An den Stallungen

Ein magisches Tor versperrt euch den Weg. Keine Wachen weit und breit zu sehen, wie bekommt man hier nur Einlass? Und wer hat diese vielen Kanonen erfunden, die alle schützend auf die Stelle vor dem Tor zeigen?
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Dormian Arboris
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Re: An den Stallungen

Beitrag von Dormian Arboris » Montag 20. Juni 2011, 13:49

Totenstille breitete sich in dem kleinen Lager aus. Das Feuer schien Dormians Augen einen Streich zu spielen und formte mit seinen züngelnden Lohen die Szenen, welche Aio ihm soeben beschrieben hatte. So viele Menschen, wie Tiere auf Marktplätze zusammengetrieben und dann hingerichtet. Tausende Leben für eine Handvoll verdorbener Seelen, die sich an Tod und Leid labten. Anfangs hatte der Erdmagier Rufus Faust und seine Gehilfen für fanatische Spinner gehalten, die gerne mordeten und mit ihrer Macht spielten. Das stimmte auch, doch Dormian hätte sich diese Taten nie in einem derartigen Ausmaß vorstellen können. Er stellte sich vor, wie ein junger und gutaussehender Van Zan mit Tränen im Gesicht und Wunden am ganzen Körper im Staub kniet, während er hilflos dabei zusehen muss, wie seine gesamte Existenz aus Egoismus und Habgier heraus auf ewig erlischt. Einfach so, weil Rufus Faust und seine Schergen es wollten und konnten. Dormian sah zu Aio und auch ihm steckte die Trauer wie ein fester Knoten im Hals. Es war zweifellos eine Qual für die Elfe gewesen, ihm diese Geschichte zu erzählen und er war sich sicher, dass sie das nicht jedem erzählte. Erstickt schluckte er und berührte zögerlich die Schulter der hübschen Frau.
"Ich bin vielleicht nur ein kleiner Lehrling, der noch weit davon entfernt ist, stark zu sein. Aber eines verspreche ich dir... Van Zan wird seine Rache bekommen. Ich werde euch helfen, so gut es mir möglich ist und ich schwöre euch, dass ich nicht eher damit aufhören werde, bis Faust dort liegt, was er selbst ist. Im Dreck wird er vergehen und sein Tod wird unsere Namen tragen, oh, das schwöre ich dir, Aio... vielen Dank, dass du mich... aufgeklärt hast. Es ist mir eine Ehre, dein Vertrauen zu haben. Ich möchte versuchen, ebenso ein Freund für dich zu sein, wie Vater es war", schwor Dormian feierlich und ließ die Schulter Aios wieder los.

