Der Schankraum

Dies ist wohl die ruhigste Schenke ganz Celcias. Die Magier sind eher ruhige und spießige Gesellen. Sie trinken hier meist ein Gläschen und unterhalten sich über die neusten magischen Kenntnisse. Jedoch soll es hier magische Speisen und Getränke geben.
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Re: Der Schankraum

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 15. Juli 2009, 20:08

Es hatte Rey beinahe rasend gemacht, wie sie vor ihrer Vereinigung mit sich gespielt hatte. Er hatte sich auf sie gestürzt. Ihre Worte von dem Respekt, den sie ihm gegenüber zollte entfachten sein Feuer der Leidenschaft noch mehr. Rey hatte schon viele Frauen genommen. Meistens gegen Geld, aber manchmal auch so.
Er hatte sich immer gut unter Kontrolle, sodass das Vergnügen nicht viel zu schnell herum war. Und Rey war ein ehrlicher Mensch. Mit speziellen Vorlieben, aber ehrlich. Das Einzige, was ihm manchmal passierte war, dass seine Frauen bewusstlos wurden. Viele stießen sich den Kopf bei seiner harten Vorgehensweise und da sie sich durch die Fesseln nicht so gut bewegen konnten. Er kümmerte sich dann aber immer noch gut um sie. Stellte ihnen Wasser hin, deckte sie zu. Nur sein Geld nahm er dann wieder, schließlich hatte er seinen Spaß nicht gehabt.

Und so sollte es auch diesmal sein. Der Körper der schönen Dunkelelfe reizte ihn sehr. Zu sehr. Sie hatte etwas Gefährliches und etwas enorm Graziöses an sich. Doch am meisten reizte ihn die elfische Aura. Er war als Halbelf, von Menschen großgezogen worden, ihn zogen aber seit jeher die Elfen an. Und er spürte einfach, dass Janay zum mindest eine Halbelfe war.
Doch rr erreichte seinen Höhepunkt nicht. Gerade als er Janay neue Anweisungen geben wollte, schleuderte er sie so weit zurück, dass sie mit dem Kopf gegen eine Eisenstange des Bettes krachte. Durch seine Festbindevorrichtung hatten die Köpfe der Frauen meist genau die Höhe, um die richtige – oder in Reys Fall die falsche Stelle zu treffen.

Ein heftiger Schmerz im Kopf und Janays Welt wurde dunkel...

---

Als sie wieder zu sich kam war es völlig dunkel draußen. Rey hatte ihr eine Kerze, die dämmriges Licht spendete, und eine Schale mit Wasser auf das Nachtischchen gestellt. Durch das Fenster konnte man die Sterne erkennen, auch das hatte Rey geöffnet, die Nachtluft war angenehm kühl. Vorsorglich hatte er Janay zugedeckt, auch ihre Hände waren nicht mehr angebunden

Aber von Rey fehlte jede Spur. Ob das wertvolle Geld noch auf der Kommode ruhte?

Doch als Janay diesen Gedanken nachsann durchbrach plötzlich ein furchtbar lautes Plärren die Stille. Es kam direkt von der Tür und es war in ihrem Zimmer. Es klang wie die Stimme eines Kleinkindes. Es weinte sehr kräftig und würde wohl alle Schlafenden in den Nebenräumen aufwecken. Aber was suchte ein Baby hier? Janay konnte nicht einmal erkennen was es war, ihr war die hohe Bettdecke im Weg.

Was hatte Rey bloß getan?

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Re: Der Schankraum

Beitrag von Janay » Sonntag 19. Juli 2009, 09:45

Obwohl sie es selten tat und ihre Methoden hatte, den Schmerz in ihrem Körper zu ignorieren, wurde mit jedem seiner groben Stöße ihr Wunsch stärker, dass er bald fertig war.
Von wegen, er würde ihr nicht weh tun! Aber er hatte höchstwahrscheinlich lediglich äußere Verletzungen gemeint und das, was er in ihrem Inneren anstellte, würde kein andere sehen, sondern sie nur spüren.
'Welch erfreuliche Wendung für später.', dachte sie und musste an sich halten, um nicht das Gesicht zu verziehen. Der Wirt würde wohl kaum sanfter sein, auch wenn sie da wohl eher die Gelegenheit hätte, es mehr zu steuern und ihre Schmerzen wenigstens ein bisschen zu lindern.
So behielt sie ihre Maske weiter auf und tat so, als würde er ihr nichts anderes als pures Vergnügen bereiten. Auch bewegte sie ihren Körper unter dem seinen, um seine Wucht um eine Spur geringer zu machen, denn anders würde sie es kaum noch länger aushalten.
Doch plötzlich geschah etwas, war ihr noch nie zugestoßen war. Auf einmal gingen bei ihr sämtliche Lichter aus und gnädige Dunkelheit umhüllte ihr Bewusstsein, schluckte sämtliche Qual. Nicht einmal mehr hatte sie wahrnehmen können, was mit ihrem Hinterkopf geschehen war.

