Die Reise beginnt...

Dieser prächtige Wald liegt im Norden Celcias. Der Fluss Tangros lässt dieses Gebiet blühen. Ein einsamer Priester ließ sich in diesem Wald nieder und erbaute ein Kloster, aber auch die Nachtelfen blieben nicht ohne Taten.
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Raye-Lin Sarlathza
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Die Reise beginnt...

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Donnerstag 4. November 2010, 19:08

Nachdem sich das Tor hinter ihr geschlossen hatte, verstummte auch der Lärm der Stadt. Es war totenstill im Wald Arus. Raye stand, den Rücken zum Tor, ganz still da und lauschte der Stimme des Waldes. Hier und dort konnten sie Vögel oder die Tiere am Boden hören, wie sie durch das Unterholz schlichen. Sie fröstelte und zog den Umhang von Nexor enger um ihren schlanken Leib. Sie fühlte sich seltsam; zum einen war sie frei und konnte tun was sie wollte, doch zum anderen verspürte sie eine leichte Melancholie die sich in ihr Herz stahl. Kurz war die junge Dunkelelfe versucht einen Blick über ihre Schulter zu riskieren. Nur einen einzigen Blick zurück auf ihr.. Zuhause? Ein Lächeln stahl sich auf ihre fein geschwungenen Lippen. Verspürte sie etwa tatsächlich so etwas wie Zugehörigkeit? Heimat? Raye zwang sich dazu, sich nicht umzudrehen. Es hätte ihr den Abschied mit Sicherheit nicht erleichtert. Wozu unnötige Last auf sich nehmen? Dieses Kapitel war nun beendet. In dem Moment, als Nexor starb, schloss sich das Kapitel der Nachtelfen und es wurde ein neues geöffnet im Lebensbuch der Raye-Lin Sarlathza.
So sog die junge Frau die Luft tief in ihre Lungen, stieß sie geräuschvoll aus und setzte sich dann in Bewegung. Ihre grünen Augen leuchteten und sahen angestrengt in die diesige Dunkelheit des Waldes. Immer wieder zerrte der Wind mit eisigem Griff an ihren schlohweißen Haaren und wirbelte sie durcheinander. Sie hingegen störte sich nicht daran. Immer wieder glitt ihr Blick hinab zum Boden und suchte diesen nach möglichen Stolperfallen ab. Inzwischen hatte sich die Dunkelelfe daran gewöhnt, dass ihre rechte Hüfte nicht so wollte wie sie. Sie erinnerte sie tagtäglich daran, was ihr widerfahren war. Immer wieder machte ihr der Schmerz in der Hüfte klar, dass niemals so sein wollte wie ihre Familie. Nexor hatte ihr ein anderes Leben gezeigt und sie in dem Glauben an das Gute erzogen.
Die Gedanken an Nexor ließen ihr Herz Stichen verspüren, die sie nicht abwenden konnte. Sie hatte ihn mehr gemocht, als sie sich eingestehen würde und er war mehr als nur ein Vormund. Um die Gefühle, die bei diesen Gedanken aufkeimten, nicht ertragen zu müssen, presste Raye-Lin die Lippen aufeinander und schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter. Sie würde auch das tief in ihrer Seele verschließen und nicht mehr daran denken.
Sie zwang sich die Gedanken zu verscheuchen und rief sich ins Gedächtnis, was sie nun vorhatte. Während sie sich ihren Weg durch den Wald bahnte, versuchte sie einen Plan zu erstellen, wohin ihre Reise gehen sollte. Doch bis auf Morgeria und das Reich der Nachtelfen, kannte sie nichts dort draußen. Wohin ihr Weg wohl führen würde? Was sie wohl erlebt und was ihr widerfahren wird? Sie konnte es nicht sagen, doch es war ihr auch gleich. Alles war besser als hier im Reich der Nachtelfen zu versauern und jeden Tag an Nexor erinnert zu werden. Nach Morgeria würde sie nie wieder zurückkehren, soviel stand fest. Sie hatte Gerüchte gehört, dass es irgendwo im Osten Unruhen gab, doch das wurde nie bestätigt. Es war ihr auch egal nur eines wusste sie: Würde es jemals dazu kommen, würde sie ganz gewiss nicht auf der Seite ihres Volkes stehen.

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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Samstag 6. November 2010, 19:45

Ein Abschied war immer schwer, wenn man sich wohl gefühlt hatte. Noch dazu, wo es ein unwiderrufliches Ende war. Nexor war tot, nichts und niemand würde ihn der jungen Dunkelelfe je wieder bringen können. Natürlich, es gäbe Magier, die auch Tote auferwecken konnten, oder wer wusste schon, was auf der Todesinsel alles möglich wäre, allerdings wäre es nie wieder das selbe. Die Seele war dahin gegangen, wo es ihr bestimmt war durch ihren Charakter und ihre Taten, daran konnte alle Macht der Welt nichts mehr ändern. Und somit gäbe es auch kein Zurück.
Nein, das Leben ging weiter und für alle anderen hatte sich fast gar nichts gewandelt. Wenn sie überhaupt Notiz von dem Verscheiden des Nachtelfen genommen hatten, bedauerten sie es zwar, doch das war auch schon alles. Er hatte keine Familie gehabt, außer Raye keine eigenen Kinder und somit gab es niemanden sonst, dessen Verlust eine große Lücke in dem künftigen Leben hinterlassen hatte. Das Haus würde jemand anderes irgendwann bekommen, das Grab würde gepflegt werden und das wäre es auch schon.
Die Nachtelfen gingen ihren Tätigkeiten nach und es kam auch niemand, um die junge Frau zu verabschieden. Sie war nun auf sich gestellt, obwohl sie in der Theorie jederzeit zurück kommen und weitere Kontakte knüpfen könnte, sie müsste es nur wollen. Aber so wie es aussah, wollte sie lieber endgültig in die weite Welt ziehen, anstatt weiterhin hier zu bleiben.
Wenngleich sie sich dafür keinen sonderlich guten Tag ausgesucht hatte. An der Oberwelt gab es schlechtes Wetter, der Himmel war bedeckt, es hatte Minusgrade, die sich auch nicht mehr in Richtung Wärme steigern würden, und vor einer guten Stunde war auch noch Eisregen herab gefallen. Entsprechend knirschte es unter jedem Schritt, der auf den Boden gesetzt wurde. Blattwerk hatten die Bäume kaum noch und wenn, war es von einer kristallinen Schicht überzogen.
Das Licht war schlecht. Der Morgen war noch nicht seit langem angebrochen, laut einer gestellten Uhr schon, jedoch nicht, was die Sonne anbelangte. Diese kroch nur langsam über den Horizont und ihre Strahlen waren ohnehin zu schwach, um die Wolkendecke erfolgreich durchdringen zu können. Somit war es selbst am Vormittag noch recht düster, obwohl durch die kahlen Äste eigentlich genügend Licht dringen könnte.
Dadurch allerdings ergab ein unvorhergesehenes Problem. Die blasse Sonnenscheibe war zu undeutlich, als dass man anhand ihrer Stellung eine Richtung hätte ausmachen können.
Wie könnte Raye demnach heraus finden, wohin sie überhaupt lief? Andererseits, zählte das überhaupt? Durch Zufall würde sie nicht auf Morgeria stoßen, dazu war der Weg dorthin viel zu markant. Während sie sich dank Nexors Erziehung auch im Wald auskannte und das Risiko minimal war, dass sie sich verlief oder im Kreis ging.
Also brauchte sie sich in dem Punkt keine Sorgen machen und konnte getrost ihrer Wege gehen. Dass sie sich dabei nach Osten gewandt hatte, konnte sie vorerst nicht feststellen, aber vielleicht hätte das Wetter irgendwann ein Einsehen mit ihr. Oder sie stieß zuvor bereits auf einen Ort oder einen Wanderer, der ihr dabei helfen würde, sich orientieren zu können. Die Zeit würde es schon zeigen.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Samstag 6. November 2010, 22:51

Je mehr sie sich von dem Reich der Nachtelfen entfernte, desto kälter wurde ihr. Psychologie? Wer wusste das schon. Inzwischen hatte sich Raye den Umhang, so eng wie er es eben zuließ, um ihren Körper geschlungen und hoffte so auf ein Bisschen mehr Wärme. Doch es war vergebens. Der kalte Wind war unerbittlich und die Sonne war auch keine große Hilfe. Ihr Blick ging zu den Baumkronen und durch diese hindurch. Es half nichts - sie wusste nicht, in welche Richtung sie ging, die Sonnenscheibe hob sich nur sehr undeutlich von dem Grau-in-Grau des Himmels ab.
Sie stieß einen Seufzer aus und beobachtete ihren Atem dabei, wie er sich nach und nach in der kalten Luft auflöste. Sie behielt ihre Richtung bei. Nexor hatte ihr gezeigt, wie man sich auch ohne Sonnenstand und andere Hilfsmittel zurechtfand. So suchte sie sich einen geeigneten Baum, an dem noch etwas Moos nicht von der kalten Temperatur heimgesucht worden war, und überprüfte dessen Wuchrichtung. Stirnrunzelnd musterte sie das Moos und zuckte dann die Schultern. Sie konnte nicht mit Sicherheit sagen, welche Richtung sie nun eingeschlagen hatte, doch das war ihr auch gleich. Was machte es schon für einen Unterschied, ob sie es wusste, oder nicht?
Sie ließ von dem Baum ab und ging weiter den Weg einfach, soweit es ihr möglich war, geradeaus. Hier und dort versperrte ihr ein Baum oder ein Strauch mit knochigen Armen den Weg, sodass die junge Elfe ausweichen musste, wenige Schritte später jedoch, zurück auf ihren gedachten Pfad gelangte. Im Grunde war ihr egal, wohin sie kam. Sie wollte nur weg! Floh sie etwa? Aber wovor fliehen, es gab doch nichts, oder?
In ihrem Inneren hatte sie die Antwort schon längst. Sie lief davon; vor dem heimischen Gefühl und der Einsamkeit im Reich der Nachtelfen. Sie hätte dort bleiben können, doch das widerstrebte ihr.
Sie wollte nicht für den Rest ihres Lebens - und wenn alles gut lief, wäre das ein überaus langer Rest- unter der Erde leben und Tag ein, Tag aus jagen. In ihr keimte mit jedem Schritt, den sie sich von der Stadt entfernte, ein unbekanntes Verlangen nach Abenteuer auf. Sie wollte etwas bewirken, sie wollte sich einbringen. Was genau das für sie heißen wird, konnte sie nicht sagen. Doch wenn sie es nicht versuchte, so wusste sie, würde sie schneller altern, als ihr lieb war.
Sich etwas ablenkend, lauschte sie für eine Weile dem monotonen Knirschen unter ihren Schuhen, wenn die gefrorenen Blätter oder Zweige brachen. Sie bemühte sich ihre Gedanken für eine Weile beiseite zu schieben, und sich auf die Umgebung zu konzentrieren. Auch wenn sie sich hier in Sicherheit fühlte, wusste sie dennoch nicht, was hier draußen vielleicht lauerte. Sie war nun allein und auf sich gestellt. Es gab keinen Nexor, der ihr in der Not zur Seite stehen konnte. Dessen musste sie sich langsam bewusst werden!

