Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Dies ist das südliche Königreich unter der Herrschaft des jungen und großzügigen König Richard dem Dritten. Armut findet man hier kaum, sondern meist Wohlstand und Zufriedenheit, einfach ein Reich zum Wohlfühlen.
Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 25. Mai 2016, 19:21

(Darna kommt von: In Serna )

Beim Verlassen der Hafenstadt hatten Darna und Leon noch einmal kurz aus der Ferne Basil gesehen und einander zugewunken. Jeder von ihnen hatte seine Aufgabe, die dringlich erledigt werden musste, also ritten sie zielstrebig voran. Sie hatten zwei Fässchen Rum links und rechts an *Brezel*'s Sattel geschnallt. Zusätzlich gab es die Aufhängung für die Pflanze und einen Kleinen Sack Hafer für die Pferde. Die beiden anderen Pferde hießen *Haferbrei* und *Semmel*. Haferbrei war ein gemütlicher Wallach und Semmel eine einstmals wohl hübsche braune Stute, die sich immer noch einbildete, dass ihr Gefährte für sie interessieren könnte. Sie war etwas unruhig in seiner Nähe, aber war trotzdem leicht zu reiten. Sie stammten alle aus einer Zucht im Westen des Königreichs in der Nähe von Ganda und Darna wusste, dass man dort gern den Tieren mit ähnlichen Stammbäumen auch ähnliche Namen versammelt unter Oberbegriffen wie *Frühstück* gab. Darna konnte sich vielleicht dunkel erinnern, dass es in ihrer Heimat ein Gestüt gab, deren Besitzer *Bäcker* hieß. Das hier seine Pferde aufgetaucht waren, war nicht all zu verwunderlich, denn er züchtete starke und vor allem langlebige Tiere die auch für das gemeine Volk noch zu bezahlen waren. Schnell waren sie nicht, hübsch noch weniger, aber sanft im Wesen und treu. Pferde und Reiter waren aber für diese Aufgabe ohnehin eher anspruchslos und so begann die Reise ohne Verzögerung.
Eine kleine Weile ritten sie schweigend dahin und Darna konnte Leon dabei beobachten, wie er jedes Mal, wenn die Wolkendecke aufriss und kurz ihre Sonnenstrahlen zur Erde sandte, sein Gesicht dem Licht zuwandte. Er schloss dann immer genüsslich die Augen und ließ sein Pferd frei laufen. Er verließ sich in solchen Momenten ganz auf Darna und dass sie den Weg im Auge behielt. Wie war das Reisen sonst so, in Begleitung eines Lichtmagus? In Begleitung von Leon?
Irgendwie entspannt.
Darna hatte schon oft erlebt, dass die Leute in solchen Situationen oft wahllos Gespräche ohne irgendwelchen ernsten Hintergrund anfingen, nur um zu reden oder sich die Zeit zu vertreiben, aber so war Leon nicht. Darna konnte sich in seiner Gegenwart instinktiv wohl fühlen, denn er war tiefenentspannt. Wenn ihnen jemand begegnete, grüßte er freundlich und schenkte jedem sein sanftes, angedeutetes Lächeln und erhielt auch fast immer ein freundliches Lächeln zurück. Ein einziges Mal schaute ein grummeliger alter Mann irritiert, als Leon ihn grüßte und starrte ihnen noch lange hinterher. Leon lächelte nur darüber. Aber es gab auch die Frauen, besonders die jüngeren blinzelten bei seinem Anblick mit den Wimpern und so manch einem Bauernmädchen würde er heute Nacht süße Träume bereiten. Darna hörte sie hinter ihnen tuscheln, wenn sie vorbei geritten kamen, sah sie sich Luft zu fächeln und verträumt die Augen verdrehten. Er hatte diese Wirkung, aber er beachtete sie alle nicht. Die Mädchen warfen ihm hübsche Blicke zu und flöteten ihre leisen Lockrufe, aber wenn sie dann Darna an seiner Seite wahrnahmen, weiten sich ihre Augen und trollten sich schnell. Darnas Ernsthafter Blick und ihre Geradlinigkeit lud nicht zum Spielen ein. Erst als sie die Stadt weit hinter sich gelassen hatten und bald aufpassen mussten den rechten Abzweig zu finden, löste Leon das Schweigen:
„Darna … ich würde euch gerne etwas fragen, aber ihr müsst natürlich nicht antworten, wenn es euch unangenehm ist. Ich möchte euch zu nichts drängen, aber mein Interesse ist durchaus geweckt... Sagt bitte, als die Rose euch geheilt hat … habt ihr da bewusst Teile von euch ausgelassen? Ich versuche die Vorgänge besser zu verstehen und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es irgendwann an einem Punkt ...es einen Moment gab, wo alles ins Stocken geriet. Ich habe dies auch bei Basil beobachtet und ihr habt Andeutungen gemacht, dass er eine Krankheit in sich trägt. Meine Vermutung geht also augenblicklich in die selbe Richtung, dass ihr ebenfalls eine Krankheit in euch tragt und ich würde euch gerne helfen oder mit Rat zur Seite stehen, wenn es so ist.“
Sein Blick war nicht aufdringlich, er wandte ihn sogar nach der Frage wieder auf die Straße. Die hügelige Landschaft hob und senkte sich in sanften Wellen, sodass dazwischen immer wieder blinde Flecken existierten, die man nicht einsehen konnte. Sie waren schon recht weit nördlich von Serna und am Horizont, wenn man gerade auf einer Hügelkuppe stand, waren vereinzelt Rauschwaden zu erkennen. Irgendwo in der Nähe tobten bestimmt auch Kämpfe, aber Leon wirkte weiterhin vollkommen entspannt.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 26. Mai 2016, 00:03

„Ihr meint sicher Onkel Emil. Er ist Papas Halbbruder, wird aber von den meisten *Eisenfaust* gerufen. *Emil* hört er nicht so gerne.“
Getroffen! In Darnas Augen blitzte kurz so etwas wie Jagdfieber auf. An einen Zufall mochte sie nicht mehr glauben. Also 'Emil Bromer'? Wobei, halt... 'Halbbruder', hat sie gesagt. Hrmpf. Am liebsten hätte sie Mil noch nach dem Nachnamen gefragt, aber das Mädchen war davongestürmt und es hätte nun wohl doch verdächtig gewirkt. Trotzdem! Es waren Brotkrumen, denen sie nachgehen konnte. Sie nahm es als Ausgleich dafür, nicht weiter über Leon nachforschen zu können. Sofern sie überhaupt Gelegenheit dazu bekäme, nahm sie sich vor, also nach einem Ritter mit dem Vornamen Emil zu forschen, das war zwar kein äußerst ungewöhnlicher Name, aber wohl auch nicht allzu geläufig; womöglich direkt in des Königs Diensten oder dem Umfeld von Jersa entstammend, wie sie vermutete. Gerade in Jorsa gab es sowohl am Hof ihres Grafen als auch im Umfeld des Schlosses Möglichkeiten, die entsprechenden Wappenrollen zu wälzen.
Willst du dich wirklich mit diesem Kleinkram befassen? Kleinkram. Ja genau, Kleinkram war es wohl. Nicht wirklich wichtig, aber sicher etwas, womit sie sich freie Zeit vertreiben konnte, sofern sie sie bekam.

Die Pferde waren Gebrauchstiere, die wahrlich nicht höheren Ansprüchen genügen würden, aber sie vermieden, die ganze Strecke zu fuß laufen zu müssen. Von der Traglast mal ganz abgesehen. Auch wenn Brezel ein alter Klepper vor dem Lichtherrn war und tatsächlich wohl ihre Geschwindigkeit noch etwas senkte, war Darna doch mit diesem Kompromiss zum Lastkarren sehr zufrieden. Das niedrige Tempo und das angenehme Schweigen brachte sie auch schnell dazu, den Ritt nebenher für eigene Zwecke zu nutzen:
Mehrmals stieg sie ab, um selber in lockerem Trab zu laufen, statt im Sattel zu sitzen. Sie hatte für ihren Geschmack durch die Verletzung zu viel gelegen und wollte ausloten, wo ihre eigenen Grenzen nun lagen, als auch sich selber wieder in Form bringen. So wurden die ersten zwei Laufversuche auch eher harmlos und offenbarten ohnehin andere Anforderungen, als sie dabei feststellte, dass die Stute sich leicht von ihrem Artgenossen ablenken ließ. So behielt die Knappin die Zügel bei sich und musste ihr Tempo auch mit dem des Pferdes vereinbaren. Das zügige Auf- und Absitzen nahm sie gleich als Übung für eventuelle Ernstfälle - die hoffentlich nicht einträten, aber man konnte ja nie wissen.
Schließlich erlaubte sie sich auch eine längere Laufstrecke, übertrieb es aber nicht und blieb danach auch länger wieder im Sattel. 'Keine Sorge, Darna: Wenn Menschen jammern, dass sie angeblich nicht mehr können, haben sie gerade mal ein Drittel ihrer Kräfte verbraucht!' Kontrolliert, wie sie es gelernt hatte, beruhigte sie nach diesen Einlagen zügig wieder ihren Atem und horchte in sich, was für Rückmeldungen ihr Körper ihr gab.

Es war nicht so, dass sie nicht höflich grüßte, aber meist beließ sie es bei einem angedeuteten aufrechten Zunicken, wenn Blickkontakt entstand. Stark zurückhaltend beobachtete sie die Begegnungen mit der weiblichen Landbevölkerung. Besonders die jüngeren blinzelten bei seinem Anblick mit den Wimpern und so manch einem Bauernmädchen würde er heute Nacht süße Träume bereiten. Darna hörte sie hinter ihnen tuscheln, wenn sie vorbei geritten kamen, sah sie sich Luft zu fächeln und verträumt die Augen verdrehen. Ihre eigenen Lippen wurden dabei kaum merklich schmal.
Siehst du, er kann jede haben.
Das wusstest du aber schon vorher.
Er beachtet sie aber auch nicht...
Warum sollte er, wenn er sich eine aussuchen kann?
Aussuchen?
Ihre Stirn furchte sich leicht bei dem Gedanken.
Vielleicht ist er ja sogar schon verlobt...? Das wäre gar nicht so abwegig, und wo sie so darüber nachdachte, trug ihre Mimik dazu bei, dass sich die Augen der Mädchen weiteten und sie sich schnell trollten. Mit ganz leichter Verwirrung sah die Knappin ihnen nach.
Ich hab doch gar keine Narben mehr im Gesicht?
Liegt bestimmt an der schwarzen Rüstung.


Erst als sie die Stadt weit hinter sich gelassen hatten und bald aufpassen mussten den rechten Abzweig zu finden, löste Leon das Schweigen:
„Darna … ich würde euch gerne etwas fragen, aber ihr müsst natürlich nicht antworten, wenn es euch unangenehm ist. Ich möchte euch zu nichts drängen, aber mein Interesse ist durchaus geweckt... Sagt bitte, als die Rose euch geheilt hat … habt ihr da bewusst Teile von euch ausgelassen? Ich versuche die Vorgänge besser zu verstehen und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es irgendwann an einem Punkt ...es einen Moment gab, wo alles ins Stocken geriet. Ich habe dies auch bei Basil beobachtet und ihr habt Andeutungen gemacht, dass er eine Krankheit in sich trägt. Meine Vermutung geht also augenblicklich in die selbe Richtung, dass ihr ebenfalls eine Krankheit in euch tragt und ich würde euch gerne helfen oder mit Rat zur Seite stehen, wenn es so ist.“
Sein Blick war nicht aufdringlich, er wandte ihn sogar nach der Frage wieder auf die Straße. Die hügelige Landschaft hob und senkte sich in sanften Wellen, sodass dazwischen immer wieder blinde Flecken existierten, die man nicht einsehen konnte.

Anders als Leon, der immernoch entspannt blieb, nahm Darnas Wachsamkeit stattdessen zu, je näher sie der umkämpften Grenze kamen. Die Grandessaner sollten laut Erzählungen immer mal wieder freche Vorstöße wagen, und man konnte nie wirklich sicher sein - jedenfalls war ihr das hinter den sicheren Mauern Jorsas eingebläut worden. Der taktisch ausgebildete Teil von ihr suchte mittlerweile jede der schwer einsehbaren Stellen nach Möglichkeiten für einen Hinterhalt ab, und wenn es für sie selber bloß eine Übung wäre. Gleichzeitig hielt sie nach der abgeknickten Kiefer Ausschau. Und nach der Seelenrose schaute sie ab und zu, besonders wenn die Sonne länger bedeckt blieb, auch Wasser erhielt die Pflanze ein weiteres Mal.
Sie hörte Leons bedächtig und behutsam formulierte Frage, aber sie schien nicht gleich darauf zu reagieren; nur an einem nachdenklichen leichten Senken des Kopfes und an dem Spiel ihrer Mimik mochte Leon ermessen, dass sie ihn natürlich sehr wohl gehört hatte.
Da ist also die Frage.
Willst du ihm wirklich davon erzählen?
Warum nicht?
Aber was soll er schon tun? Er wird es alleine ohnehin nicht schaffen können, was die Rose... fast komplett aufzehren würde.

Eine tiefe Angst regte sich und wollte an die Oberfläche, als er Basil erwähnte und ein anderer Gedanke seine Wurzeln in sie schlug: Was, wenn das auch etwas ist, mit dem du nicht einmal wirklich dazu befähigt wärst, Ritter zu werden oder zu sein?
Ihr Unterkiefer schob sich hin und her. Sie musterte die nächste Stelle schlecht einsehbaren Weges. Dann wagte sie sich selber blind vor:

"Ja, ich habe etwas von mir ausgelassen", erwiderte sie endlich leise und bestätigte damit zumindest seine Vermutung. So viel Wahrheit, schien ihr, war sie ihm schuldig. Aber es machte es auch etwas leichter, weiter zu sprechen, die Worte nicht einfach so im Raum stehen zu lassen, auch wenn für Leon deutlich zu merken wäre, wie sie sich für jeden Satz mit zunehmend versteinernder Miene überwinden musste:
"Ich weiß nicht, was es ist."
Sie hatte wieder das Bild dieses grauen Klumpens klar vor Augen.
"Ich bin .. kein Medicus, und ich weiß nicht einmal, wie ich es vielleicht betrachtet hätte, wäre es nicht die erste Behandlung überhaupt gewesen. Aber im Nachhinein habe ich nicht den Eindruck, dass es eine Krankheit ist. Also nicht etwas wie Morgerias Hauch." Die Knappin blinzelte mehrmals. Eine Schädigung eines Organs, wie bei Basils Leber? In ihrem Herzen?! Das intuitive Wissen, was die Seelenrose ihr gewährt hatte, war überwältigend gewesen, aber sie wusste es kaum auf ihr eigenes Phänomen zu übertragen, und sie hatte dabei die Rose ja auch nicht begleitet, sondern nur als Betroffene grob gefühlt, was los gewesen war.
Und völlig irrationaler Weise wünschte sie sich gerade am ehesten, was immer es wäre, man solle es am besten einfach in Ruhe lassen?! Ihre Mimik wurde bitter.
"Es ist freundlich von Euch, dass Ihr mir helfen wollt, aber ohne Eure Fähigkeiten in Abrede stellen zu wollen, glaube ich nicht, dass das so einfach möglich ist."
Ihr Blick hob sich und ihr Gesicht war in diesem Moment auch ohne die Narben nur noch eine grimmige Maske, während sie bemüht beherrscht und fast gezwungen beiläufig hervorstieß:
"Die Rose hätte es jedenfalls komplett aufgebraucht. Das war es, was sie mir 'mitteilte'. Deswegen hab ich abgelehnt und sie zurückgewiesen."
Aber deine Narben, die hast du hübsch heilen lassen...
Halt die Klappe, Gernot. Das wusste ich doch nicht.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 26. Mai 2016, 19:10

Der taktisch ausgebildete Teil von Darna suchte mittlerweile jede der schwer einsehbaren Stellen nach Möglichkeiten für einen Hinterhalt ab. Gleichzeitig hielt sie nach der abgeknickten Kiefer Ausschau und nach der Seelenrose schaute sie ab und zu, besonders wenn die Sonne länger bedeckt blieb, auch Wasser erhielt die Pflanze ein weiteres Mal. Sie kümmerte sich um alles, während Leon sich irgendwie um nichts zu kümmern schien außer ...
Sie hörte Leons bedächtig und behutsam formulierte Frage, aber sie schien nicht gleich darauf zu reagieren; nur an einem nachdenklichen leichten Senken des Kopfes und an dem Spiel ihrer Mimik mochte Leon ermessen, dass sie ihn natürlich sehr wohl gehört hatte. Eine tiefe Angst regte sich und wollte an die Oberfläche, als er Basil erwähnte und ein anderer Gedanke seine scharfkantigen Wurzeln in sie schlug:
Was, wenn das auch etwas ist, mit dem du nicht einmal wirklich dazu befähigt wärst, Ritter zu werden oder zu sein?
Ihr Unterkiefer schob sich hin und her. Sie musterte die nächste Stelle schlecht einsehbaren Weges. Dann wagte sie sich selber blind vor:
"Ja, ich habe etwas von mir ausgelassen"
, erwiderte sie endlich leise und bestätigte damit zumindest seine Vermutung. Er nickte. Es war für Leon deutlich zu merken, dass sie sich zu jedem Satz mit zunehmend versteinernder Miene überwinden musste:
"Ich weiß nicht, was es ist."
Sie hatte wieder das Bild dieses grauen Klumpens klar vor Augen und sein silberner Blick schien tief hinter ihren Pupillen nach einer Erklärung zu forschen.
"Ich bin .. kein Medicus, und ich weiß nicht einmal, wie ich es vielleicht betrachtet hätte, wäre es nicht die erste Behandlung überhaupt gewesen. Aber im Nachhinein habe ich nicht den Eindruck, dass es eine Krankheit ist. Also nicht etwas wie Morgerias Hauch."
Die Knappin blinzelte mehrmals und Leon beobachtete sie aus dem Augenwinkel, denn er hatte den Kopf leicht seitlich geneigt, als dachte er angestrengt nach, während ihre Mimik immer bitterer wurde.
"Es ist freundlich von Euch, dass Ihr mir helfen wollt, aber ohne Eure Fähigkeiten in Abrede stellen zu wollen, glaube ich nicht, dass das so einfach möglich ist."
Ihr Blick hob sich und ihr Gesicht war in diesem Moment auch ohne die Narben nur noch eine grimmige Maske. Leon hatte die Brauen leicht nach oben gezogen, während sie bemüht beherrscht und fast gezwungen beiläufig hervorstieß:
"Die Rose hätte es jedenfalls komplett aufgebraucht. Das war es, was sie mir 'mitteilte'. Deswegen hab ich abgelehnt und sie zurückgewiesen habe."
Aber deine Narben, die hast du hübsch heilen lassen...
Halt die Klappe, Gernot. Das wusste ich doch nicht.

