Die Spinnenhöhle

Hier wohnen die Nachtelfen in ihren dunklen Häusern. Kein Lichtstrahl ist je zu sehen, tief unter der Erde, nur der Schein der Fackeln erhellt die dunklen Gassen.
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Die Spinnenhöhle

Beitrag von Erzähler » Dienstag 5. Mai 2020, 11:00

Sarin komm von Das Reich der Nachtelfen -> Méntaras Anwesen -> Sarin's Schneiderstube im Anwesen der Stadtherrin

Nach dem kleinen Zwischenfall im Anwesen ihrer Herrin geschah nichts mehr, das ihren Weg zu ihrer alten Freundin behinderte. Sobald Sarin das Anwesen verlassen hatte und die Straßen des Nachtelfenreiches eingetaucht war, fiel sie unter ihresgleichen überhaupt nicht mehr auf. Die Straßen waren belebt, ganz gleich ob Tag oder Nacht herrschte. Nachtelfen waren nicht an den Zyklus von Sonne und Mond gebunden, obgleich ihr Reich schöner aussah, wenn die fluoreszierenden Pilze ihre Schirme aufspannten und funkelnde Sporen durch den Abend tanzten. Denn das geschah immer nur dann, wenn an der Oberfläche die Nacht hereinbrach. Somit konnte man die Pilze auch als organisches Uhrwerk bezeichnen und die Nachtelfen wussten, wann es gefahrloser für ihre Haut war, an die Oberfläche zu gehen.
Nicht, dass Sarin dies je vorgehabt hätte. Aber sie würde gehen müssen, denn ihr stand eine Zukunft in Morgeria bevor. Eine Zukunft, in die sie von ihrer eigenen Stadtherrin hineingeschubst worden war, ohne Mitspracherecht, aber zum Wohl ihrer Heimat. Man hatte sie für die Sicherheit aller anderen verkauft. Was war schon ihr Seelenheil, wenn es um die Nachtelfenschaft im Allgemeinen ging? Opfer mussten offenbar gebracht werden und Mentára Tronàs schreckte nicht davor zurück, eine so angesehene Schneiderin in den dunkelelfischen Schlund einer vereinbarten Ehe zu werfen.
Nach wie vor hing ihre Zukunft über ihrem Kopf wie ein Damoklesschwert. Verhindern konnte sie es wohl nicht, aber ihrer Seele ein wenig Luft geben, indem sie ihre Sorgen teilte. Deshalb war sie zusammen mit der kleinen Hoffnungsspinne auf dem Weg zu ihrer alten Freundin. Ihre Höhle lag ein wenig außerhalb des Bereichs, den man Stadt nennen könnte. Dort, zwischen Felsen und Nischen in einer der Höhlenwände verbarg sich das Heim ihrer alten Freundin. Sie bewohnte es mit Dutzenden von Spinnen, deren Seidenwebfäden kostbarstes Gut für Sarins Erfolg geworden waren. Das und die Kenntnis über die Runenmagie, welche sie auch dort erlernt hatte. Wie viele wohl noch von ihrer Vertrauten wussten und dass ihre Spinnenfreunde keine Gefahr darstellten? Sarin konnte diese Frage nicht beantworten. Sie hatte mit ihrer alten Freundin niemals darüber geredet und auch heute standen wichtigere Dinge im Vordergrund. Hoffentlich war sie auch anwesend.
Es kam vor, wenn auch selten, dass Sarin die Höhle nahezu verwaist angetroffen hatte. Dann war sie nur von einigen wenigen Spinnen mit glänzenden Augenpaaren begrüßt worden. Wo ihre Vertraute gelegentlich hin verschwand, wusste sie nicht. Heute aber sollte sie Glück haben. Denn schon nach wenigen Metern in den von dicken, teils klebrigen Spinnweben durchzogenen Höhleneingang hinein erkannt Sarin den Lichtschimmer. Ihre Freundin ließ niemals eine Kerze unbeaufsichtigt zurück. Sie war also Zuhause.
Zunächst aber begrüßte die Schneiderin das leise Trippeln vieler, vieler Beine auf dem Höhlengrund. Die Spinnen hatten sie zuerst bemerkt und kamen heran gekrabbelt, um sie zu empfangen. Einige hoben eines ihrer vielen Beinchen, als wollten sie ihr zuwinken. Eine besonders kugelige, handtellergroße Spinne reckte ihren Hinterleib freudig empor und zeigte Sarin so das weiß leuchtende Kreuz darauf. Sie wollte heute ihrer Führerin sein und sie zu ihrer Freundin bringen. Die anderen Spinnen akzeptierten das.
So brachte die kleine Kreuzspinne den Gast hinter die Vorhänge aus silbrigen Fäden und hinein in das wohlige und gar mystische Reich der vertrauten Freundin. Möbel wie die Nachtelfen sie zimmerten, besaß sie keine, von einem runden Tisch in der Höhlenmitte abgesehen. Darauf stand eine Kanne, aus der heißer Dampf empor stieg und das hohe Gewölbe mit dem beruhigenden Duft von Melisse erfüllte. Zwei Becher standen bereit, ganz so als hätte sie erwartet, Sarin heute zu Gast zu haben.
Ihre Freundin hockte auf einem von vielen Steinen, die die Spinnen mit so reichlich Webfäden umgarnt hatten, dass man es nicht nur gut gepolstert hatte, sondern sich auch in die nicht klebrigen Fäden zurücklehnen konnte wie in einen silbernen Korbstuhl. Eine selbst gewebte Decke ruhte über den Beinen ihrer Freundin, die mit einem sanften Lächlen zu Sarin empor schaute und den Kopf ein wenig schief legte.
"Erzähl mir von deinem Kummer, Liebes", begrüßte sie die Schneiderin und wies mit einem freundlichen Wink zu weiteren dieser bequemen Sitzmöglichkeiten. Hätte sie noch Kuchen und Sarin bessere Neuigkeiten zu berichten gehabt, wäre der Abend perfekt. So aber stand das Schlimmste erst noch bevor.
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Sarin Kasani » Montag 11. Mai 2020, 09:20

Der kleine Zwischenfall mit dem Dunkelelfendiener, der sie angerempelt hatte war schnell vergessen. Einzig der Moment, in dem er auch noch angefangen hatte sie abzuklopfen hallte noch in ihrer Erinnerung nach, da sie die zu einer Reaktion genötigt hatte. Energisch und mit schneller Hand hatte sie seine Finger gegriffen und sanft von ihr weg gebogen. Hätte er noch dagegen gearbeitet, so hätte sie ihm vielleicht damit sogar weh getan. So aber hatte die kurze Berührung ihr eine Sekunde zum Handeln geschenkt und Sarin war schnell von ihm zurück getreten. Ihr Blick auf ihn, hatte in seinen schönen grauen Augen einen Spiegel gefunden, in dem sie sich selbst sah. Warum musste dieses Volk selbst unter seinen Dienern so interessanten Wesen haben, dass sie einfach nicht den Blick hatte niederschlagen können. Er erinnerte sie in angenehmer Weise an Lariel, in seiner geflissentlichen Haltung. Doch sie hatte zu viel anderes im Kopf, als seine Motive zu hinterfragen. Es war ein kleiner Unfall – mehr nicht. Wenigstens war ihrer kleinen Freundin in der Knopfdose zwischen ihren Brüsten nichts geschehen.

Als sie dann bei ihrer älteren Freundin ankam, war der Anblick der Höhle vertraut und doch plötzlich seltsam fremd, als sähe sie sie zum ersten... oder vielleicht zum letzten Mal. Der Empfang der Vielbeiner war so herzlich, dass Sarin fast schon wieder mit den Tränen kämpfte. Sie folgte der Kreuzspinne in die Heimat ihrer Freundin hinein.
Diese hockte auf einem von vielen Steinen, die die Spinnen mit so reichlich Webfäden umgarnt hatten, dass man es nicht nur gut gepolstert hatte, sondern sich auch in die nicht klebrigen Fäden zurücklehnen konnte wie in einen silbernen Korbstuhl. Eine selbst gewebte Decke ruhte über den Beinen ihrer Freundin, die mit einem sanften Lächeln zu Sarin empor schaute und den Kopf ein wenig schief legte.
"Erzähl mir von deinem Kummer, Liebes"
, begrüßte sie die Schneiderin und wies mit einem freundlichen Wink zu weiteren dieser bequemen Sitzmöglichkeiten. Und es waren diese einfachen Worte, die den Damm um Sarins Selbstbeherrschung brechen ließen. Sofort rannen ihr ungehindert die Tränen über die hellen Wangen und benetzten ihre Mundwinkel. Mit sich verschleiernden Blick setzte sie sich aufrecht um Haltung bemüht an den Tisch. Doch die Tränen liefen einfach weiter, also ließ sie es zu.
„Ich … werde … heiraten.“
Diese drei einfachen Worte waren mit so viel Leid verbunden, dass sie kurz schlucken musste.
„... und **wieder** geschieht es unter denkbar schlechten Umständen.“
Ihre Freundin wusste, was dieses „Wieder“ alles bedeutete. Oft hatten sie über den Fluch und ihre Vergangenheit gesprochen. Viel Leid lag in dieser einfachen Wiederholung.
Sarin schlug die Augen nieder und begann den Hergang der letzten Stunden, Tage und im gesamten, den der letzten Woche zu erzählen. Sie sprang ein paar mal in den Themen, das ihre alte Freundin kaum den Faden finden konnte, doch dies wahr bei Sarins aktueller Gemütslage wohl entschuldbar. Man wurde schließlich nicht jeden Tag „verkauft“. Erst nachdem sie die wirren Puzzleteile ihres Lebens ausgebreitet hatte, konnte sie sie zu einem verständlichen Gesamtbild zusammen fügen:
„Kurz gesagt, ich werde auf Geheiß Méntara Tronás, den edlen Dhansiar, Erbe von Fürst Raikhyn von Blutsdorn, heiraten um unser Reich vor eben jenem Volk zu beschützen, dass uns jetzt bedroht. Es fühlt sich an, als ginge ich freiwillig in die Sklaverei oder schlimmeres, wenn es das gibt.“
Sarin atmete schwer.
„Aber was bleibt mir anders übrig? Ich kann mich nicht gegen den Willen meiner Stadtherrin stellen oder gar jemand anders an meine Stelle setzen. Es ist bereits alles entschieden und der Vertrag wird in diesen Tagen unterzeichnet.“
Sie runzelte die flache Stirn.
„Ein paar merkwürdige Details, wie der Verbleib meines ersten Kindes sollen noch darin vermerkt werden... aber mein Schicksal ist wohl schon entschieden.“
Trostlos blickte sie auf die feinen Fäden zu ihren Seiten und streichelte die weichen seidigen Polster.
„Ich soll nun all das verlassen, meine Heimat, meine Familie so klein sie auch ist und vor allem meine … Freunde.“
Damit sah sie auf und blickte der alten Frau in die weisen Augen.
„Ich glaube nicht daran, dass eine Flucht oder eine Weigerung irgendetwas verbessern würde. Eher würde es alles noch schlimmer machen. Trotzdem klammere ich mich an die Hoffnung, dass irgendetwas mir dieses Schicksal ersparen könnte. Doch ich weis keinen Ausweg. Ich werde für uns diesen Vertrag erfüllen... aber... was dann?“
Und in diesem Moment brach die schlichte Wahrheit aus ihr heraus und sie sah ihre Freundin hilflos an:
„Ich habe Angst!“
Sarin vergrub für einen Moment ihr Gesicht in den Händen und schluchzte leise. Ihre Schultern bebten und nie hatte sie ihre Mutter mehr vermisst als in diesem Augenblick. Dicke Tränen kullerten aus ihren Augen und rannen durch ihre Finger, wie verlorene Hoffnung. Sie gab sich selbst ein paar Minuten dem Selbstmitleid hin, doch dann versiegten auch diese Tränen wieder. Schwer atmend saß sie da und starrte auf ihre Teetasse. Endlich nahm sie einen Schluck und der inzwischen sicher schon etwas kühler gewordene Melissenaufguss rann ihr sanft durch die Kehle. Sie stellte die Tasse ab und trocknete ihre Tränen.
„Man schickt mich zur Hochzeit in einen Tempel der Manthala, aber unser Ziel wird Morgeria sein. Ich werde meine Zukunft unter der Sonne eines fernen Landes bestreiten müssen und ich habe nur eine Woche, um mich darauf vorzubereiten.“
Sarin atmete noch einmal tief durch und wischte die letzte Feuchtigkeit von ihren Wangen.
„Ich gehe fort in ein fernes Land voller Feinde, die in mir nur eine Trophäe sehen. Etwas dass man errungen hat. Ein Tauschobjekt... wobei ich noch nicht einmal verstehe, warum sie an mir Interesse haben sollten. Die Dunkelelfen werden doch sicher auch Frauen haben. Warum für eine arangierte Hochzeit auf ein ganzes Reich verzichten?!“
Sie schüttelte den Kopf.
„Und... was ist, wenn sie nicht ihr Wort halten?“
Langsam kam Panik in ihr auf, dass ihr Opfer vielleicht am Ende doch umsonst sein könnte uns sie einfach zum Kollateralschaden in einem perfiden Ränkespiel wurde in dem am Ende 'nur Verlust und Verrat stand. Es wurde Zeit, dass jemand ihre Gedankenspirale schnell unterbrach, da Sarin sonst dazu neigte sich immer tiefer in ihre Abgründe hinein zu steigern.
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Mai 2020, 11:25

