Wohin führt mein Weg?

Dies ist das südliche Königreich unter der Herrschaft des jungen und großzügigen König Richard dem Dritten. Armut findet man hier kaum, sondern meist Wohlstand und Zufriedenheit, einfach ein Reich zum Wohlfühlen.
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Gestalt
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Wohin führt mein Weg?

Beitrag von Gestalt » Sonntag 22. Januar 2012, 18:00

Starold und Tarra flüchten aus dem Dorf


Als sie ausser Sichtweite des Dorfes waren, brachte Tarra ihr Pferd mit einem Satz zum Stehen. Kurz wurde etwas Frost aufgewirbelt und die Rothaarige hatte für Sekunden Mühe das Tier ruhig zu halten. Dann tänzelte das schwarze Pferd unruhig unter kurzer Leine. Erst nachdem Tarra ihren Hengst beruhigt hatte, widmete sie sich Starold’s Ausführungen. Sie hörte schweigend, aber nachdenklich zu, während sie hin und wieder den Kopf wog. “Was du sagst klingt im ersten Moment doch recht eigenartig, wenn ich nicht selber dabei gewesen wäre, aber mal ehrlich..“ Sie seufzte und glitt gekonnt von ihrem Tier. Von unten, blickte sie zu Starold hinauf: “Ich kenne dich überhaupt nicht, wir haben uns ‚zufällig‘ auf dem Weg in zwei völlig unterschiedliche Richtungen kennengelernt und plötzlich scheint es, dass unser beider Schicksal miteinander verwoben ist. Findest du das nicht eigenartig?“ sie machte ein genervtes Gesicht und zuckte die schmalen Schultern. “Weißt du, ich habe keine Ahnung, warum du dieses Pech anziehst und das mit deiner Familie tut mir ja auch echt leid, das ist schon schlimm, aber um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht was ich hier mache?!“ Ihre Worte waren nicht aufgebracht, nicht zornig oder verwirrt; Tarra sprach sachlich und klar aus, was sich jeder wohl in dieser Situation gedacht hätte. Das Problem dabei war nur, dass Starold, wenn sich Tarra nun tatsächlich dazu entschließen sollte, von jetzt an getrennte Wege zu gehen, auf sich alleine gestellt war.

Wäre das denn ein solch großes Problem? Vermutlich im ersten Moment, denn immerhin gab sie ihm eine Anlaufstelle, einen Punkt in seinem Leben, der noch Bestand hatte. Doch hatte er Tarra vielleicht einfach, ohne groß darüber nachzudenken, in sein Leben mit einbezogen? Er wusste gar nicht, was die Rothaarige vorgehabt hatte, bevor sie sich begegneten. Offenbar war sie auf dem Weg nach ‚irgendwohin‘ und er hatte ihre Pläne womöglich gründlich durchkreuzt.
“Jedenfalls finde ich, dass das hier alles in eine ganz üble Richtung geht. Wie gesagt, ich kenne dich gar nicht aber wenn du mich fragst, ob du jemanden töten könntest dann.. „ sie musste kurz prusten, als sie sich ein Lachen verkniff “…ist die Antwort nein. Das kannst du nicht. Erstens bist du absolut nicht der Typ dazu, zweitens warst du in schlechter Verfassung und drittens … Sagen wir, du besitzt nicht die Voraussetzungen, um soetwas zu tun. Glaub mir.“ Ihr Gesicht wurde bei dem letzten Satz düster und Schatten stahlen sich auf das feingezeichnete Gesicht. Sie blickte kurz in die Ferne, der Wind erfasste ihren Schopf, der nun, da er nicht mehr unter einer Mütze versteckt war, unbändig auf ihren Rücken fiel und dachte für eine Sekunde im Stillen nach. “Deine Sachen habe ich nicht, selbst meinen Wagen musste ich zurücklassen. Wir haben lediglich das, was wir am Leib tragen und mein Pferd. Gib dich damit zufrieden.“ Offenbar missfiel ihr die Tatsache, dass auch sie ihre Habe verloren hatte. Doch davon mal ganz abgesehen, hatte sie Starold bisher nicht zum Teufel gejagt. Waren ihre Schicksale doch miteinander verbunden? Gab es etwas, was sie verband, was dazu führte, dass sie immer wieder in die Situation gerieten, den anderen nicht ziehen zu lassen? Seltsam war es schon und Starold hatte keine Ahnung, wer Tarra nun eigentlich war. Lediglich ihre Art und ihre Herkunft und selbst das war doch ungewiss! Ihre seltsame Anspielung auf einen Mord, lag den Verdacht nahe, dass sich das Mädchen damit auskannte. Ihre reife und zugleich abgebrühte Art ließen sie in einem unbestimmten Licht erscheinen und doch war ihre pure Anwesenheit dennoch ein kleiner Halt, nicht wahr?

