Die Reise beginnt...

Dieser prächtige Wald liegt im Norden Celcias. Der Fluss Tangros lässt dieses Gebiet blühen. Ein einsamer Priester ließ sich in diesem Wald nieder und erbaute ein Kloster, aber auch die Nachtelfen blieben nicht ohne Taten.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 31. Mai 2023, 13:20

Keiner der ehemaligen Gladiatoren konnte sich vorstellen, wieso die Dunkelelfe solche Vorsicht walten ließ. War sie nicht ein Mitglied eines der mächtigeren Häuser in Morgeria? Zarrah’lindae aus dem Hause der Nachtklingen. Niemand kannte ihren wahren Nachnamen, da sie gemeinhin eben nur unter ‚die Nachtklingen‘ bekannt waren. Doch offenbar gab es eben auch untereinander Geheimnisse und Dinge, die andere besser nicht wussten. So hatte Zarrah auch Crystin angewiesen, Stillschweigen zu bewahren und in den Gängen unterhalb des Kolosseums waren sie vor Verfolgern geflohen. Hätte Zarrah nicht auch einfach ein Machtwort sprechen können? Doch die ganze, angespannte Atmosphäre legte sich ein wenig, nachdem die Gruppe bis zum Morgengrauen durch den Wald Arus gewandert war. Ihre neue Herrin schien den genauen Weg zu kennen, denn sie führte sie zwar gemächlich, um keine Verletzungen zu riskieren, aber beständig durch das Unterholz. Immer einige Meter entfernt, sodass keiner von ihnen in die Verlegenheit kam, ein Gespräch mit ihr zu beginnen. Das allerdings übernahm Crystin. Die schüchterne Heilerin entpuppte sich als echte Frohnatur, jetzt da sie den drückenden Schatten Morgeria’s mehr und mehr hinter sich ließen. Sie blühte regelrecht auf und erzählte ein Erlebnis, dass sowohl die Ohren des Menschen als auch jene des Orks fesselten. Lebhaft und mit Enthusiasmus ließ Crys die beiden anderen daran teilhaben, was sie einst erlebte. Synnover’s Ohren hörten das naheliegendste. Wie wohl sich Crystin fühlte, wie frei und unbeschwert. Er konnte diese Gefühle in sich ebenfalls erkennen, auch wenn er noch nicht recht wusste, damit umzugehen. Doch sein Interesse, ihrer Erzählung weiter zuzuhören war geweckt. Razag war da bedeutend weiter: Der große Ork, mit dem noch größeren Herz war wie verzaubert von der lebhaften Art der Heilerin. Bisher hatte er sie so noch nicht erlebt und es rührte ihn, dass diese Unbeschwertheit in ihrer Sklavenseele verborgen zu sein schien. Sie hatte ein Leben vor dem ganzen gehabt und das ließ Razag hoffen, dass sie eines Tages dorthin zurückkehren konnte. So war es nicht verwunderlich, dass auch er sich von Cry’s anstecken ließ und sich die Laune etwas hob. Trotzdem vergaß er seinen Kumpel dabei nicht. Es gab eben einen erheblichen Unterschied zwischen ihnen: Razag kannte ein Leben davor. Crystin kannte ein Leben davor. Nur Synnover nicht. Was dem Ork so manches erklärte und ihn einen guten Grund finden ließ, ein wenig nachsichtiger mit dem Rammellappen umzugehen. Doch Razag dachte auch an Zarrah. Er konnte seine Erfahrungen mit Dunkelelfen nicht einfach ad acta legen und überlegte schon, was sie umtrieb, dass sie Morgeria verließ. Doch es würde wohl nicht so einfach sein, denn Zarrah hielt sich immer in einer gewissen Distanz zu ihnen auf. Dafür nährten sich Ork und Heilerin wieder mehr an und auch Syn rückte ein wenig auf: "Unterschätze Kaninchen nicht wie die meisten. Sie sind gefährlicher als du denkst", antwortete er pikiert, nachdem Crystin die Pointe offenbarte und lachte. Die blauen Augen suchten die hellgrünen des anderen und sie biss sich etwas auf die Unterlippe, um ihr Kichern zu unterdrücken. „Sicher… aber…“, sie gluckste erneut und wirkte auch auf einmal so unbeschwert im Umgang mit ihm. „Ich habe mit weitaus schlimmeren gerechnet!“, gestand sie und winkte fröhlich ab. Synnover hatte sein Interesse verloren und Crystin ruderte etwas zurück, nachdem Zarrah sie mit einem Blick bedacht hatte. Einzig mit Razag führte sie das Gespräch weiter und der Ork erhielt einen Einblick auf eine längst vergangene Zeit. „Es bringt nichts zurückzuschauen, wenn der Weg vor einem liegt. Dann stolpert man nur.“, meinte er und erhielt ihre ungeteilte Aufmerksamkeit dadurch. Sie musterte Razag offen und länger. „Du hast Recht!“, stimmte sie daraufhin zu, nickte bekräftigend und straffte sogar etwas die Schultern. „Wir sind, wo wir sind… und wer weiß wohin wir gehen werden.“, antwortete sie ebenfalls metaphorisch und lächelte abermals. Es wirkte zuversichtlich und Razag hatte mit seinen Worten einen erheblichen Anteil daran, dass sich Crystin nicht in ihrer Vergangenheit verlor. Anders sah es mit Synnover aus.

Das Kaninchen trottete stillschweigend hinter den anderen her und verlor sich in der Welt um es herum. Noch nie zuvor war er in dieser Art der Natur gewesen. Alles war grün, frisch und roch interessant nach erdiger Note und feuchtem Blattwerk. Synnover musste auf die harte Tour lernen, dass Morgeria eben nicht alles war. Dass die Bäume nicht die Regel waren, wenn sie eingezäunt und hübsch drapiert präsentiert wurden. Morgeria war laut, schmutzig und verrucht. Das Gegenteil war dieser Wald. Er strahlte eine Ruhe aus, die man in der dunklen Stadt vergeblich suchte. Hier brauchte man sich nicht stets in den Gassen und Straßen über die Schulter zu blicken, immer damit rechnend, verfolgt zu werden. Auch Syn spürte instinktiv, dass er hier dem Wald unverhohlen mit Staunen begegnen durfte, ohne dafür mit einem Messer im Rücken zu bezahlen. Wenn er jetzt noch den Himmel erspähen könnte, wäre sein Glück für den Moment perfekt. Zwar sah Syn kein helles, angenehmes Blau, doch er konnte hier und dort den einen oder anderen Stern aufblitzen sehen. So gingen die Vier weiter, bis sich endlich das Tageslicht gemächlich durch die Zweige kämpfte. Zarrah verteilte Aufgaben und war bereits wieder drauf und dran weiterzugehen, während Syn eine vermeintlich fürsorgliche Ader offenbarte. "Wir sollten für die Rast Wachen einteilen. Die Herrin hat kein Auge zugetan und muss schlafen. Ansonsten ist sie als Anführerin ungeeignet. Ich sorge dafür, dass sie sich nachher hinlegt. Das heißt, Razag übernimmt die erste Wache.“, neugierig wurde Synnover von der Seite her aus blauen Augen angesehen. Er schmiedete noch seinen Plan, weshalb ihm vorerst entging, wie sich die Mundwinkel von Crys etwas anhoben und über diese Worte schmunzelten. "Du rüttelst mich einfach wach, wenn du nicht mehr kannst. Wir tauschen dann. Zarrah soll durchschlafen." Dass er das Mädchen nicht miteinbezog wurde fallengelassen, denn auch Crys äußerte sich dazu nicht. Sie lauschte weiter und sah mit erhobenen Augenbrauen zu ihm, als er sie direkt ansprach: "Wenn du das Lager herrichtest, platziere Zarrahs und meinen Schlafsack dicht beieinander. Ich will ein Auge darauf haben, dass sie sich auch wirklich ausruht." „So, so“… murmelte sie grinsend und schürzte etwas die Lippen. Sie war wirklich aufgeblüht, seit sie die Höhle und Morgeria hinter sich gelassen hatten. Aber sie waren sich alle einig. Syn’s Plan würde in die Tat umgesetzt werden und Razag wagte den ersten Vorstoß. Er schloss zu Zarrah auf und hielt sie in ihrem Weggang noch mal auf: „Moment, bitte. Kundschaften und Jagen lässt sich verbinden. Wir sollten immer zu zweit unterwegs sein, meinst du nicht?“
Die Dunkle hielt inne und wandte sich nach ihm um. Ihr Blick kletterte zu ihm hinauf und das dunkle Grüne bannte sich in seine Augen. Sie… schwieg. Dann blickte sie an Razag vorbei zu Crystin, die sich bereits daranmachte, einen besonders schönen Platz im Umkreis zu suchen und leise summte, ehe ihr Blick Syn erfasste, der sich bereits an das Feuerholz-Suchen machte. Zarrah kehrte mit ihren wachsamen Augen zum Ork zurück. Die entstehende Stille, während sie ihn ganz offensichtlich abschätzte, war unangenehm. Doch dann nickte die Elfe und wandte sich wieder ihrem Weg zu. „...und... vielleicht ist auch etwas vom Schwein vom Vorabend übrig geblieben?...für ein paar Fallen? Ich habe lange nicht mehr gejagt und könnte etwas Unterstützung gebrauchen.“, setzte er noch nach. Zarrah hielt erneut inne und betrachtete ihn. „Ich kann auch selbst jagen, falls das ein Problem für dich ist.“, bemerkte sie nüchtern, machte sich allerdings nicht lustig über ihn. Sie meinte es durchaus ernst. Doch dann lenkte sie stillschweigend ein und bedeutete ihm, ihr zu folgen. „Wir brauchen keine Köder.“, ließ sie ihn wissen, bestritt dann allerdings erstmal den Weg in das Unterholz, bis sie sich von den anderen etwas entfernt hatten.
