Das Experiment

Dieser blau leuchtende See befindet sich inmitten des Waldes. Gerüchte über magische Kräfte gehen herum, doch das wahre Geheimnis kennen nur die Elfen des Dorfes Eldar, doch die behüten es wie ihr eigenes Leben.

Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Sonntag 30. September 2007, 18:11

[komme vom Dorf Eldar - Mitten im Dorf - in der Obhut der Elfen]

Darak war schon immer ein Egoist gewesen, das Leben hatte ihn schliesslich zu einem geformt, doch nun war auch er gleicher Meinung mit dem Nichtgenannten – Alma darf ihren Weg selbst wählen. Da hatte er nichts zu bestimmen. Schliesslich war sie nicht seine Sklavin. Er grinste bei dem Gedanken. Welch Preis für eine Alma wohl bezahlt werden würde? Alleine des Fleisches wegen… mit ihr könnte man eine ganze Heeresrüstkammer einfetten.
Doch genau so… gross… wie ihr Körper, schien auch das Herz der Heilerin. Zumindest hatte er es irgendwie dort reingeschafft und wenn man erst mal drin war, entstand eine einmalige Beziehung zwischen Heilerin und Patient. Eine, die er sehr zu schätzen gelernt hat, trotz ihrer teilweise ruppigen Art. Doch sie hatte ihm bisher immer irgendwie den Schmerz genommen. Besonders jener der Entwürdigung, die ihm im Folterkeller angetan worden war.
Sobald er wieder stehen könnte, würde er sich angemessen bei Alma bedanken. Dies nahm er sich fest vor. Er wusste zwar noch nicht genau wie. (Wie bezahlte man schliesslich für ein gerettetes Bein) Vielleicht könnte er ihr ein paar Organe besorgen, oder ähnlichen. Das musste er sich noch überlegen. Ja… gehen. Bald. Das erste was er tun würde, wäre wohl an einen Busch zu pinkeln. Er hatte erstens prinzipiell schon lange nicht mehr gepinkelt, er hatte sich geniert Alma zu fragen als sie quer durch die Ebene reisten und zweitens, hatte er schon lange nicht mehr speziell an einen BUSCH gepinkelt. Er liebte das Geräusch der Blätter wenn er sie berieselte. Das gab ihm so ein Gefühl der… Naturverbundenheit… der Göttlichkeit, denn so musste sich wohl auch Ventha fühlen… bei jedem Regen… und Gewitter.

„Jaa…“ Nickte er zufrieden und betrachtete interessiert die eigentümliche Architektur des Klinikums, oder Heilbaumes oder wie man dieses Konstrukt nun zu nennen hatte. Da war offensichtlich Magie im Spiel gewesen. Typisch Elfen vermutlich, die standen irgendwie auf Bäumchen. Waren ja selbst immer in ihren Farben gekleidet. Grün und Braun.

Er fröstelte leicht. Wenigstens die Unterhose hatten sie ihm gelassen. „Ich hoffe die Elfinnen können sich konzentrieren, bei diesem attraktiven Patienten.“ Er grinste gut gelaunt. Schliesslich waren es ja alles Frauen die ihn da betreuten. Der Nichtgenannte und Zitter schienen sich mehr im Hintergrund aufzuhalten. Sie waren ja auch keine Heiler… und doch waren sie es irgendwie doch, besonders Zitter. Der ihm eine Chance für ein neues Leben gewährt hatte. Er lächelte dem Hauptmann zu als der Nichtgenannte die Führung des Räderstuhls Alma überliess. Darak streifte seinen Helm ab und reichte diesen Zitter. „Den will ich danach wieder zurück haben, im Moment brauche ich ihn wohl nicht. Ich werde ihn holen kommen. Laufend.“ Lächelte er ihm zu. Er brauchte keinen Schutz. Sein Helm hatte ihn immer von der Umwelt abgeschirmt, den Schmerz und das Böse von ihm ferngehalten, nun aber wollte er empfänglich sein für die Gunst der Heilung durch die Umwelt und die Mitmenschen, da konnte er sich keine Schranke leisten. Keine Abschirmung.

<i>"Bist du bereit, Darak?"</i> Sein Blick blieb noch eine Weile bei Zitter haften. Er war auch Zeuge einer Folter gewesen, wie Alma. Da war er es gewesen, der ihm das Leben gerettet hatte. Er hatte beide Lebensretter direkt um sich. Irgendwie seltsam. Denn es waren beides Menschen, die eigentlich keine zwingenden Motive für ihre Tat hatten, sondern aus ihrer Menschlichkeit hinaus gehandelt haben. Zwei grosse Persönlichkeiten, vermutlich zuwenig dafür geachtet.

Darak nickte. Er war bereit. Schon seit über 15 Jahren wartete er auf den Moment, wo das Glück wieder zu ihm zurückfand. Nun schien der Tag endlich gekommen zu sein, vielleicht hatte Lysanthor Urlaub genommen und versuchte nicht ihm alles zu vermasseln.

Sie fuhren ihn durch das Dorf. Vielleicht würde er noch etwas hier verweilen wenn er geheilt war. Schliesslich wollte er mehr über seine Heilstätte erfahren… und auch Jyana Fink schien ihm eine Person zu sein, mit der es sich durchaus lohnte gut zu stellen, obwohl er sie nur kurz gesehen hatte. Es war seltsam, die Heilung seines geliebten Beines Personen zu überlassen, die er gar nicht kannte und denen er doch all sein Vertrauen schenkte. Schliesslich hatte Zitter ihm gesagt, er könne es tun. Er wusste um den Ruf der Frau und wem sonst, wenn nicht dem gesetzestreuen Hauptmann sollte er glauben?

Sie erreichten den Sternensee. Wieder meldete sich seine Blase. Doch er konnte wohl nicht einfach in einen heiligen See pinkeln! Gewissen… Respekt von Heiligtümern hatte selbst er – der verdammte Mönch – noch. Zumal er ohnehin nicht pinkeln konnte wenn irgendwelche Leute drum rum standen… und dann noch Frauen! Auch wenns vielleicht nicht einmal auffallen würde… obwohl, dies war magisches Wasser! Wenn dann plötzlich der ganze See gelblich verfärbt wäre… undenkbar peinlich! Ausserdem wollte er auch nicht der Moment seiner Heilung mit Pinkeln verbringen, der sollte ganz seinem Bein und seiner Seele gehören.

Er betrachtete den See. Er war wunderschön. Leuchtendes Blau umgab die Oberfläche und die Sonne spiegelte sich kräuselnd im klaren Wasser. Wie eine Krone formten sich die Bäume um den See. Ein wahrlich heilsamer und heiliger Ort hier inmitten des Waldes.

Reinheit. Nun zugänglich gemacht für einen Verdammten.

Die Elfen standen bereit und Alma schob ihn auf die Gruppe zu. Neugierig und aufgeregt betrachtete Darak Jyana und ihren Kessel mit dem dampfenden Inhalt. Er sah zu ihr hoch. „Ich habe gehört in euren Händen fliesst das Leben.“ Lächelte er und schielte auf ihre Hände. „Ich… bin euch unendlich dankbar, dass ihr versucht mir einen Teil davon zu spenden.“ Seine Augen leuchteten Hoffnungsvoll. All sein Vertrauen lastete nun auf der Jungen Wunderheilerin. Er guckte auf den See. Dann auf sein Bein.

Bald.

Er lächelte zuversichtlich. Fühlte sich frei und war guter Dinge. Hier und jetzt ein neues Leben zu beginnen.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Sonntag 30. September 2007, 18:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Sonntag 30. September 2007, 23:51

Alma schob Darak durch Eldar und wieder in den Wald. Links neben ihm ging Hauptmann Zitter. Auf seinem Helm bildete sich Reif, ebenso wie auf Daraks. Die Luft war frisch. Er würde wohl etwas frösteln, aber er empfand keinen Schmerz. Den hatte er Dank der Meditationstechnik des Nichtgenannten, der rechts von ihm ging, an die Umwelt abgegeben.
Darak fühlte sich herrlich. Lediglich seine Blase drückte ein wenig, jedoch war dies nichts, was ihn nun daran hindern würde, ein Bad im kalten Wasser des Sternensees zu nehmen. Wenn es sein Bein heilte, würde er vermutlich sogar bis zum Grund tauchen – sofern das mit einem schwarzen Bein möglich war.

Endlich erreichten sie den sagenumwobenen See. Nur die Waldelfen des Eldoras kannten die Geheimnisse, die sich um das zauberhaft klare Wasser rankten. Alle anderen erzählten sich nur von magischen Kräften, die selbst in der Zeit des Übergangs dafür sorgten, dass blauer, violetter, weißer und roter Salbei am Ufer wuchs und gedieh. Darak sog den Duft des Krautes ein. Salbei roch gut und machte die Atemwege frei.
"Gerüchte besagen, Salbei könne Tote wecken", murmelte Alma ihrem Patienten im Räderstuhl zu. "Wenn dieses Grünzeug das schafft, dann wird es doch wohl erst recht ein totes Bein erwecken können, findest du nicht?"

Am Westufer des Sees hatten sich die Elfen versammelt. Sie waren alle in weiße Seidengewänder gehüllt und hätten wohl gefroren, wenn sie darüber nicht Elfenumhänge getragen hätten, die mit Baumwolle gefüttert waren. So bibberte keiner dieser schlanken Elfenkörper, als sie Schalen mit Obst, Kräutern, Gewürzen und Nüssen am Ufer in einer Reihe abstellten. Jede der Elfen nahm dann einen Kranz aus Lorbeeren oder Weidenzweigen zur Hand und nahm wieder Aufstellung.

Alma fuhr den Räderstuhl zu Jayna Fink hinüber, die mit einem Kessel am Ufer stand. Aus dem Kessel dampfte es verheißungsvoll. "Jayna, da ist er." Die Wunderheilerin nickte Darak freundlich zu. Sie schaute noch immer sehr liebreizend aus. Ihre Wangen waren von der Frische des Wetters gerötet und ihre Augen leuchteten. Dennoch schimmerte in ihnen auch ein kleiner Hauch Unsicherheit. Sie hatte Darak ja gesagt, dass sie diese Heilmethode <i>versuchen</i> würde. Demnach stellte er das erste Versuchskaninchen dar. Trotzdem schien er guter Dinge. Hauptmann Zitter stand links neben ihm, schaute ihn an und hielt seinen Helm. Rechts hatte sich der Nichtgenannte postiert. Hinter ihm stand Alma. Was auch kommen mochte, irgendwie war er vom Schutz umgeben.

Hoffung keimte nicht nur in Darak auf, sie erfüllte ihn längst. Er vertraute darauf, schon bald wieder laufen zu können. <i>"Ich habe gehört, in Euren Händen fließt das Leben"</i>, sprach er die junge Wunderheilerin an. <i>"Ich ... bin Euch unendlich dankbar, dass Ihr versucht, mir einen Teil davon zu spenden."</i>

Jayna lächelte nicht. Sie zeigte sich auf einmal hochkonzentriert. "Ich werde dir nun ein geheimes Mittel auftragen, dessen Rezeptur nur mir und einem kleinen Kreis meiner Helferinnen bekannt ist. Dann ... rollst du bitte in den See hinein. Du musst diesen Weg allein ... gehen. Verzeih mir diese Wortwahl, aber niemand wird dich auf dem letzten Stück der Heilung begleiten können. Es wäre nicht gut. Der See gehört dann nur dir allein. Doch sei gewiss, wir sind bei dir." Schon begann Jayna, sich Handschuhe anzuziehen. Dann griff sie in den Kessel und holte eine seltsam gelbliche Masse hervor, die sie sogleich auf dem schwarzen Bein verteilte. Dabei ging sie mehr als gründlich vor und achtete genaustens darauf, nur die schwarzen Stellen einzureiben. Inzwischen nahmen Alma, der Nichtgenannte und Zitter ebenfalls am Ufer Aufstellung.

Auf der einen Seite befanden sich seine Reisegefährten und Freunde. Auf der anderen standen die Elfen. Sie fielen in einen leisen Singsang, ein Gebet, das summend über die Weiten des Sees hallte:

<i>"Phaun,
sei vor diesem, deinem Geschöpf und führe es.
Sei neben ihm und begleite ihn.
Sei hinter ihm und beschirme ihn.
Sei unter ihm und halte ihn.

Florencia,
sei über ihm mit deiner Gnade,
beschenke ihn mit deiner Reinheit,
durchdringe ihn mit deinem Geist,
umfange ihn mit deiner Liebe,
auf dass er sich ganz in deiner Welt geborgen weiß
und seinen Weg zu dir, zum Leben, findet.

Oh, Florencia und Phaun,
so segnet denn euer Kind,
ihr gütigen und barmherzigen Götter
und seid alle Zeit bei ihm und mit ihm."</i>

Nun war es soweit, Jayna trat einen Schritt zurück und der Weg zum Wasser war frei für Darak. Er rollte hinein. Zunächst reichte das Wasser nicht einmal zur Mitte der Räder, so schob er sich weiter voran. Das Bein musste im klaren Sternensee baden.
Das Wasser berührte ihn. Es war eisig, aber Darak empfand keinen Schmerz. Die Meditation des Nichtgenannten half ihm mehr als er vermutlich erwartet hatte. Sein Bein versank im Wasser, schimmerte gelb ob der seltsamen Substanz, die warm darauf lag – was Darak jedoch genauso wenig spürte. Dann geschah etwas, sein Bein begann zu blubbern. Nein, es war der Brei darauf. Er reagierte auf das klare Wasser und schwoll wahrlich zu einem Haufen Blubberblasen an. Darak spürte Wärme ... Hitze ... die Substanz, welche sich nun im Wasser ausbreitete, zerfraß ihm das Bein! Und das Schlimme daran war: Darak konnte es sehen und spürte gar den Schmerz. Die Meditation versagte, wahrscheinlich, weil er nicht genug geübt in ihr war.

Pein kroch durch sen fauliges Bein, es brannte wie tausend Messer. Er konnte sehen, wie sich die Substanz durch seine Haut, durch Sehnen und Muskeln fraß und den Knochen freilegte. Es schmerzte entsetzlich.
Jayna reagierte als erste. "Nein! Das Experiment ist fehlgeschlagen!"
"HOLT IHN DA RAUS!!", brüllte Alma und krempelte die Helmdsärmel hoch.
"Nein, geht nicht ins Wasser", befahl Jayna. "Die Substanz würde euch ebenso zersetzen. Die Dosierung war zu hoch. Es zerfrisst sein Bein!" Dies wusste Darak bereits, denn das Fleisch schwand und er konnte auf seinen eigenen Knochen sehen – der zersplittert in den Überresten seiner Körpermasse hing.

"GLAUBT IHR, ICH LASS DEN SICH DA IM SEE ZERSETZEN?" Alma raffte ihren Rock. Man erhielt Blick auf ein Paar baumstammdicker Beine, aus denen an einigen Stellen schwarze Haare sprießten. Außerdem erkannte man nun die winzigen Schuhe, in die Alma ihre Füße wohl mit aller Gewalt hinein gezwängt haben musste. Eben diese Füße watschelten jetzt aufs Wasser zu und hinein in den See.

"Nein, ihr Narren!", rief Jayna entsetzt. Warum Narren? Es war doch nur Alma, die ... Hauptmann Zitter und der Nichtgenannte folgten ihr. Alle drei wateten nun auf Darak zu, um ihn aus dem Wasser zu holen. Sie zerrten und zogen am Räderstuhl, der sich nun ebenfalls unter der blubbernden Substanz aufzulösen begann ... zumindest das Holz litt stark darunter. Da brach es auch schon unter Darak zusammen, aber Alma war sofort zur Stelle. Sie schnappte sich ihren Patienten und trug ihn über die Schulter geworfen aus dem Sternensee.
Als Darak keuchend am Ufer abgelegt wurde, war von seinem Bein nichts mehr übrig als ein Knochenstumpf, der aus dem Oberschenkel ragte.


<i>[Darak Lebensenergie sinkt auf 8%]</i>
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Montag 1. Oktober 2007, 19:19

Er musterte den See. Das spiegelklare Wasser. Lebensquelle, Heilquelle und wunderschönes Symbol seiner wieder gefundenen Hoffnung und dem Vertrauen ins Gute auf dieser Welt. Er sog den angenehmen Salbeiluft ein, seine Lungenflügel blähten sich um noch mehr dieses Heilkrauts in sich aufzunehmen. Befreites Atmen. Er fröstelte leicht, es war ja auch nicht gerade wirklich Badesaison. Schliesslich bedeckte schon der erste scheue Schnee die Baumkronen des Waldes.

<i>"Gerüchte besagen, Salbei könne Tote wecken"</i> Sagte Alma. Darak sah zu ihr hoch und lächelte. „Kräuter welche die Toten wecken und eine Heilerin welche das Leben in den Händen trägt… ein Meister des Schmerzes sowie ein gesetzestreuer Hauptmann und Bewahrer des Lebens… und eine medizinkundige…Freundin...“ Er sah sie dankbar an. „Welch heilsame Vereinigung… und das alles für einen Bastard wie mich.“ Seine Augen strahlten. Er erlebte gerade etwas, was er sein ganzes Leben lang vermisst hatte. Wahre Freundschaft, wahres Wohlwollen. Echte Heilung?

Sie brachten ihn zu Jyana, die hochkonzentriert wirkte. Darak nickte zufrieden, er war froh, schien sie so konzentriert. Offensichtlich gab sie sich alle Mühe. Zudem wusste er, dass Alma ihren Patienten wohl kaum an irgendwen überlassen würde. Es brauchte wohl viel bis SIE sich eine zweite Meinung einholte. Alma musste viel von Jyana halten.

Neugierig spähte er in den dampfenden Kessel indem sich diese geheimnisvolle Heilpaste befand. Aus was sie wohl bestand? Würde er es je erfahren… und würde er dies auch jemals noch erfahren wollen?

<i>"Ich werde dir nun ein geheimes Mittel auftragen, dessen Rezeptur nur mir und einem kleinen Kreis meiner Helferinnen bekannt ist.“</i>

Nun wurde ihm doch ein bisschen mulmig. So wie sich dies anhörte war er einer der ersten, wenn nicht gar der erste Mensch überhaupt, der mit dieser Substanz behandelt werden würde. Doch was sollte schon passieren? War ja nur eine Salbe. Juckender Ausschlag konnte es ja kaum noch geben. Er starrte düster auf sein hässlich gewordenes Bein. Bald würde er dieses faulende Schwarz nicht mehr ansehen müssen. Er lächelte bei dem Gedanken. Richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Jyana.

<i>„Dann ... rollst du bitte in den See hinein. Du musst diesen Weg allein ... gehen. Verzeih mir diese Wortwahl, aber niemand wird dich auf dem letzten Stück der Heilung begleiten können. Es wäre nicht gut. Der See gehört dann nur dir allein.</i>

Er sah überrascht auf. Ihm war nicht klar warum es so wichtig war dass er alleine im See badete. Er legte seinen Kopf schief, zuckte schliesslich mit den Achseln. „Gut.“ Meinte er nur, dann würde er selbst wohl doch auch noch aktiv was für seine Heilung tun. Er kam sich ja inzwischen schon ziemlich faul vor, da sie sich ja um alles kümmerten und ihn gepflegt hatten, ja gar gefüttert ohne dass er es selbst mitgekriegt hatte. Wie das Alma geschafft hat, war ihm noch immer ein Rätsel. Er würde sie mal danach fragen. Irgendwann. Das der See nur ihm allein gehören würde war in einer Hinsicht praktisch… er würde wohl doch pinkeln können – unbemerkt… die Götter würde es wohl kaum beleidigen… und wenn doch… was machte es bei seiner lebenslangen Ketzerei noch für einen Effekt?

Doch sei gewiss, wir sind bei dir." Er schaute sie an. Nickte. „Ja. Das…weiss ich inzwischen. Es tut gut, nicht alleine zu sein werte Heilerin.“ Pflichtete er ihr bei. Er war geschützt. Dies wusste er.

Da streifte sich Jyana Handschuhe über. Vermutlich weil ihre eigene Haut die Heilsalbe nicht benötigte und daher nicht unbedingt damit in Berührung kommen sollte. Er beobachtete sie dabei wie sie die Salbe gezielt auf dem verfaulten Fleisch – welches inzwischen bereits leicht süsslichsauer nach Verwesung roch – verteilte. Sie liess keine betroffene Stelle aus, arbeitete gründlich und Darak merkte, dass Alma aufs penibelste genau seine Haut mit ihren Augen abtastete und die junge Wunderheilerin wohl sofort auf eine vergessene Stelle hinweisen würde. Doch Jyana verstand ihr Werk und Alma hatte offensichtlich nichts zu bemängeln. Die dicke Heilerin kannte die Substanz wohl auch nicht, schliesslich hatte Jyana nur von einem kleinen Kreis ihrer Helferinnen erzählt. Nicht von der pelgarischen Kerkerärztin. Sein letzter Blick, bevor er den Räderstuhl in den vermeintlichen Heilersee rollte galt Alma. Seine Augen strahlten. Glücklich. Es musste für jene Heileraugen etwas ganz besonderes sein, hatte sie schliesslich als erste seine düstere Leere gesehen als sie ihn halb tot in Toroks Raum gefunden hatte.

Er atmete noch einmal tief durch und rollte ins Wasser. „Brrr kalt.“ Um sich herum hörte er die Gesänge und Gebete der Elfinnen. Er glaubte nicht wirklich daran, dass Phaun oder Florencia sich irgendwie an der Heilung beteiligen würden… und wenn doch… na dann. <b>Danke</b> Er grinste. Vielleicht hatte er sich ja sein Leben lang getäuscht und diese stetige singende Hinterkriecherei bei den Allmächtigen, nützte doch etwas! „Ja lasst mich heute eines besseren belehren Allmächtige!“ Lächelte er vor sich her als er tiefer in den kalten See rollte. Er musste langsam aber sicher gegen den wachsenden Widerstand des Wasserspiegels ankämpfen. Endlich war das gesamte Bein unter dem Wasser verschwunden, er sass bis zum Bauch drin.

Er wartete ab. „Sonst muss ich wirklich nichts….“ Er hielt inne. Wärme durchflutete sein Bein. Er starrte an sich hinab. Die Wärme wurde zur Hitze, die Hitze zur gleissenden Vernichtung. Pochender, stechender und reissender Schmerz durchzog ihn vom Fuss bis in die obersten Nervenfasern seiner Wirbelsäule. Er riss seine Augen auf. Verkrallte sich am Räderstuhl. „W-was!“ Keuchte er. Der Schmerz wurde immer intensiver. Hatte nicht der Nichtgenannte ihn vorgewarnt, dass ihn sein Pein welchen er in der Meditation von sich stiess ihn irgendwann wieder erreichen würde, war dies nun jener verstossene Schmerz? Die Salbe begann zu blubbern und zu rauchen. Nein, dies waren keine Nebenwirkungen der Meditation! Definitiv nicht. Er konnte nicht mehr um Hilfe brüllen, entsetzt musste er mitansehen wie sich die blubbernde Salbe durch seine Haut hindurch bis unter den Muskel und schliesslich gar über den Knochen hinweg frass. Der unsägliche Schmerz liessen seine Muskeln verkrampfen. Er krallte sich gerade zu an die Lehnen fest und versuchte verzweifelt aufzustehen, zu fliehen aus dem Wasser zu gelangen. Doch in seiner Panik gelang es ihm nicht. Wie festgenagelt hockte er auf dem Rollstuhl während sein Bein zerfressen wurde. Er hörte nicht mehr was um sich herum geschah. Er verdrehte vom Pein zerfressen seine Augen. War jedoch noch bei vollem Bewusstsein. In seiner Qual riss er die Lehnen des Räderstuhls aus. Nur wenige Augenblicke später krachte dieser in sich zusammen. Darak tauchte kurz unter.

