Solas Soul

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Solas Soul
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Rasse: Mischling (Eldorisch/Sarische Elfe)
Sprachen: Lyrintha
Beruf: Bogenschützin/Waldläuferin
Fähigkeiten: Dolch (rudimentär)
Bogenschießen (Gut)
Wortgewandheit (Gut)
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Ausrüstung: Dolch
Tierische Begleiter: Teku (Vogel)
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Solas Soul

Beitrag von Solas Soul » Mittwoch 7. November 2012, 00:56

Solas' Steckbrief
Name: Solas Soul (gesprochen Solas Se-Oul)

Rasse: Elfenmischling (Vater eldorische Elf/ Mutter sarische Elfe)

Alter: 19 Jahre

Geschlecht: weiblich

Beruf: Bogenschütze/Waldläufer 

Heimat: Aufgewachsen in Eldar 

Gesinnung: Gut

Magie: Solas hat sich nie mit der, bei ihrer Rasse nicht seltenen, Begabung für die Naturmagie beschäftigt. Vielleicht entdeckt sie eines Tages ihre Begeisterung dafür, doch bis jetzt ist Solas auch ohne Magie recht zufrieden.

Sprache: Lyrintha

Religion/Glaube: Glaube an Florencia und Phaun

Aussehen: Solas ist schlank und hochgewachsen. Von ihrer Mutter hat sie die Wangenknochen geerbt, welche deshalb nicht so stark hervorstehen wie bei ihrem Vater, und auch ihre elfischen Mandelaugen, die in einem sattem Blattgrün leuchten, sind nicht ganz so ausgeprägt schräg sind, wie es sonst bei den eldorischen Elfen üblich ist. Ihre Haut ist jedoch rosig und besitzt den für die eldorischen Elfen typischen goldenen Schimmer. 
Solas schlanke Füße, mit denen sie lautlos und leicht wie eine sarische Elfe durch den Wald läuft, sind frei von jedem Schuhwerk. Sie trägt einen braunen Rock und ein enges Lederkorsett, welches ihre beinahe ätherisch wirkende Gestalt hervorhebt. Über die Schulter hat sie einen Köcher voller Pfeile geschnallt und in einer daran befestigten Lasche einen Dolch, den ihr Vater ihr geschenkt hat. Ihre Glieder wirken trotz ihrer Größe von 2,02 Meter filigran und zerbrechlich.Die ihrer Rasse angeborene Makellosigkeit der Haut wird durch das Fehlen jedweder Narben oder Tattoos noch weiter unterstrichen. Kaum einer ahnt, welche Kraft und Stärke hinter dieser verletzlich wirkenden Gestalt steckt, weshalb Solas häufig unterschätzt wird. Nur selten nimmt jemand die geschmeidig arbeitenden Muskelstränge unter ihrer schimmernden Haut wahr. 
Der Gedanke, Solas wäre verletzlich, ist einem jedoch nur solange möglich, wie man einzig ihre Gestalt betrachtet. Denn wendet man sich ihrem Gesicht zu, fallen sofort der, meist zu einem spöttischen oder unnahbaren Lächeln verzogene, Mund und die herausfordernd blickenden Augen auf. Dieser durchdringende Blick und dazu das vorwitzig gestreckte Kinn verleihen Solas ein starkes und selbstsicheres Erscheinungsbild.
Als sie sich am Tag ihres 18.Geburtstags mit dem Vogel Teku angefreundet hat und dieser ihr nicht mehr von der Seite wich, begann Solas ihr von Natur aus grünes Haar, ein weiteres Erbe ihrer sarischen Mutter, mit ein paar dunkleren, grünen Feder von Teku zu schmücken. Seitdem trifft man sie nie ohne diesen Schmuck an, welcher ihr das Gefühl gibt, allen ihre Verbundenheit zu ihrem Freund zeigen zu können.


Persönlichkeit: Solas wirkt auf Fremde unglaublich arrogant und herablassend. Sie antwortet meist sarkastisch und nutzt ihre zur Schau gestellte Selbstsicherheit, um andere von sich fern zu halten. Ihr sicheres Auftreten und die scharfen Antworten schrecken die meisten ab, sodass niemand die lebenslustige, freiheitsliebende und leicht schüchterne Solas kennen lernt, die sich hinter dieser Selbstsicherheit versteckt. Traut sich doch einmal jemand, sie näher kennenzulernen, entdeckt er eine erstaunlich facettenreiche Persönlichkeit.
So fürchtet sich die selbstsichere Solas in Wirklichkeit vor engen, geschlossenen Räumen, da ihr diese das geliebte Gefühl der Freiheit nehmen. Ärgert man sie, indem man sich über ihren Vater lustig macht, ihn beschimpft oder beleidigt, wird sie schnell und ohne Vorwarnung wütend. Ihr Vater ist für sie ein persönlicher Held und niemand darf etwas Schlechtes über ihn sagen. Genauso schnell wie wütend kann sie gekränkt und traurig werden. Dazu braucht es nur eine kleine Bemerkung, wie wenig sie doch zu den anderen passt und dass sie wohl niemals einen Platz finden wird, an dem sie zu Hause ist. Mit solchen Worten spricht derjenige zwar nicht die Wahrheit, doch trifft er genau Solas Sorgen und Ängste und bringt sie so an die Oberfläche. Obwohl der rationale Teil ihres Gehirns weiß, dass sie solch einen Ort längst hatte, fühlt sie etwas in sich, das dem widerspricht und sie immer weiter treibt. Wer Solas länger betrachtet und sie sowohl wütend und selbstsicher, als auch verletzlich und unsicher gesehen hat, bemerkt wie zwiegespalten sie sich verhält.
Sie ist hilfsbereit und zuvorkommend zu jedem, der ihr vermittelt, dies auch wirklich wert zu sein. Vermittelt man ihr das Gegenteil, wird sie gehässig und beinahe triefend sarkastisch. Solas hält sich gerne abseits von anderen auf, weil sie die Seite an ihr, die sich durch verletzende Worte schützen möchte, nicht immer richtig kontrollieren kann und so es durchaus schon einmal dazu gekommen ist, dass sie jemanden, ohne es zu wollen, mit ihren Bemerkungen verletzt hat.   
Gleichzeitig findet man durch Mut und Ausdauer, Verständnis, Ehrlichkeit, Treue und einem gewissen Maß an Schlagfertigkeit, in Solas eine loyale und aufrichtige Freundin.

