Der vergessene Pfad nach Sintos

Ein Tor aus zwei massiven Holzflügeln stellt sich den Reisenden in den Weg. Zwei Wachen stehen davor und kontrollieren jeden, der ein und aus will. Ein Passierschein ist nötig, um Santros betreten zu dürfen.
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Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Dienstag 11. September 2012, 21:37

Emotionslos starrte Viro auf das Stadttor von Santros, wie es sich so kurz nach Sonnenaufgang vor ihm erhob, hinter den schweren Holztor eine prächtige Handelsstadt.
Er wusste dass es ihn eigentlich etwas ausmachen sollte, diese Stadt zu verlassen, die ihn die letzten Jahre ein Zuhause gewesen war, dass er zumindest einen Hauch von Wehmut verspüren sollte.
Er tat es nicht.
Es war genau wie vor 12 Jahren, damals hatte er ebenfalls Santros hinter sich gelassen und nichts dabei verspürt.
Er fragte sich kurz, ob wenigstens bei seiner Flucht aus seiner Heimat Zyranus, vor all den Jahren, so etwas wie Melancholie verspürt hatte?
Doch war die Antwort auf diese Frage, NEIN!
Viro hatte nicht zurück gesehen oder zurück gewollt.
Zu viel war geschehen, was ihn seine Heimat hassen ließ.

Die flüsternden, unverständlichen Stimmen waren in letzter Zeit wieder lauter geworden und ließen ihn kaum noch Schlaf finden.
Er hörte es jetzt schon seit einigen Jahren, aber es irritiert ihn immer noch.
Geistesabwesend ballt er die rechte Faust, doch das merkte Viro nicht! Der schwarze Lederhandschuh, in den die Hand steckt, vernichtete den letzten Rest des Tastsinnes, der in diesem Arm verblieben war.

Er seufzt einmal, setzte langsam einen Fuß vor den anderen und ließ Santros hinter sich.
Zumindest ließ er selbst nichts zurück.
Er hatte sich dort keine Freunde gemacht, was nicht zuletzt dadurch bedingt war, dass er die letzten Monate fast gar nicht mehr seine winzige Wohnung verlassen hatte. Er legte auch keinen Wert auf eine Bekanntschaft, mit irgendjemand der ihm in Santros begegnet war.
Was die Wohnung anging, nun, ihm ging das Geld aus, weshalb er sie räumen musste. Alles was unnütz für Viro war, hat er dort gelassen. Was so ziemlich alles war.

So ging er nun, kaum Geld in der Tasche, nur die Kleidung die er am Körper trug und ein dickes Buch, in eine Decke zum Schutz gehüllt, unter dem Arm geklemmt. Unter dem Rechten!
Einer der wenigen Vorteile an diesem war, das er nicht zu ermüden schien. Zudem er einen Wasserschlauch um die Schulter geworfen.

Es dauerte nicht lange und Viros schwarze Kleidung forderte ihren Tribut. Der Schweiß rann in Strömen und ihm kam der Gedanke, dass seine Kleidung für eine Reise durch das Trockenland, alles andere als Optimal war, doch verschwendete er keinen weiteren Gedanken darauf.
Viro war es gewöhnt zu leiden, da war das Martyrium, dass ihm die Wüste auferlegte fast erträglich. Sein erstes Ziel war nur ein bis zwei Tage entfernt, die Ruinen von Sintos. Dort erhoffte er sich körperlichen Beistand für seine anstehende Reise zu finden.

Viro hatte sich extra für seinen Weg nach Nord-Westen, zwei Oasen herausgesucht, bei denen er unterwegs rasten würde. Die Erste würde er am frühen Nachmittag erreichen und die andere nach Sonnenuntergang. Dort würde er die Nacht verbringen und am nächsten Tag gegen Abend die Ruinen erreichen.
Das hieß, wenn alles nach Plan verlief.