Abermals suchte sein Blick das Feuer, welches wieder harmlos und unscheinbar in die Nacht leuchtete. Rufus Faust; ein Name, der ihm ein Leben lang im Gedächtnis bleiben würde. Sollte es seine Lebensaufgabe werden, diesen Mörder und Totenschänder zu verfolgen und nicht eher zu ruhen, bis in den Geschichtsbüchern stand, dass er ihn erwischt hatte? Van Zan und Aio versuchten es schon so lange, jetzt wollte Dormian dazu beitragen, dass ihre Jagd endlich ein Ende fand. Zumal die Sache längst auch für ihn persönlich geworden war. Leliana war ebenfalls von diesen Bastarden entführt worden und nach dem, was die Elfe ihm erzählt hatte, sah er schon deutlich vor sich, wieso gerade sie auserwählt worden war. Eine hübsche, reife und junge Frau mit einem gesunden Körper und einem wachen Geist. Ideale Bedingungen, das neue Gefäß eines dieser Verbrecher zu werden. Ihm kamen die Worte Aios über sein Anliegen mit den Trollen wieder in den Sinn und er wischte das bezaubernde Antlitz seiner besten Freundin aus dem Verstand. Mit geklärtem Blick sah er sein Gegenüber an.
"Ich verstehe... es hätte mich wirklich gefreut, wenn ihr mich begleitet hättet, aber da kann man nichts machen. Mir fehlen sowieso noch ein paar Geschichten, die ich meinen Kindern und Enkeln in ein paar Dekaden in kalten Nächten am Kaminfeuer erzählen kann... Aio, Van Zan und Dormian, die Bezwinger von Rufus Faust", lächelte Dormian und das Bild eines freundlich schmunzelnden Alten tauchte vor seinem geistigen Auge auf. Er sah aus wie sein Vorfahr Lucrecious, saß am wärmespendenden Kamin im Anwesen der Arboris-Familie und hockte in dem Schaukelstuhl, den heute noch seine Großmutter besetzte. Vor ihm saßen drei Kinder, nicht älter als fünf Zyklen, die gebannt an seinen Lippen hingen. Neben ihm stand eine gleichaltrige Frau, die seufzend zum tausendsten Mal der Geschichte lauschte, wie ihr damals noch junger und ungestümer Gatte mit zwei Hexenjägern nach einem uralten Nekromanten hinterher jagten. Das Gesicht dieser alten Dame war verborgen. Kannte Dormian sie heute schon oder würde er sie kennenlernen? Eine der vielen Fragen, welche sich ihm durch kein Buch oder keinen Zauber der Welt beantworten ließen.
"Hehe... und die Geschichte, in der ein junger, dummer Zauberlehrling sich in ein Dorf voller blutrünstiger Trolle wagte, um ihnen ein mächtiges, magisches Geheimnis zu entlocken, das macht sich doch gut, nicht wahr?", grinste Dormian faltete die Hände. Sein Geist war wach und er fühlte sich ausgeruht wie schon lange nicht mehr.

Das war also die erste Nacht außerhalb von Zyranus. Vielleicht nicht so abenteuerlich und spannend, wie der Bursche es sich vorgestellt hatte. Doch das war schließlich erst der Anfang einer langen Reise, die ihn ein Leben lang prägen würde. Er warf einen Blick zu der schlafenden Stute Schneehuf, welche nun ihm gehören sollte.
"Ich denke, ich sollte dich um ein paar weitere Reitstunden bitten. Bei dir glaube ich, dass du mich nicht gleich umhauen und fast ins Jenseits prügeln möchtest, daher frage ich dich jetzt einfach. Kannst du mir denn beibringen, so gut zu reiten wie du? Ich möchte ja schließlich Schneehuf auch mal alleine reiten können, ohne dass du da sein musst, damit ich mir nicht das Genick beim Abwurf breche. Ginge das?", grinste er Aio an und versuchte damit, sie auf andere Gedanken zu bringen. Er wusste, dass er Erinnerungen zutage gefördert hatte, die allgegenwärtig waren, doch zumeist verdrängt werden konnte. Daher plagte ihn ein schlechtes Gewissen, welches er reinzuwaschen gedachte.

