Rückkehr in die Heimat

Dieser prächtige Wald liegt im Norden Celcias. Der Fluss Tangros lässt dieses Gebiet blühen. Ein einsamer Priester ließ sich in diesem Wald nieder und erbaute ein Kloster, aber auch die Nachtelfen blieben nicht ohne Taten.
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Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Erzähler » Samstag 19. März 2011, 12:18

[Luzien und Raye kommen von – der Sumpf Mashmoor – Auf dem Weg in die Stille Ebene]

Vertraute Gerüche umfingen die beiden Elfen, welche unterschiedlicher nicht sein konnten. Jeder der beiden hatte eigene Ansichten, was den jeweils anderen betraf. Die Dunkle war, was den Justiziar betraf extrem gereizt, sie konnte ihn nicht mehr wirklich leiden. Zwar hatte er sie vor einem jämmerlichen Erstickungstod gerettet, doch das hieß nicht, dass sie jemals Freunde werden konnten.

Luzien dagegen war immer noch in seiner Ehre und seinem Stolz angeschlagen, eben, weil die Frau versucht hatte, ihn hinterrücks zu erschießen. Das war für ihn ein Grund, sie in Gewahrsam zu nehmen, um sie der nachtelfischen Justiz zu übergeben.Was dann mit der Dunkelelfe geschah, würde ihn bestimmt nicht interessieren. Hauptsache für ihn war, dass er sie endlich los wäre. Außerdem hegte er seit seiner Gefangennahme durch die Dunkle Armee alles andere als Sympathie für eben jene.

Der Schnee knirschte leise unter ihren Stiefeln und die Kälte drang auch durch den dichtesten Stoff. Raye machte sich keinen Hehl daraus, ihrem Unmut laut Luft zu machen. In ihrer Situation alles andere als gut. Auch im Schnee wurde die Gefahr größer, denn überall fanden sich Wolfsspuren... und sie waren mehr als frisch. Also lauerte das Rudel doch noch auf eine erneute Gelegenheit, um zuzuschlagen und endlich ihre widerspenstige Beute zu reißen. Durch das überraschte Auftauchen der Sumpfechsen waren sie zwar zeitweilig vertrieben worden, doch war es nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder die Verfolgung aufnahmen und beendeten, was sie begonnen hatten. Und dieses Mal könnten die beiden Elfen nicht mehr so großes Glück haben. Und tatsächlich: wie befürchtet durchbrach ein hungriges Heulen die Stille des Waldes. An einigen Stellen wurde es beantwortet. Das Rudel hatte zwar ein paar Mitglieder verloren, war aber noch nicht vernichtet. Sie mussten sich eilen und das Reich der Nachtelfen erreichen. Doch dummerweise würden sie für die Stecke einiges an Zeit brauchen. Zeit, die sie vielleicht gar nicht hatten, denn schon hörten sie in einiger Entfernung ein hungriges Grollen. Die Wölfe waren zurückgekehrt! Und sie waren bösartiger denn je. Das lag wohl an den verlorenen Mitgliedern ihres Rudels.

Sie mussten schnelleren Schrittes gehen, auch wenn es ausweglos sein würde, da die Tier viel schneller rennen konnten als sie. Luzien würde ihnen vielleicht mit viel Glück doch noch entkommen können, doch Raye würde wegen ihrer kaputten Hüfte keine Chance haben. Und dazu kam, dass sie für eine Flucht viel zu stark geschwächt war. Zu Fuß würde sie nicht entkommen können und würde ein gefundenes Fressen für diese Tiere werden.

Schon sprang einer der Wölfe bösartig kläffend heran, doch bevor er sie erreichte, sauste etwas schnelles und schmales über den Kopf der Dunklen hinweg und bohrte sich in den Kopf des Tieres. Schlapp klappte der Wolf in sich zusammen, ein ebenholzfarbener Pfeil steckte tief in seinem Schädel. Die Wölfe stießen einen klagenden Laut aus, offenbar war hier das Alphamännchen niedergestreckt worden und flohen abermals. Dem Anschein nach hatten sie endgültig die Lust verloren.
Wenn Luzien genau überlegte, würde er die besondere Verarbeitung des Pfeiles bemerken. Gerade in dem Moment trat eine Gestalt hinter einem Baum hervor. Er trug den typischen Umhang eines Nachtelfen und darunter eine schwarze Lederrüstung. Seinen Bogen hatte er lässig über eine Schulter gelegt. Und an seinem Waffengurt hingen noch mehrere Kurzschwerter. „Sei gegrüßt, Luzien!“, sprach die Gestalt in perfektem Herendia. Woher kannte er den Namen des Justiziars? Gerade so als könnte der Fremde seine Gedanken lesen, enthüllte dieser sein Antlitz. Er kam Luzien verdammt bekannt vor. Auch die Stimme kam ihm bekannt vor. „Mein Name ist Xanast. Es ist lange her, Luzien“, erklärte die Gestalt beiläufig und betrachtete zeitgleich Raye. Nun spiegelte sich Neugier in seinen Augen wieder. „Was hast du denn mit einer Dunklen zu schaffen? Ach egal. Die Zeit drängt, Luzien! Der Boss wartet schon lange auf deinen Bericht!“
Damit war mehr als klar, dass es sich auch um einen anderen Justiziar des Reiches handeln musste. Ob er ihm direkt sagen sollte, dass er seinen Auftrag nicht ausführen konnte und das er sogar seine eminent wichtigen Dokumente nicht mehr hatte? So oder so, er würde sich vor dem Anführer der Justiziare dafür verantworten müssen, egal ob er es jetzt sagte oder eben erst später. So oder so würde sein Versagen herauskommen. Und was würde mit Raye geschehen? So wie die Dinge standen könnte Luzien ihr die schlimmsten Sachen andichten, welche sie zwar bestreiten könnte, aber gegen die Worte des Justiziars wenig Erfolg haben würde. Der Anführer würde Luzien mehr glauben, als einer Wildfremden.

Doch noch waren sie nicht im Nachtelfenreich.
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Luzien » Montag 21. März 2011, 20:34

Unwillkürlich musste Luzien an ein störrisches Maultier denken, denn genau so führte sich die Dunkelelfe in diesem Moment auf. Anstatt friedlich mitzukommen, stemmte sich die junge Frau gegen seinen Griff, auch wenn das den, doch eindeutig stärkeren, Nachtelfen nicht davon abhalten konnte, sie bis zum Waldsaum mitzuzerren. Auf seiner Stirn pochte eine Ader, während er krampfhaft versuchte jedes einzelne Wort der Dunkelelfe zu ignorieren. Aber wie das nun mal so war, mit etwas das man nicht hören wollte: Dadurch dass er mit allen mitteln nicht zuhören wollte, konnte er sich der nörgelnden Stimme nicht verschließen. Seine Lippen formten tonlose Drohungen, Verwünschungen und Versprechen, was noch mit der Elfe passieren würde. Hätte er sie laut ausgesprochen, wäre sie wohl nur noch wiederwilliger mitgekommen und schon jetzt war das ganze eine nervenaufreibende Angelegenheit.
Als die beiden endlich den Waldsaum erreicht hatten, glücklicherweise ohne von anderen, widerwärtigen Kreaturen angegriffen worden zu sein, lies er seine Gefangene los. Er hatte bereits jetzt genug von ihrer Gesellschaft und würgte all das, was er ihr ins Gesicht sagen wollte wieder hinunter. Nur Gift und Galle würde kommen, wenn er den Mund doch öffnen würde. Als sie dann jedoch versuchte seine Ehre anzugreifen und erklärte, das sie nicht nach den Maßstäben ihres Volkes gerichtet werden sollte, konnte er nicht mehr. Selbst seine Geduld hatte irgendwann ein Ende. Wenn man es genau nahm, soviel Geduld besaß er nicht einmal. “Ich will dir etwas über Dunkelelfen erzählen,“ zischte er extrem leise zwischen seinen Zähnen hindurch, immer ein Anzeichen von Gefahr, “Dein Volk ist rücksichtslos, undankbar und ohne Ehrgefühl. Sie nutzen andere aus so gut sie können und entledigen sich ihrer, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Dunkelelfen sind tief in ihrem Inneren so abgrundtief Bösartig, wie sonst niemand. Und nun sag mir, inwiefern du dich von ihnen unterscheidest?“
Noch während er sprach hatte sich die Dunkelelfe abgewandt und war planlos weiter in die tiefen des Waldes vorgedrungen. Für einen Augenblick überkam Luzien die Vorstellung einer noch ausgemergelteren Raye, die in zerschlissenen Kleidern durch einen finsteren Wald irrte und dann zusammenbrach. Aber soviel Glück würde er nicht haben. Und so leicht würde er es ihr auch nicht machen! In gemessenen Tempo folgte er der Elfe durch das Unterholz. Selbst im Zwielicht war ihre Spur leicht zu verfolgen, wo sie doch Schrie wie ein Rohrspecht. “Weil ich dich bestimmt nicht mit durch das Stadtportal nehmen werde,“ knurrte er eine Antwort auf ihre Frage allein zu sich selbst und wich einer Reihe von tiefhängenden Ästen aus. Schon allein der Anblick von vertrauter Natur hatte bereits eine beruhigende Wirkung und das obwohl er die Pflanzenwelt seiner Heimat nicht im geringsten ausstehen konnte.
Wie lange war er nun schon auf der Jagd? Sein letzter Aufenthalt im Reich musste bestimmt schon drei Monate zurück liegen. Der Gedanke an die unterirdische Stadt versetzte seinem inneren einen heftigen Stich. Zumindest für eins hatte das Treffen mit der Elfe genützt; Es hatte ihn davon abgelenkt, dass er versagt hatte und nun in Schande zurück kehrte. Nicht weil er seinen Auftrag nicht erfüllt hatte, dass passierten auch anderen, obgleich Luzien bisher eine makellose Liste hatte führen können. Nein, dass er diese drei verdammten Schriftrollen an die Dunkelelfen verloren hatte, das wahr das wirkliche Problem!
Der Justiziar hatte zu der Straftäterin aufgeschlossen, die sich an einen Baum gelehnt hatte. Allein schon ihr Gesicht brachte sein Blut wieder zum Kochen. Ohne stehen zu bleiben, schritt er bis direkt vor sie und seine Hand umklammerte ihren dürren Hals. Er würgte sie nicht, tat ihr auch nicht weh, aber fixierte ihren Kopf. “Ich würde es vorziehen, wenn du die restliche Reise über die schweigende Begleiterin mimst!“ Es war weder ein Befehl, noch eine Drohung, aber trotzdem eine klare Anweisung, die wohl besser eingehalten werden sollte. Er gab es zu, er hatte genug von ihrer Stimme, aber gleichzeitig fürchtete er, das laute Organ der Frau könnte ungebetene Gäste anlocken.
Aber war es dafür vielleicht schon zu spät? Als wäre der Gedanke ein unhörbarer Befehl gewesen, brach direkt vor den Beiden ein neuer, pelziger Feind aus dem Gestrüpp des Waldes. Es war so überraschend, dass Luzien nicht einmal Hand an einer seiner Waffen legen konnte, da Brach das Tier auch schon zusammen. Der Nachtelf hatte das Surren gehört und erkannte nun auch den langen, schwarzen Pfeil mit den Eulenfedern am Ende, der aus dem Genick des Wolfes ragte. Um sie herum heulten die Wölfe böse und verängstigt auf, doch Luziens Blick war so auf das lange Projektil gefesselt, dass er es gar nicht mitbekam. Er kannte diese Art von Pfeilen genau. Pechschwarz wie die Nacht und, mit Federn von Manthalas Boten, die für einen sicheren und lautlosen Flug dienen sollten. Solche Geschosse benutzen nur die auserlesenen der Schattenkrieger.
Wenige Augenblicke trat auch der Schütze heran. Ein wenig kleiner als er selber und in die schwarze Kluft gekleidet, die manchmal als „Jagdrüstung“ bezeichnet wurde, handelte es sich augenscheinlich um einen anderen Nachtelfen. Auch das er akzentfrei in seiner Muttersprache angeredet wurde, far für Luzien ein eindeutiges Zeichen. Und als der Neuankömmling dann sein Gesicht offenbarte, konnte der Justiziar seine Freude nicht mehr verbergen. “Xanast …? Du bist das ..?“ Ja, er erkannte sowohl die Stimme als auch das Gesicht des anderen wieder. Ohne ein Wort der Vorwarnung machte Luzien einen Satz nach vorne und schloss seinen Kameraden in die Arme, wie einen lange vermissten Bruder. Endlich wieder ein freundliches Gesicht zu sehen ... das war fast schon zuviel nach diesen schlimmen Wochen! Als er sich wieder von dem anderem löste, verriet seine Miene keine Gefühlsregung mehr, doch innerlich war er endlich einmal wieder von tiefer Freude beseelt. “Du würdest mir einen Gefallen tun, wenn du die Schwarzhaut hier und jetzt hinrichten würdest.“ Der Schalk der mitschwang als er sprach, machte klar das es sich dabei mehr um einen Scherz handelte, auch wenn man nicht sicher sein konnte. “Sie spricht übrigens unsere Zunge. Ich denke sie ist gefährlich.“
Nachdem er das gesagt hatte, verstummte Luzien und hob stattdessen seine Hände vor die Brust. Seine Finger formten stumme Worte in der Zeichensprache der Schatten, die nicht für Rayes Ohren bestimmt waren. Der Meister wartet auf meinen bericht? Ich habe vor vier Tagen einen Unglücksraben losgeschickt, um mir mehr Zeit zu erbitten. Pelgar ist ein Kriegsgebiet! Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er daran dachte, dass vielleicht auch der schwarze Botenvogel abgeschossen worden war. Das konnte man ihm zwar nicht zur Last legen und die Unterlagen, die das Tier bei sich gehabt hatte, war nicht gesiegelt gewesen. Trotzdem gehörten die Texte nicht in die gierigen Hände des schwarzen Volkes. Ich wurde gefangen genommen gestikulierte er weiter und etwas eindringliches lag in seinem Gesichtsausdruck. Sie haben mir alles abgenommen. Auch die Dokumente! Ich muss so schnell wie möglich zu Nepochal!
Es tat gut, diesen Stein endlich von der Seele zu haben. Auch wenn er noch nicht zuhause war und Xanast ihm wohl nicht viel bei seinem Problem helfen konnte, so schien es doch endlich wieder bergauf zu gehen.

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Raye-Lin Sarlathza
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Montag 21. März 2011, 21:27

Ihre Stimme verstummte nicht, doch wurde sie leiser. Es war wohl für beide klar, dass sie sich nicht ausstehen konnten. Ihre Unterschiedlichkeit war zwar nicht das einzige Problem, doch ein unüberwindbares.
Seine Worte bezüglich ihres Volkes hatte Raye zwar wahrgenommen und innerlich stimmte sie ihm mehr als zu, doch äußerlich würde sie ihm gewiss nicht die Ehre einer Zustimmung zuteil werden lassen. Verdammter Idiot! Selten so'n engstirnigen Egozentriker gesehen! meckerte sie in Gedanken weiter, als der Elf sie auch schon erreichte, als sie sich die Blöße gab und sich gegen einen Baum lehnte. Kühl umschlossen seine Finger ihren Hals und hielten ihr Gesicht in der Höhe, dass sie ihn ansehen musste. Angefressen hob sie die Augenbraun in die Höhe, als er sie 'höflich bat' den Mund zu halten, möglichst für den Rest der Reise.
Als Raye den Mund öffnete, um erneut dagegen zu plappern und ihm so einiges zu erzählen hatte bezüglich seiner Anordnung, schoss einer der Wölfe aus dem Gebüsch und war im Begriff sie anzugreifen. Beide - Nachtelf wie Dunkelelfe - standen völlig perplex da und keiner von ihnen hätte eine Chance gehabt zu handeln, wäre der Wolf nicht bereits zu Boden gefallen - leblos.
Völlig erstaunt und erschrocken zugleich, drehte Raye den Kopf, als aus den Schatten ein Mann trat. Sie verdankten ihm ihr Leben und offenbar war er auch noch ein Nachtelf. Zwar erkannte Raye nicht sofort die besonderen Pfeile, doch die Rüstung die der Mann trug, waren auch ihr bekannt. Die Szene die dann folgte, beobachtete Raye mit Erstaunen: Der raubeinige Luzien gab sich die Blöße und umarmte den anderen Elf auf eine freundschaftliche Art und Weise.
Bei der Szene wurde Raye sogar etwas warm ums Herz, doch währte das nur sehr kurz, als Luzien halb ernst meinte, der Fremde solle sie doch bitte exikutieren. Sofort verschwand das warme Gefühl und die junge Elfe verschränkte die Arme vor der Brust. "Holzkopf.." murmelte sie, mehr zu sich als zu dem Elf.