Doch darüber zerbrach er sich noch nicht den Kopf, er wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn und ging.
Zuletzt geändert von Viro Mentis am Mittwoch 12. September 2012, 19:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 12. September 2012, 16:18

In der Nähe des Stadttors vor Santros hatten sich ein paar Reisende ein notdürftiges Zeltlager aufgeschlagen. Warum sie die Stadt nicht betraten, blieb Viros Blick verborgen. Als er auf dem Weg an ihnen vorbei schritt, folgten ihm einige Augenpaare.
Er wollte erst mal landeinwärts und hatte einen kräfteraubenden Marsch vor sich. Die Sonnenstrahlen erhitzten schnell seine schwarze Robe und ließen seinen Körper vor sich hin dünsten, dabei wehte heute seit langem einmal wieder ein leichter Wind und versprach eine ferne Hoffnung auf kühlende Abende. Er hatte die Hauptstraße in Richtung Zyranus gewählt und wollte ihr einige Stunden folgen, bis er die erste Oase erreichen würde. Der lange schon in Vergessenheit geratenen Pfad nach Sintos sollte dahinter liegen. Von dort aus sollte die nächste Oase im Nordwesten erst am Abend erreichbar sein. Doch bereits jetzt stellten sich erste Hindernisse ihm in den Weg, bzw. sie folgten ihm.
Drei junge Männer in der Blüte ihres Lebens, hatten ihn beobachtet und kurz hinter ihm ihr Zelt verlassen. Sie schlenderten jetzt hinter ihm her. Sie waren in lange gewickelte Gewänder gehüllt, die nicht einmal einen Blick in ihre Gesichter erlaubten. Das leise unverständliche Getuschel in Viros Nacken verhieß Ärger. Man konnte immer noch die Stadttore sehen, so dass die drei wohl noch auf ihre Gelegenheit warten würden, um nicht von der Stadtmauer beobachtet werden zu können.
Der Morgen war noch jung und es waren einige Leute unterwegs, so nah der Stadt. Noch wusste sich Viro in Sicherheit, doch das würde sich schnell ändern, sobald er außer Sichtweite der Stadt war. Ein Wagen mit einem Händler und vier berittenen zum Schutz befohlenen Söldnern kam Viro entgegen und die Räder des Gefährts rumpelten laut. Der Wagen war schon fast vorbei, da flatterte die Plane einmal einen kleinen Spalt auf und dahinter konnte er kurz ein paar Kisten und Fässer erkennen. Als der Wagen vorüber war, sah Viro auf der rückwärtigen Ladefläche eine alte Frau und ein junges ausgesprochen hübsches Mädchen sitzen, die gerade die langen blonden Haare von der Alten geflochten bekam. Vermutlich handelte es sich um die Mutter und die Tochter des Händlers vorne auf dem Bock. Kurz traf der Blick der Alten den Nekromanten, dann waren sie auch schon vorüber und Viro hätte sich umdrehen müssen um die harmlose Szenerie noch weiter zu beobachten. Sicher hatte er besseres zu tun. Einer der Söldner, wohl ein sehr aufmerksamer Beobachter, musterte Viro und seine noch ein Stück entfernten Begleiter. Im Vorbeireiten, raunte er ihm das offensichtliche zu:
„Ihr werdet verfolgt.“
Sicher wollte er nur hilfreich sein, für den Fall Viro hätte sie noch nicht bemerkt, so war sein Kommentar zwar unnötig, aber doch freundlich und nett gemeint. Mit einer Kopfbewegung nickte er noch in die Richtung von Viros Verfolgern und ritt doch ungebremst weiter. Sein Sold bezahlte schließlich der Händler. Der Nekromant könnte sich nur wünschen einen solchen Söldner für seine Zwecke zu finden, der aufmerksam beobachtete und doch treu ergeben war.
Ließ er seinen Blick weiter schweifen, so sah er auch fernab der Wege noch hier und da Bewegungen. In einiger Entfernung lief eine junge Frau, begleitet von einem über ihr kreisenden Raubvogel in Richtung Santros und noch weiter vor ihm auf dem Weg verschwand gerade die letzte dunkle Silhouette eines Reiters vor dem hellen Sand. Er war in Viros Richtung unterwegs, doch beritten war er eben schneller.
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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Donnerstag 13. September 2012, 23:57

Viro blickte im Augenwinkel dem Wächter der Karawane hinterher und erspähte dabei ein weiteres Mal seine Verfolger.
Sie wirkten wie einfache Gauner, weshalb sich Viro bis zu jenem Zeitpunkt keine weiteren Gedanken über sie gemacht hatte. Doch die Worte des Wächters, ließen ihn sich innerlich anspannen. Er dürfte sich nicht kalt erwischen lassen.

Doch sein Hauptaugenmerk war auf das Gerichtet, was sich vor ihm abspielte.
Er dreht sich wieder gänzlich nach vor, wischte sich den Schweiß aus den Augen und sah in einiger Entfernung ein Mädchen. Das beunruhigte ihn.