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Re: An den Stallungen

Beitrag von Erzähler » Dienstag 21. Juni 2011, 15:24

Aio schien so tief in Gedanken versunken, dass sie gar nicht mitbekam, wie Dormian aufstand und auf sie zu kam. Als die hand des jungen ihre Schulter berührte, zuckte sie leicht zusammen und sah für einen Moment verwirrt nach oben, bis sie ihren Begleiter erkannte. Als Dormian ihr Versprach, nicht zu ruhen, bevor er Faust zu fall gebracht hatte, lächelte sie nur ihr mysteriöses, trauriges Lächeln und stand auf. Für einen Augenblick schloss die Elfe den Magier in ihre Arme und drückte ihn an sich, ehe sie sich wieder voneinander lösten. ”Ach Dormi … du solltest so etwas nicht versprechen. Rache ist ein Gefühl, dass dich von innen heraus auffrisst, bis nichts mehr von dir übrig bleibt als ein Schatten. Aber ich danke dir trotzdem.” Sie küsste ihn flüchtig auf die Stirn und schlenderte dann davon, bis das Lagerfeuer zwischen den beiden war. Sie streckte sich und ihre lange Mähne fiel ihr ins Gesicht. Durch das Luftflimmern über dem Feuer war ihr Antlitz leicht verzerrt. Sie sah wie eine ganz andere Person aus.
”Es ist niemals schlecht, sich Gedanken für die Zukunft machen. Aber ich glaube du lebst ein wenig zu sehr in zu weiten Zukunft, mein lieber,” neckte die hübsche Blondine ihn, als Dormian davon erzählte, wie er später seinen Enkeln einmal Geschichten seiner selbst erzählen wolle.
Die Elfe wollte grade den Mund öffnen und etwas auf die Frage zu antworten, die Dormian ihm an Ende gestellt hatte, doch in diesem Augenblick trat die düstere Gestallt des gerüsteten Jorsaners aus dem Unterholz und in das Licht des Feuers. Darum sagte sie nichts weiter, sondern nickte und hob den Daumen, um zu verdeutlichen, dass sie dem Adepten irgendwann einmal Reitunterricht geben würde.
”Ah du bist Wach. Hätte nicht gedacht dass wir dich so schnell wiedersehen,” waren die Worte, mit denen Van Zan seinen jungen Kumpanen begrüßte. In seiner Stimme klang weder Hohn mit, noch hatte es den Anschein als wollte er sich mit freundlichen Worten einschmeicheln. Natürlich kam keine direkte Entschuldigung von dem ruppigen Soldaten, aber damit hatte wohl auch keiner gerechnet. Dass er ehrlich davon beeindruckt war, die Burschen wieder auf den Beinen zu sehen, schien das höchste der Gefühle zu sein. Dann warf der Hexenjäger ihm seinen eigenen Ebenholzstab zu. Es war Dormian noch gar nicht aufgefallen, dass seine Waffe nicht mehr da gewesen war. Bei näherer Untersuchung wurde jedoch klar, dass der Stab bearbeitet worden war. Jemand hatte in einer akribischen Kleinarbeit das untere Ende mit einer etwa 10cm langen Metallhülle versiegelt. Sogar ein detailreiches Muster war in das silbrige Material geätzt worden. Es sah nicht billig oder störend aus, sondern als hätte man den Stab genau so fabriziert. ”Das ist Kalteisen,” kommentierte Aio, welche die Metallverstärkung ebenfalls bemerkt hatte. ”Gereinigtes Silber, dass aus einer gesegneten Lysanthor-Statue gegossen wurde. Kalteisen hilft gegen Untote. Es verbrennt sie bei Berührung wie glühender Stahl und vertreibt manchmal sogar das unheilige Leben. Du warst also in der Schmiede?”
Die letzte Frage war natürlich an den erfahrenen Kempen gerichtet, der daraufhin nickte. ”Ich habe mich im inneren der Anlage umgesehen. In der Stallung befinden sich die Lichtbogengeschöpfe, also ist Asajj anwesend. Und ich sah Gast vor dem Eingang zum Haupthaus stehen. Es sieht so aus, als wären sie komplett versammelt. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Sie haben angefangen zu Tanzen. Wir müssen sofort eingreifen, bevor es zu spät ist!”
Für einen Augenblick stand Aios Mund offen, dann nickte sie heftig. Sie lief zu ihrem Schimmel und löste die Schwertscheide vom Sattel, um sich den Gürtel selbst umzulegen. Sie sah kurz zum Himmel hoch. Der Nachthimmel war erhellt von dem Licht unzähliger Sterne, aber der Mond war nicht zu erkennen. Bis zum Morgengrauen waren es bestimmt noch sechs Stunden. ”Das war so nicht geplant, glaub mir! Ich hätte es lieber gehabt, erst bei Tageslicht los zu legen. Nimm mit was du als hilfreich empfindest und dann los!”