Zarrah bewegte sich grazil durch den Wald. Sie machte kaum Geräusche und wirkte auch sonst sehr wachsam. Razag konnte erkennen, dass sie durchaus verinnerlicht hatte, eine Jägerin zu sein. Immer wieder schweifte der dunkelgrüne Blick durch das Zwielicht des anbrechenden Tages. Ab und an reflektierte ein Sonnenstrahl die weißen Haare. Zarrah wirkte konzentriert und von ihr aus war wohl kein Gespräch zu erwarten. Aber Razag hatte das Bedürfnis, sie ein wenig näher kennenzulernen. Immerhin waren sie nun aufeinander angewiesen und da war es gut, das eine oder andere voneinander zu erfahren. Trotzdem war er klug genug, nicht sofort mit der Tür ins Haus zu fallen. Als aller erstes mussten sie Beute machen. Denn der herannahende Tag, würde alsbald die Beutetiere vertreiben, sodass sie sich beeilen sollten. Zarrah lauerte inzwischen und sobald ein Geräusch ertönte, fuhr ihr Blick zielgerichtet darauf zu. Razag erlebte, dass die Dunkle nahezu der Perfektion frönte und seine Einschätzung, dass sie vermutlich nicht auf seine Hilfe angewiesen wäre, festigte sich. Doch die Elfe erwies sich als teamfähig. Zwar war der Umgang miteinander bei weitem nicht so ausgelassen, wie mit Crys, doch Zarrah ignorierte Razag auch nicht einfach nur. Klar gab sie präzise Anweisungen und hörte gleichwohl auf etwaige Vorschläge seitens des Orks. Es dauerte nicht sehr lange, da führte ihre Zusammenarbeit zum Erfolg und sie hatten zwei Wiesel erlegt. Zarrah beendete gerade schnörkellos das Leben des zweiten, ehe sie wieder an die Seite des Orks trat. Sie hatten seine Idee angewandt, dass er trieb und die Elfe lauerte, was recht gut funktioniert hatte. Sie hatten sich einige Schritte vom Lager entfernen müssen, da die Tiere sich nicht herantrauten, doch das machte nichts. Der Rückweg würde einen Moment dauern, sodass sie Zeit hätten, für ein Gespräch, wenn Razag sich nun traute.

Während Razag das Gespräch suchte und mehr wissen wollte über jene, mit denen er nun reiste, suchte Synnover die Einsamkeit. Das Holzsammeln hatte das Kaninchen nach dem ersten Stapel längst vergessen und so streifte er durch den Wald, lauschte dem Wind in den Zweigen, dem Zwitschern in den Wipfeln der Bäume und suchte nach dem Himmel. Immer mal wieder sah er einen Fetzen davon, wenn der Wind durch die Blätter fegte und so dauerte es nicht lange, bis er einen geeigneten Baum fand, an dem er emporklettern konnte. Dem Himmel entgegen. Immer weiter, bis er über die Wipfel des Waldes blicken konnte und Lysanthor höchst selbst seine Strahlen nach ihm ausstreckte. Es war kühl an diesem jungen Morgen, doch das konnte Syn nicht verschrecken. Der einstige Kämpfer wurde sich der schieren Größe bewusst, die sich ihm bisher nicht erschlossen hatte. Wald… er kannte keinen Wald und sah sich mit der bitteren Lehre daraus konfrontiert. Karrish hatte ihm Privilegien zugeschrieben, auf die er sich stets etwas eingebildet hatte. Er, der bessere Sklave. Derjenige, der sich frei in der Stadt bewegen durfte und sich anmaßte auf die anderen herabzublicken. Wie naiv er doch gewesen war… Denn was seine vermeintliche Freiheit wirklich war, wurde ihm gerade nur all zu bewusst. Syn musste erkennen, dass der Älteste der Nachtklingen-Geschwister ihm eine Freiheit suggeriert hatte, in seinem Käfig. Er war niemals frei gewesen. Er hatte niemals mehr erfahren und wissen dürfen als andere. Er hatte nur das erfahren wovon Karrish überzeugt gewesen war, dass es gut für sein Ansehen wäre. Doch jetzt… jetzt war es ausgerechnet die jüngste der Geschwister, die ihm die Augen öffnete. Tat sie das aus Boshaftigkeit? War er deshalb dabei, damit sie süffisant dabei zusehen konnte, wie er zerbrach und das kleine Bisschen, auf das er sich so viel eingebildet hatte verlor? Hoch oben, wo er sich einst wähnte, überkam es ihn und die bittere Erkenntnis löste Tränen aus seinen Augen, die ansonsten zu Tränen rühren konnten. Synnover weinte. Allein und bitterlich.
Während Razag und Zarrah auf ihrem Weg zurück Zeit hatten Gespräche zu führen und Syn die Einsamkeit nutzte, sich über einiges klarzuwerden, hatte Crystin sich ein wenig selbstübertroffen. Die Heilerin hatte für die Gruppe einen ebenen Platz auserkoren, der einer kleinen Lichtung ähnelte. Ringsherum standen die Bäume etwas enger und ein alter Baumstamm könnte als Sitzmöglichkeit dienen, doch ansonsten hatten sie bequem für ihre Schlafplätze Platz. Wie aufgetragen, lag Syn’s neben Zarrah’s, und Crystin hatte sich neben Razag gelegt. In der Mitte hatte sie einen improvisierten Kreis aus kleineren und größeren Steinen gelegt, die sie gefunden hatte und die erste Ladung Feuerholz aufgeschichtet. Gerade versuchte sie, es zu entzünden und wirkte konzentriert dabei. So recht mochte es wohl nicht gelingen, denn sie schnaubte genervt auf, als Zarrah und Razag wieder zurückkehrten. Die Dunkle legte die Beute neben Crys als stumme Aufforderung, sie zuzubereiten. Offenbar war es ihre Aufgabe – unter anderem – auch für das leibliche Wohl zu sorgen. Die Dunkelelfe ließ ihren Blick über das Holz wandern und schaute sich dann suchend um. „Ist das alles?“, fragte sie und Crystin sah von ihrem Tun auf. „hm? Oh… Syn wollte mehr holen.“, dann runzelte sie die Stirn und sah sich ebenfalls um. „Ist aber bereits eine Weile her…“, murmelte sie und ihr Blick wurde leicht besorgt. Zarrah sah sich weiterhin unbeeindruckt um. Dann musterte sie Razag. „Hilf ihr beim Feuer.“, kam es zackig. Dann hielt sie noch mal kurz inne. „Bitte.“, fügte sie an und sah zu Crys. „Macht schon mal Essen, ich komme gleich zurück.“, meinte sie und klang ein wenig so, als missfiele ihr das Fortbleiben des Kaninchens. Also kehrte Zarrah zurück in das Unterholz und folgte den Spuren, die sie durchaus imstande war zu erkennen. Umgeknickte Halme, plattes Moos, verknickte Zweige. Alles gab der Jägerin Aufschluss über den Verbleib des Menschen. Und nur ein klein wenig Zeit später, blieb sie stehen. Sie hörte in den Wald hinein und richtete ihren Blick dann nach oben. Sie konnte Synnover nicht sehen, aber sie hörte ihn durchaus. Die Elfe lauschte für einen Moment und runzelte die Stirn. War es wirklich das, wofür sie es hielt? Sie senkte den Blick wieder vom Wipfel und überlegte. Sie war latent damit überfordert, dass er offenbar weinte. Sie zog sich ein Stück zurück und lehnte sich gegen den Stamm und verschränkte die Arme, während sie nachdachte.
