Auf den Spuren des Vaters

Das nördliche Königreich steht unter den Fittichen des Königs Hendrik dem Zweiten. Strenge Sitten herrschen hier und das Volk ist zweitrangig. Hier kann man nur ein schönes Leben führen, wenn man Reichtum und adeliges Blut besitzt.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Mittwoch 15. Dezember 2010, 21:31

Natürlich wusste Marga, dass es sich um Söldner handelte und deshalb kein Frauenvolk in Begleitung war – natürlich war Marga der Meinung, dass Frauen ebenso gut mit der Waffe sein könnten, aber nur Männer wollten in lächerlichen Rüstungen und Formationen aufeinander zulaufen und einander tot hauen.
Sie hatte eigentlich gemeint, dass sie sich kein Urteil von den Orks machen konnte, ohne auch ein paar Frauen kennen zu lernen. Es gab oft Momente, in denen Marga nicht die richtigen Worte fand und lieber schwieg.
„Sind Söldner.“, erklärte Marga. Und dann gerat sie ins Grübeln. Sie schaute sich im Zelt um und sah Waffen und Felle und sie musste daran denken, dass die Orks für die Dunkelelfen kämpften und doch hinter ihren Herren über deren Ehrlosigkeit schimpften. Und das passte nicht zusammen und Marga mochte diesen Widerspruch nicht, weil sie nicht daraus schlau wurde. Und wenn sie nicht aus etwas schlau wurde, dann war die Sache dumm.

Sie nahm am unteren Ende der Schlafstätte platz, auf welcher Laiya ruhte, und wartete geduldig darauf, dass diese aufwachte. Die Zeit verging, bis die Eiselfe sich schließlich rührte und zum ersten Mal wieder sprach. Sie fragte, wo sie war, aber bevor Marga schonungslos erklären konnte, dass sie in einem Lager voller orkischer Krieger waren, da hatte Belenus schon das Wort ergriffen. Aber wenigstens auf die Frage, was passiert war, konnte die Halborkin die Initiative ergreifen:
„Im Gasthaus am Morgen ihr beiden schlafen. Belenus konnten wecken mit Honig, dich nicht.“ Wie immer war das die Kurzfassung, aber bestimmt ausreichend. Sie musste eingestehen, dass doch die Heilung durch den Schamanen bedeutsam war, aber Belenus brannte darauf, die Geschichte schön ausgeschmückt zu schildern und Marga ließ ihm beruhigt den Vortritt. Sie verzichtete auf Kommentare und nickte an den entsprechenden Stellen.

Hätte Belenus etwas schneller geredet, dann wäre der Schock der Eismagierin nicht so groß gewesen, als Orok, der Orkkrieger hereinplatzte. Marga befürchtete, dass es jetzt mit dem Ork aus war und damit ebenso mit der Abmachung mit Morg Wolfsong. Sie machte sich nicht einmal die Mühe, die Arme zu heben, um die Meisterin aufzuhalten. Sie hatte die Frau ein Lagerfeuer einfrieren sehen. Ziemlich sachlich stellte sie jedoch fest, dass Orok noch lebte. Offensichtlich war die frisch aufgewachte Magierin noch zu schwach, um zu zaubern.

Obwohl der Krieger keinen Finger gegen sie rührte, zweifelte Laiya daran, dass die Orks sich gebührend verhalten würden, aber Belenus verwies auf den Pakt. Marga nickte und erklärte: „Hier starben viele Orks vor lang Zeit. Mich helfen, sie zu begraben. Schlau Schamane hat schon gemacht, was versprochen, dich aufwecken. Mich haben noch nicht.“

Mit den letzten Worten machte Marga klar, dass sie sich endlich darum kümmern würde. Sie wusste zwar nicht, wie lange sie bei den Begräbnissen mithelfen würde – nur heute, ein paar Tage, bis kein Leichnam unbestattet war? Sie hatte versäumt, das mit dem Schamanen auszumachen, aber sie würde sich sogar mit der letzten Möglichkeit zufrieden geben. Jetzt, nachdem der Morg wieder wach war, drohte keine Gefahr, dass verwirrte oder unsichere Orks etwas Dummes anstellten. Außerdem war es ein vergleichsweise sicherer Ort.

Sie schloss sich Orok an und verließ das Zelt. Etwas nüchtern stellte sie fest, dass Laiya sich nicht bedankt hatte, weder für ihren Einsatz gegen ihre Geschwister, noch für den Handel, der sie zurück aus der Welt der Schlafenden geholt hatte. Wenigstens sie mir ist jetzt sehr viel Unterricht schuldig. Wenn sie bedachte, dass sie ja nicht einmal Lehrgeld bezahlen musste und zu fremden Orten reisen konnte, dann musste sie eingestehen, dass sie eigentlich kein schlechtes Los gezogen hatte.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 22. Dezember 2010, 17:03

Zu Oroks Glück wurde er nicht mit einem eisigen Zauber empfangen, da der Schlaf nicht wirklich erholsam für Laiya gewesen war. Doch bald würde sie ihre alte Kraft zurückerhalten und dann sollte man es sich nicht mit ihr verscherzen. Aber im Moment war sie so ungefährlich wie ein Goldfisch oder eine Schäfchenwolke, wenn man mal von ihrer extrem scharfen Zunge absah. Selbst in auswegslosen Lagen machte sie davon gebrauch. Auch wenn das nicht oft zu ihrem Vorteil war.

Kurz erläuterte sie, was es mit ihrem Teil der Abmachung auf sich hatte. Die Eiselfe schien aber nicht wirklich zuzuhören, denn man konnte erkennen, dass sie sich immer wieder umsah. Dem Anschein nach war sie von der aktuellen Umgebung wenig angetan. Doch Belenus war trotzdem sehr froh darüber, dass sie vorerst ein (Zelt)dach über dem Kopf hatten. Außerdem wollten sie die Gastfreundschaft der Orks, durch unnötige Provokation von Seiten Laiyas, nicht mit Füßen treten. Ansonsten würden sie jetzt zwei Schritt tief unter der Erde liegen.

Marga folgte nun Orok nach draußen. Innerlich glühte der Gedanke, dass Laiya ihr nun sehr viel Unterricht schuldete. Es war nämlich seit ihrer letzten Lehrstunde eine gefühlte Ewigkeit vergangen. Und schließlich hatte sie mehrmals für alle den Karren sprichwörtlich aus dem Dreck ziehen müssen.
Einige Zeit lang liefen sie nebeneinander durch das Lager, sprachen kein Wort. Ab und zu sah man den einen oder anderen Ork vorbeihetzen. Oroks Aufruf hatte eine große Wirkung auf die anderen Krieger und Späher gemacht, sodass sie sich bemühten, der Anweisung Folge zu leisten.

Erst nach einer Weile sagte der Ork-Hüne wieder etwas. „Sein etwas komisch, kleines Frau. Sie immer so?“ Ein Schulterzucken begleitete diese Sätze. Anscheinend war er sich nicht sicher, was er von der Eiselfin halten sollte. Sie kam ihm höchst seltsam vor. Doch das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit, denn Laiya wusste ebenfalls nicht, was sie von dem großen grünen Krieger halten sollte. Bestimmt würde Belenus nun die ganze folgende Zeit versuchen, ihr den Sachverhalt zu erklären. Innerlich müsste sie ihm Glück wünschen.

Ab und zu sah der Ork zu ihr herüber, betrachtete sie. Ein Mensch würde von ihrem Aussehen höchst wahrscheinlich abgeschreckt werden, was leider allzu oft passiert war, doch in den Augen des Orks war sie dafür umso attraktiver, auch wenn sie nur zur Hälfte Orkblut in sich hatte.
Sie selbst konnte jedenfalls nicht abstreiten, dass sie sich in seiner Gegenwart sehr geborgen und beschützt fühlte. Zwar konnte sie sich notfalls immer noch selbst verteidigen, was sie ja bei der Überwältigung des jungen Eiselfen souverän gezeigt hatte, doch einen kampferprobten Krieger an seiner Seite zu haben, nun das war etwas anderes.

Außerdem ließen sich so die meisten ungewünschten Auseinandersetzungen im Vorfeld unterbinden, denn niemand der nicht bei Trost wäre, würde sich mit einem Waffeschwingenden Ork anlegen. Bisher kannte sie nur seine eine Seite. Noch waren sein Kampfgeist und seine Kampfeswut nicht geweckt worden. Doch wie sah es aus, wenn er dann tatsächlich in den Kampf zog? Bestimmt nicht sehr appetitlich. Zumindest nicht für Belenus und Laiya.
Sie verließen das Lager und sahen sich nach weiteren Toten um, die man zur letzten Ruhe betten musste, um ihre Seelen zu beruhigen. In der Vorstellung der Orks existierte eine These, dass die Seelen der Verstorbenen nicht ins Jenseits einziehen konnten, wenn ihr Leib nicht ordnungsgemäß bestattet war, und als Rachegeister zurückkehrten. Zwar kam das bisher noch nicht vor, doch man sollte diese Kraft niemals unnötig herausfordern.

Nach einer Weile wurden sie fündig und begruben zusammen einen weiteren Toten. Dabei berührte Orok, wohl versehentlich, Margas Hand, als sie wieder Erde auf das Grab luden. Sie fühlte sich warm an. Warm, aber auch schwielig, wohl vom vielen Waffenschwingen. Kurz hielt er inne, sein Gehirn arbeitete fieberhaft an einer Lösung. Sein Blick wirkte irritiert. „Tschuldigung….“ murmelte er. Ihm war das ein wenig peinlich.

Wie würde sie darauf wohl reagieren?
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Samstag 25. Dezember 2010, 19:20

Sie verließen das Zelt mit der genesenden Eiselfe und ließen Belenus zurück, der ihr vermutlich die ganze Lage erklären musste. Aber der Waldelf würde das schon schaffen, immerhin kannte er Laiyas Charakter und wusste, wie er sich bei ihr zu verhalten hatte.

Orok fragte Marga, ob die Frau sich auch sonst so verhielt und Marga runzelte die Stirn und erklärte dann: „Hmm, ja. Nicht übel nehmen. Ihre Familie bestehen aus Psykop… Pschych… Bekloppten und sie sein die normaligste von denen.“

Als sie das Lager durchquerten, wurde sah die Halborkin, dass der Alltag wieder wie gehabt von statten ging. Die Blicke der orkischen Söldner zu ihr waren nicht mehr so gereizt; Stattdessen konnte man erkennen, dass sie Marga duldeten. Zwar erkannten sie an, dass Marga in der Gunst des Schamanen stand, aber andererseits hatte sie ja auch Elfen ins Lager gebracht.

Ihr Begleiter Orok gab den anderen Orks durchweg Anweisungen und Befehle. War er so etwas wie ein Höhergestellter – im militärischen Sinne - oder setzte er sich einfach mit seiner Autorität durch? Aus den Augenwinkeln sah sie mehrmals, wie Orok zu ihr rüber starrte. Das machte sie etwas nervös. Worauf war er aus? War mit ihr etwas nicht in Ordnung? Sie musste einsehen, dass sie sich in der letzten Zeit nicht gekämmt hatte und auch nicht gewaschen. Aber die Orks sahen auch nicht besonders gepflegt aus und sie verströmten einen viel stärkeren Geruch als sie.

Bald schon gab es weniger Zelte und mehr Bäume, bis sie schließlich wieder im Wald waren. Sie liefen langsam und ließen ihre Augen schweifen. In der Nähe des Lagers waren die Leichen schon alle begraben, aber sicher war sicher.
Orok erläuterte währenddessen, was mit den Seelen der Unbegrabenen passieren konnte: Sie konnte vor Bitterkeit und Wut Rachegeister werden, die wahllos die Gegend heimsuchten. Das kam Marga bekannt vor, so etwas Ähnliches war in dem Spukhaus vor einiger Zeit passiert. Und das galt es zu verhindern.
„Und wenn jemand im Gebirge sterben oder ertrinken, dann gibt keine Rettung, oder?“, fragte Marga. Sollte sie selbst einmal sterben, so überlegte sie sich, dann wollte sie kein Rachegeist werden. Sie würde sich entscheiden, ihren Tod zu akzeptieren und das Beste daraus machen.

Orok entdeckte schließlich ein halb im Morast eingesunkenes Skelett. Die Knochen waren weich und gelblich und nicht nur, dass es unangenehm aussah, es fühlte sich auch unangenehm an. In den armen Tropf hatte jemand von oben einen Jagdspieß gerammt, denn im Schlüsselbein steckte noch das morsche Holz des Schaftes und hinter den Rippen sah man die angelaufene Oberfläche einer Metallspitze mit Widerhaken.
Mit einer fast erschreckenden Ruhe fasste Marga in den Brustkorb des Skelettes brach die Spitze ab, entfernte sie und zog vorsichtig den Holzstiel heraus. Der Orkkrieger hatte bereits angefangen zu buddeln und gemeinsamen trugen sie den Toten zu Grabe. Wieder mit bloßen Händen verscharrten sie das Loch. Dabei berührte der Krieger ihre Hand und entschuldigte sich deswegen.
Marga war verwirrt: Warum entschuldigte er sich? Der Ork wurde immer seltsamer. Er hatte sie auf den Weg hierher angestarrt, er wurde verlegen und entschuldigte sich. Sie wurde einfach nicht schlau aus diesem Kerl. Das Beste war, wenn sie großzügig über seine Seltsamkeit hinweg sah und sich wieder der Arbeit widmete.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Freitag 31. Dezember 2010, 22:30

„Und wenn jemand im Gebirge sterben oder ertrinken, dann gibt keine Rettung, oder?“, fragte sie neugierig. Orok nickte. „Nein. Wenn fallen in Felsspalte oder sterben in Meer, wir sie nicht können begraben. Wir dann diese Orte meiden, weil Angst vor Geistwesen.“ Er sprach das letzte Wort fast schon flüsternd aus, denn Geister waren in der orkischen Vorstellung Wesen, die man nicht mit einer Waffe besiegen konnte. Und ohne, dass ein Magiekundiger in der Nähe war, zogen sie sich lieber zurück. Aber wenn man ehrlich war, auf dem Meer war so etwas sehr schwer, denn die rachsüchtige Seele konnte zu Lebzeiten wer-weiß-wo gestorben sein.
Oder man sah im Meer eine besondere Art der Bestattung. So taten es doch auch Seeleute, die ihre toten Kameraden in Segeltuch einwickelten und sie dann den Gezeiten übergaben.