<b>JETZT haben wir dich!</b> Jauchzten die Stimmen in seinem Schädel die ungehindert Zugang zu ihm gefunden hatten. Die Meditation versagte ihren Dienst. Schutz war keiner mehr vorhanden! Er war allein! „NEIN!“ Ächzte er panisch. Die Stimmen lachten. Sie hatten ihre Rache genommen. Nun würden sie zufrieden sein… vorerst.

All dies geschah lediglich binnen wenigen Sekunden.

Doch ehe ihm dies erst richtig bewusst geworden war, packte ihn ein kräftiger und… massiger Arm. Zog ihn über Wasser. Er schrie auf. Rang nach Luft um nur noch lauter zu schreien.

Als Alma ihn über die Schulter warf hatte er seine Arme so verkrampft gehabt, dass sie sich eng an seine Brust krümmten. Er zitterte wie Espenlaub und im Takt des Schmerzes – der rasend war.

Sie legte ihn am Boden. Darak sah nichts mehr, durch seine vom Schmerz verdrehten Augen war er kurzzeitig völlig Blind, sah nur das rote Pochen der feinen Adern seiner Augenlider. Er bekam nur noch schwer Luft. Ausserdem stand er unter einem schweren Schock, der sein Körper in einen durchaus lebensbedrohlichen Zustand verfrachtete. Seine Gefässe stellten sich weit, Blut drang aus den abgekappten und angefressenen enden der Arterien. Es spritze hinaus. Dort wo eigentlich sein Bein hätte sein sollen bildete sich allmählich eine grässliche Blutlache.
Seine Lippen verformten sich. Wollte sprechen. Wollte etwas sagen. Wollte um Hilfe schreien, doch kein verständlicher Laut – ausser jener des Schmerzens verliess seine Kehle. Er selbst hörte nichts mehr nur noch das Pochen seines eigenen Pulsschlages. Er war nicht mehr Ansprechbar, jedoch nahezu bei vollem Bewusstsein.

Kein leuchten mehr in seinen Augen nur noch peinverdrehtes Weiss.

„E…l…e…“

Der Ketzer ward eingetaucht in Licht… und hatte dennoch nichts als Dunkelheit gefunden.

Eine vernichtende und seelentötende Erkenntnis.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Montag 1. Oktober 2007, 23:46

Die Leere in Daraks Augen war das absolut krasse Gegenteil zu dem Strahlen, welches Alma eben noch in ihnen gesehen und das sie so stolz hatte werden lassen – stolz, weil sie bis dahin geglaubt hatte, wieder einem Patienten geholfen zu haben und sei es nur, weil sie ihm zur Seite stand. Deshalb hatte sie sich damals für eine Heilerkarriere entschieden. Deshalb raufte sie sich selbst immer wieder zusammen und flickte sogar die halbzertrümmerten Verbrecher in Pelgars Verliesen. Weil es gut tat, ihr glückliches Strahlen zu sehen, wenn es ihnen besser ging.
Und jetzt?
"Es war alles umsonst. So eine VERDAMMTE SCHEISSE!!!" Jetzt war nicht mehr der richtige Moment, sich zurück zu halten. Alma war es egal, dass die Elfen sie entrüstet anstarrten. Es war ihr auch egal, dass sich die gelbe Substanz durch ihre Rockzipfel fraß und Rötungen auf der Haut hinterließ. Sie alle hatten sich so abgemüht, wahrlich alle. Selbst Hauptmann Zitter, den sie hier in Eldar erst kennen gelernt hatte ... all sein Sold war dafür draufgegangen, dass man die Zutaten für diese gelbe Suppen zusammen suchte ... und nun war die Dosierung zu hoch! Darak Bein war ab, es fehlte einfach. Aus dem Stummel verteilte sich Blut auf dem Boden.

Alma hätte gern weiter herumgeflucht. Wie gern hätte sie auf Götter, Elfen, Darak, sich selbst und ganz Celcia geschimpft. Doch zum Glück hatte sie eine Heilerausbildung genossen und wusste, sich im richtigen Moment zu beherrschen. Dass man Darak Beinrest nun nähte, stand an oberster Stelle. So zückte sie auch sofort Nadel und Faden. Gewisse Dinge besaß man immer irgendwo in einer Rocktasche. Alma begann, Darak zu nähen.

Hauptmann Zitter und der Nichtgenannte hockten in Daraks Nähe und schnauften. Zitter hatte es ma schlimmsten erwischt. Er war einmal gestolpert und ins Wasser geplumpst. Sein Gesicht war stark gerötet und die Haut schälte sich. Sofort eilte Jayna zu den vieren und legte Zitter ide Hände auf. Rasch untersuchte sie ihn. "Zerfressung im ersten Stadium, Ihr habt Glück gehabt. Aber jetzt brauch ich dringend Kamillenblüten. Mädchen, eilt euch!" Die Elfen stürmten davon. Zu dieser Jahreszeit wuchs Kamille nicht mehr in freier Wildbahn. Erst zur Zeit des Erwachens würde es wieder blühen. Aber die Waldelfen waren nie unvorbereitet. Sie sammelten nicht umsonst stets das ganze Jahr Heilkräuter. Zwei jung aussehende Elfenmädchen kehrten zurück und reichten Jayna je ein Döschen mit Kamillenextrakt.

Während Daraks also genäht wurde, versorgten die Elfen Hauptmann Zitter und anschließend auch Alma. Der Nichtgenannte hielt sich im Hintergrund. "Habt Dank, ich bin nicht verletzt", antwortete er ihnen und wich geschmeidig zurück, als sich die Elfen ihm näherten. "Ich bin ein Diener des Schmerzes und kann die Rötungen ertragen."

Was aber wohl selbst er nicht ertrug, war der Anblick, den Darak bot. Dieses Vernichtete. Diese Leere. Man hatte ihn enttäuscht. Oh, wie groß war doch die Enttäuschung, wenn man vorher Hoffnung geschenkt bekam. Und bei Darak war es besonders schlimm, denn ihm war nicht nur die Heilung verwehrt geblieben. Er hatte ein Bein verloren.
Der Nichtgenannte kniete neben seinen Schüler. "Es tut mir leid. Keine Meditation kann ein Körperteil wiederbringen. Es schmerzt mich, dich so zu sehen, aber dieses Gefühl werde ich nicht abgeben."

Alma zog den letzten Faden zu. Ihre Arbeit war wie immer perfekt. Die Naht ließ nichts mehr hindurch. Dennoch hatte Darak viel Blut verloren. Ob er die anderen überhaupt noch hörte? Er war ganz blass und kalter Schweiß stand auf seiner Stirn. Außerdem musste er sowohl seelischen als auch körperlichen Schmerz von bestialischen Ausmaßen spüren. "Schmerzmeister", grunzte Alma den Nichtgenannten an. "Nehmt ihm diese Pein. Er stirbt. Er hat es nicht VERDIENT, dass man ihm auch noch das LEBEN nimmt. Ich bin keine Wunderheilerin!" Hauptmann Zitter, Jayna Fink und Alma starrten den Nichtgenannten an.
"Ich auch nicht", gab der Nichtgenannte ovn sich. Sein Kupfergesicht flogt zu Jayna. "Euch sagt man zu, Leben in Händen zu halten. Beweist, dass die Gerüchte stimmen."

Jayna blickte in die Maske, dann auf Darak. In ihren war jedes Geschöpf es wert, zu leben. Daher hatte sie auch nicht hinterfragt, woher Darak diese blauen Flecke auf Brust und Armen besaß, warum seine Beine in diesem Zustand waren und ob er diese Behandlung nicht vielleicht sogar zurecht verdient hätte.
"Ich kann nicht zaubern", meinte die junge Frau. "Aber ich will mein bestes tun. Einmal habe ich es geschafft udn das schenkte mir den Titel." Sie sog tief die Luft ein. Dann legte sie Darak die Hände auf. Jayna war tatsächlich keine Magierin, aber die Betitelung Wunderheilerin hatte man ihr nicht umsonst verliehen.
Doch war es wohl nicht das Wunder, welches ihre Hände vermochten, sondern dass sie in Florencia Interesse weckte. Die Göttin war dieser Menschenfrau schon immer angetan, denn Jayna war eine Seele von Reinheit ... wie Florencia es bei Sterblichen schätzte. So gewährte sie ihr besondere Kräfte – die auch Schmerzen zu tilgen fähig waren oder Pflanzen wachsen lassen konnten.

Darak war keine Pflanze, aber sein Schmerz endete in einem Gefühl der Wärme, als fielen Dutzende Sonnenstrahlen auf seine Haut. Die Naht kribbelte.


<i>[Daraks Lebensenergie beträgt 40%]</i>
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Dienstag 2. Oktober 2007, 18:20

<i>Göttliches Gleichgewicht mein aufmerksamer Schüler. Dies ist deine Frage? Was göttliches Gleichgewicht ist? Nun, ich will es dich lehren und zeige es dir anhand der grössten göttlichen Schöpfung. Dem Menschen. Sieh ihn dir an, wie er vor dir steht. Zwei Füsse die alle Last unseres Lebens auf sich tragen. Starke Pfeiler und doch so unscheinbar. Sie bieten uns Halt. Sie lassen uns spüren ob wir auf leichten oder steinigen Pfaden wandeln. Sie sind Wurzel unseres inneren und äusseren Gleichgewichts, denn ist dieses Gestört – so wankt ein Mensch und steht unsicher auf seinen Füssen.

Sieh ihn dir an, wie er vor dir steht. Zwei kräftige Beine. Bieten Möglichkeit zur Flucht, zur Eile. Bewegen dich, führen dich auf deinem Pfad der rechtens oder falsch ist. Treue Begleiter, stolz und mächtig. Starke Knochen damit sie den Körper auch über die steilsten Berge tragen können. Sie sind die Führer deines Körpers und Geistes, sie wandeln deine gedankliche Bewegungen in körperliche. Führen dich zum Ziel. Wenn das Ziel verloren, die Bewegung falsch oder gewaltsam ist, so hinkt das Bein oder bricht.

Sieh ihn dir an, wie er vor dir steht. Von Becken bis zur Brust. Sitz vieler Organe – Kelch des Lebens und Rüstung für Herz und Niere. Symbol der Einheit, des Schutzes. Setzt Speis und Trank in Energie um und Reinigt den Körper vor Giften.
Verlierst du dein Mass so ist es gestört. Bekommst Steine im Magen oder spuckst Galle. Hauptsitz des Brustkorbs, das Herz. Patron der Gefühle, heimlicher Unterschlupf der Seele. Pumpt kräftig, treu und ewig. Rastlos, quell des Lebens. Ist es gestört, so wird es schwer, das Pumpen zum Schmerz, das Leben zur Qual. Ist es jedoch rein und voll von Licht, so wird es heilen und Segen spenden weit über den einen Menschen hinaus! So ist Lysanthors Wille.

Sieh ihn dir an, wie er vor dir steht. Ein mächtiges Rückrat leicht geschwungen, hält dich Aufrecht, Sinnbild von Stolz und Ehrbarkeit. Streck es aber nicht zu sehr, denn das währe Eitel – ein steifes Rückrat. Beug dich nicht zu sehr, nur von deinem Gott. Denn du bist kein Sklave, sondern allein sein Diener.

Sieh ihn dir an, wie er vor dir steht. Arme so stark und kraftvoll. Werkzeuge des Geistes und der Muskeln. Täter. Ehrbare, Heilende und schlichtende Arme sowie Hände. Die der Welt und dem Menschen Trost spenden… oder aber sinnbild von Gräueltaten, Gewalt und Zerstörung. Dies der Weg des Ketzers und des Schänders – verruchtes Wesen gottloser Narr. Folterer von Geist und Seel, halt dich von diesen Fern, auf sie wartet Faldors Höllenreich.

Sieh ihn dir an, wie er vor dir steht. Das Haupt, die Person. Der Mensch. Der hört was gesagt wurde, der spricht was Lysanthors Lehren besagen, der sieht welch Wunder geschehen und der glaubt an die heilvollen Taten seines Gottes. Der Betet und ihm treue schwört. Hauptsitz
des Geistes ein freier Wille und rein. Dies ist das Haupt eines Hohenpriesters, frei von aller Sünde. Dein Haupt. So wird es sein. Bald mein Sohn. Denn sie ihn dir an, wie er vor dir steht. Sieh ihm in die Augen und erkenne dich selbst.</i>

Darak wusste, dass sein damaliger Pater keine Ahnung von seinem Leben hatte. <b>Das bin ich nicht, ich… stehe nicht mehr.</b>

Verdrehte Augen. Schmerzhaftes Zittern. Fahle Haut… und Blut… so viel Blut. Ein fehlendes Bein. Entfernte Stimmen – Almas grollendes Fluchen hob sich deutlich von den anderen ab. <i>“Es war alles um sonst. Verdammte Scheisse</i> „N-ne-in.“ Widersprach er brüllend. Es war definitiv nicht alles um sonst gewesen! Es war der unabwendbare Beweis dafür, dass Hoffnung die grässlichste Art der Folter war. Denn sie konnte so schnell in tausende Splitter zerspringen und nicht nur eine Seele sondern viele gleichzeitig tief verletzen und zerfetzen. Nur mit Mühe hatte es Alma geschafft ihn nach der Folter am Leben zu erhalten, ja ihm gar so etwas wie ein Lebenswillen zurückzugeben. Ihn aus seiner Resignation zu holen, in der er geglaubt hatte, sein Bein zu verlieren. Es war ihr gelungen indem sie um sein Bein gekämpft hatte, bei ihm gewesen war, ihm den Helm als Schutz bot. So viel Arbeit hatte sie sich gemacht und der Ertrag war ein einzelner Verlust.

Er rührte sich kaum noch. Zu schwach war sein Körper inzwischen geworden, die Schmerzenskrämpfe strengen seinen Kreislauf viel zu sehr an. Sein Herz ächzte und Pumpte weiter Blut aus der Wunde während seine Lebensgeister sanken. Er wurde blass. Doch das schlimmste für Darak war, dass er nicht SO sterben wollte. Ihm währe Pelgars stinkiger Folterkeller lieber gewesen, als hier, jetzt inmitten von BETENDEN Elfen zu verrecken! Keiner dieser vermaledeiten Götter sollte angesungen werden in der Stunde seines Todes! So hatten sich von ihm Abgewandt schon bevor er zur Welt gekommen war und so sollten sie sich auch nicht um ihn scheren wenn er ehrlos davon vertilgt wurde. Eigentlich stand er ja nicht mit allen Göttern im Zwist sondern nur mit Lysanthor. Doch gehörten sie nicht alle in die gleiche Sippe? Trieben sie nicht alle ihre grässlichen und hämischen Spiele mit den Menschen? Phaun hatte schlieslich auch nicht zuviel versprochen, er hatte ihn geheilt weil er Elena hatte dienlich sein sollen für die Rettung Celcias. Nun. Die Rettung war geschehen, Elena überlebt, war zur Heldin geworden. Der einzige Grund warum sein Leben verlängert worden war damit erfüllt und nun, konnte er hier in dem heiligen See von Florencia vernichtet werden. Schliesslich war sie ihm genau so wenig schuldig wie er ihr. Darak wusste dies, deshalb besang er auch keine Götter.

Er spürte wie jemand den Stummel des Oberschenkels berührte. Ja. Des Stummels. Nicht SEIN Stummel.

Er keuchte. Der Schmerz riss an seiner Seele, riss an seinem Gemüt, riss an seinem Lebenswillen… und wieder war es pure Sturheit, dass er daran festhielt. An diesem kümmerlichen einbeinigen Leben. Dem Leben eines Krüppels. Eines Pflegefalls. Eines gescheiterten Menschens. Eines Folterers. Eines gefolterten. Eines Mönchen. Eines Ketzers. Sein Leben… zumindest für jene Körperteile die noch existierten.

Er stand nicht mit einem Bein im Jenseits. Er lag ihm Leben, während ein Teil bereits tot war. Vergangen. Verwest. Zerfressen. Weg.

Selbst seine Liebe…Elena… war weg. So unerreichbar weit weg.
Der Schutz der sein Helm ihm immer geboten hatte, unnütz geworden.
Seine Freunde die ihm beigestanden hatten, zutiefst enttäuscht und entmutigt.
Sein Lebenswille nur noch ein hässliches Krümmelchen Sturheit.
Sein Körper… ein Wrack.

Doch sein Geist. War in all seiner Qual. Frei von Rachegeister. Die Stimmen waren verstummt. Der Tribut schien gezahlt.

Vorerst…

Er spürte warme Hände auf seiner kalten Brust. Darak fror inzwischen. Doch dann wurde er von Wärme durchflutet. Erst fühlte sie sich ähnlich an wie die von der Salbe – bevor sich diese zu Säure wandelte.

Er öffnete seine Augen. Sah Jyana an und glaubte in jenem Augenblick, dass sie ihn von seinem Pein erlösen würde. Sein Leben beenden. Dabei war es schon beendet. Gefallen. Auf dem Grund angekommen wo es erst neu entstehen musste.

Wie sein alter Pater damals gesagt hatte:

<i> Und wenn du den Werdegang eines Menschen betrachtest, so siehst du, dass er sich vom Grund erheben musste um seine Grösse zu zeigen, seine Ehrbarkeit, seine Stärke. Denn der liegende Mensch ist Knecht, ist Sklave der Unfähigkeit, abhängig von anderen. Ein unbeholfener Geist tiergleich und allein nicht Überlebensfähig. Darum sieh dich vor… dass du niemals… zum Gefallenen wirst. Denn es besteht die Gefahr, dass du nie wieder aufstehst und dann… gnade dir Lysanthor Darak. </i>
Er beruhigte sich als Jyana ihm seinen ersten Schmerz nahm. Starrte zum Himmel. Atmete schwer. Brachte kein Wort hinaus. Starrte einfach zum Himmel. War zum Gefallenen geworden.

Dann lachte er weinend. <b>Das wolltest du also? Dass… ich DICH um Gnade anbettle?!</b>

Sein Lachen erstarb. Die Tränen jedoch flossen weiter. Er lag mitten in der Lichtung neben dem See, der ihm sein Bein genommen hatte. Halb nackt und fröstelnd. Umringt von Heilern die ihm nicht hatten helfen können. Die Zeugen geworden waren wie sein Bein zerfressen wurde.

Doch dann… ein kleines Gedankenfragment das sich heimlich in seinen Geist eingenistet hatte. <b>Die Schuld ist getilgt… die Busse ist getan.</b>

Er war frei von Rache und im selben Augenblick zum gefangenen seines Körpers gemacht.

Sein Schicksal. War mehr als nur sarkastisch geprägt.

"A-lm-a" Keuchte er und hob seine Hand. "Ich...will...frei...sein... aber nicht... hier."

Sein einziger Lebenswille bestand darin nicht während eines hörbaren Gebets zu sterben.

Das war alles. Denn freiheit würde er hier in dieser Welt kaum noch finden.

Er musste also nur die örtlichkeit ändern.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 3. Oktober 2007, 13:30

Alle starrten auf Janya, die ihre Hände fest gegen Daraks Brust drückte. Ja selbst sie blickte darauf, konnte nicht glauben, dass sie erneut ein Wunder vollbrachte. Janya Fink war keine Magierin. Sie besaß keine magischen Fähigkeiten, konnte mit Magie nicht heilen. Und sie hätte wohl Lichtmagierin sein müssen. Nur Lichtmagie wäre jetzt wohl in der Lage gewesen, Darak in irgendeiner Hinsicht zu heilen. Doch Lysanthor spendete seine Gabe nicht.
Es war Florencia, Behüterin des Lebens, die ihre göttliche Macht in Jaynas zierliche Hände lenkte und damit Daraks Körper durchströmte. Denn Florencia liebte jede Pflanze, jedes Geschöpf – jedes Leben – auf Celcia. In ihren Augen waren alle gleich: Leben.

Darak schien sich etwas zu beruhigen. Der Schmerz versiegte so rasch wie er gekommen war. Langsam breitete sich geistige Erholung in ihm aus.
Jayna nahm ihre Hände von seiner Brust, schaute auf den Beinstumpf, der mehr als sorgfältig zugenäht worden war. "Ich bewundere Eure Sorgfalt in Bezug auf Eure Schnelligkeit, Heilerin", lobte sie Alma. Die Dicke brummte nur: "Dort wo ich vorher arbeitete, war es wichtig, sowohl schnell als auch ordentlich zu nähen. Es hing viel davon ab."

Die Elfen versammelten sich um Darak. Sie stellten sich erneut im Halbkreis auf, sahen auf ihn hinunter. Ihre Gesänge hatten geendet, dennoch murmelten sie leise, kaum hörbar. Sie beteten.

Alma schaute Darak an. Er lag einfach nur da, existierte. Leises Lachen flüchtete aus seiner Kehle, doch lag keine Freude darin. Tränen begleiteten ihn, rannen aus den Augenwinkeln und benetzten sein blasses Gesicht.
Dann erstarb das Lachen. Die Tränen blieben.

<i>"A-lm-a."</i> Sie nahm seine Hand und drückte sie. Ja, sie war da. <i>"Ich...will...frei...sein... aber nicht... hier."</i>
Alma ließ ihn nicht los, seufzte jedoch. <b>Der Räderstuhl ist zerstört. Wie bekomme ich dich hier weg?</b> Ihr Blick flog weiter zum Nichtgenannten. Dieser stand neben den versammelten Elfen, sein Kupfergesicht von der Szenerei abgewandt. Dennoch wirkte er nicht teilnahmslos. Seine Haltung verriet Ruhe, ebenso Nachdenklichkeit. Worüber dachte er wohl nach?
Almas Augen wanderten weiter zu Hauptmann Zitter. Man hatte sein Gesicht versorgt und die roten, sich schälenden Stellen eingesalbt. Er starrte bitter auf einen Fleck vor seinen Füßen. Verbissen. Verzweifelt. Seine Hände waren zu Fäusten geballt und zwischen ihnen lag Daraks Helm auf seinem Schoß. "Das ist doch kein Neuanfang...", murmelte der Soldat vor sich hin.

Almas Blick kehrte zu Darak zurück. Sie hoffte, dass er sie hören konnte. "Der ... Räderstuhl ich zerstört und in deinem Zustand befürchte ich, kannst du keine Krücken nutzen. Vielleicht ... kann ich dich tra–"
"Bei allem, was mir heilig ist", keuchte Jayna plötzlich, die ebenfalls noch an Daraks Seite hockte. Ihr Blick war starr zum See gerichtet, ebenso ihr ausgestreckter Finger, doch sie hielt erstarrt die Luft an. Ehrfurcht und Unglaube glänzten in ihren Augen. Alle schauten zum See.

Dort, zwischen den Büschen, stand beinahe scheu ein weißes Einhorn. Langsam trat es aus dem Dickicht, war allerdings nicht allein gekommen. Eine Gestalt schritt an der Seite des göttlichen Geschöpfs. Diese Gestalt war weiblich und nackt. Ihre Haut schimmerte in den grünen Facetten sommerlicher Mischwälder. Das Haar bestand aus dunklen Ranken, in denen Blumen blühten und Schmetterlinge wie zur Zierde auf den dürren Zweiglein hockten. Der Körper, die gesamte Erscheinung: makellos. Die Gestalt schaute auf den See, dann drehte sie den Kopf. Ein Rascheln, wie Blätter im Wind, begleitete die Bewegung. Braune Augen schauten zu den Versammelten hinüber. In ihnen sah man die Tiefen der Wälder, den Wachstum allen Lebens, Pflanzen und Tiere. Fruchtbarkeit, Erwachen und tiefe Reinheit. Die Unschuld der Natur. <i>"Mein See ... ist trüb. Unrein. Ich kann die Sterne nicht sehen."</i> Diese erhabene Wesenheit meinte wohl kaum die Sterne am Firmament, denn dazu war es och viel zu früh. Außerdem hatte sie recht. Der ganze See wirkte trüb, war in eitrigem Gelb gehalten. Wie Schleim. <i>"Jemand hat meinen Spiegel zu den Seelen der Natur vergiftet. Meine reine Quelle der Heilung. Zu hoch ... dosiert."</i>
Die braunen Augen wandten sich ab, fixierten das Wasser. Die Gestalt löste sich von ihrem Einhorn und trat zum Ufer. Aus jedem ihrer Fußstapfen erwachte junges Leben. Blumen und Gräser sprossen, erinnerten an die Zeit des Erwachens.
Sie ging in die Hocke, berührte die flüssige, trübe Oberfläche mit ihrem Finger. Eine einzige Welle bewegte sich kreisförmig davon. Sie wuchs und wuchs und von ihrem Zentrum aus klarte der See wieder auf. Die Welle schwämmte gelblichen Schaum ans Ufer, den der Wind davontrug.

