Die große Bibliothek

Hier lernen schon die Kinder wie man mit Magie und besonderen Gegenständen umgeht. Jeder Bewohner hat diese Universität schon besucht, einige wurden weiter gefördert und sind nun mächtige Magier
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 12. Januar 2011, 20:23

[Weiter in – Wohnviertel in Zyranus „Spaziergang durch Zyranus“]
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Erzähler » Samstag 5. Februar 2011, 16:18

[Dormian kommt von – Wohnviertel in Zyranus - Spaziergang in Zyranus ]

Dormian hatte sich in seinem gedankenverlorenen Herumflanieren so im Herzen von Zyranus verfranzt, dass er einige zeit brauchte, bis er zurück zur Universität gelangt war. Der schwache Lichtschein, der durch die geöffneten Flügeltore zur Bücherei drang, sagte ihm, dass er sich zumindest in einem Punkt geirrt hatte. Es war wohl noch ein Wissbegieriger hier, der ebenfalls lieber seine Nase in Bücher vertiefte, als in Kissen. Aus Neugier und der vagen Hoffnung, es konnte sich bei dieser Person um Leliana handelte, schlich der Erdmagier durch einige der hohen Regalreihen auf den Ursprung des Lichtes zu. Schon nach kurzer Zeit wurde er enttäuscht. Anstatt der Frau fand er einen jungen Mann in der Abteilung über Lyrintha. Auf mehreren hohen Bücherstapeln standen Kerzenleuchter deren Schein diesen Teil der Bibliothek erhellte. Der Mann kam Dormian vage bekannt vor, allerdings konnte er sein Gesicht nicht einordnen. Er trug die Tracht eines Studenten, ein Graues Gewand mit Braunen Ärmel- und Mantelsaum. Auf dem Kopf hatte er ein schwarzes Barett mit einer langen, roten Feder, die perfekt mit dem zum Gürtel reichendem, roten Pferdeschwanz harmonierte. Ein braunes Lederband bedeckte seine Stirn zusätzlich.
Der Fremde bemerkte den plötzlich auftauchenden Magiekollegen nicht, sondern war weiterhin in ein Werk über die Sprache der Elfen vertieft. Daher beschloss Dormian, ihn nicht weiter zu belästigen, sondern zog sich zurück zum Eingang, wo er sich erst einmal selber ein paar Kerzen organisierte. Eine davon entzündete er und steckte sie in einen Kerzenständer, die restlichen vier wanderten in seine Manteltasche, wo bereits die Steintafel war. Nun konnte er mit seinen Nachforschungen beginnen. Doch darin befand sich das eigentliche Problem: Wo sollte er anfangen? Allein der Teil der Bücherei, der sich mit Fremden Sprachen beschäftigte, war gewaltig und umfasste abertausende von Folianten, Büchern und anderen Schriften. Jede Sprache die in Celcia jemals gesprochen worden war, konnte hier studiert werden. Dort mit der Suche anzufangen, hatte wohl wenig erfolg. Stattdessen beschloss der Zyraner, sich zuerst ein wenig mit den Schriften über Urgeist zu beschäftigen. Vielleicht befanden sich in den Aufzeichnungen über denjenigen, der ihm die Tafel überhaupt erst zugespielt hatte, ja bereits der entscheidende Hinweis!?
Da er ja bereits eine kleine Ewigkeit hier verbracht hatte, fand er den Weg zu dem Bereich über die verschiedenen Götter. Einmal mehr schien ihn die schiere Anzahl an Wissen zu erschlagen, die alleine über den Erdgott hier aufgeführt war. Grade als er sich ein besonders altes Werk zur Brust nehmen wollte, grollte ein geräusch durch die hohe Halle, als würde es irgendwo Backsteine regnen. Kurz danach hallte ein dumpfes, dafür aber um so lauteres Krachen durch das Bücherreich. Einen Augenblick lang war es Still. Dann drangen leise Rufe an Dormians Ohr. ”Ist hier jemand? Bitte ich brauche Hilfe! Ich bin unter dem Regal eingeklemmt. Oh Gott, bitte, irgendwer …” Aus dem anfänglichen Hilferuf wurde ein leises Wimmern. Es stand wohl außer Frage, dass der rothaarige Magier einen kleinen Unfall hatte. Wie er es Geschafft hatte, war ein Rätsel, doch seinen Worten nach - und die Geräusche davor beachtend - hatte er es wohl geschafft, dass seines der Bücherregale direkt auf ihn gestürzt war. Nun ja, dass musste man erst einmal schaffen ...
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Sonntag 6. Februar 2011, 00:53

Kaum berührte Dormian den alten Wälzer, folgte ein krachendes Geräusch, welches keinen schönen Ursprungs zu sein schien. Die Hilferufe des jungen Magiers von vorhin bestätigten dem Erdmagier seine Befürchtung und das Buch war für kurze Zeit vergessen. Er packte seinen Stab und eilte durch die altbekannten Reihen der Bücherregale. Die Tatsache, dass sie statt dem Aufbewahren von Wissen auch gefährlich werden konnten, verwunderte den Studenten doch ein wenig, doch das sollte nun kein erwähnenswerter Gedanke sein. Nach ein paar Biegungen und Ecken erreichte Dormian schließlich die Unfallstelle. Eines der Regale war tatsächlich umgekippt und hatte seinen Kollegen unter sich begraben. Dieser gab derart gequälte Geräusche von sich, dass er von Glück reden konnte, wenn es nur eine Quetschung oder Prellung war.
"Beim Enkel des Urgeistes, wie habt ihr das denn geschafft?!", fragte der Sprössling der Arboris verwundert, kniete sich aber sofort zu dem offenbar Verletzten und räumte die umliegenden Bücher von ihm weg, damit er wenigstens frei atmen konnte. Der Lehrling versuchte es erst gar nicht, das schwere Holz, aus dem das Regal bestand, mit Körperkraft in die Höhe zu stemmen.
"Einen Moment, das haben wir gleich", versicherte Dormian dem Eingeklemmten mit beruhigendem Tonfall und legte die rechte Faust an seine Lippen. Die Linke hielt den Stab seines Urgroßvaters umklammert. Vor seinem geistigen Auge erschienen in Windeseile Formeln und Sprüche, Runen und Schriften, bis ihm der Zauber einfiel, mit dem man aus Erde Säulen formen konnte. Er öffnete ruckartig die Augen und schlug mit jener rechten Hand flach, die Finger gespreizt auf den Bibliothekenboden. Zuerst geschah nichts. Doch als das Klatschen verhallt war, stimmte ein kleines Konzert an Knack- und Knirschgeräuschen ein, woraufhin zwei kleine, etwa armdicke Säulen aus dem Marmor schossen. Sie waren zwar nicht sehr groß und würden auch nicht lange halten, doch Dormian hatte auch nicht vor, das Regal durch den ganzen Raum zu pfeffern. Stattdessen drückte er mit einer der Säulen das obere Ende des Regals nach oben, während die andere knapp neben dem zweiten Magier in die Höhe wuchs, um die Stabilität zu garantieren.
"Versucht, rauszukriechen! Ich kann gerade schwer!", ächzte Dormian und stemmte seine geistige Kraft mit aller Konzentration, die er aufbringen konnte in die Schöpfungen seiner Magie. Er war noch nicht oft auf so eine Weise gefordert worden, doch er musste es lernen. Und ohne Schweiß kein Ergebnis, das zufriedenstellte.
"Na macht schon! Ich will noch weg, bevor ich wie ein Naturmagier Wurzeln schlage!", spornte der Erdmagier seinen Kollegen nun doch etwas unruhiger auf, da das Regal nicht gerade mit einer Feder zu vergleichen war.

OT: Ich hoffe, es geht in Ordnung, wenn ich kleinere Zauber selbst steuere. Hoffe, das liegt auch so in deinem Sinne, wenn ich mir zu unsicher bin über die Wirkung oder ob es fehlschlagen könnte, frag ich dich vorher, Luzien ;)

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. Februar 2011, 18:28

Der Magier hatte wohl wirklich glück, dass er nicht nur nicht alleine in der großen Bibliothek war, sondern dass er mit Dormian jemanden hatte, der ihm direkt unterstützen konnte, ohne erst weiter Helfer holen zu müssen. Kaum war der schlecht zu überhörende Lärm, des stürzenden Regals verebbt, als sich der junge Erdmagier auch schon auf dem Weg zur Rettung machte. Die kurze Strecke bis zur Unfallstrecke überwand er in Rekordzeit, wo sich ihm die gesamten Ausmaße des Dilemmas offenbarte. Eines der Büchergestelle war aus der langen Regalreihe nach vorne gekippt und mit der gegenüberliegenden Träger kollidiert, dabei war die obere Hälfte abgebrochen. Der rothaarige Mann, umgeben von den unzähligen herausgefallenen Folianten, war unter der unteren Hälfte eingeklemmt, der andere Teil lag quer darüber. Er konnte wohl von Glück reden, dass die Bücherberge ihn vor dem Erquetschungstod gerettet hatten, denn das Gewicht so eines Eichenregals durfte man nicht unterschätzen.
Alles was man von dem Fremden erkennen konnte, war dessen rechter Arm, der aus dem Chaos herausragte. Trotzdem schien er etwas sehen zu können, vielleicht hatte er auch nur die Schritte gehört, denn das Gewimmer verstummte abrupt, als Dormian in den Gang des Geschehens trat. Ein bisschen gereizt, wohl nur allzu gut verständlich, antwortete er nicht auf die erste Frage des Zauberlehrlings. Für eine Erklärung, wie es zu dem ganzen gekommen war, blieb auch noch später Zeit. „Bitte hol Hilfe. Ich habe keine Lust unter einem Berg aus Büchern zerquetscht werden.“
Doch anstatt zu gehen und einen erfahrenen Magier oder mehrere kräftige Helfer zu holen, räumte Dormian einige Bücher zur Seite, wodurch das bleiche Gesicht des Rothaarigen zum Vorschein kam. Auch seinen Arm konnte er nun frei Bewegen, was aber anscheinend nicht besonders nützlich war. Noch immer lastete das gewaltige Gewicht auf seinem Brustkorb und wohl auch auf seinen Beinen, denn er schaffte es trotz seiner Bemühungen nicht einmal, sich auf den Bauch zu drehen. Zumindest atmete er inzwischen wieder etwas ruhiger. Ein Buchdeckel hatte ihm einen breiten, roten Abdruck ins Gesicht gezaubert und aus seiner Nase lief ein kleiner Blutrinnsal. Ob er noch schwerer verletzt war, blieb abzuwarten. „Was hast du denn vor?“ Seine Stimme wurde ein bisschen schwächer und zittrig. Anscheinend fiel es ihm sehr, sich vorzustellen was ein einzelner Mann gegen sein „Problemchen“ tun konnte.
Das Dormian mit bloßer Muskelkraft an dieser Stelle nichts ausrichten konnte, war ihm klar, doch wozu war er ein Magier? Nachdem er sich kurz gesammelt hatte und im Kopf verschiedene Zauberformel mit den dazugehörigen Gesten durchgegangen war, begann er seine magischen Kräfte zu sammeln. Sein Zauber gelang. Obwohl die Halle mit Marmorplatten ausgelegt war, schaffte er es, zwei dünne, aber stabile Erdsäulen aus dem Boden brechen zu lassen. Das dabei zwei der teuren Bodenplatten zu Bruch gingen, viel dabei bestimmt nicht sonderlich ins Gewicht, es waren nur Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn man in naher Zukunft die Unordnung beseitigen würde, wäre eine Grundsanierung des Fußbodens unausweichlich. Die beiden Pfeiler drückten das Gestell nach oben. Es kostete den jungen Magier allerdings viel Energie, den Zauber aufrecht zu halten. Einzelne Schweißperlen liefen an seiner Stirn hinunter.
Der verunglückte nutzte die Gunst sofort und robbte mit letzter Kraft unter seinem Gefängnis hervor. Kurz danach zerbröckelte Dormians gewebter Zauber in sich selbst, mit einem weiteren, lauten Krachen viel das Holz zurück und zerbarst diesmal vollends. Mit wackligen Beinen erhob sich der andere Magier und strich sich mit beiden Händen über die zerzauste Robe, deren Hüfte ein breiter Riss zierte. Es schien so, als wäre er ansonsten unverletzt. „Ich danke dir vielmals. Wer weiß was passiert wäre, wenn du nicht da gewesen wärst.“ Leicht ächzend bückte er sich nach seinem Barett. Die schöne Zierfeder war in der Mitte durchgebrochen. Achtlos zupfte er sie ab und steckte sie in die Tasche, dann erst betrachtete er seinen Retter zum ersten mal genauer. „Aber ich kenn dich doch!,“ meinte er dann ein wenig verdutzt, „Du bist doch derjenige, der nach den heiligen Schriftrollen der Magie sucht, nicht wahr? Ich hab dich schon öfters hier in der Bibliothek gesehen.“
Ja das stimmte. Nun da er es gesagt hatte, fiel es Dormian auch wieder ein, woher er den Magier kannte, der wohl nicht viel älter war als er selbst. Bei seinen ewig langen Aufenthalten in der Bibliothek hatte er den rothaarigen Magier schon das eine oder andere Mal gesehen, aber nie ein Wort mit ihm gewechselt. Für gewöhnlich hatte er sich in den Abteilungen über Linguistik und Sprachwissenschaften aufgehalten, in denen Dormian aber nicht viel Zeit verbracht hatte.
„Rufus von Weißenstein,“ stellte der Magier sich nun vor und vollführte eine tiefe Verbeugung vor seinem Lebensretter. „Ich stehe wirklich in deiner Schuld. Sollte ich jemals etwas für dich tun können, so sag es mir!“ Dann warf er einen Blick über die Schulter auf das Chaos, dass er wohl verursacht hatte und sackte ein wenig in sich zusammen. Bestimmt dachte er grade daran, dass er diese Unordnung wieder beseitigen musste ...
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Sonntag 6. Februar 2011, 21:44