Komischerweise entgegnete Marga auf seine Entschuldigung nichts, doch ihr Blick zeigte Verwunderung.
Orok wandte sich schnell wieder dem Grab zu und häufte nochmals etwas Erde darauf. Leider war dieser Ork, den sie da begraben hatten nicht gerade an der angenehmsten Stelle gestorben. Der Matsch roch ziemlich streng, es würde eine Weile dauern, bis man den wieder aus den Klamotten hatte. Für Orok war das wohl noch die kleinste Sorge, denn auf seiner Eisenrüstung klebte noch anderes außer Erde: Angetrocknetes Blut aus vergangenen Kämpfen. Eben das was man von einem Krieger erwartete. Für Marga allerdings wäre es nicht ganz so einfach. Sie hatte immer noch genug Menschlichkeit in sich, um sich daran zu erinnern, was Hygiene bedeutete.

Inzwischen war Orok wieder aufgestanden und sah Marga direkt an. Und zwar besonders ihre Hände. Seiner Meinung nach hatte sie sehr schöne Hände. Sie waren größer als die eines Menschen, aber auch kleiner als die eines Orks.
An manchen Stellen waren sie nun etwas gerötet, obwohl sie ja von Zuhause harte Arbeit gewohnt war. Das kam wahrscheinlich daher, weil sie mit den Händen gegraben und kein Werkzeug oder derartiges hier hatte. Außerdem war der Boden stellenweise so hart, dass man sich fast die Finger blutig grub. Angenehm war es auf jeden Fall nicht.
Und auch wenn der Ork eher Krieger als Heilkundiger war, hatte er trotzdem etwas dafür dabei. Man konnte ja immer mal verwundet werden und wenn es nur Schürfwunden oder etwas anderes kleines war.

Er nahm ihre Hände in die seinen, bevor sie überhaupt etwas entgegnen konnte, doch trotz der Kraft die er hatte, ging er sehr behutsam und überaus vorsichtig vor, schließlich wollte er sie nicht noch mehr verletzen.
„Hm…sein nur kleines Wunde. Haben etwas dagegen dabei“, meinte er und zog einen kleinen Beutel hervor. Daraus wiederum kramte er eine kleine Phiole hervor, die mit einer dunklen Paste gefüllt war. „Orkisch Medizin“, erklärte er. Offenbar trug jeder Ork dieses Trupps etwas Derartiges mit sich, um für Eventualitäten besser gewappnet zu sein. Vielleicht hatte der Schamane es seinen Leuten anvertraut, damit sie nicht so oft auf seine Heilkünste zurückgreifen mussten.

Diese seltsame Paste hatte einen, für die Schülerin, undefinierbaren Geruch, doch man sollte sich vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen. Fast schon behutsam verstrich Orok diese seltsam anmutende Zeug auf ihren Händen. Offenbar hatte er Angst davor, alles noch schlimmer zu machen, denn seine Hände glichen eher den Pranken eines Bären. Feinfühligkeit war nicht gerade eine der Stärken der Orks, denn sie bauten eher auf grobes und wuchtiges.

Die Paste fühlte sich kühl und wohltuend an. Ork-Medizin war überall dafür bekannt, dass sie schnell wirkte und Marga würde schon nach kurzer Zeit kein lästiges Jucken und Kratzen mehr verspüren. „Du dich fühlen jetzt etwas besser?“, fragte der Ork lieber nochmals nach. Schließlich war er immer noch an seinen Auftrag gebunden, den er von dem Schamanen erhalten hatte. Dieser besagte klar und deutlich, dass ihr nichts geschehen sollte und Orok war schließlich einer von der Sorte Krieger, die ein großes Pflichtbewusstsein hatten.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Sonntag 2. Januar 2011, 00:30

Neugierig lauschte Marga den Erläuterungen des Orks über Geister. Als sie das vernahm, wurde ihr ihre bisherige Begegnung mit Geistern klarer. Und wenn der Tote kein Magiebegabter war, dann war vermutlich der Geist nicht so mächtig, aber nichtsdestotrotz gefährlich.

Bei diesem Toten krempelte Marga ihre Ärmel zurück, bevor sie anfing. Einen solchen Gestank aus ihrem Kleid zu kriegen wäre eine Plackerei. Vorsicht war eben besser als Nachsicht. Ihr Gegenüber schien das nicht so ernst zu nehmen. Als er den Toten zu Grabe trug, bekam er jede Menge Stinke-Matsch auf die Rüstung. Ihn schien das nicht weiter zu kümmern. Kritisch betrachtete sie den Zustand seiner Ausrüstung. War das rötliche da getrocknetes Blut?
Sie empfand keinen Ekel, aber es war trotzdem schlampig, wenn man seine Ausrüstung nicht pflegte. Marga musste zurückdenken. Die Soldaten in Jersa polierten ihre Rüstungen und Waffen immer auf Hochglanz. Damals hatte Marga immer mitgekichert, wenn andere Mädchen erklärten, dass diese langen, glänzenden Schwerter für manche Soldaten als Kompensation für etwas dienten. Natürlich, manche Soldaten hatten wirklich kurze Arme und wie sonst sollten sie den Abstand zum Feind überwinden?

Sie hielt inne mit ihren Gedanken, als Orok sie anstarrte. Der Orkkrieger hatte in der letzten Zeit sehr oft einen speziellen Blick auf Marga geworfen, den sie immer noch nicht deuten konnte. Das hing alles mit seiner Seltsamkeit zusammen. Sein Blick senkte sich und Marga musste auch noch unten blicken. Vielleicht konnte sie endlich sehen, was seinen Blick die ganze Zeit auf sie zog. Sie konnte nichts entdecken, abgesehen davon, dass ihre Hände verdammt dreckig waren. Und nicht nur das, an der einen Stelle hatte sie sich an einem scharfen Stein gekratzt und einigen Stellen waren die Hände von der Arbeit wund. Aber die Schmerzen waren für Marga unerheblich. Der Schnitt war nicht tief genug, um einen Wundstarrkrampf zu verursachen. Heute Nacht würde es ein wenig jucken, morgen früh würde es verheilt sein.

Die Halborkin war robuster als reine Menschenfrauen und das galt auch für ihre Hände. Zuhause hatte sie immer viel gearbeitet. Sie hatte bei der Ernte geholfen, sie hatte Holz gehackt. Sie hatte Hemden und Kleider über ein Waschbrett in beißender Seifenlauge gerieben. Es gab Orks, die zu jeder Narbe an ihrem Körper eine individuelle Kriegsgeschichte erzählen konnte. Marga konnte das auch im geringen Maße: Die feine Narbe auf ihrem Daumen beispielsweise war ein Souvenir vom rebellierenden Gurkenstamm, dessen Mitglieder sich dem Abendbrotritual verweigern wollte – Marga war mit dem Messer abgerutscht und hatte sich geschnitten.
Ihre Hände waren zwar gröber als die von Menschen oder Elfen und hatten eine dicke Schicht Hornhaut, aber sie standen doch nicht der Herausforderung stand, in der Erde zu buddeln wie ein Hund, der einen Knochen vergrub (was sie in gewisser Weise ja auch taten, nur im größeren Maßstab).

„Macht nix… Ich halt das aus.“, murmelte die Schülerin, als sie erkannte, dass der Ork etwas vorhatte. Er zog einen Beutel hervor und zeigte ihr eine Paste. Also eine Art Medizin. „Na gut.“, meinte Marga widerstrebend. Sie wollte eigentlich keine Umstände machen.
Orok strich vorsichtig die Salbe auf die Schnittwunde der Halborkin. Auch ein paar Kleckse von diesem Mittel kamen auf die wunden Stellen auf beiden Händen. Marga roch daran. Es roch ein wenig nach Kräutern, aber so genau konnte sie es nicht beurteilen. Auf jeden Fall kühlte die Salbe und das kam ihr ganz recht.
Sie überlegte sich, ob sie jetzt überhaupt noch beim Graben helfen konnte, immerhin hatten sie keine Schaufel dabei und es wäre Verschwendung guter Medizin, weiterzumachen und dann noch einmal Salbe aufzutragen, außerdem würde das auch noch den Zustand ihrer Hände verschlechtern.
Das einzige, was sie jetzt noch tun konnte, war die Augen nach weiteren Verstorben offen zu halten. Außerdem wollte sie ja noch die orkischen Begräbnisworte lernen. „Hmm, mich hoffen, dass für nächstes Gefecht noch genug übrig hast.“, sagte Marga. Und das brachte ihre Gedanken wieder auf andere Bahnen. Das nächste Gefecht… Gegen wen würde Morg Wolfsong und seine Gruppe Söldner kämpfen? Sie kampierten hier in Grandessa, die Dunkelelfen patrouillierten die Straßen entlang, ohne in Konflikt mit den örtlichen Machthabern zu geraten…
„Orok,“, fragte Marga mit einer Vorahnung, was sie als Antwort erhalten könnte, „Orks kämpfen für Dunkelelfen, aber mein Begleiter war verwundert, was Dunkelelfen hier machen. Du wissen?“
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Samstag 8. Januar 2011, 13:00

Als sie ihn fragte, ob er noch genug von der Paste hatte, nickte er. Morg hatte seine Truppe mit mehreren dieser Phiolen ausgestattet, sodass sie mehrere Gefechte bestreiten konnten, ohne dass sie an den Folgen der erlittenen Wunden krepierten. Diese Söldnertruppe war wirklich sehr gut organisiert, dass musste und konnte man zweifelsfrei bestätigen. Aber gegen wen sie als nächstes zogen, dass wusste wahrscheinlich nur der Schamane selbst.

Vorerst würde sie jedoch nicht mehr beim Graben helfen können, da sie es lieber nicht riskieren wollte, dass die Paste ansonsten umsonst vergeudet worden war. „Hm. Morgen es sein verheilt“, meinte der Ork mit tiefer Stimme.

Für Marga war es sehr komisch, dass hier im Königreich Grandessa Dunkelelfen die Straßen überwachten und wollte den Grund von Orok wissen. „Orks kämpfen für Dunkelelfen, aber mein Begleiter war verwundert, was Dunkelelfen hier machen. Du wissen?“, fragte sie sehr vorsichtig, obwohl sie die Antwort bereits erahnen konnte. Der fahrende Händler hatte ihr ja auch schon einen Wink gegeben.
Der Ork strich sich nachdenklich über sein Kinn und sah sie an. „Nun, das sein nicht so schnell erzählt. Dafür ich muss weiter ausholen“, erklärte er.

Er setzte sich auf einen Baumstamm ganz in der Nähe und gab der Schülerin mit einer Geste zu verstehen, dass sie sich ebenfalls setzen sollte. Er wollte nicht, dass sie stehen musste. Dann begann er auch schon das zu erzählen, was er wusste: „Ich mitbekommen haben, das Dunkelelfen Bündnis mit Menschenkönig geschlossen. Du vorsichtig sein müssen, wenn du treffen welche. Sein böse und verschlagen, du ihnen nicht können trauen. Sie sozusagen sich darum kümmern, Aufrechterhaltung von Gesetzen und jeden töten, der dagegen verstoßen oder schlecht über sie reden.“ Er machte eine Pause, um die Ernsthaftigkeit seiner Worte zu unterstreichen. Dann fuhr er fort. „Man hören Leute sagen, dass Dunkelelfen König dazu überreden haben, in den Krieg auf ihrer Seite einzugreifen. Krieg, der finden statt im Norden. Wir nur hier um zu sichern dieses Wald, aber auch hier um gefallenen Brüdern und Schwestern letzte Ehre zu erweisen.“
Damit endete die Erzählung und Marga besaß nun neue Erkenntnisse, die sie dann auch ihren beiden Begleitern mitteilen konnte. Hoffentlich wäre Laiya

Jetzt war alles geklärt: Der König von Grandessa unterstützte wirklich die Dunkelelfen in ihrem Krieg im Norden, indem er sie vor allem mit Nahrung und Bewaffnung versorgte und ihnen auch teilweise seine Streitkräfte unterstellte, was die Dunkelelfen auch ganz sicher für ihre Zwecke nutzten. Und höchst wahrscheinlich würde er auch nicht davor zurückschrecken, mit ihrer Hilfe das Königreich Jorsan anzugreifen, da die alte Rivalität dieser beiden Königreiche immer noch nicht beendet war. Selbst wenn Marga wenig Sympathie für die Menschen dort aufbringen konnte, so war es doch ihre Heimat, bis sie beschlossen hatte auf Wanderung zu gehen. Im Grunde brauchte sie das, was den Leuten dort widerfuhr, nicht zu kümmern. Aber auf jeden Fall war es gut zu wissen, dass Morg und seine Orks nicht zu eventuellen Angriffen hinzugezogen wurden. Denn ansonsten könnte sie Orok nicht mehr in die Augen sehen, was sehr schade war, denn sie verstand sich mit ihm sehr gut.
Zwar war er oftmals sehr direkt und artikulierte anders, oft sehr rau, doch das schien sie im Moment nicht wirklich zu stören.
Was aber trotz allem immer noch sehr seltsam war, war, dass er sich für eine nur flüchtige Berührung entschuldigt hatte. Offenbar steckte unter dieser rauen Schale doch mehr, als sie im Moment ahnte.

„Hm. Wirse sollten zurückgehen. Werden schnell dunkel hier und dann laufen schwer sein. Außerdem dunkle Elfen dann vermehrt auftauchen können. Nicht wirklich können leiden Licht. Und in Dunkelheit sie noch gefährlicher.“ Damit war einfach nur gemeint, dass Dunkelelfen in Dunkelheit noch schwerere Gegner waren. Auch Orok würde in so einer Situation keine Chance haben, auch wenn er es nicht unbedingt zugeben wollte. Krieger wie er waren eine stolze Art und duldeten so eine Schmach nicht. Besser wäre es wirklich, zurückzugehen, denn so könnten auch die kleineren Kratzer und Wunden besser verheilen und sie könnte sich mit ihren beiden Begleitern austauschen. Und sie könnte den Dank von Laiya entgegennehmen, dass sie sie gerettet hatte. Oder aber sie könnte ihr einige Sondertrainingsstunden in Sachen Eismagie abschwatzen.

Also begaben sie sich wieder einmal auf den Rückweg.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Samstag 8. Januar 2011, 15:24

Es war gut zu erfahren, dass Orok in der nächsten Schlacht nicht ohne Medizin da stehen würde. In ihren Augen war er in Ordnung, genauso wie der Schamane. Die Salbe zeigte schon jetzt eine kühlende Wirkung und über Nacht würden alle Wehwehchen verschwinden.

