Von Ganda, nicht mehr weit vor Jorsa

Dies ist das südliche Königreich unter der Herrschaft des jungen und großzügigen König Richard dem Dritten. Armut findet man hier kaum, sondern meist Wohlstand und Zufriedenheit, einfach ein Reich zum Wohlfühlen.
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Von Ganda, nicht mehr weit vor Jorsa

Beitrag von Erzähler » Sonntag 2. Oktober 2016, 16:45

(Delilah kommt von: Auf den Straßen um Ganda)

„ … und dann hatte ich zu meiner Kusine Wilhelmine gesagt, dass sie ganz vorzüglich in dem Kleid aussah. Das hässliche Ding ließ sie aber wie einen Kürbis aussehen, so orange war es und so rund sah sie darin aus. Einfach unmöglich und der Schnitt war nach ihren Worten die neuste Mode! Himmel, hab ich mir gedacht, da könnte man doch gleich …“
Seit ein paar Stunden ritt Delilah nun schon neben dem Zweispänner her, der eine Dame aus feinem Hause gehörte. Die Dame redete seit ihrer Begegnung in einem fort und Delilah hatte noch nicht einmal die Zeit gehabt sich vorzustellen. Ein paar Mal war ihr der Gedanken gekommen einfach schneller zu reiten und sie hinter sich zu lassen, doch aus verschiedenen Gründen, war dies keine so gute Idee. Als sie an die Kutsche der Dame heran geritten war, hatte sie bemerkt, dass ein gutes Stück voran ein paar sehr zwielichtige Gestalten ritten. Sie begleiteten einen Wagen, vermutlich eines Händlers, aber schienen sich auch sehr für die Damen hinter sich zu interessieren. Einzig der schwer bewaffnete Kutscher hielt sie anscheinend davon ab, aufdringlich zu werden. Als Delilah dann bei der Kutsche blieb, wirkten sie enttäuscht, als wäre ihr ein guter Fang entgangen und außerdem hatte die Dame einen derartigen Redebedarf, dass es Delilah schon fast peinlich gewesen wäre, sie jetzt allein zu lassen.
„ … vorn über gefallen und im Salat gelandet! Ha! Ha! Das müsst ihr euch mal vorstellen! Und das bei Hof! Ich konnte kaum an mich halten als er wieder auftauchte, aber da war diese Neue... Die ist immer in der Nähe des Königs und da benimmt man sich doch, auch wenn es noch so lustig ist. Eine echte Spielverderberin kann ich euch sagen! Herjeh, wenn ich so groß wäre wie diese Frau, würde ich doch die Beine brechen lassen und lieber im Rollstuhl sitzen! Und so dürr! Trägt nur Rot! Ohne Rüschen! Nicht eine! Immer nur dieses Rot und schaut immer nur so in die Runde, als ginge sie nichts etwas an. Irgendwie unheimlich und ich hab die Leute tuscheln hören, sie wäre ein Geist, was natürlich Unsinn ist, weil man sie ja dann nicht sehen könnte...“
Und so ging es in einem Rutsch weiter. Die edle Dame reiste hinter dem Händler her und übergoss Delilah mit ihrem Tratsch vom Hof, da sie sie anscheinend für eine der Ihrigen hielt.
„ … und der Graf war da ganz meiner Meinung! Wirklich, da nimmt man den Bengel zu sich auf und dann stellt er sich als rechter Nichtsnutz heraus. Ich hab sogar gehört, dass er seine Prüfung zum Knappendienst nicht einmal beendet haben soll. Keine Ziele mehr das junge Volk, keine Ziele! Mann nennt ihn wohl jetzt sogar den Wolf von Gudenberg, aber ich finde den Namen ja viel zu klangvoll für jemanden vom verarmter Adel, der seinen Besitz an die Familie von den von Kelterburgs verloren hat. Wolf passt da gar nicht, nein. Eher Hund oder Streuner... Himmel, man kann heut zu Tage ja nur beten, dass einem das Schicksal nicht solch Steine in den Weg legt! Aber wie mein verstorbener Gatte immer sagte: Trudchen, nimm dein Schicksal selbst in die Hand! Und das hab ich, ja das hab ich! Und meine Mutter, der Herr des Lichts hab sie selig ...“
Ein leichter Kopfschmerz kündigte sich seit einigen Minuten bei Delilah an, aber ihr freundliches Lächeln war nicht klein zu kriegen und es war auch nicht mehr weit bis Jorsa, auch wenn die Minuten langsam zu Stunden zogen. Hatte sich die Dame überhaupt vorgestellt oder hatte sie gleich eingefangen von ihrem kleinen Hündchen „Roberto“ zu erzählen, der seit kurzem die Angewohnheit hatte mit dem Hintern über den schönen Teppich im Salon zu schrubben.
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Re: Von Ganda, nicht mehr weit vor Jorsa