Drei Wegelagerer, die außerhalb einer Stadt kampieren, waren gemein hin kein wirkliches Problem. Zumindest wenn man wusste, wie man mit ihnen umzugehen hatte. Dieser Gedanke zauberte ein schmales Lächeln auf Viros Lippen.
Doch eine junge Frau, die allein durch das Grasland und das Trockenland wandelte, das war ungewöhnlich und ungewöhnliches ließ Viro immer vorsichtig sein.
Der Raubvogel, der über ihr kreiste, trug zusätzlich zu diesem Eindruck bei.

Noch während sich diese Gedanken in seinem Kopf manifestierten, bildete sich ein weiterer.
War es wirklich so ungewöhnlich oder wurde Viro nur paranoide?
Ein Gedanke, der ihm vor Jahren nicht gekommen wäre.
Er hatte lernen müssen, seine Umgebung einzuschätzen und für alle Eventualitäten gewaffnet zu sein. Wenn ihm damals etwas Unbehagen bereitet hat, dann nie ohne Grund.
Doch seitdem er die Stimmen hört und nur noch selten einen klaren Gedanken in Ruhe zustande bringen konnte, war er sich seiner selbst nicht mehr so sicher.

Viro schüttelte einmal den Kopf um ihn frei zu bekommen. Es war egal, welche Widrigkeiten sich hier jetzt auftaten, egal ob eigebildet oder real. Er hatte einen Plan und würde ich an ihn halten.
So wich er von der Hauptstraße ab und beschritt den von vielen vergessenen Pfad nach Sintos.

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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Freitag 14. September 2012, 09:39

Viro schritt unbeirrt voran. Weder der Händlerwagen mit den beiden Frauen auf der Pritsche, die Verfolger in seinem Nacken, noch die junge Frau die aus der Wüste kam, konnten ihn von seinen Plänen abbringen. Einzig jenes einsame Wesen mit dem Raubvogel über ihrem Haupt fesselte seinen Blick länger als eine Sekunde. Ein paar paranoide Gedanken huschten durch den Verstand, doch Viro hatte gelernt sich zu konzentrieren, egal welche Ablenkung ihn umgab, oder in ihm flüsterte.
Als er das nächste Mal nach hinten blickte um sich seiner Verfolger zu vergewissern, passierten diese gerade den Händlerwagen. Anscheinend waren die drei Männer gerade in diesem Augenblick ebenfalls auf die einsame Frau aufmerksam geworden und wurden langsamer. Sie schritten gerade an der Plane vorbei und kamen in Sicht der beiden Frauen. Viro hörte zwar nicht was sie zu einander sagten, doch er konnte es sehen. Der mittlere beugte sich zur Seite und raunte seinem Nachbarn gerade etwas in Ohr, als aus dem Wagen an ihrer Seite ein länglicher seltsam geformter Stock seinen Kopf traf. Die Oma hatte anscheinend gehört, was er gesagt hatte und prompt gehandelt. Das dumpfe, etwas hohl klingende *Tock* hörte sogar Viro noch leise und der Wegelagerer fuhr sich den Schädel haltend herum. Dann begann eine hitzige Diskussion zu entbrennen. Die vier Söldner umringten schnell die drei Männer und die Oma holte sogar nochmal zu einem zweiten Schlag aus, da sie anscheinend gerade beleidigt worden war. Der unförmige Stab landete jedoch in der Hand ihres Gegenübers und wurde ihr entrissen. Jetzt war die Alte kaum noch zu bremsen und der Händler der eben vom Kutschbock herunter gesprungen war, stellte sich zwischen den Bandit und die Frau, die sonst vermutlich mit bloßen Händen auf den viel größeren Mann los gegangen wäre. Er schob die wild wedelnde Alte in den Wagen zurück und ließ seine Söldner ihre Arbeit machen. Als der Wagen sich wieder in Bewegung setzte, hielten die vier berittenen die drei Wegelagerer auf Abstand und folgten dann mit einiger Verzögerung. Die Banditen wussten wohl, dass sie schlechte Karten gegen vier bis an die Zähne bewaffnete Männer hatten und blieben stehen wo sie waren. Zumindest hatte Trubel dafür gesorgt, dass sowohl das einsame Mädchen, sowie Viro vollkommen aus ihrem Interesse getilgt worden waren. Sie sprachen noch eine Weile mit einander und einer entfernte sich kurz eine Stück um den weg geworfenen klobigen Stock genauer in Augenschein zu nehmen. Viro sah zu wie der Stab sich entfaltete und zu einem unförmigen Schirm aufspannte. Der Mann hatte wohl keine Verwendung dafür und warf ihn wieder fort. Er und seine Kumpanen schlenderten gemächlich dem Händlerwagen hinterher, zurück zu ihrem Lager. Bald waren sie schon fast außer Sicht und von der seltsamen Szenerie blieb nur ein einsamer Schirm der vom Wind taumelnd durch die Ebene geweht wurde.
Der Weg zur nächsten Oase war noch weit. Die Sonne schien, nur ein paar Wolkenfetzen wanderten langsam über den Himmel. Ein Schirm wäre vielleicht kein schlechter Sonnenschutz.
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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Freitag 14. September 2012, 22:01