Als Luzien dann erwähnte, sie würde Herendia sprechen und vermutlich gefährlich sein, warf die Dunkle die Arme in die Luft und fluchte stumm zum Himmel, ehe sie dann auch schon bemerkte, wie sich die beiden NAchtelfen vermutlich in einer geheimen Sprache unterhielten. Missmutig beobachtete sie die beiden und lehnte sich dann, die Arme trotzig vor der Brust verschränkt, erneut gegen einen Baum. "Wenn ihr dann fertig seid, ja? Ich würde gerne noch vor meinem nächsten Geburtstag im Reich ankommen, in Ordnung?!" knurrte sie und sah dann zurück auf den toten Wolf. Sie gab den beiden Elfen noch einen Augenblick, ehe sie sich dann auf den fremden Elfen zubewegte. "Dein paranoider Freund hat im Übrigen vergessen, dass wir schon per 'Du' sind - seine Idee nicht meine! Raye!" stellte sie sich schnippisch vor und warf Luzien dann einen genervten Blick zu. "Können wir dann? So langsam geht mir die gute Laune flöten!"
Raye schien etwas vorlaut und schnippisch, was wohl nicht alleine an Luziens Manieren lag. Es missfiel ihr, wenn auch nicht zugegeben, dass sie nun in der Hand von zwei sich kennenden Nachtelfen war, völlig entkräftet und wehrlos. Die beiden konnten tun und lassen was sie wollten und niemand würde es erfahren oder interessieren. Ihre Lage war ernst und alles andere als sicher, dessen war sie sich bewusst, versuchte das jedoch mit flapsigen Bemerkungen zu überspielen.
Im Grunde war die Dunkle schlagfertig und nicht auf den Mund gefallen, doch wusste sie auch, wann Vorsicht geboten war. Doch ihre ohnehin schlechte Verfassung trübte ihr Urteilsvermögen und machte sie leichtsinnig und vorlaut.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Gestalt » Dienstag 22. März 2011, 02:08

Xanast erwiderte den Gruß von Luzien. Immer wieder wechselten seine die Blicke zwischen Luzien und Raye hin und her, so als wolle er begreifen, was sie miteinander zu schaffen hatten. Die ironisch gemeinte Bitte seines Kollegen, sie zu exekutieren quittierte er mit einem belustigten Lächeln. „Ganz der Alte, wie?“
Nur als Luzien ihm eröffnete, dass die Dunkle auch ihrer Sprache mächtig war, hob der Justiziar vor Erstaunen eine Augenbraue leicht an. „Interessant. Was du nicht sagst. Vielleicht schneide ich ihr die Zunge auch einfach heraus.“ Dann jedoch lachte er auf. Auch das war eher spaßeshalber als ernst gedacht gewesen, jedoch konnte man bei ihm nie wirklich sicher sein.
Xanast war schon immer der direktere Typ gewesen. Im Grunde hätte er es sich nicht nehmen lassen, sie gleich an Ort und Stelle zu töten, doch ihn interessierte nun, woher sie die Sprache der Nachtelfen beherrschte.

Damit die Dunkelelfe nicht mithören konnte, bediente sich Luzien der Zeichensprache, welche ein jeder Justiziar während seiner Ausbildung gelehrt bekam. Das verhinderte, dass Unwissende erfuhren, welche Botschaft übermittelt wurde. Ja, der Rabe kam vor wenigen Stunden an. Es war sofort klar, dass du Probleme haben könntest und da wurde ich zu deiner Unterstützung geschickt.

Auch erklärte Luzien hektisch, dass die ganze Stadt Pelgar ein riesiges Kriegsgebiet war und dass er vom Dunklen Volk gefangen genommen und all seiner Habseligkeiten beraubt worden war, einschließlich der Dokumente. Verdammte Dunkelelfen! Das wird Nepochal überhaupt nicht gefallen! Das heißt dann wohl dass die Dunkle Armee den Osten zu überrollen droht! Er muss sofort davon erfahren. In der Zwischenzeit wurden einige unsere Späher von diesem dunklen Pack mehrfach angegriffen. Wir konnten sie aber in die Flucht schlagen. Tod diesen schwarzhäutigen Bastarden!
Er nickte mit dem Kopf in die Richtung zu der Dunkelelfe hin. Dasselbe galt eigentlich auch für sie, allein deswegen, weil Luzien sie schon als potentielle Gefahr eingestuft hatte, doch vorerst wollte er sie noch leben lassen und mehr über sie erfahren. Vielleicht wusste sie etwas über ihre Volksangehörigen. Dass sie natürlich aus dem Reich kam, kam ihm natürlich nicht in den Sinn.
Leider glaube ich, dass wir damit eine negative Reaktion provozieren könnten, aber die Anführerin Méntara Tronás schert das wenig.
Zwar war das im Normalfall eine Anweisung ganz nach seinem Geschmack, aber wenn er genauer darüber nachdachte, war es nicht sehr ratsam, sich der Dunklen Armee feindselig entgegenzustellen. Aber als Kämpfer des Reiches wurde von ihm erwartet, dass er Gehorsam zeigte.

Raye wurde das inzwischen alles etwas zu viel. Sie wollte weiter und quengelte deshalb vor sich hin. Es war ein Spiel mit dem Feuer. „Schweig, Dunkelelfe! Sonst freunde ich mich doch noch mit dem Zunge herausschneiden an! Sei froh, dass ich dich zumindest jetzt noch am Leben lasse!“, herrschte er sie barsch an. Anhand der Drohung, die er in seine Worte gelegt hatte, konnte man vermutlich davon ausgehen, dass er sie auch wirklich wahrmachen würde. Xanast war in solchen Sachen nicht gerade pingelig. Man konnte ihm ansehen, dass er sich nun enorm zusammenreißen musste, um nicht doch noch auf die völlig geschwächte Dunkelelfe loszugehen. Ihm ging ihr andauerndes Gemecker vollkommen auf die Nerven.

Doch er besann sich und wandte sich um. „Wir sollten gehen. Weiter westlich sind wir sicherer als hier.“ Er wies nach Westen. „Und dort finden wir auch Arinna. Du kennst sie doch noch, oder?“, fragte er seinen Justiziarkollegen und schmunzelte leicht. Dann jedoch änderte sich seine Mimik ins vollkommene Gegenteil und er ging auf Raye zu und packte sie grob am Arm. „Wir machen jetzt einen kleinen Ausflug. Wenn du brav bist, überlebst du ihn vielleicht. Wenn du versuchst zu fliehen, lege ich dich um, klar?“ Der Eisige Ton in seiner Stimme war nicht zu überhören. Er wirkte so einschüchternd, jetzt da er nun auch völlig entnervt war.
Dann schleifte er sie erbarmungslos mit sich, Luzien folgte ihm. Auch wenn es nicht danach aussah, war er doch kräftiger als es zunächst den Anschein gehabt hatte. Immer wieder waren leise Flüche in Herendia zu hören. Sie waren sich kaum ein paar Minuten bekannt, da hatte er von der Dunklen schon vollkommen die Nase voll.

Immer weiter nach Westen ging es. Zwischendurch pfiff Xanast einige seltsam anmutende Töne, die entfernt an den Schrei einer Eule erinnerten. Gab er so anderen Schattenkriegern in der Nähe Meldung, dass sie sich näherten? Oder pfiff er einfach nur aus Lust und Laune? Nur Luzien dürften die Laute gerade so bekannt vorkommen, aber auch für ihn würde es schwer sein, sie zu deuten.

Die Dunkelelfe spürte langsam schon eine leichte Müdigkeit, die sich in ihrem gesamten Körper breit machte, doch sie musste weitergehen, um nicht ohnmächtig zu Boden zu fallen und zu erfrieren. Aber auch ihr Arm fühlte sich langsam taub an, da der Griff des Justiziars so eisern war. Und wäre das alles noch nicht schlimm genug, meldete sich auch wieder ihre Hüfte schmerzlich zu Wort. Heute war wirklich ein sehr schlechter Tag für eine Wanderung.
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Luzien » Mittwoch 23. März 2011, 14:01

Noch während er sich stumm mit seinem Kameraden unterhielt, machte die Dunkelelfe wieder lautstark auf sich und die Tatsache, dass sie sich langweilte aufmerksam. Anscheinend hatte sie es mit ihrer eigenen Hinrichtung so eilig wie nur irgend möglich. Luzien unterdrückte den Aufschrei, der in ihm heran wuchs, rollte mit den Augen und wandte sich ruckartig wieder Raye zu. “Leider weiß unsere Freundin nicht, wann es besser ist zu schweigen,“ zischte er kurz und drehte sich zurück zu dem anderen Nachtelfen. Auf die Idee, ihr die Zunge heraus zu schneiden, war er gar nicht gekommen, aber verlockend war das schon. Endlich ruhe von dieser vorlauten Göre ... Folter war von jeher ein Werkzeug der Justiziare, darin waren beide Krieger bewandert. Auf was für dünnem Eis sich die Elfe grade bewegte, war ihr anscheinend gar nicht klar. Nun wie denn auch, schließlich arbeitete diese Zunft im verborgenen. Sie ist es nicht wert. Ein bockiges, kleines Kind, mehr nicht.
Zumindest schien Xanast mit Luzien überein zustimmen. Der Mann war ein kluger Kopf und verstand sich auf die Dringlichkeit von Notsituationen. Das es bereits Angriffe der Schwarzhäute im Arus gab, erschreckte Luzien bei weitem mehr, als es sein Kamerad wohl geplant hatte. Wenn diese schwarzen Bastarde, wie Xanast sie so passend bezeichnet hatte, bereits auf dem Weg ins Reich waren, dann musste er so schnell wie möglich nach Hause. Der Gasthof lag an der Oberfläche. Wenn die Orks und Dunkelelfen sich dazu entschließen würden, dass Reich zu belagern, so wäre das alte Steingebäude kaum ein Schutz! Als sein Freund mit seinem Bericht geendet hatte, schüttelte Luzien langsam den Kopf. “Wenn es nach mir ginge, würde ich jede dieser widerwärtigen Kreaturen eigenhändig töten. Aber im Moment ist es wohl das wichtigste, Méntara zu benachrichtigen. Es ist und bleibt ihre Entscheidung, wie sich die Nachtelfen verhalten werden!“ Es hieß ja, dass die Nacht- und Dunkelelfen einst das selbe Volk waren. Auch wenn die Beziehungen zwischen beiden immer recht angespannt war, so blieb die Möglichkeit, dass die Anführerin sich mit dem Dunklen Herrscher verbündete. Manthalas erste Tochter, zusammen mit Faldors ersten Sohn. Schon der Gedanke bereitete dem Elf einen unangenehmen Schauer. Sich mit den Schwarzen zu verbünden würde schlimm enden, da war sich Luzien sicher, aber wenn es Méntaras Wille war, so würde er gehorchen. Das war der Kodex seines Standes. Gehorsamkeit bis in den Tod und darüber hinaus.
Der Vorschlag aufzubrechen fand bei Luzien auf Zustimmung und wortlos nickte er nur mit dem Kopf. ER ging jedoch zuerst zu dem Kadaver des Wolfes und zog diesem mit einem schmatzenden geräusch den Pfeil aus dem Schädel. Nachdem er das Geschoss am Fell des toten Tieres etwas gereinigt hatte, steckt er ihn in seinen Gürtel. Luzien stand nun in der Schuld seines Mitstreiters, der Pfeil war ein Zeichen dafür. Wenn diese Schuld beglichen war, würde Xanast ihn zurück bekommen. “Ich dachte eigentlich, Arinna sei in Zyranus untergetaucht. Wen haben sie stattdessen dorthin geschickt?“ Er versuchte es mit einer munteren Plauderei, einfach um die vielen düsteren Gedanken ein wenig zu verscheuchen. Mit dem Anflug eines Lächelns bemerkte er, wie auch Xanast sich mit der Dunkelelfe abmühte und folgte den beiden. Es war recht angenehm zu sehen, wie sich jemand anders mit der Schwarzen abmühte. “Das bringt nichts,“ meinte er beiläufig und grinste nun tatsächlich “Die ist schlimmer als jeder Esel, wenn du sie mit Gewalt mitzerren willst, wirst du nicht sehr weit kommen.“
Damit sollte er wohl recht behalten, denn es dauerte nicht besonders lange, bis auch Xanast vollkommen entnervt zu sein schien. Er hatte ihn ja gewarnt. Sein Orientierungssinn sagte Luzien, dass es ungefähr nach Westen ging, also folgten sie dem direkten Weg zurück ins Reich. Sein Blick war aber nicht mehr auf den Boden oder das Unterholz gerichtet, sondern schweifte suchend durch die Baumkronen und hohen Äste, so als würde dort oben irgendetwas lauern. Grund dafür waren die Pfiffe von Xanast. Er gab damit Kommandos, aber für Luzien schienen es zu viele zu sein, als dass nur ein weiterer Justiziar auf sie wartete. Stumm fragte er sich, wie viele seiner Zunftbrüder nepochal wohl ausgesandt hatte, um ihm zu helfen?

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Raye-Lin Sarlathza
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Mittwoch 23. März 2011, 16:16

Raye öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch wurde sie jäh durch die Grobheit des Fremden unterbrochen. Dieser packte sie mit eisernem Griff am Arm und zog sie mit sich. Zwar versuchte die Dunkle sich zu wehren und bemühte sich, sich gegen sein Gezerre zu stemmen, doch der NAchtelf hatte einiges mehr in den Armen, als sie im gesamten Körper.
Unbarmherzig zog man Raye-Lin mit sich und die Elfe gab es schließlich nach einiger Zeit auf sich wehren zu wollen. So stolperte sie unbeholfen über die Äste und Wurzeln am Boden, drohte hin und wieder zu stürzen, wurde jedoch von der eisernen Hand des Elfen immer davon abgehalten. Ihre Hüfte schmerzte höllisch und dennoch hatte sie keine andere Wahl, als mit zu gehen.
Während die drei ihren Fußmarsch fortführten, fragte sich Raye, was der Grobian, der ihren Arm abquetschte und es sicherlich genoss, für seltsame Töne pfiff. Zwar wusste sie nicht, dass es sich hierbei um eine Sprache handelte, doch konnte sie sich bei weitem nicht vorstellen, dass der Mann nur so zum Spaß pfiff. Nach einer ganzen Weile des Schweigens, sah Raye dann zu Luzien und lächelte leicht. Offenbar hatte sie sich fürs Erste mit ihrer Situation abgefunden und wohl auch ein relativ angepasstes Tempo angenommen. "Justiziare, hm?" machte Raye und das Schmunzeln in ihrem Gesicht verschwand nicht. "Ich meine.. ihr seid ein Mythos. Schon ziemlich genial lebende Beweise zu haben..." Es war kein Spott in ihrer Stimme, oder Verachtung. Im Prinzip meinte die junge Elfe es genau so wie sie es gesagt hatte. Während ihrer Zeit bei den Nachtelfen hat sie viele Geschichten über die Streiter des Reiches gehört und die anderen Kinder haben ihr viel darüber erzählt und sich gegenseitig damit angst gemacht. Während Raye darüber nachdachte und unweigerlich erneut an die Erlebnisse ihrer Kindheit erinnert wurde, wurde ihr Blick verklärt und das Lächeln verschwand aus dem irgendwie zerbrechlich wirkenden Gesicht. Der Blick zu Luzien brach ab und sie blickte auf den Weg vor sich.
Was geschah hier eigentlich? Alles war so surreal und verworren. War sie nicht aufgebrochen, um eben nicht mehr ins Reich zurückzukehren? Wollte sie nicht weg, weil sie sich dort auch nicht mehr heimisch fühlte? Und was war nun? Sie befand sich in der Hand von zwei Nachtelfen, die meinen sie hätten einen grandiosen Fang gemacht, weil sie zufällig eine Dunkle ist und war drauf und dran zurück ins Reich zu gehen, um was zu tun?! Dort zu sterben, weil sich die beiden Hornochsen neben ihr einredeten, sie wäre gefährlich? Irgendwie war das alles so lächerlich, dass sie anfing erst zu grinsen und dann zu lachen. Sie lachte, nicht sehr laut, aber sie lachte. Was kam jetzt? Ein Totalausfall ihrer Selbstkontrolle? Völlig entkräftet verlor Raye immer wieder die Bodenhaftung und stolperte häufiger. Ihre Hüfte pochte erbarmunsglos und ihr wurde schwindelig. Alles drehte sich um sie herum und plötzlich traten auf ihre Stirn kleine Schweißperlen und sie fing an zu zittern.
Irgendwann musste es so kommen: Der Körper begann sich selbst zu therapieren. Die Folge war nun, dass Raye Fieberschübe bekam, die erst nicht weiter beachtenswert waren, doch mit der Zeit sicherlich zu Halluziantionen und Wesensveränderungen führten. Für ihren Zustand hatte die Dunkle viel mehr durchgehalten, als es typisch gewesen wäre, doch allmächtig und belastbar ohne Konsequenzen, war sie nicht. Zudem kam, dass sie sich in einer ernsten Lage befand und die beiden Männer sich einen Dreck um sie scherten. Vermutlich würden sie sie auf der Stelle töten, wenn sie jetzt um Pause und Wasser bat.
Raye ging davon aus, dass sich die beiden nicht um sie scherten, da sie sich unterhielten - worüber war ihr recht egal. Eilig wischte sie mit ihrem Ärmel über ihre Stirn und hoffte, dass sie beiden einfach zu vertieft in ihr Gespräch waren, um sich groß darum zu kümmern.
Doch als wäre das nicht genug, sah Raye immer wieder doppelt. Ihr Blick verschwamm und sie hustete ab und zu. Die Rückkehr ins Reich der Nachtelfen war ihre eizige Chance, stellte sie dann resigniert fest. Sie hoffte, jemand würde sie erkennen und ihr - in welcher Form auch immer - zu Hilfe eilen, damit diese beiden Idioten nicht etwas taten, was ihr das Leben kosten würde und ihnen egal wäre.
Also bemühte sich die junge Dunkelelfe um absolutes Stillschweigen und gab sich alle Mühe zu überspielen, dass sie dabei war ernsthaft zu erkranken.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Gestalt » Freitag 25. März 2011, 00:28

Xanast ging mit schnellen Schritten voran. Ihm war es momentan mehr als egal, ob die Dunkelelfe gut mitkam oder nicht. Zwischendurch wechselten er und Luzien einige Worte. “Ich dachte eigentlich, Arinna sei in Zyranus untergetaucht. Wen haben sie stattdessen dorthin geschickt?“ Xanast grinste wissend. Im Gegensatz zu Luzien war er nicht andauernd unterwegs und bekam daher viel mehr aus dem Reich mit. „Das glauben alle, aber das war natürlich nur eine Finte. In Wahrheit patrouilliert sie durch den Wald und spürt Eindringlinge auf.“ Ein weiteres Grinsen huschte über die Gesichtszüge des Schattenkriegers. Er wusste, das Luzien darauf brannte, den Namen seines Kollegen zu erfahren. „Die Justiziarin, die sich momentan in der Magierstadt aufhält, dürfte dir recht bekannt sein. Es ist Sidaira.“ Jetzt war die Katze aus dem Sack. Das hätte wohl keiner so recht erwartet.

