an bei allen Vorstellungen tragen. Ist doch passend, oder? Ein Fell für eine Bestie! HA!“
Als Grimm das Fell auffing, fiel das Licht der Wagenlaterne drauf. Ein silbriger Schimmer lief über das dichte, braune Haar. Es war die Haut des Wolfes, der für ihn gesungen hatte. Grimm grub sein Gesicht in das Fell. Thrandil sollte seine Tränen nicht sehen...

...Schmerzen und Stille und Hunger und Pfeifen und Stille und Schmerzen...

Zeit konnte selbst Hunger den Horror nehmen. Neben ihr wirkte alles wie ein grauer Nebel, simpel und dumpf. Ihr Schrecken war weitaus größer, denn sie brachte keine Schmerzen oder Gelüste. Nein, Zeit nahm nur.
Was vor Tagen noch wie ein Geschenk der Götter gewirkt hatte, wurde bald zur dumpfen Routine. Das Fleisch, dessen Saft noch am Anfang Grimm noch wie Ambrosia vorgekommen war, verlor langsam an Geschmack. Rosmarin blendete sich in den schwarzen, allgegenwärtigen Hintergrund ein. Und Gewohnheit ersetzte was von Grimms kümmerlichen Willen noch übrig war.

Am Anfang hatte er noch etwas versucht. Hatte geschrien, gekläfft. Hatte versucht zu laufen, bevor der Schmerz ihn hinunter zwang. Die Steine am Boden gezählt. Die Steine an der Wand gezählt. Dann rückwärts, dann wieder von vorn. Hatte gesummt, hatte geklopft, hatte gekratzt. Am Ende war so verzweifelt gewesen, dass er nach der Schnur gegriffen hatte, die sein Essen brachte. Er wusste nicht, was er damit bezwecken wollte. Damals nicht und auch nicht heute, wann auch immer das war. Er wollte nur irgendeine Reaktion, ein Ruf, ein Wort. Vielleicht auch eine Wache, die hinunter in sein einsames Loch fiel.
Was kam, war gar nichts. Kein Schrei, kein Licht, kein Essen. Für Tage. Sie brachten ihm erst wieder etwas zu essen, als er vor Hunger versucht hatte in seine Hand zu beißen. Er hatte nie wieder am Seil gezogen...

Der Wolf lief. Er rannte, flog förmlich über die Ebene. Er jagte im Wald, wich Bäumen aus. Auf der Suche nach der Beute. Wind rauschte an seinem Ohren vorbei und seine Pfoten trommelten auf den Walboden. Er hörte das laute Hecheln seiner Gefährten, das Jaulen ihres Anführers. Sein Herz pochte vor Aufregung, vor Freude. Die Sterne blinkten im Nachthimmel und der Mond spendete sein kaltes Licht. Er war frei...

Grimm wachte auf. Er war allein.

Irgendwie waren diese Träume ihm noch verhasster als die Albträume, denn sie lockten ihn mit etwas, was er niemals haben würde. Freiheit. Sei es Thrandil oder die Wächmänner, oder wer auch immer ihn hier festhielt. Irgendjemand würde ihn immer quälen. Er hatte nicht einmal genügend Kraft sich aufzuregen.
Vor ein paar Tagen - oder waren es Wochen? - hatten sie ihm eine Decke gegeben. Er war immer noch nackt. Eine Schale lag neben ihm, zum Wasser auffangen. Simpler Komfort, doch er regte nichts in seinem Geist. Grimm lag einfach nur da und wartete. Wenn der Schmerz leichter wurde, biss er sich in Arm um ihn zu erneuern, doch auch das wurde langsam zur Gewohnheit.

Er fühlte, wie er in der Höhle starb. Nicht sein Körper, sondern sein Geist. Wie er jeden Tag, jede Stunde etwas mehr von sich verlor. An die Träume, an die Zeit. Wenn dies so weiter ging, würden sie nur noch eine leere Hülle aus der Dunkelheit hervorholen...

"...Hilfe..."
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Dienstag 16. Mai 2017, 20:53

Vor ein paar Tagen - oder waren es Wochen? - hatten sie ihm eine Decke gegeben. Er war immer noch nackt. Eine Schale lag neben ihm, zum Wasser auffangen. Simpler Komfort, doch es regte nichts in seinem Geist. Grimm lag einfach nur da und wartete. Wenn der Schmerz leichter wurde, biss er sich in Arm um ihn zu erneuern, doch auch das wurde langsam zur Gewohnheit. Wenigstens entzündete sich das schmerzende Gewebe nicht, wenn er sich biss. Seine Konstitution war seit der Verwandlung so gut, dass er seit dem mit Krankheiten nicht mehr zu kämpfen gehabt hatte. Kein Wundbrand, keine Erkältungen oder anderes hatten ihn seit dem mehr heimgesucht. In dieser Richtung war er stärker als je zuvor. Die Zeit floss dahin und brachte seine Träume.

Aber worauf wartete er?
Warum hielten sie ihn immernoch am Leben? Worauf warteten sie?
Er fühlte, wie er in dieser Höhle starb. Nicht sein Körper, sondern sein Geist. Wie er jeden Tag, jede Stunde etwas mehr von sich verlor. An die Träume, an die Zeit. Wenn dies so weiter ging, würden sie nur noch eine leere Hülle aus der Dunkelheit hervorholen, aber vielleicht wäre das sogar gut, denn eine leere Hülle konnte man neu befüllen.

Ein langgezogenes Heulen zerriss die Stille seiner Träume. Grimm wusste kurz nicht mehr, was er war. Die Grenzen verschwammen immer mehr. Er fühlte wie er erwachte und das Tier in ihm sich schlafen legte. Er hatte eben geheult, oder? Er klappte eben noch den Kiefer zu und das Vibrieren seines Kehlkopfes ließ nach. Eben war er noch mit den anderen Wölfen auf der Jagd gewesen. Er hatte sie an seine Seite gerufen und sie waren gekommen. Sie waren gemeinsam gelaufen. Er fühlte noch das Gras unter seinen Füßen. Er hatte eine Fährte gewittert und sie hatten...
Nein, er war wach. Er war allein.

...Schmerzen und Stille und Hunger und Pfeifen und Stille und Schmerzen...
Und immer wieder seine Albträume.

Irgendwann geschah das unvermeidliche:
"...Hilfe..."
War er das gewesen? Bat er tatsächlich um Hilfe? War das seine klägliche Stimme? An wen war es gerichtet? An jene die ihn fütterten? An ihn selbst, an den Wolf oder an eine Gottheit? Wurde er gehört? Würde sein leises Stimmchen reichen, damit ihn hier unten jemand hörte? Wer würde eine Bestie befreien? Niemand! Aber einen Menschen, der um Hilfe rief? Die Stille antwortete nicht, aber bald war es wieder Zeit für sein Glöckchen.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Mittwoch 17. Mai 2017, 19:26

Grimm hielt sich den Kopf. Seine Klauen gruben sich in sein strubbeliges Haar, verfingen sich in den knotigen Strähnen. Der Wolf knurrte, versuchte sie Hände frei zu bekommen. Speichel tropfte von seinem Maul. HUNGER!
Grimm wimmerte, schlug sich Hände vor dem Mund. Versuchte die Spucke abzuwischen. Der Wolf jaulte, sprang auf und kroch durch die Höhle. Wo war er? Er musste jagen! Er musste frei sein! Er machte einen Satz vorwärts, der Junge zog ein Bein zurück und der Körper verlor das Gleichgewicht. Er fiel zu Boden, konnte sich mit den Händen gerade so abfangen, um nicht mit dem Kopf aufzuschlagen.

Sein Magen rumorte. Bald kam die Klingel. Bald kam das Essen. Gewohnheit hatte es in seinen Schädel, seinen Körper getrommelt. Hunger kratzte an seinem Verstand und brach die Grenze zwischen Junge und Tier nieder. Grimm schrie, jaulte zugleich. Ein fremdes Geräusch, verzerrt und falsch. Wieder hielt der Hybrid seinen Kopf und wiegte sich langsam vor und zurück.

Ich bin ein Mensch. Ich bin kein Tier.
Ich bin ein Mensch. Ich bin kein Tier.
Ich bin ein Mensch. Ich bin kein Tier.


Immer wieder wiederholte er diese Worte in seinem Geiste. Langsam, ganz langsam, ließ der Anfall nach. Das Biest in seinem Inneren wurde ruhiger. Die Ketten schlungen sich wieder um sein Maul und der Wolf schwieg.

Grimm lag auf den Boden. Erschöpfung und Lethargie breiteten sich wieder über ihn, die plötzliche Energie verschwunden. Seine Lippen zitterten. Er hatte Angst. So viel Angst. Er verlor sich. Mit jedem Tag wurde er...weniger. Das Tier stärker, der Mensch schwächer. Die Dunkelheit, die Einsamkeit, die Zeit. Sie alle töteten den Menschen, langsam und Stück für Stück. Wie lange würde es dauern, bis er nur noch ein Tier war. Bis der letzte Rest Verstand aus seinem Kopf entschwand, von der Finsternis verschlungen.

"...Hilfe...", flüsterte Grimm wieder. Seine Stimme war klein, heiser. So lange hatte er sie nicht mehr benutzt. Seine Zunge konnte die Worte nicht richtig formen, sein Geist nicht denken. Doch sein Herz...das schlug immer noch. Und es war es, das ihn diese Worte sprechen ließ. Sie waren keinen gerichtet. Oder an alle. An die Wachen, an die Dunkelheit. And die Götter.

In seiner Einsamkeit und Verzweiflung, zuckte ein einzelner Gedanker durch Grimms Geist und er tat etwas, das er seit Jahren nicht getan hatte. Er betete. Nicht an Feylin, nicht an Lysanthor und erst recht nicht an Phaun. Nein, sein Gebet richtete sich an die einzige Gottheit, die ihn erhören mag. An die, die selbst die größte aller Dunkelheiten erhellte, mit silbrigen Licht. Die, deren Schatten und Zwielicht das Knie beugten. An die, die nur von Tunichtguten und Habenichtse verehrt wurde. "Bitte...i-ich tu a-a-alles....rette mich..."

Und so betete Grimm an die Göttin der Verlorenen und Verdammten...