Alle Anwesend wirkten wie erstarrt, vor allem Jayna und die Elfen. Sie wussten, werd dort gerade den See gereinigt hatte. Herrin der Wälder, Göttin des Erwachens, Behüterin des Lebens. Und alle schauten sie nur schweigend an – alle bis aus Alma.
Die erhob sich – ließ Daraks Hand jedoch nicht los – und rief lauthals: "HE, ICH BIN NICHT SO GLÄUBIG WIE DER REST, ABER ICH WEISS AUCH EIN WENIG ÜBER EUCH, HOHE WALDHERRIN. IHR HABT EUREN SEE GEHEILT, KÖNNT IHR DAS AUCH BEI IHM?" Sie drückte Daraks Hand fest, quetschte sie beinahe.

Florencias Kopf legte sich schief. Sie schaute zur Gruppe herüber, doch nur einer konnte ihr direkt in die Augen sehen, ohne sie zu sehen: Darak. Er sah Wälder, Wiesen, Pflanzen aller Art und wie sie wuchsen. Er sah neugeborenes Leben. Und dann das Lächeln der Göttin. Das Bild schwand. Darak starrte in den Himmel. Dort kreiste ein Vogel, ein Falke oder Bussard musste es wohl sein. Und er konnte das aufgeregte Murmeln seiner Umgebenden hören. Aus allem kristallisierte sich Almas Stimme heraus. "Sie hat nicht mal geantwortet. Nur geguckt und gelächelt und ist dann einfach gegangen. Götter ... ha ... seltsames Volk!"
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Mittwoch 3. Oktober 2007, 19:20

Darak lag da. Um ihn herum scharten sich die Elfinnen und musterten ihn von oben herab. Was sie wohl sahen? Einen heulenden Krüppel? Einen Mörder der endlich seine verhältnismässig milde Strafe erhalten hatte? Ein Fremder bei dem ein Experiment schief gelaufen war? Oder einfach nur Jyanas seltsamer Patient?
Er betrachtete die jungen Mädchen. Sie waren so hübsch. Doch das mitleid welches sich so offensichtlich auf ihren Gesichtern spiegelten ertrug er kaum. Darak hatte schon immer so etwas wie eine natürliche Dominanz ausgestrahlt – kein wunder bei seiner stattlichen Grösse von 1.90 und seinem kräftigen wie auch vernarbten und gebrandmarkten Körperbau und dem gehörnten Helm. Ein solches Ungetüm von Mann – sollte wohl nicht bemitleidet werden. Oder vielleicht nicht aus diesem Grund, weil dieses Ungetüm von Mann, Kindermörder, Killer, Sklaventreiber und Folterer war.

Sah Jyana und spürte wie sie ihre heilenden Hände auf seinen Brustkorb presste. Der beruhigte und tiefe Rhythmus seiner Atemzüge hoben und senkten ihre Hände und bewiesen ihr, dass sie etwas Lebendiges berührte. Etwas das Atmete, das war und sein würde… jedoch frei sein wollte. Darak sah Jyana tief in die Augen. Schweigend, doch es schien als würde allein das unscheinbare Flackern seiner Pupillen mehr aussagen, als es Worte je vermocht hätten.

Ja. Er war vom Leben enttäuscht. Von seinem zumindest. Dort in der Stillen Ebene war alles in Ordnung gewesen. Er hatte geglaubt einen Neuanfang wagen zu können. Hatte sich geschworen nicht mehr zu morden und wollte endlich glücklich werden – mit Elena. Doch was war geschehen?

Er lag da mit einem Bein. Ein Bein das selbst gebrochen war, vor langer Zeit und doch nie richtig verheilt. Vielleicht würde ihm Jyana dort helfen können es zu kräftigen, damit es das andere ausgleichen konnte.

Ja. Er war vom Leben enttäuscht aber nicht von Jyana. Er ahnte welch Gift es für einen Heiler sein musste, wenn ein Heilungsversuch so unglücklich scheiterte. Doch Jyanas Gabe musste erhalten bleiben. Sie sollte nicht versiegen nur weil sie ihm nicht hatte helfen können. So viel Wert, war er nun auch wieder nicht.

„Nur ein Bastard.“ Dachte er laut und zuckte kaum merklich mit den Schultern. Seine Hand drückte noch immer jene Almas. Ja er wollte frei sein. Er schnaubte. Er WOLLTE.
Wollen war etwas Seltsames. Der Wille ein Mysterium. Denn der Wille alleine nützte nichts, war nur der Katalysator der Energie die noch umgesetzt werden mussten um aus dem willen Taten entspringen zu lassen.

Es war wie mit Pinkeln. Nur weil man(n) einen Busch anpinkeln will –ist es noch lange nicht passiert. Er muss auch was dafür tun. Hose auf und zielen zum Beispiel. Er muss also wissen wie… und dann auch noch können. Eine leere Blase zu entleeren geht nun mal nicht, da kann der Wille und die Technik noch so gut sein.

Die magische Formel des erfolgreichen Seins hiess also:

Wissen, Können, Wollen.

Die Dreifaltigkeit des erfolgreichen Pinkelns – und bestehen im Leben.

Doch was wenn ein Element fehlte? Darak wollte gehen. Wusste auch wie man geht. Doch er konnte nicht mehr. Er wollte frei sein. Wollte er dies wirklich? Oder lag es nur an dem massiven Blutverlust und dem Schock, dass er solch düsteren Gedankengänge gehabt hatte? War dieser leicht euphorische Aufschwung den er gerade erlebte vielleicht nur ein Trugbild seines verkrüppelten Körpers, ein nackter Erhaltungstrieb der sich selbst belog und falsche Motivation spendete um zu erhalten was nicht mehr lebenswert war?

Der Wunsch zu sterben war eine mögliche Lösung. Der Tod als Schlusspunkt des Seins würde sein momentanes Leid auf einen Schlag beenden und Alma wäre vermutlich als medizinerin gar noch in der Lage ihm ein angenehmes sterben zu ermöglichen .Sofern dies überhaupt angenehm sein konnte. Im Jenseits, so glaubte Darak, waren schliesslich alle physischen Gegebenheiten unwichtig. Ein verlorenes Bein wäre dort nicht mehr relevant. Dor t galten andere Gesetze.

Die er wieder missachten konnte wie jene des Lebens.

Er seufzte. <b>Was für ein weichlicher Feigling ist nur aus dir geworden! Einfach so aufgeben und an verdammten Selbstmord denken! BASTARD! Ich bin ein verdammter Luthorkar…</b>

Bisher hatte er seinen Stummel nicht einmal angesehen, ja gar völlig verdrängt, dass sein Bein weg war. <b>Ein einbeiniger Luthrokar…</b> Dachte er zermürbt. <b> Aber noch immer besser als den Schwanz ab zu haben verflucht!</b>

Müdigkeit umgab ihm und vor seinen Augen tanzten schwarze Pünktchen ihren Reigen. Die Belastung seines Körpers forderte seinen Tribut, sein Kreislauf war noch immer stark beeinträchtigt durch den erlittenen Blutverlust. Dies sah auch Alma.
<i> "Der ... Räderstuhl ich zerstört und in deinem Zustand befürchte ich, kannst du keine Krücken nutzen. Vielleicht ... kann ich dich tra–"</i> Er blickte sie an und nickte schwach.

<i>"Bei allem, was mir heilig ist"</i> Überraschte und ehrfürchtige Unruhe entstand. „Wasn los?“ Lief er etwa schon wieder aus? War die Naht geplatzt? Er sah auf und bemerkte, dass sie alle den Blick von ihm Abgewandt hatten. Oh er hoffte DAS lief nicht aus was die ganze Zeit gedrückt hatte, doch so weltbewegend wäre DAS nicht einmal gewesen.

Endlich – ein paar Sekunden später als die anderen sah er die Quelle des Erstaunens und der Unruhe. Er bäumte sich ächzend auf. Ein Einhorn und… die Göttin waren zu sehen. Seine Augen weiteten sich. War es nicht dieses Einhorn gewesen welches ihm schon einmal geheilt hatte als er so verbrannt gewesen war? Warum war es dieses Mal gekommen, welchen Grund sollte es haben – schliesslich war Celcia gerettet und Elena nicht hier. Nur der überflüssig gewordene Bastard.

<i>"Mein See ... ist trüb. Unrein. Ich kann die Sterne nicht sehen."</i>
Darak verdrehte die Augen. Natürlich war der See trüb, dachte er düster. Schliesslich hatte einer von den Göttern verbannter Ketzer darin gebadet und sein fauliges Bein dem heiligen Wasser verfüttert.

Sein Bein!

„M-mein… Bein.“ Keuchte er, es war das erste Mal, dass er diese Erkenntnis auch aussprach und sich wieder erschöpft zurücklehnte, so dass er die Göttin nicht mehr sehen konnte. Wie sie den See heilte. Ihren Tümpel. Die letzte Ruhestätte seines Beines.

<i>"HE, ICH BIN NICHT SO GLÄUBIG WIE DER REST, ABER ICH WEISS AUCH EIN WENIG ÜBER EUCH, HOHE WALDHERRIN. IHR HABT EUREN SEE GEHEILT, KÖNNT IHR DAS AUCH BEI IHM?"</i>

Almas schallende Stimme liess seine Ohren klingeln -selbst sein halb Taubes. „Argh.“ Er verzog sein Gesicht als sie ihm die Hand so quetschte, doch er wusste, dass dies ein Ausdruck Almas überaus wohlwollenden Willens war. Sie wollte ihm wirklich helfen.

Dann geschah etwas Seltsames. „Uhrm.“ Keuchte er. Vor seinen Augen tat sich eine… Vision?.. auf. Er sah die schönsten Wälder, die saftigsten Wiesen und das Leben wie es kräftig pulsierte und die Bäume sowie Gräser wachsen liess. Ja die hatten es gut, die hatten schliesslich was zum Nachwachsen. Aber Darak war keine Pflanze und sein Bein auch kein Milchzahn oder Haar.

Seine Pupillen erweiterten sich als die Göttin lächelte. Er lag einfach da und wusste nicht was er tun sollte. Wusste nicht warum sie lächelte. „W-wartet!“ Die Götter sprachen zu ihm? Warum?

Das Bild verschwamm in ein helles Blau und wandelte sich schliesslich zum Himmel. Wo ein Vogel kreiste – frei.

Verwirrend. So viele verwirrende Gedanken jagten ihm durch den Kopf und doch wollte keiner richtig hängen bleiben.

“A..lma“ Hauchte er nur wieder. „Mein…Bein...“

Keuchte er schliesslich.
Er musste akzeptieren, das Hoffnung manchmal nur ein kurzfristiger Trost war und nicht immer Erfüllung fand..
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Re: Das Experiment

Beitragvon fremde Frau » Donnerstag 4. Oktober 2007, 11:45

War es eine Vision, die ihm Florencia geschickt hatte? Und wenn ja, was wollte sie ihm damit sagen? Verspottete sie Darak, weil er all dies nicht war? Pflanzenwuchs, Reinheit, makellose Natur und Friede. Er wusste doch selbst, dass er nicht perfekt war! Dass er ein Krüppel war!

<i>"W-wartet!"</i>, keuchte er. Alma kniete sich wieder neben ihn. "Vergiss es, Darak! Diese Göttin ist seltsam. Taucht auf, um ihren See zu säubern, lächelt zu uns rüber und geht wieder. Sie ist weg, ruf ihr nicht nach."
<i>"A...lma. Mein ... Bein ..."</i> Die dicke Heilerin drehte sich zu Hauptmann Zitter um. Sie streckte wortlos ihre Hand aus. Zitter und sie wussten, was sie wollte und auch warum. Darak brauchte jetzt Schutz, symbolisch als Zeichen, dass man ihn hier nicht liegen lassen würde.
Hauptmann Zitter reichte Alma den Helm, meinte aber verbissen: "Er hat ihn sich holen wollen – laufend." Sie nickte dazu und zeigte Darak sein gehörntes Schutzsymbol. "Möchtest du ihn oder soll Zitter ihn noch eine Weile aufbewahren." Sie machte ihm nicht den Mut, dass er ja mit Krücken auch ganz passabel laufen können würde. Denn nur ein kurzer, aber erfahrener Blick der Heilerin reichte ihr aus, um zu diagnostizieren, dass das andere – das schlechte – Bein diesen Körper niemals allein würde tragen können. Alma seufzte.

"Du bist voller Blut", bemerkte sie. "Jayna, kann ich ihn im Quellwasser des Sees baden oder muss ich ihn so BLUTIG durch das Dorf schleppen?"
Die Wunderheilerin blickte noch immer zu der Stelle, an der Florencia selbst aufgetaucht und wieder verschwunden war. "Sicher", hauchte sie, konnte nicht glauben, wieviel der Göttin an ihrem See, nicht aber an dem Wohlergehen eines ihrer Geschöpfe hing. Warum hatte sie Darak mit ihrer göttlichen Macht nicht geheilt? Florencia und Phaun waren dafür bekannt, das Leben zu ehren und zu bewahren, wo sie nur konnten. Selbst ein Dunkelelf würde bei ihnen unter Umständen Obhut finden! Die Wunderheilerin verstand es nicht.

Die anderen Elfen versammelten sich indes am Seeufer. Der gelbe Schaum war bereits vom Winde fortgetragen, aber das Wasser – es glitzerte im fahlen Grau des Himmels. So klar war es nie zuvor gewesen, so rein und glitzernd. Nun passte der Name Sternensee mehr denn je.

Alma hob Darak vorsichtig an. "Ich wasch dich jetzt vom Blut rein und dann trag ich dich zurück ins Heilerhaus. Dort müssen wir überlegen, was weiter geschieht. Einverstanden?" Sie wartete keine Antwort ab, sondern hob Darak hoch wie es ein Bräutigam wohl mit seiner Braut machte und trug seinen bemitleidenswerten Körper zum Wasser. Dort stakte sie erneut in den See. Sie würde Daraks untere Körperhälfte einfach eine Weile ins Wasser halten und an Land dann die benässten blutflecken weg schrubben.
Geplant, getan!
Das Wasser war entsetzlich kühl, viel kühler als vorhin. Es kribbelte an der frischen Naht und prickelte arg. Doch es blieb nicht von Dauer. Alma hob Darak wieder heraus und brachte ihn ans Ufer zurück.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Donnerstag 4. Oktober 2007, 22:32

Er blinzelte und starrte sehnsüchtig dem Vogel nach der noch ein paar mal am Himmel kreiste und schliesslich – frei wie er war dorthin flog, wo ihn der Wind hintrug um neue Welten zu entdecken. <b>Was für ein glückliches Geschöpf dies sein muss, dabei Besitzt es wohl den Verstand einer müden Erbse – wie Valrock.</b> Das Leben war ungerecht. Na ja… dies war definitiv keine neue Erkenntnis und daher nicht wirklich schockierend.

Er schüttelte seinen Kopf und keuchte. Starrte ins fahle grau des Himmels.

<i> "Vergiss es, Darak! Diese Göttin ist seltsam. Taucht auf, um ihren See zu säubern, lächelt zu uns rüber und geht wieder. Sie ist weg, ruf ihr nicht nach." </i>
Alma hatte recht. Was nützte sein Rufen? Nichts. Was schuldeten ihm die Götter? Nichts. Was erwartete er von ihnen? Nichts… was bedeutete ihm ihre Gunst? Nichts.

Er schaute Alma an und nickte. Sah wie sie ihre Hand ausstreckte, folgte dem Verlauf ihres Armes und erblickte Zitter, besonders sein veräztes Gesicht. Daraks Miene verdunkelte sich. Es tat ihm leid den Hauptmann so zu sehen, Zitter war ein Mensch der stets an das Gute geglaubt hatte – nun erlebte er wohl gerade einen schweren Rückschlag. Er schien ihm wohl inzwischen viel zu bedeuten. Er wollte ihm irgendwas sagen… doch was? Sein Leben war nichts mehr Wert und eigentlich wollte er auch nicht mehr Atmen… die Heilung war vor die Hunde gegangen und Elena vermutlich schon längsten in den Armen des Pflanzenheinis. Der ganze Aufwand in Andunie… war komplett umsonst gewesen. Das war die ernüchternde Wahrheit – doch es war nicht die ganze. Schliesslich hatte er in der kurzen Zeitspanne in der Stillen Ebene so viel wunderbares Erlebt. Liebe, Leidenschaft und Hoffnung. Dinge, welche er schon lange vergessen gehabt hatte. Diese kurze Sequenz – diese Chance welche Zitter ihm ermöglichst hatte, war so genutzt worden, dass er noch einmal erfahren hatte, was es hiess zu leben. Dafür war Darak dem Söldner unendlich dankbar und drückte dies mit einem respektvollen und freundschaftlichen Nicken aus, wobei sein Blick die Dankbarkeit stumm jedoch deutlich aussprach.

Er sah den Helm welcher Zitter mit der verbitterten Bemerkung an Alma weiterreichte. Ja. Das hatte er gesagt und nun, würde es wohl niemals mehr eintreffen. Vielleicht wäre es ein Zeichend er Hoffnung gewesen, wenn Darak ihn nicht angenommen hätte. Oder wenn er Sätze wie: „Behalte ihn – ich WERDE ihn noch holen kommen – auf meinen eigenen Beinen.“ Angebracht gewesen. Ausdruck eines Willens. Eines Glaubens an die Heilung – zum trotze des Schicksals.

Doch Darak hatte keine Energie mehr für solche Aussagen und an Glauben fehlte es ihm ohnehin. So senkte er seinen Blick betrübt und schüttelte schweigend den Kopf als Alma ihm den Helm anbot. „Wozu?“ Brummte er nur. Ja. Wofür brauchte er noch Schutz? Was sollte er denn noch beschützen wollen?

<i>"Du bist voller Blut"</i> Stellte Alma fest, vermutlich ihre Art um wenigstens irgendwie ins Gespräch mit ihm zu kommen. Ja über sein Blut und seinen verkrüppelten Körper zu sprechen bot wohl einen Zugang zu ihm dachte er düster.

Ihm fehlte das Blut welches nun den Boden verschmutzte. Er spürte noch immer einen leichten jedoch nicht angenehmen Schwindel und die schwarzen und roten Pünktchen – zwar weniger geworden, tanzten noch immer munter vor seinen Augen umher. Doch mit Blut war es besser bestellt als mit einzelnen Körperteilen. Denn der rote Lebenssaft wurde immer wieder neu gebildet, so dass er den Verlust würde ersetzen können. Nicht so wie sein Bein. Er konnte nicht einfach warten bis ein neues nachwuchs. Er seufzte und legte seinen Kopf auf den Boden. Er rührte sich kaum – fürchtete sich davor, dass sich jede noch so kleine Bewegung durch das fehlende Bein anders anfühlen würde und er wollte nicht, dass dies geschah. Wollte nicht, dass sein Bein fehlte. Wollte es einfach nicht – und dennoch war es bereits geschehen.

<i>"Ich wasch dich jetzt vom Blut rein und dann trag ich dich zurück ins Heilerhaus. Dort müssen wir überlegen, was weiter geschieht. Einverstanden?"</i>

“Das kannst du nicht reinwaschen.“ Murmelte er grimmig vor sich her. Meinte natürlich nicht sein Blut sondern jenes welches seid seinem ersten Mord am jungen Mönchen an seinen Händen klebte. Er hatte es ja versucht und dennoch war es ihm bisher nicht gelungen. Auch heute nicht – da war er sich sicher, denn er glaubte, dass es nicht die Salbe sondern das Gift seiner unreinen Seele gewesen war, welches den See verpestet hatte.

Doch noch ehe er fertig gesprochen hatte hob sie ihn hoch. Es war beschämend. Wie ein unbeholfenes Kind musste sie ihn tragen. Das wollte er nicht. Seit lebzeiten war er ein selbstversorger gewesen - nicht auf die Gunst anderer angewiesen und nun? War er absolut Abhänig davon!

„Nein!“ Knurrte er. „Lass mich los!“ Begann er sich leise zu wehren. Er wand sich in ihrem griff, dabei bewegte er auch den Stummel. Ein seltsames Gefühl – so leicht – Beinlos eben – es fehlte das alte Gewicht. Er keuchte. „Verdammt! Lass mich los!“ Tränen liefen ihm über die Wangen. Ein Bein zu verlieren war das eine, völlig hilflos zu sein was ganz anderes. Er wollte es nicht akzeptieren. Er zappelte wie ein – einbeiniger Fisch. „Lass mich los verdammte Heilerin!!“ Keuchte er in seiner selbstverachtung. Doch es half nichts, sie trug ihn weiter.

Er verstummte und zog scharf die Luft ein als ihn das eisige Nass berührte. Sein Stummel zuckte zurück. Die Naht schmerzte. Er verzog sein Gesicht. "Argh". Ächzte er und schüttelte wieder den Kopf - so dass ihm noch schwindeliger wurde. Er wollte nicht schon wieder in diesen verfluchten See! Wut stieg in ihm hoch – grosses Leid erzeugte häufig Wut – gehörte dazu. Er fröstelte und sah Alma vernichtend an als sie ihn wieder raus trug.

Sie legte ihn zurück auf den Boden und wieder konnten sie alle auf ihn herabstarren. Er konnte sich den Blicken nicht entziehen. Er drehte sich auf die Seite und krümmte sich zusammen.

Wollte nur noch sterben – so wütend war er wieder.
Seine Emotionen – das reinste Chaos.

Er fror und begann zu bibbern. „Lasst mich in ruhe! Lasst mich einfach in ruhe!“ Hauchte er schliesslich verbittert niemand sollte seinen verkrüppelten Körper noch einmal berühren müssen.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Freitag 5. Oktober 2007, 07:41

Alma hatte nicht nur Ausmaße wie ein ganzes Gebirge, nein, sie konnte auch so steinhart und felsenfest bei ihrer Überzeugung bleiben. So nahm sie Daraks Bitten und Zappeln durchaus zur Kenntnis, brummte ihm jedoch nur zu: "Stell dich nicht so an!" Dann ließ sie seinen Unterkörper in das eisig kalte Wasser gleiten und wusch ihm so gut es ging das Blut vom Körper.

Die Elfen und Jayna räumten inzwischen die Utensilien fort. Hauptmann Zitter ging dabei ebenfalls eifrig zur Hand. Er musste nun etwas tun, sich ablenken. Er konnte Darak nicht so sehen, sonst brach es ihm noch das Herz.
Daher schleppte er den Kessel der Wunderheilerin und folgte der Elfengruppe bereits ins Dorf, kurz nachdem Alma Darak wieder aus dem Wasser gebracht hatte. Dieser krümmte sich am Boden zusammen, wünschte, in Ruhe gelassen zu werden – und bemerkte dabei nicht, dass man ihm den Gefallen tat. Die Elfen gingen voraus, Jayna sprach ihn nicht an. Zitter sah ihn nicht an und der Nichtgenannte stand ein Stück abseits, die Maske noch immer in die Ferne gerichtet. Noch immer dachte dieser geheimnisvolle Begleiter nach. Aber worüber bloß? Würde er Darak nun vielleicht nicht länger als Schüler anerkennen? Wahrscheinlich. Wie wäre er ihm denn auch noch nützlich, wo er selbst doch so viel Hilfe benötigte!