Jetzt, wo dieser Rufus es erwähnte, fiel Dormian wirklich auf, dass er ihn schon ein oder zweimal gesehen hatte. Doch das war in Bereichen gewesen, die ihm auf seiner Suche nie wirklich weitergeholfen hatten.
"Nichts zu danken, Rufus. Es war eine Selbstverständlichkeit", milderte der junge Erdmagier seine Tat ab und nickte ihm lächelnd zu. Es war nicht seine Art, Lob und Ruhm einzuheimsen, geschweige denn auf diesem herumzureiten. Er half gerne und wo er konnte. Hoffentlich würde seine Macht eines Tages groß genug sein, um das zu vollbringen, was er sich wünschte. Zu helfen, seiner Ruhe und Einstellung treu zu bleiben.
"Nun ja, Hilfe kann ich immer gebrauchen. Du hast es selbst gesagt, ich suche schon lange nach irgendwelchen Hinweisen. Aber freiwillig offenbaren die Bücher mir ihr Wissen leider nicht. Der Urgeist scheint mich ärgern zu wollen indem er..."
Dormian stockte und die Steintafel aus dem Schriftrollenladen kam ihm in den Sinn. Hatte sich dieser Weißenstein nicht meistens in der Abteilung für Sprachwissenschaften herumgetrieben? Einen Versuch war es jedenfalls wert.
"Ich glaube, ihr... du könntest mir wirklich helfen", sprach der Student und holte die Steintafel aus seiner Manteltasche hervor.
"Als ich einen Zauber wob, um die Erde zu befragen, sandte mir der Urgeist diese Runen. Ich kann sie leider nicht entziffern, aber vielleicht kennst du dich besser damit aus? Es würde mir bestimmt sehr weiterhelfen und deine Schuld wäre damit mehr als nur beglichen, glaub mir!"
Endlich ein Funken Hoffnung am Horizont! Dieser Rufus war, sodenn er die Runen wirklich entziffern konnte, ein Wink Feylins selbst. Der Gott des Wissens schien endlich den Stein seines Großvaters ins Rollen gebracht zu haben, der den Weg zu mehr Wissen ebnen könnte. Und Dormian gedachte, diese Gelegenheit nicht auszulassen.

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Gestalt » Dienstag 8. Februar 2011, 17:20

Im ersten Moment schien Rufus tatsächlich ein wenig enttäuscht darüber sein, dass Dormian seine Rettungsaktion als Selbstverständlichkeit abschwächte. Ohne etwas zu antworten drehte er sich zu der entstandenen Unordnung um und ging in die Knie. Auf allen vieren wanderte er durch die Ebene aus Bücher und Schriftrollen, immer wieder einzelne Pergamentseiten auflesend. Seine Arbeit schien wohl ein wenig „Verstreut“ worden zu sein. Als sein Retter meinte, dass er immer Hilfe gebrauchen könnte, blickte der Rotschopf kurz auf, doch noch immer schien es so, als wäre das nichts, was er sich als Widergutmachung vorgestellt hatte. Das wohl auch ein wenig verständlich, denn wie Dankbar Rufus auch war, die Vorstellung Tage, wenn nicht sogar Wochen lang nur nach passenden Büchern zu suchen, war kein besonders angenehmer Gedanke. Beide Arme voll beladen mit engbeschriebenen Papieren, erhob er sich und blickte Hoffnungsvoll zu seinem Gegenüber. Diesem schien plötzlich doch etwas eingefallen zu sein. Einen Weg, in dem er die besonderen Fähigkeiten des Magiers einsetzten konnte! Etwas zögerlich kramte er in seiner Tasche und zog die Steintafel mit den Unverständlichen Symbolen heraus, um sie Rufus zu zeigen. Nachdenklich versuchte dieser sich am Kopf zu kratzen, als er die seltsamen Symbole sah. Dabei fielen eine Menge der Papiere wieder zurück auf den Boden. ”Nein …,” meinte der Sprachwissenschaftler nach einer Weile und man sah ihm an, dass er darüber nicht besonders Glücklich schien. ”Nein, ich fürchte ich kann dir damit nicht Helfen. Du sagst das Urgeist dir dies sandte? DER Urgeist? Dann ist es vielleicht die Sprache der Götter, die kein Sterb ...“
Mitten im Satz brach der junge Mann ab. Er hatte den Kopf grade ein wenig schräg gelegt und schien mit einem mal ganz in Gedanken versunken. Das restliche Papier viel ihm aus dem Haltegriff, als er die rechte Hand ausstreckte um nach der Tafel zu greifen. Eine tiefe Spalte trat zwischen seinen Augenbrauen hervor, als er die kleine Steinplatte langsam um 90° drehte. Die Runen waren nun nicht mehr in wagerechten Zeilen angeordnet, sondern verlieren in senkrechten spalten. Noch einmal kratzte er sich am Schädel und richtete sein Stirnband wieder ein wenig. Na da hast du ja was gefunden. Endlich schien er aus seiner Trance erwacht zu sein. Trotzdem schien sein Blick weiterhin etwas stumpf und abwesend. Oder waren die grauen Augen schon vorher so leblos gewesen? Dormian konnte es nicht genau sagen. Rufus machte auf dem Absatz kehrt und lief die Regalreihen entlang, bock um eine Ecke und kam vor einem anderen Bücherregal zum stehen. Er musste nicht lange suchen, bis er das Nachschlagewerk fand, nach dem er Ausschau hielt in der obersten Reihe. Einen Moment lang hob er beide Hände, als wolle er einen Zauber wirken, besann sich jedoch eines besseren. Das Fiasko von grade war ihm wohl noch Lebhaft im Gedächtnis. Kurzerhand erklomm er das Schwere Büchergestell und kletterte zu den unerreichbaren Reihen hoch. Die Steintafel hatte er vorsichtshalber auf einem der Stehpulte vor dem Regal liegen lassen. Mit seiner Beute, einem uralt anmaßendem, dunkelbraunen Folianten, machte er sich auf den Rückweg. Das dicke Buch legte er ebenfalls auf die Schräge Fläche des Pultes, die Tafel legte er oben auf um beides gleichzeitig betrachten zu können. Rasch durchblätterte die trockenen und brüchigen Seiten. Endlich schien er gefunden zu haben was er wollte. Auf der Suche nach einem Stift klopfte er seine zerschlissene Robe ab, dann öffnete er den Mund, klappte ihn aber wieder zu. ”Verzeih mir, aber ich kenne deinen Namen gar nicht. Aber ich glaube ich kann dir helfen.“ Geduldig wartete Rufus, bis Dormian genau hinter ihm stand. Deine Tafel ist in einem Terkin-Dialekt verfasst, den es seit bestimmt 150 Jahren nicht mehr gibt. Alte ausgestorbene Trollsprache. Passt doch perfekt zu Urgeist! Aber ich denke ich kann dir das übersetzten, wenn du Papier und Stift zur hand hast!“
Dem aufgeregten Gesicht konnte man ablesen, dass er nicht nur darüber Glücklich war, seinem Retter zu Helfen und das Geheimnis der Sprache entziffert zu haben. Nein, er freute sich auf eine Herausforderung, wie man sie als Schriftgelehrter wohl selten in die Finger bekam!
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Mittwoch 9. Februar 2011, 15:02

Die Enttäuschung Dormians fiel dementsprechend groß aus, als Rufus ihm zunächst sagte, er könne ihm nicht weiterhelfen. Wieso nur warf man ihm immer Steine in den Weg? Er war ein Student wie jeder andere an dieser Universität, wollte sein Wissen und seine Macht vergrößern. Aber wie sollte das funktionieren, wenn er verflucht noch einmal nicht weiterkam?! Doch dann stockte sein Gegenüber und eilte wie von der Tarantel gestochen zu einer bestimmten Regalreihe huschte und ihm, offenbar nach etwas Bestimmten suchend, offenbarte, vielleicht doch helfen zu können. Ein Licht ging in dem jungen Erdmagier auf und ein erleichtertes Lächeln trat auf seine Züge.
"Du weißt gar nicht, wie sehr es mich freut, das zu hören. Ach, und nenn mich einfach Dormian. Dormian Arboris. Wie willst du mir denn helfen?", fragte er neugierig, worauf von Weißenstein etwas über einen Terkin-Dialekt offenbarte. Das machte Sinn, da es sich um die Trollsprache handelte. Wenn auf dieser Steintafel wirklich Informationen über die Erdschriftrolle gab, dann verstand Dormian nun, wieso er nie etwas gefunden hatte. Die Trolle waren ja bekanntlich in Zyranus als primitiv und unwürdig verschrien. Wer würde da schon die Niederschrift mächtiger Zauber vermuten?
"Stift und Papier? Ähm, kein Problem, kleinen Moment...", antwortete der Magier und griff in seine Manteltasche. Eine Feder trug er immer bei sich, das dazugehörige Tintenfaß war in einer gefütterten Innentasche ebenfalls bestens aufgehoben. Und Pergament holte er sich rasch aus einem dafür vorgesehenen Regal, wo mehrere lehre Schriftrollen lagen. Ein Pergament schnappte er sich rasch und kehrte zu Rufus zurück. Beides überreichte der Student seinem Kollegen, jetzt schon etwas ungeduldig und hibbelig. Das konnte womöglich ein riesiger Schritt auf sein Ziel zu sein.
"Kein Wunder, dass ich nichts gefunden habe. Wer schreibt hier schon viel über Trolle, außer über ihre Dummheit und Grausamkeiten?"

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 9. Februar 2011, 15:47

Breit lächelnd nahm der Magier Papier, Feder und Tinte von seinem Zunftbruder in empfang und nickte ihm dankend zu. Dann machte er sich auch schon an die Arbeit. Die Feder tauchte immer wieder ins Tintenfass, notierte einige Worte, Strich oft aber das grade geschriebene sofort wieder durch. Seine Hände wirbelten nur so über die Seiten, blätterten in extrem rascher Reihenfolge auf und ab. Dormian lehnte sich über die Schulter des Schreibenden und versuchte etwas von dem zu entziffern, dass Rufus da aufs Papier brachte, musste aber relativ schnell resignieren. Die Handschrift des rothaarigen Mannes, wenn man dieses Gekrakel denn überhaupt so nennen konnte, war schlichtweg nicht zu entziffern, so spitz, dünn und geschwungen waren die Buchstaben. Eigentlich schön anzusehen, aber verstehen konnte man da nicht viel. Außerdem fiel Dormian auf, dass es nicht ganz angenehm war, so nah an seinem Magierkollegen zu stehen. Von ihm ging ein schwacher, dafür aber intensiver, süßlicher Geruch aus. Wahrscheinlich war ihm das eigene Duftwasser vergoren und er hatte es nicht bemerkt.
“Das liegt wohl daran, dass man über die Dummheiten und Grausamkeiten von Menschen viel mehr schreiben kann.“ Mit einem genervten stöhnen strich Rufus die letzten drei Zeilen durch und drehte das Pergament um. Auf der Rückseite schrieb er noch einmal den Text auf, den er bereits übersetzten konnte, dann warf er sich wieder in seine Lektüre. Er schnalzte mit der Zunge und notierte dann ein paar weitere Wörter. ”Das Problem ist, dass man diese Runen nur im Zusammenhang mit den folgenden übersetzen kann. Jedes Zeichen hat an die hundert Deutungen.”
Mit der noch feuchten Federspitze kratzte sich der Schriftgelehrte am Kopf und hinterlies auf seinem braunen Stirnband einen schwarzen Strich, der sich langsam ausbreitete. Er runzelte leicht die Stirn und beendete seine Übersetzung. Es ging relativ schnell, denn keiner der beiden Erdmagier bemerkte, wie die zeit verging. Rufus hatte bestimmt eine Stunde für die paar Zeilen gebraucht, die er nun nachdenklich ansah. Anscheinend wollte sich ihm nicht unbedingt der Sinn des ganzen ergeben. Fahrig und ohne es richtig zu bemerken, wischte er seine tintenverschmierten Finger an seiner ohnehin schon versauten Robe ab, unterstrich seine erste Übersetzung und tauchte die Feder erneut in die Tinte. Er schrieb seinen ersten Entwurf noch einmal ins Reine, so dass er auch für Dormian lesbar war und reichte das Pergament an diesen weiter. ”Das müsste es eigentlich sein ... aber ich bin kein Freund von Rätseln.” Neugierig überflog Dormian die Nachricht, wobei er sich mit den geschwungenen, altertümlich anmutenden Buchstaben noch immer etwas schwer tat.
Dem Finder gehört’s, der Finder behält’s
Über’s Leben hinaus und in die Vergessenheit hinein
Ruht über dem Herz, des letzten Finders
Im ewigen Griff, bis der neue Finder es nimmt
Tief im Herzen der Stätte gewoben mit der Ahnen Geist.
Wartend hinter dem Tor aus Stein
Wartend im Herz der Vergangenen unter dem Herz des Kommenden
Während Dormian die Nachricht, die wohl nicht viel aufschlussreicher war als das Runenwirrwarr, stumm las, sprach Rufus mit seiner tragenden, musikalischen Stimme laut aus. Aber auf den jungen Arboris wirkte sich das nicht störend aus, sondern unterstrich den mystischen Moment. Als das letzte Wort aus seinem Mund verstummte, zuckte der Schreiber mit den Achseln und legte einen entschuldigenden Gehsuchtsausdruck auf. ”Ich denke nicht dass ich einen Fehler bei der Übersetzung gemacht habe, obgleich es natürlich möglich wäre. Also ich verstehe nur sehr wenig davon. Aber mit „der Ahnen Geist“ meinen Trolle für gewöhnlich Magie ...”
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Mittwoch 9. Februar 2011, 17:23