Nachdem eine kleine Pause entstanden war, in der Tarra schweigend und mit düsterem Gesicht in die Ferne starrte und Starold weiterhin auf dem Pferd saß, wandte sich der rothaarige Schopf um und nickte kaum merklich. “Ich habe keine Ahnung wieso, aber gut. Ich helfe dir. Aber eines muss ich klarstellen: Erstens ist der Arzt einfach nur von mir geschmiert worden, aber er hat seinen Job nicht gemacht- von dem hol‘ ich mir als erstes mein Geld zurück, und zweitens ist das das letzte Mal, dass ich dir helfe, klar?! Ich kann nicht ewig wegbleiben.“ harsch und knapp wie schon bekannt, tat Tarra ihre Meinung kund und verriet gleichzeitig ein wichtiges Detail in Sachen „Wer ist Tarra?“: Wo konnte sie nicht ewig wegbleiben?
Das zweite war: Der Arzt fiel aus der Kategorie potentieller Helfer heraus und konnte zu suspekt eingeordnet werden, denn wenn er nur geschmiert war, dann lag auch hier der Verdacht nahe, dass er es sich einfach anders überlegt hatte und nicht versucht hatte, Arkadius zu überzeugen. Vielleicht haben sie sich auch vor der Tür einfach nur Witze erzählt, während Starold um sein Leben fürchtete.
“Ach und drittens:“ meldete sich Tarra wieder “Wir haben für die Nacht keine Bleibe, wir haben nichts zu essen, nichts zu trinken, keine Münzen und keinen Plan. Die Aussichten sich bescheiden und nein…. Ich habe nicht immer einen Plan in der Tasche. Überleg dir mal selber was, es ist schließlich dein Arsch, den wir hier retten, oder?!“ Offenbar hatte die Aufzählung ihrer miserablen Situation dazu geführt, dass Tarra in Rage geraten war. Jedenfalls machte sie dem Bild, welches Starold von ihr hatte, wiedermal alle Ehre. Missmutig starrte das Mädchen auf die endlose Weite Grandessas und schlang die Arme um den Körper. Es wurde langsam empfindlich kühl, denn Wolken zogen auf und verwehrten der Sonne den Zutritt zur Erde. Der Wind frischte auf und ließ das schwarze Band, welches Tarra sich ins Haar gebunden hatte, tanzen. “Bevor wir uns, um deinen entzückenden Hintern kümmern, müssen wir uns einen Plan schmieden und das geht nur, wenn wir nicht an Frostbeulen draufgehen.“ Bei allem, was Starold vielleicht nicht wusste über das rothaarige Mädchen aus Grandessa, welches er zufällig getroffen hatte, eines war doch sicher: Sie war erfrischend natürlich und ihre verbalen Ausrutscher teilweise auch amüsant. Und war ihr etwa etwas an seinem – wie sie es nannte – entzückenden Hintern aufgefallen, dass sie das erwähnte? Wer wusste schon, was in ihrem Oberstübchen vorging.

Tarra griff nach den Zügeln des Tieres und dabei fielen wieder mal die schwarzen Handschuhe auf. Schwarze Handschuhe… hatte der Mörder nicht auch solche getragen? Oder war das Einbildung?
Bevor Tarra das Tier führen konnte, bewegte sich plötzlich etwas in Starold’s Augenwinkel. Etwa die Scharen aus dem Dorf, die gekommen waren, sie zu lynchen? Betrachtete Starold das ganze genauer, konnte er erkennen, dass sich, nicht weit von ihnen bei einer lichten Baumreihe etwas raschelnd über den Boden bewegte. Es war klein und zog etwas langes, schweres hinter sich her. Und blitzte da nicht etwas Rotes auf? Wenn Starold dem nachging, würde er bei der Baumreihe eine mehr als ungewöhnliche Entdeckung machen: Etwas Kleines hüpfte zwischen den Bäumen umher, schien nach etwas zu suchen und schnüffelte mit der Nase. Im Zwielicht der Bäume, konnte der Andunier nicht richtig ausmachen, was es war, doch dass es nichts Alltägliches war, dessen konnte er sich sicher sein.
Als das kleine Ding Starold gewahr wurde, blieb es vor Schreck stehen, überlegte eine Sekunde, schlug einen Haken und war im hohen Gras an dieser Stelle verschwunden. Kurz war noch so etwas wie ein verschlagenes Lachen zu hören, als der ganze Zauber auch schon wieder vorbei war. Doch als das kleine Etwas verschwunden war, beschwerte ein neuerliches Gefühl die Füße des jungen Anduniers: Das kleine Kerlchen hatte einen teuren, pechschwarzen, Mantel dagelassen, der zudem eine Kapuze hatte du sicherlich in frostigen Nächten warm halten würde. Welch seltsame Begebenheit…

Tarra stand skeptisch bei ihrem Pferd und hob eine Augenbraue: “He! Wir sollten uns wirklich was überlegen, wo wir schlafen können! Hast du eine Idee, wo wir ein Lager aufschlagen können, wenn du da fertig bist?!“


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Starold Maleynn
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Re: Wohin führt mein Weg?

Beitrag von Starold Maleynn » Sonntag 22. Januar 2012, 23:44

Starold hörte sich Tarras Ausführungen gründlich an. Sie hatte absolut Recht. Und zwar mit allem, was sie sagte. Die beiden kannten sich nicht. Sie hatten sich zufällig getroffen. Möglicherweise war es auch Schicksal, darüber ließe sich sicherlich streiten. Was jedoch klar war, war die Tatsache, dass Starold die rothaarige Grandessanerin gehörig in die Bredouille gebracht hatte. Tarra hatte weit mehr für den Andunier getan, als es für Fremde eigentlich üblich war. Und nun forderte Starold insgeheim, dass sie ihm weiterhin behilflich war. Umso mehr erfreute es ihn, dass sie sich schließlich dazu durchgerungen hatte, ihn noch weiter zu unterstützen. Der Andunier war sich nicht sicher, was für ihn wertvoller war. Die eigentliche Hilfe der Grandessanerin, oder aber das Wissen, DASS jemand an seiner Seite stand. Er musste dem Übel nicht allein trotzen.

„Ich...“, stammelte er. „Ich überlege mir etwas.“ Tarra hatte Recht. Alles aufzulösen wäre ja gut und schön. Allerdings hatten sie momentan ein völlig anderes Problem: Es war eiskalt und sie hatten nichts zu essen. Nicht nur Starolds Hab und Gut befand sich nach wie vor Serna, auch Tarras Karren war noch immer dort. Natürlich hatte der Andunier gemerkt, dass Tarra in Rage geraten war. Und er verstand sie. Die Grandessanerin hatte wegen IHM ihre Habe zurücklassen müssen und es war mehr als ungewiss, ob sie es je wieder zurückerhalten würde.

Als Tarra nach den Zügeln des Pferdes griff um es zu führen, stachen Starold wieder die schwarzen Lederhandschuhe in die Augen. Sofort schoss ihm das Bild des Mörders in den Sinn, der auf ihn zugesprintet war und ihn niedergeschlagen hatte. Andererseits, rief er sich zur Besinnung, waren schwarze Handschuhe aus Leder keine Seltenheit. Dennoch... auch wenn sie ihm das Leben gerettet hatte. Irgendwie fand er Tarra nach wie vor eigenartig. Sie hatte den Scharfrichter ohne mit der Wimper zu zücken mit einem einzigen Wurfmesser getötet. Starold selbst wäre nie zu einer solchen Leistung imstande. Die Händlerin aus Grandessa offensichtlich schon.