[OT: So noch ein Post von dir, dann wechseln wir in Fausts Anwesen!]
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Re: An den Stallungen

Beitrag von Dormian Arboris » Dienstag 21. Juni 2011, 16:21

Mit großen Augen betrachtete Dormian verwundert den Stab, welcher von Van Zan bearbeitet worden war. Zwar hatte der junge Magier vorgehabt, mit diesem zu kämpfen, doch der Gedanke, dass man ihn verbessern konnte, war ihm gar nicht erst gekommen. Umso verwunderter war er, als ein paar Probeschwünge mit dem Stab sich als leichthändig und doch wuchtvoll herausstellten. Der Wanderstecken war zu einer perfekt ausbalancierten Waffe geworden.
"Danke... vielen Dank", raunte Dormian ehrfürchtig und ließ das Erbe seines Großvaters in der linken Hand ruhen. Anschließend folgten die Gegebenheiten schnell aufeinander. Es war von den Komplizen Fausts die Rede und davon, dass ihnen nicht mehr viel Zeit blieb, das Ritual zu verhindern. Es galt nun, keine Zeit mehr zu verlieren! Auf Aios Anweisung hin, sich vorzubereiten und alles mitzunehmen, was er brauchte, nickte der junge Erdmagier und schloss die Augen. Nach einer langen Ruhepause waren seine magischen Reserven aufgefüllt und bereit, aus seinem Körper zu strömen. Als er mit seinen geistigen Fühlern auf diese Reserven zugriff, glaubte der Zauberer, die Anwesenheit von Lucrecious zu spüren. Prompt stellte sich in ihm das Gefühl ein, nicht allein zu sein in diesem Kampf. Nicht, dass er das tatsächlich gewesen wäre, denn immerhin waren Aio und Van Zan bei ihm. Letzterer hatte ihn mit seiner Handlung und dem Stab ziemlich überrascht. Eine Entschuldigung hatte Dormian von Anfang an nicht erwartet, schließlich wollte er vorhin selbst, dass der raubeinige Kerl mit ihm kämpfte. Das Geschenk, welches er erhalten hatte, stimmte ihn umso zuversichtlicher, siegreich aus diesem Kampf hervorzugehen. Er gedachte, die Ratschläge von Aio und seinem Vorfahren zu beherzigen: sich nun nur auf die Befreiung der Studentinnen und den Kampf mit Fausts Gefährten zu konzentrieren.

Die Magie in ihm erwachte, griff nach dem Tor aus seiner Seele in die Realität und zeigte sich durch ein Knacken rund um den Lenker der Macht über die Erde. Diese begann, leichte Risse zu bekommen und um ihn herum stachen handgroße Spitzen empor, die vor magischer Kraft förmlich vibrierten. Dormian schloss das "Ventil" und staute die Kraft dahinter an, damit er sie sofort einsetzen konnte und öffnete die Augen.
"Ich bin bereit", sprach er mit fester Stimme und mit in einem intensiven Braunton leuchtenden Augen.

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Re: An den Stallungen

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 22. Juni 2011, 19:59

[Weiter geht es für Dormian hier: Der westliche Teil Celcias ‹ Der Wald Arus Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!]
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Re: An den Stallungen

Beitrag von Gestalt » Dienstag 13. März 2012, 13:57

[Dormian kommt von hier: Das Grasland ‹ Die magische Stadt Zyranus ‹ Wohnviertel in Zyranus ‹ Das Anwesen der Arboris]