Stärken: Zugleich bewegt sie sich leise und geschmeidig von einem Ort zum anderen. Durch langes Trainieren hat sie sich einen guten Umgang mit dem Bogen erarbeitet, welcher durch Übung und Zeit sich sicher noch weiter steigern lässt. Zudem gehört sie zu den wenigen der eldorischen Elfen, welche ein gewisses, wenn auch nur rudimentäres, Können beim Umgang mit dem Dolch an den Tag legen. Ihr Vater schreibt dies ihrer sarischen Mutter zu, welche dem Aspekt des Kampfes angehörte. Auch ihr gekonnter Umgang mit Worten zählt wohl zu ihren Stärken. Geschickt kann sie sich hinter diesen verstecken oder dadurch in den Mittelpunkt rücken.

Schwächen: Eine von Solas Schwächen liegt in ihrer fehlenden Empathie mit anderen Lebewesen. Sie verschließt sich vor neuen Bekanntschaften und bewirkt mit ihrer abweisenden Haltung, dass sich die meisten von ihr fern halten. Aufgrund dessen fühlt sie sich häufig einsam und unverstanden. Dass sie für diese Schwäche selbst verantwortlich ist, weiß Solas, kann sich jedoch nicht davon abhalten andere abzuweisen. Es ist ein Teil von ihr geworden.
Zudem mag sie keine geschlossenen Räume und hat einen schrecklichen Orientierungssinn. Ohne ihren Freund Teku wäre sie in ihr unbekanntem Gelände vollkommen hilflos.


Lebensgeschichte: Solas Soul ist das Kind einer sarischen Elfe und eines eldorischen Elfs. Ihre Eltern begegneten sich in der Mitte des Ilfar. Genau in der Mitte zwischen dem Wald Eldoras und dem Wald Sarius. Obwohl sie wussten, dass ihre Beziehung nicht halten konnte, da keiner der beiden über längere Zeit dem jeweilig heimischen Wald fern bleiben konnte, verliebten sie sich ineinander und zeugten Solas. Sie mussten sich jedoch noch vor deren Geburt trennen. Der Wald rief sie und sie spürten, dass sie immer schwächer wurden. In dem Moment, in dem ihre Boote sich voneinander entfernten, schworen sie jedoch, sich in einem Jahr erneut an diesem Ort zu treffen. Als Solas Vater ein Jahr später zurückkehrte, um den Schwur zu erfüllen, fand er nicht seine Liebste an der ausgemachten Stelle vor, sondern ein Baby. Erstaunt und seine eigenen Augen wiedererkennend begriff Solas Vater, was und wen er da vor sich hatte. Seine Tochter. 
Sobald jedoch der Moment des Glücks vorbei war, fragte sich der Elf, warum seine Liebste und Mutter seiner Tochter nicht da war. Verzweifelt entschied er noch ein bisschen auszuharren und zu warten. Doch mit jedem Tag, der verging, sank seine Hoffnung ihr Schiff zu entdecken und stieg seine Verzweiflung ob der Frage, was nur passiert sei. Als er dem Ruf des Waldes nicht länger widerstehen konnte, fuhr er mit schwerem Herzen und vor Tränen schimmernden Augen, zusammen mit seiner Tochter, zurück nach Hause. In der Hoffnung diese und sein verzweifeltes Herz zu schützen, entschied Solas Vater, dem Ort seines größten Glückes und seines schmerzlichsten Verlustes für immer den Rücken zu kehren.

Solas erlebte die ersten Jahre ihres Lebens vollkommen normal und wuchs unter den wachsamen Augen ihrer Amme Elaysa, welche für das Kind wie eine Mutter war, und der Liebe ihres Vaters zu einem wissbegierigen und offenen Elfenkind heran.
Die junge Elfe verehrte ihren Vater und versuchte ihm in allem nachzueifern. Als Kleinkind saß sie häufig mit Elaysa am Rande der Lichtung, auf der ihr Vater seine Fähigkeiten im Bogenschießen trainierte, und schaute ihm mit unverhohlener Bewunderung zu. An einem dieser Tage flocht Elaysa Solas Haar gerade zu einer eleganten Hochsteckfrisur, als der angenehme Bariton des Vaters über die Lichtung schallte:„Solas, willst du es auch einmal versuchen?“ „Echt?“, stieß das junge Mädchen hervor und sprang mit einem begeisterten Leuchten in den Augen auf. Dass die sorgsam geflochtene Frisur von Elaysa dabei zerstört wurde, bemerkte die nun unordentlich wirkende Elfe nicht und Elaysa stieß nur einen leisen Seufzer aus und schüttelte ergeben den Kopf.
„Hab ich dich jemals angelogen, mein Augenstern?“, erklärte Solas Vater und winkte seine Tochter zu sich. Lächelnd drückte er ihr seinen Bogen in die Hand und begann schallend zu lachen, als das Mädchen ohne Erfolg versuchte die Sehne, so wie bei ihrem Vater beobachtet, nach hinten zu ziehen. „Ich dachte mir, dass du damit noch Probleme haben könntest. Deshalb habe ich dir das hier mitgebracht“, sagte er lachend und holte einen kleinen Spielzeugbogen hinter seinem Rücken hervor. „Für mich?“, fragte Solas ehrfürchtig und warf dem Bogen einen begehrlichen Blick zu. „Natürlich ist der für dich, meine Kleine. Was sollte Elaysa auch damit anstellen?“, meinte ihr Vater und strich ihr liebevoll über die Haare.
Während Elaysa sich am Rande der Lichtung in ein Buch vertiefte, zeigte der große und erhaben wirkende Elf dem kleinen und leicht wild erscheinenden Mädchen, wie es einen Pfeil richtig auf die Sehne legte und was nötig wäre, um den Pfeil im richtigen Winkel abzuschießen. Bis in die Dämmerung hörte man das Lachen von Vater und Tochter über die Lichtung fliegen.
Als Solas am Abend ins Bett kroch und ihr Vater ihre Decke feststeckte, blickte ihn die kleine Elfe mit schweren Lidern an und flüsterte, bevor ihre Augen sich endgültig schlossen, glücklich:„Ich hab dich lieb. Zwei Hälften, ein Ganzes.“ „Ich hab dich auch lieb, mein Augenstern“, antwortete ihr Vater und gab ihr lächelnd einen leichten Kuss auf die Stirn.
So oder sehr ähnlich verliefen viele Tage von Solas Kindheit. Dachte sie an diese Zeiten zurück, erinnerte sie sich nicht speziell an einen Besonderen, sondern viel mehr an das beständige Gefühl des Glücks, welches ihr diese Erinnerungen vermittelten. Nur die Sternenseetaufe an ihrem 4.Geburtstag hatte sie sich für immer genau eingeprägt.

