Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Das nördliche Königreich steht unter den Fittichen des Königs Hendrik dem Zweiten. Strenge Sitten herrschen hier und das Volk ist zweitrangig. Hier kann man nur ein schönes Leben führen, wenn man Reichtum und adeliges Blut besitzt.
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Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Mia » Donnerstag 11. Juli 2019, 12:43

[Einstiegspost]

In der Weite fehlte jeder Schemen, Wolkenberge türmten sich Schlossgleich zu unerreichbaren Gebilden auf und strahlten im Schein der Sonne gleißend Weiß. Die Feldstraße hatte lange keinen Menschen an ihre Seite getragen und eine gemächliche Ruhe hielt Einzug in die Herde.
Die Schafe blöckten nicht einmal, hatten sie doch eine wahre Fülle von saftigem Weidegras für sich entdeckt und zerkauten nun freudig ihr Mahl. Goliaths Kopf ruhte friedlich auf seinen Pfoten, die Augen geschlossen, es war nicht seine Zeit, um zu wachen. Unter dem Schatten einer schräg gewachsenen Birke, holte er wertvollen Schlaf nach während er dem Klang einer sandig, rauen Melodie lauschte. Ein Lied aus alten Tagen, das bis ins Jetzt hinein in den Erinnerungen der Spielerin nachhallte und sie leitete. Sie brauchte nicht einmal mehr nachzudenken, Ton für Ton schwebte aus dem fein gearbeiteten Instrument und tanzte in den Winden eine nachdenklich klingende Ballade, die über die Wiese hallte. Melancholie und Zukunftshoffnung in sich vereinend, hatte es eine sehr befriedende Wirkung, derer die Tiere nur zu gerne lauschten. Mias Augen öffneten sich nicht während dieses kleinen Spiels, denn auch sie war ganz von der Musik beseelt. So bemerkte sie nicht einmal, dass sich einige Strähnen aus ihrer hochgesteckten Frisur gelöst hatten und nun verspielt ihr Gesicht umrahmten. Der alte Lederhut lag zu ihrer Rechten, auf dem Rucksack, der wie sie selbst, am Baum lehnte. Trotz der Wärme der Sonne spürte Mia regelmäßig kühle Brisen, die sie dazu zwangen, den wärmenden Schafsfellmantel locker auf den Schultern zu tragen. Fidel hingegen... brauchte keinen wärmenden Mantel. Vielmehr hatte er sich den Hirtenstab seiner Schwester geschnappt und wedelte damit nun in der Luft herum, als würde er einen unsichtbaren Angreifer davon abhalten die Schafe anzugreifen. „HA! HYA! HUAAAAAA!“ und andere Laute machte er dabei, allerdings so weit von den Schafen weg, dass diese sich nicht daran störten. Mit einer beneidenswerten Energie hob er den Stab an, ließ ihn herniedersausen, erschlug dabei in Unachtsamkeit einige Butterblümchen und stieß dann in die Luft vor sich, um sich anschließend in einen kleinen Wirbelwind zu verwandeln, der seinen Stab wieder und wieder herumschleuderte und dann weit weit fort warf. „...Oh...“
Tja und dann musste er ihn natürlich wiederholen, zum Glück spielte Mia da noch die Panflöte, sodass es zunächst unbemerkt blieb.

So verging die Zeit und die Sonne wanderte weiter, bis sie den Mittag erreichte. „FIDEL!“ hallte der Ruf über das Feld und ein Schaf antwortete meckernd. Mia stand auf, nein, beugte sich zunächst über ihren Rucksack um den Leib Brot hervorzuholen und richtete sich dann auf, den Rucksack auf ihre Schultern hievend. „FIDEL! KOMM HER!“ wiederholte sie und setzte sich sodann ihren Hut auf. Anschließend brach sie das Brot und wartete darauf, dass ihr kleiner Bruder angelaufen kam.
Fidel, vollkommen aus der Puste, mit geröteten Wangen und einem breiten Lächeln im Gesicht, bahnte sich seinen Weg durch die vielen wolligen Hinterteile und schob hie und da auch ein neugieriges Köpfchen beiseite, um schließlich und endlich vor Mia zu stehen und sie keuchend anzustarren, als habe sie ein Geschenk für ihn. In seinem Haar hatten sich ein paar Grashalme verirrt und Erde befand sich überall auf seinen Kleidern. „Ja?“ japste er und bekam daraufhin prompt das Stück Brot in die Hand gedrückt, danach zupfte Mia ihm die Halme aus den Strähnen und ordnete seine Haare ein wenig. „Na, wo ist mein Stab?“ war die erste Frage, die der Kleine natürlich erst beantworten konnte, als er den ersten trockenen Brocken heruntergeschlungen hatte. „Eh … oh! ...Da...“ er streckte seinen Zeigefinger aus. „...da hinten! Ich hol ihn gleich!“- „Warte!“ stoppte sie den Wirbelwind und drückte ihm nun auch den Wasserschlauch in die Hand, den sie an ihrem Gürtel befestigt hatte. „Erst einmal Luft holen und dann einen Schluck trinken, ja?“ - „Gehen wir zum Fluss?“ -“Ja, doch... aber erst wenn du getrunken hast und ich meinen Stab wiederhabe.“
Und so schlang Fidel eilig Brot und Wasser hinunter und eilte wieder davon, um seine Schwester seufzend und kopfschüttelnd zurück zu lassen.

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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 11. Juli 2019, 17:37

Mia war selbst noch jung an Jahren, doch die scheinbar unerschöpfliche Energie ihres kleinen Bruders ließ sie doch manches Mal staunen. Springend, hüpfend, sich im Kreise drehend lief er durch den strahlenden Sonnenschein davon und steifte dabei die hohen Gräser mit den gespreizten Fingern. Alle Sinne genießend, die Kraft seines eigenen Körpers noch erkundend und gut gelaunt verschwand er im hohen Gras, dort, wo er den Stab hingeworfen glaubte. Nur einen Atemzug später tauchte er an anderer Stelle wieder auf und suchte weiter, bis er letztendlich unter einem niedrigen Busch kroch und einen Moment länger nicht zu sehen war. Dafür hörte Mia ein lautes:
"HAB IHN!"
und eines der näher stehenden neuen Tiere stapfte spontan los. Leider waren Schafe nun mal Herdentiere, also setzte sich spontan zwei weitere und dann der ganze Trupp in Bewegung. Jetzt da ihr beruhigendes Flötenspiel verklungen war, trabten einige Tiere neugierig mal hier mal dort hin. Mia handelte sofort und zielsicher, was bedeutete Goliath musste ran!
Mit kurzen klaren Befehlen, dirigierte sie ihn und trieb die Herde wieder zusammen, bis Goliath sie nur noch zu umrunden brauchte. Meist brauchte es dazu nur ein oder zwei kurze Pfiffe und alles ging seinen gewohnten Gang.
... ((ooc: kannst du gern genauer beschreiben, wenn du magst))

Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war und alle stehen geblieben waren, zählte sie sicherheitshalber noch einmal ihre Schützlinge. 12 waren es an der Zahl, fünf davon vom Bauer Wenzel. Die Fünf Neulinge in der Herde hatten sich in den letzten Tagen gut eingewöhnt, aber sie waren noch immer leichter zu erschrecken, als ihre eigenen glorreichen Sieben, wie Fidel sie manchmal spaßhaft nannte. Da kam ihr kleiner Bruder auch schon wieder und hatte, dank dem Gebüsch in dem er verschwunden war, jede Menge neue Blätter im frisch zerzausten Haar. Strahlend überreichte er den langen Hirtenstab, der an seinem oberen Ende eine Krümmung hatte um einzelne Tiere am Hals aus der Herde trennen zu können. Modder klebte an dem schönen Stab und Fidel wischte sich die morastigen Hände an seiner Hose ab. Es wurde Zeit, dass sie an den Fluss kamen und den Dreckspatz gründlich wuschen. Auch Mia hatte schon länger kein Bad mehr gehabt, aber bei einem Jungen in seinem Alter gehörte Dreck einfach dazu und die Tiere mussten ohnehin trinken. Also pfiff sie Goliath zu sich und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum nahen Waldteich. Der Fluss führte sie dort hin, doch zum Tränken der Schafe waren stille Gewässer besser, da manchmal eines doch hinein fiel und zu starke Strömung schon mal den Tod eines ihrer Tiere bedeuten konnte. Deshalb ließ Mia ihren Hütehund auf der Flussseite hin und her rennen, bis das Wasser seichter war und sie den kleinen Waldsee erreicht hatten. Dort stapften die 12 ans Wasser und begannen sofort zu trinken. Die nahen saftigen Ufergräser würden die Herde eine Weile an Ort und Stelle halten, so dass die beeiden Menschen etwas Zeit für sich und ihre Körperpflege hätten.

„Muss ich auch die Haare waschen?“
Jetzt ging es wieder los. Diese Diskussion gab es jedes Mal.
„Und die Ohren auch? Die sind doch noch von letzter Woche sauber. Muss das sein? Ich mag kein Wasser in den Ohren. Das blubbert immer so komisch und ich hör nicht richtig.“
Das das mit etwas Kopfschütteln auch schnell wieder weg ging, ließ Fidel oft nicht gelten, oder hörte schlicht nicht zu.
„Warum muss ich mich überhaupt waschen! Die Schafe machen das auch nicht! Sogar Goliath muss nicht baden, wenn er nicht will. Mennoooo....“
Und immer hatte das Wasser nicht die richtige Temperatur! Entweder war es zu warm, oder zu kalt, oder zu schlickig, oder zu viel Entengrütze. Merkwürdig war nur, dass an andern Tagen, in denen er mit der Dorfjugend mal schwimmen gegangen war, da war alles in Ordnung gewesen. Jetzt stand er bis zu den Knien im Wasser und wollte nicht weiter rein. Mia hatte einen hervorragenden Blick auf seinen nackten fleckigen Rücken, ihren vor Sand ganz krümeligen Bruder, in dessen Achseln sich schon schwarze Falten gebildet hatten. Sie konnte mit ihm diskutieren, oder … eine andere Option war, sich selbst gleich auch nass zu machen und ihn einfach umzurennen.

((ooc: zur besseren Zuordnung, wer ich immer ein kleines „M“ am Ende hinterlassen, damit du gleich beim Lesen und für Fragen weist, an wen du dich wenden kannst und weist wer gepostet hat.))

„M“
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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Mia » Freitag 12. Juli 2019, 12:20

Das Farbenpaar aus Grün und Braun verfolgte den kleinen Strahlemann, der auch diese Suche hier zu einem Freudenfest zu machen wusste. Seit sie von zuhause fortgegangen waren, hatte Mia das Gefühl, dass die Blüte namens Fidel erst jetzt so richtig aufgeblüht war. Er lachte lauter, sprang höher und grinste beinahe ständig, allerdings weinte er auch mehr, wenn auch nicht so offenkundig und trauerte alten Zeiten nach, die zwar nicht gut aber auch nicht allzu schlecht gewesen waren. Kurzum: Seine Gefühlswelt hatte sich intensiviert, doch allein das würde für die Zukunft nicht reichen. Er brauchte die Möglichkeit zu lernen, eine Lehrstätte, damit er irgendwann einen lohnenden Beruf ausüben könnte! Doch wie Mia ihm dazu verhelfen sollte, war ihr noch ganz schleierhaft. Als er rief, hatte sie den Kopf gedreht und bereits seinen Schopf unter dem Strauch ausfindig gemacht. Die Augenbrauen wanderten bei diesem Anblick in die Höhe und auch ihre Hutkrempe schob sie mit der Fingerspitze ein wenig an, als sie sah, dass ihr kleiner Bruder dadurch nur noch schmutziger geworden war und es höchste Zeit wurde, zum Wasser zu kommen. Vorerst aber... sie Pfiff laut und Goliath erwachte aus seinem Halbschlaf. Sie konnte sich immer auf diesen weißen Riesen von einem Hund verlassen, denn wie auch seine Mutter vor ihm, war das Hüten der Schafe seine Lebensaufgabe. Mit ausgestrecktem Zeigefinger und einem lockeren Schwung des Armes, bedeutete sie ihm, rechts um die Schar herum zu laufen und all jene Tiere wieder zu den anderen zu treiben, die drohten auszubüxen. Goliath gehorchte auch prompt, brachte seine langen, kräftigen Beine in Bewegung und bellte streng, während er seinen Lauf um die Herde begann. Wäre sein Fell nicht so zottelig und wild gewesen, hätte man seinen weißen Körper leicht mit den Herdentieren verwechseln können. „Mein Schaf mit Reißzähnen“ hatte sie ihn liebevoll getauft und auch jetzt musste sie wieder daran denken, als sie sah, wie der Wind ihm das Fell aus der Schnauze blies und bei jedem Laut seine Fänge sichtbar wurden. Die Schafe gehorchten indes ebenso schnell. Wie wankende kleine Wollschiffchen wuselten sie zurück zu ihren Artgenossen und gaben vereinzelt ein empörtes „MÄH!“ von sich. Goliath brauchte nur zwei Runden zu laufen und schon war die Gruppe wieder in gesitteter Ordnung vereint. Ein weiterer Pfiff zwischen Zeigefinger und Daumen reichte aus, um seinem „Hütewahn“ ein Ende zu setzen. Auf federleichten Pfoten kam er anschließend an ihre Seite getrappt und hechelte, während er zu ihr aufsah und mit dem Schwanz wedelte. „Sehr gut gemacht.“ lobte die Hirtin ihn dann, nahm den Stab in die andere Hand und kraulte ihn hinter dem Ohr. „Was wäre ich nur ohne dich!“ In jedem Falle aufgeschmissen, denn selbst diese verhältnismäßig kleine Schafsherde wäre alleine nie zu hüten gewesen. Besonders in diesen unruhigen Zeiten. Sie konnten von Glück reden bislang keinem Räuber begegnet zu sein, oder einem Kriegsverweigerer, der auf seinem Weg nach Hause Geld brauchte und sie überfallen hatte. Einen ausgewachsenen Mann mit Soldatenausbildung konnte selbst Goliath nicht bezwingen, und selbst wenn, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass er nicht allein wäre und sie sich mit einer Gruppe konfrontiert sahen, die sonst was mit ihr oder noch schlimmer mit Fidel anstellen wollten.