Wie lange sie ohnmächtig gewesen war, konnte sie nicht sagen.
Das Aufwachen geschah viel zu abrupt, als dass sie sich überhaupt hätte zurecht finden können. Irgendein unangenehmes Gefühl hielt ihren Körper umfangen und holte sie unsanft aus der Schwärze und Stille, die doch so angenehm gewesen war.
Es dauerte einige Zeit, bis sie es identifizieren konnte. Es war ihr Kopf, der derart heftig zu pochen begonnen hatte, als würde er zerspringen wollen.
Mit einem Stöhnen hob sie ihre Hand, wobei sie nicht registrierte, dass sie diese überhaupt bewegen konnte, denn dafür war sie noch zu benommen, und tastete vorsichtig nach dem Übeltäter.
Wieder benötigte sie eine gewisse Zeit, bis sie an ihren Hinterkopf kam und mit einem scharfen Zischlaut zusammen zuckte.
Was war nur mit ihr geschehen?
Die Erinnerung kehrte nur äußerst langsam in ihr Gedächtnis zurück. Sie war in eine neue Stadt gekommen, hatte sich in einem Wirtshaus als Freudenmädchen anstellen lassen. Der schleimige, ekelhafte Wirt. Und dann...
Ruckartig öffnete sie die Augen und fluchte leise, denn es tat ihrem Kopf alles andere als gut.
Genau, da war ihr Kunde gewesen, der sie unbedingt hatte fesseln wollen und dann derart grob gewesen war.
Als hätte ihr Unterleib nur auf diese Erinnerung gewartet, begann er in jenem Moment zu brennen an, als würde darin ein Feuer brennen.
Ihr Gesicht verzog sich.
Doch nun, wo sie sich wieder entsinnen konnte, musste sie auch nachsehen, wo ihr Kunde war.
Langsam glitt ihr Blick durch das von einer Kerze erhellte Zimmer. Unwillkürlich hob sie eine Augenbraue.
Wieso war diese Lichtquelle nötig? War sie so lange weggetreten? Und wenn ja... wie spät mochte es nun sein?
Ihn konnte sie jedoch nicht mehr sehen.
"Elender, feiger Schweinehund!", fluchte sie zischend und versuchte, sich weiter umzusehen. Schwindel packte sie, da sie ihren Kopf leicht drehte, und ein flaues Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus, aber es ging halbwegs und sie stellte fest, dass er sie wenigstens nicht entblößt hatte liegen lassen.
Ihr Blick wanderte wie von allein zu der Kommode und sie konnte dort Geld erkennen, viel Geld!
Ein freudloses Grinsen huschte über ihre Lippen.
Wenigstens etwas Gutes hatte er ihr beschert!
Doch plötzlich durchdrang ein Geräusch die Stille des Raumes, die sie heftig zusammen zucken ließ. Was natürlich sofort die Schmerzen in ihrem Kopf verstärkte.
Ihre Augen weiteten sich, als sie dem auch einen Sinn zuordnen konnte.
Ein Baby?! Was, verflucht noch mal, machte ein Baby in diesem Zimmer?!
Da sie es liegend nicht entdecken konnte, musste sie sich in eine sitzende Position kämpfen. Zwar verstärkte sich das Gefühl in ihrem Magen derart, dass sie sich beinahe übergeben hätte, allerdings biss sie die Zähne zusammen und schaffte es.
Erneut drang ein Fluch über ihre Lippen bei dem Anblick, der sich ihr bot.
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Re: Der Schankraum

Beitrag von Erzähler » Sonntag 19. Juli 2009, 21:05

Der Anblick, der sich Janay bot war zugleich erschreckend und auch ungemein bemitleidenswert.
In einem Korb lagen zwei Säuglinge. Sie dürften kaum von der Muttermilch entwöhnt sein. Doch das Erschreckende waren die Löwenschwänze, ebenso wie eine Art Mähne, dass das eine noch zusätzlich um den Hals trug. Zum mindest sah es von Janays Lage so aus, als wüchsen dem Säugling braune Haare aus dem Hals. Dieser schrie, während der Andere, mit pelzigen Ohren, wie von einem Löwen, sich gerade zu rühren begann, es hatte wohl noch bis gerade eben geschlafen. Der Säugling, der schrie, hatte zudem geschlitzte, braune Pupillen, aber seine Ohren waren spitz. Sie erinnerten ein wenig an Reys Ohren.
Auf der Decke der Beiden lag ein kleiner Brief.

Ebenso wie 25 Münzen, die den Brief beschwerten. Doch Janay musste enttäuscht feststellen, dass es sich um Fuchsmünzen handelte. Ebenso wie es sich bei dem Geld auf der Kommode wohl ebenfalls nur noch um Fuchsmünzen handelte.

Es sah nicht so aus, als würde Rey noch zurückkommen. So war der Brief wohl an Janay adressiert.