Immer wieder schielte er böse zu Raye, die immer noch in seinem Griff hing. Oh ja, mit der würde er noch seinen makabren Spaß haben. Im Verhören machte ihm so leicht keiner was vor. Und auch nicht was die „anderen“ Nebenbeschäftigungen eines Schattenkriegers angingen. Er leckte sich über die Lippen. Für einen dieser Elite-Krieger war er schon übermäßig grausam und ging auch oftmals über Leichen. Wenn er nicht so blasse Hautfarbe hätte, könnte man ihn auch mal glatt mit einem Dunkelelfen verwechseln.

Immer wieder pfiff er, doch bisher blieben Antworten aus. Dann bemerkte er, wie die Gefangene sprach: "Justiziare, hm? Ich meine.. ihr seid ein Mythos. Schon ziemlich genial lebende Beweise zu haben...“ Überrascht drehte er sich zu ihr um, sah ihr boshaft in die Augen. „Wie bitte? Woher kennst du die Geschichten über uns?“ Ihn verwunderte es schon wieder, dass eine Dunkle so gut über sie Bescheid wusste. Sein Gesichtsausdruck verhieß jetzt schon nichts gutes. Doch ohne ein weiteres Wort zu sagen, geschweige denn ihr irgendwas zu tun, zog er sie eilig weiter.

Wieder eine gute Strecke später waren bei Raye die ersten Anzeichen von Fieber zu erkennen. Das „Bad“ im sumpfigen Gebiet forderte nun seinen Tribut. Seit jeher raffte der Mashmoor ungebetene Gäste mit Krankheiten dahin.
Sie wurde langsam unkonzentrierter und stolperte deshalb häufiger. „Verflucht nochmal! Kannst du nicht normal laufen?“ Die benahm sich wirklich unmöglich, aber er zog sie ja auch nicht gerade mit Samthandschuhen durch die Botanik. Sie fühlte sich von Minute zu Minute schlechter, war aber zu stolz, um eine Pause zu erbitten. Selbst einen Funken Ehre besaß sie noch. Vor den beiden Schattenkriegern wollte sie zumindest nicht freiwillig zu Kreuze kriechen. Doch sie wusste, dass sie den Marsch nicht überstehen würde, wenn das noch so weiterging.
Da fiel auch Xanast ihr Zustand auf: „Mist! Die Dunkelelfe hat sich was eingefangen! Wir müssen schnelleren Schrittes gehen, sonst krepiert die uns hier noch und wir können wichtige Informationen vergessen!“

Da ertönte ein Pfiff in unmittelbarer Nähe. Kaum war dieser verstummt, konnten alle eine, in Rayes Fall zwei Personen, erkennen, die sich ihnen mit schnellen Schritten näherte. Arinna! „Ich glaube nicht, dass dieses Individuum irgendwelche relevanten Informationen hat.“ Sie näherte sich ihnen. „Lange nicht mehr gesehen, Luzien“, sagte sie freundlich, bekam dann jedoch leicht rosige Wangen, als sie ihn zu lange ansah und wandte sich sogleich der Dunkelelfe zu. „Sie hat Fieber“, erklärte sie nach kurzer Untersuchung. Sie wühlte in einer ihrer zahlreichen Taschen ihres Umhangs herum und zog eine lederne Feldflasche hervor. „Trink das hier, das hilft“, erklärte sie in Dunkelelfensprache und hielt die Flasche an Rayes Lippen. Widerspruch war nicht drin. Das sie aber auch in Herendia miteinander hätten kommunizieren können, wusste sie ja nicht.

Der Trank brannte unangenehm im Hals, doch nun stieg in ihr eine mehr als behagliche Wärme auf. „Weißt du überhaupt, was du da tust? Du hilfst einer Dunklen!“, empörte sich Xanast. „Und du weißt nicht, was für eine Dunkle ihr hier auf gegabelt habt! Ich erkenne sie! Nur war sie immer mit diesem Jäger, Nexor oder wie der hieß, unterwegs!“, konterte die Nachtelfe gekonnt.
Xanast winkte daraufhin trotzig ab. „Pah, das glaube ich kaum! Das beweist rein gar nichts!“, ereiferte er sich kurz und lautstark, doch als er den mahnenden Blick von Arinna auf sich ruhen spürte, schwieg er. Luzien könnte an dieser Stelle noch einige Einwände kundtun, ein Schweigen wäre aber auch nicht verkehrt. Außerdem würde er noch das Lächeln und das rot werden von Arinna verarbeiten müssen. Für ihn waren solche Gesten nicht gerade alltäglich.

„Gehen wir jetzt, oder wollen wir dastehen bis uns Wurzeln wachsen, hm?“ Sie senkte ihren prüfenden Blick auf die Dunkelelfe, welche gerade noch so aufrecht stehen konnte. Man konnte von dem muskulösen Soldat nur ein Schnauben hören, zustimmend, aber nicht gerade freundlich. „Xanast, sie wird es zu Fuß nicht schaffen. Du musst sie tragen.“ Der Schattenkrieger zuckte zusammen. Sie wollte das er was tat? Sie tragen? „Warum bringen wir sie nicht gleich um?“, grummelte und fluchte er leise auf Lerium vor sich hin, aber alles lamentieren half hier nichts. Er nahm sie auf seine Arme.

Und wieder machten sie sich auf den Weg. Und während des Marsches warf Arinna Luzien immer wieder flüchtige Blicke zu.
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Luzien
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Luzien » Freitag 25. März 2011, 20:19

Während sie so durch den immer dichter werdenden Wald liefen, fummelte Luzien an seiner Provianttasche herum und förderte seinen Weinschlauch hervor. Der Name passte hier wohl wenig, denn er war mit bloßen Wasser gefüllt, da der Nachtelf keinen Alkohol vertrug und daher die Finger von dem Faldor-Zeug lies. Es dauerte ein wenig, bis er den Schraubverschluss mit seiner tauben Hand geöffnet hatte. Das er sie noch bewegen konnte, bedeutete dass sie nicht schlimmer verletzt war, aber es blieb unpraktisch. Vor allem wenn man es gewöhnt war, Dinge immer mit beiden Händen gleichzeitig zu machen.
Wie das kalte Nass seine kehle herunter rann, fühlte sich erfrischend und belebend zugleich an. Luzien nahm mehrere tiefe Schlücke. Beim letzten jedoch verschluckte er sich und musste husten. Leicht nach vorne gekrümmt, versuchte er schritt zu halten, aber um ihn herum schien sich alles zu drehen. Nicht Gier oder Ungeschick waren Schuld an dem Malheur, sondern das, was Xanast soeben unabsichtlich verkündigt hatte. Noch immer leicht husten legte der Nachtelf einen Schritt zu, um den Abstand zu verringern. “Sidaira…?“ nuschelte er um Haltung ringend, ohne einen Schimmer der Besorgnis verbergen zu können. “Meine kleine Sisi? Das ist doch Wahnsinn, ein so junges und unerfahrenes Ding zu den Magiern zu schicken!“ Luzien hatte, ohne es zu wollen, die Stimme deutlich gehoben. Dabei lag ihm nichts daran, seinen Begleiter deswegen anzuschreien. Er war schließlich nur der Bote und nicht die Ursache dafür, dass seine Nichte – und sein Famuli – in der undurchschaubarsten Stadt der bekannten Welt war. Außerdem malte er sich grade alles viel schlimmer aus, als es war. Sidaira war kein kleines Mädchen mehr, sie war immerhin schon über 40 und gehörte zu den tödlichsten Personen, denen der Justiziar jemals begegnet war. Trotzdem, sie war Familie. Da machte man sich als treusorgender Onkel nun mal Gedanken. “Na ja, immer noch besser als Morgeria oder Estria.“ Damit beruhigte er sich mehr, als das er den anderen zur Kenntnis gab, dass sein kurzes Aufbrausen sich wieder gelegt hatte.
Eine weile ging es schweigend weiter, womit der Nachtelf nicht unglücklich war. In seinem kopf legte er sich bereits die Worte zurecht, die er vor Nepochal oder vielleicht sogar - und das Schicksal mögen ihn davor behüten – Méntara persönlich zur Sprache bringen würde. In seiner Stellung stand es ihm natürlich nicht zu, die eigene Meinung in so etwas mit einfließen zu lassen, zumal die Entscheidung ohnehin nicht bei ihm lag. Trotzdem war es wichtig, das seine Worte wohl bedacht waren. Dann jedoch meldete sich die Dunkelelfe wieder zu Wort, was Luzien aus seiner Gedankenwelt riss. Doch noch bevor er etwas sagen könnte, um die Worte zu revidieren, hatte sich schon Xanast zu Wort gemeldet. Als hätte er Kopfschmerzen fuhr sich Luzien über das weiße, teilweise mit Blut verschmierte, Gesicht. “Justiziare? Ich habe nicht die geringste Ahnung wovon du da redest. Wir sind Schattenkrieger. So etwas wie Justiziare gibt es nicht. Ein Ammenmärchen, dass kleinen, adeligen Nachtelfen erzählt wird. Wenn du die Familie enttäuschst, wird dich eines Nachts ein Justiziar mitnehmen und für immer in eine Höhle sperren. Was natürlich die Frage aufwarf, woher das Gör dieses Wort überhaupt kannte. Wer nicht selber ein Nachtelf war, konnte nichts über die hundert Schatten der Anführern wissen. Das hielt Luzien aber nicht davon ab, seinem Zunftbruder einen vernichtenden Blick zuzuwerfen. ER war sich sicher, dass keiner der beiden so töricht gewesen war, das Wort fallen zu lassen, aber mit seiner Antwort hatte Xanast indirekt bereits zugegeben, dass sie recht hatte mit ihrer Vermutung. Woher kennst du die Geschichten über UNS ... warum sagst du nicht gleich, „Ja, die Geschichten sind alle Wahr und außerdem bekommen wir eine hervorragende Entlohnung !“? Über eine solche Torheit, konnte er nur den Kopf schütteln, auch wenn er seinem Kameraden keinen Vorwurf machen konnte. Ein einziges unbedachtes Wort konnte manchmal schlimme Folgen haben und jedem konnte ein Missgeschick geschehen. Solange es nur nicht zur Gewohnheit wurde!
Je länger sie durch den Arus marschierten, desto mehr schien sich die Verfassung der Gefangenen zu verschlechtern. Das konnte natürlich auch an der Art liegen, wie Xanast sie da hinter sich her zog. Als wäre sie ein Sack Kartoffeln mit Beinen. Natürlich, vor nicht allzu langer Zeit hatte er selbst Raye nicht besser behandelt, aber über einen wesentlich kürzeren Zeitraum und er hatte auch akzeptiert, dass sich die Elfe nicht wie ein kleines Kind am Arm hinterher ziehen lassen wollte. Wie sie da torkelte gefiel Luzien ganz und gar nicht. Das abgemagerte Ding schien einer Ohnmacht nahe zu sein, auf ihrer Stirn perlten Schweißtropfen. Nein, der ging es überhaupt nicht gut. “Vielleicht sollten wir eine kurze Pause einlegen. Ich hab sie erst vor kurzem aus einem Sumpfloch gezogen und da konnte sie sich kaum aufrecht halten.“ Nachdem der andere Nachtelf ein wenig laut und grob geworden war, fühlte sich Luzien dazu verpflichtet, dies zu sagen. Es nützte keinem, wenn die Schwarzhaut hier durch Erschöpfung krepierte.
Kaum waren die Worte ausgesprochen, als ein Pfiff die Ankunft eines neuen Begleiters ankündigte. Dort wo kurz zuvor nichts außer Gestrüpp und niedrigen Ästen gewesen zu sein schien, trat eine recht hübsche Nachtelfe aus dem Unterholz. Arinna. begrüßte Luzien eine weitere Zunftschwester knapp und nickte ihr freundlich zu. Eine herzhafte Umarmung wie bei Xanast blieb aus, da die Euphorie nun nicht mehr so stark anstieg. “Sogar sehr lange.“ Umsichtig machte Luzien einen Schritt zurück, während sich die Nachtelfe um Raye kümmerte und begann sein Handgelenk zu massieren. Vielleicht sollte er Arinna darum bitten, sich seine Verletzungen anzusehen, wenn sie mit der Schwarzhaut fertig war. Von allen anwesenden verstand die Nachtelfe sich am besten auf Verletzungen und Erkrankungen. Andererseits hatte das bestimmt noch Zeit. Solange er keine Schmerzen hatte und alles bewegen konnte, war es auszuhalten.
Daraufhin verfolgte er stumm, aber nicht ohne ein leichtes Schmunzeln, den kurzen Schlagabtausch zwischen Justiziar und Justiziarin, den Arinna mit einem klaren Sieg beendete. Auch wenn er sich im Moment nicht ganz sicher war, wahrscheinlich auf seinen eigenen, nicht sonderlich guten Zustand zurück zu führen, meinte er sich vage zu erinnern, dass die beiden irgendwie miteinander zutun hatten. Ein Wenig ähnlich sahen sie sich ja schon. Auch egal, wenn da irgendetwas dran war, würde er sich schon noch erinnern. “Du bist dir da auch vollkommen sicher Arinna?“ fragte er stattdessen und betrachtete misstrauisch das Gesicht der Dunkelelfe, ob sie irgendeine Regung zeigte. “Ich kenne Nexor vom sehen her. Sisi hat einen Bogen von ihm. Dieses Fossil ist doch schon uralt, der müsste eigentlich längst bei unseren Vorfahren ruhen.“ Er schnalzte mit der Zunge, zum Zeichen dass das Thema für ihn beendet war und nicht weiter erörtert werden musste
Auf Arinnas Kommando setzte der kleine Trupp sich wieder in Bewegung. Im vorbeigehen schlug Luzien Xanast kameradschaftlich gegen die Schulter. “Wenn ich nicht selber Probleme damit hätte, Mich weiter durchzuschlagen, würde ich sie dir abnehmen. Danke Bruder.“ Nicht das die beiden auch nur im entferntesten verwandt waren, aber Luzien hatte die Angewohnheit, ihm gleichgestellte Nachtelfen mit Bruder oder Schwester anzusprechen. Wieder bildete der Elf den Schluss des Zuges, wie es für ihn üblich war. Zu führen, andere anzuführen, war nicht sein Ding. Lieber arbeitete er alleine oder nahm Befehle entgegen. Dann konnte niemand anders ihm Schuld an etwas geben. Unwillkürlich bemerkte er dabei, dass Arinna ihm recht oft verstohlene Blicke zu warf, tat aber so, als würde er davon nichts merken. Das war weder der richtige Ort, noch die Zeit für solche Gedanken.