...Manthala
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Freitag 19. Mai 2017, 09:14

Ich bin ein Mensch. Ich bin kein Tier.
Immer wieder wiederholte er diese Worte in seinem Geiste. Die Ketten schlangen sich wieder um sein Maul und der Wolf schwieg. Grimm lag auf den Boden. Erschöpfung und Lethargie breiteten sich wieder über ihn, die plötzliche Energie verschwunden. Seine Lippen zitterten. Er hatte Angst. So viel Angst! Er verlor sich. Mit jedem Tag wurde er...weniger. Das Tier stärker, der Mensch schwächer. Die Dunkelheit, die Einsamkeit, die Zeit. Sie alle töteten den Menschen, langsam und Stück für Stück. Wie lange würde es dauern, bis er nur noch ein Tier war. Bis der letzte Rest Verstand aus seinem Kopf entschwand, von der Finsternis verschlungen. Grimm konnte einem leid tun.

Die Selbsttäuschung war perfekt!
Aber warum belog er sich noch immer? Sein Geist gaukelte ihm das Sterben seiner Menschlichkeit vor und im nächsten Moment brach er sein fast 10 jähriges Schweigen! - Oh nein, sein Mensch war da und zerrte mächtig im Hintergrund an den Strippen! Das war keine Aufgabe! SeinHerz schlug immernoch stark.
"...Hilfe..."
So war es immer. In größter Not zog sich der Geist in sein Innerstes zurück und begann Wege zu testen, die das Überleben sichern sollten. Und Grimm war da nicht anders. Er war noch ein Kind, das sich nicht zu helfen wusste, deshalb probierte er aus, was vielleicht helfen könnte. Er wollte aus diesem Loch hinaus, das war das Ziel. Nur der Weg war noch nicht sichtbar.

Sein Herz, das schlug immer noch stark und kräftig in seiner Brust. Und das war es, das ihn diese Worte sprechen ließ. Sie waren keinen gerichtet. Oder an alle. An die Wachen, an die Dunkelheit. An die Götter. In seiner Einsamkeit und Verzweiflung, zuckte ein einzelner Gedanke durch Grimms Geist und er tat etwas, das er seit Jahren nicht getan hatte. Er betete. - Noch so eine menschliche Regung.

Sein Gebet richtete sich an Manthala. An die, die nur von Tunichtguten und Habenichtse verehrt wurde. Aber was war ein Tunichtgut und was ein Habenichts? Waren sie nichts anderes als Menschen am Rand der Gesellschaft, die arm waren, nichts hatten und um ihr Überleben mit allen Mitteln kämpfen mussten... wie er?
"Bitte...i-ich tu a-a-alles....rette mich..."
Und so betete Grimm an die Göttin der Verlorenen und Verdammten... - ...Manthala. Gespannt lauschte er in seine Stille hinein.

Nichts.

Ob die Göttin ihn gehört hatte? Was hatte er auch an einem Ort erwartet, an dem ihr Mondlicht ihn nicht erreichen konnte? Auch hatte er nichts, was er ihr opfern könnte um ihr Wohlwollen zu erringen.
Das leise Läuten des Glöckchens kündete von seiner nächsten Mahlzeit und automatisch, ging er in Position um den Korb aufzufangen, ihn zu lehren damit er wieder nach oben gezogen wurde.
Doch irgendetwas war anders.
Alles lief gleich ab. Hoch über ihm öffnete sich ein Loch in der Decke. Jedes Mal überstrahlte das Licht von oben seine Sinne, so dass er nichts weiter erkennen konnte. Dann wurde der Korb zusammen mit der Laterne herunter gelassen und er nahm ihn blinzelnd in Empfang. Er nahm sein Futter heraus und alles wurde wieder hinauf gezogen. Manchmal war es Brot, oder auch Gemüse, was sie ihm gaben, aber heute hab es seine Leibspeise: Fleisch!
Hungrig wollte er sofort seine Zähne hinein schlagen, doch ausgerechnet heute zögerte sein Wolfsinstinkt. Grimm ließ sein Tier nur für einen Moment von der Leine und sofort warnte dieses ihn, dass da etwas am Geruch nicht stimmte. Selbst dadurch verunsichert schnupperte er genauer und drang tiefer in den Wolf ein. Neugierde bestimmte einen Moment sein Handeln. Es war ein saftiges Stück, zart und würde auf seiner Zunge zergehen, gebraten mit köstlichen Röst-Aromen. Es war mariniert worden in einer ganzen Reihe von Kräutern, beim Braten mit Honig bestrichen worden und Grimm lief der Speichel im Mund zusammen. Er schluckte ein paar mal heftig und musste einen kleinen Willensakt aufbringen um sich überhaupt so lange zurück zu halten, bis seine Nase das fand, was ihn störte.
Dann kam die Erinnerung.

„Mein Süßer, du musst jetzt aber schlafen!“
„Ich will aber noch nicht...“
„Schau mal, wir müssen morgen alle ganz früh aufstehen und die Fahrt in die Stadt dauert auch lange. Dein Vater wird verärgert sein, wenn dann nicht alle fleißig helfen. Es wäre nicht gut, wenn du dann müde bist.“
„Ich kann aber nicht schlafen.“
Seine Mutter streichelte sein Köpfchen und lächelte ihn an.
„Dann mache ich dir jetzt meinen Zaubertrank. Danach schärfst du wie ein Bär im Winter.“
Sie ging in die Küche und kam wenig später mit einer Tasse zurück. Es duftete nach Honig und Milch, aber auch ein anderer Geruch lag versteckt unter allem.“

Grimm kannte den Namen des Krauts nicht, aber er wusste, dass er danach tief und fest schlafen würde. Was hatten sie nur mit ihm vor? Er war so hungrig!
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Freitag 19. Mai 2017, 15:47

Nichts geschah. Keine Antwort. Kein Zeichen. Grimms Worte verhallten in der Leere. Wurden verschluckt von der Dunkelheit. Was hatte er erwartet? Er war allein. War es seit Jahren gewesen. Wieso sollte sich das jetzt ändern? Niemand konnte ihn hören und niemand wollte ihn hören. Und eine Stimme, die unterging, konnte genauso gut auch nicht existieren.
Verzweiflung umklammerte sein Herz wie eine eisige Hand und Grimm schloss seinen Mund. Alles erstickende Stille füllte seine Ohren wieder. Er fühlte wie Schatten sich in seinen Kopf bohrten. Spürte wie der Wolf an den Ketten zerrte.

Ein Klingeln ertönte. Grimm erhob sich und platzierte sich in die Mitte der Höhle. Er dachte nicht darüber nach, die Bewegungen vollführte sein Körper von alleine. Die ungezählte Wiederholung dieses Prozesses war nur ein weiterer Teil dieses Gefängnisses. Seinen Geist konnte das nicht stimulieren.
Wieder füllte gleißendes Licht den Raum. Wieder wurde ein Korb nach unten gelassen. Grimm saß da und hielt die Hände bereit. Den Kopf nach unten gesenkt, so dass das Licht ihn nicht blendete, und nahm das Essen aus dem Behälter. Der Korb wurde nach oben gezogen und das Licht verschwand.
Normalerweise waren seine Mahlzeiten Brot, manchmal auch Gemüse. Dieses Mal jedoch hatte er Glück: Fleisch!

Grimm öffnete schon den Mund, Speichelfäden tropften von seinem Kinn, als etwas ihn inne halten ließ. Seine Nase zuckte. Ein Teil von ihm schrie, wollte fressen, verschlingen. Wollte diese Köstlichkeit so schnell wie möglich in sich reinstopfen. Doch ein anderer Teil, der Teil, der ihn all die Jahre bei den Tänzern bei Verstand gehalten hatte, zögerte. Wenn es etwas gab, auf das Grimm vertraute, dann war es seine Nase. Sie war es immer, die ihn gewarnt hatte, wenn Lars in sein Essen gepinkelt hatte oder Lampart eines seiner Pulver reingemischt hatte, um ihn als Versuchskaninchen zu missbrauchen. Nun sagte sie ihm, dass etwas an dem Fleisch anders roch.
Grimm zögerte, doch ließ schließlich den Wolf in sich freies Spiel. Er schnüffelte. Das Fleisch war zart, saftig. Man hatte es mit einer ganzen Reihe aus Kräutern mariniert und dann langsam geröstet, bis es gut durchgebraten war. Der Geruch von Honig ließ Grimm vor Gier sabbern. Mensch und Tier wollte zuschlagen. Fressen, fressen, fressen!

Nein!

Grimm zuckte. Sein Gesicht war eine Grimasse aus Gier und verzweifelter Zurückhaltung. Seine Lippen waren zurückgezogen und Spucke tropfte von seinen Reißzähnen, als er sich langsam dem Stück Fleisch näherte. Kurz bevor seine Zunge das Mahl berühren konnte, schnappte er zurück. Seine Gesichtzüge war angespannt und in seinem Geist fochten Hunger und Vorsicht einen hitzigen Kampf aus.
Noch einmal schnupperte Grimm sorgfältig an der Mahlzeit. Mit Mühe ignorierte er den Duft, die Kräutern, den Honig. Nein, er schob sie beiseite und suchte weiter, tiefer. Etwas war versteckt hinter all den aufdringlichen Gerüchen.


„Mein Süßer, du musst jetzt aber schlafen!“
„Ich will aber noch nicht...“
„Schau mal, wir müssen morgen alle ganz früh aufstehen und die Fahrt in die Stadt dauert auch lange. Dein Vater wird verärgert sein, wenn dann nicht alle fleißig helfen. Es wäre nicht gut, wenn du dann müde bist.“
„Ich kann aber nicht schlafen.“

Seine Mutter streichelte sein Köpfchen und lächelte ihn an.
„Dann mache ich dir jetzt meinen Zaubertrank. Danach schärfst du wie ein Bär im Winter.“
Sie ging in die Küche und kam wenig später mit einer Tasse zurück. Es duftete nach Honig und Milch, aber auch ein anderer Geruch lag versteckt unter allem.

