Auf den Wegen gen Nordosten

Dies ist das südliche Königreich unter der Herrschaft des jungen und großzügigen König Richard dem Dritten. Armut findet man hier kaum, sondern meist Wohlstand und Zufriedenheit, einfach ein Reich zum Wohlfühlen.
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Lenarius Arathur
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Auf den Wegen gen Nordosten

Beitrag von Lenarius Arathur » Dienstag 25. Juni 2013, 17:11

Einstiegspost

Zwei Tagesreisen lag Jorsa nun hinter ihm zurück. Seine Heimat. Es war ein sonniger Morgen, fast perfekt zum Wandern, wäre da nicht dieser eisige Wind. Dieser Wind der sein Haar zerzauste und ihn frösteln ließ, wenn er einen Weg unter seinen Umhang fand.
Achtlos warf er die abgenagten Reste eines Apfels in die Büsche zu seiner Rechten. Schon seid geraumer Zeit säumten sie den gut ausgetretenen Weg welcher ihn immer weiter Richtung Nordosten führte.
Irgendwann im laufe des Tages sollte er auch an einem Dorf vorbei kommen, so hatte es ihm zumindest ein entgegenkommender Wanderer am frühen Morgen erzählt. Obwohl Lenarius keine zwei Stunden zu diesem Zeitpunkt auf den Beinen war, hatte er mit dem Fremden eine kurze Rast eingelegt und sich mit diesem unterhalten.
All zu aufregendes hatten sie sich nicht zu erzählen, schien es bei beiden bisher doch sehr ruhig gewesen zu sein.
Nach kurzer Zeit packte Lenarius aber auch schon wieder seine Sachen und zog weiter in Richtung dieses Dorfes.

Dort wollte Lenarius seine Vorräte aufstocken, zwar hatte er nicht viele Münzen bei sich, aber vielleicht konnte er sich die Rationen auch mit ein wenig Fleiß erarbeiten. Vielleicht einen Stuhl oder Tisch reparieren, so stellte er es sich zumindest vor.

Gegen Mittag legte er eine Rast unter einer Tanne ein, welche nahe dem Weg stand. Der Weg begann nun auch gemächlich anzusteigen.
Unter der Tanne entledigte er sich seines Lederranzens und seines Schildes. Zog Wasserschlauch und ein Stück Schwarzbrot hervor und machte es sich unter der Tanne gemütlich.
Zwar nicht die nahrhafteste Mahlzeit, aber es würde reichen bis er bei dem Dorf ankam.
Während er so unter der Tanne saß und sich den letzten Brocken Schwarzbrot in den Mund schob nahm er sein Schwert zur Hand, zog die Klinge blank und prüfte die Schneide.
Seit dem er aufgebrochen war hatte er die Klinge nicht einmal benutzen müssen, doch war Vorsicht besser als Nachsicht. Es beruhigte ihn auch das Schwert in den Händen zu halten. Wie das alte Geschichtsbuch und den Anhänger, den er unter seinen Klamotten trug, war das Schwert für ihn eine direkte Verbindung zu seiner Familie.
Langsam ließ er die Fingerspitzen über die Gravur fahren, spürte jede Erhebung und jede Schramme auf dem Stahl.
Ein rascheln ließ ihn aufblicken, langsam blickte er sich um, doch konnte er nichts entdecken. Ein paar Bäume hatten sich zu dem Gebüsch am Wegrand gesellt, doch waren es nicht viele und auf dem Weg konnte er auch nichts entdecken.
Also steckte er seine Klinge wieder ein, hängte sich Ranzen und Schild wieder über die Schultern und machte sich auf den Weg. Das Geräusch hatte er schon wieder vergessen, tat es als ein Kleintier ab.
Der Weg schlängelte sich durch eine grünbewachsene Ebene, durchsetzt mit Baumgruppen und einzelnen Hügeln.
Tiere waren hier großartig keine zu hören und gegen Nachmittag, die Bäume um ihn herum und auch er selbst warfen bereits lange Schatten, konnte er dünne Rauchsäulen erkennen.
Langsam und gemütlich stiegen diese gräulichen Fäden höher gen Himmel und zeichneten sich nur schwach gegen die helle Farbe der Untergehenden Sonne ab.

Der größte Teil des natürlichen Grün um ihn herum war dem Ackerbau gewichen und hier und da zeichneten sich auch die dunklen Umrisse von Gehöften gegen das rot-orange des Himmels ab.
Es wirkte alles sehr idyllisch und friedvoll, so hatte Lenarius es auch in Jorsan erwartet.
Kurz blieb er stehen nahm dieses Bild in sich auf und atmete einmal tief durch, ließ die kühle klare Luft seine Lungen fluten und legte dann noch einen Schritt zu, bevor die Sonne den Himmel verlassen hatte, wollte er das Dorf erreicht haben.

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Re: Auf den Wegen gen Nordosten