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Raye-Lin Sarlathza
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Freitag 25. März 2011, 21:44

Als sich Xanast vor ihr aufbaute, war sie kaum in der Lage zurück zu zucken. Im Prinzip gekam sie alles nur im Dämmerzustand mit, dennoch öffnete sie den Mund, um etwas zu sagen, als auch Luzien schon das Wort erhob. Ein leichtes, lediglich angedeutetes Lächeln, stahl sich auf die Lippen der Elfe: "Blöde... Situation, hm?" hustete sie und holte verkrampft Luft. Das Fieber erlangte mehr an Stärke. "Justiziare oder Schattenkrieger - das macht keinen Unterschied..." zuckte sie mit den Schultern und widmete sich kurz ihrem Körper, der vor Schmerzen schrie. Ihre Augen schlossen sich wie von alleine und sie schaffte es kaum, sie wieder aufzumachen, geschweige denn richtig zu sehen.
Auch während des weiteren Marsches besserte sich ihre Verfassung nicht. Im Gegenteil: Ihr Körper wurde immer häufiger von Schüttelattacken gebeutelt, die sie nur noch öfter stolpern ließen. Als der Nachtelf sich aufbrausend umdrehte, durchzuckte die Elfe ein Schmerz, der ihren gesamten Arm taub werden ließ. Sie verzog vor Schmerzen das Gesicht und versuchte dann einen bitterbösen Blick aufzusetzen was ihr jedoch kläglich misslang. Als Luzien vorschlug, dass sie eine Pause einlegen sollten, warf die Dunkle ihm einen kurzen Blick zu. Was waren denn das für sanfte Töne? Doch wurden ihre Gedanken jäh unterbrochen, als ein Pfiff ertönte und eine weitere Nachtelfe aus dem Dickicht trat. Soweit Raye erkennen konnte, war sie anmutend, doch für alles weitere fehlte ihr momentan die Geduld. Die Hellhäutige kam auf sie direkt zu, was Raye dazu veranlasste, sich etwas aufrechter hinzustellen, da sie ja unmöglich wissen konnte, was jetzt kam.
Die Nachtelfe, die wohl Arinna hieß, flößte ihr ohne Umschweife einen Trank ein, der Raye husten ließ. Sie wischte sich kurz über die Lippen und krümmte sich etwas, als sie sich dann doch etwas besser fühlte. Eine Wärme durchströmte ihren Körper, die ihr ein wenig Auftrieb gab. Doch die Wirkung war nicht von langer Dauer, denn nachdem der sadistische Elf sie losgelassen hatte, verlor sie das Gleichgewicht und brauchte einen Baum, der sie vor dem Sturz rettete. Immer wieder wischte sich die Dunkle über die Stirn um die Schweißperlen zu vertreiben, was jedoch wenig nützte.
Dann jedoch wurde Raye von Arinna's Worten abgelenkt: Sie erwähnte, dass sie sie kannte und auch Nexor kam in ihrer Erklärung vor, was Raye aufblicken ließ. Argwöhnisch warf sie der Elfe einen Blick zu, der sofort zu Luzien glitt, als dieser seine Äußerungen über ihren einstigen Mentor machte. Auch wenn die Dunkelelfe wütend war über die Respektlosigkeit von Luzien, so trat in ihr Gesicht lediglich Verletzung und Schmerz. Nur für Sekunden weilte der Blick der Dunklen im hellen Gesicht, als sie auch erneut von Fieberschüben geschüttelt wurde. Sofort verkrampften sich die dürren Arme um ihren Körper und sie bemühte sich nicht all zu elend auszusehen.
Als die hübsche Nachtelfe meinte, Xanast müsste sie tragen, drangen sofort Töne des Protestes aus Raye's Mund, die jedoch in der Luft zerpufften. Der grobe Schattenkrieger murmelte wütend in sich hinein, als er die Dunkle auf die Arme hob. Raye hingegen hatte gerade noch Zeit sich unwohl zu fühlen, als ihr Körper dann auch die Notbremse zog und sie in ein Delirium versetzte. Im Dämmerzustand und leblos in den Armen hängend, bekam Raye dumpfe Worte und Geräusche mit, die ihr Geist jedoch nicht mehr in richtige Bahnen lenken konnte. Sie war wach und doch auch in völliger Dunkelheit. Ihr Geist kapitulierte vor dem Körper und gab sich auf.

Während des weiteren Marsches, hörte Raye dumpfe Geräusche, sah dunkle Schatten, verstand aber nicht was vor sich ging. Einzig und alleine Nexor war bei ihr und schien über sie zu wachen. Immer wieder murmelte sie unverständliches Zeug, lächelte ins Leere und machte Gesten, als würde sie nach etwas greifen. In weiter Ferne stand ihr Mentor und lächelte ihr zu. Dann kam er näher und das Lächeln wurde breiter. Vertrau ihnen, Raye-Lin. Du kannst ihnen vertrauen." redete er ihr zu, doch Raye glaubte nicht daran. Und dann hatte sie wohl - was an und für sich schon recht eigenartig war - einen ganz klaren Moment im Delirium: Ihr Lächeln verschwand aus dem Gesicht und sie gab auf nach 'etwas' greifen zu wollen. "Nein. Du bist tot und ich alleine!" gab sie von sich und war dabei auch in der Sprache klar. Dann sackte ihr Kopf zurück und hing seltsam überstreckt über der Armbeuge des Nachtelfen. Wer sie genauer betrachtete, durfte feststellen, wie eine Träne über ihre Stirn zur Seite weglief und auf den eisigen Boden tropfte.
Raye's Körper hatte die nächste Stufe der Heilung erreicht: Die Ohnmacht.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 30. März 2011, 11:26

Der Marsch ging unermüdlich weiter. Arinna drängte alle zur Eile, es war auch für Raye überlebenswichtig. Sie lag fiebrig in den Armen des Justiziars. Dieser hatte zwar das Fluchen eingestellt, aber sein Gesichtsausdruck verriet immer noch, dass er mit seiner Aufgabe alles andere als zufrieden war. Wenn seine Justiziar-Kollegin recht hatte, dann waren sie geradewegs über Nexors Begleiterin und quasi Ziehtochter gestolpert. Wird dann wohl doch nichts mehr mit der Beförderung... Pah! Dachte Xanast säuerlich und atmete einmal scharf aus. Nicht, dass er das wirklich glaubte. Für ihn war sie immer noch eine Art Verbrecherin, die versucht hatte seinen Kollegen Luzien zu ermorden.

Immer wieder hörte die Dunkelelfe in ihrem Kopf die Stimme ihres alten Mentors, der ihr zu verstehen geben wollte, dass sie den Schattenkriegern vertrauen konnte. Sie dementierte es zwar, aber im Endeffekt wäre es sowieso sinnlos gewesen, sich gegen den Entschluss der Nachtelfin aufzulehnen. Sie würden das Reich betreten, selbst wenn Raye den Entschluss gefasst hatte, es hinter sich zu lassen.
Der Trunk, der ihr verabreicht wurde, brannte noch in ihr, doch die Wirkung wurde von Minute zu Minute schwächer. Nicht mehr lange und ihr würde wieder unbeschreiblich kalt werden.
Dann kurz darauf setzte auch schon die für sie rettende Ohnmacht ein und ihr Körper, der sich vorher immer etwas verkrampft hatte, wurde langsam lasch. Das blieb dem Justiziar, der sie trug, nicht verborgen. Er zog überrascht eine Augenbraue hoch. In seinem Blick spiegelte sich Verwirrung wieder. „Hey, wir sollten zusehen, dass wir schleunigst zurückkommen! Unsere kleine Schwarzhaut hier ist schon so schlapp wie ein entgräteter Fisch und diesmal war ich's nicht!“, bemerkte er so nebenher. Damit machte er von vornherein klar, dass er mit dem derzeitigen Zustand der Dunkelelfe nichts zu tun hatte.
Zwar waren die Proteste der Dunklen recht störend gewesen, doch jetzt umfing die kleine Gruppe eine absonderliche Stille. Xanast atmete auf. Auch für ihn war es eine Entlastung, da ihre andauernden Quängeleien seinen eh schon kurzen Geduldsfaden fast zum zerreißen gebracht hatten „Dann sollten wir das Tempo mal etwas erhöhen, bevor sie uns wirklich wegstirbt“, gab Arinna hastig zurück und beschleunigte nun auch. Luzien würde sich ins Zeug legen müssen, um Schritt zu halten. Man konnte schon meinen, dass sie rannten.

Doch er war nicht umsonst einer der Besten, die jemals zu einem Schattenkrieger geworden waren. Nach einer Weile war er gleichauf mit Arinna. „Ich glaube, wir legen eine Pause in dem Gasthof deiner Mutter ein. Außerdem kann ich mir da auch mal deine Verletzungen anschauen, bevor sich noch was ernsthaft entzünden kann“, sie deutete auf die Kampfspuren, die der Wolf hinterlassen hatte. Dieses Mal errötete sie nicht, ihr Gesichtsausdruck war ernst.

Obwohl sie offiziell zu den Schattenkriegern gehörte, war sie dennoch eine begnadete Heilerin, die schon vielen Zunftbrüdern und Schwestern aus der Misere geholfen hatte. Und ihre Arbeit nahm sie sehr ernst. Einmischungen konnte sie nicht wirklich gebrauchen, ebenso wenig wie Widerspruch. Sie würde sich das ansehen, ob er nun wollte oder nicht. „Außerdem möchtest du doch nicht so vor Nepochal treten, oder?“ Sie kicherte leise und lächelte Luzien wieder verschmitzt an. Dem Anschein nach schien sie wirklich einen Narren an ihm gefressen zu haben. Ob das Zufall war?

Ihr war natürlich sofort aufgefallen, dass er die Rüstung eines getöteten Dunkelelfen trug. Schon allein an der Verarbeitung, das konnte nur dunkelelfisch sein. Und jetzt, da diese Schwarzhäute vermehrt die Wälder unsicher machten, war es vielleicht besser, sich ihrer wieder zu entledigen, bevor man ihn versehentlich für einen Feind hielt. Da würde er sich wirklich umziehen müssen, da Nepochal, zumindest was Dunkelelfen betraf, äußerst launisch werden konnte. Ihm würde ein eventuelles Bündnis mit dem dunklen Volk zwar mehr als missfallen, hätte aber als loyaler Soldat keine andere Wahl, als das Bündnis, sollte es je zustande kommen, zu akzeptieren.

Von alledem bekam Raye nichts mit, sie wanderte durch die undurchsichtige Finsternis und Abgründe ihrer absonderlichen Fiebertraumwelt. Sie hörte keine Geräusche von außen, sondern war vollauf mit der wirren Fantasie ihrer Gedanken beschäftigt. Immer wieder hörte sie Nexors Stimme, der ihr einschärfte oder es zumindest versuchte, auf die Nachtelfe zu hören, da es sonst aus mit ihr wäre. Sie könnte sie retten, wenn sie ihr vertrauen würde.

Sie rannten noch eine ganze Weile, bis sie an einem Steingebäude ankamen, der Gasthof, den Luziens Mutter führte. Dem Anschein nach, waren die dunkelelfischen Späher noch nicht so weit vorgedrungen. Der Grund dürfte wohl die hübsche Anzahl an Wachen sein, die das Gebäude bewachten. Keine Schattenkrieger, sondern einfache Stadtwächter, wohl von der Anführerin dort abkommandiert, um zu verhindern, dass es geplündert werden konnte.

„Halt! Wer da?“ Einer der Wächter stellte sich den Ankommenden in den Weg. Er war für einen Nachtelfen recht groß und trug eine lederne Rüstung und ein Langschwert, sowie eine Lanze. Dann jedoch zuckte er aber sofort zurück, als er sie als Justiziare erkannte. „Verzeiht, aber ich hielt euch für feindliche Späher.“ Arinna beschwichtigte mit einer Geste, während Xanast düster drein blickte. Ihm gefiel es überhaupt nicht, mit einem Dunkelelf verwechselt zu werden. „Schon gut.“ Sie nahm es dem Soldaten nicht krumm, schließlich tat er nur seine Pflicht, wie sie alle auch. Der Soldat druckste etwas herum. Ihm war es mehr als peinlich.
Sein Blick fiel nun auf Raye, die wie tot und vollkommen schlaff in Xanasts Armen hing. „Und die da?“, fragte die Wache, mit einem etwas misstrauischen Seitenblick auf die ohnmächtige Dunkelelfe. „Kommt erst mal rein, damit sie sich erholen kann“, antwortete Arinna trocken, sah jedoch nochmals zu Luzien hinüber und schob sich dann in Richtung Tür.

Sie wusste nicht, wie sich ihr Begleiter nun fühlte, da er ja endlich wieder zu Hause war und vor allem seine Mutter und seine Schwestern wiedersehen konnte. Bestimmt war er trotz allem, auch wenn er bei seinem Auftrag gescheitert war, glücklich, wieder ihm bekannte Gesichter zu sehen.


[Oot: Die Gruppe hat jetzt das Gasthaus erreicht – Raye ist in eine Art Traumwelt eingetaucht und bekommt das, was um sie herum geschieht nicht mehr so recht mit. Es geht im Gleichen thema, aber dann im Gasthaus weiter]
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Luzien
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Luzien » Samstag 2. April 2011, 16:29

Wie lange sie nun schon unterwegs waren, konnte Luzien nicht mehr mit Gewissheit sagen. Sie hatten ein wirklich gutes Tempo zurück gelegt und dem Morgengrauen wohl so grade ein Schnippchen geschlagen. Auf jeden Fall überkam den Justiziar allmählich eine erschöpfte Müdigkeit. Selbst im laufen merkte er, wie seine Augen immer wieder kurz zufielen und er bloß nach dem Gehör hinter den anderen her stampfte. Nachdem er so aber über eine hervorstehende Wurzel gestolpert war und nur knapp verhindern konnte, vollends alle viere von sich zu strecken und nach vorne zu fliegen, zwang er sich selbst mit größter, mentaler Anstrengung dazu, die Augen offen zu halten. Trotzdem bekam er nur undeutlich mit, dass sich der Zustand der Dunklen wohl immer mehr verschlechterte. Es wäre ihm eigentlich egal, ob die Schwarzhaut überlebte oder vor Erschöpfung drauf ging, doch nach wie vor war da dieses verdammte Gefühl der Verantwortung. Energisch schüttelte er den Kopf, teils um diese Gedanken abzuschütteln, aber auch, um sich selbst wach zu halten. Gefühle waren der Feind des Soldaten. Hatte man Mitleid mit seinem Feind konnte das den eigen Untergang bedeuten.
Kurz nachdem Xanast die Nachricht über die Verfassung der Dunkelelfe mitgeteilt hatte, befand er sich gleichauf mit Arinna, die vorschlug eine Pause im Familiengasthof einzulegen. Im Moment konnte sich Luzien nicht entsinnen, jemals einen besseren Vorschlag gehört zu haben. Dass sich die Nachtelfe dabei um seine eigenen Verletzungen kümmern wollte, spielte nur eine nebensächliche Rolle. Kratzer, Quetschungen und beulen, dass alles war nichts Unbekanntes und auch nichts, woran er erliegen würde. Trotzdem war es sicherlich besser, stumm Zustimmung zunicken, anstatt Arinna zu wiedersprechen. Mit ihr zu diskutieren, hieß meistens den kürzeren zu ziehen, vor allem wenn es um medizinische Dinge ging.
Nach einer weile begann sich der Wald tatsächlich bereits zu lichten. Im einen Moment befanden sie sich noch zwischen dicht stehenden Bäumen, im nächsten durchstießen sie den natürlichen Wall der Stämme um auf eine große Lichtung zu treten. Von Außen machte der „Gasthof zum tanzenden Mondlicht“ eher den Eindruck einer kleinen Festung, ein Gefühl, dass durch die stationierten Soldaten nur noch verstärkt wurde. Nepochal hat wohl seine Verbindungen spielen lassen, dachte Luzien sich grinsend, als er die Stadtwachen betrachtete, die vor dem massiven, zweistöckigen Steinbau Aufstellung genommen hatten. Für gewöhnlich blieben die normalen Wachen im inneren des Reiches, auch wenn die abgaben des Wirtshauses seiner Mutter wesentlich mehr in die Staatskasse einbrachte, als die der Dunkelschenke. Da gleich zwei Justiziare des Reichs das Gebäude ihr zuhause nannten, war ohnehin häufig eine gewisse Anzahl an Schattenkriegern anwesend. Selbst die verruchteren Nachtelfen wussten, dass man von Gasthof am Rande des Reichs die Finger lies. Aber die Dunkelelfen würde das sicherlich nicht sonderlich interessieren.
Als die kleine Konfession sich dem Eingang näherten, trat einer der Torwächter vor und versuchte sie aufzuhalten, bereute dies aber sicherlich schnell, als er merkte, wen er da vor sich hatte. Arinna beschwichtigte schnell, während Luzien nur grinsend da stand und den Kerl musterte, der ihn vom betreten seines Heimes hatte abhalten wollen. Man konnte ihm keinen Vorwurf machen. Er selbst sah im Moment sicherlich eher nach einem Dunkelelfen aus, als nach allem anderen.
Die Justiziarin verschwand als erstes im inneren der Schenke. Luzien, der vor Ungeduld schier platzte, drängte sich vor Xanast und seiner Last als zweiter hinein und fühlte sich schlagartig wieder hellwach und ausgeruht. Schon alleine der Anblick wirkte wie Balsam auf die geschundene Leib und Seele. Es sah so aus, als wäre er gar nicht erst weg gewesen. Der mit dunklem Holz vertäfelte Schenkraum lag in einem angenehmen Zwielicht, dass sowohl für Nachtelfenaugen, wie auch für normale Gäste angenehm war. Selbst um diese Uhrzeit prasselte noch ein Feuer im Kamin und beleuchtete die Wände. Anstatt von Gemälden waren diese mit verschiedenen Waffen verziert. Mal kreuzten sich zwei Orksäbel über einem Goblinspieß, an einer anderen Stelle Hing ein grandessanischer Rundschild, der von einem halben duzend Dolchen eingerahmt wurde. Über dem Kamin selber war ein Turmschild mit dem Wappen des Reichs befestigt worden. In der Mitte des großen Aufenthaltsraums standen viele runde Tische mit einfachen Holzstühlen verteilt, während sich in den Wänden und in der nähe des Feuers, mit schwarzen Samt bezogene Divans und Sessel standen.
“Am besten du legst sie erst einmal auf eine von denen,“ meinte Luzien zum nachfolgenden Xanast, lehnte die Schwertlanze an eine Wand und wies dabei auf eine der couchähnlichen Sitzstätten. Gleichzeitig hatte er sich seinen Dolch aus dem Gürtel gezogen. Ohne große Anstrengung zerschnitt er die Lederriemen, die er zu einem einfachen Waffengurt zusammengebastelt hatte. Mit lautem poltern knallten die Schwerter des Hünen in ihren Lederscheiden auf den Boden, bevor Luzien seine Waffe mit einem Geschickten Wurf an die Anschlagtafel neben der Tür warf, wo es leicht bebend stecken blieb. Er war grade damit beschäftigt, sich des Lederpanzers zu entledigen, als eine Nachtelfe die Treppe herunter kam, die zu den Gastzimmern und dem Wohnbereich führte. Ein wenig kleiner als der Justiziar, aber mit dem selben, ernsten Augen, sah Inia ihrem kleinen Bruder verblüffend ähnlich. “Was soll denn dieses gepolter hier unten? Hab ich euch Blechköpfen nicht gesagt ihr sollt leise sein und die Kinder nicht wecken?!“ Wie ein Drache kam die Elfe, die um mehr als einen Kopf kleiner war als Xanast, auf die Gruppe zu. Ihren Bruder hatte sie noch nicht erkannt, da dieser mit dem Rücken zu ihr stand. Erst als dieser den Kürass, mitsamt dem dünnen Lederhemdchen über den Kopf zog und seinen nackten Rücken offenbarte, schlug Inia vor Überraschung die Hände auf den Mund. Dann lief sie los um dem Mondkalb von kleinem Bruder von hinten zu Umarmen. So wuchtig wohlgemerkt, dass Luzien den Lederpanzer nicht mehr festhalten konnte, worauf auch dieser krachend auf den Boden fiel, wenn auch nicht so laut wie die klirrenden Schwerter. Aus der Innigen Umarmung wurden Faustschläge, mit denen sie seinen Rücken bedeckte. “Du. Elender. Mistkerl! Mutter. War. Krank. Vor. Sorge!“
Da Luzien sich bewusst war, dass er eine solche Begrüßung verdient hatte, lies er es kommentarlos über sich ergehen. Er war nur ein paar mal länger weg gewesen als dieses Mal, natürlich machten sich da alle Sorgen um das Mondkalb. “Wo sind Mutter und Luciuna?“ fragte er versöhnlich und tatsächlich hörte Inia mit lauten Schnauben auf, ihn zu malträtieren. Sie zuckte mit den Schultern und wies dann zur Tür um zu verdeutlichen, dass sich die beiden wohl irgendwo in der Stadt aufhielten, während sie gezwungen war, hier die Stellung zu halten. Obwohl sie noch immer zornig wirkte, rollten einige Freudentränen an ihren Wangen herunter und letztlich gab sie ihrem Bruder doch noch einen Kuss auf die Wange, ehe sie Wortlos hinter dem Tresen und in die Küche verschwand. Wahrscheinlich würde sie irgendetwas zu essen zu bereiten, immerhin war sie die Köchin hier. Luzien würde sich jedenfalls nicht darüber beschweren, endlich wieder etwas vernünftiges zwischen die Zähne zu kriegen, nicht immer nur diesen Oberweltlerschund.
Er war inzwischen auch aus den Stiefeln gestiegen, die pelgarischen Panzerhandschuhe und die weiße Lederhose lagen daneben. Nur noch mit einem Unterleibschurz bekleidet, stand er im Dämmerlicht, bevor er sich falsch herum auf einen Holzstuhl setzte. Er schämte sich nicht dafür, sich vor seinen Zunftgeschwistern zu entkleiden. “Also Arinna, dann tu dein schlimmsten. Ich muss so schnell wie möglich zu Nepochal.“