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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Montag 8. November 2010, 16:59

Gewöhnlich hieß es, dass Bewegung den Körper warm hielt. Doch gab es auch Ausnahmen von dieser Regel, wenn man zu wenig geschlafen oder geweint hatte, oder auch psychisch bedingt.
Allerdings... traf das auch auf die Dunkelelfe zu? Oder lag es einfach daran, dass die Temperaturen einfach nicht höher klettern wollten, dass es noch immer frostig war und der Atem nur zu deutlich sich zu einer weißen Wolke bildete? Wer konnte das schon genau sagen? Vielleicht fraß Raye ja auch ihre Gefühle der Trauer, des Verlustes in sich hinein, sodass sie sich zu Recht einsam fühlte und ihr deswegen kälter war? Nun ja, so etwas konnte nur sie selbst sich beantworten, sofern sie sich nicht belog.
Ein Außenstehender würde hingegen womöglich darauf hinweisen, dass sie sich einfach zu wenig angezogen hatte für dieses Wetter. Ja, das konnte durchaus auch ein passender Grund sein.
Wie auch immer, ihr war kalt, die Bewegung half wenig und sie musste sich damit abfinden.
Ob sie sich ein kleines Feuer machen sollte? Andererseits, wenn sie jetzt schon rastete und riskierte, dass ihre Glieder steif wurden, wie sollten sie dann erfolgreich vorwärts kommen? Und was täte sie dann in der Nacht, wo es noch kälter werden würde?
Vermutlich wäre das Klügste, kurzerhand umzudrehen und ins Dorf zurück zu kehren. Aber das wollte sie schließlich nicht, sonst wäre sie nicht erst aufgebrochen. Nur... wie wäre es, wenn man umdrehte, sich wärmere Kleidung oder noch eine Decke holte und danach den Weg von neuem begann? Gäbe das eine zu große Blöße? Vielleicht nicht für die anderen Nachtelfen, jedoch wie erginge es ihr selbst dadurch?
Nein, für ihre Psyche war es höchstwahrscheinlich das Beste, sie dachte nicht einmal daran, umzukehren. Was hätte es auch gebracht? Es hätte nur ihre Kräfte vergeudet und vermutlich sogar ihre Seele noch weiter angegriffen, das heimische Gefühl gepaart mit der Einsamkeit noch vermehrt.
Nein, ihre Füße trugen sie weiter vorwärts durch einen Wald, der sich im Kälteschlaf befand. Nur hin und wieder war das Krächzen der Raben zu hören oder ihre schwarzen Körper zeichneten sich schemenhaft vor dem grauen Himmel ab. Das war allerdings auch schon alles an Leben, das sie ausmachen konnte.
Es war definitiv die falsche Zeit, um unvorbereitet eine Reise zu beginnen! Jedoch der Tod ließ sich nicht vorher bestimmen und auf eine Jahreszeit festlegen, er kam, wann er wollte und nicht, wann es den anderen passte.
Ihr Weg führte sie weiter, Schritt um Schritt, Minute um Minute, Stunde um Stunde. Gegen Mittag knurrte ihr Magen vernehmlich und es stellte sich ihr eine weitere Frage, die sehr wichtig zu beantworten war.
Was sollte sie essen und wie viel davon? Wasser könnte sie mit etwas Glück bald finden, das nicht völlig zugefroren wäre. Aber Nahrung? Das war schon um einiges schwieriger.
Sollte sie kurz rasten und ihre tauben Glieder noch mehr zum Steifwerden verleiten oder besser den knurrenden Magen ignorieren und weiter laufen bis zum späten Nachmittag, um im letzten Licht des Tages für ihr Essen zu sorgen?
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Dienstag 9. November 2010, 18:21

Innerlich fluchte sie. Ihre Laune wurde nicht besser dadurch. Im Gegenteil - je mehr sie sich fortbewegte, desto kälter wurde ihr. Sie verfluchte sich selber, dass sie so töricht gewesen war, nichts Wärmeres anzuziehen, oder wenigstens mitzunehmen. Was um alles in der Welt hatte sie sich eigentlich dabei gedacht? Ob ihrer Gedanken entfuhr ihr ein Laut, der ihre eigene Unzufriedenheit deutlich darstellte. Sie war eine Närrin! Nagut, Wasser würde sie eventuell finden, aber was war eine der vielen Regeln beim Jagen? Sobald es draußen friert, ist das Wild umso seltener! Sie hatte sich überhaupt nicht auf ihre Reise vorbereitet. In keinster Weise.
Wütend legte sie einen Zahn zu, um ihren Körper in Gang zu halten. Und in der Nacht? Was wäre in der Nacht?! Sie würde erfrieren, wenn sie nicht bald einen geeigneten Unterschlupf finden würde. Die eisige Kälte kroch ihr unbarmherzig die Glieder hoch. Egal wie sehr sie sich versuchte in ihren Umhang zu wickeln; es änderte nichts daran, dass sie fror und, dass ihr Körper irgendwann würde aufgeben müssen.
Sie blieb stehen und warf einen Blick in die Richtung, aus der sie gekommen war. Sollte sie zurückgehen? Sollte sie die Reise neu beginnen, mit mehr Ausrüstung und einem. Plan? Noch bevor sie den Gedanken zu Ende gedacht hatte, stemmte sich eine unüberwindbare Mauer empor, die es ihr untersagte auch nur daran zu denken. Sie würde sich nicht dazu hinreißen lassen zu beenden, was eben erst begonnen hat. Sie blickte in die entgegengesetzte Richtung und dann in den Wald hinein. Sie konnte keine größeren Wildtiere ausmachen, ausser ein paar Raben die sich zankten. In ihrer jetzigen Situation trug das Gezeter der beiden Vögel nicht dazu bei, sie zu besänftigen. Im Gegenteil, ganz zur Not würde sie auch diese beiden Vögel verzehren, wenn es gar keine andere Möglichkeit gäbe. Und sie würde sie mit Freude zum Schweigen bringen!
In ihr wallte eine Stimme hoch: "Wir entscheiden selbst, wer wir sind..." Sie schloss für einen Moment die Augen, atmete tief durch und beruhigte sich, wenigstens etwas. Sie würde schon das Beste aus ihrer Situation machen.

Gegen Mittag hörte sie ein leises Knurren und wusste, woher dieses kam: Es war ihr Magen. Ja, sie verspürte ein Hungergefühl, doch wenn sie jetzt rastete und sich etwas zu essen suchte, wäre ihr Körper so ausgekühlt, dass sie vermutlich hier im Wald sterben würde. Ein trauriges Leben, kaum die Reise begonnen, schon dem Tod verfallen. Nein, sie entschied sich dafür, weiter zu gehen. Und mehr noch, sie verfiel in einen leichten Laufschritt, der ihren Körper sicherlich etwas in Wallungen bringen würde und so, einige Stunden mehr durchhalten müsste. In der Dämmerung - obwohl der Wald aussah, als ob er in konstanter Dämmerung daliegen würde - würde sie auf die Jagd gehen und sich bis dorthin ein geeignetes Fleckchen aussuchen, um die Nacht, wenn auch mehr schlecht als recht, zu überstehen. Am nächsten Tag, so Manthala wollte, würde sie dann schneller vorankommen und sich nach einer Ortschaft umgucken.

Nur wenige Stunden später, fand Raye-Lin einen geeigneten Platz im Wald, und entschied sich, diesen als ihr Nachtlager zu nutzen. Es war eine kleine Lichtung, könnte man sagen, mit einer Buschreihe und ein paar Bäumen drumherum. Sie besah sich die Stelle genauer und prüfte, ob sie hier für die Nacht bleiben konnte. Sie entschied sich dafür, ehe sie im umliegenden Unterholz nach trockenem Geäst und Blättern suchte. Sie brauchte eine ganze Weile, da beinahe jeder Zweig und jedes Blatt mit einer feinen Eisschicht überzogen war. Doch sie hatte Glück; sie fand Einiges, was sie zum Feuermachen verwenden konnte.
Nachdem die Dunkelelfe zurück zu der kleinen Lichtung gekehrt war, warf sie das Holz auf den Boden, um eine Stelle, neben einem Baum, von Blättern und Moos zu befreien. Mit dem Fuß schabte sie solange, bis eine kahle Stelle sichtbar wurde. Dort legte sie das gefundene Feuerholz zurecht. Während sie das Feuerholz gesucht hatte, hielt sie gleichzeitig die Augen nach geeigneten Steinen offen, um das Feuer entzünden zu können. Offenbar hatte Manthala ein Einsehen mit der Elfe, da sie nun, zwei Stunden später, an einem Feuer saß. Leider war die Jagd nicht erfolgreich gewesen. Lediglich ein mageres Kaninchen hatte sie erlegt, welches sie bereits verzehrt hatte. Der Hunger war nicht annähernd gestillt, dennoch reichte es, um das Gefühl der Schwäche noch eine Weile hinzuhalten. Raye lehnte mit dem Rücken an einem Baum und starrte in das prasselnde Feuer. Die Flammen spiegelten sich in den grünen Augen wieder und warfen unheimliche Schatten auf die grau-schwarze Haut. Es wärmte ein wenig, dennoch fror sie. So saß sie, den Umhang weiterhin eng um ihren Körper geschlungen, in Gedanken versunken da.

