Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Dieser prächtige Wald liegt im Norden Celcias. Der Fluss Tangros lässt dieses Gebiet blühen. Ein einsamer Priester ließ sich in diesem Wald nieder und erbaute ein Kloster, aber auch die Nachtelfen blieben nicht ohne Taten.
Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 22. Juni 2011, 19:58

[Dormian kommt von hier: Der westliche Teil Celcias ‹ Das Grasland ‹ Die magische Stadt Zyranus ‹ Das Stadttor Zyranus An den Stallungen]
Man nannte es zwar das alte Gutsanwesen Faust, doch in Wirklichkeit war das, was dort im Arus verborgen lag, schon fast ein eigenes Dorf gewesen. Errichtet in einer natürlichen Bodensenke und umrandet von einer hohen, massiven Mauer, bestand das Anwesen aus sieben kleineren Hütten, die rings um ein schlossartiges Haupthaus gebaut worden waren. Dazu kamen eine kleine Kapelle, eine Schmiede, Scheunen und ein Lagerhaus. Der hohe Burgfried des Anwesens diente gleichzeitig als Glockenturm und war das einzige, was wirklich über den Rand des Becken hinausragte. Ungewöhnlich groß war der Friedhof, der rund um die kleine Kapelle angelegt worden war. Man mochte meinen, dass dieser ort zwar eine düstere Aura besaß, aber trotzdem gut bewohnbar zu sein schien. Du Gebäude waren gut in Schuss und auch wenn das Feld innerhalb der Mauern nicht bestellt war, so schien sie fruchtbar zu sein. Doch niemand traute sich heutzutage noch hier her. Seit der alte Johann Faust vor gut fünfhundert Jahren mitsamt allen Bediensteten gestorben ist, überlebte niemand eine Nacht an diesem verfluchten Ort. Angeblich lebten einige finstere Wesen – manche sagten Ghule – in den Kellern des Anwesen, die sich um die Leichen derjenigen kümmerten, die auf diesem Land ums Leben kamen. Zumindest wollten die Zyranern, die noch immer von diesen Ort wussten damit erklären, dass der Friedhof weiter anwuchs, obwohl das Gut seit Jahrhunderten verlassen war. Auf jeden Fall handelte es sich bei dem Gutsanwesen Faust um einen der Plätze, die niemand aufsuchte, der noch ganz bei Trost war. Und genau diese kleine Siedlung war Dormians Ziel ...

Die Gruppe rund um Dormian näherte sich von der Nordseite aus dem Wall. Genau auf der anderen Seite würde der Friedhof beginnen, aber diese Stelle war gleichzeitig dem Haupthaus auch am nächsten. Natürlich war es kein angenehmer Gedanke, Nachts über einen Friedhof zu marschieren, während wahnsinnige Nekromanten ihren kranken spielen nachgingen, doch Van Zan hatte ihnen versichert, dass ihnen dort im Augenblick am wenigsten geschehen würde.
Sie pirschten sich im Schatten der Bäume voran, bis sich der Arus lichtete und sie die letzten Meter bis zur Mauer über nacktes, totes Gras sprinten mussten. Dort angekommen zückte Aio den Enterhaken, den sie aus ihrem Gepäck mitgenommen hatten. Das Mauerwerk selbst war zu glatt, um daran hoch zu klettern. Bereits der erste Wurf saß und der gebogene Metallhaken verkeilte sich an der Zinne. Mit der Gewandtheit einer jungen Katze erklomm die Elfe das pendelnde Tau. Van Zan trat als nächstes an das Seil, jedoch nicht um es selbst hinauf zu klettern, sondern um es für Dormian straff zu ziehen. Für einen ungeübten Kletterer wäre selbst ein verankertes Tau eine Herausforderung, dass wollte man ihm nicht zumuten. Das Bollwerk war knapp drei Meter hoch, eine durchaus machbare Aufgabe.
Oben angekommen konnte der Erdadept das erste mal einen Blick auf das Zielgebiet werfen. Der Feind hielt sich natürlich im Haupthaus auf, dessen weißer Putz es selbst in dieser mondlosen nacht leicht schimmern ließ. Ansonsten war kaum etwas zu erkennen, von dunklen Schemen einmal abgesehen. Kaum hatte Dormian den Wehrgang erreicht, da Zog Aio dass Tau auch schon wieder hoch und Befestigte den Haken auf der anderen Seite. Fast im selben Augenblick landete Van Zan neben dem jungen Arboris. Kaum zu glauben, doch der Jorsaner schien hinauf gesprungen zu sein. Die Elfe war bereits wieder nach unten verschwunden, doch bevor Dormian sich an dem Kletterseil herunter lassen konnte, ergriff der Hexenjäger seine Schulter. ”Dir kann nichts passieren, solange du niemanden berührst und niemanden länger in die Augen siehst. Verhalte dich ruhig und vermeide hastige Bewegungen. Und bleib immer in unserer nähe!” Die Stimme des Mannes vermittelte einen gewissen Nachdruck, an die man sich besser halten sollte.
Der Boden auf der anderen Seite war weich und aufgewühlt. Die meisten Grabsteine waren umgekippt. Bis zu den Gebäuden war es kein weiter Weg, aber in der Dunkelheit waren nun schattenhafte Bewegungen zu erkennen. Die drei waren kaum zehn Schritte gegangen, da trafen sie auch schon auf die erste Gestallt. Der Kleidung nach handelte es sich um eine Frau, doch der Verwesungsgrad war soweit fortgeschritten, dass man das nicht mehr genau erkennen konnte. Sie tanzte. Ohne dass sie die drei irgendwie beachtete, bewegte sie ihren Körper rhythmisch auf der Stelle. Ihre toten Augen gingen direkt durch die Hexenjäger und den Magier durch. Nachdem sich Dormians Augen an die Dunkelheit gewöhnten, konnte er noch duzende weitere Gestalten erkennen. Überall auf dem Grabgelände tanzten die Leichen verstorbener Frauen wild mit sich selbst. ”Wenn die Toten tanzen ist das Ende nah,” raunte der Jorsaner eine alte Volksweisheit und machte ein seltsames Handzeichen vor seiner Brust.
Aio ergriff die Schulter des Erdadepten. Nur vom Licht der Sterne beleuchtet, wirkte ihre weiße Haut ebenso gräulich wie die der toten. ”Lauf zum Haus vor. Wir passen auf dass dich niemand angreift. Geh nicht alleine hinein, aber halte ein Auge offen, für alles ungewöhnliche!” Sie gab dem Burschen einen Stoß. Damit war er fürs erste auf sich selbst gestellt.

[OT: Die tanzenden Untoten werden Dormian nicht angreifen, außer er berührt sie oder sieht ihnen zu lange in die Augen.]
[OOT: Kann es sein das dein Avatar futsch ist?]
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Mittwoch 22. Juni 2011, 22:37

Dormian schluckte und ließ seinen Blick über dieses bizarre Schauspiel gleiten. So viele Tote, die ohne Partner einen grotesken, wie in Ekstase schwebenden Tanz vollführten. Die Ratschläge und Anweisungen seiner Beschützer hallten noch in seinen Ohren nach, als Aio ihm einen sanften Stoß in den Rücken gab. Nun würde er nicht mehr zurückgehen können, da musste der Erdmagier jetzt durch. Ein paar tiefe Atemzüge später machte er schließlich einen ersten Schritt. Die weiche, von Tod geschwängerte Erde unter seinen Füßen gab diesen leise schmatzend nach. Wie geschaffen dazu, Leichen in ihr zu vergraben, das war der erste Gedanke des Zauberlehrlings, der nun bedächtig und vorsichtig einen Schritt nach dem anderen tätigte. Dieser Ort, allein schon der Friedhof, verströmte eine Aura, die Dormian eiskalte Schauer über den Rücken jagte. So viele Jahre, in denen unheiliges Leben hier herrschte. Er spürte es, die Erde schien förmlich von dem Leid zu erzählen, welches sie in sich barg. Und zusätzlich spürte Dormian überall den Einfluss seines Erzfeindes. Faust war in diesem Haus und es gab nun keinen Ausweg mehr. Dormian wusste nicht, ob er schon bereit dazu war, eine solche Konfrontation zu überstehen, doch alles Überlegen half nichts. Van Zan und Aio vertrauten darauf, dass sie auf ihn zählen konnten. Nun half alles nichts mehr!

Ein paar Minuten später war bereits eine anständige Strecke zurückgelegt. Im gleichbleibenden Rythmus folgte Dormian dem Pfad zu dem Haus, die Augen meist starr geradeaus gerichtet. Manchmal huschten seine Augen doch zu den tanzenden Toten, die seine Anwesenheit gar nicht zu spüren schienen. Wieso dieser Tanz? Hatte Van Zans Spruch einen großen Kern Wahrheit in sich? Spürten die hier Ruhenden, dass sie bald Zuwachs bekommen würden? All diese Gedanken geisterten durch Dormians Geist, während seine Schritte ihn durch dieses lebendige Leichenfeld führten. Jedesmal, wenn seine Stiefel sich in den aufgewühlten Dreck herabsenkten, nahm der junge Magier neue Eindrücke und Geschichten in ihnen auf. Heimlich wirkte er mit der Kraft seines Bewusstseins einen Zauber, der ähnlich dem war, was er einst in dem Geschäft in Zyranus benutzt hatte. Damals war es zwar Faust gewesen, der ihm geantwortet hatte, doch im Prinzip befragte der Magier die Erde nach dem, was hier einst geschehen war. Doch in Lucrecious Erinnerungen entdeckte Dormian einen Zauber, mit dem er vor seinem geistigen Auge sehen konnte, was in diesem Boden verborgen lag. Keine Befragung, mehr eine wissenschaftliche Analyse. Er sah Haare, Knochen, verfaultes Fleisch. Ein paar Mädchen, nicht älter als zehn Zyklen. Die Haare gehörten einer erwachsenen Frau, die die Mutter der Beiden zu sein schien. Reste des Blutes, mit dem sich die Erde vollgesogen hatten, erzählten von einem blutrünstigen Akt. Faust und seine Anhänger waren schlicht grausame Kreaturen.

Dormian ließ seine geistigen Fühler weiter gleiten und striff dabei beinahe einen der untoten Tänzer. Er war sich nicht sicher, ob das zu unheiligem Leben erweckte Fleisch die Erdmagie spüren konnte, daher ging der Adept kein Risiko ein. Nur noch wenige Meter trennten ihn von seinem Ziel. Der Arboris zog seinen "Befragungszauber" zurück und staute in sich genügend Magie auf, um aus dem Boden einen Schild oder etwas Ähnliches empor zu ziehen, falls etwas auf ihn zugeschossen kam oder einer der Untoten es sich doch anders überlegte und Lust auf Magierfleisch bekam. Vorsichtig wagte Dormian einen Blick zurück, hinüber zu Aio und Van Zan. Er vertraute ihnen und wusste, sie würden über ihn wachen aber in diesem Moment wollte er sich nur versichern, dass sie noch da waren und über ihn wachten. Denn in diesem Leichenfeld, als einziger lebender unter Toten kam man sich unglaublich einsam und verloren vor. In der Höhle des Löwen...

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Freitag 24. Juni 2011, 16:06

Die Frage, die man sich zweifellos stellen musste, wenn man über dieses finstere Totenfeld voller tanzender, verstorbener Frauen marschierte, war sicherlich jene: Wo waren die sterblichen Überreste der Männer? Wieso waren hier nur weibliche Untote? Aber vielleicht war auch die Frage wichtig: Wollte man überhaupt die Antwort auf die erste Frage wissen? Zumindest mit einem hatte van Zan recht behalten, nämlich dass die ekstatischen Tänzerinnen sich keinen deut für den Magier interessierten. Dormian schaffte es, sich über das gesamte Areal des Friedhofs zu Bewegen, ohne dass er angegriffen wurde. Es schien sogar fast so, als würden die Untoten zurückweichen, wenn sich der Adept in ihre Nähe bewegte, wie Fische die auseinander stoben, wenn man die Hand ins Wasser steckte. Der Kern der Traube aus Tänzerinnen war schnell passiert und die toten Körper begannen sich wieder zu lichten. Dafür kam das dreistöckige Haupthaus immer näher. Die weißgetünchten Mauern schimmerten wie ein Gespenst, unheilverkündet. Dormian erreichte es völlig unversehrt.
Aber als er am Ziel angekommen einen Blick zurück warf, war von seinen beiden Begleitern nichts mehr zu erkennen. In der Dunkelheit waren zwar die Umrisse der nächsten Untoten zu erahnen, aber die Elfe und der Mensch, die vielleicht sogar noch auf der anderen Seite des Friedhofs warteten, waren wie vom Erdboden verschluckt. Irgendwo in der Ferne kreischte eine Frau, ein widerlicher Ton, der einem einen Schauer über den Rücken laufen lies. Der Zyraner wartete, doch die beiden Hexenjäger kamen einfach nicht in sein Sichtfeld. Und die Minuten verstrichen. Dann näherte sich ihm plötzlich eine kleine, leuchtende Kugel, die schnell auf den Erdadepten zuschwebte. Als die Sphäre auf etwa drei Meter heran gekommen war, konnte man deutlich erkennen, dass es sich um eine Seifenblase handelte, die von innen heraus bläulich schimmerte.
Zielssicher schwebte die Seifenblase auf Dormian zu, bis sie letztlich direkt vor dessen Gesicht zerplatzte. Eine wohl vertraute Frauenstimme drang an sein Ohr. ”Der Plan ist geändert worden. Ich suche einen anderen Eingang in die Villa. Wir treffen uns im zweiten Obergeschoss, suche die große Halle!” Die melodische Stimme von Aio verklang wie ein leiser werdendes Echo und erstarb dann.
Dormian musste nur um die nächste Ecke des großen Gebäudekomplexes gehen, dann wäre er der offen stehenden Doppelpforte schon ganz nah. Zuvor hatte Dormian bereits das Gefühl gehabt, in der Höhle des Löwen zu sein, als er das Leichenfeld überschreiten musste. Dann war das, was nun folgte sicherlich so, als würde er alleine einen Drachenhort betreten. Reichte sein Mut dazu aus?

[OT: Dormian kann sich nun selbst einen Weg durch das Erdgeschoss und den ersten Stock der Villa suchen. Diese wird von bewaffneten Untoten bewohnt, die über geringe Intelligenz verfügen, ihn aber töten wollen, wenn sie ihn bemerken. Ob du kämpfst, Magie verwendest oder dich durch schleichst ist dir überlassen. Im zweiten Stock angekommen erhältst du einen neuen Erzählpost!]
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Samstag 25. Juni 2011, 14:12

Dormian nickte etwas unsicher, als Aios Nachricht verpuffte. Er musste sich also alleine durch dieses Anwesen kämpfen. Jetzt war der Magier auf sich allein gestellt, doch gleichzeitig sollte dies auch eine Chance sein, sich zu beweisen und herauszufinden, ob er wie sein Vater für Abenteuer geschaffen worden war. Dies war der Moment, in dem der Bursche beweisen durfte, was in ihm steckte. Lucrecious war bei ihm, das wusste er und dies gab ihm auch die Gewissheit, siegreich zu sein. Vorsichtig umrundete Dormian also das Anwesen, den Stab mit beiden Händen umklammert, die Sinne bis zum Zerreißen gespannt. Hier wimmelte es von Untoten, doch glücklicherweise hatte ihm Van Zan ja die Verbesserung an seine Waffe geschmiedet. Denn Dormian zweifelte daran, dass seine Zauber ausreichen würden, untotes Leben zu beenden. Irgendwo war in einem Buch mit zweifelhafter Herkunft gestanden, dass man unheiliges Leben nur beenden konnte, indem man die Verfluchten köpfte. Ob etwas an dieser Behauptung dran war, das sollte sich in Kürze herausstellen.

Ein Blick um die Ecke der Hausmauer verriet dem Zauberlehrling, dass zwei Untote sich vor dem Haupttor herumtrieben. Sie schlurften stöhnend und mit schlaff herabhängenden Armen umher, die gebrochenen Augen rollten dabei scheinbar ziellos von einem Fixierpunkt zum nächsten. Dormian zog seinen Kopf langsam wieder zurück und sammelte seine Kräfte. Die Runen des Stabs leuchteten bräunlich auf, der Boden unter dem Magier waberte kurz wie erhitzte Luft, bis dieser die Augen öffnete und dieser intensive Glanz wieder zu sehen war. Entschlossen und ohne weiter zu zögern verließ Dormian seine Deckung und schritt offen auf den Eingang zu. Der Stab schlug dabei rythmisch mit den Schritten seines Besitzers auf den nun bepflasterten Boden, worauf die untoten Wächter natürlich sofort auf ihn aufmerksam wurden. Sabbernd und ächzend ergriffen sie die rostigen Stachelkeulen an ihren losen Gürteln, leckten sich über die rissigen, fauligen Lippen und schlurften blutdürstig auf den Eindringling zu. Dieser ging unbeirrt weiter und wirkte unterm Vorrücken seinen ersten Zauber. Er vollführte eine Drehung um die eigene Achse, holte dabei mit beidhändig geführtem Stab aus und schlug mit vollem Schwung horizontal in die Luft. Der Boden unter ihm bekam wie durch eine Druckwelle erschüttert Risse und keine Sekunde später zischten mehrere Handvoll Gesteinssplitter auf die Untoten zu. Dabei hatte Dormian aber nur auf einen der Beiden gezielt, welcher frontal von den Geschossen erwischt wurde. Fleisch und Knochen zerbarsten wie Papier, traten hinter dem Ziel wieder aus dessen Körper und warfen es durch die Wucht des Aufpralls nach hinten. Der Kamerad des Niedergestreckten brüllte auf, warf sich mit voller Kraft nach vorne und wurde dabei gebührend von Dormians Stab empfangen. Der Bursche machte einen Ausfallschritt zur Seite, ließ den plumpen Hieb des Angreifers an sich vorbeischnellen und sofort darauf trieb er so stark es ihm möglich war das beschlagene Stabende in den Magen des Zombies krachen. Dieser heulte gepeinigt auf, ging zu Boden und hielt sich in Höllenqualen die getroffene Stelle, welche wie durch eine Verbrennung zischte. Das Fleisch des Untoten begann, sich aufzulösen, doch Dormian beschleunigte sein Dahinscheiden, indem er an ihm vorbeischritt und den ohnehin morschen Schädel mit seiner Waffe zertrümmerte. Der zweite Zombie wurde auf die gleiche Weise ausgeschalten und so schnell es Dormian möglich war, huschte er durch die Pforte und verbarg sich im Schatten der Säule einer Eingangshalle. Der Krach würde jeden im Schloss darauf aufmerksam machen, dass jemand hier war, der nicht als eingeladen galt. Adrenalin rauschte durch die Adern des jungen Zauberers, der seinen ersten Kampf auf dieser Reise soeben siegreich beendet hatte. Seine Gegner rührten sich nicht mehr, lagen im Dreck und waren vernichtend niedergestreckt worden.