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Re: Der Schankraum

Beitrag von Janay » Montag 20. Juli 2009, 06:59

Die junge Frau traute ihren Augen nicht, obwohl sie längst erkannt hatte, was da vor dem Bett sich befand, in welchem sie gerade saß.
Was sollte dieser Schwachsinn?! Was hatte sie getan, dass man ihr so etwas antat?!
Erinnerungen an eine Zeit in Pelgar vor ein paar Jahren wollten in ihr hoch steigen, die sie sofort wieder unterdrückte. Daran wollte sie nun wirklich nicht denken!
Was sollte sie also jetzt tun?
Bei den Kleinen lag ein Brief, der vermutlich ihr oder generell dem Finder galt. Vielleicht wäre es nicht so schlecht, ihn zu lesen, um eventuell den Urheber davon ausfindig zu machen.
Wobei sie das ungute Gefühl hatte, dass ihr ehemaliger Kunde von vor ihrer Ohnmacht damit zu tun hatte. Warum auch immer.
Allmählich verstärkte das Geschrei ihre Kopfschmerzen und Janay hätte einiges getan, um den Lärm abzustellen. Allein, sie wusste nicht, wie mit Babies umzugehen war und vor den radikalen Mitteln schreckte sie zurück, gestattete es sich nicht, sie zu denken. Fast war es, als täten ihr die zwei Kleinen leid.
Doch noch war sie viel zu erschrocken und wütend darüber, dass man ihr so etwas quasi vor die Füße gestellt hatte. Sollte es also jemand hören und sich beschweren kommen, könnte er die Babies gerne selbst mitnehmen.
Sie kämpfte sich als erstes einmal hoch, was gar nicht so einfach war. In ihrem Magen schien ihre letzte Mahlzeit, die schon einige Zeit her war, Achterbahn spielen zu wollen und ihr Blickfeld verschwamm leicht.
Leise stöhnend hielt sie sich am nächstgelegenen Bettpfosten an und wartete, bis sich ihr Körper langsam wieder beruhigt hatte.
Erst dann konnte sie weiter gehen und sich schließlich auch bücken, um den Brief aufzuheben.
Die Münzen nahm sie mit der anderen Hand und legte sie zu den anderen, die sich als ebenfalls nicht ganz so wertvoll heraus stellten, als sie zuvor noch gedacht hatte.
Ein weiterer Fluch wollte über ihre Lippen kommen, aber sie schluckte ihn runter. Sie hatte plötzlich das Gefühl, es wäre besser, das nicht in Gegenwart der Kleinen zu tun.
Deswegen biss sie die Zähne zusammen, bis der Schmerz in ihrem Kopf wieder stärker wurde und setzte sich auf den Bettrand.
Dann faltete sie das Schreiben auseinander und begann zu lesen.
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Re: Der Schankraum

Beitrag von Erzähler » Montag 20. Juli 2009, 14:28

Das Papier war noch recht neu, die Tinte an einigen Stellen verwischt. Es sah ganz so aus als hätte Rey den Brief vorhin schnell geschrieben. Seine Schrift war schmal, aber hoch, an manchen Stellen schwer zu entziffern.

Es tut mir Leid, dass es nun Euch erwischt, aber ich wusste einfach nicht mehr weiter. Die Beiden entsprangen einer Liaison mit einer Leonidin, als ich auf Reisen war. Hier in Zyranus werden sie von seltsamen Magiern gejagt, die die Löwenmenschen gerne für ein paar Versuche für sich gewinnen möchten. Sie beobachten mich nun schon seit Wochen. Die Kleinen wurden mir übrigens von ihrer Mutter überbracht, da sie in ihrem Stamm getötet werden würden, wie alle Mischlinge. Da ist der Stamm sehr hart.
Was ich nun von Euch möchte?
Bringt die Beiden in die Stadt Santros, dort wird Euch ein Freund von mir empfangen und dort werdet Ihr auch nicht auf die dunklen Horden stoßen. Ich weiß nicht wie viel Ihr davon wisst, aber Celcia ist längst kein sicherer Ort mehr.
Fragt in der Stadt nach Kelyn, er betreibt dort einen Teppichhandel.
Ich kenne Euch nicht. Ihr seid mir vollkommen fremd. Aber ich weiß nicht mehr weiter, die Magier beobachten mich auf Schritt und Tritt. Dank Luna, einer Bedienung bleiben sie jedoch der Taverne fern. Eine Frau mit zwei kleinen Kindern wird kaum auffallen, sofern ihr sie gut vor Blicken schützt.
Wenn Ihr die Kinder nach Santros bringt erwarten Euch dort 100 Fuchsmünzen. Das hier ist nur eine Art Anzahlung für den Proviant für die Reise. Ich weiß, ich habe Euch schon einmal Geld versprochen... viel Geld. Verzeiht mir, das war ein Fehler, doch wenn Ihr nun ablehnt gebt die Kleinen wenigstens Luna. Ich denke sie wird sie dann den Leoniden ausliefern, dass sie sie dann töten. Das ist immer noch besser, als diese grausamen Versuche.
In Santros könnte Euch Kyras sicher auch eine gute Stelle in der dortigen Taverne vermitteln, er hat gute Kontakte. Dort müsstet Ihr an den Wirten nichts zusätzlich zahlen.
Ansonsten bleibt mir nichts Anderes übrig, als Euch noch einmal inständig darum zu bitten, den Auftrag anzunehmen. Ihr würdet Geld erhalten und eine gute Anstellung.
Dass Ihr ohnmächtig werden solltet, war nicht geplant. Eigentlich hatte ich Euch das alles persönlich sagen wollen.
Jetzt muss ich Schluss machen. Sie haben mich bald. Falls Ihr das tatsächlich macht, stehe ich tief in Eurer Schuld.
P.S.: Ihre Namen sind Kaya (die, mit den Pelzohren) und Garin (der mit dem Schwanz).


