Auf den Spuren des Vaters

Das nördliche Königreich steht unter den Fittichen des Königs Hendrik dem Zweiten. Strenge Sitten herrschen hier und das Volk ist zweitrangig. Hier kann man nur ein schönes Leben führen, wenn man Reichtum und adeliges Blut besitzt.
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Der König ist mit den Dunkelelfen ein Bündnis eingegangen und lässt sie über seine Armee verfügen. Das gesamte Königreich hat sich den Wünschen der Dunkelelfen zu beugen!

Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Dienstag 22. März 2011, 14:39

Anstatt das sie ihren Begleitern etwas vorlog, zog sie es vor, ihnen die Wahrheit zu sagen. „War Pferden tränken.“ Eine Lüge hätte es womöglich noch schlimmer gemacht, als es eh schon war. Dennoch hielt sie die, für sie mehr als unangenehme, Begegnung mit dem besoffenen Ork zurück, da sie sonst nur noch mehr Chaos anrichten könnte. Außerdem hätte das eine Schimpftirade von Seiten Laiyas zur Folge gehabt, die sich gewaschen hatte. Doch sie nickte dazu nur mit dem Kopf, sagte nichts.
Orok stand noch im Zelteingang, unschlüssig darüber, ob er sie nicht doch alleine lassen sollte, oder ob es besser für alle wäre, dass er dabeiblieb. In seinem Kriegerkopf ratterte es, so sehr versuchte er, den Überblick über das rege Treiben zu behalten. Wenn man es nicht genauer sagen könnte, wäre er schon förmlich am rauchen. Denn leider war sein Verstand für solche Sachen nicht gerade hoch qualifiziert. Er war eher der direkte Typ: einen Disput mit den Fäusten beenden. Dann konnte man sich solche Diskussionen im Grunde sparen.

Marga berichtete darüber, was sie in Erfahrung bringen konnte. Für Belenus würde es unwahrscheinlich wichtig sein. „Wir haben Problem. Da sein Krieg.“ Man musste kein Hellseher sein, um zu erraten, das der Norden gemeint war. Und zwar leider in der Gegend, die sie auf jeden Fall durchqueren mussten. Beiden Elfen klappte der Mund auf. Teils aus Erstaunen, teils aus Angst.
„Im Norden, die Dunklen Typen und die Orks gegen…“ Sie stockte kurz, so als suche sie die richtigen Worte dafür. Dann jedoch hatte sie die Worte beisammen, die sie brauchte: „…gegen die anderen? Und da sein noch Grandessaner auf deren Seite, also bei den dunklen, nicht bei den anderen. Und das ist schlecht, weil wir in die Richtung müssen, oder?“ Belenus wollte etwas sagen, doch außer einem leisen ungläubigen Krächzen kam nichts heraus. Er war vollkommen fassungslos. Wie es wohl seiner Familie erging? Hielten sie noch dem Druck der Horden stand oder waren inzwischen schon alle tot? Diese Unkenntnis nagte an ihm, wie ein Holzwurm, der sich still und leise durch einen toten Baumstumpf fraß.

Ihre Mitteilung war zwar bruchstückhaft, gab aber dennoch genug Aufschluss darüber, was sich im Norden abspielte. Das Königreich Grandessa unterstützte die Dunklen Horden auf ihrem Eroberungsfeldzug und es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch der Eldoras und das Dorf Eldar angegriffen wurden. Was dann mit den Einwohnern geschehen könnte, die Folgen wären verheerend und unabsehbar.

Dunkelelfen ließen nämlich bei ihren hellhäutigen Verwandten normalerweise selten Gnade walten, die meisten kannten dieses Wort nicht einmal, es sei denn, sie brauchten ein paar „Spielzeuge“, an denen sie ihre völlig kranken Experimente durchführen konnten oder billige Arbeitskräfte, welche meist bis zu völligen Erschöpfung für sie schuften mussten. Aber ansonsten wurden waldelfische Gefangene erst grausam gefoltert und dann qualvoll hingerichtet, wie zum Beispiel mit der Garotte oder durch die Verbrennung auf einem Scheiterhaufen. Jedoch waren Dunkelelfen in Sachen Hinrichtung und Folter mehr als flexibel, sodass es noch zahlreiche andere Methoden gab, um sich störender Personen zu entledigen.

„Ihr besser fragen Schamanen Morg, er sich kennt über Krieg besser aus und ihr mehr wisst über Weg und Leute“, schlug Marga vor, da der kluge Ork bestimmt einen guten Rat für sie hatte, wie man das Gebiet so gut es ging umgehen konnte. "Dann gehen wir zu dem Schamanen“, meldete sich sofort die Eismagierin zu Wort. „Ja“, sagte auch Belenus knapp. Auch er würde mitkommen, denn schließlich war seine Heimat in der Nähe des Kriegsgebietes und unmittelbar bedroht. Zwar würde auch der Rat des Schamanen keine absolute Gewissheit geben, dass sie unbeschadet da durch kommen würden, doch war es zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont.

Laiya stand sofort auf. Sie wollte mit dem Schamanen sprechen. „Möchtest du mit, Marga?“, fragte sie ihre Schülerin. Auch Belenus war aufgesprungen und schon fast aus dem Zelteingang herausgetreten. Nur seine Furcht vor Orok verhinderte erst noch, dass er das Zelt verließ.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Dienstag 22. März 2011, 20:27

Als Marga sah, wie Belenus reagierte, fühlte sie sich auf einmal unwohl – schuldig vielleicht sogar – weil sie so direkt alles ausplauderte. Sie hatte leicht reden, denn Marga hatte keine Verwandte mehr und Laiya hatte Verwandte, denen man Krieg an den Hals hetzen wollte, aber er musste jetzt mit der Ungewissheit leben.
Die Halborkin blickte während ihres Berichtes betroffen zu Boden. Ihre Direktheit, als sie den Krieg ansprach, konnte sie einfach nicht ändern. Ob häppchenweiße oder an Stück, es war immer die gleiche Schreckensmeldung. Aber sie hatte bei der Nachricht nur daran gedacht, dass der Krieg die Reise verzögern und erschweren würde und überhaupt nicht daran gedacht, dass „die anderen“ auch Belenus Verwandtschaft mit einbeziehen könnte.

Sie versuchte sich alles über Krieg in den Kopf zu rufen, was ihr dazu einfiel. Als Grenzbewohnerin kannte sie den allseits laufenden Konflikt zwischen den Truppen Jorsas und Grandessas. Es kam gelegentlich zu Scharmützeln, aber leider waren bei den Kämpfen nicht nur die Soldaten betroffen. Die Grandessaner schnappten sich auch jorsanische Reisende oder setzten Felder in Brand, wenn sie sich zurückziehen mussten. Krieg bewirkte also, dass Leute sich wie Mistkerle verhielten und dafür auch noch belohnt wurde und Marga war empört darüber.
Wenn sich auch nur einer von den dunklen Gestalten an Belenus Familie vertan hatte, dann würde sie… Sie musste nachdenken, was genau sie tun würde, aber sie hatte das Gefühl, dass sie Eismagie am lebenden Objekt ausüben könnte.

Die Eismagierin beherzigte Margas Vorschlag, was diese natürlich erfreute, denn so müsste sie nicht für Fragen gerade stehen, die sie einfach nicht beantworten konnte. Der Schamane hingegen war schlau und könnte bestimmt besser weiterhelfen. Außerdem gab sich so ein spiritueller Anführer wahrscheinlich nicht hemmungslosem Schlemmen und Trinken hin und war jetzt bereits wach.
Auf die Frage, ob sie mitkommen wolle, nickte sie entschlossen. Sie hatte vielleicht noch leichte Kopfschmerzen, aber sie wollte bei allem dabei sein, was wichtig für die Gruppe war. Sie erhob sich und nahm ihre Tasche auf – irgendwie fühlte sie sich sicherer damit. Wenn sich noch einmal ein Ork an sie ranmachte – oder vielleicht sogar an Laiya – würde sie ihm die Tasche so um die Ohren hauen, dass ihm Hören und Sehen verging.
Kurz bevor Belenus das Zelt dicht gefolgt von Laiya verlassen konnte, kam Marga ein wichtiger Gedanke in den Sinn: „Äh, passen auf, Anblick sein nicht toll.“, womit sie sowohl die Hinterlassenschaften der Orks, wie auch die Orks selber meinte.

Belenus zögerte vor der Zeltplane und Marga trat voraus. Sie hatte weniger Angst vor ihren Gastgebern, jetzt, als sie wieder in der Gruppe unterwegs waren, eine mächtige Eismagierin, ein Lichtmagier und sie selbst. Sollten die Rüpel nur kommen, sie waren bereit!
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 30. März 2011, 10:11

Kaum hatte Marga gesagt, dass der Anblick draußen nicht gerade sehr erbaulich war, da standen sie auch schon vor dem Zelt. Belenus schlüpfte ziemlich schnell an Orok vorbei. Ihm war der Ork immer noch etwas unheimlich. Doch die anderen Orks würden dem Krieger darin in nichts nachstehen. Laiya rümpfte angewidert die Nase und auch der Waldelf konnte sich ein leises würgen nicht verkneifen. Zwar hatte der morgendliche Wind die meisten der schlechten Gerüche hinfort geweht, aber noch immer konnte man die entleerten Mageninhalte der Orks gut genug riechen.

Geschickt wichen sie immer wieder großen Pfützen aus. Die herumliegenden Orks schienen nun doch einen Tick aktiver zu werden, denn nun hantierten viele hier und da mit klobigen Werkzeugen herum. Niemand erwartete auch nur im Ansatz von ihnen, dass sie diese Lachen da entfernten. Orks waren was Hygiene betraf nicht gerade ganz vorne dabei. Im Gegenteil, sie schienen diesen Gestank sogar zu mögen, etwas, das einem Menschen mehr als missfallen dürfte.

Orok war wieder einmal an der Spitze der kleinen Gruppe und führte sie zielsicher durch das Lager. Er wusste genau, wo welches Zelt stand und wer seine Bewohner war. Immer wieder, so könnte es zumindest für Marga erscheinen, wurden sie angestarrt, wenn man jedoch zu der Quelle der Blicke hinüber sah, hatte der Betrachter es auf einmal sehr eilig, in eine komplett andere Richtung zu sehen. Kotzepfützen konnten mit einem mal so richtig interessant sein. Auch verschiedenen Überreste darin machten nun einen recht interessanten Eindruck. Das war zwar alles nur geheuchelt, aber immerhin wurden sie momentan nicht belästigt, was in ihrem Fall auch gut so war.

Laiya war zwar immer noch recht ausgelaugt, aber sie konnte selbst einem Ork-Krieger schwer zu schaffen machen, da sie immer den einen oder anderen Kniff beherrschte. Und wenn man sie richtig reizte, war man besser nicht mehr in Sicht- und Zielweite ihrer Zauber. Belenus war zwar auch magisch begabt, doch er nutzte sein Wissen meist nur zur Unterstützung oder zum Heilen. Zwar konnte er Feinde auch mit einem magischen Lichtstrahl blenden, bevorzugte es aber, sich aus Kampfhandlungen, egal wo und egal wie, zumindest als aktiver Mitstreiter, herauszuhalten. Und was Marga anging, nun sie konnte sich auch im Nahkampf recht passabel verteidigen, auch wenn man es ihr nicht zutrauen würde. Dummerweise würde die Wehrlosigkeit vorhin noch eine ganze Weile an ihr nagen, da sie es ohne Oroks Eingreifen nicht mit dem bulligen Ork-Krieger hätte aufnehmen können. Es war schon sehr ärgerlich, dass sie so gut wie nichts gegen diesen flegelhaften Annäherungsversuch ausrichten konnte. So etwas untergrub schon mal sehr schnell den eigenen Stolz.

Schon kurz darauf kam ein Zelt in Sicht. Es war etwas größer und wirkte nicht ganz so zusammengewürfelt wie die anderen, an denen sie vorbeigekommen waren. „Gehört das dem Schamanen?“, fragte Belenus vorsichtig. Orok gab keine Antwort, nickte aber mit dem Kopf. Vor dem Eingang standen zwei besonders kräftige Ork-Krieger, die selbst Orok um einen ganzen Kopf überragten. Wie er steckten die beiden in groben Eisenrüstungen und trugen als Waffen ebenfalls schwere Eisenäxte. Das war wohl schon in etwa die Standartausrüstung hier. Im Gegensatz zu den anderen Orks jedoch wirkten diese beiden Volksvertreter recht nüchtern. Und das waren sie auch, denn ihre Aufgabe war es schließlich den Anführer zu schützen und sich nicht besinnungslosen Besäufnissen hinzugeben. Auch wenn sie im Moment eher etwas gelangweilt waren.

Da hatte sie einer der Wächter auch schon entdeckt: „Halt! Wer da gehen?“, knurrte er in seiner Muttersprache, welche bedrohlich klang. Zumindest auf Belenus schien es eine größere Wirkung zu haben, denn er zuckte kurz erschrocken zurück. Aber Laiya verspürte keine Furcht vor diesem riesigen Kerl. Kühn starrte sie ihm entgegen.
Auch der andere drehte sich nun in ihre Richtung und nahm auch eine dementsprechend drohende Haltung ein. Wenn Orok nicht dabei gewesen wäre, hätten sie nun ein wirkliches Problem, denn Belenus und Laiya konnten die Orksprache nicht sprechen. Und dann versuche man mal, mit einem Ork zu diskutieren, das endete meist tödlich. Marga jedoch könnte eventuell einige Wortfetzen aufschnappen, schließlich war es die Sprache eines Volkes, dem sie zur Hälfte angehörte. Was hieß, dass sie diese wohl schnell erlernen könnte „Mich mit ihm reden, er manchmal etwas stur“, meinte Orok mit einem Grinsen und wandte sich an den Ork-Wächter. „Gäste wollen sprechen mit Schamane. Was das sein, sein ihre Sache.“ Der Wächter sah kurz zwischen Orok und der anderen Wache hin und her, dann nickte er und schob auch schon die Zeltplane auf, sodass man bequem hindurch konnte. Der kurze Wortwechsel hatte Wirkung gezeigt. „Ihr...können hinein, Schamane Morg...mit euch sprechen wird“, sagte er mit großer Mühe in der Allgemeinsprache. Offenbar war er außer Orks noch nicht vielen anderen Völkern begegnet, sodass sein celcianisch fast vollständig verkümmert war.

Doch jetzt konnten sie Morg nach den Vorkommnissen im Norden fragen und vielleicht konnte er sogar Margas Traum deuten und den Sinn davon entschlüsseln, sofern sie sich noch direkt daran erinnerte.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Samstag 2. April 2011, 14:34

Der Morgen war schon so weit fortgeschritten, das es eigentlich schon früher Mittag war, jedenfalls für eine gewohnte Frühaufsteherin. Dass die Orks in den Morgenstunden lahme Krücken mit mehr Restalkohol als Anstand in der Birne waren, beschämte Marga schon ein wenig. Aber sie beruhigte sich, indem sie wie im Gebet in Gedanken wiederholte, dass es hier Soldaten waren und nicht nur bei den Menschen die Armee Anlaufstelle für alle, die keinen echten Beruf kriegten, war.
Marga stellte sich vor, dass wenn sie wüsste, dass jeder Abend der letzte sein könnte, ob sie sich dann zurückhalten würde? Bestimmt könnte sie das, aber nicht jeder war mit solcher Willenskraft gesegnet. In dem Fall schützte der Alkohol vor stillen Stunden in der Dunkelheit, in denen man über die eigene Zukunft nachdachte.