Zarrah stand eine Weile am Fuße des Nadelbaumes und lauschte dem Schluchzen und Wimmern, ohne zu wissen, was sie nun machen sollte. Sie war nicht gut in solchen Dingen. Ihr Blick ging in die Richtung, in der das Lager lag. Sowohl Crys als auch Razag waren bessern darin. Dann straffte sie jedoch die Schultern, setzte eine nüchterne Miene auf und rief ihn: „Syn! Wo steckst du?“, tat sie so, als wüsste sie es nicht. Sie löste ihre lässige Haltung und wartete, bis er endlich auftauchte. Zarrah musterte das Gesicht des Kaninchens. Für einen Atemzug lag etwas in ihrem Blick, was einer Gefühlsregung gleichkam, doch dann verschränkte sie die Arme wie so oft und ihre Stimme wurde härter: „Wo warst du?! Du solltest Holzsuchen und dir nicht den Hals brechen, während du auf Bäume kletterst!“, wies sie ihn zurecht und klang tatsächlich schärfer als nötig. Stille entstand. Dann legte sich der dunkle Blick wieder auf sein Gesicht. Ihre Miene blieb verschlossen, ja fast schon abweisend. Zarrah war wirklich nicht gut darin, auf andere zuzugehen. Doch dann wurde ihre Haltung weicher und sie öffnete ihre Barriere etwas. „Was wolltest du da oben?“ – Sie wusste es genau. Aber sie konnte nicht recht aus ihrer Haut und versuchte dennoch über Umwege das Aufeinandertreffen in bessere Richtungen zu lenken. Während Zarrah damit konfrontiert wurde, dass Syn echte Gefühle offenbarte und damit haderte, versuchte Crystin zusammen mit Razag das Essen zuzubereiten. „…Die Jagd war ja erfolgreich“, lobte sie und begann damit, die Tiere zu putzen. „Wie… war es denn mit… naja du weißt schon… zu jagen?“, fragte Crys neugierig und spielte natürlich auf Zarrah an. Auch sie wusste vermutlich nicht sehr viel über sie. Aber vielleicht war sie auch ein Quell neuen Wissens für Razag? Ein Versuch war es vielleicht wert, ihr ein paar Fragen bezüglich der Dunkelelfe zu stellen, solange jene erneut auf die Jagd ging und vermutlich mit einem Kaninchen zurückkehrte. „Würdest du das Feuer machen, Razag? Ich krieg es heute irgendwie nicht hin…“, bat sie den Ork und hielt ihm lächelnd das Zunderzeug hin. Dann kramte sie in ihrer Tasche und zog tatsächlich einen kleinen Topf heraus und einen Holzlöffel. Crystin hatte sich offenbar auf ihre Rolle als Versorgerin der Gruppe eingestellt.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Mittwoch 31. Mai 2023, 16:15

Wo Synnover mit kaum zu verbergendem Staunen die für ihn so neue Welt erkundete und jedes Detail betrachtete, da beobachtete Razag eher seinen Kumpel. Der Ork hatte schon mehr von der Welt gesehen. Er kannte die Wälder. Er kannte das Meer. Er erfreute sich am Gefühl, wie es war, all das wiedersehen zu dürfen. Es überwältigte ihn nicht, es weckte nur die warme Nostalgie an schöne Erinnerungen. Sein Kaninchenkumpel aber kannte nichts davon und Razag erkannte das äußerst schnell. Es verfestigte auch die Bande zu Syn, selbst wenn das nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit beruhen mochte. Doch Razag begann, ihn in einem anderen Licht zu sehen. Wer nichts kannte außer Morgeria, dessen Straßen, Kriminalität und die Härte der Gesellschaft, konnte doch auch nichts Anderes entwickeln! Natürlich nutzte Syn sein Gegenüber aus, wo er nur konnte. Es war für ihn vollkommen normal, weil er sich nicht bewusst war, dass Alternativen existierten. So lange aber tauchte er seine Zehenspitze in diesen See aus Möglichkeiten und nur die Zukunft wusste, ob er eines Tages darin schwimmen würde, unterging oder sich nie wieder auch nur in die Nähe von Wasser wagen wollte.
Der Ork beobachtete und bekam auf diese Weise wohl mehr von seinen Gefährten mit als diese untereinander. Zarrah mochte nach Gefahren Ausschau halten, aber Razag schien derjenige zu sein, der am meisten von ihnen allen aktuell sah. Vielleicht war das der Grund, der ihn zu einem weisen Sprüchlein hinreißen ließ oder aber es lag an Crystins Geschichte und wie sie unter der Schönheit des Waldes aufblühte. Beide verstanden sich immer besser.
"Es bringt nichts zurückzuschauen, wenn der Weg vor einem liegt. Dann stolpert man nur."
Syn, der zwischenzeitlich das Interesse wieder auf die Natur gerichtet hatte, horchte auf. Seinen Blick wandte er jedoch nicht den beiden vor ihm zu. Er lauschte lediglich.
"Du hast Recht! Wir sind, wo wir sind ... und wer weiß, wohin wir gehen werden", entgegnete Crystin unter einem Lächeln. Dem Kaninchen entlockten beide mit ihren Weisheiten nur ein Schnauben. Er spähte über die Schulter, konnte aber keinen Weg sehen, den sie eingeschlagen hatten. Überall war nur Wald. Morgeria lag weit hinter ihnen ... in der Vergangenheit und sie alle waren, wo sie waren.
"Und was ist, wenn ich zurück will...?", murmelte er zu sich selbst, bevor das Kaninchen seinen ersten Hopser in freier Wildbahn machen durfte, denn er stolperte über eine Wurzel und wären seine Reflexe nicht so gottgleich schön wie sein Äußeres gewesen, hätte er wohl auch zum ersten Mal die freie Wildbahn mit seinem Gesicht begrüßt. So aber taumelte er nur ein wenig, hoppelte zwei Schritte weit und fand wieder zurück in seinen Rhythmus. Wenig später fand er diesen beim Sammeln von Feuerholz. Eine Ladung brachte er Crystin bereits, die sich eifrig daran machte, ein Lager herzurichten. Mit dem Plan, noch mehr Holz zu beschaffen, zog Synnover wieder los. Allein sein träumerisches Gemüt wusste ihn zu sehr abzulenken und schon bald fand er sich hoch oben in einem der Nadelbäume wieder. Hier brachen alle Dämme. Die Aussicht über so viel schönes Grün, dessen Duft und nicht zuletzt ein unvergitterter Blick auf einen Himmel, der so weit und endlos erschien, überwältigten ihn endgültig. Karrish von den Nachtklingen mochte ihm vieles gezeigt haben. Er hatte das weiße Kaninchen aus seinem Schicksal als vernachlässigtes Haustier gerettet. Er hatte ihm nicht nur ein neues Zuhause gegeben, sondern auch einen Platz, an dem er glänzen konnte. Er schenkte ihm Möglichkeiten, sich zu verbessern und aufzusteigen. Karrish hatte ihm so viele Privilegien beschert, dass er sich mit Fug und Recht als etwas Besseres hatte sehen können als alle anderen Sklaven des Haushalts. Aber der Dunkelelf hatte ihm nie eine solche Aussicht gezeigt.
Synnover konnte sie gar nicht wirklich erfassen. Sie verschwamm vor seinem Blick, als Tränen seine Sicht verschleierten und sie zuckte, weil er vor lauter Schluchzen gar nicht stillsitzen konnte. Er klammerte sich an den Stamm des Baumes, presst seine Stirn hart gegen die Rinde und genoss alles um sich herum. Selbst seinen emotionalen Ausbruch nahm er mit Verzücken auf, auch wenn es gerade seine Gefühle waren, die nicht zuließen, dass seine Freude obsiegte. All das war einfach zu viel und über allem schwebte die Erkenntnis, dass die letzten sechs Jahre seines Lebens, die ihn so immens geprägt und verändert hatten, im Grunde nur Schall und Rauch waren verglichen mit dieser einen Aussicht hier und jetzt. Selbst ein großer, tumber Ork - der einfach nicht sterben wollte! - und eine unerfahrene, verschüchterte Heilerin wussten mehr vom Leben als er. Was war er denn? Sie alle waren freier als er. Synnover war ... nichts. Karrish suchte ja nicht einmal nach ihm! Er wollte nicht einmal seine Leiche bergen, um dann zu erkennen, dass sie fort war und demzufolge sein bester Gladiator noch lebte. Stattdessen hatte er aufgetragen, einen Ersatz zu finden!
Und dennoch lag eine Sehnsucht in Synnovers Herzen, die er nicht loslassen konnte. Noch nicht. Sein Leben - privilegiert und falsch wie es war - hatte ihm gefallen. Es war einfach gewesen. Er hatte nur regelmäßig eben dieses Leben riskieren müssen im Rund der Arena. Er hatte seinen Körper Yolintha und anderen zur Verfügung stellen müssen, ob er wollte oder nicht. Darüber hinaus war es aber ein so viel besseres Leben gewesen als unter Sodth und den übrigen Reißern. Es war ein gutes, ein einfaches Leben mit strikten, aber einfachen Regeln ... und mit Belohnungen. Jetzt besaß Syn offensichtlich mehr Freiheiten. Er bekam mehr zu sehen, würde mehr erleben, aber alles schwappte derzeit wie eine Flutwelle über ihn hinweg und er konnte doch gar nicht schwimmen. Er war nie am Meer gewesen!