"Urgeist, steh mir bei. Ich hoffe, du stehst mir weiterhin bei", raunte Dormian erleichtert und sandte ein kurzes Stoßgebet an seinen Gott. Vorsichtig verließ der Adept sein Versteck und machte sich mit der Umgebung vertraut. Er stand in einer geräumigen Eingangshalle, die bis zum jetzigen Zeitpunkt leer war. Alte Kronleuchter hingen von den Decken, ein abgetretener Samtteppich zierte den Weg bis zu der großen Treppe, welche symmetrisch angelegte Aufgänge besaß, die seitlich nach oben in das erste Stockwerk führten. Doch soeben traf weiteres Personal ein, wie der Zauberer schluckend feststellen musste. Drei weitere Untote schlurften vom oberen Teil der Treppe nach unten; offenbar sollten sie den Geräuschen von eben auf den Grund gehen. Aio und Van Zan verließen sich auf ihn und da jede Sekunde zählte, entschloss sich Dormian dazu, sich nicht zu verstecken und eiligst einen Weg nach oben zu finden. Er verließ seine Deckung und lief scheinbar planlos genau unter das feindliche Trio, welches umgehend aufbrüllte und versuchte, den Eindringling zu zerfleischen. Mit ganzer Kraft packte der Arboris seinen Stab, hob ihn mit beiden Händen und trieb ihn mit einem Schrei in den Boden, welcher von Magie durchflutet wurde und keine Sekunde zu früh dem Befehl des Magiers gehorchte. Die Untoten schlugen mit Pranken und Schwertern nach ihm, doch ihre Bewegungen verharrten plötzlich. Mit zusammengebissenen Zähnen öffnete Dormian zaghaft sein rechtes Augenlid und atmete erleichtert auf, als er den Erfolg seines Angriffes betrachtete. Dort, wo die Zombies zuvor gestanden hatten, waren drei mannsgroße Erdspitzen in die Höhe geschossen und hatten ihre Ziele rechtzeitig aufgespießt, bevor diese auf Dormian losgehen konnten. Scheinbar schien etwas an der Behauptung mit dem Köpfen der Toten wahr zu sein. Die Gehirne waren sauber durchbohrt worden und außer gelegentlichem Zucken schienen die Opfer tatsächlich tot zu sein. Doch nun war keine Zeit für lange Forschungen und Philosophie. Der Erdadept eilte so schnell es ihm möglich war die Treppe hinauf, immerzu lauschend und spähend nach der nächsten Gefahr.

Im ersten Stock schwer atmend angekommen, verharrte Dormian einen Moment vor der Tür, welche den Korridor jenes Stockwerkes einleitete. Seine Magiereserven waren zwar glücklicherweise noch nicht ausgeschöpft, doch ihre allgegenwärtige Einsetzbarkeit strengte den Geist Dormians an. Er konzentrierte sich und versuchte, seinen Körper unter Kontrolle zu bringen. Nach einigen tiefen Atemzügen verschwand dieses berauschende Gefühl, das während des Kampfes an die Oberfläche geschwappt war und mit klareren Gedanken öffnete der Zauberer so leise wie möglich die Tür. Plötzlich schoss eine faulige Hand auf ihn zu, begleitet von einem wütenden Aufstöhnen und um Haaresbreite verfehlten die Krallen das Gesicht des aufschreienden Dormian, der nach hinten sprang und so dem nächsten Hieb des Zombies knapp entging, der auf der anderen Seite der Tür gelauert hatte. Dieser hechtete mit weit ausladenden Schwingern auf den Arboris zu, der durch den Schock nur ausweichen konnte. Geistesgegenwärtig ging der junge Mann in die Knie, strich über den Marmorboden und machte eine ausholende Geste mit dem Arm von unten nach oben, als wolle er dem Zombie einen Kinnhaken geben. Das hätte vermutlich jeder Krieger getan, doch schließlich hatte ein Magier einen Ruf zu verteidigen! Also zischte stattdessen ein faustgroßer Steinklumpen parallel zu Dormians nach oben schlagender Hand und krachte mit ganzer Kraft gegen besagten Kiefer des Untoten, der auch geräuschvoll brach. Dormian verlor keine Zeit und zog aus der Wand neben sich einen improvisierten Schild aus Gestein, der knapp den nächsten Hieb des Angreifers abblockte. Mit einem wütenden Aufschrei ließ Dormian den Schild bei der Berührung des Zombies zerplatzen und wie bei seinem ersten Gegner durchbohrten zahlreiche Splitter den feindlichen Körper, welcher mit zerplatztem Schädel zu Boden ging. Ächzend sank auch Dormian in die Knie und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Der häufige und so rasend schnelle Einsatz seiner Zauber machten ihm zu schaffen. Die magischen Angriffe an sich verbrauchten zwar nicht viel seiner Reserven, doch dieser plötzliche und ruckvolle Einsatz erhöhte die Anstrengungen der Beschwörung erheblich. Doch zum Ausruhen blieb nicht viel Zeit, denn vier weitere Untote wurden auf den ungebetenen Gast aufmerksam. Ächzend stemmte sich der junge Magier auf die Beine und erkannte mit sichtlicher Erleichterung, dass am Ende des Korridors eine Treppe nach oben führte. Das zweite Stockwerk war nicht mehr weit und mit dieser Aussicht schöpfte Dormian neue Hoffnung, lebend aus diesem Haus herauszukommen.
"Ihr könnt mich nicht brechen!", schrie er den heranschlurfenden Gestalten entgegen, die rostige Schwerter, Keulen oder herausgerissene Möbelteile mit sich führten. Den Stab behutsam und konzentriert schwingend lief der Zauberer auf seine Feinde zu und in seinen Augen stand wilde Entschlossenheit geschrieben. Der schüchterne und zaghafte Lehrling aus der Universität existierte in diesen Stunden nicht mehr.

Wie eine Lanze bohrte Dormian das beschlagene Ende des Stabs in das Gesicht des heraneilenden Zombies, der jaulend gegen seinen nachrückenden Kameraden gepresst wurde. Dormian zog den Stab zurück, griff mit der flachen rechten Hand nach der Wand und zog das Gestein zu sich heran. Eine luftige Gesteinshülle hatte das Gliedmaß umschlossen und keinen Herzschlag danach schlug der Arboris auch beherzt zu. Der Schlag des körperlich schwachen Lehrlings fügte dem gefühllosen Monster keinerlei Schaden zu, doch dummerweise lösten sich aus der Gesteinshülle empfindlich spitze Splitter, die beim Körperkontakt in die Haut eindrangen und abermals das Gehirn durchbohrten. Zuckend ging der zweite Feind zu Boden, während Dormian zurückwich und schwitzend sein Gleichgewicht zu halten versuchte. Seine Kräfte wurden stark strapaziert, doch er durfte und würde nicht aufgeben. Bei Feylin, sein Vater hatte es auch nie getan, das wusste er!
"Ihr kriegt mich nicht, Mistviecher! Hörst du, Faust?! ICH kriege DICH!!", brüllte Dormian und wich dem nächsten Hieb mit einem Stuhlbein aus, indem er in die Knie ging. Als Konter schlug er mit der Faust auf den Boden, worauf sich davor eine schräge Lanze formte, die im 45°Winkel den Magen des Zombies durchbohrte. Dormian wirbelte herum und pfefferte dem Aufgespießten das für diesen gefährliche Stabende gegen die Wange, welche wie von einer gefährlichen Verbrennung zerfressen wurde. Der letzte Untote wackelte, mit einem Morgenstern bewaffnet, auf den Zauberer zu. Dieser sammelte den letzten Rest seiner gerade verfügbaren Kräfte und schlug aufschreiend mit der rechten flachen Hand gegen die Wand zu seiner Linken. Synchron dazu verformte sich plötzlich die Wand zur Linken des auf ihn zukommenden Zombies und als primitiver Rammbock zerquetschte diese das untote Opfer. Verfaulte Körperflüssigkeiten spritzten umher, Knochen barsten und als sich die Wand zurückzog, ging der letzte Verteidiger des Stockwers wie eine erschlagene Fliege zu Boden. Das war fast zu viel für den tapferen Zauberer gewesen, der abermals in die Knie gehen musste und nach Luft rang. Sein Kopf und sein ganzer Körper schmerzten, als habe man ihn auf eine Streckbank gespannt. Es half nichts, das wusste Dormian. Daher riss er sich zusammen, hielt nur einen Moment lang inne und stand schließlich schweißgebadet auf. Ein paar weitere Atemzüge folgten, damit er zur Ruhe kam; zitternd blickte der junge Arboris zurück und sah die Zombies, die von ihm allein vernichtet worden waren. Das hatte der Bursche geschafft... ganz allein? Nein, Lucrecious´ Ring und sein Glaube an den Urgeist waren es gewesen, die ihm diesen Sieg ermöglicht hatten. Dies alles und der Wille, die Studenten zu retten, welche den Gefährten von Faust zum Opfer fallen sollten. Das würde er nicht zulassen.
"Ich komme, du Bastard", hauchte Dormian, wischte sich den Schweiß von der Stirn und marschierte auf den Treppenabsatz zu, der ihn in den zweiten Stock führte. Für Schwäche war jetzt keine Zeit, es mussten Taten folgen.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Samstag 25. Juni 2011, 19:37

Von seinem ersten Sieg noch ganz berauscht, merkte Dormian überhaupt nicht, dass die beiden schweren Ebenholzportale sich mit einem dumpfen Knall hinter seinem Rücken, wie von Geisterhand, schlossen. Nur zu gut verständlich, lag die weit größere Gefahr doch direkt vor ihm. Die Eingangshalle der Villa des Schreckens war ein hohes, düsteres Atrium, mit einer breiten Treppe am gegenüberliegendem Ende, die auf den Rundgang im ersten führte. Doch leider befanden sich nicht nur vor dem Eingang zum Anwesen diese untoten Wachposten. Da Dormian sich nicht grade leise einen Zugang zum Gebäude verschafft hatte, waren mehrere andere der leblosen Krieger aufgeschreckt worden. Der weit klügere Weg wäre selbstverständlich gewesen, jede Aufmerksamkeit zu vermeiden, doch dafür war es nun zu Spät. Wohl oder Übel musste der junge Magier die Feuerprobe bestehen und sich alleine einen Weg zum Treffpunkt freikämpfen. Was Dormian natürlich nicht wusste war, dass diese Untoten zwar nicht von ihrem Meister gelenkt wurden – andernfalls hätte er gewiss nicht so ein leichtes Spiel gehabt – aber sie standen trotzdem mit Faust in Verbindung. Mit jedem Schädel, den der Arborisspross zerschmetterte, kehrte ein Teil der Magie des Nekromanten zu ihm zurück. Von einem überraschendem Erstschlag wäre bald keine rede mehr. Es würde nicht mehr lange dauernd, da sich Rufus Faust dem Fehlen seiner Sklaven bewusst wurde. Dass der Adept sich zusätzlich lautstark äußerte und mit seinem Gebrüll die halbe Villa in Aufruhr brachte, dass hingegen war ein Fehler, den selbst ein unerfahrenderer Recke hätte vermeiden können. Vielleicht war es das Adrenalin, dass durch Dormians Körper rauschte, vielleicht auch die Euphorie, fast ein duzend untoter Schergen im Alleingang ausgeschaltet zu haben. Doch Van Zan oder Aio, hätten ihm von so einem Benehmen unter allen umständen abgeraten!
Wie dem auch sei, Dormian schaffte es durch sein Können – und eine gehörige Portion Glück – durch das Erdgeschoss und die Treppe hinauf in den ersten Stock, bis hin zum Aufgang, der in die nächste Etage führte. Der Weg hinter sich war gepflastert mit den Überresten jener Unholde, die sich ihm entgegen gestellt hatten. Vielleicht hätte es seinem Stolz und Hochgefühl einen kleinen Abbruch getan, wenn er an dieser Stelle bereits gewusst hätte, dass er es grade einmal mit der niedersten Stufe der Monster auf dem Gut aufgenommen hatte und dabei bereits einen guten Teil seiner Magie eingesetzt hatte. Diese Feinde warn nichts weiter, als belebte Leichen, ohne richtiges Bewusstsein, ohne Intelligenz. Kontrahenten, mit denen jeder Krieger es hätte aufnehmen können. Was jedoch dort oben, im zweiten Stockwerk bereits aufmerksam auf ein neues Opfer lauerte, dass war ein ganz anderes Kalieber ...
Es war als würde ein Rammbock heran fliegen, kaum das Dormian auf der obersten Stufe angekommen war. Hart wie eine Eisenkeule und doch geräuschlos, in der vorherrschenden Dunkelheit nicht zu erkennen, traf den jungen Magier eine Faust mitten in den Magen und beförderte ihn wieder nach unten, wo er gegen das Geländer des Atriums krachte. Dann waren Schritte zu hören, so laut und dumpf, als würden sie von einem gepanzerten Riesen stammen. Drei mal rumpelte es, dann begann dort oben, wo Dormian grade noch gestanden hatte, ein violettes Licht zu glimmen. Nach wenigen Sekunden war das Wesen, das ihn getroffen hatte, durch sein eigenes Licht beleuchtet. Es war ein Mann, oder zumindest der nackte Torso eines Mannes. Dem Schädel, der durch einen metallenen Reif mit dem Oberkörper verbunden war, fehlten die Lippen, so dass man die gebleckten Zähne erkennen konnte. Eine einzelne Metallplatte war mit Nieten auf dem haarlosen Kopf befestigt worden und bedeckte alles ab der Nase. Löcher für die Augen fehlten. Das Wesen machte einen Schritt nach vorne, die Treppe hinunter und sein metallener Unterleib ächzte leise. Auch die hölzerne Treppe knirschte unter dem Gewicht des Wesens. Das gruselige, violette Licht, stammte von dem was eigentlich seine Oberarme hätten sein sollen. Das Monstrum besaß seine eigentlichen Arme nicht mehr. Die fleischigen Unterarme, aus denen noch die Knochen am Ende heraus schauten und an denen die massigen, stählernen Fäuste angebracht waren, wurden durch zuckende lilaweiße Blitze mit dem Oberkörper verbunden.
Van Zan hatte erwähnt, dass sich die Lichtbogengeschöpfe der Nekromantin Asajj im Anwesen befanden. Nun hatte Dormian in etwa ein Bild davon, was genau sich darunter verstand! In der rechten Hand hielt das Monstrum ein gezacktes Schwert, dass schwarz glänzte. „Dieee Hääärrin will niiiicht gestöööört weerdeen,“ sagte das Wesen und es hörte sich an wie Schwerstarbeit. Auch wenn die Kreatur einen ziemlich trägen und unbeweglichen und trägen Eindruck machte, so täuschte das. Mit einem Satz befand es sich direkt vor Dormain am unteren Ende der Treppe. Dann verpasste der stählerne Unhold dem jungen Arboris einen mächtigen Tritt gegen den Oberkörper. Es knirschte, als das Geländer hinter ihm nach gab und der Magier durch die Wucht zurück ins Erdgeschoss flog, wo er auf dem dicken Teppich landete.
Von seiner Position aus konnte Dormian dann erkennen, wie das Konstrukt eine der besiegten Leichen mit seiner gewaltigen Pranke aufhob. Mit seinem Schwert schlug es dem Kadaver beide Arme ab. Das selbe machte es auch noch mit zwei weiteren der vier Toten, die der Magier besiegt hatte. Aber das Schlimme war nicht, wie der Lichtbogenkrieger mit seinen gefallenen Kameraden umsprang. Nein, dass schlimme war, dass es sich die abgeschlagenen Teile selber einverleibte! Weitere Blitze züngelten aus der Rückenplatte, und verband sich mit den abgetrennten Armen. Einen Moment lang zuckten sie nur unkontrolliert, dann ballten sich sechs neue Hände zu Fäusten. „Meeehr,“ stöhnte das Ungetüm und sprang von der Galerie nach unten, um ein paar Meter vor Dormian zu landen. Es bückte sich und hob mit seinen neuen Armen einige der Waffen auf, die von den untoten nach ihrem zweiten ableben fallen gelassen worden waren.
Nun stand Dormian einem wahren Feind gegenüber. Asajjs Metallkrieger zeichneten sich nicht nur durch eigenständige Intelligenz aus, sondern auch dadurch, dass sie vernichtete Körperteile ganz leicht ersetzen konnten. Das achtarmige Biest eröffnete den Kampf. Es stürmte auf Dormian zu und schwang dabei sein gewaltiges Schwert, sowie einen der aufgelesenen Morgensterne. Ein Treffer würde wahrscheinlich ausreichen, um den Magier einfach zu zerfetzen!

[OT: Dormians Status wurde durch den Sturz auf Leicht Verletzt umgeändert. Eine seiner Rippen ist angebrochen und schmerzt dementsprechend. Der Lichtbogenkrieger befindet sich zwischen ihm und der Treppe und kann nicht umgangen werden. Ab sofort gelten die selben Regeln wie im Kampf gegen den Schlammgolem (Ob und wie genau ein Zauber wirkt bestimme ich, du beschreibst die Wirkung deiner Zauber wieder). Dormians magische Reserven sind auf zweidrittel gesunken.]
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Samstag 25. Juni 2011, 20:55

Dormian konnte sich noch nicht einmal einen Idioten schimpfen, als er durch einen brutalen Zauber im wahrsten Sinne des Wortes zurück auf den Teppich geschickt wurde. Der aufkreischende, stechende Schmerz in seinem Brustkorb verhieß nichts Gutes, dementsprechend laut fiel sein Schmerzensschrei aus. In seinem Siegesrausch hatte der junge Magier nicht bemerkt, wie er in eine Falle getappt war. Jeder kleine Bauernsöldner hätte ihn jetzt sicherlich ausgelacht, da er quasi blind vor Kampfeslust in so eine Situation gestolpert war. Die Flügeltüren hatten sich verschlossen, eine der berüchtigten Lichtbogenbestien von Asajj folgte ihm obendrein. Mit blankem Entsetzen in den Augen musste der junge Arboris dabei zusehen, wie dieses Ungetüm zu ihm kam und auf dem Weg seine Kameraden buchstäblich zerlegte. Sein Vater würde ihn einen Dummkopf schimpfen, dass er so blind nach vorne gestürmt war. Nach dem Lärm, den er veranstaltet hatte, wunderte es ihn, wieso sich Faust noch nich über ihn hergemacht hatte, um ihm endgültig den Rest zu geben. Das ließ darauf schließen, dass er zu beschäftigt schien, um sich um ihn zu kümmern. Asajjs Schöpfung sah dies aber anders und machte es sich zur Aufgabe, nach dem Eindringling zu sehen, der nun wohl nur noch mit Glück sein Leben behielt.