Grimm sprang zurück. Das Fleisch klatschte nass auf den Boden. Für mehrere angespannte Minuten ließ er es da liegen, als wäre es eine Giftschlange. Sein Herz raste. Sie wollten ihn betäuben! Grimms Gedanken rasten. Seine Sorgen waren vergessen, als sein Geist all seine Energien auf dieses Rätsel anwandte, nach den Wochen der Untätigkeit.
Man hatte das Fleisch vergiftet. Warum? Um ihn ruhig zu stellen. Weshalb? Damit er keine Gefahr darstellte, wenn sie runter kamen. Wollten sie ihn rausholen? Keinen Schimmer. Er saß da und überlegte. Er konnte das Fleisch nicht essen. Was auch immer seine Wärter vorhatten, er würde nichts herausfinden, wenn er betäubt war. Aber wenn sie tatsächlich runterkamen, würden sie sehen, dass er das Essen nicht angerührt hatte. Das Fleisch musste verschwinden. Wohin? Der Abfluss!

Vorsichtig nahm Grimm das Fleisch in die Hände. Er hatte nicht viel Zeit. Wenn der Ablauf unverändert blieb, würden sie bald das Wasser fließen lassen. Hastig kroch er zum Loch, wo das Wasser abfloss. Schnell, aber sorgfältig, pflückte er den Braten in kleine Stücke und warf sie hinein. Er gab Acht, dass er nichts verstopfte, so dass das Wasser alles restlos wegspülte.
Dann nahm er die Wasserschale und wollte seine Hände waschen. Dann hielt er inne. Nein, das konnte er nicht tun. Sie hatten ihn bestimmt lange genug beobachtet um zu wissen, wie er aß. Wasser für Sauberkeit zu verschwenden, anstatt sich einfach die Finger abzulecken, würde er normalerweise nicht tun. Also goß er ein wenig Wasser aus der Schale, damit es so aussah, als habe er getrunken, und schmierte ein wenig der honig - und ölbefleckten Finger über sein Gesicht. Im Dunkeln konnte er nicht sehen, ob es überzeugend aussah. Letzten Endes musste es reichen.

Dann legte er sich schnell in die Mitte der Höhle. Arme und Beine von sich gestreckt, als wäre direkt nach dem Essen eingeschlafen. Er versuchte langsam zu atmen, schloss die Augen und betete, dass niemand sein laut pochendes Herz hörte.
Dann wartete er...
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Montag 22. Mai 2017, 08:59

Grimm sprang zurück. Er hatte den unverkennbaren Geruch von Baldrian entdeckt. Das Fleisch klatschte nass auf den Boden. Für mehrere angespannte Minuten ließ er es da liegen, als wäre es eine Giftschlange. Sie wollten ihn betäuben! Warum? Um ihn ruhig zu stellen. Weshalb? Damit er keine Gefahr darstellte, wenn sie runter kamen. Wollten sie ihn rausholen? Er saß da und überlegte. Er konnte das Fleisch nicht essen. Was auch immer seine Wärter vorhatten, er würde nichts herausfinden, wenn er betäubt war. Aber wenn sie tatsächlich runterkamen, würden sie sehen, dass er das Essen nicht angerührt hatte. Das Fleisch musste verschwinden. Wohin? Der Abfluss! Hastig kroch er zum Loch, wo das Wasser abfloss. Schnell, aber sorgfältig, pflückte er den Braten in kleine Stücke und warf sie hinein. Er goss ein wenig Wasser aus der Schale, damit es so aussah, als habe er getrunken, und schmierte ein wenig der Honig - und Öl befleckten Finger über sein Gesicht. Das war zwar der blanke Horror für seinen Magen, der sich sofort hungrig zusammen zog und wieder zu brennen begann, aber das musste er aushalten, wenn er seinen Plan weiter verfolgen wollte. Dann legte er sich in die Mitte der Höhle. Arme und Beine von sich gestreckt, als wäre direkt nach dem Essen eingeschlafen. Er versuchte langsam zu atmen, schloss die Augen und betete, dass niemand sein laut pochendes Herz hörte. Dann wartete er...
Nichts geschah.
Das Wasser kam und spülte den leckeren Braten davon, doch der Duft blieb auf seinen Wangen stetig präsent. Plötzlich war die Zeit wieder sein Feind und floss nicht mehr dahin, ohne dass er merkte wie viel Tage vergingen, plötzlich war sie wieder zäh und schwerfällig wie Teer und tröpfelte in schwerfälligen Sekunden dahin. Grimm wartete das etwas geschah, doch es passierte nichts. Vermeintlich schlafend lag er da und wartete. Sein Magen knurrte laut und protestierte wegen der sträflichen Behandlung und langsam begann ein winziger Teil von Grimm zu bereuen, dass er sein Futter verschwendet hatte. Er hatte tatsächlich das weg geworfen, was ihm das liebste im Leben war. Das würzig süße Öl auf seiner Haut verhöhnte ihn. Er wartete und wartete. Wie lange würde er wohl schlafen, wenn er das Fleisch gefressen hätte? Er konnte es nicht einschätzen, da er nur den einen Geruch erkannt hatte und nicht wusste, ob die, die sich um ihn kümmerten nicht auch noch andere Substanzen unter gemischt hatten. Ausgestreckt lag er da und sann über alles mögliche nach. Seine Sinne wanderten immer wieder hinauf zur Höhlendecke, aber es rührte sich nichts. Paranoia malte jede Menge Theorien in seine Hirnwindungen. Vielleicht kam ihm der Gedanke... natürlich... Warum nicht? Wenn er schon davon ausging, dass sie ihn bisher beobachtet hatten, wie er fraß und was er für Angewohnheiten hatte, dann konnte er genauso gut davon ausgehen, dass sie ihn auch bei der Entsorgung des Fleischs beobachtet hatten. Aber war das in der Dunkelheit überhaupt möglich? Oder es war viel einfacher. Sie warteten bis zur nächsten Fütterungszeit und wenn er dann nicht am Korb erschien, dann war er eingeschlafen. Ganz schlau wurde aus dem ganzen nicht, oder sein Gehirn spielte ihm Streiche. Tatsächlich passierte bis zum Klingeln des nächsten Glöckchens nichts.
Wieder wurde die Abdeckung geöffnet, wieder wurde der Korb am Seil begleitet von der Öllampe hinab gelassen und wieder gab es … in Honig gebeizten Braten mit einer Note Baldrian.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Donnerstag 25. Mai 2017, 15:22

Zeit war wie immer eine grausame Gefährtin. Wo sie vorher seine Gedanken in monotone Brühe verwandelt hatte und die Tage dahinschwinden ließ, zog sie nun jede Sekunde in die Länge. Das Wasser kam und spülte die Fleischbrocken weg. Danach, Stille. Keiner kam. Kein Laut, keine Schritte. Stattdessen wieder nur Dunkelheit und betäubende Langeweile. Und Grimm wagte es nicht sich zu bewegen, aus Angst seine Täuschung zu verraten. Sein pochendes Herz dröhnte in seinem Kopf und er versuchte sich mit großer Anstrengung vom Schlafen abzuhalten. Sicher würde bald jemand kommen. Bestimmt...

Hunger schlug seine Krallen in Grimms Magen, angespornt durch den Geruch von Honig und Fett an seinen Wangen. Der Junge wusste, dass er durchhalten konnte. Dass es nur seine Einbildung war, seine Gier, die in seinem Kopf nach Fleisch schrie. Er war schon länger ohne Futter klargekommen. Sein Körper konnte dies vertragen.
Doch sein Geist spielte nicht mit. Er war an einem Rythmus gewöhnt. An die Klingel, das Essen, die Dunkelheit. Grimms Versuch diesen Ablauf zu unterbrechen, versetzte seine Seele in Unruh.

Seine Gedanken rasten. Hatte er sich verrechnet? Vielleicht hätte er warten sollen mit dem hinlegen. Sicher wirkte dasSchlafmittel nur nach einer gewissen Zeit. Hatten sie ihn gesehen, wie er das Fleisch verwehrte? Aber wie? Selbst er konnte in dieser Dunkelheit nichts sehen, wie sollten sie es da können? Oder hatte er irgendetwas übersehen?

Diese Fragen zerrissen Grimms flüchtiges Selbstvertrauen, seinen Willen sich zu widersetzen, der kurz aufgeflammt war. Sie waren ihm auf die Schliche gekommen! Er war närrisch gewesen, zu glauben, er könnte sie überlisten. Hätte er das Fleisch gegessen, hätten sie ihn bestimmt hier herausgeholt. Hätte er gehorcht, wäre alles besser gewesen. War es nicht schon immer so gewesen? Hätte er auf seinen Vater gehört und sich zuhause mehr angestrengt, wäre er nicht verkauft worden. Wäre er ein braves Monster für Thrandil gewesen, hätte er Ayla nicht umgebracht. Hätte er...
Nein..., flüsterte er sich zu. Vielleicht warteten sie auf die nächste Fütterung, um zu sehen, ob er betäubt war. Vielleicht bestand noch Hoffnung.

Mit großer Mühe, und quälenden Selbstzweifeln, hielt Grimm durch. Stunden krochen dahin, bis endlich die Klingel wieder ertönte. Wie auf Befehl sammelte sich Speichel im Mund des Jungen, der hastig hinuntergeschluckt wurde. Licht schien ins Loch, als erneut ein Korb mit einer Öllampe hinuntergelassen wurde. Der Geruch von gebeizten Braten mit ein wenig Baldrian erfüllte die Höhle.
Das Biest rührte sich. Sein Hunger war ungestillt und die nächste Mahlzeit in Reichweite. Es kümmerte es nicht, ob es giftig war. Es wollte fressen. Grimm biss die Zähne zusammen und hielt sich mit aller Kraft davon ab, aufzuspringen und das Fleisch aus dem Korb zu reißen. Dieser hing nun verlockend nur wenige Zentimeter über ihm. Er konnte die Hitze des frischen Braten förmlich fühlen.

Fressen! Hunger!

Seine Muskeln waren aufs Äußerste angespannt, als Grimm in seinem Inneren einen bitteren Kampf ausfechtete. Der Wolf knurrte, biss und schlug um sich. Er wollte fressen! Jetzt! Es gab keine Garantie, dass er Recht hatte. Sie konnten so eine Gelegenheit nicht verstreichen lassen. Er musste essen! Wenn er es nicht tat und der Plan nicht aufging, war alles umsonst. Sie würden Grimm bestrafen! Er konnte sich keinen Ungehorsam leisten!
Der Junge presste seine Zunge gegen den Gaumen. Sein Schwanz begann leicht zu zucken, so wie er zwischen den Beinen eingeklemmt war. Sahen sie es? Nein, er musste still halten. Sie mussten glauben, er sei betäubt. Nur dann würden er erfahren, was sie mit ihm vorhatten. Er musste nur dieses eine Mal durchhalten! Nur dieses eine Mal.