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 3. Juli 2013, 05:12

Seit ein paar Tagen treib es Lenarius geruhsam, aber stetig vorwärts und so langsam kam der junge Mann in eine Gegend um Jorsa, die im nicht mehr groß bekannt vorkam, außer aus den Erzählungen seiner Verwandten. Obwohl es die Zeit des Wandels war, hatte er heute Glück gehabt, Lysanthor meinte es wohl gut ihm und beschied ihm nach einem ruhigen Tag, einen wunderbaren Sonnenuntergang. In vielschichtigen Farben fielen die letzten Strahlen der Sonne auf das land und tauchten alles in ein weiches Licht. Wenn er auf einem Hügel ein wenig verweilte, konnte er sehen, was für wunderbare Gemälde Lysanthor mit den Lichte auf das Antlitz Celcias malte.
Der junge Jorsaner hatte sein Ziel, ein kleines Dorf, bereits im Blick und war froh darüber, dass er nicht wieder unter freiem Himmel übernachten musste. Auch wenn es ihm nicht groß etwas ausmachte, so waren ein warmes, weiches Bett und ein Dach über dem Kopf bei dieser Jahreszeit doch erstrebenswerter.
Ein vielbefahrener und befestigter Weg führte in sanften Wellenbewegungen durch die Felder, zum Dorf. Bei genauerer Betrachtung des Dorfes, wusste er sofort, dass es gerade mal eine Ansammlung von mehreren gehofften war und soweit er das sah, so hatte dieses winzige Dorf nicht mal einen eigenen Tempel. Also konnte es vermutlich nicht einmal mehr als 100 Bewohner zählen.
Die Felder, an denen er vorbeikamen, waren gut gepflegt, aber lagen natürlich brach. Wobei er auf einigen Abschnitten doch braune runde Kugeln erkennen konnte, an denen Raben und Krähen, Rehe und ein paar Hasen sich gütlich taten. Die Landwirte waren hier wohl ehrlich schuftenden Menschen, die die Jahreszeiten nutzen, wie sie es nur konnten.
Je näher er dem kleinen Fleckchen kam, der nicht mal auf einer Landkarte verzeichnet war, desto mehr konnte er erkennen, dass das Dorf lediglich von einer Lehmmauer umfriedet war, die nicht mal sonderlich hoch reichte. Demnach war dies hier so oder so eine friedliche Gegend, was er ja schon vermutet hatte, nachdem er sich mit dem Reisenden von heute Mittag unterhalten hatte, denn dieser hatte nicht viel mehr als einen Dolch bei sich. Die Häuser dahinter waren eher niedrig, aber breit und fast alle mit Reet abgedeckt, wo rauchenden Schornsteine herausragten. Hier fiel ihm jetzt auch ein starker Geruch auf, der ihm sagte, dass in der Umgebung durchaus auch Torf gestochen wurde.
Je näher Lenarius seinem Ziel kam und je länger die Schatten wurden, umso mehr Lichter wurden hinter den Fenstern entzündet und so langsam machte sich die Kälte, die immer beißender wurde, in seinem ganzen Körper breit.
Am Eingang gab es lediglich ein hölzernes, ebenso niedriges Tor, was gerade von zwei Männern geschlossen wurde. Beide waren leicht gerüstet und bewaffnet, blickten Lenarius nicht argwöhnisch oder feindlich, aber überrascht an. Der Linke grüßte ihn nur mit einem Kopfnicken, der Andere hingegen trat auf Lenarius zu und reichte diesem seine Hand zum Gruße.
“Heh, Wanderer, wohin des Weges?” Die Stimme des Mannes war tief und angenehm und deutliche Neugierde schwang in dessen Frage mit. Dass Lenarius gemustert wurde, kannte er ja aus seiner eigenen Stadt. “Ihr kommt gerade noch rechtzeitig”, sagte er und untermalte dies mit einem Grinsen. “Ich nehme an, ich sucht eine Unterkunft für die Nacht?”, stellte er die Frage mehr rhetorisch. “Dann lasst mich euch unserer kleine Herberge ‘Lindenhain’ empfehlen. Dort werdet ihr alles bekommen, was ihr benötigt. Folgt einfach dem Hauptweg und dann nach ca. 300 Schritt auf der rechten Seite. Wünsche eine angenehme Nachtruhe.” Wenn die meisten Bewohner hier so waren, wie der Nachtwächter, dann war es wirklich ein friedliches Fleckchen.
Ein paar Männer, meist Arbeiter oder Bauer, waren noch unterwegs. Natürlich stutzten sie und blieben mal stehen, wie sie Lenarius gewahr wurden, aber auch deren Blicke waren mehr verwundert oder neugierig, denn misstrauisch. Hier schienen sich nicht allzu viele Fremde hinzu verirren, trotzdem grüßten ihn sogar ein Paar.
Der Hauptweg verlief relativ gerade durch diesen Ort und alsbald schon, konnte er die kleine Herberge auch sehen, zum Glück hin ein hölzernes Schild außerhalb, welches leise im kalten Wind knarrte.
Das waren doch bisher wunderbare Aussichten und wenn er sich nicht allzu dumm oder ungeschickt anstellte, so müsste er es sich hier doch gut gehen lassen können. Wenn er zu dem auch noch keine Arbeit scheute, wäre es demnach auch kein Problem, sich etwas dazu zu verdienen. Jetzt lag es an ihm und seinem Geschick.
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Re: Auf den Wegen gen Nordosten

Beitrag von Lenarius Arathur » Mittwoch 3. Juli 2013, 21:37

Lenarius hatte den Weg hier her genossen, wenn er sich vielleicht einen nicht so bissigen Wind gewünscht hätte. Doch nun da das Dorf in Sichtweite war und die Wahl hatte, würde er doch ein Dach über dem Kopf und die Wärme eines Gasthofes der kalten Nacht vorziehen, besonders wenn sich der Wind hielt.
Kurz vor dem Dorf, es war wirklich überschaubar, lenkte er seinen Blick auf die Wachen vor dem Tor. Nicht zu vergleichen mit den Wächtern die in der großen Stadt ihren Dienst taten.
Er wollte ihnen sicher nicht unterstellen das sie ihrer Pflicht nicht genauso gewissenhaft nachgingen wie die Stadtwachen, doch wirkte ihre Erscheinung auf ihn so unprofessionell? Nicht einheitlich? Lenarius vermochte es nicht genau zu sagen.
Auch war er etwas über die Anzahl der Wächter überrascht, es waren so...wenige.
Nun andererseits was hatte er von einem Dorf erwartet dessen Einwohner nicht einmal 100 Einwohner zählte? Aber er kannte es nicht anders. In der Stadt sorgten sicher ein Dutzend Wächter für die Sicherheit und Kontrollen am Tor, zu Hochzeiten ohne zweifel mehr.
Die Mauer erschien ihm ebenso mehr wie die Gartenmauer eines Adeligen als eine wirkliche Wehranlage. Sie mochte vielleicht reichen um wilde Tiere daran zu hindern einfach in das Dorf hinein zu spazieren, doch weder Diebe, Räuber oder gar Plünderer würden sich davon wirklich aufhalten lassen.
Was vielleicht auch einfach nur ein weiteres Zeichen war, wie friedlich seine Heimat doch ist.