Die letzten Worte waren nur noch sehr schwer lesbar. Rey musste sehr in Bedrängnis gekommen sein.

Garin hatte nun aufgehört zu schreien. Er hatte sich das Ende seines Schwanzes in den Mund gesteckt und nuckelte daran. Mit halb geschlossenen Augen lag er da. Während seine Schwester ihre dunkelblauen Augen aufmerksam durch den Raum gleiten ließ. Sie verhielt sich jetzt ebenfalls ruhig.

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Re: Der Schankraum

Beitrag von Janay » Dienstag 21. Juli 2009, 08:31

Die junge Frau musste die Zeilen zwei mal lesen, ehe sie wirklich fähig dazu war, diese Worte zu begreifen.
"Du verfluchter..." Der Rest ihres Fluchs ging in einem unverständlichen Gemurmel unter.
Unter großen Mühen brachte sie ausreichend Selbstbeherrschung auf, um das Papier nicht zu zerknüllen, sondern einfach weg zu legen. Obwohl sie es sich noch nicht eingestehen wollte, geschweige denn, es tatsächlich konnte, stand ihr Entschluss bereits fest und ihr Unterbewusstsein sorgte dafür, dass sie sich diesen nicht unnötig erschwerte, indem sie dieses Schreiben zerknitterte.
Da die Kleinen beide im Moment Ruhe gaben, musste sie sich der Wahrheit noch nicht stellen. Stattdessen drückte sie sich wieder in die Höhe und trat an ihren Kleiderstapel heran, der auf einem Stuhl zusammen gefaltet lag.
Ihr Gesicht verzog sich flüchtig zu einem freudlosen Grinsen. 'An was dieser Kerl nicht alles denkt!', dachte sie ironisch und ballte die Hände kurz zu Fäusten.
Dann zwang sie sich dazu, sich körperlich zu entspannen und sich endlich an zu ziehen.
Wie es aussah, sollte sie nicht zu lange trödeln, um von hier zu verschwinden.
Es störte sie nicht so sehr, wie es vielleicht hätte sein sollen. Ihr Kopf pochte, Schwindel drohte jede Sekunde, sie zu packen, und ihr Unterleib brannte noch immer leicht. Nein, da war es ihr ganz recht, wenn sie den Wirten doch nicht besuchen musste. Diese Begegnung musste in ihrem Zustand nicht sein, vor allem, da sie ohnehin nichts dabei verdient hätte.
Etwas langsamer und linkischer als gewöhnlich schlüpfte sie in ihre Kleidung und danach in ihre Schuhe.
Daraufhin wandte sie sich um und verstaute sämtliches Geld, das sie lieber nicht zählte, um nicht noch wütender zu werden, in ihrem Beutel.
Nachdem sie ihn zugezogen und überprüft hatte, dass er nicht gleich wieder aufgehen würde, nahm sie das Schreiben, faltete es zusammen und schob ihn seitlich in den Korb, indem die beiden Kleinen lagen. So würde er theoretisch am wenigstens zerknittern.
Dann seufzte sie und sank in die Hocke, sodass die Zwei sie sehen konnten.
Janay bemühte sich, ein freundliches Lächeln aufzusetzen, obwohl es wohl kaum mehr als ein Verziehen des Mundes wurde. "Was mach ich nur mit euch?", wisperte sie und schüttelte leicht den Kopf.
Erneut seufzte sie.
"Ihr seid arme Würmer, wisst ihr das?", fuhr sie dann fort und strich zuerst Kaya und dann Garin sacht über die Wange.
Innerlich schalt sie sich jetzt schon eine Närrin. Nicht nur, dass sie beschlossen hatte, diese Reise anzutreten, merkte sie sich auch schon die Namen der Kleinen sowie deren Unterscheidung.
"Na gut, machen wir uns also auf den Weg." Damit griff sie den Korb und hob ihn vorsichtig hoch. Wobei sie tatsächlich darauf achtete, die Babies nicht zu sehr zu erschrecken, und nicht nur lediglich auf ihren eigenen Zustand.
Eigentlich sollte sie die Zwei dieser Kellnerin hier geben. Aber das brachte sie einfach nicht übers Herz. Ganz gleich, wie sehr sie sich gegen Gefühle bezüglich kleiner Kinder sperrte aufgrund ihrer eigenen Erfahrung, konnte sie diese unschuldigen Wesen nicht dem gnadenlosen Tod überlassen. In der Hinsicht hatte die Verzweiflung ihres Kunden, egal, wie sehr sie ihn noch dafür verfluchen mochte, den richtigen Moment und die richtige Person gewählt. Die junge Frau nahm sich dee Babies an, sie konnte gar nicht anders.
Nun blieb ihr nur noch zu hoffen, dass sie weiterhin ruhig blieben und dass bisher noch niemand auf sie aufmerksam geworden waren, wenn sie tatsächlich in so großer Gefahr schwebten.
Zu ihrem Vorteil hatte sie vorhin, als sie den Gang zu dem Zimmer genommen hatten, entdeckt, dass es an dessen Ende ein Fenster gab. Da sie noch dazu eben erdig im Moment war, konnte sie sich daran versuchen.
Blieb ihr nur zu hoffen, dass es auch offen war, sonst müsste sie durch den Schankraum! Das wäre vielleicht nicht ganz so gut, schon gar nicht, wenn der Wirt sie erwischte.
Bevor sie aus dem Zimmer huschte, versicherte sie sich mit einem raschen Blick, ob auch niemand in der Nähe war und sie sehen könnte.
Da dies nicht der Fall war, huschte sie hinaus, zog die Tür leise hinter sich zu und eilte zu dem Fenster.
Hier war ihr ebenfalls das Glück hold und nach einem kurzen, festen Ruck an der Verkleidung zeigten ihre Lippen ein flüchtiges Grinsen.
Schnell warf sie noch einmal einen Blick über die Schulter, dann kletterte sie hinaus und landete in einem Hinterhof. Von dort war es leicht, zurück zu der Straße zu kommen, in welchen ihre Bekannten mit dem Wagen standen.