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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Freitag 12. November 2010, 23:33

Es war alles andere als klug gewesen, derart proviantlos loszuziehen und das Wetter nicht zu beachten. Andererseits war Raye in einer ungewohnten, Gefühls betonten Situation gewesen und in solchen neigte man dazu, mindestens die Hälfte zu vergessen. Dies rächte sich zwar jetzt, aber vielleicht hätte sie trotz allem Glück. Nexor hatte ihr beigebracht, im Wald zu überleben, egal, wie die Umstände waren. Und wenn alles gut ging, würde sie nicht zu lange auf Wanderschaft sein.
Immerhin war sie relativ zügig in den vergangenen Stunden voran gekommen und wusste auch, sich in einem solchen Terrain auf eine Art zu bewegen, die effektiv und verhältnismäßig Kraftsparend war. Was also wollte sie mehr? Sie musste eben improvisieren, jedoch genau das hatte ihr Mentor ihr schließlich beigebracht.
Nun könnte sie ihm eine besondere, letzte Ehre erweisen, indem sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzte und dabei auch noch überlebte. Vielleicht könnte das auch ihr Antrieb sein, der Gedanke an ihn und daran, wie stolz er auf sie wäre, würde er sie von dort, wo er jetzt war, sehen können.
Die Zeit verging und ihr Körper fiel in eine Abfolge von Bewegungen, die rein automatisch werden konnten. So überstand sie die Stunden bis zum frühen Abend, als sie sich einen Lagerplatz ausgesucht hatte.
Am Horizont konnte man hohe Berge erahnen, die ihr anzeigten, dass sie nach Osten gegangen war. Diese Richtung sollte sie morgen nicht mehr einschlagen, sonst würde sie unweigerlich den selben Weg wie damals nehmen mit dem gegenteiligen Ziel, nämlich in das Reich der Dunkelelfen zu gelangen. Allerdings konnte sie sich jetzt wenigstens etwas besser wieder orientieren.
Würde sie zurück gehen, wäre es nach Westen, zu linker Hand läge Norden und das war auch kein gutes Vorhaben. Dort gab es so gut wie gar nichts, außer noch mehr Kälte. Also würde sie sich nach Süden wenden müssen. Nur eine Ortschaft würde sie so schnell nicht finden können, denn der Arus war ein großer Wald.
Doch wenn es so weiter ging, wie an diesem Tag, dann würde sie es bald überstanden haben und könnte stolz auf sich sein.
Das Feuer brannte nicht sonderlich hoch, aber es spendete zumindest ein bisschen Wärme. Jedoch sollte sie noch ein paar Äste sammeln und nachlegen, sonst würde es mitten in der Nacht ausgehen. Das konnte sie sich nicht leisten, sonst würde ihr Körper zu schnell auskühlen.
Das Kaninchen war nicht viel, allerdings besser als gar nichts gewesen. Nur die Stimmung mitten im Wald wurde immer unheimlicher. Das spärliche Licht verschwand endgültig, die Raben krächzten noch immer, irgendwo knackte beständig das arbeitende Holz und ein leichter Wind streifte durch die leeren Äste, verursachte dabei Gänsehaut verursachende Geräusche. Wer das nicht kannte, konnte rasch Angst bekommen und in jedem der zahlreichen Schatten Gespenster sehen.
Außerdem suchte Kleingetier, das noch nicht völlig erstarrt war in der Kälte, die Nähe des Feuers. Mehrere Spinnen krabbelten in den Lichtkreis und auch ein paar Käfer. Was mochte dann erst alles in der Nacht über ihren Körper krabbeln, um zu der Wärme zu gelangen? Am besten war es vermutlich, wenn sie gar nicht erst darüber nachdachte.
Die Wolken zerstoben sich noch immer nicht, sodass es zusätzlich zu den Flammen am Himmel eine komische Art von gräulichen Gebilden gab, die kein wirkliches Licht spendeten, dafür jedoch so wirkten, als würden sie beleuchtet werden.
Ob der nächste Tag wenigstens besseres Wetter bieten würde? Es war noch nicht zu sagen um diese Uhrzeit und konnte sich im Laufe der Nacht durchaus ändern.
Hoffentlich würde es nicht zu regnen beginnen! Ob Raye sich eine Art notdürftiges Schutzdach bauen sollte, um das Feuer abzuschirmen? Es wäre wichtig, weil es sonst so leicht gelöscht werden könnte. Aber wie sollte sie so etwas zustande bringen? Jetzt waren ihre Phantasie und ihr Ideenreichtum gefragt.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Dienstag 16. November 2010, 16:32

Während die junge Dunkelelfe auf das prasselnde Feuer blickte, wurde es dunkel um sie herum. Nun war die Sonne endgültig hinter dem Horizont verschwunden und würde auch sobald nicht mehr auftauchen; die Nacht war hereingebrochen. Ihre Aufmerksamkeit wurde auf die Geräusche des Waldes gelenkt, als sich jegliches, nachtaktives Tier aus seinem Unterschlupf traute und der der Wind durch hohle Baumstämme brach.
Raye konnte spüren, wie sich langsam Müdigkeit und auch eine leichte Erschöpfung in ihrem Körper ausbreiteten. Es war wenig verwunderlich, dass ihr Körper begann zu rebellieren, doch noch empfand sie das nicht als beachtenswert. Sie konnte feststellen, dass das Feuer etwas kleiner wurde und erhob sich schließlich, um sich noch etwas von ihrem kleinen Holstapel zu nehmen. Sie hatte wohlweißlich nicht das ganze Holz auf die Feuerstelle gelegt, um jetzt, in dieser Situation, wo das Feuer auszugehen drohte, noch ein wenig nachlegen zu können. So griff sie nach einem tadellos rund gewachsenem Birken-Ast und legte diesen ins Feuer. Sie schaute sich kurz um und versuchte in der Dunkelheit zu sehen. Es war nicht allzu schwer einige Schatten auszumachen, hatte sie doch seit langer Zeit unter der Erde gelebt und gelernt sich unter diesen Umständen zurecht zu finden. So wusste sie auch, dass nun, wo die Sonne verschwunden und Manthala an der Reihe war zu wachen, alle nachtaktiven Tiere auf der Jagd waren.
Sie überlegte, ob sie den Versuch wagen sollte, ein größeres Tier für ihren Hunger zu jagen. Immerhin hat Nexor sie regelmäßig mit in den Arus genommen, sie sollte in der Lage sein, ein Wildschwein oder ähnliches zu schießen. Doch auf der anderen Seite, hatte sie sich bereits ein Lager gemacht und sie musste dafür sorgen, dass es ihr Lager blieb. Die Tiere würden sicher versuchen an das Feuer zu kommen, denn es war sehr kalt. Sie entschied sich gegen die Jagd, im Morgengrauen würde sie ebenfalls noch eine Chance haben und sich dann ein wenig mehr schießen, um am Abend nicht erneut in dieser Lage zu sein.
Während sie vor dem Feuer stand und ihre Überlegungen anstellte, beobachtete sie das Kleingetier, welches sich langsam auf das Feuer zu bewegte. Es war nicht gerade angenehm an die Spinnen und Käfer zu denken, doch sie war es bereits gewohnt und beschäftigte sich nicht länger mit diesen. Vielmehr hatte sie das Gefühl, dass es noch Regen geben konnte. Sie richtete ihren Blick gen Himmel und versuchte irgendein Anzeichen für ihr Gefühl zu erhaschen, doch das wusste nur Manthala. Dennoch entschied sie sich, ein kleines “Dach” für das Feuer zu bauen. Sie lauschte noch mal angestrengt in die Dunkelheit, um zu prüfen, ob sich etwas größeres als ein Hirsch oder Bär im Wald bewegte, dann verließ sie ein Stück weit das provisorische Lager.

Nicht weit entfernt vom Feuer - sie konnte es immer noch sehen - suchte sie im Umkreis nach geeignetem Material, um einen Unterstand bauen zu können. Sie fand 4 ungefähr gleichlange Stöcke, die sie sich noch ein wenig zurecht schnitzen wollte. Diese unterm Arm, konnte sie nach längerem Suchen das ein oder andere gefrorene Blatt finden, welche sie ebenfalls sammelte. Nachdem sie den Stöcke und die Blätter in der Nähe ihres nächtlichen Schlafplatzes abgelegt hatte, suchte sie noch nach weiteren kleineren Zweigen. Als sie der Meinung war, dass sie genug Zweige zusammengesammelt hatte, kehrte die Dunkelelfe zurück zum Lager und machte sich daran die gefundenen Utensilien zu bearbeiten. Die vier gleichlangen Stöcke, hatten allesamt einen abstehenden Zweig, auf welchen sie besonders geachtet hatte. Nun nahm sie einen ihrer Dolche und schnitzte das andere Ende, ohne den Zweig, ringsherum bis es spitz zulief. Das gleiche machte sie mit den anderen drei Stöcken. Nachdem sie damit fertig war, nahm sie einen dünnen Zweig, den sie vorher zur Hälfte in das Feuer gelegt hatte, und hielt das glühende Ende an den Boden. Dieser wurde heiß und lockerte sich dadurch etwas. Sie verfuhr mindestens vier oder fünf Mal für vier Löcher auf die selbe Weise, ehe sie alle vier geschnitzten Stöcke um das Feuer herum im Boden versenkt hatte. Nun standen sie fest in der Erde und sie machte sich daran, die vielen kleinen Zweige, die sie gesammelt hatte, feinsäuberlich auf die Zweige, welche von den geschnitzten Stöcken abgingen, zu legen. Sie hatte ein gutes Auge bewiesen, da die Stöcke fast alle auf die Stöcke passten. Nachdem sie damit fertig war, betrachtete sie die Rohfassung ihres Daches. Natürlich war dies keine perfekte Lösung, bei wirklich starkem Regen würde auch das nichts nützen, doch sollte es ein wenig tröpfeln, würde diese Konstruktion das Meiste abhalten. Zur besseren Abdeckung, sammelte Raye noch viele geeiste Blätter, um sie auf das “Dach” über dem Feuer zu legen. Es war hoch genug, damit die Blätter nicht sofort Feuer fingen und das Eis um den Blättern herum verlangsamte diesen Prozess auch mehr als deutlich. Bis die Blätter trocken waren, hatte sie gut drei oder vier Stunden Zeit und bis dahin, würde sie neue Blätter gesammelt haben.
Doch auch eine andere Nutzungsweise erschloss sich ihr: Sie setzte sich nahe an das Feuer und der Rauch nebelte sie ein. Sie hielt ihre Feldflasche, die sie sich, bevor sie aus dem Reich der Nachtelfen verabschiedet hatte, noch eingesteckt hatte, immer wieder unter das ein oder andere Blatt, welches sie ab und zu anhob, und fing somit das getaute Wasser auf. Es war mit Sicherheit nicht das Sauberste, dennoch war es Wasser und sie würde es mit Sicherheit noch brauchen. Nachdem sie die Eisschichten der Blätter ausgeschöpft hatte, setzte sich Raye wieder an den Baum, an welchem sie schon saß, und betrachtete ihre Feuerstelle. Ein leichtes Gefühl des Stolzes konnte sie nicht unterdrücken, doch sie war zufrieden mit sich.
Es hatte zwar lange gedauert das Material zu finden und dann anschließend zu verwenden, doch sollte es nun regnen, würde sie jedenfalls nicht allzu schnell riskieren, dass das Feuer ausgeht.