Sternseetaufe:
Beinahe das gesamte Dorf war anwesend und in der Luft lag ein fröhliches und stetiges Gemurmel. Keiner erwähnte, wie seltsam es war, dass die Taufe jetzt erst stattfinden würde, wo sie sonst nur wenige Tage nach der Geburt erfolgte. In der Geborgenheit ihres Heimes hüpfte das aufgeregte Elfenkind laut lachend durch ihr Zimmer, während Elaysa fluchend versuchte ihre Haare fertig zu flechten. „Bist du fertig, Kleines?“, ertönte die geliebte Stimme des Vaters aus dem Wohnzimmer.
„Wir kommen sofort!“, rief Elaysa aus der offenen Zimmertür nach unten und wandte sich erneut der jungen Elfe zu. Diese hüpfte noch immer ausgelassen durch den Raum und fragte Elaysa begierig:„Geht es jetzt los? Sagt ihr mir endlich, was für eine Überraschung das ist?“ Lachend steckte Elaysa ihre Haare endgültig fest. „Das wirst du schon noch sehen“, antwortete diese leichtfertig und strich Solas Kleidung glatt.
„Aber ich will es jetzt wissen“, stieß die kleine gespielt missmutig aus und blickte ihre Amme aus scheinbar verzweifelten Augen an.
Lächelnd strich Elaysa über die Wange der jungen Elfe und nahm sie in den Arm. „Du bist wunderbar und einzigartig. Klug, vernünftig und mutig. Ich bin unglaublich stolz auf dich und für deinen Vater bist du ein Wunder. Meinst du also nicht, du schaffst es noch ein kleinen Moment zu warten und deinem Vater die Freunde zu machen dich überrascht zu sehen?“ Geübt blickte Solas lieb zu ihrer langjährigen Freundin auf und fragte bettelnd:„Nur einen kleinen Hinweis?“
„Nein. Auf keinen Fall“, meinte ihr Vater lachend aus dem Türrahmen heraus und fing seine heranstürmende Tochter in einer warmen Umarmung auf. Mit einem letzten Kuss auf ihre Stirn trug er seine Tochter aus dem Haus und zum Dorfplatz. Von dort zogen sie zusammen mit allen Schaulustigen weiter zum Sternensee. Vorne gingen die Dorfältesten und ihnen folgten Vater und Tochter. Beim Sternensee angekommen drückte der Vater ermutigend die Hand seiner Tochter und bot ihr durch die Geste Trost und Vertrauen an. Schultern straffend warf sie ihrem Vater einen letzten erwartungsvollen Blick zu und begab sich zu den Dorfältesten am Rande des Sees. Von dort blickte sie ehrfürchtig auf die schimmernde Oberfläche des Sees auf dem sich Milliarden von Sternen reflektierten und ihm so seinen Namen schenkten. Solas spürte, wie alles von ihr abfiel und ihre Seele von einer tiefen Ruhe erfasst wurde. Mit einem Lächeln auf den Lippen wandte sie sich wieder den Schaulustigen zu. Das Wasser, mit dem der Dorfälteste das Haupt des Mädchens benetzte, war überraschend warm und für einen kurzen Moment hatte Solas das Gefühl, dass ihre Seele sich von ihrem Körper loslöste und einen Atemzug später in leichterer und glückstrahlender Form zurückkehrte.
Ein breites Lächeln brachte die anders wirkenden Gesichtszüge der jungen Elfe zum Leuchten und nach einem winzigen Moment der vollkommenen Ruhe lächelte das gesamte Dorf mit ihr. Solas fühlte sich angenommen und unsagbar glücklich.
Auf dem Rückweg gingen Vater und Tochter dicht beieinander und der große Elf murmelte der wesentlich kleineren Gestalt neben sich liebevoll zu:„Jetzt bist du endgültig hier angekommen. Du gehörst zu mir, mein Augenstern.“ Strahlend umarmte Solas ihren persönlichen Helden und flüsterte an seiner starken Brust:„Und du gehörst zu mir. Zwei Hälften, ein Ganzes.“
„ Richtig. Zwei Hälften ein Ganzes.“ Die kleine Elfe bemerkte weder den traurigen Blick, noch die Träne, die ihrem Vater lautlos über die Wange rann. Im Gegensatz zum verzweifelten Herzen des Vaters, welches jeden Tag den Verlust zu vergessen versuchte, wusste das Mädchen nicht, dass den zwei Hälften die dritte fehlte um ein Ganzes zu bilden.
Ihr Vater war froh, dass seine Tochter das Fehlen der Mutter nur selten bemerkte und fragte sie doch einmal nach ihr, wechselte er geschickt das Thema oder brachte sie mit einer witzigen Antwort zum Lachen. Die nächsten Jahre verschwammen zu einer Mischung aus liebevollen Umarmungen und fröhlichem Lachen. Solas war glücklich und fühlte sich sicher und geborgen.