Janay gelangt wieder zu dem Platz ihrer: Ankunft
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Re: Der Schankraum

Beitrag von Erzähler » Freitag 28. Mai 2010, 13:56

Tahmo kommt von Von Blättern, Federn und anderen Dingen

Lua hatte nicht lange gefackelt. Auch wenn Tahmo meinte, dass nur sein Hemd ein wenig zerschlissen ausschaute - immerhin fehlte ein Ärmel - ließ sie es sich nicht nehmen, ihn kurzerhand zum zyranischen Marktplatz mitzunehmen. Dort gab es einen guten Schneider. Den anderen Ärmel besaß sie ja nicht, Lyrien hatte ihre kleine Kopfverletzung geheilt. Lediglich die Beule würde von allein abklingen müssen, doch dafür benötigte Lua keinen Verband.
Beim Schneider zeigte sie den Ärmel und Tahmo musste sein Hemd ausziehen. Er bekam es zwar zurück, sofern er es überhaupt noch behalten wollte, aber Lua sorgte für Ersatz. Der Schneider hatte noch genug Hemden im Sortiment, dass Tahmo rasch ein neues fand. Es glich seinem alten sehr, nur bestand es nicht aus einfachem Leinen, sondern aus kostbarer Seide. Sie hielt warm wie Tahmos Leinen, war aber leichter. Lua zahlte dafür auch gern etwas mehr.

Anschließend hatte sie sich noch zum Viehmarkt aufgemacht. Pferde wurden in Zyranus selten angeboten, doch Lua gelang es, einem Händler sein eigenes Ross zu entlocken. Es war kein besonders schönes Tier und auch schon etwas in die Jahre gekommen, aber es besaß kräftige Beine und einen klaren Blick.
Lua gelang es nur, das Pferd zu erstehen, indem sie einen Großteil ihrer Ersparnisse auszahlte. Am Ende blieb gerade noch genug übrig, dass sie noch ein paar Ausrüstungsgegenstände kaufen konnte: ein langes Hanfseil, genug Proviant für eine zweiwöchige Reise, Verbandsmaterial und einige blutstillende Salben und Tinkturen gegen bekannte pflanzliche Gifte sowie Mückenstiche. Vor allem aber kaufte Lua ein Zelt und wetterfeste Decken. Sie würden einige Nächte im Freien verbringen müssen.

Alles verstaute sie hinter dem Sattel ihres neuen Pferdes, dem sie übrigens den Namen "Nachtwind" verpasste. Es handelte sich zwar um einen schmutzig aussehenden Apfelschimmel, dessen Fell nicht viel mit der Nacht zu tun hatte, aber Lua wies auf seine dunklen Augen hin, die sie zu diesem Namen bewogen hätten.
Verträumt strich sie dem Gaul über den Hals, als sie mit Tahmo Stunden später die Fliegende Schenke erreichten. Zuerst ging es auf den Stall zu.
Faro stieß ein sehnsüchtig freudiges Wiehern aus, als er Tahmo entdeckte. Sofort stürmte er mit donnernden Hufen auf ihn zu, stieß seinen Freund beinahe um und schob seinen schweren Kopf unter seinen Arm. Er drückte sich gegen Tahmos seite, schnaubte zufrieden, schlackerte mit den Ohren. Faro hatte den Blondschopf wahrlich vermisst.
Lua führte Nachtwind derweil in eine der Boxen. "Lass uns nach Lyrien sehen und dann aufbrechen, wenn sie unsere Hilfe nicht braucht", meinte die Luftmagierin, ließ Tahmo aber genug Zeit, Faro zu begrüßen.