So glitten ihre Gedanken zu den Bergen, die sie, bevor die Sonne gänzlich verschwand, ausmachen konnte. Sie war also Richtung Osten gegangen und sie wusste, dass sie diese Richtung nicht weiter einschlagen durfte, wenn sie nicht in Morgeria landen wollte. - Was völlig außer Frage stand. Sie entschloss sich nach Süden zu gehen, da sie wusste, dass im Norden nicht viel zu erreichen war. Dort gab es Einöden und eisige Landschaften, was sie wirklich nicht brauchte und wofür sie auch gänzlich ungeeignet ausgerüstet war. Nein. Die Entscheidung stand fest, sie würde im Morgengrauen Richtung Süden aufbrechen und ihr Glück dort suchen. Erneut lief ihr ein leichter Schauer über den Rücken, als die nächtlichen Geräusche das Prasseln ihres Feuer übertönte. Der Arus war groß und sie wusste bei weitem nicht, was sie denn alles erwarten würde, wenn sie schlief. Also versuchte sie, sich so gut wie möglich wach zu halten. Noch obsiegte die Müdigkeit nicht, was bei ihr schon immer der Fall gewesen war. Es missfiel ihr zu schlafen, da sie dort von quälenden Albträumen heimgesucht wurde, die sie jedes Mal aus dem Schlaf, schweißgebadet erwachen ließen. Also vermied sie es, zu schlafen, wenn sie konnte und hatte seit Jahren der Übung ganz gute Fortschritte darin gemacht, mit sehr, sehr wenig Schlaf auszukommen.

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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Freitag 19. November 2010, 21:44

Nun ja, wirklich Nacht könnte man das noch nicht nennen, die nun herein brach. Eigentlich war es noch mitten am Nachmittag, aber durch die Jahreszeit sank die Sonne bereits um diese Zeit. Bis zum Tageswechsel hätte sie noch neun Stunden, die sie dennoch nicht wirklich zum Weiterwandern nutzen konnte. Es würde zu kalt werden, es war dunkel und mit Fackeln zu gehen wäre es sehr gefährlich. Sie bräuchte lediglich eine Stolperfalle übersehen, die Lichtquelle verlieren und damit einen Brand auslösen. Hätte es wenigstens den Mond und die Sterne gegeben, anstatt diese durchgehenden Wolkenbänke, hätte sie es vielleicht trotz allem wagen können. Aber so hatte sie zu wenig Anhaltspunkte, um selbst ihre trainierten Augen ausreichend gebrauchen zu können.
Nein, sie musste dieses Lager aufschlagen, eine andere Wahl hatte sie nicht. Nicht einmal mit dem Wissen, dass es für die Nachtruhe noch viel zu früh war. Auch der nächste Tag hätte sie nicht so viele Stunden für ihren Weg Zeit, wie in einer der anderen Jahreszeiten. Was wieder einmal darauf hinwies, wie negativ es sich für sie auswirkte, dass sie jetzt aufgebrochen war, anstatt wenigstens ein paar Wochen zu warten. Doch zu ändern war es auch nicht mehr.
Stattdessen musste sie das beste aus ihrer Lage machen und dank Nexors Erziehung, die viele Bereiche umfasst hatte, fand sie auch eine Möglichkeit, um ihr Feuer zu schützen. Musste sie es nur so aufstellen, dass es nicht selbst ein Opfer der Flammen wurde. Solange kein Wind aufkommen würde, würde ihr das höchstwahrscheinlich auch gelingen. Ein bisschen Glück musste ihr schließlich hold sein!
Und sie hatte sich eine Beschäftigung dadurch verschafft, indem sie dieses Schutzdach für ihre Wärme- und Lichtquelle zusammen bastelte. Was auch nicht verkehrt war, da sie dadurch nicht völlig abkühlen würde und ihre Finger in Bewegung hielt, wodurch sie nicht steif froren.
Außerdem hatte ihre Methode, wie sie sich das Dach bastelte, einen weiteren Vorteil. Sie erhielt durch das Schmelzwasser ein bisschen etwas zu trinken, nicht sonderlich sauber, allerdings besser als gar nichts. Warum sollte sie das nicht ausnutzen, solange sie nicht befürchten musste, deswegen krank zu werden? Sie musste es, schließlich war es ungewiss, wann sie das nächste Mal solch eine Gelegenheit erhalten würde.
Die Zeit verging während ihrer Tätigkeit und als sie sich schließlich zufrieden und zu recht stolz auf sich zurück lehnen konnte, war es tatsächlich schon später Abend. Das Sammeln und Zurechtstutzen hatte einiges an Zeit für sich beansprucht und das Feuer hatte sich bereits wieder ein wenig verkleinert.
Wenn Raye nicht noch einen Vorrat an Zweigen hatte, sollte sie sich beeilen, erneut aufzustehen und ein paar zu suchen, um ausreichend zu haben bis zum Sonnenaufgang.
Vielleicht wäre ihr am nächsten Tag der Wettergott wohler gesinnt und würde ihr wenigstens mehr Licht gönnen! Auf der anderen Seite, ob das ihren Augen so gut täte? Sie war Jahre lang im Reich der Nachtelfen gewesen und hatte die Sonne sehr selten zu Gesicht bekommen. Wie würde es sein, wenn sie zu scheinen beginne? Würde es ihr Schmerz zufügen oder würde, wie früher, ungehindert im grellen Tageslicht ihrer Wege gehen können?
Träge flossen die Minuten dahin und auch wenn es recht klug war, vorsichtig zu sein und nicht zu schlafen, irgendwann müsste sie die Augen schließen. Sie brauchte die Kraft für ihre Wanderung und zumindest drei oder vier Stunden müsste sie sich genehmigen. Eventuell hätte sie Glück und die Erschöpfung würde ihr die Alpträume ersparen.
Doch zuvor musste sie eindeutig noch Holzscheite nachlegen, sonst würde sie in völliger Finsternis aufwachen, vermutlich sogar erfroren.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Samstag 20. November 2010, 21:52

Erneut bemerkte die Dunkelelfe, wie sich das Feuer langsam dem Ende neigte. Sie seufzte und erhob sich erneut von ihrem Platz am Baum, zuckte jedoch jäh zurück, als sie ein stechender Schmerz durchfuhr. Mit zusammengepressten Lippen, ließ sich Raye zurück auf den Boden gleiten und stieß in einem Schwall die angestaute Luft aus. Durch das viele Marschieren und das Sitzen, meldete sich ihre seit Jahren zerstörte Hüfte. Es schmerzte und brannte, was sie für einen Moment erstarren ließ.
In der ganzen Zeit hatte sie ihr Manko völlig außer Acht gelassen, was sich nun rächte. Wenn sie nicht aufpasste, würde sie am nächsten Morgen nicht weiter laufen können.

Erneut versuchte sie, dieses Mal sehr vorsichtig und mit weniger Gewicht auf ihrem rechten Bein, aufzustehen. Nur mit einiger Überwindung, schaffte sie es, sich zu erheben und in kurzen Abständen, das rechte Bein zu belasten. Nach und nach verging der Schmerz und wurde wieder zu der Normalität, die sie seit Kindesbeinen an, kannte.
So gut es in der Dunkelheit eben ging, suchte sich Raye-Lin einige weitere Stöcke, die sich zum Feuer machen eigneten zusammen, und legte einige davon nach. Den Rest drapierte sie neben “ihrem Baum”, und kniete sich vor dem Feuer hin. Das Flackern der Flammen, hinterließ eigenartige Schatten auf ihrem Gesicht; das Grün ihrer Augen flammte hier und dort, sobald das Licht hinein traf, unheimlich auf. Sie haderte mit sich:
Sie wusste, dass die Nacht sehr kalt werden würden, kälter, als der Tag gewesen war. Ausserdem hatte sie einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es heißen würde, völlig ausgekühlt weiter zu gehen. Sie würde es kaum aushalten vor Schmerz. Sie lächelte und konnte auch nicht anders, als über ihre wirklich dumme Situation zu lächeln. Hier saß sie nun, nach jahrelangem Training mit Nexor und befand sich in einer derartigen Anfängersituation, die sie einfach nur als lächerlich empfand. War es eine Prüfung? Vermutlich. Oder das überstürzte Handeln nach einem Verlusst.
Sie schüttelte den Kopf und wog ihre Chancen ab. Dann traf sie eine Entscheidung:

Sie nahm den Umhang von Nexor ab und legte diesen auf ihr selbstgebautes Schutzdach. Sie wartete einige Minuten ab, und prüfte immer wieder, ob der Umhang schon die Wärme der aufsteigenden Flammen aufgenommen hatte. Gleichzeitig passte sie höllisch auf, dass der Umhang kein Feuer fing, ebenso wie sie darauf achtete, dass die Stöcke, die das Schutzdach darstellten, nicht auch Feuer fingen.