Die Stallungen sahen an diesem Morgen fast genau so aus, wie an dem Tag, da Dormian als Verbannter die Stadt hatte verlassen müssen. Nur die Lage des Magiers war heute das genaue Gegenteil, denn seine Ehre war wieder hergestellt und zumindest der große Avatar sprach nun sehr respektvoll mit ihm. Auf der Wiese vor den Stallungen standen die selben drei Pferde wie damals; Schneehuf, Aios weißer Hengst und Van Zans Grauer. Nur der Hexenjäger fehlte in diesem Bild. Selbst das graue Pferd schien diese Situation zu betrauern. Ein Pferd sollte nicht so traurig drein schauen können. Wie schon bei ihrer ersten Begegnung saß die blonde Elfe im Schneidersitz auf dem Dach des Pferdeunterstand, aber anstatt Seifenblase in die Luft zu pusten, spielte sie eine sehr traurige Weise auf einer langen, silbernen Querflöte. Das fröhliche Lächeln, dass sie stets zur Schau getragen hatte, war verschwunden und sie wirkte erschöpft und älter. Als sie hörte, dass sich das magische Tor öffnete, unterbrach sie ihr Spiel und sah auf, um zu beobachten, wer die Stadt da verlies. Als sie ihren jungen Begleiter erkannte, huschte so etwas wie ein Lächeln über ihr Gesicht, dass aber sofort wieder der traurigen Miene platz machte. Langsam stand die Elfe auf und verstaute ihre Flöte in einer extra Tasche, die sich direkt an ihrer Schwerthülle befand.
Bei ihrem ersten zusammentreffen, war Aio noch unbedacht von dem Unterstand herunter gesprungen und hatte dabei den jungen Arboris unter sich begraben, im Glauben dieser würde sie auffangen. Heute rutschte sie ganz elegant einen der Pfeiler herunter und baute sich vor ihrem Kampfgefährten auf. Mit einer tiefen Verbeugung, die ihr die Haare ins Gesicht fallen ließ, begrüßte sie den Adepten, den sie erst vor ein paar Tagen kennen gelernt hatte, dem aber inzwischen ihr Vertrauen gehörte. ”Guten Morgen Dormian. Ich bin froh, dass du noch gekommen bist.“ Selbst ihre Stimme klang an diesem Morgen traurig und schwach, als traue sie sich nicht, lauter zu sprechen. ”Ich möchte mich noch bei dir Entschuldigen. Ich war unbedacht, dich dieser Gefahr auszusetzen. Ich hätte dich besser auf Faust und seine Diener vorbereiten müssen. Das du den Kampf gegen einen verdorbenen gewonnen hast ... es spricht für dich und deine Fähigkeiten. Wenn du sie weite schulst, wirst du sicher eines Tages ein großer Magus werden!”
Aio kam noch ein paar Schritte näher und schloss den Burschen dann wie einen kleinen Bruder in die Arme. Dass die beiden mehr als zweihundert Jahre trennten, erkannte man in diesem Moment nicht einmal im Ansatz. Als sie sich wieder von ihm löste, wandte sich die blonde Frau ab und ging langsam auf ihren Schimmel zu, dem wie sanft die Blässe streichelte. ”Ich hätte dich wirklich gerne weiter begleitet und wäre bestimmt mit dir zu den Trollen gereist, wenn ich es könnte. Aber ich muss nun einen anderen Weg beschreiten. Der Hexenjägerorden der Westlande hat versagt. Da ich sein letztes lebendes Mitglied bin, muss ich nun bei unserem Großmeister vorsprechen. Mit ein wenig Glück, schickt er einige Jäger aus anderen Orden mit mir zurück und gibt mir so eine letzte Chance, diesen Nekromanten endlich zu besiegen. Aber ich mache mir keine großen Hoffnungen. Elias hätte die Truppen sicher ohne Verzögerung erhalten. Ich wünschte unser beider Rolle wäre vertauscht, dass er noch ... und ich ...” Ihre Stimme versagte und eine einzelne Träne rollte an ihrer Wange herunter. Sie wirkte so verletzlich, wie ein kleines Kind.
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Re: An den Stallungen