Orok schien die Situation nicht in kurzer Zeit aufklären zu können, also setzten sie sich auf einem Baumstumpf. Neugierig hörte sie die Worte des Orkkriegers: Es gab ein Bündnis zwischen den Grandessanern und den dunklen Elfen. Die Truppen wurden zusammengeworfen – wenn Marga das richtig verstand – die Elfen halfen bei der Vollstreckung der Gesetzte, die Menschen gaben der Kriegsmaschinerie das nötige Futter. Und das schlimmste kam noch: Im Norden gab es Krieg. Und Norden, das war unglücklicherweise genau die Himmelsrichtung, in welche Belenus, Laiya und Marga wollten.
Krieg bedeutete versperrte Straßen, Patrouillen, Kriegsrecht, knappe Lebensmittel – alles Dinge, welche die Reise erschwerten. Und was war, wenn Belenus Familie im Krisengebiet wohnte? Marga machte sich Sorgen, aber sie blieb ruhig sitzen.

Es gab außerdem noch eine andere Sache: Als ehemalige Bürgerin des Königreichs Jorsan wusste sie über den Grenzkonflikt bescheid. Und jetzt hatte Grandessa einen starken, gemeinen Bündnispartner, aber Jorsa war auf sich allein gestellt. Aber was sollte Marga schon tun? Zurück reisen und ihre „Leute“ warnen?
Nein, danke, sie konnte die Menschen nicht ausstehen (einmal abgesehen von Nell und Alex, sie hoffte, dass die beiden dann wieder außer Landes kamen) und außerdem waren die Jorsaner sowieso immer für den Krieg gewappnet, Warnung hin oder her.

Es war bereits früher Abend und Orok warnte sie, das mit der Dunkelheit die Dunkelelfen auf der Lauer lagen. „Aber ihr Orks doch für sie kämpfen. Dann sie euch doch nichts tun werden, oder?“, fragte Marga. Doch sie merkte, dass sie sich eigentlich selbst die Frage beantwortet hatte: Die Bösewichte würden den Orks nichts tun. Wohl aber einer Zivilistin aus Jorsa, einer elfischen Eismagierin, die gerade zu schwach war, sich ihrer eigenen Haut zu erwehren und ein Waldelf, dessen Lichtmagie vermutlich nicht gegen stählerne Klingen ankam. Sie waren ein ulkiges Trio.

Auf dem Rückweg machte sich Marga Gedanken. Sie würde mit ihren Begleitern über den Krieg reden, der im Norden stattfand und sich anhören, was sie dazu sagten und auch würde sie Laiya bitten, ihr wieder etwas Eismagie beizubringen. Sie hing mit dem Training schon seit einer Weile hinterher und außerdem wollte sie nicht unvorbereitete in irgendwelche Kriegsgebiete gehen.
Natürlich war Laiya zu erschöpft dafür, etwas vorzumachen, aber vielleicht könnte sie den einen oder anderen hilfreichen Tipp herausrücken oder wenigstens ihre Übung überwachen. Da Margas Hände zu geschunden waren, würde sie sowieso erst einmal üben müssen, Magie auf Entfernung ausführen zu können.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Sonntag 16. Januar 2011, 13:44

„Aber ihr Orks doch für sie kämpfen. Dann sie euch doch nichts tun werden, oder?“ Diese Frage ließ den Ork aufhorchen. „Normal sie uns nichts tun, aber wie ich sagen, sie tückisch. Sie selbst ihre eigenen Landsleute verraten, wenn Möglichkeit. Orks sein in ihrem Krieg nichts anderes als Frontfutter! Doch Orks trotzdem kämpfen, da fürchten Magie von Dunkelelfen…sein lange und wirklich tragische Geschichte.“ Er machte eine ausschweifende Bewegung und seufzte tief.

Selbst wenn Marga bisher auch nur ansatzweise gedacht hatte, das Orks bei den Dunkelelfen einen guten Stand hatten oder sogar deren Respekt genossen, dann wurde sie nun endlich von Orok wachgerüttelt: die Dunkelelfen beuteten die Orks gnadenlos aus, und was noch schlimmer war: sie fügten sich dem einfach. Anstatt sich gegen diese Art der Unterdrückung zu wehren, zogen es die meisten der Grünhäute vor, den Dunkelelfen als Schlachtmaterial zu dienen. Als Gegenleistung heuchelten ihnen die Dunkelelfen Kriegsbeute und dergleichen zu, doch nicht selten endete für die Orks alles im Tod.
Doch Morg, der Schamane, war schlau genug gewesen, sich mit seinem Trupp in diese Wälder versetzen zu lassen, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen, sehr zum Missfallen einiger der kampfeswütigeren Krieger. Auch Orok war ab und zu etwas langweilig, denn andauernd Tote zu verbuddeln zog ganz schön an den Nerven. Und man wurde ständig mit der Vergangenheit konfrontiert und stellte sich vor, wie diese Toten gestorben waren. All das näherte den Hass des Kriegervolkes auf die Menschen des Königreiches namens Grandessa.

Sie hatten das Lager schon erreicht, doch anstatt direkt zum Zelt zu gehen, blieb Orok stehen.
Er drehte sich zu der Schülerin um. „Du wissen was ein Warg sein?“, fragte er langsam. Tatsächlich würde Marga mit diesem Wort rein gar nichts anfangen können, schließlich war es ja das erste Mal, dass sie ihre Blutsverwandtschaft einmal getroffen hatte. „Ich dir können zeigen, wenn du möchten“, sprach er weiter und deutete in westliche Richtung.

Im Lager selbst herrschte nicht mehr viel Geschäftigkeit. Hier und da brannten schon kleinere Lagerfeuer, wahrscheinlich für die Wächter, obwohl man noch gut sehen konnte. Vielleicht bereiteten sie auch nur schon mehrere Feuerstellen zu, um Nahrung, vielleicht Fleisch, zu braten. Dafür musste das Feuer ja schon heruntergebrannt sein.
Um den Rest des Lagers einigermaßen zu erhellen, wurden noch zahlreiche Fackeln entzündet, doch dummerweise standen die so unregelmäßig, dass es überall trotzdem noch dunklere Schatten geben würde. Orks neigten nun mal nicht zum gleichmäßigen verteilen von Ressourcen.

Orok ging voraus, sie folgte ihm in Richtung Westen. Als sie das Lager ein Stückchen hinter sich gelassen hatten, kamen sie auf eine Art Lichtung. Dort war ein bizarrer Holzzaun errichtet worden und was hinter diesem Zaun steckte, würde der Schülern die Sprache verschlagen: mehrere große, zottige Wesen lagen dort verteilt herum oder balgten miteinander. Das waren also Warge. Sie waren noch größer und kräftiger als Wölfe, aber genau so tödlich, wenn nicht sogar noch mehr. Einige der Riesenwölfe hoben die breiten Köpfe und starrten sie neugierig aus kleinen roten Augen an und schnüffelten in ihre Richtung. Sie nahmen einen ihnen unbekannten Geruch wahr.

Man musste sich anstrengen, um nicht in Panik zu verfallen, denn diese Wesen konnten die Angst seines Gegenübers riechen. Wie gut, dass das Gatter geschlossen war und sich so kein Warg auf sie stürzen konnte. Außerdem war ja Orok noch da. Er trat an den Zaun. „Ranathor! Hier!“, rief der Ork. Einer der Warge, ein Prachtexemplar mit schwarz-braunem Fell, rührte sich, streckte sich einmal und trottete dann gemächlich zu der Stelle des Hozzaunes hinüber, an welchem Orok und Marga standen. „Das sein mein Warg. Du dürfen ihn mal streicheln. Der nichts tun, außer ich sagen“, erklärte er der Halborkin. Da konnte sie ja wirklich froh sein, dass Orok die Aufgabe hatte, sie zu beschützen.
Wie auf Stichwort hob Ranathor den Kopf, so als wollte er hinter den Ohren gekrault werden.

Ob sich Marga das trauen würde?
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Sonntag 16. Januar 2011, 20:29

So war das also: Die Dunkelelfen behandelten die Orks herablassend und schickten sie in den Tod aufs Schlachtfeld. Dass sich die Orks in der Dunkelheit vor ihren eigenen Vorgesetzten fürchten mussten, das war ein himmelschreiender Missstand. Das Problem war, dass die Dunkelelfen Magie besaßen und wie Marga bereits mitbekommen hatte, fürchteten die Orks sich vor dem Übernatürlichen.
Da musste doch jemand etwas dagegen tun. Aber was? Und noch wichtiger: Wer? Marga musste sich eingestehen, dass dieses Unrecht doch nicht bekämpft werden konnte. Sie hatte heute Mittag, als sie die Hose vom Händler gekauft hatte, diese Männer mit dunklen Gesichtern, schweren Rüstungen und Waffen gesehen. Wenn die dazu noch zaubern konnten, dann waren es beinahe unbesiegbare Widersacher.

Sie blieb schweigsam, als sie sich auf den Rückweg machten. Marga verkniff sich, die Fäuste zu ballen, obwohl sie das Bedürfnis danach hatte. Sie fühlte, wie ihre Fingerspitzen kalt wurden. Sie dachte nach, was man gegen die Dunkelelfen tun konnte. Aber wenn es etwas zu erledigen gab, dann dachte Marga nur selten an andere. Als Leiterin des Haushalts, seit jung war, hatte sie sich eine Mentalität angeeignet, Dinge selbst in Angriff zu nehmen. Aber mit ihren jetzigen Möglichkeiten – Leute mit einem Messer zu bedrohen, die Fäuste schwingen und die bescheidenen magischen Fähigkeiten, würde sie nie und nimmer gegen einen Dunkelelfen ankommen, geschweige denn gegen eine Gruppe von ihnen.
Aber sie dachte an Laiya: Sie hatte einst gesehen, wie die Frau ein Lagerfeuer eingefroren hatte und wenn sie diese Fähigkeiten auch besaß, dann könnte sie einen Dunkelelfen einfach am Boden festfrieren. Der Gedanke war eigentlich gar nicht so schlecht. Sie würde eine mächtige Eismagierin werden und im Gegensatz zu den anderen Magiern, war sie viel robuster und kräftiger, also war sie für alle Bedrohungen gewappnet. Sie musste sowieso einen Zweck für ihre Studien finden. Eismagie war nämlich abgesehen vom Kampf nicht besonders vielseitig (einmal abgesehen davon, dass für kalte Getränke in der warmen Jahreszeit und Eisbeutel, wenn man sich verletzt hatte, gesorgt war).
Aber sie fühlte sich, als würde sie das Fell des Bären verkaufen, der noch gar nicht erlegt war. Erst einmal würde sie sich auf lange, harte Übungen einstellen müssen. Aber unbestritten war, dass sie jetzt einen weiteren Anreiz hatte.

Es war bereits dunkel, als sie das Lager erreichten, auf dem Fackeln wie Glühwürmchen verteilt waren. Orok fragte sie, ob sie wusste, was ein Warg war. Marga grübelte und setzte dann zu einer Antwort an: „Ein kaputt Schiff?“ Doch hier war kein Meer und dann bemerkte sie auch ihren Fehler: „Ne, das sein Wrack. Hmm, gucken mir an.“

Orok führte sie zu dem Gehege. Der Zaun war grob zusammengezimmert aus Ästen und dünnen Baumstämmen, die mit Nägeln oder Lederriemen verbunden waren. Als Marga in der Dunkelheit die bulligen Tiergestalten sah, fragte sie sich, ob diese Viecher nicht einfach den Zaun durchbrechen könnten…
Der Orkkrieger rief sein eigenes Tier zu sich. Aus der Nähe betrachtet sah es aus wie ein Wolf, nur viel größer. Das Fell war struppig und die Zähne ähnelten irgendwie denen seines Besitzers. Den Streicheln? Was konnte da schon passieren – außer einer drastischen Verringerung ihrer Fingerzahl? Marga beschloss, kein Risiko einzugehen. Warge schienen so ähnlich wie Wölfe zu sein und Wölfe so ähnlich wie Hunde. Sie griff zu ihrer Tasche und holte den Schinken heraus. Sie zerriss eine Scheibe und bot die Hälfte Ranathor an. Dann hielt sie die Hand erst einmal zum Schnuppern hin, bevor sie den Warg den Kopf kraulte.

„Und die sein so wie Wachhunde? Oder nehmen ihr die mit in Kampf?“, fragte die Halborkin.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Samstag 22. Januar 2011, 16:03

Der Warg namens Ranathor schnupperte in die Richtung des Fleisches, welches Marga ihm hin hob. Offenbar wollte sie erst einmal die Reaktion des Wesens herausfinden und ob es sie überhaupt leiden konnte. Das Orok sie gleich mochte, auf welche Art auch immer, wusste sie ja schon, aber nicht, ob der zu groß geratene Wolf sie ebenfalls von jetzt auf gleich akzeptierte.
Zwischendurch machte sich die Schülerin ein paar Gedanken darüber, was sie, wenn sie in der Eismagie vorangekommen war, so alles machen konnte. Doch vorher musste sie noch einige Extrastunden bei Laiya nehmen, bis es endlich so weit wäre. Im Kampf gegen Dunkelelfen, der früher oder später unvermeidbar wäre, wäre das wirklich sehr von Vorteil.

Der Warg hatte sich hingesetzt und starrte mit nun freudiger Erwartung auf das Fleischstück, welches Marga ausgepackt hatte. Orok lächelte, wenn man es denn ein Lächeln nennen konnte. Schließlich schnappte der Riesenwolf sich den Schinken und schlang ihn herunter. Auch schnüffelte er interessiert an der Hand, die Marga ihm nun entgegen gestreckt hatte. Sie wirkte unsicher. „Keine Angst zeigen, dann nichts passieren“, riet der Ork, der hinter ihr stand. Das war leichter so daher gesagt, als getan, denn Ranathor war wirklich ein riesiger Brocken von einem Warg. Doch sollte er versuchen, sie zu beißen, wäre Orok ja schnell genug in Reichweite, um zu verhindern, dass Marga doch noch angeknabbert wurde. Und dann wäre sie es, die Heilung benötigte.