Eine Bewegung, die Starold lediglich aus den Augenwinkeln ausgemacht hatte, riss ihn aus seinen Gedanken. Er erkannte, dass sich etwas Kleines am Saum eines nahen Wäldchens über den Boden bewegte und irgendetwas hinter sich herzog. Der Andunier hatte keine Ahnung, was hier vor sich ging. Wortlos marschierte der Andunier auf das kleine Etwas zu. Es sprang zwischen den Bäumen umher und schien nach etwas zu suchen. Worum es sich bei dem Wesen handelte, wusste Starold beim besten Willen nicht. Aber es wirkte auf skurrile Art und Weise wie... ein Mensch. Nur eben ein winzig kleiner. Möglicherweise eine Art Kobold, überlegte der Andunier und schritt weiter auf den Wicht zu. Als dieser jedoch den sich nähernden Starold entdeckte, blieb es für einen Augenblick starr stehen, schlug daraufhin einen Haken und verschwand im hohen Gras. Starold war beinahe enttäuscht. Der Wicht hatte ihn erheitert und abgelenkt. Und jemand in Starolds Lage, mit dieser bewegten Vergangenheit, war für jede Ablenkung dankbar. Der Andunier wollte sich soeben umdrehen, da bemerkte er zusätzliches Gewicht auf seinen Schuhen. Langsam blickte er nach unten und erkannte einen pechschwarzen Mantel mit Kapuze. Der Andunier hob das Stück auf und begutachtete es eingehend. Es sah wertvoll aus. Beinahe wie einer der Mäntel, die Starold damals, in Andunie, besessen hatte. Was aber wichtiger war als jeder Preis, war, dass der Mantel ihn bestimmt warm halten würde. Der Andunier lächelte. Vielleicht begann er endlich ein wenig Glück zu haben. Zuerst die Rettung vom Schafott, und nun der Mantel. Starold marschierte wieder zurück zu Tarra, die ihn fragte, ob er mittlerweile eine Idee hätte, wo die beiden schlafen könnten.

„Noch nicht“
, antwortete der Andunier mit heiterer Stimme und zog sich den Mantel an. Er passte ihm wie angegossen. Starold hatte wieder neuen Mut geschöpft. „Aber ich bin zuversichtlich, dass sich etwas finden lässt.“ Bestimmt würde sich im Wäldchen ein Jägerunterstand oder ein Hochsitz finden lassen, wenn man nur eingehend danach suchte. Dies wäre wohl ein geeigneter Platz für ein Lager. Mit etwas Glück ließen sich dort sogar Nahrung, Kleidung oder Waffen finden. Zumindest aber hätten die beiden ein Dach über dem Kopf. „Komm“, meinte er leichthin. Starold war immer noch euphorisch. Er sah seine rothaarige Retterin an. „Darf ich dir vorübergehend meinen Mantel anbieten?“, fragte der Patriziersohn. Nur weil sie hier in der Wildnis waren und ums pure Überleben kämpften, mussten doch nicht alle Manieren abgelegt werden. „Zuerst...“, wandte er sich an Tarra. „... suchen wir hier im Wald nach einem Unterschlupf. Es gibt bestimmt irgendwo einen Jägerunterstand, einen Hochsitz oder eine Art Hütte für Wanderer. Sollten wir bis dorthin irgendwie an Nahrung kommen, müssen wir unsere Chance nutzen. Ansonsten überlegen wir uns im Lager, wie wir an Essen und Trinken kommen. Und danach schmieden wir einen Plan zur Aufdeckung der Verschwörung.“ Starold lächelte Tarra an. Es war wohl das erste Mal, dass sie den jungen Andunier lächeln sah. Starold schloss die Augen. Möglicherweise konnte ihm die Runenmagie bei der Suche behilflich sein. Und falls sie ihm wieder ihre Unterstützung versagte, würden die beiden Menschen eben etwas länger brauchen oder sie könnten es sich auf einem der Bäume – mehr oder minder – bequem machen. Der Andunier konzentrierte sich vollends auf die Magie. Mit seinem rechten Zeigefinger zeichnete er einen geraden Strich von oben nach unten und anschließend einen an den Strich anschließenden Keil, der nach rechts wies. Während der Handbewegung murmelte er „Thurisaz“. Es handelte sich um eine Rune, die bei der Suche oder beim Begehren um Einlass verwendete wurde. Starold versprach sich daraus, einen etwaigen Unterschlupf etwas schneller und einfacher zu finden. Natürlich war ihm bewusst, dass die Magie möglicherweise gar nicht wirkte. Oder aber... anders als eigentlich beabsichtigt. So wartete Starold darauf, dass die Magie durch ihn floss. Er würde in wenigen Augenblicken losmarschieren. Ob mit oder ohne magischem Beistand.

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Re: Wohin führt mein Weg?

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 25. Januar 2012, 20:44

Mit fragenden Augen, wartete Tarra, bis Starold wieder bei ihr war. Als er den Mantel in den Händen hielt, zog sie die Stirn in Falten. “Woher hast du den denn?!“ Für sich wohl beschließend, dass die Frage mit einem Schulterzucken zu beantworten sei, tat sie dieses und führte dann das Pferd an. Als Starold wieder stehen blieb, wandte sie sich etwas schnaufend erneut um und klappte den geöffneten Mund wieder zu, als sie ihn dabei beobachtete, dass er Magie wirkte. “Sag bloß, du bist der Runen kundig?!“ fragte sie, als er sich zu ihr gesellte. Dieses Mal aber wollte sie ganz offensichtlich eine Antwort haben, denn sie wartete geduldig auf seine Erklärung. Währenddessen, führte die Rothaarige das Pferd weiter in Richtung kleines Wäldchen, das Starold erwähnt hatte und gab so ihr tonloses Einverständnis, seinem Plan zu folgen. “Du hast die Magie aber nicht bei mir angewandt oder?! Denn dann bin ich echt sauer!“ stellte sie klar und Starold sollte sich überlegen, ob er ihr reinen Wein einschenkte, oder es lieber dabei beließ, dass sie nichts wusste.