Alma brachte eine Decke herbei und wickelte Darak darin ein, ob er wollte oder nicht. Ja, so waren Heilerin. Sie gingen ihrer Pflicht nach, weil sie wussten, was getan werden musste — um ihre Patienten wenigstens am Leben zu halten. Lebensmut konnten sie ihnen nicht unbedingt geben.
Nun, Alma vielleicht doch. Sie hatte Darak seit dem Zusammentreffen in Valrocks Kerker stummen Beistand geleistet. Sie hatte ihm einen Helm beschafft, als er einen brauchte und ihn umsorgt, auch wenn er es nicht wollte. Und alles ohne BEZAHLUNG zu Verlangen – gut, der Nichtgenannte bezahlte sie, doch für Alma war Darak inzwischen zu mehr geworden als nur ein Patient. Immerhin sollte er nicht zurück auf die Folterbank kommen, aber war das im Moment wichtig? Er hatte sein Bein verloren, nachdem er so voller Hoffnung gewesen war. Größtmögliche Folter.
Trotzdem pflegte diese Tonne von Frau weiter. Daher wickelte sie ihn in die Decke.

Seine Naht juckte und prickelte. Ätzte das Wasser sie wieder weg? Nein, es war gereinigt von einer Göttin. Trotzdem schien es noch immer auf Daraks Stumpf zu reagieren. Es kitzelte fast ein wenig, aber nichts war zu sehen.

"Willst du zurück ins Dorf oder noch eine Weile hierbleiben?" Die Heilerin vermied Worte, die sich mit Gehen beschäftigten. Sie wollte es Darak nicht unnötig schwer machen. Allerdings stellte sie nun auch alles dar, was ihm zur Fortbewegung helfen sollte. Alma war sein Bein, sein Räderstuhl.
Alma war Heilerin.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Freitag 5. Oktober 2007, 12:15

Obwohl er eigentlich seine Ruhe haben wollte, war er nicht unglücklich darüber als Alma ihm die Decke gab und ihn einwickelte. Vielleicht gehörte sie ja irgendwie in die Ruhe mitrein. Er hörte auf zu frösteln lag jedoch noch immer zusammengekrümmt da. Bewegte unruhig den Stummel weil es sich noch immer seltsam anfühlte. „Dieser verdammte…“ <b>Stumme</b>Er schwieg, brach ab. Brachte es nicht über seine Lippen. Dieses Wort das so schwer wog. „Es juckt und kribbelt!“ Beschwerte er sich nach einiger Zeit ohne es genauer zu benennen. Wobei Es sein Stummel war.

Er spürte wie sie sich von ihm abwandten. Die Elfen, Jyana, Zitter… die Götter. Alle bis auf Alma und der Nichtgenannte. Eine seltsame Erkenntnis. Warum war der Maskenmann noch hier? Was wollte er den noch? Schmerz konnte Darak im Moment mehr als gestohlen bleiben und besonders diese verfluchte Meditationstechnik! Vielleicht hätte er nämlich die Wärme welche sich im Säurebad zur vernichtenden Hitze früher gespürt und hätte sich rechtzeitig helfen lassen können! Er keuchte und wickelte sich enger in die Decke, so dass sich die Lücke welche sich an seinem Stummel bildete klar abzeichnete. Er starrte darauf. Schloss schliesslich seine Augen und sah den Stummel dennoch geistig vor sich. Die stummen Tränen wollten nicht versiegen und rannen immer wieder von neuem über seine Wangen.

Damals im Kerker war es anders gewesen. Da hatte man ihm die Beine nur gebrochen – doch er hatte sie noch nutzen können. Nun war es weg und das andere, nicht stark genug ihn alleine zu tragen. Der Räderstuhl war zerstört und Elena fort. Da merkte der Foltermeister, dass ihn plötzlich viel mehr unheilsame Ruhe beschlich als ihm eigentlich lieb gewesen war. Es war die Ruhe, welche ein ruiniertes Leben erfüllte.

Still“stand“.

<i>"Willst du zurück ins Dorf oder noch eine Weile hierbleiben?"</i> Er starrte auf den nun wieder spiegelklaren See, welcher sein Bein verschlungen hatte. Wie ein schreckliches Opfer an Faldor mitten in den geweihten Gewässern einer anderen Göttin. Als wäre es eine Befleckung gewesen.

Er wollte diesen See nie wieder sehen. Denn für ihn gab es keine Sterne, sondern nur Zerstörung darin.

Er blickte auf. Sah Alma in die Augen. Lange und schweigend. Nicht traurig, nicht wütend, nicht wirklich lebend. Schliesslich hatte man ihm nicht nur eine Extremität sondern auch eine erst neu entflammte Hoffnung weg gebrannt und restlos vernichtet.

Dennoch atmete dieses sture Ding. Existierte vor sich her und blickte mürrisch in die Welt, die ihm genau so wenig zu sagen hatte wie er ihr.

„Ich hab Kinder getötet. Frauen. Männer.“ Begann er schliesslich und starrte vor sich her. „Ich habe gefoltert, zerstört und verkauft…“

Er schwieg einige Zeit. „Ich will frei sein… tot…du könntest mir helfen… ich könnte dich darum bitten und ich glaube… du würdest mir helfen nicht wahr? Du bist Heilerin – du hilfst immer.“ Es war beängstigend wie leicht ihm diese Worte trotz seines eigenen Unwillens über die Lippen gingen. Warum sollte er auch kein Feigling sein, wenn es das Leid linderte? Warum aber atmete er dennoch weiter? Weil er noch immer… ein Büsser war? Oder weil er sich doch noch irgendwo Hoffnungen machte Elena wieder zu sehen? Weil er den Göttern nicht ihren Sieg gönnen wollte? Weil er dumm war? Weil er zäh war? Weil er störrisch war vielleicht? Oder weil er es nicht konnte… da er es nicht verdient hatte? Seine Pupillen erweiterten sich leicht, sein Blick wurde messerscharf – nicht glasig und dumpf wie vorhin. „Du bist die erste gewesen, die… das wahre Strafmass hatte nennen können.“

Darak war sich nicht sicher ob Alma sich bewusst gewesen war, dass er sie die ganze Zeit über gehört hatte. „Ich habe es nicht verdient, dass man mir das Leben nimmt.“ Brummte er schliesslich. „Darum schlugen wohl die Versuche dazu fehl.“ <b>Viel eher verdienst du es, dass dir alle Körperteile einzeln Abfallen elendiger Bastard! Die anderen mögen sich mit deinem schändlichen Bein zufrieden geben… aber ICH nicht!</b> Krächzte die tote Stimme eines jungen Mädchens, deren Ermordung wie Blei auf seiner Seele lag, in seinem Kopf. Alle anderen waren verstummt. Selbst die noch junge vergangene Seele des Dunkelelfen suchte ihn nicht mehr heim. Schien zufrieden zu sein mit dem was er als Tribut bekommen hatte.

„Weder Leben noch Tod.“ Darak lächelte traurig. Wie es weiter gehen soll? Er wusste es nicht. Er hatte seine Ersparnisse in Sarma gebunkert und war so nicht reich genug sich die stetige Pflegehilfe zu leisten welche er nun benötigte. Alma würde wohl nicht immer für ihn da sein können. Vielleicht nahmen ihn die Elfen in ihre Obhut? Ja… womöglich um weitere grossartige Experimente auszuprobieren, die dann grässlich fehlschlagen würden. Vielleicht wäre es eine Option mit Zitter zurück nach Andunie zu reisen und sich der noch immer fälligen Hinrichtung zu stellen oder ein Leben lang hinter den Gittern zu schmoren – damit seine Existenz vielleicht allmählich vergessen werden würde. Bei Alma bleiben, mit ihr nach Pelgar zurück kehren und bis zum Ende seiner Tage für sie die Organkonserven zu etiketieren – auch eine Möglichkeit. Als einbeiniger stand einem ja wahrlich die Welt völlig offen! Dachte er sarkastisch.

Oder aber… weiter nach Heilung zu suchen. Zu Beten.

Zumindest letzteres, schloss er komplett aus.

Er drehte sich auf den Rücken und hockte sich mühsam auf. Hielt die Decke fest um seinen Körper gewickelt. „Ich werde wohl nicht darum herumkommen…“ <b>Dich oder andere für den Rest meines Lebens um verdammte Pinkelflachen bitten zu müssen.</b>

„Bring mich von hier weg.“ Meinte er schliesslich.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Freitag 5. Oktober 2007, 17:38

Alma sah nichts. Doch dort hätte etwas sein müssen, dort am Ende des kleinen Hügels, den Daraks Stummel unter der Decke bildete. Dort hätte ein Bein sein sollen. Ach, es war immer frustrierend, wenn ein Heilversuch scheiterte. Manche bekamen Zweifel, ob sie das richtige taten oder nicht vielleicht besser den Beruf wechseln sollten. Alma gehörte nicht dazu. Sie besaß bereits genug Erfahrung und Wissen, dass nicht alle Versuche glatt gehen konnten. <b>Bei dem hier hätte ich es mir jedoch gewünscht.</b>
Sie gab Darak ein wenig Zeit sich auszuruhen. Dass er hier nicht mehr so apathisch wirkte wie in der Stillen Ebene, führte sie auf die Medikamente zurück, die sie ihm dort gegeben hatte. Denn Darak zeigte sich trotz dieses schmerzlichen Verlustes von einer durchaus lebhafteren Seite. Wenigstens redete er.

<i>"Dieser verdammte ... Es juckt und kribbelt!"</i> Normalerweise sagte man bei solchen Symptomen, dass etwas heilte. Die Verletzung arbeitete, da musste es jucken und kribbeln. Aber was sollte an einem Stumpf noch heilen? Vermutlich hatte sich Darak einfach noch nicht an die Naht gewöhnt. Es würde Zeit brauchen. Ein verlorenes Bein hieß nicht, dass auch noch der Rest folgen musste? Nur wie könnte Alma ihrem Patienten dies eintrichtern. Wie konnte sie einen Hauch Lebensmut in ihm wecken?

Da trafen sich beide Augenpaare. Daraks, in denen nicht wirklich zu lesen war, wie es ihm jetzt ging. Sie wirkten nur tiefgründig, dennoch nicht wirklich anwesend. Wie ein dunkles Gewässer, dessen Tiefen man nur erahnen mochte. Und irgendwo inmitten dieser leeren Tiefen funkelte ein kleines Körnchen Trotz. Oder war es Zähigkeit? Was immer es war, es beruhigte die dicke Heilerin ungemein. Den Grund dafür kannte sie selbst nicht. Sie nahm es als Tatsache hin und lauschte nun seinen Worten.

<i>"Ich hab Kinder getötet. Frauen. Männer. Ich habe gefoltert, zerstört und verkauft ..."</i> Der Nichtgenannte trat an Almas Seite. Sein Kupfergesicht schaute ausdruckslos auf Darak hinab. "Kinder?", fragte er. Seine Stimme klang dieses Mal weniger blechern, vielmehr ... heiser. " Irgendwie verspannte sich seine Haltung, aber nich schwieg er. Da bat Darak die Tonne von Heilerin, ob diese ihm helfen könnte. Er wolle frei sein ... tot.

Alma riss die Augen auf. "DUMMKOPF!", schnauzte sie ihn an, dass es wie das laute Bellen eines serh großen – eines sehr <i>massigen</i> – Hundes klang. Dann preschte ihre Hand vor und verpasste Darak eine Ohrfeige. "Du EGOISTISCHER IDIOT!!! War ja klar, dass du mich um SOWAS bitten würdest. Erst machst du uns die ganze Arbeit und DANN fällt dir ein, dass du auch einfach sterben könntest?! Hätte ich dich wohl besser am Kerkerboden liegenlassen sollen? Hä? HÄH?!?!?! Also hör auf, dich so zu bemitleiden und in den Tod flüchten zu wollen! Nach allem, was du – wir – durchgemacht haben, siehst du DAS als einzige Lösung?!"

Sie beruhigte sich wieder etwas. Ihr Schnauben wurde leiser, die Gesichtsfarbe wechselte von knallrot auf Almas übliches Gemisch aus rosig fettig und fahl zugleich. Sie seufzte. "Ich werde dir helfen, Darak. Und zwar, zur Vernunft zu kommen. Ein verlorenes Bein ist kein Weltuntergang. Es könnte schlimmer sein, du kannst dich doch glücklich schätzen. Du hast dem Tod schon viele Male ein Schnippchen geschlagen, bist den pelgarischen Eisenminen und Valrock entkommen. Du hast eine Göttin gesehen – naja, steht für mich nicht unbedingt an erster Stelle. Aber du hast dich die ganze Zeit nicht unterkriegen lassen. Willst du den anderen jetzt bestätigen, was sie von dir hielten? Willst du ihnen zeigen, dass du schwach und feige bist, indem du dich in den Tod flüchtest?! Ich hab dich für zäher gehalten, nach allem, was du mir erzählt hast. Ach, aber sei's drum. Valrock wird sich noch ins Fäustchen lachen, wenn er erfährt, dass ein Bein Auslöser für den Wunsch nach deinem Lebensende war."

Almas Worte schienen zu fruchten, jedenfalls glaubte sie das. <i>"Ich habe es nicht verdient, dass man mir das Leben nimmt."</i> Es war nicht gerade das, was sie hatte hören wollen, aber besser als sich in den Tod flüchten zu wollen allemal.

"Doch, du hast den Tod verdient. Du hast keine Verbrecher gefoltert, hab ich Recht? Es waren Unschuldige ... Kinder ... Familien." Der Nichtgenannte hatte die Hände zu Fäusten geballt und diese zitterten. Nie zuvor hatte sich dieser Mann solch Blöße gegeben. Aber es zeigte, dass auch er ein Mensch mit Gefühlen war. Daraks Worte mussten in ihm mehr ausgelöst haben, als es Valrocks Name je gekonnt hätte. Dieser Mann barg ein Geheimnis und Darak hatte soeben an der Oberfläche gekratzt – und scheinbar nicht ohne Folgen. "Vielleicht war meine Wahl ein Fehler. Vielleicht hätte ich dich den Tempelpriestern überlassen sollen. Aber jetzt weiß ich erst Recht, warum ich nicht konnte." Er kniete sich zu Darak hinab, schaute ihn an. Zum ersten Mal konnte dieser in den Augenhöhlen des Nichtgenannten etwas erkennen. Dort schimmerte etwas ... Tränen? "Wir sind uns sehr ähnlich, wir sind beide ... Kindermörder."

<i>"Bring mich von hier weg"</i>, meinte Darak und Alma hob ihn einfach mitsamt Decke auf. Sie starrte den Nichtgenannten jedoch aus ihren kleinen Augen an. <b>Kindermörder? Alles Verbrecher hier! Alma, wo bist du da hinein geraten?</b>
"Ja, wir sollten uns so rasch wie möglich auf den Weg machen", sagte der Nichtgenannte – der Mörder. "Ich organisiere eine Möglichkeit, Darak zu transportieren und dann verlassen wir den Eldoras. Meine Wahl mag ein Fehler gewesen sein, doch das zeigt mir nur, dass ich in die Fußstapfen meines Meisters trete. Fehler sind nicht immer so schmerzlich wie man glaubt." Dann stapfte er Richtung Eldar voraus.
"Kindermörder?", wiederholte Alma und folgt, Darak wie ein übergroßes Bründel in Armen schleppend.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Freitag 5. Oktober 2007, 22:21

Er starrte vor sich her und wurde ziemlich unsanft aus seinen düsteren Gedanken gerissen – nämlich da als ihn die fleischige Hand gegen die Wange knallte und einen glühenden roten Abdruck hinterliess. Er starrte sie aufgescheucht an.

<i>"DUMMKOPF!"</i> Er schnaubte begann nervös zu Atmen. Was erwartete sie denn noch von ihm?!

<i>"Du EGOISTISCHER IDIOT!!! War ja klar, dass du mich um SOWAS bitten würdest. Erst machst du uns die ganze Arbeit und DANN fällt dir ein, dass du auch einfach sterben könntest?! Hätte ich dich wohl besser am Kerkerboden liegenlassen sollen? Hä? HÄH?!?!?!</i>

<b> Ja… vielleicht</b> Dachte er düster und starrte vor sich her. Blickte Alma nicht an. Er wusste ja selbst, dass er ihr gerade unrecht getan hatte. Obwohl die ganze Arbeit die sie sich hier anscheinend gemacht hatten, hatte wenig gefruchtet, sondern ihm ein Bein gekostet.

<i>Also hör auf, dich so zu bemitleiden und in den Tod flüchten zu wollen! Nach allem, was du – wir – durchgemacht haben, siehst du DAS als einzige Lösung?!"</i>

„Bemitleiden?! Ich bemitleide mich nicht! Was glaubst du eigentlich mich zu kennen häh?! Was weisst DU schon vom Leben. Du, die genügend Lebensqualität besitzt um sich so dämliche Stickereien und Porzellankitsch anzuschaffen anstatt täglich darum bemüht zu sein nicht umgenietet zu werden! Um täglich darum bemüht zu sein nicht geschändet zu werden oder was weiss ich! Egoistisch? JA ich BIN egoistisch und ich sehe nicht ein warum ich es nicht sein sollte! Ja. Vermutlich wäre es besser gewesen du hättest mich liegen gelassen verdammt! ICH hab dich da nicht um Hilfe gebeten! Jetzt hast du dummerweise diesen verkrüppelten Klumpen am Bein häh?! Schon ärgerlich was?!“ Platzte es aus ihm heraus. Nein, dass tat er wahrlich nicht. Er verabscheute sich selbst, hasste sich und ekelte sich vor seinem verkrüppelten Körper. Das war doch keine Bemitleidung?

Er fühlte sich in die Ecke gedrängt und dies stimmte ihn wütend.

<i>"Ich werde dir helfen, Darak. Und zwar, zur Vernunft zu kommen. Ein verlorenes Bein ist kein Weltuntergang. Es könnte schlimmer sein, du kannst dich doch glücklich schätzen.“</i>

Nun war es Darak der rot vor Zorn wurde. „AH ja entschuldige dass ich mich bei LYSANTHOR und JYANA und FLORENCIA und wie sie alle heissen nicht dafür BEDANKT habe dass sie mir nur EIN Bein genommen haben! HAH! Was für ein undankbarer Kerl ich doch bin was?! Nein so ein verdammtes Bein ist kein Weltuntergang, mich kann man ja immerhin noch als sprechendes Büchergestell oder als Kleiderablage verwenden! Die Frauen reissen sich ja gerade um pflegebedürftige Krüppel die niemanden – ja nicht mal sich selbst mehr versorgen können! Ich vergass dies alles hah!“ Brüllte er die Heilerin zornig jedoch auch halb weinend an.

„Das EINZIGE was ich hier als Glück bezeichnen kann ist…“ Er wurde etwas ruhiger. „Dass ich dich habe.“ Keuchte er schliesslich und sah sie an. „Ich wünschte ich hätte mich für deine Bemühungen mehr bedanken können als ich es nun wohl tue.“ Sagte er bitter und starrte auf den Stummel. Verstummte augenblicklich.

<i>"Doch, du hast den Tod verdient. Du hast keine Verbrecher gefoltert, hab ich Recht? Es waren Unschuldige ... Kinder ... Familien."</i>

Darak schwieg über die Wahrheit hinweg. Das einzige was an des Nichtgenannten Feststellung nicht stimmte war, dass er keine Verbrecher gefoltert hatte – denn dies hatte er zweifellos auch getan – neben allen Unschuldigen. Er war vom genau gleichen Schlag wie Valrock, nur dass er nicht geistig sondern körperlich verkrüppelt war.

Da spürte er wie sich der Nichtgenannte ihm näherte. „Na schön! Dann töte mich doch Meister des Schmerzes!“ Keifte er herum und tatsächlich kniete sich sein Lehrmeister nieder und sah ihn eindringlich an. Darak starrte zurück… und glaubte… eine… Träne? Hinter der Kupfermaske zu erkennen?

Was der Mann nun sagte war erschreckend und überraschend zugleich. Er war auch Kindermörder? Darak starrte ihn verwirrt an.

„Pirat und Kindermörder? Wer seid ihr wirklich?!“ Fragte er sich schon wieder – diesmal laut. „Und was wollt ihr wirklich?!“

Darak schwieg wieder und hielt sich an Alma fest als sie ihn aufhob. Sie mussten eine Trage oder einen neuen Räderstuhl organisieren, wenn sie vermeiden wollte, dass die Heilerin sich den Rücken brach – schliesslich musste der schon ihre eigene Masse aushalten. Das war schon mehr als genug.

„Es kitzelt und juckt noch immer!“ Bemerkte er erneut und versuchte den Stummel zu erreichen. Doch gleichzeitig fürchtete er sich auch vor der Berührung und liess sein Vorhaben unverrichtet.

Er hatte sich soweit beruhigt – war zumindest zu erschöpft um sich weiter über Almas Worte oder seine Situation zu ereifern. Er wollte einfach weg.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Samstag 6. Oktober 2007, 12:18

Alma war darauf vorbereitet gewesen – also, dass Darak wild fluchen und sie beschimpfen und beleidigen würde. Sie kannte das bereits aus Zeiten, als sie in der Reichsklinik von Pelgar gearbeitet hatte. Es war zwar nur eine kurze Zeit gewesen, aber Alma leistete nunmal nicht gern aktive Sterbehilfe. Schon gar nicht bei Leuten, die ihr Leben geben wollten, weil ihnen Gliedmaßen – oder NIEREN – fehlten! Sie hatte sich viel anhören müssen und stand inzwischen darüber. Meist entschuldigten sich die Leute nach einer Weile von selbst und dann nickte Alma, brummte kurz in sich hinein und alles war wieder in Ordnung. Zumindest hatte sie es in der Klinik so gehandhabt. In Valrocks Folterkammer <i>hatte</i> sie geholfen, den gepeinigten Opfern einen schnellen und schmerzlosen Tod zu bereiten. Einige hatten sie heftiger darum gebeten, als Darak es je vorher versucht hatte. Sein Bitten kam mild und schwach herüber, im Gegensatz zu seinen Beschimpfungen. Am liebsten würde Alma ihm noch eine scheuern, doch sie unterdrückte diesen Drang. Sollte er nur all seine Wut heraus lassen, danach würde er müde sein und ließ sich leichter tragen. Er war aber auch schwer!

<b>Trotzdem schmerzen die Worte immer wieder ein bisschen ... ich mag meine Deckchen und Porzellanfiguren.</b>

"Es könnte schlimmer sein", setzte die Heilerin an. "Dein Bein war für dich ein mehr als wichtiges Gliedmaß, aber es könnte schlimmer sein. Es gibt Orte, an denen müssen Kinder im Dreck herumkriechen und betteln. Die haben meist nur noch einen Arm und sonst nichts. Dafür befallen sie Krankheiten, Pocken, schmerzliche Furunkel und all das. Und vor allem: Niemand ist da, wenn diese Kinder sterben. Ihr Leben beenden sie allein."
Die dicke Heilerin verfiel wieder in Schweigen, wirkte nachdenklich. Sie hatte auf ihrer Studienreise – bei den Göttern war DAS lang her! – viele Orte kennen gelernt und diese Kinder gesehen. Ihnen zu helfen war vergebliche Liebesmüh gewesen. Keines hatte überlebt, nicht eines.

<i>"Das EINZIGE, was ich hier als Glück bezeichnen kann, ist ... dass ich dich habe. Ich wünschte, ich hätte mich für deine Bemühungen mehr bedanken können als ich es nun wohl tue."</i>
Da war sie, die Entschuldigung. Die meisten Patienten entschuldigten sich, von Darak hatte Alma es aber kaum erwartet. Sie hielt ja noch immer seine Hand. Bei diesen Worten drückte sie Daraks Finger leicht schmerzlich und nickte ihm nur brummend zu – wie sie es immer tat.