Der Schankraum war wieder redlich besucht. Zauberer, Hexen und sogar ein paar Studenten der Universität tummelten sich hier zwischen den Tischen oder vorn am Tresen. Der Geräuschpegel hatte bereits ein hohes Maß angenommen, war aber mit anderen Tavernen nicht zu vergleichen. Wo beispielsweise in Rumdett gesungen, in Pelgar geprügelt und andernorts beides getan wurde, entstand Lärm in einer zyranischen Schänke durch laute Diskussionen über die erhöhten Zaubertrankpreise, neue Entdeckungen in der magischen Forschung und Gerüchten über Funde magischer Schriftrollen oder anderer Artefakte. In einer Ecke besprach man sogar fieberig eine Expedition nach Dessaria, um im Gebirge eine verschollene Stadt zu suchen. Genaueres bekamen Tahmo und Lua allerdings nicht mit, da sie plötzlich herzlich von Lyrien in Empfang genommen wurden, die Tahmos Hand ergriff und ihn in eine ruhigere Ecke der Schankstube zog.
"Wie schön, dass ihr beiden noch einmal vorbei kommt. Der Wirt hat sich nicht gerade begeistert gezeigt, als ich fragte, ob ich noch einmal in seinen Kellerraum dürfte. Genauer gesagt, er hat es mir verboten. Ich fürchte, ich muss mich hinter den Tresen und runter in den Keller schleichen. Könnt ihr mir helfen? Eine Ablenkung vielleicht, bis ich den Kobold finden und er mich schrumpfen kann? Das gelingt dir doch, Tahmo, oder?"
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Re: Der Schankraum

Beitrag von Tahmo » Sonntag 30. Mai 2010, 20:14

Die erste Station war einer der vielen Schneider Zyranus. Tahmo staunte nicht schlecht über die enorme Anzahl an Schneider in dieser Stadt. Anscheinend legten Magier sehr viel Wert auf ihre Kleidung. Eine Sache die Tahmo nicht wirklich teilte. Solange Kleidung Zweckmäßig war, ihn warm hielt, sich nicht als zu eng erwies und ihn davor bewahrte nackt herum zu rennen, war sie genau richtig. Die Beiden betraten also ein Geschäft welches bis unter die Decke mit bunten Stoffballen, unzähligen Roben sowie einer Vielzahl an anderen Kleidungsstücken bestückt war. Der Geruch von schweren Stoffen und zu wenig Lüftungsmöglichkeiten hing in dem kleinen, stickigen Verkaufsraum. Tahmo fand es nicht wirklich prickelnd hier, für eine Frau oder einen Magier jedoch musste das hier das Wahre Paradies sein. So schien es auch nicht zu wundern das Tahmo nicht lange zauderte was ein neues Hemd anging. Denn so wie es jedem Mann in Schneidergeschäften geht, wollte auch der Blondschopf schnellst möglichst wieder raus. Ganz unkompliziert probierte er deshalb auch sogleich das Erste Hemd an welches Lua ihm reichte. Um die Sache noch zu beschleunigen zog Tahmo auch gleich im Verkaufsraum seine Tunika sowie sein altes Leinenhemd aus um das Neue an Ort und Stelle zu probieren. Der junge Magiernovize wunderte sich deutlich über diesen seltsam leichten Stoff der so ganz anders war als rauer Leinen. Nichts kratzte, es fühlte sich ungewöhnlich Leicht an. So als würde man nichts tragen. Lua versicherte Tahmo das dieses Hemd mindestens genauso gute Dienste leisten würde wie sein Altes, welches der Blondschopf jedoch nicht bereit war zurück zu lassen. Kurze Zeit darauf verliesen die Beiden auch schon wieder die Schneiderei. Tahmo um ein Hemd reicher und Lua um einige Goldmünzen leichter.

Als nächstes tingelten die Beiden über den Viehmarkt. Auch hier gab es wieder allerhand zu entdecken und bestaunen. Einfache Nutztiere wie Schafe, Schweine und Hühner wurden hier genauso angeboten wie auch deutlich exotischere Haus und Hoftierchen. Während Tahmo mit offenem Mund einige magische Tiere bestaunte, suchte sich Lua ein Reisepferd aus um gleich im Anschluss vom restlichen Geld noch genügend Proviant und andere Dinge für ein ausgedehntes Abenteuer zu kaufen.

Einige Zeit später machten sich die Beiden wieder auf dem Weg zur Taverne, mit einem kurzen Abstecher in die Stallungen hinten im Tavernenhof. Tahmo wurde von Faro sogleich mehr als nur Sehnsüchtig begrüßt. Das Pony stürmte ohne zu zögern wiehernd auf seinen zweibeinigen Freund zu, um seinen breiten Ponykopf an dessen Seite zu reiben und unter dessen Arme zu drücken. Tahmo war jedoch nicht weniger Froh über das Wiedersehen als Faro. Er legte seine Arme um den wuchtigen Kopf des Ponys, kraulte dessen Hals und schmieg selbst seine Wange innig an Faros Stirn. Nachdem die Beiden Freunde sich ausgiebig begrüßt hatten, ging es zurück in den Schankraum der Taverne. Wo Tahmo allerdings nur widerwillig hin wollte. Er mochte den Wirt einfach nicht.