Woher nur dieser grässliche Gedankenwust?

Den Hirtenstab in der linken Hand haltend, begann sie all ihre Schäfchen zu zählen.
„Eins, Zwei, drei, vier....“ Finger für Finger spreizte sich dafür von ihrer rechten Hand ab, nur um dann bei der rechten Hand weiter zu machen, die trotzdessen den Hirtenstock halten konnte. Ihr Gemurmel drang dabei an ihre eigenen Ohren und bestätigte ihr bald, dass alle Tiere beisammen waren. Goliath und Fidel waren auch da... Moment, jener hatte ja schon wieder was im Haar! Schnell herausgerupft und die braunen Strähnen erneut geordnet, dann war die Welt auch schon fast wieder in Ordnung. Der Besuch beim Waldteich wurde aber dennoch immer dringlicher und so setzte sich die Gruppe aus Mensch und Tier wieder in Bewegung. Im Schatten der Bäume war die Wärme des Tages erträglicher und doch standen die Birken und Pappeln weit genug auseinander, um die vielen Schafe ohne Schwierigkeiten hindurch zu lassen. Mia hatte bereits am Tag zuvor den Waldteich ausfindig gemacht, ehe sie den Weideplatz gewählt hatte, denn beides war gleichermaßen wichtig für ihre Schützlinge. Aus diesem Grund fand sie den gesuchten Ort schnell wieder und Goliath wie auch alle anderen zwölf Mäuler fanden ihren Weg ins kühle Nass.

„Ja, Fidel, auch die Haare.“ Mia stand mit dem Rücken zu ihm und schob sich bereits die Tunika über die Schultern. Mit einer Engelsgeduld und einem leisen Lächeln auf den Lippen hörte sie sich das Gequake ihres Bruders an, der scheinbar immer dann wasserscheu wurde, wenn er sich wirklich waschen musste. „Ja, auch die Ohren. Du weißt doch...“ und den letzten Teil des Satzes beendete sie nicht, weil sie das ständig sagte und er es doch immer wieder zu ignorieren schien. Immerhin hatte er sich bereits ausgezogen, aber meckern tat er trotzdem noch! Nun war er sogar ins Wasser getreten, da hatte sich Mia gerade die Stiefel ausgezogen. Es folgte die Hose, die Unterwäsche... dann...

Sie erhob sich und löste das Haar in ihrem Nacken aus dem dichten Knoten, den es gebildet hatte. In strähnigen Wellen floss es ihr folgend über den Körper und man sah, dass es das Wasser dringend nötig hatte. Es war schon ganz fettig geworden und roch stark nach...Schaf. Auch dies war ein Grund, warum sie es sich meistens zurückband. Prüfend glitten ihre Iriden über den Körper des Kleinen und befanden, dass auch er das Bad nötig hatte. „Also... wenn du wirklich nicht baden willst...“ sagte sie in einem Säuselton, der ein Achselzucken hörbar machte und begann dann auf ihn zuzulaufen. Ein kleiner Sprung und schon riss sie ihren Bruder mit sich unter die Wasseroberfläche wo sie ihn losließ und selbst wieder auftauchte. Puh... das war wirklich ganz schön kalt. Dennoch lachte sie hell und biss sich auf die Unterlippe, als sie schelmisch zu Fidel hinüber blickte. Sie konnte in diesem seichten Gewässer stehen, alles andere hätte sie nicht geduldet, da sie beide nicht schwimmen konnten. Dementsprechend stand sie nun brusthoch im Wasser und fuhr sich mit den Händen durch die nun schwarz wirkenden, nassen Haare. „Siehst du... geht doch. Alles halb so wild!“

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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Erzähler » Sonntag 14. Juli 2019, 19:27

„Uääärrg! Du bist so dooof!“
, motzte ihr Bruderherz auch prompt los, sobald er wieder aufgetaucht war. Der Dreck der letzten Tage lief nun in dunklen Streifen an seinem schmächtigen Körper hinunter. Er drehte sich weg und schmollte scheinbar. Seit einiger Zeit verhielt er sich manchmal seltsam. Er brauchte morgens länger um aus seinem Schlafsack zu kommen, oder genau anders herum, stand lange vor ihr auf und verdrückte sich deutlich länger in die Büsche. Er stritt auch häufiger mit ihr und blieb auch mal länger weg als verabredet. An einem Bach am Bauernhof von Bauer Wenzel, hatte er die beiden Töchter beim Waschen der Kleidung beobachtet und darüber die Herde vergessen. Eines der Schafe war deswegen entwischt und musste stundenlang gesucht werden.
Noch fand er die Mädchen meistens doof, aber manchmal starrte er sie auch neugierig an und schüttelte dann verwirrt den Kopf, wenn sie über ihn kicherten. Mit seinen 10 Jahren war er noch nicht so weit wie manch anderer Junge, der Bildung und soziale Kontakte pflegte. In manchen Familien wurden in diesem Alter schon Ehen geschlossen, aber das blieb ihnen beiden wohl vorerst erspart. Freiheit hatte seine Licht und Schattenseiten.
Fidel stand tropfend im flachen Wasser und Mia musste ihn wiederholt auffordern sich auch wirklich überall abzureiben. Die „Drohung“ ihm sonst zu helfen, funktionierte von mal zu mal besser und so dauerte das Bad auch keine kleine Ewigkeit mehr, sondern sie hatten sich schnell gewaschen und wieder angezogen. Wirklich viel Kleidung zum wechseln hatten sie nicht, also mussten die Gewänder, die sie gerade abgelegt hatten auch gleich gewaschen und getrocknet werden, damit sie dann beim nächsten Mal wieder etwas sauberes hatten. Seife hatten sie nicht, gründliches Ausklopfen und Ausspülen musste halt genügen. Ab und an schaute Mia nach dem Hund und den Schafen, während sie beschäftigt waren, aber das Wasser hielt die Tiere noch eine Weile an Ort und Stelle, so dass sie zügig und ungestört arbeiten konnten. Auch hier war ein bisschen Diskussion notwendig um Fidel dazu zu bringen, auch beide Socken zu waschen, oder das Hemd nicht einfach auf links zu drehen und wieder einzustecken.

Dann war es aber geschafft und sie selbst, ihr Bruder und sogar Goliath sahen nach dem Bad wieder halbwegs vorzeigbar aus. So konnten sie Bauer Wenzel unter die Augen treten, der sicher schon auf seine Tiere wartete. Das Fell der fünf „Leihschafe“ war in der letzten Zeit gut gewachsen und es wurde Zeit für die Schur. Wenn sie sich rann hielten konnten sie seinen Hof noch heute vor Einbruch der Nacht erreichen. Dann könnten sie auch mal wieder in seiner Scheune schlafen, was gut wäre, denn der Himmel zeigte ein paar mehr Wolken als auf einen lauen Sommerabend hindeuten ließ. Die Tage wurden kürzer und die Nächte langsam wieder kühler, also war eine warme Scheune mal eine wohltuende Abwechslung für das Geschwisterpaar und ein Ort wo die Schafe in einem Gatter sicher waren und sie selbst einmal ausschlafen konnten. Also trieb sie die Aussicht auf ein Dach über dem Kopf und vielleicht auch ein warmes Essen von Bauer Wenzels Frau hinaus aus dem Wäldchen, rauf auf und über die Wiesen und hinunter zu dem Weg, der zu seinem Hof führte. Die Bewegung machte Spaß. Fidel und auch Goliath schienen beide ergriffen von Vorfreude und so dauerte es auch nicht lange, da sahen sie schon die ersten Weiden.

Das Königreich Grandessa war groß. Es gab so einige Höfe im ganzen Land verstreut und Mia war noch nicht so herum gekommen, dass sie immer ganz genau sagen konnte, wo sie gerade war. Sie hielt sich an landwirtschaftliche Gegenden, wo sie sich auskannte. Wälder waren gefährlich für die Schafe und die Küstenlinie teilweise auch. Auf ihrer „Flucht“ hatten sie sich südlich gehalten, aber die Grenze zu Jorsa gemieden und waren so tiefer ins Hinterland geraten, wo es wenig befestigte Dörfer gab. Einzelne Handelsposten, größere Höfe oder Gasthäuser an den Wegen hatte sie gesehen. Troman lag gut eine Tagesreise von hier entfernt, zwei mit der Herde, die sich langsam bewegte. Bauer Wenzel hatte sie kennen gelernt, als sie ihn allein hinter drei Schafen her spazieren sah. Man grüßte sich und kam ins Gespräch. Eins führte zum Anderen und schnell hatte sie den 45 Jahre zählenden Mann mit kugelrunden Bauch und Halbglatze lieb gewonnen. Er stellte keine Fragen und hatte ihr nach ein paar Tagen fünf Schafe anvertraut, die fern seines Gehöftes gehütet werden sollten... vielleicht um den Steuereintreibern zu entgehen? Sie stellte auch keine Fragen. Seine Frau war eine rundliche 43 und sie hatten zwei Töchter, 23 und 16. Mia mochte Zahlen.

Jetzt da sie ihre kleine Herde den Hügel hinab trieb, sah sie schon von weitem Frau Wenzel am Brunnen stehen, neben ihr die jüngere Tochter, Lilli. Die ältere Tochter Lisa war bestimmt bei ihrem Vater im Stall. Fidel straffte die Schultern, als sie sich dem Hof näherten und Frau Wenzel hob grüßend die Hand.
„Oh, einen schönen Abend Mia. Schön euch zu sehen. Ihr seid aber früh dran. Wir haben euch erst morgen oder übermorgen erwartet. Passt aber. Schön schön. Treibt die Schafe in den Pferch und dann kommt essen. Es gibt Kartoffeln mit Speck und Ei.“
Lilli zog gerade einen Eimer Wasser hoch und stellte ihn neben einen bereits vollen.
„Hallo Fidel.“
Der Angesprochene blieb stocksteif stehen und bekam kein Ton raus. Lilli sah ihn etwas irritiert an und hob dann die schweren Eimer an.

"M"
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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Mia » Mittwoch 17. Juli 2019, 13:27

Lautes Lachen hallte über den Waldteich, was ein paar der Schafe dazu brachte, verwundert aufzuschauen und mit dem saufen oder fressen aufzuhören. Tropfen flossen durch Fell, Grashalme segelten auf die Wasseroberfläche, dann hatte sich die Verwunderung wieder gelegt. Zumindest bei den Tieren, bei Mia machte sich hingegen nur wieder ein breites, inneres Fragezeichen breit, was sie vorerst nicht nach außen dringen ließ, welches aber mahnend in ihren Gedanken verweilte, wie ein Anliegen, dem früher oder später Gehör geschenkt werden musste!
Was hatte Fidel? Seine Launenhaftigkeit war der jungen Frau ein großes Rätsel, zumal er nicht bereit zu sein schien, darüber zu reden. Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? War er sauer auf sie? Aber so lange? Eigentlich hatten sie sich bis hierhin fast nie gestritten... nun wurde es langsam eine traurige Tradition ihres Alltags.„Was ist denn los?“ fragte sie also scherzhaft und spritzte dem Jungen weiteres Wasser ins Gesicht. Doch auch dadurch war es der Hirtin nicht möglich ihm ein erklärendes Wort geschweige denn ein Lächeln zu entlocken. Was machte sie nur falsch?