Das Monstrum stampfte nun eilig auf den verletzten Dormian zu, der sich ächzend auf die Knie kämpfte. Er musste kein Heiler sein um zu verstehen, dass mindestens eine seiner Rippen den Sturz nicht unbeschadet überstanden hatte. Er war dumm gewesen, sich diesen Krieg mit Faust so einfach vorzustellen. Wie hatte sein Großvater während seiner Lebzeiten noch gesagt? "Fehler sind erst dann unverzeihlich und müssen bestraft werden, wenn man sie mit gutem Gewissen noch einmal begeht."
"Du willst mich, du elende Totenschabe?", ächzte Dormian und kam fast schon zu langsam wieder auf die Beine. In seinen Gedanken geisterten Faust und seine Geißeln umher, während die Lichtbogenbestie brüllend eine der fremden Hände mit einem Morgenstern zwischen jenen Fingern schwang.
"Dann hol mich, Mistkerl, aber einfach mache ich es dir nicht..."
So schnell es ihm trotz der Verletzung möglich war, benutzte Dormian seinen Stab als Stütze und drückte sich damit seitlich ab, um nicht von seinem massigen aber flinken Gegner zertrampelt zu werden. Gleichzeitig zog der Erdadept an der Erde unter dem Teppich, wo er eben noch gekauert hatte. Kein Angriff, nur ein Anheben einer Marmorplatte, die einen Buckel machte. Das Ganze war sehr schnell gegangen, sodass der Bestie vermutlich nicht viel Zeit blieb, diesem Stolperhindernis auszuweichen. Dormian konnte das jedenfalls hoffen und lehnte sich fluchend an eine der Stützsäulen, um seine Rippe zu entlasten und sich nicht dafür mühsam hinsetzen zu müssen. Der nächste, diesmal ernstere Kampf um Leben und Tod hatte begonnen. Und Dormian hatte nicht vor, die Worte seines Großvaters zu vergessen. Jetzt würde er das einsetzen, worin er wirklich gut war, statt blindwütig nach vorne zu stürmen: seinen Kopf zu benutzen.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. Juni 2011, 17:03

Es war nicht ganz klar, ob dieses ungeheuer Dormian hören konnte, als dieser sprach. Im Grunde war nicht einmal ganz klar, ob es den Magier überhaupt sehen konnte. Irgendwie musste dieses Ungetüm aus Metall, schwarzer Magie und totem Fleisch sich ja im Raum orientieren, aber mit dem deformierten, beschlagenen Schädel schien das kaum möglich. Vielleicht spürte es den Zyraner oder dessen Magie ja auch? Von seiner Schöpferin einmal abgesehen vermochte das wohl niemand so genau zu sagen. Aber die brennende Frage war in diesem Augenblick wohl weniger, wie dieses Ding funktionierte, als wie man es zerstörte!
Das anstürmende Biest bemerkte jedenfalls nicht, wie Dormian ihm ein Hindernis, in Form einer deformierten Marmorplatte, direkt vor die Stahlfüße legte. Wie ein wild gewordenes Nashorn stürmte das Geschöpf weiter, nicht mehr in und es kam, wie es kommen musste. Die gewaltigen Füße prallten gegen die Marmorplatte und es stürzte nach vorne. Der Länge nach prallte der Lichtbogenkrieger auf den harten Boden. Das Gab Dormian die Chance, sich wieder aufzurappeln und sich in Sicherheit zu bringen. Das Metallmonster gab einen fauchenden, wütenden Laut von sich. Anscheinend wog sein Körper eine ganze Menge, denn obwohl es alle seine falschen Arme einsetzte, rappelte es sich nur sehr langsam wieder auf und stöhnte dabei, als litte es schmerzen. Vielleicht tat es das auch. Der Lippenlose Mund öffnete sich und die scharf zugefeilten Zähne kamen zum Vorschein. Eine Zunge, viel länger als es eigentlich der Fall sein dürfte, fuhr heraus, wie eine Schlange Züngelte das Monster.
Schließlich rappelte das Biest sich wieder auf und grabschte nach den Waffen, die es verloren hatte, vor allem nach seinem gezackten Riesenkrummschwert. Nun schien es jedoch die Fährte des Jungen verloren zu haben, denn es stand nur unschlüssig im Raum und wandte sein hässliches Haupt hier hin und dort hin. Schließlich stapfte es einfach zu einem der drei Kadavern, die Dormian nach betreten der Villa niedergestreckt hatte. Zwei mal zuckte die grobschlächtige Waffe herunter, dann hob es den abgetrennten Kopf in die Höhe. Die Hälfte des Schädels war durch den Magier zerstört worden, doch kaum hatte die Pranke des Ungetüms den Kopf umschlossen, da Schlug dieser das verbleibende Auge auf und sah sich mit unstetem Blick um.
„Haaaaab diiiich,“ stöhnte das Monstrum dann mit einem Mal. Den abgetrennten Kopf noch immer vor sich haltend wie eine Laterne, stürmte es wieder los. Wie ein Juggernaut näherte der Stahlkollos sich der Säule, hinter der Dormian sich verbarg. Das Schwert surrte dich die Luft und fraß sich bis zur hälfte durch den Granit, bevor es stecken blieb. Streitkolben und Äxte hämmerten auf die Säule ein, dann riss der Krieger seine Primärwaffe wieder heraus. Ein gewaltiger Brocken Gestein brach dabei aus der Stützsäule und kleine Splitter regneten auf Dormian herab. Das Biest brüllte auf ging langsam um die Säule herum, bis es unter der Galerie stand, direkt vor Dormian.. Alle Waffen gehoben und darauf wartend vernichtend zuzuschlagen zu können. Dass es durch den Magier gestürzt war, hatte es sauer werden lassen ...
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Sonntag 26. Juni 2011, 17:35

Dormian hatte nicht wirklich damit gerechnet, den Kampf mit diesem kleinen Trick zu beenden. Das Monstrum stolperte allerdings wie geplant über das Hindernis und krachte der Länge nach zu Boden. Wieder aufgerichtet, dafür noch wütender, suchte der Koloss nach seinem menschlichen Gegner, der sich hinter der Säule verbarg und fieberhaft überlegte, wie er diese Bestie erledigen konnte. Der Gedanke, sich vor ihm lange genug zu verstecken, funktionierte nach der Aktion mit dem fremden Schädel allerdings nicht, wie Dormian fluchend erkennen musste. Dies allerdings brachte ihn auf eine Idee; es war jedoch fraglich, ob er bis zu deren Ausführung überleben würde. Durch die Augen des getöteten Zombies hindurch entdeckte die Kreatur den Menschen, stürmte auf diesen zu und zertrümmerte die Säule der Galerie über den Kontrahenten und erhob seine zahlreichen Todeswerkzeuge.

Wie ein gehetztes Tier sah sich der zu Boden gefallene Dormian nach einem Ausweg um, da der Fleischberg soeben zum letzten Schlag ausholte. Als habe der Urgeist ihm einen Wink gegeben, rieselte plötzlich Dreck von oben auf den Kopf des Erdadepten. Ein Blick nach oben verriet ihm, dass die Galerie unter dem Schlag der Lichtbogenkreatur gelitten hatte. Es musste einfach funktionieren! Dormian kämpfte sich mit einem Schwung aus der Hüfte heraus auf die Beine und wischte in der Aufwärtsbewegung mit der freien Hand über den Boden. Die herab gefallenen Gesteinssplitter erhoben sich auf seinen Befehl hin und zischten nach vorne, den Schädel in der Pranke seines Gegners anpeilend. Gleichzeitig rannte Dormian, so schnell es ihm seine Rippen erlaubten, vor dem Ungeheuer weg und schlug mit einem Schwall seiner Magie gegen die nächste Säule. Wenn alles nach Plan lief, konnte er den Sockel der berührten Säule verschieben, das Gleichgewicht durcheinander bringen und sie entweder auf das Monster krachen oder das Gewicht der hoffentlich einbrechenden Galerie den Rest tun lassen. Für den Fall, dass Beides gelang, versuchte der Magier schleunigst, vom Bereich unter der Galerie wegzukommen. Also trugen ihn seine Beine rasch in die Mitte der Eingangshalle, ein gehetzter Blick nach hinten folgte. Würde sein Plan aufgehen?

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 29. Juni 2011, 18:46

Deutlich hörbar zerschnitten die vielen scharfen Waffen des Unholds die Luft, als diese herunter zischten und zwar mit vernichtender Kraft. Aber zu dem Zeitpunkt war der Magierlehrling schon wieder auf den Beinen und entging so den tödlichen Hieben. Das schwarze Schwert war so scharf, dass es sich in den Boden fraß und dort stecken blieb. Mit seiner bestialischen Kraft riss das Lichtbogenkonstrukt an seiner Primärwaffe, doch in dem Moment schickte Dormian ein Gewitter aus kleinen Steinsplittern gegen seinen Feind. Der anvisierte zweite Kopf in der Pranke des Monsters bemerkte den Zauber mit seinem weit aufgerissenen Auge. Sofort unterlies der Stahlkoloss es, weiter an seinem Krummschwert zu ziehen, sondern benutzte gleich mehrere seiner Hände, um den gestohlenen Schädel zu schützen. Allerdings versperrten die vielen abgestorbenen Finger ihm auch die Sicht für dass, was Dormian als nächstes plante. Der Adept schickte eine Welle an Magie gegen die zweite nächste Säule, die beim Aufprall zersplitterte. Die Galerie gab einen ächzenden Laut von sich und bog sich ein wenig durch. Aber sie hielt!
Der Stahlkrieger sah mit seinen beiden Köpfen nach oben, wo sich die mehreren Tonnen Stein über seinem Kopf beugten. Da aber nichts weiter passierte, lachte es böse auf und es klang, als würde man einen Sarg mit einem Hammer zertrümmern. Die rechte Metallplanke umschloss abermals den Schwertgriff, zwei weitere Arme halfen unterstützend mit. Doch dieses mal befreite sich das Schwert schon beim ersten Ruck und die untote Kreatur taumelte gegen die bereits von ihm beschädigte Säule. Ohne darauf zu achten hob das Monster abermals seine Waffen und wollte grade hinter Dormian her eilen, als es über ihm laut knackte. Beim Auftreffen des stählernen Körpers gegen die Steinsäule, hatte auch sie nachgeben. Nun, wo gleich zwei der Träger fehlten, wurde das Gewicht der Galerie einfach zu viel. Der Marmorrundbogen, der den ersten Stock der Eingangshalle darstellte, gab an einer Seite fauchend nach. Große Steinbrocken fielen auf den Lichtbogenkrieger nieder. Den ersten fing es noch auf, aber selbst für seinen verstärkten Körper war die Last einfach zu schwer. Es krachte laut und eine Staubwolke entstand. Als sie sich wieder verzog, war der Koloss verschüttet. Nur die Stahlklaue, die noch immer den fremden Schädel umklammert hielt, lugte daraus hervor. Das Auge rollte leicht und die Miene hatten die klassischen „Nicht-schon-wieder“-Züge angenommen. Dann schloss sich das Lied und die lilafarbenen Blitze zuckten und verloschen. Der Gigant war gefällt worden.
Dormian wandte sich grade der Treppe zu, die ihn wieder nach oben führte, als es laut an der Tür krachte. Zuerst klang es noch so, als würde jemand mit blanken Fäusten auf das schwere Holz einschlagen, doch schon bald darauf wandelte es sich zu etwas, das sich anhörte wie ein Rammbock. Die Tür jedoch hielt stand und so verstummte das Geräusch wieder. Vielleicht waren die Untoten, die noch draußen waren, von dem ganzen Krach aufmerksam geworden? Der Radau der einbrechenden Galeriehälfte, hätte schon fast gereicht, um tote wieder zum Leben zu erwecken. Noch hielt das Tor stand, doch wollte man abwarten, bis sich das änderte? Eher kaum.
Nun konnte Dormian endlich in die zweite Etage einmarschieren. Den Wächter hatte er beseitigt und seine Aufmerksamkeit würde nun wohl um einiges besser sein, nachdem er einmal so fies überrascht worden war. Der Zweite Stock wirkte aber auch so vollkommen verlassen. Die Fenster waren verbarrikadiert worden, so dass kein Licht von draußen einfallen konnte. Auch viele Türen waren mit Brettern verbarrikadiert worden. Ob nun weil sie nicht mehr gebraucht wurden, um etwas einzusperren oder Fremde auszusperren war unklar. In dieser Villa des Schreckens schien alles möglich. Eine einzige Tür stand einen Spalt breit offen und ein goldener Lichtschein erhellte den Flur zumindest an dieser Stelle ein wenig. Da sich keine weiteren Türen an eben dieser Wand befanden, bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um die große Halle handelte, die er suchen sollte.
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Freitag 1. Juli 2011, 18:37

Ächzend stemmte sich Dormian auf die Beine und hustete sich den Staub aus den Lungen, der bei dem Einstürzen der Galerie aufgewirbelt war. Als dieser sich gelegt hatte, konnte der junge Magier einen Blick auf das erhaschen, was ihn beinahe getötet hätte. Die Bestie lag unter dem Schutt begraben und neben seiner höllisch schmerzenden Rippe ging es ihm verhältnismäßig gut. Jeder stechende Atemzug erinnerte ihn daran, den von ihm begangenen Fehler nicht noch einmal zu wagen; er war selbst Schuld an seiner Verletzung, da der von ihm veranstaltete Krach das halbe Anwesen auf den Plan gerufen hatte. Hoffentlich mussten Aio und Van Zan jetzt nicht darunter leiden. Sie waren zweifelsfrei talentierte und erfahrene Kämpfer, doch was würde passieren, wenn die Obersten und Faust selbst angriffen? Allein aus diesem Grund musste Dormian so rasch wie möglich nach oben in den zweiten Stock, um wenigstens ein wenig bei dem bevorstehenden Gefecht helfen zu können. Nicht zuletzt, weil er dies als Wiedergutmachung für seinen Fehler sehen konnte.

Gestützt auf den Stab seines Großvaters bezwang der Zauberlehrling erneut die Treppen bis in den ersten Stock und schritt den Gang, in dem ihn der Kampfrausch gepackt hatte, noch einmal entlang. Er war dumm gewesen, jede andere Gefahr als die Zombies selbst zu missachten und schlicht zu übersehen. Vor dem Untoten, den er vor seinem Absturz bezwungen hatte, blieb der Bursche stehen und betrachtete die starren Augen des Mannes, der seiner Kleidung nach ein Bediensteter gewesen sein musste. Unheilige Mächte hatten ihn zum Leben erweckt und zu Dingen gezwungen, die er vermutlich aus eigenen Stücken niemals begangen hätte.
"Ruhe in Frieden", raunte Dormian mit erstickter, leister Stimme und stieß das ummantelte Stabende in den Schädel des Besiegten, der mit nur einem kurzen, unappetitlichen Krachen in staubige Brocken zerbarst. Der Erdadept hob seinen Kopf und sah zu dem Aufgang, der in den zweiten Stock führte. Fausts Machenschaften quälten nicht nur die Lebenden, er vergriff sich auch nach Herzenslust an den Toten. Entschlossen legte Dormian die Strecke zurück, die ihn bis zu der angelehnten Tür in der nächsthöheren Etage führte. Die Halle war nun offensichtlich erreicht. Aus der Überlegung heraus, man könnte seine Magie aufspüren, verzichtete der Arboris auf einen Befragungszauber, um sich ein Bild vom Innenleben des Raumes hinter der Tür zu machen. Auch wenn es vermutlich egal war, denn wie taub und blind oder abgelenkt konnten Fausts Schergen sein, dass sie diesen unglaublichen Lärm überhören konnten. Der Angriff der Lichtbogenbestie war wohl der beste Beweis dafür, dass sie es getan hatten. Trotzdem, vielleicht spürten sie ihn jetzt nicht mehr und ein vorsichtiger, lautloser Blick durch die offenstehende Tür sollte ihm nun Gewissheit verschaffen...