Ihr Begleiter schaute sie nur eine Weile still an und nickt dann langsam und nur so leicht, dass sich sein Haupt kaum bewegte. Ihr innerer Kampf musste sich vielleicht auf ihrem Gesicht wieder gespiegelt haben, denn Leon gab ihr immer die Zeit die sie brauchte um sich zu sammeln. Auf gewisse Art und Weise war er dadurch ein sehr sensibler Mann, wenn gleich er manchmal nach außen hin vielleicht auf andere fast arrogant wirken konnte. Er war sich seiner Fähigkeiten bewusst und spielte nicht Verstecken. Er war einfach ehrlich – zumindest Darna gegenüber, denn anders hatte sie ihn bisher nicht kennen gelernt. Allerdings ahnte die junge Frau nicht, dass sie gerade einen gewaltigen Fehler begangen hatte. Leon wandte sich ab und blickte geradeaus, sogar eher zu Darnas abgewandten Seite und streckte sich einmal, um seine Muskeln zu dehnen. Erst als das hell auflodernde Feuer in sich wieder wieder vollkommen unter Kontrolle hatte, sprach er weiter:
„Ich hätte da eine Idee, wenn ihr sie hören wollt...“
Er wartete, bis sie genickt oder anderweitig ihre Aufmerksamkeit gezeigt hatte. Ohne sie direkt anzusehen fuhr er in Gedanken versinkend fort.
„Wenn wir in Jorsa angekommen sind und noch genügend Samen übrig sein sollten, könnten wir das Experiment an euch wiederholen... vielleicht ein paar Parameter ändern und vielleicht bekommen wir dann heraus, was euch fehlt. In der Lichtakadmie gibt es Heiler, zum Beispiel meinen Ausbilder, oder Magi Sixtema, die sehr viel mehr Erfahrung und Macht haben als meine Person. Magi Sixtema hat derzeit nur einen Betreuungsauftrag soweit ich weiß, die kleine Nova... Sie wird sich bestimmt gerne die Zeit nehmen euch zu untersuchen.“
Er schmunzelte sogar, als er sie jetzt wieder voller Tatendrang ansah, was verriet, dass nicht Darnas kleines „aber“ vor seinen in Abrede gestellten Fähigkeiten ihn leicht erregten. Das was sie erhofft hatte, dass sich am besten niemand um sie oder den Schatten um sie kümmern sollte …
DAS konnte sie nun vergessen!
Leon hatte Blut geleckt!
Es ging hier nicht um seine Fähigkeiten, sondern allein um Darna und dass er ihr helfen wollte. Ohne sie anzusehen, stellte er schlicht fest:
„Wir werden gemeinsam eine Lösung finden. Ich wünsche mir, dass es euch gut geht. Und im Allgemeinen...“
Er schaute in ihre aufmerksamen Augen und seine Pupillen weiteten sich kurz, so dass das Silber seiner Irriden dunkler, fast Stahlgrau wurden.
„...bekomme ich was ich mir wünsche.“
Für drei kurze Herzschläge hielt er sie mit seinen funkelnden Augen gefangen. Es war eine Feststellung, aber irgendetwas lag noch darunter verborgen. Etwas das warten musste, denn in diesem Moment huschte ein Lächeln über seine Lippen, er hob den Arm und sagte:
„Schaut, das muss der Baum sein, von dem der „alte Stinker“ gesprochen hat.“
Darna folgte der gewiesen Richtung mit den Augen und erblickte die windschiefe Kiefer. Die knorrigen Äste wirkten wie die verdrehten Knochen einer uralten Hand. Die einzelnen Finger mussten mehrfach gebrochen sein um dieses Bild zu malen, aber trotzdem war es als wies der Baum landeinwärts, als würde er dem Betrachter raten in diese Richtung zu fliehen und zwar so schnell wie möglich. Es war ein gruseliger Anblick, der sich noch verstärkte, als die beiden näher ritten, denn um einen der tiefer liegenden Äste hing in einer Gabelung noch ein zerfaserter Überrest eines Seils. In vergangenen Tagen musste hier jemand gestorben sein. Das Seilende sah aus, als hätte man versucht es zu entfernen, aber dabei nur die Rinde des Baumes verletzt und es dann aufgegeben. Etwas dunkles lag über diesem Ort und seltsamer Weise fühlte sich ein winziger Teil von Darna hier wohl... nur einen flüchtigen Gedanken lang.
Dann rief auch schon Leon und zeigte auf einen etwas größeren Hügel hinter dem er die gesuchte Hütte vermutete. Sie ritten weiter und als sie über die Kuppe kamen sahen sie das mit Moos bewachsene Dach, die schrägen Wände und die dünne Rauchfahne über dem windschiefen Schornstein. Leon ließ sein Pferd stehen bleiben und richtete sein Blick in die Ferne.
„Ich würde gerne eine kleine Runde um das Haus drehen um nach Auffälligkeiten und Hilfsmitteln für uns zu suchen. Ihr könnt hier warten, oder ihr reitet schon hinunter und kündigt unseren Besuch an. Ich bin gleich bei euch.“
Damit lenkte er Haferbrei nach links weg und begann einen Kreis um die Hütte zu ziehen. Dabei hielt er den Horizont im Auge und schaute immer mal wieder hier und da auf den Boden. Kurz darauf hielt er bei einem flachen Busch an, zupfte ein Blatt ab und zerrieb es zwischen den Fingern, während er daran roch. Dann setzte er seinen Weg fort.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 27. Mai 2016, 00:07

„Ich hätte da eine Idee, wenn ihr sie hören wollt...“
Ihre Stirn furchte sich leicht. Hatte sie mit etwas anderem gerechnet? Eigentlich ja nicht, aber die leise Hoffnung, dass er das Thema angesichts der Dimension einfach auf sich beruhen ließe, war nun definitiv irrig gewesen. Dass sie ihn aber regelrecht herausgefordert zu haben schien, ahnte sie tatsächlich nicht. Es brauchte vor Darna nicht allzu viel Schauspielkunst, um Gefühle zu verbergen, und Leon beherrschte es gut, in solchen Momenten eine Fassade vor ihr aufzubauen und den Blick abzuwenden, Gleichmütigkeit vorzutäuschen. Sie hatte dezent beobachtet, wie er sich abwandte und streckte, als sein Inneres kurz in Aufruhr geriet, ohne etwas dabei zu argwöhnen.
"Sicher...", erwiderte sie leise und vorsichtig, es klang fast, als wäre es nur der Höflichkeit geschuldet. Aber es war eher die Angst vor dem, was kommen mochte, die sie vorsichtig werden ließ.
„Wenn wir in Jorsa angekommen sind und noch genügend Samen übrig sein sollten, könnten wir das Experiment an euch wiederholen... vielleicht ein paar Parameter ändern und vielleicht bekommen wir dann heraus, was euch fehlt. In der Lichtakadmie gibt es Heiler, zum Beispiel meinen Ausbilder, oder Magi Sixtema, die sehr viel mehr Erfahrung und Macht haben als meine Person. Magi Sixtema hat derzeit nur einen Betreuungsauftrag soweit ich weiß, die kleine Nova... Sie wird sich bestimmt gerne die Zeit nehmen euch zu untersuchen.“
Wenn in Jorsa tatsächlich Morgerias Hauch ausbricht, wird sie wahrscheinlich völlig anderes zu tun haben, als sich um eine kleine Knappin zu kümmern, hielt sie in Gedanken ernüchternd dagegen. Ihre Brauen zogen sich leicht zusammen. Außerdem WILL ich nicht, dass die Energie der Pflanze für so etwas vergeudet wird! Selbst der Aufenthalt in einer anderen Person kostet sie doch Kraft, die wir für den Hauch brauchen - oder weitere Pflanzen.
Aber das würde sie ihm so sicher nicht an den Kopf knallen - vor allem nicht den ersten Teil. Sie senkte zurückhaltend den Blick. "Sofern.. tatsächlich Kapazität der Pflanze übrig sein sollte, ist das vielleicht ein guter Gedanke, ja." Für einen flüchtigen Moment kam sie sich selber widerlich vor. Warum sperrte sie sich so dagegen? Sie schob es darauf, niemandem nennenswerte Umstände machen zu wollen. "Aber zunächst steht ja Morgerias Hauch im Vordergrund." Hinter dieser Aussage stand schon mehr Überzeugung. Es klang nur selbst in ihren Ohren so fürchterlich ablehnend... und so beteuerte sie noch:
"Es ist wirklich freundlich von Euch, dass Ihr Euch so um mein Wohlergehen bemüht, ich danke Euch." Es klang höflich, dankbar, nett gemeint, war ehrlich - und trotzdem ein Korb.

Sie fühlte sich irgendwie elend, während er, ohne sie anzusehen, schlicht feststellte:
„Wir werden gemeinsam eine Lösung finden. Ich wünsche mir, dass es euch gut geht. Und im Allgemeinen...“
Er schaute in ihre aufmerksamen Augen und seine Pupillen weiteten sich kurz, so dass das Silber seiner Irriden dunkler, fast Stahlgrau wurden.
„...bekomme ich was ich mir wünsche.“
Für drei kurze Herzschläge hielt er sie mit seinen funkelnden Augen gefangen. Es war eine Feststellung, aber irgendetwas lag noch darunter verborgen.

Und es war irritierend, wie lang drei kurze Herzschläge dauern konnten. In Atemzügen konnte die Zeitspanne auch nicht gerechnet werden, denn sie hielt ihren augenblicklich unbewusst an. An ihrem Körper richteten sich gefühlt sämtliche feinen Härchen auf, dass es überall kribbelte. "Ich wünsche mir, dass es Euch gut geht." - das war schön, aber wieso machte ihr das "Und im Allgemeinen bekomme ich, was ich mir wünsche" dann fast schon Angst? Das glaube ich. Für einen Moment kam sie sich .. wie Beute vor.
Beute?
ER? - IHR?! - Nachjagen?
Moment...
Ihr Verstand klopfte vehement einmal gegen die Kapriolen schlagenden Hormone: Er hat nur eine freundliche Bemerkung darüber gemacht, dass er möchte, dass du gesund bleibst, und er ist Heiler, nicht vergessen? Außerdem...
"Das ist meine andere Seite..."
Hüte dich Fräulein, wer weiß, welche Abgründe auch an diesem Menschen lauern könnten?
Aber sein Inneres, was sie gesehen hatte...
Bist du völlig übergeschnappt, von ihm etwas Böses zu erwarten? WER ist hier diejenige mit einem finsteren Klumpen im Herzen, hm?! Selbiges zog sich bei diesem Gedanken auch kurz zusammen.
Warum eigentlich bei ihm eine Pflanze??

„Schaut, das muss der Baum sein, von dem der „alte Stinker“ gesprochen hat.“
Darna folgte der gewiesen Richtung mit den Augen und erblickte die windschiefe Kiefer.
Sie brauchte ein, zwei mal ein Blinzeln, um überhaupt wieder 'aufzuwachen' und nickte dann, furchte danach bei der näheren Betrachtung des Baumes die Stirn.
Die knorrigen Äste wirkten wie die verdrehten Knochen einer uralten Hand. Die einzelnen Finger mussten mehrfach gebrochen sein um dieses Bild zu malen, aber trotzdem war es als wies der Baum landeinwärts, als würde er dem Betrachter raten in diese Richtung zu fliehen und zwar so schnell wie möglich. Es war ein gruseliger Anblick, der sich noch verstärkte, als die beiden näher ritten, denn um einen der tiefer liegenden Äste hing in einer Gabelung noch ein zerfaserter Überrest eines Seils. In vergangenen Tagen musste hier jemand gestorben sein.
Vermutlich ein Grandessaner. Pfh.
Gut so.

Der Anblick des Galgenbaumes berührte sie weniger, als sie selber erwartet hätte. Angesichts des Wuchses schien ihr seine Verwendung sogar schon selbstverständlich. Das Seilende sah aus, als hätte man versucht es zu entfernen, aber dabei nur die Rinde des Baumes verletzt und es dann aufgegeben. Etwas dunkles lag über diesem Ort und seltsamer Weise fühlte sich ein winziger Teil von Darna hier wohl... nur einen flüchtigen Gedanken lang. Ohne groß darüber nachzudenken, begann sie leise eine Melodie zu summen, die sie mal hübsch gefunden hatte.
(*)

Dann rief auch schon Leon und zeigte auf einen etwas größeren Hügel hinter dem er die gesuchte Hütte vermutete. Sie ritten weiter und als sie über die Kuppe kamen sahen sie das mit Moos bewachsene Dach, die schrägen Wände und die dünne Rauchfahne über dem windschiefen Schornstein. Leon ließ sein Pferd stehen bleiben und richtete seinen Blick in die Ferne.
„Ich würde gerne eine kleine Runde um das Haus drehen um nach Auffälligkeiten und Hilfsmitteln für uns zu suchen. Ihr könnt hier warten, oder ihr reitet schon hinunter und kündigt unseren Besuch an. Ich bin gleich bei euch.“

Unwillkürlich furchte sich ihre Stirn und das Summen war zwischendurch schon versiegt.
Ihr wollt Euch allein hier umsehen? Damit war sie überhaupt nicht einverstanden, aber von Leons Zielstrebigkeit zu überrumpelt, um rechtzeitig etwas dagegen einzuwenden. So harmlos es wirkte, sie betrachtete sich schon jetzt als so etwas wie Leons Personenschutz - und selbst, wenn diese Aufgabe ihr nicht zustünde oder überflüssig wäre, so war ihr doch mehr als nur bewusst, dass sie es sich auf keinen Fall erlauben konnten, dass ihm ernsthaft etwas zustieße. Die Seelenrose würde ohne ihn nicht überleben.
Aber den Klepper mit eben jener genauso wertvollen Pflanze hier einfach stehen lassen, um Leon zu begleiten?
Dass die Pflanze so enorm wertvoll ist, weiß hier aber keiner. Und das Letzte, was der Klepper tun wird, ist ohne schwerwiegenden Grund weglaufen. Sie griff nach der Führleine von Brezel und zog ihn den Hügel ein Stück hinunter, damit er zumindest nicht da oben wie auf dem Präsentierteller stand, sondern vor ersten zufälligen Blicken geschützt war und schnappte sich den für sie vorgesehenen Rapiergurt. Dann trieb sie Semmel zu einigen zügigeren Schritten an, ohne einen Hehl daraus zu machen, dass sie gedachte, Leon mit entsprechender Verzögerung folgen zu wollen.


(* Melodie: Blackmore's Night, "Hanging Tree")

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Montag 30. Mai 2016, 09:41

Das Gespräch war relativ gut verlaufen und Leon bedrängte Darna auch vorerst nicht weiter noch mehr von ihrer „Krankheit“ preis zu geben, was ihr auch sehr lieb war. Morgerias Hauch stand auch für ihn noch im Vordergrund und so nickte er nur zustimmend und sie machten sich auf den Weg zu der in einer Senke verborgenen Hütte. Als Leon dann plötzlich allen das Haus umrunden wollte, merkte Darna erst, wie sehr sie sich schon in der Rolle seines Beschützers wieder fand. Sie brachte Brezel von der Hügelkuppe herunter und ließ sie dann grasen, während sie Leon versetzt folge. Sehr bald bemerkte es dieser auch und wandte sich ihr zu, als wollte er sie auf Abstand halten.
„Ich bleibe in Sichtweite...ich...“
, erklang seine gedämpfte Stimme, denn sie wollten ja die Bewohner des Hauses nicht erschrecken. Dann hatte er einen niedrigen Busch entdeckt, der ihn zu interessieren schien. Mit elegantem Schwung stieg er ab.
„Könntet ihr kurz...“
Er machte ein rotierendes Handzeichen, zuckte er mit den Schultern, wandte Darna den Rücken zu und dann hörte sie ein leises Plätschern. Auch ein Magus musste sich ab und an erleichtern. Logisch war natürlich, dass er das tat, bevor sie sich einer Aufgabe näherten, die womöglich seine ganze Konzentration erforderte. Irrwitziger Weise löste das Geräusch auch bei Darna einen leichten Druck auf ihre Blase aus. Sie waren lange geritten, hatten gut gefrühstückt und keine Pause gemacht. Nachdem Leon fertig war goss er sich einen Schluck Wasser aus seiner Flasche über die Hände um sie dann abschütteln. Dann trat er zwei Schritte zur Seite und zupfte eine Pflanze am Stiel ab. Als er zu ihr zurück kam, erkannte sie eine schwarz verfärbte Kornähre, die er in eine seiner Satteltaschen verschwinden ließ.Dann nahm er die Zügel und führte Haferbrei den hier etwas steileren Abhang hinunter. Sein Blick war ernst und auf Darna gerichtet, als er fragte:
„Wollt ihr?“
Seine leicht erhobene Hand wies in Richtung des kleinen Hauses.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 31. Mai 2016, 22:59

„Könntet ihr kurz...“ Unverstehend furchte sie die Stirn, bis sich plötzlich ihre Augen weiteten und sie sich rasch umdrehte. Tief durchatmend registrierte sie, dass das Bedürfnis nach Erleichterung auch bei ihr recht naheliegend schien, und so tauschten sie nach einem ehrlichen und sichtlich verlegenen "Entschuldigung" von ihr mehr oder minder die Plätze.
Du hast auch das Gespür eines... Maultieres für solche Situationen!
Warum lügt er denn auch und sagt nicht, dass er ...
Ja, eben darum. Da ist er doch nun wirklich nicht der Einzige.

Egal. Sie versuchte, diese neuerliche kleine Peinlichkeit gedanklich schnell abzuhaken. Sie hatten eh Wichtigeres zu tun.

Eine schwarze Kornähre? Götter, greift diese Krankheit etwa auch auf Pflanzen über?, dachte sie entsetzt, während sie etwas entgeistert beobachtete, wie der Getreidehalm in der Satteltasche verschwand.
"Wollt Ihr?", fragte Leon und sie nickte, die Miene war aber schon wieder grüblerisch, als sie die Tür betrachtete. Rot... Was, wenn uns gleich ein Kranker irgendwie entgegen gefallen kommt? Sie sah an sich herunter und musste plötzlich an Nadel denken, der sie die letzte saubere Kleidung versaut hatte. Ich habe keine Lust, das auch noch zu verbrennen. - Doch, eigentlich hätte ich schon Lust, das zu verbrennen, aber nicht jetzt.
"Was haltet Ihr davon, wenn wir uns lieber vorsorgend schon mal mit den Laken abdecken?", fragte sie. "Sollte uns gleich jemand Krankes entgegen taumeln oder ähnliches, haben wir uns sonst gleich schon wieder angesteckt." Die Frage war fast schon rethorisch gemeint. Die Knappin holte welche der Laken und eine Schere heraus, fertigte einen neuen Überwurf an, den sie über die Rüstung zu ziehen gedachte - es sollte ja nur ein erster Schutz sein. Ein paar Stücke Tuch steckte sie zudem im Gürtel bereit, um Dinge nicht unbedingt direkt anfassen zu müssen.
Sie schaute an sich herab.
"Das sieht ziemlich seltsam, also nicht gerade vertrauenserweckend aus", stellte sie unzufrieden fest, "aber die Umstände erfordern es wohl."