Nein, darüber vergoss sie keine Träne und auch ihre Miene verriet nichts von der aufkeimenden Sorge um ihren kleinen Bruder, der sich langsam aber sicher immer mehr von ihr zu entfernen schien. Nun ja, womöglich war dies nur eine Phase und er würde in ein paar Wochen wieder der Alte sein. Dementsprechend locker ging sie weiterhin mit seinem Trotz um und zuckte auch ihre Schultern darüber, dass er sich wirklich nicht von ihr helfen lassen wollte. Ein Schäfchen, zwei Schäfchen, drei Schäfchen... Wo war Goliath eigentlich?
Am Ende ihres kleinen Badeausfluges, der so manch eine Überredungskunst von Mia gefordert hatte, waren die drei bereit, weiter zu reisen und die zwölf nimmersatten Schäfchen ebenso.
Der Weg zu Bauer Wenzel war wenig beschwerlich. Es ging Hügel hinauf und wieder hinunter, die Schafe ließen sich gut von Mia und Goliath vorantreiben und zur Freude seiner Schwester war Fidel wieder so munter und heiter auf den Beinen wie ein junges Rehkitz im Beisein seiner Mutter. Da verflog die Zeit auch recht schnell, oder vielmehr überwand sich die Strecke zum Wenzelhof wie im Flug, denn sie schafften es tatsächlich vor Sonnenuntergang und vor einem eventuellen Regenguss, ihr Ziel zu erreichen.

Mia winkte Wenzels Frau und ihrer Tochter zum Gruß und spürte Erleichterung in sich aufsteigen. Ihr wäre wirklich nicht wohl gewesen bei dieser Wetterlage in der heutigen Nacht draußen zu schlafen. Fidel hätte krank werden können und das heutige Bad wäre dann ebenfalls für die Katz gewesen. Mal ganz zu Schweigen von ihren Kleidern, die sie dann erst wieder hätten aufhängen und trocknen lassen müssen. Und der Proviant! Der wäre ganz verdorben gewesen... Goliath bellte mahnend und einige Schäfchen fanden zurück zu ihrer Herde. Mia erschreckte sich dabei und bemerkte, dass sie nicht richtig aufgepasst hatte. Auf den Wolfshund war aber wie immer Verlass und so atmete sie auf und rief ein „Gut gemacht, Goliath!“ zu ihrem treuen Begleiter hinüber.

Da er aufpasste, konnte sie ein paar Worte mit den beiden Frauen wechseln, mit denen sie aber kein Garmisch sondern Celcianisch redete. Mia nahm die Mutter, zuerst wahr, denn diese sah sie mit dicken, runden Apfelwangen an, die ein breites, freundliches Lächeln umrahmten. Die kleinen Äuglein blitzten freudig und einige Strähnen ihres Hellbraunen Haares hatten sich aus ihrer Frisur gelöst. Sie war wohl gerade gut beschäftigt gewesen, denn ihr Gesicht war gerötet und ein zwei Schweißtropfen perlten ihr von der Stirn. Wie hieß sie noch gleich? Morlinde? Maya? Magherite? Irgendetwas mit M oder war es doch ein B? Mia war nicht sonderlich gut darin, sich Namen zu merken. Aus einem Gespräch mit ihrem Mann wusste die Hirtin jedoch, dass diese Dame hier Dreiundvierzig Jahre alt war. Eine Zahl, die sie nicht genau fassen konnte, die ihr Bauer Wenzel aber auch gutmütig erklärt hatte. Wenn das seine Frau wüsste... er hatte gelacht und Mia das Versprechen abgenommen, es ihr niemals zu erzählen, da sein Liebchen in dem Punkt doch etwas eitel war. Jedenfalls wusste Mia, dass ihr Gegenüber 20, 20 und 3 Jahre zählte. Praktisch also 2 Mal Mias Leben gelebt hatte oder 3 und ein halbes Leben von Fidel...ungefähr. Ihre Tochter - irgendetwas mit „L“oder „I“ - war 16 Jahre alt und damit 4 Jahre älter als Fidel und 6 Jahre jünger als Mia. Manchmal hatte sich die Hirtin gefragt, wie es wohl wäre eine kleine Schwester zu haben und immer wieder kam sie zu dem Schluss, dass sie es nicht vermisste und Fidel ihr vollkommen ausreichte. 16 und 20-20-3 kamen also auf sie zu und Mia, die inständig hoffte, dass ihr die Namen rasch wieder einfallen mochten, lächelte breit und ehrlich. Sie war wirklich froh, hier zu sein. Wortreich wurden sie von 20-20-3 begrüßt und die Aussichten auf eine reichhaltige Mahlzeit machten ihren Magen schon ordentlich munter! „Hallo! Das ist aber freundlich von Ihnen, dankeschön! Ja, das Wetter sah nicht so gut aus, und wir kamen recht gut voran heute.“ Es würden nicht mehr viele Minuten fehlen und dann könnte sich Mia endlich wieder ausruhen. 10, vielleicht aber auch 11 Minuten? Je nach dem wie zahm die Schafe heute waren. Zunächst begrüßte aber auch 16 die beiden, oder vielmehr Fidel, der jedoch lieber zu einer Steinsäule erstarrte, als eine Antwort zu geben. Mia klopfte ihm daraufhin locker auf die Schulter. „Na? Willst du nicht auch Hallo sagen?“ Dann drehte sie ihren Kopf zu 16 hin und lächelte entschuldigend. „Er ist wohl noch etwas aus der Puste. Hey, aber sag Fidel, magst du ihr nicht mit den Eimern helfen? Die sehen schwer aus. Ich geh derweil die Schafe wegbringen, ja?“

Und dann... ohne eine Antwort darauf zu erwarten, würde sich Mia auch entfernen und die vielen vielen blökenden Schäfchen zum abgetrennten Weidestück bringen, wobei ihr Goliath wieder einmal tatkräftig zur Seite stand. Sie brauchte nicht einmal zu pfeifen, sogar ihr Stab blieb dieses Mal fast regungslos neben ihr stehen. Die Schafe schienen zu ahnen, dass sie nun ihre wohlverdiente Pause bekamen und das Wandern vorerst ein Ende hatte. Sie stoben daher dankbar in den Pferch hinein, den Mia lediglich hinter ihnen wieder zu schließen brauchte. 7 Minuten, waren das gewesen. Mehr aber auch nicht. Zeit zurück zu kehren und sich dem Essen zu widmen! Hrm... Kartoffeln! Speck... und Eier... wann hatten wir das das letzte Mal? Hach! Goliath bellte freudig und sprang an Mias Seite, sodass sie ihm die geforderte Aufmerksamkeit schenkte, sich hinhockte und ihn einmal kräftig durch das Fell wuschelte. „Danke mein Großer, das hast du fein gemacht!“

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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Erzähler » Montag 22. Juli 2019, 08:42

Mia klopfte ihrem erstarrten Bruder locker auf die Schulter.
„Na? Willst du nicht auch Hallo sagen?“
Dann drehte sie ihren Kopf zu 16 hin und lächelte entschuldigend.
„Er ist wohl noch etwas aus der Puste. Hey, aber sag Fidel, magst du ihr nicht mit den Eimern helfen? Die sehen schwer aus. Ich geh derweil die Schafe wegbringen, ja?“
Fidel nickte nur und sah mit roten Ohren zu Boden. Was war denn nun schon wieder los. Hatte sie wieder etwas falsch gemacht. Als sie sich dann schon ein paar Schritte entfernt hatte, hörte sie ein leises und ungewöhnlich heiseres:
„Hallo.“
von ihrem Bruderherz. Weiter belauschte sie aber die beiden nicht, denn die vielen vielen blökenden Schäfchen mussten zum abgetrennten Weidestück gebracht werden, wobei ihr Goliath wieder einmal tatkräftig zur Seite stand. Sie brauchte nicht einmal zu pfeifen, sogar ihr Stab blieb dieses Mal fast regungslos neben ihr stehen. Die Schafe schienen zu ahnen, dass sie nun ihre wohlverdiente Pause bekamen und das Wandern vorerst ein Ende hatte. Sie stoben daher dankbar in den Pferch hinein, den Mia lediglich hinter ihnen wieder zu schließen brauchte. 7 Minuten, waren das gewesen. Mehr aber auch nicht. Zeit zurück zu kehren und sich dem Essen zu widmen! Hrm... Kartoffeln! Speck... und Eier... wann hatten wir das das letzte Mal? Hach! Goliath bellte freudig und sprang an Mias Seite, sodass sie ihm die geforderte Aufmerksamkeit schenkte, sich hinhockte und ihn einmal kräftig durch das Fell wuschelte.
„Danke mein Großer, das hast du fein gemacht!“
Da kam Bauer Wenzel um die Ecke und schenkte ihr ein warmes Lächeln. Neben ihm trottete „Rila“ die schon etwas in die Jahre gekommene Hütehündin der Familie. Sie hatte zotteliges langes Fell mit etwas „Mottenfraß“ und schon das typische weiß um die spitze Schnauze, dass man bei alten Tieren erkennen konnte. Sonst war sie aber noch ganz munter. Herr Wenzel hatte Mia erzählt, dass sie sich das Hinterbein verletzt hatte und war deswegen glücklich gewesen, als die beiden seine Schafe eine Weile übernehmen konnten. Rila humpelte noch ganz leicht, aber bald würde sie wieder ganz genesen sein und ihre Aufgabe übernehmen können. Doch dann würde Bauer Wenzel Mia, Fidel und Goliath nicht mehr benötigen und was dann? Sie würden wieder weiter zeihen müssen um ein bisschen Geld heran zu schaffen. Jetzt da die Schafe eingepfercht waren, kam Goliath angetrabt und begrüßte Rila mit freudigem Schwanzwedeln und etwas zu stürmischen Körperkontakt. Die alte Dame ignorierte ihn fast gänzlich und nach ein paar Runden um Hund und Herrchen gab Goliath auf und legte sich brav ihr zu Füßen. Erst dann ließ sie sich zu ihm herab und leckte seine Ohren, was er sehr genoss. In ihrer Gegenwart war der große Goliath ganz das fromme Schäfchen. Ein Zustand, den man sonst eher selten zu sehen bekam, da er manchmal schon sehr ruppig sein konnte. Bauer Wenzel lächelte auf die beiden herab und trat dann zu Mia. Er musterte sie kurz nachdenklich und lehnte sich dann gegen den Lattenzaun der Weide. Ein Fuß auf die untere Sprosse aufstellend ließ er dann seinen Blick über die kleine Herde schweifen.
„Fräulein Mia, du machst dir über irgendetwas Sorgen.“
Vielleicht hatte er durch den Umgang mit seinen Töchtern einen siebten Sinn für solche Dinge, vielleicht konnte er auch nur gut Gesichter lesen. Auf jeden Fall war ihm Mias Gemütszustand nicht verborgen geblieben.
„Ist es, weil eure Anstellung bald hier zu Ende geht? Die nächsten ein oder zwei Tage kann ich euch noch gut für die Schur gebrauchen und die Wolle deiner Lieblinge würde ich dir abkaufen. Viel kann ich nicht dafür bezahlen... Ich muss noch die Steuer entrichten.“
Er wurde einen Moment still. Als Mia ihn von der Seite so betrachtete, spiegelte sich die langsam tiefer sinkende Sonne auf seiner Halbglatze.
„Vielleicht kenne ich auch jemanden, der dir einen guten Auftrag anbieten kann... ...Oder beschäftigt dich etwas anderes, mein Kind.“
Sein runder Bauch drückte sich von der oberen Sprosse ab und er wandte sich ihr zu. Seine Augen waren warm und besorgt.
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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Mia » Dienstag 23. Juli 2019, 13:00

Als sich Mia um ihren freudig hechelnden Begleiter kümmerte, sein zotteliges Fell kraulte und in Anbetracht seines aufgeregten Gebarens lächelte, bemerkte sie dabei nicht, dass ihr Gastgeber in gemächlicher Ruhe und einer gelassenen Abgeklärtheit seinen Weg zu ihr fand. Dabei war das Knirschen seiner ledernen Stiefel und das Rascheln sich bewegender Gewandung kaum zu überhören. Sie bemerkte es nur hintergründig und sah dementsprechend erst auf, als der beleibte Herr des Hofes an ihre Seite trat und seine eigene Hütehündin Rila mitbrachte. Ein bereits betagtes und derzeitig auch verletztes Tier, dem man seine Jahre durchaus ansehen konnte. Das braune Fell war hie und da ausgefallen und verlieh ihr eine äußerst zerlumpte Erscheinung. Ganz so als wäre sie immer mal wieder unabsichtlich unter eine Schurschere geraten. Trotzdessen war sie der Grund dafür, warum sich Mia bald Gedanken um ihr weiteres Auskommen machen musste, denn ohne die Schafe Wenzels, würde sie weitaus weniger Geld zur Verfügung haben als ohnehin schon. Es würde bedeuten weiter zu ziehen. Wie immer. Eigentlich eine Lebensweise mit der sie sich bereits abgefunden hatte, dennoch freute sie sich nicht darauf. Die Hirtin erhob sich und erwiderte das Lächeln ihres Gastgebers mit einer Erschöpfung, die ihr erst jetzt in die Glieder zu fahren schien. Wie freute sie sich schon auf das Essen! Goliath war indes noch putzmunter und ließ dies seine Artgenossin spüren. Irgendwie ein ulkiger Anblick, wie er sich so um sie bemühte und seine Runden um Herrchen und Hündin zog. „Die Schafe sind alle im Pferch.“ gab Mia also das Offensichtliche kund, ohne ihren Blick von Goliath zu lassen, der sich nun niedergelassen hatte und endlich die Aufmerksamkeit bekam, die er gewollt hatte. Rila war deutlich kleiner als er und doch unterwarf er sich ihr mit einer Hingabe, die wohl nur einem Hund zu eigen war. Mia schmunzelte belustigt. Der Bauer trat unterdessen an die abgezäunte Weide heran und schenkte der Hirtin einen gedankenverlorenen Blick, er musterte sie schwieg aber und wandte sich dann den Schafen zu. Schafe die futterten, Schafe die sich niedergelassen hatten und Schafe die noch die letzten Energien in ein Blöken steckten. Auch Mia drehte sich zu dieser Meute aus wandelnder Wolle zu und legte ihre Ellenbogen locker auf der obersten Holzsprosse ab.