...quälend langsam neigte sich der Korb zur Seite.
Das Fleisch fiel raus und klatschte auf den Boden. Vorsichtig und mit zittrigen Händen griff Grimm danach und schlug seine Zähne hinein. Seine Ohren hingen hinab und sein Schweif lag schlaff auf den Boden. Tränen rannen ihm über das Gesicht, als der Junge mit lauten Schluchzen die verfluchte Mahlzeit in sich hineinstopfte. Das Biest jaulte triumphierend in seiner Seele und sein Magen rumorte vor Glück, doch der Junge wimmerte. Kein Versuch unternahm er die Tränen zu verstecken.
Nach dem vierten Bissen, fiel ihm das Fleisch aus den Händen. Lautes Schluchzen schüttelte seinen Körper. Seine Klauen krallten sich in den Boden und sein Rücken krümmte sich. Dann rang sich ein langer, verzweifelter Schrei aus seiner Kehle. Er hallte durch die Höhle und füllte die Dunkelheit mit einer grausamen, seelenzerschmetternden Wahrheit.

Grimm war gebrochen...
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Freitag 26. Mai 2017, 10:53

Quälend langsam neigte sich der Korb zur Seite. Das Fleisch fiel raus und klatschte auf den Boden. Vorsichtig und mit zittrigen Händen griff Grimm danach und schlug seine Zähne hinein. Sein Plan zerplatzte wie eine Seifenblase. Seine Ohren hingen hinab und sein Schweif lag schlaff auf den Boden. Tränen rannen ihm über das Gesicht, als der Junge mit lauten Schluchzen die verfluchte Mahlzeit in sich hineinstopfte. Das Biest jaulte triumphierend in seiner Seele und sein Magen rumorte vor Glück, doch der Junge wimmerte. Kein Versuch unternahm er die Tränen zu verstecken. Nach dem vierten Bissen, fiel ihm das Fleisch aus den Händen. Lautes Schluchzen schüttelte seinen Körper. Seine Klauen krallten sich in den Boden und sein Rücken krümmte sich. Dann rang sich ein langer, verzweifelter Schrei aus seiner Kehle. Er hallte durch die Höhle und füllte die Dunkelheit mit einer grausamen, niederschmetternden Wahrheit.
Grimm war gebrochen...
Der warme Bratensaft rann ihm übers Kinn, tröstend und köstlich wie ein streichelnder Finger. Der Duft liebkoste seine feine Nase und ließ seinen Magen fröhlich singen. Das Fleisch war so zart, dass er es mit der Zunge am Gaumen zerdrücken konnte und die vier Bissen die er genommen hatte, waren wie der Eintritt in ein kleines Paradies. Seine Tränen waren echt, auch wenn sie vielleicht zu einem winzigen Teil dem geschmacklichen Genuss geschuldet waren. Sein Mensch war wütend, dass sein Tier sich durchgesetzt hatte, er schrie und weinte über seine Schwäche. Er war überlistet worden, er war 'erzogen' worden, gehorchte seinen Trieben, aber war er wirklich gebrochen? War er vielleicht nur wütend, dass er schwach war? Dass er sich wie so oft in seinem Leben einem fremden Willen beugen musste? Vielleicht war dies der erste Schritt in die Richtung, wie man ein Wesen brach, vielleicht kam es ihm auch nur so vor, weil er kein Zeitgefühl mehr hatte. Die Aussichtslosigkeit der Situation, der ständige sich wiederholende Ablauf. War dies hier eine Vorstufe zum Harax? Es musste ihm so vorkommen!
Nach den ersten vier Bissen kam es nun wirklich nicht mehr darauf an, dass das Fleisch mit Stoffen versetzt war, die ihn schlafen lassen würden. Jetzt konnte er es auch ganz fressen. Es würde ihn trotzdem nähren und Kraft schenken. Ein paar Minuten lang fühlte Grimm auch kaum etwas von der Wirkung, dann begann er müde zu werden. Eine Weile lief er sich wach haltend auf und ab, versuchte gewiss gegen den Schlaf anzukämpfen, aber Manthalas Welt wartete geduldig hinter seinen schwerer werdenden Lidern.

Sooooo saftig, frisch und süüüüß!
Die zarten Häute platzen unter dem Druck seines Gaumens und gaben explosionsartig den fruchtig süßen Saft in seinen Mund. Vollmundig ergoss sich der Geschmack von frischen Heidelbeeren über seine Zunge. Herzhaft biss er noch einmal in den kleinen Busch. Die kleinen Blätter störten nicht, sie gaben eine herzhafte Note. Fleisch, am besten roh, war ihm noch lieber, aber das hier war auch nicht zu verachten! Seine Ohren warnten ihn und er riss den Kopf hoch. Da hinten kamen Reiter.
Immer diese Menschen!
Ein leises Knurren entwich seiner Kehle und er zog sich schnell tiefer in den Wald zurück. Das Geräusch ihrer Pferde, das dumpfe Schlagen ihrer Hufe mochte er nicht. Dann roch er es. Der Wind drehte. Sie hatten Hunde dabei! Das war schlecht! Sein Lauf wurde schneller. Diese degenerierten Abkömmlinge seiner Art hatten sich den Menschen unter geordnet, leckten ihre Hände und fraßen ihren Abfall. Noch schneller wurde sein Lauf. Der Boden flog nur so unter ihm dahin. Links holten sie auf und trieben ihn weiter nach rechts. Er wurde gehetzt. Jagten sie ihn oder waren sie hinter anderem Wild her? Plötzlich riss etwas an seinem Bein und sein Körper katapultierte sich um die eigene Achse. Er hatte sie nicht gesehen, in seinem Lauf nicht riechen können – die Falle!
Sein Körper schlug hart auf und die Schlinge schnitt scharf in sein Muskelfleisch. Das Gebell kam näher und er heulte. Dann waren sie da. Was war hier los? Das waren Hunde, aber auch wieder nicht. Sie sahen aus wie er. Manche waren breiter und etwas kleiner, muskulös und irgendwie anderes. Knurrend umzingelten sie ihn. Er würde kämpfen. Sie hielten Abstand, obwohl er im Nachteil war. Er schnappte nach ihnen. Dann sah er sie und konnte es nicht glauben! Seine Nase bestätigte das was er sah. Sie war halb Wolf, halb Köter. Ihr Geruch irritierte ihn. Sie führte die Meute an und stand ruhig im Hintergrund. Sie waren Wolfshunde, allesamt! Unterschiedlich stark der Wolf in ihnen, aber noch mit ihm verwandt. Ein leiser Laut von ihr und die Meute zog sich zurück. Sie jaulte einmal und die Reiter kamen näher. Ein hoher Pfiff erklang und ein Menschenmann stieg von seinem Pferd. Andere waren auch da, aber sonst kam niemand näher. Der Mann stellte sich neben die Wolfshybridin und sie lehnte sich gegen sein Bein. Er legte seine stinkende Hand an ihr weißes Fell.
Widerwärtig dieses Anbiedern! Das hatte sie doch nicht nötig! Sie würde gut an seine Seite passen, nicht an die eines Menschen!
Der Mann warf mit einem Strick nach ihm und er biss hinein. Ha, gefangen! Ein zweiter traf seine Schulter und ein dritter zog sich um ein Hinterbein. Die Menschen nahmen in gefangen und die Wolfsfrau sah nur zu.
Warum?
Er legte den Kopf schief und sie wedelte aufmunternd mit dem Schwanz. Er verstand die Welt nicht mehr. Die Nacht kam bald und er lag gebunden am Rand ihres Lagers. Die Wolfsfrau und ihr Mensch beobachtete ihn. Sie gaben ihm Fressen. Angebranntes Fleisch, dass sie in Waldkräutern gerollt hatten. Es schmeckte und würde ihm Kraft geben! Er fraß es gierig, dann wurde er müde. Die Nacht war still und deckte ihren Mantel über ihn.

Grimm erwachte und hatte sofort das Gefühl, dass dieses mal etwas anders gewesen war. Er hatte wieder geträumt, aber irgendwie hatte es sich dieses Mal fremd angefühlt. Als wäre sein Gebet erhört worden und Manthala schickte ihm nun ihre Antwort? Vielleicht verabschiedete sich auch gerade sein letzter Rest Verstand? Er hatte in diesem Körper gesteckt und doch war er nicht seiner gewesen. Es war wie eine fremde Erinnerung, oder ein ferner Traum, der sich auch schnell wieder auflöste. Er hatte lange und fest geschlafen und was noch seltsamer war, das Geräusch von dem sich schließenden Schacht über ihm, hatte ihn geweckt. Es roch wieder nach Fleisch und Rosmarin – und Baldrian. Schon wieder. Wollten sie ganz sicher gehen, dass er auch wirklich was von dem Fleisch fraß und schickten es ihm deshalb immer wieder? Sein Wolf wollte ihnen den Gefallen gerne tun und geschadet hatte es ihm nicht. Ganz im Gegenteil, eigentlich fühlte er sich sogar noch besser als zuvor. Das ganze hin und her hatte ihn davon abgelenkt, dass es ihm wieder richtig gut ging. Die lange Schlafphase hatte ihm anscheinend gut getan.