Dormian bewies einmal mehr, wofür er und sein Haus standen: unerschütterliche Ruhe und Geduld. Über eine Stunde kritzelte Rufus nun schon auf dem Pergament herum, strich durch, ersetzte ganze Zeilen und schien zunächst nicht wirklich Fortschritte zu machen. Doch der jüngste Sohn der Arboris rührte sich nicht, verschränkte lediglich die Arme vor der Brust und lehnte sich gegen das Bücherregal. Neben ihm befand sich wie gewohnt sein von ihm wie sein Augapfel gehüteter Stab. Er hatte es bald aufgegeben, die Zeichen selbst enträtseln zu wollen und ließ es gänzlich, als Rufus von mindestens hundert Deutungen pro Zeichen sprach. Dann, nach einer kleinen Ewigkeit endlich, offenbarte der etwas unordentliche Student die Wörter, die er hatte entziffern können.
"Das soll nicht mein Problem sein", kommentierte Dormian die Worte von Rufus, dessen Stärke wohl nicht unbedingt in Rätseln lag.
"Ich liebe es, Geheimnisse zu lüften. Mein Vater hat mir oft die seltsamsten Sprüche und Spielaufgaben gestellt, in denen man immer sein Gehirn benutzen musste, statt seine Muskeln. Vielen Dank, Rufus. Du hast mir sehr geholfen, das vergesse ich dir nicht. Mal sehen, was wir hier haben..."

Dormian las Wort für Wort so oft die übersetzten Verse durch, bis er sie auswendig konnte.
"Hm... dann wollen wir mal... Dem Finder gehört´s, der Finder behält´s... Über´s Leben hinaus und in die Vergessenheit hinein... das könnte bedeuten, dass wenn es sich um einen bestimmten Gegenstand handelt, der Finder ihn bis in seinen Tod hinein und länger behält... womöglich liegt der Fund der Schriftrolle, wenn es denn dieser Gegenstand ist, schon lange Zeit zurück..."
Der junge Erdmagier las weiter.
"Die nächsten zwei Zeilen mit dem Herzen und dem ewigen Griff... vermutlich befindet sich, wenn man die ersten Zeilen bedenkt, die Schriftrolle oder was auch immer dort, wo der Leichnam des alten Besitzers ruht... und das solange, bis jemand, im Glücksfall ich, es sich wieder nimmt... Die vorletzten zwei Zeilen geben vermutlich Aufschluss darüber, wo das sein könnte.... Stätte... gewoben und Tor aus Stein... das klingt danach, als sei das ein Grab oder ein Mausoleum irgendwo in einem Berg... wo du etwas von Trollen gesagt hast... kann es sein, dass die Schriftrolle im Reich der Trolle liegt?"
Dormian sah auf und betrachtete sein Gegenüber.
"Ha... das erklärt, wieso man niemals etwas über den Fundort der Schriftrolle herausgefunden hat. Wenn sie tatsächlich im Besitz der Trolle ist, kann sie nur vom Hohen Rat übersehen worden sein. Wer würde schon Unterhändler zu Trollen schicken? Nun ja... Wartend im Herz der Vergangenen... unter dem Herz des Kommenden. Also wirklich ein Grab... und wenn man es wörtlich nimmt, irgendwo tief unter der Erde... puh... Unter der Erde ist groß, wo soll ich da nur anfangen, wenn es um die Suche nach Trollen geht?", fragte Dormian ein wenig verwirrt und überlegte gründlich.
"Vielen Dank, Rufus. Endlich habe ich einen großen Schritt weiter gemacht, und das nur dank dir. Wenn ich dir auch irgendwann einmal helfen kann, dann nur raus damit. Es wird mir eine Freude sein!"

Jetzt stellte sich ihm nur noch die Frage, welche Trolle wohl gemeint sein mochten. Sein erster Gedanke war das Drachengebirge oder die Gegend um Andunie herum gewesen. Doch tief genug unter der Erde, damit man ein Grab oder ähnliche Orte bauen konnte, sofern er wirklich einem suchen musste, konnte auf die Zwergtrolle deuten. Die lebten allerdings seines Wissens nach in ganz Celcia tief unter den Füßen der Oberflächler. Es musste doch irgendeinen anderen Anhaltspunkt geben!
"Hm... ich frage mich, welche Trollart gemeint ist und wo es einen Eingang in Zwergtrollgebiete geben könnte. Ich glaube nämlich, ich muss nach den kleinen Vertretern der Barbaren suchen", grübelte Dormian nachdenklich und sah etwas ratlos zu Rufus von Weißenstein.

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 10. Februar 2011, 14:54

Die großen Augen und das ungläubige, schiefe Lächeln sprachen wohl Bände für sich. Auch Wenn Rufus von sich selbst behauptet hatte, er würde sich nicht gut auf Rätselreime und dergleichen verstehen, so schien es doch eindeutig, dass er etwas ganz anderes interpretiert hatte. Der rothaarige Magier ging ein paar Schritt nach hinten und setzte sich auf die breite Ablage eines Regals. Dass diese Flächen, die sich vor jedem Büchergestell erhoben eigentlich nicht zum Sitzen gedacht waren, schien ihn nicht sonderlich zu interessieren. ”Na ja, nichts zu danken Schätze ich.” Rufus sprach ziemlich langsam, so als wäre er gedanklich nicht anwesend. Tatsächlich schienen die kleinen Rädchen hinter seiner Stirn extrem heftig zu arbeiten und zu rotieren.
Nach einigen Sekunden räusperte sich Rufus leise und verschränkte die Arme vor seiner Brust, ganz ähnlich der Haltung, die Dormian eben noch selbst eingenommen hatte. Als er zu sprechen ansetzte, schloss er gleichzeitig die Augen. Ein weiteres mal entstand zwischen seinen Augen eine tiefe Falte und er runzelte die Stirn leicht.
”Um ehrlich zu sein bin ich ein wenig über deine Definition überrascht. Wie ich bereits sagte, Rätseln tue ich nicht gerne, ich bin jemand, der feste Tatsachen bevorzugt. Aber ... wenn es dir nichts ausmacht, würde ich dir gerne die Probleme offenbaren, die ich persönlich mit deiner Deutung habe ...”
Mit einem Ruck stieß er sich wieder von seiner improvisierten Sitzgelegenheit auf und breitete die Arme aus. Ein Sinnbild um zu verdeutlichen dass es kein Angriff gegen den jungen Arboris plante, sondern als Freund ein paar offene Worte aussprechen wollte.
“Auch wenn es in sich alles ganz schlüssig klingt ... es gibt eine Zeile, die gegen die Trolle spricht. Nein, eigentlich sogar zwei: Zum einen wäre da „Stätte gewoben mit der Ahnen Geist.“ Trolle haben kein Wort für Magie, im Grunde heißt der Satz richtig, Stätte gewoben aus Magie. Nun ja ... und Trolle benutzen keine Magie um Bauwerke, Städte oder Höhlen zu errichten. Wenn dann erarbeiten sie sich alles mit Werkzeug und Muskelkraft. Und überhaupt, Trolle besitzen keine Grabkammern, Mausoleen oder Friedhöfe. Soweit ich weiß übergeben sie ihre Toten dem Feuer ...“
Ja, das waren leider zwei handfeste Argumente, die gegen Dormians Interpretation sprachen. Im Grunde hatte Rufus dabei gar keine eigene Deutung versucht, sondern nur die seines Kollegen auf die Wagschale gelegt. Noch immer wirkte er sehr nachdenklich und auch ein wenig enttäuscht, dass er mit gnadenlosen Fakten die, eigentlich geniale, Idee seines neuen Freundes zunichte machen musste.
”Aber in einigen Punkten stimme ich auch mit dir überein. Ich verstehe es nämlich auch so, dass, was immer in diesen seltsamen Worten beschrieben wird, im Besitz eines toten ist, dass dieser in einer Grabkammer oder ähnlichen ruht und diese wiederum von einem steinernen Tor beschützt wird. Tor aus Stein. Tor aus Erde …” Er wiederholte seine letzten Worte, schüttelte aber den Kopf leicht, so als wäre seine Idee absolut widerspenstig und es nicht wert, ihr weiter nachzugehen. ”Was mich am meisten verwundert sind die ersten beiden Zeilen. Ich hätte ja gedacht, dass mit dem „Finder“ der besitzer dieser Steintafel gemeint ist, eben derjenige, der die Schriftrolle findet. Aber dann passt der Rest nicht mehr. Also bedeutet das nicht ...” Rufus druckste ein wenig herum und hob schließlich ein wenig entschuldigend wieder die Arme. ”Was ist wenn bereits jemand die Schriftrolle gefunden hat und sie einfach für sich behalten hat bis er starb?”
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Donnerstag 10. Februar 2011, 16:19

"Hmm... stimmt", murmelte Dormian nachdenklich und strich sich mit der rechten Hand über die Stoppeln seines Kinns, die er gedachte dort stehen zu lassen. Der Ausdruck von Alter und Erfahrung gefiel ihm und richtig platziert konnte ein Bart dem einen guten Anstoß geben.
"Mein Vater hat mir aber einmal erzählt, dass Trolle durchaus Magie benutzen können. Zufällig und logischerweise Erdmagie. Das ist eine durchaus nützliche Macht, um Räume oder, nur so zum Beispiel, Tunnel und Gänge ohne großen Kraftaufwand in das Fleisch Celcias zu graben. Deshalb klingen Zwergtrolle als recht versprechende Lösung aber... hm... und vielleicht ist es ja gar kein Grab, sondern nur eine Kammer, wo Tote aufbewahrt werden... und was das mit dem Finder angeht... im Prinzip bleibt das das Gleiche, die Schriftrolle befindet sich im Besitz eines Finders, der heute mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr unter den Lebenden weilt."
Dormian sah zu Rufus und suchte Blickkontakt. Die Worte seines Helfers machten alle Sinn, doch welche Lösung bot sich ihm dann noch? Wenn die Trolle ausfielen, dann musste es an einem anderen Ort oder bei einem anderen Volk sein. Der Erdmagier hob den Kopf und sah sich in seinem Blickfeld um. Wieder keine wirklichen Hinweise, bis er ein Buch entdeckte, auf dessen Rücken eine Axt gemalt worden war.

Überlegend zog der Bursche die Augenbrauen zusammen.
"Was wäre mit den Zwergen? Sie sind zwar ein hauptsächlich kriegerisches Volk, doch ihre Priester sollen in der Lage sein, Magie zu wirken. Zwar hauptsächlich Runenmagie, aber durch die Verbundenheit zur Erde, dem Urgeist und Brocknar selbst wäre es doch möglich, dass einige von ihnen Erdmagie beherrschten? Wenn dem so ist, würden die Zeilen doch wieder Sinn ergeben. Ihr Volk soll ja die gigantischsten Hallen und Städte aus dem Stein heraus geschaffen haben. Und sie ehren laut meinem Vater ihre Ahnen und Verstorbenen wie kein anderes Volk. Der ideale Grundstein für Grabmäler, Grüfte und Mausoleen. Wenn sie neben ihren Schätzen auch Wissen über die Vergangenheit horten, vielleicht besitzen sie ja Aufzeichnungen über den Verbleib der Schriftrolle? Sollte es wirklich Erdmagier unter ihnen gegeben haben, dann werden das sicher nicht viele gewesen sein. Und wenn die erst einmal gestorben sind, verliert die Schriftrolle ihre Bedeutung und wird mit dem letzten Magier, der sie besaß, in ein Grab geschlossen worden sein. Wie findest du das?", fragte Dormian und sah wieder zu Rufus. Er würde dieses Rätsel lösen und anschließend aufbrechen. Und wenn er vor den Hohen Rat persönlich treten musste. Er würde Zyranus verlassen. Und wenn nötig, auch ohne Genehmigung.