Unerwartet.
So konnte man die Szenerie nennen, die sich ihm darbot.
Er verlangsamte seine Schritte und beobachtete in einiger Entfernung die Geschehnisse.
Wieder einmal wurde ihm bewusst, wie groß die Dummheit und Gier der Menschen sein kann, als die drei mit hängenden Köpfen zurück in ihr Lager verschwanden.

Sein Blick ruhte einen Moment auf dem Schirm, während die Sonne auf sein ungeschütztes Haupt schien. Er kam gelegen, doch blickte er ebenfalls die Straße hinauf und sah das Mädchen, das sich immer mehr Santros nährte.
Sie beunruhigte ihn nicht, nicht sehr! Jedoch war sie ihm nicht geheuer.

Eine kleine Wolke schob sich vor die Sonne, dies machte die Hitze etwas erträglicher und veranlasste Viro zu einer Entscheidung. Die Wolke würde nicht ewig da sein um ihm Schatten spenden, der Schirm schon.
Als lief er wieder zurück.
Bereits nach wenigen Schritten war die Wolke vorbei gezogen und die Sonne schien unergiebig auf Viro nieder.
Er erreichte den Schirm, ergriff ihn und hielt ihn sich ausgespannt über dem Kopf.
Die Hitze blieb, die Sonnenstrahlen wurden weiterhin vom Wüstensand ringsherum reflektiert, doch war dies nicht annäht so zermürbend wie die reinen Sonnenstrahlen.

Er wand sich wieder um, um seinen ursprünglichen Weg fort zu setzen.
Die junge Frau war währenddessen um einiges näher gekommen und Viro vermied es sie direkt an zu sehen. Er sich dessen, was sie anging, immer noch nicht sicher.

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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Freitag 14. September 2012, 23:00

Die hohen Stadtmauern waren gerade noch zu sehen und die Sonne schien erbarmungslos auf Viros schwarzes Haar. Die Entscheidung den Schirm aufzusammeln dankte ihm sein Kopf sofort, aber noch etwas anders war sofort anders. Nur was? Viro schaute aus dem Schatten heraus über die trockene Landschaft der jungen Frau entgegen. Ganz traute er dem Bild immer noch nicht, doch das war es nicht was sich verändert hatte. Er sah zurück zu den drei Banditen die gerade zwischen den Zelten vor der Stadtmauer verschwanden, doch auch hier lag kein Grund für die Verwirrung, die er spürte. Er sah dem Händlerwagen hinterher, der das Stadttor passierte und glaubte die Oma immer noch wettern zu hören, doch auch dies war nicht die Veränderung die ihn so tief berührte. Der Hauptweg lag leer vor ihm. Kein Reiter war mehr zu sehen. Er war allein mit sich. Stille umfing seine Gedanken...
Stille?
Moment!
Kein einziges leises Flüstern war mehr zu hören! Kein fernes Rauschen mehr in seinen Gedanken, dass ihn seit Monaten, vielleicht sogar noch länger verfolgt hatte. Was war passiert? Vor lauter Verwirrung ließ er den Schirm nach hinten über die Schulter rollen, damit er sich noch besser umsehen konnte. Plötzlich war alles wieder da und der „Lärm“seiner Gedanken traf ihn um so mehr mit ungewohnter Härte. Spättestens jetzt hob er den Schirm langsam wieder über sich und spähte voller Erwartung auf dessen Innenseite. Der Holzstab in seinen Händen war mit einer einfachen Spannmechanik versehen und hielt den ledrigen Schirm über ihm aufgespannt. Die einstig wohl einmal feine Qualität des Materials hatte den Zahn der Zeit gespürt und so funkelte das Sonnenlicht durch die kleinen Löcher wie die Sterne am nächtlichen Firmament. Doch als sich seine Augen an die Schattenhülle gewöhnt hatten, erkannten sie viele, feine, filigrane Linien, eingebrannt, gestickt, gemalt und wie in das Leder hinein gewachsen. Runen!
Kein Wunder das die Oma so wütend gewesen war, als der Bandit ihr den Schirm entrissen hatte. Dieses … Kleinod, dieses … Artefakt war sicher äußerst wertvoll für sie. Nutzlos für ihn, bis auf die Fähigkeit die Stimmen zum Schweigen zu bringen!
Was sollte er nun damit anfangen?
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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Samstag 15. September 2012, 21:39