Apropos vertrauenserweckend.
Zunächst näherte sich die Knappin der Hütte ohne größere Bedenken, bis sie anfing, sich über die Situation, in der sie eigentlich waren, näher Gedanken zu machen: Wie es da drin wohl aussieht? Dünne Rauchsäule... Vor ihrem geistigen Auge taten sich die Möglichkeiten auf, dass das Feuer drinnen heruntergebrannt sein mochte, weil der kranke Mann sich schon nicht mehr darum kümmern konnte, oder er war unterwegs, irgendwo anders... dann hätten sie ein Problem.
"Hallo? Ist hier jemand?", rief sie zunächst recht arglos, noch gut zwei oder drei Schritt von der Tür entfernt. Jedes kleine Detail der Umgebung wurde, so gut es ging, aufgesogen. Nicht, dass hinter der nächsten Ecke doch ein Grandessaner hockte. Sie stockte kurz.
Ich Dummkopf! Wir sind nahe der Grenze!
"Wir kommen aus Serna!", rief sie plötzlich rasch hinterherschiebend laut genug, dass man es zumindest drinnen hören müsste, und in einem beschwichtigenden Tonfall. Identifizier dich! "Herr Pet?" Wie hieß er gleich..? "Pederto Dopulus? Euer Herr Freund, der Herr Fischräucherer, schickt uns." Ihre Hand näherte sich der Tür, um zu klopfen. "Wir sind Heiler." Das Letzte klang irgendwie zaghafter, denn es stimmte ja nicht so völlig. Aber was sie im Moment von einem Heiler unterschied, das konnte man später noch erklären.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Sonntag 5. Juni 2016, 15:45

"Was haltet Ihr davon, wenn wir uns lieber vorsorgend schon mal mit den Laken abdecken? Sollte uns gleich jemand Krankes entgegen taumeln oder ähnliches, haben wir uns sonst gleich schon wieder angesteckt."
Ihr Begleiter nickte und sah sie irgendwie ...stolz...an. Die Knappin holte Laken und eine Schere heraus, fertigte einen neuen Überwurf an, den sie über die Rüstung zog. Ein paar Stücke Tuch steckte sie zudem im Gürtel bereit, um Dinge nicht unbedingt direkt anfassen zu müssen. Leon nahm ihr ein weiteres ab, dass sie mitgebracht hatte und verfuhr im gleichen Verfahren mit der Bettwäsche.
"Das sieht ziemlich seltsam, also nicht gerade vertrauenerweckend aus, aber die Umstände erfordern es wohl."
Dann näherten sie sich langsam der kleinen Hütte. Die erste Stufe zu der winzigen Veranda, die kaum zwei Schritt maß, knarrte leise, als Darna sie betrat.
"Hallo? Ist hier jemand?"
Sie stockte kurz und drinnen hörte man ein leises Rascheln.
"Wir kommen aus Serna! Herr Pet?" Wie hieß er gleich..? "Pederto Dopulus? Euer Herr Freund, der Herr Fischräucherer, schickt uns."
Ihre Hand näherte sich der Tür, um zu klopfen.
"Wir sind Heiler."

Inspirationsmusik

Noch bevor ihre Finger den Riegel ergreifen konnten, öffnete sich die Tür und eine junge Frau mit rot geäderten, weit aufgerissenen Augen riss die Tür auf. Ihr Anblick jagte Darna eine Gänsehaut über den Rücken, kalt und brennend sickerte die Erkenntnis in ihre Nervenspitzen, dass sie dem Hauch hier dicht auf der Spur waren.
„Lysanthor sei Dank!“
Mit diesen gehauchten Worten fiel die junge Frau Darna in die Arme und die Knappin bemerkte nur im Augenwinkel, dass Leon einen kleinen Ausweichschritt zur Seite machte. Schrecklicher Weise war ihr auch sofort bewusst warum! Das blonde Haar der Frau, die sich nach Hoffnung suchend an sie schmiegte, hing ihr strähnig und verschwitzt über die Schultern. Der Stoff über ihrer Schulter war verrutscht und entblößte teigig weiße Haut auf der der Schweiß in winzigen Perlen glitzerte. Ihr Körper war viel zu warm, sie hatte Fieber und ein Schwall üblen Gestanks hüllte sie ein. Darna war sich im ersten Moment nicht sicher, ob er zu ihr gehörte, oder aus der Hütte kam. Wenigstens hielt sie sich noch auf den Beinen und ein glücklicher Wink des Schicksals hatte dafür gesorgt, dass sie sich fest in das Laken krallte, dass Darna zuvor genau zu diesen Zwecken angelegt hatte. Gut, dass ihr das noch vorher eingefallen war. Verzweifelte Menschen neigten zu verzweifelten Handlungen und das leise Schluchzen an ihrer Brust sprach Bände. Der Kopf an ihrer Schulter hob sich und wässrig blaue Augen sahen sie um Hilfe suchend an. Die spröden Lippen mochten vor kurzer Zeit voll und sinnlich gewesen sein, jetzt waren sie nur noch aufgesprungen und vor Leid zusammen gepresst. Das etwas zu kleine Kinn zitterte, als sie weiter sprach:
„ ...ihr seid gekommen um uns zu helfen!...Ich hab erst gedacht, er hätte sie erkältet, aber dann... dann wurde es schlimmer! Ich hab getan was ich konnte, aber... Bitte helft im!“
Sie krallte sich noch immer in das Laken und schien es auch nicht loslassen zu wollen.
„Fräulein, bitte lasst meine Assistentin los und zeigt uns doch euren Freund. Wir wissen, vom ...„alten Stinker“, dass er vielleicht Hilfe nötig hat.“
Erst jetzt schien die Frau zu bemerken, dass noch jemand anders dort vor der Hütte stand und richtet sich ein wenig auf. Sie blinzelte ein paar mal, schniefte und gewann dann etwas ihrer Kontrolle zurück. Sie nickte ein paar mal schnell und löste ihre verkrampften Finger aus Darnas Laken um sich dann leicht zitternd zu der Tür umzuwenden. Leon warf Darna einen zur Vorsicht mahnenden Blick zu und hielt sich so, dass er die Knappin immer zwischen sich und der aufgebrachten Frau hatte. Dann betraten sie die Hütte.
Der Gestank war hier deutlicher wahrzunehmen und Leon band sich eines der kleineren Tücher um den Mund, auch wenn er dafür von der jungen Frau ängstliche Blicke erntete. Das Innenleben der Hütte bestand aus einer Kochstelle, einer Truhe, einem Regal an der Wand, einem winzigen schief gezimmerten Tisch und zwei nicht zueinander passenden Stühlen. Zur Rechten hing ein beiseite geschobener Vorhang von der Decke und entblößte die dahinter liegende Gestalt in ihrem schmalen Bett. Der meiste Gestank kam dort aus dieser Ecke. Bevor sich Leon dem offensichtlich kranken Näherte, wandte er sich um:
„Um mir einen besseren Überblick verschaffen zu können öffnet doch bitte als erstes beide der kleinen Fenster. Das Feuer kann noch einen zusätzlichen Scheit gebrauchen... Ich werde ihn untersuchen, sorgt euch nicht. Bitte geht dann mit meiner Begleiterin hinaus und folgt ihren Anweisungen. Es ist wichtig, dass ihr zu Kräften kommt, er wird euch brauchen... Wir werden ihm helfen! Ihr seid nicht mehr allein.“
Seine Stimme war fest, zuversichtlich und bot den Halt, den eine verzweifelte Seele brauchte um zu heilen. Als hätte das Wesen der kleinen Frau nur darauf gewartet, dass jemand ihr sagte, was sie tun sollte, setzte sich diese in Bewegung, feuerte die Kochstelle an und öffnete die Fenster. Dann folgte sie Darna nach draußen. Sie ging ein paar Schritte von Haus wer, blieb stehen und begann dann mit bebenden Schultern laut zu schluchzen. Ihr versagten die Knie und sie ließ sich einfach nach vorne fallen. Das Gesicht in beide Hände geborgen weinte die Frau ihre Angst und Anspannung heraus, die sie gefangen gehalten hatte, während sie auf ihren Unterschenkeln saß und am ganzen Körper zitterte.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 7. Juni 2016, 17:21

"Lysanthor sei Dank!" Die junge Frau fiel Darna in die Arme und das Laken erfüllte prompt den Zweck, den die Knappin sich zuvor nur für ein vages "für den Notfall" hatte vorstellen können. Instinktiv wollte sie schon schützend und stützend zugreifen, bevor sie sich knapp zurück hielt. Der Gestank half dabei, doch eine gewisse Distanz wahren zu wollen, und wenigstens hielt sich das blonde Fräulein noch selbst auf den Beinen. Für einige Momente war Darna hin und her gerissen.
Ich kann das nicht... Ich könnte das nicht für immer. Menschen helfen zu wollen und sie sich trotzdem auf Abstand halten zu müssen... Sie seufzte innerlich und vergegenwärtigte sich, dass dieses Kapitel hier irgendwann ein Ende haben würde. Ein hoffentlich glückliches. Sie würde dann allen guten Göttern dafür danken, aus vielerlei Gründen.
„ ...ihr seid gekommen um uns zu helfen!...Ich hab erst gedacht, er hätte sich erkältet, aber dann... dann wurde es schlimmer! Ich hab getan was ich konnte, aber... Bitte helft ihm!“
Die Knappin nickte etwas steif wirkend, aber beruhigend gemeint, als Leon die geeigneten Worte sprach, um die prekäre Begrüßung in geordnetere Bahnen zu lenken, wofür sie ihm einmal wieder wirklich dankbar war.
Leon warf Darna einen zur Vorsicht mahnenden Blick zu und hielt sich so, dass er die Knappin immer zwischen sich und der aufgebrachten Frau hatte. Sie registrierte dieses Verhalten zufrieden, aber wirkte selber relativ gelassen. Die Knappin befürchtete nichts von der fremden jungen Frau und es war bemerkenswert, wie sehr das Wissen um die Existenz und Wirkung der Seelenrose die Angst vor der Krankheit an sich reduzierte.

Sie sah sich in der Hütte um, wo kaum etwas von größerem Wert zu sein schien. Rot... Rot... Auch rot... Eigentlich können wir wohl die ganze Hütte hinterher am besten abbrennen, dann ginge keine Gefahr mehr davon aus... In ihrem Gesicht zuckte es unwillig, als sich ähnlich wie bei den Bromers Skrupel auftaten, dem vermutlich alles andere als wohlhabenden Mann womöglich trotzdem mit einem solchen Vorgang die Existenzgrundlage zu entziehen.
Still beobachtete sie, wie Leon der Frau erste Anweisungen gab und welche Wirkung es auf die Verzweifelte hatte. 'Gib ihnen etwas zu tun!' Wie im Militär. Es ist wirklich fast jedes Mal das Gleiche.
"...Bitte geht dann mit meiner Begleiterin hinaus und folgt ihren Anweisungen. Es ist wichtig, dass ihr zu Kräften kommt, er wird euch brauchen... Wir werden ihm helfen! Ihr seid nicht mehr allein.“ Ihren Anweisungen folgen? Zuerst hoben sich leicht überrascht ihre Brauen, bis sie registrierte, mit welchen Worten Leon der Fremden Zuspruch und zielgerichteten Trost gab und nickte selber bedächtig zustimmend.

Dann folgte die Frau Darna nach draußen. Sie ging ein paar Schritte vom Haus weg, blieb stehen und begann dann mit bebenden Schultern laut zu schluchzen. Ihr versagten die Knie und sie ließ sich einfach nach vorne fallen. Das Gesicht in beide Hände geborgen weinte die Frau ihre Angst und Anspannung heraus, die sie gefangen gehalten hatte, während sie auf ihren Unterschenkeln saß und am ganzen Körper zitterte.
Arme Frau. Ob ihr klar ist, dass ihr das gleiche Schicksal bevor gestanden hätte? Die Knappin furchte die Stirn und konnte für einige Augenblicke weder etwas mit dieser fast schon makaberen Form von Neugier anfangen, noch mit der Situation, vor der sie gerade stand. Ihre Noten in "Trösten" waren mangelhaft bis ausreichend, und sie stand gerade ein klein wenig abseits und ließ die Frau zunächst weinen, weil sie an ihrer Stelle so schnell auch niemanden direkt bei sich gewollt hätte - und nicht wusste, was sie hätte sagen sollen.

Sie konnte hier aber nicht ewig herumstehen und nichts tun... ein huschender Blick ging zurück zur Hütte. Wie lange würde Leon dort drin wohl brauchen und was wollte er überhaupt tun, außer sich den Kranken einmal anzusehen? 'Ihren Anweisungen folgen'... Was erwartete er also wiederum von ihr? Das gleiche Prozedere mit Rum und Laken, wie bei der Herberge? Hat er mich deshalb mit ihr raus geschickt? Damit wenigstens eine andere Frau das macht? Mit auf den Rücken geschobenen Händen sah sie wieder zu der blonden Frau. Aber das ist doch unnötig. Wir heilen sie als Zweites, und gut. Ihr Blick glitt an der Kleidung der Fremden herunter. Aber das ist sicher auch alles rot, dann steckt sie sich ja selber gleich wieder an ihren eigenen Sachen an. Sie holte tiefer Luft, als sie für sich selber sortierte, was zu tun war. Also doch eine gründliche Reinigung und Entfernen der Bekleidung. Aber sie musste vorher noch helfen können, Pet zu versorgen, nicht? Allein schon wegen des Lichtbedarfs würde die Knappin es bevorzugen, den Landarbeiter unter freiem Himmel zu behandeln. Außerdem ist er dann aus dieser verseuchten Hütte raus. Es bliebe vor der Reinigung der Frau also doch abzuwarten, dass Leon wieder heraus kam. Was war bis dahin zu tun?
Wo bekommt sie neue Kleidung her? Hat sie hier in der Nähe Familie? Hatte sie überhaupt nach der Ansteckung noch mit anderen Kontakt? Wo ist der Junge?
Die Stirn der Knappin furchte sich konzentriert und es schien sich für sie heraus zu schälen, dass sie erstmal Informationen brauchten. Leicht nickte sie für sich und näherte sich behutsam der Frau, deren erster Verzweiflungsanfall inzwischen leicht abgeebbt zu sein schien. Trotzdem weinte sie noch.

"Alles wird wieder gut werden", sagte die Knappin leise und ging einige Zentimeter von der Frau entfernt schräg versetzt vor ihr auf ein Knie und bot ihr eines der sauberen Tücher, die sie sich zurechtgeschnitten hatte, zum Abwischen des Gesichtes an.
Was sollte sie ihr bloß sagen, um Himmels willen?!
"Ihr seid Pets.. Verlobte, nehme ich an?", fragte sie vorsichtig vermutend. "Ich bin Darna von Eibenau, Knappin des Grafen der Wehr von Jorsan." Sie sprach langsam und behutsam gedämpft, um die Gedanken des blonden Fräuleins langsam wieder auf geordnetere Bahnen zu führen. "Und ich begleite Herrn Leon Milagros, er ist Heiler der Lichtakademie, zwar noch in der Ausbildung, aber er hat bereits Erfahrung mit dieser Krankheit und hat sie in Serna auch schon geheilt. Euer Freund, der Herr Fischräucherer, ist den götternseidank von dieser Seuche wieder völlig genesen und hat uns zu euch geschickt."
Aufmerksam beobachtete sie die Reaktionen der Frau und ließ ihr Zeit, sich selber vorzustellen oder Fragen zu stellen. Als sie den Eindruck hatte, dass die junge Frau wieder genügend bei der Sache war, um ihr mit genaueren Informationen helfen zu können, wagte sich Darna weiter vor:
"Der Fischräucherer - wir haben leider seinen eigentlichen Namen nicht mehr in Erfahrung bringen können, weil er wieder schlief und wir schnellstmöglich hierher aufbrechen wollten - konnte nicht wissen, dass der Junge, den er für etwas zu Essen zu euch schickte, von einer schlimmen Krankheit befallen war, sie nennt sich 'Morgerias Hauch'. Er wollte bloß helfen, aber nun müssen wir unbedingt herausfinden, wie sich diese Krankheit weiter verbreitet haben könnte und wo sie ihren Anfang nahm. Der Junge war also hier, nicht? Wisst Ihr etwas davon?
Der.. 'Stinker' erzählte, am Abend vor drei Tagen hätten er und Pet hier gefeiert, am nächsten Vormittag traf er den Jungen. Seit wann seid Ihr hier? Und habt Ihr seitdem diesen Ort verlassen oder mit jemand anderem noch Kontakt gehabt? Der Hauch ist leider sehr leicht ansteckend und die ersten Anzeichen wirken, wie Ihr schon festgestellt habt, ähnlich wie eine Erkältung mit Schüttelfrost."


"Wir werden Euch und Pet helfen, euch sehr gründlich zu reinigen, damit ihr euch nicht an befallenen Dingen wie eurer Kleidung oder Ungeziefer wie Flöhen erneut anstecken könnt. Ein Abreiben mit Hochprozentigem hilft, die Haut gründlich zu säubern. Wir haben Rum für diesen Zweck dabei. Ich werde mit Herrn Milagros gleich besprechen, wie wir im Genaueren vorgehen. Es wäre für uns eine enorme Hilfe, wenn Ihr uns zunächst noch zur Hand gehen könntet, um erst Herrn Pet zu versorgen, damit wir weniger Gefahr laufen, uns anzustecken; würdet Ihr das für uns tun, bitte? Danach können wir dann Euch heilen. Habt Ihr Familie, die euch danach mit Dingen wie neuer Kleidung helfen kann?"
Die Knappin schien zuversichtlich, dass man alles wieder hin bekäme, und so war es ja auch. Obwohl sie nicht lächelte, wirkte sie freundlich zugewandt und in behilflich sein wollender Weise besorgt.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Freitag 10. Juni 2016, 10:08

"Alles wird wieder gut werden"
, sagte die Knappin leise und ging einige Zentimeter von der Frau entfernt schräg versetzt vor ihr auf ein Knie und bot ihr eines der sauberen Tücher, die sie sich zurechtgeschnitten hatte, zum Abwischen des Gesichtes an.
"Ihr seid Pet's.. Verlobte, nehme ich an?"
Die Frau nickte und fügte mit zittriger Stimme an:
„Mein Name ist Rosa. Ich bin eine Tochter vom Weinbauern Burgund“
"Ich bin Darna von Eibenau, Knappin des Grafen der Wehr von Jorsan... Und ich begleite Herrn Leon Milagros, er ist Heiler der Lichtakademie, zwar noch in der Ausbildung, aber er hat bereits Erfahrung mit dieser Krankheit und hat sie in Serna auch schon geheilt. Euer Freund, der Herr Fischräucherer, ist den götternseidank von dieser Seuche wieder völlig genesen und hat uns zu euch geschickt."
Ihre rot geäderten Augen weiteten sich. Die junge Frau war bei wachem Verstand und ein aufmerksames Wesen.
"Der Fischräucherer - wir haben leider seinen eigentlichen Namen nicht mehr in Erfahrung bringen können, weil er wieder schlief und wir schnellstmöglich hierher aufbrechen wollten - konnte nicht wissen, dass der Junge, den er für etwas zu Essen zu euch schickte, von einer schlimmen Krankheit befallen war, sie nennt sich 'Morgerias Hauch'. Er wollte bloß helfen, aber nun müssen wir unbedingt herausfinden, wie sich diese Krankheit weiter verbreitet haben könnte und wo sie ihren Anfang nahm. Der Junge war also hier, nicht? Wisst Ihr etwas davon?
Der.. 'Stinker' erzählte, am Abend vor drei Tagen hätten er und Pet hier gefeiert, am nächsten Vormittag traf er den Jungen. Seit wann seid Ihr hier? Und habt Ihr seitdem diesen Ort verlassen oder mit jemand anderem noch Kontakt gehabt? Der Hauch ist leider sehr leicht ansteckend und die ersten Anzeichen wirken, wie Ihr schon festgestellt habt, ähnlich wie eine Erkältung mit Schüttelfrost."