Syn sehnte sich nach Morgeria. Er wollte wieder zurück, weil es vertraut war. Er wollte zurück zu Karrish und wieder hinein in seinen goldenen Käfig. Das Zuchtkaninchen hatte Angst, von den wilden Exemplaren seiner Art in der Freiheit nicht nur gejagt und überholt, sondern auch gefressen zu werden. In diesem Moment glaubte Synnover erstmals seit seinem Leben als weißes Kaninchen nicht daran, in der Welt bestehen zu können.
Hilflos und all diesen Reizen, neuen Empfindungen und dieser gigantischen Welt ausgeliefert weinte er hoch oben im Baum, dass er überhaupt nicht bemerkte, dass es erneut spitze Elfenohren waren, die sein Wimmern und Schluchzen ausmachten. Er war aber auch kein Jäger. Das Potenzial mochte bei ihm vorhanden sein und vielleicht könnte man ihn zu Lautlosigkeit ausbilden, die seine Lauscherin bereits besaß, aber das würde Zeit kosten wie alles, womit Syn sich nun auseinandersetzen musste. Vor allem aber brauchte es eine Hand, die ihn führte. Diese Welt konnte er nicht allein meistern. Sie war zu viel für ihn. Er konnte nicht damit umgehen.
Zarrah, die ihn längst gefunden hatte, musste sich mit ähnlichen Erkenntnissen vertraut machen. Sie bemerkte, dass sie mit einem weinenenden Kaninchen im Baum nicht umgehen konnte. Nach einer Weile ertrug sie aber auch nicht mehr, den Klängen zu lauschen. Syn musste sich beruhigen und das ging wohl nur, indem sie die Initiative ergriff. Ansonsten würde er bis zum Sonnenuntergang noch in seinem Baum sitzen bleiben und niemand sammelte Feuerholz! Trotzdem ging Zarrah überraschend behutsam vor. Sie hätte Syn auch einfach zu ihr befehligen können, ihm vielleicht eine verpassen für sein Herumgeheule und weil er als ihr Sklave seine Pflichten vernachlässigte. Stattdessen gab sie nicht einmal preis, dass sie ihn längst gefunden hatte, sondern spielte die Suchende, als sie in den Wald hinein rief: "Syn! Wo steckst du?"
Das Schluchzen verstummte schlagartig. Dafür spitzte ein Kaninchen im Baum seine Löffel. Er war unter ihrem Rufen zusammengezuckt, verharrte nun still und spürte, wie letzte dicke Tränen über sein nasses Gesicht rannen. Hastig wischte er mit dem Unterarm darüber, fächelte sich etwas Luft zu in der Hoffnung, die Feuchtigkeit noch weiter vertreiben zu können. Syn wusste, dass seine geröteten Augen ihn verraten würden, aber er konnte es nun nicht ändern. Zarrah rief nach ihm und er hatte zu gehorchen ... denn letztendlich war er doch nur ein Sklave. Privilegien waren nur eine Illusion.
Er holte Luft, rieb sich noch einmal die Augen und straffte seine Haltung. Ehe er jedoch den Baum herab kletterte, erhaschte er einen weiteren Blick auf die Aussicht. Der weite, blaue Himmel über den natürlichen Spitzdächern des Waldes. Das freie - das grüne - Morgeria. Grüneria ... Walderia ... Er schnaufte spöttisch über seine eigenen Gedanken und schüttelte den Kopf. Aber er riskierte nochmals einen Blick, ehe er sich an den Abstieg wagte. Synnover mochte nicht so lautlos vorgehen können wie Zarrah, denn für seine bisherige Rolle im Leben gab es keine Notwendigkeit dazu, aber er glänzte nach wie vor mit Schnelligkeit. So erreichte er den Boden fast so eilig, als wenn er einfach gefallen wäre, nur dafür blieb er unverletzt. Mit dem Rascheln von Blättern und Zweigen landete er auf dem Waldesgrund und stapfte halb um seinen Baum herum, bis er Zarrah bemerkte.
Er schaute sie direkt an, ohn jegliche Spur von Demut, obwohl er doch wissen müsste, dass ein Sklave seiner Herrin niemals auf Augenhöhe begegnen sollte. Sein Gesicht war verweint, die Augenränder gerötet. Er blickte nicht mit Hohn zu ihr herüber und auch nicht mit Trotz oder dem falschen Lächeln, das er für Morgerias Gesellschaft übrig hatte. Er sah müde aus wie jemand, der über Jahre hinweg an einem Krug gearbeitet und den Lehm aus eigener Kraft geformt hatte, nur damit er kurz vor der Präsentation seines Lebenswerks stolperte und jetzt die Scherben aufsammeln musste - Splitter um Splitter, mit bloßen Händen.
"Wo warst du?!" Ihre Stimme klang hart. Damit rechnete Syn, obwohl er es von Karrish eigentlich nicht kannte. Wenn er Fehler machte oder mit einer Niederlage und gelegentlich sogar Verletzungen aus der Arena zurückgekehrt war, hatte der Tadel seitens des Dunkelelfen anders ausgesehen. Er hatte sich ihm dann nämlich gar nicht gezeigt. Keine gemeinsamen Abende in der Bibliothek. Kein gemeinsames Schweigen. Es war schlimmer als harsche Worte oder eine Prügelstrafe, von der Syn glücklicherweise verschont geblieben war, seit man ihn von den Orks weg geholt hatte. Trotzdem hatte er instinktiv geahnt, dass Zarrah ihm nicht mit Schweigen begegnen würde. Es stimmte ihn fast ruhig. Es war vertraut, den Ärger zu spüren. Fast hätte er gelächelt.
"Du solltest Holzsuchen und dir nicht den Hals brechen, während du auf Bäume kletterst!" Unter anderen Umständen hätte Synnover nun mit ihr gespielt. Er wäre dreist gewesen und so aus der Schar devoter Sklaven herausgestochen. Er hätte überlegen auf das zweite Bündel Holz gezeigt, das zwischen den Wurzeln des Nadelbaumes lag. Er hatte gesammelt, war damit nur nicht fertig geworden. Oder aber er hätte einen Versuch gewagt, Zarrah aus dem Konzept zu reißen, indem er ihr offenlegte, dass sie sich um ihn sorgte. Immerhin wollte sie ihr Kaninchen nicht mit gebrochenem Hals vorfinden. Crystin hätte das gewiss eingeschüchtert und Syn bei ihr das Spiel gewonnen. Wie es mit der Dunkelelfe aussah, würde man niemals erfahren, denn er spielte jetzt nicht. Er schaute sie nur weiter an und schwieg.
"Was wolltest du da oben?" Jetzt hätte sie ihn beinahe gehabt, ihm eine Reaktion entlockt, die er versuchte, zu vermeiden. Syn brachte gerade noch genug Selbstbeherrschung auf, nicht erneut einen Ausbruch zu haben. Allerdings zuckte er kurz und seine Augen engten sich etwas. Ahnte sie denn nicht, was jemand wie er hoch oben in den Wipfeln wollen könnte? Jemand, der zum ersten Mal so viel von Freiheit sah? So viel Himmel?! Sie musste es wissen!
Syn ließ sich zu keinem Ausbruch dieser Art hinreißen. Er schluckte jede Emotion herunter, die Wut hätte erzeugen und zu einer Szene führen können. Er war einfach nicht der Typ dafür. Vollkommen ruhig blieb er durch ihre Frage aber auch nicht. Sie bewegte etwas in ihm. Sie weckte die Erinnerung an die überwältigenden Gefühle und das, was er oben im Baum hatte sehen dürfen. Sie zwangen Syn zu einer Reaktion. Es war keine, die Zarrah eine Antwort geliefert hätte.
Er trat vor. Er ging auf sie zu, bis sie dicht voreinander standen. Nicht einmal nahm Syn den rot umrandeten Blick von ihr. Sein eigener war fest auf sie gerichtet. Dann hob er seine linke Hand. Die Fingerspitzen kribbelten immer noch. Das hatten sie beim Aufstieg und nun wuselten weiterhin ein Dutzend wilder Ameisen unter seiner Haut und bitten hinein. Syn strafte es mit Ignoranz. Er konzentrierte sich nur auf Zarrah. "Darf ich ... Herrin?" Rasch fügte er noch die offizielle Anrede hinzu. Seine Stimme klang gebrochen und etwas belegt. Er versuchte nicht, es zu überspielen. Das hatte in seinen Augen gerade ohnehin keinen Sinn. Sie beobachtete stets und konnte nun sehr gut sehen, wie er ausschaute. Und ich bin immer noch entstellt, schoss es ihm durch den Kopf. Er verzog kurz den Mund.
Zarrah hatte indessen Zeit gehabt, auf seine Frage zu antworten. Was er genau tun wollte, blieb aber größtenteils ungeklärt. Seine Linke war erhoben, auf Höhe ihres Gesichts, als wollte er sie berühren. Vielleicht wollte er ihr aber auch nur ein Blatt aus dem Haar zupfen. Ihr Schweigen dauerte ihm zu lang oder aber er interpretierte es bereits als ein Ja. Nun, sie hatte zumindest nicht abgelehnt, also wagte Syn sich weiter vor.