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Nun musste er nur entscheiden, ob er das nächste Stück Braten auch fraß. Aber eigentlich lockte es schon und er war so 'gut erzogen', dass es eigentlich keine Frage mehr sein sollte. Egal was sie ihm geben würden, er würde es fressen!
Oder war er wohl möglich doch noch nicht so weit? War er noch nicht 'gebrochen', so wie er sich es einredete?
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Freitag 26. Mai 2017, 17:59

Seine Schnauze biss in den Heidelbeerbusch. Beeren platzten zwischen seinen Fängen auf und füllten seinen Mund mit ihrem köstlichen Saft. Sein Schwanz wedelte vor Vergnügen, als er das Gestrüpp von seinen Früchten befreite. Blätter gerieten ihm zwischen die Zähne und er schluckte sie runter. Sie störten wenig, ihr Geschmack vertraut. Fleisch war es, was er am meisten begehrte, doch Beeren waren ein willkommener Ersatz, wenn die Jagd nicht gut lief. Seine Ohren zuckten zur Seite. Er hebte seinen Kopf, hörte die Hufe. Reiter, Menschen!
Ein leises Knurren entrang sich seiner Kehle und lief tiefer in den Wald hinein. Menschen waren gefährlich. Und Menschen auf Pferden waren gefährlich und schnell. Er musste weg! Der Wind drehte und ein Geruch wehte an seiner Nase vorbei. Vertraut, doch fremd. Hunde! Sofort rannte er schneller. Armselige Verräter, das waren sie. Verbrachten ihr Leben in Gefangenschaft und dankten es den Menschen. Hüteten ihre Beute, fraßen ihr Aas und bekämpften ihre Artgenossen. Ihre Kehle sollte er reißen, allesamt!
Bellen erschallte von links. Er wurde schneller. Sah sie kommen und wich nach rechts aus. Ein Rudel hetzte ihn! Auf einmal schnappte etwas nach seinem Bein. Er fiel mit einem überraschten Japsen. Schüttelte den Kopf, blickte nach hinten und sah eine Schlinge, die sich um sein Hinterbein festgezogen hatte. Sie hatten ihn in eine Falle getrieben!
Ein lautes Heulen hallte durch den Wald, als er wie wild an dem Strick zerrte. Doch es war zu spät. Sie hatten ihn erreicht. Die Hunde brachen durch das Unterholz und umzingelten ihn. Von allen Seiten kam ein angriffslustiges Knurren, was er ebenso bedrohlich beantwortete. Sie sahen merkwürdig aus. Anders als andere Hunde, breiter, stärker. Er war immer noch größer als sie, doch sie waren viele. Er würde nicht kampflos aufgeben. Knurrend schnappte er nach jedem, der ihm zu nahe kam. Der erste, der es wagte, würde er die Kehle aufreißen!
Dann sah die Alpha. Sie hatte weißes Fell und hielt sich geduldig im Hintergrund, ließ die Meute ihn einkesseln. Als er sie roch, wurde ihm klar was ihn so an den Kötern irritierte. Sie rochen nach Wolf. Wolfshunde! Die Anführerin gab einen kleinen Laut von sich und ihr Rudel nahm Abstand. Er baute sich auf. Machte sich größer, imposanter. Er war ein richtiger Wolf, keine Abklatsch wie sie. Sie jaulte kurz und aus dem Dickicht kamen Reiter herangeritten. Einer stieg ab und näherte sich. Ärgerlich sah er, wie die Wolfhündin sich an sein Bein rieb. Seine Wut wurde größer, als er sah, wie die Hand des Menschen durch ihr Fell glitt. Widerliches Anbiedern! Ein Wolf hatte so etwas nicht nötig.
Der Mensch warf ein Seil. Er biss es, zerrte daran. Er würde ihn zu Boden bringen, seine Kehle zerreißen! Etwas traf ihn an der Schulter. Ein weiteres Seil. Dann noch eins, dass sich um seine Beine schling. Er knurrte, bellte, jaulte, als sie stramm zogen, ihn zu Boden warfen und fesselten. Und sie, die Hündin, sah nur zu.
Nacht brach herein. Er lag gebunden in einem Menschenlager. Die Hündin saß neben dem Menschen und beobachtete ihn. Man warf ihm etwas hin. Fleisch! Der Geruch von Waldkräutern hing daran. Wenn er es fraß, würde er stärker werden. Stark genug die Fesseln zu brechen und die Menschen zu töten, für ihre Missetaten. Er verschlang es gierig. Dann legte sich Müdigkeit über sein Gemüt. Dunkelheit umhüllte ihn und er brach zusammen.

Grimm wachte auf. Er lag auf dem steinernen Boden seiner Höhle, inmitten der Dunkelheit wie immer. Sein Körper fühlte sich gut, ausgeruht. Sein Geist war unruhig. Es war ein merkwürdiger Traum gewesen. So real, und doch so...fremd. Wie eine Erinnerung, die nicht die seine war. Ein Traum, flüchtig und doch eindrucksvoll. War es ein Zeichen oder nur sein Verstand, der allmählich auseinanderbrach? Er wusste es nicht und es kümmerte ihn auch nicht. Lethargie hatten sein Herz gepackt. Er fühlte die getrockneten Tränen auf seinem Gesicht und wischte sie weg, mehr aus Gewohnheit, denn aus Scham. Er hatte nicht durchgehalten, hatte versagt. Die kleine Flamme aus Kampfeswille, das seine Seele erfüllt hatte, war erloschen und hatte nichts als gähnende Leere hinterlassen.

Ein Geräusch über ihm, verriet ihm, was ihn aufgeweckt hatte. Die Klappe zu seinem Gefängnis war geschlossen worden und seine Nase verriet ihm, dass man ihm erneut Fleisch serviert hatte. Hatte er den ganzen Tag durchgeschlafen? Warum gaben sie ihm noch ein Portion? Diese Fragen geisterten kurz durch seinen Kopf, bevor der graue Nebel der Machtlosigkeit sie verschlang. Dass er diese Mahlzeit verweigern könnte, kam dem Jungen nicht einmal in den Sinn. Das Licht in seine grauen Augen war erloschen. Stumm richtete er sich auf, nahm das Fleisch und biss gehorsam hinein. Ihn scherte es nicht, dass es ihn betäuben würde. Er hatte aufgegeben.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Sonntag 28. Mai 2017, 10:44

Gehorsam biss er in das Fleisch und es belohnte zumindest seinen Gaumen für seine Folgsamkeit. Fressen war sein Lebensmittelpunkt geworden. Fressen, Schlafen, Trinken, Schlafen. Ab und an ein bisschen herum laufen, aber sonst gab es nichts zu tun. Sein Futter schmeckte lecker und bald darauf wurde er auch schon wieder müde.

Kein Traum weckte ihn, denn kein Traum konnte so detailreich an seinen Sinnen reiben. Es war ein erwachen, dass seine Instinkte wach rief, ihn auf einer viel tieferen Ebene berührte. Als aller erstes zuckte immer wieder sein linkes Ohr. Da war ein Geräusch, was ihn störte, dass nicht in seine Umgebung passte. Es war leise und zupfte an seinem Ohr wie eine Biene die Blüten besuchte. Noch im Schlaf, halb noch unterbewusst registrierte Grimm die Veränderung. Sein Gehirn war noch träge und reichte die Informationen nur schleppend weiter. Als nächstes war da ein fremder Geruch, der seine Nase kitzelte. Beide Informationen zusammen ließen ihn in sein Bewusstsein zurück finden. Etwas hatte sich verändert und seine Neugierde stachelte ihn an wach zu werden und dem nachzugehen. Trotzdem blieb er still liegen und lauschte nun einmal bewusst in seine Umgebung. Tatsächlich. Da war ein leises rhythmisches Rauschen – natürlich – das war Atmung! Aus reinem Unglauben atmete Grimm ein paar mal deutlich schneller und konnte dadurch mit Gewissheit sagen, dass das ein zweiter Atem war, mit dem er sich seine Höhle nun teilte. Vorsichtig drehte er den Kopf, damit seine Ohren aufrecht standen und lauschte noch mal. Sein Kinn lag nun au dem kühlen Fels auf und er lokalisierte die Quelle irgendwo halb links von sich. Die Lautstärke könnte täuschen, da er so lange nichts gehört hatte und die Höhlenwände alles wie ein Echo verzerrten. Den Abstand einzuschätzen war also schwierig. Seine Augen waren nur so weit an die Finsternis gewöhnt, dass er schwarz auf schwarz sehen konnte – also fast gar nichts. Einzig wenn das Wasser kam und es sich schnell bewegte, dann war es, als wenn die Feuchtigkeit etwas Licht mit sich brachte. Doch dort wo er den Atme hörte, da war kein Licht, keine Feuchtigkeit, keine Bewegung. Nur der gleichmäßige Rhythmus verriet etwas, das Grimm beruhigen konnte.
Was auch immer sich da mit ihm seine Höhle teilte – Es schlief!
Lautlos lag er da und versuchte seinen nächsten Sinn auszureizen. Da war der Geruch von Fleisch, Rosmarin, Baldrian und anderen Kräutern, der noch an seinem eigenen Gesicht klebte und viel überdeckte, aber da war auch noch mehr. Er roch den kalten Fels, den Kalk und auch den Wasserlauf. Er roch verflüchtigte Reste seiner letzten Ausscheidung. Vorsichtig hob er den Kopf und etwas über ihm schwebte eine neue Note im Raum.
Es roch nach Erde, Wald – und Fell!
Sein Tier reagierte instinktiv, wollte knurren, jaulen, winseln, aber sein Mensch gebot ihm still zu sein. Er wusste nicht genau, was er da vor sich hatte. Wie sollte er sich nun verhalten, jetzt da er nicht mehr alleine war? Ein tieferer Atemzug, der an ein Seufzen erinnerte riss seine Aufmerksamkeit zurück. Erwachte es?Er?Wasauchimmer?
Nein, der Atem ging weiter ruhig und gleichmäßig. Vielleicht träumte es.
Nur eins war klar. Bald würde wieder das Glöckchen ertönen, bald würde der Korb herunter gelassen und es würde Fressen geben. Bald würde er sehen, was da in seiner Höhle lag und schlief – oder es würde erwachen. Bestimmt spätestens wenn die Pfeife erklang.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Sonntag 28. Mai 2017, 18:25

Erneut erwachte Grimm nach einem langen, tiefen Schlaf. Er wusste was, oder ob, er geträumt hatte. Was er wusste war, dass sich etwas verändert hatte in seiner Höhle. Etwas, das ihn aus seiner Betäubung gerissen hatte. Es war nicht einfach, festzustellen was es war. Er war immer noch müde, noch nicht ganz wach. Ein leises Geräusch erreichte seine Ohren. Rythmisch und stetig. Es war leise, doch in der allumfassenden Stille und Einsamkeit hätte es genauso gut auch ein Dröhnen sein können. Grimms träger Geist erkannte nach ein paar Sekunden was es war. Jemand atmete.
Grimm war nun hellwach. Er zögerte kurz, nicht sicher, ob er sich dies nur einbildete. Versucheshalber begann er schneller zu atmen. Tatsächlich, das Atemgeräusch war nicht das seine. Er war nicht mehr allein in seinem Gefängnis! Langsam drehte er den Kopf, so dass seine Ohren frei waren und drehte sie, um zu erfahren woher das Atmen kam. Es war schwierig. Die monatelange Stille war nur von den Geräuschen durchbrochen worden, die er verursachte. Jetzt seine Ohren das erste Mal seit langem wieder anzustrengen, war nicht einfach. Das Echo der Höhle verzerrte das Geräusch zudem auch noch.
Grimm starrte in die Finsternis. Vor sich konnte er nichts sehen, wie immer. Er wusste, dass er mit dem Rücken zur Wasserrinne lag. Von dort kam es nicht, da war er sich sicher. Nein. Wenn, dann war das Etwas vor ihm. Doch wo genau, das konnte er nicht sagen.