Beitrag von Dormian Arboris » Donnerstag 15. März 2012, 01:40

Dormian senkte den Kopf, als Aio sich von ihm abwandte, um in den Sattel zu steigen. Doch einer Eingebung folgend zuckte sein rechter Arm nach vorne und seine Hand legte sich sanft auf ihre Schulter, damit sie in ihrer Bewegung verharrte.
"Hör mir zu, Aio. Es gibt nichts zu entschuldigen. Es lag und wird nie an uns liegen, welchen Teil wir in der Geschichte unseres Lebens einnehmen. Es war nicht deine Schuld, dass ich mich in Gefahr begeben habe, das war ganz allein meine Entscheidung. Alles, was Elias und du mich in dieser wenn auch kurzen Zeit gelehrt haben, hat mir das Leben gerettet, verstehst du? Wir schwebten alle in Lebensgefahr, und doch habe ich mich sicher gefühlt, weil ich wusste, dass ihr mich nicht im Stich lassen würdet. Jedesmal, wenn ich dir in die Augen gesehen habe, habe ich einen Funken von dem Feuer gespürt, das mir Kraft und Mut gab. Und ohne dieses Feuer, das ich Vertrauen nenne, wären wir alle untergegangen. Ich hätte gegen zehn irre Nekromanten gekämpft, wenn es nötig gewesen wäre, aber die Hauptsache ist, dass wir die Geiseln befreien konnten und wir Faust gezeigt haben, dass Tote keine Macht über die Lebenden haben können. Nicht endgültig."
Der Erdmagier drehte Aio zu sich und zeigte ihr ein aufrichtiges Lächeln. Er verstand die Trauer und den Schmerz, den die Elfe durchmachen musste. Doch sie sollte ihn nicht verlassen mit dem Gedanken, einen Fehler im Umgang mit ihm gemacht zu haben.

"Elias ist nicht umsonst gestorben. Auch wenn es mir der Rat verbietet, so habe ich nicht vor, untätig herumzusitzen und abzuwarten, dass du oder andere sich wegen meinen Fehlern in Gefahr begeben. Ich werde schon bald zu den Trollen aufbrechen und lernen, eine Macht zu meistern, gegen die Faust nichts auszurichten vermag. Und es wird der Tag kommen, an dem wir dieses Monster gemeinsam in den Harax befördern und dort für immer einsperren, verlass dich drauf. Ich will immerhin auch mit dir Abenteuer erleben, wie die, von denen mein alter Herr immer geredet hat. Du bist eine gute Gefährtin und eine noch bessere Freundin, die ich jetzt schon in mein Herz geschlossen habe. Und ich will nicht sehen, wie eine Freundin seelisch zerschmettert und trauernd am Boden liegt. Auch Elias hätte das sicher nicht gewollt. Er will, dass du ebenso wie er kämpfst und mir vielleicht schon bald helfen wirst, Faust zur Strecke zu bringen!"
Langsam ließ Dormian von ihr ab und ging einen Schritt zurück.
"Leb wohl, Aio... ich verspreche dir, dass wir uns wieder sehen. Und, dass vielleicht sogar ich dann derjenige bin, der auf dich aufpassen wird", fügte Dormian mit einem Grinsen hinzu legte den Kopf schief. Vielleicht konnte er ja noch ein aufmunterndes Lächeln von der Elfe in sein Gedächtnis aufnehmen, denn eine Begleiterin wie sie fand man selten in diesen Zeiten...