Als hätte sie genau gewusst, dass Sarin mit schwerem Herzen in ihr Heim gekommen war, wusste die alte Freundin gekonnt, sie mit nur einem einzigen Satz aus der Reserve zu locken. Und Sarin konnte versichert sein, dass ihre liebe Freundin ihr nichts Böses wollte, sondern wahrlich an ihrem Kummer interessiert war. Die ältere Nachtelfe hatte sich stets um ihr Wohlergehen gesorgt. Sie kannte die Schneiderin und wusste, an welchem Faden sie ziehen musste, um den Knoten in ihrem Seelennetz aufzubrechen. Jetzt hieß es, ihn zu lösen, damit das Netz wieder so silbern glitzern und aufblitzen konnte wie jene feinen Fäden, die mit sanfter Leichtigkeit über ihren Köpfen schwangen.
Die Alte wartete geduldig, bis Sarin sich setzte. Sie beobachtete sie, während ihre schlanken Finger ähnlich den Beinen ihrer vielen Freunde über die Decke auf ihren Knien trippelten. Sie lächelte freundlich und ohne Hohn. Es war ein Versuch, Sarin genug Ruhe zu spenden, dass sie von sich aus die Details erzählen würde. Denn eine Hochzeit war grundsätzlich nichts, weshalb die Elfe so stark hätte in Tränen ausbrechen sollen. Nicht in solche Tränen, ohne verliebtes Schimmern in den Augen und einem Lächeln auf den Lippen. Die Alte erkannte scheinbar jede Einzelheit.
Während Sarin, um Haltung bemüht, ihre Geschichte vortrug, krabbelten die Spinnen näher. Sie waren weitaus weniger empathisch als ihre Halterin, aber selbst sie merkten die Schwere, die von der Besucherin ausgingen. Also tappelten sie heran, versammelten sich um Sarin, bis jene von einem Meer schwarz glänzender Augen beobachtet wurde. Andere empfanden dies sicherlich als unbehaglich, aber Sarin kannte die Spinnen ja. Keine von ihnen hatte auch nur einmal einen Fuß gegen sie erhoben, geschweige denn mit ihren Zangen zugebissen. Sie waren zutraulich und überraschend friedlich.
Beinahe ebenso friedlich lehnte sich die Mutter der Spinnen in ihrem gewebten Stuhl zurück. Sie schloss die Augen und lauschte den Ausführungen. Wieviel sie davon verstand, offenbarte sie nicht. Möglicherweise reichten aber auch schon Kleinigkeiten aus, dass sie anhand ihrer altersbedingten Erfahrung eigene Rückschlüsse machen konnte.
Sei seufzte einmal auf und kommentierte Sarins Erläuterungen zu ihrem Verrat, Verkauf und mögliches Schicksal eines Sklavenlebens mit: "Jaja, so ist es immer noch bei den Dunkelelfen..." Dann ließ sie ihre Freundin weitersprechen. Und wieder seufzte sie, dieses Mal jedoch mit einem schmalen Lächeln. "Jaja, so ist Mentára ... das Reich der Nachtelfen kommt an erster Stelle. Immer."
Sie hob die Lider, ließ ihren Blick durch die Spinnenhöhle schweifen und über die vielen seidigen Fäden, die von der Decke hingen. In manche war Beute gefangen, zu einem beutelartigen Kokon versponnen, von dem sich die Achtbeiner ernährten, sobald sich das Innerste verflüssigt hätte. Spinnen waren genügsame Tiere. Sie brauchten nicht täglich etwas zu fressen, konnten mit einem einzigen gefangenen Etwas bis zu einen Monat auskommen. Und sie fraßen keine Nachtelfen, jedenfalls nicht jene Spinnen in dieser Höhle. Sie mochten größer als das bekannte Naturell sein, aber ein Elf wäre dann doch eine zu riesige Mahlzeit für den einzelnen.
Die Alte winkte eine der Spinnen zu sich. Sie machte dabei leise Fiepsgeräusche, als wolle sie eine Katze locken. Die Spinne reagierte weniger darauf, als vielmehr auf die Bewegung. Ihre Beine trippelten mit leisem Klackern über den Höhlenboden, bis sie bei ihrer zweibeinigen Mitbewohnerin angekommen war. Die alte Freundin streichelte den rundlichen und haarigen Hinterleib entlang. Dann löste sie einen Webfaden vom spitz zulaufenden Hinterleib des Tierchens.
"Sarin", sprach sie den Namen bedeutungsschwer aus, während sie den Faden auf beinahe Armeslänge zog udn abzupfte. "Du klingst, als wäre dieses unfreiwillig auferlegte Schicksal das Ende aller Glückseligkeit. Und du lässt dich von der Angst des Unbekannten überwältigen. Doch komm her und schau!" Sie winkte nun auch Sarin heran, verzichtete aber auf die Locklaute. Ihre Freundin war keine Spinne. Dann hob sie den Faden an. Er hing schlaff, aber seidig glänzend von ihren Fingern herab bis hinunter auf ihre Decke.
"Was siehst du?" Die Alte wartete gar keine Antwort ab. "Ein Faden, geradlinig wie scheinbar nun dein Schicksal, das einfach nur nach unten führt, immer tiefer und tiefer. Das ist, was man dir präsentiert und was du siehst. Das ist, was dir Angst macht. Und darüber hinaus vergisst du eines." Sie griff den Faden an einer beliebigen Stelle, hob ihn an und formte einen Bogen. Sie verknotete ihn vorsichtig und immer weiter, bis sich ein gesponnenes kleines Netz entwickelte. Es war bei weitem nicht so schön wie die Bauten der Spinnentiere, aber das musste es auch nicht sein. Die Symbolik zählte.
"Du vergisst dein Eingreifen. Du hast dein Schicksal nun in der Hand, eine reine Linie, aus der du deine gesamte Zukunft neu formen kannst. Und mit deinem Geschick weiß ich, dass die Fäden, an denen du ziehen wirst, sich zu einem gewaltigen Netz zusammenfügen werden. Eines, das deine Feinde aufhält. Sie werden sich darin verfangen wie die Fliegen. Aber auch eines, das Fäden in alle Richtungen der Welt ausschicken kann, auf der Suche nach Halt. Vielleicht stößt du auf Stabilität, wenn ein Ende deines Netzes auf eine Höhlenwand trifft. Vielleicht verwebst du es aber auch mit den Fäden eines anderen. Ist Dhansair ein Gatte, den du in deinen schönen Kokon einwickeln kannst? Eine Fliege oder eine weitere Spinne? Liebe Sarin, es steht dir alles offen. Und verloren ist nichts. Wi bleiben Freunde, selbst wenn die Reichweite uns trennt." Sie lächelte, ganz warm und herzlich. Dann suchten ihre alten, aber immer noch schlanken Finger die Hand ihrer Freundin, um jene einmal zu drücken.
"Du hast jetzt noch eine ganze Woche Zeit. Nutze sie. Auch ich werde etwas vorbereiten. Ohne ein Geschenk lasse ich dich nicht ziehen, Liebchen."
Über Sarins Sorgen, dass die Dunkelelfen ihr Wort brechen könnten, sprach ihre Spinnenhüterfreundin nicht ein Wort. Sie wollte sie weder in Sicherheit wiegen, noch mit einer möglichen Wahrheit beunruhigen. Sie kannte aber offenbar das Gemüt der dunkleren Verwandten recht gut. Gut genug, um darüber zu schweigen und den Fokus nicht darauf zu legen. Nun ging es darum, Sarin ein wenig Kraft zu spenden, sie zu beruhigen, damit sie all die vielen Fäden sehen konnte, aus denen sich ihr neues Schicksal spinnen ließ. Diese Aufgabe durfte sie nicht in die Hände eines anderen legen.
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Sarin Kasani » Sonntag 24. Mai 2020, 13:10

"Was siehst du?"
Die Alte wartete gar keine Antwort ab, sondern formte vor Sarins Augen sehr plastisch, dass nach was ihrem Schicksalsfaden wohl am nächsten kam. Ihre Worte gaben Sarin Hoffnung ihr Schicksal doch selbst noch nicht ganz aus der Hand gegeben zu haben, oder sogar jetzt erst erst richtig und das erste Mal nahm sie wahr, dass sich ihr Leben verändern ließ. Und zwar durch sie selbst.
“...Vielleicht verwebst du es aber auch mit den Fäden eines anderen. Ist Dhansair ein Gatte, den du in deinen schönen Kokon einwickeln kannst? Eine Fliege oder eine weitere Spinne? Liebe Sarin, es steht dir alles offen. Und verloren ist nichts. Wir bleiben Freunde, selbst wenn die Reichweite uns trennt."
Sie lächelte, ganz warm und herzlich und diese Wärme breitete sich bei ihren Worten auch in Sarins Herzen aus. Die alte Frau hatte es geschafft, in dieser scheinbar ausweglosen Situation, sogar eine neue Möglichkeit, einen neuen Weg in ihre eigene Zukunft zu sehen. Wortlos, aber deutlich ruhiger erwiderte sie den Händedruck ihrer Freundin.
"Du hast jetzt noch eine ganze Woche Zeit. Nutze sie. Auch ich werde etwas vorbereiten. Ohne ein Geschenk lasse ich dich nicht ziehen, Liebchen."
Sarin lächelte und trocknete kurz ihre Tränen, ergriff dann aber wieder die Hände der Frau.
„Ich danke dir! Ich werde tun was du sagt und das größte Geschenk hast du mir grade eben gemacht!“
Sie streichelte den schon etwas faltig gewordenen Handrücken ihrer Freundin.
„Deine Worte haben mir neue Hoffnung geschenkt und mich daran erinnert, dass ich niemals allein sein werde. Meine Erfahrungen und die Erinnerungen an all die schönen Zeiten, an unsere Freundschaft, sie werden mich begleiten und mir immer Kraft und Zuversicht schenken.“
Sie saßen einen Moment einfach still schweigend das und hielten die Hand der anderen.
„Und du hast Recht, ich habe noch viel vorzubereiten! Allein die Tatsache, dass ich mein Leben fortan an der Oberfläche verbringen soll, bedarf einiges Schutzes!“
Sarin blinzelte ein paar mal.
„Hast du diesbezüglich einen Rat für mich? Ich war ja noch nie „OBEN“. Also einmal nachts und nur kurz... mit meiner Mutter, vor Jahren. Ich erinnere mich nur an gigantische Säulen und darüber hingen unbewegt Millionen von Glühwürmchen an der Decke...“
Sarin blinzelte wieder, denn sie bemerkte selbst, dass das was sie da gesagt hatte, einfach nicht stimmen konnte und lächelte etwas schief. Sie zuckte mit den Schultern, denn sie war damals noch ein Kind gewesen und ihre Erinnerung könnte auch falsch sein.
„Ich sollte mich wohl auf jeden Fall noch mit jemanden beraten, der schon mal oben war. Ich muss wissen, was mich erwartet und wie sich jemand unseres Volkes auf den Tag vorbereitet... auf die Sonne. Ich brauche Informationen aus verlässlicher Quelle...“
Und da fingen die Probleme auch schon an. Sarin überlegte, wen sie so alles kannte, der vielleicht schon mal auf der Oberfläche unterwegs gewesen war. Die Damen und Herren der Gesellschaft hatten vielleicht auch schon mal von ihren Abenteuern erzählt und auch wenn sie sich „damals“ vielleicht nicht wirklich dafür interessiert hatte, so versuchte sie nun in ihrer Erinnerung zu kramen, ob sie ein paar nützliche Details in ihrem Kopf oder wenigstens einen Namen fand, der ihr hilfreich sein könnte.
„Außerdem... muss ich für mein Geschäft einen Nachfolger bestimmen und hier alles geordnet hinterlassen. Ich brauche geeignete Kleidung und muss meine Habseligkeiten … na ja, da freut sich sicher meine Cousine...“
Dann sah sie wieder ihrer Freundin in die Augen und sagte:
„Am schwersten wird mir wirklich fallen, dass wir uns dann nicht mehr sehen können! Dich hier zurück zu lassen... Du hast mir so viel gegeben, all die Jahre! Nicht nur die Seide... dein Wissen über die Runen! Die Magie und vor allem anderen... deine Freundschaft! Wie kann ich das vergelten?“
Sie blinzelte abermals eine aufsteigende Träne weg, aber diesmal nicht um ihrer Selbst willen, sondern auch aus Sorge um ihre Freundin. Wer würde wenn sie weg war ihre Kunst zu schätzen wissen? Wer sie lieben und besuchen? Sie war gewiss nicht einsam mit ihren hunderten von kleinen Achtbeinern, aber eine Freundin war doch etwas anderes. Ihre Freundin war auch schon vorher und ohne sie zurecht gekommen, das wusste Sarin. Trotzdem würde sie sie vermissen und sicher erging es der alten Dame genauso. Sarin seufzte langgezogen und streichelte nun auch eine der kleinen lieb gewonnen Freunde um sie herum. Der Pelz auf dem kugeligen Hinterleib war nur in Strichrichtung weich. Manche der Krabbler hatten auch regelrechte Borsten, anderer waren weicher als die Seide, die sie webten.
„Ich werde das alles furchtbar vermissen! Auch Euch... ihr kleinen Wunder!...“
, liebkoste sie ein anderes Tier.
„... und ich werde wohl nie wieder so gute Ware bekommen.“
Sarin lachte leise. Ein Laut, der etwas gequält klang in Anbetracht der Situation, aber es war ein erstes Lachen. Sie straffte die Schultern und atmete noch mal tief durch. Solange ihre Freundin sie nicht fort schickte, wollte sie auch nicht gehen. Am liebsten hätte sie die ganze nächste Woche hier bei der vertrautesten Person verbracht und die Details besprochen, aber das war unmöglich. Sarin hatte wirklich noch viel zu tun. Ihr nächster Anlaufpunkt auf der Liste der Verabschiedungen war ihr alter Meister Reko Londro. Von ihm erhoffte sie sich Rat für ihr Geschäft und vielleicht auch die Übernahme einiger Kunden, gegen ein kleines Startkapital in ihr neues Leben. Dass sie Anspruch auf eine Mitgift seitens ihres Onkels erheben könnte, das viel ihr nicht nur nicht im Traum ein, sie kam wirklich nicht auf diesen Gedanken. Seit zu vielen Jahren hatte sie erfolgreich ohne seine Hilfe gelebt. Aber auch von ihm und dem Rest ihrer Familie musste sie sich verabschieden, auch wenn es ihr dabei ein bisschen graute. Jafars kühle Miene konnte sie schon fast vor sich sehen, Neefri seine Ehefrau würde vermutlich sogar froh sein, sie aus dem Weg zu haben, denn sie waren nie wirklich warm miteinander geworden und Lucil würde wahrscheinlich ein riesen Drama veranstalten! Ob Lutmaan, ihr Cousin überhaupt erscheinen würde, dass war eher unwahrscheinlich. Aber für alle würde sie kleine Abschiedsgeschenke vorbereiten, allen eine kleine Erinnerung von ihr hinterlassen und sie so in guter Erinnerung behalten. So war Sarin. - Manche würden sagen, naiv und gutgläubig, aber sie selbst würde sagen, sie schaute lieber über den Abgrund hinweg, als hinein. Außerdem galt es nun, ihr altes Leben hinter ihr zu lassen und sich auf das neue vorzubereiten. Da musste man auch mit „Altlasten“ abschließen.
Und dann gab es ja noch diesen Vertrag!
Einen Ehevertrag in dem sie gegen Frieden eingetauscht wurde. Die Details heraus zu finden, das lag ihr auch noch sehr sehr sehr am Herzen! Schließlich war sie die Braut und sollte wissen, welche Bedingungen es zu erfüllen gab und welche nicht. Da sie Geschäftsfrau war und auch schon ein paar Verträge geschlossen hatte, so wusste sie, wie wichtig Details sein konnten.
Wie zum Beispiel jenes, dass sich um ihr erstgeborenes Kind drehte.
Ein kleiner Funken glomm bei dem Gedanken immer wieder störend in ihrem Kopf auf, als hätte sie was übersehen, bekam es aber nicht zu greifen. Um so mehr begann ein anderer Funken in ihr zu glimmen, der hoffte vielleicht doch noch ein klein bisschen Einfluss auf ihr Schicksal, oder vielleicht noch auf den Vertrag nehmen zu können. Doch dafür brauchte sie Informationen und Zugang. Beides bekam sie nur in der Residenz der Herrin Méntara. Also musste sie sich ein bisschen ran halten und so gern sie sich hier bei ihrer Freundin auch verkrochen hätte... vielleicht sogar erfolgreich... so sehr wusste sie, dass sie handeln musste.
Also berieten sie sich noch ein Weilchen, Sarin lauschte noch dem ein oder anderen Rat und nahm ihn sich sehr zu Herzen und verabschiedete sich dann. Es gab viel zu tun und sie war schon immer ein fleißiges „Spinnchen“ gewesen. Es galt ihren Schicksalsfaden neu zu weben!
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Erzähler » Samstag 30. Mai 2020, 12:46