„Und die sein so wie Wachhunde? Oder nehmen ihr die mit in Kampf?“, fragte die Schülerin zögernd. Orok nickte ihr zu. „Richtig, sie sein Wachhunde und sogar Reittiere. Sie kämpfen können, aber nicht oft eingesetzt werden, weil Orks nicht wollen, dass sterben.“ Diese Erklärung ließ nur all zu deutlich verlauten, dass die meisten Orks zu ihren Tieren ein freundschaftliches und familiäres Verhältnis hatten. Für sie war das nicht nur ein normales Tier, welches bei ihnen lebte und ihren Schutz genoss, sondern war ein Freund, ja es wurde bei manchen sogar als ein vollwertiges Klanmitglied betrachtet, dem ebensoviel Respekt zu zollen war, wie einem anderen Mitglied, egal ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte..
Und natürlich wollten sie eben jenes Mitglied nicht verlieren, sodass diese Bindung zerbrach. Auch Orok hatte eine solche Beziehung zu Ranathor aufgebaut, auch wenn der Weg bis dahin hart und steinig gewesen war.
„Am Anfang sie sein schwer zu zähmen und einen verletzen können.“ Mit einer Geste deutete er auf seinen linken Arm, der eine tiefe Bissnarbe zeigte. Das konnte deutlich darauf hindeuten, dass der Warg während seiner Ausbildung den Arm des Orks mit einem Knochen oder einem Kauersatz verwechselt hatte und dieser nun mit der zurückbleibenden Narbe leben musste. Doch Orok sah das alles nicht mehr so ernst. Schließlich konnte er nun zu dieser Narbe eine gute Geschichte erzählen, die vor allem die jüngere Generation seines Volkes immer noch fesselte und beeindruckte. Auch wenn er selber noch keine Nachkommen hatte. Doch wie würde der Warg mit Marga verfahren, welche er ja nun überhaupt nicht kannte.

Der Warg schnupperte wieder aufgeregt in Margas Richtung. Seine Schnauze berührte ihre Handfläche, was sie kurz zusammenzucken lassen würde. Sie fühlte sich kühl und vor allem feucht an, was ihr einen leichten Schauer den Rücken hinunter laufen ließ. Doch anstatt ihre Hand abgetrennt in seinem Schlund verschwinden zu lassen, leckte er ihr, überraschender Weise, schließlich über die Handinnenfläche. Es kitzelte schon ein wenig, als die etwas raue Zunge über die Haut leckte. Dann legte das Tier den Kopf schief. Dieses Gebaren hieß: Kraul mich.
„Er mögen dich.“ Erstaunen war in der Stimme des Orks zu hören. „Bisher er nicht wirklich mögen Fremdelinge. Du sein wirklich etwas Besonderes“, merkte er zum Schluss noch an. Und wie recht er hatte, wurde selbst ihm nicht ganz klar.
Hatte er sich wirklich in die junge Frau verliebt? Wenn man den Gesichtsausdruck richtig deuten konnte, dann könnte man sagen, ja, dem wäre wirklich so. Auch wenn sie beide recht verschieden waren, hatten sie auch einiges gemeinsam: ihre Artikulation, die grüne Hautfarbe, die bei Orok jedoch deutlicher zur Geltung kam, als bei ihr. "Wenn du wollen, du dürfen sogar auf ihm reiten. Aber nur, wenn du wollen." Der Warg kläffte und sah abwechselnd zwischen Marga und seinem Herrchen hin und her.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Sonntag 23. Januar 2011, 20:28

Mit ihrer Vermutung hatte sie richtig gelegen. Nur, dass die Orks auch auf den Wargs ritten, das war… erstaunlich? Seltsam? Na gut, so ein Warg war wirklich groß – fast so wie ein Bulle - aber ein massiger Orkkrieger in dicker Eisenrüstung mit schwerer Axt und vielleicht noch einer Ersatzwaffe wog bestimmt seine drei Zentner.

Marga wurde die Gnade zuteil, auch in der Zukunft mit ihren Fingern bis zehn zählen zu können. Ranathor schien eher Geschmack am Schinken zu finden und Marga atmete erleichtert auf. Orok erzählte von Ranathors Zähmung und sein Arm zeigte, dass das Verhältnis der beiden am Anfang alles andere als rosig war. Die Stelle war so vernarbt, dass man sehen konnte, dass ein ganzes Stück Fleisch herausgerissen war.
Marga zwang sich selbst zu Ruhe. Das Raubtier war gezähmt und Orok klang so, als wären die beiden schon durch dick und dünn gegangen. Andererseits liebten gemeine Kampfhunde oft nur ihren Besitzer abgöttisch und waren darauf trainiert, alles Fremde in der Luft zu zerreisen. Aber das war nicht passiert – noch nicht. Aber die Halborkin ließ sich davon nicht entmutigen. Ranathor stupste sie mit seiner Schnauze an und dann…

Marga war darauf gefasst gewesen, wenn er jetzt zubiss, aber dazu kam es nicht. Es war schlimmer. Er LECKTE ihre Hand. Kalter, feuchter, glibberiger Sabber… „Ugh…“, kam es von der Schülerin.
Der Warg neigte seinen Kopf zur Seite und Marga ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und streichelte ihn, wobei sie dessen Sabber an seinem Fell abschmierte. Während sie ihn kraulte, hörte sie Orok sagen, dass der Warg normalerweise keine Fremden mochte. Marga hatte das Gefühl, dass der Ork das absichtlich erst jetzt sagte. Anfangs hätte Marga sich nicht an dieses Ungetüm herangetraut, wenn sie das gewusst hätte.
Dass sie etwas Besonderes sei, kommentierte Marga mit den Worten: „Mich sein halbe Ork. Mich also bisschen so riechen wie Ork.“ Na gut, aber das an sich war etwas Besonderes - Sie war ein Mischling. Und außerdem lernte sie Eismagie, reiste in Gesellschaft von Elfen, hatte sich Banditen, Elfen und Geistern entgegen gestellt.

„Ihn reiten?“, fragte Marga. Sie schaute skeptisch. Sie hatte das Wagnis auf sich genommen, ihn zu streicheln, aber besaß sie den Mumm, sich auf dessen Rücken zu schwingen und ihn zu reiten? Im Gehege, wo sich noch mehr Wargs aufhielten, die vielleicht Marga nicht so freundlich annahmen, wenn sie stürzte? „Besser nicht.“, entgegnete die Halborkin.
Sie ging einige Schritte zurück. Sie wollte sich schon auf den Weg ins Lager machen. Marga musste sich vorstellen, wie sie abgeworfen wurde und die anderen Warge sich auf sie stürzten. Aber da hielt sie inne. Das alles wirkte falsch – das klang nicht nach ihr. Hätte sie sich immer nur für Sicherheit und Bequemlichkeit entschieden, dann wäre sie jetzt nicht hier, dann hätte sie sich niemals Laiya angeschlossen, dann hätte sie nicht einmal Jersa verlassen, sondern hätte sich als Magd und Erntehelferin durchgeschlagen. Und jetzt, als sie die Chance hatte, dieses edle Tier zu reiten, etwas, was in ihrer Heimat niemand tun würde, da sollte sie den Schwanz einziehen?

Marga legte ihre Tasche zu Boden und drehte sich um. Ein trotziges Lächeln zierte ihr Gesicht. „Was soll’s? Ich mach’s.“, verkündete sie stolz und trat mit neuem Selbstbewusstsein, das Oroks Reittier bestimmt riechen konnte, wieder zum Gehege. „Ranathor, machen dich auf neuen Reiter gefasst.“, sprach die Schülerin, während sie ihr Kleid hochkrempelte – darunter trug sie ja eine Hose. Den stabilen Zaun benutzte sie als Leiter, um auf den Rücken des Tiers zu klettern, denn der Warg trug weder Sattel, noch Steigbügel.
„Zeigen mal, was du drauf hast.“, flüsterte Marga zu Ranathor, was entweder sehr mutig oder schlichtweg dumm war.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Samstag 29. Januar 2011, 00:18

Zuerst war Orok ein wenig verunsichert, als sie voreilig ablehnte, auf dem riesigen Warg zu reiten. Dann jedoch hellte sich sein Gesichtsausdruck jedoch rasch auf, denn sie wollte es trotzdem versuchen. Orok half ihr beim aufsteigen. Wieder ging er mit einer Sanftheit heran, die man ihm nicht unbedingt zutrauen würde. Dann saß sie endlich auf dem breiten Rücken.

Es fühlte sich wirklich sehr seltsam an. Obwohl sie ja inzwischen mit einem Pferd recht gut klar kam, war das nun eine komplett andere Erfahrung für sie. Aber immerhin war Ranathor nicht so hoch wie ein Pferd, sodass der Abstand zwischen Rückenhöhe und Boden um einiges geringer war. Jedoch musste dabei bedacht werden, falls sie trotz allem von dem Rücken des Warges fallen sollte, dass die anderen Tiere womöglich auf sie aufmerksam werden könnten und sie dann relativ wenig Chancen hatte, lebend aus diesem Gehege wieder herauszukommen.

Sie flüsterte dem Warg etwas zu, dann ging es auch schon los. Ranathor hatte ihre Worte verstanden und rannte wie wild in dem Gehege herum, das zu Margas Erstaunen größer war, als es von Außen her den Anschein gehabt hatte. Große Tiere brauchten nun eben großen Platz. Orok besah sich die Routen, die sein Warg einschlug. Im Notfall würde er eingreifen. Doch dazu musste er hinter ihnen her rennen, was aufgrund seiner schweren Ausrüstung nicht einfach sein würde.

Marga indessen hatte bestimmt alle Mühe und Not, sich auf dem massigen Rücken des Tieres fest zu halten. Dass ein Warg so ein enormes Tempo vorlegen konnte und sogar über längeren Zeitraum halten konnte, würde sie doch sehr überraschen. Wenn man dann auch noch bedachte, dass ein Wargreiter, noch dazu in voller Kampfmontur, in einer ähnlichen Geschwindigkeit heranpreschen konnte, dürfte ihr das den Atem rauben. Doch vorerst sollte sie sich mehr darauf konzentrieren, nicht herunter zu fallen, denn anstatt brav immer in eine Richtung zu rennen, nahm der Warg oftmals eine scharfe Kurve, sodass sie fast von seinem Rücken fiel.

Zumindest Ranathor hatte seinen Spaß, indem er herumhetzte und Marga mehr als einmal ordentlich durchschüttelte. Innerlich würde sie es nun doch bereuen, überhaupt auf den Warg gestiegen zu sein. Aber es war ja das erste Mal, dass sie auf so einem Tier geritten war. Orok musste es am Anfang ebenso ergangen sein.
Immer weiter ging es und Ranathor zeigte keinerlei Erschöpfung. Ein hoher Pfiff ertönte. Der Warg blieb fast sofort stehen und sah in die Richtung aus dem das Geräusch gekommen war. Orok eilte heran und sah den Warg mahnend an. Dieser kauerte sich nun unterwürfig hin und blickte ihn mit großen Augen an. Offenbar erwartete er eine Strafe seines Herrchens. Doch Orok stand nur da, schenkte ihm dann noch einen tadelnden Blick und wandte sich dann, ohne ein Wort zu dem Tier zu sagen, sofort Marga zu, die vielleicht vor Schrecken ihre Beine nicht mehr fühlen könnte.

„Gehen dir gut?“, wollte er wissen und half ihr sogleich herunter. Nicht das der Warg sich noch die eine oder andere Dummheit einfallen ließ. Fürs erste würde sie wohl nicht mehr auf Ranathor reiten wollen. Wenn sie das Tier betrachten würde, könnte sie einen wachen Geist hinter noch wacheren Augen erkennen. Denn obwohl Warge recht klobig wirkten, waren sie doch mit einer außerordentlichen Intelligenz gesegnet, zumindest die meisten.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Samstag 29. Januar 2011, 13:42

Als Marga dann auf dem Warg saß, war ihr schon ein wenig mulmig. Das Tier war nicht gesattelt und hatte weder Steigbügel, noch Zügel. Das einzige, woran sie sich festhalten konnte war das struppige Rückenfell des Wargs. Kaum hatte sie ihre Finger darin vergraben, ging es schon los.

Anfangs war das Tempo noch gemächlich und Marga war sogar etwas enttäuscht, bis sie feststellte, dass der Warg sich nur aufwärmte. Zügig wurde er schneller. Sie drehte sich zu Orok zu, der aufmerksam aufpasste für den Fall, dass etwas passierte. Auch die anderen Wargs, von denen sie in der Dunkelheit nur das Spiegeln des Mondlichts in ihren Augen sah, beobachteten die Reiterin.
Aber bald hatte der Warg eine Geschwindigkeit erreicht, bei welcher Marga keine Gelegenheit hatte sich umzuschauen. Besorgt schaute sie nur noch nach vorne. Sie merkte, dass ein Warg sich in einem Punkt grundsätzlich von einem Pferd unterschied: Das Pferd benutzten ihre Beine derartig, dass der Körper sich immer auf einer geraden Linie mit gleicher Geschwindigkeit bewegten. Wenn aber ein Warg mal Geschwindigkeit hatte, dann sprang er gleichzeitig mit den Hinterbeinen wie eine Katze, die sich auf eine Maus stürzte. Das erzeugte, dass der Reiter durchgeschüttelt wurde und dass man nur schlecht Halt bekam.

So richtig gefährlich wurde es aber erst, als der Warg zum ersten Mal unvorhersehbar die Richtung wechselte, Marga drückte es so nach außen in der Kurve, dass sie das Gefühl hatte, dass ihr Gesicht nur knapp über dem Boden war. Jetzt setzte das Adrenalin ein und Margas Augen weiteten sich. Sie zog sich wieder hoch und klammerte sich noch fester, während Ranathor einen Zickzackkurs rannte, ohne an Geschwindigkeit zu verlieren. Ihr kam es sogar vor, als würde er immer schneller.
Ihre Oberschenkel wurden vom sattellosen Reitern weich geprügelt und sie spürte, wie ihr Hinterteil immer wieder in der Luft zu schweben schien, bevor es wieder hart auf den Rücken des Wargs auftraf. Aber die Aufregung und der Schwindel verhinderten, dass sie vorerst Schmerzen spürte. Und langsam bekam Marga ein leichtes Gefühl für das Reiten. Sie bekam eine Ahnung dafür, wann der Warg in die Kurve ging und schwenkte den Oberkörper dann in diese Richtung, um nicht herunterkatapultiert zu werden.

Das Erlebnis war gleichzeitig erschreckend, aber auch aufregend und spannend. Und plötzlich ertönte ein Pfiff. Die Art und Weise, wie der Warg stoppte, schleuderte Marga ruckartig nach vorne. Nur knapp entging sie, über den Kopf des Reittiers hinweg weiterzufliegen. Sie schaute beängstig nach unten und sah in die Augen des gezähmten Raubtieres. Sie rutschte zurück nach hinten und Ranathor trottete zum Gehegerand.