Ob Fidel der jungen 16 auch wirklich half? Diese Schüchternheit war eigentlich untypisch für ihn. Vielleicht hätte sie ihn nicht alleine lassen sondern ihn lieber hier her mitnehmen sollen, aber vielleicht hätte er sich auch dann beschwert. So wie vor ein paar Tagen, als sie ihn darum gebeten hatte, mit ihr gemeinsam zu essen und er sein Brot doch lieber runter zum Wasser nehmen wollte. Da hatte er es auch abgelehnt, dass sie mitkam. Das ganze war in einem Streit und zwei erhitzten Gemütern geendet, die letztendlich allein ihr Brot gefuttert hatten und noch den restlichen Abend sauer aufeinander waren. Es wurde von Tag zu Tag anstrengender mit ihm. Tja und obwohl sie diese Sorgen der Welt lieber vorenthalten hätte schienen sie doch durch ihre Miene zu dringen wie leise Sonnenstrahlen durch ein löchriges Blätterdach. Sie blinzelte irritiert, als Wenzel neben ihr sie plötzlich darauf ansprach. „Wie?“ fragte sie geistreich nach, obgleich sie die Frage durchaus verstanden hatte. Sorgen... hatte sie Sorgen?... oh ja, die hatte sie.
Die hatte jeder Erwachsene, der darum bemüht war für Geld, Unterkunft und Essen für sich und seine Lieben zu sorgen. Während Wenzel all diese praktischen Dinge aufzählte, die ihr tatsächlich mindere Kopfschmerzen bereitet hatten, erfasste sie das Ohr eines Schafes und verlor ihren Blick darin. Sie hörte zu und auch wieder nicht. Dann zählte sie die Schafe, bewegte lautlos ihre Lippen dazu: „Eins, zwei, drei...“ und schob ihre Finger nach und nach vor, sodass sie auch nicht durcheinander kam. Gleichzeitig hörte sie tröstende Angebote, die mit verkaufter Wolle und der bevorstehenden Schur zu tun hatten und ihr damit für die nächsten Tage zumindest ein kleines Auskommen gewährten. Aber ihr Innerstes erwiderte darauf nichts. Das waren immer wiederkehrende Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatte. Eine dauerhafte Belastung, klar, aber eben auch eine, an die sie sich gewöhnt hatte. Langsam zwang sie sich von den Schafen abzulassen, mittlerweile hatte sie sogar angefangen die Latten auf der gegenüberliegenden Seite des Pferchs zu zählen, dabei war das Gespräch hier gerade entscheidend! Hatte Wenzel denn nicht gerade von einem eventuellen Auftrag erzählt? Sie drehte den Kopf und sah, wie das bereits grau gewordene Haar wolkenhaft, leicht um seinen Kopf waberte und wie sich die Sonne in lustiger Weise in seiner Halbglatze spiegelte. Er besaß auch einen Bart, der unter seiner Nase begann und sich an den Mundwinkeln vorbei bis zum Kinn vorarbeitete, um auch dieses wie graue Watte zu umrahmen. Direkt unter der Unterlippe war auch noch ein wenig Bart zu sehen, allerdings nicht zu diesem Zeitpunkt, da er sich von Mia abgewandt hatte und seine Gedanken in Stille neu ordnete.
Irgendwie... war er wie ein Großvater, den Fidel und sie nie hatten. Tüchtig und Vernunftbegabt, aber auch rührend besorgt um die beiden Wanderkinder. Vielleicht.... ja vielleicht...
„Um ehrlich zu sein ja.“ begann sie zögerlich und erwiderte den Blick aus nachdenklichen Augen heraus, die versuchten abzuschätzen, ob ihr Gegenüber, der wirklich richtige Ansprechpartner für ihre Sorgen war. Andererseits... wenn nicht er, wer sonst? Die Schafe? Goliath?
„Es wird demnächst natürlich wieder schwerer für uns werden aber... was mir wirklich Sorgen bereitet ist...Fidel.“ Ganz so als könnte sie ihren kleinen Bruder nun erblicken, drehte sie den Kopf in die Richtung, in der sie ihn zuletzt gesehen hatte und fuhr dann fort: „Er ist in letzter Zeit so abweisend und launisch. Gar nicht mehr so anhänglich und... hm... fröhlich wie früher.“ Die braun-grünen Iriden suchten den Blick des Älteren. „Und ich frage mich, ob ich irgendetwas falsch gemacht habe, oder... falsch mache.“

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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 24. Juli 2019, 19:29

„Um ehrlich zu sein ja.“
begann sie zögerlich und erwiderte den Blick aus nachdenklichen Augen heraus.
„Es wird demnächst natürlich wieder schwerer für uns werden aber... was mir wirklich Sorgen bereitet ist...Fidel.“
Ganz so als könnte sie ihren kleinen Bruder nun erblicken, drehte sie den Kopf in die Richtung, in der sie ihn zuletzt gesehen hatte und fuhr dann fort:
„Er ist in letzter Zeit so abweisend und launisch. Gar nicht mehr so anhänglich und... hm... fröhlich wie früher.“
Die braun-grünen Iriden suchten den Blick des Älteren.
„Und ich frage mich, ob ich irgendetwas falsch gemacht habe, oder... falsch mache.“
Bauer Wenzel sah sie an. Aus dem Blick voller Sorge wurde etwas anderes – Verstehen! Seine Brauen hoben sich und um seine Augen bildeten sich geschätzte 20 oder mehr Falten, als er plötzlich lächelte und leise gluckste. Sein Bauch hüpfte dabei lustig und er lächelte das Mädchen neben sich an, mit Zuversicht und tiefem Verständnis im Blick. Sein Arm wand sich „großväterlich“ um ihre Schultern und er gluckste noch einmal.
„Mädel, du machst nicht falsch!“
Das aus seinem Mund ließ sofort einen kleinen Teil ihrer Sorgen wie Steine einen Berg herunter rollen. Zurück blieb natürlich das Unverständnis über das merkwürdige Verhalten ihres Bruders, was Wenzel jetzt aber zu erklären suchte:
„Dein Bruder kommt nun in eine Phase seines Lebens, in dem er einige körperliche Veränderungen durch macht... auch geistige.“
, reichte er den letzten Teil nach einem langen Seufzer nach. Er klopfte ihr Trost spendend auf die Schulter und trat dann wieder von ihr weg, um sich an das Gatter zu lehnen und sah sie dabei aufmerksam an.
„Er wird nun langsam zum Mann, verstehst du? Es sollte nicht die Aufgabe einer Schwester sein, ihn da hindurch zu helfen. Er bräuchte ein männliches Vorbild, der ihm zeigt, was es bedeutet, mit ihm redet und ihm erklärt, was passiert, wie er sich verhalten soll, wenn das Interesse am holden Geschlecht erwacht.“
Mit diesen Worten folgte er dann Mias Blick in die Richtung wo sie Fiedel mit 16, bzw. Lilli hatte verschwinden sehen und plötzlich ging ihm auf, dass es seine Tochter war, die da das Interesse erweckte. Kurz runzelte sich seine Stirn, aber dann gluckste er schon wieder.
„Ich glaube, dein Bruder findet meine Lilli recht anziehend, also biete ich dir an, dieses Gespräch mit ihm zu fühlen, bevor sie ihm sein junges Herzlein bricht.“
Er sah wieder Mia an.
„Nur wenn es dir Recht ist natürlich. Die nächsten zwei Tage könnt ihr gern hier bleiben. Ich könnte ihn mir mal beiseite nehmen und mit ihm reden. Denk drüber nach. “
Dann fügte er noch hinzu:
„Er wird etwas Abstand brauchen und du bist nun mal seine Schwester. Er schämt sich sicherlich und wird deshalb vielleicht auch manchmal frech, oder?“
Ihr Gesichtsausdruck gab ihm wohl Antwort genug.
„Ah... Du hast nichts falsch gemacht, aber du kannst, bzw. du solltest auch nichts tun um es besser zu machen. Er würde es nur ohnehin falsch verstehen. Du kannst nur für ihn da sein und ihm verzeihen, wenn er nicht weiß wo hin mit sich und Unsinn macht.“
Für ihn da sein... Ja, dass konnte sie und war sie schon immer.
„Es wird ein bisschen dauern, aber wenn du mich machen lässt, dann wird er von ganz allein zu dir zurück kommen. Hab Geduld und sei auf ungewöhnliche Fragen gefasst.“
Er wartete ihre Entscheidung ab und streichelte dabei seine Rila.
((ooc: Die Entscheidung kannst du dann nachträglich einfügen.))
Ein fernes Geräusch ließ ihn aufschauen. Bauer Wenzel sah zum Haupthaus, wo grade die Haustür aufging und seine Frau hinaus schaute. Sie sah sich um, erblickte ihn, lachte und winkte ihnen. Sie führte die Hand zum Mund, eine eindeutige Geste.
„Essen ist fertig.“
, kommentierte Wenzel neben Mia. Dann sah er sie noch einmal an.
„Sag meinem holden Weib lieber nichts von deinen Sorgen mit deinem Bruder. Sie macht sich selbst schon zu viel Gedanken über unsere Lilli. Sie ist sein rechter Wildfang und hat viele Verehrer. Bald muss ich sie unter die Haube bekommen, sonst passiert noch ein Unglück.“
Beim letzten Teil des Satzes hatte sich seine Stimmlage etwas geändert, aber Mia konnte nicht genau fassen, woran es lag. Dann war das Gespräch vorerst beendet und sie gingen zum Essen.