Jeder vermochte, etwas zu verändern, sogar oder vor allem das eigene Schicksal. Manchmal genügte nur das Zupfen an einem einzelnen Faden, um ein gesamtes Netz in Wallung zu bringen und jene, die glaubten, sich wie eine fette Spinne einnisten und von den erbeuteten Insekten zehren zu können, gerieten ins Straucheln. Sie mussten die Balance finden, eine andere Perspektive einnehmen oder sogar flüchten. Ja, manchmal genügte das winzige Zupfen. Bei Sarin war es von Erfolg gekrönt. Die Alte hatte nur wenige Worte gebraucht, um den Tränenfluss nicht nur zum versiegen zu bringen, sondern die Quelle vorerst auszutrocknen. Hoffnung war dort eingepflanzt worden, zunächst winzig wie ein Samenkorn. Sie keimte allerdings und schon bald würde alles sprießen und gedeihen. Die alte Freundin wusste es. Ihr mildes Lächeln zeigte wissende Zuversicht, denn schon jetzt sah sie, wie der kleine Samen in Sarins Herz aufbrach und einen ersten Einblick auf die Pflanze Hoffnung zeigte, die ihm entwachsen sollte.
Sarin sortierte ihre Möglichkeiten, die notwendigen Pflichten für diese Woche und schmiedete Pläne. Sie würde vor ihrer endgültigen Abreise nichts unorganisiert zurücklassen, denn vielleicht - ja, auch hier sollte Hoffnung erwachsen - vielleicht gab es ein Wiedersehen!
"Als Schneiderin kennst du die Seide, mit der die Kleidung der Nachtelfen gewebt wird, welche an die Oberfläche gehen. Ich weiß nicht, ob du in all den Jahren selbst einmal solche Kleidungsstücke herstellen durftest, aber dein Lehrmeister Londro weiß es zu handhaben. Du solltest Kleidung bei ihm in Auftrag geben. Vielleicht hat er auch einige weitere Informationen für dich." Das war der Rat, den die Alte Sarin zusammen mit einer innigen Umarmung noch mit auf den Weg gab. Vorerst, denn sie hatte versprochen, ihr noch ein richtiges Abschiedsgeschenk zu machen. Bis dahin musste Sarin weitere Vorkehrungen treffen. Londro war eine erste gute Anlaufstelle!
Also verließ die Nachtelfe das Heim ihrer Freundin und deren achtbeiniger Gefährten wieder, um sich zurück in die Straßen des Nachtelfenreichs zu machen. Inzwischen war etwas Zeit vergangen, die Wege belebter und man roch den schmackhaften Duft diverser Speisen, die zum Verkauf angeboten wurden. Sarin mischte sich spielend unter das Volk und fiel lediglich jenen auf, die ein Auge für den feinen Zwirn ihrer Kleidung besaßen. So talentierte Handwerkskunst fand man unter den einfachen Nachtelfen kaum und wenn, dann nur bei einem: Meister Londros kleine Schneiderei fand sich in einer verwinkelten Gasse, die heute mit reichlich Kisten vollgestellt worden war. Ein Gehilfe Londros begrüßte Sarin freundlich, hielt sie gleichzeitig aber davon ab, die Schneiderstube zu betreten.
Rasch klärte er sie darüber auf, dass Londro von den exotischen Gästen, den Dunkelelfen, eine Lieferung morgerianischer Mode erhalten habe, sowie reichlich Stoffe von der Oberfläche. Jauchzend vor Glück habe der gute Meister einen zu waghalsigen Sprung von der Treppe genommen und sei nun mit einem verstauchten Knöchel zu einer Heilkundigen gebracht worden. Wenn Sarin ihn sprechen wolle, müsste sie es wohl einige Stunden später tun. Aber die Schneiderin könne dem Gehilfen etwas ausrichten und so würde Londro bestimmt längst von den Ereignissen wissen, wenn er seine ehemalige Schülerin würde in Empfang nehmen können.
Hier kam Sarin also vorerst nicht weiter. Das hieß jedoch nicht, dass alles zum Stillstand kam. Sie hatte genug zu tun und an zweiter Stelle huschten sofort jene in ihre Gedanken, von denen sie sich ebenfalls würde verabschieden müssen: Ihre Verwandten. So machte sie sich auf zum Anwesen der Familie Kasani, um Onkel Jafar, dessen Gattin Neefri, Lutmaan oder wenigstens Lucil anzutreffen.

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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 27. August 2020, 11:37

Sarin kommt von Das Anwesen der Stadtherrin

Das Reich der Nachtelfen lag im Dunkeln dar. Nur wenige Straßenlaternen brannten noch, so dass zumindest die Hauptwege erhellt blieben. Seitengassen oder schmale Pfade blieben maximal im Zwielicht des leuchtenden Purpurmantels, der seine Lamellen um diese Zeit auf ein schwaches, blauviolettes Glühen gedimmt hatte. Es reichte aus, um die Konturen von Häusern oder Gestalten zu erkennen, sofern sich überhaupt jemand in diese Seitenstraßen traute.
Sarin wählte ausschließlich jene aus, die vollkommen in den Schatten lagen. Sie kannte diese Wege inzwischen so gut, dass es keiner Lichtquelle benötigte, sie zu gehen. Die Schneiderin war zudem auf leichtes Schuhwerk umgestiegen, das bequem um ihre Füße saß und auf dem Pflaster nicht zu viel Lärm veranstaltete. Selbst das Trippeln kleiner Schritte klang in der Stille der Nacht unsagbar laut und dadurch unnatürlich. Aber Sarin hatte Glück. Niemand schien von ihr Notiz zu nehmen, es waren auch zu wenige Nachtelfen unterwegs und jene, die man um diese Zeit draußen sah, wollten selbst nicht gesehen werden. Sie durchstreiften die Nacht unter Manthalas Schleier, im Schutz von Traum und Dunkelheit. Verbrecher, Diebesvolk, aber auch Attentäter trieben sich jetzt auf den Straßen, in den Gassen und nicht zuletzt sogar über Häuserdächer springend herum. So mancher Informant wartete an vereinbarten Treffpunkten auf seine Kontaktperson. Seltener würde sich auch ein Adliger in diese gefahrvolle Nacht wagen und wenn, dann hatte er definitiv Dreck am Stecken, der meist mit reichlich Geld oder Juwelen entfernt werden sollte.
Sarin gehörte zu keiner dieser Personengruppen, hatte sie doch nichts Anderes im Sinn als ihre namenslose Freundin zu besuchen. Endlich erreichte sie die Felsennischen und Höhlen, die von den meisten Nachtelfen gemieden wurden. Hier fürchtete man sich vor den achtbeinigen Nachbarn, die zu Hauf die Nischen und Erker bewohnten. Einzig Sarin wusste, dass sie keinen Nachtelfen attackierten, nicht einmal andere außer ihr. Solange diese nicht tiefer in die von Spinnweben durchzogenen Gänge eindrangen, die zwangsläufig zur Wohnstube der Alten führten. Dann gingen all die Spinnen zum Angriff über. Nicht aber, um den Nachtelfen wirklich zu verletzten. Sie wollten ihn das Fürchten lehren und ihn vertreiben. Die Gerüchte und Geschichten von bissigen Spinnen waren allein aus den Erzählungen solcher "Überlebenden" entstanden und hatten sich im Lauf der Jahre gefestigt. So blieb die Namenlose mit ihren Achtfüßlern vollkommen unbehelligt. Genau so wie Sarin nun von den Spinnentieren nicht gestört wurde. Sie konnte die von weißen Weben gesäumten Gänge durchschreiten, schob sogar umsichtig einige Vorhänge aus feinster Spinnenseide beiseite, ohne sie herunter zu reißen und erreichte auf's Neue die Höhle ihrer alten Freundin.
Hier erhellten deutlich mehr Pilze die Umgebung, so dass das Wohngewölbe in einem angenehmen Blauton dalag. Er erhellte die Umgebung, ließ die vielen Augen der Spinnen bedrohlich glänzen, störte aber nicht, wenn man wie die Alte gerade ein Nickerchen machte. Sie lag friedlich auf einem länglichen Felsenbett, das keiner Matratze benötigte. Die Spinnen hatten ihr ein Bett aus Seide gebaut, in das sich die Alte eingekugelt hatte, umhüllt mit einer gewebten Decke mit Spinnenmuster, so dass sie wie ein friedlich atmender, übergroßer Kokon aussah.
Ein schwacher Duft von Wurzeltee hing noch im Raum, würde in den nächsten Stunden aber gänzlich vergehen, wenn das Getränk in seiner Kanne ausgekühlt wäre.
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Sarin Kasani » Samstag 29. August 2020, 13:52

Das Lariel nicht mal in der Küche Bescheid gegeben hatte, bereitete ihr einen ordentlichen Klos im Hals. Zum einen, weil er ihre Nähe hatte für sich haben wollen und ihr Herz hoffte so sehr, dass es dafür nur einen Grund gab, aber da waren auch jetzt die leisen Stimmen des Zweifels die aus den Rissen ihres Herzens ihr leise Warnungen zuflüsterten:
Was wenn Lariel ein Spion Mentáras ist? Wenn das alles nur ein Test war um meine Loyalität zu ihr auf die Probe...???... Liebt er mich wirklich? ...Und selbst wenn... Liebe ich ihn? Kommt er jetzt nicht mehr zu mir, weil er mir nicht mehr in die Augen sehen kann, oder weil sein Auftrag schlicht erledigt ist?
So ganz wollten die zweifelnden Gedanken sich nicht verscheuchen lassen, als sie die geheimen Wege zu ihrer Freundin betrat. Die letzten Tage hatten einiges in ihrem Leben durcheinander geworfen! Sie durchschritt die von weißen Weben gesäumten Gänge, schob sogar umsichtig einige Vorhänge aus feinster Spinnenseide beiseite, ohne sie zu zerreißen und erreichte aufs Neue die Höhle ihrer alten Freundin. Hier erhellten deutlich mehr Pilze die Umgebung, so dass das Wohngewölbe in einem angenehmen Blauton dalag. Sie erhellten die Umgebung, ließen die vielen Augen der Spinnen bedrohlich glänzen, störten aber nicht, wenn man wie die Alte gerade ein Nickerchen machte. Ihre Freundin lag friedlich auf einem länglichen Felsenbett, das keiner Matratze benötigte. Die Spinnen hatten ihr ein Bett aus Seide gebaut, in das sich die Alte ein gekugelt hatte, umhüllt mit einer gewebten Decke mit Spinnenmuster, so dass sie wie ein friedlich atmender, übergroßer Kokon aussah. Sarin lächelte bei diesem friedlichen Anblick, wo andere vielleicht Grauen empfunden hätten und eher eine Assoziation eines eingewickelten und gelähmten Opfers gesehen hätte, das demnächst bald verspeist werden sollte. Sarin sah dies ganz anders. Sie liebte die kleinen Achtbeiner und achtete sorgsam darauf, wohin sie trat oder sich setzte. Ein schwacher Duft von Wurzeltee hing noch im Raum, würde in den nächsten Stunden aber gänzlich vergehen, wenn das Getränk in seiner Kanne ausgekühlt wäre. Sarin schenkte sich eine Tasse ein und setzte sich einen Moment an den Tisch. Die Stille, der Frieden um sie her lockte zu verweilen. Die Ruhe kehrte in ihr Herz zurück und klärte ihre Gedanken.
Ich war dumm, alles Mentára zu erzählen, aber es ist geschehen... Wenigstens weis sie nicht, wer meine Quelle ist... ein Page rempelte mich an, hab ich gesagt... Aber wenn sie mit dem Fürsten über meinen Besuch redet, wird es nicht lange dauern, bis der seine Schlüsse zieht.
Sarin mochte sich nicht vorstellen, was dieser mit einem Verräter tun würde. Besonders wollte sie sich das nicht bei Iryan vorstellen, denn irgendwie hatte es der Dunkelelf geschafft, ihr ein wenig Vertrauen einzuflößen – gerechtfertigt oder auch nicht.
Iryan muss sich beeilen.
Er war anders als andere seines Volkes. Sein Lachen hallte immernoch in ihr nach. Es war schön und aufrichtig gewesen. Das sie ihn mochte, würde sie sich nicht eingestehen. Nein, sie wollte tatsächlich einfach nicht daran schuld sein, wenn Iryan etwas zustoßen würde. Grundsätzlich wollte sie nicht, dass irgendwem irgendwas zustieß. Das war nicht ihre Art.
Außer... dem Fürsten vielleicht und deshalb bin ich hier! ...das wäre Notwehr! Sein Sohn wäre der Erbe und könnte über sein Leben selbst bestimmen.
Damit sah sie wieder zu ihrer schlafenden Freundin, räusperte sich und wenn das nicht reichte, dann näherte sie sich dem Bett um sie sanft an der Schulter zu wecken.

Sobald ihre Freundin wach genug wäre, gäbe es einige Themen zu besprechen:
Sie wollte ihr ihren Traum erzählen und ihre Ängste offenbaren. Dann hatte sie viele Fragen:
Wie man zum Beispiel Unterwäsche mit möglichst wirksamen Schutzrunen versehen konnte? Konnte man quasi einen Keuschheitsgürtel aus feiner Spitze fertigen?
Eine Gift-Lösung musste für den Notfall besprochen werden! So sehr es ihr den Hals zu schnürte... für sich selbst, für den Fürsten, oder ein Begleitertier, dass ihn beißen könnte? Sie „webte“ in Gedanken Bilder von einem Schleier, von dem eine giftige Spinne auf ihrer Stirn saß und wenn der Mistkerl sich über sie beugte, sie zu küssen wagte, dann gestochen werden konnte. In ihrer Phantasie war die Spinne lebendig, doch es ginge gewiss auch als dekoratives Detail, als vergiftetes Schmuckstück...
Sarins Kreativität sprudelte geradezu! Sie formulierte vorsichtiges Gedankengut zu einer Blase mit Lähmung-Gift, die bei dem grausamen Akt platzen sollte um seine Lanze in einen wabbeligen toten Fisch zu verwandeln...
Sie sprach über die Rune Eiwaz und ihre Bedeutung: Abwehr und die Wirkung: Abwehr von Feinden. Der Fürst war ein Feind! Er wollte ihr gewiss nicht freundlich begegnen und hatte sich sicherlich auch nicht unsterblich auf den ersten Blick in sie verliebt! Die Liebe dieses Mannes lag ganz allein bei sich selbst, da war sie sich sicher. Jemand der sie liebte würde sie nicht so weinen lassen, wie sie es im Traum gehört hatte. Und selbst wenn... über seinen wabbeligen Körper hätte sie vielleicht noch hinweg sehen können, aber die Dunkelheit in seiner Seele, die sie gesehen hatte, die war es die ihr Angst machte.
Sie sprach auch über ihre Zweifel und die Bedeutung des Traumes.
Würde die Rune Eiwaz alleine reichen? Könnte man ihren Schutz noch verstärken oder mit anderen kombinieren? Sie brauchte Rat von ihrer alten Freundin. Schließlich war sie im Traum zerbrochen und in Blut getränkt worden und Sarin hatte den Traum als Wahrheit angenommen. Ihr Glaube, den ihre Mutter gesät hatte, war da stark in ihr verwurzelt. Die hohe Manthala-Pristerin hatte ihrer Tochter den Glauben eingepflanzt und auch wenn Sarin ihn wenig gepflegt hatte, so war er doch vorhanden. Vielleicht konnte ihre Spinnenfreundin ihr helfen sich in den Schicksalsfäden zurecht zu finden. Ganz entgehen konnte sie ihnen vielleicht nicht, aber sie wollte das beste daraus machen und dafür brauchte sie eine zweite Meinung zu allem. Also erzählte sie alles was sie bisher erlebt hatte und ließ nichts aus. Einmal mehr setzte sie auf Vertrauen, dieses Mal aber hoffentlich an der richtigen Stelle.
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Erzähler » Sonntag 30. August 2020, 06:54