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Montag 4. Juli 2011, 13:07

Aus der offen stehenden Tür drangen leise Stimmen heraus. Hauptsächlich war eine Frau zu hören, aber gelegentlich merkte auch eine männliche Stimme etwas an. Leider verstand der junge Magier nichts von dem, was dort gesprochen wurde. Die Zunge klang zwar so ähnlich wie die Sprache der Magier, war aber mit einem düsteren Unterton versehen. Wahrscheinlich wurde dort auf haraxisch gesprochen. Es hatte auf jeden Fall große Ähnlichkeit mit dem, was Faust in der Grabkammer gesagt hatte, als er mit seinem Spiegel gesprochen hatte. Und bei diesen düsteren Gestallten war es bestimmt nicht weit hergeholt, wenn man ihnen zutraute die Sprache der Dämonen sprechen zu können. Eins war klar: Bei dem Pärchen dort drinnen handelte es sich gewiss nicht um Van Zan und Aio, auch wenn man es vielleicht hätte hoffen können. Und ein kurzer Blick ins innere der großen, durch Fackelschein erhellten Halle, bestätigte das umso mehr.
Tatsächlich befanden sich mehr als nur zwei Gestalten hier drinnen. Soweit Dormian es erkennen konnte, waren es wohl doppelt so viele. Der gesamte Boden der Halle war mit einem komplizierten Muster aus Spiralen bedeckt, seltsame Schriftzeichen und mystische Symbole ergänzten das Bild. Der Anblick hatte etwas hypnotisierendes und trotzdem bekam man sofort das Gefühl, dass es nicht so sein sollte. Dieses schaurige Kunstwerk hatte einen bösartigen Zweck, das war ganz klar. Genau in der Mitte, in einem geschlossenen Kreis aus roter Farbe, hockte ein alter, bärtiger Mann. Er sah sehr übel aus. Der graue Bart war verfranzt und mit Blutflecken, die Augen waren von dunkelblauen Schatten umgeben. Der Mann schien stumm zu schluchzen. Sein zerfetztes, schwarzes Gewand, konnte nicht verbergen, dass der alte am Zittern war. Seine Arme schienen auf dem Rücken gefesselt zu sein.
Ein wenig seitlich von diesem armseligen Anblick, kniete ein weiterer Mann. Er trug eine typisch graue, zyranische Schülerrobe mit roten Säumen. Dormian konnte das Gesicht dieses Mannes deutlich im Profil erkennen, auch wenn es niemandem gehörte, den der Adept gerne begegnete. Krytas. Das feiste Gesicht seines früheren Rivalen war bleich und starr. Auch er zitterte leicht, war aber im Gegensatz zu dem älteren nicht gefesselt. Es war nicht sicher, ob er Starr vor Angst war, oder die Konsequenzen fürchtete, wenn er nun weg lief, auf jeden Fall bewegte er sich keinen Millimeter, sondern verharrte in der unterwürfigen Position. Die einzige Gestallt, die sich in der Halle bewegte, war ein weiteres Wesen aus Stahl, totem Fleisch und Lichtbögen. Allerdings hatte dieses etwas, dass langsam um die restlichen Gestalten herum schlich, nichts Menschliches mehr an sich. Es sah eher aus wie ein gewaltiger Panther mit zwei metallbeschlagenden Raubtierschädeln. Im Gegensatz zu dem Soldaten von vorhin, bestand dieses Biest aus mehr als einem Duzend Einzelteilen, die durch violette Blitze miteinander verbunden waren. Es gab kein Geräusch von sich, obwohl es gewiss noch mehr wog als der unhold. Nicht mal als es sich wie eine Hauskatze hinter der vierten Gestalt auf den Boden legte, war etwas zu hören.
Aber es war nicht dieser zweiköpfige Bastard, von dem die größte Bedrohung ausging, sondern die letzte Gestalt. Es war eine Frau, mit bleicher, grauer Haut und strähnigen, schwarzen Haaren. Sie trug eine art Kleid, dass an den Oberarmen und um die Taille mit Silber verstärkt war. Ein hoher, metallener Kragen, reichte von den Schultern hinauf bis zum schwarzen Schopf. Die Unbekannte, bei der es sich nur um die Nekromantin Asajj handeln konnte, stand hinter dem alten Mann, mit dem Gesicht in Richtung der Tür. Aber sie bemerkten den Eindringling genau so wenig, wie die anderen, denn sie schien vollauf damit beschäftigt, aus dem schweren Folianten in ihren Armen vorzulesen. Sie war es auch, die Dormian von seinem Späherposten aus hören konnte. Immer wieder legte sie eine kurze Pause ein und Krytas stammelte ein paar Wörter, wohl mehr schlecht als recht in der Dämonensprache. Er verhaspelte sich mehrmals, musste einmal sogar ganz von vorne beginnen, doch die Lektorin schien es nicht zu interessieren.
Anscheinend hielten die Nekromantin und der ehemalige Schüler eine Art Ritual ab und dieses schien sich allmählich dem Ende zu nähern. Zumindest konnte man darauf schließen, denn der alte Mann wurde nun noch unruhiger und sein Blick wanderte wirr und panisch durch den Raum. Er wimmerte leise, doch darauf konterte die Chimäre mit einem Löwenbrüllen und der unbekannte verstummte wieder. Sein Blick streifte nun über die Tür, glitt über den Spalt und entdeckte Dormians spähendes Auge. H-i-l-f m-i-r formten die rissigen Lippen, doch es schien zu spät dafür zu sein. Asajj schlug das Buch zusammen und lies es auf den Boden fallen. ”Eleve Krytas, du hast dem Spiegelherren angerufen und ihn um seine Gunst gebeten. Lege die Zeichen der Einengung durch die unwissenden Zyraner nun ab!“
Auf das Geheiß der unheimlichen Frau stand Krytas auf und entledigte sich langsam seiner Robe. Darunter trug er nur eine einfache Stoffhose, während der Oberkörper nackt war. Nicht einmal Schuhe trug er. Als das erledigt war, kniete sich der Feuermagier wieder in seine alte Position. ”Nun ist es Zeit, den Packt mit dem höchsten der gefallenen Götter zu besiegeln. Vor dir im Staub liegt der Nekromant Karkoff, ein altes, ausgelaugtes Relikt, dass niemals gelernt hat zu sehen. Begehe Diblerie an ihm und der Herr des Spiegels wird dir seine Gunst erweisen. Erlange die macht der Nekromantie. Tue es. JETZT!” Die letzten Worte hatten einen solchen Nachdruck, dass Krytas nicht anders konnte, als wie von der Tarantel gestochen wieder aufzustehen. Langsam stapfte er auf den Gefesselten zu, in seinen Augen spiegelten sich Angst und Zögern. Doch beides durfte er sich nicht erlauben. Aus den Falten ihres Gewandes zückte Asajj einen gezackten Dolch, den sie dem jungen Mann zu warf. Der Feuermagier fing die Waffe auf und blieb vor Karkoff stehen. Er murmelte etwas unverständliches, dann stieß er zu. Die Klinge perforierte die Brust des Alten und drang bis tief in dessen Herz. Als Krytas die Waffe wieder heraus zog, sprudelte ein kräftiger Strahl aus der Brust des Todgeweihten. Der Lebenssaft wurde von dem seltsamen Muster angezogen und bedeckte immer schneller werden jede einzelne Linie. Dann begann das frische Blut zu glühen.
Der tote Nekromant fiel zur Seite und schon kam die zweiköpfige Bestie heran und zerrte den leblosen Mann davon. Krytas fiel auf beide Knie und presste seine Hände auf zwei runde Ritualzirkel. Sein Körper begann zu zittern, dann begann er unmenschlich zu schreien und sich unter Qualen zu winden. Sein Gesicht war verzerrt und seine Augen so weit hochgerollt, dass man nur noch das Weiße sehen konnte. Aber als ob seine Hände am boden befestigt worden wären, löste er sie nicht. Der Schrei wurde lauter, doch änderte sich plötzlich. Es wurde zu einer Art Lachen, einem unmenschlichen, grausamen Lachen. Die Adern an seiner Stirn pulsierten immer schneller, dann entstand ein schwarzer Punkt, wie als wäre sein Fleisch mittig auf der Stirn verbrannt. Der Punkt breitete sich aus, bis er zu einem Kreuz wurde. Zwei Schlangenlinien zögen sich von Links und rechts heran. Es war eben dieses Symbol, dass auch der wahre Faust auf der Stirn hatte. Und nun, wo er genauer hinsah, konnte Dormian es auch bei Asajj erkennen: ~ X~
Anscheinend war es das Mal, dass jeder Diblerist trug. Das Zeichen, dass jedem sagte, dieser Magier hatte sich gegen den Tod versündigt! Krytas fiel erschöpft nach vorne. Er hatte keine Schmerzen mehr, aber von seiner Haut schien enorme Hitze auszugehen. ”Nun erhebe dich, Baron Krytas und nimm deine neue Robe entgegen!“ Asajjs stimme hatte trotz ihres herrischen Wesens etwas wie eine Spur Güte in sich. Mit einem breiten Grinsen erhob sich Krytas und nahm das Bündel entgegen, dass die Nekromantin ihm reichte. Mit einem Ruck entfaltete er es und streifte sich die edle, wenn auch düstere, dunkelrote Robe über.
”Es wird Zeit das wir gehen. Meister Faust wird sicherlich bald aus seinem Schlaf erwachen. Und dann werden wir die perfekte, untote Waffe erschaffen!” Asajj wandte sich ab. Zu Dormians Glück ging sie nicht auf die Tür zu, hinter der sich der Adept versteckte, sondern lief auf die dunkle Eichentür am anderen Ende der Halle zu. Die Stahlchimäre folgte auf dem Fuß, dahinter folgte Krytas. Und wie es aussah mit federnden Schritten.
Dormian war von dem ganzen Spektakel jedoch so abgelenkt, dass er nicht bemerkte, wie sich von hinten jemand näherte. Eine Hand glitt geräuschlos durch die Luft und legte sich dann ruckartig über Dormians Mund, so dass dieser nicht in der Lage war, irgendetwas zu sagen. Aber dann hörte er eine wohl bekannte und beruhende Stimme an seinem Ohr. ”Psst, ich bin es Dormian,” flüsterte Aio und nahm die Hand vom Mund ihres Begleiters. ”Wir haben uns Sorgen um dich gemacht, Dormian! Dieser ganze Krach, der von hier drinnen kam, als hättest du vorgehabt die Villa einzureißen. Warum bist du denn alleine hier rein gegangen? Ich habe dir doch gesagt du solltest warten und nicht alleine losgehen. Und dann ist auch noch das Haupttor verschlossen und durch Magie verstärkt, so dass es sich nicht öffnen lies. Erschreck mich nie wieder so!”
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Montag 4. Juli 2011, 14:32

Die Zeit schien langsamer als sonst zu verrinnen, als Dormian dem abscheulichen Ritual zusah, welches sich da vor seinen Augen abspielte. Asajj, der Nekromant und schließlich sein Erzfeind aus der Schulzeit, Krytas selbst; sie alle waren in diesem Raum versammelt und vollführten die Verkörperung der Schändung und Respektlosigkeit vor dem Leben, das die Götter den Bewohnern Celcias vermacht hatten. Der junge Erdmagier stand dort, im Schatten neben der angelehnten Tür, wie zur lebendigen Salzsäule erstarrt und unfähig, irgendetwas zu tun. Noch nicht einmal erschrocken zurückweichen konnte er, als der am Boden kauernde Alte ihn entdeckte und offenbar um Hilfe anflehte. Sein Gesuch wurde nicht erhört und auf eine bestialische, magische Weise, tat Krytas das, was Asajj von ihm verlangte. Das Schockierende an dieser Sache war allerdings, dass Krytas es freiwillig zu tun schien. Auch, als die Anwesenden den Raum verließen und der ehemalige Student der Feuermagie seiner Herrin folgte, war ein gewisser Glanz in seinen Augen zu sehen. Das gierige Gelüst nach Macht und die Befriedigung, die die neue Kraft in seinem Leib ihm verschaffte. Allein das war ein weiterer Grund, wieso Dormian niemals der Gier nach Macht und Wissen erliegen wollte. Gier und Habsucht, diese Eigenschaften waren nicht nur Gift für den eigenen Geist. Es war ein Durst, den nichts auf der Welt zu stillen vermochte, bis man schließlich selbst zugrunde ging und dabei womöglich ganze Länder mit sich nehmen konnte. Unschuldiges Blut wollte und würde der junge Arboris niemals an seinen Fingern haben, das schwor er sich hiermit.

Langsam fingen seine Glieder an, ihm wieder zu gehorchen. Seine Hand griff zitternd nach vorne, um die Tür nach innen zu drücken und um ihm Zugang zu dem Raum zu verschaffen, als ihm plötzlich der Mund zugehalten wurde und eine wispernde Stimme ihn mit der Tatsache beruhigte, dass es Aio war.
"Es...! Ich...!", stotterte Dormian, trotzdem überrumpelt und erschrocken in dem Versuch, sich für seine Taten zu rechtfertigen. Als dies nichts nützte, schwieg der Adept und holte tief Luft, um die berühmt berüchtigte Ruhe der Erdmagier zurück zu gewinnen.
"Es tut mir Leid. Ich dachte, es ist in Ordnung, wenn wir getrennte Wege bis hierher gehen, um nicht entdeckt zu werden. Ich hab dich falsch verstanden, ich versprech´s, ich tu es nie wieder, ja? Aber wir haben jetzt andere Probleme! Krytas! Er ist, nach allem, was ich eben gesehen habe, zu einem Sklaven von Asajj geworden. Freiwillig!", fauchte Dormian und spürte, wie der Zorn über den verwöhnten und tyrannischen Bastard in ihm hochkochte. Er fasste sich mit dem Gesehenen kurz und sein Griff um den Stab seines Urgroßvaters wurde fester.
"Faust hat in ihm einen idealen neuen Sklaven gefunden. Bitte versprecht mir, wenn wir gegen ihn und andere Anhänger dieses Mörders kämpfen... überlasst Krytas mir. Es ist keine kindische Schulfeindschaft, um die es mir dabei geht, das müsst ihr mir glauben... er hat nicht nur mich und Zyranus, sondern auch noch seine eigene Schwester an Faust verkauft, nur für diese von den Göttern verfluchte Machtgier! Ich werde dem ein Ende bereiten und nichts wird mich davon abbringen. Der Urgeist sei mein Zeuge.... versteht das, bitte...", raunte Dormian mit einem flehenden Unterton in der Stille und wandte sich seinen neuen Freunden zu. Jedenfalls war Dormian der Annahme, dass Van Zan bei Aio war, der Kerl sprach ja nicht sonderlich viel. Er wusste nicht, ob der Hexenjäger bei seiner Kollegin war, da er sich erst jetzt zu ihr umdrehte, doch der nächste Blick würde ihm mehr verraten. Und hoffentlich auch die Gewissheit bekommen, dass er sich Krytas vornehmen durfte und dabei Akzeptanz und Verständnis erhalten würde.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Montag 4. Juli 2011, 16:17

Eigentlich sah Aio nicht so aus, als wäre sie wirklich wütend über das, was Dormian da im Alleingang abgezogen hatte. Sie hatte eher die Miene einer großen Schwester aufgesetzt, die besorgt darüber war, dass ihr kleiner Bruder sich ständig in Gefahr begibt. Tatsächlich lächelte sie matt, nun da sie wusste, dass es ihrem jungen Schützling gut ging und er in Sicherheit war. Aber als Dormian dann versuchte sein Handeln zu rechtfertigen, wurde ihr Blick starr und ihr Gesicht bewegungslos. Sie schien einen Punkt, knapp über Dormians Schulter fixiert zu haben und stand nun neben ihm, wie zur Salzsäule erstarrt. Es war nicht einmal wirklich gegeben, ob sie auch nur ein Wort von dem Verstand, was der jüngste Arboris ihm erzählte. Stattdessen suchte die Hand der Elfe die seine, umklammerte sie und drückte so fest zu, dass es schmerzte.
Ihre Augen hatten sich geweitet und da sie ohnehin schon sehr große Augen hatte, wirkten sie nun gespenstisch groß. Dann begann sie zu zittern. Kaum merklich und doch konnte der Magier es fühlen, da sie ja seine hand umklammerte. Aios Lippen bebten leicht, oder vielleicht sprach sie auch stumm mit jemanden. Sie sah so aus, als wollte sie sich umdrehen, war aber starr vor Angst. ”Bitte … nicht …” flüsterte sie verhaltener Stimme.
Dormian war mit seiner Bitte, den ehemaligen Mitschüler alleine zu besiegen zu einem Ende gekommen und sah sich nun suchend nach Van Zan um, in der Annahme, der mürrische Krieger wäre ebenfalls in der nähe. Dem war aber nicht so. Nachdem es den beiden Hexenjägern nicht gelungen war, durch den Haupteingang in die Villa einzudringen, hatten sie sich aufgeteilt um auf eigene Faust einen Weg in das Anwesen zu finden. Wo genau sich der Jorsaner nun befand, wusste folglich nicht einmal die Elfe. Aber das hieß nicht, dass der Flur, hinter den beiden nun vollkommen leer war. Der klang eines Absatzes, der auf den Marmor traf, erhellte die Stille wie ein Glockenschlag. Dann noch einer und ein weiterer. Eine kleine Gestalt kam langsam auf Aio und Dormian zu. Selbst in dem dämmerigen Licht, schimmerte sie hell. Etwa zwei Meter vor den beiden blieb die Gestalt stehen. ”Wenn du nicht sterben willst, dann tu jetzt nichts, dass sie in irgendeiner Art provozieren könnte,” flüsterte die Elfe und strich sich dabei fahrig eine Strähne ihres blonden Haares aus dem Gesicht. Dann zog sie ihren Musketierhut vom Schädel und lies ihn locker in der rechten Hand baumeln.
Die unbekannte schnippte mit den Fingern und der dunkle Gang wurde mit einem mal von Licht durchflutet. Es war kein Fackellicht, sondern etwas anderes, magisches. An der Decke hingen Glaskugeln, die von einem inneren, bläulichen Licht erhält wurden, das waberte als wäre es eine aufgewühlte Flüssigkeit. Nun konnte Dormian einen Blick auf den Feind werfen, vor dem sich selbst die mutige Aio eindeutig fürchtete: Ein kleines Mädchen! Nicht älter als höchstens zwölf Jahre. Ihre schulterlangen, blonden Haare schimmerten feucht und wurden von einem, mit Diamanten besetzten, silbernen Haarreif, streng nach hinten gehalten. Gekleidet war sie in einen weißen Seidenmantel, mit schwerem Pelzkragen. Die Hände steckten in einem grauen Pelzmuff und die Hochhackigen, weißen Rehlederstiefel rundeten das Bild einer reichen Adelstochter ab. Alles in allem trug sie Kleider, deren Wert gereicht hätten, um ein mittelgroßes Anwesen zu kaufen. Die Unbekannte hatte ein sehr hübsches und vor allem unschuldig wirkendes, schneeweißes Gesicht, doch es konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass auch sie das schwarze Mal auf der Stirn trug.
”Ist das dein neues Helferlein, große Schwester?” fragte sie liebenswürdig und klimperte mit den langen Wimpern. ”Der ist auf jedenfall niedlicher als der alte Griesgramm. Hat der nun endlich ins Gras gebissen?” Das Mädchen lachte glockenhell auf. Dann öffnete sie Abermals den Mund und pustete. Eine einzelne Blase entstieg ihren bläulichen Lippen und schwebte auf den jungen Magier zu. Gut Gemacht, kleiner Magus!, hallte Aios Stimme durch den Raum, als die Blase zerplatzte.
”Guten Abend Aurora,” antwortete die Elfe, die noch immer die hand des Magiers drückte. ”Also hast du Dormian in die Villa gelockt und dann das Tor versiegelt? Ich hätte mir denken können, das da etwas faul läuft.”
Das war also Aurora. Die Nekromantin, die von Aio als „Krankeste von allen“ bezeichnet hatte und die auch den Körper von Van Zans Tochter übernommen hatte. Als die Elfe Dormians Namen nannte, machte Aurora ein Gesicht, als hätte ihr jemand ein schönes Geschenk gemacht. ”Das da ist Dormian? Der, den Rufus so reingelegt hat? Oh da wird er sich aber freuen, dass du noch lebst. Vielleicht erwählt er dich als neues Gefäß! Wir sollten am besten gleich losgehen. GAST!”
Als sie das letzte Wort rief, konnte Dormian Spüren, wie jemand ihm einen Arm um die Schulter legte. Auf der anderen Seite erging es Aio genauso. Vollkommen Geräuschlos war zwischen den beiden ein hochgewachsener, schwarzhaariger Mann im weißen Anzug aufgetaucht. Er lächelte freudlos, wie eine Puppe und seine Berührung breitete Kälte in Dormians Körper aus. Es dauerte nur ein paar Sekunden, da tat die Kälte, der Arme dieses Mannes bereits richtig weh! Wenn er sie lange genug fest hielt, würden die beiden einfach erfrieren ...
Aio schluckte schwer. ”Provoziere sie nicht,” rief Aio dem Adepten noch einmal ins Gedächtnis. Dann begann sie unkontrolliert zu zittern und brach ohnmächtig zusammen. Der kalte Mann, Gast wie Aurora ihn nannte, lies den bewegungslosen Frauenkörper achtlos zu Boden fallen und umschloss Dormian dafür mit beiden Armen. ”Kämpf nicht dagegen an.” Die helle Mädchenstimme hallte in seinem Kopf. Und die Luft kühlte sich immer weiter ab.
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Dienstag 5. Juli 2011, 12:01

Dormian fühlte, wie die Kälte in seine Glieder kroch und sich wie eine eisige Pranke um seinen ganzen Körper legte. Bewegungslos musste er dabei zusehen, wie Aio zusammenbrach und Aurora sich bei diesem Anblick ergötzte. Das war also die Tochter von Van Zan gewesen. Ein Gefühl stieg dem jungen Magier die Kehle hinauf, das kälter war als die Kraft von Gast, der ihn erbarmungslos umklammert hielt. Es war ein Schuldgefühl. Was mit Aio soeben passiert war, das war seine eigene Schuld gewesen. Hätte er gewartet, wie seine Begleiterin es befohlen hatte, wären sie vermutlich nicht in die Fänge dieser Nekromantin geraten. Das Einzige, was Dormian tun konnte, war dem Ratschlag zu folgen und sich nicht gegen die grausame Umarmung zu wehren. Doch es fiel ihm schwer. Tatenlos dabei zuzusehen, wie der eigene Fehler eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang setzte. Und es war ihm weder erlaubt noch möglich, dies aufzuhalten. Sein Stab fiel zu Boden, da durch Gasts Klammergriff sein Handgelenk zu schmerzen begann. Die ersten Sekunden starrte er nur kapitulierend zu Boden, den Blick auf die Runen seiner Familie gerichtet, die am Griff der Waffe schimmerten. Seine eigene Stimme befahl ihm, seinen Mann zu stehen und alles in seiner Macht stehende zu tun, um Aio zu helfen und diese Nekromantin und ihren Sklaven zu besiegen. Doch ihm war, als würde Lucrecious vor seinem geistigen Auge auftauchen. Er saß an dem Tisch neben dem Bett, in dem sein Enkel gelegen hatte und führte mit bedächtigem Lächeln eine Teetasse an seine Lippen. Er nahm einen Schluck, setzte sie auf den kleinen Unterteller aus Porzellan und schien Dormian direkt anzusehen. Und er lächelte.