Während die beiden ihren Weg eher wahllos suchten, konnte Starold eine Veränderung an sich bemerken: Erst ganz schwach, kaum der Rede wert, schien er eine flüsternde Stimme wahrzunehmen. Vielleicht tat er dieses Geräusch in seinem Inneren, als Wind ab oder achtete gar nicht darauf, doch mit jedem Schritt, den er tat, wurde das Säuseln deutlicher. Erst ein Wispern, dann ein Flüstern und schließlich konnte er sogar Worte verstehen. Es war nicht klar zu definieren, ob die Stimme männlicher oder weiblicher Natur war, doch die Worte drangen sanft aber bestimmend in sein Innerstes. Es war nicht mal klar, ob diese Worte von außen kamen, oder ob er sie aus seinem Inneren vernahm. Am Anfang war sie sicher nicht ganz so leicht zu verstehen, denn mit jedem Wort, kam auch das Echo hinterher und erzeugte so einen bizarren Wiederhall. Doch bei all diesen Effekten, war das Stimmenwirrwarr nicht laut, sondern angenehm.
“Im Wald werdet ihr nichts finden… Geht nach Süden.. Ihr müsst den Süden aufsuchen.“ Immer wieder durchdrang die Stimme, Starold’s Innerstes und flüsterte ihm den Weg ein.
Angst brauchte der Andunier vor der Stimme nicht zu haben, sie war liebevoll und hatte hilfsbereite Absichten, die Starold eigenartiger Weise auch spüren konnte. War das die Magie? War das Thurisaz, die ihm half den Weg zu finden? Jede Rune wirkte anders und nicht immer zeigte sie sich auf diese Weise. Im Gegenteil, eigentlich war es stets mehr ein Gefühl. Dass sich Thurisaz nun so zeigte, konnte Starold mit Stolz erfüllen, denn er hatte die Rune sehr erfolgreich gewirkt und wurde nun mit einem ‚inneren Kompass‘ belohnt. Das war endlich mal etwas Positives, oder?

Doch der Weg, den Thurisaz aufzeigte, war ein langer und beschwerlicher. Von Serna bis Jorsa waren es alleine noch mal gut anderthalb Tage Fußmarsch. Von Jorsa bis Ganda ebenfalls noch mal anderthalb bis zwei Tage. Was sollten sie im Süden finden? Wieso gerade in diese Richtung? Wollte Starold nicht einen Plan schmieden, um sich von jeglicher Schuld rein zu waschen? Doch vielleicht war es falsch, sich ausgerechnet jetzt gegen den Fingerzeig der Rune zu stellen. Wer weiß, was sie im Süden zu erwarten hatten? Ohnehin hatte er vorgehabt nach Jorsa zu gelangen, um endlich wieder Kräfte zu sammeln. Vielleicht war das ihr Weg und vielleicht war dieser besser, als ein Unterschlupf im kargen Wäldchen. Viel Schutz konnte der ohnehin nicht bieten. Doch auch Jorsa barg Gefahren- jedenfalls für Tarra. Immerhin war sie Grandessanerin und wie jedes Kind in Celcia wusste, vertrugen sich Grandessa und Jorsan nicht im Geringsten. Würde Starold sie dieser potentiellen Gefahr aussetzen? Wollte er das riskieren, oder war die Frage eine ganz andere: Würde er Tarra’s Leben auf’s Spiel setzen, und der Rune vertrauen? Würde sie selber ihr Leben aufs Spiel setzen, um ihm zu helfen, seines wieder ins Lot zu bringen? Versprochen hatte sie es ja… Doch unter diesen Umständen? Auf der anderen Seite, hatte Tarra ihn bisher noch nicht im Stich gelassen und vielleicht würde sie ihm auch hierbei unterstützen. Es kam auf den Versuch an, oder?
Tarra bekam von alledem nichts mit. Sie marschierte weiter in Richtung Wäldchen und harrte noch immer der Antwort, die dort kommen mochte, bezüglich der Magie.
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Starold Maleynn
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Re: Wohin führt mein Weg?

Beitrag von Starold Maleynn » Dienstag 31. Januar 2012, 15:22

Starold überlegte, ob er seiner Gefährtin die Wahrheit über die Magie sagen sollte oder nicht. Er hatte die Grandessanerin zweifelsohne beeinflusst. Aber war es denn klug, die einzige Person, die noch hinter ihm stand, zu erzürnen? Es war wohl nicht einmal sonderlich klug gewesen, die Runenmagie überhaupt an Tarra anzuwenden. Doch sollte er sie im Unklaren lassen? Würde sie ihm überhaupt glauben? Andrerseits stand außer Zweifel, dass die Rothaarige mehr als nur verärgert wäre, würde er ihr reinen Wein einschenken. Starold kam zum Entschluss, dass diese Lüge für immer zwischen ihnen stehen sollte. Er würde ihr nichts davon sagen. Der Andunier konnte es nicht riskieren, seinen letzten Beistand zu verlieren. Es ging hier um nicht weniger als sein Leben. Ohne Tarra hätte Starold wohl nie die Möglichkeit, die ganze Geschichte aufzuklären.

Gerade als Starold Maleynn sich dazu entschlossen hatte, Tarras Frage zu verneinen und so zu tun, als hätte er sie nicht beeinflusst, wurde er sich einer ihm unbekannten Stimme gewahr. Er verstand zwar kein Wort von dem, was die Stimme zu sagen versuchte, aber er war sich sicher, eine zu hören. Allerdings erschien es ihm, als spreche die Stimme direkt in seinem Kopf. Als säße eine zweite Person in seinem Verstand und versuchte ihm etwas mitzuteilen. Aber das konnte doch nicht sein, oder? Der Andunier blickte sich um und sah in alle Richtungen. Niemand außer Tarra und ihm selbst waren in der Umgebung. Dennoch hörte er diese Stimme. Womöglich, schoss es Starold in den Kopf, eine Auswirkung von Thurisaz. Zwar hatte in all der Zeit, in der er sich mit der Runenmagie beschäftigt hatte, nie eine Rune zu ihm gesprochen, aber es gab doch immer ein erstes Mal. Also wäre es wohl klug auf die Stimme zu hören, überlegte sich der Andunier. Starold konzentrierte sich vollends auf die Stimme in seinem Kopf. Wäre er geistig dazu in der Lage gewesen, hätte er bemerkt, dass er absolut nichts anderes mehr wahrnahm. Nach einiger Zeit des gespannten Lauschens war es ihm, als würde er einzelne Wortfetzen verstehen. Nach und nach wurde die Stimme deutlicher und schließlich verstand er, was die Rune ihm sagen wollte: Tarra und er müssten nach Süden gehen, da sie im Wald nichts finden würden.