Und dann kam diese überaus interessante Szene mit dem Nichtgenannten, der mal so gar nicht er selbst zu sein schien.
Kindesmörder ...

<i>"Pirat und Kindermörder? Wer seid Ihr wirklich?!"</i> Die Maske fixierte Darak, doch dieses Mal gab sie keinen Einblick auf das Gesicht dahinter. Der Nichtgenannte stand jedoch immer noch etwas steifer da als von ihm gewöhnt. "Nachher. Ich erkläre dir es nachher. Du wirst noch eine Nacht in Eldar verbringen." Schließlich stapfte er voraus.

Alma schnappte sich Darak und schleppte ihn hinter dem Nichtgenannten her. Er war schwer, sie schnaufte schon unter ihrem eigenen Gewicht beträchtlich. Jetzt aber erinnerte Alma an eine nicht enden wollende Schnaubmaschine. Ihr Atem entstieg wie gekeuchter Dampf und sie kam nur langsam vorwärts. Aber sie setzte Darak nicht ab.
Erst in Eldar selbst machte sie eine Pause, ließ ihn auf einen Baumstumpf gleiten, dass er dort sitzen konnte. Der Mann mit dem Stumpf auf einem pflanzlichen Stumpf.
"Lass mich deinen Beinstumpf mal sehen", meinte Alma und begutachtete die Naht. "Hmm, ich kann dir nicht erklären, warum es juckt. Vielleicht versucht der Körper um die Naht herum zu heilen, mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich sehe nichts Ungewöhnliches. Und jetzt bring ich dich erstmal ins Heilerhaus. Wenn der Nichtgenannte meint, wir bleiben noch eine Nacht, dann tun wir das auch. Vielleicht ist der Soldat Zitter ja anwesend."

Sie trug ihn zum Heilerhaus, das sich als riesiges Hybridhaus aus Baum und verarbeitetem Holz entpuppte. Von dort war er mit so viel Hoffnung losgezogen. In Alma Räderstuhl. Nun kehrte er zurück. Ohne Stuhl. Ohne Hoffnung.
Hauptmann Zitter stand am Eingang und hielt noch immer Daraks gehörnten Helm.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Samstag 6. Oktober 2007, 14:35

Darak erschöpfte sich durch seine Wuttiraden und irgendwann verstummte er gänzlich. Keuchte und war müde. Lag ruhig in Almas Armen und liess sich widerstandslos tragen. Er war ziemlich leicht geworden, ohne das Bein – klar er musste/konnte sich ja nicht mehr tragen, wusste nicht wie schwer er wirklich noch war.

Er kam sich vor wie ein störender Klotz und es behagte ihm ganz und gar nicht, dass er getragen werden musste. Da wäre ihm gar noch kriechen lieber gewesen – einfach irgend etwas, was er selbst tun konnte, anstatt sich in die Obhut eines anderen begeben zu müssen. Hilfe annehmen zu müssen. „Ich habe mein ganzes Leben lang keine Hilfe gebraucht! Weder von Menschen noch von den Götter!“ Brummte er verbittert.

Vielleicht war es nicht nur der tragische Verlust seines Beines, welcher so schmerzte, sondern auch die Tatsache, dass er seine Autonomie verloren hat. Nebst der Hoffnung und dem Glauben. Ja was hatte er den noch? Verbittertheit, Melancholie und Wut?

Einen einzigen Trumpf und dies war gerade der unschlagbare Bauer des Spiels – war die Tatsache, dass er ein Luthrokar ist. Der letzte Luthrokar in Celcia und der mit Abstand zäheste. „HAH!“ Knurrte er vor sich her. „Und wenn man mich zum Wurm schlägt! Mich kriegt ihr nicht klein! Selbst die Götter werden dies nicht schaffen!“ Brabbelte er vor sich her und es musste, in den Armen Almas – so wie er nun da lag, wahrlich seltsam aussehen. Was ihn so unerbittlich am Leben hielt und es zauberte ihn sogar das erste Grinsen ins Gesicht, seit seiner Einbeinigkeit. Trotz. Blanker Trotz.

<i>"Dein Bein war für dich ein mehr als wichtiges Gliedmaß, aber es könnte schlimmer sein. Es gibt Orte, an denen müssen Kinder im Dreck herumkriechen und betteln. Die haben meist nur noch einen Arm und sonst nichts. Dafür befallen sie Krankheiten, Pocken, schmerzliche Furunkel und all das. Und vor allem: Niemand ist da, wenn diese Kinder sterben. Ihr Leben beenden sie allein."</i>

Darak schwieg, weil er genau wusste, dass es besser war es zu tun. Stattdessen dachte er sich seine düstere Meinung nur.

<b>Pha! Kinder! Die sterben dafür Jung. Die müssen nicht Tag für Tag daran denken, welch Leben sie hätten führen können um dann doch mit an zusehen, wie es ungenutzt verstreicht! Wie man älter und einsamer wird und irgendwann verkrüppelt genug um überhaupt nichts mehr wert zu sein! NEIN die nicht, die können sich schon früh genug in den Tod flüchten und niemand… absolut NIEMAND bezeichnet die als Feiglinge! Diese Kinder werden ohne Hoffnung geboren und sterben auch ohne, welch Akt der Gnade, als wenn man die Hoffnung erst kennen lernt nur damit sie am selben Tag unwiderruflich zerstört werden kann! HAH was gäbe ich dafür eines dieser verdammten Kinder gewesen zu sein!... …. Was gäbe ich dafür wenn ich dieses… eine… Kind gewesen wäre und nicht dessen Mörder. Verdammt!</b>

„Verdammt!“ Knurrte er ab seinen eigenen Gedankengängen und verstummte. Er fragte sich ob er sich dem eben Gedachten überhaupt schämen müsste, doch er kam nicht dahinter weshalb. So liess er es auch bleiben. Sagte aber kein Wort dazu.

Stattdessen entschuldigte er sich und verzog kurz sein Gesicht als sie seine Finger zusammenquetschte. „He!“ Protestierte er. „Wenigstens die könntest du mir noch lassen!“ Die Dicke hatte ordentlich Kraft und dann behauptet man noch, dass Fett polstern würde. Davon hatte Darak gerade nichts gemerkt.

<i>"Nachher. Ich erkläre dir es nachher. Du wirst noch eine Nacht in Eldar verbringen."</i>

„Und dann?!“ Daraks Wut stieg wieder. „Ich habe es so satt JA so was von SATT! Dass ich hier IMMER der letzte verdammte Hurenbock bin der IRGENDWAS erfährt!! Wie zum Beispiel von möglichen Nebenwirkungen gewisser Substanzen.. ja?!! Oder über deren Einsatz und was weiss ich! Zum Beispiel dass man mich einfach hinterrücks mit Drogen ruhig stellt und sie mir als einfache Beruhigungstabletten verkauft JA?! Das Pater Cendris DICH gerufen hat ohne mein Wissen! ICH BIN KEIN VERDAMMTES DING ÜBER WELCHES MAN EINFACH SO VERFÜGT WIE ES EINEM GERADE PASST!“ Brüllte er verzweifelt und zornig, genau als solches fühlte er sich nämlich. „Verdammt!“ Keuchte er schliesslich und rang erneut mit den Tränen. „Jetzt könnt ich so ein verdammtes Kraut gebrauchen.“ Hauchte er leise. Sein Zorn verebbte.

Er blickte den Nichtgenannten an. „Mein Weg ist nicht der des Schmerzes. Mein Weg ist jener des Krüppels.“ So unrecht hatte er damit wohl nicht. Sein Kopf, sein Ohr, sein Geist, seine Beine alles zerstört oder arg in Mitleidenschaft gezogen.

Er war ganz in seinen Gedanken versunken, so dass er gar nicht merkte wie Alma ihn nach Eldar schleppte und ihn auf einen Baumstumpf absetzte. Dies wurde ihm erst bewusst als er zum ersten mal, richtig auf seinen eigenen Stumpf starrte. Er hielt den Atem an. Wurde blass. Es würde nicht heilen. Es fehlte komplett. Keine Wunde die geschlossen werden konnte. Kein tiefer Einschnitt. Nein. Nichts war mehr da. Er hatte gesehen wie sich die einzelnen Muskelnfasern aufgelöst, der Knochen zerfallen war. „Ich hab es gesehen. Wie sich die Haut auflöste und wie sich die Säure durch… meine Muskeln frass, wie die schwarze Haut wegplatzte und gar das Blut in der gelblichen Masse verschwand. Es würde zerfressen, als hätten es sich die Geister selbst geholt. Ich… konnte nichts tun… konnte nicht aufstehen, nicht laufen. Ich wäre ertrunken, ich wäre zersetzt worden in diesem heiligen See!“ <b>Weil ich unrein bin bis ins Mark. Bastard, Möder und Verdammter, Verbrecher und Gefallener. Ketzer und Heuchler.</b>

Er schwieg als Alma seinen Beinstumpf untersuchte. Es tat ungemein weh zu sehen wie sie ihn abtastete – weil sie dies eigentlich gar nicht hätte tun können – wäre es noch da gewesen, sein Bein. Er konnte sein Knie gar noch bewegen, eine perverse Laune der Natur.

„Er ist Hauptmann. Nicht Soldat.“ Bemerkte er leise und blickte zu dem treuen Freund der dort am Eingang des Heilerhauses wartete, den gehörnten Helm in seinen Händen tragend. Er musterte das Gesicht des Hauptmanns, es sah arg mitgenommen aus. „Man kann nicht jede Schlacht gewinnen, Hauptmann.“ Sagte Darak leise.

"Ach verdammt!" Fluchte er über sich selbst. "Ich will nicht undankbar oder unleidig erscheinen... ich... weiss nicht was ich noch will." Er sah beschämt zu Boden. "Ihr gebt euch alle mehr Mühe als ich verdient hätte. Bitte, denkt nicht, dass mir dies nicht bewusst ist ja?!"

Schonwieder eine Entschuldigung.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Sonntag 7. Oktober 2007, 00:32

<i>"Ich habe mein ganzes Leben lang keine Hilfe gebraucht! Weder von Menschen noch von den Göttern!"</i> "Dann wird es ZEIT, dass du auch einmal diesen Schritt gehst", antwortete Alma energisch. "Ich bin ja da, mach dir also nicht allzu viel Sorgen. Außerdem bin ich weder Mensch noch Gott. Ich bin eine ALMA." Sie lachte brummig, schnaufte aber angestrengt dabei.
Ja, sie war da. Almas Anwesenheit war wohl auch kaum zu übersehen. Darak spürte die Wärme, die ihren Fettschwarten entstieg. Alma schwitzte und das in der Zeit des Übergangs. Trotzdem schleppte sie Darak zielstrebig weiter.
<i>"Und wenn man mich zum Wurm schlägt! Mich kriegt ihr nicht klein! Selbst die Götter werden dies nicht schaffen!"</i> Daraufhin schmunzelte Alma nur. "Ja, deine Störrigkeit hast du noch nicht verloren. Halt dich an ihr fest."

Aber Darak hielt sich an etwas ganz Anderem. Und zwar an der Tatsache, dass der Nichtgenannte seinen Fragen schon wieder auswich. Dass er immer wieder behauptete, ihm alles später zu erklären. Es ärgerte ihn, dass Entscheidungen über seinen Kopf hinweg getroffen wurden und er jedes Mal der letzte war, der davon erfuhr – zumal meist auch dann erst, wenn es fast zu spät war.

<i>"Verdammt! Jetzt könnt ich so ein verdammtes Kraut gebrauchen."</i> Alma tätschelte ihn. Der Nichtgenannte war stehen geblieben, hatte Daraks Wutausbruch aufgenommen und lauschte nun seinen weiteren Worten.
<i>"Mein Weg ist nicht der des Schmerzes."</i> Der Mund hinter der Maske lächelte, doch niemand würde es je erfahren. "Oh doch, das ist er. Das war er schon immer und heute ist er es wieder geworden. Schmerzlicher ... Schmerz. Ich zeige dir andere Seiten und ich erkläre dir einiges. Später."
Das war alles, was er dazu noch sagte. Dann trennte er sich von ihm und Alma, denn sie waren wieder in Eldar angekommen. Alma trug Darak weiter, Richtung Heilerhaus. Dort wartete Hauptmann Zitter, wie er sie rasch korrigierte. Der Hauptmann sah auf, als die beiden sich näherten.

Zitters und Daraks Blicke kreuzten sich. Der andunische Wächter schaute bedrückt. <i>"Man kann nicht jede Schlacht gewinnen, Hauptmann."</i>
Zitter wollte etwas erwidern. Er wusste es nicht wirklich in Worte zu fassen. Ja, sie hatten diese Schlacht verloren, aber der Krieg war noch nicht vorbei, auch wenn es große Verluste gab. Sein Blick fiel auf Daraks Beinstumpf, auf die Naht.

<i>"Ach verdammt! Ich will nicht undankbar oder unleidig erscheinen... ich... weiss nicht was ich noch will. Ihr gebt euch alle mehr Mühe als ich verdient hätte. Bitte, denkt nicht, dass mir dies nicht bewusst ist ja?!"</i>

Zitter nickte Darak zu und Alma ließ ihn langsam zu Boden gleiten, so dass er mit seinem schlechten – seinem übrig gebliebenen – Bein auf dem Erdboden aufkam. "Hauptmann, packt mal mit an!"
Zitter stützte Darak zur Rechten, Alma zur Linken und gemeinsam halfen sie ihm, langsam in das Heilerhaus und die Stufen hinauf. So ähnlich würde sich wohl die Zukunft anfühlen. Vielleicht konnte Darak genug Kaft entwickeln, dass er mit Krücken würde gehen können. Vielleicht stützten aber auch Menschen seinen Körper bis in alle Ewigkeit. Die Naht juckte.

Endlich kamen sie an Daraks Zimmer an. Zitter ließ kurz los und öffnete die Tür, dann brachten sie Darak hinein und zum Bett.
"Hmm, fühlt ihr euch auch plötzlich so niedergeschlagen?", fragte Alma und ließ sich auf einen Stuhl neben dem Bett sinken. "Also mehr als zuvor?"
Sie hatte Recht. Der ganze Raum verbreitete eine düstere Stimmung. Alles schien irgendwie grau, sogar die Vorhänge vor dem kleinen astlochartigem Fenster. Als hätten sie die Trauer von Jahrzehnten in sich aufgesogen.

Etwas strich über Daraks Bewusstsein. Dann öffnete es eine Tür und schob sich hindurch. Es war kalt und finster, zwängte sich in jede kleine Nische seines Bewusstseins und von dort ließ es sich schlagartig in seinen ganzen verbliebenen Körper verteilen. Wie der Nichtgenannte gesagt hatte: der Schmerz würde wiederkehren. Jetzt war der Zeitpukt gekommen. Wie ein Regenschauer brach er über Darak herein und verbreitete sich vor allem an seinem Beinstumpf und in seinem Kopf. Punkte tanzten vor seinen Augen und wenn er diese schloss, wandelten sie sich in kleine Quadrate. Wie Blitze durchzuckte der Schmerz Daraks Körper und ließ diesen aufbocken. Seine verbliebenden Glieder zuckten im Takt der Pein.

Alma sprang auf und presste Daraks Arme aufs Bett, damit dieser sich nicht versehentlich selbst verletzte. "Zitter! Hol den Nichtgenannten. Den Kerl mit der Maske. SCHNELL!!!" Der Hauptmann rannte überhetzt aus dem Raum.
Alma ließ Darak kurz los, versuchte, an ihre Dose mit den Johanniskrautpastillen zu kommen.


<i>[Darak verliert aufgrund der Schmerzenswelle 10% seiner Lebensenergie]
WEITER IN: Eldar</i>
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Freitag 7. Dezember 2007, 13:24

[<i>kommt aus der "singenden Taverne" in Eldar</i>]

Er grinste. Zum ersten Mal schien er Alma wahrlich verunsichert zu haben. Doch er gönnte ihr jenen Moment und nickte ihr freundlich zu. Ehe er sich wieder Lilith zuwandte. Allein schon wie er sie ansah verriet seine Verfallenheit. Seine Lenden sehnten sich schon wieder nach ihren Berührungen. Oh ja sie hatte ihm wahrlich gut getan… doch er wollte mehr von ihr erfahren. Mehr von ihr spüren.

<i> "Wir wollen dich ja nicht zum Mörder machen, Süßer",</i> Er schaute sie an. Er nickte stumm. Dies konnte sie gar nicht mehr – er war ja schon einer. Doch etwas liess ihn stutzen. „Wir?“ Seine Frage blieb vorerst unbeantwortet. Wer meinte sie mit „wir?“. Die Gauklertruppe? Meinte sie dies ernst mit dem Singen?

Doch dann veränderte sich ihr Ausdruck schlagartig. Ein Schatten überfiel ihre Augen. Er legte seinen Kopf schief. Sie schwieg. Lächelte nicht. Nickte ihm nicht zu. Fragend sah er sie an. Was war mit ihr?

Er schloss seine Augen als sie ihm über die Wange strich und nickte als sie ihm ihre Worte ins Ohr hauchte. „Du… darfst dir alles Wünschen Lilith. Alles was dir gut tut.“ Hauchte er ihr zu und sah ihr nachdenklich hinterher – dann begutachtete er ihren Hintern und schmunzelte wieder. „Was für eine Frau!“ Erfreute er sich und spürte im selben Moment wie ihm das Blut langsam den Rachen hinunter rann. Es schmeckte nach Metall. <i> "Kopf nach VORN! Es ist nämlich ein weitverbreiteter Irrtum, den in den Nacken zu legen. Nach vorn! Das hört gleich wieder auf."</i> Alma holte ihn mit diesen Worten jäh aus seiner Träumereien zurück in die Realität. Verdutzt senkte er sein Haupt. Sie würde es schon wissen. Tatsächlich hörte es kurze Zeit später auf und Alma reichte ihm ein Tuch damit er seine Nase abputzen konnte. Ob dies wohl schon das Ziegenblut gewesen war?

Eine ihrer kolossalen Arme schlang sich um ihn und liess erahnen, dass sie damit wohl einem Mann leichterhand das Kreuz hätte brechen können. Sie schob ihn auf die Beine und zwang ihn beinahe voran zu gehen. Er humpelte so gut es eben ging mit. Sie traten aus dem Zimmer wo bereits die Wirtin stand und die beiden anschaute. Darak war es peinlich, er hatte schliesslich nicht gerade einen sonderlich guten Eindruck in der Schenke hinterlassen – dafür viel Blut.

<i> Geht es jetzt zum See? Ich bin gespannt, ob Jayna Erfolg hat. Haltet mich auf dem Laufenden.</i> Wusste hier im Dorf eigentlich jeder davon? Fragte er sich. „Wo ist… mein Helm? Vielleicht werde ich ihn heute… holen können.“ Hauchte er Alma zu und lächelte zuversichtlich – vermutlich mehr um sich von seiner wachsenden Angst abzulenken. Er blickte die Wirtin an. <i>„Und Euch wünsche ich viel Glück. Mögen Florencia und Phaun Euch segnen.</i> „Vielen Dank für eure Grosszügigkeit.“ Erwiderte er lächelnd. Die Anspielung auf die beiden Götter überhörte er. <b>Mögen Florencia und Phaun sich heute dazu entschliessen keine verdammtes Säurebad aus ihrem verfluchten Tümpel zu machen!</b>

Er wusste nicht ob sie so begeistert sein würden, wenn ihr See schon wieder durch den Mörder verunreinigt würde. Denn dieser Schmutz, der auf seiner Seele lag… konnte er kaum verbergen und wog reichlich mehr als seine ab und an vorherrschende körperliche Unreinlichkeit.

Die Frau schien sich nach etwas zu besinnen und rannte in den hinteren Bereich der Schenke. Sie kam mit einem Pelzmantel zurück. Darak hob eine Augenbraue und schaute sie überrascht an als sie ihm den Pelz überreichte. Diese art der Fürsorglichkeit und Grosszügigkeit war ihm beinahe gänzlich unbekannt – zumindest von wildfremden. In Sarma hatte er beinahe alles bekommen was er wollte – weil er einen gewissen Ruf gehabt hatte… und in Andunie… hatte er sich einfach genommen…. Was er vermeintlich gebraucht hatte… auf kosten von jungen Leben. Er seufzte. Senkte dann aber dankbar sein Haupt. „Vielen Dank. Ich weiss nicht wie ich mich euch erkenntlich zeigen kann.“ Er nestelte in seiner Hosentasche und reichte der Frau 30 Goldmünzen. „Ich hoffe dies ist angemessen für euch. Er war auch bereit mehr zu geben. Alma half ihm beim anziehen und gemeinsam traten sie nach draussen. Eisiger Wind peitschte ihm entgegen. „Verdammt.“ Brummte er. Wie sollte man bei DEM Wetter nur DRAUSSEN Baden! Er würde ja verfrieren! Sie half ihn ohne grosse Worte zu verlieren in den Karren.

Er sass stumm darin.

Seine Anspannung wuchs. Er bekam Angst. Versuchte diese jedoch zu verbergen. Dennoch war er auffallend ruhig. Er starrte auf sein Bein. Würde ihm tatsächlich jener See – der ihm das Bein genommen hatte… ihm es auch wieder schenken?

Diesmal gab es keine wilde fahrt. Ob Alma sich auch sorgte?

Er sah den See. Ihm schauderte. Er erblickte die versammelten Heilerinnen, den Nichtgenannten – der so wenig gesagt hatte in letzter Zeit – und Lilith. Er lächelte ihr entgegen. Überspielte seine Angst. Doch sein Herz raste als Alma den Karren anhielt.

„Mir ist nicht gut.“ Säuselte er schliesslich leise. „Es ist kalt… können wir nicht zurück in die Schenke.“

Er starrte aufs Wasser. Er wollte da nicht rein.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Samstag 8. Dezember 2007, 00:49

<i>Darak verliert 30 gm. Bitte im Profil aktualisieren</i>

Alma fuhr Darak zum See hinunter. In der Taverne hatte er nach seinem Helm gefragt. Dabei musste er wohl vergessen haben, dass Zitter ihn an Alma ausgehändigt hatte. Und die Tonne trug ihn derzeit stets bei sich. Er war an ihrer großen Heilertasche befestigt und baumelte nun fröhlich an einem Griff des Karrens. Alma konnte die schwere Tasche unmöglich mitsamt Helm und einem Darak Luthrokar herum tragen, der im Begriff war, ein weiteres Bad zu nehmen. Sie hoffte, dass es kein Schreckensbad sein würde. Ja, sie wünschte ihm wirklich etwas Glück und ... mehr als nur Hoffnung auf ein neu gewachsenes Bein.
Doch weder dies erwähnte sie, noch, dass der Helm in ihrer Nähe war. Wenn Darak ihn nicht selbst entdeckt hatte, würde er sich freuen, ihn bald bei ihr abholen zu können. <b>Und anschließend machen wir uns wohl zurück nach Pelgar. Endet dann das Abenteuer? Mein Haus wartet auf mich</b>, dachte Alma und spürte, dass es sie gar betrübte, diesen Gedanken überhaupt in Erwägung zu ziehen. Aber es entsprach der Realität. Sobald Darak wieder würde gehen können und sie sich gemeinsam nach Pelgar aufmachten, brauchte er sie nicht mehr. Ihr Leben würde weitergehen, getrennt voneinander. Alma würde in ihr Haus zurückkehren, sich eine neue Arbeit in Pelgar suchen. Vielleicht gab die Reichsklinik ihr eine neue Chance. Oder die Anstalt Burgstein, obwohl sie sich nie gut mit der Leiterin verstanden hatte. Sie kannte diese Frau nur flüchtig, wusste nicht einmal ihren Namen, aber sie wusste eines: Sie mochte ihre Methoden nicht.