Er berührte sie tatsächlich. Er legte seine prickelnden Finger an ihre Kapuze, strich sie zurück, zusammen mit einigen Haarsträhnen. Dann glitten die Fingerspitzen an ihrem Ohr entlang zu ihrer Wange. Dort legte Syn die Hand wie eine zweite Haut darum. Er schaute Zarrah nach wie vor an. Dann schrägte er sein Gesicht leicht und näherte sich dem ihren. Sie musste wissen, was nun kam - langsam, mit genug Zeit, dass sie reagieren könnte. Hielt sie jedoch still, setzte Synnover seine Lippen auf die ihren ab. Es wäre anders als in ihrem Höhlenraum unter der Schwarzen Arena. Sein Kuss war sanft, aber unschuldig. Er versuchte gar nicht, ihre Zunge zu erobern, weil er sich nicht in ihren Mund vorwagte. Er schmiegte lediglich seine Lippen an ihre und sie drückten aus, was Syn mit Worten nicht in der Lage war, auszusprechen. Aber ob jemand wie Zarrah die tiefe Dankbarkeit erkannte, die er in seinen Kuss legte, blieb fraglich. Nur sie allein würde es wissen, denn nicht einmal Syn wusste, ob er die Emotion so herüberbringen konnte. Es war schließlich sein erster Kuss! Es war sein erster, ehrlicher Kuss. Es gab kein Pflichtgefühl, Erwartungen zu erfüllen. Es war kein Versuch, sich mit Umschmeichelung fremder Lippen einen Vorteil zu verschaffen. Es war keine Spielerei, um eine unschuldige Jungfrau ein wenig aus der Fassung zu bringen. Es war einfach nur reine, ungeschönte Dankbarkeit, verpackt in Papier aus Aufrichtigkeit und mit einem Band aus der offengelegten Seele umwickelt. Syn schenkte Zarrah diesen kurzen Einblick in sein Innerstes, das er niemandem zuvor je auf diese Weise offengelegt hatte - nicht einmal sich selbst in den letzten Jahren.
Dann löste er sich langsam von ihr, ließ auch die Hand sinken und öffnete die Augen, die ihm während des Kusses zugefallen waren, damit er die Emotion noch intensiver an seine Herrin herantragen hatte können. Er musterte sie, schien sogar eine Reaktion in Form einer Ohrfeige oder einer Klinge an seinem Hals zu erwarten. Er zuckte nicht davor zurück. Nur jetzt wich er erstmals ihrem Blick aus, spähte an ihrem Arm vorbei zu Boden, zum Bündel mit den Zweigen.
"Ich ... hab noch Holz zu sammeln", murmelte er leise, um auch sie an seine Order zu erinnern.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raz'ulak der Furchtlose » Donnerstag 1. Juni 2023, 11:42

"Und was ist, wenn ich zurück will...?"
Der Ork hatte die leisen Worte seines Kumpels wohl vernommen. Er sagte nichts dazu, aber er verstand es. Die Sicherheit des Vertrauten wahr oft anziehender als der Reiz des Neuen. Und sein Rammellappen war in Folge der ungewohnten Freiheit, der Weite der auf ihn einstürmenden Welt sichtlich überfordert.
Ich versteh dich.
, dachte er nur und erinnerte sich an jenen Moment, als er darüber nachgedacht hatte einfach einen anderen Weg von den Waschräumen unter der Arena einzuschlagen, zurück zu dem Leben, dass ihm Sicherheit gegeben hatte. Aber es war eben nie wirklich 'sicher' gewesen und das wusste er! Das war der Unterschied, den Raz und Syn ausmachte. Der Ork kannte eine andere Welt und fühlte die Sehnsucht danach, wie auch Chris es tat. Mit ihr zusammen zu lachen, stellte sich als 'gefährlicher' heraus, als mit ihr zu duschen, oder ihren Reizen zu verfallen! Raz Herz öffnete sich in einer Weise für die kleine Heilerin, dass es kleine Freudensprünge machte, die er sich doch eigentlich verboten hatte. Sie gehörte nicht ihm. Aber es war einfach zu schön sie so zu sehen. Die Dynamik der Gruppe änderte sich und Raz beobachtete voller Interesse, Glück und Staunen, wie sehr die Umgebung ein Herz doch zu verändern vermochte. Jeder von ihnen veränderte sich auf seine Weise... nur Zarrah nicht so richtig.
Raz betrübte das ein wenig und so wagte er den Vorstoß mit ihr auf die Jagd zu gehen. Alles ließ soweit gut und sie spielten sich auch ohne viel Worte aufeinander ein. So hatten sie zumindest bald erfolgreich Beute gemacht, aber in anderen Dingen blieb Zarrah leider verschlossen. Auf seine Frage:
„Wer - bist - du?“
, erhielt er nur Schweigen. Er hatte sich getraut und mutig vor gewagt, aber die Dunkelelfe blieb verschlossen. Sie antwortete nicht. Ein klein wenig Enttäuschung schwang durch seine Gefühlswelt, aber hielt nie lange an. So war er nicht.
Nun gut... Ist wohl noch nicht die Zeit dafür. Oder ...ich bin nicht die richtige Person.
Razag schwieg daraufhin ebenfalls und sie setzten ihren Weg zum Lager fort, wo Syns Fehlen Zarrah erneut ins Dickicht schickte. Raz blieb mit Chris allein zurück und häutete mit zwei schnellen gezielten Schnitten die Wiesel. Ein kräftiger Zug am Fell und er zog sie aus, als streifte er ihnen einen Anzug ab. Zwei weitere Schnitte und sie waren von ihren Innereien befreit. Dann übergab er sie der Heilerin die mit frischen Kräutern des Waldes dem Fleisch bald einen wohligen Duft verlieh.
„Wie… war es denn mit… naja du weißt schon… zu jagen?“
, fragte Crys neugierig und spielte natürlich auf Zarrah an. Razag wiegte nachdenklich den Kopf. Vielleicht wusste Chris etwas über Zarrah? Sorgte sie sich um die andere Frau in der Gruppe? Razag hatte schon früher beobachtet, dass die beiden mehr verband, als nur Sklave und Herr. Ein Versuch war es vielleicht wert, ihr ein paar Fragen bezüglich der Dunkelelfe zu stellen, solange jene erneut auf die Jagd ging und vermutlich mit einem Kaninchen zurückkehrte.
„Würdest du das Feuer machen, Razag? Ich krieg es heute irgendwie nicht hin…“
, bat sie den Ork derweil und hielt ihm lächelnd das Zunderzeug hin. Raz sah auf und nahm es entgegen. Er beobachtete die kleine Menschenfrau, wie sie in ihrer Tasche kramte und zeinen kleinen Topf heraus und einen Holzlöffel hervor zauberte. Crystin hatte sich offenbar auf ihre Rolle als Versorgerin der Gruppe eingestellt und würde das sicher gut machen. Jeder bemühte sich, jeder gab nach seinen Fähigkeiten etwas in diese Gruppe ein und Raz fragte sich, was Zarrah so sehr zurück hielt.
„Zarrah... Hm...“
, murmelte er ihre Frage nicht vergessend, während er sich am Lagerfeuer zu schaffen machte, etwas trockenes Moos und ein paar winzige Zweige aufschichtete und erst einmal etwas abseits im Schutz eines größeren Steins eine Miniatur-Flamme beschwor.
„Sie ist eine hervorragende Jägerin. Sie war sehr schweigsam, dass muss man sein. Wir haben gut zusammen gejagt, aber... nachdem wir Beute gemacht hatten und ...als ich sie fragte: 'Wer bist du?', da hat sie geschwiegen. Sie ist wohl... sehr verschlossen.“
Nachdenklich beobachtete er den kleinen Rauchfaden und beließ einmal vorsichtig gegen das kleine Knäuel. Da flammte es auf und sein Mundwinkel zuckte zufrieden.
Na bitte, ich kann es noch.