„... Dann geht es Harri gut!... “

Sie atmete erleichtert aus, ließ Darna aber sonst weiter reden.
"Wir werden Euch und Pet helfen, euch sehr gründlich zu reinigen, damit ihr euch nicht an befallenen Dingen wie eurer Kleidung oder Ungeziefer wie Flöhen erneut anstecken könnt. Ein Abreiben mit Hochprozentigem hilft, die Haut gründlich zu säubern. Wir haben Rum für diesen Zweck dabei. Ich werde mit Herrn Milagros gleich besprechen, wie wir im Genaueren vorgehen. Es wäre für uns eine enorme Hilfe, wenn Ihr uns zunächst noch zur Hand gehen könntet, um erst Herrn Pet zu versorgen, damit wir weniger Gefahr laufen, uns anzustecken; würdet Ihr das für uns tun, bitte? Danach können wir dann Euch heilen. Habt Ihr Familie, die euch danach mit Dingen wie neuer Kleidung helfen kann?"
Die Knappin schien zuversichtlich, dass man alles wieder hin bekäme, und so war es ja auch. Obwohl sie nicht lächelte, wirkte sie freundlich zugewandt und in behilflich sein wollender Weise besorgt.
„Meine Familie? Aber wäre sie dann nicht auch in Gefahr?!? ...Natürlich, ich helfe wo ich kann. Ihr sagt mir was ich machen soll und ich tu's.“
Rosa strich sich die wirren Haare aus dem Gesicht, was zeigte das sie wirklich eine kleine „Landschönheit“ war, die nichts auf ihr Äußeres gab. Ihre kleine Stubsnase war gerötet, genauso wie die leicht schräg stehenden Augen, aber sie war die Art von Frau, die ein Mann gern beschützte. Trotz ihres Fiebers biss sie die Zähe zusammen und war bereit sofort alles zu geben. Mit flinken Fingern knotete sie das lange Haar im Nacken zusammen und krempelte die Ärmel hoch. Die junge Frau hatte nun Basils Posten in diesem Krieg gegen eine Krankheit eingenommen. Sie war „rot“ - infiziert und musste alles das tun, was Leon und Darna auf keinen Fall tun durften, aber inzwischen war sich Darna sicher, dass sie das alles gut organisiert bekam. Dabei durfte sie nur nicht vergessen, dass sie durch die verzweifelte Umarmung der Frau nun auch äußerlich „rot“ war. Auch wenn es ihr vielleicht widerstrebte, als erstes musste der „Scheiterhaufen“ errichtet werden, der alles vernichtete, was infiziert sein könnte. Wieder ahnte Darna, dass viel Hab und Gut hier verloren gehen würde, aber gleichzeitig bedeutete das Feuer auch Reinigung und eine Chance auf Leben. Während die beiden Frauen draußen begannen alles vorzubereiten, begann Rosa auch von den Geschehnissen zu erzählen:
„Ja es stimmt, wir hatten mit Harri gefeiert. Er hatte bei der Verlobung nicht dabei sein können und deshalb wollte Pet, dass wir uns einen schönen Abend machen... Das soll da hin?... Gut so?...“
Darna dirigierte die Frau nebenbei und die arbeitenden Hände lösten auch die leidgeplagte Zunge der Frau:
„...mein Pet und ich wollten gerade zu Bett gehen, hatte grade den Abwasch fertig, als der Junge auftauchte. Himmel, sah der runtergekommen aus...Völlig verdreckt und diese merkwürdige Maske fest an die schmale Brust gedrückt. Ich gab ihm unsere Reste, die hat er verschlungen, als hätte er Tage nichts gegessen. Verstockter kleiner Kerl... Hab ihn gefragt, wo seine Eltern sind und er meinte er sei ganz allein auf der Welt, musste ich ihm aber aus der Nase ziehen. Die Grandessaner hätten ihm alles genommen. Er tat mir leid, der Kleine, sah so hoffnungslos aus... und irgendwie … auch so wütend. Ich hab noch nie ein Kind so ernst drein schaun sehen. Es ist mir ganz kalt den Rücken runter gelaufen, kann ich euch sagen!“
Rosa legte gerade noch einen Scheit nach, nach dem das Feuer sofort gierig mit seinen Zungen leckte. Sie verbrannte sich leicht, zischte etwas leise und fuhr dann fort:
„Er hat nicht viel gesprochen, wenn ihr euch das fragt. Wir waren die ganze Zeit mit ihm allein und nach dem Essen hat er sich wie ein Tier am Boden zusammen gerollt und ist eingeschlafen. Pet hat ihn hochgehoben und ins Bett gelegt, da ist er nicht mal aufgewacht. Er hat nur was gemurmelt. Ich konntes nicht hören, aber Pet und der hat's mir dann gesagt... Irgendwas von **leere Augen ohne Mund**. Wir haben darüber gerätselt und uns die Maske angesehen, weil ich meinte, die könnte er meinen. Das Ding war aus Kupfer und auf der Innenseite war so ein schmieriges Zeug. Ich hab's versucht abzuwaschen, aber hatte nicht genügend Seife da, da hab ich es gelassen. Nach ein paar Stunden ist der Kleine aufgewacht, hat gesagt, er müsse pinkeln. Hab nicht mal gemerkt, dass er das schmutzige Ding mitgenommen hatte. Wir haben uns nix gedacht, aber als er nicht zurück kam sind wir die nähere Umgebung absuchen gegangen. Ich könnt euch die Stecke zeigen, die wir gelaufen sind, haben aber keine Spur von ihm gefunden, aber ich kann ein Kaninchen nicht von einem Pferd unterscheiden und mein Verlobter ist da auch nicht viel besser. Da Pet die ganze Zeit über Kopfschmerzen geklagt hatte, sind wir dann zurück und er hat sich hingelegt. Dann kam das Fieber und ...“
Sie schniefte und schluckte.
„Pet geht es so schlecht! Er hat fantasiert und was von schwarzen Würmern erzählt, die er überall unter meiner Haut krabbeln sehen würde.“
Sie schüttelte mit gesenkten Blick den Kopf und hob ihn dann wieder mit flehendem Blick zu Darna.
„Ich hab solche Angst um ihn gehabt! Der Heiler … euer Begleiter, Herr ...Milgos?...Er macht ihn auch wieder gesund?“
Rosa und die Knappin hatten nebenbei den Bereich vor der Hütte schon recht gut vorbereitet und von Leon war inzwischen leises, unverständliches Gemurmel innerhalb der ärmlichen Behausung zu hören. Gewiss hatte er den Erntehelfer inzwischen mit seiner Magie soweit stabilisiert, dass er ihn ebenfalls befragen konnte.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 10. Juni 2016, 15:46

Harri hieß der Fischräucherer also. Erstaunlich, über wie weit entfernte Ecken sie das nun endlich herausgefunden hatten; es bestätigte Darna aber auch, dass der Name das kleinere Problem gewesen war.
Allerdings beantwortete ihr das Fräulein Rosa nicht, ob sie nach dem Treffen mit dem Jungen die Hütte nennenswert verlassen hatte oder anderen Personen noch begegnet war.
"... Ich werde mit Herrn Milagros gleich besprechen, wie wir im Genaueren vorgehen. Es wäre für uns eine enorme Hilfe, wenn Ihr uns zunächst noch zur Hand gehen könntet, um erst Herrn Pet zu versorgen, damit wir weniger Gefahr laufen, uns anzustecken; würdet Ihr das für uns tun, bitte? Danach können wir dann Euch heilen. Habt Ihr Familie, die euch danach mit Dingen wie neuer Kleidung helfen kann?"
„Meine Familie? Aber wäre sie dann nicht auch in Gefahr?!?"

Darna beruhigte sie und bemühte sich, dabei weiterhin möglichst sachlich ruhig zu wirken:
"Wenn ihr beide komplett sauber und geheilt seid, wird keine Gefahr für Eure Familie bestehen, keine Sorge. Wir müssen aber sehr streng dafür sorgen, dass nichts dort hin kommt, womit ihr zuvor in krankem Zustand irgendwie Kontakt hattet oder wo unbemerkt Flöhe oder ähnliches 'mitreisen' könnten."
Sie furchte ernster die Stirn und hakte nochmal nach: "Habt Ihr, seit der Junge hier war, noch selber mit anderen Personen Kontakt gehabt? Oder Pet? War jemand hier, oder habt Ihr noch jemanden besucht oder getroffen?"
Die Antwort würde ergeben, ob sie in Folge - womöglich - sich nur weiter auf den Jungen konzentrieren brauchten oder anderswo nun Familie Burgund oder sonstwer als nächstes in Gefahr war.

Die junge Frau wurde ihr schnell auf gewisse Weise sympathisch, und mit Rosas beherztem Zugreifen gingen die Vorbereitungen auch zügig voran. Trotzdem blieb der Knappin mulmig zumute, so oft sie mit dem blöden Scheiterhaufen zu tun hatte. Das durch Rosa 'rot' infizierte Laken behielt die Knappin so lange an, wie sie das Gefühl hatte, guten Gewissens eigene Berührungen mit dem Stoff vermeiden zu können - ansonsten würde es das erste sein, was in den Flammen landete. Der Einfachheit halber versuchte sie der Winzerstochter mit wenigen Worten das Vergleichsbild mit der Farbe nahe zu bringen, schließlich erhöhte es die Achtsamkeit und vereinfachte die Kommunikation. Doch ansonsten lauschte sie nun selber dem, was Rosa über die Ankunft des Jungen und den Krankheitsverlauf erzählte.
Als sie sich an einem der Holzscheite verbrannte, ruckte sofort Darnas Kopf zur Seite und sie bat leise darum, sich die Stelle ansehen zu dürfen. Je nachdem, ob es eine offene Wunde war, käme früher oder später auch der Rum aus dem ersten der Fässchen zum Einsatz.
"Leere Augen ohne Mund"... Die Knappin furchte die Stirn bei diesen seltsamen Worten und nickte, als Rosa es mit der Maske assoziiert hatte - sie zog ähnliches in Betracht. Und dieses Ding schien dem Jungen irgendwie enorm wichtig zu sein. War es das Symbol dessen, was in den Augen des Burschen sein Leben zerstört hatte? Eine Kupfermaske? Von wem kam sie? Trug sie den Auslöser der Krankheit?
Aber wieso ist eigentlich der Junge nicht schon lange tot?? Plötzlich stutzte sie merklich. Kam der Junge etwa hier aus der Nähe? Aber wieso kannte ihn Rosa dann nicht einmal vom Sehen her? Zwölf plus achtundvierzig Stunden... sie rechnete zurück. Wenn alles mit rechten Dingen zuging, müsste, so brutal es klang, der Junge jetzt schon tot irgendwo in der Gegend liegen. Irgendwie kam ihr das alles seltsam vor.

„Pet geht es so schlecht! Er hat fantasiert und was von schwarzen Würmern erzählt, die er überall unter meiner Haut krabbeln sehen würde.“ Die Knappin hob die Brauen und sah Rosa merklich erstaunt an. Fantasiert? Nach den Wahrnehmungen, die sie mit der Pflanze geteilt hatte, war das wohl sogar erstaunlich dicht an der Wahrheit. War Pet etwa magisch begabt?
„Ich hab solche Angst um ihn gehabt! Der Heiler … euer Begleiter, Herr ...Milgos?...Er macht ihn auch wieder gesund?“
"Milagros", korrigierte sie etwas abgelenkt und nebensächlich. "Er... ist Heiler, ja, und er kann Pet sicher helfen, aber die eigentliche Heilung erfolgt durch eine Heilpflanze, die sehr, hm, 'exotisch' ist und dazu gedacht ist, speziell den Hauch bekämpfen zu können."
Plötzlich regte sich eine Spur Misstrauen in Darna, oder zumindest Vorsicht: Rosa war offensichtlich nicht dumm und relativ verzweifelt. Da eine fremdartig aussehende große Pflanze in einem Eimer am Sattel des Pferdes hing, würde sie sich im Zweifelsfall Eins und Eins zusammenzählen können. Ob Rosa sie auf eigene Faust an sich nehmen wollen würde? Darnas Mimik wurde eine Spur düsterer.
"Sie kann auch nur unter bestimmten Vorkehrungen eingesetzt werden, zu denen es kurioserweise mich braucht, aber das werde ich Euch gerne alles noch in Ruhe erklären. 'Eins nach dem anderen', wenn es Euch recht ist. Aber wenn Ihr selber Fragen habt, nur zu." Sie fühlte sich einerseits nicht wohl dabei, der Frau irgendwas unterstellen zu wollen und bemühte sich weiterhin, freundlich zu klingen, aber sie konnte sich andererseits keine Fehler oder Unachtsamkeiten erlauben.
Die Knappin drehte den Kopf zur Hütte und wunderte sich doch allmählich, was Leon so lange da drin machte, ohne nach Hilfe zu verlangen.
"Ihr sagtet, Pet gehe es sehr schlecht. Das ist ein klein wenig verwunderlich, da ihr euch ja eigentlich zur gleichen Zeit angesteckt habt. War er vorher schon anderweitig krank oder geschwächt? Und wie äußert sich die Krankheit denn bei ihm momentan?" Sie sah kurz wieder zu Rosa und stand auf, um zur Tür der Hütte gehen zu wollen und sah dabei immer mal wieder zu der Winzerstochter, um während des Gespräches nicht unhöflich abwesend zu wirken - und um sie im Auge zu behalten.
Dann klopfte sie dreimal leicht gegen die Tür, um auf sich aufmerksam zu machen.
"Herr Milagros? Alles in Ordnung bei Euch?", rief sie gedämpft hinein, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, ohne diesmal zu indiskret zu stören wie bei der Sache mit dem Busch...

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Dienstag 21. Juni 2016, 17:56

Darna beruhigte das Bauernmädchen und bemühte sich, dabei weiterhin möglichst sachlich ruhig zu wirken:
"Wenn ihr beide komplett sauber und geheilt seid, wird keine Gefahr für Eure Familie bestehen, keine Sorge. Wir müssen aber sehr streng dafür sorgen, dass nichts dort hin kommt, womit ihr zuvor in krankem Zustand irgendwie Kontakt hattet oder wo unbemerkt Flöhe oder ähnliches 'mitreisen' könnten. Habt Ihr, seit der Junge hier war, noch selber mit anderen Personen Kontakt gehabt? Oder Pet? War jemand hier, oder habt Ihr noch jemanden besucht oder getroffen?"
Erleichtert konnte sie feststellen, das Rosa sofort mit dem Kopf schüttelte und bestätigte:
„Nein, außer dem Jungen war niemand hier.“
Der Einfachheit halber versuchte Darna, der Winzerstochter mit wenigen Worten das Vergleichsbild mit der Farbe Rot nahe zu bringen, schließlich erhöhte es die Achtsamkeit und vereinfachte die Kommunikation. Doch ansonsten lauschte sie nun selber dem, was Rosa sonst noch über die Ankunft des Jungen und den Krankheitsverlauf erzählte.
Als sie sich an einem der Holzscheite verbrannte, ruckte sofort Darnas Kopf zur Seite und sie bat leise darum, sich die Stelle ansehen zu dürfen. Die Haut war um eine schnell entstehende kleine Blase stark gerötet, aber die Haut war verschlossen. Rosa berichtete von der Maske und den Worten die der Junge gesprochen hatte:
"Leere Augen ohne Mund"
... Dieses Ding schien dem Jungen irgendwie enorm wichtig zu sein. War es das Symbol dessen, was in den Augen des Burschen sein Leben zerstört hatte? Eine Kupfermaske? Von wem kam sie? Trug sie den Auslöser der Krankheit? Sie hatte von etwas klebrigem auf der Innenseite gesprochen, dass sie versucht hatte abzuwaschen. Darna überlegte weiter:
Aber wieso ist eigentlich der Junge nicht schon lange tot??
Plötzlich stutzte sie merklich. Kam der Junge etwa hier aus der Nähe? Aber wieso kannte ihn Rosa dann nicht einmal vom Sehen her? Zwölf plus achtundvierzig Stunden... sie rechnete zurück. Wenn alles mit rechten Dingen zuging, müsste, so brutal es klang, der Junge jetzt schon tot irgendwo in der Gegend liegen. Irgendwie kam ihr das alles seltsam vor und Zweifel begann sich in ihr zu regen. Der Gedanke war berechtigt, aber sie lauschte vorerst weiter Rosas Ausführungen über die schwarzen Würmer, die Pet gesehen haben wollte. Die Knappin hob die Brauen und sah Rosa merklich erstaunt an. Fantasiert? Nach den Wahrnehmungen, die sie mit der Pflanze geteilt hatte, war das wohl sogar erstaunlich dicht an der Wahrheit. War Pet etwa magisch begabt?
„Ich hab solche Angst um ihn gehabt! Der Heiler … euer Begleiter, Herr ...Milgos?...Er macht ihn auch wieder gesund?“
"Milagros"

, korrigierte sie etwas abgelenkt und nebensächlich.
"Er... ist Heiler, ja, und er kann Pet sicher helfen, aber die eigentliche Heilung erfolgt durch eine Heilpflanze, die sehr, hm, 'exotisch' ist und dazu gedacht ist, speziell den Hauch bekämpfen zu können. ...Sie kann auch nur unter bestimmten Vorkehrungen eingesetzt werden, zu denen es kurioserweise mich braucht, aber das werde ich Euch gerne alles noch in Ruhe erklären. 'Eins nach dem anderen', wenn es Euch recht ist. Aber wenn Ihr selber Fragen habt, nur zu."
Rosa hob nur abwinkend die Hand, während die andere weiter arbeitete und meinte:
„Oh, das ist mir ein bisschen zu hoch. Mit Magie und dergleichen kenne ich mich nicht aus. Ihr braucht euch nicht zu erklären.“
Sie lächelte freundlich und die Knappin drehte den Kopf zur Hütte und wunderte sie sich doch allmählich, was Leon so lange da drin machte, ohne nach Hilfe zu verlangen.
"Ihr sagtet, Pet gehe es sehr schlecht. Das ist ein klein wenig verwunderlich, da ihr euch ja eigentlich zur gleichen Zeit angesteckt habt. War er vorher schon anderweitig krank oder geschwächt? Und wie äußert sich die Krankheit denn bei ihm momentan?"
„Wie gesagt, er fantasiert... aber... er war vorher nicht krank. Also nicht das ich wüsste...“
Man merkte ihrer Stimme an, dass sie sich nun doch wieder mehr sorgte. Darna sah kurz wieder zu Rosa und stand auf, um zur Tür der Hütte zu gehen. Dann klopfte sie dreimal leicht gegen die Tür, um auf sich aufmerksam zu machen.
"Herr Milagros? Alles in Ordnung bei Euch?"
, rief sie gedämpft hinein, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, ohne diesmal zu indiskret zu stören wie bei der Sache mit dem Busch.
Von drinnen erklang ein gedämpftes:
„Einen Moment noch bitte.“
Dann raschelte es und Leon öffnete von innen die Tür. Sein Gesicht war nur einen kleinen Moment voller Sorge, dann glättete es sich wieder und er nickte der Winzerstochter entgegen, die hinter Darna stand. Sein Blick huschte über die Vorbereitungen vor der Hütte und er nickte merklich zufrieden.
„Ich sehe, ihr seid soweit. Ich werde ihn gleich hinaus bringen, damit ihr ihm die Pflanze ansetzen könnt. Zuvor ein Wort...“
Er machte einen halben Schritt in die Hütte hinein und gebot Darna ihm zu folgen, damit er eilig und leise mit ihr sprechen konnte:
„Irgendetwas stimmt hier nicht. Der Mann … er ist vielleicht dem Wahnsinn anheim gefallen. Er redet wirr... Er sieht wirklich etwas, das nicht da ist und ich kann nicht voraussagen wie er auf die Heilung reagieren wird. Ich glaube der Hauch hat etwas in seinem Verstand verändert. Bitte seid vorsichtig und beschützt notfalls die Rose. Ich werde mich im Fall der Fälle im ihn kümmern. Die Rose muss überleben! Verstanden?!?“
Darna war sicher ebenso klar, dass sie in diesem Fall die Gewichtung so setzen mussten, was die Situation aber nicht angenehmer machte. Befürchtet Leon, dass Pet wirklich gewalttätig werden würde? Viel länger konnten sie sich aber nicht unterhalten, denn sonst würde Rosa Verdacht schöpfen und sie sorgte sich nun schon genügend. Leon trat kurz vor die Tür und meinte:
„Wir bringen ihn gleich raus. Bitte legt ein Laken dort hin... Ja gut so.“
Das ermöglichte Darna einen Blick auf Pets Schlafstätte zu werfen. Der Mann starrte sie an. Er war jetzt wach und bohrte seinen Blick in jenem Moment in ihre Seele, als sie zu ihm hinüber sah. Er hatte schwarze Flecken im Gesicht. Seine Augen waren leicht milchig weiß belegt und voller Kälte..... wie die eines Toten...
**VEERRRRSSSCHHHHWWWIIIIINNNDDEEEEEE!**
Sie war sich ganz sicher, dass seine spröden Lippen sich nicht bewegt hatten! Darna sah sich instinktiv um, aber Leon blickte immer noch hinaus zu Pets Verlobten, als hätte er nichts gehört.
Vielleicht hätte Darna die Stimme in ihrem Kopf gar nicht mal so erschreckt, wenn da nicht dieses leise, düstere Lachen tief in ihrem Innern gewesen wäre, dass diesem Angriff wie ein Echo folgte und ihm antwortete:
**Nein... du bist stärker als er. Er ist nur ein vergehender kleiner Schatten... ohne wahre Macht! Er kann uns nichts anhaben. Er hat Angst...**
Waren das ihre Gedanken? Es fühlte sich so an... wie als würde vielleicht ihr Gewissen zu ihr sprechen... nur war es...
...kalt …
...und es stank nach ...kalter Asche... Warum roch es hier plötzlich nach kalter Asche. Instinktiv huschte ihr Blick zur Seite. Die Glut in der offenen Kochstelle war noch lange nicht erloschen. Als sie wieder zurück zu Pet schaute, hatte dieser seine Augen wieder geschlossen und auch in ihrem Kopf war es still. Leon drehte sich wieder zu der Knappin um und sagte:
„Gut, dann lass uns ihn mal hinaus tragen. Ich nehme den Oberkörper.“
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Mittwoch 29. Juni 2016, 13:00

