Ein verlockendes Angebot

Das lachende Kamel macht seinem Namen alle Ehre. Hier wird gelacht, getrunken und gefeiert. Aber auch gespeist und geschlafen, auch einen hauseigenen Stall besitzt sie.
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Re: Ein verlockendes Angebot

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. Mai 2010, 12:30

Er half ihr bei all den Lagen Stoff und auch dabei, das Mieder zu schnüren. Einen Vorteil hatten die vielen Kleidungsteile: Selbst wenn der Wirtssohn die Schnüre stramm zog, konnte Janay in diesem Monstrum von Kleid noch gut atmen. Der Stoff sorgte für eine dicke Hülle, die sich von ihren Lungen wegdrücken ließ, wenn jene sich luftholend blähten.
Aber er hatte ihr Murmeln ebenso vernommen. In einem Augenblick, da sich hinter dem zugezogenen Vorhang nur ein Blubbern hören ließ, beugte sich der Jüngling über Janays Schulter und küsste ihren Hals. Sie musste ordentlich Eindruck bei ihm hinterlassen haben.
Er schnürte ihr Mieder, zog die Bänder nicht zu fest, ließ sie aber auch nicht locker hängen, dass es ein chaotisches Bild geboten hätte. Janay verbrachte so noch gut und gern eine Viertelstunde in dem Bad, ehe sie von Kopf bis Fuß zurechtgemacht war. Da klopfte es und die Köchin ließ ihren Kopf in die Kammer lugen.
"Ist Janay schon fertig? Der Baron wartet."
Ja, sie war soweit fertig, musste jetzt nur noch mit all den Stofflagen laufen können.

In der Schankstube hatte sich Baron von Sonnenbergen eine private Ecke herrichten lassen. Raumteiler waren aufgestellt worden und der einzige Zugang in diesen Bereich führte an zwei gewaltigen Blumenkübeln vorbei. Kerzenständer waren an den Tisch herangetragen und entzündet worden, so dass ein gemütlich schummeriges Licht entstand. Auf Hochglanz poliertes Geschirr und edles Silberbesteck lag bereit, konnte aber nicht vom Wirtshaus stammen. Hatte der Baron speziell für dieses eine Essen teures Geld ausgegeben?
Das Geschirr stand auf einem durch eine dunkelrote Decke verschönerten Tisch. Die Stühle besaßen weiche Polster und einen breiten Sitz, so dass vom Baron selbst nur ein geringer Teil über den Rand überhing. Er saß bereits, wartete auf Janay. Im Hintergrund warteten ebenfalls mehrere Personen. Baron Oribas hatte eine Dienerschaft kommen lassen, nur um für das Frühstück aufzutragen. Sie hielten Speisen und Tabletts. Es dampfte, offensichtlich pflegte der feine Herr auch zur Morgenstunde warm zu essen.
Vielerlei Gerüche ließen die übrigen Gäste der Taverne neugierig in die Ecke schauen, doch die Raumteiler nahmen ihnen jegliche Sicht.

"Wo bleibt sie nur?" Der Baron wischte sich die Stirn. Zweifel kamen auf, ob Janay das Kleid möglicherweise missfiel und sie die Taverne rasch durch einen Hinterausgang verlassen hatte. Vielleicht stand der Wirt mit seiner Gattin hinter dem Tresen und keiner von beiden wagte es, dem Baron die bedauerliche Nachricht zu überbringen. Er hatte doch bereits die Köchin losgeschickt.
Seufzend starrte er auf seinen Teller, in dem sich sein Antlitz widerspiegelte. Rund sah es aus und auch ein wenig aufgedunsen, wie bei vielen beleibten Männern. Rasch legte er die Serviette darüber.
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Re: Ein verlockendes Angebot