Das Haus der Wenzels war klein, wie alle Bauernhäuser die Mia kannte. Es war aber gemütlicher als die meisten und duftete an jeder Ecke anders. Frau Wenzel und ihre älteste Tochter hatte eine heimliche Leidenschaft für Kräuter und so hingen überall getrocknete Büschel von der Decke, wohin man auch sah. Schon beim Eintreten wehte so Mia eine Duftkomposition aus wilden Blumen, Kräutern und gebratenem Speck entgegen, dass ihre Sinne zu tanzen begannen. Es war gemütlich warm, so dass sie ihren Mantel ausziehen konnte und es stand eine Schüssel Wasser bereit um sich die Hände zu waschen. Fidel saß schon am Tisch und starrte unentwegt zu der kokett lächelnden 16 hinüber, die sich in seiner Aufmerksamkeit sonnte. Sie war wirklich hübsch anzusehen, die 16 und sie konnte wirklich herausragend mit ihren langen Wimpern klimpern. Auch die große Schwester saß schon und Mia erkannte einmal mehr die Familienähnlichkeit. Mutter Wenzel stand mit dem Rücken zu ihnen am Herd und lud die letzten Kartoffelspalten mit dem Speck zusammen auf eine große Platte, was Mias Aufmerksamkeit unweigerlich auf den Tisch lenkte. In einer Schüssel auf dem Tisch standen dampfende gerührte Eier in denen kleine grüne Tupfen verrieten, dass Schnittlauch und manch anderes Kraut den Weg hinein gefunden hatte. Alles duftete herrlich würzig und ließ einem das Wasser im Munde zusammen laufen. Prozentual war der Speck zu wenig und die Eier auch, aber so kannte es Mia. Bei reichen Leuten wäre es vielleicht anders herum gewesen.
Als Vater Wenzel sich gesetzt hatte und alle zu Ruhe gekommen waren, sprach er das Tischgebet:
„Florencia sei Dank für die Früchte unserer Felder. Phaun sei Dank für das Fleisch der Tiere, die wir essen dürfen. Lysanthor sei dank für das Licht, dass uns behütet und uns den Weg erhellt. Ventha sei Dank, die Regen schickt, wenn uns dürstet. Feylin sei Dank, für den Frohsinn unserer Kinder. Brocknar sei Dank für den Fleiß unserer Hände. Dem Urgeist sei Dank für das Land auf dem wir leben. Manthala sei Dank für die Stille der Nacht und Faldor sei Dank, dass er uns in Ruhe lässt. Wir danken allen bekannten und unbekannten Göttern, damit unser Leben glücklich und zufrieden sei. Amen.“
Damit nickte er in die Runde und das muntere Schüssel herumreichen begann. Das gute Essen vertrieb vorerst ALLE Sorgen! Sie würden wieder kommen, aber weil Mia und ihr Bruder schon ein paar Tage nur von kargen Vorräten gelebt hatten, war das hier ein regelrechtes Festmahl. Warm und buttrig schmiegte sich das Ei an ihre Gaumen und spielte mit den herb-würzigen Aromen des Fleischs und der knusprig gebratenen Kartoffeln. Frau Wenzel konnte wirklich kochen!
Nach ein paar wohligen Minuten des gefräßigen Schweigens sah Mia auf und schaute in ein dankbar lächelndes Gesicht der Mutter. Dass sie so mit Appetit aß schien ihr zu gefallen. Sie sah auch zu Fidel und wirkte glücklich. Ihr Bruder schaufelte wie ein Irrer die Kartoffeln in sich hinein und würde sicher wieder Bauchschmerzen bekommen. Aber wenn man selten so gutes bekam und selten so reichlich, dann neigte man auf Vorrat zu essen. Außerdem, war das Rosmarin an den Kartoffeln?
„Mama, der doofe kleine Gockel hat schon wieder angefangen die alte Henne Helga zu picken. Sie wird bestimmt wieder keine Eier legen, wenn er so weiter macht.“
, erzählte Lilli nun und ein kleines Tischgespräch über die Widrigkeiten des Alltagslebens auf einem Bauernhof entstand. Es wurde entschieden, den zweiten Junghahn noch einen Tag Aufschub zu gewähren und wenn er nicht aufhörte, würde er zum Braten werden. Bauer Wenzel berichtete, dass Mia und Fidel noch zwei Tage bleiben würden um bei der Schur zu helfen, was die ganze Familie zu freuen schien. Oft hatten sie nicht Besuch. Durch Rilas Krankheit hatte sich die letzten Tage auch ein junger Fuchs näher an die Weiden gewagt und Lisa befürchtete, dass er es auf den Stall abgesehen haben könnte. Fidel bot mit unsicherer Stimme an, dass er mit Goliath eine Runde um die Weiden machen konnte, damit sich dieser da seine Markierungen setzen konnte. Das würde die Wildtiere wieder eine Weile fern halten. Als Lilli das für einen hervorragenden Vorschlag hielt, lief er prompt rot an und Mutter Wenzel kratzte sich nachdenklich den Kopf. Sie sah auch Mia an und runzelte dann die Stirn.
„Ihr beide seht ja ganz geschafft aus! Ihr solltet bald schlafen gehen! Mia kann im Bett bei den Mädchen schlafen. Fidel, du kannst dich hier in der Küche oder im Stall hinlegen. Ich bring dir noch ein paar warme Decken.“
Bauer Wenzel stand auf und meinte:
„Ich geh draußen noch mein Pfeifchen rauchen.“
Ein kurzer Blickwechsel zu Mia folgte. Vielleicht ein Zeichen, um ihm Fidel hinterher zu schicken? Auch die Mädchen standen auf und kümmerten sich um den Abwasch, während die Mutter wie gesagt, die Decken holte.
So langsam kam der Haushalt zu Ruhe. Mutter Wenzel saß in einem Schaukelstuhl in der Wohnküche und häkelte. Lisa stopfte Socken. Lilli spielte leise auf einer Flöte und Fidel sah ihr gebannt zu. Vater Wenzel kam herein, setzte sich an den noch warmen Herd, grinste und mitten drin lag Rila und ließ sich gnädiger weise von Mia den Bauch kraulen. Goliath hatte es vorgezogen mit dem Hausherren wieder nach draußen zu verschwinden. Mit seinem dichten Wolfsfell mochte er es nicht so warm. Jetzt hörte man ihn aber leise vor der Tür jaulen, da er noch nicht gefressen hatte. Mutter Wenzel wies mit einem Nicken in Richtung eines getrockneten Stücks Speckschwarte, auf der er sicher eine Weile herum kauen konnte. Nur musste noch irgendjemand raus um sie ihm zu bringen.
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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Mia » Donnerstag 25. Juli 2019, 14:06

„Mädel du machst nichts falsch!“ Und auf einmal fühlte sich Mia wie in eine andere Zeit, an einen anderen Ort, ja, in ein anderes Leben versetzt. Diese plötzlich Nähe und der vertraute Tonfall des Älteren störte sie nicht. Auch der Geruch von Heu, Feldarbeit und Kuhmist, der ihn umgab und nun auch in ihrer Nase kitzelte, erinnerte sie vielmehr an eine weit zurückliegende Vergangenheit, in der sie fast sorglos gewesen war. In der so manches Problem in den Händen eines anderen gelegen hatte und wo es Menschen gab, denen sie sich hatte anvertrauen können. Bauer Wenzel schien ebenfalls zu diesen Personen zu zählen und es ließ sie wahrlich aufatmen. Es war gut, dass sie mit der Sprache herausgerückt war. Die Selbstverständlichkeit, mit der er die Schuld von Mias Seite fegte, glich einem kühlen Windzug an einem viel zu heißen Sommertag und obgleich sie nicht verstand, warum sie keine Schuld an Fidels Gebaren haben sollte, reichte dieser kleine Satz aus, um tiefe Erleichterung in ihr auszulösen. Gut, sie hatte also nichts verbrochen, was war es aber dann, was ihren kleinen Bruder so veränderte? Wenzel lieferte sogleich die Erklärung und so langsam dämmerte Mia was Wenzel damit meinte. Fidel veränderte sich, weil er wuchs, weil er älter wurde und sich dem Erwachsenenalter näherte. Fidel sollte ein Mann werden! Das war das Natürlichste auf der Welt und doch kam die Hirtin nicht umhin, sich darüber zu wundern. Er war doch schließlich noch ein Kind. Ihr kleiner Fidel! Und nun sollte er... wie ihr Vater oder Bauer Wenzel werden? Gewiss, sie selbst hatte die Reifejahre auch schon hinter sich gebracht und das vor nicht allzu langer Zeit. Das machte sie in ihren Augen aber noch lange nicht erwachsen. Sie fühlte sich einfach noch nicht so. Vielmehr kam sie sich jeden Tag noch wie ein unwissendes Kind vor, was nicht wusste, wie es den Tag überstehen sollte, bis sie ihn tatsächlich anging und irgendwie in die Abendstunden trug. Daran zu denken, dass andere Frauen in ihrem Alter bereits verheiratet waren und Kinder bekommen hatten, waren ihr daher ein Graus. Aber wie dem auch war, Mia erinnerte sich nun an ihre bockigen Phasen, daran, dass sie gegenüber den Eltern rebelliert hatte, wenn auch sehr viel später als es nötig gewesen wäre. Vielleicht machte Fidel dies nun auch durch. Allerdings verstand sie dabei nicht wogegen er eigentlich rebellierte, waren sie doch beide erfolgreich vor ihren Eltern geflohen. Machte sie dann nicht also doch etwas falsch?

Aufmerksam und sehr interessiert folgte sie den Worten ihres Gegenübers, der sich nun wieder etwas entfernt hatte und ihr einen hilfreichen Tipp gab, den sie vorher nie in Betracht gezogen hatte. Womöglich brauchte der Kleine ein männliches Vorbild. Tja und das leuchtete ihr wirklich ein. Schließlich hatte Mia selbst doch gar keine Ahnung von... Jungs und Männern, von dem was sie eigentlich wollten schon gar nicht. Dementsprechend nickte sie bedächtig und gab ein kleinlautes „Ja.“ von sich. Zudem schien 16... nein, Lilli, wie Wenzel es ihr nun gütigerweise wieder ins Gedächtnis rief, Fidels besondere Aufmerksamkeit zu erregen, weswegen es doppelt und dreifach ratsam wäre, dem Älteren, das Gespräch mit Fidel zu gewähren. Wenzel hatte Recht, mit allem was er sagte! Ihr kleiner Bruder wurde wirklich manchmal frech und manchmal zog er sich wirklich für lange Zeit zurück und... sie seufzte. Wieder einmal lag es an dem Bauern ihr Mut zuzusprechen. Er verstand sie so gut, dass es fast schon gruselig war, aber eigentlich musste er es doch wissen, wenn er bereits zwei Töchter groß gezogen hatte. Sie merkte sich also, dass sie weiterhin ruhig und gelassen mit Fidel umspringen und all seine Merkwürdigkeiten verzeihen sollte. Nichts besser machen wollen... einfach nur für ihn da sein. Das waren erstaunlich einfach klingende Ratschläge und sie nahm sich vor, sich an diese zu halten. „In Ordnung. Bitte sprich mit ihm, ich wäre dir sehr dankbar dafür.“ beschloss sie und glaubte damit, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Wenzel bat sie noch darum, 20-20-3 nichts von ihren Sorgen zu erzählen, da sech....Lilli ebenfalls ein Sorgenkind zu sein schien, aber was er mit dem „Unglück“ meinte, was geschähe, wenn er seine Tochter nicht unter die Haube brachte... verstand sie nicht. Was für ein Unglück denn? Stand sie auch kurz davor auszureißen, Schafe zu klauen und ihr Glück in der Welt zu suchen?
… wäre das so ein Unglück?...

Als Mia das Haus betrat wurde sie von einer wahren Welle an Eindrücken überschwemmt, fast hinfort getragen. Warm und gütig umwölkten sie der Duft der Speisen am Tisch wie auch Kräutermischungen, die kopfüber von der Decke hingen und einerseits einen praktischen Nutzen zu haben schienen und andererseits für eine gemütliche Atmosphäre sorgten. Wuchtige Holzmöbel waren hier zu finden. Stühle mit klobigen Beinen, die zum langgezogenen Tisch passten und auf denen sich bereits ...Lilli, 20-3 und Fidel niedergelassen hatten. Eine weiße, fein gestickte Decke lag auf der Tischplatte und darauf wiederum befand sich bereits eine herrlich dampfende Schüssel mit Rührei und Kräutern. Mia beeilte sich, den Mantel auszuziehen und sich die Hände zu waschen, denn in Anbetracht dieser Leckerei, begann ihr Magen besonders unruhig zu werden. Sie lächelte breit, begrüßte alle mit einem halben Lachen und setzte sich anschließend mit voller Vorfreude, die sie zum Glück noch bändigen konnte, denn schließlich mussten sich noch alle am Tisch einfinden und das Tischgebet sprechen. Das Essen wurde zunächst stillschweigend und dann mit einem alltäglichen Geplänkel zelebriert. Mia sagte zu dem Themen nicht viel, war sie doch noch viel zu erschöpft und wusste auch nichts mit Hühnern anzufangen. Anders sah es da mit der Schur der Schafe aus. Als das Gespräch auf die Sicherheit der Schafe gelenkt wurde und Fidel zögerlich vorschlug mit Goliath eine Runde zu drehen, kamen Mia die Worte des Bauern wieder in den Sinn und sie hatte große Mühe die Ahnungslose vor 20-20-3 zu spielen. Fidel war nämlich auf Lillis Lob hin rot angelaufen und ein leichtes Schmunzeln war der Hirtin dabei über die Züge gehuscht. Ja, die Bauerstochter war schon eine sehr Hübsche und jetzt wo sie verstand, was ihr kleiner Bruder wohl hatte, konnte sie auch seine Reaktionen nun besser nachvollziehen. Mädchen waren nicht mehr „Ih“ sondern höchst interessant! Das sollte wohl nur keiner merken, denn das wäre peinlich... oder so...? In nächster Zeit würde sie ihn weiter beobachten und dabei vielleicht auch dazulernen.