Dennoch blitzten Margas Augen strafend bei all denjenigen Orks, die den Boden auf ihre persönliche Art gedüngt hatten. Und wenn einer es wagen sollte, sie oder Laiya auf schamlose Weise anzuglotzen, würde der Blick zurück nicht das einzige Eisige sein, was denjenigen erwartete.
Die Halborkin achtete behutsam, wohin sie ihre Füße setzte und hob sicherheitshalber auch ihren Rocksaum leicht hoch, falls sie doch einmal daneben treten sollte. Ihre beiden elfischen Begleiter konnten leichtfüßig darüber hinweglaufen, wirkten aber trotzdem angeekelt.

Ein sehr zentral gelegenes Zelt war größer als die anderen, hatte einigen Abstand zu den anderen, damit man sich auf der offenen Fläche nicht anschleichen konnte. Aber das wohl bedeutsamste Zeichen, dass dies das Zelt des Anführers war, waren die beiden Kolosse, die Wache standen. Sie waren sogar etwas größer als der Hüne Orok, in stabilen Stahl eingehüllt und mit großen, scharfen Äxten ausgestattet. Sie wirkten nüchterner als die übrigen Angehörigen ihrer Rasse und außerdem sahen sie aus, als könnten sie gemeinsam einen unliebsamen Eindringling in wenigen Sekunden zu Hühnerfutter verarbeiten.
Dieser Gedanke sorgte für eine besondere Gänsehaut. Der Mann sagte etwas in der Sprache der Orks, die Marga leider nicht verstand, aber sie hatte so eine Ahnung: Dieser breitbeinige Stand, die ausgestreckte Hand und die Mischung aus Aufforderung und Frage war bei Gesetzesvertretern auf der ganzen Welt wieder zu erkennen. Der Wächter würde sie erst durchlassen, wenn er wusste, was sie wollten.

Laiya nahm die Bedrohung auf die leichte Schulter, während Belenus vor Anspannung kurz vor dem Zerreißen war. Marga hingegen war zwar etwas besorgt, aber sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Sie wartete geduldig und demütig, dass Orok die Sache übernahm. Immerhin waren sie hier die Fremden.
Orok wickelte die Sache sogar erstaunlich schnell ab und der Wächter gab den Weg frei. Marga lief voraus, hielt aber kurz vorm eintreten inne. Moment mal, einfach so reinzuplatzen war unhöflich! Zwar hatten sie die Erlaubnis des Wachhabenden, aber nicht des Schamanen selber. Bei einer Hütte oder einem Haus konnte man klopfen, aber bei so einem Zelt gab es nur diese weichen Planen. Aber die Schülerin wusste sich zu helfen:
„Klopf, klopf.“, sagte sie mit ernster Stimme. „Dürfen reinkommen?“ und steckte den Kopf ins Zelt hinein. Sie hoffte, dass der Schamane jetzt nicht schlief oder gerade irgendwelches spirituelles Zeug tat, wobei er nicht gestört werden konnte.

Die angehende Eismagerin stellte sich darauf ein, dass ihre Begleiter die guten und wichtigen Fragen stellen würden. Aber sie würde am Ende auch nachfragen müssen, wie lange der Schamane auf ihre Hilfe hier im Lager bestehen würde – immerhin hatte er jedes Recht dazu, nachdem er Laiya kuriert hatte. Andererseits war Zeit gerade sehr wichtig und es wäre gemein gegenüber Belenus, ihn zum Bleiben zu zwingen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Sonntag 10. April 2011, 11:35

Der Wächter besah sich die kleine Gruppe nochmals genau. Marga war indessen schon fast in das Zelt hineingetreten, besann sich jedoch auf eine gewissen Höflichkeit und signalisierte ihr Ankommen durch ein deutliches „Klopf, klopf.“ Die beiden Orks sahen etwas verdutzt aus, auch Orok runzelte seine grüne Stirn, doch Laiya nickte Marga zustimmend zu. Sie hieß dieses Verhalten gut. Selbst unter diesen unkultivierten und groben Haudegen war Höflichkeit immer sehr gut, denn es erhöhte die Lebensrate ungemein. Auch schon deshalb, weil ihr selbst noch die Kraft zum Zaubern fehlte. Und auch der momentan mehr als verschüchterte Belenus nickte ebenfalls heftig und bekräftigte Marga damit nochmals.
Bloß dumm, dass die meisten der Krieger hier nicht gerade ein Händchen für freundliches Verhalten hatten, was unter diesem Volk sowieso recht selten anzutreffen war. Ein orkisches Sprichwort sagte nämlich: Schlage zuerst zu und frag später auch nicht nach.

„Dürfen reinkommen?“, fragte sie anschließend, wenn auch etwas unsicher. Man konnte ja nie wissen... Nur bekam sie darauf keine Antwort, was immer mehr den Verdacht erregte, das der Schamane wohl gerade etwas abwesend zu sein schien. Und tatsächlich, Morg, der spirituelle Anführer der Orks saß hochkonzentriert auf mehreren Fellen, die Augen geschlossen. Wenn man den Blick nun etwas im Innern herum schweifen ließ, dann konnte man erkennen, dass dieses Zelt etwas anders eingerichtet war, als das Zelt von Orok. Außerdem war es bedeutend heller. Hier herrschte nicht ein seltsames Zwielicht vor, in den Zeltwänden waren Anstatt Waffen standen dort mehrere provisorische Regale, in denen mehrere Phiolen und Fläschchen verstaut waren. Anscheinend der Vorrat an Heilkräutern und Tränken. Und selbst an dieser seltsamen Paste, die Marga ja schon kannte, mangelte es nicht.

Belenus' Augen wurden groß, als er den sitzenden Schamanen genauer betrachtete. „Er meditiert. Es befreit einen vor seelischen Anstrengungen und beruhigt ungemein.“ Er hatte die Stimme zu einem Flüstern herab gesenkt und klang jetzt beinahe ehrfürchtig. Es wäre auch besser ihm einen gewissen Respekt zu zollen, denn das dürfte die Gemüter der anderen Orks etwas beruhigen. Und das war im Moment sehr wichtig.

Sie waren kaum alle durch den Zelteingang getreten, als der alte Schamane auch schon die Augen aufschlug. Diese waren trotz allem das Bemerkenswerte an diesem Ork. Anstatt trüb oder schwach zu sein, leuchteten sie geradezu vor Lebenskraft und Stärke. Dieser Ork hatte zwar seine besten Jahre schon einige Zeit hinter sich, doch er wirkte noch immer jung und vital. Zumindest kam das einem so vor.
„Ah, ihr seid es! Ich habe euch schon erwartet.“ Er hatte sie erwartet? War er vielleicht sogar noch ein Seher, der in die Zukunft blicken konnte? Woher konnte er denn wissen, dass sie ihn aufsuchen würden?
Sein Blick fiel auf Belenus, dem man die Nervosität nun sehr gut ansah. Sorge nagte an ihm, Sorge, was mit seiner Familie und seinen Freunden geschehen könnte, wenn er sie nicht schnellstens erreichte. Aber würde das etwas ändern?

„Du hast bestimmt einige Fragen. Ich werde sie dir beantworten, wenn ich kann.“ Belenus schluckte kurz seine Nervosität herunter und begann: „Stimmt es wirklich, dass im Norden Krieg geführt wird?“ Er wollte einfach nochmals die Gewissheit haben. Nicht, dass er Marga nicht vertraute, doch es war immer gut, sich eine weitere Meinung einzuholen.

Der Schamane nickte. „So ist es, mein Freund. Im Norden tobt wirklich ein Krieg. Die Dunkelelfen aus der dunklen Stadt Morgeria sind gen Pelgar gezogen und einigen wenigen Gerüchten zufolge auch gegen die Hafenstadt Andunie. Es wäre sogar möglich, dass beide Städte schon längst gefallen sind. Was aber mit den nördlichen Wäldern geschehen ist, weiß ich leider nicht.“ Laiya hielt den Atem an. Sie war ebenso wie Belenus ziemlich geschockt über das, was sich nördlich von hier alles abspielte. Und Marga würde es nicht anders gehen. Nun war endgültig klar, dass der Norden ein absolutes Kriegsgebiet darstellte, man würde auch enormes Glück brauchen, um nicht doch einem Trupp Dunkelelfen oder anderen, eher feindlich gesonnener Orks in die Arme zu rennen. Was mit dem Wald Eldoras und dem Elfendorf Eldar geschehen war, war leider immer noch vollkommen offen, aber sie wussten alle, dass sie dort gebraucht werden könnten. Vielleicht hielten die Elfen noch stand. Im schlimmsten Fall jedoch, war das, was Belenus am meisten lieb hatte, schon unwiderruflich zerstört, denn dort gab es zwar einige talentierte Bogenschützen, sowie einige Krieger, doch mit einer hoch disziplinierten und extrem gut ausgebildeten, sowie bewaffneten Armee würden sie sich nicht messen können. Zumindest nicht in einer offenen Feldschlacht. Sie würden dann wohl aus der Deckung angreifen müssen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Donnerstag 26. Mai 2011, 19:09

Marga steckte den Kopf vorsichtig ins Zelt hinein. Es war hell und roch besser als der Rest des Lagers. Keine Waffen, dafür aber Zeug – und Regale, um das Zeug zu tragen. Sie bemerkte mehrere Gefäße darunter, deren Inhalt nach der ihr bereits bekannten Heilpaste aussah. Irgendwie wirkte es wie die Apotheke des Arztes in Jersa.
Und in der Mitte von allem thronte der Schamane Morg Wolfsong – unbewegt und mit geschlossenen Augen. „Er schlafen?“, flüsterte die angehende Eismagierin zu Belenus. Dieser erläuterte das Prinzip der Meditation: Ruhe und Entspannung. Marga runzelte die Stirn und murmelte: „Sein das jetzt ein Ja?“

Doch da schlug er die Augen auf und Marga zuckte zusammen. Derlei Augen versprachen einen wachen Geist. Hatte er gehört, was Marga gefragt hatte? Sie hoffte nicht. Auch wirkte er nicht wie alter Mann wirken sollte. Er war zwar grau und seine Muskeln waren nicht mehr so aufgepumpt wie bei einem jungen Ork, aber trotzdem wirkte er so, als könnte er seinen Untergebenen noch den einen oder anderen Kniff beibringen.
Außerdem flößte er Marga eine Menge Respekt ein, als er erklärte, dass er sie erwartet hatte. Sie begriff nicht, dass es sich hierbei nur um logisches Denken handelte – früher oder später würden die Fremden noch einmal aufkreuzen – sondern vermutete, dass es sich um eine übernatürliche Gabe handelte.

Belenus schoss gleich mit seinen Fragen los und als der Schamane antwortete, schwirrten die Städtenamen nur so um ihren Kopf. Sie hatte keine Geographiekenntnisse und verstand nicht genau wo jetzt dieses Modder-ia lag oder wer in Anduliese wohnte und was ein Pelgar war. Aber sie verstand, dass das schlimm war, weil jetzt diese dunklen Elfen jetzt die Oberhand hatten, was die Reise durch diese Gebiete äußert gefährlich machte. Und sie mussten anscheinend diese Gegend passieren, weil der Wald noch weiter im Norden lag.
Und selbst wenn sie es durchschafften, konnte es vielleicht sein, dass der Wald bereits eingenommen war – wenn man so etwas bei einem Wald überhaupt sagen konnte. Also kamen die Probleme gleich im Doppelpack.

Die Halborkin war normalerweise gleichgültig beziehungsweise leichtfertig mit Gefahren umgegangen, aber eine ganze Armee? Sie schluckte verängstigt. Aber sie mussten da hoch – Belenus hatte Gewissheit verdient, ob etwas passiert war. Marga hatte noch nie im Leben familiäre Geborgenheit spüren können und stand dem ganzen etwas skeptisch gegenüber, aber dem Waldelfen gönnte sie es.

Sie zögerte, bevor sie schließlich doch die Frage stellte: „Morg, ähm, gibt es sicherigeren Weg? Die doch nicht ganzes Land überwachen können. Jeder Zaun haben ein Schlupfloch, oder?“
Sie war sich nicht wirklich bewusst, dass sie gerade einen militärischen Anführer darum bat, die Lücken bei seinen Verbündeten preiszugeben, aber andererseits waren sie ja keine Feinde und führten nichts Böses im Schilde.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Dienstag 7. Juni 2011, 21:48

Manch ein unwissender Mensch würde Orks generell für tumb und roh bezeichnen, doch auf den Schamanen traf das nur bedingt zu. Er war in vielerlei Hinsicht 'gebildeter' als so manch seiner Mitstreiter, aber immer noch einer von ihrem Volk. Ein Volk, welches von den meisten als roh, grob und gewalttätig verschrieen war, was zwar auf sehr viele auch zutraf, doch bei einigen wenigen Individuen war es ungerechtfertigt.

Der Schamane betrachtete seine Gäste nacheinander. Eine Eiselfe, die ihrem Gefährten beistehen wollte, ein Waldelf, welcher sich Sorgen um Freunde und Familie machte und eine Halborkin, die nicht so ganz zu wissen schien, wo sie nun eigentlich hingehörte. Für sie war es schlimmer als bei ihren zwei Begleitern, da beide einem Volk angehörten, das sie herzlich aufnahm, wobei man sich in Laiyas Fall darüber streiten könnte. Ihre Familie dürfte trotz allem nicht gut auf sie zu sprechen sein.
Bei Marga selbst war das aber noch so eine Sache für sich, da sie zwei Völker in sich vereinte, sie jedoch dort bei einigen Vertretern immer auf Argwohn und Ablehnung stoßen würde. Sie war weder ganz Mensch und auch nicht ganz Ork, etwas, dass immer an ihr bemängelt werden würde. Menschen würden sie als Monster ächten und würden sie verfluchen, wenn sie ihr begegneten, Orks würden sie drangsalieren, einfach, weil sie sie für schwach und weichlich halten würden. Doch auch hier gab es Ausnahmen, zumindest zwei: Orok und der Schamane Morg. Beide achteten sie jedoch, sie beide waren so ziemlich die einzigen Orks hier, die keinerlei Vorurteile gegen sie hatten.