Langsam erhob er sich. Sein Rücken knackte und er verzerrte das Gesicht. Er hatte sich lange nicht mehr anständig bewegt und seine Gelenke fühlten sich an, als wären sie aneinander festgewachsen. Ein Geruch strich über seine Nase. Er schnupperte. Da war der getrocknete Bratensaft, der vieles überdeckte. Darunter versteckt waren auch noch altbekannte Gerüche, wie das Wasser und der Kalk. Aber etwas war fremd, passte nicht hierher. Es roch nach Erde, Laub und...Fell!
Grimms erster Instinkt war es zu knurren. Der Wolf wollte drohen, wer auch immer in sein dunkles Reich eingedrungen war. Wollte das Fremde angreifen, bevor es zur Gefahr wurde. Doch der Junge hielt sich zurück. Schluckte das aufwellende Geräusch in seiner Kehle hinunter. Wer oder was war da? Hatten sie ein weiteren Hybriden gefangen? Oder war es ein Tier? Wieso hatten sie es hier reingeworfen? Wieder Fragen, die er nicht beantworten konnte.
Ein tiefer Seufzer riss ihn aus einen Gedanken. Grimm tat rasch ein paar Schritte nach hinten, wollte instinktiv Abstand zwischen sich und dem Eindringling. Doch der Neuankömmling rührte sich nicht. Stattdessen nur wieder der gleichmäßige Atem eines Schlafenden. Falscher Alarm.

Grimm war hin-und hergerissen. Einerseits wollte er wissen, was das war, dass sich nun in seiner Höhle breitgemacht hatte. Andererseits hatte er Angst. Erinnerungen zuckten vor seinen Augen dahin. Er sah das geifernde Maul des Wolfes, sah das Blut an den Käfigstäben, sah den Wachmann und fühlte seine schwieligen Hände um seinen Hals. Grimm schluckte und kroch noch weiter nach hinten.
Bald würde die Klingel kommen und die Klappe geöffnet werden. Dann konnte er einen Blick erhaschen, würde wissen womit er es zu tun hatte, ohne sich in Gefahr zu bringen. Es gab keine Grund für ihn, Dinge zu übereilen.

Doch die Neugier ließ ihm keine Ruhe. Die Minuten zogen sich in die Länge. Windeten und verknoteten sich in einem Muster, dass ihm nur allzu bekannt war. Er wusste, dass warten nun umso länger dauern würde. Zumindest bis er seinen Geist beruhigte. Doch das war närrisch! Was wenn es gefährlich war? Würden sie wirklich uns in Gefahr bringen, nach alldem? Woher sollte er das wissen? Ihre Taten waren unerklärlich und er rottete immer noch in diesem Loch ohne Antworten! Aber es schläft. Nur ein wenig näher ran. Nein, zu gefährlich! Nur kurz, dann zurück und warten. Zu gefährlich!

Grimm hockte für ein paar Minuten still da. Einzig das Zucken seiner Ohren verriet seine Unruhe. Dann, ganz langsam und vorsichtig, kroch er nach vorne. Sorgsam legte er seine Hände auf den kalten Steinboden, darauf achtend mit seinen Klauen kein Geräusch zu machen, und schlich in Richtung des fremden Etwas. Sein Schwanz klemmte zwischen seine Beinen und seine Ohren waren flach an den Kopf gelegt. Doch sein Gesicht war eine Mischung aus Angst und Neugier. Meter für Meter näherte er sich. Als er spürte, roch, dass er nah genug dran war, hielt er an. Er konnte immer noch nichts sehen. Doch das Atmen war jetzt lauter, direkt vor ihm.
Ein Teil von ihm schrie es nicht zu tun, doch er hob die rechte Hand. Langsam tastete er sich nach vorne. Sein Herz wummerte in seiner Brust und er hielt nur mit Mühe davon ab, laut zu atmen. Seine Hand reichte durch die Dunkelheit, die Finger ausgestreckt nach dem Unbekannten. Seine Mittelfinger stieß gegen etwas.

Wie vom Blitz getroffen, schnellte Grimm zurück. Er wartete nicht auf eine Reaktion, sondern schlitterte nach hinten und presste sich in die dunkelste Ecke. Blut rauschte durch seine Ohren und Panik hatte sein Herz ergriffen. Der Junge starrte in die Dunkelheit, seine Hände um den Schwanz geklammert, damit er nicht gegen Wände schlug. Mit Spannung und Furcht wartete er auf eine Regung oder das Licht, dass seinen Zellengenossen enthüllen würde.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 7. Juni 2017, 16:24

FELL!
Es war Fell was seine Finger berührt hatten und es war warm gewesen, also nicht wie das Kostüm, das er früher getragen hatte, dass ihn zwar mit seiner eigenen Körperwärme eingehüllt hatte, aber keine eigene Wärme besaß, sondern wie Fell, dass noch durchblutet wurde und einem Tier gehörte.Wie vom Blitz getroffen, schnellte Grimm zurück noch bevor seine Finger die Meldung an sein Gehirn weiter gereicht hatte. Er wartete nicht auf eine Reaktion, sondern schlitterte nach hinten und presste sich in die dunkelste Ecke. Blut rauschte durch seine Ohren und Panik hatte sein Herz ergriffen. Der Junge starrte in die Dunkelheit, seine Hände um den Schwanz geklammert, damit er nicht gegen Wände schlug. Das einzige Geräusch das er kurz hörte war sein rasender Herzschlag, dann wurde es besser. Er hörte immernoch das gleichmäßige Atmen, seines neuen Zellengenossen. Die Berührung hatte ihn nicht geweckt. Ab und an mischten sich kleine Unregelmäßigkeiten in den Rhythmus, aber Grimm erkannte schnell, dass dies anscheinend normal war. Mit Spannung und Furcht wartete er in seiner Ecke auf das Licht, dass seinen Mithäftling enthüllen würde und es kam auch bald. Das leise Glöckchen kündigte den Lichtstrahl an. Die Luke wurde oben geöffnet und der Korb wie gewohnt herunter gelassen. Grimms Muskeln zuckten und seine Beine trugen ihn automatisch zur Mitte des Raums. Zumindest ein gutes Stück, bis er erkannte, dass er sich damit auch dem Wolf näherte, der auf der anderen Seite lag. Wie angewurzelt blieb der Junge stehen und starte das Tier an.
Er lag schlafend auf der Seite und das Licht ließ in langsam aus der Dunkelheit auftauchen. Er war riesig! Warum um Himmels Willen hatten sie einen ausgewachsenen männlichen Wolf zu ihm in das Loch gesperrt? Das Licht sank tiefer und Grimm erkannte die bunter Färbung seines Pelzes. Alles war vorhanden. Ein wenig Schwarz, viel Grau, ein bisschen rotbraun auf der Nase und an den Ohren und weiß an der Kehle und am Bauch. Ein großer Grauwolf, so wie er in den Wäldern manchmal zu finden war oder wenn die Schäfer ihrer Not mit ihnen hatten, wenn der Winter zu früh eingesetzt hatte und sie sich vor Hunger auf die Felder und in die Nähe der Höfe wagten.

(Bild Wolf)

Das Tier war gewaltig. Sein Fell war teilweise mit Erde und Fell bedeckt, als hätten sie ihn durch die Gegend geschleift. Trotz dem tiefer wandernden Lichtstrahl rührte sich der Wolf aber nicht. Zumindest nicht sehr. Er presste die geschlossenen Augen fester zusammen und ein leises Grollen rollte in seinem Brustkorb, aber er schien noch zu betäubt um wirklich wach zu werden. Der Korb kam unten an und entleerte seine Fracht.
Fleisch. Mit Rosmarin und Baldrian.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Sonntag 18. Juni 2017, 17:31

Mit weiten Augen starrte Grimm das Wesen an. Seine Nase zuckte und die Ohren flach an den Kopf angelegt. Das Licht hatte einen Wolf enthüllt. Und nicht irgendeinen Wolf, nein. Vor ihm lag ein ausgewachsener Grauwolf, riesig und in gutem Zustand. Das Fell war dicht und roch nach Walderde und man konnte sehen wie die Muskeln sich mit jedem Atemzug bewegten.

Der Junge brauchte einen Moment, doch als er das Ohr des Tieres zucken sah, merkte er, dass nähergekrochen war. Es war instinktiv gewesen. Die Klingel hatte geläutet, das Licht kam, das bedeutete Essenszeit. Und Grimms Körper hatte ihn, ohne es zu merken, in die Mitte des Raumes befördert.
Furcht ergriff Grimms Herz. Sein Schwanz zuckte zwischen seine Beine, die sich anspannten, bereit bei dem kleinsten Zeichen an Gefahr zurück in die dunkle Ecke zu springen. Dann kroch der Geruch von Rosmarin und Baldrian in seine Nase und Speichel tropfte von seinen Lippen. Mit einem leisen Klatschen landete ein Stück Fleisch zwischen dem Hybriden und dem Wolf. Das Tier grollte und Grimm zuckte erschreckt zusammen, wich ein paar Schritte zurück.
Doch nichts geschah. Anscheined war der Wolf zu betäubt um auf die Mahlzeit zu reagieren. Vorsichtig, um ja nicht das Biest aufzuwecken, kroch Grimm zum Braten. Als sich seine Klauen drum schlossen, sprang er nach hinten in die Ecke. Seine Arme pressten die Mahlzeit an sich, als würde sie jeden Moment davonlaufen. Wieder keine Reaktion vom Wolf.