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Raye-Lin Sarlathza
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Samstag 2. April 2011, 23:04

Völlige Dunkelheit. Tiefe Schwärze. Erneut umgab sie ein so wohliges Nichts, wie schon einige Tage zuvor, als sie fast erfroren wäre. Nichts war lockender, als dieses Schwarz. Ihre Augen kamen zur Ruhe, ihr Herzschlag senkte sich, ihre Atmung wurde ruhig und flacher, ihre Muskeln ergaben sich dem drückenden Gefühl in ihrem Kopf und ihre Gefühle waren verschwunden.
Was die Außenwelt tat? War ihr egal. Dass sie hilflos irgendwelchen Nachtelfen ausgeliefert war? Wen interessierte es? Sie jedenfalls nicht.
Sehr zum Leidwesen von Raye, hielt dieser Zustand nicht dauerhaft an. Es war lediglich eine Vorsichtsmaßnahme ihres Gehirns, das nicht wegen Überhitzung geschmorrt werden wollte. Doch mit jeder Sekunde, jedem kostbaren Augenblick, in der sie dieser Schwärze mehr und mehr gehören wollte, sendete ihr Steuerungsapperat kleine Impulse in die entlegensten Winkel ihres Körpers. Das System fuhr wieder hoch. Und ehe sich die Dunkle zu sehr an das Nichts gewöhnen konnte, spürte sie wieder endlose Erschöpfung und das Fieber, welches sich in ihrem Körper einnistete und attackierte. Was um sie herum geschah, dessen war sie sich nicht bewusst. Woher sollte sie ahnen, dass sie bereits ganz nahe an einer Bleibe waren? Dass die Nachtelfe, die ihr den Trank gegeben hatte, kurz davor stand, ihr zu helfen?
Als ihre Gedanken unwillkürlich zu dem Trank zuckten, gab das Gehirn eine Suche frei, die nach den Anzeichen der Wirkung im Körper suchte. Ergebnislos kehrten die Suchenden zurück und unweigerlich begann die junge Frau an zu zittern. Auf der einen Seite glühte sie vor Fieber, auf der anderen Seite rann kalter Schweiß von ihrer Stirn und tränkte den weißen Haaransatz. Ihre dunkle Hautfarbe verlor an Farbe und ließ sie die Farbe eines abgebrannten Holzhaufens annehmen. Um ihre Augen zeichneten sich mehr und mehr rote Ränder ab, die auf die Austrocknung der Augen und Tränenkanäle hindeuteten. Ihre Augen, unterhalb der Lider, zuckten immer wieder hin und her und rollten unkontrolliert von einer Seite zur anderen.
Während der ausgemergelte Leib schlaff und widerstandslos in den Armen des Nachtelfen hing, traten bei Raye die nächsten Symptome des Fieberwahns auf: Sie redete hin und wieder wirre, unverständliche Worte, sprach mal Herendia, mal Lerium und ab und an auch gemischtes Zeug, doch waren diese Worte für keine Ohren bestimmt. Dass sie inzwischen im Warmen war, in einem Gasthaus der Nachtelfen, von dem sie sicher schon gehört hatte, irgendwann in einer anderen Zeit, dessen war sie sich in keinster Weise bewusst. Auch das Gesprochene unter den Justiziaren hörte sie nicht und würde es im Moment auch nicht verstehen. Ihr Gehirn hatte auf Sparflamme geschaltet und alle unwichtigen Funktionen auf Eis gelegt.
Die Zeit verging, in der Raye verpasste, wie sie die Schenke betraten, vorher angesprochen wurden, wer sie seien, Luzien ein Wiedersehen mit seiner Schwester genoss, sich seiner Sachen entledigte und mit Arinna sprach. All das kam bei ihr nicht an, denn ihr Körper hatte gut damit zu tun, sich gegen die heftigen Fieberschübe, die ihren Körper beben ließen, zu behaupten und es wäre, hätte Xanast sie nicht abgelegt, sich kein Leichtes gewesen sie festzuhalten. Doch nach einer ganzen Weile, gelang es der Dunklen immer mal wieder die Augen zu öffnen, auch wenn sie gleich wieder zufielen. Offenbar schwächte die Ohnmacht ab, doch hieß das nicht zwangsläufig, dass sie ohne Hilfe jemals genesen würde.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Erzähler » Dienstag 5. April 2011, 11:08

Sie standen nun alle im Gemeinschaftsraum des Gasthofes und Luzien entledigte sich der störenden Körperpanzerung, die er während seines eher unfreiwilligen Aufenthalts in der Hauptstadt zusammengesammelt hatte. Leider war das mit einer menge Lärm verbunden und gleich darauf kam auch schon jemand die Treppe herunter und machte seinem Ärger deutlich Luft. Es war Luziens Schwester Inia.

Dann folgte auch schon eine rührende Begrüßung, die allerdings in einigen Schlägen endete. Sie war wütend auf ihn, weil er sich so lange nicht mehr gemeldet hatte und eigentlich schon viel früher wieder zurück sein sollte. Xanast hatte inzwischen die bewusstlose Raye auf einem der Diwane platziert, zwar nicht gerade auf die feinfühlige Art und weise, aber das war ihm momentan recht egal. Nun stand er nebendran und sah sich das Szenario, welches sich da gerade abspielte, an.

Zwischendurch wechselte Luzien mit seiner Schwester einige freundliche Worte, sodass sie sich wieder etwas abregen konnte. Frauen konnten schlimm werden, wenn sie erst einmal in Rage waren und Inia war ein Paradebeispiel dafür. Dann jedoch verschwand sie wieder in der Küche, offenbar um etwas Essbares herbeizuschaffen.

Noch immer stand Xanast bei der Dunklen, die nun scheinbar richtig konfuses Zeug von sich gab. Immer wieder nuschelte sie etwas in verschiedenen Sprachen, Herendia, Lerium, aber auch Misch-Sätze, die in den Ohren der Umstehenden überhaupt keinerlei Sinn ergaben. So langsam kehrten aber auch die Gefühle in ihren Gliedern wieder zurück. „Jetzt ist es soweit, sie redet vollkommen wirr. Wir hätten sie doch töten sollen“, kommentierte der Justiziar trocken und mit einem Grinsen auf den Lippen. Dafür erntete er aber einen mehr als düsteren Blick von Arinna.
Sie ärgerte sich regelmäßig darüber, dass er einfach keinen Anstand hatte. „Du bist wirklich unmöglich, Xanast! Im Fieberwahn ist das mehr als normal. Ich möchte dich mal sehen, wenn du in einem ähnlichen Zustand bist.“ Darauf antwortete Xanast nur mit einem Grummeln. Arinna war schon immer recht überzeugend gewesen, das wusste er. Und er wusste auch, dass er in einer Diskussion mit ihr immer wieder den Kürzeren ziehen würde.

Währenddessen hatte sich Luzien so ziemlich aller Kleidung, bis auf eine Art Lendenschurz entledigt und wartete nun, dass sich die Justiziarin seine Verletzungen besah. “Also Arinna, dann tu dein schlimmstes. Ich muss so schnell wie möglich zu Nepochal.“ Unweigerlich musste sie grinsen. „Immer in Eile. Ganz der Alte“, neckte sie ihn freundschaftlich. Doch hier war wirklich keine Zeit für derartige Witzeleien, denn sie wusste, dass er seine schlechten Nachrichten so schnell wie möglich an den Anführer weitergeben wollte. Auch damit er sich selber etwas besser fühlen konnte. Der Verlust nagte an ihm, seine Ehre war doch etwas besudelt. Sie seufzte. „Na schön, ich werde mir deine Verletzungen einmal anschauen. Halt mal still.“

Dann kniete sie sich hin und betastete fachkundig und vor allem behutsam die Prellungen an Oberkörper und an seinem Arm. Blutende Wunden gab es glücklicherweise gar keine, doch der Kiefer des Wolfes hatte einen bösen Abdruck hinterlassen, den sie sich nun doch etwas genauer ansah. Dann kramte sie auch schon aus ihrer Umhängetasche eine Phiole heraus und schüttete etwas davon dem Inhalt in ihre Handfläche. „Desinfizierend und Wundheilend“, meinte sie kurz und knapp und verrieb alles auf seinen malträtierten Körperstellen. Das ihre Berührungen auch eine anregende Wirkung auf ihn haben könnten, war im Moment eher nebensächlich.
Keine fünf Minuten später, war sie auch schon fertig. „So, jetzt kannst du dich wieder anziehen. Ich bleibe erst einmal hier, mich um sie kümmern.“ Sie deutete auf Raye, der man ihr hohes Fieber nun mehr als deutlich ansah. Allein die roten Umrandungen um ihre Augen sagten schon viel über ihren Zustand aus.

Und schon war Arinna zu ihr herüber geeilt und besah sie sich nun genauer. An ihrem erschrockenen Gesichtsausdruck, den sie nun aufgesetzt hatte, konnte man nun erkennen, das es nun sehr schlecht um die Dunkelelfe stand. Sie sah zu Xanast herüber, der wortlos herantrat und sie wieder auf seine Arme nahm. Er wusste genau, das er nun wieder gefragt war. Alleine hätte seine Kollegin die Dunkle nicht tragen können.
„Inia. Welches der Zimmer ist gerade nicht belegt? Sie braucht dringend Ruhe und etwas zu essen und zu trinken.“ Inia deutete nach oben und sagte etwas zu ihr, was die anderen jedoch nicht verstehen konnten und die Justiziarin setzte sich in Bewegung, Xanast folgte. Im Moment war es eh etwas leer hier im Gasthaus. Kaum Gäste waren hier. Wahrscheinlich waren die Dunkelelfen der Hauptgrund, das fast niemand mehr herkam. Und das war schlecht fürs Geschäft.

Für Raye musste es sich im Moment so anfühlen, als ob sie schweben würde, schwerelos, bis sie in eines der weichen Betten gelegt wurde. Immer wieder fühlte Arinna prüfend ihre Stirn. Sie brannte, als wie wenn ihr jemand glühende Kohlen auf den Kopf gelegt hätte. Zwischendurch kam auch Luziens Schwester herein und brachte etwas Essen und einen heißen Tee vorbei. Xanast stand kurz noch neben dem Bett, verabschiedete sich dann aber von der Nachtelfin. Er wollte Luzien zum Anführer begleiten und die weiteren Schritte besprechen.

Nach einer Weile kam der Justiziar wieder herunter, jedoch ohne Arinna. „Sie ist gleich oben geblieben. Wenn du dich umgezogen hast, können wir Nepochal die Hiobsbotschaft überbringen. Das wird wieder eine Aufregung werden.“ Er seufzte. Bestimmt würde der Anführer der Schattenkrieger nicht gerade erfreut sein, dass eminent wichtige Dokumente mal einfach so verloren gegangen waren. Vor allem, wenn sie sich in einer Stadt befanden, die vom Dunklen Volk angegriffen und vielleicht sogar schon eingenommen worden war. Das würde bestimmt noch eine ordentliche Schelte geben.

[Oot: Wenn ihr beide gepostet habt, geht es erst einmal getrennt weiter. Aber keine Sorge, ihr kommt schon wieder zusammen ;) Raye wird im Gasthaus verweilen und Lu geht mit Xanast ins Reich, um Nepochal Bescheid zu sagen]
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Luzien » Mittwoch 6. April 2011, 19:05