Nach dem Essen ging Bauer Wenzel hinaus und gab Mia einen unscheinbaren Deut, dass dies nun die ideale Gelegenheit wäre, Fidel und ihn alleine sein zu lassen. Dementsprechend ließ sie ihren Blick zu ihrem Schützling wandern und tat, als wäre ihr gerade noch etwas eingefallen. „Oh Fidel, ich fürchte ich habe meinen Stab bei den Schafen vergessen. Wärst du so lieb ihn zu holen?“ Wohlwissend, dass eben jener Stab hinter dem Mantel verborgen an der Wand gelehnt stand. Mit der Zeit wurde es ruhig im Hause Wenzel und jeder widmete sich seinen eigenen Gepflogenheiten. Mia hatte es dabei vorgezogen die Hütehündin zu kraulen, war ihr doch nicht danach ihre Flötenkünste unter Beweis zu stellen oder sich an einfachen Haushaltstätigkeiten zu beteiligen, an denen sie ohnehin keine Freude hatte. Dabei beobachtete sie den kleinen Jungen gedankenverloren, der sich wiederum im Anblick der niedlichen Lilli verloren hatte. Irgendwie... machte sie dieser Anblick beklommen, nein sogar auf zweierlei Weisen neidisch, denn nun war es nicht mehr Mia allein, zu der Fidel aufschaute, sondern eine wunderschöne Bauerstochter, die ihre Reize mit Leichtigkeit auszuspielen verstand. Eine hübsche 16 mit makelloser Haut, die begehrt bei den Männern war und sich bald verheiraten würde. Vermutlich würde auch irgendein Handwerker oder Bauer aus dem nächsten Ort der Kandidat werden und wenn Mia Bauer Wenzel richtig einschätzte, würde er seiner Kleinen sogar ein Mitspracherecht einräumen. Aber im Großen und Ganzen... hatte die Hirtin dann doch Mitleid mit ihr. Auch sie hatte keine Freiheit über sich selbst zu bestimmen.
So grübelte Mia weiterhin vor sich hin, bis sie das Jaulen ihres eigenen Hundes hörte und 20-20-3 auf eine Speckschwarte wies, die er gerne haben konnte. Daraufhin riss sie sich aus ihrem Gedankenkreisel und lächelte. „Danke das wird er lieben!“ Sie stand auf, nahm das Stück Fleisch und trat vor die Tür, wo Goliath sie bereits mit wedelndem Schwanz und einem aufgeregten Hecheln begrüßte. Er hörte sofort auf zu Jaulen und brachte sich auf die Hinterbeine, um Mia regelrecht anzuspringen. Allerdings wusste sie ihn mit scharfen Befehlen zur Ruhe zu bringen und gab ihm das Fresschen erst, als er sittsam Platz gemacht hatte. „Sehr brav!“ hatte sie ihn dafür gelobt und ihm folgend das Fleischstück vor die Pfoten geworfen.

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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Erzähler » Freitag 26. Juli 2019, 17:22

Nach dem Essen ging Bauer Wenzel hinaus und gab Mia einen unscheinbaren Deut, dass dies nun die ideale Gelegenheit wäre, Fidel und ihn alleine sein zu lassen. Dementsprechend ließ sie ihren Blick zu ihrem Schützling wandern und tat, als wäre ihr gerade noch etwas eingefallen.
„Oh Fidel, ich fürchte ich habe meinen Stab bei den Schafen vergessen. Wärst du so lieb ihn zu holen?“
Sie sagte dies, wohl wissend, dass eben jener Stab hinter dem Mantel verborgen an der Wand gelehnt stand. Ihr Bruder nickte nur, riss sich dann vom Anblick der süßen 16 los und verließ das Haus. Eine ganze Weile kamen Hausherr und Mias Bruder nicht mehr rein. Mia kümmerte sich um den Kund und es wurde es ruhig im Hause Wenzel und jeder widmete sich seinen eigenen Gepflogenheiten.
Erst als die beiden „Männer“ wieder herein kamen, kam noch mal etwas Leben in den Abend und 16 gab ein kleines Lied auf ihrer Flöte zum besten. Mia beobachtete dabei den kleinen Jungen gedankenverloren, der sich wiederum im Anblick der niedlichen Lilli verloren hatte. Irgendwie... machte sie dieser Anblick beklommen, nein sogar auf zweierlei Weisen neidisch, denn nun war es nicht mehr Mia allein, zu der Fidel aufschaute, sondern eine wunderschöne Bauerstochter, die ihre Reize mit Leichtigkeit auszuspielen verstand. Eine hübsche 16 mit makelloser Haut, die begehrt bei den Männern war und sich bald verheiraten würde. Bauer Wenzel zeigte ihr gegenüber keine Regung, was das Gespräch mit Fidel ergeben hatte. Vielleicht hatte er auch erst mal nur besseren Kontakt zu dem Jungen gesucht? Schließlich hatten sie ja noch zwei Tage.
So grübelte Mia weiterhin vor sich hin, bis sie das Jaulen ihres eigenen Hundes hörte und 20-20-3 auf eine Speckschwarte wies, die er gerne haben konnte. Daraufhin riss sie sich aus ihrem Gedankenkreisel und lächelte.
„Danke das wird er lieben!“
Sie stand auf, nahm das Stück Fleisch und trat vor die Tür, wo Goliath sie bereits mit wedelndem Schwanz und einem aufgeregten Hecheln begrüßte. Er hörte sofort auf zu Jaulen und brachte sich auf die Hinterbeine, um Mia regelrecht anzuspringen. Allerdings wusste sie ihn mit scharfen Befehlen zur Ruhe zu bringen und gab ihm das Fresschen erst, als er sittsam Platz gemacht hatte.
„Sehr brav!“
hatte sie ihn dafür gelobt und ihm folgend das Fleischstück vor die Pfoten geworfen. Dann beobachtete sie ihren Hund, der selbstvergessen sich auf seinen Leckerbissen stürzte. Am liebsten hätte er wohl das ganze Stück in einem Haps verschlungen, aber dafür war es zu groß und sperrig. Er versuchte es trotzdem und die Bemühungen beulten seine Lefzen aus und verzogen sein Gesicht zu einem extrem wölfischen Grinsen, auf dem an jeder Ecke noch ein Stück Schwarte hervor lugte. Da er es so weder schlucken noch kauen konnte, legte er sich flach auf den Boden, klemmte das Stück zwischen die Vorderpfoten und begann nun hingebungsvoll an einer Ecke zu nagen. Die Geräusch die er dabei machte, erinnerten an fernes Gewitterdonner, gepaart mit schweren Stiefeln die durch Matsch stapfen. Mia kam nicht umhin dieses Schauspiel eine Weile zu beobachten, aber schnell wurde ihr auch bewusst, dass nun wirklich niemand mehr ein Auge auf die Schafherde hatte. Pflichtbewusst und umsichtig wie sie nun mal war, ging sie also hinüber zu den Gattern und zählte noch einmal ihre kleinen flauschigen Freunde.
Ein kleines Schäfchen, zwei kleine Schäfchen...
Dabei wurde sie zusehend müder und als sie fertig war und die Anzahl stimmte, fielen ihr fast die Augen zu. Als sie zurück lief, fand sie Goliath selig auf dem Rücken liegend, seinen gerundeten Bauch dem Himmel präsentierend. Er hechelte zufrieden und würde die Schafe nun wieder im Auge behalten. Selbst wenn der große Wolfshund einschlief, dann nicht so tief, dass er einen Fuchsangriff nicht bemerken würde. Mia konnte also nun endlich zu Bett gehen.
Drinnen waren 16 und 23 auch schon nach oben verschwunden und Frau und Herr Wenzel wünschten ihr auch noch eine gute Nacht. Fidel schnappte sich seine Decken und meinte, er würde lieber in der Scheune schlafen. Dann konnte Mia sich auch hin legen und die Töchter der Wenzels hatten ihr sogar etwas Wasser übrig gelassen, damit sie sich noch vor dem Zubettgehen waschen konnte. Dann kehrte Ruhe im Bauernhaus ein und nur das leise Atmen begleitete noch Mias schnell vergehenden Gedanken.

Der Nächste Morgen kam zu schnell!
Ein Hahn krähte laut und unmissverständlich die Menschen aus ihren Betten. Das schlimmste war, ein zweiter, vermutlich der erwähnte Jüngere, stimmte mit ein und sie begannen sich gegenseitig regelrecht hoch zu schaukeln. Das Krähen nahm von Sekunde zu Sekunde gellendere Züge an und bald kreischten sie sich wohl gegenseitig an. Diesmal war es Lisa die neben Mia sich streckte und leise meinte:
„Heute Abend dreh ich ihm den Hals um!“
16 lachte und so begann der Tag. Die Mädchen zogen sich schnell an. Dabei fiel Mia wieder die Ähnlichkeit der Schwestern auf. Beide hatten helle haselnussbraune Haare, die sie sich schnell bürsteten und zu Zöpfen flochten. Sie hatten beide braune Augen und eine ebenmäßige, leicht getönte Haut von der Feldarbeit. Süße 16 war makellos schön und eine zart erblühte Knospe, wo hingegen 23 reif und vor Weiblichkeit nur so strahlte. 16 war ausgelassen und spritze die deutlich ruhigere 23 mit ein bisschen Wasser nass. Dabei fiel Mias Blick auf Lisas Bauch, wo sie ein paar merkwürdige Streifen im Gewebe entdeckte. Dann zog 23 aber auch schon ihr Hemd darüber und schnürte ihr Mieder.

Man eilte hinunter zum Frühstück. Es gab Haferbrei mit ein paar Tropfen Honig und gerösteten Nüssen.
Lecker!
Dann ging es an die Arbeit!
Es hatte über Nacht geregnet und die Schafherde war ein bisschen nass geworden. Der Wolle schadete das nicht und sie würde sich sogar etwas leichter scheren lassen, doch die Tiere waren etwas unwilliger, sich von ihrem warmen Pelz zu trennen. Familie Wenzel versammelte sich in der Scheune und Vater Wenzel brachte nach einander die Schafe rein. Jeder bekam eine lederner Schürze und ein Schaf zugewiesen, dass es zu scheren galt. Keine leichte Aufgabe für eine junge Frau. Nicht jedes Tier war begeistert von dem Schnappen der Scheren, oder wollte sein Fell so einfach her geben. Mia hatte das Pech als erstes den kleinen Bock der Wenzels zu bekommen und so verhielt er sich auch - bockig! Drei mal büchste er ihr aus, einmal zuckte er so heftig, dass ein bisschen Blut floss und dann schnappte das dumme Ding auch nach ihr. Der Finger, den er zu beißen bekam würde blau werden, aber sonst war er in Ordnung. Es dauerte lange und es war Kräftezehrend den Bock aus seinem Mäntelchen zu bekommen! Das Tier war zwar noch nicht ausgewachsen, aber wild und wollte halt nicht so wie sie. Sie klemmte ihn zwischen ihre Beine und musste ordentlich fest halten, damit er nicht noch mal seinen Dickkopf durch setzte. Um so länger es dauerte, um so mehr Schweiß rann. Das Stroh stach in die Hände und das Blöken der Schafe hallte in den Ohren. Aber nach dem kleinen Böckchen wurde es besser. 12 Schafe gab es zu scheren. Mia, 23, Fidel und Bauer Wenzel waren allein damit beschäftigt. 16 und 20-20-3 sammelten die Wolle ein und hängten sie über lange Böcke, damit sie über Nacht trocknen konnte. Morgen würden sie sie auskämmen und zu Ballen rollen. Das war auch noch mal eine zwar weniger anstrengende, aber sehr Zeitaufwendige Arbeit.
Zur Mittagszeit brachte Frau Wenzel Brote in die Scheune und man aß gierig und schweigend. Alle waren eigentlich schon gut erschöpft, aber das Scheren zog sich hin. Erst am späten Nachmittag waren sie mit allen Tieren durch und zupften dann noch gemeinsam die Wolle auseinander.
Der Abend begann wie tags zuvor mit einem kräftigenden Essen und abendlicher Ruhe. Und ja, es gab jungen Hahn! Köstlich! Lilli spielte später wieder und vielleicht hatte Mia Lust mit einzustimmen? Bauer Wenzel und Fidel machten einen abendlichen Spaziergang mit Goliath um die Weiden, damit der Hund die Wildtiere fern halten konnte und als sie zurück kehrten, sah Fidel Lilli kaum noch an. Er wirkte sehr in sich gekehrt und nachdenklich und zog sich schnell zurück. Anscheinend zeigte das Gespräch mit dem alten Bauern erste Wirkung.