Dormians innere Wut kühlte ab, als er sah, wie Lucrecious die Hände faltete und locker in den Schoß legte, während der Boden um ihn herum Blasen bildete, die sich zu kleinen Skulpturen und Städten formten. Man hätte meinen können, es wäre ein Zyranus, dass nicht in Gefahr lief, von einem Irren zerstört zu werden. Der junge Mann begriff, was der Alte ihm sagen wollte. Die Kälte ignorierend, hob der Arboris langsam den Blick und sah Aurora in ihre unschuldigen Kinderaugen, die jedoch keine größere Grausamkeit hätten ausstrahlen können. Seiner Wut nachzugeben würde bedeuten, nicht besser zu sein als seine Feinde und den Weg zu missachten, den sein Vorfahr ihm vorgeschlagen hatte. Er selbst wollte den Pfad der Erhaltung und den Schutz seiner Freunde beschreiten und Hass oder Gewalt hatte nicht viel mit Erhaltung zu tun.
"Wieso... tust du das...", hauchte Dormian, der durch die Kälte in seinem Körper große Anstrengung aufbringen musste, um deutlich reden zu können. Er wehrte sich wie von Aio befohlen nicht gegen seine eisernen Fesseln in Form des Hünen hinter ihm. Das Mindeste, was er tun konnte, war jetzt mit dem Gehorchen anzufangen. Er hatte ja am Anfang der Reise geschworen, wegzurennen, wenn es hieß lauf. Sich zu verstecken, wenn es hieß versteck dich. Das hier zählte zu jenem Versprechen.
"Wieso folgst du Faust? Dieser Mann war ein lebendes Wesen wie du einst und wie ich... wieso folgst du seinen Befehlen, das zu zerstören, was ihr selbst wart und schätzen solltet? Die Götter brachten uns nicht bei, uns gegenseitig zu zerstören. Wir sollen bewahren und erhalten, was sie uns schenkten... ihr bringt Leid und Tod über alles, doch wohin soll das führen? Ist das.... wirklich... aah... eine Lösung für die Ewigkeit?", fügte er krächzend hinzu, biss die Zähne zusammen und schloss die Augen, da jede weitere Bewegung ihm Schmerzen bereitete.
"Wieso.... wieso.... ich... verstehe.... nicht...."

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Dienstag 5. Juli 2011, 13:56

Zwar war Gast eine Hand breit großer als Dormian, aber dafür ebenso schlaksig und dürr. Trotzdem war seine Körperkraft mit nichts zu vergleichen, das der junge Arboris je erlebt hatte. Dabei war diese unnatürliche Kälte, die seine bläulich schimmernde Haut ausstrahlte aber das eigentliche Problem. Unbarmherzig pressten die dünnen Arme den jungen Magier an den Oberkörper, der aus Eis sein musste! Dabei blieb seine aristokratische Miene vollkommen ausdruckslos und als wären seine Züge vor langer Zeit zu eben diesem freudlosen Lächeln erstart. Der Schmerz wurde einfach zu viel und zwang Dormian auf die Knie. Trotzdem lockerte sich der Griff seines Peinigers nicht.
Aurora grinste bei dem Anblick genüsslich. Sie wippte auf dem Fußballen leicht nach vorne und nach hinten, als wäre sie ungeduldig darauf, herauszufinden wie viel länger Dormian es aushalten konnte, bevor auch er zusammen brach. Das er überhaupt länger durchgehalten hatte als die erfahrene Aio, schien ein Wunder – oder aber ein Beweis dafür, wie empfindlich die Elfenvölker in bestimmten Situationen sind. Und trotzdem brachte Dormian noch genug Kraft hervor, um die kleine Hexe etwas zu Rede zu stellen. Natürlich verschafften die Fragen, die er der Nekromantin stellte, dieser keine Gewissensbisse, aber damit hatte er wahrscheinlich auch nicht gerechnet. Tatsächlich schien Aurora sogar amüsiert darüber zu sein. Sie näherte sich dem Arboris bis auf weniger Zentimeter und beugte sich ihrerseits leicht nach vorne, damit sie dem Gefangenen in die Augen sehen konnte. Aus dieser direkten nähe konnte Dormian nun auch erkennen, dass das Mal auf ihrer Stirn so aussah, als hätte man es in die Haut gebrannt. Ein widerlicher Schandfleck, in dem ansonsten reinen, weißen Gesicht.
”Da wir alleine sind, werde ich dir ein kleines Geheimnis verraten:” Aurora war ihm nun so nah, dass sie ihm die Worte ins Ohr flüstern konnte. Auch von ihrem Haupt ging diese brutale Kälte aus. Das musste auch der Grund sein, weswegen sie trotz ihrer warmen Wintersachen nicht zu schwitzen schien. ”Faust ist weitaus menschlicher und lebendiger, als ich es bin. Ich folge ihm nicht, denn er kann mir nichts befehlen, sondern nur Gefallen erbitten. Weißt du, ich erhielt einst ein ganz besonderes Geschenk, von einem besonderen Gott. Aber ich war zu schwach für dieses Geschenk, so verbannte er mich. Ich habe mich Faust nur angeschlossen, weil er der zweitgefährlichste Magier unserer Zeit ist und sein Weg mir Macht verschafft hat. Inzwischen bin ich stark genug. Sobald mein Gott sich erhebt werde ich Faust verlassen und seine oberste Priesterin werden. Du willst wissen, warum ich noch hier bei Faust bin, Menschen foltere und töte und ihm helfe Chaos zu säen?” Aurora legte eine dramatische Pause ein und lächelte ihr lieblichstes Kinderlächeln. Dann hauchte sie ihm eine Antwort ins Ohr. ”Weil ich mich sonst langweilen würde.”
Dann erhob sie sich wieder und ihre Miene wurde kalt und abweisend. Auf dem Fleck drehte sie sich herum, stieß die Tür zur großen Halle auf und ging einige Schritte hinein. ”Der menschliche Körper ist ein schwächlicher, degenerierter Zustand. Mein Herr und Gott Vanitas wusste das und auch Faust und Asajj wissen das. Und Krytas wird es ebenfalls bald verstehen. Wehr dich nicht gegen den unvermeidlichen Genozid.” Dann wurde die Kälte auch für Dormian zuviel. Sterne tanzten ihm vor dem geistigen Auge, dann wurde er Ohnmächtig. Als der bewusstlose Körper zu Boden fiel, warf Aurora einen Blick über die Schulter. ”Das hat ja ewig gedauert.” kommentierte sie den Kollaps und zuckte leicht mit den Schultern. ”Na los, schnapp dir die beiden und dann ab nach unten. Rufus wird bald aufwachen und wird sicher über seine Geschenke freuen.” Gast nickte wortlos, bückte sich und warf sich beide Körper über die Schulter, als wären sie nichts weiter als Kartoffelsäcke. Dann folgte er wie ein braver Schosshund seiner kleinen Herrin.

Der taube, pochende Schmerz in seinen handgelenken, weckte Dormian aus seiner Ohnmacht. Das erste, was ihm auffallen dürfte war, dass er sich nicht mehr in der Schreckensvilla befand. Der Umgebung nach, befand er sich in der Mitte einer hohen Höhle, die sich wahrscheinlich direkt unter dem Anwesen befand. Die Wände waren zwar glatt gehauen worden, aber trotzdem konnte man eindeutig erkennen, dass die gesamte Halle aus Fels bestand. Es gab nur ein großes Tor, doch dieses befand sich in Dormians Rücken, so das er es nicht sehen konnte. Denn seine Bewegungsfreiheit war mehr als eingeschränkt. Er saß auf einem Stuhl und seine Hände waren an der Rückenlehne mit einem Eisblock verbunden. Seile waren für diese Magier wohl zu gewöhnlich. Neben ihm saß in der selben Position Aio. Auch sie war wach und als sie merkte, dass ihr Begleiter nicht mehr im Reich der Träume weilte, lächelte sie schwach. ”Mach dir keine Vorwürfe. DAS war wirklich nicht deine Schuld. Es war von Anfang an ein abgekartetes Spiel.” murmelte sie und schüttelte leicht den Kopf.
Blaues, magisches Licht und violette Fackeln erzeugten ein irritierendes, gruseliges Licht. Es gab in dieser unterirdischen Halle mehrere erhöhte, kreisrunde Tribünen. Wie schon auf der Oberfläche befanden sich auch hier tanzende, untote Frauen, aber zusätzlich spielten viele, wiederbelebte Musikanten eine düstere, gruselige Melodie. Violinen, Flöten, Schellen, sie vermischten sich zu etwas, das einem eine Gänsehaut verschaffte.
Und auch wenn Dormians Mission gescheitert zu sein schien, so war er ihrer Lösung doch zum greifen nahe. Drei Meter weiter saßen vier junge Frauen. Sie waren nicht gefesselt, aber schienen solche Angst zu haben, dass sie sich nicht bewegen konnten. Da war auch Leliana und eine Frau in ihrem Alter. Die anderen beiden Mädchen waren jünger und die kleinste weinte Stumm. Aurora saß auf Leliana Schoß und klatschte und wackelte mit dem Kopf im Takt der Musik. Dormans Jugendfreundin hatte die Augen geschlossen und bewegte die Lippen ohne unterlass Stumm.
Auch Asajj und Krytas waren hier. Sie standen neben einer der Tribünen, die Totenbeschwörerin hatte sich obszön gegen die Steinmauer gelehnt und unterhielt sich mit dem jüngsten Mitglied des Spiegelkults. Ihre Chimäre lag gemütlich hinter ihr. Krytas warf immer wieder verstohlene Blicke zu den gefangenen Mädchen, als würde sein Gewissen ihm Probleme bereiten, tat aber nichts.
Genau an der Mauer gegenüber von Dormian befand sich ein riesiger Bergkristall, größer als ein Findling und durchschimmernd weiß. In seinem inneren Befand sich eine Männergestallt mit langen blonden Haaren, tief schlafend. Vier kleinere Edelsteine, die in unterschiedlichen Farben leuchteten, umgaben den Körper, der wie in Stasis im Kristall gefangen war. Faust. So also trafen Dormian und sein Todfeind wieder aufeinander.
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Dienstag 5. Juli 2011, 14:26

"Aufwachen.... wach auf! Gute Güte, Junge, wach auf!", summte eine tiefe, mit langgezogenem Echo tönende Stimme in Dormians Kopf. Eine ruhige, freundliche Bitte, die nicht eindringlicher hätte sein können, sodass der Erdmagier widerwillig und ächzend die Augen öffnete. Das Erste, was er bemerkte, war nicht die Tatsache, dass er gefesselt auf einem Stuhl saß und seine Feinde sich in der Höhle bei ihm versammelt hatten, nein. Es war Leliana, die in sein Auge fiel. Aios Stimme neben ihm ließ den Kopf zur Seite schnellen. Der Elfe war es nicht anders ergangen als ihm und reflexmäßig versuchte er, die Hände zu Fäuste zu ballen, um den Ring zu spüren. Vergebens, da ein Eisblock seine Gliedmaßen eingeschlossen hatte. Ein leiser Fluch entglitt seinen Lippen, als die Gedanken in seinem Kopf und die Informationen, die er eben wahrgenommen hatte, synchronisiert worden waren. Gefangen, ausgeliefert, dem Tode geweiht. Faust ruhte keine zehn Meter vor ihm, dem Anschein nach sogar verletzlich, doch die absurde Idee verschwand wieder, als er sich an die Chimäre, den Verräter Krytas und Aurora mit ihrem Diener erinnerte. Hier war alles versammelt, was ihm zugleich so viel bedeutete und auch tot sehen wollte. Ein Kampf würde den Tod bedeuten, womit er Leliana und den drei anderen jungen Frauen nicht wirklich geholfen hätte.
"Beim Urgeist... Leliana!", ächzte Dormian und biss die Zähne zusammen, als dies alles auf ihn einströmte. All das war seine Schuld. Diese Erkenntniss quälte ihn schon seit dem Urteilsspruch des großen Avatar, doch jetzt erst wurden ihm die Ausmaße seiner Taten bewusst. Faust hätte niemals die Machtkristalle aus dem Grabmal stehlen können. Die Studentinnen wären niemals entführt worden und Krytas wäre nie der Versuchung der Machtgier erlegen. Jedenfalls nicht in diesen Größen. Tränen kämpften sich langsam ihren Weg in Dormians Augen, in diesem Moment konnte er nichts anderes tun, als sich zu hassen für das, was er seiner besten Freundin angetan hatte.

"Es... es tut mir Leid! Es ist alles meine Schuld... Leliana! Leliana, hörst du mich?!", schrie der ehemalige Student der zyranischen Universität und verstand noch in der selben Sekunde, in der seine Worte seine Lippen verlassen hatten, dass sie ihm nicht antworten würde. Aurora hatte sie unter Kontrolle, verängstigte sie bis tief in ihre Psyche hinein. Das abstrakte Spiel und die Tänze der untoten Frauen, der schlafende Faust in dem Kristall. Auch für ihn schien es allmählich zu viel zu werden. Sein Blick galt Krytas.
"DU! Es mag meine Schuld sein, dass dies alles hier passiert ist, aber wieso bei allen Göttern hast du uns verraten!? Ich hielt dich bis jetzt nur für ein arrogantes und verwöhntes Arschloch, dass sich hinter seiner Abstammung versteckt, aber dazu hätte ich dich nie für fähig gehalten! Deine eigene Schwester! War es das wert?! Alles, was dir Faust angeboten hat, ist es das Blut an deinen Händen wirklich wert!? ANTWORTE MIR!!!", brüllte Dormian, der kurz seine berühmte Geduld verlor. Einzelne Tränen der Schuld und des kaum zu bändigenden Hasses gegen diesen jungen Mann und die Gestalten, die all das mit den Liebsten in seinen Leben anstellten, rannen seine Wangen hinab. Nicht einmal Krytas hatte er dieses Schicksal gewünscht. Sollte das hier wirklich das Ende sein? Musste der junge Magier sterben, ohne den Namen seiner geliebten Familie wieder reinwaschen zu können, ohne Leliana und die Geißeln gerettet zu haben und Zyranus vor einem wahnsinnigen Irren namens Faust beschützt zu haben? Er ließ den Kopf hängen und schloss enttäuscht die Augen. Er wusste, Hass war falsch... er wusste, dass dieser Hass schlecht war und er ihn verzehren würde, wenn er nicht dagegen ankämpfte. Es gelang ihm nur schwer, diese Wut auf den Verräter und Aurora oder Faust zu verdrängen. Eigentlich versagte sein Geist an dieser Aufgabe, denn jene Schandtaten konnte der Adept einfach nicht vergessen. Die geliebten Menschen in seinem Leben, Aio und Van Zan, denen er geschworen hatte, seinen Fehler wieder gutzumachen... Er hatte sie alle enttäuscht...