Ohne zu murren lies Luzien zu, dass Arinna sich seine Verletzungen einmal genauer ansah. Anscheinend fand sie dabei nichts, was besonderer Behandlung bedurfte, sondern wusch nur die Trophäen, die der Wolf ihm zugerfügt hatte, mit einer desinfizierenden Lösung aus. Er verzog keine Miene, als die Nachtelfe das brennende Zeug auf seinem malträtierten Unterarm verrieb. Als es dann aber an den Treffer an seiner Stirn ging, der in der Zwischenzeit aufgehört hatte zu bluten, musste selbst der so schmerzunempfindliche Luzien die Zähne zusammen pressen und einen zischenden Schmerzeslaut von sich geben. Das Gesicht war eben empfindlicher als ein von Narben nur so starrender Arm. Glücklicherweise dauerte diese ganze Behandlung nur ein paar Minuten, bevor Arinna ihm erlaubte sich wieder zu beleiden. Einen Moment blieb der Nachtelf noch im Zimmer, um zuzusehen, was seine Zunftschwester nun mit der sich im Delirium befindlichen Raye anstellte. Als sie jedoch Inia nach einem freien Zimmer fragte und dann Xanast anwies, die Bewusstlose nach oben zu tragen, schwand auch sein Interesse an der ganzen Geschichte. In Arinnas Händen war die Dunkelelfe gut aufgehoben, da musste er sich jetzt kein schlechtes gewissen mehr machen, zumal ohnehin wichtigeres anstand.
So folgte Luzien nach kurzem warten den anderen die Treppe nach oben in den Bereich mit den Zimmern. Es war im ersten Moment erschreckend zu sehen, dass fast alle Türen offen standen und demnach nicht belegt waren. Andererseits erklärte das auch, weshalb Inia hier alleine war. Wenn es keine Gäste gab, brauchte man auch niemanden, der sich um sie kümmerte. Der Nachtelf ging den langen Korridor entlang und kam so auch an dem Zimmer vorbei, in dem sich nun seine beiden Kollegen mit der Gefangenen aufhielten. Das letzte Zimmer zur linken war sein Reich. Die massive Tür machte zuerst den Eindruck, als wäre sie fest verschlossen, doch nachdem er zwei mal oben gegen den Rahmen und einmal kräftig gegen die obere rechte Ecke geschlagen hatte, schwang sie mit einem leichten Knarren auf. Luziens gemach machte eindeutig den Eindruck, dass ihr Bewohner lange nicht mehr hier gewesen war. Überall lag eine dünne schicht Staub. Abgesehen von Sidaira war niemand sonst in der Lage die störrische Tür richtig auf zu kriegen.
Wenn das Bett und der Kleiderschrank nicht gewesen wären, hätte man den Eindruck gewinnen können, eine Waffenkammer betreten zu haben. Die komplette rechte Wand war mit einem metallenen Gestell verkleidet, in dem über ein Duzend verschiedene Waffen hingen. Eine Kommode neben dem Bett war obenauf mit schwarzen Samt verkleidet und 5 Dolchpaare lagen nebeneinander, alle unterschiedlich lang und geformt. Drei Rüstungsständer standen neben dem Schrank, wobei der mittlere leer war. Mit einem leichten seufzen strich Luzien über das polierte Holz. Seine Lieblingsrüstung hatte wohl für immer verloren. Elender Montegomerus mit seiner dummen Machtgier. Zur linken hing eine Kopie von eben der selben, finsterschwarzen Rüstung, die auch Xanast und Arinna trugen, zur rechten ein sehr aufwendig gearbeiteter, silberner Kettenpanzer mitsamt Helm. Doch beides war im Augenblick wohl nicht die richtige Wahl.
Doch bevor sich Luzien wieder ankleidete, wusch er sich zuerst das blutverschmierte Gesicht wieder rein und kämmte sich hastig kleinere Äste und Blätter aus den zerzausten Haaren. Länger um seine Frisur, die während der Wanderschaft durch den Wald arg gelitten hatte, wollte er sich nicht kümmern, weshalb er hastig ein schwarzes Haarband aus seiner Waschkommode hervorkramte und sich einen Pferdeschwanz zusammen band. Für den Augenblick reichte das vollkommen aus. Dann ging er zum Schrank, wo er zuerst eine schlichte Pumphose suchte. Als er sie angezogen hatte, folgte ein Robenartiges, schwarzes Gewand mit Kapuze. Die linke hälfte der Kapuze, der Ärmel und der untere Saum waren mit verschlungenen, silbernen Linien bestickt und das Symbol der Stadtwache haftete an der rechten Schulter. Es wahr eine wahre Wohltat, endlich wieder Nachtelfenseide auf dem Körper zu spüren. Nachdem er sich schnell zwei lederne Armschoner angelegt hatte und über seine linke Hand einen Stulpenhandschuh gezognen hatte, schlüpfte er in ein paar elastischer Lederstiefel und fühlte sich endlich wieder wie jemand seines Volkes.
Der neu angekleidete Luzien war kaum wiederzuerkennen. Tatsächlich ähnelte er nun vielmehr einem Nachtfürsten, als dem Vagabunden, der er vorher war. Von der Kommode nahm er noch zwei kurze, grade Messer, die er an den Handgelenkschonern befestigte. Solange die weiten Ärmel der Robe darüber fielen, waren sie nicht zu erkennen. Als er das Zimmer verließ, schlug er mit aller Wucht hinter sich die Tür zu. Es knirschte leise, als das Holz sich wieder verhackte und sicherer abschloss, als jeder Schlüssel es konnte.
Xanast wartete schon ungeduldig im Gemeinschaftsraum auf ihn. Zwar war es unbedingt notwendig, dass Nepochal von den aktuellen Geschehnissen unterrichtet wurde – nicht nur von dem Verlust seiner Dokumente, sondern über die gesamte Lage rund um Pelgar – doch das machte es nicht leichter, nur mit schlechten Nachrichten vor den obersten des Ordens zu treten. Luzien nickte seinem Zunftbruder zu, als dieser auf ein möglichst schnellen Aufbruch drängte und schlug sich dann die Kapuze über den Schädel. Es war nichts ungewöhnliches, wenn sich die Nachtelfen des Reiches ein wenig verhüllten. Solange an seiner Schulter das eindeutige Symbol prangte, dass e Mitglied der Justiziar und Schattenkrieger war, so reichte das.
Luzien schluckte schwer, als müsst er sich zu dem folgenden zwingen, dann öffnete er die Tür und trat nach draußen. Bis zum Tor zum Reich war es nur eine sehr kurze Strecke.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Donnerstag 7. April 2011, 16:10

Die junge Dunkelelfe ächzte, als Xanast sie wieder hochhob. Alles tat ihr weh- das bekam sie noch mit. Sie fühlte sich, als würde sie schweben; irgendwie in Watte gepackt und alles war gedämpft, unreal. Ihr war gar nicht klar, was um sie herum passierte und wie denn auch, in ihrem Zustand. Nachdem man den gebrechlichen Körper in eines der warmen, weichen Betten gelegt hatte, entspannten sich die Arme und Beine und auch der Gesichtsausdruck der Elfe, wurde etwas entzerrter. Zwar standen ihr weiterhin die Schweißtropfen auf der Stirn und ihre Wangen waren rötlich, sowie die Augen, die Gesichtshaut aschgrau, doch offenbar kehrte die Dunkle langsam aus den Fieberträumen zurück. Vermutlich trugen die wärmere Umgebung und die Tatsache, dass sie seit einiger Zeit gar nichts mehr mitbekommen hat, ihre Teile dazu bei, dass sich ihr Körper schon zu erholen begann.
Immernoch flatterten ab und an die Augenlider und Raye erkannte verschwommene und verworrene Farben, aber keine Gesichter oder Umrisse. Ihr Gehirn konnte die Informationen auch nicht verarbeiten, die ihre Augen lieferten, also vergaß sie diese und verfiel wieder in ihren Dämmerschlaf.

Während Raye gut eine bis anderthalb Stunden gelegen und geschlafen hatte, erwachte die junge Frau tatsächlich für einige Minuten aus den Fieberträumen und konnte sogar ihre Umgebung erkennen. Es war ein recht spartanisch und doch nett eingerichtetes Zimmer und Raye hatte das komische GEfühl, im Reich der Nachtelfen zu sein. Die Elfen der Dunkelheit hatten ihren eigenen Stil, Räume herzurichten und dieser wurde unverkennbar angewandt. Alles war etwas dunkler vom Aussehen her, das Holz der Möbel, der Spiegel zu ihrer Rechten hatte einen schwarzen Rahmen, die Türknaufe - alles war dunkel gehalten. Ohne ihr Zutun, machte sich ein heimisches Gefühl in ihrer Brust breit und ließ sie noch mehr zur Ruhe kommen. Doch noch immer war die Elfe von ihrer Erschöpfung nicht erlöst und so sank sie wieder in die weichen Kissen und schlief erneut ein.
Doch dieser Schlaf war nun ein erholsamer, friedlicher. Wann hatte sie das letzte Mal so geschlafen? Ohne Albträume, ohne Fieberwahn, es war einfach nur dunkel hinter den Augenlidern. Dieser Umstand umschmeichelte ihre Seele und ihren Körper, sodass sie sich von den Strapazen sicher schneller als erwartet erholen würde.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Erzähler » Sonntag 10. April 2011, 13:26

[Für Luzien geht es weiter in: Das Reich der Nachtelfen – Überbringung schlechter Nachrichten]

Raye lag noch immer mit schweren Gedanken in dem Bett. Ab und zu konnte sie etwas kühles spüren, welches sich auf ihre Stirn legte. Kühle Wickel, um das Fieber zu senken. Auch bekam sie immer wieder etwas Flüssigkeit eingeflößt. Bei Fieber hieß es ja immer, dass man viel trinken solle, um die Krankheit aus dem Körper zu schwemmen und genau das war das Ziel. Die Krankheit musste aus dem Körper der Dunklen.

Arinna, die Justiziarin, die sich vor kurzem noch für sie eingesetzt hatte, saß am Bettrand der Schlafenden. Sie kümmerte sich wirklich aufopferungsvoll um die Dunkle, auch wenn sie das laut Xanast gar nicht verdient hatte. Sie hatte versucht Luzien zu töten, das konnte der Justiziar ihr nicht vergeben. Sie würde den Mann meiden müssen, wenn sie wieder bei Kräften war. Doch zu ihrem Glück waren er und dieser Luzien auch schon verschwunden. Womöglich würden sie ihrem Anführer Meldung machen müssen. Und das gab ihr wieder etwas Zeit. Zeit, die sie womöglich nutzen konnte, um sich Gedanken über die Gefahr, in die sie sich gebracht hatte, zu machen. Denn der Anführer der Schattenkrieger würde sie bestimmt nicht einfach so ungeschoren davon kommen lassen.

Auch wenn alles dumpf und irgendwie von weit entfernt an ihr Ohr drang, konnte sie hören, dass Arinna immer wieder Worte sprach. Zu ihr. Zwar konnte sie den genauen Wortlaut nicht wirklich mitverfolgen, aber es waren ermutigende Worte. Dann flößte sie ihr erneut Flüssigkeit ein, Tee. Sie schmeckte starke Kräuter, welche dem Getränk sein ganz persönliches Aroma gab. Der Tee half sich gegen das Fieber zu stemmen und ihm nicht nachzugeben, denn in ihrem Fieberwahn flüsterten tausende von Stimmen die unsinnigsten Sätze zu.

Dann erwachte Raye für ein paar Minuten aus diesem Chaos von Stimmen, um sich nun ein grobes Bild von dem Raum, in dem sie sich jetzt befand, zu machen. Er war nachtelfisch ausgestattet, also schlussfolgerte sie einfach mal, dass sie sich wieder im Reich befinden musste. Jenes Reich, welches sie vor kurzem noch völlig überstürzt und unvorbereitet verlassen hatte. Noch dazu in der unmöglichsten Jahreszeit! Warum war sie so plötzlich aufgebrochen, obwohl sie genau wusste, dass es in diesen kalten Tagen reiner Selbstmord war, ungeschützt durch die Wälder zu wandern. Nun hatte sie den Preis für ihr törichtes Verhalten zu zahlen.

Das sie in Wahrheit jedoch noch über der Erdoberfläche war und nicht darunter, konnte sie ja nicht wissen. Inia, Luziens Schwester kam nochmals herein. „Sie erholt sich gut, sogar noch besser und schneller als ich vorher gedacht habe. Sie schafft es“, sagte Arinna zu ihr und lächelte matt. In ihren Augen war das hier ein kleiner Erfolg, der hier errungen wurde.
Die andere Nachtelfin nickte dazu nur knapp. Heilung und dergleichen waren nicht ihr Spezialgebiet, sie schwang lieber den Kochlöffel und bereitete Essen für hungrige Mägen zu. Das war schließlich ihre Aufgabe hier. Auch wenn sie lieber mit ihrer Mutter in die Nachtelfenstadt gegangen wäre.
Doch sie konnte den Gasthof ja nicht völlig alleine lassen, vor allem dann nicht, wenn immer wieder durstige Soldaten hereinkamen. Die waren fähig und tranken ihren ganzen Wein weg. Dann würde ihre Mutter wieder auf die Barrikaden gehen und müsste erneut einkaufen gehen. Und das ging doch schon etwas ans Geld.

Tatsächlich würde Raye feststellen, dass sich ihre Körpertemperatur im Vergleich zu vorher nun doch ein klein wenig gesenkt hatte. Die kühlen Wickel hatten ihren Teil dazu beigetragen. Zwar war das Fieber noch nicht vollständig besiegt, aber zumindest glühte sie nicht mehr ganz so stark. Der erholsame Schlaf, der nun einsetzte würde ihrem geschundenen Körper die Energie zurückgeben, die sie im Arus und im Mashmoor verloren hatte. Arinna sah, dass sie nun selig schlummerte, erhob sich sacht und verließ vollkommen still das Zimmer. Sie würde sie in Ruhe schlafen lassen. Nach wenigen Augenblicken war die Dunkelelfe im Zimmer mit ihren Träumen allein.

Wieder und wieder drangen verstörende Fieberstimmen an ihr inneres Ohr, doch nun schlief sie, ließ sich nicht auf ihre Worte ein. Sie verschloss sich ihnen, sodass sie immer leiser wurden, bis sie vollständig verstummt waren.
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Sonntag 10. April 2011, 22:28

Auch wenn die Dunkle die Besserungen hin und wieder vage spürte, so konnte sie dennoch nicht gänzlich aufwachen. Immerwieder öffneten sich die grünen Augen, nur um wieder zu zufallen. Es war nicht verwunderlich, dass sich viele Tiere, wenn sie krank wurden, zurückzogen, um in Ruhe und in der Stille diese Krankheit zu kurieren mit viel Schlaf und Ruhe. Sie wussten instinktiv, wann ihr Körper eine Erholung nötig hatte und handelten dementsprechend. Raye hingegen schritt über eine Grenze und zahlte nun die Rechnung.
Es war ihre eigene Schuld, dass sie hier mit Fieberschüben und Entkräftung zu kämpfen hatte und wäre sie nicht so emotional an die Sache herangegangen, wäre sie sicher nicht in eine solche Lage geraten.
Doch von diesen Selbstvorwürfen, bekam die Elfe zurzeit nichts mit. Diese würden später sicherlich noch einmal auftauchen und dann hatte sie keine andere Chance, als ihnen zu lauschen und sich ihnen zu stellen.
Immer wieder drangen seltsame, dumpfe Worte an ihr Ohr, die sie jedoch nicht recht verstehen konnte. Zu betäubt war ihr Ohr und ihr gesamtes Gehirn, als dass sie sich damit auseinandersetzen konnte. Sie hatte auch keine Lust sich damit zu befassen, dafür war sie zu müde.
Also schlief die junge Frau wieder und als sie das nächste Mal erwachte, verstand sie auch schon die gesagten Worte. Sie würde also wieder gesund werden. Innerlich lächelte Raye, äußerlich war davon nichts zu sehen. Mit jeder Stunde spürte die Elfe, wie sich das Fieber senkte und damit auch ihren Körper abkühlen ließ. Offenbar kümmerten sich die Heiler des Reiches um sie und sie fühlte sich in ihre Kindheit versetzt. In einem ihrer letzten Fieberschübe, war sie wieder ein kleines Kind, welches verängstigt und verprügelt im Wald Arus gefunden wurde. Nachtelfen haben sie aufgenommen, versorgt, gewaschen und ihr neue Kleidung sowie Essen gegeben. Dann erklang die schönste Stimme, die sie je gehört hatte. - Nexor. Er war dort und sprach in einem warmen, leicht vibrierendem Tembre zu ihr und ließ sie sofort alles Schlechte vergessen. Nun lächelte Raye äußerlich, erwachte aus diesem Traum und blickte an die Decke. Nur langsam wurde sie sich bewusst, dass sie soeben geträumt hatte und das dort kein Nexor war, der ihr die Hand hielt und sie beschützte.
Der Elfe ging es nun besser und offenbar war das Fieber überstanden. Zwar war ihr Körper noch immer schwach, doch das war nichts, was einige Tage weitere Ruhe und Essen nicht hinbekommen würden. Viel wichtiger war jetzt folgendes: Wo befand sie sich? Wer war bei ihr, wer hat sie her gebracht und wo ist dieser ungehobelte Nachtelf? Langsam kehrten die Erinnerungen an Luzien zurück. Dann erinnerte sie sich dunkel an den anderen Nachtelfen, Xa..Xan..Xansta, oder Xanasta oder so ähnlich. Er hatte sie geführt, bis eine weitere Elfe auftauchte und ab da war alles verworren und verschlungen. Raye glitt aus dem Bett und wankte für einen Moment, bis sie ihr Gleichgewicht gefunden hatte. Dann ging sie zur Tür und öffnete diese einen spaltbreit. Von unten drangen leise Stimmen, offenbar war sie nicht allein. Soweit sie hören konnte, handelte es sich um Frauen, doch sicher war sie sich nicht. Zudem traute sie ihrem Hirn noch nicht so richtig über den Weg. Raye sah an sich hinba und schloss die Tür dann leise wieder. Egal wo sie war, sie hatte das dringende Bedürfnis sich z säubern. Die Fieberschübe haben sie nun endgültig unansehnlich werden lassen und ihre Kleidung ist nach wie vor von Morast bedeckt. Eilig öffnete die Dunkle einige der Schranktüren in ihrem Zimmer und suchte nach etwas zum Anziehen. Als sie eine Schublade der Kommode öffnete, befanden sich darin eine lockere Hosund ein weiches Hemd, aus nachtelfen Stoff. Sie lächelte und schloss die Lade wieder. Sie drehte sich langsam um - denn das Glleichgewicht machte immernoch nicht so richtig mit - und steuerte auf die Tür zum Bad zu.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 14. April 2011, 22:20

Noch immer war ihr Körper nicht vollständig vom Fieber geheilt, doch sie hatte die meiste ihrer alten Kraft zurückerhalten. Auch durch die Nahrung und Flüssigkeiten, die Arinna ihr eingeflößt hatte. Der Schlaf tat sein übriges, sie fühlte sich wesentlich besser, als vor einer ganzen Weile noch. Als sie vollständig aufgewacht war und nun endlich die Umgebung in aller Ruhe mustern konnte, ohne das die Augenlider wieder schwer wurden, wagte sie einen kritischen Schritt: sie stand aus dem Bett auf.
An sich wäre das keine Herausforderung, doch in ihrem geschwächten Zustand war das mehr als schwierig. Sie glich in ihren Bewegungen eher einer Betrunkenen, die ohne Orientierung und Ziel herumstolperte, als das sie vernünftig geradeaus laufen konnte. An der Türe, die Gang und Zimmer voneinander trennte, lauschte sie für einen Moment. Sie hörte zwei Stimmen, es waren weibliche, die sich unten leise miteinander unterhielten.
Zwar konnte sie den genauen Wortlaut nicht so recht deuten, aber die Personen im unteren Stockwerk unterhielten sich eindeutig über sie. „Sie ist auf dem Weg der Besserung. Ihre Konstitution ist wirklich mehr als bemerkenswert.“, konnte sie eine Leiste Stimme hören. Wem diese aber gehörte, konnte sie nicht wirklich heraushören, selbst wenn sie sich noch so sehr anstrengte, beide waren sich doch recht ähnlich. Aber eine davon musste der Frau gehören, welcher sie wohl ihr Leben verdankte. So wie die beiden Männer, welche sich wohl momentan auf dem Weg zu ihrem Anführer machten, mit der Frau im Gespräch gewesen waren, musste es sich ebenfalls um eine Justiziarin, eine Schattenkriegerin des Reiches handeln.