Dann trug er seine kleine Flamme vorsichtig zum eigentlichen Feuerholz und entfachte dort die größeren Äste und Stämme. Doch reichen würde das Holz nicht lange. Zarrah war noch nicht lange verschwunden und Raz hoffte, sie würde Syn bald finden. Dann sah er zu Chris und beobachtete ihre flinken kleinen Hände bei der Zubereitung des Essens. Eigentlich hatte Raz Zarrah direkt gefragt und auch nicht hinter ihrem Rücken über sie reden wollen, aber die Dunkelelfe hatte geblockt. Also wandte er sich an Chris:
„Ihr beide... ihr scheint eine besondere Beziehung zueinander zu haben... ist das richtig? Kannst du etwas erzählen, was ...mir hilf sie besser zu verstehen? Kein Verrat oder so... Ich meine nur... Wir werden eine ganze Weile zusammen unterwegs sein. Vielleicht einfach... Wie habt ihr euch kennen gelernt?“
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Freitag 9. Juni 2023, 21:56

Razag hatte das Herz so sehr am richtigen Fleck, dass er Gefahr lief, immer mal wieder auf die Nase zu fallen. Seine direkte Art bekam Flügel und so wie Crystin sich entfaltete, wollte er seiner natürlichen Empathie Raum geben. Die Heilerin war dafür empfänglich und so entwickelte sich etwas zwischen ihnen, dass zumindest Synnover missmutig registrierte. Doch Razag wollte mehr. Er verstand seinen Kumpel immer besser, weil er in der Lage war, sich in seine Lage hineinzuversetzen. Das war tatsächlich eine Gabe und würde das Gefüge der Gruppe gewiss im Lot halten können, doch was war mit ihrer Anführerin? Zarrah hatte sich bisher nicht einmal selbst so betitelt oder darauf gepocht, dass ihr Wort Gesetz war. Sie hatte Synnover zwar gemaßregelt, doch unter dem Mantel des Vertrauens und der Sicherheit der gesamten Gruppe. Zarrah verlangte von keinem von ihnen uneingeschränkten Gehorsam, ohne selbst zu denken. Und sie züchtigte niemanden von ihnen, trotz der einen oder anderen Eigensinnigkeit. Zarrah war eine verschlossene Truhe, die in ihrem Innern gewiss so einiges verbarg. Und Razag wollte den passenden Schlüssel dazu finden und die Schätze freilegen. So wagte er den Vorstoß des Jagens und stellte im Anschluss daran eine tiefgreifende Frage, die wohl jeden erstmal aus dem Konzept bringen sollte. Anhand der Reaktion auf diese einfachen, drei Worte ‚Wer bist du?‘, konnte man bereits viel ablesen. Razag konnte… gar nichts lesen oder hören. Zarrah hatte ihn lediglich angesehen und für einen Moment ausdruckslos gemustert. Dann war sie an ihm vorbeigetreten und hatte den Rückweg angeschlagen, um ihre Beute zu Crystin zu bringen. Dabei wirkte die Dunkle weder verstimmt noch angefasst. Sie antwortete einfach nur nicht darauf und zeigte Razag zumindest damit, dass er sie nicht aus der Reserve locken konnte. Allerdings auch, dass es gar nicht so leicht sein würde, der neuen Herrin gerecht zu werden. Schon Synnover hatte seine Schwierigkeiten mit der scheinbaren Glattheit seiner Herrin. Sie zürnte nicht, sie lockte nicht, sie hatte ihnen schlicht ihren Auftrag erteilt und nun waren sie hier. Sie wollte weder von stattlichen Orkprügeln oder der Ausdauer des Kaninchens beglückt werden, noch wollte sie Freundschaft schließen. Zarrah war auf einer Mission. Und sie alle waren Teil dessen. Die einzelnen Rollen lagen noch verborgen und so war es an den drei Begleitern, ihren Platz im Gefüge dieser neuen Gruppe zu finden.

Nach der Rückkehr zum Lager zeigte sich zumindest Crystin’s Rolle ganz gut. Sie war die Versorgerin – Nahrung und Heilung schien ihr Metier zu sein und sie sich damit arrangiert zu haben. Das Verschwinden von Syn fiel allerdings als erstes auf, weshalb sich die Dunkle gleich wieder in das Zwielicht des erwachenden Waldes begab. Und Razag mit Crystin zurückzulassen. Doch die Heilerin machte sich darüber nicht so viele Gedanken. Sie war in ihrem Element und spannte den Ork mit dem großen Herzen sogleich ein. Razag half und nach einem Moment, in dem Crystin tatsächlich den Topf so drapierte, dass darin gut gekocht werden könnte, war Zeit für ein Gespräch. Während Razag sich um das etwas widerspenstige Feuer kümmerte, war es Crys, die auf Zarrah zu sprechen kam. „Zarrah... Hm... Sie ist eine hervorragende Jägerin. Sie war sehr schweigsam, dass muss man sein. Wir haben gut zusammen gejagt, aber... nachdem wir Beute gemacht hatten und ...als ich sie fragte: 'Wer bist du?', da hat sie geschwiegen. Sie ist wohl... sehr verschlossen.“ Crystin nickte im ersten Teil und lächelte leicht, während sie das Fleisch mit einigen Kräutern sorgsam marinierte. Sie hatte eine kleine Phiole dabei, in der offenbar Öl war. Sparsam blieb sie dennoch. Wer wusste schon, wie lange sie in der Wildnis ausharren mussten. Beim letzten Teil allerdings, hielt sie inne und hob die Augenbrauen an. „Du hast sie tatsächlich gefragt, wer sie ist?“, meinte sie verblüfft und musterte Razag noch einen Moment, ehe sie sich wieder mit glänzenden Fingern ans Marinieren machte. „Kann ich mir denken, dass sie darauf nichts sagte…“, murmelte sie und sah im Augenwinkel, wie Razag das Feuer entzündete. Sie lächelte. „Danke!“, meinte sie und legte das Fleisch in den sich erwärmenden Topf. Einen Moment blickte sie in das Feuer und lauschte dem beginnenden Zischen des Fleisches, da ergriff Razag die Gelegenheit, mehr zu erfahren. „Ihr beide... ihr scheint eine besondere Beziehung zueinander zu haben... ist das richtig? Kannst du etwas erzählen, was ...mir hilf sie besser zu verstehen? Kein Verrat oder so... Ich meine nur... Wir werden eine ganze Weile zusammen unterwegs sein. Vielleicht einfach... Wie habt ihr euch kennen gelernt?“ Crystin lutschte gerade an ihrem öligen Finger und hielt dann inne. Ihre großen, blauen Augen suchten das Gesicht von Razag und für einen Moment schien sie unschlüssig zu sein. Dann aber nickte sie und deutete dem Ork, sich zu ihr zu setzen, während sie weiter kochte. „Eine besondere Verbindung weiß nicht nicht…“, begann sie schulterzuckend. Dann sah sie sich um und schien zu prüfen, ob Zarrah in Hörweite war. Crystin rutschte etwas dichter zu Razag heran, neigte sich dann noch vor und flüsterte fast: „Aber… sie war immer nett zu mir!“, offenbarte sie und lächelte Razag an. „Ja! Glaub es ruhig. Sie ist scheinbar die einzige Dunkelelfe, die nicht Spaß an Folter und Schmerz hat.“, flüsterte sie weiter und rutschte noch näher heran. Was anfänglich zögerlich kam, verlor langsam die Schwerer, sodass Crystin weiterplauderte: „Sie hat mir oft geholfen, wenn die Gladiatoren zu aufdringlich wurden. Zwar sah sie kaum den Kämpfen zu, aber sie stand oft genug in meiner Heilernische am Rand des Geschehens und beobachtete. Sie saß selten in den Rängen ihrer Familie. Meist stand sie einfach nur da, schweigsam wie eh und je und starrte vor sich hin. Anfänglich war ich ganz schön gehemmt, kannst du dir sicher denken. Ich wusste nicht, wie ich das einschätzen sollte – beobachtete man mich? Oder überwachte sie mich? Ich… ich war so nervös, etwas falsch zu machen und dafür bestraft zu werden. Aber sobald einer der Kämpfer sich mir gegenüber nicht vernünftig verhielt – stand sie neben mir und half.“, Crystin zuckte die Schultern. „Und irgendwann…“, sie stockte. Unsicher musterte sie Razag und überlegte wohl, ob sie weitersprechen konnte. Er konnte in ihren Augen ablesen, dass sie haderte, wie weit sie gehen konnte. Das Blau suchte in seinem Grau wohl nach einer stummen Bestätigung. Doch dann überschritt Crystin eine gefährliche Grenze und entschied sich, dem Ork zu vertrauen. Auch wenn er Zarrah’s Schlüssel noch nicht gefunden hatte – Crystins Truhe stand nun sperrangelweit offen: „Irgendwann kam sie auf mich zu und sprach mich direkt an. Sie suche jemanden, der sie begleitete und dafür sorgte, dass etwaige Verletzungen nicht zum Problem würden. Sie sagte, die Reise wäre gefährlich und sie könne nicht alle Eventualitäten abschätzen. Sie wirkte vollkommen ruhig dabei und nichts verriet, ob sie mich ködern wollte oder… nicht. Sie sagte, sie würde mir für meine Hilfe…“, sie schluckte einen ergriffenen Kloß hinunter. „die Freiheit geben.“, schloss sie und Crys brach den Blickkontakt ab. Sie rührte im Topf und wirkte bemüht, nicht Tränen zu produzieren. „Wie hätte ich da… nein sagen sollen?“, murmelte sie kehlig und sah zu Razag. „Ich bin mir sicher, dass euch das gleiche winkt…“, überlegte sie noch, auch wenn sie dafür natürlich keine Beweise hatte. „Freiheit, Razag… stell dir das mal vor…“, träumte sie und lächelte entzückt. „Ich könnte endlich meine Studien aufnehmen… könnte in den Eldoras reisen… könnte meine Familie besuchen…“, Crystin war jedenfalls vollends überzeugt von ihrer Belohnung.