Doch dann begann ihr 14. Lebensjahr und sie fing an, die Welt um sich herum anders wahrzunehmen. Es hatte nichts damit zu tun, dass sie plötzlich immer größer wurde oder damit, dass sie den Spielzeugbogen gegen einen Übungsbogen tauschte. Wahrscheinlich hätte Solas das leise Sehnen ihrer Seele nach einem ihr unbekannten Ort nicht einmal bemerkt, wenn sie nicht auf dem Rückweg vom Bogentraining nach Hause folgende Unterhaltung aufgeschnappt hätte.
Es war ein regnerischer Tag und sie war gerade über den Marktplatz gelaufen und bog in den Weg zur Hütte ihres Vaters ab, als sie die Stimme eines der Dorfältesten sagen hörte:„Die kleine Solas scheint sich hier wunderbar eingelebt zu haben. Welch ein Glück, dass sie die Geschichte mit ihrer Mutter so wenig zu belasten scheint. Anfangs hatte ich ja doch meine Zweifel, ob es so reibungslos funktionieren würde, aber da habe ich mich wohl geirrt. Trotzdem wundere ich mich, dass ihre Mutter sie einfach so im Stich gelassen haben soll. Wieso sollte sie ihre eigene Tochter einfach so weggeben und dem Vater das Herz brechen?“ Verwirrt und durch die Worte neugierig geworden, schlich sich Solas näher an die Stelle heran, von der sie die Stimme vernommen hatte. Versteckt im Gebüsch beobachtete sie den Dorfältesten, welcher auf dem nach Hauseweg wohl einen Freund getroffen und nun in ein Gespräch vertieft unter einem Baum Schutz vor dem stetig fallenden Regen gesucht hatte. Solas selbst merkte nicht, wie der Regen nun auch die letzten trockenen Stellen an ihrem Körper durchnässte und lauschte gebannt den Worten der beiden. „Du hast recht, seltsam ist es schon, zumal ihr Vater nie über ihre Mutter redet. In all den Jahren habe ich ihn nie auch nur ein Sterbenswörtchen über seine Lippen kommen hören, wie es damals wirklich zugegangen ist. Niemand hier im Dorf weiß, was sich zugetragen hat. Man munkelt, dass er Solas ihrer Mutter weggenommen hätte oder dass die Mutter einem Überfall zum Opfer gefallen ist. Vielleicht ist es aber auch nur ein Versuch gewesen, Solas vor ihrer Mutter zu schützen. Wie sollen wir denn wissen, wer oder was ihre Mutter war? Vielleicht wollte ihr Vater sie vor der wahren Identität ihrer Mutter schützen. Schließlich sollen sich die beiden mitten auf der Stillen Ebene begegnet sein. Ich hab ihn einmal explizit darauf angesprochen, aber statt es mir zu erzählen, drehte er sich daraufhin einfach um und ist gegangen. Es scheint, als ob wir uns mit unserem Unwissen abgeben müssten.“ Erschreckt presste sich Solas bei den Worten die Hand auf den Mund und zwang sich still zu verharren. Konnte das stimmen? War es möglich, dass ihr Vater sie ihrer Mutter weggenommen hatte? Oder war ihre Mutter tot? Lauter solche Fragen schwirrten ihr durch den Kopf und gleichzeitig bemerkte sie in sich eine seltsam quälende Ungewissheit. Verwirrt und geschockt, wie Solas war, ignorierte sie diese und konzentrierte sich wieder auf die Unterhaltung vor ihr. „... gut möglich. Ich wünsche ihm, dass Solas nicht mehr von ihrer Mutter geerbt hat als das Aussehen. Und hoffe, dass Solas sich bewusst ist, wie sehr wir sie alle mögen. Egal, wer ihre Mutter war.“ Traurigkeit schlich sich in die Stimme des Dorfältesten:„Ein Kind wie sie hat es nie leicht, seinen Platz zu finden. Hoffen wir, dass Solas den ihren bereits erkannt hat. Das Gegenteil würde sie verfolgen und ihre arme Seele verletzen. Das hat niemand verdient.“ Sein Gesprächsnachbar nickte verständnisvoll und nach einem kurzen Moment des einträchtigen Schweigens klopfte der Dorfälteste seinem Freund auf den Rücken und lud ihn ein bei sich zu Hause zu Abend zu essen und Schutz vor dem Regen zu suchen. Solas selbst bekam von alle dem nichts mit. Tief getroffen saß die junge Elfe in dem Gebüsch und dachte über das Gehörte nach. Der Regen lief aus ihren durchnässten Haaren in Strömen über ihr Gesicht und tropfte von dort seelenruhig auf ihre nasse Kleidung. Der regungslose Blick aus den Augen der Elfe hatte den glücklichen Glanz eingebüßt und wirkte nun verloren.
Von jedem unbemerkt, saß unweit ihres Zuhauses ein Mädchen und weinte. Weinte, weil sie sich selbst nicht mehr sicher darüber war, wer sie eigentlich war. Die Tränen vermischten sich mit dem Regen auf ihrem Gesicht und wären so selbst dann verborgen geblieben, hätte zufällig jemand die junge Elfe entdeckt. Solas jedoch bemerkte die Tränen nicht. Sie war nicht traurig, sondern verwirrt. Verwirrt und wütend. Wütend, weil ihr ein wichtiger Teil ihres Selbst vorenthalten worden war, und verwirrt, weil sie nicht wusste, was das für sie bedeutete.