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 10. Februar 2011, 21:30

Rufus faltete beide Hände hinter seinem Rücken und drückte das Kreuz durch. Stumm und den perfekten, aufmerksamen Zuhörer mimend, lauschte er dem neuerlichen Versuch von Dormian, die Rätselsprüche in eine plausible Botschaft zu ordnen. Auch wenn er einen freundlichen und interessierten Eindruck machte, so trübten seine regungslosen Augen das Gesamtbild doch ein wenig. Inzwischen konnte sich Dormian wohl daran gewöhnt haben, denn bisher hatte Rufus’ Blick stets etwas abwesendes. Doch dieses Mal wirkte es ein wenig anders, blieb aber schwer zu deuten. Irgendwie ... gelangweilt? Nein das war das falsche Wort. Gequält? Auch das passte nicht richtig. Aber sicher konnte Dormian sich ohnehin nicht sein. Immerhin versuchte der Rotschopf nur zu helfen, dass er auch nach der Übersetzung der Schrifttafel weiter blieb und versuchte bei einer Enträtselung beizutragen, war schlichtweg ein netter Zug, da sollte man nicht undankbar sein. Vor allem wenn man beachtete, dass Dormian bisher wohl noch keiner heißeren Spur nachgegangen war.
”Ich weiß nicht, vielleicht ist meine Welt einfach zu klein, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass du viel zu kompliziert denkst.” Unvermittelt stand Rufus neben Dormian, packte diesen bei der Schulter und zerrte ihn mit sanfter Gewalt durch die Bibliothek. Vorher schnappte er sich jedoch den Kerzenständer, der ihm bei seiner Übersetzungsarbeit Licht gespendet hatte. Die Strecke, die sie dieses mal zurücklegte, war weitaus länger als zuvor. Sie verließen den Bereich der verschiedenen celcilianischen Sprachen, passierten die Abteilung über Lebewesen und Städte. Ihr Weg führte die beiden weit weg von den Schriften über Magie und deren theoretischen und praktischen Nutzen und letztlich in den abgelegensten Teil der großen Halle. Hier lagerten nur Dokument über die Geschichte der Heimatstadt, im Grunde war es nichts anderes als ein Archiv, dass nur selten Benutz wurde. Kaum eine Hand voll Magister interessierten sich noch für die alten Baupläne und archivierten Geschehnisse. Das wissenswerte über Zyranus fand man für gewöhnlich in den Geschichtsbüchern, da brauchte man sich nicht großartig mit dem unübersichtlichen Papierkram kümmern. Tatsächlich gab es hier fast nur Regalreihen, in denen Schriftrollen aufbewahrt wurden. Folianten und Bücher gab es hier eher weniger, einmal abgesehen von den Schmökern der Gerichtsdiener vielleicht, die ebenfalls hier gelagert wurden.
“Du kennst doch bestimmt das große Plattenmosaik, dass den Boden in der alten Versammlungshalle der Universität bedeckt oder? Vor ein paar Wochen habe ich dort unten geübt und ... nun ja ein kleines Malheur verursacht.“ Endlich entlies er Dormian aus seinem Klammergriff und zuckte peinlich berührt mit den Schultern. ”Die Kurzversion ist, dass ich den Großteil davon Kaputt gemacht habe. Und zur Strafe musste ich es Stück für Stück wieder zusammensetzten. Verdammt schwere Arbeit, wenn man keinen Plan für diese blöden kleinen Scheiben hat. Darum habe ich hier nach den Bauplänen gesucht. Hat übrigens zwei Tage gedauert bis ich fündig geworden bin.”
Anscheinend bemerkte Rufus das er vom eigentlichen Thema abzuweichen drohte, denn er schüttelte leicht das Haupt und wandte sich zu einer der Lagerstätten mit den aufgerollten Pergamenten. Einigermaßen unbeholfen fischte er eine Rolle nach der anderen heraus, entrollte diese und warf sie dann nach einem kurzen Blick wieder weg. ”Ich such eine, die zum teil eingerissen ist,“ erklärte er kurz sein Tun, ehe er mit der Geschichte fortfuhr. ”Na ja, auf jeden Fall ist mir da etwas in die Hände geraten. Ich meine, ich bin mir nicht sicher ob es stimmt, aber mir kam diese Abwandlung Tor der Erde, anstatt Tor aus Stein. Und theoretisch ist beides möglich. wirklich verdammt bekannt vor ...”
Er geriet wieder ins schweigen und suchte weiter. Dabei lies er Dormian wohl einigermaßen im Unklaren, dem sich die Worte von Rufus nicht unbedingt sofort erschließen, ebenso wenig, wie ihr Aufenthalt hier. Endlich schien er fündig geworden zu sein, den Rufus hatte auf einmal eine Pergamentrolle, deren unter Teil zu fehlen schien. Er räusperte sich leise und begann laut grinsend vorzulesen.
”Also hier, dass war es was ich meinte. Das Datum ist nicht mehr zu erkennen, aber dieser Bericht dürfte wohl so an die tausend Jahre alt sein. Aaaalso: ‚Die Arbeiten am vierten Tor bleiben schleppend. Der Gang macht immer wieder Schwierigkeiten, stürzte zum dritten mal ein. Wir verschieben die Fertigstellung des Tors der Erde daher um einen weiteren Mondzyklus. Bis dahin beschäftigen wir uns mit dem neunten Tor. Auch das Tor des Lichtes’ ... na ja und da hört es auf. Alles davor ist uninteressant, nur Zahlen und eine Auflistung von Baumaterialien, die Namen von Runenschmieden.“
Mit einem mal hörte Rufus auf zu lächeln und wurde stockernst. ”Wie gesagt, was ist wenn bereits jemand die Schriftrolle gefunden hat? Was wenn sie bereits hier ist!?”
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Freitag 11. Februar 2011, 14:21

Dormian kam sich, angesichts von Rufus´ schwindender Aufmerksamkeit und deren nachfolgender Behauptung, der Erdmagier würde zu kompliziert denken, ein wenig dumm vor. Der Student liebte es, Rätsel zu entwirren und andere knifflige Aufgaben zu lösen, sodass er allzu gerne einmal die Zeit und die Umstände vergaß. So ließ er sich in Gedanken versunken in den abgelegenen Ort der Bibliothek zerren, wo ihm von Weißenstein eine komplett andere Lösung anbot.
"Hier?!", rief Dormian erschrocken aus und ärgerte sich bereits jetzt bis ins Unermessliche. Wenn die Schriftrolle tatsächlich hier sein sollte, dann waren seine monatelangen Forschungen für die Katz!
"Aber... halt, nein.... oder doch? Das kann doch nicht sein, es wird bestimmt ein anderes Tor der Erde sein... ich meine, wenn die Schriftrolle... oder Schriftrollen sich hier befinden oder befunden haben... wieso hat der Hohe Rat sie dann nie gefunden? Wenn er es jedenfalls getan hätte, dann wäre nicht die Kunde laut geworden, dass es solche Schriftrollen gibt. Sie wollten damit die Bevölkerung aufrufen, sie zu suchen. Davon hätten sie nichts, wenn die Schriftrollen im Besitz der Höchsten sind... Aber gut... du sagtest Tor der Erde..."

Dormian verfiel wieder in Schweigsamkeit, während sein Verstand sich überschlug. Konnten die Schriftrollen hier in Zyranus sein?! Oder zumindest einige von ihnen. Der junge Erdmagier malte sich eine Halle aus, in der jede Schriftrolle einen eigenen Nebenraum besaß und von magischen Toren vor Diebstahl und Missbrauch geschützt wurde. Gar nicht so abwegig in seinen Fantasien.
"Du meinst also, sie befindet sich hier? Aber wo? Wenn sie Gang und Erde meinen und wenn die Zeilen auf der Steintafel des Urgeistes auch nur einen winzigen wahren Kern enthalten... dann muss sich das Tor irgendwo unter uns befinden. Aber wo? Du hast doch über zwei Tage lang gesucht, gibt es keine Pläne der Stadt, von unfertigen Gewölbekellern, Gängen oder Ähnlichem? Selbst eine Kanalisation könnte einen geheimen Raum oder Größeres verbergen, an solch einem Ort sucht kein Dieb nach mächtigen Artefakten. Komm schon, es muss doch etwas geben!", flehte er Rufus schon beinahe an. Die Aussicht, vielleicht genau über seinem Ziel zu stehen, ließ seine berühmte Geduld ins Wanken bringen. Doch konnte man es ihm verübeln?

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Gestalt » Samstag 12. Februar 2011, 19:30

Rufus zog einmal kräftig an dem unteren Ende des Pergaments. Der Mechanismus der Rolle aktivierte sich und zog das altertümliche Papier in das sichere Innere der Schutzhülle. Die Aufzeichnung hatte ihre Aufgabe erfüllt, mehr Geheimnisse konnte sie nicht preisgeben. Ordentlich legte der Rothaarige sie wieder an ihren Bestimmungsplatz, während Dormian sich laut Gedanken über die neuen Erkenntnisse machte. Wie nah der junge Arboris mit seiner Fantasie über eine unterirdische Halle mit magischen Toren, die in unterschiedliche Hallen führte war, konnte er noch nicht einmal erahnen. Doch bis nun war es nichts weiter als eine bloße Grübelei, denn nähere Anhaltspunkte gab es bis jetzt nicht. Da konnte auch Rufus augenscheinlich nicht helfen. Als Dormian seinen Zunftbruder fragte, ob der nicht noch irgendwelche Hinweise gefunden hätte, deutete dieser nur entschuldigend auf die unendlich vielen Schriftrollen, die sich fast bis zur gewaltigen Decke stapelten. ”Nein, ich habe sonst nichts gefunden, aber ich habe auch nicht gesucht. Das Pergament ist mir lediglich in Erinnerung geblieben, weil es eingerissen war. Ansonsten hätte ich es mir nicht näher angesehen, schließlich suchte ich nach einer Abbildung, nicht nach Textpassagen ...“ Die Entschuldigung schien Rufus wirklich ernst zu meinen und das obwohl er nicht das geringste verschuldet hatte, dass einer Vergebung bedurft hätte. Das er überhaupt etwas gefunden hatte, war ja bereits fast schon eine göttliche Fügung.
Doch vielleicht ... möglicherweise war es ja wirklich eine göttliche Fügung, dass Dormian um diese Stunde ausgerechnet auf den einen Studenten getroffen war, der nicht nur diese alten Runen übersetzen konnte, sondern auch einen – eventuell entscheidenden – Hinweis lieferte! Die Wege der Götter waren wahrlich unergründlich ...
”Dormian, hör zu: Es ist bereits sehr spät, in wenigen Stunden wird die Sonne aufgehen. Vielleicht solltest du es für heute erst mal gut lassen. Auch du brauchst deinen Schlaf!” Freundlich legte er dem jungen Magier einen Arm um die Schulter, wie es Trunkenbolde nach einer erfolgreichen Nacht gerne taten. Dormian wehrte sich nicht dagegen, dass Rufus ihn zum Ausgang bugsierte. Immerhin hatte sein neuer Freund mit seinen Worten durchaus recht, so langsam wurden ihm die Augen schwer. Ein leises Gähnen entwich dem Erdmagier. Erst jetzt bemerkte Dormian, wie Müde er tatsächlich war.
Die beiden legten dieses mal ein gemütlicheres Tempo hin und suchten sich einen Weg zum Ausgang. Die ganze zeit über herrschte Stille zwischen den beiden Magiern. Der eine dachte über das nach, was sich ihm heute alles offenbart hatte, der andere schien etwas auf dem herzen zu haben, traute sich jedoch anscheinend nicht, Arboris darauf anzusprechen.
Sie verließen die Bibliothek und errechten auch bald darauf das Haupttor der Universität. Über ihnen breitete sich der Nachthimmel aus, Sternenklar und vom Vollmond hell erleuchtet. Hier, im Licht der Sterne schienen Rufus Augen das erste mal wirklich etwas lebendiges an sich zu haben. ”Dormian … ich … nun ich weiß nicht genau, wie ich es am besten ausspreche, darum sag ich es nun frei heraus: Darf ich dich bei deiner Suche nach der Erdschriftrolle begleiten? Nur solange deine such ohnehin hier in Zyranus anhält. Weißt du, meine Arbeiten sind nicht besonders prestigehaltig und ich erfahre keine Unterstützung. Aber wenn deine Suche ein Erfolg ist und ich dir dabei geholfen habe, so wird man vielleicht endlich die Wichtigkeit meiner Forschungen!” Über seine eigene Kühnheit wohl ein wenig überrascht legte sich ein roter Schimmer auf Rufus Gesicht. Noch ehe Dormian ihm eine Antwort geben konnte, lief dieser in Richtung Statt. Dabei drehte er sich im laufen noch einmal zu Dormian um. ”Schlaf einfach mal ne Nacht drüber! Ich bin Morgen ab neun Uhr wieder genau hier!” Er winkte zum Abschied und lief im vollen Tempo gegen einen Laternenmast. Schnell rappelte er sich wieder auf und bock um die nächste Ecke.
Auch Dormian ging gemächlich nach Hause, wo er sofort in sein Bett stieg. Zuerst dachte er noch, seine Gedanken würden ihn die ganze Nacht lang wach halten. Doch kaum hatte er die Augen geschlossen, da wanderte er bereits durchs Reich der Träume.