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 6. Juli 2011, 13:37

Niemand hatte gemerkt, dass Dormian aus seiner Ohnmacht erwacht war. Die finsteren Gestalten hier unten waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt und anscheinend ging von den beiden Gefangenen keine Gefahr mehr aus. Anders war es nicht zu erklären, dass nicht einmal eine untote Wache aufgestellt worden war, um den Magier und die Elfe im Auge zu behalten. Erst als er versuchte, mit Leliana zu kommunizieren, drehte sich Aurora mit einem strahlenden Grinsen zu ihm um. Sie glitt vom Schoß der Feuermagierin, die daraufhin zwar leicht zitterte, aber auch erleichtert aufatmete. Von ihrem stummen Diener fehlte jede Spur, als sie leicht hüpfend zu dem großen Kristall eilte, in dem Faust eine Art Winterschlaf zu halten schien.
Krytas und Asajj hingegen ignorierten seinen ersten Kommunikationsversuch, selbst dem jungen Feuerhexer schien das nicht schwer zu fallen. Aber als Dormian sich dann direkt an ihn wandte, drehten sich die beiden ebenfalls zu ihren Gefangenen um. Die Totenbeschwörerin grinste hochnäsig und lief ebenfalls zu dem Kristall, während Krytas Miene vollkommen versteinert zu sein schien. Nachdem Dormian wieder verstummt war, verstrich eine kurze Zeit, in der vollkommene Stille herrschte, von der unheimlichen Musik einmal abgesehen. Einen Moment lang schien es so, als würde der ehemalige Adept wirklich reue zeigen. Aber dann wandten sich seine Mundwinkel zu einem dreckigen Lächeln. ”Ja, Wurzelchen. Es war das alles und noch viel mehr wert!”
Ein Beben ging durch die unterirdische Höhle und an einigen Stellen rieselte Staub von der Decke hinab. Aurora und Asajj hatten beide ihre Handflächen gegen Fausts Ruhestätte gepresst. Der Kristall schien der Ursprung des Bebens zu sein, denn er fraß sich quälend langsam in das Fleisch der Felsen hinein. Die beiden Frauen lösten ihre Berührung und wichen auf einen gewissen Abstand zurück. Durch den glasklaren Bergkristall hatte Dormian einen Perfekten Blick auf den schlafenden Faust und dessen Gesicht. Aber der Schlaf war wohl beendet, denn der Nekromantenfürst schlug ruckartig die Augen auf. Anstatt der Augäpfel war nur schwärze in den Höhlen zu sehen, ein schwarzes, unheiliges Leuchten.
Asajj war zu Krytas zurück gegangen und hatte diesen im Genick gepackt. Als hätte sie sich verbrannt, lies sie sofort wieder los und zischte böse. ”Auf die Knie,” blaffte sie und ging mit gutem Beispiel voran. Der Jüngling folgte der Geste, im Gegensatz zu Aurora, die nur ihre Hände zurück in ihren Muff gesteckt hatte. Faust glitt in dem Kristall nach unten, als treibe er durch Wasser. Dabei sammelte er die vier Energiejuwelen auf und steckte sie sich in den Gürtel. Wie ein Geist, dass durch eine Wand schwebte, verließ auch der Totenbeschwörer seine Ruhestädte, als wäre sie aus nichts weiter als Rauch.
Als Faust ins Freie trat, endete auch das Zittern der Wände und des Bodens abrupt. Es war schwer zu sagen, was sich verändert hatte, aber aus irgendeinem Grund wirkte Faust nun wesentlich gefährlicher, als er es in Zyranus getan hatte. Die Macht die von ihm ausging, schien durch den Felsen unter seinen Stiefelsohlen zu pulsieren und die Luft elektrisch aufzuladen. Auch schien er sich nicht orientieren zu müssen, wo er war und schien nicht überrascht, Dormian und Aio vor sich zu sehen. So ging er mit federnden Schritten zu den beiden Gefangenen.
“Aiohlmana … ist das verlorene Schäfchen also wieder zur Herde zurück gekehrt? Und Dormian Arboris? Ich will nicht sagen, dass ich überrascht bin, dass du die Grabkammer überlebt hast, aber ich hielt dich für Klüger. Du bist einmal dem Tod von der Schippe gesprungen, schätzt du dein Glück oder dein Können, so hoch, dass es dir ein zweites mal gelingt?“
Der Totenbeschwörer war in dem Kreis der entführten Mädchen angekommen und entfernte jetzt nach und nach einen der Energiekristall aus seinem Inventar und drückte sie den Geiseln in die Hände. Dem kleinsten Mädchen musste er eine kräftige Ohrfeige verpassen, weil sie den hellblauen Stein hatte fallen lassen. Danach wurde ihr schluchzen noch schlimmer, dafür hielt sie das Juwel aber fest in den stark zitternden Händen. ”ich will nicht abstreiten, dass ich gewisse Interesse an dir hege, Dormian. Ein junger Burscher, kräftig, voller Wissensdrang und Mutig noch dazu. Du würdest sehr gut in die Reihe meiner Fürsten passen. Dein Freund Krytas kann dir ja bestätigen, dass es seinen Preis wert ist! Ich unterbreite dieses Angebot nur ein einziges Mal. Solltest du Ablehnen, werde ich dich konservieren, bis ich einen neuen Körper brauche. Du hast die Wahl” Das Lächeln des Magiers war scharf wie eine Messerklinge. Dann schnippte er in Richtung Asajj und die Nekromantin erhob sich aus ihrer knienden Haltung. Sie zog den selben Dolch aus ihrem Ärmel, den bereits Krytas benutzen musste und überreichte ihrem Herren die Waffe mit gesenktem Haupt. Faust nahm den gezackten Stahl und scheuchte seine Dienerin wieder weg. ”Natürlich müssten wir sichergehen, dass du uns nicht verrätst. Leider haben wir nicht die Ressourcen, ein weiteres Paktritual durchzuführen, aber ich denke, wenn du die gute Aio hier von ihrem elend erlöst, wird das seine Loyalität beweisen.” Mit diesen Worten warf Faust den Dolch vor Dormians Füße. Auf ein Blinzeln Auroras hin, zerschmolzen die Fesseln aus Eis und tropften als Pfütze auf den Boden. Daraufhin stürzte der junge Magier nach vorne, da es nichts mehr gab, dass ihn hielt und landete direkt vor dem gezackten Dolch auf dem kalten Steinboden. Gleichzeitig aber, hörte der Erdadept eine andere Stimme, die wie ein hallendes Echo seinen Kopf erfüllte. Geh auf das Angebot ein. Warte bis ich eingreife und dann befreie Aio. Nimm die Mädchen und flieh! Ganz unmerklich, kaum zu sehen, nickte Aio an seiner linken Seite und deutete dann ganz knapp zur Tribüne zur rechten, wo die Sachen der beiden angelehnt waren, darunter auch Dormians Stab und das Schwert der Elfe.
“Wie Entscheidest du dich Dormian? Welchen Weg wirst du einschlagen?“
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Mittwoch 6. Juli 2011, 15:00

Dormians Augen weiteten sich, als Rufus vor ihm erwachte und auf unheimliche, aber irgendwie faszinierende Art von seiner Ruhestätte aufstand. Ein Meister der finsteren Magie, arrogant zwar aber mit einem unglaublich mächtigem Charisma, welches auf alle Anwesenden loderte wie ein alles verzehrendes Feuer. Das Angebot seines Todfeindes war einfach und hätte nicht eindeutiger sein können. Er hatte die Wahl zwischen Sklaverei oder dem Tod. Wäre die Stimme in seinem Kopf nicht gewesen, die ihm einen Plan unterbreitete, so wäre die Wahl zweifelsfrei auf den Tod gefallen. Dieser Mann hatte das Andenken seiner Familie geschändet und die Menschen verletzt, die ihm am meisten bedeuteten. Eher würde er sterben, als eine solche Schmähung hinzunehmen. Doch nun musste der Bursche sich rasch darauf einstellen, scheinbar die Seiten zu wechseln. Er hasste es, zu lügen. Doch in diesen Momenten blieb ihm keine andere Wahl. Ohne einen verräterischen Blickkontakt mit Aio zu suchen, erhob er sich langsam und rückte seine Robe mit Würde zurecht. Sein Blick wurde kühler, wofür er nicht einmal schauspielern musste. Ein Blick auf diesen elenden Kriecher Krytas reichte aus, um die Geduld seiner Magie gegen die Wut und das Temperament des Feuers zu tauschen.
"Nun, Aio... ab hier übernehme ich... danke", lächelte Dormian und sank auf ein Knie herab; stechend meldete sich die angebrochene Rippe wieder in sein Bewusstsein, doch er ignorierte dies so gut es ihm möglich war.
"Die Umstände mögen vielleicht gegen mich sprechen, aber jetzt, wo sich mir das Wissen und all die Macht offenbaren, die ich durch euch erlangen kann, Faust, so fällt meine Wahl umso leichter. Ihr habt mir im Grabmal und mit eurem Erwachen soeben die Augen geöffnet. Vergesst diesen schleimigen Kriecher Krytas, dessen heiße Luft und sein vor Verrat und Rückradlosigkeit triefendes Fleisch nichts gegen das sind, was ich in euren Dienst stelle..."

Dormian erhob sich langsam und andächtig wieder, wobei er während der Bewegung den Dolch in seine rechte Hand nahm. Er ließ den Blick über die Leute schweifen, die hier im Raum ruhten. Seine Stimme war fest, klang ehrlich und überzeugend, was ihn selbst ein wenig erschrak. Wenn man es genau betrachtete, könnte man seinen Worten sogar Wahrheit entnehmen. Da Rufus in den letzten Tagen nicht gesehen hatte, wie sich Dormians Geist gewandelt hatte, würde er ihm vielleicht sogar Glauben schenken. Aus dem, was er soeben aussprach, war er ja nur Rufus in die Katakomben gefolgt. Wissbegier und die Macht durch die Erdschriftrolle. Doch Lucrecious und Aio hatten ihm die Augen geöffnet. Niemals unterwarf der Arboris sich diesen unheiligen Brocken Fleisch ohne Seele und Verstand. Aber nun galt es, ein überzeugendes Drama aufzuführen.
"Aio, ein herrliches Mittel zum Zweck. Da mir der Weg zum Anwesen meines nun doch baldigen Meisters mir verschleiert war, weißt du gar nicht, wie dankbar ich dir bin. Ich hätte nie gedacht, dass ein Spitzohr mich zu meiner Bestimmung führt. Danke dir, habe ich das schon erwähnt?", lächelte Dormian, ähnlich wie Krytas es in seiner Überheblichkeit so oft getan hatte. Er musste das nicht spielen, zu oft hatte der junge Erdmagier diese Grimasse auf dem feisten Antlitz seines Jugendfeindes gesehen. Vollkommen. Der Zauberer drehte den Anwesenden den Rücken zu und stellte sich mit erhobenem Haupt vor der gefangenen Elfe auf. Den Dolch lässig in der Hand, fuhr er mit den Fingern über die Klinge und setzte sie fast schon zärtlich an den Lippen Aios an. Gut, dass Faust nicht durch ihn hindurchsehen konnte, denn soeben zwinkerte er der Gefangenen aufmunternd zu. Eher fror der gesamte Harax ein, bevor der Bursche seine hübsche neue Freundin verriet. Aber es musste überzeugend ankommen. Wie hätte es immerhin ausgesehen, wenn Dormian wie aus der Armbrust abgefeuert ein "Ja!" bellte und übertrieben mit dem Dolch vor seiner Begleiterin herumfuchtelte?
"Ich hielt es ja erst für ein krankes und erbärmliches Handwerk, dieses Nekromantendasein", raunte der Adept, laut genug, um im ganzen Raum verstanden zu werden.
"Dieses ekelhafte Spielen mit totem Fleisch, als wäre es Großmutters Plätzchenteig, nur pervers und abhängig, in Angst vor dem Tod... aber diese Unsterblichkeit dafür... kleine Opfer muss man wohl bringen, ich hoffe, das richtig zu sehen....Meister?", fügte Dormian langgezogen hinz und fuhr mit der Klinge über Aios Lippen bis hinab zu ihrem Dekoltee. Er wendete und hielt ihr nun den Dolch genau an die Hauptschlagader.
"Nun denn Faust.... Meine Antwort ist ....oh Ja. Ja, bei allen verdammten Göttern, die mir ihren Willen aufzwingen wollten."

Was nun immer geschehen würde - und Dormian flehte den Urgeist für diese verbale Schändung um Verzeihung an -, Dormian wusste, was zu tun war. Wenn Van Zan eingriff, jedenfalls hoffte der Lehrling, dass dem so war, würde er mit zwei möglischt schnellen und kräftigen Zaubern für Ablenkung sorgen. Sein Weg würde ihn zu seiner Ausrüstung führen, die Anwesenden abgelenkt, die Mädchen unter den Arm gepackt und dann die Beine in die Hand zu nehmen. Hoffentlich würden Leliana und vor allem das kleine Mädchen dem Drängen des Arboris folgen. Er wagte nicht zu hoffen, dass sein Ablenkungsmanöver lange für Verwirrung unter Fausts Reihen sorgen würde. Doch allein, um Faust unter die Nase zu reiben, dass er dem Tod noch einmal von der Schippe springen würde, musste es einfach gelingen!

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 7. Juli 2011, 22:01

Faust schien sich nicht wirklich für das zu interessieren, was Dormian ihm zu erzählen hatte. Während der junge Magier sprach, hatte der Großmeister der Totenbeschwörer sich zu den vier jungen Frauen zurück gewand. Fast schon zärtlich strich er der ältesten über das kalkbleiche Gesicht, woraufhin die Adeptin zusammenzuckte und vor Angst die Augen zusammen presste. Hingegen hingen Asajj und Krytas fast schon begierig an den Lippen des Zyraners, jedoch mit vollkommen unterschiedlichen Mienen. Während Asajj eindeutig von Neugier getrieben wurde, war der Blick von Dormains ehemaligen Rivalen und zukünftigen Todfeind voller misstrauen und er hatte die Zähne leicht gebleckt. Am wenigsten interessiert war aber eindeutig Aurora, denn das kleine Mädchen hatte sich ebenfalls umgedreht und kletterte nun eine der Tribünen hoch. Nicht ganz leicht, wenn man ihre Körpergröße beachtete. Als sie es endlich geschafft hatte, lief sie zu der Gruppe der toten Tänzerinnen und imitierte auf kindische Art die Bewegungen der leblosen Leiber. Ob sie wirklich einen so unreifen Geist hatte, oder ob sie sich nur so benahm, als wäre sie ein Kind lies sich beim besten Willen nicht sagen.
Inzwischen hatte Dormian die tödlich scharfe Waffe an die haut seiner Begleiterin gelegt, die sich ihrerseits die größte Mühe damit gab, geschockt auszusehen. Anscheinend hatte sie einen Klos im Hals, denn auch wenn sie Anstalten machte etwas zu sagen, so schaffte sie es doch nicht, ein Wort über die Lippen zu bringen. Der Arboris Sprössling war zu einem Ende mit seiner Ansprache gekommen. Viel länger konnte er das unvermeidliche nicht hinaus zögern. Van Zan lies sich zu viel Zeit ...
Mit einem mal machte Krytas einen Satz nach vorne und deutete mit ausgestreckten Arm auf seinen Feind. ”Er lügt!” brüllte der ehemalige Student und spie voller Abscheu auf den Boden. ”Er lügt! Das ist nicht Wurzelchen, wie ich ihn kenne, dass passt ...” Doch da hob der gütig lächelnde Faust bereits die Hand, um seinen neuesten Untertan zum schweigen zu bringen. ”Natürlich lügt er,” kommentierte der Hexenmeister das Schauspiel. Man konnte Dormian wirklich nicht zur last legen, dass er schlecht gemimt hätte, doch eines schien er nicht beachtet zu haben, was Rufus auch sofort anmerkte. ”Wenn es ihm ernst gewesen wäre, hätte er meinen kleinen Liebling direkt getötet und danach große reden gehalten. Er versteht die natur eines opportunistischen Menschen einfach nicht. Dieser ganze Mumenschanz diente nur dazu, Zeit zu stehlen. Die Frage, die mich interessiert ist einfach: Wozu?”
Asajj lachte bösartig auf und hob langsam ihre Hände. Ihre Fingerspitzen waren pechschwarz, entweder waren sie gefärbt oder abgestorben. Violette Blitze züngelten um die Fingerkuppen, als lade sie ihre Kräfte für einen gezielten Angebot auf. Nun schien es endgültig vorbei zu sein ...
Ein sirren erhellte die Luft, dann gab die kleine Aurora ein dumpfes „uhh“ von sich. Als die anderen Nekromanten sich ihr zuwandten, konnten sie den Schaft eines Bolzen sehen, der dem Mädchen direkt im Hals steckte. Dann folgte ein weiteres Sirren, doch dieses Mal kam das Geschoss mit Freunden. Als hätte eine ganze Kompanie angelegt um das Mädchen zu exekutieren, sausten fünfzehn Armbrustbolzen heran. Sie alle schlugen gleichzeitig ein und die junge Nekromantin wurde durch die Wicht von der Tribüne gefegt und an die nächste Wand genagelt. Ein halbes duzend Projektile steckten in ihrer Brust, drei weitere in ihrem Schädel. Sie wog so wenig, dass die Pfeile sie problemlos einen Meter über dem Bodenfest hielten. Sie stöhnte leise, aber noch hatte sie die Kraft zu blinzeln.
Augen zu und nach dem Knall los! hallte die Stimme seines verbündeten in Dormians Schädel nach, da flogen auch schon fünf kleine, schwarze Kugeln über seinem Haupt hinweg und genau vor die Füße von Faust. Eine Sekunde später zerbarsten sie mit einem intensiven Knall, da erhellte auch schon ein gewaltiger Lichtblitz den Raum erhellte. Alle anwesenden, von Aio einmal abgesehen, die wohl ebenfalls die Stimme ihres Retters gehört hatte, wurden davon geblendet.
Lautlos wie ein Schatten stürmte nun der hünenhafte Jorsaner in den Raum. In seinen Händen hielt er eine silbern glänzende Bartaxt. Ohne ein Wort zu sagen, ging er zum Angriff über und attackierte den einzigen Feind, der sich durch den Lichtknall nicht hatte stören lassen: Die Lichtbogenchimäre! Nun jedoch sollte Dormian nicht dem Kampfkünsten des Hexenjägers seine Aufmerksamkeit schenken, sondern vielmehr Aio befreien.
Ein stöhnen ging durch die reihen der untoten, die nun aufgehört hatten zu tanzen. Stattdessen fletschten sie die Mäuler und hoben die Hände wie krallen, bereit sich auf den Eindringling und seine Freunde zu stürzen!
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Donnerstag 7. Juli 2011, 23:22

Dormian lief es eiskalt den Rücken hinunter, als Rufus haargenau die Wahrheit erkannte: natürlich hatte der Arboris gelogen. Doch mit seinem Konter hatte er genau das angesprochen, was der Bursche bezweckte, und zwar Zeit. Krytas interessierte ihn recht wenig. Es mochte arrogant klingen, doch da der Erdmagier seinen Schulfeind kannte, wusste er auch, dass sich nur durch ein Ritual keine Kampfweise änderte. Nicht nach einer so kurzen Zeit. Aber nun galt es wichtigere Dinge zu erledigen, statt über Strategien nachzudenken, denn die einzige für ihn wichtige war nun, zu handeln, wie Van Zan es vorgeschlagen hatte. Ein letzter Blick auf Faust mit einer Mischung aus Genugtuung und dem Versprechen, ihn wieder zu sehen, bevor er die Augen schloss und der erwartete Knall den Raum durchschüttelte. Dieses Versprechen gedachte der Zyraner einzuhalten.
"Diese dramatischen Auftritte liegen, dir, weißt du das?!", schrie Dormian, öffnete die Augen und verlor keine Sekunde. Er schlug mit der Faust senkrecht auf den Boden und beschwor so zugleich eine Erdspitze herauf, die sich hinter Aios Stuhl blitzschnell in die Höhe bohrte und den Eisblock um ihre Hände herum durchbohrte. Kaum, als das Splittern der magischen Fesseln durch den Raum hallten, rannte der Erdadept zu Aios Schwert und seinem Stab. Er packte die Klinge und warf sie nach der Elfin auf dem Stuhl, verlor keine weitere Zeit und preschte nach vorne mitten in die Masse seiner Feinde hinein, unter denen Van Zan nun eine blutige Ernte einfuhr.
"Aber sei das nächste Mal pünktlicher, verflucht!!", folgte ein Ruf des jungen Mannes, der seinem Schock und der Aussicht auf Hoffnung und einen Weg in die Freiheit erst einmal Luft machen musste. Um wenigstens ein paar Sekunden Zeit einzuräumen, stampfte Dormian mit seinem zurückgewonnen Stab auf und ließ erneut einige Felsspeere um die Geißeln herum entstehen, sodass sie zumindest für wenige Sekunden von ihren Entführern isoliert waren. Seine freie Hand ergriff Lelianas Hand, während er den anderen zurief.
"LAUFT! BEIM URGEIST, LAUFT, WIR HABEN NICHT VIEL ZEIT!!!!"