Beitrag von Janay » Dienstag 18. Mai 2010, 13:55

Schon jetzt, bei zwei Lagen des Ensembles, wurde ihr unangenehm warm. Aber sie würde noch mehr aushalten müssen, dessen war sie sich leider sicher.
Innerlich seufzte sie mal wieder.
Wie gerne hätte sie ihre eigenen Sachen gehabt, egal, wie schmutzig sie waren!
Doch sie sagte nichts dazu, sondern drehte und wendete sich so, dass sie den Jungen dabei unterstützen konnte, wenn er ihr schon half. Nur für einen flüchtigen Moment hielt sie still und grinste kurz, als er sie auf den Hals küsste.
"Wer weiß, vielleicht sind die Götter uns wohlgesonnen und wir sehen uns wieder.", wisperte sie und warf ihm einen verheißungsvollen Blick zu, damit er ihre Worte auch richtig deuten konnte. Sie würde nichts von ihm verlangen, sondern wenn, dann wäre es wieder zu einem heißen Abenteuer zwischen ihnen beiden.
Genau das hatte sie damit auch gemeint, was ihn in seinem Ego bestätigen würde und ihr gleichzeitig den Antrieb gab, ihre Erinnerung erst recht lebendig zu halten, um die Zeit zu überstehen. Sofern sie niemand anderes fand, der sich besser dazu eignete.
Danach verging die Zeit viel zu schnell, bis es auch schon ein ungeduldiges Klopfen gab.
Sie seufzte leise und drehte sich zu dem Jungen um, um ihm einen letzten Blick zu schenken.
Da sie noch unbeobachtet waren, nutzte sie die letzte Gelegenheit, schlang die Arme um seinen Nacken und küsste ihn noch einmal.
"Vergiss mich nicht.", gurrte sie in sein Ohr und zwinkerte ihm schelmisch zu, ehe sie herum wirbelte.
Die Lagen Stoff rauschte bei jeder ihrer Bewegungen, als sie kurz darauf der Köchin gegenüber stand. "Bringt bitte meine Sachen hinauf ins Zimmer." Reinigen lassen würde sie diese jetzt nicht, das würde länger dauern als das Frühstück, vermutete sie.
Dann nickte sie der anderen zu und ohne sich noch einmal nach dem Jungen umzusehen, ging sie in den Schankraum.
Da sie den Baron nirgendwo sehen, dafür jedoch ein Separé ausmachen konnte, ahnte sie schon, wo sie hin musste.
Noch einmal atmete sie durch, soweit es ihr möglich war, und fächelte sich mit der Hand etwas Luft zu.
Diese ganzen Schichten waren schon jetzt unerträglich heiß!
Daraufhin allerdings gab sie sich einen inneren Ruck, setzte ihr verführerisches Lächeln auf und bewegte sich richtig würdevoll auf das Separé zu. Wenngleich ihr langsames Tempo damit zusammen hing, dass sie kaum bei all den Stoffmassen wirklich rasch gehen konnte, und nicht daran lag, dass sie sich vor der Begegnung mit ihrem Gönner drücken wollte.
So konnte sie ihre Mimik auch aufrecht erhalten, als sie den Eingang erreicht hatte und er in ihr Blickfeld kam. "Verzeih meine lange Abwesenheit. Aber dein Geschenk war etwas... widerspenstig.", log sie glatt und glaubhaft, mitsamt einem Tonfall, der das ganze auflockern sollte, um seinen möglichen Unmut sofort verrauchen zu lassen.
Erst als sie neben ihm saß und wie zufällig mit der Hand seine Finger flüchtig berührt hatte, sah sie sich in dem kleinen, künstlichen Raum um.
Es wunderte sie, wie viel Aufwand der Baron betrieben hatte, nur für ein Frühstück! Und als sie den Dampf des Essens ausmachte, wurde ihr allein bei dem Anblick noch heißer.
Würden die Diener eigentlich die ganze Zeit dabei bleiben? Wenn ja, dann würde sie sich eindeutig nicht zu sehr berühren lassen, da sie so etwas nun einmal nicht vor Publikum tat. Sie hoffte, dass ihr Gönner daran denken würde und es für ihn nicht zu selbstverständlich wäre, als dass er es nicht bemerken könnte, ohne, dass sie ihn direkt darauf hinweisen musste.
"Wie hast du geschlafen?", fragte sie in einem lockeren Plauderton und griff nach der Serviette, um sie auf ihren Schoß zu legen. Zumindest hatte sie bei vornehmeren Personen stets gesehen, dass sie dies machten, um ihre Kleidung vor Bröseln und derleichen zu schützen.
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Re: Ein verlockendes Angebot

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 19. Mai 2010, 12:51

Baron von Sonnenbergen schaute auf, als Janay den abgeschirmten Bereich betrat und ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht. Die Augen begannen zu strahlen. Er schluckte leer. Dann reagierte sein Körper endlich und mit viel Mühe beförderte er sich in eine aufrechte Position. Seine Knie waren weich. Er japste beinahe: "Du siehst wie eine Königin aus."
Rasch winkte er einen der Diener herbei, der Janay beim Hinsetzen behilflich sein sollte. Der Baron konnte seine Augen nicht von ihr nehmen. Sie war ein Traum. Die Umgebung blendete sich für den alten Herrn aus, er nahm nur noch Janay wahr und ihre flüchtige Berührung an seiner Hand löste bei ihm eine Gänsehaut aus.
Er atmete tief durch. Schon bildete sich Schweiß auf seiner Stirn. Zum Glück lag ein Tuch bereit, welches sogleich zum Einsatz kam. Er schluckte, schaute Janay erneut an. Das Strehlen wollte nicht aus seinem Blick weichen.