Die Halborkin wurde nach ihren Zustand gefragt. „Mir sein…“ Sie grübelte, irgendwie kam ihr das richtige Wort nicht so schnell auf die Zunge, vielleicht ein Nachwirkung davon, dass ihr Hirn vom wilden Ritt so oft gegen die Innenseite ihres Schädels gepresst wurde. Schrecklich? Nein… Übel? Ja, aber das nicht meinen!
„Großartig, ja das sein es.“
Wieder auf festem Boden, merkte sie erst, wie schwindelig ihr war. Aber nicht auf eine unangenehme Weise. Kinder drehten sich ja auch manchmal aus Spaß lange im Kreis und hielten dann an, um dieses Gefühl zu erleben. Und wie ein kleines Mädchen musste Marga ebenso grinsen. Als sie dann einen Schritt tun wollte und dann das labile Gleichgewicht verlor und sich an Orok festklammert, wandelte sich das Grinsen in einen Kicheranfall mit gelegentlichem leisem Grunzen.

Als der Orkkrieger seinen Ranathor ermahnen wollte, fiel ihr Blick auf den Warg. Seine intelligenten Augen zeigten Bedauern und Marga stellte fest, dass es eigentlich ihre Schuld war, dass er so herumgetollt hatte. Sie nahm ihn in Schutz: „Orok, ich ihm gesagt, er soll zeigen, was er kann. Und er hat nur deshalb gemacht.“

Endlich konnte sie sich von ihm lösen und wieder selbst laufen. Ihre Beine schmerzten und sie war immer noch unsicher auf den Füßen. Sie lief breitbeinig und vorsichtig zu ihrer Tasche und hob sie auf. „Wir sollten besser zu Lager zurück.“
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Montag 31. Januar 2011, 22:17

Nachdem er gefragt hatte, war er von ihrer Antwort mehr als überrascht. „Mir sein…“ Dann folgte eine kurze Pause des Schweigens, so als suche sie die Richtigen Worte dafür. Nach einer weile aber: „Großartig, ja das sein es.“ Man konnte die Überraschung des Orks direkt an seinem verdutzten Gesichtsausdruck erkennen.
Die meisten Personen, die zum ersten Mal auf einem Warg gesessen hatten, würden sagen, ihnen wäre speiübel, nicht jedoch Marga. Dem Anschein nach hatte es ihr wirklich Spaß gemacht und nahm Ranathor sogleich auch in Schutz: „Orok, ich ihm gesagt, er soll zeigen, was er kann. Und er hat nur deshalb gemacht.“ Der Ork runzelte erst einmal nachdenklich die grünfarbene Stirn und nickte dann anschließend. Er sah ein, dass der Warg es nicht absichtlich getan hatte und dass es eigentlich keinen Sinn hatte ihn deswegen zu strafen. Schließlich war ja nichts passiert. Zum Glück.

Margas Gesichtsausdruck zu urteilen, hatte sie sich wirklich amüsiert, ihr Grinsen sprach Bände. Als sie jedoch einen Schritt tun wollte, geriet sie ins straucheln und stützte sich an Oroks Schulter ab. Fast automatisch legte dieser schnell, aber behutsam, einen Arm um sie, damit sie nicht doch noch wegrutschte und unsanft auf den Boden aufschlug. Sie kicherte leise, gelegentlich mischte sich auch ein Grunzlaut mit hinein, doch beiden schien das im Moment vollkommen egal zu sein.
Mal wieder arbeitete es in Oroks Kopf auf Hochtouren. Irgendwie kam ihm dieses nahe sein mit Marga sehr seltsam vor, andererseits war da auch ein gutes Gefühl in seinem Inneren, dass es so falsch gar nicht sein konnte, dass er und sie fast schon wie ein Pärchen dastanden. Wie gut, dass kein anderer Ork sich hier auf die Wargkoppel verirrt hatte und sie so sah. Wie sie dastanden, in dieser Umarmung.
Das hätte vielleicht ein Durcheinander und Gerede gegeben und es hätte vieler Worte und Schläge bedurft, um die Gerüchte wieder aus den Köpfen der anderen zu verbannen. Wenn man bedachte, dass er sie nur nach einem wilden Wargritt stützte und ihr Halt gab. Oder bahnte sich da etwas weitaus größeres an?

Dann jedoch bemerkte er, dass sie nun wieder Kraft hatte, auf ihren eigenen Beinen zu stehen und sie löste sich von ihm. Er sah sie fast wehmütig an. Offenbar hatte er wirklich sein Kriegerherz an sie verloren. „Wir sollten besser zu Lager zurück.“ Der Ork nickte zustimmend. „Ja, sein Nachts nicht gut für längere Wanderung.“ Er wartete, bis sie ihre Tasche aufgehoben hatte, dann gingen sie los. Erst einmal lief sie noch etwas unsicher neben ihm her. Ab und zu, wenn sie etwas stärker zu straucheln begann, hielt er sie sanft an einer Schulter fest, bis sie wieder sicher war und der Marsch weitergehen konnte.

Das Lager kam schnell näher, überall brannten Lagerfeuer, um die mehrere Orks in Gruppen herumsaßen. Ein köstlicher Duft machte sich im ganzen Lager breit, Bratengeruch. Vielleicht Wildschwein oder Hirsch, das konnte man nicht sagen, aber mit Sicherheit, dass es schmeckte. Langsam würde sie merken, wie ihr Magen anfing leise zu grummeln. Orok bemerkte das und grinste sie an. „Oh, da haben wohl jemand großes Hunger.“ Er lachte leise. „Ich holen dir etwas, wenn du möchten. Auch für Begleiter von dir. Besonders für kleines Frau, damit sie kommen wieder zu Kräften.“ Vorher jedoch begleitete er die Schülerin zurück zu seinem Zelt.
Ihre Begleiter waren noch da, offenbar hatten sie das Zelt nicht verlassen. Laiya lag auf der Seite und schlief. Dieses Mal war es ein normaler Schlaf und kein magischer Hokuspokus. Und auch Belenus schien kurz davor zu sein, einzunicken. Orok zog die Stirn kraus, als er die beiden so dicht nebeneinander liegen sah, dann wandte er sich zu Marga: „Ich holen etwas Essbares. Sein gleich wieder da.“ Dann trat er erstaunlich leise wieder aus dem Zelt heraus und stapfte davon, nicht ohne nochmals zurückzublicken. Dann jedoch verschwand er im Dunkeln und damit aus ihrer Sichtweite.

Nun konnte sich Marga in Ruhe Gedanken darüber machen, was nach ihrem aufregenden Ritt eigentlich so alles passiert war.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Freitag 4. Februar 2011, 22:03

Der Ritt hatte auch einige Nachwirkungen. Marga bekam immer wieder Probleme, aufrecht zu stehen oder gerade zu gehen. Ihre Tasche, die sie auf der rechten Seite trug, zog sie immer wieder nach in diese Richtung. Sie konnte zwar ständig auf Oroks Hilfe zählen, aber das wurde ihr doch etwas peinlich. Sie hatte, solange sie denken konnte, auf eigenen Füßen gestanden.

Überhaupt! Sie ermahnte sich selbst, sich nicht so lax zu geben. Natürlich war der Ritt auf dem Warg ein spannendes Ereignis und die Nebenwirkungen wert, aber das hieß noch lange nicht, dass sie sich wie ein Kind aufführen konnte. Dieses Kichern und auf jemand anderen stützen war genau das, was ein kleines Mädchen tun würde. Auf dem Weg zum Lager sprach sie kein Wort.
Es war noch nicht einmal besonders spät, aber es war trotzdem schon dunkel. Jedoch vermochte das Lichtermeer des Orklagers einem den Weg zu weisen. Die vielen Fackeln und Feuer waren allein nicht besonders leuchtstark, aber sie waren auf bestimmten Stellen so konzentriert, dass die Strahlen durch die Dunkelheit schnitten. Je näher sie kamen, desto deutlicher wurde der Geruch von gebratenem Fleisch, der auf knusprige Krusten und triefendes Fett hindeutete. Marga lief das Wasser im Mund zusammen – Orks verstanden anscheinend auch etwas von ordentlichem Futter. Ihr Bauch knurrte zustimmend, als ihr Blick auf die aufgespießten Tiere fiel – Marga war das nicht peinlich. Sie hatte wirklich schon seit einer geraumen Zeit nichts mehr zwischen die Zähne gekriegt.

Allein hätte sie schon Schwierigkeiten gehabt, das Zelt in der Dunkelheit zu finden, aber der Orkkrieger führte sie dorthin. Im Inneren war es erstaunlicherweise nicht dunkel. In Abwesenheit hatte jemand die kleine Feuerstelle im Zentrum des Zelts angemacht und jetzt flackerten ein paar Flämmchen, die das Zelt erhellten und die Kälte vertrieben.
Marga fragte sich, wer das Feuer entfacht hatte. Sie grübelte und tendierte eher zu Belenus – Laiya war zu müde gewesen, um an so etwas zu denken. Nichtsdestotrotz war keiner von beiden wach. Laiya schlief und Belenus döste vor sich hin. Orok war nicht mit ins Zelt gekommen, sondern begab sich auf die Suche nach etwas zu beißen.
Marga ließ sich nieder. Keiner der beiden Begleiter konnte ihr eine Frage stellen, das Feuer hatte noch genug Holz, zum Lesen war es doch zu dunkel. Sie tat das, was als einzige Alternative übrig war – und sie war damit sogar zufrieden – nämlich ihre Hände am Feuer aufzuwärmen und auf den Ork zu warten.

Es vergingen einige Minuten, in denen eine angenehme Leere in Margas Kopf einzog. Das blöde an den Abenteuern war, dass man ständig den ganzen Tag lang denken musste und dass die Leute immer so viel redeten. Da war es eine angenehme Abwechslung hier am Feuer zu sitzen und nichts zu tun.
Margas Hände waren etwas zu nahe am Feuer und die ausgestrahlte Hitze wurde ein bisschen unangenehm. Die Schülerin könnte natürlich zurückrutschen, aber es kam ganz natürlich, dass sie einfach ihre Hände mit Magie kühlte. Die besten Übungen waren diejenigen, bei denen man gar nicht so sehr darüber nachdachte…
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Gestalt » Freitag 11. Februar 2011, 16:21

Die Minuten verrannen, doch bisher tauchte Orok nicht wieder auf. Laiya und Belenus lagen dicht beieinander und Belenus schien nun doch fest und tief zu schlafen. Man konnte den gleichmäßigen Atem der beiden deutlich hören. Marga saß dicht am Feuer und bekämpfte erfolgreich übermäßige Wärme mit Eismagie. Das war das Gute daran, wenn man sich darin etwas auskannte.

Dann, wieder ein paar Minuten später, hörte sie schwere Schritte, die sich dem Zelt näherten. Ob das Orok war? Tatsächlich, er war es! Schon trat er ein, so leise wie es ihm eben möglich war, mit einigen Fleischspießen und sogar einigen Trinkkrügen aus Holz auf den Armen balancierend. Einen der Fleischspieße drückte er schnell Marga in die Hände, bevor er ihm noch aus den Händen fiel, allein der Geruch des gebratenen Fleisches ließ ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Wieder eine kurze Zeit später hatte es der Ork geschafft, das Ess- und trinkbare auf einem grob gezimmerten Tisch abzuladen. Sofort griff er sich einen der Krüge und hielt ihn Marga hin. „Sein gut“, meinte er. „Wenn du sein stark genug.“ Das quittierte er mit einem schrägen Grinsen, welches immer noch besagte, dass er nur einen Scherz gemacht hatte. Ein alter Kriegerspruch. Offenbar wollte er ihr Durchhaltevermögen in Sachen Bier testen wollen und ob sie das Zeug überhaupt vertrug.

Doch Marga war zur Hälfte ja auch ein Ork, sie würde einen Kater besser wegstecken als andere. Wenn sie daran riechen würde, könnte sie feststellen, dass es sich um ein alkoholisches Getränk handelte, um Bier genau zu sein. Es roch sehr würzig und vor allem sehr verlockend. Aber es hatte wie jedes andere Bier auch so seine kleinen Tücken: Orkbier, so wusste man, war stark, sehr stark. So stark, dass andere Völker das Gebräu meist nur verdünnt zu sich nehmen konnten. Aber nur noch übertroffen wurde das Biergebräu von dem so genannten Trollblut-Schnaps. Das war nur für die härtesten Alkoholliebhaber.

Allerdings drängte der Ork die Schülerin nicht, sondern setzte sich neben sie, ebenfalls mit einem Krug in der Hand und trank einen großen Schluck von diesem aromatischen Getränk. Normalerweise waren trinkende und „essende“ Orks nicht gerade das, was man gehobenen Anstand nannte, sondern eher etwas…rüpelhafter. Nicht selten endete ein Festschmaus auch mal in einer Schlägerei, in der sich betrunkene Orks an den Hals gingen.
Doch da hier im Zelt zwei Personen schliefen und er sich nicht unbedingt den Zorn und die Missgunst dieser aufbrausenden blassen Elfe einhandeln wollte, verzichtete Orok auf übermäßiges Schmatzen und rülpsen. Er verhielt sich seinen Gästen gegenüber eher zurückhaltend und einigermaßen tolerant. Das gebot allein schon die Ehre der Gastfreundschaft.
Für Orks hatte Ehre einen sehr hohen Stand in ihrem gesamten Denken eingenommen. Leider gab es auch Individuen, die sich nicht daran hielten und unehrenhafte Taten begingen.

Es verging eine gefühlte Ewigkeit, bis er sie anblickte. „Hm…können du mir sagen, wo du herkommen? Ich noch nicht so viel wissen über dich“, meinte er. Zwar würde er mit den Begriffen Jorsan und Jersa nicht wirklich etwas anfangen können, doch ihn interessierte es, wo sie gelebt hatte, bevor sie aufeinander getroffen waren. Und er war auch neugierig darauf, wo sie hin gehen wollte. „Wo dich führen dein Weg hin? Norden? Viel Krieg und Kampf dort. Gebiete dort oben nicht sicher.“ Die letzten Worte waren eine nur gut gemeinte Warnung. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn sie zwischen die Fronten geraten könnten. Es würde andere Orks geben, die nicht so tolerant wie Orok oder Morg wären und würden sogar über die kleine Gruppe herfallen.