Während Razag von Crystin so einiges erfuhr und vermutlich sogar mehr als er hatte glauben wollen, fand Zarrah das Kaninchen wimmernd im Baum. Unschlüssig stand sie unter der gewaltigen Krone des Nadelbaumes und lauschte für einen Moment dem Schluchzen. Zarrah hatte sich gewiss so einige Gedanken bezüglich der Reise gemacht, doch dass der Ork sie nach ihrer Persönlichkeit fragte und das so unvermittelt und direkt und sie dann damit konfrontiert wurde, dass Synnover sich zurückzog, um einen Gefühlsausbruch zu kaschieren, das hatte sie wohl nicht eingeplant. Sie hasste unvorhersehbare Dinge. Zarrah plante, analysierte und strukturierte. Alles, was von diesem Pfad abwich, war unschön. Die Dunkelelfe wartete einen Moment, sortierte ihre Gedanken und Gefühle und setzte eine glatte Miene auf. Dann trat sie hervor und rief nach dem Sklaven der Nachtklingen. Sofort verstummte das Weinen. Sie konnte beinahe vor sich sehen, wie er erschrocken hinabblickte und sich daran erinnerte, wem er verpflichtet war. Die Dunkle wartete geduldig. Sie könnte vermutlich auch stundenlang irgendwo ausharren und darauf warten, dass die Beute in ihr Netz ging. Dann knackten Zweige und Äste und schon stand der Mensch vor ihr. Seine geröteten Augen verrieten ihn auch ohne, dass sie ihn belauscht hätte. Er suchte ihren Blick und begegnete ihr … müde. Sie konnte sehen, wie er innerlich zerbrochen war und das, was sie wirklich dabei empfand, verschloss sie unsichtbar in der Truhe, zu der es keinen Schlüssel zu geben schien. Harsch richtete sie das Wort an ihn und übertönte damit das leise Echo in ihrer Brust, das Fehl am Platz war. Er antwortete ihr nicht, sodass sie einen anderen Impuls mit noch mehr Härte in der Stimme übertönen musste. Maßregeln war ein Sklave gewohnt. Aber Zarrah war keine Herrin im eigentlichen Sinne. Das wusste nur noch niemand. Noch immer schwieg er und sah sie aus den geröteten, hellgrünen Augen an. Die Elfe erwiderte den Blick ebenso klar und fest, wie er vor ihr stand. Allerdings ließ sie ihn nicht darin lesen. Ihre Worte waren harsch und klar, ihre Miene wirkte jedoch seltsam ruhig. In ihren Augen loderte kein wütendes Feuer, das ihm verriet, dass er gleich Prügel beziehen würde. Es loderte auch kein Verlangen, sodass er ‚bestraft‘ würde, in dem er ihr nun hier und jetzt zeigte, wozu er fähig war. Sie stand da, wie eine Eiskulptur und bombardierte ihn mit Worten. Erst bei ihrer letzten Frage, zeigte Syn eine Reaktion. Sie war fein, sie war nur einen halben Atemzug lang und doch echote seine Reaktion in ihren Augen wieder. Dann standen sie einander erneut gegenüber. Dann endlich bewegte er sich. Doch anders als vielleicht von ihr erwartet, trat er vor und auf sie zu. Zarrah spannte ihren durchaus athletischen Körper an und versetzte jeden geformten Muskel in Bereitschaft. Er war schnell. Aber sie war schneller. Und sie wartete ab. Das konnte sie gut, sie konnte lauern und würde auch auf seinen Fehler lauen, der ihr verriet, was er vorhatte. Ihr Blick hielt seinem mühelos stand. Aus dem Augenwinkel erkannte sie, wie er die Hand hob und für einen Moment engten sich nun ihre Augen. Was hatte er vor?! Sie wartete… "Darf ich ... Herrin?" Das Grün schien dunkler zu werden und sie suchte in seinem Blick nach Anzeichen dafür, auf was er hinauswollte. Sie fand aber nichts und erkannte, dass er ihr wohl kaum etwas antun würde in diesem Moment. Also schwieg sie und er deutete es als Zustimmung. Und kam noch näher. Er griff die Ränder ihrer Kapuze und die Welt um sie herum schien mit einem Mal den Atem anzuhalten. Zarrah rührte nicht einen Muskel, während Synnover seine Finger um den Stoff legte und ihn zurückschob. Er berührte sie an dem schlohweißen Haar und flüchtig an einem ihrer spitzen Ohren. Unbemerkt von fremden Augen aber kribbelte es an ihrem unteren Rücken. Eine Regung – die sie ganz Profi, der sie war, nicht offen zeigte. Ihr Blick bohrte sich beinahe in seinen, während er noch weiter ging. Er berührte sie nun nicht mehr scheinbar zufällig oder flüchtig. Seine Hand, etwas kühl, legte sich auf ihre Haut und erstmal entlockte er ihr eine Reaktion: Sie runzelte die Stirn ein wenig und öffnete ein Stück die Lippen, um tatsächlich eine Frage zu stellen, was das alles zu bedeuten hatte. Doch sie brachte keinen Ton heraus. Stattdessen machte er weiter, nutzte ihre Starre für sein Vorhaben und näherte sich ihren Lippen. Zarrah’s Hand glitt in eben jenem Moment unter ihren Mantel, um kalten Stahl zu ziehen, da sich die Weichheit seiner Lippen über die Synapsen ihrer eigenen zu ihrem Hirn vorarbeitete. Sie verlor den Impuls, ihn dieses Mal doch den Dolch in die Brust zu rammen. Die Warnung, die er erhalten hatte, kümmerte ihn nicht, denn erneut wagte er diesen Moment bei ihr. Und der Wald schien gebannt auf die beiden zu schauen, ohne dass sich etwas rührte oder man das erwachte Sirren von Vögeln und Insekten wahrnahm. Ein Sonnenstrahl glitzerte durch die Baumwipfel und erwärmte die Szenerie.
Zarrah aber hob beide Hände an, als sich Synnover’s Lippen mit erhöhtem Druck gegen ihre pressten. Fast hätte sie ihre Handflächen an seine Schultern gelegt, um ihn von sich zu stoßen, doch sie hielt kurz vorher inne und starrte in das Gesicht des Kaninchens, das sich dem Kuss hingab. Zarrah haderte. Millisekunden verstrichen, ohne dass die sonst so sichere Dunkle wusste, was sie tun sollte. Dann aber ballte sie ihre Hände zu Fäusten und ließ sie sinken. Sie hielt still. Sie ließ es zu. Ihre Augen tasteten das zerschundene Gesicht ab, doch das übersah sie. Sie übersah es ohnehin ständig. Sie blickte auf die geschlossenen Augen, die Genuss signalisierten. Sie fühlte den sanften Atem, der ihr entgegenströmte und auf dem feuchten Film um ihren Mund eine sanfte Kühle hinterließ. Sie betrachtete den blonden Haaransatz, der bei den sanften Bewegungen wippte. Und sie spürte die Intensität des Kusses, den Synnover ihr zuteilwerden ließ. Aufrichtigkeit lag darin. Und das brachte sie aus dem Konzept. Nachdem sie spürte, was Syn ihr sagen wollte und merkte, dass er das erste Mal nicht in einem seiner zahlreichen Kostüme auftrat, löste sie seine Lippen von ihren, indem sie zurücktrat. Zarrah wich zurück. Sie musterte ihn und erstmal durfte Syn erleben, dass sie nicht Herrin über ihre eigene Gefühlswelt war. Sie runzelte abermals die Stirn und schien zu überlegen, was sie davon halten sollte. Er hatte sie mit seiner Echtheit überrascht. Syn war es dieses Mal, der die Szene löste: “Ich… hab noch Holz zu sammeln.“ Und sie blickte zu dem Bündel an der Wurzel des Nadelbaumes und nickte geistesabwesend. „Tu das.“, murmelte sie zurück und fühlte den eigenen Empfindungen nach, die er in ihr ausgelöst hatte. Daraufhin schüttelte sie allerdings den Kopf und fand allmählich zur alten Ausstrahlung zurück. „Nimm das und komm. Crystin wird Essen gemacht haben.“, bemerkte sie tatsächlich eine Spur aufgewühlt. Zarrah aber wartete, bis Syn das Holz genommen und bereit war. Dann führte sie das Kaninchen zum Bau zurück, wo sie Crystin und Razag am Feuer sitzen sahen. Zarrah erwiderte den freudigen Blick ihrer Heilerin nicht, sondern brütete dumpf und mit verschlossener Miene, während sie sich auf den umgestürzten Baumstumpf setzte und begann ihre Dolche zu schärfen. Sie sah nicht so aus, als ob sie reden wollen würde, doch zumindest Crys blickte von Syn zu Zarrah und zurück, ehe sie die Augenbrauen anhob und fragend Razag ansah. „Jemand Fleisch?“, fragte sie daraufhin bedeutend gut gelaunt und machte sich daran, Portionen zu verteilen.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Montag 12. Juni 2023, 11:39

Wäre Synnover nur schneller mit dem Holzsammeln gewesen, dann säße er bereits wieder im Lager. Er hätte sich nicht einmal am Gespräch zwischen Razag und Crystin beteiligen müssen, aber eine Menge über Zarrah'lindae von den Nachtklingen erfahren. Mehr noch, ihm wäre eine Aussicht offenbart worden, die auch seine Zukunft bestimmen könnte. Freiheit. Stattdessen hatte er sie in Form eines weiten Blickes über die Wipfel der arusischen Bäume genießen können, dass es ihn vollkommen überwältigte. Stattdessen suchte er nicht mit der üblich, schleichenden und in Charme gewandeten Scharfsinnigkeit nach Informationen. Er suchte Zarrahs Lippen, um seinem Dank eine Form zu geben, die er mit Sprache nicht ausdrücken konnte. Sicherlich hatte er in seinem Leben schon oft genug Danke gesagt, aber es war so falsch und kaschiert wie alles andere auch. Wie sein gesamtes Leben, angefangen mit dem Glauben, dass Karrish seine Mühen mit Freiheiten belohnte. Stattdessen hatte der Dunkelelf ihn in einem goldenen Käfig gehalten und den Vorhang zum Fenster in die wahre Freiheit zugezogen. Nein, er hatte den Rahmen vernagelt, damit Syn gar nicht wusste, dass ein Fenster existierte. Es musste erst Zarrah kommen, um ihm diese Aussicht zu spendieren. Leider konnte er sich bei ihr auch nicht sicher sein, welche Beweggründe dahinter lagen oder ob sie überhaupt existierten. So wich er ihrem Blick nach dem Kuss rasch aus und suchte in seiner eigentlichen, noch nicht vollständig erfüllten Pflicht eine Ausrede. Er wollte nach seiner Dankesbekundung - einer aufrichtigen! - nicht in ihre tiefgrünen Augen blicken und erkennen müssen, dass auch sie niemals geplant hatte, ihm die Freiheit von Natur und einem endlosen Himmel zu zeigen. Er war nur durch Zufall darauf gestoßen, weil er seine Ketten zwar nicht abgestreift hatte, aber sie ein wenig baumeln ließ. Sie hatte doch Anderes mit ihnen allen vor. Sie verfolgte die Beschaffung der Schriftrolle der Ritualmagie. Außerdem musste sie Karrish einen Ersatz für sein mutmaßlich totes Kaninchen liefern. Nein. Syn wollte nicht in ihre Augen sehen, um dort genau das zu finden: All die Pläne, ohne einen Platz für ihn, der ein Stückchen Freiheit kosten durfte.