"Lysander zum Gruße." Er erwiderte das Kopfnicken des einen Wächters und schüttelte die ihm dargebotene Hand mit einem festen Händedruck.
"Nur auf der Durchreise guter Mann. Ich komme aus Jorsa und will weiter gen Nordosten." Hier nutze Lenarius ein wenig seiner eigenen Erfahrung als Wächter. Man wollte zwar nie die Lebensgeschichte der Menschen wissen, doch war es angenehmer ihre Absicht in der Stadt zu erfahren, als mit einem typischen „das geht euch nichts an“ abgespeist zu werden, zumal das nur zu einer längeren Diskussion führte.
Auf die Frage nach der Unterkunft nickte Lenarius bloß. "Habt dank für die Auskunft und noch eine angenehme und ruhige Wacht."
Mit diesen Worten und einem Wink zur Verabschiedung trat er durch das kleine Tor. Nie wäre ihm in den Sinn gekommen das das Tor über Nacht vielleicht gar nicht bewacht wurde und die beiden Wächter nun dem Ende ihrer Schicht entgegen sehen mochten.
Er ging ein paar Schritte und ließ den Blick über die niedrigen Bauten wandern. In der Stadt waren solch niedrige aber breiten Häuser quasi nicht zu finden und für ihn daher ein befremdlicher Anblick. Selbst die Gehöfte die er im Licht der untergehenden Sonne hatte sehen können hatten größer gewirkt.
Lenarius hatte das Gefühl das ihm ein jeder anzustarren schien, dem er begegnete. Ein seltsames, befremdliches Gefühl für ihn. Er ertappte sich schon dabei wie er kurz an sich herunterblickte um zu sehen ob vielleicht irgendetwas an ihm komisch aussah was die Blicke auf ihn zog. Jedoch fand er nicht das er sich sonderlich anders gekleidet hatte, wie die hiesigen Bewohner.

Alles in allem war dieses Dorf wirklich friedlich und ruhig. Befremdlich ruhig. So wirkte es zumindest auf ihn. Sein Blick glitt von der linken auf die rechte Seite, hin und wieder grüßte er einen Passanten der ihn neugierig betrachtete und wurde hin und wieder sogar zurück gegrüßt. Dann kam er bei der Herberge die ihm der Wächter empfohlen hatte an. Vermutlich war es ohnehin die einzige Gaststätte im gesamten Dorf. 'Lindenhain' stand da auf einem hölzernen Schild das im Wind hin und her schaukelte und dabei leise knarzte.
Warmes, flackerndes Licht fiel aus den Fenstern auf Lenarius und drückte sich unter der Tür hervor wo es auf die Sohlen seiner Stiefel stieß. Ein Blick durch ein Fenser offenbarte ihm das die Gaststätte gut besucht war.
Lenarius straffte die Schultern, legte kurz eine Hand auf das Heft seines Schwertes, dann nahm er seine Hand wieder von diesem und trat mit einem selbstsicheren Schritt ein.
Sein Blick durch das Fenster hatte ihn nicht getäuscht. Die besten Tische am Feuer und nahe der Theke waren bereits besetzt. An einer etwas größeren runden Tafel nahe der Theke, saßen mehrere Männer mit bereits ergrauenden Haaren in einfachen Klamotten und unterhielten sich, zum Teil lachend miteinander. Jeder von ihnen hatte einen oder mehrere Becher oder Krüge vor sich auf dem Tisch stehen. Um diese herum standen ein paar jüngere Kerle die zumeist den Alten lauschten. Kurz nachdem Lenarius eingetreten war und die Tür hinter sich wieder zugezogen hatte, verstummte ein Großteil der Gespräche. Lenarius war sich nur all zu bewusst das ihn wohl sämtliche Augenpaare im Raum musterten, dann setzten die Gespräche wieder ein und verschmolzen zu diesem angenehmen Hintergrundgeräusch das jeden guten Schankraum ausmachte. Hier und da mochte ihn wohl noch ein Augenpaar mustern, doch Lenarius entspannte sich innerlich. Irgendwie fühlte es sich an als ob er eine Prüfung bestanden habe.

Seine Schnallen klapperten und der Holzboden unter seinen Füßen knarrte leise als er zur Theke ging, seinen Umhang zurück schlug und zum Wirt trat, der scheinbar auf ihn gewartet hatte seitdem er eingetreten war.
"Einen guten Abend wünsche ich. Wie viel verlangt ihr für einen einfachen Eintopf ein Gerstenbier und ein Lager für die Nacht? " Kurz blickte er links und rechts den Thresen entlang, während der Wirt ihm seinen Preis nannte, bevor er den Wirt wieder ansah. "Wäre es auch möglich das genannte zu verdienen? Ich bin fleißig und scheue keine Arbeit. Ich vermag euch Stühle und Tische zu reparieren oder Türrahmen zu richten." Vielleicht war es nicht die beste Taktik so direkt den Verdacht aufkommen zu lassen das man nicht zahlen konnte. Wobei das ja nicht zutraf, Lenarius besaß Geld, doch war es nicht mehr viel und wenn er es hier nun für seine Unterkunft ausgeben musste, war er fast schon gezwungen sich Arbeit zu suchen, denn viel war es nicht mehr, was da in dem kleinen Lederbeute vor sich hin klimperte.

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Re: Auf den Wegen gen Nordosten