Auch der nächste Tag begann wie der letzte und Mia bemerkte, dass die fast gleichaltrige 23 (Lisa) sie ab und an beobachtete. Beim Frühstück lächelte sie sie an, bei der Arbeit war sie neben ihr, auch wenn sie sonst noch nicht viel gesagt hatte. Lisa brauchte anscheinend etwas um mit Leuten warm zu werden, aber während des Tages begann sie sich auch mal leise mit Mia über Kräuter zu unterhalten, sofern sie interessiert wirkte:
„ ...im nördlichen Wald wachsen zum Beispiel Hagebutten und Birken. Aus Birkensaft kann man eine Paste herstellen, die gegen schlecht heilende Wunden hilft.“
Ein wenig später erzählte sie:
„... Die Brennessel ist eines der ältesten Heilkräuter mit einem breiten Wirkungsspektrum und gilt als eine „Königin unter den Heilpflanzen“. Sie wirkt blutreinigend, blutbildend und harntreibend, sowie schmerzlindernd und entzündungshemmend; außerdem werden Brennnesseln eingesetzt bei Erkrankungen der Atmungsorgane. Auf See kommt die Brennessel auch zur Bekämpfung und Vorbeugung von Skorbut zum Einsatz. Ebenso kann man Brennnesseln zum Verbinden infizierter Wunden verwendet werden, um den Heilungsprozess zu beschleunigen."
Und gen Abend erklärte sie:
"Die Rinde der Weide wirkt fiebersenkend, schmerzlindernd. Ihr Holz wird besonders gerne verarbeitet und wir flechten Weidenkörbe und -Möbel aus den langen Zweigen. Ich habe einen Weiden-Ranzen gemacht. Ich könnte ihn dir Zeigen wenn du magst. Ist ungemein praktisch, weil man ihn auf dem Rücken tragen kann und die Hände frei hat. Er ist leicht und hält ortenlich was aus."
Die Leidenschaft, die in ihren Augen strahlte, wenn sie von Kräutern erzählte, ließ sie jünger wirken und machte sie ungemein hübsch. Ihre Wangen röteten sich und man konnte sich fragen, warum sie noch keinen Mann abbekommen hatte. War da ein Geheimnis, das man ergründen konnte? Vielleicht konnte Mia sie auch einfach fragen? Nachdem Lisa erst mal aufgetaut war, schien sie ein wirklich netter Mensch zu sein.

Als die Wolle getrocknet, gezupft, gekämmt, aufgewickelt und in Säcke eingenäht worden war, war der zweite Tag schon fast herum. Es gab noch zwei Stunden Freizeit bis zum Abendessen und Bauer Wenzel nahm sich Mia zur Seite.
"Ihr wart sehr fleißig, Danke dir!"
Er lächelte warm, kramte in der Innenseite seiner Jacke und holte eine kleine Geldkatze heraus.
"Ich würde dir gern die Wolle abkaufen."
Er hielt ihr einen kleinen Haufen Münzen entgegen.
"Ich habe jeweils 5 Füchse für dich und einen Bruder berechnet, weil ihr geholfen habt. Mehr kann ich leider nicht bezahlen. Und 10 Füchse für die Wolle. Der Preis ist im Moment sehr schlecht und ich muss sie ja auch noch zur Spinnerin bringen..."
, meinte er fast entschuldigend.
"Tja, einfache Stoffe bringen nicht viel. Aber ich hab noch ein Angebot, dass ich dir ja schon angedeutet habe..."
Er setzte sich auf eine einfache Holzbank in der Nähe des Hauses und stopfte sein Pfeifchen, bis Mia sich auch gesetzt hatte.
"Ich kenne einen ...etwas hochnäsigen Schafszüchter, der im Moment Schäfer mit guten Hunden sucht. Er braucht jemanden für eine kleine Herde, die nach Alberna zu seinem Bruder gebracht werden soll. Er wohnt nicht weit von hier. Wenn du zu ihm gehst, gebe ich dir eine Empfehlung mit. Die ist mehr wert als ich dir Münzen geben kann und dann bekommst du gutes Geld. Du musst nur nett immer Danke und Bitte bei ihm sagen, also höflich sein und ihn immer wie eine "Durchlaucht" anreden, selbst wenn er dich dutzt. Er hält sich halt für was besseres, ist aber kein schlechter Mensch, eben ein gewiefter Händler."
Wenzel ginste und strich sich über die Halbglatze.
"Ich mach dir das Schreiben gleich fertig, wenn du willst."
Die Aussicht auf eine neue Anstellung, eine neue Herde, neue Schafe von einem "speziellen" zücher weckte sicher Mias Neugierde.
"Er heist Job Logerfleld. Er hat eine neue Art von Schafen gezüchtet...mit längerem Fell und sehr viel weicher... Er nennt sie „Angora“. Merk dir das am besten und steht morgen zeitig auf! Nicht das euch noch jemand den Auftrag vor der Nase weg schnappt. So was spricht sich ja schnell rum.“
Er tätschelte Mias Schulter, stützte sich leicht auf ihr beim Aufstehen ab und knurrte leise:
„Ich werd zu alt für den M...“
Den Rest verschluckte er und gluckste dann.
"Haha. Ach! Ist ein Kreutz mit dem älter werden. Zu viel Arbeit. Zu viel Arbeit! Komm, lass uns langsam reingehen. Ist spät und die Tage waren anstrengend. Außerdem will ich noch Lisa bescheid geben, dass sie euch begleiten soll. Sie kann euch helfen die Wolle bei der Spinnerin abzugeben und wollte ohnehin auf den Markt um ihre Kräuter zu verkaufen. Dann ist sie nicht allein unterwegs und ich bin beruhigt."
Er steckte sich und einige Gelenke knackten leise.
"Außerdem wollte ich noch einmal mit deinem Bruder reden. ...Sorg dich nicht, er macht sich."
Der gestandene Mann lächelte, aber wirkte heute älter denn je. Die harte Arbeit hatte an seinen Jahren gezehrt. Bauern wurden manchmal nicht so alt. Das Leben war hart für sie und es gab viele Entberungen. Heiler konnte man sich kaum leisten und so war das Leben an sich schon ein Abenteuer, dass oft viel zu früh endete. Man konnte nur zu den Göttern um Gesundheit und Glück beten, dass liebe Menschen wie Bauer Wenzel und seine Familie lange und glücklich lebten.
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eine Steinschleuder
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zwei Rucksäcke (einen trägt ihr Bruder)
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Zwei Teller aus Holz
Zwei Holzlöffel
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ein Messer
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12 Schafe ( 5 sind fremd)
Zum Vorzeigen: [br][/br]

Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Mia » Sonntag 28. Juli 2019, 21:02

Beim Anblick der gehobenen Lefzen, dem zerrissenen Fleisch und den baren Zähnen des hungrigen Wolfshundes war Mia ganz froh, ihn als gezähmtes Tier an ihrer Seite zu wissen. Er mochte sich friedvoll geben, lustig mit dem Schwanz wedeln, wie ein Welpe um sie herum springen oder einfach den Kopf in ihren Schoß legen, aber es brauchte lediglich einen Pfiff, um Goliath in das Raubtier zu verwandeln, was er in seinem tiefsten Inneren noch immer war. Es war nur allzu leicht dies zu vergessen und doch gab es Momente an denen er sie in aller Beiläufigkeit daran erinnerte. Wie etwa jetzt. Zeitgleich führte er ihr nur allzu deutlich vor Augen, dass die Schafe nun ohne sein Beisein waren und es an Mia war, den Pferch erneut aufzusuchen und ein letztes Mal vor dem Schlafen gehen, nach ihnen zu sehen. Während sie sich der umzäunten Weide näherte, zählte sie bereits – 1,2,3... - die ersten Wollknäuel und murmelte die Zahlen in sich hinein, wie einen Beruhigungszauberspruch. Mit der Zeit hatte die Hirtin gelernt mit den Schafen zu leben. Gewiss, dazu zählte das artgerechte halten, wie auch das Verkaufen von Milch und Wolle, aber vielmehr hat sie in diesen Tieren so etwas wie eine neue Familie gefunden, die sie in gewisser Weise auffing. Sie brauchten Mias führende Hand und Mia brauchte ihre... Hilflosigkeit, um sich wiederum gebraucht zu fühlen. So hatte sie gelernt, die Tiere voneinander zu unterscheiden. Jedes Einzelne von ihnen hatte einen Namen erhalten, den sie sich sogar merken konnte. So war Vedis ein besonders treudoofes aber kuschelbedürftiges Tier, was immer wieder ankam, um gestreichelt zu werden, während Mimi sich viel lieber hinter den anderen Schafen versteckte und selten die Nähe der Hirtin suchte. Anne war das letzte der drei Schafe ihres Vaters, was mit einer ordentlichen Portion Neugierde daherkam und meist zuerst aus der Gruppe ausbrach, wenn es etwas interessantes für sie zu gucken – oder noch besser: etwas zu kauen – gab. Vedis war mittlerweile 6 Jahre alt und damit die Älteste des Dreiergespanns. Mimi zählte 4,5 Jahre und Anne war 5 Jahre alt. Bei den anderen Schafen war sich Mia nicht ganz sicher, wie lang sie schon auf der Welt waren, doch nach einiger Beobachtung schätzte sie Wilda – ein äußerst freches und lebensfrohes Ding – auf 5 Jahre, Batilde – ein bockiges Tier was sich gern mit anderen raufte – auf 7 Jahre, Frieda – ein eher gemächliches und altersschwaches Schaf – auf 10 Jahre und die älteste Dame Idelgunda auf 11,5 Jahre. Sie waren alle von reinweißer Farbe und doch verrieten verschiedene Verhaltensweisen ihren Charakter recht gut. Die fremden Schafe betitelte Mia hingegen gerne mit Zahlen, sodass sie auch diese gut auseinander halten konnte. 1,2,3,4 und 5 würden demnächst wieder bei Bauer Wenzel bleiben und dann würde es weitergehen. Das war überhaupt ein gutes Stichwort, denn Mia begann bereits die Müdigkeit zu spüren, die sich urgewaltig über ihre Glieder legte und sie gähnen ließ. Der Tag war vorbei und die Schafe waren versorgt. Zeit für die Hirtin also ebenfalls schlafen zu gehen und den Rest Goliath zu überlassen.

Wie es Wenzel mit ihrem kleinen Bruder ergangen war, entzog sich bislang ihrem Wissen. Der Vater der Familie hatte nichts verlauten lassen und Mia war diskret genug gewesen, um nicht weiter nachzufragen. Vielleicht würde sie es am nächsten Morgen erfahren, ein bisschen Zeit hatten sie ja schließlich noch. In den frühsten Tagstunden wurden sie von einem quäkenden Hahnduo geweckt, was einerseits für Unmut andererseits für Erheiterung bei den Mädchen sorgte, neben denen Mia nun erwachte. Sie machten sich für den Tag zurecht, alberten herum und offenbarten Mia mehrere Dinge über sich. Zum einen dass sie über eine erstaunliche Ähnlichkeit untereinander wie auch zu ihrer Mutter besaßen, die sich in einer zurückhaltenden Schlichtheit aber auch in einer bezaubernden Gesundheit äußerte. Sie lachten viel, spaßten herum und strahlten dabei eine solche Wonne aus, dass es ansteckend war. Wie wunderhübsche Feldblumen, die im Wind tanzten, ja... so sahen sie aus. Mia kam dabei nicht umhin ebenfalls zu lachen und zu scherzen. Sie verstand sich erstaunlich gut mit den beiden Mädchen. Allerdings nicht so gut, als dass sie die sonderbaren Streifen auf 20-3's Bauch ansprach, die nur kurz zu sehen waren und wirkten, als würden sie eher versteckt werden wollen. Aber wie dem auch war: Der Tag wurde begonnen, das Frühstück verputzt und das Tagwerk angegangen. Heute sollten die Schafe geschoren werden und für diese Aufgabe packten all mit an!

Mia mochte es nicht die Schafe zu scheren, doch das war nötig, damit es einerseits nicht zu lang wurde und damit sie andererseits auch etwas Geld für die Wolle bekamen. Allerdings waren manche Schafe – vor allem der kleine junge 3 – sehr schwierig zu händeln, sodass es zu einem wahren Kampf ausartete und 3 wie auch Mia mit leichten Wunden gestraft wurden. Der Tag zog sich ziemlich in die Länge und obwohl Fidel und sie gut versorgt wurden war die Hirtin am Ende des Tages sehr erschöpft und müde. Das Abendessen lockte mit dem verführerischen Duft von Hähnchenfleisch – was Mias Mundwinkel ein wenig zum schmunzeln brachte - und den Kartoffeln vom Vortag während die Zeit danach zum gemeinsamen Musizieren einlud. Mia spielte dieses Mal nämlich mit und hatte Spaß daran mit 16 heitere Melodien zu spielen, die sich abwechselten, aufeinander aufbauten oder miteinander zu...tanzen schienen. Umeinander, nacheinander, abwechselnd und im immer weiter ansteigenden Takt... die beiden Mädchen waren geschickt darin, ihren Instrumenten alles abzuverlangen und so konnte der Abend im wahrsten Sinne des Wortes wunderbar ausklingen. Fidel hingegen distanzierte sich zusehends von Mia. Er suchte damit zwar auch keinen Streit, was gut war, aber wirklich glücklich war die Hirtin darüber auch nicht. Andererseits tröstete sie sich damit, dass es wohl bald besser mit ihm werden würde und er Zeit brauchte, um mit sich und dem Erwachsenwerden ins Reine zu kommen. Wurde er schließlich nicht ruhiger und nachdenklicher? Sogar 16 schien aus dem Lichtkegel seines Interesses geraten zu sein, was vermutlich auch damit zusammenhing, dass Wenzel, ihm das Interesse an seiner Tochter ausgeredet hatte. Der Bauer hatte Mia auch dieses Mal nichts darüber verraten, was zwischen ihnen vorgefallen war und so blieb die Hirtin weiterhin geduldig, bis zum nächsten Tag.