Beitrag von Delilah » Montag 10. Oktober 2016, 03:55

Ja, Moma Resa hatte bei der Erziehung ihrer Enkelin wirklich beste Arbeit geleistet. Geduldig reitete Delilah nun schon seit Stunden, welche sich in unerwartete Längen ziehen konnten wie die Novizin schmerzlich erfahren musste, neben der Kutsche der „feinen“ Dame her und ließ sich berieseln vom stetigen Strom an Gesprächsstoff, den das Leben an Hof anscheinend zu bieten hatte. Die junge Frau war hin und hergerissen zwischen der Faszination an der merkwürdigen neuen Welt die ein Pferd und ein Kleid ihr eröffneten und dem immer lauter werdenden Wunsch nach ihrer einfachen grauen Kutte, damit sie endlich wieder ihre Ruhe hatte. In Ruhe lernen und arbeiten, fernab von Orten an denen man aufgrund seines neuesten Kleidungsstücks beurteilt wurde.

Während sie weiter tapfer lächelte, ab und zu zustimmend nickte oder ablehnend den Kopf schüttelte, schweiften ihre Gedanken ab. Zu den Menschen, die sie bald wiedersehen würde, die sie mal mehr und mal weniger vermisst hatte. An den Weg, den sie noch gehen wollte und an den Weg, den sie schon gegangen war. Und bei mancher Lappalie, die die freundliche Dame ihr erzählte, fragte sie sich wie Verano und Leon es in solchen Kreisen aushalten konnten. Plötzlich machten das einsame Anwesen und das Studium an der Akademie noch mehr Sinn als schon zuvor. Bei dem Gedanken musste Delilah wirklich lächeln. Die von Weissenfels auf der Flucht vor den Intrigen und Lächerlichkeiten, der glitzernden Fassade, dem verrottenden Kern. Vor gekränkten Damen und verurteilenden Herren. Aber vielleicht machte sie sich da auch gerade ein ganz falsches Bild. Das wollte sie auf keinen Fall. Die Dame war ja furchtbar nett zu ihr und meinte es auch sicherlich mit den anderen nicht böse. Wenn man es nicht anders gewohnt war…

„Verurteile keinen anderen zu vorschnell, denn du bist nicht seinen Weg gegangen, musstest nicht seine Last tragen und in seinen Schuhen stecken.“
Ihre Moma war eine weise und gute Frau und jeden Tag aufs Neue versuchte Delilah es ihr in Stärke, Herzlichkeit und Besonnenheit nachzueifern.

Und so ließ sie sich ergeben über die neuesten Nachrichten vom Hofe unterrichten. Es war aber auch wirklich eine andere Welt. Bälle und Festessen, Zofen und Diener, Ausritte und Jagdveranstaltungen, aber auch Krieg und Diplomatie, Politik… doch davon hörte Delilah nur wenig. Allein diese merkwürdige Frau, die die Dame erwähnte. Diese große mit den roten Kleidern. Die jetzt anscheinend ständig den König begleitete. Was es wohl damit auf sich hatte? Aber was verstand sie selbst schon davon, überhaupt neben einer Frau vom Hofe mitreiten zu dürfen war schon … aufregend genug. Delilah fragte sich still, ob sie auch an diesem Platz reiten würde, wenn sie dazu gekommen wäre, sich vorzustellen. Aber so beließ sie es dabei. Sie musste nicht lügen und die Dame konnte ihrer Redelust nachgehen. So war ja keinem geschadet.
Verano war wirklich schlau gewesen, als er ihr ein solches Kleid überließ. Er kannte die obere Schicht und wusste, wie viel dort über Aussehen ging. Die einfachen Leute mieden sie zumeist, und die besser Betuchten legten eine ungewohnte Freundlichkeit an den Tag.

Gerade gestern hatte Delilah gelernt, wie gefährlich es allein auf den Straßen werden konnte und wie praktisch es sein konnte, wenn man einen adligen „Beschützer“ hatte. Gestern der ehrenwerte Herr von Eibenau und heute diese wirklich, wirklich freundliche Dame. Denn die Gestalten da vorne waren der jungen Frau nicht geheuer und sie hoffte darauf, dass ihre Gesprächspartnerin bis nach Jorsa fuhr und Delilah sie bis dorthin begleiten würde können. Ab da war der Weg zur Akademie nicht mehr weit. Das Herz der blonden Novizin machte einen freudigen Sprung bei dem Gedanken.
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Re: Von Ganda, nicht mehr weit vor Jorsa

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. Oktober 2016, 09:48

Der Weg nach Hause war wirklich deutlich länger, als der Weg der sie von Jorsa fort gebrachte hatte. Vor allem, da Delilah nach den Vorkommnissen auf dem befallenen Hof ohnehin nichts mitbekommen hatte und noch nie so weit von ihrer Heimat fort gewesen war. Die edle Begleitung machte die Zeit leider nicht kürzer. Es schienen Stunden, ja Tage, vielleicht Wochen zu vergehen, aber gen Abend sahen sie dennoch in der Ferne das Stadttor. Die beiden brennenden Kohlebecken links und rechts des Pflasterweges waren gut von weitem zu sehen und das Fallgitter war geschlossen.

(weiter bei: Kontrolle!)
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