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Re: An den Stallungen

Beitrag von Gestalt » Sonntag 18. März 2012, 21:39

Während Dormian gesprochen hatte, hatte Aio noch einmal die Verschnürung ihres Gepäcks überprüft und sich dann in den Sattel geschwungen. Der weiße Hengst stampfte unruhig mit den Hufen, begierig darauf, endlich wieder los zu dürfen. Mit einen kräftigen Pfiff rief die blonde Hexenjägerin die anderen beiden Pferde zu sich. Elfenpferde waren Rudeltiere, sie fühlten sich ohne ihre Verwandten nicht wohl. Sie würden dem Schimmel und damit der Elfe folgen, zur Not auch ohne Reiter. Allerdings trabte Schneehuf an den anderen beiden Tieren vorbei und direkt auf Dormian zu. Mit ihrer braunen Schnauze stupste die Stute dem Jungen, der kurze Zeit ihr Reiter war, gegen den Kopf, als wolle sie sich verabschieden. Keine Frage, dass diese Rösser intelligenter waren als ihre normalen Artgenossen. Und sie schien wirklich ein wenig bekümmert darüber zu sein, dass sie jetzt einfach so gehen musste. ”Es tut mir leid, aber Schneehuf muss ich mit nehmen,“ sagte Aio und schnalzte mit der Zunge, damit das braune Pferd mit den weißen Fesseln sich endlich zu ihr gesellte. “Aber wie ich sehe hat sie dich in ihr Herz geschlossen und das bedeutet, sie wird dir immer treu zur Seite stehen.” Dann warf die Elfe einen Blick auf die Sachen die der Erdmagier dabei hatte. Vornehmlich waren das der Hexenjägerhut von Van Zan und dessen Beutel mit den Silberkügelchen. Sie drückte dem Schimmel die Stiefel gegen die Flanken, woraufhin er langsam auf den Zyraner zu trabte. Vor ihm stellte sich der Hengst seitlich, so dass sie an Dormian heran kam. Zuerst nahm sie ihm den Hut ab, aber nur um ihn dem Adepten direkt auf den Kopf zu setzten. Dann griff sie nach dem Beutel, öffnete ihn und nahm eine Kugel heraus, die sie ihm zuschnipste.
”Hexenjäger können neue Mitglieder rekrutieren oder als ihren Nachfolger ernennen. Als dir Elias seinen Hut gegeben hat, in dem Wissen, er würde sterben, hat er dich zu seinem Nachfolger ernannt. Leider darfst du gar nicht zu einem Hexenjäger ernannt werden. Zyranern wird diese ehre vorbehalten. Aber ich werde bei meinem Obersten vorsprechen und dich erwähnen. Bis dahin behalte den Hut als Erinnerung. Und eine Finsterpulver-Kugel darfst du ruhig auch behalten. Für den Notfall. Wenn du sie aufknackst, entweicht das Pulver und verfinstert die Umgebung für mehrere Minuten. Heute sind sie Illegal, aber wie viele Menschen können sie schon erkennen?” Sie zuckte mit den Schultern und grinste verschmitzt. Dann zwinkerte sie Dormian zu. ”Wir werden uns wieder sehen!” Der weiße Hengst setzte sich ohne Kommando in Bewegung und entfernte sich langsam von den Stellen. Nach zehn Metern blieb sie allerdings noch einmal stehen und wandte sich zu ihrem Kameraden um. ”Danke … dass du nie gefragt hast, welche Grund ich habe Faust zu jagen...“ Dann lies sie die Zügel knallen und die drei Pferde verfielen in einen schnellen Galopp. Wenige Minuten später war von ihnen nichts mehr zu sehen. Die Elfe hatte Dormian entgültig verlassen. Zumindest fürs erste.
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Re: An den Stallungen