Daraufhin zog Dormian an dem geschnappten Handgelenk Lelianas und zog sie hinter sich her, Richtung des Tors, welches sich hinter ihm befunden hatte. Es stand wie erwartet offen und lockte mit der süßen Freiheit, die es nun zu gewinnen galt! Er hoffte, flehte und betete inbrünstig zum Urgeist und Feylin, dass die anderen Geißeln wieder Herr über ihre Körper wurden und dem Burschen mit der Feuermagierin hinterherliefen. Wie sollte er auch vier junge Frauen schnell genug auf einmal davonzerren? Abschließend ließ er zudem die Speerspitzen nach außen fächernd explodieren, sodass die Spitzen nicht ihn und die Mädchen erwischten, sondern nach allen Seiten fächerten. Dabei zielte er auf die untoten Tänzerinnen und auf Faust. Van Zan befand sich laut seinem letzten Eindruck vor wenigen Sekunden noch einige Meter weiter weg und da die Speere nur zerplatzten, dienten sie nur dem Zweck der Ablenkung, nicht der Verwundung.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. Juli 2011, 20:39

Das plötzliche Auftauchen des erfahrenen Hexenjägers und der unvorhersehbare Verlust eines Verbündeten stiftete zusammen genug Verwirrung, dass sich erst mal niemand mehr für Dormian interessierte. Krytas verlor fast augenblicklich die nerven und verschwand spurlos aus dem aktuellen geschehen. Auf jeden Fall behelligte niemand den jungen Arboris, als er die magischen Fesseln seiner Freundin sprengte und zu den Waffen hetzte. Aio brachte ihre gesamte Körperkraft auf, um die restlichen Eisreste zu sprengen und sich entgültig zu befreien. Keinen Augenblick zu früh, denn da flog auch schon ihr Schwert durch die Luft und wurde mit der katzenhaften Gewandtheit, die der Elfe gegeben war, noch im Flug gefangen. Augenblicklich folgte die Jägerin ihrem Befreier und preschte mit ihm zusammen den gefangenen Mädchen entgegen.
Aber auch Faust und Asajj hatten sich nun von den Folgen des Lichtblitzes erholt. Der Nekromantenfürst bebte vor Wut und suchte in dem Chaos aus Leibern ein Ziel, an dem er diese auslassen konnte. Allerdings war das in dem Durcheinander alles andere als leicht, die vielen Untoten, die nun an ihm vorbei liefen und zum Angriff ansetzten, versperrten ihm die Sicht. Asajj jedoch hatte mehr Glück. Intuitiv hatte sie sich zu den Gefangenen gedreht und so die helle gestallt der Elfe entdeckt. Der Zauber, den sie ursprünglich für Dormian aufgeladen hatte, wurde kurzum gegen Aio geworfen. Gewaltige violette Blitze zuckten durch die Luft und versengten und schmolzen einfach die Toten, die sich im Weg befanden. Das elektrische Sirren warnte die Elfe jedoch, die sich grade zu der jüngsten Geisel gebückt hatte.
Aio hob ruckartig die Arme in die Luft und brennend weißes Licht schoss aus ihren Handflächen hervor und prallte gegen die verdorbenen Blitze. Beide Frauen schienen gleich stark zu sein, denn weder die Blitze noch das Lichtplasma schaffte es, gegen das andere anzukämpfen. Dafür leckten die ungezüngelten Energien nun über die Decke und die Wände. Finken sprangen über, Steine splitterten ab, dann explodierte der Kern der beiden Zauber und warf sowohl Aio als auch Asajj nach hinten. Eine Staubwolke legte sich über das Kampffeld, dann begann die halle zu Zittern. Große Brocken lösten sich von der Decke. Bald würde das ganze Gewölbe zusammen fallen!
Aber für das hatte Dormian keinen Blick, als er einen Wall aus Steinspeeren aus dem Boden hervor beschwor. Als Schutz war das gewiss sehr wirkungsvoll, denn die dummen untoten ballten sich nun darum, versuchten mit ihren Armen ins Innere zu grabschen, kamen aber nicht weiter. Fürs erste. Als seine hand die seiner Jugendfreundin umschloss, wurde der Blick von Lelianna zum ersten mal wieder klar. Ein wenig verwirrt starrte sie ihren Freund an. ”Dormi…? Was machst -” aber da wurde sie schon von dem Schrei des Erdadpeten unterbrochen, der damit die anderen Mädchen wachrütteln wollte. Bei der ältesten hatte das seine Wirkung. Auch wenn sie mehr von ihrem Stuhl fiel, als das sie sich erhob, wandte sie sich sofort den anderen beiden Mädchen zu, die noch lange nicht als Jugendliche angesehen werden konnten. Gleichzeitig rappelte sich auch Aio wieder auf und beobachtete, wie die brünette Magierin eine der Mädchen schüttelte. Kurzerhand verstaute Aio ihr Schwert wieder und ergriff den Kinderkörper. Mithilfe der Studentin, verfrachtete sie das Madchen huckepack auf ihrem Rücken. ”Elias, Wir brauchen Hilfe!” schrie sie über den Lärm der wütenden Untoten hinweg und rannte dann Dormian hinterher, der bereits die Halle verlassen hatte.
Der Jorsaner war blutüberströmt und hatte einige üble Wunden davon getragen, doch er schien sich weiterhin gegen seine Feinde zu behaupten. Ein kleiner Berg enthaupteter und zerfetzter Leiber lag um ihn herum, gekrönt von der zerschmetterten Chimäre. Trotzdem nahm die Menge seiner Kontrahenten nicht ab und langsam wurde die Axt in seinen Armen schwer. Als er Aios Stimme vernahm, sah er kurz zurück, zu dem Wall, den Dormian erschaffen hatte und der noch immer die ältere und die jüngste Zyranerin schützte. Die junge Frau versuchte verzweifelt das kleine Mädchen mit sich zu zerren, die sich aber krampfhaft an ihrem Steinstuhl festklammerte. Mit einem Brüllen schleuderte der Hexenjäger seine Axt gegen den nächsten Feind, erhob beide Arme und klatschte sie vor der Brust zusammen. Eine brutale Windböe zischte vor ihm durch die Luft und warf einige Leiber gegen die Wände. Das beben der halle wurde stärker und ein hinkelsteingroßer Brocken fiel direkt vor ihm zu boden. Dann stürmte Van Zan zurück, bemühte sich aber nicht weiter mit dem Kind ab, sondern nahm es direkt in die Arme. Mit der letzten Frau im Nacken, verlies auch der Jorsaner die Halle entgültig.


Rufus Faust stand in diesem Chaos und hatte die Hände zu Fausten geballt. Seine langen Fingernägel hatten sich ins Fleisch gegraben und schwarzes blut tropfte auf den Boden. Um ihn herum fiel sein Heim zusammen, das Anwesen seiner Familie würde bald nicht mehr als eine Ruine sein. Aber nicht das war es, was ihn wirklich wütend machte. Nein. Er hatte soeben einen unbedeutenden, schwachen Magier unterschätzt. Er hatte mit ihm spielen wollen und nun waren er, seine Freunde und die wichtigsten Bestandteile seins Rituals auf der Flucht. Er hatte ein halbes jahrhundert auf dieses Ritual hingearbeitet und musste dabei zusehen, wie die Energiekristalle und seine Blutopfer aus seinem Griff eilten! Er anstatt etwas dagegen zu tun, musste er hier bleiben und seine Magie darauf verwenden, die Halle vor ihrem totalen Einsturz zu bewahren. Um die Villa war es wenig traurig, doch sollte das Zeremoniengebäude einstürzen ...
Die Steinspeere, die der Junge Dormian erschaffen hatte, fächerten auseinander und explodierten. Kleine, scharfkantige Steingeschosse flogen auf ihn zu und bohrten sich ein wenig in seine Haut. Er spürte sie nicht mal, er merkte nur, wie weiteres, dunkles Blut ihm aus Gesicht und Brust lief. Zu seinen Füßen kauerte Asajj, die einen flehenden, bettelnden Blick aufgesetzt hatte. ”Hol sie runter und dann scher dich fort.” zischte Faust und gab seinen untoten Vasallen den Befehl zur Verfolgung. Noch hatte er nicht verloren. Und kampflos würde er nicht aufgeben!

[OT: Du kannst das Anwesen alleine verlassen, aber nachdem sie das Gebäude verlassen haben, kommt ein neuer Post von mir. Halte dich mit Magie gegen Feinde zurück. Die Villa stürzt aufgrund der magischen Explosion langsam zusammen, zum Schutz dafür kannst du gerne weiter Magie einsetzten. Aio und das ältere Mädchen sind knapp hinter dir, Van Zan, die junge Frau und das jüngere Mädchen haben einen gewissen abstand.]
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Dienstag 12. Juli 2011, 14:08

So schnell Dormian nur konnte, floh er mit den Geiseln und seinen Gefährten durch die Korridore und Gänge des in sich einstürzenden Anwesens. Noch nie im Leben war der Erdmagier in so einem Tempo unterwegs gewesen, denn schließlich saß ihm buchstäblich der Tod im Nacken. Aber trotz der Risse, die sich in rasender Geschwindigkeit durch das gesamte Fleisch des Hauses fraßen und den immer größer werdenden Deckenbrocken, welche zu Boden fielen, spürte Dormian endlich die Hoffnung in sich aufsteigen, wirklich entkommen zu können. Mit Leliana und den anderen! Diese Gewissheit beflügelte seine Schritte geradezu.
"Weiter!!! Wir haben es fast geschafft!", schrie er über die Schulter und warf einen Blick zurück. Van Zan schien ziemlich übel zugerichtet zu sein, doch mit grimmiger Geschlossenheit im Gesicht hielt der Hexenjäger weiterhin Schritt mit dem Rest der Gruppe. Glücklicherweise mussten sie durch kein verwinkeltes Labyrinth; jedenfalls musste Dormian nie anhalten, um sich zu orientieren, da nur ein Gang durch das Fleisch der Erde führte. Und Dormian war durchaus dankbar dafür.

Ernste Besorgnis überkam ihn, als menschenkopfgroße Brocken knapp neben den Flüchtenden von oben abbrachen und durchaus in der Lage waren, Getroffene zu erschlagen. So auch in dieser Sekunde, als sich ein bedenklicher teil der Decke um fast eine Handbreit nach unten absank. Dabei lösten sich wie erwartet weitere Brocken heraus, die locker und gesplittert auf den Boden krachten und weitere Risse schlugen. In ein paar Minuten würde hier alles verschüttet und bis in das Fundament hinein zerstört sein. Plötzlich flog einer der tödlichen Steine genau auf ihn und Leliana zu, doch zum Denken und Ausweichen blieb keine Zeit. Dormian handelte instinktiv, indem er mit seinem Stab aus dem Lauf heraus gegen die Wand schlug und somit seine Magie hineinpumpte. Das Ergebnis war ein breiter, primitiver Speer, der aus der Wand schoss und den Brocken zumindest zur Seite fegte, indem er ihn zu durchbohren versuchte. Das wäre auch bei genügend Zeit zur Konzentration möglich gewesen, doch Dormian war lange nicht fähig genug dazu, mit so einer Qualität blitzschnell zu zaubern. Noch nicht. Diese Prozedur musste er noch zweimal wiederholen, um seine Begleiter vor einem eingeschlagenen Schädel zu bewahren, doch mit Anstrengung und dem eisernen Willen, zu überleben, gelang es. Die Gruppe rannte gerade um die wahrscheinlich tausendste Biegung der unterirdischen Gänge, als Dormians Herz einen kleinen Hüpfer machte. Er sah eine geöffnete Tür am Ende des Korridors, die in die Eingangshalle führte. Jedenfalls konnte man durch den seitlichen Anblick einer großen Treppe und die Reste einer Galerie im Hintergrund darauf schließen.
"LOS! GLEICH HABEN WIR´S GESCHAFFT!!!", jubelte Dormian und preschte auch schon auf die lockende Freiheit zu, immerzu Leliana an der Hand mit sich ziehend. Vorbei ging es an den unbeweglichen Körpern einiger Untoter, die so aussahen, als hätten sie gegen die herabfallenden Gesteinsbrocken nicht so viel Glück gehabt wie der Erdmagier und seine Begleiter. Erneut ging ein Beben durch das Anwesen. Er spürte es durch seine Magie, die seinen Leib durchströmte und durch die Schwerkraft mit dem Boden verband. Dieses Haus würde keine zwei Minuten mehr stehen, deshalb war höchste Eile geboten!

Die letzten Schritte bis in die Freiheit warteten, doch ein Knacken über ihren Köpfen ließ Dormian annehmen, dass diese Schritte sich in eine quälende Weite ziehen würden. Tatsächlich senkte sich erneut ein Teil der Decke nach unten, ächzend unter der Last über ihr, direkt vor der Tür. Dormian ließ Leliana los, bewegte sich ein wenig nach hinten und stieß sie leicht am Rücken.
"Lauft! Ich verschaffe euch Zeit!", hallten seine Worte durch den Korridor und gesagt getan kanalisierte er seine Magie durch einen kräftigen Schlag mit dem Stab auf den Boden. Um die silbrig glänzende Spitze der Waffe bildeten sich Risse, da die Macht der Erde sich in einem Schwall Platz verschaffte. Der Wirker erschuf so konzentriert wie möglich große Pranken aus Stein, die mit verschieden vielen und dicken Fingern aus den Wänden schossen um den Bereich vor der Tür freizuhalten. Schweißtropfen liefen ihm wie in Rinnsalen das Gesicht hinab, seine nassen Hände verfärbten sich, da er wie ein Verrückter den Stab umklammert hielt. Als endlich auch Van Zan durch die Tür entkommen war, nahm Dormian schließlich die Beine in die Hand und hechtete förmlich nach vorne in die Eingangshalle. Diese waghalsige Aktion rettete ihm zwar das Leben, doch seine Rippen rebellierten lautstark gegen diese Form der Behandlung, wie Dormian mit seinem Körper umging. Doch nun durfte nur eines zählen: der Weg nach draußen.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Samstag 16. Juli 2011, 15:13