Beitrag von Gestalt » Samstag 13. Juli 2013, 01:43

Den Zutritt zu diesem kleinen Dörfchen hatte er erfolgreich hinter sich gebracht. Aber mit seiner freundlichen Art, sollte es Lenarius so oder so nicht allzu schwer, weiter zu kommen, in seinem Leben.
Die Beschreibung zum kleinen Gasthaus war simpel gewesen, aber umständlicher hätte es sich auch nicht gelohnt. Die Hauptstraße, die durch den Ort führte war allenfalls ein befestigter Pfad, dafür aber wiederum erstaunlich sauber. Normaler Weise türmte sich ja nur so der Unrat und dergleichen auf wegen und Straßen, besonders aber in Ortschaften der Menschen. Hier aber, erfreulicher Weise, hielten die Anwohner ihren Ort sauber. Lenarius konnte auch bemerken, dass es hier nicht so typisch nach Unrat oder schlimmeren stank. Das Gleiche führte sich im Schankraum des Gasthauses weiter. Hier drinnen war aus aufgeräumt, es lagen frische Binsen auf dem Boden und der Geruch im Raum, war der vom Essen, Feuerholz oder Tabak. Alles in allem, ein sehr sauberes Örtchen, auf das Die Bewohner achteten und stolz sein konnten. Lenarius hingegen konnte sich dann sicher sein, seinen Schlafplatz nicht mit unerwünschten Untermietern teilen zu müssen.
Nun stand der junge Jorsaner an der Theke und erhoffte sich as Beste für den Abend und vielleicht auch die kommenden Tage. Der Wirt, der ihn immer noch betrachtete, war ein gutmütig wirkender Mann, Mitte 40, mit wachen braunen Augen, dunkelbraunem haar, dass zu einem akkuratem Zopf im Nacken gebunden war und einem gut gestutzten Vollbart. Wie die meisten Männer im besten Alter, hatte sich auch bei diesem ein Bauch angesetzt, was seiner bisweilen gemütlichen Erscheinung und dem typischen Bild eines Wirtes nur zuträglich wurde. Die Statur des Mannes war groß und muskulös breit, typisch durchaus hart arbeitenden Bevölkerung des Landes. An Kleidung trug der Wirt ein einfaches ungefärbtes, jetzt hochgekrempeltes Leinenhemd, eine einfache Lederhose und darüber eine Schürze. Um das Bild zu vervollständigen, lag ein Geschirrtuch über seiner Schulter.
Nach einer kurzen Pause antwortete der Wirt.
“Seid auch ihr gegrüßt, Fremder.” Die Stimme das Mannes war voll und ungewöhnlich tief. Immer noch wachsam wurde Lenarius von diesem beobachtet, wobei es mittlerweile mehr einem neugierigen Mustern wich. “Eine ungewöhnliche Zeit habt ihr euch fürs reisen ausgesucht”, stellte er neugierig, aber ohne Wertung fest. “Nun, das kommt ganz darauf an, was es denn für euch sein darf”, erläuterte er. “Die dünne Grütze kostet euch drei Fuchsmünzen, die Dicke sechs, ein Eintopf fünf, mit Fleisch 12, eine Fischsuppe zwei und das Bier bewegt sich zwischen zwei und acht Fuchsmünzen. Ihr könnte aber auch eine Brotzeit wählen, die liegt je nach Aufschnitt zwischen zwei und acht Fuchsern. Er machte eine kurze pause, damit der junge Mann sich enstcheidne konnte, eher er weiter auflistete. “Für den Schlafsaal berappe ich euch zwei Füchse, das einfache Quartier vier und das Gehobene 10. Sucht es euch aus, es ist noch genügend frei. Ein Lager im Stall kostet einen.” Gut vorbereitet auf Gäste war der Wirt ja und die Varianten, die es zum Wählen gab, deuteten durchaus darauf hin, dass das Dorf gut frequentiert war, zumindest in den warmen Monden.
Nach Lenarius Frage, ob er für Kost und Unterkunft auch arbeiten könnten, stockte der Wirt und ihn nachdenklich, mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Erneut musterte er den jungen Mann an seiner Theke, ließ seinen Blick über die Kleidung und as Schwert schweifen, eher er auf dessen Gesicht zum Ruhen kam. “Nun, eine ungewöhnliche Art der Bezahlung, Nachbar. … Aber ihr seht mir nicht so aus, als ob ihr ein Wegelagerer, Nichtsnutz oder Strauchdieb seid. Wollt euren Geldbeutel schonen, hm?” Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, blickte er Lenarius an.
“Ich will mal nicht so sein, ist ja nicht so, als ob es hier nichts zu tun gäbe. Eine tatkräftige Hand kann ich hier immer gebrauchen. Aber setzt euch erstmal und füllt euch den Magen, dann sehen wir weiter.”
Nachdem Lenarius seine Kost bestellt hatte, deutete der Mann auf einen freien Platz in der Nähe der offenen Feuerstelle. Während Lenarius also Platz nahm, stand einer der anderen Gäste auf und machte es sich mit einer Laute in den Händen auf einem Hocker bequem. Die weisen, die er zum Besten gab, waren hier in der Gegend und in Jorsan wohlbekannt und gehörten zum Kulturgut.
Das Getränk, was Lenarius bestellt hatte, kam fast umgehend und wurde von einer jungen freundlichen Frau serviert, die Ähnlichkeiten mit dem Wirt hatte. Eigentlich nicht anders zu erwarten, arbeitete anscheinend die ganze Familie hier. Auch auf sein Essen musste er nicht lange warten, da hatte er schon anderes erlebt.
“Verzeiht der Herr”, sprach die brünette Magd ihn höfflich an. “Wenn ihr zu Ende gespeist habt, tretet wieder zum Wirt, er wird euch dann unterweisen.” Mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Tablett in der Hand, verschwand sie dann wieder in die Küche.
Wenn Lenarius sich auf die Gespräche konzentrierte, die hier an fast jedem Tisch geführt wurden, konnte er die typischen Themen eines kleinen Landdorfes vernehmen, wobei die Menschen hier nicht so stumpf waren, wie in anderen Gegenden und sich nur noch über eine. vor sechs Monaten verreckte Kuh unterhielten. Es war sogar ein Gelehrter hier im Schankraum, der ein paar klassische Volkssagen zum Besten gab und so ein zwei junge Burschen unterhielt, die ihn mit leuchtenden Augen ansahen.
Wenn das mal nicht dafür sorgte, dass diese ebenfalls zu Abenteurern werden würden.
Das Essen war alles andere als zu verachten, es mundete wohl, die Portionen waren reichlich und man merkte, dass der Koch Spaß an seiner Arbeit hatte. Nachdem Lenarius in Ruhe gespeist und sich etwas erholt hatte, begab er sich also wieder zum Tresen und wartete auf den Wirt. Wie irgendwie nicht anders zu erwarten, stand dieser am anderen Ende und trocknete Bierkrüge ab, während sein Blick über die Anwesenden in seinem Gasthause wanderte. Kurze Zeit später wurde er Lenarius gewahr und kam zu ihm.
“Ihr habt Glück , Nachbar, es gibt heute noch einiges zu tun … ihr dürft sogar wählen”, grinste er den jungen Mann an. Der Wirt war offensichtliche erfreut darüber, dass er ein zusätzliches Paar Hände zum Anpacken hatte. “Ihr könnt euch natürlich als erstes an eurem Schlafplatz einrichten und euch erfrischen, dann kommt wieder zu mir. Es müssen tatsächlich einige Tür- und Fensterrahmen gerichtet werden. Dank des Wetters, haben sie sich bereits ordentlich verzogen, da nützt auch kein Ölen mehr”, fügte er ironisch hinzu. ““Hm, …”, überlegte er laut. ““Versteht ihr euch recht gut auf den Schwertkampf?” Mit einem Nicken deutete er auf Lenarius Schwert. “Wenn ja, wäre es uns ein großer Dienst, würdet ihr die Miliz in der Nacht, bei der Wache unterstützen …es wäre auch nur eine Schicht …was sagt ihr? Euer Schaden soll es nicht sein und wir würden es euch wahrlich danken!”
Die Worte des Wirtes klangen ehrlich und hoffnungsvoll.
Lenarius hingegen konnte dies als Wink des Schicksals sehen oder vielleicht auch Lysanthors?! Konnte diese eine erste, ernstere Prüfung sein?!
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Re: Auf den Wegen gen Nordosten