Sie erreichten den See. Spiegelglatt, still und schwarz lag er da. Ein unheimliches Omen.
Ebenso unheimlich war Daraks derzeitiges Verhalten. Er war vollkommen in sich gekehrt. Ruhig. Schweigend. Angst stieg in ihm auf. Alma war wohl eine der wenigen, die wusste, was in ihm vor ging. Daher klopfte sie ihm wortlos auf die Schultern und schob den Karren etwas schneller auf die Versammelten am See zu. Es sollte schnell vorbei sein. Diese Tortur musste nicht unnötig in die Länge gezogen werden.
<i>"Mir ist nicht gut. Es ist kalt ... können wir nicht zurück in die Schenke."</i>
Alma antwortete ihm nicht. Zum ersten Mal seit die beiden sich kannten, reagierte sie nicht auf ihn. Ging nicht auf seine Bitte ein, nicht einmal mit Ablehnung. Sie half ihm lediglich schweigend aus dem Karren. Darak spürte wohl auch ihre Anspannung.

Am See hatten sich wieder mal Jayna Fink und ihre Elfen versammelt. Dieses Mal hielten sie Operationsbesteck, Ersatzhaut und mehrere Beutel Blut bereit. Jeder schien mit einem erneuten Aufplatzen seines Stummels zu rechnen. Allein der Anblick der Instrumente, ihr silbernes Schimmern im Mondlicht, musste einem einen Schauer über den Rücken jagen.
Hinzu kamen die Gewandungen der Elfen. Diese trugen nun nicht mehr ihre grünen und weißen Winterkleider. Nein, sie trugen Kittel. Arbeitskittel, die Heiler anzogen, wenn es viel Blut geben würde. Einige der Elfen hielten bereits Skalpelle und andere schrecklich aussehende Dinge in Händen. Sie schimmerten wie die Maske des Nichtgenannten. Fast teilnahmslos stand er da, den Blick nicht einmal auf Darak, sondern auf den See gerichtet.

Doch neben ihm der einzige Lichtblick an diesem Ort. Und dieses Licht näherte sich nun Darak, umarmte ihn und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Lilith schaute Darak an. "Dieser See hat magische Kraft? Sie wird dir helfen, ich bin ganz sicher. Ich komme mit ins Wasser. Wir werden tanzen und ich singe für dich." Dabei sang sie doch schon, denn sie sprach so lieblich zu ihm, machte ihm Mut.
Und auch Jayna näherte sich ihm nun. Wie immer schaute sie freundlich. "Seid Ihr bereit? Das Wasser ist furchtbar kalt, aber es lässt sich nun einmal nicht ändern. Wir halten Decken bereit. Geht einmal bis zur Hüfte hinein und dann hoffen wir, dass es den Heilungsprozess ankurbelt."

Darak sah nicht danach aus, als wolle er nun freiwillig in das schwarze Nass steigen. Lilith erkannte dies. Aber sie wusste, sie würde ihn nicht für ihre Sache bekommen, so lange er Patient der Wunderheilerin war. So umarmte sie ihn noch inniger, hauchte in sein Ohr, dass nur Darak es hören konnte: "Wenn du das hier überstanden hast, sollst du für deinen Mut belohnt werden. Eine Nacht lang werde ich dir gehören, mit Haut und Haar."
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Samstag 8. Dezember 2007, 10:57

Still sass er da. Er nahm nicht wirklich wahr wie die Umgebung langsam an ihm vorbeizog. Aus dem Dorf wurde ein Wald und in diesem erreichten sie jene unheimliche Stelle wo die Bäume dem Wasser wichen. Der Sternensee. Für viele ein Ort der Hoffnung, der Heilung… doch für ihn verbunden mit schrecklicher Angst. Dieser See hatte ihm sein Bein genommen – wahrlich sein verfaultes Krankes, doch der Schmerz war so unmenschlich grässlich gewesen, dass er ihn nie wieder erleben wollte. Kein pelgarischer Stiefel und kein Foltermeister vermochte einen solchen Schmerz herbeizuführen. Dann auch noch diese Hilflosigkeit. Kaum schwimmen können und sich in einer solchen Falle wissen. Er schluckte leer. Wahrlich beim zweiten Mal hatte es ihm geholfen. Daran hielt er fest. Daran bezog er seinen Mut. Es würde schon gut gehen. Sie waren ja alle da.

Hinter den verschneiten Bäumen und im Mondlicht glänzend wurde der Blick auf den schwarzen See frei. Ob es geschickt war diesem See in der Nacht zu begegnen? Ihm schauderte. Er versuchte einen Rückzieher zu machen. Doch Alma ging nicht darauf ein.

Gespenstisch im Nachtlicht stehend konnte er die Heilertruppe erkennen. Metall blinzte im silbernen Licht auf. Ein Skalpell. Andere Werkzeuge… Instrumente. Blut. Es sah eher aus wie ein Anbetungsritual an Faldor als nach einem Heilbad.

Es war als würden sich die Frauen auf ein Schlachtfeld vorbereiten. Darak zitterte. „Kalt.“ Oh er zitterte nicht vor Kälte… sondern vor Angst. Seine Fingernägel verkrallten sich im Holz des Karrens. Er atmete panisch. „Ich kann da nicht rein!“ Begann er weiter. Er schaute zu Alma. Die Angst war nun deutlich in seinen Augen zu sehen. „Ich will da nicht rein! Bitte! Können wir nicht bis zum Tagesanbruch warten!“ (Irgendwann im Sommer am besten).

Da trat Lilith auf ihn zu. Darak war völlig angespannt. Er schloss seine Augen als sie ihn küsste. Seine Lippen bebten. Er atmete gepresst. „Lilith.“ Hauchte er.

<i> "Dieser See hat magische Kraft? Sie wird dir helfen, ich bin ganz sicher. Ich komme mit ins Wasser. Wir werden tanzen und ich singe für dich."</i>

Er lächelte. Doch dann versteinerte sein Blick wieder. „Dieser See hat auch grässliche Mächte. Er kann sich zu Säure verwandeln und einem das ganze Fleisch vom Knochen schälen!“ Keuchte er schliesslich. Doch dann lauschte er ihrer Stimme und liess sich von ihr Tragen. „Für mich tanzen…mhmm… für mich Glücklichsein?“

Die Zeit drängte. Jayna kam auf ihn zu. Er wusste, dass sie die Behandlung einleiten würde indem sie ihn in den See schickte. Er blickte zum Nichtgenannten. Keine Meditation heute für ihn. Er war ohnehin sehr, sehr schweigsam geworden. Was er wohl dachte? Haderte er noch immer mit sich selbst, fragte er sich noch immer ob er, Darak, der Richtige für sein Vorhaben war?

<i> "Seid Ihr bereit?</i> „NEIN!“ Wie konnte man dafür auch schon bereit sein! Er keuchte. Hielt seinen Kopf. Hörte weiter zu.

<i>Das Wasser ist furchtbar kalt, aber es lässt sich nun einmal nicht ändern. Wir halten Decken bereit. Geht einmal bis zur Hüfte hinein und dann hoffen wir, dass es den Heilungsprozess ankurbelt."</i>

<b> Na toll, die eine Hälfte wird weggeäzt und dann verfriere ich wohl auch noch!</b> Dachte er düster. <b> NUR mit der Hüfte rein… jaaa… da befinden sich ja auch NUR meine Beine… und…!!!!...</b>

Darak wurde wütend, weil ihn die Angst und die Situation überförderten und er keinen Ausweg mehr sah. Wut war in seinem Fall vielleicht auch gar nicht so schlecht. Denn sie spornte ihn dazu an, unüberlegte Dinge zu tun. In seinem Fall…

… da umarmte sie ihn inniger. Er drückte sie ebenfalls an sich. „Ich bin sonst nicht so ein Schwächling!“ Murrte er ihr zu. Doch dann lauschte er ihrem Versprechen. Er lächelte. „Mit Haut und Haar und Herz.“ Hauchte er ihr zu und küsste ihre Wange. Oh das Versprechen war ein gewaltiger Antriebsmotor.

Er begann herumzufuchteln und drückte sich mühsam aus dem Karren raus. Packte sich seine Krücken und stand auf. Es war nur ein kurzer Weg, vorbei an den Heilerinnen. Er holte tief Luft.

<i>Klack….klack…klack…</i> Nur das dumpfe Auftreffen der Krückenfüsse am Boden war zu hören und sein schnell gehender Atem. Ansonsten war die Nacht unheimlich still. Er zog seinen Hasenpelz aus. Angesichts der vielen Frauen beschloss er jedoch die Hosen anzubehalten.

Sein Fuss erreichte das Wasser. Ab jetzt würde es schwierig werden, reinzugehen. Weil der Widerstand auf die Krücken durch das Wasser wuchs. „VERDAMMT BEIM PICKLIGEN HINTERN LYSANTHORS!“ Brüllte er vor sich her als er merkte WIE kalt das Wasser eigentlich war. „Ich bin kein verfluchter Eisdrache!“ Sondern nur ein verfluchter Mönch. <b> Das darf doch nicht wahr sein! Verdammt noch mal! SEI NICHT WEICH! LAUF WEITER! Oder willst du deiner Süssen etwa zeigen wie feige du bist häh? OOH nein ICH bin ein Luthrokar! HAHEH!</b> Er lachte nervös auf. Die Kälte schnürte ihm beinahe die Luft ab. Der Stummel erreichte nun ebenfalls das Wasser. Weiter kam er nicht. Er schwankte bedrohlich. Mit den Krücken konnte er sich nicht mehr richtig abstützen, da sie im Grund einsanken. „SO NE VERFLUCHTE….!“ Knurrte er vor sich her. Sein „gesundes“ Knie zitterte. Die Belastung auf das schlechte Bein war gross.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Samstag 8. Dezember 2007, 23:13

Noch ehe Lilith auf ihn zukam, wiederholte Darak seinen Unwillen. Er wollte definitiv nicht in diesen See. Es wäre sein Untergang, er ahnte es. <i>"Ich kann da nicht rein! Ich will da nicht rein! Bitte! Können wir nicht bis zum Tagesanbruch warten!"</i>
"Du kannst, du willst und nein!", gab Alma zurück, ohne die übliche Strenge und Lautstärke in ihrer Stimme. Sie sorgte sich auch. Was, wenn es wieder Probleme geben würde? Sie konnte nur hoffen, dass diese verflixte Einhorngöttin ein Herz hatte. Sie war doch Herrin von Pflanzen und Gesträuch! Von Leben! Warum machte sie es Darak dann so schwer? "Götter!", knurrte die Tonne vor sich her, half Darak aus dem Karren.

Aber dann traf seine Motivation bei ihm ein. Die schlanke, schöne Elfe mit den wohlgeformten Rundungen, welche unter ihrem Pelz kaum zu erkennen, aber zu erahnen waren. Das machte die ganze Sache noch fantasievoller. Lächelnd erreichte Lilith Blütentau ihre neueste Eroberung. Ihre Amethystaugen funkelten freundlich. <b>Na, meine Beute? Du kannst es nicht erwarten, mich zu sehen, mein Süßer.</b> Sie fand Gefallen daran, sich Darak als dauerhaften Leckerbissen aufzuheben. Beute konnte man durchaus lagern – solange sie sich eben frisch hielt. Und Darak würde das. Sobald diese Seegeschichte ausgestanden war, konnte Lilith ihn sicher mitnehmen. Sie hatte einiges vor.

Oh, Lilith, verlogene kleine Verführerin. Zumindest machte sie den Anschein bei jenen, die sie gut genug kannten. Darak kannte sie kaum. Er begehrte sie nur, ihre Finger, ihren Körper. Er wollte all jenes berühren und fühlen. Doch was er in diesem Moment wirklich berührte war ihr Herz.
<b>Er hat tatsächlich Angst vor diesem See. Säure? Fleisch von den Knochen schälen?</b> Sie schaute auf seinen Stummel, allerdings nur kurz. Auf einmal konnte sie kaum mehr hinsehen, denn nun reimte sie sich eine Geschichte zusammen. Er tat ihr Leid, doch schnell vertrieb die Elfe den Gedanken aus ihrem Kopf. Denn sie erinnerte sich an Darak Worte. <i>Sag mir, dass du es nicht aus Mitleid tust.</i>
So lächelte die Elfe wieder, versprach Darak ihren Körper für eine Nacht und er war wohl der erste Mann, dem sie auch einen Zugang zu ihrem Herzen versprach ... für eine Nacht.

Dieses Versprechen gereichte Darak, um genug Mut aufzubringen, es zu wagen. Und er wollte es allein schaffen!
So drückte er sich nun restlos aus dem Karren, packte nach der Krücke und humpelte aufs Wasser zu. Hin und wieder taumelte er, beinahe fiel er gar hin, weil die Krücke an einer rutschigen Stelle etwas ins Schlittern geriet. Aber Darak konnte sich noch rechtzeitig abfangen.
Nun berührte er das Wasser. Es war – und es gab einfach keinen besseren Ausdruck, um es zu umschreiben – arschkalt.
Nun, man konnte es doch noch besser umschreiben, wenn man glaubte Lysanthors hinterstes Ende besäße wahrlich einige Hauterhebungen. Aber Darak blieb tapfer. Fluchen half ihm, das alles zu ertragen und er schaffte es, tiefer ins Wasser zu gehen – bis er feststeckte.

Sofort näherten sich Alma, Jayna, zwei Elfen und auch Lilith dem Wasser. Die anderen blieben auf Geheiß der Wunderheilerin zurück. Alma schauderte, als auch sie ins Wasser trat. "IST HIER DENN KEIN FEUERMAGIER, DER DAS WASSER EIN WENIG KOCHEN LASSEN KANN?" Sie stapfte trotzig weiter bis zu Darak und zog ihn voran. Lilith folgte. Sie beklagte sich kein bisschen. Man sah ihr zwar die Gänsehaut an und sie bibberte gar, aber anstatt zu klagen, begann sie erneut den beruhigenden Singsang, an den sich Darak sicher noch gut erinnern konnte.
Jayna Fink fluchte indessen sehr sehr leise.

Nun standen sie alle im Wasser, Darak wurde von Alma gehalten. Er spürte die eisige Kälte. Sein noch vorhandenes Bein wurde langsam taub, trotzdem verweilten alle geschlagene 20 Minuten im Sternensee. Langsam fühlte es sich auch irgendwie anders an. Daraks Stummel.
Schließlich meinte Jayna, man könne den See nun verlassen. "Noch länger und wir holen uns alle eine Erkältung", meinte sie und trat den Rücktritt an. Alma folgte. Lilith watete an Darak Seite. Sie lächelte. "Du warst mutig und es ist nichts passiert. Jetzt kann dein Bein heilen und ..."
"DEIN BEIN!", brüllte Alma und hob Darak noch ein Stück weit an. Der Stummel ...

Er war restlos verschwunden. Stattdessen zeigte sich direkt am Beinansatz nahtlose Haut. Als hätte Darak Luthrokar niemals ein zweites Bein besessen.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Sonntag 9. Dezember 2007, 01:10

Er stand bis zu dem Knien im eisigen Nass und kam keinen Deut mehr weiter. Nur sein Fluchen erfand sich stets neu. „Verdammt noch mal!“ Grummelte er wütend vor sich her. Er fröstelte jetzt schon, dabei war er doch noch kaum im Wasser! Doch von hinten gesellte sich Unterstützung zu ihm. Jayna, Lilith und Alma. Die dicke Heilerin walzte voran. Sie teilte das Wasser, es schien als könnte dieser Körper vielleicht gar einen ganzen Ozean teilen. Alma der Wellenbrecher. Alma…die Galeere. Das Monster von Kad Harad…. Ja vielleicht währe sie dies gewesen. Doch Alma war kein Fisch/Wal… sondern Heilerin. Doch ein Mythos stimmte bestimmt nicht. Fett schwimmte nicht. Oh nein, Alma sank tief im Schlamm ein und musste sich mühsamer als die anderen beiden Leichtgewichte voranschleppen. Sie würde in diesem See wohl ewige Spuren hinterlassen.

Genau so wie der See… bei Darak… es bald tun würde…

<i>"IST HIER DENN KEIN FEUERMAGIER, DER DAS WASSER EIN WENIG KOCHEN LASSEN KANN?"</i> Darak lachte nervös auf. „Ist denn heute nicht ein HERRLICHER TAG zum Schwimmen!“ Bibberte er und planschte mit den Händen im Wasser herum, liess die Krücken fallen und knickte ein, doch schon war Alma zur Stelle nahm ihn sicher in ihren Griff und schob ihn voran.

„Ich will hier raus…bitte!“ Beharrte er nochmals. Ihm behagte das Wasser – und vor allem die Temperatur nicht. Er schaute Lilith an. „Du erkältest dich noch… du musst dies nicht tun!“ <b>Nicht aus Mitleid oder gezwungener Solidarität!</b> Er lächelte. „Aber schön… dass du es tust.“ Er lauschte ihrem Gesang und war sichtlich verblüfft über ihre Selbstdisziplin. Sie schien sich nicht von der Kälte beherrschen zu lassen… oh sie hätte dem Nichtgenannten sogar die Stirn bieten können….ja… der Nichtgenannte… er stand am Ufer…stand ihm nicht bei. Er blickte seinen Meister an. Doch Alma schob ihn weiter voran. Sein Unterleib war nun gänzlich ins kalte Nass getaucht. Er zitterte vor Kälte und fröstelte. Stiess mit seinem Atem graue Wölkchen aus. „Was für ein beschissener Tag!“ Bibberte er vor sich her und wartete nur darauf, bis das Blutbad losging. Er blickte zu Jayna nach hinten und sah wie sie leise vor sich herflucht. „Nur lauter gute Heilerin… ES HILFT!“ Meinte er schliesslich überzeugt.

Sein Stummel kribbelte. Darak wurde schlagartig blass und verstummte abrupt. War ganz Still. Nun galt es wohl ernst. Er verspannte sich, doch dann merkte er, dass sein Stummel lediglich taub wurde. Mit ihm auch sein anderes Bein. „Es geht los… glaube ich.“ Hauchte er schliesslich und hielt inne. „Irgendwas tut sich da… es kribbelt.“ Er sah besorgt zu Alma hin.

Er keuchte und bibberte vor Kälte und musste sich eingestehen, dass er offensichtlich schneller erschöpfte als die Damen um ihn herum. Irgendwas geschah mit seinem Stummel, dies spürte er… er fühlte sich seltsam an. Er wuchs vermutlich. Er wartete auf den Moment wo er wieder mit beiden Füssen… den Boden unter sich spüren würde… nun jetzt spürte er ihn überhaupt nicht mehr denn sein anderer Fuss war ebenfalls Taub vor Kälte und eigentlich wurde er gänzlich von Alma gehalten. Er starrte auf das Wasser. Doch der Blick nach unten blieb ihm verwehrt, denn das Wasser war schwarz und spiegelte nur das Mondlicht.
Schliesslich schien es genug zu sein. <i> ."Noch länger und wir holen uns alle eine Erkältung"</i> Meinte Jayna schliesslich. <b>Schon vorbei? Das wars? Es ist doch gar nichts passiert! Nichts!</b> Erleichtert atmete er aus. Endlich aus hier. Keine Säure. Kein Schmerz. Vielleicht…hatte er tatsächlich ein neues Bein. Vielleicht hatte ihn Florencia tatsächlich gesegnet? Er lächelte. Sah gen Himmel. „Vielleicht seid ihr ja nur… kleine Bastarde und nicht so grosse wie ich euch vorgeworfen habe.“ Meinte der Verdammte schliesslich und liess sich von Alma nach draussen ziehen. Es war erstaunlich dass sich die anderen noch Bewegen konnten, sein eines Bein ging so knapp und bei seinem Stummel bewegte sich gerade mal gar nichts.

Er schaute zu Alma hin. „Bin ich…nun…geheilt?“ Die Antwort würde folgen… schneller als ihm wohl lieb war.

Doch erst galt es Lilith Lob zu hören. Er lächelte sie an. <i> "Du warst mutig und es ist nichts passiert. Jetzt kann dein Bein heilen und ..."</i> Sie war so unglaublich lieb. Seine Schwärmereien wurden jäh durch Alma unterbrochen.

Was nun folgte…

…nahm Darak nur noch schemenhaft wahr. Alles wirkte wie ein schrecklicher Albtraum der sich nun vor ihm abspielte.

<i> "DEIN BEIN!",</i> Brüllte Alma. Sie hob ihn an. Er war plötzlich umso vieles leichter anzuheben. Es kam ihm vor als ginge die Welt in Zeitlupe vonstatten Er starrte an sich herunter und sah…nichts… kein Stummel… kein Bein…nichts eben.

Kein Stummel…kein Bein…Nichts…

…Nichts…

…Nichts…blieb mehr.

Er schrie auf. In purer Panik. Brüllte sein Leid in die Welt. Ein grässliches Brüllen… so unendlich verzweifelt und traurig. So verbittert und zornig. Ein Urschrei eines Menschen. Der dem Leben ins Gesicht spucken wollte… oder den Göttern… dem Schicksal.

Er würde seinen Helm nicht holen können. Er würde kein zusätzliches Ziegenblut brauchen. Keine Haut von verstorbenen Elfen. Denn da war nichts zu vernähen.

Seine Augen waren weit Aufgerissen. Nackte Angst. Purer Unglaube standen in sein Gesicht geschrieben. Es wirkte auf einmal so fahl und krank. Jegliche Farbe war aus seinem Haut gewichen. Wieder kriegte er zu allem Leid auch noch Nasenbluten. Doch dies war nun wirklich sein mindestes Problem.

Er starrte fassungslos auf sein Bein… und dort hin wo sein zweites hätte sein müssen. Es fehlte. War einfach WEG! „NEIN!“ Keuchte er. „NEIIIIINNN!“ Brüllte er und fuchtelte herum. Wand sich unruhig. Sein Herz jagte das Blut mit einem mörderischen Tempo durch seinen Körper. Er rang nach Luft. Ihm wurde übel. Schwindlig. Schwarz vor Augen. Seine Welt brach endgültig in sich zusammen. Sein aufkeimender Glaube… restlos zerstört. Er verdrehte die Augen. Sie zeigten ohnehin nichts mehr, ausser die Seele eines kaputten Mannes. So war es besser, wenn sie sich von der Welt abwandten und nur noch ihr Weiss gegen aussen zeigten.

Dies war eindeutig mehr als ein Luthrokar ertragen konnte. Selbst seine Sturheit zerbarst ab dieser Hoffnungslosigkeit. Schon wieder… wurde er vom Schicksal verraten. Er knickte ein. Seine Kraft schwand gleichzeitig mit seinem Lebenswillen.

All die mühsame Arbeit Almas… ihn wieder auf die Beine zu bringen… seelisch wie auch körperlich… schien vergebens gewesen zu sein.

Er sank benommen zusammen. Weinte nicht.
Selbst Liliths Nähe... konnte diesen Schmerz... nicht lindern.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Sonntag 9. Dezember 2007, 17:37

<i>"Es geht los ... glaube ich."</i> Und wie es los ging. Wäre er dem See nur fern geblieben! Ein Stummel war immerhin um Welten besser als das, was Darak Luthrokar – Foltermeister, Sklaventreiber und letztendlich männlicher Mann – blühte, nachdem man ihn wieder halbwegs aus dem Wasser geschleppt hatte.

Es ging alles so schnell und doch muss es hier in aller Ruhe und der Reihe nach erzählt werden – um einen Eindruck aller zu gewinnen, die mit Darak Luthrokar gehofft hatten.