"Ich habe sehr gut geschlafen. So gut wie seit Jahren nicht mehr, ahaha!" Plötzlich lachte Baron Oribas in heiterer Euphorie auf und klatschte mit seinen speckigen Händen. Die Dienerschaft trug auf. Der erste Gang des Frühstücks bestand aus einer gerösteten Brotscheibe, auf der die Butter zu einem weichen Fleck verlaufen war. Eldorische Johannisbeermarmelade wurde gereicht. Etwas, das es in Santros nur sehr selten gab und deshalb auch entsprechend teuer war. Aber vielleicht hatte der Baron ein Glas aus der Heimat mitgenommen. Pelgar und das elfische Dorf im Eldoras lagen schließlich nicht allzu weit voneinander entfernt.
"Lass es dir schmecken. Zum Mittag werde ich keine so gemütliche und ausladende Speise herrichten lassen können. Wir werden unterwegs in die Hauptstadt sein und die Kutsche bietet nicht genug Platz für alles." Er lachte wieder. "Aber wir beide werden es uns schon gemütlich machen."
Beim Baron dauerte es trotz seiner überaus schicklichen Manieren nicht lange, bis das Brot vertilgt war. Die Diener warteten jedoch, bis auch Janay aufgegessen hatte. Schon folgte der zweite Gang: eine cremefarbene Suppe mit kleinen Broccoli-Stückchen und gehackten Pilzen dampfte mit einem Mal vor ihrer Nase. Es wurde Rotwein eingeschenkt. Ein überraschendes Frühstück, das einem abendlichen Bankett glich.

Der Baron griff in seine Tasche. "Ich habe noch ein Geschenk für dich, schöne Janay." Er zückte ein Päckchen, um das mit viel Sorgfalt eine Schleife aus goldenem Faden gebunden worden war. Viel verheißend schob der Baron das Päckchen zu Janay herüber. Was mochte darin stecken?
Sie ahnte ja nicht, dass er am Vorabend noch heimlich mit dem Wirt gesprochen und von ihm verlangt hatte, den besten santronischen Goldschmied aufzusuchen. Ein Ringlein, hoffentlich in der richtigen Größe, wartete darauf, ausgepackt zu werden. Bestimmt würde Janay der goldene Ring gefallen. Der Baron hatte anordnen lassen, kleine Saphirsplitter in den oberen Teil des Ringes einfassen zu lassen. Sie würden graublau schimmern, ebenso wie das Haar der Bewunderten. Dazu gab es noch einen Satz Ohrringe, obwohl der Baron nicht wusste, ob Janay welche trug. Sie und der Ring lagen auf einem schwarzen Samtschälchen in dem Päckchen.
Ganz aufgeregt musterte Oribas die Szene. Er war gespannt, was Janay zu dem zweiten Geschenk sagen würde? Das Kleid hatte er lange vorher für eine Frau an seiner Seite anfertigen lassen. Doch der Schmuck, der auf sie wartete, war speziell und nur für Janay bestimmt.
"Sag mir bitte deine ehrliche Meinung zu dem Geschenk, meine Liebe", hauchte von Sonnenbergen. Er brachte vor Aufregung kaum mehr Worte heraus.
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Re: Ein verlockendes Angebot