Lariel wollte ihr trotz all der anderen Dinge, die Sarin beschäftigten, nicht aus dem Kopf gehen. Allein die Tatsache, dass er mutmaßlich bewusst darauf verzichtet hatte, die Einladung zum Essen in der Dunkelschenke beim anderen Personal zu erwähnen, ließ sie grübeln. Wie lange kannte sie den Nachtelfen nun schon? Hatte er sie in all der Zeit jemals über Dinge ausgefragt, die für die Stadtherrin von Nutzen wären und welche man nur aus Sarin herausbekommen konnte, wenn man ihr einen Spion auf den Hals hetzte? Im Grunde nicht. Sie war Méntara Tronás immer eine loyale Angestellte gewesen, jedenfalls bis vor kurzem. Aber vor der Audienz heute hätte es nichts gegeben, was Sarin ihrer Stadtherrin verschwiegen hätte. Und wenn sie länger darüber nachdachte, war Lariel nie ein Elf der aufdringlich neugierigen Sorte gewesen. Nein, er war überhaupt niemals neugierig gewesen, jedenfalls hatte er es nicht gezeigt. Statdessen trotzte er mit einer Freundlichkeit, die seinesgleichen suchte. Er besaß Empathie, schien oft genug genau zu wissen, was in Sarin vorging und reagierte bisher immer so zuvorkommend darauf, dass man ihm wirklich alles anvertrauen wollte. Waren das nicht perfekte Voraussetzungen für einen Spion?
Wie Sarin es drehte und wendete, sie erhielt keine Antworten auf die ungeklärten Fragen. Stattdessen zermarterte sie sich nur das Gehirn. Vielleicht gab es nochmal eine Gelegenheit, mit Lariel zu sprechen. Vielleicht würde sie diese auch wahrnehmen und wenn nicht, dann müsste sie ihn früher oder später ohnehin vergessen ... wenn sie ... in Morgeria läge ... unter dem massigen Körper ihres künftigen Schwiegervaters!
Nein, sie wollte gar nicht daran denken und doch musste sie darauf zurückkommen. Nämlich just in dem Moment, nachdem sie ihre liebe Freundin aus dem Schlaf geholt hatte, um ihr alle Hintergründe zu berichten. Die Alte störte sich nicht daran, einfach geweckt worden zu sein. Vielmehr freute sie sich darüber, dass Sarin bei all den Pflichten, die noch zu erledigen waren, an sie gedacht hatte. Also schenkte auch sie sich noch eine Tasse des anregenden Wurzeltees ein und setzte sich zur Schneiderin. Ein paar Spinnen kamen ebenfalls hinzu, scharten sich um die beiden Freundinnen wie eine große Gruppe Haustiere. Irgendwie erinnerte das Bild an die freundliche Katzen-Oma von nebenan, nur dass es im Reich der Nachtelfen nicht immer um Katzen ging, wenn man sich einen tierischen Gefährten suchte. Die Alte fuhr beiläufig mit ihrer runzligen Hand über die harten Borsten eines ihrer Lieblinge, während sie Sarins Umschreibungen lauschte. Sie nickte gelegentlich oder gab einen Laut der Zustimmung von sich. Als Sarin nach und nach ihren Traum deutete, reagierte sie allerdings nicht. Sie hörte nur mit geschlossenen Augen zu. Erneut eingeschlafen war sie jedoch nicht, das verriet ihre konzentrierte Haltung. Die Alte versuchte wohl selbst, Manthalas Nachricht zu interpretieren.
Als Sarin mit schon wieder aufgewühlteren Gedanken endete, streckte ihre Freundin erneut die Hand aus. Dieses Mal nicht zu einer Spinne herüber, sondern um ihre welken Finger auf Sarins zu legen und sie sanft mit dem Daumen zu streicheln.
"Manthala ist gütig", begann sie. Ihre Stimme erfüllte die Höhle mit Wärme und Fürsorge. Fast war es, als schimmerten die seidigen Spinnweben allein dadurch heller, dass die Frau sprach. "Sie schickt hin und wieder Albträume, aber niemals ohne Grund. Wir sollten uns also nicht von dem gezeigten Schrecken deines Traums beunruhigen oder verunsichern lassen, sondern ihn als Warnung deuten. Die Göttin möchte, dass du vorbereitet bist. Eiwaz ist dafür die perfekte Rune. Ob eine allein genügen wird, um einen unliebsamen Eindringling in deine unschuldige Pforte abzuhalten, weiß ich nicht. Aber es sollte für dich doch kein Problem darstellen, eine Runenkombination in den Stoff deines Höschens zu nähen. Würde dir die dreifache Eiwaz-Rune gelingen, meine Liebe?" Die Alte erklärte daraufhin zur Sicherheit noch einmal die notwendigen Schritte für eine dreifache Runenkombination und was es zu beachten galt, wenn man drei Mal dieselbe Rune anwandte. Es gab Unterschiede im Gegensatz zu einer Dreierkette aus verschiedenen Runen. Die Sachlichkeit und Heransgehensweise ihrer alten Freundin an all die Inhalte ihres Traumes und das Gefühl, welches er in Sarin geweckt hatte, sorgten für innere Stärke. Allmählich schlich sie sich zurück in Sarins Glieder. Ihre Freundin wusste genau, was zu tun war, um die Verzweiflung zu einem winzigen Knäuel zu pressen, das zwar immer noch vorhanden war, aber sicher von Sarins geistiger Hand umschlossen werden konnte, so dass es nicht explosionsartig aus ihr herausbrach. Solange sie in der Spinnenhöhle saß, wirkte ihre Zukunft nicht ganz so Furcht erregend.
Am Ende ihrer runenkundigen Ausführungen erhob sich die Alte. Sie griff zur Teekanne, welche nur noch einen mickrigen Rest des Wurzelaufgusses beinhaltete. Langsam schlurfte sie in jene Nische, in der sie kochte. Sie besaß etwas ganz Besonderes dort: Ein metallenes Abzugsrohr. Nun, viele nachtelfische konnten damit ebenfalls aufwarten. Der Dampf beim Kochen musste ja irgendwohin abziehen. Aber das Rohr der Alten führte wohl weit in den Fels hinein und bis an den Gipfel des Drachengebirges. So behauptete sie es zumindest gern. Doch jetzt setzte sie keinen neuen Tee auf, sondern stellte lediglich die Kanne ab. Anschließend schlurfte sie weiter, hinüber zu einer Nische, zwischen deren Felsen sich allerlei Gerümpel angehäuft hatte. Die alte Elfe beugte sich zu einem Schränkchen herab. Die Türen gaben keinen Laut von sich, als sie sie aufzog. Kurz blitzte etwas auf, aber Sarin konnte nicht erkennen, was die Alte nun in eine ihrer Flickentaschen stopfte. Sie erkannte lediglich den Grund des Aufblitzens. Es handelte sich um eine kleine Metalldose. Sie war absolut schlicht gehalten und somit eigentlich nichtssagend, wären da am Deckel und der Seite nicht ein paar rötliche Flecken. Blut?!
Die Alte kehrte mit langsamen Schritten zu ihrer Sitzecke zurück.
"Hast du jemals in deinem Leben Körperbemalung aufgetragen? Auch ... da unten?" Jetzt erkannte Sarin, was ihre Freundin in eine der Taschen gesteckt hatte. Die Spitze des schmalen Pinsels lugte noch heraus. Mit dem Griff voran reichte die Freundin ihn zusammen mit der Metalldose weiter. "Ich hoffe, die rote Farbe ist nicht eingetrocknet. Es ist eine Weile her, dass ich sie benutzt habe. Der Pinsel ist aus den feinen Borstenhaaren jung geschlüpfter Spinnlinge gefertigt. Das heißt, sie hatten sich noch nicht gehäutet. Fühl mal, es ist ganz weich! Damit kannst du dir Eiwaz auf deinen Schamhügel malen. Glaub mir, nicht einmal der aufmerksamste Nachtelf würde eine Rune darauf erkennen, geschweige denn Eiwaz, wenn du ihm dein Heiligstes offenlegst. Sie denken dann alle nur mit ihrer Hose und sind erfüllt von dem Wunsch, deinen Leib in Besitz zu nehmen." Die Alte kicherte. "Eiwaz wird funktioneren, glaub mir. Ich habe so ... meine Erfahrungen gemacht." Ihre Wangen röteten sich etwas und sie kam eine ganze Weile nicht aus dem seichten Gekicher heraus. Die Geschichte dahinter behielt sie dennoch für sich, so wie Sarin Farbe und Pinsel behalten konnte.
Die Alte setzte sich erneut zu ihr. "Ich rate allerdings davon ab, dir eine Rune eintätowieren zu lassen. Wie Pherto wäre sie permanent und eine gegen Eindringlinge an einem solchen Ort ... man weiß nie, welche Folgen das haben kann. Apropos Folgen! Auf Gift zum Schutz solltest du ebenfalls verzichten, wenn du nicht wirkich vor hast, einen Mord zu begehen ... und mit dessen Folgen zu leben, meine liebe Freundin. Bedenke, dass Morgeria darin vielleicht keine Notwehr sieht und andere Strafen verhängt als du sich vom Reich der Nachtelfen gewohnt bist. Berücksichtige dies bei all deinen Taten in der neuen Welt. Und vergiss nicht, nach stabilen Netzen anderer Spinnen zu suchen, mit denen du dein eigenes Netz verstärken könntest. Ich habe das Gefühl, dass der Erbprinz auch nicht untätig bleiben will, über sein Schicksal zu bestimmen. Ich hoffe, du erhältst Gelegenheit, vor deiner Abreise mit ihm zu sprechen. Und bis dahin..."
Dieses Mal erhob sie sich nicht. Ihre Beine genossen die Ruhe und ihr Körper wollte sich nicht nochmal aufraffen. So winkte sie einer der Spinnen zu, streichelte ihren Kopf und die glatten Beinchen. Gab sie ihr auch einige Zischlaute mit auf den Weg? Vielleicht achtete die Alte auch nicht voll auf ihre Manieren und ihr war etwas warme Luft entfleucht. So ganz wusste Sarin es nicht zu sagen. Wenigstens verbreitete sich kein unangenehmer Geruch, während die Spinne davo wuselte, nur um wenig später von der Decke herab über ihnen zu hängen und ein umsponnenes Etwas zu ihnen abzuseilen. Es schwebte wie eine erloschene Deckenbeleuchtung über dem flachen Felsentisch.
"Das ist mein Abschiedsgeschenk an dich, liebste Freundin. Ich freue mich, dass ich es dir noch mit auf den Weg geben kann. Nur zu, öffne es!" Der Seidenbeutel war nicht groß und auch nicht dick gewoben. Sarin konnte ihn mit bloßer Hand zerreißen, musste aber vorsichtig vorgehen, wenn sie das Schmuckstück darin nicht zerbrechen wollte. Denn es war sehr filigran, feinste Handwerkskunst. Die Alte hatte es unmöglich selbst herstellen können! Aber schön waren die Silberohrringe schon. Sarin würde sich Ohrlöcher stechen müssen, um sie zu tragen oder aber sie verwendete sie als kleine Brosche oder Haarzierde auf einer Spange. Dass sie beide unterschiedliche Formen besaßen, die doch thematisch zusammenpassten, würde es leichter machen, sie auch als Nicht-Ohrring zu kaschieren. Das silberne Netz in Sternform musste viel Zeit und Mühe gekostet haben, denn jeder einzelne Faden war aus einem dünnen Strang Silber angebracht worden. Außerdem hatte man die äußersten Kanten des Netzes abgerundet, damit die Trägerin sich nicht ins eigene Fleisch piekte. Der andere Ohrring ähnelte Sarins Idee von einem Giftbehältnis, wäre die kleine Silberspinne nur größer gewesen. Aber...
"Wenn du eines ihrer Beinchen drehst, öffnet sich ein Verschluss für ihren Hinterleib. Darin haben drei Tropfen jeglicher Flüssigkeit Platz. Ich weiß, das klingt nicht nach viel, aber ... besonders effektives Gift benötigt nicht unbedingt mehr. Erneut möchte ich jedoch betonen, dass du an die möglichen Konsequenzen denkst. Mein Geschenk ist keine Aufforderung für deinen Weg, sondern nur ein weiterer Faden. Es ist an dir zu entscheiden, ob er in dein Netz verwoben wird oder nur los am Rande hängt, bis du ihn brauchen wirst. Ich hoffe, dir gefällt das kleine Präsent."
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Sarin Kasani » Sonntag 30. August 2020, 13:03