„Oh, das ist mir ein bisschen zu hoch. Mit Magie und dergleichen kenne ich mich nicht aus. Ihr braucht euch nicht zu erklären.“
Die Worte beruhigten die Sorge der Knappin etwas, dass sich Rosa eigenmächtig an der Pflanze vergreifen könnte. Wenn sie nicht einmal wissen wollte, wie das alles funktionierte und ihr 'zu hoch' war, schien es bei einer vorsichtigen Distanz zu bleiben, die für sie alle besser war. Aber diese Geschichte mit den schwarzen Würmern war seltsam...

und sollte noch viel gruseliger werden.
"Herr Milagros? Alles in Ordnung bei Euch?"
„Irgendetwas stimmt hier nicht. Der Mann … er ist vielleicht dem Wahnsinn anheim gefallen. Er redet wirr... Er sieht wirklich etwas, das nicht da ist und ich kann nicht voraussagen wie er auf die Heilung reagieren wird. Ich glaube der Hauch hat etwas in seinem Verstand verändert. Bitte seid vorsichtig und beschützt notfalls die Rose. Ich werde mich im Fall der Fälle im ihn kümmern. Die Rose muss überleben! Verstanden?!?“

Rose muss überleben. Verstanden. Sie nickte ernst, auch wenn ihre Sorge sich verstärkte. Bisher hatten sie keine Gegenwehr erlebt, wenn die Seelenrose zum Einsatz kam, aber vielleicht änderte sich das nun, und Darna war schnell verunsichert, wie das funktionieren sollte. Ihr erster Gedanke war, also rechtzeitig die Waffe zu ziehen, aber das war absurd und sicher nicht die angemessene Reaktion, wenn ihre Gedanken sich während der Behandlung eigentlich eher in dem kranken Mann befanden. Die Rose beschützen? Dort? Wie?! Sie zu einem raschen Rückzug drängen, sicher, aber konnte sich Darna dort vor sie stellen, sie abschirmen? Oder würde der Mann versuchen, mit seiner Hand zuzugreifen, und sie würde es kaum verhindern können? Aber dann wollte Leon ja da sein... Das ist verkehrt rum. Sie atmete tief durch und war flüchtig ein weiteres Mal frustriert darüber, dass sie sich mit diesem Part ihrer Aufgabe an der Seelenrose nicht so völlig identifizieren konnte und mochte.
Aber egal, was geschah, sie würde ihr Möglichstes tun!
Für Leon ist das doch sicher auch alles irgendwie unbekanntes Terrain... - also unbeirrt bleiben. Weitermachen. Tapferkeit.

Viel länger konnten sie sich aber nicht unterhalten, denn sonst würde Rosa Verdacht schöpfen und sie sorgte sich nun schon genügend. Leon trat kurz vor die Tür und meinte:
„Wir bringen ihn gleich raus. Bitte legt ein Laken dort hin... Ja gut so.“
Das ermöglichte Darna einen Blick auf Pets Schlafstätte zu werfen. Der Mann starrte sie an. Er war jetzt wach und bohrte seinen Blick in jenem Moment in ihre Seele, als sie zu ihm hinüber sah. Er hatte schwarze Flecken im Gesicht. Seine Augen waren leicht milchig weiß belegt und voller Kälte..... wie die eines Toten...
**VEERRRRSSSCHHHHWWWIIIIINNNDDEEEEEE!**
Sie war sich ganz sicher, dass seine spröden Lippen sich nicht bewegt hatten! Darna sah sich instinktiv um, aber Leon blickte immer noch hinaus zu Pets Verlobten, als hätte er nichts gehört.

Ihr lief ein eiskalter Schauer über den Rücken und ihre Augen weiteten sich. WAS war das?! Aber das hatte sie sich nicht eingebildet!
Der Mann fantasierte nicht nur, hier lief irgend etwas grob verkehrt. Es musste mit Magie zu tun haben, und da hatte sie keine Ahnung von - Leon! Sie brauchte ihn mal wieder. Ihr Widerstreben, jetzt einfach so eine Behandlung durchzuführen, als litte Pet nur unter Fieber, verstärkte sich sprunghaft.
Aber dann wurde es noch schlimmer. Ein leises, düsteres Lachen tief in ihrem Innern folgte diesem Angriff wie ein Echo folgte und antwortete:
**Nein... du bist stärker als er. Er ist nur ein vergehender kleiner Schatten... ohne wahre Macht! Er kann uns nichts anhaben. Er hat Angst...**
Waren das ihre Gedanken? Es fühlte sich so an... wie als würde vielleicht ihr Gewissen zu ihr sprechen... nur war es...
...kalt …
...und es stank nach ...kalter Asche... Warum roch es hier plötzlich nach kalter Asche. Instinktiv huschte ihr Blick zur Seite. Die Glut in der offenen Kochstelle war noch lange nicht erloschen. Als sie wieder zurück zu Pet schaute, hatte dieser seine Augen wieder geschlossen und auch in ihrem Kopf war es still.
Leon drehte sich wieder zu der Knappin um und sagte:
„Gut, dann lass uns ihn mal hinaus tragen. Ich nehme den Oberkörper.“

In dem Moment, wo er sich umdrehte, sah er, wie Darna instinktiv einen Schritt vor Pet zurück wich und den Kopf in hastiger, knapper Bewegung schüttelte. "Nein."
In dem Wort schwang klar Furcht mit, aber auch irgend etwas entschlossenes und eine deutliche Warnung. Irgend etwas stimmte hier nicht und die Knappin dachte gerade gar nicht daran, ob sie Rosa nun verängstigen würde oder nicht.
"Der Mann fantasiert nicht nur, hier ist Magie am Werk." Immer noch schwang sicher Angst mit, aber die junge Frau stellte hier unmissverständlich etwas klar und läutete sämtliche Alarmglocken. Sie würde diesen Mann - Pet - nicht ohne weiteres anfassen, ob nun mit oder ohne Morgerias Hauch. Und sie musste Leon warnen, das hatte Vorrang. Auch vor mir selbst... Sie blinzelte und straffte dann ein wenig ihre Haltung, versuchte, gefasster zu wirken, denn sie war nun wohl einige Erklärungen schuldig:
"Ich konnte seine Stimme in meinem Kopf hören. Er - oder 'etwas' in ihm - sagte langgezogen: 'Verschwinde' zu mir", erklärte sie deutlich leiser. Wäre es nur nach ihr gegangen, wären die nächsten, die Pet angefasst hätten, Männer von der Inquisition gewesen. Bis man wusste, was hier los war.
Und mich können sie gleich als nächstes mitnehmen...

Sie wurde kleiner, als sich die nächsten Worte im Kopf formten, die sie gerne der Erklärung anfügen wollte. Aber die Tragweite dessen konnte sie kaum abschätzen und machte ihr, ungeschönt gesagt, Angst.
**Nein... du bist stärker als er. Er ist nur ein vergehender kleiner Schatten... ohne wahre Macht! Er kann uns nichts anhaben. Er hat Angst...**
Diese Worte würde sie so schnell nicht vergessen, aber obwohl es nach ihren eigenen Gedanken geklungen hatte, mochte sie kaum glauben, dass das sie selbst gewesen wäre. Diesen... diese Form von Hochmut kannte sie nicht von sich. Macht? Was für Macht? Sie hatte keine Macht. Und was bedeutete 'uns'?
Für ein, zwei Herzschläge starrte die Knappin leeren Blickes auf eine unbestimmte Stelle. 'Uns', das war der entscheidende Hinweis, der ihren Verdacht rasch zur Gewissheit machte. Plural, nicht Singular. Und in Mehrzahl dachte sie von sich selbst noch nicht, oder sie fiel tatsächlich gerade selber dem Wahnsinn anheim. Aber dagegen sprach ja das, was um Pet herum geschah, nicht wahr?
Und irgend etwas in mir... hat auf diese Stimme geantwortet, waren die Worte, die sich von ihrem Kopf zäh auf die Reise zu ihrer Zunge begaben, um Leon weitergehend zu warnen - und sich selbst vermutlich in große Schwierigkeiten zu bringen.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 29. Juni 2016, 21:07

„Gut, dann lass uns ihn mal hinaus tragen. Ich nehme den Oberkörper.“
In dem Moment, wo er sich umdrehte, sah er, wie Darna instinktiv einen Schritt vor Pet zurück wich und den Kopf in hastiger, knapper Bewegung schüttelte.
"Nein."
Er blieb sofort stehen und verdeckte damit Rosas Sicht auf Darnas Miene.
"Der Mann fantasiert nicht nur, hier ist Magie am Werk."
Die junge Frau stellte hier unmissverständlich etwas klar und läutete sämtliche Alarmglocken. Sie würde diesen Mann - Pet - nicht ohne weiteres anfassen, ob nun mit oder ohne Morgerias Hauch, das war sofort klar. Sie blinzelte und straffte dann ein wenig ihre Haltung, versuchte, gefasster zu wirken, denn sie war nun wohl einige Erklärungen schuldig und Leon sah sie fragend an.
"Ich konnte seine Stimme in meinem Kopf hören. Er - oder 'etwas' in ihm - sagte langgezogen: 'Verschwinde' zu mir"
, erklärte sie deutlich leiser. Sie wurde kleiner, als sich die nächsten Worte im Kopf formten, die sie gerne der Erklärung anfügen wollte. Aber die Tragweite dessen konnte sie kaum abschätzen und machte ihr, ungeschönt gesagt, Angst. Leon wandte sich kurz nach draußen und meinte zu Rosa:
"...einen Moment noch..."
, dann schloss er die Tür, nahm Darna in den Arm und hielt sie einfach nur fest. Trotz seiner Wärme , seiner Stärke wiederholten sich immer die gleichen Worte in Darnas Gedanken. Diese Angst die sie spürte, sie saß tief!
**Nein... du bist stärker als er. Er ist nur ein vergehender kleiner Schatten... ohne wahre Macht! Er kann uns nichts anhaben. Er hat Angst...**
Diese Worte würde sie so schnell nicht vergessen, aber obwohl es nach ihren eigenen Gedanken geklungen hatte, mochte sie kaum glauben, dass das sie selbst gewesen wäre. Diesen... diese Form von Hochmut kannte sie nicht von sich. Macht? Selbst das sanfte Streicheln seiner Hände erreichte ihre versteiften Sinne nicht wirklich. Was für Macht? Sie hatte keine Macht. Und was bedeutete 'uns'? Für ein, zwei Herzschläge starrte die Knappin leeren Blickes auf eine unbestimmte Stelle, irgendwo an Leons breiter Schulter vorbei, von der sie ganrichts wahrnahm. 'Uns', das war der entscheidende Hinweis, der ihren Verdacht rasch zur Gewissheit machte. Plural, nicht Singular. Und in Mehrzahl dachte sie von sich selbst noch nicht, oder sie fiel tatsächlich gerade selber dem Wahnsinn anheim. Selbst als seine Hände ihren Wangen ergriffen und ihr Gesicht dem seinen entgegen hoben, merkte sie es kaum. War es Wahnsinn? Aber dagegen sprach ja das, was um Pet herum geschah, nicht wahr?
Und irgend etwas in mir... hat auf diese Stimme geantwortet
, waren die Worte, die sich von ihrem Kopf zäh auf die Reise zu ihrer Zunge begaben.
„Darna...“
Sie musste Leon warnen - und würde sich mit ihren Worten selbst vermutlich in große Schwierigkeiten zu bringen. Nicht dass sie sich schon in Schwierigkeiten befand, allerdings ganz anders als vermutet. Sie war in ihrer Angst erstarrt. Es roch nach kalter Asche und nach Sonnenstrahlen...
„Darna!“
Verflucht! Sein Gesicht war definitiv zu nah! Wollte er sie etwa gerade küssen? Manche Männer taten das lieber, als hysterische Frauen einfach zu ohrfeigen.
„Bleib bei mir!“
Seine Stimme war sehr, sehr leise, aber eindringlich und fordernd und sein Atem roch nach Zitronenmelisse. Das musste von dem Kraut stammen, dass er vorhin gekaut hatte. Was einem so für Kleinigkeiten auffielen wenn man vollkommen verwirrt war?! Was würde passieren, wenn...? Seine Lider hingen schwer und irgendwie sinnlich über den silbernen Spiegeln seiner Augen. Dunkle Funken sprühten darin und seine Pupillen waren in der Dunkelheit der Hütte stark geweitet. Sie waren tiefe Bergseen umrahmt von grauen Schiefergebirgen. Jetzt fühlte sie auch plötzlich die Wärme seiner bloßen Hand an ihrem Kinn, wie er es sanft nach oben gedrückt hatte und die Andere hielt sie etwas unterhalb der Schulterblätter an ihn gedrückt. Sein starker Herzschlag vibrierte leicht in seiner Brust und sie konnte es an ihrer spüren. Seine Beine hatten sich in der Vorbereitung der Annäherung sich leicht gebeugt und die Oberschenkel berührten sich leicht. Was... Was würde passieren, wenn sie wohl einfach weiter still hielte?
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 30. Juni 2016, 12:31

**Nein... du bist stärker als er. Er ist nur ein vergehender kleiner Schatten... ohne wahre Macht! Er kann uns nichts anhaben. Er hat Angst...**
Und irgend etwas in mir... hat auf diese Stimme geantwortet.
"Darna..."
Sie musste Leon warnen. Irgend etwas... düsteres war in ihr und gerade - ja, was? - geweckt worden? Verlor sie den Verstand? War in dieser Hütte etwas Finsteres am Werk, kam gar nicht von innen, sondern hatte sie übernommen? Erst Pet, jetzt sie? Diese ekelhaft milchig weißen Augen...
Es roch nach kalter Asche.
"Darna!" - und nach Sonnenstrahlen...
Verflucht! Sein Gesicht war definitiv zu nah! Wollte er sie etwa gerade küssen? Was machte er hier? Wieso war er so dicht? Warnen! Nachher bekam er das auch noch ab!
"Geh weg!" Das klingt kaum besser als das 'Verschwinde', das weißt du schon? ... Vielleicht wollte Pet dir nur das Gleiche sagen? Dich warnen? Sie bekam nur kaum mehr heraus, war sich nicht einmal sicher, ob sie überhaupt diese zwei Worte laut genug gesagt oder nicht einfach bloß die Lippen bewegt hatte. Tröpfchenweise sickerte die Erkenntnis zu ihr durch, dass sie gerade Schwierigkeiten zu haben schien, ihren Körper zu kontrollieren. Was passierte hier? Ein kalter Schauer jagte ihr wieder über die ganze Haut, als sie recht ungezielt versuchte, irgend etwas von ihrem Körper in Eigenregie zu bewegen. Sie gewann nicht den Eindruck, Erfolg damit zu haben. Allmählich begriff sie, dass Leon sie in einer Umarmung festhielt. Aber warum, was war geschehen?

Hab ich schon was angestellt? - ein neuer Schrecken, der nach ihr greifen wollte. Sie mochte es nicht, die Kontrolle zu verlieren, nicht genau zu wissen, was los war, überhaupt nicht...
"Bleib bei mir!"
Seine Stimme war sehr, sehr leise, aber eindringlich und fordernd und sein Atem roch nach Zitronenmelisse. Das musste von dem Kraut stammen, dass er vorhin gekaut hatte. Was einem so für Kleinigkeiten auffielen wenn man vollkommen verwirrt war?!
Wenigstens roch das besser als... als...
sie schloss die Augen kurz, ihre Stirn furchte sich unwirsch. Sie WOLLTE nicht mehr daran denken! ... Kam von ihr etwa der Geruch? Roch SIE etwa so nach kalter Asche? Sie riss die Augen wieder auf und schaute Leon besorgt an. Ihre Augen sahen nicht etwa so aus wie die von Pet eben, oder?!
Nein. Nein, dann würde er sie nicht so halten und nicht so... hui... nicht so ansehen. Seine Lider hingen schwer und irgendwie sinnlich über den silbernen Spiegeln seiner Augen. Dunkle Funken sprühten darin und seine Pupillen waren in der Dunkelheit der Hütte stark geweitet. Sie waren tiefe Bergseen umrahmt von grauen Schiefergebirgen.
Götter, was für ein Blick. Ihre Mimik wurde weicher.
"Wo hast du diese schönen Augen bloß her?", flüsterte sie verträumt und wollte gern seine Wange berühren, ihre Finger leicht dagegen legen - sie hatte sie ja eingecremt; ob ihre Hand noch nach der Creme roch? So wie sein Atem nach Zitronenmelisse...
Aber war das nicht unziemlich?

Jetzt fühlte sie auch plötzlich die Wärme seiner bloßen Hand an ihrem Kinn, wie er es sanft nach oben gedrückt hatte und die Andere hielt sie etwas unterhalb der Schulterblätter an ihn gedrückt. Sein starker Herzschlag vibrierte leicht in seiner Brust und sie konnte es an ihrer spüren. Seine Beine hatten sich in der Vorbereitung der Annäherung leicht gebeugt und die Oberschenkel berührten sich leicht. Was... Was würde passieren, wenn sie wohl einfach weiter still hielte? Er wollte sie nicht wirklich HIER küssen, oder?
Hitze stieg in ihr auf und ihr wurde irgendwie schwindelig. Sie hielt still, weil sie nicht wusste, was sie anderes nun hätte machen sollen. Es war schön... zu spüren, wie eine Umarmung sich anfühlen konnte. Und sie wollte auch gar nicht weggehen. Er war so schön warm.
"Bleib bei mir!" In Ordnung.
"Sehr gerne."