Grimms Herz raste. Warum hatten sie einen Wolf in seine Zelle gesteckt? Was wollten sie bezwecken? Warum taten die Wachen das? Keine Antworten, wie immer. Aus irgendeinem Grund hatten sie ein wildes Tier zu ihn gesperrt. Grimms Atem ging schneller. Bilder von dreckigen Zähnen und speichelbefleckten Lefzen füllten seinen Kopf. Das schmutzige, mit Blut besprenkte Fell. Die eisernen Gittertstäbe, der Schmerz, sein Schrei und das laute Knurren eines Wolfes, verrückt vor Angst und Wut.
Der Hybride presste sich gegen die Wand, zitternd. Hatten sie dasselbe vor? Hatten sie ihn mit einem Biest eingesperrt um zu sehen, wie sie einander zerfleischten? Es würde kurz sein, das war sicher. Grimm gab sich keiner Illusion hin. Dieses Biest könnte ihn töten, ohne dass er etwas dagen tun konnte.

Nein, so simpel konnte es nicht sein. Der Junge zwang sich ruhiger zu atmen. Der Wolf in ihm jaulte und schrie. Er wollte essen, aber auch die Bedrohung los werden. Ihn töten. Ein Biss in den Nacken und sie wären die Gefahr los! Keine Gnade!
Grimm biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. Nein, er konnte nicht. Er wusste nicht ob seine Fänge das Nackenfell durchbohren konnten, bevor der Wolf aufwachte. Und er war sich auch nicht sicher, ob er wirklich bereit war ihn zu töten. Ein Teil von ihm wollte es sich nicht eingestehen, doch er war froh dass er wenigstens nicht mehr allein war. Wenn er den Wolf angriff würde er nur wieder in Einsamkeit versinken. Und Grimm war sich nicht sicher ob seine Seele das überstehen würde.

Sein Blick fiel auf den Braten in seinen Händen. Seine Finger waren klebrig mit Öl und Honig und ein wenig hatte auch seine Brust benetzt, als er die Mahlzeit an sich gepresst hatte. Hunger kneifte ihn wieder. Seine Klauen gruben sich ins Fleisch.

Und rissen es auseinander.

Ein großes Stück, ungefähr halb so groß wie seines, wenn nicht ein wenig größer, nahm er. Dann kroch er, so leise er konnte, rüber zu dem schlafenden grauen Riesen. Seine Hand schwebte vor dem Kopf des Wolfes, zitternd. Dann ließ er das Fleisch vor seiner Schnauze fallen und sprang wieder zurück an seinen Platz. Gierig schlang er seine eigene Mahlzeit hinunter, während er mit einer Mischung aus Spannung und Furcht auf das Erwachen seines neuen Zellengenossen erwartete.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Dienstag 20. Juni 2017, 08:59

Grimm teilte das Fleisch, dann kroch er so leise er konnte rüber zu dem schlafenden grauen Riesen. Seine Hand schwebte vor dem Kopf des Wolfes, zitternd. Die große schwarze Nase zuckte im schwindenden Licht der Lampe, aber der Kopf regte sich nicht. Der junge Hybrid ließ das Fleisch vor seiner Schnauze fallen und sprang wieder zurück an seinen Platz. Gierig schlang er seine eigene Mahlzeit hinunter, während er mit einer Mischung aus Spannung und Furcht auf das Erwachen seines neuen Zellengenossen erwartete. Eine Weile hörte er dem gleichmäßigen Rhythmus der Atemzüge in der anderen Ecke zu, doch dann ließen auch seine Spannung und Furcht ein wenig nach. Zumindest wurden sie von der Müdigkeit überlagert, die seine Mahlzeit mit sich brachte. Vielleicht hätte er das Fleisch dieses Mal nicht essen sollen? Es enthielt die Wirkstoffe, die ihn immer wieder einschlafen ließen und eine schlafende Bestie in seinem Loch war doch besser als eine wache. Aber er hatte teilen wollen und so teilte er auch irgendwann den Schlaf.

Die Hand seines Vaters schwebte drohen und Schmerz versprechend über seinem Kopf. Seine Augen funkelten wütend und voller Abscheu, sah Ulfs Erzeuger auf seinen Sohn nieder. Der Junge kannte diesen Blick nur zu gut in dem deutlich der Wunsch stand, ihn nie gezeugt zu haben. Von hinten erklang die Stimme seiner Mutter, die wie so häufig Partei für ihn ergriff und ihn damit einmal mehr vor einer Bestrafung schützte.
„Er macht das doch nicht mit Absicht.“
„Dummheit schützt vor Strafe nicht!“
Dieser Satz hallte immer und immer wieder durch seinen Geist. Er konnte jedes kleine Detail der Hand erkennen. Jede Falte, jede Blase, jeden Riss, der von schwerer Arbeit zeugte, bis hin zu den Erdresten unter den Fingernägeln.
„Er ist ein Nichtsnutz!“
Sein Vater ruckte mit der Hand nach vorne. Grimm zuckte heftig zusammen, aber sein Vater grinste nur gemein. Er hatte so getan, als würde er ihn schlagen. Lachend drehte er sich weg und ging aus dem Raum. Grimm spürte es. Etwas warmes nasses benetzte seine Wangen. Seine Mutter kam näher und hatte einen nassen Lappen in der Hand, mit dem sie ihm das Gesicht wusch. Sie strich ihm damit über die Wange, das Kinn und auch seine Brust, da er sich mal wieder bekleckert hatte. Dann ging sie zur Wasserschüssel und ein seltsam unpassendes Geräusch von fließendem Wasser erfüllte die kleine Hütte seines Traumes und zerriss ihn.

Grimm fühlte noch die Verdunstungskälte von etwas feuchtem auf seiner Haut, dort wo seine Mutter ihn gewaschen hatte. Der Geruch von Wolf, Fleisch und Kräutern hing allgegenwärtig in der Luft. War das Fleisch noch da? Hatte der Wolf seine Hälfte gefressen? Er wusste es nicht. Er hörte noch das Leiser werdende Rauschen des Wassers, dass wohl gerade am verklingen war und ein leises Knurren aus einer Richtung, die seiner Meinung nicht die war, wo sein neuer Mitbewohner als letztes gelegen hatte. Dem Knurren folgte ein glucksendes Geräusch, ein winselnder Laut, ein Fiepen und wieder ein leises Knurren. Es war eine kleine Warnung darin versteckt, die ihm sagte, er solle Abstand halten und Grimm verstand darin noch etwas anders:
„Du stinkst nach Zweibein!“
Dann hörte er wie seine raue Zunge die Wasserrinne weiter aus leckte. Der Wolf musste sich kaum zwei Armlängen von ihm an der gleichen Seite der Höhle befinden.

Da waren sie nun. Ein halber Mensch, der Angst vor Wölfen hatte und ein ganzer Wolf, der Angst vor Menschen hatte. Und noch etwas war anders. Grimm sah etwas. Es war ein minimales Schimmern in der Dunkelheit, ein fahles Glitzern, dass von der nassen Rinne gespiegelt wurde. Er sah kurz hinauf zur Decke und konnte sehen, dass dort ein kleiner Sichelmond-förmiger Spalt offen geblieben war. Dieser winzige Spalt war gerade so viel Licht in die Höhle, dass es zu dieser Spiegelung kam und dass er wage Bewegungen wahrnehmen konnte. Nicht, dass er gerade viel davon sah. Der Wolf in seiner Nähe lag schnaufend an der Rinne und bewegte sich kaum. Alles war schwarz in schwarz um ihn herum. Nur der Glanz des Wassers und vielleicht die Feuchtigkeit auf der Schnauze des Tiers, ließ erahnen wo er war.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Grimm » Donnerstag 22. Juni 2017, 18:36

Die Hand war riesig. Wie die Pranke eines Bären hing sie in der Luft, angespannt und gewaltbereit. Ulfs Vater starrte mit zornfunkelnden Augen auf ihn herunter, seine Miene verzerrt mit Abscheu. Der Junge kannte diesen Ausdruck nur zu gut. Er sah ihn immer. Entweder weil er etwas fallen gelassen hatte oder sein Fieber ihn wieder ins Bett zwang, während die anderen draußen auf dem Feld arbeiteten. Er wusste, dass sein Vater wütend war wegen seiner Schwäche. Und egal was er tat, er konnte es nicht ändern.
„Er macht das doch nicht mit Absicht.“, verteidigte ihn seine Mutter. Er konnte ihre Stimme hinter sich hören, sein Augen immer noch an der zur Ohrfeige erhobenen Hand klebend. Es war nicht das erste Mal, dass sie versuchte ihn vor seines Vaters Zorn zu schützen. Am liebsten würde Ulf aufspringen und ihre Arme rennen, doch das würde seinen vater nicht aufhalten. Nicht dieses Mal.
„Dummheit schützt vor Strafe nicht!“
Der Satz bohrte sich in seinen kleinen Schädel. Die Worte hallten durch seinen Geist. Wie häufig hatte er sie gehört nun? Er hatte aufgehört zu zählen. Doch sie waren stets da, bei jedem Schlag, jeder aufgeplatzten Lippe, jedem leeren Magen, jedem dreckigen Grinsen von Thrandil...
„Er ist ein Nichtsnutz!“, brüllte sein Vater und ließ seine Hand niederfahren. Ulf - nein, Grimm zuckte zusammen. Doch der Schlag km nicht. Das Grinsen seines Vaters war jedoch breit und böse. Er hatte erreicht was er wollte. Egal wie alt Grimm wurde, egal lange seine Kindheit her war, er würde immer die Schläge seines Vaters fürchten. Immer ein kleines Kind sein, vor seiner schwieligen Hand.
Während Wulfhard lachend aus dem Rum ging, stand Grimm stumm da. Etwas Nasses benetzte seine Wange. Weinte er? Bevor er sein Gesicht berühren konnte, war seine Mutter da. Mit einem nassen Lappen strich sie ihm über das Gesicht. Mit ihrer Engelsgeduld wusch sein Kinn und die nackte Brust. Richtig, er hatte sich bekleckert. Sie richtete sich auf und wusch den Lappen über der Wasserschüssel aus. Das Wasser gluckerte und sprudelte aus der Holzschale. Grimm runzelte die Stirn.