Beitrag von Janay » Mittwoch 19. Mai 2010, 14:01

Sie gefiel ihm. Gut, wenn sie den Aufwand bei seinem Geschenk umsonst betrieben hätte, hätte sie das auch mehr als geärgter, denn schließlich war dieses Kleid alles andere als wirklich bequem.
Wenigstens hatte der Junge das Mieder wirklich so geschnürt, dass sie selbst jetzt beim Sitzen keine Probleme beim Luftholen verspürte.
Doch von all diesen Gedanken war ihr nichts anzusehen, sondern sie schenkte ihm lediglich ein verschmitztes Lächeln, ganz so, als wolle sie sagen: Dass ich in allem und jenem gut aussehe, ist selbstverständlich!
Dem Diener hingegen, der ihm beim Hinsetzen geholfen hatte, nickte sie knapp, aber dankbar zu.
Flüchtig glitt ihr Blick über dessen Statur. Wenn dieser sie begleiten würde, könnte er vielleicht in ihr Beuteschema für ihr eigenes Vergnügen und die Ablenkung fallen. Allerdings nicht auffällig. Es war ihr zwar durch die Abmachung erlaubt, jedoch wusste sie nicht, wie offensichtlich es der Baron tolerieren würde, wenn sie vor seinen Augen ihre anderen Kunden auswählen würde.
Deswegen widmete sie sich auch nach der kurzen Sekunde wieder ihrem Gönner. Als wäre nichts geschehen, lächelte sie ihn an und wartete, was er nun tun würde.
In ihren Augen ließ sie es amüsiert aufblitzen, das er als Freude darüber deuten sollte, dass er dank ihr gut geschlafen hatte.
Dass ihr selbst weniger Glück zuteil geworden war, würde sie ihm bestimmt nicht verraten. Es gehörte sich nicht, da sie für sein Wohl zuständig war, nicht vordergründig für das ihre, und außerdem hätte sie ihn dadurch verstimmen können. Das wollte sie nicht.
Aus diesem Grunde erwiderte sie auch schlicht:"Das freut mich." Zu mehr kam sie auch nicht, denn da wurde auch schon das Frühstück aufgetragen.
Innerlich seufzte Janay ein weiteres Mal.
Sie wusste nicht so recht, was sie mit all den Köstlichkeiten anfangen sollte. Natürlich, sie kannte nicht nur harte Brocken Brot mit etwas, das wie Butter oder ähnliches sein sollte. Doch sie war sich alles andere als sicher, ob sie das um diese Uhrzeit wirklich schon vertrug, selbst, wenn sie nur einen kleinen Teil davon zu sich nehmen sollte. Was wiederum zum Missfallen des Barons führen könnte, was sie nicht erreichen wollte. Es war tatsächlich nicht einfach!
Blieb ihr lediglich zu hoffen, dass sie sich rasch daran gewöhnen und alles leichter würde handhaben können.
Sie rang sich ein Lächeln bei seinen Worten ab und hoffte inständig, dass es glaubwürdig wirkte. "Verzeih, aber bei dem üppigen Frühstück, das du mir gerade bietest, zweifle ich, ob ich Mittags schon Hunger haben werde... oder daran zu denken wäre." Sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu, obwohl es ihr nicht leicht fiel, die Maske aufrecht zu erhalten.
Der angefügte Beisatz war für ihn zur Beruhigung, nicht, dass er glaubte, sie wisse auserlesene Speisen nicht zu schätzen. Das tat sie sehr wohl, wenngleich nicht in diesen Mengen.
Auch war ihr die Butter etwas zu viel auf dem Toast, doch sie würde es nicht jetzt zur Sprache bringen. Vor dem nächsten Mal allerdings würde sie es dann der Köchin, oder wer auch immer dafür verantwortlich war, gegenüber erwähnen.
Dass danach sogar eine Suppe gereicht wurde, erstaunte sie. So etwas gehörte für sie eindeutig nicht zum Frühstück! Und noch weniger der Wein...
Die junge Frau musste sich zusammen reißen, um nichts zu sagen, weil es dann unbedacht geäußert worden wäre. Was wohl kaum zu einer Einsicht seitens ihres Gönners geführt hätte.
Also schwieg sie, ließ sich lediglich ein paar Tropfen einschenken und nippte auch nur minimal daran. Während sie von der Suppe lediglich einige Löffel zu sich nahm, da sie befürchtete, es würden nachher noch einige Gänge folgen. Kein Wunder, dass die Figur des Barons so geworden war! Außerdem mochte sie Pilze nicht so gern.
Allerdings wurde sie beim Essen sowieso von ihrem Gönner abgelenkt, als er in die Tasche griff und sie auch noch ansprach.
Etwas erstaunt hob sie eine Augenbraue leicht an und betrachtete dann das Päckchen, das zu ihr geschoben worden war.
Was denn noch? Hatte er schon so viel voraus geplant für den Moment, an dem er eine Frau gefunden hatte, die ihn ertrug? Zuerst das Kleid und jetzt so was...
Mehr als zuvor konnte sie nun die Neugier verspüren, als sie nach dem zweiten Geschenk griff.
Sorgsam besah sie es sich und ahnte mehr aus Zufall, als dass sie tatsächlich etwas erkannt hätte, dass es sich vermutlich um ein Schmuckstück handeln könnte.
Ihre Finger wurden leicht unruhig, als sie sich darum bemühte, den Verschluss des Päckchens heraus zu finden. Immerhin besaß sie genügend Anstand, dass sie sich darauf besann, so etwas nicht zu ruinieren, nur, weil sie ungeduldig war.
Als sie es schließlich geschafft hatte, das Kästchen aufklappte und den Anblick auf das Innere freigab, war sie ehrlich verblüfft.
Nun ja, sie war nicht so sehr die Schmuckträgerin, vor allem nicht bei Ohrringen, wodurch ihre spitzen Ohren nur aufgefallen wären. Aber trotzdem konnte sie solche Dinge durchaus schön finden. Und diese hier waren es wirklich!
Die Ähnlichkeit des Schimmers vom Ring mit ihrem Haar fiel ihr auf und ließ sie einen Moment lang stutzen. Hatte er diesen Schmuck etwa für sie persönlich anfertigen lassen?
Ihr wurde ein wenig unwohl bei dem Gedanken, denn es erschien ihr als viel zu übertrieben. Ja, sie tat ihm einen Gefallen und würde ihm mit ihrem Körper Vergnügen bereiten sowie etwas Gesellschaft leisten. Aber gleich solch teure, persönliche Stücke deswegen anfertigen zu lassen? Noch dazu, wo er noch nicht einmal wusste, ob sie so etwas mochte oder gar trug!
Am liebsten hätte sie den Kopf geschüttelt und ihm gesagt, dass ihr das zu viel Aufwand war, jedoch hätte ihn das vermutlich zutiefst gekränkt.
Sein Gesicht allein schon machte nur zu deutlich, wie sehr er sich erhoffte, ihr damit eine Freude gemacht zu haben. Und auch seine Worte bestätigten ihre Vermutung.
Darum zwang sie sich auch zu lächeln, als sie ihn ansah. "Ich bin dir sehr dankbar für deine Aufmerksamkeit.", erwiderte sie höflich und trotzdem so warm wie möglich. "Und diese Stücke sind wirklich wunderschön, wofür ich dir erst recht danke. Nur bitte ich dich dennoch um eines. Überhäufe mich nicht damit, sonst käme ich mir schäbig vor, als hätte ich nichts besseres zu tun als dich auszunützen." Und das meinte sie sogar ehrlich! "Hier und da ein kleines Geschenk, wenn es dir Freude machte, ja, dafür bin ich dir dankbar. Jedoch bitte nicht zu viel auf einmal, ja? Sonst könnte es vielleicht geschehen, dass ich es nicht mehr zu schätzen weiß und das möchte ich nicht."
In ihrem Inneren atmete sie auf, froh darüber, dass sie in ihrem Beruf schon jetzt ein recht gutes Gespür für Diplomatie hatte. Deswegen war sie sich auch relativ sicher, dass er ihr diese Worte nicht übel nehmen würde, noch dazu, wo sie teilweise der Wahrheit eben entsprachen.
Natürlich hätte sie nichts dagegen, wenn er ihr sein gesamtes Geld geben würde und sie ihn nie wieder berühren müsste, allerdings hatte auch sie noch so etwas wie ein Gewissen. Wenn er es also nicht übertrieb, konnte er ihr gern solch teuren Geschenke machen, ohne, dass sie ihm ihre Dankbarkeit zu gekünstelt heucheln müsste. Doch sollte er sich auch klar darüber sein, dass sie trotz allem nicht so war, dass sie ihn so schnell wie möglich schröpfen wollte.
Für den Fall, dass sie ihn dennoch etwas gekränkt hatte, schenkte sie ihm ein offenes Lächeln und probierte den Ring an. Er war etwas eng, wenngleich zu ihrem Glück nicht so, dass sie ihn nie wieder runter gekriegt hätte.
So konnte sie ihm, ohne lügen zu müssen, auch mit einem freudigen Blitzen in den Augen sagen:"Er passt!"
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Re: Ein verlockendes Angebot