Solas wusste nicht, dass diese Worte das schon immer vorhandene Sehnen ihrer Seele nur an die Oberfläche gebracht hatten und sie gab sich alle Mühe es zu vergessen und zu beseitigen. Doch egal, wie laut sie bei den Festen die alten Lieder mitsang, wie begabt sie mit dem Bogen war oder wie oft sie zu Florencia und Phaun betete und sie um Hilfe bat, das warme Gefühl des Glücklichseins und der Zugehörigkeit, welches sich früher, ohne dass es ihr bewusst gewesen war, in ihr ausgebreitet hatte, wollte sich nicht wieder einstellen.
Obwohl alle Elfen ihr wohlgesonnen waren und nie auch nur einer eine Bemerkung dazu machte, dass sie anders sei als die anderen, fühlte Solas sich doch plötzlich irgendwie fremd. Ein Teil ihrer Seele fühlte sich alleine gelassen und unsagbar fremd an diesem Ort, den der andere Teil als liebevolles Heim erkannte. Innerlich zerrissen, begann sich Solas von den anderen Elfen abzuschotten und wurde nach und nach immer einsamer.
Doch obwohl sie immer mehr vereinsamte, traute sie sich doch nicht, ihren Vater wegen dem Gespräch vom Dorfältesten anzusprechen und ihn mit den sie quälenden Fragen bezüglich ihrer Mutter zu konfrontieren. Dabei hatte sie keine Angst vor ihrem Vater oder wie dieser reagieren würde. Vielmehr ängstigten sie die Antworten, die sie vielleicht bekommen würde und die Veränderungen, die diese bringen würden. Dass sich längst alles verändert hatte, ignorierte sie dabei vollkommen.
Das gesamte Dorf bemerkte die Veränderungen in dem Verhalten der Elfe und reagierte mit Zuwendung und Mitleid auf diese. Wo auch immer Solas sich einen Platz suchte, um alleine zu sein, tauchte schon bald jemand aus dem Dorf auf und wollte sich mit ihr unterhalten. Immer häufiger wurde sie von den jüngeren Elfen aufgefordert sich ihren Gruppen anzuschließen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Unverständnis und ein verletzter Ausdruck folgten den Ablehnungen Solas und nach nicht allzu langer Zeit bemerkte die junge Elfe, dass sie, ohne es zu wollen, die Leute verletzte. Es dauerte eine Weile, ehe sie jedoch begriff, dass es nicht daran lag, dass die anderen fanden, sie würde nicht zu ihnen gehören, sondern daran, dass sie selbst dies dachte. Doch trotz dieser Erkenntnis konnte Solas sich nicht zugehörig fühlen. Dies bemerkte auch ihr Vater, obwohl sie krampfhaft versuchte, ihm die glückliche Tochter vorzuspielen. Sie merkte, dass ihr Vater sich Sorgen machte und ihr helfen wollte, doch konnte sie die Worte, die sie gehört hatte, nicht vergessen. Sie liebte ihren Vater und zweifelte niemals daran, dass er dasselbe für sie empfand. Doch ihr Vertrauen zu ihm hatte eine Wunde abbekommen, welche nicht heilen wollte und so versuchte sie auch, ihm aus dem Weg zu gehen. Ganz konnte sie sich nicht von ihm abwenden und sie wollte es auch nicht. Und doch ging sie nicht mehr zusammen mit ihm trainieren, es gab kein gemeinsames Frühstück, kein Abendbrot. Auch saß sie nur noch selten zusammen mit ihm am Abend im Wohnzimmer, wo sie sich früher über alles Geschehene ausgetauscht hatte. Manchmal jedoch, wenn Solas Nachts in ihrem Bett lag und mit Tränen in den Augen aus ihrem Fenster blickte, setzte sich ihr Vater zu ihr ans Bett und streichelte ihr schweigend über die Haare. Er drängte sich nicht auf, obwohl auch ihn die Zurückweisungen schmerzten. Er war einfach nur Solas stiller Fels, an dem sie sich festhalten konnte und doch nicht gegen geschleudert wurde. Die Elfe wusste, dass sie akzeptiert wurde, doch in ihrem Inneren war dieses Sehnen und trotz aller logischen Argumente wurde es immer stärker. Alles, was Solas einfiel, um niemanden deswegen zu verletzen, war, die Elfen dazu zu bringen, sich aus eigenem Antrieb von ihr abzuwenden.
Um die anderen Elfen von sich fern zu halten, fing Solas an, sich arrogant und herablassend zu verhalten und so ihre Gefühle hinter ihrem Verhalten zu verstecken. Die Idee diese, den Waldelfen so fremde, Form des Verhaltens zu verwenden, hatte sie von einem Reisendem, den sie auf einem von ihren Streifzügen durch den Wald getroffen hatte. Sein Name war Ginebra und er war ein Kundschafter des Königreiches Jorsa, der Schutz im Wald Eldoras suchte.