Die Wolkendecke war aufgerissen und hatte den vollen Mond am Nachthimmel entblößt. Sein silbriges Licht begrüßte die Flüchtenden, als diese sich dem Ausgang der Schreckensvilla näherten und durch das zersplitterte Tor hinaus aufs totenstille Gelände preschten. Hinter ihnen rumpelte es laut, als große Teile der Decke in der Eingangshalle herunter fielen und versperrten unwiderruflich den Durchgang durch das Portal. Eine Staubwolke breitete sich explosionsartig aus und umhüllte die Gruppe um Dormian, doch der Nachtwind verteilte das ganze fast sofort wieder. Sie brauchten eine Pause, soviel stand fest! Nicht nur Aio war außer Puste, weil sie das zusätzliche Gewicht des Kindes hatte tragen müssen, auch der ältere Magiestudentin und Leliana mussten heftig schnaufen. Sie waren es einfach nicht gewöhnt, so lange strecken zu rennen, vor allem nicht mit einem so hohen Adrenalinspiegel. So seltsam die Vorstellung auch war, so war Dormian im Augenblick wohl der fittete hier, von dem unerbittlichen Van Zan einmal abgesehen. Obwohl der Jorsaner die ganze Zeit über das kleinste Mädchen in den Armen gehalten hatte, schien er nicht im mindesten außer Atem zu sein.
Aio lies vorsichtig ihre Bürde hinab, während die dunkelhaarige Magierin aufpasste, das die kleine nicht sofort wieder umkippte. Die Elfe keuchte. Für solche Lasten war ihr schmaler Körper einfach nicht geschaffen. Aber zumindest schien die kleine Adeptin nun alleine auf den Beinen stehen zu können, auch wenn sie weiterhin wie Espenlaub zitterte. Sie umklammerte mit beiden Händen das Handgelenk der älteren, die ihr beruhigend über den Kopf streichelte. Das jüngste Mädchen in Van Zans Armen hingegen schien von dem Schock noch immer gelähmt zu sein. Ihre großen Augen waren starr aufgerissen, aber unbeweglich und sie vermied es so gut wie möglich zu blinzeln. ”Wir müssen weiter!” meinte Van Zan mit einem mal und sah sich mit besorgten Blick um. Dormian war der einzige der Gemeinschaft, der den Grund dafür ebenfalls mitbekam. Die Erde zitterte, unmerklich zwar, aber für geschärfte Sinne trotzdem Spürbar.
“Das kannst du ihnen nicht antun,“ konterte Aio mit vorwürfen in der Stimme, “Lass sie doch wenigstens Luft holen! Die Villa ist über Faust zusammen gestürzt, er wird noch einige Zeit brauchen, ehe er ...“ Sie stoppte abrupt, als das Zittern zu einem kurzen Beben anschwoll und erstarb. Irgendetwas war hier, genau unter ihnen. ”Er wird doch nicht ..?” stellte Aio beunruhigt eine Frage in den Raum, die der Jorsaner mit einem leichten Kopfnicken beantwortete. ”Los, weiter!” keuchte nun auch Aio und ergriff die linke Hand des stehenden Mädchens, die junge Frau umklammerte die andere und beide liefen los und zerrten das Kind hinter sich her. Auch Van Zan setzte sich mit dem Bündel in seinen Armen in Bewegung, während Dormian die immer noch zerstreute Feuermagierin weiterhin zum laufen zwingen musste.
Sonderlich weit kamen sie jedoch nicht, da stürzte der gepflasterte Boden vor dem Eingang des Anwesens in sich zusammen. Ein paar Sekunden früher und auch die Flüchtenden wären in dem schwarzen Loch verschwunden, das sich aufgetan hatte. Bleiche Arme erstrecken sich über den Rand hinweg und grapschten nach Gräsern und Steinen, an denen sie sich heraus ziehen konnten. ”Er hat einfach einen direkten Ausgang erschaffen,” flüsterte die Elfe. Da wölbte sich auch schon der Boden unter ihren Füßen. Eine knöcherne Hand schnellte durch die aufgewühlte Erde, umklammerte Aios Bein und zog sie herab. Sie versank bis zur Hüfte in der Erde und begann wie am Spieß zu schreien. Das schien nun auch Leliana endgültig aus ihrem momentanen Zustand zu wecken. Sie lies Dormians Hand los und eilte den anderen beiden jungen Frauen entgegen, die versuchten die Elfe an den Armen heraus zu ziehen. Gleichzeitig entsteigen immer mehr Untote dem großen Abgrund, der vor der Villa entstanden war. Zu dritt schafften sie es, die hexenjägerin zu befreien, doch die sah nun sehr erbärmlich aus. Sie blutete stark an ihrem rechten Bein und war mehr als blass. ”Wir müssen weiter,” stöhnte sie und nickte Leliana zu. Die Studentin nickte ebenfalls und half der Elfe, indem sie ihr unter die Schulter griff. Während die andere Studentin ihre kleine Gefährtin mit sich zog, humpelten die beiden Frauen der Mauer entgegen.
”Dormian!” Das war Van Zans Stimme, die den jungen Magier zu sich beorderte. Der Jäger sah sehr ernst aus. ”Mit den beiden Kindern die nicht richtig laufen wollen und der verwundeten Aio schaffen wir es niemals, bis zur Mauer. Ich werde euch Zeit verschaffen. Du musst die kleine nehmen!” Damit überreichte Van Zan dem Magier das zitternde Kind. Die winzige Zyranern wog fast nichts mehr. Ob man ihr überhaupt genug Essen gegeben hatte, seit sie eine Gefangene war? Im anschluss zog Elias sich den Schlapphut vom Kopf und setzte ihn Dormian auf den Schädel. Auch den Beutel an seinem Gürtel löste er und legte ihn dem Mädchen auf den Bauch, da dem Erdadepten eine freie hand fehlte. ”Du passt darauf auf, bis ich es mir wiederhole. Du bist jetzt ein Soldat Mann!” Mit diesen Worten schlug Van Zan dem jungen Arboris gegen die Schulter. ”Du bist der einzige, der noch kämpfen kann, also ist es deine Aufgabe, die Frauen in Sicherheit zu bringen. Zur Mauer, dann auf die Pferde! Und komm bloß nicht auf die Idee, den Wall zu zertrümmern, sonst können sie euch zu leicht folgen. Und jetzt geh! LOS!” Damit drehte sich Van Zan zu der Masse an heranstürmender Untoter um. Aus seinem Gürtel zog er sein Schwert, mit der linken löste er eines der Messer aus seinem Waffengurt. Er sah entschlossen aus, der Wind spielte mit seinem langen, schwarzen Haaren. ER würde ihnen genug Zeit zur Flucht erkaufen, ganz egal zu welchem Preis.

[OT: Dormians magische Reserven sind auf ein drittel gesunken. Überlege dir Gut, wie viele und wie starke Zauber du verwendest. Sinken seine magischen Reserven auf null, kann er nicht mehr Zaubern. Gehe nicht weiter als Bis auf den Wall.]
Bild

Benutzeravatar
Dormian Arboris
Gast
Gast

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Dormian Arboris » Montag 25. Juli 2011, 16:21

Dormian brauchte zwei Herzschläge, ehe er sich Van Zans Worte erst bewusst wurde. Das war zwar kein richtiges Kompliment gewesen, aber zumindest ein Anzeichen von Vertrauen, welches er nicht missbrauchen wollte. Es musste nun schnell gehen, daher nickte der Erdmagier Elias zu und rückte den Hut auf seinem Kopf zurecht. Den Beutel nahm er dem Mädchen ab, verstaute ihn an seinem Gürtel und ergriff sogleich die Hand der Zyranerin.
"Also los! Wir haben es fast geschafft!", feuerte er die Kleine an, auch wenn diese noch unter einem heftigen Schock zu stehen schien. Währenddessen und ohne hinzusehen, hörte der Bursche die Geräusche eines heftigen Kampfes hinter sich. Er zweifelte nicht daran, dass Van Zan eine blutige Ernte unter den Anhängern Fausts einfuhr. Dies stachelte seinen eigenen Willen nur noch mehr dazu an, auch einmal ein so mächtiger Kämpfer zu sein, der denen das fürchten lehrte, die bedrohten, was er liebte. Er wollte und würde die schützende Mauer zwischen seinen Feinden und seinen Freunden werden, die alles zu Staub zerfallen ließ, die jene Mauer erklimmen wollten. Doch um diesen Traum zu verwirklichen, ein großer Erdmagier zu werden, der Faust und seine Kriecher jagte, sodass selbst diese den Namen Arboris nur mit Furcht und Flüstern aussprachen, musste er zunächst lebend hier rauskommen! Also trugen ihn seine Beine, so schnell es möglich war, die linke Hand am Stab, die Rechte an der schmächtigen Hand des konfusen Mädchens, den Blick immer nach vorne gerichtet.

Leliana und die anderen Geiseln waren mit Aio bereits an der Mauer angekommen, während immer mehr Untote dem Boden entstiegen und heulend den Flüchtenden nachstellten. Dormian spürte, dass ihn nicht nur seine körperlichen Kräfte verließen und damit seine einzige Möglichkeit, die Frauen zu beschützen. Eine Handvoll mittelmäßiger Zauber, zu mehr würde sein magisches Reservoir nicht ausreichen. Sein Brustkorb fühlte sich an, als ob ein winziger Zwerg mit einem glühenden Schmiedehammer von innen gegen seine Rippen schlug und kurz davor stand, diese zu zermalmen. Aber jetzt durfte es nicht an seinen Schmerzen mangeln, darüber beschweren konnte der Arboris sich später noch. Endlich am Wall angekommen tat er das Erste und Einzige, was in dieser Situation logisch erschien. Er ließ die Hand des Mädchens los, legte sie an den Wall und pumpte seine Energie hinein. In gleichbleibenden Abständen gruben sich handgroße Furchen in das Gestein hinein und bildeten so eine natürliche Leiter, die es erleichterte, dieses Hindernis zu überwinden.
"Beeilt euch! Ich gehe als Letzter und lasse die Sprossen verschwinden, dass uns niemand folgen kann!", rief der Zauberer und trieb die Anwesenden zur Eile an. Bei Aio schob er kurzerhand mit an und half, sie trotz der schweren Verwundung über den Wall zu bekommen. Er wagte keinen Blick zurück, die Geräusche und Explosionen, die dort im Gange waren, bedurften keiner näheren Erkundung. Insgeheim hoffte der Bursche, dass der Urgeist ein Einsehen hatte und Van Zans Todesmut mit seinem Schutz honorierte. Es wäre nicht nur der Verlust eines wertvollen und mächtigen Verbündeten, sollte Van Zan bei dem Versuch fallen, Dormian und den anderen Zeit zu verschaffen. Der raue Bursche besaß eine eigene Art, mit der man sich durchaus anfreunden konnte. Und Dormian wusste, dass er ohne seine und Aios Hilfe nicht einmal eine Nacht außerhalb von Zyranus überlebt hätte. Sobald die Geiseln über den Wall hinweg waren, würde er den selben Weg nehmen und gleichzeitig die Sprossen verschwinden lassen. Elias hatte Recht, den Wall niederzureißen wäre in jeder Hinsicht dumm und eine Verschwendung wertvoller Energie gewesen.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Gut Faust - Nacht der Lebenden Toten!

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 4. August 2011, 20:11

Die ersten Meter musste Dormian das kleine Mädchen fast schon gewaltsam hinter sich her schleifen, da sie sich standhaft dagegen wehrte, auch nur einen Muskel zu bewegen. Dann endlich schien sie zumindest ein wenig Einsicht zu haben und verfiel in einen wiederwilligen trott. Trotzdem behinderte sie den jungen Erdmagier damit mehr, als das sie half und der Abstand zwischen den restlichen Frauen und dem Duo wurde immer größer. Und das obwohl auch Aio nicht mehr richtig laufen konnte. Selbst über Distanz drangen immer wieder ihre stöhnenden Schmerzeslaute an Dormians Ohr und vermischte sich mit den Kampfgeräuschen in seinem Rücken. Weder er noch die winzige Zyranerin an seiner rechten Hand, drehten sich herum, um noch einmal einen Blick zurück zu werfen, doch zumindest war die Zahl ihrer Verfolger mehr als gering. Die Untoten waren von ihren Herren gelöst worden und sichten sich nun das erstbeste Ziel, dass sie fanden, um ihrer Zerstörungswut freien lauf zu lassen. Und dieses Ziel war Van Zan.
Als Dormian endlich auch den Grenzwall erreichte, hatten sich die restlichen Magierinnen und die Elfe bereits dort eingefunden. Aio war kreidebleich und atmete schwer, während Leliana versuchte, mit Stofffetzen ihrer eigenen Robe die Blutung zu stoppen. Die dunkelhaarige Adeptin versuchte indes, mithilfe von Aios Enterhaken ein Seil über die Mauer zu bekommen, doch ihre Würfe reichten nicht hoch genug, um sich am Wehrgang zu verhaken. Zum Glück war das auch gar nicht nötig, denn Dormian schaltete schnell und nutzte seine arkanen Kräfte, um einen simplen Aufstieg in die Felsen der Mauer zu schmelzen. Die beiden kleineren Mädchen kletterten mit zittrigen Händen zuerst nach oben, dann folgte die dunkelhaarige Magierin. Für Aio hingegen war das ganze eine schwerere Aufgabe. Ihr rechtes Bein konnte sie nicht belasten und so zog sie sich hauptsächlich mit ihren Armen nach oben. Obwohl ihr Bein nun behelfsmäßig verbunden war, tropfte trotzdem eine Menge des kostbaren Lebenssaftes aus dem zerfetzten Fleisch. Zum Glück war es nur ein Ammenmärchen, dass der Fluch des Untodes sich durch Bisse übertragen lies, denn sonst wäre die Elfe wohl verdammt gewesen.
Durch ein wenig Hilfe von Dormian schaffte sie es letztlich doch nach oben und wurde von den anderen Frauen über die Brüstung gezogen. Nur noch Leliana und Dormian befanden sich nun noch auf der gefährlichen Seite. ”Du bist wirklich gekommen um mich zu retten,” flüsterte die Feuermagierin leise, “und dafür Danke ich dir, Dormian.“ Ohne Vorwarnung lehnte sie sich nach vorne und drückte dem verdutzen Dormian einen Kuss auf die Lippen. Der Moment wehrte jedoch nur kurz, denn nach einer Sekunde löste sie sich wieder, um ihrerseits auf den rettenden Wall zu klettern. Der junge Arboris erklomm als letzter die selbstgemachten Sprossen, die sich wieder auflösten, als er sie überstiegen hatte. Endlich Oben angekommen, breitete sich vor Dormians Augen das Gutwesen aus. Und der Perfekte Blick auf ihren Verbündeten, der eine Flucht auf die Umfassung überhaupt erst möglich gemacht hatte.

An einer anderen Stelle herrschte währenddessen das reine Chaos. Elias Van Zan lies Schwert und Dolch wie Sensen durchs Korn schneiden. Er begnügte sich damit, Arme und Beine abzutrennen und so die Untoten zu Fall zu bringen. Jeden einzelnen zu Köpfen wäre ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Aber selbst für den gestandenen Krieger waren es einfach zu viele Feinde. Sie überrannten ihn einfach mit ihrer Zahl und auch wenn ihre Attacken unkoordiniert waren, so ergatterten sie dennoch einen Treffer nach dem anderen. Der staubige Ledermantel des Hexenjägers hing bereits in Fetzen und auf seiner Rüstung prangten blutige Risse. Ein böser, kräftig blutender Riss, machte sein ohnehin düsteres Gesicht noch furchterregender, doch gegen diese Gegner brachte das nicht viel. Sie drängten ihn immer weiter zurück. Doch noch war von den Nekromanten selbst nichts zu sehen.
Van Zan atmete tief ein und machte einen Satz nach hinten, lies dabei seine beiden Waffen fallen. Dann breitete er seine Arme aus und schlug die Hände mit weiterhin gestrebten Armen zusammen. Eine Orkanböe schien durch die Masse der heraneilenden Untoten zu gehen und warf einen teil von ihnen zurück in das Loch aus dem sie gekrochen kamen. Der Jorsaner wiederholte die Bewegung noch einmal mit dem selben Ergebnis und lies dann das rechte Handgelenk wild wirbeln, während er unverständliche Worte murmelte. Eine Windhose entstand direkt vor ihm und bewegte sich zielsicher ins Herz der feindlichen Masse. Zombies, die von dem Wirbelwind erfasst wurden, segelten durch die Luft und landeten mit zertrümmerten Körperteilen überall in der Gegend.
Um den Hexenjäger herum befanden sich nun keine Feinde mehr, große teile der leblosen Soldaten mussten sich nun erst einmal wieder aufrappeln. Das war alles, was Van Zan hatte erreichen wollen, denn ein Sieg gegen diese Übermacht war undenkbar. Sofort wandte sich der Recke um, sein Blick glitt suchend über die Ebene. Schließlich entdeckte er Dormian, der grade auf dem Wehrgang der Mauer angekommen war und die Blicke der beiden kreuzten sich. So etwas wie ein Lächeln entstand in dem Gesicht des Hexenjägers. Und er hob grüßend den Arm. Dann bückte er sich, um seine fallen gelassenen Waffen wieder aufzuheben. Sofort ging er in einen leichten Trab über, weg von den Monstern und hin zu seinen verbündeten.
Ohne ersichtlichen Grund blieb er plötzlich abrupt stehen und sah an sich selbst herunter. Aus seiner Brust ragte die feucht schimmernde Spitze eines Bolzens. Eines seiner eigenen Bolzen, die er kurz zuvor noch auf ein ganz Bestimmtes Ziel abgefeuert hatte. Die beiden Waffen fielen erneut auf den Boden und er drehte sich langsam wieder zu dem Abgrund herum. Da trafen ihn zwei weitere Geschosse in den Oberkörper! Die Untoten wichen langsam zurück und machten eine breite Gasse. Eine winzige Gestallt, die im Mondlicht weiß leuchtete, schritt langsam auf den Hexenjäger zu. In ihrem weißen Kleid prangten ein halbes duzend Löcher, durch die extrem Helle Haut schimmerte. Von irgendwelchen Wunden war nichts zu sehen. Wären die Perforationsstellen nicht gewesen, hätte man meinen können es wäre eine Kopie, doch das kleine Mädchen, dass da auf Van Zan zu ging, war ganz eindeutig Aurora!
Sie hatte beide Arme erhoben, über den Handflächen schwebten die Bolzen des Jorsaner, die mit Wasser Überzogen waren. Nacheinander schoss ein Bolzen nach dem anderen nach vorne. Sie alle fanden ihr Ziel im Körper des Hexenjägers, der auf die Knie sank. Vor Van Zan blieb Aurora schließlich stehen. “Du glaubst gar nicht, wie ungeheuer es mich jedes mal genervt hat, wenn du mich mit diesen blöden Dingern durchlöchert hast. Das macht keinen Spaß, oder?“ Sie kicherte herzerweichend und vollführte eine Pirouette.
Aber noch war Elias nicht besiegt. Obgleich die Bolzen in seinem Körper unausweichlich eine tödliche Wirkung hatten, ergriff er noch ein letztes mal sein Schwert. Seine Finger waren fast zu schwach, um den Griff richtig zu umklammern, doch trotzdem schaffte er es, die Klinge zu heben. Er setzte zu einem letzten Schlag gegen seine Peinigerin an, doch die schien es nicht einmal mehr für nötig zu halten, der Attacke auszuweichen. Wie aus dem Nichts tauchte der junge Mann in dem grauweißen Anzug hinter Van Zan auf, mit seinen Armen umklammerte er den Oberkörper und die Arme des älteren Mannes. Seine Beine schlängelten sich um den Unterkörper des Hexenjägers, als hätte Auroras Diener überhaupt keine Knochen.
“Das war’s dann, 'Papa'. Viel spaß in der Stadt der verlorenen Träume!“ Erstmals klang echte Bosheit in der Stimme der kindlichen Nekromantin mit, als sie mit einem mörderisch, wahnsinnigen Blick mit den Fingern schnipste. Ihr Diener warf den Kopf in den Nacken, sein Unterkiefer renkte sich wie bei einer Schlange aus, Reißzähne schossen hervor. Mit einem einzigen Biss riss der Diener Van Zan den gesamten Hals bis zum Rückgrat auf. Zwei kurze Blutfontänen, dann war das Leben aus dem Hexenjäger geflossen. Tot fiel er zu Boden, als der Livrierte seinen Griff löste. Wortlos ging der Mann zu Aurora und hob diese Hoch, damit das Blut des getöteten nicht ihre weißen Pelzstiefel befleckte. Ihr kalter Blick glitt hinüber zur Mauer und suchten den von Dormian, als wüsste sie genau wo sie suchen musste. ”Lauf kleiner Magier, lauf schnell!”

Obwohl Dormian die Worte über die Distanz nicht verstehen konnte, ihre Bedeutung konnte er sich problemlos denken. Ja Faust war ein Monstrum in Menschengestallt, aber dieses Mädchen ... stand ihm zumindest in nichts nach. ”NEEEEIIN …!” Der hoffnungslose Schrei stammte von der grauhäutigen Aio, die auf die Knie gefallen war und sich trotzdem nach vorne kämpfen wollte. Drei Zyranerinnen waren nötig, um zu verhindern dass die Elfe sich auf die kleine Nekromantin stürzte. In ihren Augen standen Tränen und sie schluchzte unaufhörlich. Von ihrer Position aus konnten sie alle erkennen, wie der stumme Diener Aurora zum Eingang der Villa trug, dann verschwanden sie aus dem allgemeinen Blickfeld. Auf der anderen Seite der Mauer waren es nur ein paar Duzend Meter bis zum schützenden Wald und den angeleinten Pferden. Sechs Leute, drei Pferde. Das ging sauber auf ...
Bild

Antworten

Zurück zu „Der Wald Arus“