Dieser bot eine weitere Überraschung für die Pockennarbige, denn 20-3 - an dessen Namen sie sich nun langsam wieder erinnerte, er lautete Lisa – begann ihre Nähe zu suchen und ihr ab und zu ein Lächeln zu schenken. Das freute Mia sehr, sah sie in ihr doch eine Gleichaltrige, mit der sie gern mehr Worte wechseln würde. Schnell wurde dabei deutlich, dass Heilkräuter ihre große Leidenschaft waren und die vielen getrockneten Pflanzen in ihrer Stube nicht ohne Grund dort hingen. So lernte sie mehr über die heilende Wirkung des Brennessels– dem sie solch eine Wirkung nie zugetraut hätte, da er doch ganz arg juckte und sie und Fidel damit schon häufig geplagt hatte – wie auch über die Hagebutte und die Rinde der Weide. Sie schien bei diesem Thema regelrecht aufzublühen und einmal mehr fiel der Hirtin auf, wie hübsch sie dabei anzusehen war. Mia beteuerte, sich den Ranzen gerne einmal anzusehen, denn wenn es um praktikable Dinge ging, die einem alltägliche Aufgaben erleichterten, wurde sie immer ganz hellhörig. „ Du weißt ja wirklich eine Menge über Pflanzen.“ begann sie also in einem etwas ruhigeren Moment diese jüngst aufkeimende Chance zu ergreifen und ein intensiveres Gespräch mit ihr anzufangen. „Möchte dich da denn niemand zur Frau haben? Oder... war noch nicht der Richtige dabei?“ Es war ein heikles Thema über das Mia selbst nur ungern nachdachte. Gewiss, es hatte sehr viele Vorteile, verheiratet zu sein, wie etwa Sicherheit, Schutz und die Gewissheit Essen auf den Tisch zu kriegen – zumindest wenn man sich einen Mann ausgesucht hatte, der einen ordentlichen Beruf ausübte und nicht schlecht darin war – allerdings war ihr die Freiheit ihres jetzigen Lebens vorerst lieber und sie würde ihre Selbstbestimmung arg vermissen, sollte sich dieser Zustand eines Tages ändern.
Und das sollte er vielleicht auch, damit Fidel die Chance bekam, einen ertragreicheren Beruf auszuüben, als sie es etwa tat, aber das war eine andere Geschichte, die sie in diesen Zeiten vorerst nicht antastete.

Am Abend des zweiten Tages kam sie wieder mit Bauer Wenzel ins Gespräch. Sie war schon sehr neugierig und wollte wissen, wie es ihm mit Fidel ergangen war, doch vorerst bekam sie ein Lob zu hören, was sie mit einem „Sehr gerne.“ annahm. Das Geld wurde natürlich auch dankend entgegengenommen, auch wenn es wenig war, aber damit hatte Mia bereits gerechnet. Sie verstand die Lage des Bauern nur zu gut und war froh überhaupt so viel für die Wolle zu bekommen. Aus diesem Grund lächelte sie den Älteren an und steckte das Geld ein. Anschließend ging es aber um eine viel delikatere Angelegenheit und das war ein Auftrag, der Fidel und sie womöglich für die nächsten Tage versorgen könnte. Mia setzte sich also zu ihm auf die Bank und beugte sich interessiert vor, aufmerksam seinen Worten lauschend. Es sollte demnach um eine Schafsherde eines gewissen Job Logerfleld gehen, die nach Alberna gebracht werden sollte. Alberna... eine Stadt im Norden Grandessas, die Fidel und sie bislang gemieden hatten, nun aber zu ihrem neuen Ziel werden sollte? Das war ganz nah am Urwald Kapayu dran, dennoch war die Hirtin nicht abgeneigt und versuchte sich auch zu merken, wie man den Herrn...'Durchlaucht' … anzusprechen hatte. Wie konnte man denn als Schafszüchter so arrogant sein? Das wollte ihr nicht so recht einleuchten...
„In Ordnung.“ schloss sie aber, weil Menschen nun einmal Menschen waren und sie nicht gewillt war deswegen wertvolle Fuchsmünzen aufs Spiel zu setzen. Wer wusste es schon, vielleicht gab es dafür sogar ein paar Silbermünzen? Dafür war ihr eine etwas geschwollene Anrede nur recht und billig. Ja... das war ein nicht allzu schlechtes Angebot und vor allem das Empfehlungsschreiben ließ sie breit lächeln. „Das würdest du für uns machen? Das wäre fabelhaft! Vielen Dank!“
Außerdem sollte da eine neue Art von Schafen auf sie warten, die ihren Wissensdurst kitzelte. „Angora?“ wiederholte sie und merkte, dass sie sich diesen Begriff besser merken konnte als den Namen dieses Züchters... wie hieß der im übrigen noch gleich?
Es freute sie jedenfalls zu hören, dass auch 20-3 …. Lisa sie begleiten würde. Die Gesellschaft würde ihr sicher gut tun, zumal Fidel während der Reise sicher stumm wie ein Fisch sein würde. Und Lisa hatte sich vor allem am heutigen Tag als eine sehr freundliche Person herausgestellt, mit der es schön war einfach nur zu reden oder gemeinsame Arbeit zu verrichten. Mia hatte also gleich mehrere Gründe warum sie sich freuen konnte und das sollte man ihr an diesem Abend auch noch lange ansehen können. Ganz pflichteifrig nahm sie den Ratschlag von Bauer Wenzel ernst und schickte Fidel und sich selbst zeitig zu Bett, damit sie am nächsten Tag erholt und ausgeruht genug waren, um rechtzeitig bei dem Angora Züchter aufzuschlagen.

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Re: Ein kleines Schäfchen, Zwei kleine Schäfchen...

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 31. Juli 2019, 17:11

„ Du weißt ja wirklich eine Menge über Pflanzen.“
hatte Mia am Vortag ein intensiveres Gespräch mit Lisa angefangen, was ihr am Vorabend noch etwas im Kopf herum gespukt war.
„Möchte dich da denn niemand zur Frau haben? Oder... war noch nicht der Richtige dabei?“
Es war ein heikles Thema über das Mia selbst nur ungern nachdachte, doch Lisas Reaktion doch etwas merkwürdig gewesen. Wo sie im Stillen Vor- und Nachteile abwägte, da hatte die größerer der Wenzel-Töchter nur starr auf den Boden gestiert. Sie war sehr nachdenklich geworden und hatte eine Weile geschwiegen, so dass Mia ihren eigenen Gedanken nachhängen konnte.
Gewiss, es hatte sehr viele Vorteile, verheiratet zu sein, wie etwa Sicherheit, Schutz und die Gewissheit Essen auf den Tisch zu kriegen – zumindest wenn man sich einen Mann ausgesucht hatte (oder ausgesucht bekommen hatte), der einen ordentlichen Beruf ausübte und nicht schlecht darin war – allerdings war ihr die Freiheit ihres jetzigen Lebens vorerst lieber und sie würde ihre Selbstbestimmung arg vermissen, sollte sich dieser Zustand eines Tages ändern. Und das sollte er vielleicht auch, damit Fidel die Chance bekam, einen ertragreicheren Beruf auszuüben, als sie es etwa tat, aber das war eine andere Geschichte, die sie in diesen Zeiten vorerst nicht antastete. An Liebe dachte sie dabei überhaupt nicht. Über eine ferne Zukunft nachzudenken war ohnehin müßig und bedeutete auch, dass sie sich damit beschäftigen musste, dass sich ihr Leben stark verändern würde. Fidel würde sich irgendwann ein Mädchen angeln und dann wäre sie ganz auf sich gestellt...allein... auch keine all zu angenehme Vorstellung in diesen unruhigen Zeiten. Und gerade, als Mia schon annahm Lisa würde gar nicht mehr auf ihre Frage reagieren, da sprach diese leise, wie fast nur für sich:
„... es gab da schon jemanden...“
und dann rollte ihr eine dicke heiße Träne über die Wange. So schnell wie Mia sie gesehen hatte, so schnell war sie auch schon mit dem Ärmel fort gewischt und Lisa meinte mit einem müden Lächeln, dass ihre Augen nicht erreichte:
„Vielleicht reden wir ein andern mal.“
und sie widmeten sich wieder den Schafen, der Schur und der Wolle, ohne das Thema zu vertiefen. Trotzdem blieb die Frage offen, was Lisa wohl erlebt hatte.
Mia hatte gerade Idelgunde, 11,5 Jahre alt und das älteste Schaf aus ihrer Herde am Wickel, was eine rechte Erholung gegen den kleinen Bock am Vortag war. Igelgunde kannte das Prozedere schon so gut, dass man sie nicht mal wirklich fest halten musste. Sie drehte sich schon ganz von selbst in die entsprechenden Positionen und genoss das Scheren am kleinen Bäuchlein regelrecht. Frieda, das 10 Jahre alte Schaf war gemächlich, altersschwach und ihr Haarkleid wies schon erste Lücken auf, wo Idelgundes noch recht füllig war. Frieda hatte gerade Lisa am Wickel und als sie mit ihr fertig war, fiel Mia einmal mehr auf, dass das Tier am magersten und kränklichsten wirkte, obwohl es nicht das älteste war. Ihre Wolle war auch am fettigsten und deutlich strohiger als die der anderen. Sehr lange würde sie ihr wohl nicht mehr erhalten bleiben. Mit einem unwilligen „Mäh!“ protestierte Frieda, als sie bald darauf nackig davon lief und sich eng zwischen Vedis und Mimi kuschelte. Anne und Bathilde hatte sich ihr Bruder vorgenommen, da sie am wildesten waren und er damit gut zurecht kam. Wilda hatte sich bei Lilli eingeschleimt und war dort geschoren worden. Auch die Wenzel-Schafe waren alle nackig und standen dicht gedrängt beieinander. So war die Schur beendet worden und auch die nächste Zeit war mit Kämmen, Zupfen und allerlei Fleiß herum gegangen.
Dann hatte Mia den Auftrag bekommen und war wie besprochen früh zu Bett gegangen. Sie war todmüde auf ihr Lager gefallen und hätte fast den Sonnenaufgang verschlafen. Um ihn aber eben nicht zu verpassen, hatte sie diese Nacht auf dem Boden mit Decken verbracht, damit sie die durch das kleine Fenster fallenden Morgenlicht wecken konnte. Sonnenstrahlen kitzelten ihre Nase und vertrieben schnell die steife Müdigkeit. Leise stupste sie Lisa an, zog sie sich an und fand kurz darauf unten auf dem Küchentisch ein paar Dinge für sich, Lisa und ihren Bruder. Der Rest der Familie schlief noch, aber am Vorabend war schon alles besprochen worden. Mias Finger wanderten über den Brief den sie nicht lesen konnte, den Bauer Wenzel für sie verfasst hatte. Er enthielt wohl das Empfehlungsschreiben für Job Logerfeld. Frau Wenzel hatte drei Pakete mit Proviant für sie gepackt, das drei bis vier Tage reichen sollte, wenn man sparsam damit umging. Man hatte sich schon am Vorabend von einander verabschiedet. Mia hatte mitbekommen, dass Lisa mit nach Alberna reisen würde und dort noch ein paar Sachen besorgen sollte. Außerdem sollte sie sich, wie ihre Mutter mit gesenkter Stimme betonte, „nach einem anständigen Mann“ umsehen. Lisa war das Thema wohl unangenehm, aber sie hatte pflichtbewusst genickt. Die Männer hatten den kleinen Handkarren mit der Wolle voll geladen und Lilli hatte Fidel einen kleinen Kuss zur Nachtruhe heimlich auf die Wange gedrückt, als die Mutter nicht hinsah, was ihn wieder einmal hatte erstarren lassen. Ja... Mädchen waren nicht mehr „ih!“, sie waren jetzt „oh!“! Er war danach sofort hinaus gegangen.

Jetzt, da die beiden jungen Frauen aus dem Haus traten, stand er schon fertig mit Hütestab und Goliath an seiner Seite bereit. Sein Gesicht wirkte ernster und noch immer nachdenklich, aber er suchte wieder Blickkontakt. Lisa wünschte einen guten Morgen und er nickte wenigstens, anstatt wie noch vor kurzem nur vor sich hin zu starren. Sie warfen noch einen Blick zum Haus zurück, dann schnappte sich jedes Mädchen einen Holm und gemeinsam zogen sie flink den Handkarren vom Hof.

(weiter bei: Der Scheideweg)
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