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Freitag 1. Juli 2016, 13:42

Nein, die ersten Worte hatte sie nicht geflüstert. Ihre Lippen hatten leicht gezuckt, aber sie hatte ihm nicht gesagt, dass er weg gehen sollte, sonst hätte er es sicher getan. Leon war ein Gentleman, ein Adeliger und würde sie nie...
Seine Näher war jedoch ebenso irritierend, wie das Gefühl davor. Nur war Leons Wahnsinn viel schöner und schien ansteckender zu sein als ihrer. Seine Wärme übertrug sich auf sie, als er sie so intensiv ansah. Ihre Lippen öffneten sich und bebten die tonlosen Worte hervor, mehr als dass sie wirklich ihre eigene Stimme hören konnte.
"Wo hast du diese schönen Augen bloß her?"
Er war nur noch eine Hand breit entfernt, Hitze stieg in ihr auf und ihr wurde irgendwie schwindelig. Sie hielt still, weil sie nicht wusste, was sie anderes nun hätte machen sollen. Es war schön... zu spüren, wie eine Umarmung sich anfühlen konnte. Und sie wollte auch gar nicht weggehen. Er war so schön warm.
"Bleib bei mir!"
In Ordnung.
"Sehr gerne."
Er hielt in der Bewegung inne. Jetzt hatte er sie gehört. Ausgerechnet jetzt! Drei Finger breit vor ihren Lippen hatte er gestoppt und seine Lider hoben sich etwas weiter. Hätte sie doch nur geschwiegen. Sein Kehlkopf bewegte sich wer, als er sich langsam wieder aufrichtete, aber sie noch weiter fest hielt. Dann merkte Darna, dass seine Hände zu ihren Schultern wanderten und sie nun bald wieder alleine stehen musste.
„Gut...du bist wieder da...“
Er lächelte fast schüchtern, denn sie hatte ihn anscheinend gerade dabei erwischt, etwas „unziemliches“ zu tun und sein Blick wanderte verlegen zur Seite.
„Du warst eben so fahl wie Asche...“
Interessante Wortwahl.
„... und du hast nicht reagiert. Ich ...ich wollte eben etwas anderes versuchen und ...“
Ein stammelnder Leon war wirklich mal was neues. Er ließ ihre Schultern los, nachdem sie wieder stehen konnte und zog sich seine Handschuhe wieder über, die unter dem Laken versteckt gewesen waren. Er richtete sich wieder zu seiner vollen Größer auf und sprach wieder ganz sachlich:
„Verzeiht, wen ich euch zu nahe getreten bin. Das lag nicht in meiner Absicht.“
Also nein, er hatte sie nicht wirklich küssen wollen … oder war es nur die Floskel, die man immer sagte? Leon wandte sich dem Patienten zu und seine Miene verfinstere sich.
„Ihr sagtet, er habe in deinem Kopf gesprochen?“
Seine Wechsel zwischen der höflichen Anrede und dem Freundschaftlichen Sprachgebrauch wechselten nun so schnell, dass man davon Kopfschmerzen bekommen konnte. Ganz offensichtlich war er innerlich wohl doch noch etwas weniger gefestigt, als es nach außen hin den Anschein hatte.
„Er sagte „Verschwinde.“ Hm... Ich bin der Meinung wir sollten genau das Gegenteil tun, von dem was solche Stimmen einem einflüstern wollen!“
Diesmal funkelte etwas anderes in seinen Augen und das war Wut.
„Wir sollten ihn als erstes nach draußen bringen … in die Sonne!“
Das letzte Wort hatte er fast wie eine Waffe geschwungen. Pet schien nichts gegen diesen Vorschlag zu haben. Zumindest erhob er keine Einwände, da er ja bewusstlos war. Leon wandte sich wieder Darna zu:
„Meinst du, du kannst ihn anfassen? Keine Sorge, ich bleib hier...“
Leon wartete, ob Darna den nötigen Mut fassen konnte um sich ihren Dämonen zu stellen... vielleicht in mehr als nur einer Art. Er sah sie fest an, nickte und schien guter Dinge, dass sie das gemeinsam schaffen würden. Noch wusste er ja nichts von den „anderen“ Stimmen die in Darnas Kopf geantwortet hatten und es war ihre Entscheidung, ob sie ihm das mitteilen wollte oder nicht.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 1. Juli 2016, 20:45

"Sehr gerne."
Er hielt in der Bewegung inne. Jetzt hatte er sie gehört. Ausgerechnet jetzt! Drei Finger breit vor ihren Lippen hatte er gestoppt und seine Lider hoben sich etwas weiter. Sein Kehlkopf bewegte sich schwer, als er sich langsam wieder aufrichtete, aber sie noch weiter fest hielt. Dann merkte Darna, dass seine Hände zu ihren Schultern wanderten und sie nun bald wieder alleine stehen musste.
Sie blinzelte träge und verstand noch nicht so recht, was passierte. Warum ließ er sie jetzt los? Er hatte doch gesagt, sie solle bei ihm bleiben und sie hatte sogar eingewilligt.
„Gut...du bist wieder da...“
Er lächelte fast schüchtern, denn sie hatte ihn anscheinend gerade dabei erwischt, etwas „unziemliches“ zu tun und sein Blick wanderte verlegen zur Seite.
Ihr Kopf legte sich eine Spur schief, als sie ihn so beobachtete und dabei immer noch reichlich Mühe hatte, ihren Körper wieder vollständig in den Griff zu bekommen. Nur fühlte sie sich gerade nicht nur physisch im wahrsten Sinne des Wortes 'stehen gelassen'...
„Du warst eben so fahl wie Asche...“
Interessante Wortwahl.
Kurz weiteten sich in einer Mischung aus Unglauben und Erschrecken ihre Augen und ihre Mimik verzog sich heftig, als hätte sie Zahnschmerzen. Musste ausgerechnet DIESER Vergleich jetzt sein? Sie wollte das Wort nicht mehr hören!
In ihrem Bauch knüllte sich eine Kugel Wut zusammen. Eben war es noch so schön gewesen, warum quälte er sie jetzt?!
„... und du hast nicht reagiert. Ich ...ich wollte eben etwas anderes versuchen und ...“
Ein stammelnder Leon war wirklich mal was neues.
Sie konnte aber kaum glauben, was sie da hörte. Er wollte - was? 'Versuchen'? War das ein medizinisches Experiment gewesen? VERSUCHEN?! Sie war doch kein, kein... kein TESTOBJEKT! Noch immer war ihrem Blick noch etwas Unglaube zu entnehmen, aber die Verwirrung wich gerade in einem beachtlichen Tempo Zorn, der ihre Augen schmaler und ihren Blick bohrend werden ließ, ihre Haltung versteifte und die Finger krümmte, dass die Hände kurz davor waren, sich zu Fäusten zu ballen. Oder ihm das Gesicht zu zerkratzen. Oder ihm eine Ohrfeige zu verpassen, die sich gewaschen hatte. Er hatte sie wirklich küssen wollen und das wäre dann bloß etwas gewesen, was er AUSPROBIEREN wollte?!
Die Hitze, die sie eben noch gefühlt hatte, schien sich nun als brodelndes Magma zu erweisen.

Sie beobachtete, wie er seine Handschuhe wieder über zog, die unter dem Laken versteckt gewesen waren. Sie hatte sich noch nie so zurück gewiesen gefühlt. Dass man ihr von Anfang an mit Ablehnung begegnete, ja, aber auf diese Art war noch nie jemand wieder auf Distanz zu ihr gegangen. Er richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf und sprach wieder ganz sachlich:
„Verzeiht, wenn ich euch zu nahe getreten bin. Das lag nicht in meiner Absicht.“

Ob er ihr zu nahe getreten war? Er hatte sie umarmt und küssen wollen! - hatte er doch? In der Wut bildete sich ein winziger Riss aus Unsicherheit, der gerade so verhinderte, dass sie explodierte. Was hast du denn erwartet, dass er dich wirklich küssen will? Schmerz gesellte sich dazu. Sie zog ihren Kopf ein Stück nach hinten wie eine Schildkröte, die in ihrem Panzer in Deckung ging. Aber wenn ich nichts davon mitbekommen hätte, dann hätte er es 'versucht'?! Das... das ist... frech und feige! Ihre Kiefer pressten sich zusammen und in einem wilden Mischmasch aus Gefühlen beobachtete sie noch immer an der gleichen Stelle stehend, was er tat.
Leon wandte sich dem Patienten zu und seine Miene verfinstere sich.
„Ihr sagtet, er habe in deinem Kopf gesprochen?“
Seine Wechsel zwischen der höflichen Anrede und dem Freundschaftlichen Sprachgebrauch wechselten nun so schnell, dass man davon Kopfschmerzen bekommen konnte. Ganz offensichtlich war er innerlich wohl doch noch etwas weniger gefestigt, als es nach außen hin den Anschein hatte.
Sie blinzelte einmal heftiger, als er das Thema wieder ansprach und beobachtete lauernd, wie er sich wieder um den Patienten zu kümmern begann.
Es ist doch auch völlig deplatziert, was ihr hier macht. Himmel, da liegt ein Mann im Sterben... Draußen steht Rosa... Sie entließ den lange angehaltenen Atem, wendete den Blick zur Seite und ächzte einmal leise und trocken. Sie vertrug wohl einiges, aber einen solchen Gefühlstornado, der sie von einer Seite zur anderen schleuderte, hatte sie noch nicht erlebt.

„Er sagte „Verschwinde.“ Hm... Ich bin der Meinung wir sollten genau das Gegenteil tun, von dem was solche Stimmen einem einflüstern wollen!“
Diesmal funkelte etwas anderes in seinen Augen und das war Wut.

Holz klapperte, als sie bei dem verhassten 'Verschwinde' zurück wich und gegen einen der Stühle stieß. Sie hätte ihm ja zugestimmt - sie stimmte ihm eigentlich auch zu, aber sie wähnte sich eben noch vor diesem entsetzlichen Schrecken in einen sicheren schönen Hafen geflüchtet, wurde aus diesem aber wieder rausgeschoben und sollte sich nun wieder mit diesem... diesem... allem. beschäftigen. In ihren Augen funkelte auch etwas, das wischte sie mit dem Handrücken in einer unwirschen Geste hastig weg und versuchte den Rest wegzublinzeln, während ihr Unterkiefer bebte und ihr restlicher Körper wie eine in die Ecke gedrängte Ratte dastand.
„Wir sollten ihn als erstes nach draußen bringen … in die Sonne!“
Das letzte Wort hatte er fast wie eine Waffe geschwungen. Pet schien nichts gegen diesen Vorschlag zu haben. Zumindest erhob er keine Einwände, da er ja bewusstlos war.
Was ja eigentlich auch nicht sein konnte. Er hatte sie vorhin doch angesehen!
Doch Verstand verlieren?
Leon wandte sich wieder Darna zu.
Ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war, sie wieder loszulassen? Sie schien mindestens genauso schlau gewesen zu sein wie ihr Impuls vorhin, 'Sehr gerne' zu sagen. Vermutlich noch bevor er völlig realisieren konnte, was mit ihr los sein mochte, fragte er in seinem Arbeitseifer: „Meinst du, du kannst ihn anfassen? Keine Sorge, ich bleib hier...“
Na das ist ja ein Versprechen. Damit du mich dann wieder wegschubsen oder Dinge an mir ausprobieren kannst? ... Mistkerl!
ICH FASS DEN NICHT AN!

Sie versuchte, genauso sachlich zu sprechen wie Leon: "Vv.. vielleicht... s..sollte Rosa das machen? Und... und... fesseltihmdi..mindestensdiehände." Sie senkte den Kopf und kniff die Augen zu.
Ich will ihn nicht anfassen! Wer weiß, was dann in mir auf ihn reagiert!
Wie willst du ihn dann heilen??
Du würdest in ihm... diesem... Ding... begegnen...
Soll er doch verrecken!
Das ist nicht dein Ernst...

Die Unmöglichkeit und der Schrecken dieser Aufgabe ließen die letzten Dämme brechen und ihre Schultern begannen zu beben, während Tropfen sich lösten und leise auf den Holzboden platschten.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Montag 4. Juli 2016, 20:08

Ein stammelnder Leon war wirklich mal was neues... und die verstörende Wut in ihrer Haltung machte es nicht besser. Er war doch sonst immer so gefasst, immer korrekt, höflich und ausgeglichen. Warum war sie plötzlich wütend auf ihn. Er hatte ihr nur helfen wollen und jetzt giftete sie ihn an, als wüchsen ihr sprichwörtliche „dämonischen Geister“ auf den Schultern, was ja auch fast passiert wäre, nahm man es genau. Sie hatte ihr Licht verloren und drohte in die Dunkelheit abzukippen. Er hatte es gespürt. Er hatte diesen Prozess erkannt und schnell gehandelt. Leon hatte einen solchen Fall einmal begleitet und doch ...Er hatte die üblichen Praktiken bei ihr nicht anwenden wollen, da sie schlicht unpassend gewesen wären. Hysterischen Frauen gab man eine gezielte Ohrfeige. Man dominierte den gefangenen Geist und löste eine entsprechend starke emotionale Reaktion aus um sie aus ihrer Starre zu befreien. Bei Darna von Eibenau hätte eine Ohrfeige nur nichts genützt. Aus eben dem Grund, dem sie vor ihm verschwieg, und das wusste er, würde körperlicher Schmerz wenig Eindruck auf sie machen. Auch anbrüllen hätte wenig geholfen. Dafür war sie viel zu stark. Ihr Geist hatte lange unter Druck gestanden und unter ihren ganzen Panzern war da irgendwo darunter eine verletzte Seele, dass konnte jeder erkennen, der auch nur zwei Tage mit ihr verbracht hatte. Sie verbarg es gut, aber einem Lichtmagier... nein, einem Mann wie ihm wäre es sofort aufgefallen, selbst wenn sie sich vorher normaler verhalten hätte. Irgendwann würde sie sich ihm hoffentlich offenbaren, aber den Zeitpunkt bestimmte sie. In der Vergangenheit mussten das einige widerwärtige Individuen ihre Schwächen ausgenutzt haben und Leon hätte gerne den Spieß gerne einmal umgedreht. Er würde jenen zeigen, wie es sich anfühlte roh und ohne Schutz der grausamen Sonne ausgesetzt zu werden... Würde er doch... oder? Er schüttelte sich und presste die Kiefer aufeinander.
Nein! Verdammt! Lysanthor! Schenk mir Gleichmut und Konzentration! Diese Frau schafft es und steckt mich mit ihrer Wut einfach an!!! ...oder es ist ...
Leon riss sich zusammen, musste sich aber eine Weile abwenden. Ihre Haltung verwirrte ihn zunehmend, also konzentrierte er sich auf das war er gut konnte und versuchte Herr der brenzligen Lage zu werden, auch wenn er das Gefühl hatte, hinter seinem Rücken tobte ein Feuersturm. Leon wagte eine Weile sie kaum anzusehen und das war auch gut so, denn hätte er das Glitzern in ihren Augen gesehen, wäre die Situation vollends eskaliert. Irgendwann würde er ihr erklären müssen, was da eben geschehen war, aber im Moment gab es einfach wichtigeres als ihrer beider Herzensangelegenheiten.
Irgendwann..nicht jetzt!
Er rief sich selbst zu Ruhe und hoffte, dass Darna ihm aus diesem Weg folgen würde. Sie musste doch begreifen, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war. Insgeheim hoffte er jedoch, dass dieses irgendwann nicht all zu lange auf sich warten lassen würde und er seine Chance bekam ihre Freundschaft zu retten... oder was auch immer da gerade zwischen ihnen gewesen war.

Ob sich Leon wohl selbst eingestehen konnte, dass er sie vielleicht wirklich hatte küssen wollen? Das es nicht nur die richtige Wahl für ihre „Behandlung“ gewesen war sondern, dass er es wollte?
Irgendetwas rumorte in seinem Unterbewusstsein und es war nur der kleinere Teil, der sich sorgte einen unverzeihlichen Fehler begangen zu haben, der ihn eine „Freundin“ kosten konnte. Der größere fürchtete sich schlicht davor, das vielleicht ihre Geschichte schon zu Ende war, bevor sie richtig begonnen hatte.

Leon wandte sich wieder Darna zu. Ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war, sie wieder loszulassen? Sie schien immernoch genauso wütend zu sein, wie ihr Impuls vorhin. Vermutlich noch bevor er völlig realisieren konnte, was mit ihr los sein mochte, fragte er in seinem Arbeitseifer:
„Meinst du, du kannst ihn anfassen? Keine Sorge, ich bleib hier...“
Sie versuchte, genauso sachlich zu sprechen wie Leon, was ihr allerdings nur spärlich gelang:
"Vv.. vielleicht... s..sollte Rosa das machen? Und... und... fesseltihmdi..mindestensdiehände."
Sie senkte den Kopf und kniff die Augen zu. Leon betrachtete die geschlossenen Lider und fühlte sich ausgesperrt.
Verdammt!
Diesmal war es wirklich ein Funken Wut auf Darna, der jedoch sofort wieder erlosch. Wie konnte sie in dieser Situation ihm plötzlich ihre Hilfe versagen?! Hier ging es um mehr als ihrer beider Leben hier ging es um ein ganzes Königreich. Auch er schloss einen Moment die Augen und als er sie öffnete hatte er sich wieder zu Pet gedreht. Er schnappte sich ein Kissen und zerfetzte etwas unwirsch anmutend den Bezug. Die Stoffstreifen sollten erst einmal reichen, also fesselte er ihm wie geheißen die Hände, auch ohne nähere Erklärung seiner Knappin/Assistentin zu ihren Beweggründen. Auch wenn Darna ihm noch nicht genug vertraute um ihm alles zu sagen, so vertraute er ihr genug um ihrem Urteil zu folgen. Das leise Lösen von Tropfen, die auf den Holzboden platschten, hörte er neben dem Reißenden Geräusch nicht, auch sah er sie nicht.
Mit dem Rücken zu ihr murmelte er nur leise:
"Bitte... dann hol Rosa herein. Bereitet du draußen die Rose vor ...Ihr!... Ach, verdammt!"
Das letzte hatte er vermutlich nicht sagen wollen, denn seine Schultern versteiften sich. Immer wieder rutschte er zwischen den Anreden hin und her. - Du – Ihr - Du. Auch das Leon in Celicanisch fluchte anstatt in Garmisch, war interessant, jedoch kaum bemerkenswert in der Situation. Er drehte sich immernoch nicht um und wartete, dass sie reagierte. Wut lag immernoch brennend in der Luft der von dunklen Schatten erfüllten Hütte. Sie dran ihn jede Pore und vergiftete die Stimmung. Es wurde Zeit, dass Lysanthors Licht sie vertrieb! Darna musste raus! Sofort, denn dieser Geruch von kalter Asche wollte hier drinnen einfach nicht weichen.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 5. Juli 2016, 00:07

Das ist nicht dein Ernst...
Du kannst ihn doch nicht sterben lassen, weil...
er doppelt Hilfe braucht.

Es milderte die empfundene Unfähigkeit nicht, dieses Risiko - für sie alle - einzugehen.
Der Schmerz über genau diese Unfähigkeit ließ weitere Tränen zu Boden platschen, bevor sie die Augen noch fester zukniff, dass es weh tat. Sie wollte nicht heulen. Trotzdem wartete etwas in ihr ein bißchen darauf, dass Leon endlich auf sie reagierte. Sie in den Arm nahm. Ein anderer Teil wusste, dass das weder passieren würde noch passieren sollte. Das Geräusch von zerreißendem Stoff erschreckte sie fast und sie schaute erstaunt auf.
Leon zerfetzte etwas unwirsch anmutend den Bezug. Die Stoffstreifen sollten erst einmal reichen, also fesselte er ihm wie geheißen die Hände, auch ohne nähere Erklärung seiner Knappin/Assistentin zu ihren Beweggründen.
Mit tränenverschwommenem Blick sah sie ihm zu. Er tat genau das einfach, ohne an ihrer Zurechnungsfähigkeit, an ihrer Einschätzung der Situation, zu zweifeln? Hielt ihr nicht vor, dass sie einfach nur zu viel Angst hätte? Dabei war sie doch gerade... völlig durch den Wind. Sie blinzelte betäubt.
Du musst dich zusammen reißen. Er verlässt sich auf dich.
Und kann es nicht. Darf es nicht. Sollte es nicht.