Kurz darauf lenkte sich das Thema auf die Frage, ob es sichere Wege dorthin gebe. Der Schamane schloss kurz die Augen und dachte nach. Orok stand immer noch unbeweglich in Margas Nähe. Solange sie hier im Lager weilte, würde er ihr nicht von der Seite weichen. Was auch gut so war, denn nach einer ziemlich unangenehmen Begegnung mit einem seiner Mit-Orks war es immer besser, sich zusätzlich abzusichern.
Dann, einige Sekunden, oder waren es Minuten?, später sah der Schamane erneut in die Runde. „Ich weiß nicht, ob es absolut sichere Wege gibt. Das hängt von der jeweiligen Situation ab. Der Urwald und das Umland bergen große Gefahren. Riesenspinnen und Tiger dürften dabei noch das geringste Problem sein. Und wenn ihr in den Norden kommt, werdet ihr sicherlich keine ruhige Minute mehr haben. Dunkle Elfen kontrollieren einen großen Teil des Nordens und greifen jeden an, der nicht zu ihnen gehört.“ Sein prüfender Blick traf Belenus. „Und soweit man hört, nehmen sie fast keine Gefangenen. Aber nur wenn die ganzen Gerüchte wahr sind.“ Das ließ den Waldelfen zu Recht schaudern. Im Grunde schauderte sogar Laiya und auch an Marga dürfte das nicht so ohne weiteres vorbeiziehen. Selbst Orok verzog kurz das Gesicht zu einer eher undefinierbaren Grimasse, jedoch legte sich das recht schnell wieder.
Keine Gefangenen bedeutete meist, dass man sofort getötet wurde. Und wenn es ein rascher und vielleicht schmerzloser Tod war, konnte man sich zu den Glücklichen zählen. Doch wenn man von Dunkelelfen sprach, drohte einem eher ein langsamer und qualvoller Foltertod. Soviel war den Sadisten unter den Elfenvölkern durchaus zuzutrauen. Vor allem, wenn man ein Waldelf wie Belenus war. Und dann bedauerte man wirklich, ihnen in die Hände gefallen zu sein.

„Und wenn wir mit einem Schiff fahren würden?“, schlug Belenus zögerlich vor. Doch sogleich schüttelte der Schamane den Kopf. „Würde nichts bringen, Freund. Die Dunkelelfen kontrollieren die See und zerstören jedes Schiff, dass nicht zu ihnen gehört.“ Wieder einmal war es erstaunlich, woher er das wieder wusste. „Die Windgeister des Meeres teilten mir diese Neuigkeiten in einer Vision mit. Und sie zeigten mir, dass jeder Weg, egal von welcher Seite ihr es auch versuchen mögt, zum Scheitern verurteilt ist.“ Belenus sprang auf. Verzweiflung machte sich in ihm breit. Er konnte diese Worte nicht einfach so hinnehmen. Schließlich waren seine Verwandten, seine Freunde in höchster Gefahr. „Dann ist meine Familie verloren, es muss doch einen Weg geben!“ Blanke Panik konnte man in seinem Gesicht lesen.

Wieder war der Schamane in seine Gedanken versunken. Er grübelte über eine Lösung zu diesem schweren Problem. Dann kam ihm eine Idee. „Hm. Ich habe nochmals über euer Problem nachgedacht und bin zu einer Lösung gekommen. Man könnte es als winziges Schlupfloch bezeichnen, welches ihr nutzen könntet, um zu eurem Ziel zu kommen.“ Belenus' Augen leuchteten erwartungsvoll und auch Laiya wartete wie gebannt. „In einigen Tagen soll ein Konvoi von Grandea aus Richtung Norden starten, ein Konvoi, der Waffen und Werkzeuge für ihre Soldaten transportiert. Diesen könnt ihr nutzen, um ungesehen durch die dunklen Linien zu kommen. Was dann passiert, liegt an euch. Ich sehe zwar den Weg, auf dem ihr geht, doch nicht sein Ende.“ Er wandte sich nun an Orok, den stämmigen Ork-Krieger. „Orok,du begleitest sie, damit sie ihr Ziel erreichen, hörst du?“ Ehrerbietend senkte der Krieger den Kopf. „Ja, Schamane.“ Mehr sagte er nicht.

„Orok wird euch begleiten. Er kennt die Dunkelelfen gut genug, sodass er euch von ihnen berichten kann, wenn ihr es denn wünscht. Ihr könnt hier gerne noch eine Weile bleiben, doch ihr dürft euch nicht zu viel Zeit lassen, da ihr den Konvoi sonst verpasst.“ Damit wäre das wohl besprochen. Auch wenn Laiya alles andere als froh sein würde, einen Ork UND einen Warg als Begleiter zu haben, denn Orok wollte sein getreues Tier Ranathor niemals hier zurücklassen. Aber er könnte den dreien wohl einiges über die Dunkelelfen erzählen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Donnerstag 23. Juni 2011, 21:01

Die beschriebenen Gefahren brachten Marga zum Nachdenken. Bei den Riesenspinnen aus dem Uhrenwald schaute sie auf ihre Schuhe hinab. Sie hatte als Kind nie Angst vor Krabbelviechern gehabt. Wieso auch? Einmal darauf treten und alles war platt. Aber wenn die Spinne zu groß war für so einen Schuh? Die Halborkin trug zwar große Schuhe, aber würde das reichen? Und würde die Sohle dann so ekelhaft klebrig werden? Das waren berechtigte Bedenken. Tiger waren da ihre geringste Sorge.
Auch die Dunkelelfen stellten ein Risiko dar. Marga hatte sie nur einmal gesehen in ihren Rüstungen und mit ihren Waffen und diesen fiesen Augen und sie bezweifelte, dass sie in einem direkten Kampf auch nur einem einzigen die Stirn bieten könnte. Die Schülerin verstand vorerst überhaupt nicht, was so schlimm war an diesem „keine Gefangene nehmen“. Gefangenschaft war doch etwas schlechtes, oder? Erst nach einer Weile kam ihr in den Sinn, dass die Typen einen nicht erst schnappen, um einen dann wieder laufen zu lassen. Das Gegenteil von „gefangen nehmen“ war dann anstelle von „nicht gefangen nehmen“ wohl eher „töten“ und das war auch nicht begehrenswert.

Als Marga dann auch noch erfuhr, dass die Seeseite versperrt war – die Halborkin hatte bis dahin noch einmal gewusst, dass es einen Seeweg gab – wurde sie etwas verärgert. Wer kommt denn überhaupt auf die Idee, alle Wege von Süd nach Nord abzuriegeln? Wer glauben die wohl, wer sie seien, dass sie ehrlichen Reisenden den Weg abschneiden? Und in der Heimat dieser Kerle mussten die Leute vermutlich hungern und sparen, um die Armee zu versorgen, die in aller Welt herumtollte, nur nicht zuhause bei ihren Äckern und ihrer Arbeit, wo sie wirklich gebraucht werden. Wer auch immer der kindische Anführer dieser Bande war, vermutlich schob er die Kompanien wie Spielfiguren übers Land.
Marga wollte ein ernstes Wörtchen mit ihm reden, aber sie erkannte selbst, wie unrealistisch und unwünschenswert das war, überhaupt in dessen Nähe zu kommen. Dann wollte sie eben ein Beispiel setzen: Wenn sie es schafften, trotzdem durchzukommen, dann war das ein Zeichen dafür, dass sich der Herr der Dunkelelfen nicht alles erlauben konnte.

Aber es gab noch Hoffnung. In Form eines Konvois – leider wusste Marga nicht, was das war: Vielleicht ein großes Lasttier, wie ein Ochse? Das passte in die Beschreibung hinein, aber die Schülerin war sich da nicht so sicher. Es fiel ihr schwer, ihre Unwissenheit zuzugeben, aber sie stellte dann doch die Frage: „Ähm, was genau sein ein Konweu? Und da keine dunklen Elfen dabei sind?“

Der Weg war vorgegeben, das Ziel aber nicht. War damit wörtlich die Straße gemeint oder etwas Übertragenes? Marga wusste es nicht; Trotzdem behielt sie die Worte im Gedächtnis, vielleicht waren sie später noch einmal nützlich.
Und dann war da noch ein letzter Punkt. Als Morg Wolfsong sich dem Krieger Orok zuwandte, hätte Marga es vielleicht schon voraus sehen können. Sie wechselten einige Worte auf Kr’zner, bevor der Schamane wieder für die restlichen Anwesenden verständlich erklärte, dass der Orkkrieger sie begleiten würde. Marga wunderte sich darüber, dass Morg einfach so auf einen guten Mann verzichtete, nur um einige Fremde, darunter sogar zwei Elfen sicher zu wissen. Die Halborkin fühlte sich nur noch mehr zum Dank verpflichtet.
Und sie blickte zu Orok. Sie wusste nicht genau, ob er eine Wahl hatte mitzugehen oder ob es ein Befehl gewesen war. Aber einer Sache war sie sich bewusst: Wenn sie auf einer längeren Reise in seiner Anwesenheit war, dann musste sie endlich herausbekommen, warum er sich manchmal so seltsam ihr gegenüber verhielt.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Samstag 2. Juli 2011, 21:47

Marga hatte allen Grund, erbost über die Frechheiten der Dunkelelfen zu sein. Sie konnte nicht verstehen, wie diese Kerle anderen einfach ihren Willen aufzwangen und um ehrlichen Reisenden den Reiseweg zu verbauen. Doch die bittere Wahrheit war ausgesprochen: das dunkle Volk hatte den Weg nach Norden gesperrt, der Eldoras war momentan beinahe unerreichbar für die kleine Gruppe. Wie gerne würde sie dem Verantwortlichen eine rein würgen, aber die Wahrscheinlichkeit, den überhaupt zu Gesicht zu bekommen, war fast gleich Null. Wenn sie dort durchkommen wollten, vor allem lebendig, dann mussten sie auf den Konvoi, den Morg genannt hatte, zurückgreifen.

Auch wenn Marga keinen blassen Dunst hatte, was das nun eigentlich war... Diese Frage stellte sie sofort den Anderen. Belenus trat wieder stellvertretend für die anderen ein: „Ein Konvoi nennt man eine große Anzahl von Wagen, die Waren oder Güter von einem Ort zum anderen transportieren. Oft sind diese schwer bewacht, um Überfälle von Banditen so gering wie möglich zu halten. Ob Dunkelelfen dabei sind, kann ich dir nicht sagen, das müssen wir vor Ort klären. Auch wenn ich nicht weiß, wie wir an den Bewachern letztendlich vorbeikommen sollen....“ Was das betraf, war er nun doch in eine gehörige Sackgasse geraten. Er hatte momentan keine brauchbare Idee, wie man die Wachen am Besten austricksen konnte, sofern es welche gab. Doch da es sich bei der Ladung um sehr viele Kriegsgeräte, sowie Waffen handelte und die auf keinen Fall gefährdet, geschweige denn in falsche Hände fallen sollten, rechnete er fest damit, dass da viele Soldaten anwesend waren.

Der Schamane nickte zustimmend, Belenus hatte den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Orok dagegen stand immer noch ohne Regung herum, so als müsste sein Kriegerhirn erst einmal die ganzen Informationen verarbeiten. Der größte Denker war er nämlich nicht. Doch er wusste, dass man sich mit den Dunkelelfen besser nicht unvorbereitet anlegte. Dass konnte nämlich schnell nach hinten losgehen. Außerdem würde man dann nicht mehr lange genug leben, um seinen törichten Fehler zu bedauern.

Die Erkenntnis, das Orok sie begleiten würde, traf die Halborkin nicht völlig unvorbereitet. Sie hatte schon etwas in die Richtung vermutet, vielleicht könnte sie dann im Verlauf der Reise klären, warum sich der Krieger in ihrer Nähe ab und an etwas merkwürdig verhielt. Der Schamane schien auch schon eine leise Ahnung zu haben, in seinen Augen blitzte es kurz wissend auf. Auch deutete er gedanklich die Tatsache richtig, da sich Orok relativ häufig in Margas Nähe aufhielt. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Dem Anschein nach, hatte sich der Ork ernsthaft in Marga verliebt, quasi war es bei ihm Liebe auf den ersten Blick gewesen. Doch wie es sich bei der jungen Frau wohl verhielt, das konnte er nicht wirklich durchschauen. Tatsache war aber, dass sich Marga in Oroks Nähe wohl fühlte. Zumindest wohler als bei einem der anderen Orks. Da hätte es leicht zu einer Ausschreitung kommen können, die sie womöglich nicht ganz unbefleckt überstanden hätte, wenn Orok nicht rechtzeitig gekommen wäre.

„Ich hätte da eine Frage, hochgeschätzter Schamane“, warf Laiya noch ein. „Wie habt Ihr es geschafft, mich aus dem Schlaf zu holen? Das ist mir momentan schleierhaft.“ Die Fragen sprudelten nur so aus ihr heraus, sodass Morg die Hände heben musste, um nicht in der 'Frage-Flut' unterzugehen. „Gemach, gemach, Frau Elfe. Ich werde deine Fragen gerne beantworten, doch das braucht Zeit. In der Zwischenzeit könnten sich ihr anderen etwas erholen, damit ihr den Wagenzug nicht verpasst.“ Doch Belenus wich keinen Millimeter von der Seite seiner Begleiterin. „Ich möchte bleiben.“ Morg zögerte kurz, nickte aber anschließend.

Und Marga und Orok? Orok reagierte zuerst. „Mich möchten mich unterhalten mit Marga. Haben ihr wichtig zu sagen. Unter doppelten Augen.“ Gemeint war, dass er ein Gespräch unter vier Augen führen wollte, ohne das irgendjemand dabei war. Was war nun zu tun? Belenus und Laiya zumindest nickten ihr freundlich zu.
Nur für Marga hörbar fügte der Ork jedoch noch an: „Sein wirklich wichtig. Auch für dich.“ Er nickte dem Anführer ehrfürchtig zu und verließ zusammen mit Marga das Zelt des Schamanen. Margas beiden Begleiter waren vorerst bei Morg gut aufgehoben. Dort würden sie sicher nicht belästigt werden.
Sie gingen recht zügig durch das Wirrwarr aus Zelten. Jetzt zu dieser Zeit waren die übrigen Orks lebendiger als vorher, es herrschte nun ein stetiger Geräuschpegel im Lager. Wenn man länger daneben stehen würde, ohne irgendwelche Gegenmaßnahmen zu ergreifen, könnte schon das Gehör am Ende in Mitleidenschaft gezogen werden.
Orok schritt sehr schnell voran, er wollte das, was er Marga mitteilen wollte, unbedingt so schnell wie möglich loswerden, bevor sie entweder gestört oder es seinen Gedanken wieder entschwunden war, bevor er es aussprechen könnte. Nach einer Weile kam sein Zelt auch schon in Sichtweite. Innen drin war es immer noch etwas dunkel, aber da würde man drüber weg sehen.

Orok wartete, bis Marga im Innern war, dann schlug er die Zeltplane wieder zu. Nur noch etwas Helligkeit fiel in das Zelt hinein. „Ich dir müssen etwas sagen, etwas wichtigs. Ich hoffen, du nicht falsch verstehen oder falsch von mir denken“, druckste er ein wenig herum. Ihm war es peinlich, denn normalerweise war er einer der mutigsten seines Clans. Es schien eine endlose Zeitspanne zu vergehen, bis ihm die passende Formulierung auf der Zunge lag. Und selbst dann ging es noch recht holprig vonstatten. „Ich... ärr...ähm...“ Irgendwie wollten die Worte nicht aus seinem Munde kommen.
„Ich dich lieben.“ Jetzt war es raus. Oroks Gesicht war nun leicht gerötet, einfach, weil ihm solche Worte nicht tagtäglich über die Lippen drang. Nun blieb abzuwarten, wie die Halborkin auf dieses eher unerwartete Geständnis reagierte.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Mittwoch 6. Juli 2011, 21:38

Jetzt, als Marga davon erfuhr, was ein Konvoi war, raubte das ihr schon das Vertrauen in die Unternehmung. Man musste es erst einmal schaffen, hineinzugelangen und am Ende wieder rauszugelangen. Und man konnte doch auch auf der Reise entdeckt werden. Vielleicht konnten sie irgendwo versteckt auch kleine Mahlzeiten zu sich nehmen, aber was war mit der Handlung, die unweigerlich irgendwann aufs Essen folgte?
Vielleicht wäre es doch in Betracht zu ziehen, sich durch die Wildnis durchzuschlagen. Selbst wenn es Wachposten und Patrouillen gab, aber eine ganze Himmelsrichtung konnte man doch nicht absperren. Der Weg des Konvois hingegen war bestimmt der Weg, der am sichersten bewacht wurde.