Sarin war so erleichtert, dass sie bei der Alten all ihre Sorgen berichten konnte und weder verlacht noch etwas herunter gespielt wurde. Ganz im Gegenteil. Sie sprachen über den Einsatz der Runen und Sarin bekam ihr Wissen aufgefrischt. Über die Idee, die Rune Eiwaz drei mal in ihr Höschen zu nähen, ging ihre Freundin sogar noch weiter. Ihre Freundin hörte geduldig zu und halt mit Rat und Tat in dem sie ein Schränkchen öffnete und etwas heraus holte. Es handelte sich um eine kleine Metalldose. Sie war absolut schlicht gehalten und somit eigentlich nichtssagend, wären da am Deckel und der Seite nicht ein paar rötliche Flecken. Blut?! Die Alte kehrte mit langsamen Schritten zu ihrer Sitzecke zurück.
"Hast du jemals in deinem Leben Körperbemalung aufgetragen? Auch ... da unten?"
Sarin hatte beim ersten Teil des Satzes schon nicken wollen, doch dann ging die Bewegung in ein Kopfschütteln über, so dass ihr Kopf kurz ein wenig unkoordiniert kreiste. Mit dem Griff voran reichte die Freundin ihr einen feinen Pinsel zusammen mit der Metalldose. Sarin nahm beides mit einem neugierigen Nicken entgegen.
"Ich hoffe, die rote Farbe ist nicht eingetrocknet. Es ist eine Weile her, dass ich sie benutzt habe. Der Pinsel ist aus den feinen Borstenhaaren jung geschlüpfter Spinnlinge gefertigt. Das heißt, sie hatten sich noch nicht gehäutet. Fühl mal, es ist ganz weich! ...“
...jungfräuliche Spinnenlinge...
, lächelte Sarin bei dem Gedanken unwillkürlich.
„Damit kannst du dir Eiwaz auf deinen Schamhügel malen. Glaub mir, nicht einmal der aufmerksamste Nachtelf würde eine Rune darauf erkennen, geschweige denn Eiwaz, wenn du ihm dein Heiligstes offenlegst. Sie denken dann alle nur mit ihrer Hose und sind erfüllt von dem Wunsch, deinen Leib in Besitz zu nehmen."
Die Alte kicherte und Sarins Wangen röteten sich allein schon bei der Vorstellung.
"Eiwaz wird funktionieren, glaub mir. Ich habe so ... meine Erfahrungen gemacht."
Ihre Freundin kam eine ganze Weile nicht aus dem seichten Gekicher heraus, so dass sie sich fragte, was da für eine Geschichte hinter stecken mochte. Allein der Frohsinn ihrer Freundin ließ sie jedoch einfach mit kichern und sie machte sich so ihre eigenen Vorstellungen wie Eiwaz sie wohl beschützt haben mochte.
Der Herr steht bereit mit herunter gelassenen Hose, sie streizt die Beine und sein Schwert erschafft wie vom Blitz getroffen...Hihiii...oder sie werden im passenden Moment immer gestrört...man weis nie, wie die Runen wirken. Hahaha.
"Ich rate allerdings davon ab, dir eine Rune eintätowieren zu lassen. Wie Pherto wäre sie permanent und eine gegen Eindringlinge an einem solchen Ort ... man weiß nie, welche Folgen das haben kann...“
Niemals Sex?
Ja, Sarin kannte den Eigenwillen der Runenmagie. Manchmal konnte man sich darauf verlassen, dass das eintrat, was man beabsichtigte, doch manchmal geschahen auch ganz andere Dinge, wenn gleich mit dem selben Ergebnis. Allerdings hatte Sarin bereits 88 Jahre hinter sich gebracht, ohne bei einem Mann gelegen zu haben. Damit war sie diesen Zustand durchaus „gewöhnt“ und die Vorstellung ohne Sex zu leben, schreckte sie bei weitem nicht so sehr, wie manch anderen.
Sie hatte ja keine Ahnung was sie bisher verpasst hatte!!!
„... Apropos Folgen! Auf Gift zum Schutz solltest du ebenfalls verzichten, wenn du nicht wirklich vor hast, einen Mord zu begehen ... und mit dessen Folgen zu leben, meine liebe Freundin. Bedenke, dass Morgeria darin vielleicht keine Notwehr sieht und andere Strafen verhängt als du sich vom Reich der Nachtelfen gewohnt bist. Berücksichtige dies bei all deinen Taten in der neuen Welt...“
Das stimmt wohl... aber wenn ich gebrochen werden soll, dann würde ich ihn mit in den Tod nehmen. Selbst wenn ich dabei sterbe. Ob nun durch die Gesetze der Dunkelelfen oder durch eigene Hand.
Sarins Gedankengut sah in dieser Richtung etwas arg düster aus. Für sie gab es nichts schlimmeres als geschändet zu werden. Ein Leben danach gab es in ihrer Vorstellung nicht. So einfach war das. Sollte das schlimmste eintreffen, so wäre ihr Leben damit beendet. Entweder durch ihn, durch eine durch Mord verhängte Hinrichtung oder durch ihre eigene Hand. - Doch die Alte verstand es wieder einmal meisterlich Sarin von dieser dunklen Seite zurück zu holen... ins Leben! Sie spendete Hoffnung wo sie selbst keine sah:
„... Und vergiss nicht, nach stabilen Netzen anderer Spinnen zu suchen, mit denen du dein eigenes Netz verstärken könntest. Ich habe das Gefühl, dass der Erbprinz auch nicht untätig bleiben will, über sein Schicksal zu bestimmen. Ich hoffe, du erhältst Gelegenheit, vor deiner Abreise mit ihm zu sprechen. Und bis dahin..."
Sarin nickte und erklärte leise:
„Das habe ich bereits in die Wege geleitet.“
Die Alte ließ eine ihrer Spinnen etwas holen und nur wenig später, wurde ein Beutel von der Decke abgeseilt. Sarin beobachtete den Vorgang neugirig.
"Das ist mein Abschiedsgeschenk an dich, liebste Freundin. Ich freue mich, dass ich es dir noch mit auf den Weg geben kann. Nur zu, öffne es!"
Der Seidenbeutel war nicht groß und auch nicht dick gewoben. Sarin öffnete ihn vorsichtig mit den Fingerspitzen. Voller Bewunderung betrachtete sie das feine Kunsthandwerk, das sich da offenbarte. Ein Ohrring war wie ein feines Spinnennetz und der andere die dazu gehörige Spinne. Sie berührte die kleine Spinne nachdenklich, als die Alte anhob zu sprechen:
"Wenn du eines ihrer Beinchen drehst, öffnet sich ein Verschluss für ihren Hinterleib...“
Sarin probierte es gleich mal aus und es klappte.
„Darin haben drei Tropfen jeglicher Flüssigkeit Platz. Ich weiß, das klingt nicht nach viel, aber ... besonders effektives Gift benötigt nicht unbedingt mehr. Erneut möchte ich jedoch betonen, dass du an die möglichen Konsequenzen denkst. Mein Geschenk ist keine Aufforderung für deinen Weg, sondern nur ein weiterer Faden. Es ist an dir zu entscheiden, ob er in dein Netz verwoben wird oder nur los am Rande hängt, bis du ihn brauchen wirst. Ich hoffe, dir gefällt das kleine Präsent."
Sarin traten Tränen in die Augen und sie atmete einmal tief durch bevor sie antwortete:
„Es gefällt mir sehr!“
Sie nahm die Hand der Alten und drückte sie leicht. Allein, dass sie durch sie die Möglichkeit für solch ein Handeln bekommen hatte und sie sie nicht verurteilte, das berührte ihr Herz.
„Ich danke dir!“
Eine einzelne Träne der Rührung rollte unbemerkt über ihre Wange. Dass sie immernoch weinen konnte war eigentlich ein Wunder. So viel wie sie es in den letzten Tagen getan hatte, so viel hatte sie in ihren 88 Jahren nicht geweint. Sarin entwickelte sich zu einem regelrechten Springbrunnen.
„Das bedeutet mir sehr viel und ich hoffe und bete, dass ich sie niemals brauchen werde. Wenn doch, werde ich dankbar sein, dass es dein Geschenk war und deine guten Gedanken, die mir halfen diesen Schritt zu gehen.“
Sie streichelte die Schmuckstücke und lächelte.
„Machst du sie mir rein?“
Damit nahm sie ihre derzeitigen kleinen Ohrringe heraus, die aus winzigen silbernen Kreolen bestanden und beugte sich zu der Alten, damit sie ihr helfen konnte den neuen Schmuck anzulegen. Die Kreolen waren nicht sonderlich auffällig, eben der Schmuck einer Dienerin bei Hof, nichts besonderes. Zu ihrem verfluchten Brautkleid besaß sie passenden Ohrschmuck der um ein vielfaches aufwändiger war und sich die gesamte Ohrmuschel hinauf zog um an den Spitzen von kleinen halboffenen Ringen gehalten zu werden. Doch dieser hier erschien ihr hundertfach wertvoller.
Ich werde ihn nie wieder ablegen.
, waren ihre Gedanken und sie strich dann mit den Fingern über die kleinen Erhebungen und Täler, die das Kunstwerk bildete. Dann probierte sie ein paar Mal den Gebrauch der winzigen Mechanik, während sie den Schmuck am Ohr trug, bis sie zufrieden war. Dann schluckte sie und fragte mit scheuem, leicht schiefem Lächeln:
„Hast du vielleicht noch drei Tropfen Gift für mich?“
Dann öffnete sie ihre sonst seit … seit dem sie im Palast arbeitete... hochgesteckten Haare und kämmte die lange leichte Pracht mit den Fingern aus. Weiche silbrige Wellen flossen über ihre Schultern bis zum Ende des Rückens hinab und ein paar etwas kürzere Strähnen ringelte sie gekonnt nach vorne um die Ohren zu bedecken. Es sollte nicht jeder gleich den neuen Schmuck sehen und die veränderte Frisur würde den Blick davon ablenken. Wer Sarin kannte würde sie vielleicht im ersten Moment garnicht erkennen. Jahr um Jahr hatte sie sich nicht mehr verändert.
Jetzt ist es an der Zeit.
Jetzt musste sie es. Sie musste mutiger werden, aus ihrem Trott heraus treten und tapfer in die Zukunft blicken, auch wenn die Veränderung ihr Angst machte. Was bedeutete denn Mut als nichts anderes, als sich seiner Angst entgegen zu stellen. Also wandte sie sich dem kleinen Farbtopf zu und streichelte über die weiche Pinselspitze.
„Erträgst du ich noch ein wenig länger?“
Sie zwinkerte ihrer Freundin zu, die sie so viel gelehrt hatte.
„Ich möchte noch ein bissen üben. Vielleicht... vielleicht muss es plötzlich sehr schnell gehen, oder ich habe nicht genügend Vorbereitungszeit.“
Sarin zog nachdenklich die Brauen zusammen, sodass eine kleine senkrechte Falte entstand. Der Gedanke an ihre bevorstehende Hochzeitsnacht, so denn sie nicht vermeidbar wäre, war kein sehr erbaulicher.
„Wie lange hält die Farbe denn? Ist sie färbend wie Henna oder eher wie ...Blut?“
Die Frage, woraus das Rot gemacht worden war hing in der Luft, aber Sarin überließ es ihrer Freundin ob sie darauf eingehen wollte oder nicht. Nebenbei rührte sie vorsichtig die Farbe an, tauchte den Pinsel ein und wählte eine Körperstelle, die so bald niemand zu sehen bekommen sollte: ihre Brust. Sie zog das Dekolletee tief hinunter und übte die Runen über den Vorhöfen ihrer kleinen noch knapp bedeckten Knospen. Drei mal Eiwaz auf der Linken und auf der Rechten eine Kombination aus Eiwaz (Abwehr von Feinden), Algiz (Schutz vor Verletzung) und Kenaz (hilft bei Angst).
„Was hältst du von der Kombination?“
Sarin deutete auf den rechten Hügel.
„Ich hab im Traum die Ohnmacht gefühlt. Die Angst könnte mich lähmen und mich vom Handeln abhalten... Könnte da Kenaz helfen?“
Das Fachsimpeln über ihre gemeinsame Leidenschaft der Runenmagie wirkte Wunder bei Sarin. Sie konnte sich auf etwas konzentrieren, dass ihr wirklich helfen könnte und auf das andere keinen Einfluss nehmen konnten. Es war ihre eigene kleine Geheimwaffe, wenn auch manchmal etwas unzuverlässig. Die Runen folgten nicht dem Willen des Zauberers, die folgten dem Weg des Schicksals, aber genau darauf wollte Sarin nun bauen. Im Überschwang der neu erwachten Hoffnung hätte sie am liebsten ihren ganzen Körper bemalt und musste vielleicht ein bisschen gezügelt werden, sollte für die Hochzeitsnacht noch etwas Farbe übrig bleiben. Vielleicht verriet die alte Frau aber auch ihr Rezept und Sarin durfte sich ihrer Kreativität hingeben?
„Uruz (Kraft bei Kämpfen), Sowelo (bringt Erfolg) und Teiwaz (hilft im Kampf) wären eine aggressivere Variante, aber dafür müsste ich mich aktiv wehren können und sie würden vielleicht nicht helfen, wenn ich beispielsweise... gefesselt wäre.“
Dann experimentierte sie noch mit einem anderen Gedanken, der tief aus ihrem guten Herzen geboren wurde:
„Wenn ich es schaffen könnte dem Fürsten eine Runenkombination unter zu schieben... Was würdest du von Isa (bringt Ruhe), Mannaz (Beschwichtigung) und Raidho (hilft bei Streit) halten? Ihn umgänglich zu stimmen, könnte vielleicht seine Entscheidungen auch in eine andere Richtung lenken. Vielleicht würde das sein Ohr auch für die Bedürfnisse seines Sohnes öffnen. ...Ich könnte sie in eine Schärpe für seinen Bauch einweben und sie als Geschenk seiner zukünftigen Schwiegertochter ihm verkaufen. Mit Symbolen, die den Handelsbeziehungen zwischen den Völkern hofieren, könnte ich sie für ihn wie eine Trophäe des Sieges über uns erscheinen lassen.“
Sich mit einer Freundin zu besprechen und gemeinsame Lösungsansätze zu suchen, das ließ Sarin wieder aufblühen.
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Erzähler » Dienstag 1. September 2020, 23:18

Zufrieden über Sarins bereits getroffene Vorbereitungen lächelte ihre Freundin und griff nach den schlanken Händen der Schneiderin. "Ich bin sicher, nicht alle außerhalb unseres Reiches musst du als Feinde ansehen. Oh, ganz bestimmt nicht! Tritt mit ihnen in Kontakt, höre zu und entscheide, wer ein Verbündeter sein könnte und bei wem du lieber sämtliche Fäden kappst, bevor er sich in deinem Nest festsetzt. Suche stets nach dem guten Kern, aber vergiss darüber nicht, trotzdem vorsichtig zu sein."
Diese Worte hätte Sarin aufgrund ihres Verlustes der eigenen Eltern von ihrem Onkel oder ihrer Tante hören sollen! Sie konnte sich glücklich schätzen, wenigstens ihre alte Freundin zu haben. Diese nahm im Moment mehr denn je die Rolle von Mutter und Mentorin zugleich ein. Es war Balsam für ihre Seele, mit der alten Elfe zu sprechen. Und es ging über Worte hinaus. Die Alte würde Sarin nicht ohne Abschiedsgeschenk gehen lassen und was sie sich da herausgesucht hatte, konnte man wirklich nicht bei den normalen Juwlieren der Nachtelfen finden. Zumindest nicht, wenn man es nicht explizit in Auftrag gab und Sarin durfte zurecht bezweifeln, dass ihre Freundin zum einen einfach in die Stadt spazierte und zum anderen die nötigen finanziellen Mittel für derlei Schmuck besaß. Entweder hatte sie Kontakte auf dem nachtelfischen Schwarzmarkt oder es handelte sich um Schmuck aus ihrer eigenen Sammlung. Etwas mit Geschichte!
Zu Tränen gerührt wie schon bei ihrem Besuch zuvor bedankte Sarin sich sogleich. Sie tauschte auch wenige Herzschläge später ihre derzeitigen Ohrringe gegen die Geschenkten aus, mit ein wenig Hilfe ihrer Freundin. In den Dutzenden von Spinnenaugen konnte sie das Glitzern des Netz-Ohrrings bewundern. Sie brauchte gar keinen Spiegel, wenn so viele Blicke auf ihr ruhten. Eine der Spinnen kam ihr ganz nahe und streckte ein Bein nach ihr aus, als wollte sie ihr den Arm tätscheln.
Tatsächlich aber versuchte die Spinne nur auf sich aufmerksam zu machen. Es handelte sich um eine der etwas kleineren Exemplare, mit dickeren, kürzeren Beinen. Dafür besaß sie ein schönes, gelbes Kreuz aus dem schwarzen, kugelförmigen Hinterleib. Die alte Elfe grinste auf. "Manchmal bin ich selbst erstaunt, wie gut sie uns verstehen. Schau, mein Goldkreuzchen möchte dir helfen. Einen Augenblick, Liebchen!" Es war nicht ganz klar, ob sie mit dem Kosenamen nun Sarin oder die dicke Spinne meinte. Sie erhob sich erneut und musste wieder den Weg zu einer ihrer Nischen schlurfen. Dann winkte sie von dort aus das Goldkreuzchen zu sich. Mit Trippelschritten folgte die Spinne ihrer Weisung. Anschließend durfte Sarin beobachten, wie das Tier sich eine kleine Phiole ans Maul halten ließ. Die Alte drückte das Glas gegen das Spinnenmaul, so dass man deutlich einen der dornenartigen Zähne sehen konnte, wie er sich in die Öffnung der Phiole presste. Wenig später tropfte eine Flüssigkeit ins Glas, die an verdünnten Eiter erinnerte. Die alte Elfe streichelte das Goldkreuzchen und verkorkte die Phiole. Jene brachte sie dann zu Sarin und hielt sie ihr entgegen.
"Das ist alles, was wir dir anbieten können. Es wird niemanden töten, wie du weißt. Meine letzte Freundin, die dazu in der Lage war, fand ich vor Monaten tot in ihrem Netz. Die Eier sind noch nicht geschlüpft und ich fürchte, vor deiner Abreise wird das auch nicht passieren. Aber Goldkreuzchens Gift sollte ausreichen, wenn du einen Elfen unserer Größe für einige Minuten lähmen möchtest. Das ist genug Zeit zu flüchten oder ... drastischere Methoden bei dem Hilflosen anzuwenden." Sie legte eine Pause ein, in welcher die Stille von den unausgesprochenen Möglichkeiten erfüllt wurde. Sarin würde ihre eigene Fantasie anregen müssen. Ihre Freundin stachelte sie nicht gezielt dazu an, einen Mord zu begehen, aber sie legte ihr auch keine Steine in den Weg. "Vielleicht findest du auf dem nachtelfischen Schwarzmarkt stärkere Gifte."
Und natürlich gab sie Sarin die nötige Zeit, auch mit dem neuen Pinsel zu üben. Die Farbe war glücklicherweise nicht vollends eingetrocknet und Sarin erkannte schnell, dass es simple und wasserlösliche Farbe war, gefertigt aus Ölen und - wie ihre Freundin verriet - pulverisiertem Lehm, den die Nachtelfen teilweise schon in dieser Form am Körper trugen, wenn sie vom Schürfen in die Stadt zurückkehrten. "Es kommt nicht einmal auf das Material an, wie du weißt. Die Rune zählt. Du musst sie korrekt auftragen, also nimmt dir alle Zeit, die du noch hast, um zu üben. Vielleicht kannst du die Farbe in Phiolen für dein Schminkkästchen füllen, um keinen Verdacht auf dich zu lenken. Selbst dunkelelfische Männer sollten sich nicht weit genug für diese Utensilien interessieren, als dass sie es in Frage stellen."
Die Alte ließ Sarin also üben und setzte ihrerseits in der Zeit noch einmal Tee auf - um beide wach zu halten. Das hieß erneut wenig Schlaf für die Schneiderin. Aber wie ihre Freundin bereits riet, sollte sie jegliches Zeitfenster nutzen, das ihr noch blieb. "Die Kombination halte ich ebenfalls für keine schlechte Idee, aber die Brust solltest du damit nicht zeichnen", schlug sie nach einer Weile stiller Beobachtung vor. "Dortige Zeichungen fallen schneller auf. Der Mann ist noch halbwegs bei der Sache, vor allem, wenn er von deinen Früchten kosten möchte. Er würde dich fragen, was die Zeichnungen zu bedeuten haben und dann gerätst du vielleicht schnell in Erklärungsnot, meine Liebe. Ich fürchte, an dieser Stelle wirst du Opfer bringen müssen ... aber keine Großen. Selbst ein Grobian kann eine wirklich anregende Massage vollführen- Außerdem würde es ihn erregen und unaufmerksam für deine tiefer gelegenen Zeichnungen machen. Ich weiß, das klingt nicht angenehm und am Ende wirst du entscheiden müssen, aber du weißt auch, dass ich nichts verharmlosen werde. Deine Ideen der Kombinationen halte ich aber alle für sehr gut. Zu schade, dass du niemanden hast, der ... eine Art ... Versuchskaninchen darstellen könnte. Bei mir würde es wohl nicht funktionieren, da ich weder deine Feindin bin, noch mich von begehrenden Trieben leiten ließe." Sie waren Freundinnen, aber nicht auf dieser Ebene. Und selbst wenn, würden ihre Runenbilder dann anschlagen? Vielleicht wäre Sarin gar nicht dagegen, solche Freuden und Erfahrungen mit der Alten zu erleben. Aber diese Vorstellungen benötigten keiner praktischen Umsetzung. Die Alte hatte Recht: Wenn Sarin es testen wollte, müsste sie jemanden finden, der ihr entweder nicht wohlgesonnen war oder über ihren persönlichen Willen hinweg seiner eigenen Lust nicht mehr Herr wäre. Keien guten Aussichten. Manche Dinge sollten nicht einmal im Versuch ausprobiert werden.
Letztendlich war es aber gut, dass sich die beiden Elfen sachlich sogar über diese Thematik unterhalten konnten. Sarin fand darin Ruhe und die Alte schenkte ihr mit ihren Worten Sicherheit. Selbst mit Manthalas warnenden Albtraum in Erinnerung konnte Sarin nun wohl erneut gefestiger in ihre unliebsame Zukunft blicken. Sie musste sich nicht hilflos fühlen, wenn sie sich so gut vobereitete.
"Was den Fürsten betrifft, kann ich dir leider keinen guten Rat geben. Ich kenne ihn überhaupt nicht, ebenso wenig wie seinen Sohn. Deine Befürchtungen beruhen auf Manthalas Weisen. Wir wissen, dass sie die Göttin unseres Volkes ist. Niemand bewegt sich so gekonnt in den Schatten wie wir, aber auch mit uns spielt sie manchmal. Wir können uns niemals sicher sein, welche Hintergedanken und Pläne sie hat. Aber vielleicht ist es einen Versuch wert. Kannst du herausfinden, ob sich die Möglichkeit böte und was sein Sohn von der Idee hält? Dein Plan klingt ansonsten sehr solide und bedacht. Behalte ihn auf jeden Fall in der Hinterhand. Notfalls zeichne die Runen mit ... Honig oder Sahne auf seinen Körper als Teil eines Liebesspiels, in das er dich reißen will. Es wäre der letzte Strohhalm und deine Seele würde vorab viel aushalten müssen, aber im entscheidenden Moment könnte es dich vor Schlimmerem bewahren."
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Sarin Kasani » Mittwoch 2. September 2020, 21:43