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 20. Mai 2010, 00:14

Als Janay sich entschuldigte und das mit der Andeutung, dass ihr das Frühstück doch viel zu viel sei, lächelte der Baron freundlich. Er streckte seine Hand nach ihrer aus, drückte sie und sagte: "Du bist meine Gesellschafterin und mir fast gleichgestellt. Wenn du nicht essen möchtest, so lass es stehen." Er schien dadurch nicht verstimmt, viel eher wirkte er wie ein Mann, dem diese Reaktion nicht fremd war. Möglicherweise hatten bereits andere Damenbekanntschaften darauf hingewiesen - und ihn dann verlassen. Er war bereit den Kompromiss einzugehen, allein zu frühstücken. Ihm war es wohl lieber so, dafür würde Janay auch bleiben. Er versuchte viel, um ihr zu gefallen.
Während Janay also nur das Nötigste zu sich nahm, um nicht unhöflich zu wirken, ließ es sich der Baron zur Genüge schmecken. Seine Teller leerten sich und selbst beim Wein ließ er sich nachschenken. Nun war klar, woher der Wanst des Wohlstandes herkam.

Noch während ein weiterer Gang folgte - Götterspeise mit klein gehackten Kirschen - erhielt Janay ein weiteres Geschenk.
"Gefällt es dir?" Er mochte Reife und Erfahrung besitzen, aber die Frage kam nur allzu unsicher aus seiner Kehle. Beinahe ängstlich wie die zittrige Stimme eines muskellosen Jünglings, der vom stärksten Söldnervater die Tochter mit einer einzelnen, kleinen Blume umwarb.
Baron Oribas sehnte sich offensichtlich nach nichts mehr, als es Janay so angenehm wie möglich an seiner Seite zu machen. "Ich hoffe, der Ring passt. Wenn nicht, lasse ich ihn in Pelgar entsprechend ändern. Die ... Ohrringe würde ich dir gern nachher in der Kutsche anlegen." Er sprach es aus, als handelte es sich dabei um ein Ritual, das man nach Hochzeiten der Braut in der ersten Ehenacht machte. Hatte er etwa vor, sie zu heiraten?
Nein, Baron von Sonnenbergen suchte lediglich eine Gesellschafterin. Von mehr hatte er nicht gesprochen und dass er durch die letzte Nacht derartige Euphorie und Besessenheit über Janay erlangt hatte, war unwahrscheinlich. Nein, es blieb ein simples - wenn auch teures - Geschenk als Zeichen seiner Wertschätzung.

Janay war es aber schon fast zu viel des Guten. "Du nutzt mich nicht aus und ich beschenke dich gern. Wenn ich nur wüsste, was dir gefällt. Vielleicht verrätst du es mir noch." Er schenkte ihr ein erneutes Lächeln. Wieder streckte er die Hand vor und wieder legte sie sich auf Janays zierliche Version. "Niemals würde es jemand wagen, dich schäbig zu nennen und solange du in meinen Diensten stehst, wirst du dies auch nicht sein. Ich kann mir zudem kaum jemanden vorstellen, dem meine Geschenke besser stünden als dir, Liebes." Er überhäufte sie sogar mit Komplimenten. Das Glück floss aus jeder Pore seines Körpers. Seine Wangen waren leicht gerötet, wann hatte er das letzte Mal einer Frau derartige Komplimente machen können?
Kein Zweifel, Janays Anwesenheit bedeutete ihm sehr viel. Gekränkt schien er durch ihre Worte jedenfalls nicht.
"Kleine Geschenke, hier und da. Natürlich. Was immer du möchtest."