Die Anwesenden wollten sich als nächstes dem Thema widmen, wie Laiyas wundersamer Schlaf überwunden werden konnte. Da waren zwei Fragen, die Marga sich stellte: War die Ursache des Schlafes magischer Natur? Und war die Heilung auch magisch? Alles andere ist eigentlich nur nebensächlich – unwichtige Details.
Doch bevor sie sich das anhören konnte, hatte Orok anscheinend eine dringende Anfrage an sie zu richten, so wichtig, dass die anderen es nicht mithören durften. Irgendwie erkannte Marga unterbewusst, wie bedeutsam das für den Ork war, und so kam es, dass sie sich erhob und ihm folgte, obwohl ein Teil von ihr ihren Mund dazu brachte: „Aber das hören wollen.“, zu murmeln.
Der Krieger führte sie wieder zu seinem Zelt, offenbar konnte er es nicht in der Öffentlichkeit sagen. Marga war verwirrt. Was war denn nur los mit ihm? Es war, als hätte der Kriegermut Orok verlassen und zurück ließ er einen großen Jungen, der vor ihr Angst hatte. Erst druckste er herum und die Halborkin blickte fragend zu ihm hin, was ihn vermutlich noch nervöser machte.
Alea iacta est – Der Würfel ist gefallen. Er hatte es ausgesprochen und die Schülerin musste erst einmal begreifen, was da alles in diesen drei Wörtchen steckten. Liebe, Gefühle, Beziehungen. Ach du grüne Neune! In was war sie da rein geraten? Damals, als mehrere Eiselfen mit ihren Bögen und ihren tödlichen Pfeilen auf sie gezielt hatten, das waren noch gute Zeiten im Vergleich zu jetzt.
„Und du dir sicher?“, fragte Marga angespannt und nicht bewusst, dass das eine der schrecklichsten Entgegnungen auf ein Liebesgeständnis war. Aber was sollte sie sonst sagen? Wenn jemand seine Liebe offenbarte – das wusste sogar Marga – dann war das nicht nur eine normale Information, sondern auch gleich eine Anfrage, wie der andere dazu stand. Und das war im Moment das Problem. Sie war sich ihrer Gefühle einfach nicht bewusst.
„Du haben zuhause kein anderes Liebchen, oder?“, war ihre zweite Frage der Kategorie „Unangenehme Fragen“. Aber dieses Mal war ihr die Antwort doch wichtig. Sie hatte nämlich kein Interesse, einer anderen Frau ihren Gefährten streitig zu machen. Auch wollte sie nicht ein Ersatzweib für den Zeitraum des Krieges werden.

Der Funke der Unsicherheit und Nervosität war auf sie übergeschlagen. Sie konnte nicht genau sagen, wie sie zu Orok stand. In ihrer Magengegend gab es ein Prickeln und heute verstand Marga zum ersten Mal, was es mit diesem Sprichwort „Schmetterlinge im Bauch“ auf sich hatte. Das war zum Glück keine echten Käfer, sondern nur so bildliche. Aber war die Ursache davon wirklich Zuneigung oder fühlte sie sich nur unsicher oder bloß geschmeichelt?
„Mich müssen nachdenken.“, erklärte sie nun schließlich. Sie hatte eine Ahnung, dass es für den Krieger eine schlimme Zeit sein würde, ihren Entscheidungsprozess auszusitzen, aber sie konnte nicht anders, wenn sie ihm gegenüber und auch zu sich selbst ehrlich sein wollte. „Allein.“, fügte sie noch hinzu. „Das sein alles einfach so ungewohnt für mich.“

Mit diesen Worten erhob sie sich und verließ das Zelt. Es war für die Halborkin etwas völlig eigenartiges, aber gelegentlich brauchte auch eine Eigenbrötlerin Unterstützung bei solchen Entscheidungen. Und sie hatte da jemanden im Sinne, es waren gute Zuhörer und sie waren ihr gar nicht mal so unähnlich, denn sie redeten nicht viel und taten trotzdem in der Regel das richtige.
Sie steuerte auf die Pferde zu.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Montag 18. Juli 2011, 18:43

Liebe. Das war für beide etwas ungewohntes. Marga kannte es nicht wirklich, da sie als Mischling immer aus der Gesellschaft ausgestoßen worden war. Für die meisten ihrer Mitmenschen war sie Dreck, etwas, an das man keinen Gedanken verschwenden sollte. Sie hatte es immer ignoriert und erduldet. Jetzt diese Worte von Orok zu hören, das war viel auf einmal. Aber man konnte dem Krieger keinen Vorwurf machen. Er hatte einfach seine Gefühle kund getan, eben auf seine eigene und irgendwie charmante Seite. Das dürfte dann wohl auch seine Verhaltensweise ihr gegenüber erklären: er hatte sich regelrecht in sie verliebt.

Auf die Frage, ob er sich sicher sei, nickte er. Schon als sie für ihn nichts anderes als eine Fremde, eine Unbekannte gewesen war, hatte er innerlich eine Verbundenheit zwischen ihnen beiden gespürt. So roh und grob er auch erscheinen mochte, man konnte jedoch schnell erahnen, dass unter der harten Fassade ein weicher Kern steckte. "Ich wissen, dass kommen etwas plötzlich, aber ich mir denken, es besser sagen jetzt", meinte der Krieger vorsichtig. Lieber sagte er ein Wort zu wenig, denn ein falscher Satz an der falschen Stelle machte alles zunichte und würde wohl auch eine tiefere Kluft zwischen sie treiben. Und man war schneller getrennt, als zusammengeführt, dass war in allen Lebenslagen beweisbar.

„Du haben zuhause kein anderes Liebchen, oder?“, fragte Marga zögerlich, auch wenn sie sich des negativen Inhalts durchaus bewusst war. Orok sah man an, dass er gründlich überlegte, dann schüttelte er den Kopf. "Kein Liebchen. Alter Klan tot. Hier neuer Klan." Damit war diese bunt zusammengewürfelte Truppe gemeint. Sie waren in etwa ein Klan. Man musste nur bedenken, dass diese Truppe aus verschiedenen Orks bestand, welche aus jeweils anderen Klans kamen. Da waren Meinungsverschiedenheiten und handfeste Schlägereien keine Seltenheit. Nur der Schamane, Morg Wolfsong hielt das ganze Konstrukt zusammen. Von ihm hing vieles ab. Würde er fallen, würde bald schon Anarchie innerhalb dieser Gesellschaft ausbrechen.

„Mich müssen nachdenken. Allein.“ Es war eine Bitte, welcher sich der Ork wohl oder übel fügen würde. Er würde sie über diese Situation in Ruhe nachdenken lassen. Sie brauchte genug Zeit. Zeit, um diese ganzen Gefühle verarbeiten zu können, die sie geradezu umringt hatten. "Du bekommen die Zeit, die du brauchen." Er nickte ihr aufmunternd zu und Marga verließ das Zelt und ließ den Krieger zurück.
Die Orks im Lager beachteten sie größtenteils nicht, jedoch kamen andere nicht umhin, ihr neugierig nachzuschauen. Es blieb nur beim schauen, sie wurde weder aufgehalten, noch belästigt. Etwas, für das sie sehr erleichtert sein würde.
Schon einmal hatte sie unangenehme Erfahrung mit einem betrunkenen Krieger gemacht, der nur auf DAS EINE aus gewesen war. Das wollte man nicht gerne wiederholen.

Die Pferde waren gute Zuhörer. Außerdem konnte man ihnen gut Geheimnisse anvertrauen, da sie sie sowieso nicht ausplaudern konnten. Friedlich grasten sie auf der Wiese und sahen sie ab und zu mit ihren großen, klugen Augen an. Ab und an schnaubte eines der Tiere genüsslich, doch sonst tat sich da nicht viel. IMmer wieder wanderten die Tiere auf und ab und taten sich an dem Gras, welches hier reichlich wuchs, gütlich. Jedoch wusste man nicht ganz sicher, ob einige Schritt unter dem Gras vielleicht ein Toter lag. Es war besser, dass man da nicht daran dachte, da die Pferde ohnehin nicht wussten, dass sie auf einem Friedhof grasten. Und falls sich die Toten doch gestört fühlen würden, was aber normalerweise unmöglich war, dann war immer noch ein kundiger Schamane in der Nähe, um schlimmeres verhindern zu können und die Unruhestifter wieder unter die Erde bannen zu können.

Aber Orok schien einer der wenigen Orks zu sein, die auch einmal abwarten konnten, denn er war ihr nicht nachgeschlichen oder versuchte etwas anderes um eine Entscheidung zu beschleunigen. So hatte sie wohl genügend Zeit, um ihre Gedanken zu ordnen. Wenn sie nun an ihre beiden Begleiter denken würde, dann könnte sie sich schon Laiyas Tiraden vorstellen. Sie war sowieso nicht ganz glücklich mit der ganzen Situation.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Montag 25. Juli 2011, 21:28

Perplexität begleitete Marga auf ihrem Weg. Sie lief durchs Lager und trudelte in den sicheren Hafen bei den Pferden ein, die abseits der Zweibeiner grasten. Sie fragte sich immer noch, wie sie in diese Lage geraten war. Sie war eine anständiges Fräulein und hatte eigentlich nie viel mit Männern am Hut gehabt. Aber so kam das eben: Sie hatte sich in den letzten Tagen viel mehr mit anderen Personen auseinandersetzen müssen als je zuvor und irgendwann bahnten sich eben Romanzen an.

Wäre sie nach damals auf dem Weg nach Jorsa tapfer auf dem Weg geblieben, dann würde sie heute in der dortigen Bibliothek sitzen und versuchen, zu verstehen was in den magischen Büchern drinnen stand. Ein wohl behagtes Studium ohne Gefahr und außerdem ohne Auseinandersetzung mit Gefühlen. Aber wäre das wirklich besser? Dieses Abenteuer mit all den Risiken und Unklarheiten hatte doch seinen Reiz.
Sie merkte, dass ihre Gedanken abschweiften und konzentrierte sich wieder auf das wesentliche: Da hatte ein Ork ihr seine Gefühle gestanden und sie selbst wusste nicht, ob es ihr ebenso erging.

„Hmm, Liebe…“, murmelte die Halborkin. Ein großes Problem war, dass sie nicht so genau wusste, wie man das eingrenzte. „Ihr könnt mir sagen, was es ist? Anscheinig nein.“ Es gab so einige Ausdrücke, die sie kannte: Mit Liebe kochen, obwohl ihr eigentlich Gewürze und Kräuter lieber waren. Oder Liebe geht durch den Magen. Aber sie bezweifelte, dass es sich um eine kulinarische Angelegenheit handelte, auch wenn sie glaubte, dass es dazu gehören könnte, dass sie für Orok kochen müsste.
Dann gab es da noch das, ähem, Liebe machen. Nicht, dass Marga nicht völlig darüber bescheid wusste. Ein junges Mädchen, das auf dem Land aufwuchs, hatte zahlreiche Gelegenheiten das bei allerhand Spezies zu beobachten. Nur nicht bei Zweibeinern, was auch gut war. Bescheid wissen hieß nicht zwangsläufig, nicht beim Gedanken rot zu werden und immer noch wie ein Mädchen zu kichern.
Marga ergriff einen Zweig und kritzelte ein Herz in den Dreck. „Das sümpoliert Liebe, sagt man.“, erklärte Marga den Pferden, „Habe aber schon gesehen echte Herzen, die sind ganz anders. Rot und unförmig und glibberig. Kleingehakt sein gutes Hundefutter.“ Plötzlich lachte Marga verhalten. „Liebe gehen durch Magen, ihr verstehen? Haha.“

„Aber gehen Liebe auch durch die Marga?“, sinnierte sie. Sie war wirklich keine romantische Person, aber das war nebensächlich, glaubte sie zumindest. Es ging hierbei ja nicht darum, bei Kerzenlicht zu essen und einander – Marga erblasste beim bloßen Gedanken – Gedichte zu schicken.
Es ging hierbei um Orok. Er hatte sich bereits als rücksichtsvoll erwiesen. Und er war ein Krieger, der treu zu seinem Befehlshaber war. Würde er sich auch in einer Beziehung als treu erweisen?
Aber das war immer noch keine Antwort auf die Frage, ob sie ihn mochte. Gefühle, die über Hunger, Ärger und Schmerz hinausgingen, hatte sie bisher noch nie richtig erlebt. Wenn es doch nur einen einfachen Weg gäbe, ihr Innerstes zu ergründen. Oder vielleicht doch? Marga überlegte eine Weile und das, was sie da ausheckte, war gelinde gesagt, etwas verrückt. Deswegen erläuterte sie ihren Plan den Pferden. Sollten die einen logischen Fehler entdecken, würden sie es doch sagen, so ehrlich waren sie immerhin.
„…und dann wissen, ob es mit ihm klappen.“, beendete sie ihre Darstellung. Keine kritische Reaktion der Vierbeiner folgte und Marga war erleichtert. Sie konnte es also anpacken. Entschlossen stiefelte sie los.

Sie suchte den Orkkrieger und fand ihn auch bei seinem Zelt. „Orok!“, rief sie auffordernd, damit er sich zu ihr hin drehte. Sie näherte sich ihm mit zackigen Schritten. Es machte ihr nichts aus, seinen persönlichen Bereich zu durchstoßen und knapp vor ihm stehen zu bleiben. Sie starrte ihm in die Augen, wobei sie sich auf die Zehenspitze stellte, um den Größenunterschied wenigstens annähernd auszugleichen. Zusätzlich griff sie an seine gepanzerten Schultern, um ihn herunterzuziehen.
Mit gespitzten Lippen startete sie ihren Angriff. Sie presste ihm einen ordentlichen Knutscher auf. Dieser Kuss war nicht sonderlich zärtlich – Marga hatte keine Übung darin - steckte aber voller Leidenschaft. Seine Lippen waren spröde, aber ihre auch. Sie konnte sogar noch etwas Fleischsaft vom gestrigen Mahl schmecken. Ihr Herz pochte, als sie sich mit einem saugenden Geräusch löste.
„Boah.“, entkam es ihrem Mund „Ich glaube, mich auch verliebt.“ Definitiv – Probieren ging einfach über Studieren. Wenn der Kuss sie kalt gelassen hätte, dann hätte sie eine Beziehung vergessen können. Aber so wie ihr Blut raste und ihr gerade der Bauch prickelte, da musste es einfach Liebe sein, orkische Liebe, unkomplizierte Liebe.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Montag 1. August 2011, 21:55

Sie hatte einen Plan gefasst und von dem ließ sie sich nicht abbringen. Von wem auch? Die einzigen Zuhörer waren die Pferde, doch die kümmerten sich nicht um Marga, sondern grasten genüsslich weiter. Hier konnte man die Ruhe genießen, welche im Lager vorherrschte. Es wäre schon ungewöhnlich gewesen, wenn eines der Tiere einen Einwand diesbezüglich gehabt hätte. Ab und zu wechselten die Vierbeiner ihre Positionen, wenn sie an ihrer Stelle das Gras schon abgefressen hatten.