Ginebra:
Es war ein kühler und verhangener Morgen eines Tages, welcher einer der ruhigsten und sonnigsten Tage der Zeit des Erwachens zu werden versprach. Solas war damals 16 und hatte sich früh aus dem Haus geschlichen. Sie war auf dem Weg zu einer Lichtung, auf der sie sich im Umgang mit ihrem Bogen üben wollte. Als sie spielerisch mit ihrem bereits gespannten Übungsbogen imaginäre Pfeile verschoss und sich das erste zögernde Lächeln seit langer Zeit auf ihre Lippen wagte, hörte sie hinter sich plötzlich eine spöttische Stimme sagen:„Welch reizendes Bild, eine kleine Waldelfe, die ihre Feinde mit nicht existenten Pfeilen zu vertreiben versucht. Ich sag dir was, Kleine, davon lässt sich niemand Angst einjagen.“ Solas drehte sich erschrocken um ihre eigene Achse und suchte nach dem Urheber der Stimme. Entdecken konnte sie jedoch nichts. „Ach, und blind ist sie auch noch. Was für ein Paket. Blind und naiv.“ Gekränkt schaute Solas auf ihren Bogen und wollte der Stimme den Rücken zukehren. Sie war keinen Schritt vorwärts gekommen, als ihr die Stimme schon hämisch nachrief:„Und feige ist sie auch noch. Ich dachte immer, ihr seid so soziale Wesen. Wo sind deine Freunde? Haben sie dich alleine gelassen? Wollten sie nichts mit dir zu tun haben?"
Tief getroffen von den gemeinen Worten blinzelte Solas die aufkommenden Tränen fort und antwortete trotzig:„Nein. Ich WOLLTE nichts mit ihnen zu tun haben! ICH wollte alleine sein!“
„Wieso? Denkst du, du bist was Besseres? Zu gut, um dich mit denen abzugeben?“
„Nein!“, beteuerte Solas entsetzt und flüsterte in die darauf folgende Stille:„Aber es fühlt sich irgendwie falsch an. Ich habe das Gefühl, als ob ich nicht dazugehören würde. Alle sind nett und verständnisvoll. Wenn sie mich fragen, ob ich was mit ihnen unternehmen will, sind sie so freundlich. Doch egal, wie nett sie zu mir sind, ich fühle mich fremd an diesem Ort. Obwohl ich jeden kenne. Jede Straße schon gegangen und auf so viele Bäume hier geklettert bin, fühle ich mich fremd. Ich bin hier aufgewachsen und bin hier zu Hause. Aber etwas in mir sagt mir, dass bin nicht ich!“
Ihren Worten folgte eine lange Stille und Solas begann sich zu fragen, warum sie all das erzählt hatte, ohne überhaupt zu wissen, mit wem sie sprach, als sich im Schatten der Bäume etwas bewegte. Es war ein Mensch, der in diesem Moment den Schutz der Bäume verließ und verglichen mit den Geschichten, die die einsame Elfe aus den Schatten aufgeschnappt hatte, ein Mensch aus dem Königreich Jorsa.
Er bedachte das Elfenkind mit einem mitleidigen Blick, den die junge Elfe, angesichts seiner hämischen Kommentare zuvor, mit einem misstrauischen Blick erwiderte.
„Was? Was ist denn?“
Auf dem Gesicht des Menschen erschien ein Lächeln:„Ich hab das Gefühl,... du bist wie ich. Damals, bevor ich zum Kundschafter ausgebildet wurde. Du scheinst weder zu wissen, wer oder was du bist, noch wer du sein wirst. Und mit jedem Tag, der vergeht, vergisst du mehr, wer du warst.“
Verwirrt blickte ihn die zarte Elfe an. Innerlich wägte sie seine Worte ab und erkannte, dass der Fremde recht hatte. Mit einem nervösem Blick in die Runde gab Solas ihre abwehrend wirkende Haltung auf und sah den Fremden schon fast freundlich an.
„ Woher kennst du mich so gut?“, brach es erstaunt aus ihr hervor. Doch statt eine Antwort zu geben, begann der Fremde nur laut zu lachen. Nachdem er sich etwas beruhigt hatte und sich die Tränen aus den Augenwinkeln wischte, brachte er mit der zu vorigen Arroganz hervor:„Ich kenne dich nicht. Ich hab ja selbst nur einen Hauch von einer Ahnung, wer ich bin.“
Stirnrunzelnd betrachtete ihn die verunsicherte Elfe und fragte:„Aber du wirkst so selbstsicher. Wie kannst du arrogant sein und dich so selbstsicher verhalten, wenn du nicht weißt, wer du bist? Und überhaupt, wer bist du eigentlich?“
„Ich bin Ginebra, Kundschafter des Königreiches Jorsa. Freut mich, dich kennenzulernen, kleine Elfe.“ Bei dieser Bemerkung schnaubte benannte kleine Elfe laut auf, war sie doch eine ganze Handbreit größer. „Und ich bin NICHT arrogant. Tatsächlich würde ich für ein Stück Brot fast alles tun.“
Im ersten Moment verwirrt erinnerte sich die Elfe an ihre guten Manieren und holte ein Stück Brot und ein bisschen Fleisch aus ihrer ledernen Umhängetasche.
„Du bist meine Gute Fee!“, stieß Ginebra erfreut hervor und stürzte sich förmlich auf das Essen. Solas setzte sich zu ihm auf den Waldboden und betrachtete ihn nachdenklich. Als er sein Mahl beendet hatte, nahm sie all ihren Mut zusammen und sprach ihre Gedanken laut aus:„Aber wenn du weder arrogant, noch herablassend bist... warum verhältst du dich dann so?“
„Weil sich die Leute dann von mir fern halten und ich meine Ruhe habe. Bei dir hat es doch auch funktioniert. Du wolltest gehen.“, kam die zufriedene Antwort von Ginebra. „Merke dir eins, kleine Elfe, Worte sind wie Magie. Richtig angewendet, kannst du damit jeden dazu bringen, zu tun, was immer du willst. Du möchtest deine Ruhe? Sei arrogant und überheblich. Jemand ist gemein zu dir? Sei gemeiner. Worte können mehr verletzen als meisterlich angewendete Magie.
Aber Achtung. Gesagte Worte lassen sich nicht zurück nehmen. Einmal ausgesprochen, musst auch du mit der erzielten Wirkung leben.“
Nachdenklich saßen die beiden nebeneinander und betrachteten das Spiel der vereinzelnd durchbrechenden Sonnenstrahlen auf dem Waldboden.
An diesem Tag übte Solas nicht mit ihrem Bogen. Sie verbrachte den gesamten Tag mit Ginebra und sog jedes seiner Worte mit stiller Begeisterung auf. Ginebra erklärte ihr, wie sie sich mit Worten verteidigen konnte. Oder wie sie sich mit Worten verkleiden konnte und wiederholte mehrmals wie gefährlich Worte wären. Obwohl sie die Warnungen registrierte, ließ sich das Elfenmädchen davon nicht abschrecken. Sie sah in den Worten ihre Chance sich zu verstecken. Mit Hilfe der Worte könnte sie die Dorfbewohner dazu bringen, sich von selbst von ihr abzuwenden. Sie würde sich nicht mehr so verletzlich fühlen, weil niemand mehr sehen würde, wie einsam sie war. Ihr Vater würde nicht mehr von Sorgen geplagt werden, wie er seiner Tochter helfen könnte. Sie würde ihm die zufriedene Tochter zeigen können, die er so gerne sehen würde.
Als es zu dämmern begann, fiel der Kundschafter immer häufiger in seine arrogante und sarkastische Rolle zurück, doch davon ließ sich das kluge Geschöpf nicht mehr in die Irre führen. Stattdessen begann Solas sich genauso zu verhalten und gab sich auch arrogant und selbstsicher. Es fiel ihr immer leichter sarkastisch oder ironisch daher zu reden und dabei arrogant und überheblich dreinzusehen. Auch ein zufriedenes Lächeln zauberte sie immer leichter auf ihre Lippen und schaffte es immer besser, ein glücklich wirkendes Verhalten darzustellen.
Als der Morgen sich schon zu regen begann, verabschiedete sich Ginebra von Solas mit den Worten:„Ich muss weiter, kleine Elfe. Von nun an wirst du selbst heraus finden müssen, wer du bist und wer du sein willst.“ Ginebra erhob sich von dem Baumstumpf, auf dem er die letzten Stunden zugebracht hatte, und als er sich für einen letzten Abschiedsgruß zu der jungen Elfe umdrehte, wirkte es beinahe so, also ob der Jorsaner aus einem Traum erwacht wäre und sich langsam wieder an die Realität erinnern würde. Mit jeder Sekunde, die verging, wurde sein Blick stechender und seine Haltung arroganter. Es brauchte nur einen Moment und er sah genauso aus, wie Solas ihn am vergangenen Morgen kennengelernt hatte.
„ Lebe wohl und lauf mir bloß nicht heulend nach. Eine Klette ist genau das, was ich jetzt nicht gebrauchen kann.“, sagte er und verschwand in den Schatten der Bäumen. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und einem ungewohnt strahlendem Blick wandte sich die Angesprochene ab und machte sich auf den Weg zu ihrer Lichtung. Tief in ihrem Inneren war Solas Ginebra unendlich dankbar.
Aus der unsicheren und verletzlichen Gestalt, die am Morgen das Haus ihres Vaters auf Zehenspitzen verlassen hatte, war eine selbstsichere, junge Elfe geworden, die ihren inneren Schmerz und ihre Einsamkeit hinter Worten zu verstecken wusste. Und nur ganz selten, wenn sie sich alleine wähnte oder jemand eine besonders tiefe Wunde in ihrer Seele berührte, sah man ihr ihre Gefühle, ihre Hoffnungen und Ängste, in ihren Augen an.