[oot: Du kannst dir jetzt in deinem nächsten Post aussuchen, ob du dich am nächsten Morgen wieder vor der Universität einfindest, oder vielleicht erst mit deiner Familie reden möchtest. :)]
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Sonntag 13. Februar 2011, 21:14

Der Morgen graute und brachte endlich einmal keinen Schneeregen, eisige Kälte oder trübgraue Wolken mit sich. Dormian schloss die Augen und sog genießerisch die Luft ein, während er unter diesem wunderschönen Wetter sein Haus verließ und wie gewohnt Kurs auf die Universität nahm. Es hatte nicht lange gedauert, bis er gestern eingeschlafen war. Doch selbst in seinen Träumen war der Erdmagier nicht von den üblichen Grübeleien verschont geblieben, die einfach nicht aufhören wollten, ihn zu quälen. Noch dazu kam die Überlegung, was Rufus ihm wohl nützen könnte, wenn er ihn wirklich auf seine Suche mitnehmen wollte. Dieser von Weißenstein war ein komischer Kauz, wenn auch freundlich und hilfsbereit. Er schien nicht der mutigste Begleiter zu sein, auch wenn seine sprachlichen Kenntnisse durchaus von Nutzen sein konnten. Schließlich, da offensichtlich nicht wirklich Gefahren auf sie lauern würden, konnte es ja wohl kaum schaden, eine helfende Hand bei sich zu wissen.

So machte sich also Dormian auf seinen Weg durch die Straßen seiner Heimat, während sein Stab rythmisch auf das Kopfsteinpflaster schlagend von den Wänden der Gassen widerhallte. So kam er schließlich beim Haupttor an und ein letztes hölzernes Klacken begleitete den letzten Schritt des Arboris, der die Augen nach oben gerichtet hielt und durch die hellen Sonnenstrahlen blinzeln musste.
"Ein neuer Tag, Feylin... mögen du und dein Großvater meine Weg mit Wissen auslegen und die Luft mit Erfahrung erfüllen", murmelte Dormian ruhig und beendete seine kleine Andacht zu den Göttern, die ihm wichtig waren, indem er seine rechte Handfläche kurz auf den Boden legte und die Augen schloss. Damit fertig lehnte sich der Student an die Mauer neben dem Tor und ließ seinen Blick die vorbeiziehende Straße auf und ab wandern. Er besaß zwar keine Uhr, doch die neunte Stunde schien jeden Augenblick zu schlagen. Ob sein neuer Freund etwas von Pünktlichkeit hielt? Offensichtlich schien es sein frühes Erscheinen gewesen zu sein, denn vorerst zeigte sich Rufus nicht. Um sich die Zeit ein wenig zu vertreiben, lehnte Dormian seinen Stab an die Mauer, streckte seine Rechte erneut aus und spreizte die Finger. Jeden Tag, ob sinnvoll oder nicht, benutzte der Schüler seine Magie, um unter keinen Umständen einzurosten. Es waren meist simple Spielereien, doch sie halfen ihm, dass sein Körper sich an die Macht der Erde gewöhnte und sich ihm öffnete, um noch mehr Energie freisetzen zu können. Irgendwann.
"Rätsel", murmelte Dormian befehlend, und aus dem Boden tat sich eine Art Schlange hervor, die aus Erde bestand und sich weit genug nach oben räkelte, um in seine Handfläche zu passen. Anschließend wand sie sich um sein Handgelenk, kringelte sich auf seiner gen Himmel gestreckten Handfläche zusammen und verformte sich, bis ein brauner Klumpen von der Größe einer Menschenfaust entstanden war. Kurz darauf formte sich eine Art Würfel, der verschiedene Runen und Symbole aufwies, die auf jeder Seite einen Baumnamen aufwiesen. Um das Ganze ein wenig kniffliger zu machen, erdachte er sich immer wieder neue Kombinationen und musste anschließend die einzelnen Fragmente, aus denen der Würfel bestand, richtig zusammensetzen. Das dauerte immer meist nicht sehr lange und nur sehr selten stellte sich der magier so knifflige Rätsel, dass seine Kraft nicht ausreichte, den Würfel die Dauer seiner Überlegungen zu verändern. Doch auch dieses Rätsel konnte gelöst werden und triumphierend aufschnaufend ließ Dormian den Quader in sich zusammenfallen, klopfte sich den Dreck von den Händen und wischte sich den Staub von der Stirn. Nun durfte Rufus aber langsam auftauchen!

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Erzähler » Montag 14. Februar 2011, 22:03

Ein paar kleine Fingerübungen am Morgen, entspannen und verscheuchen die Sorgen. So oder so ähnlich hielt es auch Dormian, der sich die Zeit des Wartens mit einem kleinen Knobelzauber vertrieb. Wie viel zu früh er dran war, schien ihm nicht bewusst zu sein. Dafür, dass er erst gegen zwei Uhr morgens ins Bett gekommen und bereits um sieben wieder aufgestanden war, fühlte er sich erstaunlich gut ausgeruht. Vermutlich würde er im laufe des Tages noch spüren, dass die Nacht zu kurz gewesen war, aber wer ein wahrer Forscher sein wollte, der nahm so etwas gerne in kauf.
Der kleine Zauber, mit dem sich der Erdmagier sich das Warten auf seinen neuen „Assistenten“ versüßen wollte, tat wirklich sein bestes, um die Aufmerksamkeit seines Schöpfers vollkommen zu bannen. Die Hand voll Leute, die während dieser Zeit das Haupttor zur Universität passierten, bemerkte Dormian nicht, was ihm einen bösen Blick von einem gebeugten, alten Magisters einbrachte, der den jungen Mann gegrüßt hatte.
Grade als er sein Rätsel endlich gelöst hatte und aufsah, kam ein neues, sehr seltsames Pärchen auf die große Pforte zu. Der Mann, gekleidet in eine Mischung aus Lederrüstung und einer braunen Robe, trug einen weitkrempigen Hut auf dem Kopf, der das hagere Gesicht und den Dreitagebart und Schatten hüllte. Über der rechten Schulter lugte der Griff einer Armbrust hervor, mehrere lange Messer steckten in seinem Gürtel. Die Frau die ihn begleitete, war dagegen ungewöhnlich heiter und knapp bekleidet, der kurze, weiße Rock zeigte viel Bein, während ein langärmliges Rüschenhemd ihren Oberkörper bedeckte. Sie trug einen ähnlichen Hut wie der Mann, nur in weiß und mit einem dicken, türkisfarbenen Federbüschel, ein Langschwert baumelte an ihrer Seite und auf dem Rücken hatte sie ein Schild geschnallt. Langes Blondes Haar rahmte das viel zu hübsche, jugendliche Gesicht ein.
Die beiden Gestallten, die wohl unterschiedlicher nicht sein konnten, fesselten Dormians Blick und ohne es zu wollen, schnappte er Fetzen ihres Gesprächs auf, während sie näher kamen. „... ich es dir doch sage, der Kerl sah aus als wäre er entleibt worden. Ich hab keine Ahnung, wie genau der Opi gestorben ist. Ich hab auch keine Ahnung wieso jemand einen Schriftrollenhändler umbringt, der hatte doch nichts, was wertvoll genug war um das zu begründen! Hast du überhaupt schon mal gehört, dass ein Bewohner von Zyranus getötet wurde? Also ich nicht! Wir sind wohl grade zur rechten zeit hier angekommen!“ Nun gut, Gespräch war wohl das falsche Wort, denn es war ausschließlich die junge Frau die sprach und dabei wild mit den Armen gestikulierte. Zudem sprach sie garmisch, was wohl ein Beweis dafür war, dass die beiden Fremdländer waren. Die Blondine hatte Dormians Blick bemerkt, schien sich wohl aber nicht daran zu stören. Im Gegenteil, sie zwinkerte ihm keck zu und verschwand mit ihrem Begleiter im inneren der Universität. Wer auch immer sie waren, solche Bewaffneten und seltsamen Fremdlinge hatte der junge Arboris in seinem Leben noch nie gesehen. Das war auch der Grund, wieso er ihnen hinterher sah, zumindest redete er sich das selbst ein. Das er nur den Rücken der Frau begutachtete, fiel ihm nicht auf. Aber dafür war er ja auch ein Mann.
Jemand schlug ihm von hinten kräftig gegen den Rücken und rief Dormians Gedanken in die Wirklichkeit zurück. ”Die ist zu alt für dich,” begrüßte ihn ein munterer Rufus mit einem breiten, wissenden Grinsen. Heute morgen war er etwas bepackter als noch in der Nacht. Seine neue Robe, die sich von der alten nur dadurch unterschied, dass sie heil war, wirkte ein wenig voluminöser, um den Hals hatte sich der Zyraner einen breiten, weißen Schal geschlungen. Auf sein Barett hatte er dieses mal verzichtet, dass braune Stirnband jedoch saß wie festgeklebt auf der Stirn. An dem breiten Gürtel, den er über seiner Kleidung trug, baumelten vier kleine, wie Flaschenkürbisse geformte, Behälter aus Ton. Unter dem linken Arm klemmte ein dickes, schwarz gebundenes Buch, mit zwei duzend Lesezeichen.
Nachdem er sich einen ersten Spaß mit Dormian erlaubt hatte, wurde Rufus ein wenig ernster und sah weiter den Gang entlang, den die beiden Fremden genommen hatten. Inzwischen waren sie schon nicht mehr zu sehen. “Ich frag mich ja, was zwei Hexenjäger hier zu suchen haben. Aber das ist wohl nicht meine Angelegenheit.“ Dabei sah der Rotschopf trotzdem nicht sonderlich glücklich aus. Sich leicht schüttelnd wandte er sich von dem Portal ab und blickte stattdessen in die Stadt. ”Und wie hast du dich entschieden?” fragte er schließlich frei heraus und zog es vor, den anderen nicht direkt anzusehen. ”Um es dir noch ein wenig schmackhafter zu machen, ich glaube ich weiß wer uns weiter helfen könnte!” Breit grinsend zwinkerte Rufus. Damit würde er die Wahl von Dormian wohl noch einfacher machen, als ohnehin.

[oot: nur kurz am Rande: Die Celcia-Creatures haben nichts in der Signatur zu suchen, dafür gibt’s einen extrapunkt in deinem Profil :D]
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Donnerstag 17. Februar 2011, 16:18

Dormian war so von dem Anblick der zwei Fremden, die an ihm vorbeizogen, vereinnahmt, dass er das Näherkommen von Rufus zuerst gar nicht bemerkte. Umso überraschter war er von dem kräftigen Begrüßungsklapser auf seinen Rücken, der ihn in die Realität zurückholte.
"Das sollen Hexenjäger sein?", fragte der Erdmagier verwundert und warf noch einen Blick um die Ecke, wo die beiden Gestalten gerade die Treppe zum Haupttor bewältigten. Die Bezeichnung Jäger hatte der Bursche eher mit angsteinflößenden Schreckensbestien verglichen, doch diese passten da bis auf das Langschwert nicht so ganz in sein Konzept. Er zuckte mit den Schultern und sah wieder zu seinem neu gewonnenen Freund.
"Naja egal... nun, meine Entscheidung fällt recht erwartet aus. Natürlich kannst du mitkommen, du hast dich ja schon gestern als schlau und hilfreich erwiesen. Und außerdem, du bist in Ordnung. Wieso also sollte ich alleine unter Zyranus im Dunkeln tappen, wenn ich das auch mit einem Freund tun kann?"
Die Meinung des Arboris war ehrlich und aufrichtig. Von Weißenstein war zwar vielleicht ein etwas seltsam anmutender Kauz, der seine Nase offensichtlich öfter in Schriften und Bücher steckte als er selbst, doch das sollte ihn nicht stören.
"Ich weiß recht wenig über Hexenjäger... was haben die denn hier verloren? Nach dem, was sie auf Garmisch geplaudert haben, klingt das ja schon fast nach dem Laden, in dem ich gestern war, bevor ich dich getroffen habe. Irgendein alter Mann, der Besitzer angeblich, soll gestorben sein. Oder getötet, was für mich sowieso nach Unsinn klingt. Wer tötet schon in der wahrscheinlich sichersten Stadt der Welt?", fragte Dormian achselzuckend und umschloss wieder seinen Stab mit der Linken. Die Tatsache, dass er wahrscheinlich nur wenige Stunden vor der Zeit des Verbrechens in diesem Laden anwesend gewesen war, machten ihn ein wenig nervös. Oft geschah so etwas jedenfalls nicht, ihm schon gar nicht!