Nun galt ihr ganzes Denken Orok, welcher sich in sie verliebt hatte und es ihr gestanden hatte. Sie wusste nicht so genau, wie man das am Besten einordnen sollte, da sie so etwas nicht wirklich kannte. Sie erklärte den Pferden ein paar Thesen, doch die schnaubten und grasten nur. Sie würden ihr keinerlei Tipps oder Hinweise geben können und wenn, dann würde Marga sie nicht verstehen, da sie keine Pferdeflüsterin oder etwas ähnliches war.

Gedichte und gemeinsames Essen bei Kerzenschein hatte sie schon abgeschrieben, das würde zu ihr nicht passen und zu Orok erst recht nicht. Allein ihn sich bei so etwas vorzustellen war mehr als schwer. Er war Krieger, hatte wahrscheinlich schon das eine oder andere Mal Blut vergossen und Leben ausgelöscht, doch das rückte vermehrt in den Hintergrund. Sie selbst konnte ob seines Verhaltens ihr gegenüber nicht klagen. Aber ob das bei den beiden anderen ebenfalls so war?

Nun musste sie ihren Plan nur noch in die Tat umsetzen. Entschlossen ging sie zurück in das Lager, begegnete vielen Orks und erreichte dann das Zelt des Kriegers. Sie rief ihn beim Namen und er reagierte auch prompt. Als sie so zackig auf ihn zu trat wurde ihm schon etwas mulmig. Normalerweise bedeuteten so eine Ganghaltung immer schlechte Nachrichten. Er wusste ja gar nicht, wie falsch er damit lag. Denn schon hatte Marga wieder die Initiative ergriffen und ihm salopp gesagt einen Kuss auf den Mund gedrückt. Seine Augen wurden groß vor Staunen. War das real? Definitiv.
Ihr Kuss war voller Leidenschaft, auch wenn ihre Lippen etwas spröde und trocken waren. Doch seine waren es auch, also war es egal. Für den Moment. Er konzentrierte sich nun ebenfalls auf ihre Lippen. Der Geschmack des Fleisches vom Vortag war noch immer in seinem Mund vorhanden und auch ein klitzekleiner Rest des Alkohols konnte man herausschmecken.
Dann löste sie sich von ihm. „Ich glaube, mich auch verliebt.“ Das zauberte dem Ork selbst ohne irgendeine magische Begabung ein Lächeln auf sein Gesicht. Denn erst jetzt realisierte er, dass er seine Arme um sie gelegt hatte. Sie sah so klein und zerbrechlich aus, wie sie in den starken Armen des Kriegers hing. „Ich mich freuen darüber“, warf er kurz ein, doch er wusste, dass Worte nun in diesem Moment etwas fehl am Platz waren. Sie beide genossen den wunderschönen Augenblick der Zweisamkeit, nicht wirklich bewusst, dass sie sich gerade auf der Schwelle zu etwas viel größerem befanden.

Nun war es an Orok, auch einmal die Initiative zu ergreifen und drückte ihr nun seinerseits einen Kuss auf. Seine Zunge suchte sich instinktiv ihren Weg in ihre Mundhöhle und tauschte dort mit der ihren sinnliche Zuneigungen aus. Auch ihm merkte man mehr als deutlich an, dass er keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet hatte, doch auch sein Beweis der Liebe war voller Leidenschaft und einem Feuer, dass nicht wirklich zu beschreiben war. Außer, dass es wirklich anregend und stimulierend war. Insgeheim war auch er sehr nervös, denn auch ihn hatte das gleiche Kribbeln erfasst, welches Marga verspürte.
Man nannte es auch Schmetterlinge im Bauch haben, doch das war nur eine bildliche Metapher um das Ganze erklären zu können. Er wusste nicht mehr, wann seine Hand angefangen hatte, sanft ihren Rücken zu streicheln, doch es hatte den Anschein, als ob es genossen werden würde. Und was er sich auch nicht so recht erklären konnte war, dass es, seit Marga ihn geküsst hatte, in seinen Lenden mehr als zog.
Doch weiter als das Küssen ging er nicht, da er noch nicht wusste, ob sie es auch zulassen würde, sondern wartete ab. Äußerlich wirkte er zwar ruhig und gefasst auf das, was jetzt wohl kommen könnte, doch innerlich zerriss es ihn beinahe vor Anspannung.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Dienstag 9. August 2011, 21:10

Es war alles neu für Marga, aber sie hatte auch genug Selbstvertrauen. So viele Leute lebten in Beziehungen, da würde sie das auch schaffen. Und irgendwie hatte sie auch Gewissheit, dass es für Orok Neuland war, so zögerlich, wie er seine Liebe gestanden hatte. Gemeinsam konnten sie das also angehen.

Orok erwiderte ihren Kuss, was Marga nicht besonders überraschte, aber als er ihr seine Zunge rein steckte, da war sie überhaupt nicht froh. Sie hatte keine Chance, die Lippen vorher zusammenzupressen. Sie versuchte natürlich ihn zurückzudrängen, wobei sie ihre eigene Zunge benutzte, um seine aus ihrem Mund zu hebeln. Erfolg hatte sie damit keinen, sie bewirkte vermutlich eher das Gegenteil. Die ausartende Rangelei schien Orok sogar zu gefallen.
Sie gab ihm schließlich nach. Es war ja nicht ganz so unangenehm, einmal von der ganzen Spucke abgesehen. Und den möglichen Krankheiten. Und dem Umstand, dass jeden Moment ihre Meisterin auftauchen könnte und dann einen schnippischen Kommentar vom Stapel lassen würde.
Sie zuckte etwas zusammen, als er seine Hände auf ihren Rücken legte. Körperlicher Kontakt war für Marga etwas Ungewohntes – die Leute in ihrer Heimatstadt Jersa ließen sich ja nicht einmal dazu herab, ihr die Hand zu schütteln, und Berührungen waren deshalb etwas besonderes, worauf Marga schon ziemlich sensibel reagierte. Natürlich hatte sie keine Scheu, wenn sie es war, die Hand anlegte, immerhin hatte sie das ganze initiiert, aber jetzt als sie das Heft aus der Hand gegeben hatte, da war es doch ganz anders. Die Halborkin lernte zum ersten Mal Berührung und Nähe kennen – für sie war dieses Erlebnis nichts intimes, sondern einfach nur menschlicher Kontakt und im Moment hatte sie nicht die Sorte Gedanken, für die man sich schämen bräuchte. Wäre an Oroks Stelle eine Frau, eine Greis oder ein Kind, Marga würde ähnliches empfinden. Und sie, die sie ohne Mutter und mit einem Stiefvater, der wie ein Mechanismus durchs Leben trottete, aufgewachsen war, hatte einiges nachzuholen.
Das war vermutlich auch der Grund, warum sie sich schließlich von seinen Lippen löste und ihre Stirn an seine Schulter legte. Dann blickte sie mit großen Augen zu ihm hoch und brachte schließlich einen Vorschlag:
„Komm, wir mal nach Belenus und Laiya gucken.“

Dabei griff sie hinter ihren Rücken, legte ihre Hände auf seine und zog sie dann hervor, wonach sie sich frech nach hinten lehnte und sich dabei an seinen Händen festhielt. Sie ließ einmal ihren Kopf kreisen und spähte herum, falls die beiden bereits in der Gegend waren. Vermutlich waren sie noch beim Zelt des Schamanen. Wie lange hatte sie sich nochmals bei ihren Überlegungen Zeit gelassen? Eine halbe Stunde, mehr vielleicht? Marga hatte keine Ahnung, wie lange die Unterredungen mit Morg Wolfsong dauern würden, möglicherweise waren sie schon längst fertig.
Nichtsdestotrotz machte sie sich auf den Weg. Sie hatte auch keine Scheu davor, dass ihre Meisterin und Belenus davon Kenntnis nahmen, was passiert war, denn sie hielt Oroks Hand, als sie ihn mitzog. Außerdem gab es noch weitere Hinweise: Ihr Gang und ihre Körperhaltung spiegelten ebenso ihre Gefühle wider. Auch wenn sie weiterhin zielbewusst und direkt lief, so stapfte sie nicht mehr so kräftig und auch war ihr Kopf höher und ihre Arme schwangen sogar etwas, obwohl sie sonst bei der ernsten Schülerin wie an ihre Flanken festgebunden wirkten.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Dienstag 30. August 2011, 21:25

Noch immer standen sie da, aneinander geschmiegt. Die Minuten vergingen nur zähfließend, so als wollten sie um jeden Preis verhindern, dass dieser leidenschaftliche Moment niemals verging. Doch Marga beendete ihn. Sie rief sich ins Gedächtnis, was passieren würde, wenn Laiya oder Belenus plötzlich hereinkamen und sie SO entdeckten. Es wäre schlimm gewesen. Schlimmer wäre es jedoch gewesen, wenn sie bereits in intimere Gestade abgetaucht wären und sie dann entdeckt worden wären. Das würde die Eismagierin wohl nicht verkraften und auch Belenus würden die Augen aus dem Kopf quellen. Vor Erstaunen? Vor Abscheu? War schwer zu sagen, doch es blieb ersteres zu hoffen, immerhin war er toleranter als manch anderer Elf. Doch trotzdem, es würde sie beide schwer treffen und wohl noch eine ganze Weile beschäftigen.

Sie verließ das Zelt und zog den Krieger mit. Ein etwas ungewöhnliches Bild, da Orok viel massiger und vorallem Größer als sie war, sie selbst wirkte in seiner Gegenwart geradezu zierlich. Aber er ließ es schweigend über sich ergehen. Was hätte er denn sagen sollen? Anscheinend gehörte das so, also beließ er es dabei. Man könnte darüber streiten, aber ein Mensch aus ihrem Heimatdorf würde sie sofort als reinen Ork abstempeln und ihr Verwünschungen bis zum geht nicht mehr hinterher brüllen. Doch in Gegenwart eines Kriegers, der zudem noch recht geschickt mit seinen Waffen sowie den Fäusten war, dürfte es da eher weniger Probleme geben, zumindest für sie. Der mögliche Mensch aber läge mit verbogenen Gliedmaßen im Dreck.

Einige der Orks, welche ihnen auf ihrem Weg begegneten, staunten nicht schlecht, als sie die beiden so sahen. Das lag wohl daran, dass sie Händchen hielten. In den Augen vieler 'traditioneller' Orks ein Anzeichen von Schwäche. Doch keiner der Orks schien das Wort gegen die beiden erheben zu wollen. Orok genoss unter ihnen einen guten Ruf. Außerdem wusste jeder, was ihm blühen konnte, wenn man sich mit dem Krieger anlegte.

Eigentlich wollten sie den Schamanen aufsuchen, doch das schien gar nicht mehr nötig, denn Belenus und Laiya kamen ihnen schon entgegen, mit einem Gesichtsausdruck, der wenigstens etwas Hoffnung für ihr kleines Unternehmen geben würde. Der begleitende Krieger ging zum Zelt zurück, als er Orok erkannt hatte. Jetzt durfte sich er wieder um die Gäste kümmern. „Marga, Marga!“, rief ihr Belenus schon von Weitem zu, ohne auf irgendetwas zu achten, geschweige denn auf seinen Weg. Mehr als einmal stolperte er fast über seine eigenen Füße und wäre in den Dreck gestürzt.

Einige der Orks verzogen kurz verärgert die Gesichter, kümmerten sich aber nicht weiter um den lärmenden Elfen. Schließlich waren sie mit ihren Tätigkeiten auch nicht gerade leise zugange.
Endlich hatten sie die beiden erreicht. „Es gibt gute Nachrichten, zumindest hört es sich für mich gut an!“, rief er sogar aus der Nähe, obwohl sie ihn sehr wohl verstanden hätten. Das der Krieger in unmittelbarer Nähe stand, realisierte er erst einige Sekunden später. „Oh... äh.. ich war wohl zu laut, oder?“, meinte er entschuldigend und wich etwas zurück. Der Ork jagte ihm schon etwas Angst ein. Orok nickte, schnaubte kurz und sagte: „Nächstes Mal nicht brüllen so herum, oder großer Tiger dich leichter Fressen können.“ Er warf einen Seitenblick auf die Orks. Oder Krieger dich töten, wenn du nerven.“ Diese beiden Aussagen machten unmissverständlich klar, was geschehen könnte, sollte Belenus seinen Redeschwall nicht im äußersten Zaum halten. Jenseits von Grandessa, das war wildes Land und jedes Geschrei seinerseits könnte ein wildes Tier auf sie aufmerksam machen. Und gerade das wollte der Ork verhindern, nicht das er davor Angst gehabt hätte. Er wusste es jedoch, unnötigen Ärger so gut es ging zu vermeiden.

Laiya stand nur daneben, die zierlichen Arme vor der Brust verschränkt und verdrehte leicht genervt die Augen. Das ihr Gefährte auch immer über das Ziel hinaus schießen musste, unfassbar. „Was unser kleiner Schreihals gemeint hatte war, dass es einen Weg an der Küste entlang gibt. So können wir dem Urwald und seinen Gefahren ausweichen. Zwar gibt es da Klippen und das eine oder andere Viehzeugs, aber die Gefahr dürfte kleiner sein.“ Belenus hatte nun auch die Arme vor der Brust verschränkt und schmollte. Es ärgerte ihn, dass seine Gefährtin ihn vor allen anderen lächerlich gemacht hatte.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Donnerstag 3. November 2011, 06:26

Sie hatte sich vorher nicht gedacht, dass das Händchen-halten mit dem Ork so viel Aufmerksamkeit auf sie lenken würde. Die anderen Krieger flüsterten über sie, starrten mit offenen Augen hin oder grinsten sich einen beim Anblick des frischen Paares.
Instinktiv stellte sich das Bedürfnis ein, loszulassen, die Arme zu verschränken und die Ellbogen zu reiben. Oroks Hand war kräftig, schwielig und warm, sodass Margas Hand sich wie in einen dicken Lederhandschuh anfühlte und ins Schwitzen geriet. Wenigstens drückte der Krieger nicht so fest zu, wie er bei einem Kollegen die Hand schütteln würde.

Aber Marga konnte damit fertig werden. Immerhin war diese Verbindung, so seltsam sie auch war, nichts wofür man sich schämen sollte. Die Orks konnten kichern, wie sie wollten, sie hatte jahrelang den bitteren Witz in einer kleinen Menschensiedlung überstanden, in der jeder jeden und jeder insbesondere Marga kannte. Orks gingen mit dem vermeintlichen Skandal zwar kindischer um, aber umso eher war es zu ertragen.

Da rannte auf einmal der Waldelf Belenus herbei. So schnell wirbelten seine Füße, dass sie über sich selbst stolperten und er rief auch laut, was die Missgunst der verkaterten Orks auf sich zog. An dem heutigen Vormittag jedoch lächelte Marga beim Anblick des Gefährten. Sie selbst freute sich und da gönnte sie auch anderen ihre Freude. Ein merkwürdiges, neues Gefühl...