„Süden“, stammelte er und blieb stehen. „Warte, Tarra. Wir müssen nach Süden.“ Auf die Frage, warum sie ausgerechnet jetzt in den Süden marschieren sollten, wusste der Anduneir partout keine Antwort. Was gab es im Süden? Bis Jorsa waren es bestimmt anderthalb Tage Fußmarsch. Von dort mindestens gleich viel bis Ganda. Was gäbe es im Süden, dass den beiden Flüchtlingen helfen könnte? Ob die Stimme sie nach Jorsa zum König führen wollte? Oder womöglich ging es gar nicht nach Jorsa sondern es fand sich etwas auf dem Weg. Starold hatte keine Ahnung. Aber er war sich absolut sicher, gen Süden zu marschieren. Die Rune sprach zu ihm. Und er würde ihr lauschen. „Wir müssen den Süden aufsuchen“, wandte er sich erneut an Tarra. „Ich weiß nicht genau, was wir dort finden werden, aber… vertrau mir.“ Er blickte die Grandessanerin mit aufrichtigen Augen an. In diesem Moment wurde ihm bewusst, welcher Gefahr er seine Begleiterin aussetzen würde, würden die beiden nach Jorsa marschieren. Als Grandessanern war sie nicht nur unerwünscht in der Hauptstadt Jorsans, sie würde direkt in die Höhle des Löwen marschieren. Er setzte Tarras Leben für eine Stimme in seinem Kopf aufs Spiel. „Hör mir zu“, sprach er die Rothaarige an. „Die Runenmagie ist eine eigenwillige Sache. Sie offenbart sich nicht immer auf die gleiche Art und Weise. Die Auswirkungen der Magie sind im Vorhinein nicht abzuschätzen. Dieses Mal gab mir eine Rune einen Fingerzeig in Form einer Stimme in meinem Kopf. Ich weiß nicht, wohin genau wir müssen. Es könnte sein, dass mich die Rune nach Jorsa schickt. Du musst das nicht tun, Tarra. Du hast bereits ein Mal dein Leben für mich aufs Spiel gesetzt. Ich kann und werde nicht von dir verlangen, dass du dies ein weiteres Mal tust, indem du ich in die Hauptstadt deines Feindes begleitest. Vielleicht… wäre es besser für dich, wenn sich unsere Wege hier trennten.“ Starold sah betrübt zu Boden. Er wollte nicht dass sie ging. Er wollte Tarra um sich haben, sie an seiner Seite wissen. „Was nicht heißen soll, dass ich möchte, dass wir uns hier trennen. Du solltest nur bedenken, dass es womöglich das Beste für dich wäre.“ Auch wenn es um sein Leben ging, er durfte nicht das Leben einer Unschuldigen mit hineinziehen. Das wäre gegen alles, was ihm seine Eltern beigebracht hatten. Würde er weiter lügen, er wäre nicht anders als die vermaledeiten Piraten. „Es kann sein dass eine Rune, die ich angerufen hatte, als wir uns kennenlernten, dich etwas beeinflusst hat. Es tut mir Leid, aber es war keine Absicht“, gestand er seiner (Noch)Begleiterin und marschierte zielstrebig in Richtung Süden. Er war sich nicht sicher, ob Tarra ihm folgen würde. Um ehrlich zu sein, er vermutete dass sich in den nächsten Sekunden ein Dolch tief in seinen Rücken bohren würde. Aber zumindest war der Andunier erleichtert, endlich die Wahrheit gesagt zu haben.

Starold schloss die Augen und begann sich zu konzentrieren. „Führe mich, Thurisaz“, sprach er in Gedanken, öffnete die Augen und marschierte schnurstracks geradeaus, den schwarzen Mantel eng an sich gezogen.

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Re: Wohin führt mein Weg?

Beitrag von Gestalt » Freitag 17. Februar 2012, 22:53

Tarra blieb abrupt stehen, als der Andunier sie zurückrief. Verwundert wandte sie sich zu ihm um und hob fragend die Hände. “Was?! Wieso?“ Während Starold versuchte, sich zu erklären, kam Tarra wieder zu ihm zurück und sah dann nachdenklich in die ungefähre Richtung, die sie vor sich hätten. “Man Liraz… weißt du eigentlich wie weit das ist?!“ sie seufzte leise und schüttelte dann kaum merklich den Kopf. “Warum sollen wir nach Süden gehen? Bist du dir sicher, dass deine Magie funktioniert?“ Doch so wie der Andunier sprach, kannte die junge Frau die Antwort darauf. Noch einmal wandte sie nachdenklich den Blick in die Richtung und schaute dann zum Himmel. Es war schön, doch unangenehm frisch und sie hatten nichts zu essen. “Na schön.“ meinte sie dann und zurrte ihren Reisenmantel etwas fester, um den schmalen Leib. Auf seine Warnung hin, hielt Tarra inne und für einen Moment, schien die Welt stehen zu bleiben. Sie schien tatsächlich für diesen Sekundenbruchteil darüber nachzudenken, was klüger wäre. Dann die Antwort: “Ich habe gesagt, dass ich dir helfe und dazu stehe ich. Und mal ganz ehrlich – Ich bin Grandessanerin. Es gibt schlimmeres, oder? Zumindest sagen das einige. Ausserdem ist das nicht mein Kampf. Wenn mir ein Jorsaner dumm kommt, dann kannst du ihn ja verzaubern, oder?“ sie zwinkerte ihm zu, doch ließ ihre Stimme keinen Zweifel daran, dass sie wohl wusste, dass es keine Rolle spielte, welche Stellung sie in dieser Fehde bezog. Grandessa und Jorsan waren verfeindet. Bis aufs Blut.
Glücklicherweise hatte Tarra das alles vor seinem Geständnis gesagt, denn als er mit der Sprache über den Anfang ihrer seltsamen Beziehung herausrückte, war sie schon etwas angesäuert. Doch seine Wortwahl, die das ganze abmilderte, schien eine besänftigende Wirkung zu haben, und so blieb es bei bösen Blicken. “Na gut, Liraz. Machen wir uns auf den Weg, aber ich warne dich: Ich will kein Gejammer hören, dass du Hunger hast, alles klar? Schließlich sitzen wir wegen dir in der Patsche!“ Es war wohl einfach Tarra’s Natur, zu sticheln und so die Kontrolle zu behalten.