OT: Pardon für die Kürze, muss mich erst wieder reinfinden x.X

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 17. Februar 2011, 23:36

Man konnte Rufus ansehen, dass er sich bei dem Thema Hexenjäger unwohl fühlte. Nun ja, bisher hatte sich der Magier ja ohnehin nicht dadurch ausgezeichnet, dass er seine Mimik gut unter Kontrolle hatte, aber jetzt war das noch wesentlich deutlicher zu bemerken als sonst. Gleichzeitig wirkte es auch so, als wäre er mehr als froh, die beiden nicht mehr sehen zu müssen. Die Freude, die er verspürt hatte, als Dormian ihn zu seinem Assistenten machte, wurde davon fast komplett überdeckt. "An den bescheuerten Hüten kannst du das sehen," meinte er knapp und zog mit der rechten Hand die Umrisse der breitkrempigen Kopfbedeckung nach. "Ich schätze mal die Frau war ne Elfe. Hexenjäger sind verdammt gefährlich. Die können nicht nur Zauber weben, sondern auch mit Waffen umgehen. Die verdienen ganz gut daran, Magier zu jagen und zur strecke zu bringen. Ab und zu kommen mal welche in die Stadt hab ich gehört, werden vom Dekan oder dem Rat herbeigeordert. Sei froh, wenn du nie mit denen zu tun hast." Damit schien das Thema für Rufus beendet zu sein, denn noch nie war seine Miene so hart und steinern gewesen. Darüber, was er über den Mord an einem Unschuldigen dachte, verlor er kein Wort. Ebenso wenig über die, doch schockierende Nachricht, dass Dormian an eben diesem Ort war und das vielleicht kurz vor der grausamen Tat. Wahrscheinlich war das kein Thema, für den zartbesaiteten jungen Mann, der im aufgeregten Zustand ja sogar gegen Laternen lief.
Tatsächlich schüttelte sich der Zyraner leicht, so als könnte er die Gedanken damit los werden. Ob es funktionierte war wohl fraglich, doch als er sich danach wieder aufrichtete, wirkte seine Miene so fröhlich wie immer, vielleicht war sein Lächeln sogar noch eine Spur breiter. Denn was Dormian noch nicht wissen konnte war, dass er bereits eine „kleine“ Überraschung in petto hatte. Mit einer einladenden Geste deutete er die Straße entlang, in Richtung des Herzens von Zyranus. Dann setzte er sich in Bewegung, in der berechtigten annahm das sein Freund ihm folgen würde. Er bemerkte das helle Oval, dass von goldenen Strähnen umfasst war, nicht, dass aus einem der höheren Fenster sah und ihm einen finsteren Blick zu warf. Oder den grüblerischen Blick, mit dem Dormian bedacht wurde, ehe das Gesicht der Elfe wieder verschwand ...
“Ich habe heute Morgen mit meinem Paps gesprochen,“ begann Rufus freundlich drauf hin zu plappern, wie es immer seine Art zu sein schien, wenn er etwas erklären wollte. “Netter alter Kerl, stellt Energiekristalle her. Nicht besonders gut aber es reicht zum Leben. Aber ich schweife mal wieder ab. Auf jeden Fall meinte Paps, dass es in Zyranus nur einen Mann gibt, der sich auf solche Geheimnisse versteht UND mit Typen wie uns auch noch redet! Ich weiß nicht, vielleicht hast du auch schon mal von ihm gehört: Sein Name ist Bellamie. Und wie es der Teufel will, ist der Kerl fast zweihundert Jahre alt und freut sich über jeden Besuch, den er kriegt. Ich weiß, ich weiß, ist nicht viel, aber immerhin ’nen Versuch ist es allemal wert!
Während seines endlos scheinenden Selbstgespräches, dass bestimmt in der Lage gewesen wäre, den einen oder anderen Menschen einzuschläfern, waren sie in den Teil der Stadt gekommen, den man das Viertel des arkanen Wissens nannte. Es unterschied sich schon alleine durch seine Bauweise vom Rest der Stadt, die Häuser waren allesamt Symmetrisch und in graden Linien angebracht. In diesem Stadtteil glich kein Gebäude dem nächsten und sich zu verlaufen war wirklich nicht schwer, es gab absolut keine Anhaltspunkte. Hier lebten all jene Leute, die durch ihre Arbeiten im allgemeinen Arkanem bereich zu großem Erfolg gekommen waren, dass wusste jedes Kind. Wie Rufus es schaffen wollte, in dieser Ecke ein bestimmtes Haus zu finden, blieb ein Rätsel, auch wenn er sehr Zielsicher ausschritt.
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Freitag 18. Februar 2011, 18:22

Dormian fragte sich zunächst, was der Hohe Rat persönlich mit einem Pack wie die Hexenjäger zu tun hatte. Er selbst wusste nicht wirklich viel über diese Sorte an Kämpfern, doch das, was ihm sein Vater erzählt hatte, war nicht wirklich etwas Schmeichelndes gewesen. Gut, die meisten seiner Geschichten, die vor Vollendung Dormians sechstem Geburtstag erzählt worden waren, hatten vornehmlich zur Erziehung und Abschreckung gedient. Die sorglose Zeit der heranwachsenden Kinder, sich vor gefährlichen Spielereien und anderen unschicklichen Schandtaten zu hüten. Zweifellos hatte seine Familie gewusst, dass in ihrem jüngsten Sprössling großes Potenzial für Magie erstarkte. Die Gefahr, dass ein unausgebildeter und unerfahrenes, kleines Kind diese Kraft zufällig entdeckte und damit nicht gerade harmlose Dinge anstellen konnte, war zu groß. Und da bot sich ja förmlich die Geschichte der Magie- und Zauberfresser an, die immer dann kamen, wenn kleine Kinder unartig waren. Dormian musste dank der Erinnerung an einige dieser Geschichten ironisch in sich hineinlächeln.
"Hm? Was? Ha.... ja, mein Vater hat mir auch nie wirklich schöne Dinge über Hexenjäger erzählt... keine Sorge, mit denen lasse ich mich schon nicht ein", erwiderte der Erdmagier und lauschte daraufhin den Worten, die Rufus an ihn richtete. Die Tatsache, dass es jemanden gab, der etwas über die Ziele von ihm und seinem neuen Gefährten wusste, erleichterte ihn ungemein. Das vermied, unnötig peinliche Fragen an seinen Vater oder, noch schlimmer, an seine Großmutter zu richten. Sie war eine schrecklich fürsorgliche Frau, die ihn am liebsten damals persönlich in Erdmagie unterrichtet hätte. Mit einer Kette um seinen Hals und ihren Schaukelstuhl.

"Nun... Bellamie sagt mir zwar nichts, aber du solltest dich nicht so runtermachen. Sieh es mal anders, wir sind angehende Magier von Zyranus, der mächtigsten Magierstadt von ganz Celcia! Wenn wir nicht wären, würde die Magie innerhalb von weniger als zweihundert Zyklen aussterben. Nur die meisten Alten vergessen das. Aber egal, jedenfalls hast du Recht. Einen Versuch ist es allemal wert", stimmte Dormian seinem Freund zu und folgte ihm daraufhin auch schon durch die Gassen. Der Morgen schritt zügig voran, die Straßen und Gassen füllten sich bereits mit den Bewohnern der Stadt und alles sah weitgehend friedlich aus. Wenn da nicht die Anwesenheit der Hexenjäger gewesen wäre. Was zur Hölle hatten diese Gestalten hier verloren? Selbst wenn der Tod des Ladenbesitzers ein Verbrechen gewesen war... wozu lebten hier die größten, meisten und mächtigsten Magier des Landes? Ein Hexenjäger war seiner Ansicht nach jemand, der gegen die gesamte Magierschaft vorging und diese ausrotten wollte oder jedenfalls niemand, der Fähigkeiten zur Auflösung eines Falles besaß, was nicht auch von Zauberern hätte geklärt werden können.

Im Viertel des arkanen Wissens angekommen, hob Dormian den Kopf und blieb mit einem letzten Pochen seines Stabes auf den Stein stehen. Hier sahen die Häuser aus, als habe sich ein wahnsinniges Rudel Mathematiker ausgetobt. Ein symmetrisches Bauwunder jagte das Nächste und offenbar hatte in diesem Rudel ein Wettkampf um die Alpha-Rolle getobt. Mit fragendem Gesichtsausdruck wandte sich der Erdmagier an Rufus.
"Und wie willst du jetzt diesen Bellamie finden?", fragte er kurz angebunden und selbst nach einem Hinweis suchend, wohin es denn jetzt gehen sollte.

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Gestalt » Samstag 19. Februar 2011, 17:08

Anscheinend war es nicht einmal für den führenden Rufus besonders einfach, sich hier zurecht zu finden. Ein Irrgarten war bestimmt nicht so verwirrend, wie diese einheitliche Gleichheit. Auf jeden Fall war der rothaarige Mann abgelenkt und reagierte nicht so recht auf das, was sein Begleiter sagte. Stattdessen zählte er stumm die Kreuzungen ab, die sie passierten. Den richtigen Weg fand man im Viertel des arkanen Wissens nur, wenn man ihn richtig auszählte. An der sechsten Kreuzung bogen die beiden Magier ein, wandten sich zur rechten und liefen nun eine Reihe von Häusereingängen entlang. Zumindest die Fronttüren unterschieden sich ein wenig, mal durch die Farbe, dann wieder durch die bunten Glasscheiben oder einen hübschen Namenszug über der Pforte. Wer es geschafft hatte, hier zu wohnen, der versuchte sich nach außen Anzupassen, um dafür im inneren nur noch mehr zu prahlen. ”Hast du jemals von einem Mann namens Rufus Faust gehört?“, meinte er plötzlich und dabei schwebte ein seltsamer unterton in seinen Worten, den Dormian nicht kannte. ”Ein begnadeter Mann, genialer als jeder, von dem ich jemals gehört habe. Er lebte vor etwas mehr als Zweihundert Jahren hier in Zyranus und erforschte neue Wege der Erdmagie. Der Rat war mit seinen Methoden nicht einverstanden und hat die Hexenjäger gerufen, um ihn bis ans Ende der Welt zu jagen. Mein Vorfahre.” Das also war die Erklärung, weswegen der schusselige Magier nicht besonders gut auf die unheimlichen Jäger zu sprechen war. Sie genossen im allgemeinen einen schlechten Ruf, vor allem hier im Herzen der magischen Gesellschaft. Auch wenn viele von ihnen ehrbare Krieger waren, die ihr Leben der Jagd nach Schwarzmagiern und Abtrünnigen opferten, so blieben sie zweifelhafte Gestallten. Jedes kleine Kind wusste, dass man sich mit diesen Kriegern nicht anlegte. Der Rat billigte sie nur, weil niemand so gut darin war, gegen unliebsame Kinder der Stadt vorzugehen. Zumindest flüsterte das Volk dies hinter vorgehaltener Hand, denn niemand, nicht einmal die Lehrer der Universität trauten sich ein Wort mit ihnen zu wechseln.
Mit einem mal blieb Rufus stehen und sog tief Luft ein. Ein leichter, bittersüßlicher Geruch, dem von Verwesung nicht ganz unähnlich, schwebte in der Luft und erklärte wohl auch, dass die meisten Fenster verschlossen waren. ”Wir sind da.” Rufus stimme war ein wenig tonlos und belegt, als er vor einem Haus mit einer schwarzen Ebenholztür stehen blieb. Ohne zu zögern klopfte der Rotschopf drei mal gegen das polierte Holz. Mit dem dritten Schlag glitt die Tür einen spalt weit auf. ”Herein …” die schwache Stimme drang kaum über die Öffnung hinweg. Trotzdem, war es eine Einladung, die Rufus sofort annahm und über die Pforte trat.

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Sonntag 1. April 2012, 12:02

Dormian kommt von: Die magische Stadt Zyranus -> Das Stadttor -> An den Stallungen

Es war ein seltsames Gefühl für Dormian, als er das Gelände der Universität erneut betrat. Es waren nur wenige Tage vergangen, nachdem der junge Magier Faust kennengelernt hatte, als junger und zerstreuter Lehrling getarnt, an genau der Stelle, die er nun erneut passierte, um durch das Hauptportal in seine Lehrstätte zu kommen. Kurz verharrte er und blickte den Platz am Fuße der Treppen an. Sein geistiges Auge schien ihm einen Streich zu spielen, doch unbewusst stellte er sich die Szenerie vor, als sei er ein Beobachter und es würde sich gerade erst ereignen. Aio und Van Zan, wie sie ihn kurz musterten und an ihm vorbeigingen. Faust, der sich ihm in seiner Tarnung als Weißenstein vorstellte. Wie närrisch und naiv war er doch gewesen, diesem Mann ohne weitere Fragen zu vertrauen. Wer suchte schon in seinem Alter nach verschollenen Katakomben, um deren Geheimnisse zu erforschen, von denen niemand - geschweige denn von den Katakomben - eigentlich wissen dürfte? Seufzend wandte sich Dormian von dieser Szenerie in seinem Kopf ab und berührte das geschlossene Eingangsportal, das gehorsam die Riegel zur Seite schob und sich ihm öffnete.

Es kam ihm alles so fremd und doch vertraut vor, als seine Schritte ihn durch die Gänge und Hallen der Universität trugen. Und dabei war nicht die Tatsache, dass er im Moment der einzige Schüler war, der sich hier aufhielt, das Problem. Im Gegenteil, Dormian kannte die Universität bis auf die Unterrichtsstunden mit den anderen Studenten nur fast gänzlich leer. Nicht viele Magier studierten bis tief in die Nacht hinein oder vollzogen Übungen in den dafür vorgesehenen Räumen. Dafür war die Erschöpfung bei Tageslicht viel zu hoch, als dass man sich zur Schlafenszeit mit Studien abgab. Doch Dormian hatte bis vor kurzem und eigentlich auch jetzt noch nicht wirklich viele andere Möglichkeiten gekannt, um seine Zeit zu vertreiben. Leise und rasch verhallend in den langen Korridoren war das rythmische Pochen seines Stabs zu hören, bis es vor der Flügeltür der Bibliothek verebbte. Erleichterung machte sich breit, als er den Duft von altem Pergament und staubigem Holz wahrnahm, der ihm angenehm entgegenwaberte, als er eintrat. Nichts hatte sich verändert und doch kam es Dormian so vor, als sei er schon sehr lange nicht mehr hier gewesen. Die Universität, sein Haus, ja ganz Zyranus war ihm so unglaublich fern und fremd vorgekommen. Dabei war es nicht einmal eine Woche gewesen, die er in der Verbannung verbracht hatte. Es war wohl doch richtig, wenn man davon sprach, erst zu wissen, was man wirklich brauchte, wenn es einem fehlte. Dies traf bei Dormian absolut zu, denn auch wenn er sich immer wohlgefühlt hatte in seiner Welt, so war sie ihm selbstverständlich und sicher vorgekommen. Wenigstens das war Faust zugute zu halten. Durch ihn hatte der Arboris herausgefunden, was wirklich wichtig im Leben war, auch wenn es töricht sein konnte, dies offen zu sagen. Weisheit zeigte sich nicht, indem man sie anderen unter die Nase hielt.