Orok reagierte weitaus ernster. Auch wenn er ruhig blieb, richtete er scharfe Worte an den Fremdling. Als Marga später darüber nachdachte, stellte sie fest, dass es die militärische Disziplin in Orok war. Die Orks waren an sich ein widerspenstiger, chaotischer Haufen, aber wenn es um Dinge ging, die darüber entschieden, ob man Raubtierfutter wurde oder nicht, so schienen sie einen grimmigen Starrsinn zu haben.

Laiya war auch schon da und rollte die Augen über ihren Freund. Marga fragte sich in Gedanken, ob sie auch irgendwann die Augen so rollen würde über Orok. Möglicherweise... Die Elfenfrau erklärte, worüber sich Belenus derartig gefreut hatte.
Ein Weg entlang der Küste. Marga hatte vom Meer gehört. Die Gewässer, die Marga kannte, Teiche und Bäche, waren vom Land eingeschlossen. Das ganze Land aber war außen herum vom Meer eingeschlossen. Das war bei weitem nicht das verrückteste an der See:
Es sollte nämlich Wasser beinhalten, das man nicht trinken konnte. Wenn das mal nicht widersprüchlich war. Wenn es Wasser war, dann konnte man es doch trinken – Schluck für Schluck. Außer natürlich es war Eis. Dann konnte man es tatsächlich nicht trinken, weil es fest war.

„Das Meer... Sein das Wasser da Eis?“, fragte sie zögerlich. „Mich immer hören, dass man es nicht trinken können, aber ich war noch nie da.“
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Montag 16. Januar 2012, 13:19

Wenn man einen Hang zum romantischen hatte, war das zwischen Marga und Orok eigentlich sehr nett. So wie sie Händchen hielten. Doch leider wollte das so gar nicht in das Gesamtbild passen, denn noch immer waren sie in einem Lager, das Hauptsächlich von Orks bewohnt wurde. Und da war so ein Gehabe eher unüblich. In solchen Lagern herrschten eher rauere Sitten, es wurde geprügelt, gesoffen... so ziemlich alles, was den gemeinen Menschen die Nase rümpfen ließ. Hier gab es jedoch nur Orks und zwei Elfen.
Orok, der immer noch an Margas Seite stand, betrachtete sie als eine seines Volkes, für ihn war es eher zweitrangig, ob sie menschliches Blut in ihren Adern hatte.

Laiya und Belenus dagegen wirkten hier etwas fehl am Platze. Vor allem Belenus, der mit seinem lauten Gerede gerade den Zorn und die Missgunst der alkoholisierten Orks auf sich zog. „Wenn der nicht bald Ruhe gibt, stopf' ich ihm meine Faust in den Rachen!“, konnte man einen sehr schlecht gelaunten Krieger von etwas weiter weg her brüllen hören. Da er etwas lallte, klang es eher lustig, als eine Drohung, doch bei einem entnervten Ork konnte und musste man mit dem Schlimmsten rechnen. Doch solange Orok dabei war, mussten sie die lauten Worte des Waldelfen wohl oder übel hinnehmen.

Da die Reiseroute am Meer vorbei führte, fragte die Halborkin sofort, was es damit auf sich hatte. Sie kannte die Gewässer, die eigentlich jeder kannte: Flüsse, Seen, ja man könnte auch Pfützen dazu zählen, aber die waren zu seicht. Belenus versuchte ihr Gewissheit zu verschaffen. „Ein Meer kann man sich wie einen großen See vorstellen, so groß, dass man die Ufer nicht sehen kann. Und nein, man kann Meerwasser nicht trinken. Dazu ist der Salzgehalt viel zu hoch. Man würde es ausspucken und wahrscheinlich Magenschmerzen bekommen. Etwas, das ich gerne vermeiden würde.“ Die Eiselfe nickte bestätigend. Sie war ja in einer Stadt aufgewachsen, die Zugang zum Meer, bzw. zum Eismeer hatte. Dort war es zwar bitterkalt, doch aufgrund des Salzes gefror es nicht, eine weitere Besonderheit.

„Wenn ich mir das so recht überlege, könnten wir beiden doch einen kleinen Spaziergang machen. Wenn ich schon länger hierbleiben muss, dann will ich wenigstens die Umgebung etwas besser kennenlernen“, sagte Laiya zu ihrem Gefährten, der entschuldigend in Oroks Richtung linste. Als von seiner Seite aus keine abwehrende Reaktion kam, schnappte sich die Eiselfe ihren perplexen Freund und hatte es anscheinend recht eilig, das Lager hinter sich zu lassen. Auffällig eilig. Der Ork sah den beiden Stirn runzelnd nach. Er wurde einfach nicht wirklich schlau aus den beiden. Und mit denen sollte er reisen? Das konnte ja wirklich heiter werden, denn die beiden kannten seinen Warg Ranathor noch gar nicht. Da würde wieder viel Kritik durch die Wälder hallen. „Kleines Frau sehr sprunghaft. Zu arg sprunghaft. Können Probleme geben, wenn sie ständig weglaufen.“

Nun waren sie wieder unter sich, wenn man die Krieger um sie herum nicht mit einbezog. Mal wieder. Was machte man nun am Besten, damit die Zeit herum ging? Wie auf Kommando zog Orok etwas aus einer ledernen Tasche hervor. Ein Buch! Der Einband schien aus dem gleichen Material wie die Tasche zu sein, er war schon etwas brüchig und abgegriffen, doch die Buchstaben waren noch gut zu entziffern.

Die Überschrift lautete: Der Drachenmalklan.

Es folgten einige Seiten, die in grobem celcianisch verfasst waren, hauptsächlich die Geschichte des Klans, dann sah man hin und wieder einige eindrucksvolle Bilder, welche wilde Orkkrieger auf geflügelten Echsen zeigte. „Das sein schon mehrere Jahrhunderte her, das so etwas geschehen“, warf Orok ein. Damit stand fest, dass das Schriftstück noch aus der Zeit der Drachen stammte. Doch wie hatte es Orok in die Finger bekommen?

Die Erklärung folgte sofort. „Das waren mein Klan. Einst wir waren der mächtigste Klan weit und breit, dank Drachen. Andere Klans respektieren und fürchten uns, doch dann Drachen verschwanden und damit die Macht des Drachenmals. Wohin sie gegangen, ich nicht wissen. Niemand wissen. Heute wir nur noch zerstreuter Haufen, nicht mehr wert Klan genannt zu werden.“ Er machte eine Pause. Diese Geschichte klang so abenteuerlich. Drachenreiten, das war was anderes, als auf einem Pferd oder einem Warg zu sitzen. Da hatte man wahrlich das Gefühl zu fliegen.

„Ich möchten, dass du es haben. Sein zwar Erbstück meiner Ahnen, aber ich denken, du können es besser brauchen. Du können darin lernen und Orks besser verstehen. Den Rest ich dir beibringen kann.“ Er lächelte und deutete schließlich in die Richtung, in die Laiya und Belenus verschwunden waren. „Wir nach deinen Freunden gucken? Nicht, dass sie bekommen Ärger von anderen Orks. Ich nicht wollen, dass ihnen was passieren.“

[Marga erhält 'Buch über den Drachenmalklan]

[So, endlich mal Zeit gehabt zu posten. Tut mir leid, dass ich dich hab warten lassen.]

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Sonntag 29. Januar 2012, 17:32

Der Umgang mit Orks erforderte einiges an Zugeständnissen, musste Marga feststellen. Dass einige von ihnen Anstoß nahmen, was die Fremden taten, war bedrückend. Aber man musste ihnen zugute halten, dass sie dabei wenigstens ehrlich und direkt waren. Sie hatte beileibe erlebt, dass die zivilisierten Menschen genauso engstirnig waren, ihre Repressalien aber unter der Oberfläche verborgen hielten.

Das Meerwasser war wirklich nicht trinkbar, also war das nicht nur blödes Geschwätz gewesen. Aus dem Munde ihrer Begleiter glaubte Marga dies sofort. Trotzdem klang das Meer nach etwas, was man einmal im Leben gesehen haben sollte. Bei den drohenden Gefahren der Reise war es sicherlich nicht verkehrt, gerade solche Dinge zu sehen.

Die beiden Elfen ließen sie allein. Marga runzelte die Stirn. Warum hatten sie es auf einmal so eilig? Orok ließ seine Bedenken über Laiya heraus und Marga erwiderte: „Gefährlich für andere – sie wissen sich wehren. Außer wenn schläft, dann aber nicht läuft weg.“ Sie dachte dabei an die Demonstration mit dem eingefrorenen Lagerfeuer. Aber andererseits konnte ein Pfeil oder ein Schwertstoß die Elfin niederstrecken, bevor sie sich wehren konnte. Und wer wusste, ob nicht die Dunkelelfen ebenfalls Magie besaßen. Plötzlich wurde Marga unruhig:

„Du, Orok, können die Dunkligen Elfen eigentlich Zauber machen?“

Die Antwort auf diese Frage würde Marga nicht unbedingt ermuntern. Aber ihr Gemüt erhellte sich, als sie merkte, dass Orok etwas hervorholte. Ein Buch. Sie hatte nicht gedacht, so etwas hier zu sehen. Marga mochte Bücher, auch wenn sie in ihrem Leben nur dieses eine gelesen hatte, das ihr die Grundzüge der Eismagie beigebracht hatte.

Das Buch war wirklich alt. Der Einband rissig und die Seiten gelb. Aber es war weder schmutzig, noch fehlten Seiten. „Der Drach-en-mal-klan.“, entzifferte sie. „Der Drachenmalklan. Hat das was mit Drachen zu tun?“ Neugierig, aber bedächtig blätterte sie darin, während Orok es hielt. Was da geschrieben stand, war Celcianisch, also würde sie es lesen und verstehen können. Außerdem waren jede Menge Bilder darin. Bücher waren viel besser, wenn sie Bilder enthielten, fand sie.
Was sie sah, erinnerte sie an Eidechsen, aber Eidechsen waren klitzeklein und diese Echsen viel größer als ein erwachsener Mann. Außerdem hatten sie Flügel und große scharfe Klauen und aus ihren Nüstern strömte Rauch.
Drachen waren ihr nicht unbekannt, denn sie hatte Geschichten über sie gehört. Ungetüme, deren einziger Zweck war, von Rittern in strahlenden Rüstungen tot gemacht zu werden. Aber diese gewaltigen Wesen waren mit Lederriemen, Stricken und Satteln versehen. Und sie erkannte auf ihren Rücken Gestalten. Und zwar Orks.
Es erstaunte Marga, zu hören, dass es sich dabei um Oroks Klan handelte. Aber sie hatte hier doch gar keine Drachen gesehen! Aber dann erfuhr sie vom tragischen Niedergang dieser einst so stolzen Gruppe, die jetzt für fremde Herren in einem fremden Land kämpfen musste.

Wie konnten nur Drachen verschwinden? Sie waren doch so groß, die konnten doch gar nicht verloren gehen. Waren sie tot oder irgendwo versteckt? Doch bevor sie diesen Gedanken nachgehen konnte, eröffnete ihr der Ork, dass er es ihr zum Geschenk machte. Damit sie mehr über die Orks erfuhr und ihre Lebensweise begreifen konnte. Sie war gerührt.
„Danke dir, ich werde es in Ehren halten werde.“

Doch jetzt war leider nicht die Zeit, darin zu lesen, denn Orok wollte nach ihren Begleitern sehen. Sie verstaute das alte Buch vorsichtig in ihrer Tasche, bevor sie mit ihm der Richtung folgten, welche die Elfen eingeschlagen hatten.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Samstag 8. September 2012, 13:37

Bevor Marga das Buch verstauen konnte, gab er ihre ein Ledertuch, in das es vermutlich vorher schon eingeschlagen gewesen war. Ein dazugehöriges Band war daran befestigt und würde so das Erbstück seiner Familie vor Witterungseinflüssen schützen. Nachdem sie es dann verstaut hatte nahm er wieder ihre Hand in seine und sie liefen den beiden Elfen hinterher.
Grunzendes Gelächter begleitete sie aus dem Lager hinaus und beobachtete Marga Orok heimlich aus dem Augenwinkel, so könnte sie kleine Zornesfunken in seinen Augen aufblitzen sehen. Sah sie ihn jedoch direkt an, so versuchte er sein schönstes Lächeln und ignorierte die dümmlichen Sprüche der anderen, doch ganz kalt schien es ihn doch nicht zu lassen.
Sicher waren auch Gefährten unter diesen groben Klötzen, mit denen Orok häufiger abends zusammen gesessen und schon so manches Abenteuer erlebt hatte. Marga verstand noch nicht alle sozialen Gepflogenheiten der Orks, aber sicher gab es auch hier so etwas wie Freundschaft, Kameradschaft oder Zuneigung, wenn gleich sie noch nicht wusste, wie diese unter Orks aussahen.
Sie hatten das Lager kaum verlassen, da spürte sie eine Bewegung an ihrer Hand. Er hielt sie nicht nur, er begann mit seinen rauen Fingerspitzen sie vorsichtig zu ertasten, zu fühlen, sie zu streicheln. Jeder Bewegung verriet seine Unsicherheit, genauso wie seine Neugierde auf ihren Körper, ihre Reaktionen, ihre Zuneigung.