Darüber wollte sie ja noch mit Laiya und Belenus sprechen. Sie konnten nicht nach Norden gehen, wenn dort Krieg geführt wurde. Im Moment wäre es wohl wirklich besser, hier im Süden zu bleiben, bis sich die Sache dort oben stabilisiert hatte. Aber vielleicht gäbe es ja doch einen Weg, wie man nach Eldar gelangen konnte.

Wieder eisernes Schweigen. Dann: „Marga…ich dich sehr gern haben“, murmelte Orok behäbig. Dem Anschein nach, hatte er doch zuviel vom guten Bier seines Volkes gekostet, aber man konnte es auch als Wahrheit deuten.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Samstag 12. Februar 2011, 14:04

Marga starrte in die Flammen des Feuers und hörte den ruhiger werdenden Atem Belenus und Laiyas. Sie selbst war auch schon etwas müde. Verhalten gähnte sie sie und streckte sich. Als sie die Hände wieder zur Feuerstelle ausstreckte, machte sie mit ihren Übungen weiter. Bald hörte sie schwere, schleppende Schritte und als die Zeltplane raschelte, drehte sie sich um.

Da war er: Orok war voll bepackt mit Fleisch und einigen Krügen. Marga stand eilig auf und nahm ihm sicherheitshalber einige Dinge ab, bevor noch das gute Essen auf den Boden fiel oder der Inhalt eines Kruges verschüttet wurde.
Während der Ork ein Tischlein herbrachte – ein niedriger, denn hier im Zelt saß man auf Fellen in Bodenhöhe – roch Marga an einem der Krüge. Sie rümpfte die Nase. Bier… Marga trank keinen Alkohol. Der Anblick von Betrunkenen war ekelerregend, diese Typen waren für sich und andere gefährlich. Sie konnte sich schlecht vorstellen, was junge Leute daran fanden. Sie selbst war zwar auch noch nicht besonders alt, aber trotzdem zählte sich Marga eher zu den reiferen Leuten.

Aber andererseits… Marga zögerte. Sie konnte es versuchen – einmal. Sie hatte heute bereits ein Warg geritten, etwas, was sie auch in Zukunft nicht vorhatte, zu wiederholen, aber es hatte sich gelohnt. Außerdem war Alkohol nur gefährlich, wenn man damit nicht verantwortungsvoll umging. Und wer war wohl verantwortungsbewusster als Marga, Schülerin der Laiya?
Dass ihr Gemüt so schnell umgeschlagen war, hatte auch überhaupt nichts damit zu tun, dass der Orkkrieger ihre Härte in Frage gestellt hatte. Sich auf Herausforderungen einzulassen war kindisch, erwachsen hingegen war es, jemandem zu zeigen, was doch auf der Hand lag – dass Marga sehr wohl so ein bisschen Gesöff aushalten konnte.

Sie setzte sich an den Tisch und zog ein Fell zu sich, um bequem sitzen zu können. Sie nahm einen Fleischspieß und blickte zu den beiden Elfen. Die schliefen trotz des guten Geruchs weiter. Na gut, die beiden konnten eben morgen die Reste haben. Orok hatte ja mehr als genug angeschleppt. Sie nippte am Krug, um den Geschmack zu bekommen. Der Alkohol war stark und brannte, aber das Getränk hatte einen würzigen Nachgeschmack. Sie widmete sich ihrem Spieß und nagte das fettige Fleisch ab. Die Halborkin kaute mit offenem Mund und schmatzte dabei leise – sie wollte ja ihre Begleiter nicht wecken. Gelegentlich nahm sie einen Schluck Bier. Abgesehen von diesem warmen Gefühl im Magen – das ihr überhaupt nicht geheuer war – merkte sie vorerst noch nichts vom Alkohol.

Sie widmete sich gerade dem zweiten Spieß und hatte den Bierkrug zum Drittel geleert, als Orok sie über ihre Herkunft ausfragte. Marga war zu beschwippst, um sich darüber zu wundern, und als sie den Mund öffnete, war sie beredsamer als sonst, wenn auch die Qualität ihrer Sprache… zu wünschen übrig ließ.
„Kommvon Jersa. Menschort. Da warn Ork und ich glaub, der sein von hier… Un meine Mutter auffem Hügel und…“ Sie stockte und nahm noch einen großen Schluck vom Bier. „Nicht will reden davon. Meine Mama starb bei Geburt, bei meina nicht ihra, is ja klar… Und Ziehpapa sorcht ummich.“
Sie nahm einem üppigen Bissen Fleisch, der ihr beinahe im Hals stecken blieb, wenn sie nicht einen gewaltigen Schlug Bier nachgeschickt hätte. Langsam drehte sich die Welt um sie und sie hörte von Orok nur die Schlüsselbegriffe: „Weg… Norden… Krieg… nicht sicher“
Bevor sie antwortete nahm sie einen weiteren Schluck. Sie setzte zu einer Antwort an, wobei sie beinahe umgekippt wäre, wenn sie sich nicht am Tisch festgehalten hätte: „Zu so nem Wald, wo Elfen…“ - Die Schülerin hickste -„sin, die nix wolln kalt machn. SEINE Sippe.“, mit einem Fingerzeig auf Belenus. „Aber mussesnoch sagen, das mit ’em Kriech. Wissens nich.“
Weiter arbeitete Margas Verstand nicht. Sie hatte keine Idee, wie man das Kriegsgebiet umgehen konnte. Ein letztes Mal hob sie den Krug und stellte fest, dass nichts kam. Mit ihrem linken Auge spähte sie rein und stellte fest, dass er leer war.

Nach einer Weile kam der Orkkrieger langsam mit einem Geständnis hervor. Leider war die einzige Antwort, die er bekam, ein Schnarchen, denn Marga war nach hinten umgekippt. Sie hatte mehr Körpermasse als so ein Menschenpüppchen und war härter im Nehmen, aber das Orkbier war doch zu stark.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Freitag 18. Februar 2011, 15:55

Der Ork-Krieger musterte Marga, die gegenüber von ihm Platz genommen hatte und nun doch einen Schluck aus dem Krug nahm. Zwischendurch aß sie noch einen Bissen von dem mitgebrachten Fleisch, spülte aber immer wieder mit einem weiteren Zug nach, da ansonsten etwas stecken bleiben könnte. "Du haben einen mächtigen Zug, Marga", meinte Orok, mit einer Spur Respekt in der Stimme.

Nach einer Weile war sich Orok jedoch mehr als sicher, dass das Bier doch eine Spur zu stark sein könnte, denn zwar beantwortete die Halborkin seine Fragen, jedoch machten sie in seinen Ohren nicht wirklich einen Sinn. Sie lallte eher, als das sie konkrete Aussagen machte. Vielleicht sollte er sie daselbe nochmals fragen, wenn sie wieder nüchtern war, was wohl in Anbetracht der Menge, die sie getrunken hatte, wohl noch ein Weilchen dauern könnte. Aber sie saß trotzdem immer noch aufrecht, stützte sich weder auf der Tischplatte auf, noch war sie nach hinten übergekippt. Zumindest für eine Weile verhinderte das Orkblut in ihren Adern, dass sie vom Alkohol benebelt zu Boden fiel.

Doch irgendwann, da hatte Marga ihre eigene und persönliche Grenze erreicht, die ihr signalisierte, dass es genug war und kippte betrunken nach hinten. Zu ihrem Glück hatte sie auf einem Fell gesessen, sodass da nichts schlimmeres passieren konnte. Auch Oroks Geständnis, dass er sie sehr gern hatte, ging dabei auch völlig unter. Nach einer kleinen Weile, schnarchte sie ach schon. Der Ork stellte seinen Krug, in dem immer noch ein kleiner Rest von dem würzigen Bier am Boden zu erkennen war, auf den Tisch, umrundete ihn und hob die Schülerin hoch. Dann trug er sie zu ihren beiden Begleitern hinüber und legte sie vorsichtig neben sie hin. "Schlafen gut, Marga." Sie würde von alledem nicht mehr viel mitbekommen, jedoch könnte der Tag danach problematischer werden, da dann ein alkoholischer Kater drohte. Aber es war auch eine Erfahrung, niemals mehr zu trinken, als man verkraftete.
Der Ork sah in die Runde, dann ließ er sich neben Marga im Schneidersitz nieder. Ob er vielleicht ihre Hand halten sollte? Wenn man betrunken war, stellte man manchmal, jedoch nicht immer irgendwelche seltsamen Sachen an. Außerdem würde sie merken dass sie dann nicht alleine mit ihrem Rausch war und es verhinderte auch, dass sie zum Beispiel direkt in das Lagerfeuer, welches immer noch einen flackernden Schein in das Zelt warf, taumelte und sich ernsthaft verletzen konnte.
Mit dem Gedanken, dass nichts ernsteres passieren könnte, nahm er ihre Hand in die seine. Sie war zwar größer als die einer Menschenfrau, aber immer noch kleiner als die von Orok. Die Schürfwunden auf Margas Hand waren gut verheilt, man sah sie kaum noch. Ein Hoch auf diese seltsame schwarze Paste!

Margas Gesichtsausdruck war friedlich und nach dem Schnarchen nach, welches regelmäßig ertönte, träumte sie tief und fest. Was sie wohl denken würde, wenn sie aufwachte und Orok immer noch ihre Hand halten würde? Doch das wäre erst am nächsten Tag wirklich von Bedeutung.
Der Ork gähnte einmal. Auch er war müde. Vom Alkohol alleine würde er nicht in einen Dornröschen-Schlaf fallen, aber auch ein Krieger musste sich ab und zu Ruhe gönnen. Also ließ er Margas Hand los und zog diese Eisenkonstruktion, die seinen Körper schützte oder es zumindest sollte, aus, da das Schlafen darin mehr als unbequem war. Danach saß er noch eine Weile am Schein des Feuers und schürte es neu, bis er sich dann doch zur Ruhe legte. Marga und er schliefen Seite an Seite, doch nichts unvorhergesehenes geschah. Dem Anschein nach war Orok doch zu müde, um es auf eine Annäherung ankommen zu lassen.

[oot: Marga schläft und träumt. Du darfst deine(n) Traum(welt) selbst gestalten.]
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Freitag 18. Februar 2011, 23:10

Während Marga eigentlich schlief, rannte sie in Wirklichkeit. Oder war es anders herum? Die Schülerin hatte schon immer Probleme gehabt, das eigentliche Konzept des Träumens zu verstehen. Außerdem wusste sie überhaupt nicht, dass es ein Traum war. Aber ihren Beinen war das egal, sie katapultierten die Halborkin stetig nach vorne, in einem gleichmäßigen Rhythmus. Margas echte Beine lagen still da und rührten sich nicht die Bohne.
Es gab aber auch einen anderen Rhythmus. Trommeln, BummBummBumm, Trommeln die zur Jagd riefen. Und sie rannte und war verwirrt, was überhaupt los war, aber ihr Körper wusste von ganz allein, was zu tun war. Dieses Eigenleben ihrer Füße war erschreckend. Immer weg von den Reitern, über die Wurzeln springen, den Stolpersteinen ausweichen, immer in Richtung Hügeln, raus aus dem Wald, immer in die Hügel, da ist es sicher, da kann man überleben.
Die Reiter preschten scharf hinterher. Marga entdeckte auch andere, die rannten. Leute wie sie, Männer und Frauen in Lumpen, grüne Haut. Aber die Reiter und die Pfeile und die Hunde und die dumpfen, harten Töne der Jagdhörner und der Trommeln waren hinter ihr her. Aber sie machte noch eine Entdeckung. Es waren nur Jagdhörner, die einzige Trommel saß tief in ihrer Brust, ihr dröhnender Herzschlag. Doch die Reiter holten ein, sie umkreisten, sie stachen mit ihren Spießen und machten sich einen Spaß daraus. Die Flüchtenden wurden in die Mitte gezwungen.
Ein Kreis, ein Kreis aus Stahl und Feuer und Gemeinheit. Tod erwartete die Eingeschlossenen. Ein Kreis ohne Entkommen?

Es war dem Alkohol zu verdanken, der Erschöpfung, dem Umstand, dass sie den Tag über Tote begrub und vielleicht sogar, dass ihr orkisches Blut ihr einen Hauch Spiritualität verlieh, dass sie das träumte, was ihr Vater erlebt hatte. Aber was zu viel war, war zu viel. Für einen Bruchteil einer Sekunde wachte sie auf mit schweißgebadetem Gesicht, grunzte und drehte sich unruhig hin und her, bis sie wieder einschlief. Der Traum war noch nicht zu Ende, aber in der zweiten Hälfte der Nacht war ihr Schlaf schwer wie Blei und traumlos.

Die Halborkin war die erste, die am folgenden Morgen aufwachte. Aber ihre Erinnerung an den gestrigen Abend war schwammig und der Traum war zurückgedrängt ins Unterbewusstsein. Sie wollte sich aufrichten, als ihre Hand auf etwas stieß. Etwas warmes, atmendes, mit vielen Muskeln… Als Marga merkte, dass sie neben Orok lag und sogar ziemlich nah neben ihm, riss sie die Augen auf. Oh nein, das war nicht wirklich passiert, oder? In einem Zelt, wo ihre Meisterin schlief. Sie hatte keine Erinnerungen und blickte ängstlich an sich herunter. Sie atmete erleichtert auf: Sie war noch angezogen, sie trug sogar noch ihren Mantel. Ihr Raumsaum war etwas nach oben gerutscht, aber zum Glück wurden ihre Beine von der neuen Hose bedeckt.
Aber als der Schock überwunden wurde, hörte sie ein Pochen wie in ihrem Traum, nur diesmal kam es vom Kopfschmerz. Als hätte Margas Gehirn sich einen Schmiedhammer besorgt, um die Schädelplatte von innen ein bisschen zu verformen. Ihr Gesichtsausdruck war verkniffen und sie verspürte einen dringenden Durst, weil sie so stark dehydriert war. Nach einigem Herumtasten fand sie ihre Tasche, griff hinein und zerrte ärgerlich ihren Trinkschlauch hervor. Sie setzte die Öffnung an und trank gierig. Es war reines Wasser, kein Alkohol, genau das, was ihr Körper begehrte. Ein paar Tropfen verschüttete Marga, aber beinahe alles rann ihre Kehle herunter. Den Trinkschlauch legte sie erst weg, als er bis auf das letzte Quäntchen ausgepresst war. Die Kopfschmerzen blieben bestehen, aber der elende Durst war abgeschwächt. Dennoch wollte sie mehr und außerdem wollte sie etwas Wasser, um sich das Gesicht zu waschen, etwas Fleischsaft war nämlich an ihren Mundwinkeln getrocknet und klebte unangenehm. Sie schwang sich auf die Beine, presste die eine Hand auf die pochende Stirn und die andere hielt ihren leeren Trinkschlauch.
Sie erinnerte sich daran, dass das Orklager an einem kleinen Bächlein lag, um die Wasserversorgung zu gewährleisten. Sie wollte sich am kühlen Nass laben und ihr Pflichtbewusststein erinnerte sie auch daran, dass auch die Pferde getränkt werden mussten. Ja, sie würde die Pferde zum Bach bringen, selbst auch trinken und ihren leeren Wasserschlauch mit auffüllen. Alle anderen schliefen noch, also verließ Marga das Zelt leise und trat ins Sonnenlicht, ins grässliche, schmerzhaft helle Sonnenlicht.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Samstag 26. Februar 2011, 16:34

Noch immer hallten die gesamten Geräusche von Margas Traumbild nach. Sie träumte von dem Schicksal so vieler Orks, welche von Menschen zu Pferd wie Wild gehetzt und abgeschlachtet wurden. Doch kaum hatte sie diesen Schrecken halbwegs hinunterschlucken können, tauchte ein anderer auf: Orok! Der Ork-Krieger lag mehr als dicht neben ihr. Schon fürchtete die Schülerin, dass er sich an ihr vergangen haben könnte, doch sie atmete erleichtert auf, es war nichts geschehen. Man konnte den Ork gleichmäßig atmen hören und auch Laiya, sowie Belenus schliefen noch tief und fest.