Stundenlang ereignete sich gar nichts. Sie gingen nebeneinander her und Tarra sprach nicht viel, währenddessen. Sie schien in Gedanken beschäftigt zu sein und keine Lust auf Konversation zu haben. Sie waren etwa einen halben Tag lang marschiert, als die Dämmerung langsam einsetzte. Wolken hatten den Himmel schnell verdunkelt und bald war auch das Zwielicht einer Finsternis gewichen. Sie brauchten einen Rastplatz, soviel stand fest. Auf ihrem Weg durch die Ödnis kamen sie gelegentlich an kleineren Wäldchen vorbei und nicht weit vor ihnen, befand sich erneut einer. Er würde etwas Schutz bieten, hatte aber auch eine unangenehme Ausstrahlung. Vielleicht sollten sie dort ein Lager aufschlagen, um etwas Ruhe zu bekommen. Vor den Bewohnern des Dorfes Serna hatten sie hier nichts mehr zu befürchten und auch anderen Dörfern oder Siedlungen, waren sie bisher nicht mehr begegnet. Bis auf die Landschaft, befand sich anscheinend nichts in ihrer Nähe. Selbst das Meer war nur noch ein weit entferntes Rauschen.

Während sie sich dem Wäldchen immer mehr näherten, wanderten Tarra’s Blicke immer wieder zum Meer. Beinahe sehnsüchtig, schien sie zu schauen und sie schien sich nicht richtig wohl in ihrer Haut zu fühlen. Als das Wäldchen ungefähr auf ihrer Höhe war, blickte die Rothaarige zu Starold “Willst du Rast machen, oder lieber die Nacht durchgehen? Ich überlasse es dir, es sind schließlich deine Stimmen.“ den letzten Satz fügte sie mit einem kecken Lächeln hinzu. Was sie jedoch nicht wusste war, das die Rune seit Starold's Entscheidung, nach Süden zu gehen, nicht mehr zu ihm gesprochen hatte. Waren sie also auf dem richtigen Weg? Oder wirkte die Magie nicht mehr? Spürt Starold, ob Thurisaz noch bei ihm ist?
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Re: Wohin führt mein Weg?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 29. April 2018, 17:12

Grimm kommt von: Tief in den Eingeweiden

Grimm war so weit gerannt wie seine Beine ihn trugen. Die Beine eines gewöhnlichen Menschen hätten vermutlich schon viel viel früher ihren Dienst verweigert doch die Beine eines Wolfs hybriden waren Stark und der Instinkt des Tieres war es um so mehr. So wurde er von Angst und Schuld durch die Natur getrieben bis ein Sturz seinen lauf stoppte und sein Geist durch den Aufprall zum erliegen kam.

Als Grimm erwachte dämmerte bereits der Morgen. Durch die Baumkronen hindurch sah er den immer heller werdenden Himmel und es schien ein Sonniger Tag zu werden.
Er versuchte sich aufzurichten und Spürte einen stechenden Schmerz in seinem rechtem Arm,... bei den Bewegungen merkte er das sein Rücken brannte, er war blutig und aufgeschürft. Er sah sich um, nach oben.
Eine hohe wenn auch nicht zu Steile Böschung lag vor ihm. Er war gerannt...und hat dabei nicht gesehen das er auf diese Böschung zugelaufen war.
Grimm rieb sich den Hinterkopf und spürte das er auch dort eine mit Blut verkrustete Wunde hatte.
Er hatte Glück im Unglück gehabt, die Böschung war seicht abfallen so das der Sturz nur kurz war und er eher über den Boden gerutscht ist. Dabei muss er sich den Arm geprellt und den Kopf an einem Stein aufgeschlagen haben. Den Rest des Weges bis er zum liegen kam musste er wohl auf seinem Rücken gerutscht sein......
Es hätte schlimmer kommen können.......?

Aber wo war er nur? Wie weit war er gerannt....? und wo sollte er nun hin?
Die Kleidung die er von Juna bekommen hatte war zerrissen, aber die Fetzen waren besser als nichts und hielten immerhin noch notdürftig an seinem knochigen Leib.

Nicht weit von ihm raschelte es,.... eine Junge Elfe mit weiß blondem Haar und strahlend grünen Augen sah Grimm aus einem Busch heraus an. Ihre Kleidung verschwand fast schon in den Farben ihrer Umgebung, hinter hier war ein zweiter Elf, kaum zu sehen, seine Erscheinung verschmolz noch intensiver mit dem Wald.

Die junge Elfe ging zwei schritte auf Grimm zu und hockte sich auf dem Boden um ihm besser in die Augen sehen zu können und ihm keine Angst einzujagen. Der andere Elf blieb mit etwas Abstand stehen. Sie sah Grimm an und lächelte.

„Hey, kann ich dir helfen,...du scheinst hier runter gefallen zu sein...wir sind durch Zufall durch diesen Wald gekommen und wollen bald weiter gehen. Ich heiße Melina Nordlicht und hinter mir, das ist mein Vater Kasin Nordlicht.“

Jetzt sah Grimm auch das der Männlich Elf etwas reifer war und einen Bogen über seiner Schulter trug. Beide hatten einiges an Taschen und Waffen bei sich und waren wohl schon länger unterwegs gewesen.