Das Frühstück ging bald zu Ende und vermutlich war es Janay inzwischen schon sehr heiß geworden. Ob nun kleine Schweißperlen ihre Haut bedeckten oder ob diese gerötet war, dem Baron fiel etwas auf. Kaum, dass die Dienerschaft den letzten Gang - Kuchen mit Schlagsahne - abräumte, erhob er sich schnaufend.
Ein Blick aus dem Fenster kündete davon, dass der Tag stetig voran schritt. "Nun wird es aber Zeit. Die Kutsche sollte bald da sein. Wenn du nach oben gehen und dich für die Reise umziehen würdest, Liebes? Ich erwarte dich dann vor der Taverne."
Umziehen? Noch einmal. Der Baron schien es gewohnt zu sein, sich für jeden Anlass entsprechend neu einzukleiden. In ihrem gemeinsamen Zimmer wartete tatsächlich neue Kleidung auf Janay. Zu ihrer Erleichterung würde es kein weiteres dieser Stoffschichtenungeheuer sein. Der Baron hatte für sie ein pelgarisches Kleid ausgesucht. Es bestach durch Schlichtheit und passende Accessoires, die es so zu einem modischen Hingucker machten. Weinrot und bis zu den Knien reichend war der Rock, dazu gab es einen braunen Wildledergürtel mit silberner Schnalle. Eine weiße Seidenbluse mit samtenen Überwurf komplettierte alles. Hinzu kamen elegante Seidenstrümpfe und damenhafte Lederstiefel mit weicher Polsterung. Ob sich Janay auch am roten Federhut erfreuen würde, blieb fraglich.

Sobald sie die Taverne verließ, würde sie aber erkennen, dass auch der Baron sich umgezogen hatte. Er machte nun in seinem langen, braunen Mantel den Eindruck eines reichen Kaufmannes. Selbst den Gehstock hatte er getauscht, aber das Schnupftuch gegen seine Schweißausbrüche blieb.
Er stand vor der geschlossenen Kutsche, vor die vier kräftige Schimmel gespannt waren. Das Gepäck hatte man aufs Dach verladen, wo ein Page auf die kostbaren Stück Acht gab. Auf dem Kutschbock saß der Fahrer, bereit zur Abfahrt.
Der Baron selbst öffnete die Kutschentür und zog die kleine Trittstufe hervor, um Janay einen leichten Einstieg zu gewähren. "Bereit, Santros den Rücken zu kehren, Liebes?"
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Re: Ein verlockendes Angebot