Abseits der Gräber für die Verstorbenen, noch ein ganzes Stück weiter im Wald, fanden sie die beiden Elfen. Laiya saß mit dem Rücken zu ihnen auf einem umgestürzten Baumstamm und Belenus stand vor ihr. Sie hatten sich gerade leise unterhalten. Er sah auf und nickte Marga zu, als sie näher kamen. Die Eiselfe drehte sich um und sprach:
„Komm her Marga, wir haben einiges zu besprechen!“
Orok ließ ihre Hand los, so dass sie vorausgehen konnte und folgte ihr um den Baum herum. Er ließ sich etwas abseits auf seinen Hintern fallen und sah zu, wie die drei sich beratschlagten. Die Eiselfe kam gleich ohne Umschweife auf den Punkt:
„Wir müssen hier weg! Nicht, dass ich die Gesellschaft deiner geruchs- intensiven neuen Freunde nicht schätze, nichts für Ungut Orok, aber die Neuigkeiten über den Krieg im Norden haben Belenus und mich doch sehr beunruhigt. Dieser Schamane hier will uns zwar helfen, aber deswegen wird es nicht ungefährlicher werden. Die Straße die wir bereisen werden, führt durch Kriegsgebiet und wir werden früher oder später auf jeden Fall dem Feind begegnen. Nachdem ihr beide weg wart, hat uns der Schamane noch einen Vorschlag unterbreitet und seine Idee klingt war äußerst ungewöhnlich, aber könnte tatsächlich funktionieren.“
Laiya und Belenus tauschten einen kurzen vielsagenden Blick und musterten dann Marga und Orok.
„Es gäbe eine Variante, wie wir uns dem Konvoi anschließen könnten, ohne Verdacht zu erregen.“
Ein leichtes Grinsen huschte über die Züge des Waldelfen, die Eiselfe blieb jedoch kühl wie immer.
„Wir werden als eure Gefangene in einem Käfigwagen reisen. Die nötigen Befehle würde er uns ausstellen, dass dürfte uns ziemlich weit bringen, vielleicht sogar bis an die Ufer des Iridul, wenn wir es schlau anstellen.“
Laiya sah Marga mit hoch gezogenen Augenbrauen an, die vielleicht einiges von dem was sie eben gesagt hatte nicht verstanden hatte.
„Der Iridul ist ein Fluss, der die Stille Ebene von den Wäldern Eldoras trennt.“
fügte sie erklärend hinzu.
„Dies ist eine schlechte Zeit zum Reisen, aber mit dieser List könnte es gelingen hinter die Linien des Feindes zu gelangen ohne seine Aufmerksamkeit zu erregen. Andunie, eine Stadt weit oben im Nordosten des Landes wäre unser Ziel. Sie ist besetzt von Dunkelelfen und Orks und sehr gefährlich für uns beide.“
Dabei zeigte sie mit eine eleganten Handbewegung ihre schlanken langen Finger auf sich und Belenus.
„Du und Orok jedoch, ihr könntet euch, wenn ihr zusammen bleibt deutlich freier bewegen.“
Orok hatte schweigend zugehört und grunzte jetzt leise zustimmend.
„Ich auch ein paar Orkse vom Klan der schwarzen Trüffelkeiler kennen. Die in Nähe von Andunie ziehen wollen, als letztes Mal gesehen, um Trüffel suchen. Dann Marga ich zeigen können wie wir Orks leben.“
Er grinste breit, denn irgendetwas an seiner Vorstellung schien im zu gefallen.
„Vielleicht sie schon weiter nach Süden und wir früher auf sie treffen. Wenn Dunkelelfen nicht dabei sein, wir eigentlich ganz nett sein.“
Die letzte Aussage schien Laiya nicht wirklich zu beruhigen, denn sie musterte Orok kühl. Wer wusste schon was ein Ork unter „nett“-sein verstand? War es nett, dass sie die Elfen nicht gefressen hatten? Zumindest hatte das Verhalten der vergangenen Tage eine neue Seite an ihnen offenbart, die auch Laiya anerkennen musste. Bevor sie jedoch eine unterkühlte bissige Bemerkung machen konnte, antwortete Belenus für sie:
„Mag sein. Auf jeden Fall ist es für uns eine Hoffnung, doch noch irgendwie nach Norden zu kommen. Laiya und ich haben beschlossen dieses Wagnis einzugehen, jedoch gibt es einen Haken.“
Die Eiselfe hatte die Augen kurz zu schmalen Schlitzen zusammen gezogen, als der Waldelf sie unterbrochen hatte, aber fuhr dann gewohnt klar und mit heller Stimme fort:
„Wie ich gerade erklären wollte, gibt es einen Haken. Marga, ich werde dich auf dieser Reise nicht weiter unterrichten können. Als Gefangene geht das nicht und wäre auch viel zu gefährlich.“
Sie ließ das Gesagte einen Moment sacken, damit Marga darüber nachdenken konnte.
„Da wir alle nicht wissen, wie unsere Reise ausgehen wird, ob wir überhaupt ankommen werden, habe ich beschlossen dir noch eine weitere Möglichkeit nahe zu legen. Es gibt da jemanden im Eisreich, der deine Ausbildung vielleicht übernehmen würde, wenn ich ihn darum bitten würde. Ein Brief von mir an ihn sollte genügen, denke ich. Estria liegt für dich auf jeden Fall näher als Andunie, wenn gleich der Weg dort hin für einen Fremden ebenso gefährlich sein kann.“
Mit abwartenden Blick musterte die Eiselfe Marga. Sie hatte ihr die Option sich bald zu trennen mehr oder weniger nahe gelegt, genauso wie eine Möglichkeit gezeigt in der Heimat des Eises die Magie der Kälte vielleicht zu vervollkommnen. Und wo ging das besser, als in Estria? Aber was würde dann aus der jungen Liebe werden, wenn es denn schon eine war? Orok sah von einem zum anderen und hatte anscheinend noch nicht begriffen, worum es überhaupt ging.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Mittwoch 12. September 2012, 18:45

Die Gruppe fand erneut zusammen. Im Wald, abseits der Ork, hatten Belenus und Laiya gewissermaßen elfischen Kriegsrat gehalten. Marga stand vor ihrer Meisterin und hörte aufmerksam zu. Die Eismagierin präsentierte den gefassten Plan. Marga runzelte die Stirn. Erst einmal musste sie das Gehörte verstehen.

„Wir sagen, wir euch gefangen halten. Aber eigentlich tun nicht. Wir schmuggeln euch nach Norden – in Konvoi.“, wiederholte sie, nur damit keine Missverständnisse aufkamen.

Das war dann also eine Lüge. Es gab die richtige Seite und die falsche Seite, die man den anderen als Wahrheit präsentierte. Die Schülerin war keine begabte Lügnerin und die ganze Sache gefiel ihr überhaupt nicht.

„Ihr seid sicher? Das klingen gefährlich. Ihr seid in Räderkäfig und wenn nur ein Soldat verstehn tut, was wirklich sein, dann ihr in groß Gefahr.“

Das vorläufige Ziel war Anduine, da gab es die dunklen Typen und daher war es für die Elfen gefährlich. Orok erklärte, dass ein Stamm der Orks – die Trüffelkeiler - möglicherweise in der Nähe waren. Marga aber schüttelte den Kopf mit Bedauern.

„Das sein bestimmt interessig, aber wenn heißen, dass die beiden allein lassen, dann das nicht geht. Nur, wenn kein Gefahr droht.“

Und als Laiya weiter erzählte, wurde die Halborkin vor eine große Entscheidung gestellt. Auf der einen Seite stand ein neuer Lehrer und relative Sicherheit vor dem Krieg, eine Reise ins Reich des Eises. Dies alles ermöglicht von einem Brief. Die andere Möglichkeit war, weiter an der Seite der bisherigen Meisterin zu bleiben und mit ihr durchs Feuer des Krieges zu schreiten.
Sie brauchte Bedenkzeit.

Die Marga, die einst Jersa verlassen hatte, wie hätte sie sich entschieden? Sie wäre ins Eisreich gegangen, keine Frage. Persönliche Sicherheit, das Weiterverfolgen ihrer Ziele, dies waren gute Gründe. Wenn jemand unbedingt Kopf und Kragen riskieren wollte, dann war das seine Sache!
Aber irgendwie hatte sich alles geändert. Die junge Frau hatte Leute getroffen, Leute verschiedener Rassen und Geisteshaltungen. Sie hatte das Brot mit Fremden gebrochen und auf einmal waren diese Leute keine Fremden mehr. Es waren... Freunde. Und Marga wollte lieber einen Besen fressen, als sie wieder zu verlieren.

Ihre ruhige Stimme übermittelte nur wenig von dem Elan, als sie ihre Entscheidung kund tat: „Ich komme mit. Ihr braucht jede Hilfe, die ihr könnt kriegen. Laiya, mich kann selbst im Geheimen weiter üben, bis bessrige Zeiten.“
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 13. September 2012, 17:21

Margas Bedenken wurden gehört und doch ganz unterschiedlich aufgenommen. Ihre Meisterin Laiya kniff die Augen zusammen und schwieg. Der Waldelf dagegen lächelte und verstand wahrscheinlich Margas Beweggründe. Orok aber, er hatte anscheinend immer noch nicht begriffen, dass er bei einer anderen Entscheidung Marga hätte verlieren können. Für ihn wahr es vollkommen klar gewesen, dass Marga jetzt bei ihm blieb und die zusammen reisen würden. Belenus sprach:
„In Ordnung, dann werden wir also gemeinsam nach Andunie reisen. Der Weg ist lang und gefährlich, aber wenn wir zusammen halten, wird es bestimmt gelingen.“
Laiya entgegnete und ließ dabei Marga nicht aus den Augen:
„Es wird sich noch zeigen, ob es eine gute Entscheidung von Marga war.“
Der Waldelf nahm die Hand der Eiselfe und sie sahen einander kurz tief in die Augen. Es war ein ungewohnt zärtlicher Moment, den sie sonst mit niemanden teilten, doch jetzt gerade erschien es sogar angemessen und erweichte Laiyas kaltes Herz.
„Ist ja schon gut! Ich bin ja auch erfreut darüber, dass sie mitkommt. Schon manche Entscheidung die ich schon getroffen habe war nicht immer gut überlegt oder wirklich logisch.“
Dabei lächelte sie Belenus schmal an, so dass der „Hieb“ in seine Richtung verstanden wurde.
„Willst du damit sagen, deine Entscheidung bei mir zubleiben, war nicht gut überlegt, mein Schatz?“
Laiya runzelte die Stirn, als ob sie überlegen würde und der Waldelf lachte leise, nahm ihre Hand an seine Lippen, drehte sich mit der Handfläche nach oben und küsste ihr Handgelenk. Das wiederum war Laiya in Anwesenheit der beiden anderen dann wieder doch etwas unangenehm und sie zog die Hand ruckartig weg. Mürrisch musterte sie ihren Begleiter und sah dann nach diesem kleinen Geplänkel wieder zu Marga.
„ Nun gut. Ich werde dir trotzdem den Brief schreiben und versiegeln. Für den Fall, dass wir getrennt werden, hättest du so dann noch eine Möglichkeit deine mäßigen Fähigkeiten weiter schulen zu lassen. Ich gebe ihn dir morgen.“
Damit stand sie vom Baumstamm auf und verschränkte die Arme vor der Brust. Für sie war das Gespräch anscheinend beendet, denn sie ging ein paar Schritte abseits und setzte sich in Meditationsposition dort ins weiche Gras. Margas Meisterin hatte zwar lange geschlafen, aber dieser Schlaf war nicht natürlich gewesen und erst recht nicht erholsam. Noch immer wirkte Laiya entkräftet und Belenus sah man seine Sorgen darüber an.
„Marga?“
Er wartete bis sie ihn wieder ansah, führte sie dann von Orok ein Stück weg und fuhr fort.
„Ich finde, du hast mit deinen Einwänden vollkommen Recht, doch wenn wir offen durchs Land reisen und dann entdeckt werden sollten, könnten uns wohl nicht einmal die Götter retten. Der Vorschlag des Schamanen klang also ganz... annehmbar. Für einen Ork ist er wohl recht intelligent. Aber er ist ein Ork und ich .. ich vertraue ihm nicht ganz. Dass Laiya ...“
Er sah zu ihr hinüber und wirkte nachdenklich.
„..., dass sie seinem Vorschlag so schnell zu gestimmt hat... ich meine, sonst diskutiert sie länger, aber hier...? Vielleicht hat es etwas mit dem Ritual zu tun was er angewandt hat um sie aufzuwecken. Ob sie mit ihm eine Art geistige Bindung eingegangen ist die sie beeinflusst? Es ist eigentlich noch zu früh für meine Vermutungen, aber vielleicht bin ich auch zu misstrauisch. Was hältst du von dem Schamanen, Marga? Hat er dir bisher irgend einen Anlass gegeben ihm nicht zu vertrauen? Können wir ihm vertrauen? Ich möchte dich um etwas bitten, Marga.“
Damit legte er verschwörerisch seine Hand auf ihren Unterarm, der gegen seine langen schlanken Finger plötzlich richtig massig aussah.
„Beobachte ihn. Versuch vielleicht noch mehr über dieses Ritual heraus zu bekommen, bevor wir übermorgen abreisen. Ich hab so ein komisches Gefühl, bei der Sache. Wir haben noch den ganzen morgigen Tag, bevor sie uns in den „Gefängniswagen“ sperren. Auch dazu hab ich noch eine Idee gehabt. Ich möchte den Boden ein bisschen präparieren, so dass wir im Notfall ihn von innen öffnen können um zu entfliehen. Was hältst du davon und wirst du versuchen noch was raus zu bekommen? Ich weiß, dass Laiya dich nicht immer so behandelt, aber du bist schlau und wirst das schaffen.“
Dann sah er zu Orok und seine Stimme senkte sich noch ein wenig mehr.
„Was ist mit ihm? Vertraust du ihm? Wird er uns helfen?“
Belenus hatte viele Fragen gestellt und noch mehr aufgeworfen. Das Laiya sich nur so langsam erholte, war gewiss nicht von Vorteil für ihre Pläne. Belenus macht sich Sorgen um seine Frau (ooc: die waren doch verheiratet oder?) und ganz unbegründet waren seine Zweifel vielleicht nicht. Sie waren erst so kurze Zeit hier. Was wussten sie schon über diese Gruppe von Orks? Was wussten sie überhaupt über die Orks? Vielleicht fiel Marga ja in diesem Zusammenhang wieder das Buch ein, was Orok ihr geschenkt hatte und wohl möglich interessante, oder sogar hilfreiche Details enthalten konnte.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Mittwoch 19. September 2012, 10:51

Die Aussicht, trotzdem den Brief zu bekommen, gefiel Marga nicht. Sie sah zwar ein, dass das sinnvoll war, aber trotzdem: Der Brief forderte das Schicksal heraus und wenn jemand Fremdes den Brief in die Hände bekam? Sie musste dann auf dieses eingepackte Stück Papier achtgeben, dabei durfte sie es selbst nicht einmal lesen, weil der Brief nicht an sie addressiert war.

Als das Gespräch beendet war, setzte sich die Eiselfe im Schneidersitz hin. Ein Nickerchen im Sitzen, so vermutete die Halborkin. Aber Belenus machte es sich nicht gemütlich. Stattdessen nahm er Marga zu Seite und führte sie etwas abseits – sowohl von Laiya wie auch von Orok weg. Er erklärte ihr seine Bedenken. Marga verstand erst gar nicht, doch dann kam es ihr:
„Wenn mich so etwas sagen und nicht Schamane, dann Laiya sagen bestimmt 'Nein, das dumme Idee, Marga.' Du das meinst?“
Und Belenus Bedenken gingen noch weiter. Der Schamane hatte die Möglichkeit gehabt, mit ihrem Geist herum zu spielen. Konnte das die Ursache für den Gesinnungswandel gewesen sein? War Laiya verhext, wurde wie eine Puppe an Geisterfäden gesteuert? Marga schluckte schwer, einerseits fühlte sie sich unwohl bei derartigen Unterstellungen, wobei doch Morg Wolfsong ein sorgsamer Gastgeber war. Aber bei den ganzen Freundlichkeiten war eine kleine Sache in den Hintergrund gerückt: Die Orks standen auf der selben Seite wie die Dunkelelfen.

Marga dachte bei Lügen an zwei Geschichten: Die richtige und die falsche. Der Konvoi sollte glauben, die Elfen waren Gefangene, aber in Wirklichkeit waren sie frei. Aber was, wenn die Lüge war, dass die Elfen glaubten, frei zu sein, dabei eigentlich auf dem besten Weg zum Kerker waren? Eine schreckliche Vorstellung.
„Mich nichts können sagen über Morg Wolfsong. Hat uns geholfen.“, meinte Marga mit einen Schulterzucken. „Orok. Mich vertrauen ihn – er gut. Aber besser nicht reinziehen.“

Marga spähte aus den Augenwinkeln zum Ork. Im Moment sah er etwas verloren aus, weil niemand ihm erklärt hatte, worum es ging. Er wusste ja nicht einmal, dass Marga Schülerin der Eismagie war. „Mich schauen, was rauskriegen.“
Wenn der Schamane Morg Wolfsong wirklich ein gutmütiger Helfer war, dann war es ja in seinem Interesse, dass jeglicher Verdacht überprüft und als falsch befunden wird. Es war also nicht so hinterlistig, wie Marga sich dabei fühlte.