Nachdem die Dunkelelfe der Meinung war, dass der Umhang genug Wärme aufgenommen hatte, nahm sie diesen vom Schutzdach herunter und ging, vorsichtig darauf bedacht nicht zuviel Gewicht auf ihre Hüfte zu legen, wieder zu ihrem Baum herüber. Sie wickelte sich den Umhang um die Schultern und bedeckte vorsorglich ihre kaputte Hüfte. Sie hoffte, dass ihr das wenigstens für eine gewisse Zeit die Kälte aus den Knochen treibt, und sie so nicht allzu sehr auskühlen würde. Zumindest spendete ihr der Umhang noch mehr Wärme und es machte sich sogar ein recht behagliches Gefühl breit. Während der nächsten Stunden, legte sie immer wieder ein oder zwei Holzscheite nach, besorgte aus dem umliegenden Wald neue und wärmte ihren Umhang immer wieder neu auf, bis sie sich kaum noch gegen die aufkommende Müdigkeit durchsetzen konnte. Sie ertappte sich immer wieder, wie sie ab und an eindöste, ehe sie hoch schreckte und erneut das Feuer überprüfte.

Sie machte sich, auch um sich wach zu halten, über alles mögliche Gedanken. Auch darum, ob sich ihre Augen im hellen Licht zurechtfinden würden, ob sie zu gebrauchen wären. Doch sie entschied, sich damit noch nicht zu befassen. Alles würde kommen, wenn der Zeitpunkt erreicht wäre und sollte es denn tatsächlich ihr Schicksal sein, zu sterben im Wald Arus, dann hat Manthala das so vorgegeben und sie würde auch nichts weiter daran ändern können.
Doch eine leise Stimme, irgendwo tief in ihr drin, flüsterte ihr stetig zu, sie solle sich um keinen Preis fügen. Sie soll kämpfen, immerhin ist das ihre Natur. Sie soll alles tun, was nötig ist, um das zu erreichen, was ihr seit jeher zustünde…

“Deine Zeit wird kommen…”

Sie drängte diese Stimme vehement beiseite und starrte, fast schon verbissen ,auf das Feuer vor sich.

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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 24. November 2010, 15:55

Es war schon merkwürdig, in welchen Situationen einen die Vergangenheit einholen konnte. Bisher hatte sich ihre lädierte Hüfte nicht gemeldet, dafür tat sie es nun umso vehementer. Genau dann, wenn es unpassend war! Hoffentlich würde sich ihr Körper wieder beruhigen und sie könnte mit wenigen, ihr zur Zeit möglichen Maßnahmen dafür sorgen, dass sie am nächsten Tag trotz allem weiter wandern konnte. Und sei es lediglich gezwungenermaßen zurück ins Dorf der Nachtelfen, weil sie es nicht weiter schaffen würde.
Nachdem sie erst einmal ausreichend Feuerholz wieder gesammelt und nachgelegt hatte, unternahm sie etwas dagegen, dass ihr beständig kalt war. Es war zwar nicht sonderlich leicht, aber recht wirkungsvoll, wenngleich lediglich für wenige Minuten.
Danach war der Stoff erneut ein wenig ausgekühlt, allerdings hatte sich ihr Körper etwas erwärmt und konnte es vorerst ausgleichen.
Nachdem sie sich die Zeit vertrieben und den Vorgang wiederholt hatte, drohte es ihr, dass sie endgültig einschlief. Immer und immer wieder fielen ihr die Augen zu, ohne dass sie dagegen etwas tun konnte. Dagegen kämpfte sie, versuchte es mit allen Mitteln, selbst mit aufrüttelnden Gedanken.
Am Schluss starrte sie nur noch in die Flammen und das war im Endeffekt ihre endgültige Niederlage. Denn das Feuer übte eine beruhigende Wirkung aus und schließlich verlor sie den Kampf, sie schlief ein.

Als sie aus ihren wirren Träumen wieder aufwachte, waren ein paar Stunden vergangen. Ihr Körper war steif gefroren und das Feuer beinahe völlig herunter gebrannt.
Dennoch gab es da auch weiterhin eine gewisse Müdigkeit in ihr. Sie lag gerade gut... Warum sollte das nicht so bleiben? Sie könnte doch einfach wieder ihre Augen schließen und die Welt um sich herum vergessen. Vielleicht würde ihr das ja dieses Mal sogar länger gelingen, wer sollte ihr schließlich daraus einen Vorwurf machen...
Ob sie von Nexor träumen könnte? Von alten, schönen, nur leider vergangenen Zeiten? Dann würde man immerhin am liebsten die Augen gar nicht mehr öffnen...
Raye befand sich in Gefahr, in großer sogar, vermutlich ohne es selbst begreifen zu können. Ihre Temperatur war auf einen Betrag herab gesunken, der lebensbedrohlich war. Sie müsste kämpfen, mal wieder. Müsste sich dazu zwingen aufzurappeln, das Feuer erneut zu schüren, Holz nach zu legen und sich zu wärmen, bis ihr der gesamte Körper schmerzen würde. Und das in der Dunkelheit, noch bevor die Sonne aufgegangen war, was bestimmt noch zwei oder gar drei Stunden dauern würde.
Was hatte das für einen Reiz, wenn man stattdessen weiter liegen und schlafen... vergessen könnte? Wie würde sich die junge Frau entscheiden? Hörte sie nicht schon Nexor, der sie rief? Sie bräuchte nur die Augen ein letztes Mal zu schließen...
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Mittwoch 24. November 2010, 18:33

Sie fiel… immer tiefer und tiefer. Als sie unten ankam, spürte sie einen stechenden Schmerz und sie konnte hören, wie ihr, ob des Aufpralls, die Luft aus den Lungen gequetscht wurde. Unfähig die Augen zu öffnen, taumelte sie nach vorne, versuchte aufzustehen und fiel doch nur wieder ins Gras. Nein, in den Schlamm. Wabernd umschlang der flüssig-braune Mantel ihren Körper; hüllte ihn ein, griff nach ihr.
Als es ihr schließlich gelang die Augen zu öffnen und sich aus den Fängen des Schlammes zu befreien, fand sie sich auf einer Wiese wieder. Sie drehte sich einmal um ihre eigene Achse und blinzelte in das gleißende Sonnenlicht. Sie musste die Hand heben um ihre Augen abzuschirmen. Das weiße Sonnenlicht brannte ihr in den Augen und sie begannen zu tränen. Dann hörte sie eine wohlbekannte Stimme: “Raye-Lin, hier drüben! Hierher!” Erneut drehte sie sich um sich selbst, als sie sich am Rand eines Waldes wieder fand. Drohend ragten die knorrigen Bäume in die Höhe, hoben drohend ihre Äste und ließen sie mit Furcht erregendem Geheul auf sie nieder rasen. Sie duckte sich unter ihnen, hob den Arm schützend vors Gesicht, als ob sie das beschützen könnte. In stummer Erwartung, das zerberstende Geräusch ihres Brustkorbes zu hören, sobald der Ast ihren Körper erreichte, stand sie da und kniff die Augen zusammen. Eine automatische Reaktion all jener, die in Gefahr schwebten. Doch der Schlag blieb aus. Stattdessen hörte sie ein altbekanntes Lachen.
Als sie den Arm wieder herunter genommen hatte und vorsichtig einen Blick riskierte, richtete sie sich verblüfft auf, als ihr klar wurde, dass sie sich am Rand einer Klippe befand. Noch gute zehn Schritt und sie würde den Abgrund hinabstürzen. Doch nicht der Abgrund ließ sie verdutzt drein schauen; es war vielmehr der Schemen, der sich gefährlich nahe am Abgrund aufhielt. “Ach Raye” vernahm sie ein lächelndes Seufzen. “Sieh dir nur an wie schön es hier ist. Schau mal..” der Schemen drehte sich zu ihr herum und deutete dann die Klippe hinab. Drohend fegte der Wind durch das lange Haar der Dunkelelfe und sie starrte entsetzt auf die Person vor sich. “Aber das kann nicht sein. Es ist ewig her. Du.. du bist tot!” Ihr wurde schwindelig und sie breitete etwas die Arme aus, um das Gleichgewicht auszubalancieren. “Ach Schätzchen, ich bin nicht tot. Noch nicht.” Ein verzerrtes Lächeln deutete sich auf den dünnen Lippen des Sprechers an. “Komm mit mir.. Es ist an der Zeit, Raye-Lin. Sieh mal, du bist leichtsinnig.” Die Angesprochene runzelte die Stirn und wurde etwas mutiger. “Leichtsinnig?” gab sie scharf zurück. “Du stehst an dieser Klippe und nennst mich leichtsinnig?!” Der Schemen lachte trocken und streckte die Hand nach ihr aus. “Komm mit mir. Ich verspreche dir, du wirst es nicht bereuen!” Er drehte sich wie ein Überlebenskünstler, lachte und schaute hinauf in den düsteren Himmel. Dort oben tummelten sich rote und schwarze Wolken, es blitzte mit einem Mal und Donner grollte unbeherrscht über ihre Köpfe hinweg. “Ich bringe dich an einen Ort, der dich vergessen lässt, was du erlebt hast.” versprach der Schatten und frohlockte mit eindrucksvollen Gedankenbildern.

Raye kniff die Augen zusammen und spürte erneut einen brennenden Schmerz, ehe sich das Bild wieder veränderte. Nun lag sie in einem weichen Bett und war umhüllt von zarter Wäsche und schmeichelnden Decken. “Wach auf..” hörte sie nahe an ihrem Ohr. “Wach auf.. Es ist Zeit.” Raye murmelte etwas und wollte sich in dem so weichen Bett umdrehen, als sie aufschreckte. Sie öffnete ihre Augen und fand sich an einem düsteren Ort wieder, der ihr so real vorkam, so kalt und unerbittlich. Langsam kroch die Erinnerung wieder in ihr Bewusstsein. Sie befand sich im Wald Arus, ihr Körper ist steif gefroren, sie musste eingeschlafen sein. Nur mit Mühe und Not fand sie den Weg in ihre brenzlige Realität zurück. Ihr Blick fiel auf das Feuer, welches langsam auszugehen drohte. Sie musste unbedingt aufstehen und neues Feuerholz holen, das Feuer anschüren und es zum Brennen kriegen, damit sie hier nicht erfror. Doch im Moment lockte sie das nicht aus ihrer Haltung. Sie lag zusammengekauert auf dem harten Boden und rührte sich nicht. Sie wollte sich nicht rühren, es fühlte sich alles bleischwer an und machte ihr zuviel Mühe, als dass sie sich durchringen konnte, sich zu bewegen.