Beitrag von Lenarius Arathur » Mittwoch 17. Juli 2013, 19:28

Er war ein wenig aufgeregt. Eine neue Umgebung und neue Leute, doch ließ er es sich nicht anmerken. Zumindest gab er sich mühe, das man es ihm nicht ansah.
Er hatte von Männern und Frauen gehört denen vor Nervosität die Stimme versagte, so schlimm war es bei ihm zum Glück nicht, doch blieb dieses Gefühl in der Magengegend.
„Eine seltsame Zeit? Weshalb das?“ Lenarius zog leicht fragend eine Augenbraue nach oben, während er selbst kurz den Blick über den Wirt wandern ließ.
Gab es so etwas wie eine schlechte Zeit zum Reisen? Nun während einem Unwetter vielleicht, oder im tiefsten Winter, aber weder das eine noch das andere traf im Moment ja zu.
Lenarius begann sich zu entspannen und das Gefühl der Nervosität in seiner Magengegend verflog, je länger er mit dem Wirt sprach.
Zu dessen Auflistung der Preise nickte er langsam. „Nun dann eine Schale Eintopf ein gutes Bier, nicht das billigste aber auch nicht das teuerste und einmal das einfache Quartier.“
Müsste er das so eben verlangte aus seinem Beutel zahlen würde er seinen Beutel wohl um mehr als die Hälfte leeren, nicht unbedingt vielversprechend für den weiteren verlauf der Reise.
Hier jedoch setzte er alles darauf es abarbeiten zu können und außerdem verlangte sein nach etwas weicherem als Grasboden und etwas nahrhafteren als seine Wegrationen.

Lenarius hielt dem Blick des Wirtes stand. Ihm war klar das solche Frage wohl eher jene stellen würden die nicht damit rechneten das alles bezahlen zu können.
Innerlich hielt Lenarius den Atem an, während der prüfende Blick des Wirts über ihn wanderte. Sicher allzu stattlich sah Lenarius nun auch nicht aus, aber seine Kleidung sah auch nicht annähernd so abgewetzt aus wie von den meisten Reisenden. Was wohl einfach daher kommt das er noch nicht so lange auf der Straße unterwegs war.
Er selbst hielt seine Erscheinung für vertrauenerweckend, doch musste er dies wohl oder übel dem Wirt überlassen.
Ein schmunzeln breitete sich auf Lenarius' Lippen aus, ob der Worte des Wirtes und der erfüllten Hoffnung.
„Sicher. Habt vielen dank.“ Mit einem freundlichen Lächeln neigte Lenarius knapp sein Haupt vor dem Wirt ehe er sich auf dem ihm gezeigten Platz niederließ.
Sein Gepäck fand klappernd neben ihm Platz, sein Schwert platzierte er so das er es bequem erreichen konnte. Er erwartete zwar hier an diesem Ort der ruhe und Idylle wahrlich nicht mit Ärger, doch hatten ihm ein paar Kameraden aus der Stadt nahe gelegt immer eine Waffe griffbereit zu haben. Lenarius nahm sich ihren Rat zu herzen denn es stimmte wohl das allerhand seltsame Leute die Welt bereisten.

Er begann wieder die Leute um sich herum interessiert zu mustern. Das was um ihn herum geschah in sich auf zu nehmen. Er Lauschte dem Mann mit der Laute der ihm wohlbekannte Lieder und Reime aufsagte. Zum teil hatte er diese wohl schon mit seinen ehemaligen Kameraden zu einem Bier gesungen und es am nächsten Tag gar bereut, zumindest die Humpen an Bier.
„Natürlich, habt vielen Dank.“ Lenarius lächelte freundlich der Magd zu, als diese ihm Bier und Essen gebracht hatte.
Während er den Eintopf aß und das Bier nach und nach trank kam er nicht daran vorbei die Erzählungen des Gelehrten auf zu schnappen.
Ein Lächeln stahl sich auf seine Züge, während sein Blick in weite Ferne zu gleiten schien. Ja diese Sagen hatte er schon gehört und sie waren ihm wohl bekannt, standen sie doch in dem Buch das er mit sich führte. Zwar nicht Haar genau in der hier vorgetragenen Form, doch im Groben waren es die selben.
Lenarius kam nicht drum herum sich selbst in einem der Knaben zu sehen die da dem Gelehrten lauschten und sein Lächeln wurde ein wenig breiter.

Mit einem kurzen schütteln des Kopfes und blinzeln holte sich Lenarius in das hier und jetzt zurück. Er war sich nicht ganz bewusst wie Lange er nun gelauscht hatte, doch wurde es höchste Zeit den Wirt nicht länger warten zu lassen. Also nahm er den letzten Schluck Bier und kratzte den letzten Rest Eintopf aus der Schale und ging zum Wirt zurück.
Lenarius hörte ihm schweigend zu. Türen und Fensterrahmen, nichts was ihn vor ein Problem stellen würde.
Bei der zweiten Möglichkeit wurde er schon hellhöriger. Dienst bei der Miliz nun wenn Lenarius schon die Wahl hatte...

„Nun sicher verstehe ich mich im Umgang mit meinem Schwert.“ Es klang gar ein wenig Stolz mit, ob berechtigt oder nicht sollte jedoch jemand feststellen der gegen ihn antrat.
„Mit Freuden würde ich eurer Miliz aushelfen.“ Der jugendliche Ehrgeiz hatte ihn gepackt und es war Aufrichtigkeit die aus ihm sprach. Wie schon erwähnt glaubte er nicht das es hier wirklich ärger zu finden gab wenn man ihn nicht mit brachte, doch konnte er so den Menschen des ganzen Dorfes helfen und das war es ja warum er auf diese Reise gegangen war. Nun vielleicht nicht um speziell diesem Dorf zu helfen, generell eben.
„Dann richte ich mich geschwind ein und bereite mich für die Nacht vor und dann sagt ihr mir an wen ich mich wenden muss?“ Es war eher eine Feststellung als eine Frage. Der Wunsch nach dem erholsamen Schlaf auf einem weichen Untergrund war schon wieder halb vergessen und lange hielt sich Lenarius auch gar nicht damit auf sich einzurichten.
Es dauerte nicht lange da war er auch schon wieder im Schankraum und war jeder Zeit bereit sein Wort einzulösen.