Es war … faszinierend!
Das musste man den alten Meistern lassen, sie wussten es, das nützlich mit dem angenehmen zu verbinden. Er wäre nie darauf gekommen, Bann- und Schutzrunen auf so etwas Profanes wie einen Schirm zu setzen.
Sicher, er kannte Schutzamulette, immerhin hin ein Vertreter dieser Gattung um seinen Hals, doch lag der Vorteil des Schirms klar auf der Hand!
Ein Amulett gegen eine fernzuhaltende Plage, auf den Schirm passten dutzende Runen!
Es war nur schwer zu sagen, wo eine Rune Anfing und eine Andere aufhörte. Lediglich die farblichen und materiellen Unterschiede zogen einige klare Grenzen.

Während er da stand und den Schirm studierte, die Welt um ihn herum für einen Moment vergäßen, formte sich eine Erkenntnis in seinem Kopf.
Eine der Runen hielt die Stimmen fern, was bedeutete, dass sie eine externe Ursache hatten und nicht wie bisher gedacht, ein Nebeneffekt seiner Magie waren.
Diese Feststellung wirkt ernüchternd auf Viro.
Natürlich war auch möglich, dass eine der Runen, eine heilende oder lindernde Wirkung ausübte, doch hielt Viro dies für unwahrscheinlich. Natürlich würde er dies prüfen … später.
Jetzt hielt er den Schirm über sich, genoss die Ruhe, wand sich seinem Weg zu und sah sich fast Aug in Aug mit der jungen Dame.

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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Sonntag 16. September 2012, 17:39

Viros Allgemeinwissen war zu mindestens so umfassend, dass er die Zeichen sofort als Runen erkannt hatte. Sich sie genauer anzusehen konnte wohl möglich nicht schaden, doch würden sie wahrscheinlich ihre Bedeutung nicht ganz so leicht preis geben, ohne den entsprechenden Kundigen dazu. Die Alte war hinter dem Stadttor verschwunden und erst einmal außer Sicht, also konnte er das gutes Stück wohl behalten, oder? War Viro Mentis ein Dieb, oder war es ihm einfach nur gleich? Was sagte sein Gewissen dazu? Der Schirm kam ihm zu Gute und die Stille seiner Gedanken war lange nicht mehr so klar gewesen, so dass er ganz gedankenverloren still da stand und darüber sinnierte. Die kleine Oma, er hatte sie nur kurz gesehen, ihr Gesicht kam ihm wieder ins Gedächtnis. Sie musste unglaublich alt sein. Bestimmt an die 100 Jahre, wenn nicht mehr. Ihre Haut hatte der Rinde eines Baumes geähnelt und irgendetwas glitzerndes war da in ihrem Gesicht gewesen, dachte er genauer darüber nach. Ihre Augen hatten lustig geglitzert, als sie sich um das junge Mädchen gekümmert hatte und sie hatten einander kurz angesehen. Augen wie Bernsteine, hatte sie gehabt. Viro hielt das nicht mehr ganz runde Ding, mit den geflickten Stellen in der Hand und dachte nach. Würde die Alte ihr gutes Stück versuchen zurück zu bekommen? Angst hatte er sicher nicht vor der winzig und dürren Gestalt gehabt. Aber wenn sie solche ein Artefakt bei sich trug...?
Viro sah auf, da eine Bewegung in seinen Blickwinkel geraten war. Das Mädchen aus der Wüste lief gerade an ihm vorbei.
Schneeweißes langes Haar glitzerte leicht rosa in der Sonne. Kurz wähnte er sich Aug in Aug mit ihr, aber sie war gut 20 Meter an ihm entfernt vorbei gegangen. Sie musterte ihn misstrauisch. Einen schwarz gekleideter Mann, mit einem alten fledderigen „Sonnenschirm“, der still auf der Straße stand. Ganz geheuer war ihr die Situation sicher nicht. Sie wirkte, als hätte sie sich verlaufen und steuerte nun zielsicher auf die Stadt zu die Viro gerade verlassen hatte. Wollte er ihr folgen, oder seinen Weg weiter beschreiten, so wie er es geplant hatte? Schön war sie, eine Augenweide, „engelsgleich“ war das Wort was Viro spontan zu ihrer Gestalt einfiel, doch hatte er einen Sinn für derartige Gedankengänge? Sie wirkte so rein, leicht wie eine Feder und luftig flatterte ihre Kleidung im Wind. Als wäre sie vom Himmel gefallen. Der Weg der vor ihm lag war noch lang. Er sollte sich bald entscheiden, wenn er noch vor Einbuch der Dunkelheit die zweite Oase erreichen wollte.
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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Montag 17. September 2012, 00:18