Und so schloss die junge Frau ihre müden Augen wieder und rutschte erneut in das Reich der Illusionen. Dieses Mal jedoch, war da keine Düsternis. Sie stand an einem Fluss und war barfuß. Der Wind wehte ihr um die Beine und wirbelte das schwarze, dünne Kleid auf, welches sie trug. Ihre langen Haare fielen ihr über die nackten Schultern und sie starrte auf den Fluss vor sich. Das sanft fließende Wasser hatte eine beruhigende und auch schützende Wirkung auf sie. Gerade, als sie einen Schritt nach vorne machen wollte, hielt sie eine Männerstimme davon ab. “Halt!” Sie wirbelte herum und sah in das Gesicht von Nexor. “Nexor..” bemerkte sie mit einem vorsichtigen Lächeln. “Was tust du hier?” fragte dieser streng und sein Gesicht blieb freudlos. Raye schaute auf das einladende Wasser, in welches sie sehnsüchtig eintauchen wollte. “Ist es das was ich dich gelehrt habe?” fragte Nexor und kam einen Schritt auf die Dunkelelfe zu. “Dass du aufgibst, sobald es etwas härter wird, als geplant?!” “Aber es ist..” Begann sie, doch er unterbrach ihre Antwort. “Nein, Raye-Lin!” Seine Härte verwirrte sie und sie wandte den Blick wieder zurück in sein Gesicht. “Dies ist nicht dein Schicksal! Noch ist deine Zeit nicht um. Lebe Raye, lebe!” Dann griff er sie an beiden Schultern und zog sie zu sich. Doch anstatt seine schützende Umarmung zu genießen, saß Raye aufrecht im Wald Arus und blickt auf die Glut der Feuerstelle. Sie zitterte am ganzen Körper und ihre Finger krallten sich in den Umhang von Nexor.

Eine halbe Stunde später, hatte es die Dunkelelfe tatsächlich geschafft sich aufzurappeln, ihre geschundene Hüfte dazu zu bewegen, dass sie mitmachte und war erneut im umliegenden Wald auf der Suche nach Feuerholz. Sie schaute zum Nachthimmel auf und schätzte die Zeit zum Sonnenaufgang. Es würde jetzt, nachdem sie auch mit dem Sammeln und Schüren fertig war, sicherlich nur noch zwei bis zweieinhalb Stunden dauern, bis sich die Sonne zeigen würde.
Das Feuer brannte wieder etwas höher und erneut wandte Raye die Prozedur mit Nexor’s Umhang an. Sollte sie irgendwann lebend ein Dorf erreichen, in dem sie zumindest etwas willkommen war, dann würde sie die Gelegenheit wahrnehmen müssen, den Umhang zu waschen. Er war ihr heilig.

Noch immer steckte ihr die Müdigkeit in den Knochen und gerade die wirren Träume machten es ihr mehr als schwer wirklich auch zu ruhen, wenn sie schlief. Doch nachdem sie auch die nächsten Stunden irgendwie überstanden hatte und sich die Sonne mehr schlecht als recht über den Weltenrand erhob, löschte Raye das Feuer, schabte die Feuerstelle zu und baute ihre Vorrichtung auseinander, damit niemand erkannte, dass sie hier übernachtet hatte. Zwar war sie nicht der Meinung, dass sie jemand verfolgen würde, doch Nexor hatte ihr zur Vorsicht geraten. Nachdem sie soweit es ging, alle Spuren ihres Lagers beseitigt hatte, legte sie den Riemen ihres Beutels um und schnürte den Umhang. Dann machte sie sich auf den Weg in Richtung Süden.

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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Freitag 26. November 2010, 20:37

In ihrem Geist zuckten Bilder aus vergangener Zeit und die trotzdem nicht real sein konnten. So etwas hatte sie nicht erlebt, es war zu abstrus und nie hätte er so mit ihr gesprochen. Sie war sich sicher gewesen, er war tot.
Ob ihr überhaupt klar war, dass ihr das gerade nicht wirklich geschah, sondern ihre Seele ihr Dinge vorgaukelte, während ihr Körper allmählich erfror? Nein, vermutlich nahm sie das gar nicht mehr wahr, zu tief war sie schon in ihren Schlaf gesunken.
Aber sie wäre nicht Raye gewesen, das Mädchen, das Nexor all die Jahre groß gezogen hatte, hätte sich in ihr kein Kampfeswille geregt in Form ihres Mentors. Dieser war deutlich zu hören und verdrängte die Vergangenheit, bemühte sich, sie auf die Zukunft zu verweisen, die vor ihr lag. Jedoch nur, wenn sie wieder aufwachte und sich hoch kämpfte.
Was hätte sie nur ohne ihn getan? Selbst im Tod konnte er ihre Gedanken noch beeinflussen, ihr Kraft und Halt geben, dafür sorgen, dass sie den richtigen Weg einschlug, anstatt kurzerhand den leichten zu wählen und aufzugeben. Es war ein positives Zeichen für die enge Bindung, die noch zwischen ihnen bestand, dass ihr Geist von Nexor träumte und darin derart von ihrem Überlebenswillen beeinflusst wurde, dass er sie zum dauerhaften Aufwachen brachte.
Doch damit nicht genug, konnte sie sich sogar aufrappeln, so mühselig es auch war, und sich dazu durchringen, Holz zu sammeln. Ihr Körper war steif und alles tat weh, aber sie schaffte es.
Es kostete Zeit, viel zu viele Minuten, in denen sie sich quälte, bis die Flammen wieder höher züngelten und schmerzhafte Wärme verbreiteten.
In den Stunden, die sie noch bis zum trüben Tageslicht wartete, gelang es ihr, sich halbwegs aufzuwärmen.
Wirklich hell wurde es nicht, geschweige denn, dass die Temperatur in die Höhe klettern würde. Allerdings vertrieb der Eindruck ein bisschen die Schatten der Nacht, welche Träume gerne hinterließen.
Schließlich wurde es Zeit, die Spuren zu verwischen und zwar so, dass kein Funke Schaden in der Umgebung anrichten oder jemand ihren Weg verfolgen konnte.
Danach konnte Raye aufbrechen, sich in die einzige mögliche Richtung wenden, die ihr der eigene Weg noch übrig ließ.
Wie würde sie die nächsten Tage überstehen können? Wann würde sie zu einer Siedlung kommen, bei der sie Hilfe bekommen könnte? War der Wald Arus denn viel bewohnt?
Von den aktuellen Ereignissen rund um die Dunkle Armee war nichts in das Reich der Nachtelfen gedrungen, da sie vorerst noch absolut sicher waren und somit sich nicht für ihre Umwelt interessierten. Somit war auch der jungen Frau nichts darüber bekannt, sodass sie nicht einmal ahnte, in welche Gefahr sie ihre Schritte führten, die sie, wie schon am Vortag, nach wenigen Minuten schon rein automatisch setzte.
Wie lange würde sie insgesamt reisen müssen? Warum hatte sie sich nicht besser über eine mögliche Route informiert? Wäre es klüger gewesen, sie hätte sich nach Westen gewandt, aus den Wald heraus? Aber was hätte sie dort erwartet, ohne Schutz der kahlen Bäume, die zumindest ein bisschen Wind abhielten? Was war klüger? Dass sie sich an der Bergkette orientierte und dieser folgte, selbst, wenn sie die Richtung etwas änderte? Oder sollte sie stur weiter gehen und riskieren, ihm Niemandsland zu landen, um sich dort endgültig zu verirren? Fragen über Fragen, die sich in ihrem Kopf zwangsläufig auftaten und die nach einer Antwort verlangten, die sie wohl zur Zeit noch nicht oder gar nie würde geben können.
Jedoch wenigstens eine sollte sie stärker beachten, nämlich diejenige, woran sie sich orientieren sollte. Da noch immer über ihr eine undurchdringliche Wolkendecke herrschte mit einer viel zu blassen Sonne dahinter, wäre es höchstwahrscheinlich die einzige Möglichkeit, heil den Beginn ihrer Reise zu überstehen, wenn sie tatsächlich der Hügelkette folgte. Nicht durchqueren, allerdings sich an ihre Richtung halten, solange, bis sich eine bessere Chance bot.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Dienstag 30. November 2010, 10:58