"Manchmal bin ich selbst erstaunt, wie gut sie uns verstehen. Schau, mein Goldkreuzchen möchte dir helfen. Einen Augenblick, Liebchen!"
Die zarte Berührung des Spinnenbeins kitzelte und Sarin wusste, sie würde diese Momente sehr vermissen.
„Gibt es eigentlich auch Spinnen an der Oberfläche?...so wie Goldkreuzchen? Sicher nicht so viele. Sie lieben Höhlen und Dunkelheit wie wir.“
Sarin hatte sich ihre Frage quasi schon selbst beantwortet. Die alte Elfe streichelte das Goldkreuzchen und verkorkte die Phiole, nachdem sie diese gemolken hatte. Jene brachte sie dann zu Sarin und hielt sie ihr entgegen.
"Das ist alles, was wir dir anbieten können. Es wird niemanden töten, wie du weißt. Meine letzte Freundin, die dazu in der Lage war, fand ich vor Monaten tot in ihrem Netz...“
Sarins Blick wurde traurig. Nicht weil sie kein tödliches Gift bekam, sondern weil ihre Freundin einen Verlust erlitten hatte.
„... Die Eier sind noch nicht geschlüpft und ich fürchte, vor deiner Abreise wird das auch nicht passieren...“
Ihr Mienenspiel hellte sich wieder auf, denn es gab Hoffnung auf Nachwuchs.
„Aber Goldkreuzchens Gift sollte ausreichen, wenn du einen Elfen unserer Größe für einige Minuten lähmen möchtest. Das ist genug Zeit zu flüchten oder ... drastischere Methoden bei dem Hilflosen anzuwenden... Vielleicht findest du auf dem nachtelfischen Schwarzmarkt stärkere Gifte."
Einige Minuten... Es ist eine Chance.
„Wenn ich mir auf dem Schwarzmarkt kurz vor der Hochzeit ein tödliches Gift kaufe, dann erfährt das Mentára. Das will ich lieber nicht riskieren.“
Dann begannen sie mit Pinsel und Farbe zu üben.
"Es kommt nicht einmal auf das Material an, wie du weißt. Die Rune zählt. Du musst sie korrekt auftragen, also nimmt dir alle Zeit, die du noch hast, um zu üben. Vielleicht kannst du die Farbe in Phiolen für dein Schminkkästchen füllen, um keinen Verdacht auf dich zu lenken. Selbst dunkelelfische Männer sollten sich nicht weit genug für diese Utensilien interessieren, als dass sie es in Frage stellen."
„Das ist eine gute Idee. Ich werde mir noch ein paar Farben mehr besorgen. Eine Frau kann nie genug Schminke haben.“
Sie lachten. Sie übten. Sie waren zusammen und die Alte brachte ihr wichtige Erkenntnisse für ihre Hochzeitsnacht bei:
"Die Kombination halte ich ebenfalls für keine schlechte Idee, aber die Brust solltest du damit nicht zeichnen...“
Nicht?
Sarin war in diesen Dingen sehr unbedarft.
„... Dortige Zeichnungen fallen schneller auf. Der Mann ist noch halbwegs bei der Sache, vor allem, wenn er von deinen Früchten kosten möchte. Er würde dich fragen, was die Zeichnungen zu bedeuten haben und dann gerätst du vielleicht schnell in Erklärungsnot, meine Liebe. Ich fürchte, an dieser Stelle wirst du Opfer bringen müssen ... aber keine Großen. Selbst ein Grobian kann eine wirklich anregende Massage vollführen. Außerdem würde es ihn erregen und unaufmerksam für deine tiefer gelegenen Zeichnungen machen. Ich weiß, das klingt nicht angenehm...“
Das tut es wirklich nicht. Ich werde in einer solchen Situation ordentlich schauspielern müssen und weis nicht, ob mir das gelingt.
„... und am Ende wirst du entscheiden müssen, aber du weißt auch, dass ich nichts verharmlosen werde. Deine Ideen der Kombinationen halte ich aber alle für sehr gut. Zu schade, dass du niemanden hast, der ... eine Art ... Versuchskaninchen darstellen könnte. Bei mir würde es wohl nicht funktionieren, da ich weder deine Feindin bin, noch mich von begehrenden Trieben leiten ließe."
Sarin hatte eine Idee und wurde prompt rot!
Lariel...?
Ihr heimlicher Verehrer wäre vielleicht sogar gewillt sich als Versuchskaninchen anzubieten, wenn sie ihm von ihrem Plan und Ängsten diesbezüglich berichten würde, aber wenn er sie wirklich liebte, dann würden die Runen das wissen und ihm trotzdem Einlass gewähren. Allein die Vorstellung ließ Sarin unruhig auf ihrem Platz hin und her rutschen. Außerdem war da noch der winzige Samen des Zweifels, ob sie ihm soweit vertrauen dürfte. Ganz angesehen von der Peinlichkeit und dem Scham ihn überhaupt dafür ansprechen... NEIN!
Ich bin verlobt! Das wäre nicht richtig!
Unmoralisch war dieser Gedanke auch und jede Idee in diese Richtung war allein niederer Triebe zuzuschreiben.
Ich habe anscheinend auch ...Triebe...
Sarin strich sich bei dieser Erkenntnis in Gedanken mit der flachen Hand übers Gesicht.
Das ist eine ganz dumme Idee. Es würde nur alles komplizierter machen und uns beiden das Herz brechen. Ich hab schon den Kuss zurück gewiesen! Wie könnte ich da... Hm..
Ein anderer Gedanke huschte kurz flüsternd durch ihr Unterbewusstsein, den sie sich aber SOFORT verbot!
...Iryan?
Sie schüttelte sich und kehrte ins Hier und Jetzt zurück. Manche Dinge sollten nicht einmal im Versuch ausprobiert werden. Letztendlich war es aber gut, dass sich die beiden Frauen sachlich sogar über diese Thematik unterhalten konnten. Sarin fand darin Ruhe und die Alte schenkte ihr mit ihren Worten Sicherheit. Selbst mit Manthalas warnenden Albtraum in Erinnerung konnte Sarin nun wohl erneut gefestigter in ihre unliebsame Zukunft blicken. Sie musste sich nicht hilflos fühlen, wenn sie sich so gut vorbereitete.
"Was den Fürsten betrifft, kann ich dir leider keinen guten Rat geben. Ich kenne ihn überhaupt nicht, ebenso wenig wie seinen Sohn. Deine Befürchtungen beruhen auf Manthalas Weisen. Wir wissen, dass sie die Göttin unseres Volkes ist. Niemand bewegt sich so gekonnt in den Schatten wie wir, aber auch mit uns spielt sie manchmal. Wir können uns niemals sicher sein, welche Hintergedanken und Pläne sie hat. Aber vielleicht ist es einen Versuch wert...“
Von welchem Versuch redet sie gerade? Es waren so viele.
„... Kannst du herausfinden, ob sich die Möglichkeit böte und was sein Sohn von der Idee hält?“
...den Fürsten mit Runen milde zu stimmen?
„Dein Plan klingt ansonsten sehr solide und bedacht. Behalte ihn auf jeden Fall in der Hinterhand. Notfalls zeichne die Runen mit ... Honig oder Sahne auf seinen Körper als Teil eines Liebesspiels, in das er dich reißen will.“
Wieso Honig und Sahne? Was für ein Liebesspiel? Ähm... Ich dachte... ich leg mich hin, mach die Beine breit und den Rest macht der Mann?!?
Auf solche Ideen wäre sie niemals allein gekommen.
„Es wäre der letzte Strohhalm und deine Seele würde vorab viel aushalten müssen, aber im entscheidenden Moment könnte es dich vor Schlimmerem bewahren."
„Ähm... entschuldige... Liebesspiel? Ich verstehe nicht. Sahne als Farbe? Ich hab mich mal bekleckert und das ist auch lange her, aber ich weis, dass sie auf Körperwärme sehr schnell zerläuft. Ich denke nicht, dass das... Ähm ...Honig? Der klebt doch. ...“
Sarin grübelte kurz.
„Honig würde deutlich hartnäckiger auf der Haut bleiben und selbst beim verwischen seine grundsätzliche Form behalten. Aber ich werde mir auch ein Gläschen Honig besorgen und damit üben, wenn du meinst.“
So richtig verstand sie den Sinn und Zweck dahinter noch nicht. Hätte die Alte davon gesprochen so ihre Lippen magisch zu versiegeln, so hätte sie den Zusammenhang selbst gefunden. Ein geraubter Kuss, oder das Vordringen einer fremden Zunge in die Mundhöhle konnte gewiss auch erschreckend sein. Da waren Nahrungsmittel in Mundnähe logisch, aber weiter unten? Sarin hatte wohl das sprichwörtliche Brett vorm Kopf, was bei ihrer mangelnden Erfahrung kein Wunder war.
Verliebte füttern sich ja manchmal...
Das hatte sie hier und da schon beobachtet. Aber sie konnte sich nicht vorstellen, dass der Fürst sie liebevoll „füttern“ würde. Auch ein „Liebesspiel“ konnte sie sich nicht vorstellen. Weder bei ihm noch generell. Blieb zu hoffen, dass ihre Freundin das Malheur erkannte und vielleicht dagegen noch etwas unternehmen konnte. Sarin war keine Verführerin. Sie war Jungfrau zu dem sogar noch in Gedanken sehr unschuldig. Sie hatte sich zwar theoretisch zu Aufklärungszwecken mal mit dem Thema befasst, damit sie wusste was wo hin gehörte, aber hatte sonst wenig Anschauungsmaterial gehabt. Bzw. eben nur das gesehen, was man öffentlich an Küssen und zarten Fummeleien bei Hof zu sehen bekam. Das frivole Getratsche, dass sie manchmal wohl oder übel belauscht hatte oder sogar mitwirken musste um Kunden bei Laune zu halten, hatte sie teils nicht verstanden und meistens einfach nur mitgelacht. Vielleicht hatte sie sogar mal vom „Finger im Honigtopf“ gehört, aber da einen Zusammenhang zu bilden, das konnte sie so ganz ohne Erfahrung nicht. Außer ein paar heimliche Küsse und das Streicheln einer Hand, kannte sie nicht und das war auch allgemein bekannt. So hatte selbst ihre Cousine sich mit ihren Freundinnen manchmal über sie lustig gemacht, ohne ihre verdrehten Worte zu erklären. Und die züchtigen Romangeschichten, die Sarin gelesen hatte, von denen sie manchmal nachts träumte, da fiel immer der Vorhang an der entsprechenden Stelle, wenn der Prinz die Prinzessin in sein Gemach führte und ließ sie mit einem sehnsuchtsvollem Seufzer zurück. Entsprechend „erotische“ Lektüre kannte sie nicht. Wenn also mal ein Mann kommen würde um in ihr die Leidenschaft zu wecken, so würde er auf sehr viel angestaute Energie und noch mehr Neugierde stoßen, aber auf keinerlei Erfahrung oder Wissen um diese Dinge.
Sarin grübelte also noch eine Weile und meinte dann zusammenfassend:
„Nicht auf die Brust, wenn ich die Chance bekomme, dann auf den Schamhügel, da gucken die Männer hin, aber sehen nichts mehr... gut.“
Sie rezitierte die Fakten, wie die fleißige Schülerin die sie war.
„Wenn ich mich vorbereiten kann, dann ruhig mit der haltbaren Farbe, wenn nicht, dann mit... Honig … oder was ich zu greifen bekomme.“
Vielleicht redeten sie noch ein wenig, doch irgendwann musste auch die fleißigste Schneiderin mal ins Bett und auch wenn sie am liebsten hier geblieben wäre, so würde es nur zu unangenehmen führen, wenn sie nicht am Morgen im Palast zu finden war. Aber anständig verabschieden würde sie sich in jedem Fall.
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 3. September 2020, 20:16