Es drückte ihr das Herz zusammen. Ich MUSS es ihm sagen!

Mit dem Rücken zu ihr murmelte er nur leise:
"Bitte... dann hol Rosa herein."
Eine verbale Ohrfeige; jedenfalls für sie. Lag es an der Abfolge der Worte, die wie ein Vorwurf klang oder der hörbaren unterdrückten Aufgewühltheit dahinter, sie presste unwillkürlich die Lippen zusammen wie unter einer - von ihr - enttäuschten Schelte. Etwas, das sie noch nie ertragen hatte, nicht von Leuten, für die sie da sein wollte. Ein Teil ihres Zornes, der gerade erstickte wie eine Flamme, über die ein Deckel gepresst wurde, wollte noch Ja, genau! Macht diesen Mist doch selber! brüllen, aber fand für einen solchen Ausbruch überhaupt keinen Nährboden.
"Bereitet du draußen die Rose vor ...Ihr!... Ach, verdammt!"
Wäre sie ein anderer Mensch gewesen, hätte sie sich über diese verbale Stolperei herzlich amüsiert, aber so fachte es ihren Instinkt, zu helfen, nur noch mehr an, zu begreifen, dass er selber gerade nicht mit sich im Reinen schien. Und offenbar nicht wusste, wie er zu IHR stehen sollte. Diese kühle, medizinische Sachlichkeit hatte sie ihm zutiefst übel genommen. Jetzt erlaubte dieses Gestammel einen ganz winzigen Funken Hoffnung.

Er sah sie immer noch nicht an. Die dünnen Bahnen von Feuchtigkeit, die die Tränen hinterlassen hatten, trockneten rasch und brachten die Haut zum Spannen. Die Augen waren sicher leicht gerötet und sie sah wohl aus, wie man nach Tränen eben aussah, aber das beachtete sie gerade nicht.
Mit unbewusst leisen Schritten setzte sie sich langsam in Bewegung und steuerte auf ihn zu, den Blick weiter auf die Szenerie geheftet. Auf seinen Rücken mit den versteiften Schultern. Sie hätte gern beruhigend ihre Hand auf sie legen wollen, aber das ging jetzt nicht.
Als ihr der unwirsche Charakter seiner Handlungen bewusster wurde, wollte noch einmal Angst aufkeimen, dass etwas Fremdes hier drinnen drohte, sie alle zu übernehmen, aber sie erlaubte dem dieses Mal keinen allzu großen Raum in ihren eigenen Emotionen. Sie wollte helfen. Sie wollte ihm helfen.
Und dafür musste sie funktionieren, soweit es ihr irgendwie möglich war. Reiss dich zusammen. Warne ihn. Sie zog die Tücher hervor, die sie selber im Gürtel stecken hatte und legte sie um ihre Hände, um an Pet mit anfassen zu können. Sie öffnete die Tür, aber nur so weit einen Spalt, dass Rosa sie noch nicht sehen konnte und sie die Tür gleich mit dem Fuß auf angeln könnte. Sie trat gegenüber von Leon an die andere Seite von Pet und ging in die Hocke, wusste selber noch nicht ganz sicher, ob sie den Blick des Lichtmagiers suchen sollte.
Doch. Sieh ihn an!

Darna atmete durch. Sie begann, sich erschöpft zu fühlen, während sie deutlich ruhiger wirkte - oder eher betäubt. Der Wirbelsturm schien vorbei - es war zumindest zu hoffen, dass sie sich nicht bloß gerade im Zentrum befand...
"Du weißt noch nicht alles. Es tut mir unglaublich leid." Auch ihre Worte klangen relativ leise, aber gut verstehbar. Stumpf, erschöpft - und im wahrsten Sinne des Wortes unheimlich ernst. Sie wusste eigentlich kaum, wie sie es erklären sollte, aber noch während sie nach einer behutsamen Erklärung suchte, wurde ihr klar, dass sie womöglich keine Zeit für sowas hatte. Etwas in ihrem Blick wurde eindringlicher.
"Ich hatte diese Angst, weil etwas - in mir - auf die Stimme von Pet geantwortet hat. Etwas düsteres. Nicht ich." Wieder drohten Tränen nach oben zu drängen, aber auch die hielt sie gezielt unter der Betäubung diesmal zurück und zwang sich weiter zur Flucht nach vorn:
"Ich erklär dir gern mehr, wenn ich kann, aber wenn ich zur Bedrohung werde, mich seltsam verhalte... halt mich auf." Ihre Stimme klang zuletzt so trocken wie knisterndes Papier, aber es schien ihr todernst und sie bot an, den Bewusstlosen endlich nach draußen zu tragen - oder eine anderweitige Reaktion Leons abzuwarten.

Halt mich auf. Das klang ein wenig arg dramatisch, und Darna war sehr wohl klar, dass Gernot bei diesen Anwandlungen von ihr in schallendes Gelächter ausgebrochen wäre. Du hast zu viele Gruselgeschichten gelesen, Darna! Ihre Kiefermuskeln spannten sich in der Erwartung, wie Leon darauf reagieren würde. Er war schließlich nicht Gernot. Er hatte Pet tatsächlich einfach die Hände gefesselt. Allerdings stimmte auch der Vorwurf mit den Geschichten in gewissem Rahmen... Die Knappin hatte bekanntermaßen keine bis geringste Erfahrungen mit Magie und lediglich in einer handvoll Heldengeschichten von so etwas wie Stimmen im Kopf gelesen - und dann... nun ja; waren es nun einmal Heldengeschichten, die sich der höchstmöglichen Dramatik bedient hatten.
Sicher hätte Leon sie besser beraten können - aber dafür hätte sie das Gefühl haben müssen, Zeit für Fragen und Erklärungen zu haben. Jetzt, im Moment, wollte sie ihn einfach nur vor dem schlimmstmöglichen warnen, was ihnen vielleicht drohen mochte.
Und dass Leon... ihr vermutlich distanziert genug gegenüber stand, um im Falle des Falles tatsächlich in der Lage zu sein, gegen sie vorzugehen... das war für sie im Moment wohl noch am ehesten eine traurige Gewissheit.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 6. Juli 2016, 19:09

Darna zog die Tücher hervor, die sie selber im Gürtel stecken hatte und legte sie um ihre Hände, um an Pet mit anfassen zu können. Sie öffnete die Tür, aber nur so weit einen Spalt, dass Rosa sie noch nicht sehen konnte und sie die Tür gleich mit dem Fuß auf angeln könnte. Sie trat gegenüber von Leon an die andere Seite von Pet und ging in die Hocke, wusste selber noch nicht ganz sicher, ob sie den Blick des Lichtmagiers suchen sollte. Darna atmete durch. Sie begann, sich erschöpft zu fühlen, während sie deutlich ruhiger wirkte - oder eher betäubt. Der Wirbelsturm schien vorbei - es war zumindest zu hoffen, dass sie sich nicht bloß gerade im Zentrum befand...
"Du weißt noch nicht alles. Es tut mir unglaublich leid."
Er sah noch nicht von Pets Brust auf, aber sein Kiefer zeigte insofern eine Reaktion, dass er sich noch ein wenig mehr anspannte. Auch ihre Worte klangen relativ leise, aber gut verständlich. Ihr Blick wurde eindringlicher und etwas in ihrer Haltung ließ ihn aufsehen. Sofort veränderte sich seine Miene.
"Ich hatte diese Angst, weil etwas - in mir - auf die Stimme von Pet geantwortet hat. Etwas düsteres. Nicht ich."
Er starrte die kleinen roten Adern im Weiß ihrer Augen an und seine Verkrampfungen lösten sich. Er nickte langsam und wirkte dabei nicht sonderlich überrascht. Er wusste es, denn er litt mit ihr. Vielleicht sah es auch Darna und wieder drohten in ihr Tränen nach oben zu drängen, aber auch die hielt sie gezielt unter der Betäubung diesmal zurück und zwang sich weiter zur Flucht nach vorn:
"Ich erklär dir gern mehr, wenn ich kann, aber wenn ich zur Bedrohung werde, mich seltsam verhalte... halt mich auf."
Ihre Stimme klang zuletzt so trocken wie knisterndes Papier, aber es schien ihr todernst.
„Soweit lasse ich es nicht kommen!“
Auch er klang ernst. Ein silberner Schimmer huschte über seine Iris, dann wandte er den Blick ab. So ganz gefestigt war er noch nicht, aber er konzentrierte sich lieber auf das hier und jetzt, als auf ferne Möglichkeiten und alle fernen Folgen die damit zusammen hingen. Darna sprach leise und bot an, den Bewusstlosen endlich nach draußen zu tragen und er nickte, dann hielt er jedoch ihre Hand zurück, kurz bevor sie Pet berühren konnte.
„Ich kann weder dir noch ihm helfen, wenn du mir etwas verschweigst... Wie soll ich wissen... Wenn ich..."
Er hielt ihr Hand fest und sein Daumen streichelte beiläufig ihren Handrücken. Es würde ein schöneres Gefühl ohne die ganzen Stoffbahnen und Handschuhe sein, aber es war auch so eine schöne Geste.
„... Was genau hat die Stimme in dir gesagt?“
Leon wirkte noch immer etwas fahrig und nervös. Sein Blick ruhte auf ihren verbundenen Händen und er fixierte den Kranken, während er auf Darnas Stimme lauschte.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Mittwoch 6. Juli 2016, 22:42

Leon nickte langsam auf die Eröffnung und Darna konnte nicht genau einschätzen, ob er nur ruhig reagierte, um sie nicht abzuschrecken oder ob er tatsächlich bereits irgend etwas davon näher wahrnehmen konnte oder wusste. Wenn ja, warum blieb er dann so ruhig? Sie verstand ihn gerade nicht, was zum Teil ihrer allgemeinen Aufgewühltheit zuzuschreiben sein mochte.
"Ich erklär dir gern mehr, wenn ich kann, aber wenn ich zur Bedrohung werde, mich seltsam verhalte... halt mich auf."
„Soweit lasse ich es nicht kommen!“
Sollte sie ihm das genauso einfach abkaufen wie er ihr ihre Äußerungen? Die Entschlossenheit seiner Worte schien tröstlich, wirkte irgendwie auch so dramatisch, die ganze Situation ihr mehr und mehr fremd und auf seltsame Weise absurd... hätte sie gekonnt, sie hätte leidig gelächelt. Als sie den kurzen silberen Schimmer seiner Iris beobachtete, war es das erste Mal, dass sie sich völlig nebenher fragte, ob das bei ihm wohl etwas mit seiner Magie zu tun hatte. Zaubert er? Irrelevant jetzt.
Sie bot an, den Bewusstlosen endlich nach draußen zu tragen und er nickte, dann hielt er jedoch ihre Hand zurück, kurz bevor sie Pet berühren konnte.
„Ich kann weder dir noch ihm helfen, wenn du mir etwas verschweigst... Wie soll ich wissen... Wenn ich..."
Er hielt ihre Hand fest und sein Daumen streichelte beiläufig ihren Handrücken. Es würde ein schöneres Gefühl ohne die ganzen Stoffbahnen und Handschuhe sein, aber es war auch so eine schöne Geste.
Die junge Frau schaute darauf, ohne diesmal etwas dabei zu empfinden und es führte ihr nur die Taubheit ihrer Gefühle deutlicher vor Augen. Das Feuer in ihr hatte so hell und heftig gelodert, jetzt fühlte sie sich nur noch ausgebrannt. Auch wenn sie ausgerechnet einen solchen Vergleich nicht bewusst hätte ziehen wollen. Sie hätte Leons Geste sowieso gerade nur schlecht einzuordnen gewusst. Er sorgte sich um sie, nicht wahr? Das war... nett von ihm... Sie atmete tiefer ein.
„... Was genau hat die Stimme in dir gesagt?“
Leon wirkte noch immer etwas fahrig und nervös. Sein Blick ruhte auf ihren verbundenen Händen und er fixierte den Kranken, während er auf Darnas Stimme lauschte.

Er konnte ihr Schlucken hören. Sie hatte Angst gehabt, keine Zeit für nähere Erklärungen zu haben, aber jetzt musste sie also jede Möglichkeit nutzen, die sich ihr bot.

"Nein... du bist stärker als er. Er ist nur ein vergehender kleiner Schatten... ohne wahre Macht! Er kann uns nichts anhaben. Er hat Angst..."
Was genau? Das konnte sie ihm sagen, selbst wenn sie es nicht gewollt hätte. Sie weigerte sich allerdings, sie haargenau so wörtlich wiederzugeben, fast als hätte sie Angst, 'es' damit wieder zu wecken. Schlief es denn überhaupt? Sie ächzte leise.
Flucht nach vorn.
"Es war wie ein... finsteres leises Lachen nach..." - sie deutete nur mit dem Kopf Richtung Pet, als sie registrierte, dass Leon sie gerade nicht direkt ansah. Vielleicht auch besser so? "..nach dem, was ich dir eben erzählt hatte. Es klang, als wären es meine Gedanken, nur... kälter. Es widersprach: Nein. Ich sei stärker als er - also, stärker als Pet. Oder wohl eher das, was in ihm ist." Sie war selber fahrig und wischte sich mit der freien Hand mitsamt Tuch über das Gesicht, eine für sie absolut untypische Geste. Immer wieder in den Sprechpausen presste sie die Kiefer aufeinander.
"Er sei nur ein vergehender kleiner Schatten." Vergehend? Heißt das, das würde von selbst bald verschwinden? Was HAT er?? Doch die nächsten Worte würgte sie nur noch leise hervor: "Ohne wahre Macht..."
Noch einmal durchgekaut, offenbarte sich ihr selber gerade, was ihr unter anderem so gewaltig Angst machte: das, was in ihr war, HÄTTE also 'wahre Macht'? Lysanthor, steh mir bei! Ihr Unterkiefer zitterte.
"Er könne uns... er könne uns nichts anhaben. Er habe - also das in Pet habe Angst."
Ihre Schultern sackten nach unten. Ihr Blick starrte unfixiert an Leons Knie vorbei irgendwo durch den Holzboden.

"Was ist das, Leon? Es stank nach kalter Asche..." Etwas in ihr weigerte sich, zur Kenntnis zu nehmen, dass sie diesen Geruch irgendwie schon zu kennen meinte, umso vehementer stürzte ihr ein anderes Detail ins Bewusstsein und ihre Augen verengten sich eine Spur, als sie den Blick wieder zu Leon hob:
"Du sagtest, ich sei 'fahl wie Asche' geworden. Hast du...?"
Das auch gerochen? Wie hätte er das sollen, sie hatte sich das doch nur irgendwie eingebildet, oder? Hatte er etwas damit zu tun? Misstrauen wollte sich regen und wurde genauso energisch unter den Deckel gepresst wie zuvor die Wut. Sie drohte trotzdem, ihm die Hand zu entziehen.
"Was ist hier los?" Sie wollte keinen Schritt weiter denken, aber lauerte wie ein verletztes Tier.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 7. Juli 2016, 09:33

"Es war wie ein... finsteres leises Lachen nach..."
Sie deutete nur mit dem Kopf Richtung Pet, als sie registrierte, dass Leon sie gerade nicht direkt ansah.
"..nach dem, was ich dir eben erzählt hatte. Es klang, als wären es meine Gedanken, nur... kälter. Es widersprach: Nein. Ich sei stärker als er - also, stärker als Pet. Oder wohl eher das, was in ihm ist."
Sie war selber fahrig und wischte sich mit der freien Hand mitsamt Tuch über das Gesicht, eine für sie absolut untypische Geste. Immer wieder in den Sprechpausen presste sie die Kiefer aufeinander.
"Er sei nur ein vergehender kleiner Schatten."
Doch die nächsten Worte würgte sie nur noch leise hervor:
"Ohne wahre Macht..."
Ihr Unterkiefer zitterte.
"Er könne uns... er könne uns nichts anhaben. Er habe - also das in Pet habe Angst."
Ihre Schultern sackten nach unten.
"Was ist das, Leon? Es stank nach kalter Asche..."
Etwas in ihr weigerte sich, zur Kenntnis zu nehmen, dass sie diesen Geruch irgendwie schon zu kennen meinte, umso vehementer stürzte ihr ein anderes Detail ins Bewusstsein und ihre Augen verengten sich eine Spur, als sie den Blick wieder zu Leon hob:
"Du sagtest, ich sei 'fahl wie Asche' geworden. Hast du...?"
Sie drohte ihm die Hand zu entziehen, aber er hielt sie fest.
"Was ist hier los?"
Sie vertraut mir so überhaupt nicht...ich hab's verbockt!
Es war ein fieses Gefühl, was sich da in ihm ausbreitete, aber er drückte es weg und konzentrierte sich auf das Wesentliche.
„Ich sagte dass, weil du sehr blass warst – Und, weil ich als Lichtmagier manchmal eine etwas andere Sicht auf die Dinge habe. Es gibt da einen kleinen Zauber, durch den kann ich die Aura eines Menschen sehen. Ich erkläre dir gerne später, wie ich dich in diesem Moment wahrgenommen habe, aber jetzt sollten wir uns erst mal um Pet kümmern. Gegen dein Problem....glaube ich...kann ich jetzt gerade nichts tun, da ich zu wenig darüber weiß. ...Was Pet angeht, da bin ich mir jetzt sehr sicher, dass er Reinkontakt hatte, also nicht über Umwege Kontakt mir der Krankheit hatte, sondern direkt infiziert wurde. Das würde die „Intelligenz“ des Erregers erklären, warum er zu dir sprach. Er muss irgendwie noch dichter am Ursprung gewesen sein, sogar als unser Fischräucherer. Das etwas in dir auf ihn reagiert hat, ist beunruhigend. Ich bitte dich, achte darauf, dass du ihn nicht mit bloßer Haut berührst. Ich weiß nicht, ob er den Erreger in seiner Reinform noch irgendwo an sich trägt.“
Leon malte jetzt fast regelrecht mit den Kiefern und wirkte zunehmend angestrengter. Es schien als suche er etwas, fand es aber nicht.
„Lass uns ihn jetzt raus bringen... Ich brauche ein bisschen Sonne.“
Er nahm den Rest des zerrissenen Kissenbezuges und legte ihn noch zusätzlich um Pets Beine, damit Darna ihn dort gefahrloser anfassen konnte. Dann positionierte er sich bereit so am Bett, dass sie ihn raus bringen konnten.
„Bereit?“
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 7. Juli 2016, 12:13

"Es gibt da einen kleinen Zauber, durch den kann ich die Aura eines Menschen sehen." Und was hieß das? Ihre Stirn furchte sich leicht, als sie damit so recht nichts anfangen konnte. Natürlich hatte sie das Wort schon einmal in verschiedenen Zusammenhängen - meist bei göttlichem Wirken - gehört, aber hätte jetzt nicht zuverlässig zuordnen können, was der Magier darunter verstehen mochte. Wie auch? Er wollte es ihr ja erklären, aber erstmal ginge es um Pet. Sie nickte nur. Langsam wollte sie auch hier raus.
"Gegen dein Problem....glaube ich...kann ich jetzt gerade nichts tun, da ich zu wenig darüber weiß. Das war neu. So lange kannte sie Leon noch nicht, aber bisher hatte er sich als ein schier unerschöpflicher Quell an Wissen erwiesen. Er hatte Morgerias Hauch sofort als Gefahr identifiziert, er hatte gewusst, was eine Seelenrose ist, er hatte bei der Knappenprüfung herausragendes geleistet, konnte perfekt tanzen...
Sie hätte sich mehr darüber ärgern oder ängstigen können, dass er nun ausgerechnet vor diesem Problem zwischenzeitlich am Ende seiner Möglichkeiten schien, aber es war stattdessen für sie irgendwie beruhigend.
Es bedeutete, dass sie nicht wegen einer Kleinigkeit überreagiert zu haben schien. Aber es ließ Leon vor allem etwas normaler wirken.