Doch schnell wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem Wandschrank und den verschiedenen Kommoden zu, in dem sie nach kurzer Suche glücklicherweise ein paar Kleidungsstücke fand. Ihre eigenen waren voller Schlamm und Morast. Man könnte glatt meinen, dass der halbe Mashmoor darin festsaß. Doch der Dreck war nur das halbe Problem, der Gestank, den er verbreitete war für jeden zu viel. Selbst Xanast hätte angewidert die Nase gerümpft schließlich hatte er sie in der letzten Zeit oftmals tragen müssen. Diese hier waren aus leichtem Nachtelfenstoff gearbeitet. Zwar etwas enger anliegend als normale Kleidung, aber um einiges leichter.

Dann wankte sie in Richtung Badezimmer, um sich in aller Ruhe umziehen zu können. Aber ob das die Besitzerin dieses Gasthauses gut heißen würde, dass sie sich an Sachen vergriff, die ihr nicht einmal gehörten? Vielleicht könnte sie ja ihre eigene Kleidung hier waschen lassen und die, welche sie gerade in Händen hielt, vorübergehend anziehen.

Sie hatte gerade die Türklinke zum Waschraum berührt, als hinter ihr eine leise Stimme ertönte: „Ah, endlich du bist wach. Dann haben meine feinen Wundermittelchen ihre Wirkung nicht verfehlt.“ Die Stimme klang ruhig und warm, nicht so schroff wie die von Xanast. Und sie klang vor allem weiblich. Wenn sich die Dunkle nun umdrehen würde, könnte sie Arinna sehen, welche da hinter ihr stand. Nur seltsam war, dass sie nicht das geringste gehört hatte, die Nachtelfe war so mir nichts dir nichts aufgetaucht.

Das war eine er vielen Besonderheiten, welche alle Schattenkrieger auszeichneten und auf die sie zu Recht mehr als stolz sein konnten. Sie waren extrem gute Schleicher. Selbst jemand mit gut geschärften Sinnen konnte sie nicht entdecken, wenn diese es nicht wollten. Ideal also, um aus dem Schatten zuzuschlagen und wenn nötig auch zu töten.
„Du hättest nicht aufstehen sollen. Deine Krankheit ist noch nicht vollständig auskuriert und jede Anstrengung könnte dich und deinen Organismus schwächen.“ Ihre Stimme klang weder vorwurfsvoll, noch tadelnd, sondern nur besorgt. Schließlich hatte sie als Heilerin die Pflicht, ihre Schützlinge vor schwereren Belastungen zu schützen.

Sie sah die Kleidungsstücke in Rayes Händen. „Aber du darfst dich noch umkleiden. Ich denke nicht, dass die Hausherrin etwas dagegen haben könnte, wenn du sie dir ausborgst.“
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Freitag 15. April 2011, 08:26

Für die Dunkle war es ein weiter Weg bis zum Bad. Immerhin musste sie bei fast jeder Gelegenheit einen Stop einlegen, um nicht umzukippen. Leicht musste sie lächeln, ob ihres Zustandes, während sie an dem Schrank, zwischen Tür und Badezimmer, eine Pause einlegte. Was sie ihrem Körper zugemutet hatte war das Dämlichste, was sie seit sie im Reich lebte, getan hat. Sie wusste das. Oder wie wäre sonst zu erklären, dass ihr Unterbewusstsein in Form von Nexor ständig auf sie einredete und warnte? Sie wollte nicht hören und nun stand sie da, völlig hinüber, genau dort wo sie vor Wochen aufgebrochen war. Sehr peinlich. Aber Raye hatte das Glück, dass sich im Reich niemand mehr um sie scherte und sie darüber hinaus auch niemandem mehr peinlich sein konnte. Also raffte sie sich auf und wankte die weiteren hundert Schritte bis zur Badezimmertür. Kurz hielt sie inne und blickte auf die Sachen. Sie hoffte, dass die Leuten hier keinen Aufstand deswegen machten, doch sie brauchte so dringend Wasser, dass sie sich darüber wenig Gedanken machte.
Kurz bevor sie über die Schwelle zu lang ersehntem Badezimmer trat, wirbelte sie herum. Das war jedoch eindeutig zu schnell und die Elfe lehnte sich schnaufend an den Türrahmen und sah nach oben, um nicht zurück in die schwarze Finsternis zu gleiten. Ihr Herz pochte wie wild in ihrer Brust und schrie lauthals, dass es noch nicht bereit war solche Aktionen zu meistern.
Die Frau, die Raye gehört hatte, als sie angesprochen war, erkannte sie als dienjenige, die ihr geholfen hatte im Wald. Ihre Stimme war freundlich und warm und nachdem sich die Elfe beruhigt hatte, stellte sie sich gerade hin und blickte ihrer Retterin ins Gesicht. Ein Lächeln legte sich auf die blass-roten Lippen. "Ja, sie haben gewirkt. Vielen Dank dafür." meinte sie ehrlich. Auf die Bemerkung, dass sie nicht hätte aufstehen sollen, meinte Raye: "Wenn ich mir ansehe, wie lange ich zu dieser Tür gebraucht habe, bin ich mir dessen bewusst, doch ich brauche endlich frische Sachen und ein Bad." Ein breiteres Grinsen stellte sich auf Raye's Gesicht ein: "Und ich habe gehört, dass auch Sauberkeit zur Heilung beitragen soll." Dann wanderte ihr Blick auf die Sachen in ihrem Arm. Es waren eindeutig Frauenkleider, aus dem schönen, weichen Stoff der Nachtelfen, und ihr Körper sehnte sich nach dem Duft frischer Wäsche. "Ich hätte gefragt, doch die Anstregung der Treppe da draußen erschien mir doch etwas zuviel." witzelte sie und blickte dann Arinna an. "Ich werde die Sachen natürlich zurückgeben, sobald meine eigenen wieder einigermaßen ansehnlich sind." Dann wanderte ihr Blick zum Badezimmer und sie sah nochmal Arinna an. "Also.. ich werde dann mal, damit ich bis übermorgen fertig bin." Trotzdessen, dass Raye sehr krank gewesen war und es nur Stunden her sind, als ihr Leben auf der Kippe stand, erschien sie einem ungewöhnlich freundlich und humorvoll, für eine Dunkelelfe. Auch dass sie überhaupt keine Berührungsängste hatte, sich irgendwie - auskannte - dürfte dem Betrachter die Vermutung nahelegen, dass diese junge Elfe ganz und garnicht für die andere Seite spioniert.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Erzähler » Dienstag 19. April 2011, 23:24

Arinna musste aufgrund ihrer gewitzelten Antworten ebenfalls leicht lächeln. Die Dunkle hatte wirklich Humor, auch wenn dieser irgendwie nicht zu der aktuellen Situation passte. Aber in einem Punkt war sie sich wirklich sicher: so konnte wirklich niemand sein, der böses im Schilde führte. Xanast und Luzien waren was dieses Thema betraf vollkommen auf dem Holzweg. Vor der Nachtelfe stand eine junge Frau, die vor einigen Stunden mehr tot als lebendig gewesen war. Eine Frau, die bestimmt nicht zur Dunklen Armee gehörte und als Spitzel hierher entsandt worden war. Ihre beiden Kollegen hatten sich wirklich und wahrhaftig in ihr getäuscht. Bei Gelegenheit mussten sie diese Hindernisse aus dem Weg räumen, bevor Xanast versuchen könnte ihr ernsthaft zu schaden. Bisher waren die meisten Gefangenen bei seinem Verhör plötzlich verstorben. Ob das Absicht war oder doch nur Versehen, konnte niemand so genau sagen, aber sollte sie wirklich einmal von ihm in die Zange genommen werden, sollte sie besser um ihr Leben fürchten. In Sachen Verhör war der Justiziar überhaupt nicht zimperlich.

Zwar war die restliche Krankheit unentwegt dabei zu versuchen, sie nieder zu ringen, doch sie stemmte sich eisern dagegen, was ihrem Körper auf Dauer wohl nicht verkraften könnte. Zu stark war sie noch von den Fieberschüben und ihrer Bewusstlosigkeit geschwächt. Zumindest jetzt durfte sie sich nicht übernehmen, da sie sonst rückfällig werden könnte. Das beste wäre es wohl, wenn sie sich sofort wieder hinlegen würde, doch mit ihren dreckigen Klamotten wollte sie nicht wieder in das Bett gehen.

Sie wollte sich nun ein warmes Bad gönnen, um ihre Lebensgeister wieder wecken zu können. Das sagte sie ja selbst, dass Sauberkeit auch zur Heilung beitragen könne. Zumindest schien es nicht verkehrt zu sein, sich einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Und auch ihre Kleidung bedarf einer ordentlichen Säuberung, denn sie stand vor Dreck und Schlamm. Mashmoor war berühmt und zugleich berüchtigt für seine sumpfigen Gruben und Schwefelseen, doch in den kälteren Tagen war es noch schlimmer, da die gefrorene Oberfläche Sicherheit vorgaukelte und arglose Wanderer in ihr nasses Grab lockte. Die armen Tölpel ertranken oder erstickten oftmals. Im schlimmsten Fall sogar trat beides ein. So etwas ähnliches wäre für sie auch beinahe zum sicheren Verhängnis geworden, als sie sich zu weit hinein gewagt hatte, hätte nicht Luzien sie, wenn auch eher widerwillig, da raus geholt.

Wenn sie so darüber nachdenken würde, würde sie wohl oder übel zu dem Ergebnis kommen, dass sie dem Schattenkrieger nun doch so manches schuldete. Und bestimmt würde er diese Schuld wohl irgendwann einfordern wollen.

Arinna nickte zustimmend. „Stimmt. Es trägt sogar enorm dazu bei. Ich sehe, du bist etwas damit vertraut.“ Sie lächelte wieder freundlich. Als Raye erklärte, sie wolle sich nun endlich umziehen, jedoch einige Bedenken bezüglich der Kleidung hatte, kräuselte sie kurz nachdenklich ihre Stirn, so als wolle sie genau abwägen, ob es wirklich sicher war, sie allein zu lassen. An sich wäre es nicht schlimm, ihr die Kleidungsstücke, die sie gerade in Händen hielt auszuleihen, zumindest solange, bis die eigenen wieder einigermaßen sauber waren. Außerdem musterte die Nachtelfe nochmals ihre Patientin. Auch wenn es ihr augenscheinlich besser als vorher erging, ihr wackeliger Stand und die Unsicherheit im Moment waren für sie mehr als besorgniserregend. Schließlich hatte sie die Verantwortung. Oder aber nahm sie ihre Heiler-Rolle wieder einmal zu ernst.

Dann nach kurzem Grübeln jedoch entschloss sie sich dazu, sie vorerts allein zu lassen, damit sie sich in Ruhe erholen konnte. Sie wollte sie nicht in ihrer Privatsphäre in irgendeiner Weise einengen, verabschiedete sich jedoch mit den Worten: „Wenn etwas sein sollte oder du etwas brauchst, du findest mich im Zimmer am Ende des Flurs. Du kannst mich alles fragen, was dir so auf dem Herzen liegt.“ Dann verschwand sie sacht aus dem Zimmer und schloss beinahe lautlos die Tür hinter sich.

Nun war Raye wieder allein. Wenn sie durch die Türe gehen würde, würde sie feststellen, dass für sie bereits ein warmes Bad eingelassen worden war, so als hätten sie geahnt, dass sie sich waschen wollte. Es roch nach Kräutern, bestimmt war das ein so genanntes Erkältungsbad, welches von Husten, Fieber und anderen Infekten heilen konnte.
Die beiden Nachtelfinnen konnten aber auch nur eins und eins zusammengezählt haben, was aufgrund der vollkommen verdreckten Kleidungsstücke nicht allzu schwer gewesen wäre. Wie dem auch sei, sie könnte sich nun vollkommen entkleiden und sich in das warme Wasser begeben. Und Arinna hatte ihr bereits gesagt, wenn sie etwas bräuchte, könnte sie sie im Zimmer am Ende des Flures jederzeit um Hilfe ersuchen.
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Mittwoch 20. April 2011, 12:41

Raye verspürte ein seltsames Gefühl in der Magengegend, als sie Arinna zuhörte. Zuerst führte sie dieses auf ihr geschwächtes Immunsystem zurück, doch dann erkannte sie, dass es sich um ein wohliges, heimisches Gefühl handelte. Ihr war nach dem Tod des Jägers nicht bewusst, dass sie die Nachtelfen schätzte und sich ihnen verbunden fühlte. Sie war immer der Meinung gewesen, dass dies lediglich für das Haus des Jägers galt und für ihn selbst. Doch offenbar sehnte sich ein kleiner Teil ihres Herzens nach dem Reich unter der Erde.

Die Dunkle wartete, bis Arinna die Tür hinter sich verschlossen hatte, ehe sie sich umdrehte und vorsichtig ins Badezimmer wankte. Als die Tür ins Schloss fiel, kehrte eine erholsame Ruhe ein. Nichts machte ein Geräusch und für mehrere Sekunden genoss sie diesen Frieden. Ihr Blick fiel auf das warme Wasser in der Wanne. Der Raum war angenehm erfüllt von Kräutern, die ihren Duft sorgsam entfalteten. Sie sah sich kurz um, fand einen Platz an dem sie die frischen Sachen ablegen konnte und begann dann langsam die eignen vom Leib zu schälen. Die schwarz eingefärbten Ledersachen waren starr und beim Ausziehen bröckelte der feste Schlamm teilweise von ihnen ab. Ihre Stiefel stellte sie ordentlich nebeneinander ab und warf den Rest der Kleidung auf den Boden. In einem Spiegel konnte sie sehen, was ihre eigentliche Reise in ein neues Leben bewirkt hatte. Ihre Rippen zeichneten sich deutlich von ihrer Haut ab, ihre Hüftknochen traten deutlich hervor und ihre Schlüsselbeine waren schmale Knochen unter einer dünnen Hautschicht. Ihre grünen Augen suchten sich selbst im Spiegel. Sie hatte sich selber zugrunde gerichtet und wäre sie nicht Luzien in die Arme gefallen, wäre sie nicht hier. Sie war aufgrund ihres Schmerzes völlig übereilt aufgebrochen und nun stand sie hier. Am Ende. Sie lächelte enttäuscht über sich und brach die Blickkontakt ab. Dann ging sie zittrig zu der Wanne, tauchte eine Hand hinein und prüfte die Wärme. Es war sicherlich wohltemperiert, doch sie zuckte beim Kontakt. Ihre Glieder waren durchgefroren und empfanden das Wasser als heiß. Doch da sie wusste, dass dies lediglich eine Fehlinformation ihrer Sinne war, stieg sie langsam in das wärmende Nass und gewöhnte sich nach und nach an die Temperatur. Auf ihrer Haut zeichnete sich eine Gänsehaut ab und sie schlang die Arme um die Knie. Eine Weile saß sie so in der Wanne, bis das Gefühl, im heißen Wasser zu sitzen, nachließ und sie sich endlich entspannen konnte. So lag sie in der Wanne, die Arme im Wasser treibend und starrte Löcher in die Luft bis ihre Sinne erneut die Form von Nexor annahmen. Sie meinte den Jäger im heißem Wasserdam erkennen zu können und legte den kopf auf dem Wannenrand ab. "Ich sagte, du kannst den Schattenkriegern vertrauen, Raye-Lin." Raye jedoch schloss die Augen und rutschte ins Wasser. Tauchte ihren weißen Schopf ganz unter und blieb eine kleine Weile unten. Nachdem die Luft weniger wurde, tauchte sie langsam wieder auf und strich sich das laufende Wasser aus dem Gesicht. Es tat ihr gut endlich ein wärmendes Bad nehmen zu können und sie kostete dieses in voller Länge aus. Irgendwann jedoch wurde das Wasser kühl und Raye entstieg der Wanne. Mit einem Blick zurück sah sie, wie das Wasser eine dunklere Farbe angenommen hatte und wandt sich dann ab. Sie war endlich wieder wohlriechend, gepflegt und auch ihre Glieder waren gewärmter. Ihr Kreislauf mochte die Wärme zwar garnicht, doch das war es ihr wert. Nach wenigen weiteren Minuten, war die Dunkle frisch eingekleidet und das schlohweiße Haar gepflegt und durchgekämmt. Die Nachtelfensachen standen ihr und passten soweit ganz gut. Natürlich waren sie ob ihrer körperlichen Verfassung etwas zu groß, doch das störte sie nicht. Raye zog ihre Stiefel wieder an und ging dann langsam aus dem Bad. Eine Woge kalter Luft durchflutete den Raum und die Elfe setzte sich auf das weiche Bett. Eigentlich sollte sie weiter schlafen und ihrem Körper Ruhe gönnen. Vielleicht sollte sie das auch tun, es war wichtig und auch nur zu ihrem Besten. Also legte sich Raye auf die Decke und starrte einige Zeit an die Decke, ehe sie die Müdigkeit wieder übermannte. Sie schlief ein und es plagten sie zum ersten Mal keine Alpträume oder Fieberträume. Sie konnte ruhen und das war wichtig für ihre Genesung.