Leider hatte sie einen Kater, und zwar einen der sich gewaschen hatte und leerte erst einmal ihren Wasserschlauch, um den Schwindel, welchen sie verspürte, bekämpfen konnte. Danach stand sie vorsichtig auf und ging mit wackeligen Schritten nach draußen an die frische Luft. es tat gut, aber das grelle Licht blendete sie für einen Moment vollständig, da ihre Augen vorerst nur an die Dunkelheit, die innen im Zelt vorherrschte, gewöhnt waren.
Nach einer kurzen Weile konnte sie jedoch mehr oder weniger klar Konturen erkennen. Was sie sah, raubte ihr fast den Atem: Hier und dort lagen andere Orks herum und schliefen ihren Rausch aus. Man konnte sie lautstark schnarchen hören. Dabei störte es sie auch nicht einmal, wenn sie mitten in Erbrochenem lagen. Jeder Mensch würde sich vor Übelkeit schütteln, doch für Orks war das eigentlich Normalität, wobei der Schamane sicherlich nicht in seiner eigenen Kotze liegen würde. Als Anführer hatte er schließlich eine zu große Verantwortung, als das er sich auf so ein Nievau herunterbegab.

Doch außer den (wahrscheinlich) noch sturzbetrunkenen Orks gab es noch einige wenige Wachposten, denen man jedoch den Schlaf mehr als ansah. Diese hatten wohl eine durchzechte Nacht mit lauter Überstunden hinter sich, denn einige gähnten mehrmals. Andere wiederum versuchten einige der Liegenden wachzurütteln, auch unter zuhilfenahme von Holzprügeln, anscheinend hatten sich nicht alle Krieger um die Wachablösung gekümmert.

Doch vorerst wollte sie wieder frisches Wasser haben, denn vom Bier hatte sie erst einmal genug. Zu dem Bach, welcher als Wasserversorgung herhielt, war es nicht sehr weit, genau genommen trennte er das Lager in zwei unterschiedlich große Teile, was ihr vorher vielleicht nicht wirklich aufgefallen war. Sie müsste nicht lange gehen, bis sie ihn erreicht hatte. Man hatte mehrere Baumstämme als grobe Verbindungsbrücken darüber gelegt, sodass man nicht ständig durch das Wasser waten musste. Orks hatten eine eher abneigende Ansicht, was das nasse Element betraf. Man durchquerte es nie, außer, wenn es sich nicht vermeiden ließ.

Vielleicht sollte sie dem Schamanen Morg etwas von ihrem Traum erzählen, denn wenn sie es noch so recht wusste, war er auch in Laiyas Träume eingetreten und hatte sie zurückgeholt. Zurück in die Welt der wachen. Bestimmt würde er ihren Traum richtig deuten können, zumal das eine der Hauptaufgaben waren, die ein Schamane zu tun pflegte. Aber sie konnte nicht einfach so in das Zelt des Ork-Anführers platzen. Erstens weil es noch früh am Morgen war, und zweitens, weil sich das nicht gehörte, unangemeldet in die Privatssphäre eines anderen einzudringen.
Vielleicht sollte sie vorher doch nochmals zurück zu Oroks Zelt gehen und hoffen, dass der Alkohol den großen Ork vergessen ließ, dass er sich Marga etwas angenähert hatte.
Aber war das wirklich so schlimm gewesen, wie sie gedacht hätte? Eigentlich hatte sie sich in Oroks Nähe bisher immer beschützt gefühlt, obwohl sie sich auch allein verteidigen konnte.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Samstag 26. Februar 2011, 18:24

Der Übergang vom dunklen, verrauchten Zelt zur frischen Luft und den grellen Sonnenstrahlen ließ Marga stocken. Ihre verschlafenen Augen mussten sich erst einmal an das helle Licht gewöhnen. Sie blinzelte wie verrückt und schirmte die Augen mit der Hand an der Stirn ab, so als würde sie nach etwas Ausschau halten. Schon besser.
Die Sonne war nicht stärker als sonst, aber Marga, die alte Frühaufsteherin war es einfach nicht gewohnt, beim Aufwachen schon eine am Himmel stehende Sonne zu erblicken. Es war bereits früher Vormittag – so viel verschwendete Zeit! Aber andere waren noch schlimmer als sie. Sie blickte auf einige Orks, die es am Abend wohl nicht einmal mehr bis zu ihren Zelten geschafft hatten. Sie lagen laut schnarchend auf dem harten Erdboden und bei manchen war auch noch…
„Ugh… Widerlich.“, kommentierte Marga das gesehene. Sie machte sich auf den Weg und achtete peinlich genau darauf nicht mit dem Fuß irgendwo in eine dieser Lachen zu treten. Nicht nur, dass das ekeleregend war, es war auch Verschwendung von gutem Essen, wenn es nicht mal im Bauch blieb. Mit grimmiger Miene – einerseits aufgrund dieser Gedanken, andererseits aufgrund des weiter anhaltenden Kopfschmerzes – machte sie sich auf dem Weg. Zu aller erst steuerte sie auf den Baum zu, wo die Pferde angebunden waren. Sie hatten den Platz um sich herum abgegrast und schienen schon auf die Halborkin zu warten. Sie machte die Pferde los und führte sie zu dem Bach, mit jeder Hand die Zügel eines Pferdes führend. Als sie ankamen, steckten die Pferde ihre Münder sofort ins Nasse und Marga ließ sich auch nicht lange bitten. Sie kniete sich ans Ufer und schöpfte Wasser mit der hohlen Hand und trank gierig. Mehrmals wiederholte sie das, bevor sie dann das Wasser benutzte, um sich das Gesicht zu waschen und dann den Wasserschlauch wieder aufzufüllen.
Dann ging sie wieder zu den Pferden. Am Sattel des einen Tieres hing noch die Bürste, die sie aus dem Stall des Geisterhauses mitgenommen hatten. Marga nahm sie und fing an, die beiden Tiere zu striegeln. Währendessen kam ihr ein seltsamer Gedanke: „Wenn ich sein Mittelpunkt von Kreis, wie kann entkommen?“ Während sie das Fell ordentlich durchbürstete, sagte sie zu sich selbst: „Muss mich bewegen…“ Nein, der Kreis bewegt sich mit dir. „Muss schnell sein?“ Nein, der Kreis ist schneller als du. Bevor die Schülerin weiter sinnierte, hielt sie inne und fragte sich, was diese Gedanken mit ihr zu tun hatten – sie konnte sich nicht an den Traum erinnern und wusste deshalb nicht, dass diese Frage einst über Leben und Tod entschied. Erschrocken lief sie wieder zum Wasser, warf die Bürste beiseite und starrte auf ihr Spiegelbild. Ein Glück, sie war noch immer sie selbst, auch wenn sie seltsamerweise fremde Gedanken dachte. Sie war immer noch die normale Marga, nur eben mit unangenehmen anmutenden, dunklen Ringen unter den Augen und verfilzten Haaren. Sie schnappte sich die Bürste und vollendete ihr Werk bei den Pferden. Daraufhin band sie die beiden Gäule diesmal an einem anderen Baum, von dem sie das Wasser erreichen konnten und wo genug frisches Gras zum Essen da war – und auch diesmal achtete sie darauf, dass keine Gräber in der Nähe waren.

Die Halborkin war ziemlich reinlich, aber auf ihrer Reise hatte das etwas nachgelassen. Und sie wollte keine Heuchlerin sein, wenn sie die Pferde zwar bürstete, aber selbst mit schmutzigem Haupt herumlief. Also ging sie zum Ufer des Baches, beugte sich über ihr verschwommenes Spiegelbild und fing an, ihre dunklen Haare zu säubern. Sie konnte dabei kein Wasser verwenden – bei dieser Temperatur war es zu gefährlich mit nassen Haaren herumzulaufen, aber sie entfernte ein paar kleine Zweige, die sich bei diesen ganzen Abenteuern im Unterholz in ihren Haaren verfangen hatten, in einer Haarsträhne fand sie sogar eine Spinnenwebe vom Geisterhaus! Als das erledigt war, hängte sie sich den Wasserschlauch um und machte sich auf den Weg. Ihre Begleiter würden vermutlich noch schlafen und sie wollte auch sonst niemanden belästigen. Aufgrund ihrer Kopfschmerzen fehlte die notwendige Konzentration, um magische Übungen zu machen, also machte sie sich auf den Weg durchs Lager auf die Suche nach ein bisschen Arbeit. Immerhin hatte sie dem Schamanen versprochen, dass sie sich nützlich machen würde. Und vielleicht fand sie an diesem frühen Morgen auch noch ein paar Orks, die vielleicht etwas Hilfe gebrauchen könnten.
Unterdessen fing sie auch wieder damit an, über Kreise zu sinnieren. Über Kreise und das Entkommen aus ihnen. Sie wusste nicht, wieso ihr das auf einmal so wichtig erschien…
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Montag 7. März 2011, 02:39

Einen Ork zu finden, der ihre Hilfe brauchte, war leichter gesagt, als getan. Im Moment lagen die meisten der muskulösen Grünhäute nur herum und waren momentan noch nicht wirklich aktiv. Doch hie und da rafften sich einzelne Individuen auf, nur um dann wieder der Länge nach hin zustürzen. Orkbier war stark, sehr stark. Genau genommen sogar so stark, dass es in höheren Dosen einen abgebrühten Ork-Krieger aus den Schuhen hauen würde, wenn sie denn welche tragen würden. Aber wer die Situation richtig einschätzte, würde sofort merken, dass es nicht nur beim Bier geblieben war.

Während sie so durch das Lager lief, auf der Suche nach Orks, die ihre Hilfe wohl gebrauchen könnten, wurde sie mehrmals mit glasigen Blicken angestarrt. Leider waren auch einige anzügliche dabei. Was auch kein Wunder war, da sie, neben Laiya natürlich, die einzige Frau im Lager war und die meisten der Orks wohl sehr lange keine Bettgesellschaft mehr gehabt hatten.
Vielleicht sollte sie das mit dem Helfen doch nochmals etwas nach hinten verschieben, zumindest solange, bis die Herren der Schöpfung wieder nüchtern wären, auch wenn es wieder sehr ärgerlich wäre. Sie könnte wieder nicht mit zur Hand gehen und das war für sie unerträglich. Man kam sich irgendwie fast schon nutzlos vor.
Und es war sicherlich kein schöner Gedanke, bei einem volltrunkenen Ork im Bett zu liegen und Dinge tun zu müssen, die sie später wohl noch bereuen könnte. Nein, da würde sie es eher bevorzugen allein oder zumindest in der Nähe von Belenus und Laiya zu nächtigen. Und selbst da hielt sie genügend Abstand, sodass sie sich nicht in die Quere kommen konnten.

Bevor sie etwas tun konnte, stand ihr schon einer dieser großen Grünhäute im Weg und blickte sie lüstern an. Auch an seinem Grinsen konnte man seine Absicht ansehen. „Na, Schüsche? Willste mal nen rischtigen Kerl?“, lallte er im Suff, vermischt mit kratzigem Lachen, welches sich wirklich abscheulich anhörte. Warmer, unangenehmer Atem kam ihr entgegen. Offenbar sorgte sich dieses Exemplar von Ork nicht gerade um seine Mundhygiene. „Nun zier dich nicht so, Kleine, dann haste es schneller hinter dir.“ Der Ork wurde nun immer aufdringlicher. Dann packte er sie grob am Arm. Sie würde die pure Kraft, die diesen Armen inne wohnte, geradezu spüren können. Jetzt hätte sie Oroks Hilfe wirklich gut gebrauchen können.

Dummerweise war der Ork im Moment vollkommen außer Reichweite. Oder doch nicht? Er tauchte plötzlich wie aus dem Nichts auf und stellte sich schützend an ihre Seite. „Das reichen! Du gehen oder ich dir Manieren beibringen!“ Orok baute sich drohend vor dem angetrunkenen Ork auf. Der Ork begehrte einmal lautstark auf, doch dann erkannte er, dass er hier doch nichts ausrichten konnte, ließ Margas Arm los und trollte sich dem Himmel sei dank. Zwar fluchte er noch leise etwas auf orkisch, war aber dann verschwunden.