Fast hätte sie den Faden verloren und musste sich neu auf das konzentrieren, was Leon weiterhin sagte. 'Reinkontakt'? Was war das? Achso... ähm. Die Verwirrung wuchs. 'Den Erreger in seiner Reinform'? Und der konnte sprechen, oder wie? Sie schaute befremdet noch einmal auf Pet und schüttelte irritiert den Kopf. Raus hier. Ja, raus hier.
„Bereit?“
Sie nickte und hob mit an, schob rückwärts gehend die Tür mit dem Fuß ganz auf und brachte den Landarbeiter raus an die frische Luft. Was wohl Rosa denken mochte nach dieser doch längeren Verzögerung? Egal jetzt - Darnas Kopf fühlte sich wie in Watte gepackt an, während er nichtsdestotrotz in einem Schraubstock steckte. Bloß nicht stolpern.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Sonntag 17. Juli 2016, 20:52

Seine Unfähigkeit ließ Leon etwas normaler wirken und seine Nervosität, sein mangelndes Vermögen sich der Etikette entsprechend zu äußern unterstrich noch den Riss in seiner perfekten Fassade. Auch er war nur ein Mann, der versuchte mit all dem hier irgendwie zurecht zu kommen. Das die weibliche Knappin ihn dabei gelegentlich aus dem Konzept brachte war nur zu männlich...menschlich!
Da war er wieder, dieser Moment, wo irgendetwas zwischen ihnen die Luft zum flimmern brachte. Fast hätte Darna den Faden verloren und musste sich neu auf das konzentrieren, was Leon weiterhin sagte.
„Bereit?“
Sie nickte und hob mit an, schob rückwärts gehend die Tür mit dem Fuß ganz auf. Ihre Gedanken schwirrten schon wieder um unwichtige Dinge, wie was Rosa denken könnte, als Pets Körper plötzlich heftig zuckte und ihr fast aus den Händen geglitten wäre. Auch Leon stöhnte und festigte seinen Griff um die gefesselten Arme. Darna erkannte sofort, dass ihr Vorschlag wohl gut gewesen war, denn gerade in dem Moment, als Pets Füße die Sonne berührten, begann der Arbeiter sich heftig zu wehren. Leon war in der günstigeren Position, da ja die Arme gebunden waren, doch Darna bekam einen kräftigen Tritt in den Bauch ab. Eine kleine Explosion raubte ihr den Atem und dumpfer Schmerz und Übelkeit ließen sie zittern. Ihre gut trainierten Bauchmuskeln hatten das schlimmste wohl abgehalten. Sie hatte schon schlimmeres abbekommen, aber für den kurzen Augenblick tanzten schwarze Punkte ihr vor den Augen. Nichts desto Trotz hielt sie ihn fest und zog weiter an seinen Beinen, bis auch Leon ganz im Licht stand und Pets Glieder steif wurden. Seine Augen waren weit aufgerissen und fixierten Darna, als gäbe es nichts anderes mehr auf der Welt, was an sich schon unheimlich war. Sie legten ihn ab und Darna bekam wieder Luft. Die dunkeln Flecken verschwanden und der Schmerz auch. Doch selbst als Rosa hinzu geeilt kam und ihren Geliebten sanft das Gesicht ihr zu drehen wollte, blieb der starre Blick auf die Knappin geheftet.
„Was ist mit ihm?“
, fragte Rosa und folgte ängstlich seinem Blick. Leon schaltete sich sofort ein:
„Das ist ein Symptom seiner Krankheit. Bitte macht Platz, damit wir ihm helfen können.“
Die Winzerin gehorchte sofort und trat mit ringenden Händen zurück. Leon sah Darna an und besorgt zu ihrem Bauch.
„Alles in Ordnung? Können wir weiter machen?“
Darna nickte mechanisch ohne viel darüber nachzudenken.
„Gut, dann brauchen wir jetzt die Blume. Wir müssen uns beeilen.“
Während sie die Pflanze holte, instruierte Leon Rosa, dass sie ihm die Beine fest zusammen band. Er erklärte es mit Krämpfen, die ihn schütteln könnten und das dies notwendig sein, damit er sich oder die Umstehenden nicht verletzte. Leons Stimme hatte dabei diesen Klang, den man von Heilern jeder Art kannte. Er beruhigte die Menschen, egal war sie sagten. Mit bebenden Lippen tat sie es und blieb dann an seinen Füßen sitzen um ihn zusätzlich fest zu halten, während Leon die Arme des Mannes über den Kopf gehoben hatte, den Brustkorb mit einem Knie auf der Schulter nieder drückte und den Mann auch sonst mit geübten Griffen fixierte. Als Darna sich neben dem Mann nieder kniete flüsterte er leise, schnell und nah an ihrem Ohr, damit Rosa es nicht hören konnte:
„Riskiere nicht zu viel.“
Sein Blick war ernst und sagte, dass sie wichtiger war, dass sie noch gebraucht wurde, das er sie brauchte.
Bild

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 530
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Drachma (westl.Drachengebirge)
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 19. Juli 2016, 23:39

Darna bekam einen kräftigen Tritt in den Bauch ab. Eine kleine Explosion raubte ihr den Atem und dumpfer Schmerz und Übelkeit ließen sie zittern. Ihre gut trainierten Bauchmuskeln hatten das schlimmste wohl abgehalten. Sie hatte schon schlimmeres abbekommen, aber für den kurzen Augenblick tanzten schwarze Punkte ihr vor den Augen.
Umpfh. Ihr blieb heute aber auch GAR NICHTS erspart! Warum nochmal hatten sie ihn nicht gleich verschnürt wie einen Rollbraten? Weil sie selbst in ihrer Panik nicht hatte übertreiben wollen? Ernsthaft?! Das nächste Mal würde sie sich das besser überlegen! Sie hielt Pet weiter fest und presste die Kiefer zusammen. Schmerz ignorieren. Noch einen Schritt. Und noch einen. In verärgerter Beiläufigkeit warf sie einen Blick auf Pets Gesicht und stockte fast, als sie in diese weit aufgerissenen Augen sah.
BLEIBST du jetzt gefälligst bewusstlos! Dass er das nicht war, darauf hatte der Tritt doch schon hingewiesen, oder? Kurz flackerte Angst auf, aber die konnte sie sich jetzt nicht mehr leisten. Ihr Kopf dröhnte und dieser fiese Tritt hatte weh getan. Ihre Reaktion auf Schmerz und dann auch noch hinterhältige Attacken bedurfte längst keiner bewussten Entscheidung mehr, und Gernot hatte ihre natürliche Neigung dazu zur Perfektion geschliffen: ihr Blick verengte sich und sie starrte wütend zurück, den Körper in Trotz angespannt.

Jedenfalls, bis sie ihn abgelegt hatten und Darna wieder Luft bekam, die sie auch tief und dankbar einsog. Die dunkeln Flecken verschwanden und der Schmerz auch. Doch selbst als Rosa hinzu geeilt kam und ihrem Geliebten sanft das Gesicht ihr zu drehen wollte, blieb der starre Blick auf die Knappin geheftet.
„Was ist mit ihm?“

Die Knappin fixierte einen unbestimmten Punkt, sich noch sammelnd, das Gesicht missmutig verzogen. Ein Krankheitserreger, der sprechen kann, versuchte sie für sich selber zu definieren. Und zutreten. Uff.
Leon schaltete sich sofort ein: „Das ist ein Symptom seiner Krankheit."
So... kann man das vermutlich auch nennen.
Sie sah an sich herunter, ob der Tritt nennenswertere Konsequenzen gehabt haben dürfte. Nein, wohl nicht. Er hatte gegen das Laken getreten, nicht wahr? Gut, dass sie die Tücher und all das zwischen sich und Pet hatten. Sie hatte wirklich keine Lust, direkt mit ihm...
Ihr Gedanke stockte und der Blick ruckte zu Rosa, sich noch einmal vergegenwärtigend, dass sie Pet eben ja direkt im Gesicht angefasst hatte. Aber sie hat ihn ja auch die ganze Zeit gepflegt. WARUM hat sie sich nicht derartig gravierend angesteckt?? Die Stirn der Knappin furchte sich kritisch grüblerisch, während das Geschehen ein klein wenig an ihr vorbei rauschte.
Leon sah Darna an und besorgt zu ihrem Bauch. „Alles in Ordnung? Können wir weiter machen?“ Darna nickte mechanisch ohne viel darüber nachzudenken.
„Gut, dann brauchen wir jetzt die Blume. Wir müssen uns beeilen.“
Während sie die Pflanze holte, instruierte Leon Rosa, dass sie ihm die Beine fest zusammen band. Er erklärte es mit Krämpfen, die ihn schütteln könnten und das dies notwendig sein, damit er sich oder die Umstehenden nicht verletzte. Leons Stimme hatte dabei diesen Klang, den man von Heilern jeder Art kannte. Er beruhigte die Menschen, egal war sie sagten.

Darnas Stirn blieb gefurcht, während sie sich der Seelenrose näherte und auch ihren Zustand mit einem kurzen Blick einmal prüfte. Sie verwarf den ersten Impuls, die Pflanze mit den 'roten' Tüchern an ihren Händen gedankenlos anzufassen und verwarf auch den zweiten Impuls, die Tücher einfach beiseite auf den Boden zu werfen.
Innehalten. Durchatmen.
Das ging gerade alles zu schnell hier, und plötzlich argwöhnte sie, dass sie und Leon gerade durch Pets Zustand getrieben begannen, die nötige Vorsicht und Sorgfalt außer Acht zu lassen? Mit etwas Distanz am Pferd stehend sah sie zu den bereit gestellten Sachen, die sie und Rosa noch so eifrig zuvor aufgebaut hatten. Ich sollte mir die Hände eigentlich gründlich mit Rum abwaschen, bevor ich irgend etwas für die Heilung anfasse. Wie... sollen wir Pet vorher reinigen, wenn er gefesselt bleiben muss?
Ihr Blick glitt über Leon, der gerade begann, Pet nachhaltiger zu fixieren. Wie willst du mir helfen, wenn du ihn währenddessen festhalten musst?! Aber wie bekamen sie Pet sonst in den Griff? Vor ihrem geistigen Auge formte sich ein Bild, in dem sie hinter Händen und Füßen des Landarbeiters Pflöcke in den Boden rammten... Vielleicht. Wir müssen das irgendwie lösen.
Sie wandte sich ab und ging zum noch am Pferd hängenden Fässchen mit Rum und zapfte halt dieses an, um ihre Hände einmal mehr gründlich in Alkohol zu tränken. Sie wollte jetzt nicht zeitvergeudend kreuz und quer durch das provisorische Lager laufen. Ich hätte eigentlich zuerst gern Rosa geheilt, purzelte es weiter durch ihre Gedanken und die zunehmende gewohnte Klarheit in ihrem Kopf war mindestens genauso wohltuend wie die Sonne und die Luft hier außerhalb der Hütte. Wenn hier irgend etwas katastrophal schief läuft, hätte ich sie wenigstens vorher geheilt... Ein düster wirkender Gedanke, der sie noch nachdenklicher machte. Aber sie brauchten Rosa noch, so wie in Serna Basil, nicht wahr? Sie versuchte kurz, in Gedanken durchzugehen, für was eine noch kranke Rosa eigentlich unabkömmlich wäre und ob man das nicht durch andere Lösungen ersetzen konnte. Aber zu viel Kapazität verschwendete sie nicht darauf. Sie streckte den Rücken durch und löste nun vorsichtig die Seelenrose vom Sattel. Ich DARF nicht scheitern!

Sie mussten doch noch nach Jorsa. Es würde alles gut werden, das hatte... Florencia... ihr doch mit der Erhörung ihres Wunsches in Aussicht gestellt? Sie mussten den Jungen finden. Den 'Reinerreger'...
Darna näherte sich der Dreiergruppe und erstarrte plötzlich mitten im Schritt. Klick. Wie Zahnräder, die eben noch bloß nebeneinander geruht hatten und plötzlich ineinander griffen und einen Sinn ergaben, fügten sich auf einmal einige Informationen zusammen.
DER JUNGE HAT IN IHREM BETT GESCHLAFEN! Ihr Blick fiel auf den zerrissenen Kissenbezug, der teils die Hände band, teils als Tuchfetzen auf dem Boden lag, und die Knappin wurde etwas blasser.
Sie näherte sich zügig und kniete neben Pet nieder. Als Darna sich neben dem Mann nieder kniete flüsterte Leon leise, schnell und nah an ihrem Ohr, damit Rosa es nicht hören konnte:
„Riskiere nicht zu viel.“
Sein Blick war ernst und sagte, dass sie wichtiger war, dass sie noch gebraucht wurde, dass er sie brauchte.

Darna schüttelte den Kopf, aber weniger als Bestätigung seiner Bitte, als mehr als Signal, dass sie noch nicht so weit war, dass es noch etwas anderes gab:
"Leon, ich glaube, ich weiß, wie er sich so heftig infizieren konnte", erwiderte sie eindringlich und leise, aber nicht darum bemüht, Rosa außen vor zu halten, sondern eher aus Anspannung. "Der Junge hat in dem Bett geschlafen. Ich bin nicht dazu gekommen, es dir zu erzählen."
Ein flüchtiger Blick zu Rosa wirkte, als suche sie von der Winzerstochter eine Bezeugung ihrer Worte. "Ich verstehe nur leider nicht, warum... sie verschont blieb. Verzeihung." Sie blinzelte gehäuft, um die ganzen Bilder und Gedanken zu sortieren. Sie versuchte, sich an das zu erinnern, was Rosa ihr berichtet hatte, was angesichts der Flut an überwältigenden Eindrücken dazwischen gar nicht so einfach war.
"Aber es hat vielleicht etwas mit dieser seltsamen Maske zu tun, die der Junge trägt. Sie hat versucht, eine schmierige Substanz darin abzuwaschen. Vielleicht war, beziehungsweise ist die irgend ein Schutz? Der Grund, warum der Junge krank ist, aber so lange überlebt? Geht das?"
Sie sah Leon eindringlich an, als müsse er mit den hingeworfenen Brocken plötzlich selber etwas anfangen können. Ihnen fehlten Informationen!
"Und wir dürfen doch auch das Drumherum nicht außer Acht lassen? Müssen wir ihn nicht vorher reinigen und so?"
Sie schloß kurz doch ein bisschen überfordert wirkend die Augen. Pets Starren hatte sie dabei geflissentlich ignoriert und den direkten Blickkontakt gemieden. Ihnen fehlten Informationen. Was hatte Pet mit dem Jungen zu tun gehabt, was Rosa nicht getan hatte?
"Pet hat den Jungen hochgehoben und ins Bett gelegt", resümierte sie weiter mit nachdenkend geschlossenen Augen. Und nochmal fiel ihr ein Detail ein: "Und der Junge hat ihm dabei im Schlaf etwas zugemurmelt. Etwas von 'leere Augen ohne Mund'." Ein leises frustriertes Brummen entfuhr ihr.

Das war so ein Flickenteppich, dass sie eigentlich kein Bedürfnis verspürte, sich mit dieser mangelnden Informationsgrundlage nun mit Pets Geist und was immer sie in ihm finden würde, auseinander zu setzen. Aber sie musste es.
"Und wenn ich es noch anmerken darf: es gefällt mir nicht, dass ich ihn behandeln soll, während ihr ihn festhalten müsst. Wenn doch etwas passiert, wie wollt ihr dann eingreifen?" Sie hatte dabei die Augen wieder geöffnet und sah Leon direkt an, dass ihm klar sein musste, dass sie vor allem ihn damit meinte.
Und was hast DU eigentlich die ganze Zeit da drinnen in der Hütte gemacht und MIR nicht berichtet? Ihr Blick wirkte kurz fast vorwurfsvoll, aber der Gedanke erschien ihr selber zu frech, als dass sie es ausgesprochen hätte, also senkte sie den Blick auf Leons Hände und sah zu, sich lieber weiter auf die Dinge zu konzentrieren, von denen ihr es schien, als drohten sie wichtige Details zu übergehen und zu übersehen.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4236
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zwischen Serna und Troman - Nicht fern der Front

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Juli 2016, 15:16

Darna schüttelte den Kopf, aber weniger als Bestätigung seiner Bitte, als mehr als Signal, dass sie noch nicht so weit war, dass es noch etwas anderes gab:
"Leon, ich glaube, ich weiß, wie er sich so heftig infizieren konnte"
, erwiderte sie eindringlich und leise, aber nicht darum bemüht, Rosa außen vor zu halten, sondern eher aus Anspannung. Sie sah kurz zur Seite und bekam so sein leichtes Kopfschütteln nicht mit. Leon schien anderer Meinung. Als sie wieder hin sah, fuhr sie auch gleich fort.
"Der Junge hat in dem Bett geschlafen. Ich bin nicht dazu gekommen, es dir zu erzählen... Ich verstehe nur leider nicht, warum... sie verschont blieb. Verzeihung... Aber es hat vielleicht etwas mit dieser seltsamen Maske zu tun, die der Junge trägt. Sie hat versucht, eine schmierige Substanz darin abzuwaschen. Vielleicht war, beziehungsweise ist die irgend ein Schutz? Der Grund, warum der Junge krank ist, aber so lange überlebt? Geht das?"
Sie sah Leon eindringlich an, als müsse er mit den hingeworfenen Brocken plötzlich selber etwas anfangen können und er starrte zurück. Der Körper unter seinen Händen wurde immer steifer.
"Und wir dürfen doch auch das Drumherum nicht außer Acht lassen? Müssen wir ihn nicht vorher reinigen und so?... Pet hat den Jungen hochgehoben und ins Bett gelegt... Und der Junge hat ihm dabei im Schlaf etwas zu gemurmelt. Etwas von 'leere Augen ohne Mund'."
Ein leises frustriertes Brummen entfuhr ihr, während Leon den Kopf des Mannes überstreckte, damit er besser Luft bekam. Dieser musste durch diese Haltung ordentlich die Augen verdrehen um Darna immernoch ansehen zu können, aber er tat es.
"Und wenn ich es noch anmerken darf: es gefällt mir nicht, dass ich ihn behandeln soll, während ihr ihn festhalten müsst. Wenn doch etwas passiert, wie wollt ihr dann eingreifen?"
Leon schob seinen Kopf noch etwas näher, sodass sein Atem ihren Hals berührte und flüsterte:
„Danke, dass du mir das gesagt hast. Wir werden später darüber reden, aber – bitte! - Heile ihn jetzt. Er stirbt sonst!“
Seine Stimme war so leise, wie es eben nur ging, aber dadurch wurde die Dringlichkeit in seinen Worten nur noch unterstrichen. Darna sah Pet an, der sie immernoch anstarrte, aber durch ihre ganzen Überlegungen hatte sie nicht bemerkt, dass die immer stärker werdende Starre Pet langsam tötete. Sein Atem ging sehr flach und wahnsinnig schnell, die das leise Hecheln eines Hundes, oder wie das eines ertrinkenden Mannes. Er schnappte förmlich nach Luft, wobei sich jedoch sein Brustkorb kaum hob.
„Tu es!“
Bild

Antworten

Zurück zu „Das Königreich Jorsan“