Sie witzelten und sie tranken Tee und sie redeten. Es tat so gut, sich trotz der gleich bleibenden Thematik ein wenig von ihrem Schicksal lösen zu können, indem Sarin es einfach mit ihrer besten Freundin teilte. Und diese hörte nicht nur zu, sondern versuchte auch, all ihre Fragen zu beantworten. So erklärte sie, dass auch an der Oberfläche Spinnen existierten, allerdings wären diese deutlich kleiner als ihre Lieblinge in den Höhlen. Den Grund dafür wusste selbst die alte Elfe nicht, vermutete aber, dass es eben mit dem Lebensraum zu tun hatte. Oben gab es bestimmt keine so riesigen Höhlen mit riesigen Bewohnern wie beispielsweise Drachen. An dieser Stellen schweiften beide Frauen ein wenig ab und redeten lang und breit über die celcianischen Drachen, sowie deren Rückkehr. Selbst im Reich der Nachtelfen wusste man, dass sie wieder am Himmel geflogen sein mussten. Ihr Donnergrollen sei ja bis in den Stein hinein zu spüren gewesen. Außerdem hatten die Oberflächengänger der Nachtelfen davon erzählt, weil plötzlich einige abenteuerlustige Celcianer im Kloster im Wald Arus Halt machten, auf ihrem Weg ins Schattengebirge. Dort solle es einen Drachentempel geben. Wieviel davon der Wahrheit entsprach, wusste die alte Elfe nicht, aber sie hatte Spaß an den Geschichten und Träumereien, die sich ergaben.
Sarin träumte ebenfalls ein wenig vor sich her und verbannte Lariel, als auch Iryan in Gedanken in die Rolle eines Versuchskaninchens für ihre Runenmalerei. Nun, Letzteren könnte sie bestimmt fragen. Der Liebesbrief an Dhansair war ausgesandt und angeblich wollte der Dunkelelf ja alles für ein Treffen vor der Abreise in die Wege leiten. Antwort hatte Sarin heute nicht mehr erhalten, es sei denn, ein Nachtbote brächte sie ihr just in diesem Moment gen Schneiderstube. Aber selbst dann hätte er sich bis zum nachtelfischen Morgen gedulden müssen. Sarin spürte mit einem Mal, dass ihr erneut die Müdigkeit in die Knochen kroch. Und sie spürte die Röte auf ihren Wangen. Selbst ihre Freundin hatte das bemerkt und schmunzelte vielsagend, schwieg aber dazu.
Dafür lachte sie auf, als Sarin nicht ganz verstand, was sich hinter einem Liebesspiel mit Honig und einem Töpfchen Sahne alles verbergen konnte. Sie lachte ihre Freundin nicht aus, sondern zeigte sich nur herzlich entzückt über deren Unerfahrenheit. Dann streckte sie ihre schlanken Finger wie schön geschwungene Spinnenbeine gen Sarin aus. "Zwischen der Vereinigung von Mann und Frau existiert mehr als sich bloß niederzulegen und sein Eindringen zu empfangen, meine Liebe. Oh, so viel mehr und wenn du einen guten Partner hast, wird dir das Vorspiel mehr Lust bereiten als der eigentliche Akt." Sie kicherte. "Ein Verführungskünslter würde eine Schale Obst bereitstellen, ein Gläschen Honig oder Sahne. Ihr würdet euch gegenseitig füttern und natürlich ... rein zufällig ... etwas kleckern, um die Süße vom Körper des anderen zu lecken. Oder um damit schlüpfrige Symbole auf die nackte Haut zu malen. Hier könntest du deine Runen zum Einsatz bringen. Sie würden nicht lange halten, könnten gerade bei Honig und Sahne schnell verwischen, aber sie würden wenigstens für einen Moment Wirkung zeigen. Manchmal reichen wenige Herzschläge, um eine Situation gänzlich zu verändern." Sie tippte sich an das Kinn und warf Sarin einen verstohlenen Blick zu, dass ihre Augen dabei aufblitzten. Dann grinste sie überaus erfreut. "Aber wenn du einen richtigen Meister der Verführung in deiner Gegenwart hast, wirst du nicht zum Zeichnen kommen. Dafür kommst du ... anders..." Sie konnte nicht mehr an sich halten und prustete los, vor allem, weil die arme Sarin vermutlich nichts von ihren Zweideutigkeiten verstand. Nachdem sich die Elfe einige Lachtränen aus den Augenwinkeln gewischt hatte, winkte sie nach wie vor unter leisem Kichern ab.
"Ich hoffe inzwischen, dass der dunkelelfische Prinz diese Eigenschaften mitbringt. Dann wirst du ein gutes Leben führen, vertrau mir." Sie hatte offenbar Bekanntschaft mit einem Verführungsmeister gemacht. Und sie erinnerte sich mit Liebe an ihn zurück, denn nach ihrem kleinen Lachanfall kehrte eine innere Ruhe ein. Für wenige Augenblicke war die Freundin vollkommen still, lächelte warm in sich hinein und man konnte in ihren Augen die Erinnerung an schöne Zeiten erahnen.
Dieser Übergang leitete dann auch langsam das Ende ihres geselligen Abends ein. Doch Sarin würde keinen langen Weg zurück zum Palast nehmen oder auf ihrem Sofa schlafen müssen. "Ich bestehe darauf, dass du dich ausgeruht von mir verabschiedest!" Entwaffnende Worte, sowie eine Einladung, die sie nicht ablehnen konnte. So bereiteten die Spinnen mit Eifer ein zweites Netzbett vor, in das Sarin sich hineinsinken lassen konnte. Sie hing darin wie in butterweichen Wolkenfetzen und die Freundin reichte ihr einen mit Spinnenseide gefüllten Kokon als Kissen, sowie eine gewebte Decke. In dieser lauschigen Wärme konnte Sarin wirklich endlich Ruhe finden. Manthala aber schenkte ihr erneut einen Traum...

Dieses Mal wusste sie, dass sie träumte. Denn wie könnte es sonst sein, dass sie bereits im Reich der Dunkelelfen war? Es musste sich um das Anwesen derer von Blutsdorn handeln. Sie erkannte das Wappen im eingestickten Baldachin wieder, zu dem Sarin empor starrte. Kurz bevor sich das breite Grinsen im Gesicht Fürst Raikhyns in ihr Blickfeld schob.
"Keine Sorge", grunzte er ihr entgegen und Sarin konnte spüren, wie jemand gegen ihren Widerstand kämpfte, um ihre Beine zu einer Schere gleich zu öffnen. "Wenn mein Sohn nicht will, wird es dennoch einen Erben für deine Stadtherrin geben. Und er bleibt in der Familie, bwahahaha!" Sein Lachen jagte kalte Schauer über Sarins Körper, betäubte sie und er riss ihr Brautkleid von ihrem Leib, bis sie nackt und bereit vor ihm lag. Sein Gesicht wurde von einem gewaltigen Schatten verhüllt, groß wie die Keule eines Trolls. War es ein Pilz? Oder eine Schlange? Sie zuckte. Dann beugte sich der Schatten zusammen mit dem Körper des Fürsten über sie und Sarin spürte einen unangenehmen Druck gegen ihren Schoß.
Es wäre ein Albtraum geworden, hätte nicht plötzlich jemand den breiten Dunkelelfenkörper mit einem Schrei von Sarin herunter gerissen. Sie erkannte die Stimme, auch wenn sie ohne ihr Lachen nicht so angenehm charmant klang wie im Wachzustand. Sie sah Lariels Augen aufleuchten, als er nach ihrer Hand griff, um sie aus den Fängen des Fürsten zu ziehen. Lariel hob Sarin auf den Rücken einer riesigen weißen Eule und sie beide verbargen sich in deren Federn, während der Nachtvogel aus des Fürsten Liebeskammer flog und mit zwei kräftigen Flügelschlägen die Pforte bersten ließ. In kreisenden Wirbeln bohrte sich die Eule in den Himmel empor, als flog sie eine nicht enden wollende Wendeltreppe hinauf. Dann sah Sarin ihn zum ersten Mal, auch wenn es nur im Traum war. Der Himmel präsentierte sich ihr als weite Fläche. Ein Zauber aus nächtlichem Schwarz und dem tiefsten Blau, das ihre Erinnerung hergab. Edelsteine funkelten zu Myriaden. Sie glitzerten und glänzten, doch am schönsten war immer noch das liebliche Lächeln aus dem Gesicht einer milchig bleichen Frau, das rund und leuchtend am Himmel thronte. Sie zeigte der Eule den Weg, welche direkt in einen Manthala-Tempel hinein flog. Sarin wusste, dass es ein Tempel der Göttin war. Sie kannte die Symbole. Und sie kannte auch die hohe Halle mit dem Altar im Zentrum. Hier hatte ihre Mutter Zeremonien zu Ehren der Schattenherrin vorbereitet, während die kleine Sarin durch die Halle gerannt war, um jedem die weiße Feder zu zeigen, die Mama ihr geschenkt hatte.
Doch dieses Mal war ihre Mutter nicht anwesend. Überhaupt fand sich niemand in der Halle. Die Eule setzte Sarin auf dem Altar ab. Noch immer war sie nackt, noch immer hockte sie breitbeinig da und offenbarte der Welt einen Blick zu ihrem eigenen kleinen Tempel. Sie roch Honig. Er glitzerte golden auf den nackten Körpern der drei Männer, welche an sie heran traten. Der Blasseste von ihnen war Lariel, welcher mit williger Sehnsucht und ebenso willigem Zeichen seines Schoßes zu ihr herab sah. Der zweite war ein schöner, dunkler Körper, trainiert und breit gebaut. Wieder musste Sarin zugeben, dass sie Iryan ohne seine Rüstung erst auf den zweiten Blick erkannte. Oh, wie gut er gebaut war, es erinnerte sie fast an den riesigen Schatten in der Kammer des Fürsten. Und der letzte Mann? Auch er besaß dunkle Haut, war allerdings deutlich schlanker gebaut, wenngleich drahtiger als Lariel. Sarin konnte sein Gesicht erkennen. Prinz Dhansair von Blutsdorn! Doch alles unterhalb seiner Brust lag im Nebel. Der Tanz hatte nicht ausgereicht, sich ihn nackt vorzustellen, vielleicht weil sie zu dem Zeitpunkt noch nicht in diese Richtung gedacht hatte.
Jetzt standen alle drei Männer vor ihr, eingeölt und glänzend mit goldenen Honighauben auf den Spitzen ihrer...

"Sarin! Sarin, wach auf!" Eine vertraute Stimme ließ das Bild verschwimmen. Dann spürte Sarin ein unliebsames Rütteln und schließlich fand sie sich in der Höhle ihrer spinnenliebenden Freundin wieder. Sie lag in dem gemachten Nest aus Spinnenseide, atmete schwer, aber nicht erschöpft. Hatte sie in ihr gewebtes Bett gemacht? Ihr Schoß fühlte sich warm und feucht an. Doch noch ehe sie länger darüber nachdenken konnte, bettelte ihre Freundin wieder um Aufmerksamkeit. "Sarin, Liebes, beeil dich und kehre zum Palast zurück! Achtbeinchen ist so schnell gelaufen, wie ihre Füßchen sie tragen konnten. Eine Kutsche wartet in der Einfahrt, geschmückt mit schwarzen Rosen und es sind riesige schwarze ... Wesen vorgespannt! Auf dem Kutschbock sitzt ein schwarzer Ritter und hinten in der offenen Kutsche wartet der Dunkelelfenprinz auf dein Erscheinen. Schnell, schnell, mach dich fertig. Du darfst keinen Skandal durch Abwesenheit riskieren, liebe Freundin."
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Sarin Kasani » Freitag 4. September 2020, 09:31