Während Raye durch den Wald ging, wich sie immer wieder kleinen und großen Stolperfallen aus. Bis auf, dass sie darauf achtete ihre grobe Richtung beizubehalten, liefen die Bewegungen mechanisch und ohne viel darüber nachzudenken ab.
Irgendwann verlor die Dunkelelfe das Zeitgefühl, was wohl, ob des diesigen Lichts, keine große Verwunderung darstellte. So lief sie weiter ihre gedachte Linie in Richtung Süden und bemühte sich, nicht ihren Gedanken nachzuhängen. Die Träume der letzten Nacht wollten sie nicht loslassen und plagten sie auch jetzt noch, doch Raye zwang sich, aufmerksam gegenüber ihrer Umgebung zu bleiben. Sollte sie nicht gänzlich scheitern auf ihrer Reise, dann würde sie mit Sicherheit an geeigneteren Orten die Gelegenheit dazu bekommen.
Nach einer gewissen Zeit des Fußmarsches, stellte sich auch der Schmerz in ihrer Hüfte soweit ein, dass sie im normalen Tempo vorankam. Das, was sie jetzt verspürte, war für sie schon kein Schmerz mehr, es war ein Teil ihres Selbstbildes. Eine Art ständige Erinnerung oder Ermahnung an das, was ihr widerfahren war und was ihr nie wieder passieren sollte. Sie nutzte diesen leichten kontinuierlichen Schmerz, der sie bereits seit Kindestagen an begleitete, um sich daran zu erinnern, woher sie kam und wohin sie gehen wollte. Er zeigte ihr, dass sie niemals irgendwo richtig zugehörig sein würde. Und diese Desillusionierung würde ihr mit Sicherheit viel Leid ersparen, sollte sie sich jemals wieder irgendwo zugehörig fühlen. Sie fegte einen Ast mit ihrem rechten Arm beiseite, um nicht gestreift zu werden, und wich dann aus. Sie musste lächeln, doch das dauerte nicht lange. Ihre Gedanken hatten es über einen anderen Weg geschafft, sie doch noch einzuhüllen.
Sie dachte an die Zeit bei den Nachtelfen, in der sie sich sehr wohl zugehörig und geborgen gefühlt hatte, doch ob des viel zu frühen Todes von Nexor, wurde auch das gebrochen und sie war eine Außenstehende. Nicht, dass Nexor sie viel hätte verteidigen müssen vor den anderen Nachtelfen, doch er war ihr Anker gewesen. Jetzt war dieser Anker fort und Raye wusste sich nicht anders zu helfen, als dass sie verschwand.
Genau aus diesem Grund; aus diesem Gefühl heraus, anders zu sein, brach sie überstürzt auf. Sie konnte es nicht ertragen, dass sie nun auch im Reich der Nachtelfen deplaziert war. Und um dieser Demütigung, dieser tief sitzenden Angst, verstoßen zu werden, keinerlei Nahrung zu geben, floh sie regelrecht aus der Stadt und fand sich nun auf einer Reise, die leicht ihr Verhängnis werden könnte.
Sie war sich dessen bewusst, dass sie völlig übereilt und ungeplant aufgebrochen ist. Dass sie sich keine Gedanken über eine Route oder die Dauer ihrer Reise gemacht hatte. Das einzige Ziel, welches sie sich gesteckt hatte, war weg zu kommen von denen, die ihr ein Zuhause boten, bevor diese auf die Idee kamen, sie aus der Stadt zu prügeln.

Als Raye an eine lichte Stelle des Waldes kam, hatte sie einen guten Blick auf die Bergkette und sie blieb stehen. Sie schaute einmal in jede Richtung des Himmels, dann wieder zurück auf die Berge. Sie stieß einen tiefen Atmer aus, der sich in der Luft vor ihr wirbelnd auflöste. Sollte sie der Hügelkette folgen oder doch weiter geradeaus gehen, so wie geplant? Eine Weile stand sie reglos da und spürte, wie die Kälte die Gelegenheit ergriff sich über sie herzumachen. Sie rieb die Handflächen gegeneinander und pustete einmal hinein. Dann entschloss sie sich, sich an der Hügelkette zu orientieren. Sie wollte sie nicht durchqueren, allerdings war das nun ihre Route, an die sie sich halten wollte. Also ging sie weiter, in zeitlich undefinierten Abständen immer wieder prüfend, ob sie die Bergkette noch sehen konnte.

Während sie, verbissen die Gedanken zurückhaltend, weiter der Bergkette folgte, kroch immer wieder eine Unheil verkündende Stimme in ihr hoch.

”Meinst du, dieser sentimentale Quatsch bringt dich weiter?! Du bist ein Nichts, wenn du Schwäche zeigst!”

Mit zusammengepressten Lippen, bemühte sich die junge Frau diese Stimme zu unterdrücken und kämpfte gegen sie. Es war nicht das erste Mal, dass diese Stimme ihr einzureden versuchte, dass sie schwach und weich, dass sie emotional und weinerlich war. Diese Stimme begleitete sie, ebenso wie das Andenken in ihrer Hüfte, seit sie ein kleines Mädchen war.

Doch ihre Gedanken wurden - zum Glück - abgelenkt. Sofort blieb Raye-Lin stehen und rührte nicht mal mehr einen Finger. Selbst ihr Atem ging um einiges ruhiger und sie starrte in die diesige Dunkelheit des Waldes. Sie hatte sich nicht geirrt, oder etwa doch? Nein, da war es wieder: Eine Bewegung im Dickicht. Dann war es weg. Raye nutzte die Gelegenheit und zog mit einer langsamen, aber fließenden Bewegung einen Pfeil aus ihrem Köcher am Rücken und spannte diesen in die Sehne des Bogens. Dann war die Bewegung wieder da und es raschelte vernehmlich.
Vorsichtig, darauf bedacht nicht zu schnelle, hektische Bewegungen zu machen, legte sie den Bogen an und hielt auf das Unterholz, welches sich ab und zu bewegte. Sie wusste, es war ein kleines Tier, aber größer als ein Hase. Sie konnte sehen, wie sich die Blätter bewegten, die ein Hase nicht erreichen würde, wenn er durch die Büsche hoppelte. Erneut ergriff die Kälte Besitz von ihr, doch diesmal störte sie das nicht. Sie wartete ab, den Bogen im Anschlag, bereit zuzuschlagen. Die Sekunden krochen dahin und wurden zu Minuten, als sich das Tier dann endlich zeigte. Noch bevor es wusste, dass dies ein Fehler gewesen war, traf ihn ein Pfeil und ließ ihn zu Boden gehen. Raye war zwar eine gute Schützin, doch nicht so gut, dass auch jeder Schuss saß. Zwar war der Fuchs, wie sich herausstellte, getroffen, doch er lebte noch. Raye wurde schmerzlich bewusst, dass sie das Tier quälte, was Nexor ihr immer wieder gepredigt hatte, dass das nicht passieren darf. Sie eilte auf den Fuchs zu, der winselnd am Boden lag, der Pfeil in seiner Hüfte. Die Dunkelelfe kniete sich neben ihn und strich dem Tier beruhigend über den Kopf. Sie schloss die Augen und murmelte etwas vor sich hin, ehe sie einen Dolch aus dem Schaft zog und dem Fuchs dann die Halsschlagader durchtrennte, was ihn sofort sterben ließ. Sie fühlte sich schlecht, dass sie es nicht geschafft hatte, den Fuchs ohne Leiden zu erlegen.

”Schwächling!”

Sie entschied sich dafür, den Fuchs gleich hier zu präparieren und suchte sich einen geeigneten Platz, um sich dort erneut niederzulassen. Sie legte ihr spärliches Gepäck ab, suchte wie vormals Feuerholz und geeignetes Material, um die Vorrichtung wie am Abend zuvor zu bauen, legte Steine um die Feuerstelle, und entfachte, nachdem alles fertig war, das Feuer. Während dieses brannte und das Holz zerfraß, nahm sie den Fuchs aus, häutete ihn und befreite ihn von Knochen. Dann schnitt sie das Fleisch in kleine Stücke und legte diese auf die Vorrichtung über dem Feuer. Die ganze Prozedur kostete sie mindestens zwei Stunden, wenn nicht sogar mehr, doch als sie damit fertig war und das Fleisch essbar, wickelte sie Letzteres in ein Stück Stoff und ließ es, abgekühlt - was bei diesen Temperaturen schnell ging - in ihrem Beutel verschwinden. Erneut zerstörte sie die Feuerstelle und hinterließ so gut wie keine Spuren, als sie sich, dreieinhalb Stunden später, wieder auf ihrer gedachten Route befand. Zumindest hatte sie nun etwas zum Essen und würde sich erstmal nicht mehr darum kümmern müssen. Die Innereien und das, was sonst noch übrig gewesen war von dem Fuchs, hatte sie begraben. Wölfe oder ähnliches Getier würden mit Sicherheit das Blut riechen, doch das sollte sie nicht weiter stören. So war der Lauf der Dinge.
Also ging sie weiter, in der Hoffnung bald auf Zivilisation zu treffen, die ihr auch noch soweit wohl gesonnen war, dass diese sie passieren ließ.

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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Freitag 3. Dezember 2010, 13:05

Der Marsch war nicht wirklich besser als derjenige vom Vortag. Das Licht war mehr als bescheiden, ihre Bewegungen wurden rasch eher automatisch, ohne, dass sie darüber nachdenken musste, die Kälte war beißend und wirklich etwas Essbares zeigte sich auch nicht. Die einzige Änderung bestand darin, dass sie wenigstens diesmal einen Anhaltspunkt hatte, um sich orientieren zu können.
Das Gebirge zeichnete sich viel zu klar in der kalten Luft ab und wenigstens das würde sie niemals aus den Augen verlieren können, sofern sie nicht plötzlich die Richtung völlig änderte und davon quasi weg lief.
Überall waren kahle, dunkle Bäume, die eher an Gerippe erinnerten, als an diejenigen Gebilde, die recht schön wirkten, wenn sie von Schnee bedeckt waren. Aber auch nur dann, wenn man aus einem warmen Raum durch ein Fenster hindurch hinsah oder wenigstens eine dicke Decke und ein prasselndes Lagerfeuer bei sich hatte gegen die Temperaturen.
Immer wieder konnte man das Krächzen von Raben hören, die wie dunkle Punkte über ihrem Kopf hinweg flogen, aufgeschreckt durch diese einsame Wanderin, die nicht in die Stille der Natur passte, und trotzdem neugierig auf ihr Tun.
Der Atem dampfte dicht vor Rayes Gesicht und war beinahe genauso undurchdringlich wie das Wolkengebirge am Himmel.
Es gab nur einen Vorteil, den die Kälte bot. Sie war viel zu tief gesunken, als dass es schneien könnte. Somit könnte sie vielleicht Glück haben und würde nicht nass werden. Das wäre dann wohl endgültig der Tod ihres Unternehmens, wenn sie nicht das Unwahrscheinliche erleben und eine Siedlung finden würde, wo sie noch dazu in einem Unterschlupf sich aufwärmen könnte.
Allerdings, so völlig grausam war das Schicksal wohl doch nicht zu ihr, denn nach unendlich vielen vergangenen Minuten gab es in dem leicht gefrorenen Dickicht eine Bewegung. Eine Jägerin wie Raye konnte so etwas nur als Chance wahrnehmen und sie zog einen ihrer Pfeile. Auch wenn sie damit sparen sollte, bis sie wusste, woher sie Nachschub bekommen könnte als lediglich von diesen kalten, leicht brechenden Ästen. Aber dieser eine war ihr das Opfer wert.
Es dauerte, bis sie ihren Pfeil abschießen konnte. Die Kälte war unerbittlich und ließ ihren Körper ein wenig steif werden, so sehr, dass sie ihr Ziel teilweise verfehlte. Das Tier war noch jung, anscheinend unerfahren und hatte einfach Pech gehabt, genau jetzt in ihre Reichweite gekommen zu sein und sich bemerkbar gemacht zu haben.
Es winselte und machte deutlich, wie groß der Schmerz war, den es verspürte. Jedoch war Nexor kein hartherziger Nachtelf und Jäger gewesen, sondern hatte immer mitgelitten mit dem erlegten Wild. Und das hatte er auch versucht, Raye zu vermitteln. Somit hatte der Fuchs nur noch wenige Sekunden zu leiden, bevor sie ihn erlöste.
Was danach kam, war wie zur Routine für sie geworden, da sie es oft genug geübt und zuvor dem Ganzen zugesehen hatte. Durch die Kälte würde es lange dauern, bis die Verwesung einsetzen würde, sodass sie von dem Gestank ein wenig verschont blieb. Das Blut konnte sie sich zwar nicht abwaschen, sondern lediglich an dem Fell abwischen, das leider nicht zum Wärmen brauchbar war.
Sie vergeudete damit zwar relativ viel Zeit, allerdings brauchte sie diese auch und würde dadurch wenigstens ein paar Rationen zu essen haben, wenn sie sparsam damit umging.
Die Sonne hatte ihren Zenit schon längst überschritten, als Raye ihren Weg fortsetzte und nach nicht einmal zwei weiteren Stunden wurde es wieder Zeit, sich nach einem Lagerplatz umzusehen und das Holz für ein Feuer zu suchen.
Die Reste ihrer Beute hatte sie gut genug vergraben, dass sich bisher keine räuberischen Tiere auf ihre Fersen geheftet hatten und sie vorerst noch diese Gefahr nicht beachten brauchte.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raye-Lin Sarlathza » Freitag 3. Dezember 2010, 21:47