Beitrag von Janay » Donnerstag 20. Mai 2010, 11:52

Irgendwo war sie in ihrem Inneren froh, dass er nichts dagegen hatte, dass sie nicht so viel aß wie er. Gut, das war wenigstens etwas, und vielleicht auch ein Schritt dazu, dass sie sich ebenfalls um seine Ess-, aber vor allem um seine Trinkgewohnheiten kümmern würde. Anscheinend war ihm zumindest klar, dass er recht viel zu sich nahm, viel mehr, als es gewöhnlich der Fall sein sollte.
Sie schenkte ihm ein feines, dankbares Lächeln dafür, denn es hätte schließlich auch sein können, dass er darauf bestand, dass sie mit ihm mithielt. Was sie niemals gekonnt oder gar gewollt hätte.
Den nächsten Gang hingegen lehnte sie völlig ab. Sie war schon so gut wie satt und obendrein war es nicht gerade etwas, was ihr schmeckte. Deswegen nutzte sie die Chance, die das Geschenk ihr bot, und unterließ es, diesen Teller zu leeren.
Auf seine Frage, die sie unwillkürlich an einen kleinen Jungen erinnerte mit dem Tonfall, nickte sie lächelnd.
Ja, es gefiel ihr, wenngleich sie nicht glaubte, dass sie so viel Schmuck wirklich tragen wollen würde. Und die drei Dinge waren bestimmt ein Vermögen wert!
Sie zwinkerte ihm mit einem feinen, schelmischen Grinsen auf den Lippen zu. "Ja, er passt.", wiederholte sie sich.
Zu der Sache mit den Ohrringen jedoch schwieg sie lieber. Ja, sie hatte Löcher in den Ohrläppchen für so etwas, allerdings wollte sie nicht wirklich, dass er ihr in der Hinsicht zu nahe kam. Denn sie wusste nicht, wie er auf die spitzen Ohren reagieren würde. Gut, sie sah nicht aus wie eine typische Dunkelelfe und sie könnte ihm sicher eine Lüge auftischen von Halbblut und dergleichen. Jedoch... würde er nicht eher aus Sicherheitsgründen darauf bestehen, dass seine Gesellschafterin menschlich sein sollte, jetzt, wo die Dunkle Armee Celcia heimsuchte? Deswegen beschloss sie, dass sie ihn mit allen Mitteln davon ablenken würde. Und wenn sie ihn wieder nackt sehen musste, egal, Hauptsache, ihr Geheimnis kam vorerst nicht heraus.
Sie widmete sich, nun, wo sie dies beschlossen hatte, wieder seinen Worten.
Leise lachte sie und beugte sich zu ihm herüber, als hätte sie ihm ein Geheimnis ihrerseits zu verraten und es ihm nicht nur vor ihm zu verbergen. "Ja, vielleicht verrate ich es dir.", raunte sie ihm bewusst verführerisch zu.
Kaum jedoch berührte er sie, richtete sie sich wieder auf, um ihn nicht auf die Idee vor zur großen Zärtlichkeiten zu bringen, solange seine Diener anwesend waren.
Sein Kompliment ging ihr runter wie Öl und auch wenn er alles andere als annehmbar aussah, sie traute ihm durchaus zu ein Auge für schöne Frauen zu haben. Darum wollte sie seine Worte auch umso schwerer wiegen, was ihrem Selbstbewusstsein natürlich sehr gut tat.
Außerdem hatte sie nun klar gestellt, dass sie ihn nicht allein ausnützen wollte, sodass sie sich entspannen konnte. Sollte der Baron noch irgendwo Familie haben und die sich über sie mokieren, könnte sie genau dieses Gespräch als Rechtfertigung verwenden.
Abgesehen davon wurde ihr trotzdem ein bisschen mulmig zumute. Er wirkte so... glücklich und das nur, weil sie mit ihm einmal das Bett geteilt und zugesagt hatte, mit ihm als Gesellschafterin mitzukommen. War das nicht etwas übertrieben? Ja, vermutlich war er lange einsam gewesen und freute sich jetzt drüber, aber sie hoffte wirklich, dass es sich auch in Grenzen halten würde. Sie mochte es nicht, eingeengt zu werden und wenn er zu stark auf sie fixiert wäre, könnte sie auch nicht ihre anderen Verbindungen eingehen, wie er es ihr eigentlich gestattet hatte.
Doch noch hegte sie die Hoffnung, dass sich alles im Rahmen halten würde, so bereitwillig, wie er auf ihren Lösungsvorschlag einging.
Danach verging das Frühstück und das noch dazu relativ harmlos, vielmehr, als sie sich erhofft hatte. Denn sie hatte nicht mit diesem Publikum gerechnet und somit auch nicht vorhersehen können, dass er sich ihr dadurch nicht so näherte wie letzte Nacht.
In der Tat war ihr inzwischen richtig heiß und ihr Atem ging unwillkürlich schneller, während sie befürchtete, dass man es ihr deutlich ansehen würde. Schweiß perlte noch nicht auf ihrer Stirn, aber sie war sich leider nur zu deutlich dessen bewusst, dass es nicht mehr lange bis dahin dauern würde.
Umso erfreuter, wenngleich auch ein wenig erstaunt, war sie darüber, dass sie sich wieder umziehen sollte. Hoffentlich waren es diesmal weniger Lagen Stoff!
Außerdem könnte sie so ein paar Momente alleine sein, um sich wieder zu sammeln und innerlich darauf vorzubereiten, bald auf engstem Raum mit ihm allein zu sein.
Aus diesem Grunde sagte sie auch nichts dagegen, sondern baute darauf, dass er ein Einsehen mit ihr haben würde. So ein Ensemble würde sie eindeutig nicht lange aushalten in der kleinen Kutsche! Oder würde er das absichtlich tun, damit sie dazu gezwungen wäre, sich zu entkleiden?
Sie seufzte lautlos, stand auf, nickte ihm zu und machte sich dann auf den Weg.
Erleichtert atmete sie jedoch auf, als sie die Wahrheit entdeckte. Gut, es war nicht so wirklich ihr Geschmack, noch immer war es zu viel Stoff, allerdings war es gleichzeitig trotzdem weniger als das jetzige Ensemble.
Während sie sich daran machte, sich aus all den Lagen zu befreien, sah sie sich um. Ihr Schuhwerk war nicht mehr da und ihre eigentlichen Sachen waren ebenfalls nicht zu sehen, obwohl sie sich sicher war, dass sie nicht weggeschmissen worden waren oder noch im Baderaum lagen.
Hatte ihr Gönner sie schon einpacken und zur Kutsche bringen lassen?
Ein weiteres Mal seufzte sie, als die ersten Sachen bereits zu Boden fielen.
Hoffentlich waren die Sachen nicht verschwunden, immerhin waren dort ihr Geld und ihre verhütenden Kräuter in Beutelchen drin gewesen! Sie würde ihn nachher danach fragen müssen, durfte es nicht vergessen, bevor sie losfuhren.
Es dauerte noch einige Minuten, bis sie wirklich sich von allen Teilen des Kleides befreit hatte und wieder nackt da stand.
Als erstes mühte sie sich dann mit den Seidenstrümpfen ab, die sich erstaunlich kühl an ihre Haut schmiegten und bis zur Mitte ihrer Oberschenkel reichte. Eine andere Unterwäsche hatte sie wieder nicht.
Danach folgte die Bluse und schließlich der Rock. Gut, er war wenigstens lange genug, dass sie bequem sitzen konnte, ohne zu viel zu zeigen.
Der Gürtel noch und am Schluss die Stiefel, die ihr wie angegossen passten und obendrein angenehm weich waren.
Nur der Hut, den wollte sie sich nicht antun. Deswegen nahm sie ihn auch in die Hand, als sie nach kurzem Zögern den Raum endgültig verließ.
Hierher würde sie nicht mehr zurück kehren, nahm sie an, zumindest nicht in nächster Zeit.
Als sie unten durch den Schankraum ging, nutzte sie einen unbemerkten Moment, um dem Jungen noch ein letztes Mal zu zulächeln und so etwas wie einen Kussmund anzudeuten.
Danach jedoch verließ sie das Gebäude und war nicht sonderlich überrascht, dass auch ihr Gönner sich umgezogen hatte. Es hätte sie eher gewundert, wenn er sie darum bemühte und sich selbst nicht um frische Kleidung kümmerte.
Sie lächelte und näherte sich ihm, während ihr Blick zu dem Gepäck wanderte, als könne sie durch die Koffer ihre Sachen erkennen.
Was natürlich nicht möglich war, deswegen blieb sie auch neben dem Baron stehen, der ihr überraschenderweise selbst die Tür öffnete. "Hast du denn meine Sachen auch einpacken lassen?", fragte sie und verharrte an ihrem Platz neben der Kutsche, von ihm getrennt durch die kleine Trittstufe.
Vorher konnte sie nicht einsteigen, sonst hätte sie am Abend keine Kräuter, die sie für die Verhütung nehmen musste.
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Re: Ein verlockendes Angebot