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Re: Auf den Wegen gen Nordosten

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 1. August 2013, 05:17

So aufgeregt Lenarius auch über die Abwechslung durch dieses Dorf und seine Einwohner war, so verwirrt war er gerade durch die Frage des Wirtes. Dieser blickte ihn nämlich nun seinerseits fragend an, ehe er zu einer Erklärung ansetzte.
“Nun, … es ist nicht gerade die beste Jahreszeit fürs Reisen. Die Meisten reisen nicht allein und such sich die sonnigen Zeiten aus. Aber …”, er hob entschuldigend leicht die Hände. Das Lenarius diese durchaus kalte Zeit nicht störte uns schon gar nicht vom reisen abhielt, konnte sein Gegenüber ja nicht wissen. “Ihr müsst wissen, was ihr tut.” Nun lächelte er leicht. Ja, so waren die Menschen, besonders in den ländlichen Gebieten, wo es ja meist auch etwas gefährlicher war wie in einer Stadt, anders, aber dennoch. Dass Lenarius dann auch noch bei der Miliz des Nachts aushelfen konnte, erfreute den Wirt sichtlich, so hatten sie zumindest für diese Nacht eine Sorge weniger. Er nickte, wie der junge Jorsaner ihn bat, ihm später zu sagen, an wen er sich wenden sollte.
Die ungefähre Stunde, die er unten in Ruhe im Schankraum verbrachte, war eine Wohltat für seinen Körper. Lenarius war zwar gut in Form und auch ansonsten in bester körperlicher Verfassung, aber so ein Tag des Marschierens machte sich dann doch bemerkbar. Wie der junge Man aber nun einmal war, voller Tatendrang, so hielt er es nicht lange in seinem kleinen, aber gemütlichen Zimmer aus. Es war vorrangig sauber und soweit er das sehen konnte, hatte er keine unerwünschten Besucher in seiner Schlafstatt, was schon einmal sehr viel Wert war. Das Bett, zu seiner Linken, war einfach, aber mit liebevollen Holzschnitzereien verziert und die Strohunterlage war frisch, duftete nach Heu und nicht zu dünn. Wenn er hier also nachher den Schlaf der gerechten schlief, würde er sich vielleicht sogar ein Bisschen wie zuhaue fühlen können. Unter dem Bett stand ein Nachttopf für das kleine Geschäft und ein Fußwärmer aus Ton. Auf seiner rechten Seite stand ein Tisch, auf dem eine Waschschüssel stand, mit einem gefüllten Krug darinnen. Vor dem Tisch stand ein Hocker und darüber and er Wand hing sogar eine, auf Hochglanz polierte Messingscheibe. Gegenüber der Tür, die etwas klemmte, befand sich ein kleines Fenster, das von grünlichen Vorhängen gesäumt war. Genau dort drunter, stand eine robuste Truhe, für das Hab und Gut eines Reisenden.
Sein Eifer war geweckt und so hielt er es auch nur ein paar Minuten in seinem Zimmer aus, ehe er sich dann wieder im Schankraum einfand und auf den Wirt wartete. Die Stube war noch immer gut besucht und mittlerweile verirrten sich auch nicht mehr ganz so viele fragende Blicke auf Lenarius Person.
Er musste auch nicht lange warten, bis er bemerkt wurde, allerdings von jemand Fremdes. Genauer gesagt, sprach ihn ein Bursche an, von großer und kräftiger Statur und stellte sich als Radulf vor. Bei genauerem Hinsehen, konnte Lenarius ahnen, dass dieser junge Mann mit Sicherheit fünf Sommer jünger war, als er selbst. Dieser wirkte aber freundlich, hatte flachsblondes Haar, braune Augen und trug einfache Kleidung.
“Verzeiht, wenn ich euch störe … seid ihr der Fremde, der heute Nacht in der Miliz aushilft?” Radulf blickte ihn freundlich an und reichte ihm die offene Hand zum Gruße. “Dann folgt mir bitte.” Ohne erstmal weitere Worte zu verlieren, schritt der Bursche voran, nahm einen Umhang vom Haken, grüßte vertraut noch ein paar Anwesende und verließ dann mit Lenarius im Schlepptau das Gasthaus. Draußen war es bereits dunkel und nur hier und da erhellten ein paar geschützte Fackeln den Hauptweg. Bis auf einen müde kläffenden Hund, begegnete das Duo keiner Seele. Radulf führte den Aushilfssoldaten den Weg zurück zum nun geschlossenen ‘Haupttor’, vor dem ihm eine bekannte Person stand. Jener Wächter, der ihm auch schon Einlass gewährt hatte du ihn nun breit angrinste.
“So sieht man sich wieder …”, auch er reichte Lenarius seine Hand zum Gruße. “Radulf habt ihr ja schon kennengelernt, ich bin Grimoald, wie ist eurer Name?” Höfflich wartete er ab, bis Lenarius sich vorgestellt hatte und nickte zur Bestätigung.
“Dann unterweise ich euch mal im Ablauf … Radulf, halt die Augen auf”, wies er den Burschen an, der tat wie ihm geheißen.
“Nun, mit Landstreichern und Räubern haben wir es hier in der Tat eher seltener zu tun, dafür ist Jorsa zum Glück noch nicht weit genug weg.” Grimoald grinste wieder. “Dafür aber mit wilden Tieren, die zur jetzigen Jahreszeit ziemlich hungrig sind und gerne ihr Glück innerhalb unserer kleinen Mauer versuchen wollen. Deswegen wachen auf beiden Seiten jeweils zwei erfahrene Kämpfer mit Bogen und Schwert und jeweils ein junger Bursche in Ausbildung. Regelmäßig kontrollieren wir auf dieser Seit der Mauer, ob alles in Ordnung ist. Deswegen seid ihr heute Nacht ein wahrer Segen für uns … oh, und ungefähr nach der Hälfte der Nacht, wird abgelöst … habt ihr noch Fragen?”[/color] Der große Hüne von Wächter wartete ab, ehe er Radulf anwies, die erste Runde zu patrouillieren. Dieser nickte, griff nach einer Blendlaterne und machte sich auf den Weg.
Die aufregende Nacht, die Lenarius bevorstand war eine der ersten, wirklich´ kalten Nächte. Der sternenklare Himmel allerdings, entschädigte dies ohne Weiteres. Direkt über ihnen prangte und funkelte das Sternbild Lysanthors, es konnte also keine besser Segnung geben, er wachte eben über alle.
Je mehr Lenarius Augen sich an die vermeintlich vollkommene Dunkelheit gewöhnten, desto mehr konnte er erkennen und seinen Blick über die weiten Felder schweifen lassen.
In der Ferne heulte ein Wolf und kurze Zeit später erfolgte von der anderen Seite eine Antwort. Auch wenn sie nicht mit Wölfen zu rechnen hatten, so gab es noch genügend Besucher, deren sie des Nachts ansichtig werden würden.
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Re: Auf den Wegen gen Nordosten