Sogleich wandte sich Orok Marga zu. „Haben er dich verletzt?“ Sein Gesichtsausdruck zeigte Sorge. Vielleicht würde sie das jedoch im Moment nicht merken, denn der Schock dürfte ihr noch richtig in den Knochen sitzen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Montag 7. März 2011, 12:05

Kein Anzeichen, dass irgendwo eine hilfreiche Hand gebraucht werden konnte. Kein Schmied, der Hilfe beim Blasebalg brauchte – selbst wenn der Schmied nüchtern und wach gewesen wäre, hätten die Orks ihn gelyncht, wenn er jetzt anfinge auf Metall zu schlagen. Niemand, der einen Platz gesäubert, Feuerholz geholt oder etwas Ähnliches brauchte.
Die Orksöldner lagen noch herum, manche noch laut schnarchend im Schlaf, andere schon halb wach. Und letztere schauten sie seltsam an, was die Halborkin verwirrte. Was war damit gemeint? Sie war zwar eine Fremde, aber sie hatte bisher nichts Falsches getan, sie hatte sich sogar nützlich gemacht. Und warum blicken mir nicht aufs Gesicht? Die Augen sind viel zu niedrig.
Und irgendetwas an diesen Blicken ließ Marga sich unbehaglich fühlen. Was war es bloß? Die Orks hingegen schienen sich zu amüsieren, sie grinsten sogar. Marga beschleunigte ihren Schritt und hatte jetzt den Plan, wo sie hingehen konnte: Das Gehege der Wargs – wenn irgendjemand von diesen Orks noch einen Hauch Verantwortungsbewusstsein verspürte, würde er sich darum kümmern, dass die Reittiere ordentlich gefüttert wurden. Die Reste - Knochen, Knorpel, Fett und noch jede Menge kaltes Fleisch- lagen sowieso im Lager auf dem Boden herum, man brauchte nur etwas in einem Eimer zu sammeln und dann in den Futtertrog schütten.
Der Grund, warum sie so eifrig nach Arbeit suchte, war nicht nur ihre Erziehung, sondern auch, weil mit der Arbeit die Zeit verging und damit bestimmt auch die Kopfschmerzen. Sie waren zwar nicht mehr so schlimm wie beim Aufwachen, aber das Pochen war noch immer da.

Sie stieß beinahe gegen einen Ork; dabei entschuldigte sie sich leise und trat zur Seite, um ihm auszuweichen. Aber der Mann stellte sich ihr konsequent in den Weg, worauf sie fragend zu ihm hoch schaute. Der Gesichtsausdruck des Kriegers war die Quintessenz all dieser seltsamen Blicke, die man ihr schon an diesem Morgen zugeworfen hatte und erst allmählich verstand Marga, was es damit auf sich hatte. Und was dahinter steckte gefiel ihr überhaupt nicht: Es war schmutzig und verachtenswert. Der Orkkrieger stand vor ihr und stellte ihr eine nicht besonders angenehme Frage. Dabei roch sie seinen unangenehm, sauren Atem und sah seine Augen, die nicht so stark vom Alkohol glasig waren, als dass man das jetzt als unfreiwilligen Ausrutscher im Suff interpretieren konnte. Das hier war bewusst, jedenfalls so bewusst, wie der Kerl bei klarem Verstand sein konnte.
Ja, gerne, wenn du einen triffst, sag’ ihm Bescheid., waren die Worte, die sie gerne geantwortet hätte, aber sie wollte den Ork nicht noch wütend machen, wer weiß, zu was er dann fähig wäre. Stattdessen versuchte sie es höflich: „Nein danke, außerdem mich haben Kopfweh.“

Marga hoffte, dass sie mit dieser Absage ihre Ruhe hatte, aber der Ork ließ nicht locker. Stattdessen griff er ihren Oberarm und quetschte ihn unangenehm. Sie merkte, dass sie keine Chance hatte, zu entkommen. So ein Krieger lebte davon, Leute mit Körperkraft und Schnelligkeit zu überwältigen. Marga hingegen hatte bis vor einer Woche davon gelebt, Besen und Kochlöffel statt Waffen zu schwingen.
Aber was der Ork darauf sagte, ließ ihren Kampfgeist wieder erwachen. Waren solche Worte genau das, was ihre Mutter zu hören bekommen musste? Ihre Augen wurden grimmig und sie warf dem Ork einen eisigen Blick zu. Währendessen ließ sie den Wasserschlauch zu Boden fallen und legte die freie Hand auf die Pranke, die ihren anderen Arm gefangen hielt. Keine Chance, der Griff war eisern, aber das hatte sie schon erwartet. Sie legte die Hand sogar vergleichsweise sanft auf die Hand des Orks und schlug dann die Fingernägel in seinen Handrücken. Natürlich war die dicke Hornhaut zu dick zum Durchdringen, aber sie hatte vier kleine Ausgangspunkte geschaffen. Sie wollte mit Eismagie die Kälte in seine Hand leiten, über diese kleinen, gewaltsam geschaffenen Öffnungen, um seine Hand einzufrieren und dann mit einem Schlag zu zertrümmern. Aber bevor sie auch nur anfangen konnte, merkte sie, dass jemand neben ihr stand. Eine befehlsstarke Stimme erklärte dem Ork, damit aufzuhören. Ein paar grimmige Blicke wurden getauscht, bevor der Angreifer sich doch verzog. Marga atmete erleichtert auf und drehte sich zu ihrem Retter um, es war Orok.

Sie konnte nicht behaupten, dass die Situation ohne ihn gemeistert hätte und das war ihr peinlich. Mit Schamesröte im Gesicht antwortete sie auf seine Frage: „Körperlich nicht.“ Und geistig? Sie hatte eine Heidenangst, dass so etwas noch mal passieren würde und sie hatte insbesondere Angst vor diesem Ork. Sie erinnerte sich daran, dass der Argor, dem rachsüchtigen Bruder ihrer Meisterin. Solche Leute konnten dumme Dinge anstellen, wenn sie sich gekränkt fühlten.
An Arbeit dachte Marga nicht mehr – sie schnappte sich ihren Wasserschlauch vom Boden und steuerte auf Oroks Zelt zu und erklärte: „Sehen, wie es Laiya geh’n.“ Die Schülerin fühlte sich übel und unbewusst formte sich der Wunsch in ihr, wieder aufzubrechen. Diese Orks und dieser Wald, die beiden Dinge waren schlecht für sie.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Erzähler » Dienstag 15. März 2011, 21:52

Momentan fühlte sich Marga erheblich schlechter, als jemals zuvor. Zwar wollte sie immer „ihr“ Volk kennenlernen, aber bestimmt nicht auf DIE Art und Weise! Sie wollte lieber wieder ihres Weges ziehen, weg von diesen Saufbolden und diesem Wald.
Immerhin gab es auch etwas Gutes hier: zumindest einer der Ork-Krieger schien nicht den einschlägigen Gedanken zu haben, mit ihr das Bett zu teilen: Orok. Auch wenn der ab und zu doch Merkmale einer Annäherung zeigte, jedoch auf die bedachtere Art, als es seine Artgenossen taten.
Irgendwie kam er ihr wie der große Bruder vor, den sie niemals hatte. Er kümmerte sich wohlwollend um sie, beschützte sie sogar und das ohne irgendeine Gegenleistung erwarten zu wollen. Kurzum, ein Mann, ein Krieger, der seine Pflichten mehr als ernst nahm und das Wohlergehen anderer über das seine stellte.
Konnte es tatsächlich sein, dass ihre seltsamen Träume mit diesem Wald in Bezug standen? Waren es am Ende die Geister der Toten, die ihr diese Traumgeschichten wissentlich geschickt hatten, um auf die Zustände vor 20 Jahren hinzuweisen? Wollten sie ihr so zeigen, was ihnen widerfahren war?

Aber vorerst wollte sie einfach zurück in Oroks Zelt und sich in Ruhe mit Laiya und Belenus austauschen. Außerdem war sie dort vor weiteren Nachstellungen durch liebestolle Orks sicherer, als wie wenn sie ihr hier draußen begegnen könnten. Trotz allem konnte sie froh sein, dass es bisher nur ein Einzelfall gewesen war. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte sich eine ganze Meute auf sie geworfen. Und alle konnte sie nicht per Eismagie lähmen oder etwas zurückhalten.

Sie gingen durch das Lager, zurück zu Oroks Zelt, in welchem die beiden Elfen saßen. Auf diesem Weg gingen der Schülerin bestimmt jede Menge Gedanken im Kopf herum. Und Fragen geisterten durch ihren Verstand. Als sie das Zelt erreicht hatten, hörten sie lauthals diskutierende Stimmen. Laiya und Belenus. Sie waren in der Zeit, in der sie im Lager waren, nicht einmal nach draußen gegangen, offenbar aus Angst und Furcht, die Orks könnten sie sonst angreifen.
Aber da sie auch unter dem Schutz des Schamanen sowie Oroks standen, brauchten sie eigentlich keine Angst zu haben. Laiya war wieder wach und so charmant wie immer: sie regte sich über die untragbaren Umstände auf und hätte alles zu Eis erstarren lassen, wenn Belenus nicht die ganze Zeit beschwichtigend auf sie einreden würde. „Seltsame Personen das sein“, murmelte der Ork-Krieger nachdenklich. Bestimmt würden die Elfen das gleiche auch von den Orks sagen.
In dem Moment traten Marga und Orok durch den Eingang.

„Wo bist du gewesen?“ Sie sah die Halborkin fragend an. „Und was macht dieser...“, wollte sie schon schnippisch in Richtung von Orok ansetzen, doch Belenus unterbrach sie mit einer schnellen Geste und schielte versöhnlich zu dem Ork hinüber. „Ähm...verzeih ihr ihren Ausrutscher“, meinte er kleinlaut, während Laiya nun ihn etwas komisch ansah. Belenus bemerkte ihren Blick. Er zuckte mit den Achseln. „Was denn? Ich wollte nur verhindern, dass er dir den Kopf abreißt, sei mir lieber dankbar“, flüsterte er noch seiner Gefährtin zu.

Ob Orok die schnippisch angesetzte Frage überhaupt verstanden hatte, oder ob das vollkommen spurlos an ihm abgeprallt war, konnte niemand der Anwesenden genau sagen. Dazu kannten sie die Mentalität der Orks nicht genau genug. Sein Gesichtsausdruck blieb trotzdem unbewegt, obwohl Orks immer als sehr aggressiv und rauflustig galten. „Ich euch lassen allein, dann ihr können reden“, brummte er schließlich und wandte sich ab zum gehen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitragvon Marga » Mittwoch 16. März 2011, 16:43

Marga war gekränkt von den Orks und vielleicht auch von dem Umstand, dass sie sich nicht selbst hatte verteidigen können. Absurd, dass sie in einem Lager von Wesen, deren Blut sie zur Hälfte teilte, erst wie eine Außenseiterin und dann wie eine Dame ohne Anstand behandelt wurde.
Sie machte sich auf, wobei sie mit großen Schritten über die ekelhaften Laken auf dem Boden stapfte, schnaufte wütend und hoffte, dass es irgendwo noch normale Orks gab. Immerhin waren das hier nur die Orks, die ihre Brötchen damit verdienten, Leuten den Kopf einzuschlagen, deren Aufgabe es wiederum war, den Orks die Köpfe einzuschlagen. Orok und Morg Wolfsong, der Schamane, waren da schon bessere Beispiele. Außerdem hatte sie immer noch keine orkische Frauen kennen gelernt. Vielleicht waren die Moral und die überragende Intelligenz, die auch ihr innewohnte, etwas, was nur die weiblichen Exemplare dieser Rasse erbten.

Sie blickte sich um und sah, dass Orok sie weiterhin verfolgte. Er dackelte ihr hinterher und sie fragte sich erneut, ob der Schamane ihm den Auftrag dazu gegeben hatte. Hatte Morg bereits gewusst, dass so etwas geschehen würde? Konnte er vielleicht sogar in die Zukunft sehen? Das war merkwürdig und außerdem unangenehm. Sie mochte nicht verfolgt werden, sie war so viele Jahre ihres Lebens ohne Begleitung ausgekommen, wie sie Finger und Zehen hatte und jetzt konnte sie nicht mal an einem schönen Morgen irgendwo hingehen, ohne von jemanden gerettet werden zu müssen.
Ein unterdrückte Gedanke in ihrem Kopf flüsterte: Wie kann man einem Verfolger entkommen, wie kann man aus einem Kreis fliehen? Sie ignorierte diese Hirngespinste und konzentrierte sich wieder auf das Wesentliche. Sie entdeckte das Zelt des Orkkriegers und selbst wenn sie es nicht am Aussehen wieder erkannt hätte, so hätte diese Frauenstimme, die aus dem Zelt kam – hell und klar wie Eis – ihrem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen.
Laiya war endlich wieder wach und beschwerte sich über irgendetwas oder irgendjemanden oder einfach nur so, aber wenigstens klang sie so, als hätte sie nicht vor, jemanden im wahrsten Sinne des Wortes kalt zu machen – noch nicht. „Seltsam?“, flüsterte Marga, „Das können laut sagen.“ Sie zog die Zeltplane hoch und schlüpfte in schummrige Innere. Laiya fragte, wo Marga gewesen war und wollte auch schon zu einem bissigen Kommentar gegen Orok ansetzen, weshalb Belenus sie davon abhalten musste und wieder seine Höflichkeit offenbarte.
Um die darauf folgende Stille zu überwinden, antwortete Marga wahrheitsgemäß: „War Pferden tränken.“ Ihre unangenehme Begegnung mit dem beschwipsten Ork verschwieg sie aber lieber, sie wollte nicht vor ihrer Meisterin bloß gestellt werden und sich einen Schelte dafür einholen, dass ihre (in Laiyas Augen) mickrige magische Begabung nicht einmal ausreichte, ihr Männer vom Hals zu halten.
Der Krieger Orok verabschiedete sich – eigentlich unnötig, er hätte bestimmt besser als Marga erklären können, was für ein Krieg da im Norden wütete. Also musste sie da alleine durch. Sie setzte sich auf einen Pelz und sagte dann: „Wir haben Problem. Da sein Krieg.“, ein guter Einstieg ihrer Meinung nach, „Im Norden, die Dunklen Typen und die Orks gegen…“ Marga geriet ins Wanken, gegen wen war das noch gleich, zögerlich erklärte sie: „…gegen die anderen? Und da sein noch Grandessaner auf deren Seite, also bei den dunklen, nicht bei den anderen. Und das ist schlecht, weil wir in die Richtung müssen, oder?“

Etwas peinlich war ihr schon, dass sie die Zusammenhänge so unzureichend erklären, aber Marga war von ihrer kurzen Schulzeit und den zahlreichen Malen, in denen ihr Lehrer sie bloßgestellt hatte, abgehärtet worden. Anstelle dass sie in peinliches Schweigen verfiel, sagte sie einfach: „Ihr besser fragen Schamanen Morg, er sich kennt über Krieg besser aus und ihr mehr wisst über Weg und Leute.“
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