Doch trotz oder gerade wegen der Dinge, die sie von Ginebra gelernt hatte, schottete sich Solas in den folgenden Jahren beinahe komplett von den anderen Elfen ab. 
Ihr Vater versuchte ihr zu helfen, war angesichts Solas introvertierten Art jedoch völlig hilflos. Die Waldelfe verließ weiterhin frühmorgens das Haus und kam erst aus den Wäldern zurück, wenn sie völlig erschöpft war. Keiner ahnte, dass sie die gesamte Zeit am Rande des Waldes zubrachte. Stundenlang blickte die einsame Gestalt nach Süden. Ohne sich dessen bewusst zu sein, trieb ihre sarische Abstammung sie dazu, sich nach etwas zu sehnen, was sie nie gekannt hatte. Es war nicht die Art von lebensbedrohlicher Schwäche, welche Elfen befällt, wenn sie sich zu weit von ihrem Wald entfernen. Es war eher ein undeutliches und unruhig machendes Sehnen nach etwas, was ihre Augen noch nie erblickt hatten. Solas wurde immer unruhiger, bis zu dem Tag, an dem sie sich ihren eigenen Bogen schnitzen durfte und als Erwachsene anerkannt wurde.

Der Brauch des persönlichen Bogens:
Am Tag ihres 18. Geburtstag wurde Solas mit Säge und Messer in den Wald geschickt, um sich ihren persönlichen Bogen zu schnitzen. Wieder trieb es sie zum Rand des Waldes Eldoras, wo sie sich hinsetzte und in die Ferne sah. Hier an dieser Stelle fühlte sie sich mit einem Mal unsagbar einsam und in ihren Augen schimmerten Tränen. Lautlos liefen ihr ein paar über die Wangen und tropften von ihrem Kinn auf ihre gefalteten Hände in ihrem Schoß. Die vereinsamte Elfe wusste, dass sie selbst schuld war an ihrer Einsamkeit, hatte sie doch alles und jeden vertrieben, der sich ihr nähern wollte. Solas wusste, lange würde sie es nicht mehr aushalten, hier zu bleiben und dem Sehnen ihrer Seele zu widerstehen. Gerade, als sie sich bewusst wurde, dass sie überlegte, aus dem Wald Eldoras wegzugehen und zu suchen, wonach auch immer sich ihre Seele verzehrte, ihrem Vater und allem Vertrauten den Rücken zuzukehren,um eine unbekannte Zukunft zu wählen, hörte sie hinter sich den Ruf eines Vogels. Erschrocken drehte die Elfe sich um und entdeckte nicht weit von ihr entfernt das stolze Tier. Es saß auf einer Eibe, die, wie sie unbewusst registrierte, sich ideal zum Bauen ihres Bogens eignete. Vorsichtig näherte sie sich dem zierlichen Vogel und redete beruhigend auf das Tier ein. Gerade einmal eine ausgestreckte Hand groß war dieser majestätische Vogel. Je näher das Mädchen ihm kam, desto ruhiger wurde der Vogel. Die letzten Meter legte Solas unendlich langsam zurück, damit sie das Tier nicht verscheuchen würde. Bei diesem angekommen, hob sie langsam die Hand, bis diese auf Höhe des Kopfes war, und wartete. Der Vogel hob das majestätische Haupt und musterte Solas auf eine fast menschlich wirkende Art. Nach einiger Zeit neigte er dann den Kopf zur Seite und schob ihn so an die ausgestreckte Hand Solas. Ungläubig streichelte diese dem Vogel über die grünen, weichen Federn und sprach leise mit ihm:„Du bist ein König der Lüfte und bist doch bereit, dich mit jemandem wie mir abzugeben. So erhaben und schön, doch gleichzeitig voll Güte. Einen Freund wie dich hätte ich gerne. Stolz und doch gerecht und treu. Willst nicht du mein Freund sein?“
Wie auf einen inneren Instinkt hörend zuckte der Kopf des Vogels hoch und erneut musterte er Solas. Diesmal lag eindeutig Misstrauen in seinem Blick. Die junge Elfe hob jedoch einfach erneut die Hand und wartete. Nach einer gefühlten Ewigkeit legte der Vogel seinen Kopf zur Seite und somit wieder an Solas Hand. 
Seitdem besteht zwischen den beiden eine Verbundenheit, die trotz fehlender Vertrautheit auf einer Freundschaft aufbaut, die sich instinktiv und innerhalb kürzester Zeit zwischen ihnen entwickelt hatte. Sie verstehen sich, ohne miteinander zu kommunizieren. Ihren persönlichen Bogen schnitzte die zurückgezogene Elfe aus der Eibe, auf der sie ihren treuen Freund gefunden hatte.
Seit diesem Tag fühlte Solas sich innerlich ausgewogener und friedlicher. Sie fing an, langsam wieder auf die Elfen zuzugehen und obwohl sie sich immer noch sehr verhalten gab und nur selten mit jemanden redete, erschien sie doch immer häufiger bei den Dorfversammlungen und ab und zu traf man sie am Nachmittag am Rande des Dorfplatzes an. Dort stand sie im Schatten der Bäume und sprach leise mit dem auf ihrer Hand sitzenden Vogel. Nicht selten lachte sie leise auf und erhaschte man dann einen kurzen Blick von ihr, lagen darin nicht nur Einsamkeit und Angst, sondern auch freudige Erwartung.
Doch egal, wie sehr sie sich um mehr Integrität beim Dorf bemühte, ließ sie ihren Vater doch immer noch nicht an sich ran. Innerlich wollte sie ihn damit nur beschützen, hatte sie schließlich vor, ihm den Rücken zu kehren und dem Sehnen ihrer Seele zu folgen. Auch wenn die junge Elfe ihre Entscheidung bezüglich ihrer Abreise schon endgültig getroffen hatte, konnte sie sich doch irgendwie nicht dazu überwinden, endlich aufzubrechen. Innerlich hatte Solas Angst, dass sie in diesen unbekannten und fremden Gefilden, denen sie auf ihrer Reise begegnen würde, alleine und auf sich gestellt, wie sie dann wäre, hilflos und angreifbar sein könnte. Diese Bedenken sollten sich jedoch schon bald verflüchtigen.