Beitrag von Lenarius Arathur » Montag 12. August 2013, 20:30

Radulf hieß also der junge Mann der ihn in Empfang nehmen sollte. Lenarius erwiderte kräftig den Händedruck von Radulf und nickte freundlich. „Lysanthor zum Gruße. Genau der bin ich und freut mich euch kennen zu lernen Radulf, mich könnt ihr Lenarius nennen.“
Lenarius folgte ihm dann auch. Seinen Umhang musste er sich nur überwerfen. Jeden den Radulf grüßte musterte Lenarius kurz schätze ihre freundlichen oder auch nicht ganz so freundlichen Gesichter ein und nickte ihnen freundlich zu wenn sie auch ihn mit ihrem Blick begegneten.
Kaum hatten sie das Gasthaus verlassen wurde Lenarius mal wieder die Unterschiede zu seiner Heimat vor Augen geführt. Natürlich dort wurde es auch einmal dunkel und das Treiben ließ sicher auch dort nach. Hunde bellten dort natürlich auch nicht zu jeder Uhrzeit, aber...es wäre dort noch viel belebter gewesen. Lauter eben. Lenarius hieß diese ruhe durchaus willkommen. Am Anfang seiner Reise war es doch etwas befremdlich gewesen das es außerhalb der Stadt des Abends so Still wurde, doch er begann sich daran zu gewöhnen und nutze die Ruhe normalerweise seine aufgewühlten Gedanken zu beruhigen, doch nicht heute, nicht jetzt. Jetzt musste er sich auf einen Wachdienst einstellen. Einen den er mit tadellosem Vorbild antreten wollte. Die Ruhe hatte immerhin den Vorteil das man wesentlich einfacher auf verräterische Geräusche aufmerksam wurde.
Schnell gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und Lenarius schwieg während sie zum Haupttor gingen. Er hätte nicht gewusst über was er mit Radulf hätte reden sollen und irgendwie hinderte ihn irgendetwas daran die Stille zu durchbrechen.

Lenarius erwiderte am Haupttor den Händedruck von Grimoald und nickte auch diesem freundlich zu. „So sieht man sich schneller wieder als gedacht und unter anderen Umständen.“ Lenarius neigte kurz das Haupt als Grimoald sich vorstellte. „Lenarius nennt man mich.“
Lenarius schwieg während ihm kurz seine Pflichten dargelegt wurden und was er zu erwarten hatte. Aufmerksam hörte er zu und lies Grimoald nicht aus den Augen während dieser sprach, nicht einmal als dieser Radulf kurz anwies die Augen offen zu halten.
„Nein, eigentlich sollte alles klar sein.“ Lenarius drehte sich in die Richtung in der er das andere Tor vermutete, auch wenn es für ihn bei der Dunkelheit natürlich nicht zu sehen war.
Lenarius verblieb also vorerst hier beim Tor und die Kälte kroch ihm langsam durch die Stiefel in die Füße. Ja die kalte Jahreszeit war wohl gekommen.
Er zogen den Umhang etwas fester um sich und wandte sich an Grimoald, zum einen um nicht die ganze Zeit zu schweigen, zum anderen um nicht die ganze Zeit an die Kälte zu denken, auch wenn er keine Mine verzog.
„Sagt wie lebt es sich hier? Habt ihr Probleme mit Reisenden oder ist eure größte Sorge das ihr eure Felder bestellt? Ich komme ja aus Jorsa, dort sind Tiere eigentlich nie ein Problem, da sind es dann eher Diebe und Tunichgute.“
Während er sprach stieg sein Atem, für Lenarius als grauer Schleier vor ihm auf. Der Blick war während er sprach auf Grimoald gerichtet bevor er sich wieder der Umgebung zu wandte und kurz innehielt als er die Wölfe heulen hörte.
Auch dies war etwas an des er sich erst zu gewöhnen begann. Die Geräusche der Tiere waren in der Stadt alles andere als normal und sie ließen ihn schwerer seinen Schlaf finden, seitdem er auf die Reise gegangen war. Aber vermutlich war das wie das schnarchen seiner ehemaligen Kameraden, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hatte, konnte man nicht mehr schlafen wenn es fehlte.
Lenarius musste bei diesem Gedanken schmunzeln und ging im Kopf kurz durch wie oft irgendetwas nach seinen damaligen Kameraden während der Ausbildung geworfen hatte um am Abend doch noch endlich etwas Schlaf zu finden.

Sein Blick glitt immer wieder über die schwarzen Umrisse seiner Umgebung, die sich in verschiedensten grau und schwarz Stufen voneinander abhoben. Auch in der Nacht hatten die Felder etwas besonders an sich, wenn man sich nur darauf einließ. Zwar spielten ihm seine Augen und sein verstand hin und wieder streiche, in dem er Schatten huschen sah, wo nichts war, oder verschiedenste Schatten sich zu Ungeheuern oder Personen formten, bevor sein Auge sie einfach nur als blattlose Sträucher oder dergleichen enttarnen konnte.
Damit die Kälte nicht zu schnell Einzug in seinen Körper fand und es auf Dauer recht unangenehm wurde an einem Flecken zu stehen war Lenarius auch dazu übergegangen vor dem Tor hin und her zu wandern, eine Hand eigentlich immer auf dem Heft seines Schwertes, oder zumindest in dessen nähe. Hin und wieder streckte er sich vor Müdigkeit und musste sich dann auch meistens wieder neu in seinen Umhang wickeln.