Sie sah zu ihrem Vater....:
„Er ist ein Hybrid,....Wolf wenn ich mich nicht täusche..?“
Kasin nickte stumm....
Melina sah Grimm wieder mit etwas Abstand freundlich an. Sie spürte das dieses Wesen verängstigt war, und man musste kein Hellseher sein um zu erkennen das Grimm schon einiges durchgemacht hatte.
Sie griff in ihre Tasche und zog die Hand vorsichtig heraus, darin hielt sie einen Apfel der köstlich rot leuchtete.
„Hier, du hast doch sicher einen riesigen Hunger?“

Melinas Vater Kasin schien ununterbrochen die Umgebung zu beobachtet. Seine Sinne waren geschärft, Grimm sah wie die Augen und Ihren des Elfen immer wieder sämtliche Richtungen nach Potentiellen Gefahren absuchten. Er blieb aber ruhig, also schien in der Umgebung keine weiteren Humanoiden Wesen zu sein.

Melina hätte Grimm gerne noch mehr gefragt aber sie wollte ihn nicht überfordern und wartete erst einmal auf seine Reaktion.
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Re: Wohin führt mein Weg?

Beitrag von Grimm » Dienstag 29. Mai 2018, 22:03

Grimm rannte. Er rannte und rannte und rannte. Schreie hallten in seinem Kopf. Junas Schreie. Der Wahnsinn peitschte den Jungen durch die Wälder. Seine Füße begannen zu bluten. Äste reißten seine Arme auf, wenn er sich durch sie stürzte. Er rannte weiter.

Schmerz puckerte durch seinen Körper. Seine Brust brannte. Schaum sprühten von seinen Lippen. Er rannte weiter.

Das Biest heulte. Der Junge weinte. Tränen fließen über seine Wangen. Er rannte weiter.

Seine Beine verfingen sich. Ein Abgrund tat sich auf. Grimm fiel eine Böschung hinab. Sein Kopf schlug auf einen Stein. Schmerz blitzte hell auf und dann sackte er ab in die Dunkelheit. Er rannte nicht mehr...

...

"Mörder!", schrie Thrandil. Seine Kehle war aufgerissen und Blut spritzte aus dem Loch wenn er sprach. Sein Grinsen war rot und sein Messer stach auf Grimm ein.

"Mörder!", heulte Juna. Ihre Augen brannten vor Wahnsinn und ihre Zähne kauten Fleisch. Grimms Fleisch.

"Mörder...", sagte seine Mutter. Ihr blondes, langes Haar legte sich um Grimms Kehle und schnürte ihm die Luft ab.

Ayla stand vor ihm, ihr Gesicht eine Ruine. Die Nase eingeschlagen, die Augen zerrissen und die Haut aufgeschnitten von unzähligen Peitschenhieben. Ihre blutigen Finger reckten sich Grimms Augen entgegen. "...Monster..."

Dann drückte sie zu.


...

Grimm schlug die Augen auf. Sein Kopf puckerte. Er schmeckte Blut auf seinen Lippen. Er war wach. Dumpf starrten seine Augen in den Himmel. Durch die Baumkronen konnte er den Himmel sehen. Die Sonne ging auf, es war Morgen. Er hatte die Nacht durchgeschlafen. Alles tat weh, dennoch wollte er nicht aufstehen. Er wollte liegen bleiben. Er wollte warten.
Warten auf den Tod.

Etwas raschelte zu seiner Linken. Er drehte den Kopf und sah eine Person.

Sofort war Grimm auf den Beinen! Mit einem verängstigten Fiepen schoss in die Höhe. Ein Fehler. Sein Kopf drehte sich und der Schwindel ließ ihn unelegant auf den Hintern fallen. Seine Sicht verschwamm und er brauchte mehrere Sekunden bevor er wieder einigermaßen sehen konnte.
Als er wieder aufblickte, sah er dass die Personen - es waren zwei - sich nicht gerührt hatten. Kein Schrei, kein Angriff. Sie schienen ihn zu beobachten, aber sie waren nicht verängstigt. Im Gegensatz zu Grimm, der nun in der Hocke war, die Hände auf den Boden, bereit jeden Moment wegzulaufen. Er zitterte.

Die Elfe trat vorsichtig vor. Grimm wich sofort zurück, instinktiv ein warnendes Knurren in der Kehle. Das Tier übernahm das Ruder in ihm. Der Junge war still und tief versteckt.
Grüne Augen blickten in seine. Weißblondes Haar wiegte im Wind. Ein scheues Lächeln auf den Lippen. „Hey, kann ich dir helfen,...du scheinst hier runter gefallen zu sein...wir sind durch Zufall durch diesen Wald gekommen und wollen bald weiter gehen. Ich heiße Melina Nordlicht und hinter mir, das ist mein Vater Kasin Nordlicht.“

Grimm Augen huschten rüber zum Mann. Er war älter, reifer. Er hatte einen Bogen in der Hand. Ein Jäger. Seine Tochter sagte etwas zu ihm. Er nickte, ließ Grimm nicht aus den Augen. Oder irgendetwas anderes.

Die Elfe griff in ihre Tasche und holte einen Apfel hervor. „Hier, du hast doch sicher einen riesigen Hunger?“

Grimm wich wieder zurück, hinter einen Baum diesmal. Er konnte nicht trauen. Es war eine Falle! Eine Falle! Sie würden ihn gefangen nehmen. Sie würden ihm wehtun! Er wusste es, nein, spürte es. Er knurrte wieder, mehr aus Furcht als aus irgendwas anderes. Es war nicht mal ein Wort dahinter. Der Hybrid hatte jegliche Sprache verloren.

Für eine Weile war es still...

Dann ertönte ein lauteres Knurren hinter dem Baum. Nicht aus Grimms Kehle, sondern weiter unten. Sein Magen. Hunger machte sich bemerkbar und verlangte Aufmerksamkeit.
Grimm schüttelte den Kopf. Nein, es war eine Falle! Sie würden ihm wehtun! Doch sein Magen krümmte sich zusammen. Hungerschmerz stach nun auf den Hybriden ein.

Grimm schaute scheu hinterm Baum hervor. Die Elfe hockte immer noch da mit dem Apfel. Mit dem roten, saftigen Apfel...

Langsam kroch Grimm nach vorne, auf allen Vieren. Seine Augen starten dabei die beiden Elfen unabwegt an, wartend auf eine plötzliche Bewegung. Er hob eine klauenbewehrte Hand. Streckte sie aus. Dann griff er zu, schappte sich den Apfel und flüchtete wieder nach hinten.