Der Schankraum war wieder redlich besucht. Zauberer, Hexen und sogar ein paar Studenten der Universität tummelten sich hier zwischen den Tischen oder vorn am Tresen. Der Geräuschpegel hatte bereits ein hohes Maß angenommen, war aber mit anderen Tavernen nicht zu vergleichen. Wo beispielsweise in Rumdett gesungen, in Pelgar geprügelt und andernorts beides getan wurde, entstand Lärm in einer zyranischen Schänke durch laute Diskussionen über die erhöhten Zaubertrankpreise, neue Entdeckungen in der magischen Forschung und Gerüchten über Funde magischer Schriftrollen oder anderer Artefakte. In einer Ecke besprach man sogar fieberig eine Expedition nach Dessaria, um im Gebirge eine verschollene Stadt zu suchen. Genaueres bekamen Tahmo und Lua allerdings nicht mit, da sie plötzlich herzlich von Lyrien in Empfang genommen wurden, die Tahmos Hand ergriff und ihn in eine ruhigere Ecke der Schankstube zog.
"Wie schön, dass ihr beiden noch einmal vorbei kommt. Der Wirt hat sich nicht gerade begeistert gezeigt, als ich fragte, ob ich noch einmal in seinen Kellerraum dürfte. Genauer gesagt, er hat es mir verboten. Ich fürchte, ich muss mich hinter den Tresen und runter in den Keller schleichen. Könnt ihr mir helfen? Eine Ablenkung vielleicht, bis ich den Kobold finden und er mich schrumpfen kann? Das gelingt dir doch, Tahmo, oder?"

Tahmo guckte Lyrien an, sie hatte ihn erstaunlich schnell gefunden in diesem dichten Gedrängel hier. Grübelnd biss sich der Blondschopf auf die Unterlippe, Lyrien bat ihm um einen Gefallen und es war klar das Tahmo da nun nicht nein sagen würde. Nur wie sollte er den Wirt ablenken? Er hatte keine Lust abermals irgendwelche Strafarbeiten abzuschuften. Der Blick seiner grünen Augen glitt durch den Schankraum. Überall Magier und Magierinnen sowie Andere, seltsamere Gestalten. Das eifrige Murmeln und Diskutieren welches hier zwischen den Gästen wohl an der Tagesordnung stand und einen gehörigen Lärmpegel erzeugte unterstützte nicht wirklich Tahmos Grübeleien. Dazu noch der Geruch tausender Gerichte, gebratenem Fett, und verschwitzter Leiber welcher die Luft in eine stickige Brühe verwandelte die schwer im Raum hing. Das war wirklich ein Ort an dem sich jemand wie Tahmo unwohl fühlte... Der Blondschopf blinzelte, als ihm plötzlich eine Idee kam.
Mit einem breiten grinsen guckte er wieder die Heilerin an. „Keine Sorge Lyrien, ich hab ne klasse Idee, du.. musst aber sofort in den Keller verschwinden, ja? Weil ich nich weis wie lang das funktioniert.“ Tahmo schielte kurz zu Lua, er hoffte leise das sie nicht allzu sauer werden würde wenn er seine Idee ausprobierte. Aber Lyrien musste in den Keller gelangen, zu dem Kobold. „Also dann Lyrien,“ Tahmo räusperte sich kurz, wirkte er verlegen? „Wir werdn uns wohl nimmer so schnell wieder sehn undso.“ Der Blondschopf räusperte sich abermals, schielte kurz woanders hin ehe er Lyrien flink einen schnellen Kuss auf die Wange drückte. Er ging einen kleinen Schritt zurück „Werd dich vermissen, pass auf dich auf.“ Und verschwand in der Menge.

Energisch bahnte er sich einen Weg zwischen den Leibern der Gäste hindurch. Zum Glück war er so schlank wie ein Grashalm im Wind, weshalb es ihm nicht allzu schwer fiel einen Weg zu finden. Die traurige Tatsache das er seine erste, beste Freundin die er jemals gehabt hatte nun wohl länger nimmer sah versuchte er schlichtweg runter zu schlucken. Er rieb sich kurz mit dem Ärmel seiner Tunika über das Gesicht, der Pfeifenrauch der Magier konnte wirklich fies in den Augen brennen, um dann ungefähr in der Mitte der Schankstube stehen zu bleiben. Nun war er umgeben von Gästen, der Wirt konnte ihn unmöglich sehen. Es war Zeit seinen Plan auszuprobieren. Tahmo erinnerte sich an Luas Worte, Luft war überall und in jedem. Das konnte er sehr gut nachvollziehen. Sein Plan war also, das er die abgestandene Luft welche ihm hier träge und wie ein stehender Sommerwind vorkam, in Bewegung brachte und aufweckte um einen frischen Frühlingswind daraus zu machen. Der dadurch aufkeimende Wind würde sicherlich für genügend Verwirrung sorgen, zumindest kurzzeitig. Tahmo hoffte das keiner der anwesenden Magier ihm hier dazwischen funkte. Aber er vertraute einfach darauf das die Leute so überrascht werden das sie anfangs keine Zeit dazu hätten.