Fangen wir bei Lilith Blütentau an. Dieser zarten Blume, dennoch so geheimnisvoll und unergründet. Die Elfe, welche Darak trotz seiner kümmerlichen Erscheinung begehrte und sich ihm für ein bisschen Mut angeboten hatte.
Sie sah nun, wovor Darak offen zugegeben hatte, dass er ängstlich war. Sie sah, dass der Sternensee zwei Seiten besaß. Florencias Geschenk des Waldes, der sowohl Tier als auch Pflanze mit Wasser versorgte. Das kleine, natürliche Heiligtum mitten im Eldoras, das von den Elfen geehrt und dem magische und göttliche Kräfte zugesprochen wurden. Ein heilender See. Die Seite, die für Menschen wie Darak Luthrokar keine Gültigkeit besaß. Für ihn war der spiegelglatte, schwarze Schrecken bestimmt. Der ihm Gliedmaßen gleichermaßen wie Hoffnung nahm. Der ihn direkt an der Seele berührte und dort tiefe Löcher fraß. Nun schien es nur noch ein einziges Loch zu geben – keine Seele mehr. Diese ward zerschlagen, lag in Scherben offen für jeden.
Lilith Blütentau erkannte dies und genau in jenem Moment empfand sie aufrichtig Mitleid für diesen Mann. Nun war er bedauernswert, selbst für sie. Diese Elfe bedauerte Männer üblicherweise nicht, hatten sie doch Geschichten erlebt, die ihre Meinung prägten. Doch Darak Luthrokar ... hatte sich anders gezeigt. Er hatte ihr Mitleid verdient, auch wenn es ihm nicht half. Was half einem Mann wie ihm noch? Einem Menschen, den man wieder einmal gebrochen hatte? Weder Glaube noch Hoffnung hielten ihn noch. Nicht einmal er selbst konnte sich noch halten, sackte langsam zusammen.

Zum Glück gab es Alma. Alma, die Heilerin, die Tonne, der Inbegriff von Fettleibigkeit ... und ein Herz, das stets an der Seite ihrer Patienten zu finden war.
Sie hielt ihn, diesen gebrochenen Mann. Sie hielt Darak Luthrokar, der glaubte, nichts mehr zu haben. Und sie wusste, welche Gefühle durch seinen Geist schwirrten. Sie ahnte, was in ihm vorging, dennoch dachte eine Alma anders als ein Luthrokar.
In erster Linie dachte sie die Nachteile, welche mit seinem Unglück verbunden waren. Er konnte sich seinen Helm nicht abholen, sein Sinnbild für Schutzt. Dabei brauchte er ihn jetzt so dringend. Schutz. Halt. Vermutlich würde dieses dreigehörnte Metall nicht einmal mehr ausreichen, um in seiner Seele auch nur noch den kleinsten Funken Hoffnung zu entfachen.
Wo sollte diese auch herkommen? Sein anderes Bein besaß Verkrüpplungen, die auf natürlichem Wege nicht mehr heilen würden. Dieses übrig gebliebene Bein wäre zu schwach, einen Körper wie den Daraks zu tragen, nicht einmal mit zwei Krücken. Er würde an einen Räderstuhl gebunden sein und vermutlich an einen Pfleger, der ihn über beschwerliches Gelände transportierte.
Wenn er überhaupt noch sitzen konnte. Man müsste ihm stets ein Kissen unterlegen. Denn ab dem Becken war da nichts mehr. Gar nichts.
Was hatte dieser Mann ihr alles gestanden? Was hatte er ihr alles erzählt? So stur und bockig, so zäh hatte ihn sein eigener Überlebenswille gemacht. Wofür? Das fragte sich Alma nun. Wozu, wenn nicht, um so zu leben. Und das war kein Leben.
Alma erinnerte es an vergangene Zeiten. Es erinnerte sie an viele Kinder, denen sie nicht hatte helfen können und es doch versucht hatte. Darak stand nun in ähnlicher Situation. Einen Räderstuhl, mehr konnte sie ihm nicht geben. Doch dieses Bisschen ... hielt für einen Mann seines Charakters keine Hoffnung bereit. Seine Seele war wild, frei, stur und ungestüm. Diese Seele musste laufen, eigenständig. Jetzt würde sie nicht einmal mehr sitzen können, geschweige denn ohne Hilfe gegen den nächsten Busch pinkeln.
Alma hätte sich gern die Träne fortgewischt, die ihr aus dem Augenwinkel kullerte, aber das hätte bedeutet, Darak abzulegen.

Wo ein Koloss, ein Berg wie Alma weinte, da verhielt sich Jayna Fink still wie ein Mäuschen. Ihr Blick galt nicht Darak, sondern ihren Elfen. Sie alle sahen nun einen Patienten vor sich, dem sie nicht helfen konnten.
Dies war mehr als erschütternd. Jayna, Wunderheilerin, musste sich eine Niederlage eingestehen. Verdiente sie ihren Titel? Was hatte sie denn schon getan? Sie und ihre Elfen hatten das Leben eines Patienten und dessen Hoffnung ertränkt. Hier im Sternensee. Wäre das Experiment nicht gewagt worden, so hätte man ihm das Bein in der Mitte des Oberschenkels amputiert. Es gab Möglichkeiten, dort Holzprotesen anzubringen, um das Stehen auf Krücken zu erleichtern. Um dem Trauernden das Gefühl zu geben, vollwertig zu sein, auch wenn Holz als Ersatz herhalten musste.
Bei Darak Luthrokar schwand auch noch diese Hoffnung. Wo sollte man eine Protese ansetzen, wenn nichts existierte, das sie hielt?
Beklemmung und Selbstzweifel hüllten die Gedanken Jaynas und ihrer Elfen ein. Sie hatten diesem Mann jegliche Hoffnung genommen. Kein noch so abgestumpfter Heiler konnte dies von sich abprallen lassen. Man hatte die Elfen ausgebildet. Es kam oft vor, dass eine Therapie oder eine Heilmethode fehlschlug. Manchmal starb ein Patient. Um dies durchzustehen, half nur, nicht darüber nachzudenken. Weitermachen, es kamen weitere Patienten, die Hilfe brauchten.
Wenn einer dieser Leute allerdings ein Schicksal hatte durchmachen müssen wie Darak Luthrokar. Ein Schicksal, bei dem er mehr als gekämpft und dennoch verloren hatte ... so fragte sich schon manch einer, ob er oder sie dem richtigen Weg folgte.
Die Elfen hingen sich in den Armen, einige wandten die Köpfe ab. Sie versuchten, es zu ertragen, doch keiner trug so schwere Schuld wie Darak selbst. Sie alle wussten es genauso wie, dass sie ihm nun nicht helfen konnten.
Jayna Fink stand betreten im Sternensee. Sie folgte nicht bis zum Ufer, sondern betrachtete ihr mattes Spiegelbild auf der Wasseroberfläche. Wunderheilerin ... nichtssagender Titel, denn wo war das Wunder?

Für Darak Luthrokar selbst hatte es wohl nie existiert. Für ihn gab es weder Wunder noch Glaube, höchstens Buße. War dies seine Buße für all die Tode durch seine Hand? Hatte sich Florencia nur freundlich gestellt, um Lysanthors gerechte Rache in seinem Namen durchzuführen? War es jetzt vorbei?
Die Götter ließen ihn nicht sterben, bislang nicht. Sie machten ihm Hoffnung ... bislang. Und nun zerschlugen sie sie mit einem gigantischen Hammer. Sie trampelten auf seiner Seele herum und ergötzten sich an dem schwindenen Hoffnungsschimmer in seinen Augen. Das war wahre Folter, Lysanthors Gerechtigkeit. Florencias Antwort auf das Auslöschen anderer Leben. Ein Schicksal für jene, die man nicht einmal mehr als verdammte Bastarde beschimpfen konnte.

Und Darak Luthrokar brüllte. Er schrie alles hinaus, was sollte er auch sonst noch tun?
Er wollte es nicht wahr haben, dennoch war es Realität. Er wollte es nicht glauben, aber musste es dennoch hinnehmen. Er konnte es nicht akzeptieren, aber das würde es nicht ändern.
Fast atemlos, strampelnd, mit Nasenbluten und ohne jegliche Form von Lebenswillen wurde er ans Ufer gebracht. Alma ließ ihn sanft zu Boden gleiten. So lag er im Sand, konnte in den dunklen Himmel blicken. Keine Sterne, der Mond verhüllt von Wolken. Kein Krümelchen Hoffnung. Doch Darak hätte ohnehin nichts gesehen. Seine Augen verdrehten sich immer wieder. Nur kurz konnte er Blicke auf diese Welt werfen, die ihn lebend akzeptierte – aber nicht glücklich.

Dann die Kupfermaske. Der Nichtgenannte, jetzt war er da, konnte sich in Anbetracht der Ereignisse nicht mehr zurückhalten – wie es Alma von ihm gewünscht hatte und was Darak nicht wusste. Jetzt kniete er neben ihm, starrte auf den einbeinigen Mann herab. Seine Maske blieb ausdruckslos, doch das leise Schluchzen dahinter erreichte zumindest Daraks normal funktionierendes Ohr.
Dann packte ihn der Nichtgenannte, hob ihn an und umarmte ihn wie ein Vater den Sohn. Dabei war Valrocks Bruder doch jünger als Darak selbst. Leise und leicht blechern drangen Worte an sein Ohr, die nur für ihn bestimmt waren.
"Es tut mir leid. Keine Worte können den Schmerz ausdrücken, den du empfindest. Es tut mir leid, dass ... mein Bruder Auslöser für dein Schicksal war. Und es tut mir leid, was ich dir mit einem Rückzieher hatte antun wollen. Ich mache dich nicht zum Nichtgenannten, denn als solcher kannst du keine Vergeltung durch eigene Hand ausüben. Aber ich bilde dich weiter aus, wenn du das noch willst. Vielleicht ist es eine letzte kleine Chance, diesen Schmerz zu ertragen."

Diesen seelischen Schmerz ertragen? Nein, wie konnte er dies noch? Er fühlte ihn wohl nicht einmal, war taub jeglichen Gefühls.
Sie alle standen um ihn herum, schauten ihn an, bedauerten ihn und ... weinten für ihn. Denn Darak Luthrokar vergoss nicht eine Träne.
Sie alle weinten: Lilith, Jayna, einige Elfen, Alma und auch der Nichtgenannte, dessen Schulterzucken einzigen Aufschluss darüber gab. Sie litten mit ihm, teilten seelischen Schmerz.

Doch körperliche Pein konnte nur Darak allein fühlen.
Sein Innerstes pulsierte. Das Herz pumpte schwer, doch schnell. Es raste, dass ein weiterer kleiner Schwall Blut sein Nasenloch verließ. Seine Muskeln strafften sich von allein. Ein dehnendes Gefühl erfasste ihn, dass er sich komplett verkrampfte. Es war kein wirklicher Schmerz, denn Darak spürte keine Pein, trotzdem blieb ein Ziehen nicht aus. Ja es zog, es zog an der Stelle, an der sein Bein hätte sitzen müssen. Es zerrte und es spannte. Kein Jucken, kein Kribbeln, aber auch kein wirklicher Schmerz.
Die Haut pulsierte ... und riss auf. Mit einem gewaltigen Schwall Blut, der sich über die Füße der Anwesenden und im Sand verteilte schoss es aus Darak heraus. Etwa dreißig verschieden große, weiß schimmernde Einzelteile, die irgendwie aneinander baumelten. Klapprig und gerippeartig. Sogleich wurden sie von rosaroten Muskeln, dünnen Sehnen und Adern umschlossen. Langsam war eine Form zu erkennen. Fünf Zehen, eine Wade, ein Knie, ein Oberschenkel – über diesen streifte sich nun frische Haut wie das Morgengewand rasch über eine Jungfer, die zu früher Stund von einem Manne besucht wird. Die Haut wuchs hinab bis zu den Zehen, wo sie in festen gesunden Zehennägeln endete.

Es war vollbracht. Florencias Geschenk an jemanden, der damals auf der Stille Ebene mit anderen für die Hoffnung vieler Celcianer und guten Götter gekämpft hatte.
Alle starrten das Bein an.

Und auf der Lichtung am Sternensee herrschte Stille.



<i>Darak besitzt wieder ein intaktes kraftvolles Bein</i>
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Montag 10. Dezember 2007, 18:13

Seine verdrehten Augen starrten gen Himmel dort wo sich ihm ohnehin nur ein Bild der Schwärze anerboten hätte, dies jedoch auch jetzt, wo er nichts mehr sah. Kein Licht erhellte seine Augen, seine Seele, seinen Lebenswillen. Die Hoffnung welche für eine kurze Zeit wahrlich in ihm aufgekeimt war – nun restlich zerstört. Zerfressen wie erneut sein Bein. Doch diesmal ohne Schmerz, ohne Pein. Perfide leise, stumm wurde es von dieser Welt vertilgt.Als wäre es ohnehin keine große Sache gewesen, einen Stummel zu verlieren. Es war ja nicht einmal ein Bein. Nur ein krüppeliger Stumpf, welcher zu nichts taugte. Dennoch war er so viel Wert gewesen, er hatte Sitzen können, er hätte vielleicht wieder gehen können, mit der Hilfe eines Holzbeines. Darak war geknickt gewesen, in seiner Persönlichkeit schwer verletzt – doch noch nicht gänzlich verloren. Nun jedoch... wo er nicht einmal mehr einen Knochen besaß der ihn beim Aufrechtsitzen stützte und ihm eine Zukunft drohte, wo er auf ständige Hilfe und Zuwendung angewiesen wäre, war das, was Darak Luthrokar zu einem Menschen gemacht hatte der für sich selbst bestimmt hatte, dass sein Leben noch lebenswert war – vernichtet. Nein, er konnte nicht, nein so wollte er nicht mehr.

Sie hatten ihm vor über 15 Jahren beide Beine gebrochen, ihn in die Knie gezwungen und er hatte gekniet. Jahrelang hatte er sich durch den Dreck der Eisenminen gekämpft und er ist wieder aufgestanden.

Und dann? Brach ihm derselbe Mann noch einmal das Bein. Doch diesmal. Blieb Darak in den Knien. Nun sogar noch tiefer, denn er würde nie wieder Knien können. Dies war wahrliche Verdammnis. Ein Mönch, der nicht Knien konnte. Ein Verbrecher, dessen Busse noch immer nicht ausreichte um seinen Frieden zu finden, ein Foltermeister der zum Opfer seiner eigenen Brut wurde, ein Liebender der die Liebe seines Lebens verloren glaubte, ein Darak Luthrokar, der nicht mehr leben wollte.

Ein Meisterwerk der Zerstörung wie es doch nur die Götter vollführen konnten! Da war sich Darak sicher. Sie hatten sich gegen ihn verschworen. Lysanthor der Gott des Lichtes und die Gerechtigkeit strafte und gab Darak jegliche weltliche und seelische Freude zurück, damit er noch einmal sehen konnte was er mit seinen unsäglich vielen Morden sich selbst und seinen Opfern zerstört hatte. Ja, er hatte nochmals erleben dürfen... oder müssen, was es hieß, zu leben und nun, würde er wieder erfahren, was es hieß nicht zu jenen Zählen zu dürfen. Ein verdammter zu sein. Ein ewiger Gefangener, ein immerwährender Sträfling seines eigenen Schicksals und seiner Verschuldung, die keine Vergebung finden würde und keine Gleichheit, keine Sühnung, keine Busse.

Somit verlor Darak, jeglichen Anspruch auf Glück. Sein Leben wurde ihm gewährt, weil dies sein Leid nur verlängerte. Ja, Lysanthor pflegte so zu strafen. Doch weshalb auch Florencia? Weshalb geschah dies Schrecken in einem See des Lebens, der Hoffnung und der Gnade? Welchen Groll hegte die Göttin gegen ihn?

Darak wusste es selbst, er war ein Verachter und Zerstörer des Lebens. Folter und Mord war sein Lebensinhalt und dies widersprach gegen alle Gebote und Gesetze der Göttin des Lebens und des Wachstums. Wo sie wachsen ließ, zerstörte er. Nun war es umgekehrt, nun ließ sie zerstören, was hätte wachsen sollen.

Ausgleichende Gerechtigkeit.

Er spürte das Wasser an seinem taub gefrorenen intakten Fuss. Spürte wie er am Grund entlangschleifte. Selbst dieses Bein würde nie wieder stehen, denn es vermochte seinen eigenen Herr nicht zu tragen. Darak Luthrokar… war ein Schwächling geworden, von den Göttern selbst gebeugt, entwürdigt und gebrochen. Ein Verdammter, der seinem Namen alle Würde machte. Sie trugen ihn nach draussen. Alma trug ihn. Die Heilerin, ihren Patienten. Einen Toten. Dies war spürbar. Denn so konsequent, wie ein Luthrokar leben wollte und sich mit allem was er hatte stur daran verkrallte – so konsequent, konnte auch sein Sterbenswille sein. Darak war es müde den Göttern stets als Objekt des Spottes und des makabren Spiels zu sein. Er war es müde Busse zu tun und war nun endlich bereit und gewillt, sich seinem Schicksal, der Verdammnis zu stellen. Auf Celcia, war kein Platz mehr für ihn. Nicht für den Menschen Darak – höchstens vielleicht noch für sein verkrüppeltes Gefäss.

Ja… sie hatten gesiegt. Diese Bastarde, die mit mehr als unfairen Mitteln spielten. Für sie war es nur ein Spiel… für ihn, sein Schicksal. Er hätte Sarma nie verlassen sollen. Er hätte seinen Beruf als Foltermeister aufrecht erhalten sollen und nicht zum Sklaventreiber werden. Er hätte nicht nach Andunie segeln sollen und sich dort in die Gruppe zu vergucken wo er Elena als potenzielle Sklavin auserkoren hatte. Nein er hätte viel früher gar… die Minen gar nicht überleben sollen, oder Valrock! Wäre er doch Zeitens seiner Geburt gemeinsam mit seiner Mutter verreckt!

Aber nein… er musste sich ja so ans Leben klammern?! Weshalb überhaupt hatte er dies getan?! Um den Göttern zu trotzen ja und was hatte es ihm gebracht?! Lysanthor dieser Bastard, hatte ihm wohl Tag für Tag zusehen können wie er um sein Überleben kämpfte und seine Seele mit jedem Mord noch weiter an Faldor verkaufte.

Dies war wohl der Höhepunkt seines Spiels. Erst Hoffnung in seine Seele pflanzen. So dreist sein, dass Darak tatsächlich glaubte er hätte ihn begnadigt… nur um ihn dann vernichtend mitten ins Herz zu treffen. Darak gab sich geschlagen. Sie hatten gesiegt. Doch diese Freude würde er ihnen nicht ewig lassen. Oh nein er würde nicht zulassen, dass sie noch weitere Jahre über ihn Spotten konnten! Ehe beendete er lieber selbst Frühzeitig sein Leben – das keines mehr sein wollte.

Wenigstens… so dachte er… würden nun endlich die Rachegeister die ihn seid jeher verfolgten Ruhe geben.
Wenigstens dies. Er starrte in den düsteren Himmel – und sah nichts ausser Schwärze. Er Atmete schwer. Welches Herz wollte schon für einen solchen Körper, einen solchen Menschen schlagen?

Doch die Ruhe die er zu haben glaubte… war trügerischer Natur. Ein leises Lachen erfüllte seine Gedanken. <b>Darak….oh…Darak….Verdammter… nun können wir uns endlich Tag für Tag an deinem Leid erquicken, es wird uns eine Ehre sein dich nunmehr richtig zu Quälen!“</b> Meine Samatha. Sinnbildlich für alle Stimmen seiner Opfer.

Er wehrte sich nicht. Liess den Spott zu. Er würde nur von kurzer Dauer sein. Bald würde seine Seele wohl dort hinkehren wo alle Mörderseelen landeten und dort erwartete ihn ohnehin ewiger Pein. Da würde er dieses bisschen irdische Schande wohl noch warten können.

Es war nicht immer schön – Recht zu behalten. Es gab keine Wunder. Es gab keinen Glauben. Es gab keine gnädigen Götter… und es gab wohl keine Frauen… die sich ihm nun nicht ohne dieses grässliche Mitleid nähern würden.

Tränen vergoss es nicht, es war nichts mehr von ihm übrig, was er hätte bedauern können. Tränen weinten seine Freunde für ihn. Dies war schon mehr, als er eigentlich verdiente. Alma weinte, dieser Koloss, dieser Berg, schon wieder ein Patient dem sie das Leben nur etwas verlängern, aber wohl nicht hatte retten können.

Lilith weinte, aus mitleid vermutlich. Warum denn sonst? So närrisch war er nicht, zu glauben sie würde ihn nicht bald vergessen können und einen neuen Mann an ihrer Seite finden, dem sie ebenfalls ihren Körper versprechen konnte.

In seinem ganzen Leid, lächelte er bei diesem Gedanken kurz. Ein schreckliches Lächeln, so unendlich verzweifelt und enttäuscht. Er zuckte mit den Schultern.

<b>Na ja, wenigstens habe ich sie letzte Nacht noch haben dürfen.</b>

Sein Lächeln erstarb. Er lag einfach da. Wohin sollte er auch…gehen…?

Das Geheule um ihn herum machte ihn zornig. Um einen Mörder musste nicht geweint werden! Weshalb?! Musste er jetzt auch noch mit einem schlechten Gewissen ihnen gegenüber von der Welt geben, weil er es nicht geschafft hatte, geheilt zu werden? Darak Luthrokar war wohl eine einzige Enttäuschung fürs Leben.

Er schloss seine Augen. Warum nicht einfach aufhören zu atmen. Er würde es geschickt einfädeln müssen um an ein Messer zu gelangen um sich umzubringen. Alma würde wohl aufpassen, vielleicht liess sie sich überzeugen? Vielleicht nahm sie ihm diese Bürde ab und würde ihn im Schlaf töten, damit er wenigstens… einigermassen friedlich – jedoch unglücklich entschlafen könnte.

Da näherten sich ihm Schritte. Welch ein schmerzendes Geräusch – würden seine schliesslich nie mehr irgendwo widerhallen. Es war der Nichtgenannte, der sich zu ihm kniete. Ihn ansah. Ihn in die Arme nahm und drückte. Seine Maske so nah an ihm, das Erbe welches auch Valrock trug verbergend, der Bruder des Bastards, der ihm all dies angetan hatte – und doch… in all seiner Boshaftigkeit war er doch nur dummes Werkzeug der Götter gewesen. Er hörte sein Schluchzen. Der Nichtgenannte weinte? Er hatte gar einen Nichtgenannten gerührt?

Darak… hatte Menschen… berührt? Ein verwirrender Gedanke.

<i>"Es tut mir leid. Keine Worte können den Schmerz ausdrücken, den du empfindest. Es tut mir leid, dass ... mein Bruder Auslöser für dein Schicksal war. Und es tut mir leid, was ich dir mit einem Rückzieher hatte antun wollen. Ich mache dich nicht zum Nichtgenannten, denn als solcher kannst du keine Vergeltung durch eigene Hand ausüben. Aber ich bilde dich weiter aus, wenn du das noch willst. Vielleicht ist es eine letzte kleine Chance, diesen Schmerz zu ertragen."</i>

Darak hörte. Antwortete jedoch nicht. Nickte nur. Nein wahrlich, keine Vergeltung mehr – nur noch sterben.

Doch weiter kam er nicht in seinen düsteren Gedanken. Sein Herz raste. Er legte sich seine Hand auf die Brust. Keuchte kurz, biss sich plötzlich jeder Muskel an ihm verspannte. Es riss ihn auf den Boden zurück. Konnte nicht sprechen – nicht schreien… doch er hätte auch nicht geschrieen, es tat nicht weh. Es zog. Er drückte seinen Rücken durch. Seine Zähne pressten sich aufeinander, knirschten. Er schnaubte.

Nun würde Faldor ihn wohl holen. Des Schmerzen entsagt würde nun der Tod einkehren. Endlich Gnade.

Wenn sie auch nur solange wie das Sterben selbst dauern würde – bis die Höllenpforten sich für ihn öffneten.

Blut spritzte aus seiner Nase… und seinem Becken. Eine Ziege hätte sich wohl darin suhlen können. Es spritzte über den Boden, zu den Füssen der Heiler. Darak sah nicht was geschah, doch spürte er dass etwas aus ihm wuchs. Es ging rasend schnell, plötzlich durchzog ihn einen Ruck als sich die Muskeln plötzlich lösten. Er fiel zurück. Schnaubend. Starrte die Heiler an, die ihn anstarrten… doch nicht sein Gesicht sondern…





Nun starrte auch er.