Die Bibliothek selbst schlummerte wie eh und je noch in ihrer weitläufigen Stille. Die Tische zwischen den Regalen und an den Fenstern waren verwaist bis auf vereinzelte geöffnete oder rasch geschlossene Bücher, die man nicht zurück an ihren angestammten Platz gestellt hatte. Dormian wusste ganz genau, wohin er zu gehen hatte, jede Abteilung, jeder Stuhl und jede Etage war ihm bekannt und so endete sein Weg an seinem Lieblingsplatz. Jemand war offenbar am vorherigen Tag an seinem Platz gesessen und hatte vergessen, die kleine Tischlampe auszumachen, denn durch das staubige Glas leuchtete noch immer schwach ein dunkles orangefarbenes Licht. Dormian liebte diesen gemütlichen Schein und setzte sich zufrieden auf seinen alten Platz, der so gerichtet war, dass er bei einem Sonnenuntergang nur den Kopf leicht zu neigen brauchte, um ihn zu beobachten. Seinen Stab lehnte er wie immer neben sich gegen das Regal in seinem Rücken. Neugierig zog der Adept eines der Bücher zu sich heran, die von seinem Vorgänger letzten Abend offenbar liegen gelassen wurden. Dem Einband nach handelte es sich um eine Abhandlung für den wirtschaftlichen Nutzen der Wassermagie im östlichen Raum Celcias. Ein staubtrockenes Thema, in dem Wassermagier zu Bewässerungsanlagen umfunktioniert wurden. Offenbar ein Wasseradept der ersten Jahrgangsstufen, den man zu solchen Studien verdonnerte. Dormian musste dabei an das erste Buch denken, dass er einst als Schüler zu lesen aufgedrückt bekommen hatte. Einer Eingebung folgend stand er auf und nahm die Bücher mit, die er auf dem Weg zu seinem Ziel an ihrem alten Platz verstaute. In der Abteilung über Erdmagie fand er schließlich, was er suchte. Es war das gleiche Werk, abgegriffen und speckig, aber immer noch leserlich.
"Dreck ist nicht gleich Erde. Eine Abhandlung über die Grundprinzipien und theoretischen Aufzählungen der modernen Erdmagie", las der Arboris den Titel grinsend vor und klemmte es sich unter den Arm. Zeit, ein paar nostalgische Erinnerungen zu wecken!

Die Stunden zogen dahin und als würde der Bursche das erste Mal den Band lesen, so verschlang er ihn wie so viele andere Bücher. Die Sonne stieg immer höher und bald tauchten auch die ersten Studenten auf, um ihren Studien zu folgen. Dormian ignorierte oder besser bemerkte gar nicht, wie manch ein Schüler zu ihm hinübersah, wenn er an den beiden Regalreihen vorbeiging, zwischen denen der frisch verbannte und wieder aufgenommene Magier saß und las, als wäre nichts geschehen. War das Verwunderung? Überraschung? Oder gar Ehrfurcht, die Geiseln sicher zurückgebracht zu haben, ohne dabei äußerlich nicht einmal wirklich mitgenommen zu sein? Hätten sie ihn nur bei seiner Ankunft gesehen... doch das war Dormian egal, er verfolgte die manchmal für einen jungen Lehrling völlig konfusen Sätze wie: "Wenn ein Magier das chronologisch 347ste Partikel der Dichtungsstärke 4c mit einem Hauch selbstgewobener kristallinen Beschwörungsrune des Element Erde vermischt, kommt das heraus, was man, liebe Leser und Leserinnen, Blumentopferde nennt..."

Das war die Stelle, an der er damals als Junge gemeinsam mit Leliana schallende Tränen gelacht hatte. Ein leises Lachen entwich ihm, das ihm auch sofort im Hals stecken blieb. Leliana... wie es ihr wohl ging? Sie schwebte laut dem Avatar nicht mehr in Lebensgefahr, was allein schon ein Grund zur Entspannung war. Doch diese Gefahr, in die sie hineingezogen war. Nur wegen ihm... er würde sie vor seiner Abreise besuchen, soviel stand fest. Auch wenn sie ihn nicht hören oder sehen konnte. Er würde da sein. Und sie würde das spüren. Das wusste er... Schon war das Buch in seinen Händen gänzlich uninteressant geworden und sein nachdenklicher, abwesender Blick schweifte durch die dicken Fensterscheiben über die Dächer seiner Heimatstadt, die den Schein erweckte, als sei alles in bester Ordnung... diese ewige Illusion, die nur Wenige zu durchschauen vermochten. Und die eine Frage schlich sich immer deutlicher in seine Gedanken: Bin ich einer von jenen, die diese Illusion durchschauen?...

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Erzähler » Freitag 13. April 2012, 23:58

In den letzten Tagen war in Zyranus so einiges passiert. Es hatte sich herum gesprochen, dass einige Morden verübt worden waren. Eine wahre Seltenheit in der magischen Stadt, denn für gewöhnlich war der feige Mord an einem Mitbürger nicht die Art der Magier, die sich bei Streitigkeiten auch einfach zu einem Duell herausfordern konnten. Mehrere Leichen waren gefunden worden. Ein Student, zwei Abgesandte, ein Händler für Schriftrollen und noch einige andere. Auch wenn viel darüber gesprochen wurde, so wusste niemand wirklich, wer diese Morde begangen hatte, von einigen sehr wenigen Ausnahmen einmal abgesehen. Eine dieser Ausnahme war natürlich Dormian, der dem Mörder gegenüber gestanden war, als der von der Notwendigkeit gewisser Opfer gesprochen hatte, um ihn auf den „richtigen Pfad“ zu führen. Auch andere Sachen waren geschehen. Der Krieg um Pelgar war eskaliert und die Dunkelelfen und Orks hatten die Stadt überrannt. Sie gehörte nun zu Morgeria und dem Reich der dunklen Brut. Doch nur hinter vorgehaltener Hand tuschelte man über den wahren Grund, weswegen die Stadt gefallen war. Dass waren keineswegs Intrigen oder neuartige Belagerungswaffen gewesen, wie weithin behauptet wurde. Das einfache Volk der Jorsaner oder Grandessaner mochten dies glauben, aber die meisten Zyraner erkannten sehr wohl was, oder besser gesagt wer, sich hinter den Gerüchten über den gewaltigen Wasserdrachen verbarg, der die Stadttore geschliffen hatte. Viele fürchteten nun, dass sich die Armee der Dunkelelfen mitsamt des „Verbanten“ in Richtung Zyranus wandte, der einzigen Stadt, die wirklich noch ernsthaften Widerstand leisten konnte. Natürlich hatte es auch einige positive Ereignisse gegeben, wie den fund einer weiteren Magischen Schriftrolle. Auch wenn dem Volk noch nicht ganz klar, welche genau man entdeckt hatte, so war sie dennoch in aller Munde und die Rolle wurde derzeit hierher transportiert werden. Es war wirklich viel passiert in den letzten zwei Wochen. Soviel, dass man kaum Kenntnis von der Verbannung eines jungen Magiers genommen hatte, von dem weder das Verbrechen, noch der Name bekannt gegeben worden war. Und natürlich hatte der Rat auch so gut wie möglich geheim gehalten, dass man schutzlose Studentinnen entführt hatte, von deren Rettung durch einen gewissen Adepten und zwei Hexenjäger ganz zu schweigen. Es gab vielleicht höchsten zwei Dutzend Menschen in der ganzen Stadt, die wirklich um Dormian und die Verwicklungen der letzten Tage wussten. Noch war nicht die Zeit, auch die Rückkehr eines vermeintlichen Toten bekannt zu geben. Die Magier hatten bereits genug schreckliches erlebt und eine solche Hiobsbotschaft würde womöglich eine Panik verursachen.
Wenn Dormian also Blicke in seinem Nacken spürte und sich ein wenig beobachtet fühlte, so lag dies an ganz alltäglichen Dingen. Einige Besucher der Bibliothek zum Beispiel wunderten sich über die lebendige Fellkugel, die um ihn herum rollte und beizeiten ein wenig am ledernen Einband eines Buches auf dem Boden knabberte. Andere bemerkten ihn nur beiläufig und interessierten sich dann nicht weiter für ihn. Auch wenn es sicher hart war, nach all den Strapazen und Gefahren mit nichts da zu stehen, doch der junge Erdmagier war ein anonymer Fleck unter vielen geblieben. Vielleicht würde seine Zeit ja noch kommen. Um Ruhm zu ernten gab es viele Möglichkeiten und gewiss auch noch viele Gelegenheiten.
Den ganze Tag über verbrachte Dormian in der Bibliothek, wo er sich in dicke Folianten vergrub, die ihn bereits seit vielen Jahren seiner magischen Ausbildung begleiteten. Draußen stieg die Sonne über ihren Zenit und ging wieder unter, ohne dass sich der Akolyth in seiner Lektüre beirren lies. Dass er dabei Frühstück, Mittagessen und Abendbrot verpasste, schien ihn nicht wirklich zu stören. Und da Pergament und Bücherleim anscheinend äußerst wohlschmeckend waren, störte es auch Elias nicht, der ein Buch über Geistmagie völlig unbrauchbar gemacht hatte. Einen Gang weiter war außerdem einer der Wasserkrüge zu Bruch gegangen, die eigentlich dazu dienten, dass Besucher sich erfrischen konnten. Aber auch so ein kleines Eonbäuchlein bekam nach solchen Mengen an staubtrockenem Pergament durst. Beides sollte Dormian lieber verschwinden lassen, ehe einer der Bibliothekare es bemerkte. Sonst würde es sicher Strafen setzen.
Lange Zeit blieb Dormian alleine für sich und in einer angenehmen Stille versunken. Es war schon recht spät, als sich tatsächlich jemand für ihn interessierte, der auch wusste, was genau sich um den Jüngsten der Familie Arboris ereignet hatte. Auf leisen Sohlen und gemächlichen Schrittes näherte sich ein alter, aber freundlich lächelnder Mann. Weißes Haar quoll unter der schlichten Filzmütze hervor und ein kurz getrimmter, grauer Bart rahmte sein Kinn ein. Ambrosius Goldblum, seines Zeichens Meister der Gärten und Mitglied des Zyranischen Rates der Magier. Und außerdem eines der drei Ratsmitglieder, mit denen Dormian bereits Bekanntschaft gemacht hatte, wenn auch nur kurz. Damals hatte er den rasenden Thantalur Isádriar zurückgehalten, als dieser sich auf den geschwächten Dormian stürzen wollte. Glücklicherweise führte ihn dieses mal ein anderer Grund zu dem jungen Magier. Leise räusperte Goldblum sich, um auf sich aufmerksam zu machen. "Einen schönen Abend wünsche ich dir, Akolyth Arboris. Ich hoffe ich störe dich nicht in irgendwelchen aufregenden Studien?" Nachdem er einen Blick auf die große Überschrift des Aktuellen Kapitels geworfen hatte, wurde sein Lächeln ein wenig breiter und er setzte sich auf einen der Studienplätze gegenüber von Dormian. "Wenn ich das richtig sehe, nicht. Es macht dir doch sicher nichts aus, wenn ich mich auf einen kurzen Schwatz zu dir setze, mein Junge?", fragte er in großväterlicher Manier und zog sich seinen spitzzulaufenden Hut vom Kopf, um ihn sich in den Schoß zu legen. Mit beiden Händen strich er sich über den Rücken und seufzte leise. "Ach das Alter … " Die Worte wirkten gedankenverloren und nach einem kurzen Kopfschütteln war dieses Zeichen der Schwäche wieder verschwunden. "Ich weiß, man hat dir nicht viel Lob über das Bestehen deines kleinen Abenteuers erteilt. Erlaube mir dies nachzuholen. Du hast dich wacker geschlagen, wie die Zyraner aus alten Tagen. Eine beachtliche Leistung, für einen so jungen Mann. Ich kannte im übrigen deinen Urgroßvater sehr gut. Lass mich dir sagen, dass auch er sehr stolz auf dich gewesen wäre. Sehr stolz, in der Tat. Man braucht beachtlichen Mut, um für jemand anderes in die Höhle eines alten Drachen zu steigen. Und es bedarf einer weit größeren Portion Glück, um heil wieder raus zu kommen." Auch wenn die letzten Worte eine kleine Spitze waren, so nahm das Lächeln des alten Ratsmagiers ihnen die Schärfe.
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Mittwoch 18. April 2012, 12:20

Dormian hatte sich nach der Beseitigung der Schandtaten von Elias gerade hingesetzt, um sein Buch weiter zu lesen, als sich plötzlich ein sehr prominenter Gast zu ihm setzte. Es war niemand Geringerer als Ambrosius Goldblum und der junge Magier erhob sich sofort, um eine Verneigung folgen zu lassen.
"Seid mir gegrüßt, Meister Goldblum. Selbstverständlich, ich freue mich über eure Gesellschaft", erwiderte er höflich und setzte sich erst wieder, als sein Gegenüber Platz genommen hatte. Elias, inzwischen erschöpft, müde und gelangweilt, hob ein Augenlid und betrachtete von seinem angestammten Platz auf der Schulter seines Herren den Neuankömmling. Ein alter Mann, wie es viele von ihnen gab. Doch Dormian wusste, welche Macht in jedem der Ratsmitglieder ruhte. Was würde Lukretia nicht alles geben, um mit diesem Meister der Naturmagie sprechen zu dürfen, geschweige denn von ihm unterrichtet zu werden? Diese Gedanken flogen eben durch den Kopf des Erdakolythen, als Ambrosius den Grund seines Erscheinens nannte. Das vornehme Lächeln des Arboris verschwand allmählich und er legte das Buch beiseite. Er faltete die Hände und legte sie auf die Tischplatte, während sein Blick lange über seine Finger huschte, um nicht in die Augen des Ratsmitgliedes sehen zu müssen.
"Meister Goldblum, ich habe kein Lob verdient, so geschmeichelt ich mich von eurer Absicht auch fühle... Es war meine Schuld, dass Faust in die Katakomben gelangen und die Essenzen an sich bringen konnte. Die Entführung der Studenten, all die Gewalt und finstere Macht... es war meine Pflicht und mein Wille, das alles wieder in Ordnung zu bringen, daher solltet ihr mich lieber rügen statt loben. Auf dass ich mich nie wieder von übermäßiger Neugier zu unüberlegten Taten hinreißen lasse."