Raye blieb stehen, als sich das Lichtverhältnis ein wenig änderte. Es wurde zunehmend dunkler um sie herum und sie stieß einen Seufzer aus. Wie lange würde sie noch gehen müssen, um ein Bisschen Leben in dieser Region zu finden? Doch es war nicht an der Zeit, ungeduldig zu sein. Sie musste sich im Moment nur darauf konzentrieren, zu überleben; und das bedeutete, dass sie für Nahrung und für Sicherheit sorgte, dass sie sich warm hielt und in Bewegung blieb. Die Dunkle wusste, dass es langsam an der Zeit war, sich erneut einen Lagerplatz zu suchen, doch in ihr erwachte ein Ehrgeiz, der bisher sehr selten an ihrer Oberfläche kratzte. Sie spürte den Drang, weiter zu gehen und jetzt noch nicht zu rasten. Erst vor gut zweieinhalb Stunden hatte sie den Fuchs zubereitet und der Ehrgeiz in ihr trieb sie weiter an.

Ohne zu wissen, dass die Situation, in der sie sich befand, dazu führte, dass sie den schlafenden Ehrgeiz weckte, ging sie weiter durch den Wald, hielt jedoch den Blick immer wieder auf den Boden gerichtet, um gegebenenfalls geeignete Äste aufzuheben und in ihre Armbeuge zu legen. Nur weil sie sich noch keinen Lagerplatz suchte, hieß das nicht, dass sie sich nicht darauf vorbereitete in nächster Zeit einen zu beziehen. Doch ohne es zu merken, wurde Raye von dieser ungreifbaren Macht weiter getrieben. Immer weiter verfolgte sie ihren Weg durch den Wald; das Licht wurde stetig dunkler und unangenehmer. Dennoch blieb Raye nicht stehen, ging weiter und weiter, machte keine Anstalten überhaupt nach geeigneten Lichtungen oder anderen Orten für Lagerplätze Ausschau zu halten. Selbst die Kälte spürte sie nicht mehr, die immer noch erbarmungslos ihre eisigen Finger nach ihr ausstreckte.
“Na also, langsam wird aus dir etwas”.
Erneut keimte die Stimme in ihr auf und sie meinte sogar einen süffisanten Unterton zu vernehmen. Doch dieses Mal unterdrückte sie es nicht. So ging sie weiter, bis sich auch der letzte Rest der Sonne aus dem Arus zurückzog und sie in völliger Düsternis zurückließ. Erst als sie kaum noch ihre Hand vor Augen sehen konnte, blieb Raye stehen und lauschte den Geräuschen der Nacht. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie wie versteinert das Feuerholz, welches sie auf dem Weg gesammelt hatte, in ihrer Armbeuge festgeklemmt hatte. Beim Lösen schmerzte ihr Arm etwas, doch fand das keine weitere Beachtung.

Die Elfe sah sich um und fand sich an einem undurchdringbaren Ort wieder. Überall wuchsen knorrige Bäume und gierig grapschende Büsche. Hier würde sie mit Sicherheit keinen geeigneten Platz zum Rasten finden, also gewöhnte sie ihre Augen an die Dunkelheit und ging, etwas langsamer als zuvor, weiter ihren Weg. Sie konnte die Richtung zu erahnen, doch achtete sie sorgfältig darauf, ihre Richtung nicht zu ändern. Als sie wenige Schritte wieder stehen blieb, befand sich die Dunkle auf einer sehr kleinen Lichtung wieder. Sie zuckte die Schultern und spürte erst jetzt, wie kalt und steif ihr Körper von der Kälte war.
Wenige Zeit später, prasselte ein kleines Feuer und spendete mehr Licht als Wärme. Doch in dieser Nacht, schlief die Dunkelelfe nicht. Sie saß wie versteinert vor dem Feuer und legte nur ab und zu einen oder zwei Holzscheite nach. Innerlich wurde Raye von dieser eigenartigen Stimme, dieser körperlosen Macht getrieben, die ihr einredete, was immer sie wollte. Und es schien Wirkung zu zeigen, denn Raye war, ob ihrer Situation und der Schlaflosigkeit, gewillt zuzuhören…

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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Dienstag 7. Dezember 2010, 21:10

Rayes Frage, die sie sich selbst stellte, war zwar berechtigt, allerdings zeugte sie auch davon, wie wenig sie den Wald im Winter schon erlebt hatte. Es war eisig kalt und Leben gab es hier kaum. Wer sich aus einer warmen Winterhöhle heraus wagen musste, tat es nur aus der Not nach Nahrung heraus... oder weil es in der Nähe eine anlockende Wärmequelle gab.
Jedoch eine Besiedelung in der Nähe gab es schlichtweg nicht. Hätte sie es besser gewusst und sich nach Norden gewandt, wäre sie womöglich zum verborgenen Kloster gelangt und hätte dort vielleicht Aufnahme gefunden. Je nachdem, wie es um die Vorräte dort bestellt gewesen wäre. Allerdings hatte sie sich nicht in diese Richtung bewegt, hatte nicht einmal wirklich die Chance dazu gehabt bei dem diesigen Wetter.
Durch die Hügelkette wollte und konnte sie nicht, da sie dann erst recht in ihr Verderben gelaufen wäre.
Etwas anderes war ihr demnach nicht geblieben, obwohl es erfahrenen Reisenden bestimmt töricht erschienen wäre, denn sie wüssten, dass es in der Nähe von mehreren Tagen Fußmarsch keine Hütte gab. Nicht einmal eine halbe Ruine, die man als Unterschlupf verwenden könnte. Doch das war Raye bisher nicht bewusst gewesen, in diese Gegend von Celcia war sie bis jetzt niemals gekommen.
Nexor hatte mit ihr das Reich der Nachtelfen höchstens für eine kurze Jagd verlassen und zuvor hatte sie nur bei ihrer Geburtsrasse gelebt. Es wäre vorausschauend von ihrem Mentor gewesen, wenn er ihr mehr Interesse für die Umwelt eingeprägt oder ihr wenigstens den Umgang mit einer Karte gelernt hätte. Aber das hatte er verabsäumt, vielleicht sogar für später angedacht und der Tod hätte ihn zuvor überrascht. Wie auch immer, die junge Frau würde es nie erfahren.
Dafür beging sie nun eine andere selbstmörderisch anmutende Tat, anstatt sich beizeiten einen Rastplatz zu suchen und ein Feuer zu machen, um sich wenigstens notdürftig aufwärmen zu können, regte sich der Ehrgeiz in ihrer Brust und sie marschierte weiter, während das Tageslicht mit jeder Minute mehr schwand. Nicht mehr lange und sie wäre wieder in die Dunkelheit der beginnenden und schließlich voran schreitenden Nacht gehüllt. Das würde mehr als gefährlich werden, da ihre Augen zu ihrem Leidwesen noch lange nicht so gut waren wie die von Nachtelfen. Wenigstens lief sie nicht völlig blind weiter, sondern kümmerte sich notdürftig um Äste, die sie für ein Feuer später benutzen könnte.
Sie verpasste die letzten Augenblicke, die sie noch hätte nutzen können, um sich einen geeigneten Rastplatz zu suchen. Dafür musste sie also in der Dunkelheit weiterstapfen und schließlich war ihr das Glück ein wenig hold, sie fand eine kleine Lichtung. Es war nicht das Beste und schon gar nicht so sicher wie in der Nacht zuvor, aber in der Not hatte sie keine andere Wahl.
Also ließ sie sich hier nieder und sorgte dafür, dass sie nicht vollkommen erfor, sondern neben Wärme auch ein bisschen Licht bekam.
Danach saß sie da, starrte in die Flammen, kämpfte gegen die Bedürfnisse ihres Körpers und lauschte einer gefährlichen Stimme, die ihr versuchte, Dinge einzureden, die noch weniger gesund für sie wären. Doch noch hatte sie nicht vollständige Gewalt über ihren Willen, sodass sie sich am Morgen bei dem ersten Tageslicht aufrappelte und weiter wanderte.


Raye marschiert nach: Ins Ungewisse
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