„M…mein BEIN!“ Er schrie auf. Hockte sich auf. Starrte auf sein Bein. „MEIN BEIN!“

Er bewegte seine Zehen. SEINE Zehen. „MEIN BEIN!“ Ungläubiges Funkeln in seinen Augen. War dies ein schrecklicher Traum? Eine Illusion? Eine Täuschung? Er fasste an seinen Oberschenkel. Er fühlte sich warm an… ja er fühlte sich an. Es war… sein Bein.

Er starrte Alma an, dann den Nichtgenannten, Jayna, Lilith, die Elfen.

Und dann…

Stand Darak Luthrokar… ein erneutes Male auf.

Er stand da. Wo das Mondlicht der Sternensee erhellte und wie ein schwarzer Spiegel erscheinen liess, da am Ufer stand er… und ging. Schweigend zum Karren. Seine sehnige Hand fasste nach dem Helm. Er schwankte, hatte er schliesslich viel Blut verloren und war sich das Laufen gar nicht mehr richtig gewöhnt. Doch was interessierte dies einen Menschen, der gerade seine Hoffnung wieder gewonnen hatte? Seinen Glauben?

Er spürte das kalte Metall seines Helmes. Hob ihn auf. Wie hatte er ihn doch vermisst. Er lächelte. Setzte ihn auf.

Der Gehörnte, war zurückgekehrt.

Er drehte sich zu der kleinen besammelten Gemeinschaft um. Es war als würden sie einem Ritual beiwohnen und nun… das Beschworene sehen können.

Er lächelte. Sah so unendlich glücklich aus. Wie ein komplett neuer Mensch. Er schritt an ihnen vorbei. Stolz. Ungestüm. Frei… wie er eben war. Wie sein Wesen eben war. Er hatte seine Würde zurück. Seine Kraft, seinen Antrieb weiter zu machen. Seinen Lebenswillen.
Er stürmte los. Rannte. Lachte. Raste auf Alma zu. Packte sie. Umarmte sie… küsste ihr auf die fleischige Backe. Innig. Glücklich. Dankbar. „ICH LIEBE DICH ALMA HHAHEHEHH!“ Brüllte er in die Nacht hinaus. Liess kurz locker. Starrte sie wieder an. Zog sie wieder zu sich und drückte ihr nochmals einen Kuss auf – diesmal traf es die andere Backe. Er lachte auf. Hechtete beinahe zum Nichtgenannten. Lächelte. „Danke.“ Keuchte er drückte auch ihn innig an sich. Atmete tief durch. Seufzte erleichtert auf. Es tat so gut, zu Atmen – im stehen. Alles tat gut im stehen. Er löste sich von ihm. War grösser als er. Drückte seine Schultern. „Danke.“ Er ging weiter zu Jayna. Er war kaum aufzuhalten, so schnell war er. Die feine Heilerin wurde von diesem Biest von Darak ebenfalls gepackt und an sich gepresst. „Ich stehe für immer in eurer Schuld.“ Hauchte er und genoss es sie zu halten.

Es waren junge Elfen die sich hier am See tummelten - zumal sahen sie jung aus. Sie konnten im Grunde ja auch über hundert Jahre alt sein - doch momentan störte dies Darak nicht im geringsten. Er stürmte auf die Heilerinnen zu die da standen und sich auf ein Blutbad gefasst gemacht hatten.... und drückte sie... alle fünf miteinander. Darak hatte grosse Arme und eine beträchtliche Spannweite. Schliesslich liess er von ihnen ab.

Schliesslich gesellte er sich zu Lilith. Begegnete ihr zum ersten Mal auf gleicher Augenhöhe. Er nahm ihre Hand, küsste ihren Handrücken. Hob sie auf. Nahm sie in die Arme. Trug sie näher zum See. Liess sie runter. Sah sie an. So unendlich glücklich. Er strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, berührte ihre Wangen mit seinen Fingern… und küsste sie. Wie er noch nie zuvor in seinem Leben geküsst hatte. Selbst Elena nicht. So innig. So feurig. So lebensfroh.

Er löste sich von ihr. Lächelte. Drehte sich von ihr ab… und nun folgte wieder ein Moment der Stille. Der Dankbarkeit… und Demut. Darak schritt zum See. Bis seine beiden Füsse bis zu den Knöcheln im Wasser standen.

Er kniete sich nieder.
Nicht weil er musste.
Weil er dazu gezwungen wurde.
Sondern weil er wollte.

Er senkte sein Haupt zum Gebet. Seine Zeichnung, war pechschwarz in der Nacht und liess sich nicht wie seine Haut vom Mondlicht erhellen.

Darak betete zu Florencia. Dankte ihr für ihre Gnade. „Ihr… habt einem Gottlosen… den Glauben geschenkt.“

Hauchte er in den See. Verharrte still. Schloss seine Augen und atmete.

War glücklich.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Montag 10. Dezember 2007, 18:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Erzähler » Dienstag 11. Dezember 2007, 17:25

Darak sprach aus, was alle sahen. Nein, er schrie es gar in den nächtlichen Himmel hinauf, die Augen allerdings immer noch auf den Fleck gerichtet, auf dem alle Augen wie festgeklebt zu sein schienen.
<i>"M...mein BEIN! MEIN BEIN!"</i>

Da war es, hing an seinem Becken, als wäre es nie fort gewesen. Nein, das stimmte nicht. Es sah gar noch besser aus. Er entdeckte keinerlei Narben und man sah ihm auch nicht an, dass es jemals gebrochen worden war. Es war neu und gehörte doch zu ihm wie jeder andere Teil seines Körpers. Sein Bein.
Freudig und mit einem ungläubigen Leuchten in den Augen bewegte er seine Zehen. Sie wackelten, diese kleinen mit Nägeln versehenen Wichte. Sie lachten ihn scheinbar glücklich an.
Leben steckte in jedem einzelnen von ihnen, ebenso im Oberschenkel, den Darak nun berührte. Die Haut fühlte sich warm an, gesund, kräftig.

Sein Blick flog, streifte alle, die um ihn herum standen. Ungläubige Gesichter, in denen sich Freude und Hoffnung wieder breit machten, erwiderten seinen Blick. Und in all diesen Gesichtern lag eine Wärme, die Darak wohl nie für möglich gehalten hätte. Er konnte sogar das Strahlen des Nichtgenannten schier durch seine Maske erahnen. Sie alle lächelten ihm zu.

Und dann erhob er sich. Das neue Bein musste getestet werden. Er stand. Er <i>stand</i> eigenständig. Es hielt ihn, unterstützte den krüppeligen Bruder. Es besaß Kraft, sicherlich genug, um ihn über ganz Celcia zu tragen. Sein Bein.
Vorsichtig wagte er einen Schritt nach vorn. Noch einen und noch einen. Wie ein junger Mensch erfuhr er das Laufen auf neue Weise und doch war es ihm so vertraut. Darak Luthrokar bewegte sich vorwärts – allein und ohne Hilfsmittel. Nur durch die Kraft seiner eigenen Beine kam er voran. Es war beflügend und irgendwie schwebte er über all dessen, als könne er sich selbst beim Gehen zuschauen. Die Anwesenden blieben zurück, doch jedes Augenpaar folgte seinen Schritten. Sein Ziel war der Karren. Dort befand sich noch Almas Tasche und ... der gehörnte Helm. <i>Sein</i> Helm.

<i>Bewahre ihn für mich auf, ich werde zurückkommen und ihn holen.</i> Seine Worte. Und nun erfüllten sie sich – endlich.
Darak Luthrokar griff nach dem metallenen Schutz, setzte ihn auf. Er war zurück, er war vollständig – körperlich, geistig, von seiner Ausrüstung her und ganz besonders seelisch. Kraft durchflutete ihn, trieb ihn an. Es gab keinen Lebensfunken mehr in seinen Augen. Nein, dort loderte ein Feuer.

Und nun schritt er zu der kleinen Gruppe zurück, an ihren vorbei. Er zeigte, was er endlich wieder war: ein Mann. Ein Gehender. Glücklich und frei, so voller Stolz.
Dann rannte er, drehte einige Runden am See, nur um im Anschluss wie ein wilder, ungezähmter Hengst auf Alma loszustürmen. Die hob abwehrend die Arme. "Du wirst doch nicht ..." Doch, er würde! Er tat es! Wie ein junger Hund sprang er Alma an, drückte sich an sie und gab ihr einen dicken Kuss auf die breite Wange. Seine Lippen versenkten sich in ihrem Fett, berührten die wulstige, fettige Haut, aber es war ihm egal.
<i>ICH LIEBE DICH ALMA HHAHEHEHH!"</i> "Aber ... ich hab dich GAR NIX gemacht?!", grunzte sie zurück, musste sich einem weiteren Kuss ergeben – dieses Mal auf die andere ihrer Speckbacken. Dann erlöste Darak eine dicke, sehr dicke Frau, deren Herz einen fröhlichen, wenn auch bescheidenen Hüpfer machte. Sie wischte sich seinen Speichel von den leicht geröteten Wangen. "Pah", grunzte Alma vor sich hin. "Das hat er allein sich selbst zu verdanken. Wie viele andere geben vorher auf, wo er weitergemacht hat. Ich bin dafür NICHT verantwortlich." Sie starrte in den Himmel, betrachtete die Sterne, murrte leise zu den Göttern: "Ihr müsst auch jedes Mal ein Drama draus machen."

Ob Darak ihre Worte überhaupt hörte? Er war schon längst beim Nichtgenannten, lächelte ihn an und bedankte sich. Wenigstens küsste er diesen nicht auch noch, es blieb bei einer Umarmung. Und einem aufrichtigen Danke. Der Nichtgenannte klopfte ihm nur auf den Rücken, schwieg ansonsten.
Darak wusste wohl, dass Valrocks Bruder ihn nun keineswegs mehr im Stich ließe. Ob von Alma angeheuert oder nicht, er würde bleiben. Darak Luthrokar war in seinen Augen ein Held, ein großes Vorbild – denn dieser zäher, unzerstörbare Bastard erhob sich immer wieder wie Phönix aus der Asche und stand einfach auf. Dieser Mann war der beste, der ihm je hätte über den Weg laufen können. "Schmerz lass nach", keuchte er und berührte sein Herz, das in Vorfreude wild und fast krampfhaft schlug. Dieser Mann ... Artefakt der Götter, unbezwingbares Werkzeug.
"Bitte ... Schüler", antwortete er ihm mit blecherner Stimme.

Nun war Jayna Fink dran. Schon als Darak auf sie zu ging, konnte er das Glück auch in ihren Augen sehen. Wunderheilerin ... berechtigt. Sie erwiderte seine Umarmung mit ihren feingliedrigen Fingern, lachte freundlich.
Darak mochte ihren zarten Körper wohl an seinem spüren. Und gar sein neues Bein gesellte sich in die runde, als der feine und dennoch warm haltende Stoff von Jaynas Gewändern über die nackte Haut strich. Kleine Härchen richteten sich auf. Darak bekam eine Gänsehaut. "Es freut mich, dass ich helfen konnte", gab die Heilerin zurück. Sie hatte Tränchen der Glückseligkeit in den Augenwinkeln. Für eine Frau wie sie gab es wohl nichts Schöneres als mitzuerleben, dass eine Therapie und Heilung erfolgreich gewesen war. Die Bestätigung für all die Sorgen, den Fleiß, die harte Arbeit und annähernde Verzweiflung, dass es eine Niederlage hätte werden können.
Selbst die Assistenzelfen blieben von diesen Gefühlen – und Daraks Dankbarkeit – nicht verschont. Seine Pranken umklammerten die dünnen Leiber der Elfen, die überrascht die Luft einsogen, dann aber lachten und ihm alles Gute wünschten.

Doch an die lieblichen Körper der Elfen dachte Darak nicht. Für ihn gab es jetzt nur noch eine. Sie hatte er sich bis zuletzt aufgespart. Ihr schlanker Leib, ihr liebliches Gesicht. Die reizende Stupsnase und die kirschroten Lippen unter dem braun gewellten Elfenhaar.
Lilith. Wie sie ihn ansah. Amethyste, die hell und sinnlich strahlten.
Sie trat auf ihn zu, legte nach einem Kuss seinerseits sofort ihre Hände in seinen Nacken und ließ sich hochheben.
Ja, das Bein war stark, es trug nicht nur ihn, sondern auch die Elfe auf seinen Händen. Kraft. So viel, als flossen alle Ströme Celcias in Darak zusammen.

Nahe am Ufer ließ er Lilith wieder zu Boden. Beide standen sich nun gegenüber. Lilith musste etwas nach oben schauen, sie war für elfische Verhältnisse eher klein gehalten. Ihre Augen schlossen sich nicht, als Darak auf sie hinabschaute, ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich. Sie betrachtete ihn, diesen endlos glücklichen Menschen. Darak beugte sich zu ihr und küsste sie. So lebendig, so leidenschaftlich. Er selbst schien beinahe bei diesem Kuss dahin zu schmelzen. Lilith erwiderte ihn, legte ebenso Leidenschaft wie Sinnlichkeit hinein. Ihre Lippen waren so weich. Mit der Zunge streichelte sie die seine ein paar Mal, ehe sie den Kuss auflöste. "Vergiss mein Versprechen nicht", hauchte sie ihm zu und ließ ihn dann zum Wasser gehen. Lilith selbst hockte sich in den Schnee. Sie fror nicht, betrachtete den Mann, der ihr innere Wärme gegeben hatte – mit einem Kuss. Wieder verfielen ihre Augen kurz einem Schatten, doch rasch zog dieser weiter. Nun war nicht die Zeit, ihren trüben Gedanken nachzuhängen. Es war nicht die Zeit, an sich zu denken. Dieser Moment gehörte ihm, Darak Luthrokar.

Der Gehörnte stand am Sternensee. Glatt wie blankes Metall, schwarz wie die Nacht lag das stille Wasser vor ihm. Nicht eine Welle zerrüttete diesen Sternenspiegel. Denn ja, jetzt reflektierte sich das Sternenlicht auf der Oberfläche. Hunderte kleiner Lichter. Sie flogen auf!
Aus den Spiegelbildern der Sterne waren Glühwürmchen geworden, die nun die Nacht erhellten und in tanzenden Bewegungen zum Himmel aufstiegen. Einige umkreisten Darak, sein Bein, seinen Leib und den Helm. Es gab andere Wesen mit Hörnern – beziehungsweise Geweih – die sich in solchen Nächten zum See aufmachten, um ihrer Geliebten zu huldigen. Phaun hatte auf diese Weise Florencias Herz erobert. An diesem magischen Ort hatten sich vor so langer Zeit zwei Götter vereinigt und durch gestärkten Glauben einen neuen Gott geschaffen: Feylin, kleines Götterkind.

Nun erhob sich wiederholt in der Geschichte des Sees ein neuer Glaube. Ein verloren gegangener Glaube, der nun einem anderen Gott galt – einer Göttin. Ein Stern funkelte auf.
Darak kniete nieder und betete.

Ein von Lysanthor Verdammter ... betete. Mochte er verdammt bleiben vom Gott des Lichtes. Es gab andere. Wahre, gerechte Götter. Göttinnen. Zu Frauen hatte Darak schon immer mehr Bezug gehabt.
Er stellte sich keine Fragen. Warum hatte Florencia solches Interesse für ihn gezeigt? Warum schenkte gerade sie ihm sein Bein zurück, sein Glück? Warum setzte sie sich für einen Verdammten ein?
Er stellte keine Fragen. Erwartete keine Antworten.

Florencia stand für Leben. Zusammen mit ihrem Mann Phaun bildete sie das Götterpaar. Sie schätzte Leben jeglicher Art. Und wenn ein Bein, eine so simple kleine Sache für einen Gott, einem Lebewesen zu Glauben ans Leben verhelfen konnte, warum sollte sie sich sträuben?
Florencia lächelte ihn aus dem Wasser an, nahm seinen Dank in sich auf und lachte kleine Wellen. Auf der anderen Seite des Sternensees erschien ein weißer Fleck. Ein Einhorn. Es schaute Darak aus dunklen Augen heraus an, deren Blick bis zu ihm hinüber reichten. Dann senkte es sein Haupt und trank.

Über ein anderes gesenktes Haupt legte sich ein dicke Pranke. Fleischig, leicht fettig. Sie verdeckte den Nacken, der nicht nur für Götter sichtbar gewesen wäre. Wer sonst hatte das Verdammtenzeichen noch gesehen?
Alma und Lilith kannten es, der Nichtgenannte wusste davon. Jayna und die Elfen hatten es sicher bereits bei Untersuchungen gesehen. Waren sie sich der Bedeutung dieses Symbols bewusst?
Alma rückte Daraks Helm ein wenig zurecht, der durch sein Gebet ein Stück nach vorn gerutscht war. "Gehen wir in die Taverne zurück. Du bist wieder munter, also kannst du auch mit mir einen heben." Alma lächelte ihn an und drückte seine Schulter. "Danke", brummte sie ihm zu, denn auch sie – als Heilerin – war froh um einen geretteten Patienten.
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Re: Das Experiment

Beitragvon Darak Luthrokar » Mittwoch 12. Dezember 2007, 22:20

Er kniete da. Schaute ins Wasser.

„Florencia Göttin des Lebens, der Hoffnung und der Gnade…“ Darak Luthrokar betete. Schon lange hatte er dies nicht mehr getan, nicht wirklich etwas gefühlt dabei. Nun aber betete er aus tiefster Dankbarkeit… und er wusste, wie man richtig zu den Göttern sprach. Schliesslich war er ein Mönch – wenn auch ein Gefallener. „Ich bin ein Sohn der Finsternis, des Hasses und des Mordes, ich habe in meinem Leben oft jenes Zerstört was aus eurem eigenen Werke entstanden war – Leben. Ich bin Mörder, Folterer und Sträfling. Meine Seele ist schwarz und dreckig wie pelgarisches Eisenerz und mein Glaube war tot gewesen, vom Verrat und der Verdammnis niedergestreckt… ich knie hier als Lebensfeind… Göttin der Gnade. Vielleicht vermag dieser See nicht meine Seele von meiner Schuld und meinen Verbrechen rein zu waschen, edle Göttin, doch er vermochte meinen Lebensgeist erquicken und mein Glauben wiedererwecken. Ich bitte nicht darum, dass ihr mir meine Taten verzeiht – diesen Anspruch hege ich an niemanden. Doch eins verspreche ich… ja schwöre ich euch gar, wenn immer ihr einen Auftrag oder eine Bestimmung für mich habt, werde ich diesen Erfüllen mit vollster Dienlichkeit, wie sie es eigentlich nur einem Mönche entspräche und zusätzlich jedoch mit der Konsequenz eines Foltermeisters, denn ja ich gestehe ein.. wer ich bin… und was ich einmal war…“

Er schwieg eine ganze Weile. Seufzte dann, es war nicht leicht über gewisse Tatsachen zu sprechen… und diese dann auch der Göttin des Lebens zu beichten. „Ein Versprechen jedoch, kann ich euch nicht geben – so gerne ich es auch täte gnädige Göttin. Seid pelgars Kerkern war mein Lebensweg mit Blut befleckt… ich gestehe ein, dass ich noch immer des Mordens mächtig bin und ich mich dieser Fähigkeit allein nicht entsagen kann… denn dies wäre eine Lüge.“ Dann schmunzelte er. „Und sagt eurem ach so mächtigen Herren des Lichts, dass er einen verflucht pickeligen Hintern hat!“

Er lachte fröhlich auf. Nun die Gotteslästerung gegen Ende seines Gebets war wohl aus reinem übermut entstanden… vielleicht das Gebet selbst? Doch er hielt überrascht inne als das Wasser leichte Wellen warf und am entfernten Ufer des Sees, ein weisses Einhorn erschien. Er war ihm schon einmal begegnet, hier in diesem Wald – als sein Bein noch am faulen gewesen war. Er musterte das Tier. Der göttliche Bote. Senkte ebenfalls sein Haupt, schloss seine Augen und atmete tief durch. Genoss den Lebenshauch in sich. Die Energie, die Kraft, die Freude… und spürte den leichten Schwindel und die Übelkeit kaum, sie war so weit entfernt.

Er tauchte seine Hände ins kalte Nass – obwohl er noch immer nur die Hose trug – den Pelz hatte er ja abgelegt, fror er nicht, war erfüllt von der Hitze der Lebenslust. Feuriges Temperament und Leidenschaft. Ein freies Herz, welches nun mit neuem Elan für ihn schlug.
Die Kälte umschmeichelte seine Haut. Er wusch sich das Gesicht, wusch sich sein eigen Blut vom Körper – wusch sich rein.

Eine dicke fleischige Hand legte sich auf seine Schulter. Drückte sie leicht. Er lächelte. Legte seine noch nasse Hand auf ihre, sah zu ihr hoch als sie den Helm zurechtrückte.

<i> "Gehen wir in die Taverne zurück. Du bist wieder munter, also kannst du auch mit mir einen heben."</i> Er grinste breit. Nickte nur. Nickte nochmals – wärmer, als sie sich bedankte. Er richtete sich auf. Allein. Ihre Hände waren dafür nicht mehr nötig. Ihr Dienst getan. Der Patient geheilt. Darak war einiges grösser als Alma – sie dafür vom Volumen her beinahe das Doppelte. „Du gefällst mir wenn du lächelst… und es ist mir eine Ehre, dich an meiner Seite zu wissen… und bei allen Pickeln dieser Welt… ich HASSE die Art und weise wie du einen weckst.“ Lachte er schliesslich und deutete auf Lilith. „Ist sie nicht eine wahre Pracht? Sie wäre die Trophäe eines jeden Kriegshelden.“ Meinte er glücklich. Er schwieg einen Augenblick. „Wartet hier bitte.“ Meinte er schliesslich und stolzierte an der Gruppe vorbei, über seine eigene Blutlache hinweg… zu einem etwas entfernt gelegenen Gebüsch. Verschwand dahinter. „HAHEHEHEHEEHEHEHEHEHEHEHEHHE! JAAAA DARAK LUTHROKAR IST ZURÜCK! HAHAAHEHEHEHEH! MÖGE DIE WELT ERNEUT VOR MEINER….MÄNNLICHKEIT ERZITTERN!“ Er freute sich offensichtlich über irgend etwas.

Breit grinsend kam er aus den Büschen hervor, ging erneut zum See und wusch sich – reinlich wie er plötzlich war die Hände. Er lächelte Lilith zu. Oh er hatte sehr wohl gehört was sie ihm ins Ohr gehaucht hatte… und freute sich schon darauf. Bald… in der Schenke… es würde eine wundervolle Nacht werden, da war er sich sicher. Der Hengst war zurückgekehrt und Lilith würde dies wohl zu spüren bekommen, wenn er sie heute nicht glücklich machen konnte, dann war wohl kein Mann dazu in der Lage.

Er trat neben Jayna hin. Klopfte ihr heftig auf die Schultern – eigentlich zu stark für so eine zierliche Frau. „Wunderheilerin… Wunderheilerin… wahrlich einen Titel den ihr Verdient. Denn seht nur… welch kraft ihr bei einem totgeglaubten wecken konntet!“ Kurzerhand packte er sie und hob sie sich einfach über die Schultern. „AB ZUR SCHENKE!“ Verkündete er munter und stapfte sogleich los – Jayna tragend.

Einen Darak Luthrokar, hatte man selten, so glücklich gesehen. Er packte beim vorbeigehen Lilith an der Hand und führte sie mit, küsste sie – noch immer die Heilerin haltend. „Dies soll eine Nacht des Glücks werden Lilith.“ Hauchte er.

So war er… eigentlich ein sehr bescheidener Mensch, der im Grunde seines Wesens, gerne teilte… besonders mit Frauen. Auch wenn es sich dabei um ein so begehrtes und für ihn selten auch verfügbares Gut wie Glück handelte.
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