Der Dunkelelf
An einem Tag, wo sie sich in den äußerten Ausläufern des Waldes aufhielten, ereignete sich eine Begegnung, die der verängstigten Elfe zeigte, wie tief die Zuneigung Tekus für sie ging. Zusammen mit dem kleinen Vogel lief das grazile Mädchen zwischen den Bäumen hindurch und übte sich mal wieder im Bogenschießen. Häufig schon hatten sich die beiden mit dieser, zur Routine werdenden, Aktivität beschäftigt und um Solas eine gewisse Treffsicherheit bei unbekannten oder überraschend auftauchenden Zielen anzutrainieren, hatten sich die beiden eine Art Spiel ausgedacht. Hierbei erhob sich Teku über die Baumwipfel, sodass die Elfe den Vogel nicht mehr sehen konnte. Nach einer unbestimmten Zeitspanne stieß Teku dann an einer zufällig gewählten Stelle hinab und machte die nichtsahnende Elfe durch einen melodischen Ruf auf sich aufmerksam. Solas versuchte dann noch aus der Bewegung den Bogen zu spannen, die Stelle, von der sie Teku zuletzt gehört hatte, anzuvisieren und den Pfeil abzuschießen. Die Ziele waren zuerst Baumstämme, dann mit der Zeit und Solas zunehmender Treffsicherheit Tannenzapfen, Eicheln oder kleinere Tiere, die Teku durch schrilles Kreischen aufscheuchte und welche Solas ihrem Vater mitbrachte, der aus dem Fleisch einen wunderbaren Eintopf kochen konnte.
An diesem Tag war Teku gerade dabei, Solas auf einen Tannenzapfen an einem Ast als Ziel aufmerksam zu machen, als er unter dem Baum eine seltsame Gestalt wahrnahm. Was für ein Wesen diese war, wusste der Vogel nicht, nahm jedoch die bedrohliche und böse Ausstrahlung wahr, welche die finstere Gestalt umgab. Instinktiv stieß der Handflächen große Vogel einen Warnruf aus, mit dem er seine Freundin normalerweise vor Wölfen oder ähnlichen Tieren warnte. Dermaßen aufmerksam geworden, zog sich Solas, sich der tatsächlichen Bedrohung noch nicht bewusst, in den Schatten einer alten Eiche zurück und wartete still auf ihren Freund. Als Teku sie erreichte und sich auf ihrer ausgestreckten Hand niederließ, überkam sie das dringende Gefühl, dass jeder Luftzug, den sie von sich gab, ein grober Fehler sein könnte. Augenblicklich drückte sich die verschreckte Elfe fest an den Stamm der Eiche und erstarrte. Solange sie konnte, hielt sie den Atem an und wenn sie doch frischen Sauerstoff benötigte, holte sie langsam und bewusst tief Luft. Eine gefühlte Ewigkeit verharrte Solas so und konzentrierte sich auf ihre Tarnung. Als sich die Elfe gerade dazu entschied, dass dieses Alarmgefühl wohl nur auf ihre eigene Angst zurückzuführen sei, kam die finstere Gestalt in ihr Blickfeld, die Teku entdeckt hatte. Sofort erkannte Solas, dass es sich bei der Gestalt um einen Dunkelelfen handeln musste. Sie erinnerte sich an all die grausamen Geschichten, die man sich über diese Rasse im Dorf erzählte und ihr entschlüpfte ein leises Wimmern.
Abrupt drehte der Dunkelelf sich in Solas Richtung und unterbrach seinen zuvor stetig voran gehenden Schritt. Er ging zwei Schritte auf Solas Versteck zu und starrte angestrengt in den Schatten. Gerade, als Solas sich sicher war, dass er sie entdeckt hatte, flog dem Dunkelelfen ein grüner Blitz kreischend ins Gesicht. Dankbar erkannte Solas ihren Freund und während Teku vor den Augen des Dunkelelfen wild mit den Flügeln schlug und versuchte ihn mit seinen Krallen zu kratzen, zog sich die Elfe in das Dickicht des Waldes zurück, aus dem der Elf gekommen war. Von dort ahmte sie den melodischen Ruf Tekus nach, um diesen zu signalisieren, dass sie in Sicherheit war. Teku zog sich zurück und wollte eben in die Baumwipfel zurückfliegen, als der wütende Dunkelelf mit der Hand ausholte und den Vogel mitten in der Luft traf und gegen einen Baumstamm schmetterte. Teku kam auf dem Waldboden zu liegen und rührte sich nicht mehr. Voller Entsetzen starrte Solas zu ihrem Freund hinüber und wandte sich dann mit vor Hass glühenden Augen dem Dunkelelf zu. Vollkommen still legte sie einen Pfeil auf ihren Bogen und spannte die Sehne. Ihre Augen funkelten voll Wut und sie wusste, dieser Schuss würde mit tödlicher Präzision sein Ziel treffen. Kein Zweifel und keine Bedenken schwirrten durch ihren Geist und mit einem letzten Blick auf Teku wollte sie die Sehne des Bogens loslassen und ganz dem Gesetz der Natur folgend die Jägerin sein. Doch als ihre wütenden Augen ihren Freund streiften, nahm sie ein winziges Heben des Brustkorbes wahr. Mit dieser Bewegung kehrten alle Bedenken und Zweifel in ihren Geist zurück und anstatt den Pfeil abzuschießen, verharrte sie in der Position und wartete eisern, bis der Dunkelelf bereits lange im Unterholz verschwunden war. Dann lief sie zu ihrem Freund und lachte erstaunt auf, als sich Teku von alleine auf die Beine kämpfte. Es sah so aus, als ob sich der Vogel nur tot gestellt und außer ein paar verlorenen Federn keine Blessuren davon getragen hätte. Dankbar barg Solas ihren Freund zwischen ihren Händen und als Teku fröhlich zu zwitschern begann, rannen ihr leise Tränen der Freude über die Wangen. „Du und ich. Zusammen können wir alles schaffen.“, murmelte sie ihm leise zu und machte sich mit Teku auf der Schulter auf den Rückweg zu ihrem Dorf. Die junge Elfe hatte begriffen, dass ihr Freund sie niemals im Stich lassen würde. Ihre Ängste hatten sich verflüchtigt und mit Teku an der Seite fühlte sie sich stark und nicht ganz so verletzlich.
In diesem Moment hatte sich Solas endgültig entschieden. Am nächsten Tag in den frühen Morgenstunden würde sie mit ihrer Reise beginnen. Zuhause schlich sie sich in ihr Zimmer und holte eine unauffällige Lederumhängetasche unter ihrem Bett hervor. Zusammen mit dem Dolch, den ihr Vater ihr geschenkt hatte, und einem robusten Seil von Elaysa packte sie einige Kleidung zum Wechseln und diverse andere Dinge ein, von denen sie dachte, sie würden ihr bei ihrer Reise behilflich sein können. Angesichts der niedrigen Temperaturen schlich sie sich noch in das Zimmer ihres Vaters und holte sich seinen schweren, dafür warmen und langen, Kapuzenmantel. Auf dem Weg aus der Hütte legte sie einen in der Mitte in zwei Hälften gebrochenen Stein auf ihr Bett. Auf einen Zettel den sie dazu legte, hatte sie nur zwei Zeilen geschrieben:„Zwei Hälften, ein Ganzes. Ich liebe dich.“
Obwohl es ihr in des Seele schmerzte, machte sie sich auf den Weg zur Stillen Ebene, ohne sich von ihrem Vater und Elaysa zu verabschieden. Tief hüllte sie sich in den Mantel ihres Vaters ein und sog seinen daran hängenden, vertrauten Geruch ein. Wehmütig murmelte sie:„Zwei Hälften, ein Ganzes.“
Dann jedoch straffte die junge Elfe ihre Schultern und blickte mit aufkeimender Hoffnung in die Zukunft. Über ihr ertönte Tekus melodischer Ruf und Solas Lippen verzogen sich zu einem zögerlichen Lächeln:„Manchmal haben wir zu viel Angst vor Erwartungen. Zu viel Angst vor Konsequenzen und zu viel Angst davor, etwas falsch zu machen. Doch heute... Heute sind wir mutig und stellen uns dem Abenteuer.“


Inventar: eine praktische, unauffällige Lederumhängetasche:
ein Köcher voller Pfeile + persönlichen Bogen 
Wasserschlauch
Lederbeutelchen mit Geld
Dolch
Trinkbecher (Holz)
Kräuter
Dörrfleisch
2 Äpfel
Wechselkleidung (identische Stücke)
ein robustes Seil 


Tierische Begleiter: Teku (Vogel)

Einstiegspost:
Zuletzt geändert von Solas Soul am Freitag 14. Dezember 2012, 15:49, insgesamt 10-mal geändert.
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