Sie witzelten und sie tranken Tee und sie redeten. Es tat so gut, sich trotz der gleich bleibenden Thematik ein wenig von ihrem Schicksal lösen zu können, indem Sarin es einfach mit ihrer besten Freundin teilte. Und diese hörte nicht nur zu, sondern versuchte auch, all ihre Fragen zu beantworten. Zwischenzeitlich drifteten ihre Gedanken in eine andere Richtung:
Warum hab ich eigentlich Angst vor dem alten Fürsten? Weil er nicht mein „Ehemann“ ist? Weil er mich seinem Sohn gibt, aber mich für sich will? Weil er einen dicken Bauch hat? Bin ich wirklich so oberflächlich? Er könnte doch auch nett... Nein... könnte er nicht! Ich suche nur wieder das Gute in allem. Habe ich Angst, weil Manthala in meinen Träumen meinen Ängsten seine Stimme gegeben hat? Warum habe ich keine Angst vor Dhansair? Weil er mein Ehemann wird und somit ein „Recht“ auf mich hätte?... oder dem geheimnisvollen Iryan? Oder … … … dem so freundlichen Lariel? Sind sie denn keine Männer mit ...einer „Schlange“, die mir weh tun würden? Bei allen Schatten!! Ich... ich hab noch garnicht drüber nachgedacht, dass ich bei einem Mann liegen werde! Die ganze Zeit hab ich nur Angst vergewaltigt zu werden. Aber es ist doch viel mehr! Da ist auch die Angst vor dem „wie“ ...weniger vor dem „mit wem“. Ich hab keine Ahnung wie das ablaufen wird, was ich tun muss! Ich werde jämmerlich versagen und …
Sarin steigerte sich immer mehr in diese Gedankenspirale und begann kurzatmig zu hecheln. Zum Glück bemerkte sie schnell, dass sie keine Luft mehr bekam und verpasste sich ein paar kleine schnelle Ohrfeigen, wie jemand der müde war. Ihre Hände auf ihrer Wangen holten sie in die Realität zurück, die leider dadurch auch nicht besser wurde.
Versagen? Ähm...hab ich das jetzt grade wirklich gedacht? Hab ich Angst schlecht „im Bett“ zu sein? Echt? Na toll! Lucil hat Recht. Ich bin ein Streber! Selbst wenn ich dem Fürsten entgehe... da ist ja dann noch mein Verlobter... oder... irgendwann vielleicht doch mal ein Mann der mich liebt. Aber wie soll ich mich darauf vorbereiten? Auf einmal geht alles so schnell! Was soll ich machen? Soll ich in ein Bordell gegen und fragen: Darf ich mal zugucken? Entweder schmeißen sie mich raus, oder behalten mich gleich zum „arbeiten“ da! Zu gefährlich. Aber es muss doch einen Weg geben... Ich muss meine Schicksalsfäden verstärken!
Sarin grübelte darüber, wen sie in dieser Sache um Hilfe bitten konnte. Doch außer ihrer alten Spinnenfreundin fiel ihr niemand ein, den sie unverfänglich fragen konnte.
Vielleicht eher noch die Köchin. Sie war immer nett und freundlich zu mir. Sie und die Mägde tuscheln eh bestimmt unentwegt darüber, dass ich nie Herrenbesuch hatte. Da würde es sie auch nicht wundern, wenn ich sie um „Anschauungsmaterial“ bitte. Hm... vielleicht gibt es so was wie ein Buch...mit Bildern... So etwas kann man ja nicht in Worte fassen!
Das man das durchaus konnte, manch ein Liebhaber es genoss seiner Liebsten kleine schmutzige Worte ins Ohr zu flüstern, das kam Sarin natürlich nicht in den Sinn.
Irgendjemand muss ich fragen. Ist ja nicht so, als könnt ich irgendwo ein Guckloch öffnen um mich fortzubilden... oder vielleicht doch?
Wieder huschten ihre Gedanken zu Lariel. Er war ein geschickter Bote und kannte vielleicht den ein oder anderen Geheimgang im Palast. Sarin stellte es sich wie in ihren Romanen vor, wo ein Wandteppich zur Seite schwang oder ein Paneel in der Wand sich öffnete und man durch staubige Gänge huschte. Vielleicht könnte sie mit ihm im Dunkeln sitzen und durch einen Spalt ein sich liebendes Pärchen beobachten? Sarins Ohren glühten auf und ihre Wangen nahmen einen äußerst lebendigen Farbton an. Beides, das Beobachten und das auch noch mit Lariel zusammen, das war zu viel!
Bei allen Schatten, woher kommen nur diese ganzen Gedanken?! Ich hatte doch vorher nie diese... Zustände!
Früher hatte sie sich auch nie mit diesem Thema als „selbst davon betroffen“ beschäftigen müssen. Jetzt holte sie viel zu spät quasi ihre Pubertät ein. Und da Sarin schon immer ein enorm kreativer Nachtelf war, da sprudelten auch hier die Bilder bunt durch ihren Kopf. Mit ihrer alten Freundin über Verführungskünstler zu reden, half da auch nicht gerade, sondern stachelte ihre Phantasie noch weiter an.
"Zwischen der Vereinigung von Mann und Frau existiert mehr als sich bloß niederzulegen und sein Eindringen zu empfangen, meine Liebe. Oh, so viel mehr und wenn du einen guten Partner hast, wird dir das Vorspiel mehr Lust bereiten als der eigentliche Akt."
Vorspiel?
"Ein Verführungskünstler würde eine Schale Obst bereitstellen, ein Gläschen Honig oder Sahne. Ihr würdet euch gegenseitig füttern und natürlich ... rein zufällig ... etwas kleckern, um die Süße vom Körper des anderen zu lecken...“
Lecken? Mit der Zunge?
Sarins Kopf drohte noch eine Nuance mehr ins Rot zu gehen und stand kurz vor der Explosion. Zum Glück ging das Thema wieder etwas in die Magie-Richtung.
„... Oder um damit schlüpfrige Symbole auf die nackte Haut zu malen. Hier könntest du deine Runen zum Einsatz bringen. Sie würden nicht lange halten, könnten gerade bei Honig und Sahne schnell verwischen, aber sie würden wenigstens für einen Moment Wirkung zeigen. Manchmal reichen wenige Herzschläge, um eine Situation gänzlich zu verändern."
Sie tippte sich an das Kinn und warf Sarin einen verstohlenen Blick zu, dass ihre Augen dabei aufblitzten. Dann grinste sie überaus erfreut.
"Aber wenn du einen richtigen Meister der Verführung in deiner Gegenwart hast, wirst du nicht zum Zeichnen kommen. Dafür kommst du ... anders..."
Ich komme... anders? Was hat das nun wieder zu bedeuten?
Sarins Gesicht musste äußerst dämlich ausgesehen haben, denn ihre Freundin konnte nicht mehr an sich halten und prustete los. Nachdem sich die Elfe einige Lachtränen aus den Augenwinkeln gewischt hatte, winkte sie nach wie vor unter leisem Kichern ab.
"Ich hoffe inzwischen, dass der dunkelelfische Prinz diese Eigenschaften mitbringt. Dann wirst du ein gutes Leben führen, vertrau mir."
Sarin presse nachdenklich die Lippen zusammen. Sie vertraute ihrer Freundin und wusste, dass sie sie in solch wichtigen Dingen niemals anlügen würde.
Aber wie bekomme ich dann den Prinzen dazu, sich als „Verführer“ bei mir zu betätigen, wenn er mich doch garnicht will?
Das war wohl das Problem des Tages. Für wenige Augenblicke war die Freundin vollkommen still, lächelte warm in sich hinein und man konnte in ihren Augen die Erinnerung an schöne Zeiten erahnen. Dieser Übergang leitete dann auch langsam das Ende ihres geselligen Abends ein und Sarin wurde eingeladen auf ihrem Sofa zu schlafen.
"Ich bestehe darauf, dass du dich ausgeruht von mir verabschiedest!"
Entwaffnende Worte, sowie eine Einladung, die sie nicht ablehnen konnte. So bereiteten die Spinnen mit Eifer ein zweites Netzbett vor, in das Sarin sich hinein sinken lassen konnte. Es war einfach traumhaft und Manthala aber schenkte ihr erneut einen Traum, nur dieses Mal wusste sie, dass sie träumte.
Morgeria...
Es musste sich um das Anwesen derer von Blutsdorn handeln. Sie erkannte das eingestickte Wappen im Baldachin wieder, zu dem Sarin empor starrte. Kurz bevor sich das breite Grinsen im Gesicht Fürst Raikhyns in ihr Blickfeld schob.
"Keine Sorge"
, grunzte er ihr entgegen und Sarin konnte spüren, wie jemand gegen ihren Widerstand kämpfte, um ihre Beine zu einer Schere gleich zu öffnen.
Nicht schon wieder!
Die nächsten Worte und Bilder brannten sich in ihre Seele.
"Wenn mein Sohn nicht will, wird es dennoch einen Erben für deine Stadtherrin geben. Und er bleibt in der Familie, bwahahaha!"
Ihr Brautkleid zerriss unter seinem Lachen, dann wurde sein Gesicht von einem gewaltigen Schatten verhüllt und es wäre ein Albtraum geworden, hätte nicht plötzlich jemand den breiten Dunkelelfenkörper von Sarin herunter gerissen.
Manthala sei Dank!
Sie sah Lariels Augen aufleuchten, als er sie aus den Fängen des Fürsten zog.
Lariel?
Lariel hob Sarin auf den Rücken einer riesigen weißen Eule, während der Nachtvogel aus des Fürsten Liebeskammer flog. Der Himmel präsentierte sich ihr als weite Fläche. Ein Zauber aus nächtlichem Schwarz und dem tiefsten Blau, das ihre Erinnerung hergab. Edelsteine funkelten zu Myriaden. Doch am schönsten war das liebliche Lächeln aus dem Gesicht einer milchig bleichen Frau, das rund und leuchtend am Himmel thronte.
Manthala sei Dank!
Sie flogen in ihren Tempel hinein. Die Eule setzte Sarin auf dem Altar ab. Noch immer war sie nackt, noch immer hockte sie breitbeinig da. Sie roch Honig. Er glitzerte golden auf den nackten Körpern der drei Männer, welche an sie heran traten. Der Blasseste von ihnen war Lariel, welcher mit williger Sehnsucht und ebenso willigem Zeichen seines Schoßes zu ihr herab sah.
Oh, ihr Götter!
Der zweite war ein schöner, dunkler Körper, trainiert und breit gebaut. Wieder musste Sarin zugeben, dass sie Iryan ohne seine Rüstung erst auf den zweiten Blick erkannte. Wie gut er gebaut war, es erinnerte sie fast an den riesigen Schatten in der Kammer des Fürsten. Sie biss sich auf die Unterlippe!
Sabber!
Und der letzte Mann? Auch er besaß dunkle Haut, war allerdings deutlich schlanker gebaut, wenngleich drahtiger als Lariel, eben ein Tänzer. Sarin konnte sein Gesicht erkennen. Prinz Dhansair von Blutsdorn! Doch alles unterhalb seiner Brust lag im Nebel, den sie gern mit der Hand fort gewedelt hätte. Der Tanz hatte nicht ausgereicht, sich ihn nackt vorzustellen, vielleicht weil sie zu dem Zeitpunkt noch nicht in diese Richtung gedacht hatte. Jetzt standen alle drei Männer vor ihr, eingeölt und glänzend mit goldenen Honighauben auf den Spitzen ihrer...
Muss ich jetzt...lecken...? Der Honig... Da war doch was...
"Sarin! Sarin, wach auf!"
Eine vertraute Stimme ließ das Bild verschwimmen. Dann spürte Sarin ein unliebsames Rütteln und schließlich fand sie sich in der Höhle ihrer spinnenliebenden Freundin wieder. Sie lag in dem gemachten Nest aus Spinnenseide, atmete schwer, aber nicht erschöpft. Sarin seufzte und sehnte sich in ihren Traum zurück. Doch dann blinzelte sie ob einer irritierenden Empfindung. Hatte sie in ihr gewebtes Bett gemacht? Ihr Schoß fühlte sich warm und feucht an. Ein wohliges Ziehen verriet Sarin, dass ihr Körper sich doch sehr nach Zuwendung sehnte. Der Traum hallte noch in ihr nach und süße Wellen rannen über ihre Haut wie Honig.
Oh... das hatte ich lange nicht mehr...!!!
Doch noch ehe sie länger darüber nachdenken konnte, forderte ihre Freundin wieder ihre Aufmerksamkeit.
"Sarin, Liebes, beeil dich und kehre zum Palast zurück! Achtbeinchen ist so schnell gelaufen, wie ihre Füßchen sie tragen konnten. Eine Kutsche wartet in der Einfahrt, geschmückt mit schwarzen Rosen und es sind riesige schwarze ... Wesen vorgespannt! Auf dem Kutschbock sitzt ein schwarzer Ritter und hinten in der offenen Kutsche wartet der Dunkelelfenprinz auf dein Erscheinen. Schnell, schnell, mach dich fertig. Du darfst keinen Skandal durch Abwesenheit riskieren, liebe Freundin."
Scheiße!
, dachte Sarin wenig elegant und befreite sich von den weichen seidigen Traumresten dieses wunderbaren Bettes. Ihr Schoß bebte noch nach und nur zu gern wäre sie in einen kalten Zuber gestiegen um wieder klar denken zu können.
So ...rollig wie eine Katze... so kann ich doch nicht bei meinem Prinzen erscheinen?!
Nervös huschte sie hin und her, ließ sich helfen und hätte sich wenigstens gern untenrum gewaschen.
Hoffentlich merkt er nichts! Oh wie peinlich! Ich geh erregt zu meinem Verlobten! ...Na ja, wenn das hier ein Roman wäre, dann wäre das ja sogar passend! HA!
Sarin hatte keine Zeit um sich Gedanken über den Traum zu machen. Sie musste los. Sie küsste ihre alte Freundin auf beide Wangen und drückte noch einmal ihre Stirn an die ihre.
„Danke für alles!“
Habe ich dich nun das letzte Mal gesehen?
Dann rannte Sarin los. Sie musste schließlich noch einen Weg oder eine Ausrede finden, warum sie nicht im Palast war...
Brötchen holen? Erledigungen? Nein, dann müsste ich auch etwas dabei haben. Ein Spaziergang um den Kopf frei zu kriegen? Morgendliche Ertüchtigung?
Vielleicht schaffte sie es ja noch irgendwo hinein zu schlüpfen uns es wenigstens so aussehen zu lassen, als ob sie aus dem Palast kam. Wege gab es genügend. Jede Abkürzung nutzend huschte Sarin durch die morgendlichen Straßen der unterirdischen Stadt, die ihre Heimat war. Der Lauf brachte ihr Blut in Wallung und rötete ihre Wangen und sie kam hoffentlich noch rechtzeitig am Tor an, wo besagte Kutsche warten sollte.

„Mein Prinz, verzeiht meine Verspätung und meinen Aufzug. Ich laufe gern ein wenig am Morgen. Das hält das Herz jung und den Geist wach.“
,entschuldigte sie sich beim Einsteigen in die Kutsche. Hoffentlich war es auch ihr Prinz, der auf sie wartete, denn es gab wirklich viel zu besprechen und viele Fragen polterten durch Sarins aufgewühlte Seele.
Hat er den Vertrag dabei? Warum will er eigentlich nicht heiraten? Wurde er das je von seinem Vater gefragt? Kann ich ihn als Verbündeten gewinnen, wenn er mich schon nicht als Frau will? Manthala will mich auf ihrem Altar und der Fluch geht nur mit Liebe zu brechen... ich glaube, ich hab eine Idee, wie wir alles erreichen und sogar den Fürsten zufrieden stellen könnten. Der Göttin sei dank für diesen Taum... nur brauche ich jetzt GANZ VIEL MUT!
Die Fragen die sie ihrem Verlobten nun stellen wollte, die würden ihr einiges an Überwindung abverlangen und vielleicht würde er sie sogar für ihre Ideen auslachen, oder ihre Unschuld wegen. Aber Sarin sah sich auf Manthalas Seite und als Tochter ihre Mutter. Sie hatte sich und sie heute Nacht auch im Traum gesehen und vielleicht ihr einen Weg so aufgezeigt, wie sie alle vielleicht nicht „glücklich“ aber doch zusammen leben konnten. Das hier könnte der Handel ihres Lebens werden und wenigstens war sie ausgeschlafen. Sicherlich war sie erregt, aber das konnte man auf den Lauf schieben. Sicherlich war sie etwas derangiert, aber vielleicht machte die Röte ihrer Wangen das wieder wett. Sie hatte in ihrer Kleidung geschlafen und ihr Schoß erinnerte sie immernoch mit leichtem Ziehen an den Traum. Ein feines Näschen wie der Tiere hätte ihre Lust vielleicht sogar gerochen, so aber sollten alle verräterischen Indizien ein bisschen kaschiert sein. Jetzt musste Sarin aber erst einmal ihrem zukünftigen Gatten das Wort überlassen und sie brannte neugierig darauf, was er zu allem zu sagen hatte. Eine Kutschfahrt war dafür perfekt und sie waren ungestört.
Eine intelligente Wahl. Schlau ist er schon mal... mein Prinz.
, dachte sie sich und färbte damit ihr sanftes Lächeln ehrlich.
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Re: Die Spinnenhöhle

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. September 2020, 01:12

Wo der erste von zwei Träumen Sarin noch in der Wachwelt eine immense Angst durch den Körper gejagt hatte, war beim zweiten Traum nun das Gegenteil der Fall. Leider blieb ihr nicht die Zeit, sich über ihren eigenen Zustand Gedanken zu machen, so rasch war sie aus Manthalas Reich gerüttelt worden. Dabei hätte der Traum ihr doch sicherlich das eine oder andere verraten können, allem voran was man denn nun mit dem Honig so anstellte!
Aber die Realität drängte, ebenso wie Sarins liebe Freundin. Über eine ihrer Spinnen hatte sie vom dunkelelfischen Besuch vor dem Palast der Stadtherrin erfahren und selbst sie als Eigenbrötlerin wusste, dass es sich nicht schickte, Gäste von so weit außerhalb warten zu lassen. Erst Recht nicht, wenn Sarin mit ihrem übertriebenen Liebesbrief vorab auf sich aufmerksam gemacht hatte. Um ihr also einen Skandal zu ersparen war es nun notwendig, sie aus den feuchtfröhlichen Träumen mit gleich drei zur Auswahl stehenden Männern zu reißen. Wie schade! Ob Sarin jemals wieder die Gelegenheit erhalten würde? Sicherlich nur unter Manthalas schützendem Schleier. Und wenn dann sollte sie dort höchstens den Nebel vertreiben können, der im Traum Dhansairs Körper verborgen gehalten hatte. Niemals sollte sie erfahren ob Lariel und Iryan wirklich so von der Göttin ausgestattet worden waren, wie sie es sich im Traum vorgestellt hatte. Und deren Techniken sollten ebenso ein Geheimnis bleiben. Stattdessen woben sich Versagensängste in ihrem Kopf zusammen, während sie sich wenigstens ein bisschen frisch machte. Was erwartete man eigentlich von ihr in der ersten Liebesnacht? Niemand hatte sie jemals offen darüber aufgeklärt. Natürlich waren selbst an Sarins spitze Ohren Gerüchte gedrungen. Schlüpfrigen Tratsch gab es überall. Nicht zuletzt bekam sie ihn während ihrer Tätigkeit als Schneiderin mit, wenn die jungen Dinge des Adels darüber tuschelten und sie die Schnittmuster an einem Brautkleid dieser Damen anpasste. Manche waren doch immer sehr aufgeregt gewesen, hatten sich gefragt, ob ein Kuss bereits ausreichte, um dem Zukünftigen einen Nachfolger zu schenken. Sie erinnerte sich an eifrige Diskussionen, dass man Obst der Oberfläche essen sollte, wenn man sich ein Mädchen wünschte, weil doch auch sie mit weichem Obst am ganzen Körper ausgestattet wären. Für männlichen Nachwuchs hingegen sollte man eine spärliche Diät aus hartem Wurzelgemüse oder phallusartigen Nahrungsmitteln vorziehen. Nun wusste sie auch, was mit diesem Begriff gemeint war. Die aufgerichteten Verlängerungen ihrer Körper hatten bei Lariel und Iryan im Traum keineswegs nach der oft sogenannten Schlange ausgesehen, sondern wirklich mehr nach einem Pfahl oder Speer. Wie Dhansair wohl ausschaute? Oder sein Vater? An Letzteres wollte Sarin im Moment gar nicht denken, aber die Träume zusammengenommen beruhigten sie vielleicht auch ein wenig, während sie eilig den Weg zurück zum Palast nahm.
Insgeheim wusste sie doch, dass es niemals zu der Konstellation einer vierfachen Liebschaft zwischen ihr, dem Prinzen, seinem Leibwächter und Lariel kommen würde. Der Traum konnte also unmöglich eine Zukunftsvision darstellen. Wie stand es dann um den voran gegangenen Albtraum zum Fürsten Raikhyn von Blutsdorn? Wie sollte Sarin beide Träume nun deuten? Als Möglichkeiten oder Konsequenzen, wenn sie an bestimmten Fäden ihres Schicksalsnetzes zupfte? Einer davon würde sie also unter den Bauch des Fürsten befördern, der offensichtlich vor hatte, zumindest einen Blutsdorn-Erben zu zeugen, wenn sein Sohn aus welchen Gründen auch immer diese Pflicht nicht übernehmen wollte. Und irgendein anderer Faden, wenn nicht sogar drei führten etwa zu einer Zukunft, in der sie sich auf dem heiligen Altar Manthalas gleich drei Männern hingeben sollte? Welches Schicksal klang nun besser? Sie wusste es nicht, aber es blieb auch nicht viel Zeit, sich den Kopf noch länger damit zu zermartern. Überhaupt hatten die Gedanken ihren gesamten Abschied von der geliebten Freundin überschattet, so dass Sarin ihn eher wie in Trance erlebt hatte. Und nun war es zu spät.
Stattdessen würde sie dem Erbprinzen eines dunkelelfischen Adelshauses gleich unter die Augen treten in einem Aufzug, dem man einer Küchenmagd hätte zuschreiben können, aber sicher nicht ihr. Außer Atem würde sie sein, die Haare nicht gemacht und von der glitschigen Wärme zwischen ihren Schenkeln wollte sie gar nicht erst anfangen. Aber der Skandal, ihn ewig warten zu lassen, bis seine Geduld vielleicht am Ende wäre, drohte. Das durfte sie unter keinen Umständen riskieren. Blieb zu hoffen, dass die Nase ihres Künftigen nicht allzu ausgeprägt war und er den Duft ihres Körpers nicht wahrnahm, den Sarin glaubte, bei jedem der schnellen Schritte wahrnehmen zu können.

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