Beitrag von Gestalt » Freitag 21. Mai 2010, 11:43

Der sommersprossige Sohn des Wirtes war der einzige, welcher Janay nachschaute, als sie das lachende Kamel verließ. Innerlich seufzte er. Sie war eine gehobene Abwechslung und ein sehr angenehmer Zeitvertreib gewesen. Vielleicht kehrte sie einmal nach Santros zurück. So richtig verstehen konnte der Bursche nicht, warum sich eine so hübsche Frau auf einen alten, dicken Kerl wie den Baron einließ. Er musste schon eine Menge Geld haben, dass sich Janay von ihm ködern ließ. Anders konnte es sich der Jüngling nicht erklären. Er würde jedenfalls nicht der einzige sein, der über diese Geschichte tuschelte.
Janay konnte es egal sein. Wenige Minuten noch, dann läge Santros ohnehin hinter ihr. Die Fahrt sollte nach Pelgar gehen, vermutlich das einzige, was ihr etwas bitter aufstoßen würde. Hoffentlich hatte der Baron wenigstens an ihre Sachen gedacht. Ehe sie einstieg, erkundigte sie sich.

"Meine Liebe", antwortete der Baron und legte eine nicht ernst gemeinte Empörung in seine Stimme. Er versuchte die Hände in die Hüften zu stemmen, als sein breiter Umfang es allerdings nicht zuließ, gab er es auf. "Glaubst du wirklich, ich würde mich an deinem Eigentum vergreifen? Natürlich habe ich deine Kleidungsstücke und übrigen Habseligkeiten einpacken lassen." Er zeigte hinauf auf das Kutschendach. Dort lag neben einem ganzen Stapel Koffern und einer Hutschachtel auch ein in einen Lederbeutel gepacktes Bündel. "Ich hatte leider keine Koffer mehr frei. Aber vermutlich wirst du diese Dinge nicht mehr anziehen müssen. In Pelgar warten die schönsten Modestile nur auf dich. Wenn du jetzt bitte einsteigen würdest, Liebes?"
Der Baron hielt Janay höflich seine dicken Wurstfinger hin, um sie zusätzlich zur Trittleiter zu stürtzen. Kaum, dass sie eingestiegen war, folgte er ihr, schloss die Kutschentür und gab den Befehl zur Abfahrt. Holpernd transportierte das Pferdegespann die Kutsche über die Straßen.

Im Innern gab es wenigstens genug Platz für Janay und den Baron. Letzterer nahm eine Sitzbank in Anspruch, so dass seine Gesellschafterin gezwungen war, ihm gegenüber auf der anderen Bank Platz zu nehmen. Janay würde das vermutlich nicht stören. So musste sie sich nicht in die Arme ihres Liebhabers - konnte man ihn so nennen? - zwängen.
"Du siehst sehr schön aus", machte dieser ihr ein Kompliment. "Diese Moderichtung nennt sich Jagdmaid pelgarisch. Ich habe es extra für Reisezwecke kaufen lassen. Nur den Hut hast du nicht auf, meine Liebe. Gefällt er dir nicht? Ich werde dir in Pelgar einen anderen kaufen lassen." Der Baron schaute aus dem Fenster. "Leider kommen wir vorher durch keine andere Stadt mehr hindurch. Das gute alte Kosral ist ja seit Jahrzehnten eine unbelebte Ruine. Eine Handelsstraße von Ost nach West wäre sicherlich keine schlechte Idee. Es würden sich mehr Menschen an ihrem Rand ansiedeln und es gäbe mehr Rast- und Kaufmöglichkeiten, achja." Er lehnte sich zurück, um die Aussicht zu genießen.

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