Beitrag von Dormian Arboris » Dienstag 20. März 2012, 13:47

Dormian wischte sich mit seiner freien Hand eine Träne aus den Augenwinkeln, während er Aio und den Pferden dabei zusah, wie sie langsam aber sicher vom Sonnenaufgang verschlungen wurden, der mit seinen Strahlen das Grasland aus seinem Schlummer aufweckte. Missgelaunt knurrte das Eon auf seiner Schulter, als es geblendet wurde, beschloss dann aber, wach zu bleiben und sich die Umgebung genauer anzusehen. Sein Herr betrachtete unterdessen die Finsterpulver-Kugel, die die Elfe ihm überlassen hatte. Sie würde ihm eines Tages sicher nützen.
"Pass auf dich auf, Aio...", murmelte der Erdmagier und verstaute die Kugel behutsam in der Innentasche seiner Robe. Da er noch nicht sofort zurück nach Hause wollte, spazierte der junge Mann noch ein wenig im Umfeld der Stallungen umher, dabei wie üblich tief in Gedanken versunken. Egal, wohin er auch blickte oder versuchte, sich zu konzentrieren, immer wieder kam ihm das Bild des Hexenjägers in den Sinn, wie er ihm stolz zum Gruß winkte, ehe er sein Leben zum Schutz seiner Gefährten und Freunde aushauchte. Traurig seufzend senkte der Magier den Blick, während sein tierischer Begleiter von der Seite ansah. Den Tränen nahe setzte sich der Arboris auf eine Bank neben dem Eingang zu den Ställen, als das Eon plötzlich kräftig zubiss und seine Krallen in die Schulter trieb, auf der es hockte.

Dormian schrie auf und schlug im Reflex nach dem Tier, doch dieses wich aus, indem es nach vorne hopste und zur Antwort in die Faust biss, die es eben noch hätte treffen sollen.
"VERFLUCHT!!! WAS SOLL DAS, DU MISTV...!!!", brüllte der Adept und verharrte in seinem Fluch, als das Wesen von ihm absprang und zu seinen Füßen landete. Der Schmerz war wie weggeblasen, als er in die Augen seines neuen Freundes sah. Trotzig, tadelnd, mutig und unerschrocken... tadelnd. Dormian senkte die zerkratzte Hand und schloss die Augen, die eine weitere Tränenflut bereithielten.
"Du... du willst nicht, dass ich traurig bin, nicht wahr?", raunte er und das Eon sträubte bekräftigend sein Fell nach allen Seiten. Was an sich sehr komisch aussah, wirkte in diesem Moment alles andere als erheiternd. Ja, das Eon wollte offenbar nicht, dass Dormian in Mitleid und Trauer zerfloss.
"Du warst nicht dabei! Wenn du gesehen hättest wie dieser Irre sich mit den ganzen Untoten angelegt hat, dann..."
Er verstummte und betrachtete das Eon, das den Blickkontakt ungerührt und trotzig erwiderte. Es hatte nicht die geringste Furcht vor dem Magier und schien sich auch nicht von seinem Willen abbringen zu lassen. Ein kleiner, aber aufrichtiger Kämpfer, dessen Mut seine geringe Größe um ein Tausendfaches überragte.
"Du...du weißt, wovon ich spreche und was ich dabei fühle... sonst würdest du dich nicht so aufführen... Elias. Habe ich Recht?"

Das Eon miaute bekräftigend und hopste seinem Herren auf den Schoß, der es nun doch mit Tränen in den Augen zu streicheln begann. Das Tierchen schmiegte sich an die Handflächen des jungen Magiers, nicht mehr rügend oder wütend, sondern besorgt und aufbauend. Dormian lächelte und hob den pelzigen Kumpanen hoch.
"Schau einer an... jetzt haben wir einen Namen für dich gefunden, was? Elias... Ja, das gefällt mir... und dir?"
Ein stolzes Schnurren entwich der Kehle des getauften Eon-Burschen und als sich Dormian wieder aufrichtete, hopste er zurück auf seinen neuen Stammplatz, der zerkratzten Schulter seines Meisters, die in diesem Moment nicht mehr schmerzte. Der Erdlehrling wischte sich die Tränen endgültig weg, korrigierte den Sitz seiner Robe und ergriff wieder seinen Stab, der neben ihm auf der Bank gelegen hatte und nach einem letzten Blick in die Richtung, in die Aio verschwunden war, machten sich die zwei frisch gebackenen Freunde wieder auf den Weg nach Hause. Es warteten lange Studien und neue Wege, die eingeschlagen werden wollten!

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