Nachdem die Elfe erneut einige Stunden geschlafen hatte, erwachte sie und streckte sich. Danach erhob sie sich, prüfte ihre Standfestigkeit und befand sie als gut genug, um aus dem Zimmer, den Gang hinunter zu ghen. Sie verspürte einen leichten Hunger - auch wenn das eigentlich gelogen war, sie hatte Kohldampf, aber vom Feinsten. Sie klopfte an die Tür der Schattenkriegerin und wartete, ob ihr Einlass gewährt werden würde. Sobald sie das Zimmer betrat, würde sie die Nachtelfe nach einer Kleinigkeit zu Essen fragen und hoffentlich etwas bekommen.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Erzähler » Freitag 22. April 2011, 23:13

Das Bad wirkte wahre Wunder. Schon kurze Zeit danach fühlte sich die Dunkle wieder vollkommen erholt. Jetzt gab es nur noch das Knurren ihres Magens, welcher gefüllt werden wollte. Wie lange war es her, dass sie eine richtige Mahlzeit zu sich genommen hatte? Wenn man bedachte, wie lange sie unterwegs gewesen war, dürfte es schon drei bis vier Tage her gewesen sein.

Nachdem sie sich angekleidet und ihre Haare in eine ansehnliche Form gebracht hatte, erinnerte sie sich wieder an die Worte der Justiziarin. Sie dürfte jederzeit bei ihr vorbeikommen und Fragen stellen. Doch bevor sie das in Erwägung zog, legte sie sich nochmal auf das Bett und schlief noch eine Runde. Sie war immer noch müde und ihr Körper würde die zusätzliche Erholung mit Freuden begrüßen.

Dann, wieder einige Stunden später stand sie dann doch auf. Ihr Magen machte lautstark Meldung, was auch nicht weiter verwunderlich war. Er schob quasi Kohldampf nach allen Regeln der Kunst. Nachdem sie ihre Standfestigkeit geprüft hatte, verließ sie das Zimmer und ging den Gang entlang. Dieser war aber keineswegs dunkel, im Gegenteil. In gleichmäßigen Abständen hingen an den Wänden Lampen. Doch bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, dass die Lampen in Wirklichkeit Pilze waren: der leuchtende Purpurmantel. Das war ein Pilz, der ohne Einwirkung von Außen zu leuchten vermag. Die Nachtelfen hatten sich diese beinahe einzigartige Eigenschaft zu Nutze gemacht und benutzten ihn daher als natürliche Lichtquelle, um ihre Gebäude und Straßen zu erhellen. Das ersparte ihnen das andauernde entzünden von Fackeln, welche Rauch entwickelten und das Leben in ihrer Nähe alles andere als angenehm gestalteten. Außerdem bekamen die Wände schwarze Stellen, wenn man sie in einer Halterung befestigte, wo dagegen der Purpurmantel keine derartigen Schäden an den Mauerwerken anrichtete.

Nach einer kurzen Weile des Laufens stand Raye vor der Zimmertüre, welche am Ende des Ganges lag. Sie klopfte und wartete kurz, schließlich wollte sie das Zimmer nicht allzu stürmisch betreten. Doch als von drinnen ein freundliches „Herein“ ertönte, da würde sie schon genau wissen, dass sie es ohne schlechtes Gewissen betreten durfte. Im Innern des Zimmers sah es nicht anders aus als in dem Zimmer, in welchem sie vor kurzem noch gelegen hatte. Es war ein typisches Gästezimmer, welches wie alle anderen im nachtelfischen Stil gehalten worden war. Arinna saß an einem Tisch und stierte gerade in mehrere Pergamente, die sie, als Raye eintrat, zusammenraffte und sich ihr dann zuwendete. Sofort musste sie schmunzeln. „Die Kleidung steht dir. Als wäre sie wie für dich gemacht.“ Ihr fiel aber auch sofort auf, dass die Hose und das Hemd einen Tick zu weit waren.

Durch die eher unfreiwillige Abmagerungskur, die die Dunkelelfe hatte einlegen müssen, war sie stark abgemagert und somit auch extrem untergewichtig. Ein Zustand, welcher auch gefährlich für sie werden könnte. Zwischendurch konnte man auch ab und an ein leises Knurren vernehmen. Jeder Unwissende würde das als wildes Tier fehl deuten, doch die Schattenkriegerin hatte nach kurzer Zeit die Quelle des „Lärms“ gefunden: es war Rayes Magen, welcher hier so Randale veranstaltete. Die Justiziarin schmunzelte erneut.
„Du hast nun sicherlich großen Hunger, nach all den Strapazen. Wir können nach unten gehen, wenn du dich stark genug fühlst um Treppen zu steigen. Mal schauen, ob Inia dir etwas zu Essen machen kann und sorge dich nicht um die Kosten. Als mein Gast lade ich dich ein.“ Das war doch mal ein gutes Angebot. Vor allem für Raye dürfte es sich nach dem Paradies anhören. Wenn sie bisher angenommen hätte, dass alle Schattenkrieger solche Paragraphenreiter waren wie Xanast oder Luzien, dann würde sie wohl doch eines Besseren belehrt werden. Auch ihre innere Stimme würde ihr dazu beipflichten. Die Heilerin war anders als die beiden anderen. Arinna war als Heilerin gutmütig zu allen ihren Patienten und diente damit des öfteren als gute Seele innerhalb der Truppe. Zwar achtete sie auch die Gesetze und Gebote der Justiziare, führte diese aber nicht in übertriebener Härte aus, wie zum Beispiel Xanast. Zu ihr konnte man immer kommen, wenn man verletzt war, auch wenn man letztendlich nur eine leichte Schnittwunde davongetragen hatte.

„Gehen wir runter. Inia wird schon verhindern, dass du mir hier vor Hunger umkippst“, meinte sie mit einem zynischen Grinsen und trat an Raye vorbei. Dann wartete sie im Türrahmen darauf, dass die Dunkle ihr folgte.
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Donnerstag 28. April 2011, 12:17

Die Dunkelelfe betrat das Zimmer der Justiziarin und warf einen kurzen Blick. Es sah genauso aus, wie das Zimmer, welches sie bewohnte und ließ sie darauf schließen, dass die Nachtelfe hier ebenfalls nur Gast war. Als Arinna auf ihre Kleidung ansprach, glitt ihr Blick zu ihrem eigenen Körper und ihre Hände fuhren zweimal über den Stoff. Sie lächelte milde und nickte dann, immernoch die Kleidung betrachtend. "Danke. Es tut gut wieder in angenehmen, warmen Klamotten zu stecken." Sie sah auf und behielt das milde Lächeln noch eine Weile, ehe es dann verblasste. Ihr Magen mischte sich in die Unterhaltun ein und wäre Raye so käsig wie die Nachtelfe, würde sich jetzt ein rötlicher Schimmer über die Wangenknochen legen. Doch die Justiziarin schien sofort zu begreifen: Sie lud Raye ein, etwas zu essen und wollte sogar keine Bezahlung sehen. Auch wenn die Dunkle eher bescheiden war und sie das eine oder andere Angebot dieser Art schon ausgeschlagen hatte, nahm sie dieses jedoch dankend an.
Sie musste endlich wieder auf die Beine kommen.

Sie bedankte sich bei Arinna und folgte ihr dann langsam die Stufen der Treppe hinunter in den Gastraum. Kurz durchzuckte sie eine vage Erinnerung, dass sie hier schon mal gewesen ist, doch der Nebel des Fiebers hatte diese Erfahrung verschleiert. Während Arinna auf die Tür zur Küche zuging, wartete Raye im Gastraum. Die Arme vor dem Bauch verschränkt, sahen sich die stechend-grünen Augen um. An den Wänden waren Waffen dekorativ angebracht und gaben dem ohnehin leeren Raum eine seltsame Note. Kurz fröstelte Raye, als sie sich zu der vermeintlichen Küchentür umwandte. Noch immer unsicher auf den Beinen, ging die junge Dunkelelfe auf die Theke zu und setzte sich auf einen der dort stehenden Hocker. Kurz musterte sie die ausgestellten Getränke, als auch schon die Tür der Küche aufging.

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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Gestalt » Montag 2. Mai 2011, 21:22

Raye nahm das Angebot dankend an. Auch wenn sie sie solche immer wieder abgelehnt hatte, war sie jetzt doch froh, doch etwas in den Magen zu bekommen. Immer wieder knurrte dieser laut hörbar, er schrie wie wild nach Nahrung.
Also machten sie sich auf den Weg nach unten. Zwar dauerte es bei Raye länger, die Treppe hinunter zu steigen, aber sie kamen wohlbehalten unten an. Während die Dunkelelfe auf einem der vielen Hocker Platz genommen hatte, war Arinna in die Küche gehuscht, wahrscheinlich, um Inia, der Köchin, Bescheid zu sagen, dass ein hungriger Magen auf Nahrung wartete. Währenddessen konnte Raye die Innenausstattung des Gasthofes genauer begutachten. Fast überall hingen Waffen verschiedenster Machart herum. Einzeln, aber auch paarweise, welche sich oftmals überkreuzten. Schwerter, Lanzen, aber auch der eine oder andere Streitkolben waren zu sehen. Nichts jedoch, womit die Dunkelelfe hätte umgehen könnte. Luzien, der Justiziar, könnte sich hier fast schon wie Zuhause fühlen. Und so weit von der Wahrheit war das gar nicht mal entfernt. Eine Bewegung ließ die Dunkle jedoch aufblicken.

Mit Schwung öffnete sich die Küchentüre und heraus trat Inia, ihres Zeichens begnadete Köchin. Jetzt jedoch schwang sie nicht den Kochlöffel, sondern trug ein Tablett mit verschiedensten und erlesensten Speisen auf den Armen. Sie schien mit dem Balancieren überhaupt keine Schwierigkeiten zu haben, sie war schließlich lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie man sich fortbewegte, ohne etwas zu verschütten. Hinter ihr kam die Justiziarin heraus und setzte sich sogleich auf den Hocker neben Raye.
Die Köchin stellte das Tablett samt dem Essen vor der Dunklen ab. „Arinna hat gesagt, sie übernimmt die Rechnung gerne. Also, lass es dir in Ruhe schmecken.“ Arinna nickte zustimmend. Und das, obwohl sie nicht wirklich einander kannten. Aber die Nachtelfe war Heilerin, also musste sie ihre Patienten oder besser gesagt Schutzbefohlenen gar nicht kennen, um zu wissen, was gut für sie war.
Es gab Spezialitäten des Nachtelfen-Reiches auf der Speisekarte, aber auch solche Gerichte, welchen den Oberflächenbewohnern vorzüglich schmeckten. Schließlich musste sich ein erfolgreicher Gasthof auf jeden Kunden gut einstellen können, um Umsatz zu erzielen. Auch wenn die Speisen der Nachtelfen bei den meisten mehr als begehrt waren, zogen andere jedoch die ihnen bekannten Gerichte vor.
Raye würde jedoch nicht sehr wählerisch sein, zumal sie wahrhaftigen Hunger verspürte. Alles duftete wirklich vorzüglich und ließ einem das Herz wahrhaft höher schlagen. Während sie bei Nexor, ihrem „Ziehvater“ gelebt hatte, war sie natürlich in den Genuss nachtelfischer Küche gekommen. Wenn man sich an die seltsamen Gerichte erst einmal gewöhnt hatte, schmeckte es dafür um so besser. Und Inias Kochkünste waren weithin bekannt. Selbst Kritiker hatten eine positive Meinung von ihr, was den Gasthof besser dastehen ließ, als die Dunkelschenke innerhalb der Stadtgrenze.

Dann verschwand die Nachtelfe wieder in der Küche, offenbar warteten noch einiges an schmutzigem Geschirr darauf, wieder optimal glänzen zu können. Immer wieder kam ein Nachtelfen-Soldat herein, um einen über den Durst zu trinken, jedoch nicht, ohne Raye einen misstrauischen Blick zuzuwerfen. Jetzt, da Dunkelelfen als akute Bedrohung eingestuft worden waren und vermehrt Wachen der Nachtelfen unterwegs waren, war dieses Misstrauen gerade sehr stark ausgeprägt. Doch da die Justiziarin in der Nähe war, und er lieber keinen Ärger mit der Elite des Reiches haben wollte, trollte er sich wieder, ohne irgendeinen missmutigen oder abwertenden Laut von sich zu geben. Das diese Justiziarin aber mehr auf die Heilung, als auf Kampf trainiert worden war, das schien er zum Glück nicht bemerkt zu haben.

„Es ist lange her, dass ich hier das letzte Mal war. Und wieder scheint sich etwas verändert zu haben. Ich wünschte, ich hätte ein so tolles Zuhause wie Luzien...“ Der letzte Satz war mit einer Art Sehnsucht begleitet worden. War es einfach das wunderbare Gefühl, wieder hier zu sein, oder war es etwas anderes, tiefgründigeres? Raye würde es jedoch nur durch Nachfragen herausbekommen können.
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Re: Rückkehr in die Heimat

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Montag 9. Mai 2011, 07:52

Die Waffen an den Wänden, um sie herum, erzeugten bei Raye eine Art mulmiges Gefühl. Sicherlich, soweit sie das richtig einschätzen konnte, war diese Taverne durchaus die Anlaufstelle für die Justiziare, die ja eigentlich gar nicht existieren. Ein Schmunzeln huschte über das fahle Gesicht der Elfe. Xanast hatte sich durchaus verplappert und ihre Vermutung bestätigt. Zwar hatte die Dunkle von diesen sagenumwobenen Elitekämpfern gehört, doch nie richtig daran teilgenommen. Sie wusste lediglich, dass andere Kinder diese 'Helden' in ihre Spiele hatten einfließen lassen.
Der Dunklen war es im Prinzip egal, doch musste sie sich eingestehen, dass die beiden - Luzien und Xanast - nicht gerade ein Paradebeispiel für die Kinderfantasien waren. Vermutlich waren sie jedoch in ihren eigenen Rängen um einiges höher - jedenfalls Xanast hielt sich dafür.

Während sich ihre Gedanken weiter um die Justiziare drehten, öffnete sich die Tür, hinter welcher zuvor Arinna verschwunden war. Aus der Welt der Vorstellung gerissen, leuchteten die grünen Augen der Dunklen unmerklich auf, als sie eine weitere Elfe erkannte, die zudem noch ein Tablett gekonnt balancierte. Sie wusste nicht, wer diese Nachtelfe war, nahm jedoch stark an, dass sie die Wirtin dieser Taverne war. Gekonnt glitt das Tablett von ihren Armen auf den Thresen vor Raye und offenbarte sein herrlichen Duft und die Augenweiden, die dort prunkten. Erneut lächelte die Dunkle und nickte der Wirtin zu - dass sie Luziens Schwester war, wusste sie ja nicht - "Vielen Dank. Das sieht köstlich aus." meinte sie ehrlich und wartete, bis Inia wieder verschwunden war. Ihr Blick ging zu dem Tablett und sie begutachtete die dargereichten Speisen. Obwohl die nachtelfische-Kost überwog, gab es auch Nahrung, die wohl andere Gäste aus dieser Gegend zusich nahmen. Dann ging ihr Blick zu Arinna, die sich neben sie gesetzt hatte. Sie lächelte die Nachtelfe an. "Im Grunde nehme ich solche Angebote nicht gerne an, doch in diesem Fall -" sie machte eine kurze Pause und man sah ihr kurz an, dass sie mit sich rang, ob sie dieses Angebot wirklich annehmen konnte. Doch dann regte sich etwas in ihrem Gesicht und offenbarte Entschlussfreudigkeit: "Danke, Arinna. Danke für die Hilfe."Raye meinte es ehrlich und ließ wiedereinmal die Beobachtung zu, dass sie gewiss nicht bei Dunkelelfen aufgewachsen war.

Nach den Worten des Dankes, begann Raye sich dem Tablett zu widmen und suchte mit den Augen Köstlichkeiten aus, die sie dann langsam verspeiste. Schon wie mit dem Apfel, den Luzien ihr gegen hatte, hatte sie eine Selbstbehrrschung an den Tag gelegt, die vieles abverlangte. Doch auch die Stimme ihres Ziehvaters hallte nach wie vor in ihren Gedanken wider. Sie musste sich beherrschen, um nicht alles wieder auszuspucken. Hier ging es darum, den leeren Magen langsam wieder an Nahrung zu gewöhnen. Wenn sie nun schnell alles in sich hineinstopfte, würde ihr das garnichts bringen. Dem aufmerksamen Beobachter würde vermutlich nicht entgehen, wie die Dunkle stets nach den nachtelfischen Speisen griff.
Während sie schweigend neben Arinna saß und die wirklich gut zubereiteten Speisen zusich nahm, kam hin und wieder ein weiterer Gast in die Schenke und Raye konnte die missbilligung in ihrem Nacken spüren. Sich davon nur innerlich beirren lassend, aß sie weiter und konnte erleichtert feststellen, dass die Soldaten wieder abzogen. Alles was sie wollte war, dass sie sich erholen konnte und nicht unbarmherzig verfolgt und ausgequetscht wurde. Offenbar standen die Dunkelelfen weit niedriger im Kurs, als ohnehin schon. Ob es etwas gab, was sie nicht wusste bezüglich ihrer Rasse?
Doch Raye konnte diese Gedanken nicht verfolgen, sondern hörte, wie Arinna einen Blick auf ihre Persönlichkeit zu ließ. Also sah die Dunkle ihre Nachbarin an und musterte diese eine kleine Weile. "Was genau meinst du?" fragte Raye nach und wischte sich kurz die feingliedrigen Finger in einer Serviette ab. Interessiert beobachtete die junge Frau die Justiziarin und legte ein aufmuterndes Gesicht auf.

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