Dann war wohl auch irgendwann Lenarius an der Reihe den Rundgang an zu treten, er ließ sich noch einmal kurz den Weg beschreiben, würde ebenso wie schon Radulf nach einer Blendlaterne bitten und würde sich dann auf den Weg machen.
Zwar schlug sein Herz nun schneller und er konnte es deutlicher spüren, doch würde er sich davon nicht beirren lassen. Er war dem Wächtergewerbe ja nicht fremd.
So würde also den Rundgang antreten, den Blick wachsam, das Herz schneller schlagend, eine auf dem Heft seines Schwertes, die andere neben sich, mit der Laterne in der Hand.

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Re: Auf den Wegen gen Nordosten

Beitrag von Gestalt » Samstag 24. August 2013, 15:44

Grimoald hatte die freundliche Begrüßung durch den jungen Jorsaner mit einem Nicken zur Kenntnis genommen und er war wirklich froh darüber, dieses Nacht ein helfenden hand zu haben. Das Wichtigste dabei, der junge Mann kannte sich mit dem Schwerte aus und war sich nicht Ansatzweise zu fein dafür, dem bescheidenem Dorf zu helfen. Auch Radulf war erfreut darüber, dass es ein wenig Abwechslung, in Form ihres Gastes, gab. Wenn gleich der junge Bursche sich zusammenriss und nicht die Kontrolle verlor oder seine Aufmerksamkeit einbüsste.
So aufregend und neu die Situation auch war, genauso hart war sie zu ertragen. Die Temperatur war um ein beträchtliches Maß gefallen und mit zunehmender Stunde der Dunkelheit, schien es noch ein Bisschen kälter zu werden. Auch der ältere Wächter, der bei Lenarius war, zog ein ums andere Mal seine Kleidung enger und versuchte sich regelmäßig zu bewegen, auch wenn nicht allzu viel Platz vorhanden war. So hatte dieser auch nichts gegen die kurze Ablenkung, in der Lenarius leise das Gespräch suchte.
“Wir leben hier gut, einfach und bescheiden, aber wir sind zufrieden. Dann und wann können wir uns sogar ein Bisschen Luxus leisten”, erklärte er lächelnd. “Wir sind darauf bedacht, dass unser Dorf autonom in seiner Versorgung bleibt und das die Strukturen untereinander, gut in einander greifen. Der Schlüssel dazu ist Bildung und später ein vernünftiges Handwerk oder ein anderer brauchbarer Beruf , so lässt sich er Lebensunterhalt gut bestreiten.”
Der Wächter war sichtlich stolz auf sein Dorf und die Gemeinschaft und wenn man es recht bedachte, war so ein mittelständisches Dorf eher seltener, eist waren die kleinen Gemeinden auf dem Land eher ärmlich.
“Mann muss sich nur trauen, in die Fähigkeiten eines jungen Menschen zu investieren”, erläuterte er leiser, ehe Grimoald zu einer Pause ansetzte und die Umgebung sichtete. Er stand aufrecht, witterte die nächtliche, kalte Luft und schien dann zufrieden, dass alles so war, wie es sein sollte. “Dadurch konnten wir Einige nach Jorsan schicken, die dort sehr gut in Lohn und Brot stehen, was uns wiederum zu gute kommt”, setzte er das Prinzip dieses Dorfes fort. So ähnlich hatten es ja auch Lenarius Eltern gehandhabt und ja, es klappte, sonst hätte er hier heute, nicht aushelfen können. Er musste sich also nur auf seine Fähigkeiten verlassen und würde zumindest, was Arbeit anging, so schnell keine Bedenken haben müssen.
Auf Lenarius Frage bezüglich der ‘Probleme’, bestätigte der Veteran, dass es sich meistens um Tiere handelt. “In den kalten Jahreszeiten haben wir es hauptsächlich mit Bären und Wölfen zu tun, die sich aber, wenn sie nicht krank sind, leicht mit Feuer und Lärm verscheuchen lassen. Wir achten darauf, sie erst gar nicht nah genug an die Mauer zu lassen. Deswegen ist immer auch einer mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Kannst du damit auch umgehen?”, interessiert blickte er sein Gegenüber an. “Natürlich kommen hier neben den gewöhnlichen Reisenden auch Vagabunden und anderes, abgehalftertes Pack an. Aber wenn sie uns zu suspekt sind, dann verwehren wir ihnen den Eintritt.” Nun grinste Grimoald breit, dass seine weißen Zähne in der Dunkelheit leuchteten. “Wie lebt es sich so, in einer so großen Stadt? … also dauerhaft meine ich? … wenn du magst, erzählste mir nach deinem Rundgang davon”, neugierig blickte er Lenarius an und war doch ehrlich interessiert.
Sein Rundgang war ruhig, aber nichts desto Trotz aufregend. Im Gegensatz zur Stadt, die durchaus mehr Schutz verhieß, so war es hier alles noch recht wild und urtümlich und je länger Lenarius außerhalb Jorsas Mauern verbrachte, desto mehr wurde der Abenteurer in ihm wachgerüttelt.
Alleine schon die saubere Luft hier draußen, war ein Erlebnis wert, sie war nicht so typisch mit dem Geruch von Torf und dergleichen erfüllt. Hier waren es viel mehr aromatische Hölzer, die bisweilen die Nachtluft durchzogen. Ebenfalls im Gegensatz zur Stadt, war es hier so ruhig, das man viele Tiere hören konnte, das Zirpen der Grillen unterstrich die friedliche Harmonie der Nacht. Das Rascheln der Gräser und des Unterholzes allerdings, gemahnten jeden zur Aufmerksamkeit. Zwischendurch heulten wieder die Wölfe, aber in Sichtweite befand sich noch kein großes Tier. Die Acker waren einsam und verlassen, nur am Firmament, im Lichte des Mondes, kreuzte bisweilen ein Schatten die Nacht.
Auf der anderen Seite angekommen, hatte man Lenarius zugenickt und so ‘entspannt‘, wie die Beiden dort waren, schien sich auch hier nichts ungewöhnliches zu tun. Ein Hüne bedeutete ihm, dass er nun auf der anderen Seite den Rundgang beenden musste.
Wieder bei Grimoald angekommen, bekam er gleich eine tönerne Schüssel in die Hände gedrückt, aus der es heiß dampfte und angenehm roch - heiße Hühnersuppe.
“Dafür bin ich zur Zeit erde Nacht dankbar!” grinste er und widmete sich seiner Suppe. “Alles ruhig? … irgendetwas beobachtet?”, erkundigte der Wächter sich.
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