Reißzähne versenkten sich in saftiges, süßes Obstfleisch und mit lautem Schmatzen verschlang Grimm den Apfel. In seiner Hast verschluckte er sich soagr fast und musste laut husten, bevor er weiter aß. Sogar das Gehäuse und die Kerne schluckter runter, so hungrig war er.

Nachdem er fertig war, starrte er wieder auf die beiden Elfen. Knurren tat er nicht mehr und seine Ohren waren aufrecht, aufmerksam. Sein Gesicht immer noch eine Maske und seine grauen Augen dumpf.

Er wartete...

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Re: Wohin führt mein Weg?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 24. Juni 2018, 15:59

Melina sah und spürte die Angst in dem jungen Hybriden der vor ihr, hinter einem Baum kauerte. Sein Blick war voller Panik, nur von Instinkten getrieben, aber sie wusste das Hunger ein großer Instinkt war und hoffte das der Hybrid seinem Hungergefühl nachgeben würde.

Als er hinter dem Baum hervorsprang, sich hastig mit seinen Klauen den Apfel schnappte und gleich wieder hinter dem Baum verschwand erschrak Melina doch für einen Augenblick aber Kasin blieb ganz ruhig, er hatte ein gutes Gespür für Gefahr und der Hybrid war mehr als angeschlagen, so lange sie ihm keinen Grund gaben zum angriff würde er sie auch nicht angreifen.

Melina lächelte zufrieden als Grimm den Apfel aß.

„wie ist dein Name?“
„Wenn du möchtest kannst du uns eine Weile begleiten, wenn du bei uns bist kann dir nichts passieren und du kannst dich ein wenig erholen.“


Melina sah den Hybriden lächelnd an und wartete darauf ob er ihr antwortete. Dabei hockte sie im Laub der Bäume und stützte ihr Gesicht auf ihren Händen ab. Ein kleiner Eichkater kam vom Baum herunter, kletterte über ihren Rücken, auf Melinas Kopf, dann auf ihre Schulter bis in die Tasche ihrer Weste. Sie blieb ganz ruhig und der kleine Eichkater wühlte in der Tasche herum bis er eine Nuss gefunden hatte und mit dieser seinen Kopf wieder aus der Tasche hervorsteckte.
Er fiepte Melina an und sie lächelte ihm zu.
„Du kannst die Nuss gerne haben...“


Nach einer Weile ging Kasin einige Schritte nach rechts und sah Melina an.
„Melina wir müssen weiter gehen.“
Dann sah er den Hybriden an.
„Du kannst uns gerne folgen, wir werden in ein paar Stunden ein Nachtlager aufschlagen, wenn du möchtest versorgen wir dich mit dem was wir haben und begleiten dich bis zu einem sicherem Ort, es ist deine Endscheidung.“
Er sprach ganz neutral mit Grimm, er würde Grimm helfen wenn Grimm es wollte, aber er drängte Grimm auch zu nichts, so ging er langsam weiter.
Melina sah ihren Vater an, stand langsam auf lächelte Grimm zu und folgte ihrem Vater.

Sie gingen eine ganze weile durch den Wald, Melina pflückte bei jeder Gelegenheit Nüsse, Beeren und Kräuter die sie fand und verstaute sie in einer großen Tasche die sie trug.
Der Tag verstrich in einer ungewöhnlichen Ruhe, Grimm folgte ihnen, er war sich zwar nicht sicher ob es eine gute Idee wäre, aber er hatte gerade auch keine andere, also beobachte er die beiden. Unter dem Blätterdach der Bäume war es angenehm kühl und ruhig. Nur die Vögel und ab und zu ein Rascheln von einem Fuchs, oder einem Dachs war zu hören.

Grimms Kopf schmerzte immer noch, die Wunde am Kopf und auch sein Rücken juckten ein wenig, es schien zu heilen wenn auch nur langsam. Sein Arm schmerzte immer noch, lies sich aber bewegen und der Apfel hatte seinen Magen nur für eine kurze Weile beruhigt, er hatte Hunger, Durst und sein Körper schrie nach einer Pause, doch der Hunger trieb ihn weiter....

Am frühen Nachmittag erreichten sie einen kleinen See im Wald, aus der Ferne sah Melina eine Herde Rehe dort trinken. Sie und ihr Vater versteckten sich weit genug entfernt in einem Busch und beobachteten die Situation, beide wirkten angespannt.
Das Wasser des Sees funkelte verlockend, bei Grimm meldete sich der Durst nun um so mehr, nicht mal mehr die Spucke konnte ihm im Mund richtig zusammen laufen so durstig war er, doch warum gingen Melina und Kasin nicht zum See.....?

Eine ganze weile passierte nichts, doch dann sah auch Grimm warum die beiden warteten. Ein Rudel Wölfe pirschte sich an die Herde. Als sie losrannten und ihr Geheul erklang trennten sie rasch eines der älteren Tiere von der Herde und erlegten es erfolgreich.

Gemeinsam fraß das Rudel sich Satt und nach einer Weile verschwand das Rudel wieder.
Als Melina und Kasin sicher waren das dass Rudel fort war gingen sie zu den Überresten des Rehs und Melina sprach ein paar Worte die Grimm nicht verstand, aber es klang traurig.
„Möge deine Geist in Frieden ruhen, dein Leben hat das Leben anderer gerettet.“

Dann füllten Kasin und Melina ihre Wasserflaschen auf und begannen ein Nachtlager zu errichten.
Melina sammelte Blätter und errichtete einen Kreis aus Steinen in dem sie feine Äste und trockenes Laub legte. Kasin machte einen kleinen Streifzug durch die nähere Umgebung und kam mit einigen größeren Äste zurück die er in dem Steinkreis auftürmte.
In der Zwischenzeit hatte Melina sich eine selbst gebaute Angel geschnappt und sahs am See.

„UH Vater, ich habe einen....“

Sie Stand auf und zog an der Angel, ein großer Fisch hatte angebissen, Kasin Half seiner Tochter den Fisch aus dem Wasser zu ziehen und gab ihm einen schnellen schlag auf den Kopf.
Sie bereiteten den Fisch zu, Kasin entfachte ein kleines Feuer und der Fisch ging aufgespießt auf einem Ast über den Feuer....
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