Und erwachte. Er war eingeschlafen, nachdem er das Fleisch gegessen hatte. Der Junge blinzelte den Schlaf aus den Augen. Dann schalt er sich für seine Dummheit. Natürlich war das Fleisch gespeizt gewesen, warum denn auch nicht? Doch seine Angewohnheit hatte ihn dazu gebracht, es zu essen ohne nachzudenken. Seine Gier hatte seinen Verstand übernommen. So sehr war er an den Alltag gewöhnt gewesen, dass in dem Moment wo er nicht aufgepasst hatte, sein Körper sofort wieder in Routine gefallen war.

Vorsichtig richtete er sich auf. Er fühlte noch die Kälte, dort wo seine Mutter im Traum ihn gewaschen hatte. Warum? Dann hörte er ein Knurren. Es war rythmisch, zumindest hörte es sich so an. Die Laute kamen in Abfolge, eine Reihe die er aus irgendeinem Grund begann zu verstehen. „Du stinkst nach Zweibein!“, grollte der Wolf. Grimm hörte seine raue Zunge über den nassen Stein reiben um die letzten Tropfen Wasser aufzufangen, nachdem der Strom versiegt war. Grimm schluckte. Das Biest war wach.
Immerhin war er noch am Leben. Also war der Wolf nicht interessiert daran gewesen eine zweite Mahlzeit zu haben. Oder er war noch müde. So oder so, sie waren nun beide wach. Und aus irgendeinem Grund konnten sie einander verstehen, auch wenn Grimm nicht gnz wusste warum. Es fühlte sich instinktiv an, als würde etwas in ihm die Laute, Gerüchhe und Bewegungen des Gegenübers übersetzen in so etwas Ähnliches wie Sprache. Moment, Bewegungen?

Tatsächlich, er konnte die feuchte Nase des Wolfes in der Dunkeleheit glitzen sehen. Hier und da war ein Schimmer auf den Boden, wo Wasser zurückgeblieben war. Ein Blick nach oben verriet Grimm, dass man den Verschluss zu seinem Loch einen Spalt weit offen gelassen hatte. Warum? Um ihn zu beobachten? Er wusste es nicht und beschloss auch keine Gedanken daran zu verschwenden. Er hatte gerade andere Sorgen.
Mit weit aufgerissenen Augen und pochenden Herzen beobachtete er die Bestie, wie zwei Armslängne von ihm bei der Wasserrinne stand. Er kam nicht näher, die Warnung war klar gewesen. Doch er hatte Fragen. Und hier war jemand der sie vielleicht beantworten konnte. Oder zumindest sein leid teilen, wenn auch nur ein bisschen. Doch wie sollte er mit ihm kommunizieren?

Grimm griff nach seiner Wasserschale und trank, um seinen Geist wachzukriegen. Als das kühle Nass seine Lippen benetzte, merkte er etwas. Seine Mutter konnte ihn nicht gewaschen haben. Es war ein Traum gewesen. Dennoch war der Honig und die Ölreste von seinem Körper verschwunden. Sein Blick fiel auf den Wolf. Dann, ohne groß nachzudenken, fiepte er: "Hast du mich abgeleckt?"

In dem Moment, in dem die Laute aus einem Mund kamen, zuckte er zusammen. Sein Haar stellte sich auf vor Schreck und er hielt sich die Hände vor die Lippen, als ob diese fremden Laute zurückhalten konnte. "Tut mir leid!", jaulte er, was ihn noch mehr verschreckte und ihn schließlich wieder schweigen ließ.
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Re: Tief in Jorsas Eingeweiden

Beitragvon Erzähler » Freitag 23. Juni 2017, 08:43

„Du stinkst nach Zweibein!“
Die feuchte Nase des Wolfes glänzte in der Dunkelheit. Hier und da war ein Schimmer auf den Boden, wo Wasser zurückgeblieben war. Mit weit aufgerissenen Augen und pochenden Herzen beobachtete Grimm die Bestie, wie zwei Armeslängen von ihm bei der Wasserrinne lag. Der massige Körper des Wolfes, der bestimmt seine 60 Kilo auf die Wage brachte, lag lang gestreckt nahe der Wasserquelle und das Glitzern der Nase zeigte in Richtung des Hybriden.

Grimm griff nach seiner Wasserschale und trank. Seine Bewegung hatte sofort ein leises Knurren zur Folge. Wieder eine Warnung, aber nicht sehr aggressiv, dass konnte er auch weiteres verstehen. Das er die Laute des Wolfes verstand drang langsam in sein Gehirn und als das kühle Nass seine Lippen benetzte, merkte er etwas. Seine Mutter konnte ihn nicht gewaschen haben. Es war ein Traum gewesen. Dennoch war der Honig und die Ölreste von seinem Körper verschwunden. Sein Blick fiel auf den Wolf. Dann, ohne groß nachzudenken, fiepte er:
"Hast du mich abgeleckt?"
In dem Moment, in dem die Laute aus einem Mund kamen, zuckte er zusammen. Sein Haar stellte sich auf vor Schreck und er hielt sich die Hände vor die Lippen, als ob diese fremden Laute zurückhalten konnte. Der Wolf legte den Kopf leicht schräg.
"Tut mir leid!"
, jaulte Grimm, was ihn noch mehr verschreckte und ihn schließlich wieder schweigen ließ. Sein Zellengenosse grummelte nur leise, was nach einer Zustimmung auf seine erste Frage oder auf seine Entschuldigung klingen könnte, oder beides und legte seinen Kopf auf den großen Pfoten ab. Er schnaufte einmal langgezogen und grollte dann:
„Welpe, mach keinen Ärger!... Ich habe Schmerzen, also bleib weg! ...bin müde... müde...“
Er schnaufte noch einmal. Anscheinend hatte er nach dem Aufwachen sich an dem mit Schlafmitteln versetztem Fleisch gütlich getan, auch die Reste von Grimms Körper geleckt und nun begann es zu wirken. So oder so schien es, als betrachtete die Bestie den kleinen Halbmenschen, oder was auch immer er in Grimm sehen mochte, als keine Gefahr sondern als „Welpen“. Müde und satt war der Wolf wohl keine Bedrohung für Grimm und er hatte etwas von Schmerzen gegrollt, also hatte er keine gute Laune und war gewiss nicht zum Spielen aufgelegt.
Grimms Verwunderung, dass er gerade nicht nur die Bestie seiner Albträume verstanden hatte, sondern auch ihr geantwortet hatte, hatte ihn zum Schweigen gebracht. Er lauschte in die wieder eintretende Stille, die nun erfüllt war mit einem zweiten Atem, einem gelegentlichen Seufzen oder leisem Brummen. Er war nicht mehr allein.
Nach der langen Zeit, die ihm wie Monate vor kommen musste, war er nicht mehr allein in seinem Loch! Auch wenn seine Instinkte ihm Angst machten, so war da auch etwas ganz kleines tief in ihm, dass unsäglich glücklich war, nicht mehr alleine zu sein. Sie hatten ihn einen Gefährten gegeben. Jetzt galt es eben jenen dazu zu bringen, ihn nicht zu fressen.

Grimm harrte in der Dunkelheit aus und lauschte auf den Atem des Tiers. Ruhig und gleichmäßig gab er seinem Dasein einen neuen Rhythmus, eine neue Melodie. Es war fremd und er hatte sicher Angst, aber ein kleiner Teil von ihm war einfach froh, selbst wenn er es verweigerte und nicht wahr haben wollte. Selbst wenn der Wolf ihn beim nächsten erwachen zerfleischen sollte, so war er doch am Ende seiner Gefangenschaft nicht allein gewesen.
Still saß er da und seine Gedanken rotierten in seinem Kopf. Auch dass von oben tatsächlich ein wenig Licht herein fiel machte es ihm leichter. Der Gedanke, dass sie ihn von oben beobachteten war naheliegend und einmal mehr wanderte sein Blick die Felswände entlang, die er nun mal mehr, mal weniger gut erkennen konnte. Dort wo sie trocken waren, lagen sie in Schwärze gehüllt in der Unsichtbarkeit der Schatten, doch da wo Feuchtigkeit glänzte, da konnte er sich jetzt einmal in Ruhe die Beschaffenheit des Steins betrachten, wo er sonst nicht hin gelangte. Wann immer das Licht gekommen war, wurde er geblendet, aber jetzt konnte er über sich neues entdecken. Neues, was vor allem mehr Stein und Fels bedeutete. Über seiner „Tast-grenze“ ragten die Wände der Höhle noch gut zwei Armeslängen hoch über ihm auf. In der Mitte konnte er den schmalen Sachachteingang erkennen. Wenn er sich darunter stellte, konnte er sogar den kleinen Sichelmond-förmigen Spalt hoch über ihm sehen. Der Schacht war gut vier Mann hoch und einen halben breit, so dass man... wenn man ein Artist war, gut bei Kräften und ein geschickter Kletterer, sich dort mit dem Rücken an die eine Seite und den Beinen an die andere Seite vielleicht hoch stemmen könnte. Grimm hatte lange genug mit Artisten zusammen gelebt um auf solche Gedanken zu kommen, aber um in den Schacht zu gelangen, müsste er vom Boden aus mindestens zwei Mann hoch springen können und das konnte er nicht. Still stand er da und starrte hinauf. Irgendwann ließ er die Schultern sinken und wollte sich gerade abwenden, als er oben eine Veränderung wahrnahm. War da jemand gerade am Spalt vorbei gelaufen? Hatte sich da etwas bewegt, was die ganze Zeit da gewesen war? Der Lichteinfall hatte sich minimal verändert. Ob da oben jemand eine Laterne trug und sie gerade bewegt hatte?
Plötzlich huschte ein Schatten über die Sichel und etwas fiel Grimm entgegen. Reflexartig fing Grimm den kleinen Kanten Brot und starrte verwirrt auf seine Hände. Er war nicht größer als seine Hand und jemand hatte zweimal abgebissen. Etwas Butter klebte an einer Seite und benetzte nun seine Finger. Der Lichtschein veränderte sich wieder und die Sichel schloss sich. Jetzt war es wieder vollkommen dunkel. Grimms feine Nase schnupperte an dem Kanten, genauer gesagt, an der Biss-kannte und er roch neben dem frischen gebackenen Getreide auch noch ganz leicht nach Leder und Mensch. Grimm konzentrierte sich. Der Mensch, der ihn eben heimlich beobachtet hatte roch außerdem leicht nach Milch, frischen Wiesenkräutern, etwas anderem, etwas fremden, dass seine Nase streichelte wie warmer Samt in der Sonne und … nach … Wolf.
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