Viro starrte noch einen Augenblick der jungen Dame hinterher, doch die anfängliche Bewunderung für ihre Schönheit, wich misstrauen.
Er dreht ihr den Rücken zu, hob den Schirm mit der linken Hand über seinen Kopf und ging grübelnd los.
Seine Gedanken verweilten etwas länger bei dem Mädchen. Die Ziellosigkeit ihn ihrem Auftreten und das Misstrauen in ihrem Blick, passten nicht dazu, dass sie hier ALLEIN war!

Dann wanden seine Gedanken zu der alten Dame und ihrem Schirm. Er hatte Wert, sowohl materialen als auch idealen, weshalb er kurz überlegt, ob er ihn ihr zurück bringen sollte, verwarf aber den Gedanken schnell wieder.
Nicht destotrotz hob er seinen Kopf und betrachtete den Schirm. Plötzlich war selbst der ihm nicht mehr ganz geheuer. Er ließ ihn etwas nach hinten fallen und auf seiner Schulter ruhen. Der Schatten blieb, doch kamen die Stimmen langsam wieder.
Er lauschte ihnen, doch verstand wie jeher nichts!
Viro hob den Schirm wieder und Stille zog auf.

Er schüttelte den Kopf und entschied, dass er wichtigeres zu tun hatte, als seiner Paranoia nach zu geben.
Somit richtete er seine Aufmerksamkeit auf den Weg vor sich und verschwendete keinen weiteren Gedanken, auf das was hinter ihm lag.

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Re: Der vergessene Pfad nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. September 2012, 16:00

Viro Mentis setzte einen Fuß vor den anderen. Die ersten kleineren Hindernisse, eben das einfache Verlassen der Stadt in der er einige Jahre nun gelebt hatte, das Zurücklassen der Sicherheit von Stadtmauern, oder das sich vorbei Schummeln an Banditen und anderem Gesindel, dass alles hatte er jetzt hinter sich gelassen. Ablenkungen wie die Schönheit einer jungen Frau, oder die Magie einer Alten waren nebensächlich geworden. Er hatte einen Plan gefasst und diesen würde er auch ausführen. Dafür war es für notwendig sich körperlichen Beistand zu organisieren und Viro hatte gehört, dass in den Ruinen von Sintos sich derzeit einiges an „günstigem“ Gesindel herum trieb. Er hatte eine lange Reise vor sich und das wenige Geld das er bei sich trug würde kaum für ihn reichen. Einen ehrenhaften Soldaten, oder einen gut ausgebildeten Söldner konnte er sich kaum leisten und so war die Wahl auf Sintos gefallen. Vor ein paar Tagen hatte er nach einigen Widerständen endlich Einsicht in eine besonders alte Karte der Umgebung erhalten und sich ein paar eilige Notizen davon machen können. Die Ruinen lagen nordwestlich und ein lang schon in Vergessenheit geratener Pfad sollte ihn an sein Ziel bringen. Der Wind, das Wetter und die Zeit hatten Pflastersteine unter dem Sand begraben, so dass Viro sich wohl wissentlich, dass es keine Straße mehr geben würde, vor allem Landmarken aufgezeichnet hatte. Seine Notizen waren dürftig, doch er war intelligent genug um sich eine Orientierung am Tage an der Sonne und Nachts an den Sternen zu zu trauen. Sein großes Allgemeinwissen war dafür hoffentlich ausreichend.
So schritt er zügig die Hauptstraße entlang, bis zu seiner linken ein paar Steine aus dem Boden ragten. Aus seinen Aufzeichnungen wusste er, dass es sich hierbei um Mauerreste eines alten Grenzturms handelte und er sich von hier aus den Weg nach Norden verlassen musste und querfeldein in Richtung Nordwesten gehen musste. Er verließ die bekannten Wege und zog ins Trockene Land hinein.



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