Der junge Blondschopf machte langsam seine Augen zu. Er versuchte sämtliche Gedanken an Lyrien aus seinem Kopf zu verbannen und sich voll und ganz auf die Luft hier im Raum zu konzentrieren. Es kostete ihm ein wenig Zeit, ehe er das Schaffte. Und dann, so etwas hatte er noch nie gefühlt, kam es ihm so vor als würde er die Luft in seiner Unmittelbaren Umgebung auf eine seltsame und magische Art und Weise... fühlen! Und er hatte den Eindruck als wäre die Luft hier drinnen ziemlich genervt sowie ordentlich gelangweilt von den unzähligen Diskussionen und Reden der Magier. Tahmo grinste schelmisch, er atmete tief ein, so wie Lua es getahn hatte, ehe er langsam aber bestimmt wieder ausatmete. In Gedanken versuchte er die Luft an seinem Plan teilhaben zu lassen, während er allmählich anfing seine Hände zu bewegen. So als wolle er den Wind dazu antreiben sich in eine frische Frühlingsbrise zu verwandeln. Dem Blondschopf fehlte es zwar noch deutlich an fachmännischer Praxis und Wissen, er verliess sich jedoch dafür voll und ganz auf sein Gefühl für den Wind, welchen er schon Zeit seines Lebens faszinierend fand. Dieses mal würde er auch versuchen sich nicht vom Wind mitreisen zu lassen, sondern stets konzentriert zu bleiben während er die Luft langsam in Bewegung versetzte...

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Re: Der Schankraum

Beitrag von Erzähler » Dienstag 1. Juni 2010, 14:56

Tahmo wies Lyrien an, so schnell wie möglich in den Keller aufzubrechen. Er hatte einen Plan und würde den Wirt ablenken, allerdings war er sich nicht sicher, ob seine Idee lange genug dauern würde, dass seine Freundin verschwinden konnte. "Ich werde mich beeilen", nickte Lyrien, doch ehe sie sich bereit machte, zog sie Tahmo erneut in eine Umarmung. "Du wirst mir fehlen", hauchte sie ihm ins Ohr und drückte ihn einmal fest.
Tahmo verabschiedete sich seinerseits mit einem scheuen Wangenkuss. Lyrien kicherte, lächelte ihn aber selig an. Sie wurde nicht einmal rot, doch ihre Augen strahlten. "Pass du auch auf dich auf - und auf Faro, dass er Fremden nicht mehr die Hafersäcke wegfuttert. Ich glaube, uns beiden hat die Arbeit hier für ein Leben gereicht." Sie griff hoch, wuschelte Tahmos Frisur durch und machte sich anschließend bereit.
"Was hast du denn vor?", kam es noch von Lua Chii, doch da verschwand ihr Schüler bereits zwischen all den Magierin und Zauberern.

Lua und Lyrien guckten einen Moment verwirrt, doch dann griff die Luftmagierin ein. Sie schob Lyrien zum Tresen hinüber. Der Schankraum war so voll, dass der Wirt nicht auf sie achten würde. Geduckt stahlen sich beide in die Nähe der Kellertür. Dort warteten sie, dass etwas geschah.
Und es passierte tatsächlich etwas. Tahmo war kein Meister, er hatte gerade erst Kontakt zur Luftmagie aufgenommen, aber selbst Lua meinte, er sei ziemlich begabt. Das Potenzial zeigte sich nun, da er hochkonzentriert auf die Luft einging, die ihn und alle anderen im Schankraum umgab. Partikelchen in der Luft lösten sich. Tahmo filterte sie, weil er sich Mühe gab, einen angenehmen Frühlingswind zu schaffen. Doch Pläne liefen im Allgemeinen selten so ab, wie man es sich vorgenommen hatte.
Frische Luft blieb bestehen. Sie umgab Tahmo und schenkte ihm so einen kreisförmigen Bereich absoluter Frische. Den Rest hatte die Luft eigentlich abstoßen sollen, um rein zu werden. Unglücklicherweise stieß die Luft nicht nur von Rauch, Alkohol und Schweiß durchtränkte Partikelchen von sich, sondern auch jene Personen und Möbelstücke, die danach rochen. Tische, Stühle und vor allem Gäste wurden an die Wände gedrückt. Dies geschah binnen weniger Sekunden. Ein Ruck ging durch die fliegende Schenke.
Die meisten Männer und Frauen, die von Tahmos Zauber kreisförmig von ihm fortgeschoben worden waren, hingen nun ineinander verkeilt zwischen Tischen und Stühlen und waren zu perplex, um mehr als Überraschung hervor zu bringen. Unter ihnen war auch der Wirt, den es voll erwischt hatte. Er steckte mit dem Kopf im Dekolletée einer überaus gut bestückten Magierin, die nun einen hochroten Kopf hatte.

"Schnell!", rief Lua, zog die Kellertür auf und schob Lyrien hinunter. "Leb wohl und ich werde auf ihn Achtgeben. Versprochen!" Schon war die Heilerin verschwunden. "Und wir sollten auch abhauen." Lua stolperte zu Tahmo herüber. Die ersten Gäste lösten sich aus ihrer verzwickten Lage. Lua schnappte Tahmos Hand. "Komm, das Abenteuer wartet auf uns!" Sie zwinkerte, ein Beweis, dass sie stolz auf ihn war.
Schon zog sie Tahmo mit sich zur Tür hinaus und zeigte zu den Ställen. "Sitz auf, das wird ein fluchtartiger Abschied von Zyranus", lachte sie.


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