Dormian biss sich kurz auf die Unterlippe. Wieder war er drauf und dran, respektlos mit einem Höhergestellten zu sprechen, auch wenn er glaubte, dass Ambrosius verstand, wie er sich fühlte und was in ihm vorging. Man musste kein weiser Magier sein, um zu verstehen, wie ein Mensch fühlte, wenn man nur ein wenig genauer hinsah und ihm zuhörte. Und genau das tat Goldblum auf andächtige und unaufdringliche Weise.
"Zudem war ich nicht allein. Den Hexenjägern Aio und Elias Van Zan habe ich es zu verdanken, erfolgreich gewesen zu sein, geschweige denn überhaupt lebend zurückgekehrt zu sein. Elias hat sich geopfert und Aio damit einen treuen Freund verloren, nur wegen mir... Außerdem habe ich nicht alles wieder zurechtbiegen können. Krytas wurde vom Feind genommen und zu einem Anhänger von Faust gemacht. Was das angeht, habe ich versagt..."

Wie beiläufig schlug der Eon mit seinem Schweif aus und traf Dormian sanft, aber bestimmend am Hinterkopf. Es war genug mit der Selbstbemitleiderei, was der Arboris auch verstand, während eine Wut auf sich selbst in ihm aufstieg.
"Bitte verzeiht meine Worte, es... es ist viel geschehen und nur mein Körper hat sich davon völlig erholt. Ich bin euch sehr dankbar, Meister Goldblum. Eure Worte geben mir Zuversicht und Kraft, auch meine letzten Fehler wieder gutmachen zu können. Ich hätte ehrlich gesagt mit keinem Besuch aus euren Reihen gerechnet, da ich mich sehr tief in eurer Missgunst fühlte. Aber ich danke euch von ganzem Herzen, dass ihr mich wieder nach Zyranus gelassen habt."
Dormian lächelte Ambrosius an und warf auch Elias einen dankbaren Blick zu, der scheinheilig vorgab, wieder zu schlafen.
"Sagt, kann ich euch sonst irgendwie dienlich sein? Wie ihr an meiner Lektüre sehen könnt, langweile ich mich doch sehr und bis zu meinen nächsten Unterrichtsstunden wird wohl noch einige Zeit vergehen", sprach der Akolyth lächelnd und lief etwas peinlich berührt rot an, wenn man bedachte, bei welch für ihn mittlerweile lächerlichen Lektüre er von Ambrosius aufgesucht worden war.

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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Gestalt » Freitag 27. April 2012, 22:42

Mit einer fast schon beiläufig wirkenden Handbewegung wischte der Ratsmagier die Einwände des jungen Adepten weg. Auch wenn der alte Zyraner es irgendwo nachfühlen konnte, dass Dormian ein schlechtes Gewissen plagte, war er doch an einem Teil der Ereignisse nicht ganz unschuldig. Allerdings wusste Meister Goldblum auch, dass es einen großen Unterschied gab, ob man etwas willentlich tat und dann nur versuchte die Scherben aufzusammeln, oder ob man unwissend in eine düstere Geschichte gezogen wird und die eigene Ehre von einem verlangt, trotzdem dafür grade zu stehen. Schließlich war Dormian rein gelegt worden. Einer der bösartigsten und heimtückischsten Magier aller Zeiten hatte sich hinter einer freundlichen Maske versteckt um an sein Ziel zu gelangen. Selbst ältere und weisere Männer hätten darauf herein fallen können. Und soweit man inzwischen herausgefunden hatte, war Faust beinahe eine Woche lang in den Mauern von Zyranus gewesen, hatte sich in der Universität, der Bibliothek und dem Turm der Magie frei bewegt, ohne dass irgendjemand ihn verdächtigt hatte. Welchen Vorwurf sollte man da einem jungen Mann machen, der kaum Gelegenheit gehabt hatte, um Lebenserfahrung in der richtigen Welt zu sammeln? Dieser Dormian war ein guter Junge, dass er selbst jetzt, nachdem er sein Leben riskiert hatte, um alles wieder gut zu machen, noch immer ein schlechtes Gewissen hatte. Freundlich legte der Weißhaarige Mann dem jungen Magieranwärter einen Hand auf die Schulter und drückte leicht zu. "Wir wissen inzwischen recht genau, was zwischen dir und Rufus Faust vorgefallen ist. Dabei war deine Kameradin Aio uns eine große Hilfe. Wir wissen auch, wie viel Schuld du selbst trägst und was man dir vorwerfen kann. Gutmütigkeit, Neugier und Forscherdrang, dass waren deine Verbrechen. Und soweit ich weiß, werden diese in unserer Gesellschaft nicht bestraft. Sicherlich ist der Tod von Elias van Zan ein schwerer Verlust, doch es war nicht deine Schuld. Es war seine Entscheidung. Wenn du älter bist, wirst du das sicherlich verstehen."
Mit einem müden Seufzer strich sich das betagte Ratsmitglied über die Beine, die im Begriff waren bereits nach dem kurzen Sitzen einzuschlafen. Er war das älteste Mitglied des zyranischen Rates und trotzdem eines der aktivsten. Er verkroch sich nur selten in einem Studiensaal oder Arbeitszimmer. Viel lieber kümmerte er sich um die Gartenanlage von Zyranus oder stellte sich einmal einen Tag lang als Dozent in die Universität. Aber das verlangte nun einmal seinen Tribut. Vor allem sein Rücken machte Ambrosius in letzter Zeit sehr zu schaffen. Schmunzelnd bemerkte der Magier, wie die kleine Fellkugel auf Dormians Schulter ihm mit dem Schweif gegen den Kopf schlug. Ein kluges Tierchen. So etwas hatte er selten gesehen. "Neugier ist keine Sünde, mein Junge. Im Gegenteil sie ist die Essenz, die unsere Gesellschaft am Leben hält, sie wachsen und gedeihen lässt. Wir haben dir deine Tat vergeben. Aber das wird solange nichts bringen, wie du dir nicht selber vergeben kannst. Erst wenn du das tust, wird dieses Ereignis nicht mehr dein Leben überschatten."
Gedankenverloren strich sich Meister Goldblum durch den kurzen, gut gepflegten Bart und starrte eine kurze Zeit lang an Dormian vorbei und auf die Gegenüberliegende Wand, als wäre dort etwas interessantes. Dann schüttelte er den Kopf und holte eine kleine Schriftrolle mit dem Siegel des Rates aus seinem weiten Ärmel. Er legte sich diese auf den Schoß und lächelte den Jugendlichen dann freundlich an. "Einen Dienst wirst du mir wohl nicht erweisen können, so freundlich dieses Angebot auch sein mag. Bei deiner Schwester ist das etwas anderes. Ich spiele seit einiger Zeit mit dem Gedanken, sie unter meine Gärtner aufzunehmen. Aber in der Naturmagie kannst du ihr nicht das Wasser reichen, wie ich fürchte. Nichts für ungut." Der alte Mann zwinkerte schelmisch, ehe er weiter sprach. "Nein, eigentlich bin ich hier um DIR einen Dienst zu erweisen. Schon seit einiger Zeit gilt es ein Gesuch von dir zu bearbeiten, laut dem du eine Expedition nach der magischen Schriftrollen der Erdmagie bestreiten willst. Ich muss dir leider mitteilen, dass diese nun gefunden wurde, vor wenigen Tagen erst. Nichts desto trotz, habe ich hier eine Bescheinigung, die es dir weiterhin erlaubt, dem Unterricht fern zu bleiben und die dir auch eine Reise in die Welt von Celcia erlaubt. Ich habe den Grund dafür freigelassen. Trage ein, was dir beliebt. Aber lass mir dir zu diesem Dokument noch einen zusätzlichen Rat geben. Gewinne erst einmal ein wenig abstand zur statt. Dein Geist muss sich von den Strapazen erholen. Gehe hinaus in die Welt und sammle Erfahrung. Und wenn du dann Zurück kehrst und dich bereit fühlst, so werde ich persönlich ein Komitee zusammen stellen, dass deine Tauglichkeit, in den Rang eines Magiers erhoben zu werden, prüfen wird. Ich denke du wirst uns in der Zukunft noch das eine oder andere mal beeindrucken." Mit diesen Worten erhob sich Ambrosius von seinem Sitz und legte die gesiegelte Schriftrolle vor den jungen Magier auf das Lesepult. Dann nickte er ihm noch einmal freundlich zu und machte sich daran, die Bibliothek wieder zu verlassen.
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Re: Die große Bibliothek

Beitrag von Dormian Arboris » Dienstag 8. Mai 2012, 09:42

Dormian hatte durch das rasche Verschwinden von Meister Goldblum gar keine Gelegenheit gehabt, sich von seinem Schreck zu erholen und sich gleichzeitig zu verabschieden. Zu gebannt war er von dem amtlichen Siegel des zyranischen Rates, das jenes Pergament zusammenhielt, das ihm den Weg in ein Leben voller Abenteuer und unerforschtem Wissen ebnete. So kam es, dass er die nächsten Minuten damit zubrachte, ungläubig die geschwungene Handschrift immer wieder zu lesen, die ihn dazu ermächtigte, Zyranus zu Studienzwecken zu verlassen um sich auf eine Prüfung vorzubereiten, die ihn bei seiner Rückkehr nach Bestehen zu einem vollwertigen Magier ernennen sollte. Wie von selbst trugen ihn seine Füße von der Bibliothek aus durch die Gänge und Hallen der Universität, sein Ziel war natürlich das Anwesen der Arboris.
"Elias, wir werden eine Reise antreten", sprach Dormian lächelnd und kraulte sein Eon am Kopf, was ihm dieser mit einem gnädigen Schnurren entlohnte. Im Vorhov der Lernstätte blieb er stehen und sah zurück, betrachtete die hellen Mauern, hohen Fenster und Türme des Ortes, an dem er so lange Zeit gelernt und studiert hatte. Jetzt galt es, das dort Gelernte in die Tat umzusetzen und aus erster Hand mit eigenen Augen zu sehen! Die berühmte Ruhe der Erdmagier war in diesem Moment verflogen, es galt, dem Durst nach Tatendrang nachzugehen! Endlich war es soweit, dass ihm die Möglichkeit gewährt wurde, seinen Vorfahren und natürlich seinem Vater nachzueifern und ebenso wie sie seinen Namen in den Stammbaum seiner Familie zu schreiben. Jeder seiner Ahnen hatte sich sein Wissen auf langjährigen Reisen und Abenteuern ereignet und dabei etwas erfahren oder erlernt, was jeden zu einer eigenen Koryphäe der Erdmagie gemacht hatte. Vielleicht war es ja wirklich so, dass Dormian einmal als der Magier bekannt sein würde, der ebenso wie Lucrecious bei den uralten Trollschamanen in die Lehre ging und eine für die zyranische Magierwelt völlig neue Art der Erdmagie wie kein Zweiter zu beherrschen vermochte! Was ihn auf dieser Reise erwarten würde? Welche Gestalten, Ungeheuer, Weisen und Legenden würde er -gerade zu diesen schwierigen Zeiten- treffen? All diese Fragen schwirrten nur so durch den Verstand des Jungmagiers, der durch das Eingangsportal der Universität schritt und in die Gassen und Straßen der magischen Stadt eintauchte, dabei auf das weithin sichtbare baumartige Anwesen zusteuernd.

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