Sie ging zu ihrem orkischen Freund und nahm seine Hand. „Wir haben geredet, was sein, falls mich jemals von ihnen getrennt. Weil es gefährlich sein, mit Dunkelelfen.“ Marga lief zusammen mit Orok zu dessen Zelt. „Haben Zeit? Weil ich fragen will. Einige Dinge, die ich nicht wissen über Orks.“
Im Zelt ließ sie die Plane offen, weil sie gleich etwas Licht brauchen konnte.
„Schamanen. Wo ich herkommen, da sein keine Schamane. Was ist ein Schamane genau, was sein Unterschied zu Priester? Wie wird Ork Schamane? Wie das war bei euer Schamane?“

Sie nahm auch das Buch heraus, befreite es von seiner ledernen Schutzhülle. Marga beging ein für sie großes Sakrileg: Sie schlug das Buch hinten auf, obwohl Bücher von vorne gelesen werden mussten. Aber es war ein Buch über Geschichte und hinten war das, was näher an der Gegenwart lag. Sie wollte sehen, ob auch Morg Wolfsong darin vorkam. Das Buch war zwar alt, aber Morg war auch alt – vielleicht glich sich das damit aus.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 20. September 2012, 17:17

Belenus nickte. Es war ein zufriedenes Nicken, denn Marga hatte schnell verstanden was ihn beschäftigte. Er lächelte, als sie sich ihn verließ und sich zu Orok gesellte. Marga war nicht so dumm wie sie vielleicht ein Anderer ihrer Sprache nach beurteilen würde, nein! Sie war sogar sehr aufmerksam und man könnte sagen, dass sie ein großes Maß an Empathie besaß. Das Lügengespinst, dass sie weben sollten, war schon gefährlich genug, ohne den Verdacht einer Hinterlist des Schamanen, doch mit dieser war es fast noch schlimmer.
Marga kam ganz von selbst auf den Gedanken, dass es ja auch noch die Möglichkeit gab, dass auch der Orkschamane vielleicht andere Ziele verfolgen könnte, als er offen zu gab. Belenus Sorgen waren hoffentlich unbegründet und das galt es heraus zu finden. Marga kehrte zu Orok zurück und berichtete ihm:
„Wir haben geredet, was sein, falls mich jemals von ihnen getrennt. Weil es gefährlich sein, mit Dunkelelfen.“
Orok murmelte etwas leise von:
„Magie nicht gut!“,
aber lächelte breit die Halborkin ohne einen weiteren Kommentar mit seinen Wildscheinhauern an. Also schnappte sich Marga die Hand von Orok und zog ihn durch den Wald zurück zum Lager. Ein paar Feuer brannten und Fleisch wurde gebraten. Der Geruch hing schwer in der Luft und die Warg's am Ende des Lagers knurrten und jaulten hungrig. Sie gingen vorbei an den anderen Zelten der Söldner und näherten sich Orok's Zelt, da fiel Margas Blick für einen Moment auf einen Ork der die zwei Pferde nachdenklich betrachtete, ihre Pferde. Er kniete sich gerade in der Nähe hin und musterte sie eindringlich, vielleicht auch irgendwie hungrig, so genau konnte sie es nicht erkennen. Orok verschwand vor Marga im Zelt und kaum war sie ihm gefolgt, löcherte sie ihn mit Fragen:
„Haben Zeit? Weil ich fragen will. Einige Dinge, die ich nicht wissen über Orks.“
und schnell darauf folgte:
„Schamanen. Wo ich herkommen, da sein keine Schamane. Was ist ein Schamane genau, was sein Unterschied zu Priester? Wie wird Ork Schamane? Wie das war bei euer Schamane?“
Oroks Augen wurden von Frage zu Frage größer und er hob beschwichtigend seine eine seiner Pranken, so dass es kurz den Eindruck machte, als würde er am liebsten Marga den Mund zu halten, es aber natürlich nicht tat. Als sie ihn dann aufmerksam mit geschlossenem Mund ansah, beruhigte er sich und versuchte das Chaos in seinem Kopf zu ordnen.
„Ich haben Zeit. Wir haben heute ganzen Tag Zeit. Wir erst morgen gehen. Du viel Fragen stellen. Ich nicht wissen, was du wissen wollen? Ich dir Buch gegeben, weil du auch Mensch sein und besser verstehen können als Oks. Buch von Mensch gemalt, du gemalte Zeichen lesen können? Mein Clan stolz auf Buch, aber lange her. Du lesen und mir dann erzählen! Dann ich sagen, ob richtig.“
Damit schien der Rest ihrer Fragen erst einmal untergegangen zu sein und Orok setzte sich auf eines dieser struppigen Felle, die hier überall herum lagen. Er klopfte neben sich auf das Schlaflager, dass es nur so staubte. Nachdem sich Marga zu ihm gesetzt hatte, grinste er und murmelte mehr zu sich als zu ihr:
„Marga brauchen noch Keule...“
Dann fielen ihm plötzlich die Fragen nach dem Schamanen wieder ein.
„Schamane ich nichts erzählen können! Schamane schlauster Ork und kann in Träume gehen. Wie er macht, nicht wissen. Wie er so geworden, nicht wissen. Marga ihn fragen! Jetzt Marga küssen wollen?“
Orok wackelte lustig mit seinen massigen Augenbauen und grinste breit mit aufeinander gepressten Lippen, um sie kurz darauf zum Kussmund zu machen und sich zu Marga hinüber zu beugen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Montag 24. September 2012, 21:09

Marga verstand, dass ihre Fragen doch zu schnell und zu vor allem zu viele auf einmal waren. Es war bereits schwierig, mit den Fragen zu jonglieren, da konnte sie nicht genausoviele Antworten erwarten. Außerdem war der Vergleich mit einem Priester schlecht, weil Orok keine Priester kannte. Sie wusste ja selbst kaum etwas über diese.

Aber das Buch konnte vielleicht einige Fragen beantworten, obwohl es vermutlich doch zu alt war, um über Morg Wolfsongs Werdegang zu berichten. Weil der Schreiber ja in der Vergangenheit war und beim Schreiben nichts über den Schamanen heute wissen konnte. Das konnte sie sich abschminken.
Doch wenn es damals schon Schamanen gab, dann würde der Verfasser über diese schreiben, oder?

Was Orok über Schamanen wusste, konnte keineswegs Bände füllen. Aber auch das wenige, was er sagte, weckte ihre Neugier und auch ihre Furcht. In Träume gehen. Laiya war im magischen Schlaf gelegen und er hatte sie befreit. Sie konnte die Einzelteile noch nicht ganz zusammenfügen. Gedankenverloren lehnte sie sich zu Orok. Sie küsste ihn. Vorerst vertrieb das ihr Grübeln, aber es kam wieder. Gehen, das war etwas anderes als bloßes Sehen. Das allein war schon gruselig, aber wenn man irgendwo hingehen konnte, dann konnte man auch etwas verändern.

Sie wurde lebhafter. Die Küsse wurden heißer. Das Gefühl in ihrer Magengegend beflügelte ihre Gedanken. Sie war eine langsame Leserin. Innerhalb eines Tages konnte sie bloß wenige Seiten lesen und sie hatte nur einen Tag. Aber sie nach einigen Minuten kam ihr ein brillanter Einfall: Die Bilder!
Sie löste sich von Orok. „Mich möchten etwas lesen. Du verstehen?“ Die Halborkin griff nach dem Buch und fing an zu blättern. Sie achtete nicht auf den Text, der flog an ihr vorbei wie ein verschwommener Schwarm Vögeln, nicht zu greifen. Worauf sie achtete, waren die Zeichnungen: Keine Krieger, keine Drachen, nicht dieses widerkehrende Gekritzel (Marga verstand das Prinzip von Landkarten nicht), diese Dinge beachtete sie nicht. Sie suchte Orks mit weisen Mienen, hohen Stirnen, ohne die Waffen und Rüstungen der Krieger, ältere Männer... nur Männer?
„Orok? Geben es Frauen-Schamanen?“
Sollte sie ein Bild sehen, dass nach spirituellen Ork aussah, dann würde sie das Geschriebene auf der Seite lesen. Denn es wäre dumm, wenn Bilder und Sprache nicht zusammenpassen und wer ein so langes Buch verfasste, konnte nicht dumm sein.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Dienstag 25. September 2012, 21:50

Marga erwiderte den Kuss und wurde sogar schnell etwas lebhafter, was Orok sichtlich gefiel. Er grunzte zwei mal leise vor Freude. Seine großen Hände umschlangen sie etwas ungestüm und drückten sie in der aufkeimenden Leidenschaft an sich. Im nächsten Moment ließ er sofort wieder locker, um sie nicht zu erdrücken, doch Marga spürte, dass das Kribbeln in ihrem Magen schnell ebenfalls nach mehr verlangen würde. Doch andererseits ließen sie ihre Gedanken nicht los und so trennte sie sich wieder von Orok. Er brauchte einen Moment um sich wieder zu fangen und grinste dabei breit vor sich hin. Abermals murmelte er etwas von einer Keule, was langsam auffällig wurde. Marga sagte:
„Mich möchten etwas lesen. Du verstehen?“
Orok verstand, streckte sich betont langsam und ließ die Muskelberge spielen. Doch Marga blieb unbeeindruckt, da sie schon das Buch ergriffen hatte und darin blätterte. Sie fragte:
„Orok? Geben es Frauen-Schamanen?“
und der Ork zuckte unwissend mit den breiten Schultern. Marga konzentrierte sich nun voll und ganz auf ihre Studie und suchte nach Anhaltspunkten, die ihr etwas über den Schamanismus verraten könnten, so bemerkte sie zwar, dass Orok aufstand, vermutlich um sie nicht weiter zu stören, sie grinsend betrachtete und dann leise das Zelt verließ.
Die Seiten flogen nur so dahin und Marga stellte fest, dass es leider nicht so viele Bilder gab wie gehofft. Sie hatte von hinten begonnen und als erstes tauchten da Zeichnungen von orkischen Waffen auf. Sie waren unterteilt in männliche und weibliche Waffen. Da gab es Äxte, Wurfspeere, Kriegsschwerter, Zweilieien, Kriegshämmer auf der einen Seite und Peitschen, Orkdolche, Wurfäxte und eine sehr kleine Keule auf der anderen. Normaler Weise hätte sie gleich weiter geblättert, doch ihr Blick blieb auf dem Wort unter der kleinen Keule hängen.
„Hochzeitskeule“
stand da. HOCHZEIT? Redete Orok deshalb ständig davon, ihre eine Keule besorgen zu wollen? Sie blinzelte und blätterte erst einmal weiter rückwärts im Buch.
Es folgten Bilder über die übliche Bekleidungsweise. Hier waren auch ein paar Zeichnungen von Orkfrauen zu finden, die weite, jedoch recht kurze Röcke trugen, die nur knapp bis zum Knie gingen und einem Kilt ähnelten. Dann folgte wieder recht viel Text, den sie nur grob überflog, da es um die allgemeinen Berufe der Orks ging. Ein Bild befasste sich hier mit der Wargzucht, ein anderen zeigte einen Pfahl. Marga hätte fast einfach weiter geblättert, als ihr die Ähnlichkeit zu dem Pfahl vor der Schamanenhütte auffiel. Sofort suchte sie genauer und fand eine Überschrift, die sie tief in Gedanken versunken las:
Bevorzugte Magie-Art:
Dort las sie intensiv weiter.
An elementaren Magie-Arten hat sich bei den Orks bisweilen nur eine Begabung in der Erdmagie gezeigt. Seltener gelingt es ihnen – und dann auch nur Männern – die Feuermagie zu erlernen.
Viel affiner zeigen sich die Orks in Bezug auf die Schamanenmagie. Mit Totems und Geistern der Ahnen können sie womöglich aufgrund ihrer Ehrfurcht gegenüber jenen Erscheinungen ziemlich gut kommunizieren, so dass einige Orks es gar schaffen, trotz ihres kurzen Lebens gute Schamanen zu werden.
Allgemein kann man aber sagen, dass Orks schon von klein auf eine magische Begabung zeigen müssen. Ihre erwartete Lebensdauer ist zudem zu kurz, um eine Magie-Art auf einer höheren als der überdurchschnittlichen Stufe zu erlernen und selbst hierbei gibt es Ausnahmen.
Nur wirklich sehr wenige Orks haben es geschafft, die Magie in höherem Ausmaß zu meistern und dies auch nur in der Kunst der Schamanenmagie.

Das war auch schon alles, was sie an dieser Stelle über den Schamanismus fand und langsam machte das auch auch den Eindruck, dass es sich weniger um eine Familiengeschichte, als eher um eine wissenschaftliche Studie eines Menschen über die Orks an sich handelte. Warum Orok annahm, das dies so war, verstand sie nicht, aber er würde seine Gründe haben. Sie erinnerte sich, was er gesagt hatte:
„Ich dir Buch gegeben, weil du auch Mensch sein und besser verstehen können als Orks. Buch von Mensch gemalt, du gemalte Zeichen lesen können?“
Orok konnte dieses Buch gar nicht lesen. Wer weiß, was sie noch entdecken würde. Von ihrer eigenen Neugierde und dem Durst nach Wissen übermannt blätterte sie weiter und überflog nur noch die Überschriften.
Bevorzugte Heimat/Lebensraum:
Schwächen:
Stärken:
Bevorzugter Glaube:
Augenfarbe:
Haar-/Fellfarbe:
Hautfarbe:
Durchschnittliches Alter:
Körperbau/Statur:
Durchschnittliches Gewicht:
Durchschnittliche Körpergröße:
Hierarchie/Ränge:

Auch zwischen diesen Abschnitten fanden sich einzelne Bilder, aber sie weckten kaum ihr Interesse.
Sitten/Bräuche:
Hier stolperte Marga neben einem Bild von einem Baby-Ork über ein Bild einer Orkfrau, mit eben jener kleinen Keule in der Hand. Der Text dazu lautete:
Ein weiterer Brauch ist die orksiche Brautschau. Hierbei taucht der werbende Orkmann mit Geschenken für das Weib seiner Begierde auf. Diese Geschenke unterscheiden sich allerdings von jenen, die beispielsweise die Menschen ihren Angebeteten machen. Tierschädel, Schnitzereien oder das herausgerissene Herz eines werbenden Konkurrenten lassen jenes der Orkfrau dahinschmelzen und für den starken Krieger schlagen. Wirft sie ihm alsdann eine Keule zu, akzeptiert sie seine Werbung. Es ist dann Aufgabe des Orkes, der Frau mit jener Keule eins überzubraten und sie in sein Zelt zu schleifen, wo sich beide einem grunzenden und sehr intensiven Liebesakt hingeben. Eine eigentliche Hochzeit gibt es nicht. Nach diesem traditionellen Akt zählen die beiden Orks offiziell als Paar und kein anderer Orkmann darf Ansprüche an das Weibchen stellen.
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