Er hätte definitiv rasch ins Lager zurückkehren sollen! Nun standen die Dingen anders und sobald er sein zweites Bündel an Feuerholz zusammengetragen hatte, folgte er Zarrah mit knappem Abstand zurück. Unterwegs zog er die Kapuze seiner ärmellosen Weste über den Kopf und weit genug ins Gesicht, um die geröteten Augen zu verbergen. Er schämte sich nicht, geweint zu haben. Er wünschte nur nicht, dass man diese Schwäche bei ihm erkannte. Er, das weiß Kaninchen, war makellos und perfekt! Razag und Crystin kratzten ohnehin schon genug an dieser Fassade aus Selbstbewusstsein. Sie beide kannten den Wald. Sie beide fanden sich darin zurecht. Sie beide wussten mehr als er darüber und sie beide waren fähig zu kochen!
Der Duft von dem, was die Heilkundige ihnen zubereitete, stieg ihm schon in die Nase, bevor er in Zarrahs Windschatten das Lager erreichte. Seinen Magen hielt er unter Kontrolle. Dieser blieb still, aber er zog sich dennoch sehnsüchtig zusammen. Der Hunger lockte, führte ihn zum Feuer und erneut konnte er seine auferlegte Pflicht als Vorwand nutzen. Er legte das Bündel Holz zum ersten Stapel, an dem die beiden anderen Sklaven sich schon bedient hatten. Sein Blick flog nur einmal zurück zu Zarrah, die sich vollständig aus der Affäre zog. Normalerweise hätte Syn nun ein überlegenes Grinsen aufgesetzt, denn er schien sie ja reichlich aus dem Konzept gebracht zu haben! Doch auch er war innerlich aufgewühlt und so blieb es bei einer neutralen, geradezu undeutbaren Mimik.
Sie hat überhaupt nichts zu dem Kuss gesagt, dabei fühlte er sich anders an als sonst... Syn strich mit der Zungenspitze über seine Lippen. Ob sie überhaupt ahnt, was ich damit habe sagen wollen? Nun, wenn nicht, ist es ihr Problem! Ich habe mich klar ausgedrückt!
"Jemand Fleisch?"
Syn ließ sich am Feuer nieder und hob eine Hand. Dann suchte er nach entsprechendem Geschirr und hielt es Crystin hin, damit sie ihm auftischen konnte. Irgendwann gelang es ihm auch, seinen Blick von Zarrah zu lösen. Er wanderte zu seinen Mitreisenden. Allerdings hatte er ihnen nichts zu sagen und Syn galt nicht als Plappermaul, der sich mit belanglosen Gesprächen die Zeit vertrieb. Zumindest nicht mit Geschöpfen die auf seiner Ebene standen und damit hob er Crystin und Razag bereits mehrere Stufen empor. Das geschah ebenfalls nur sehr widerwillig, aber er musste sich eingestehen, dass sie in der Wildnis beide besser durchhalten würden als er.
Mit angezogenen Beinen, jederzeit bereit aufzuspringen, brütete er über seiner Mahlzeit. Iss. Stärke dich. Dann mach weiter, wie du es immer tust. Die Herausforderungen kommen zu dir und du musst nichts weiter tun als sie zu meistern. Du wirst belohnt. Du wirst wieder aufsteigen. Die Frage blieb nur, ob er das wollte. Ihm blieb die Wahl zwischen einem größeren, goldenen Käfig oder einer ganzen Welt, wie es schien. Eine, die wirklich nach Freiheit und Weite schrie, aber den Komfort gegen etwas austauschte, das ihn jenseits von Verführungskünsten oder kämpferischem Talent beanspruchen und vielleicht sogar brechen könnte. Er brauchte etwas, eine Kleinigkeit, an der Syn sich festhalten konnte. Ein winziges Stück Luxus, ein Quäntchen Vertrautheit nur, das ihm Sicherheit gab.
"Du hast gesagt, du hilfst mir mit dem Kleid", sprach er nun doch und meinte natürlich Crystin. Sein selbsternannter Kumpel von Ork würde mit dem grobschlächtigen Fingern kaum einen Faden durch ein Nadelör schieben können. "Wenn du bei jeder Rast daran arbeitest, kann ich es schneller tragen. Ich sag dir auch, wie ich es haben will." Das würde er tun, denn Syn hatte eine präzise Vorstellung davon, wie er das Brautkleid zum einen zur Schau stellen könnte, ohne seine Beweglichkeit zum anderen einzuschränken. Allein darüber zu sprechen, gab ihm Zuversicht zurück und stärkte erneut sein Ego, wo es bei den Verführungsversuchen in der letzten Zeit so kläglich hatte scheitern müssen. Er dachte nicht daran, das würde ihn nur in ein Loch ziehen und Synnover war für Pessimismus nicht geschaffen. Er war geboren, sich aus allem herauszuheben. Er war geboren, zu erstrahlen, damit andere sich an seinem Anblick ergötzen konnten, bis sein Licht sie blendete. Er war zu Großem bestimmt! Und er würde es auch wieder sein, vielleicht noch mehr als je zuvor!
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raz'ulak der Furchtlose » Mittwoch 21. Juni 2023, 18:07

So unterschiedlich ihr aller Leben auch verlaufen war, nun befanden sie sich alle auf dem gleichen Weg und Raz'ulak der Furchtlose versuchte mutig einen Vorstoß nach dem anderen um die harten Schalen um sich herum zu knacken. Dabei ging der Ork so behutsam vor, wie wenn man eine lebende Muschel öffnen wollte um ihr ein Sandkorn einzupflanzen, damit daraus eine Perle wachsen konnte. Verständlicher Weise öffnete sich nicht jede Muschel bereitwillig. Auch Zarrah und Chris hätten nicht unterschiedlicher sein können. Aber bei der kleinen Heilerin funktionierte sein 'Charme' unerwartet gut und sie erzählte vielleicht sogar mehr als sie durfte:
„Eine besondere Verbindung weiß nicht nicht…“
Crystin rutschte etwas dichter zu Razag heran.
Was ist das für ein Duft?...
Aber seine Sinne wollte gerade den ihren nicht extrahieren oder analysieren, denn ihr Duft stieg dem Ork in die Nase und ganz still, tief in ihm wärmte sich sein Herz einfach nur in ihrer Sonne.Es war einfach schön in ihrer Nähe zu sein. Sie neigte sich dann auch noch vor und flüsterte:
„Aber… sie war immer nett zu mir!...Ja! Glaub es ruhig. Sie ist scheinbar die einzige Dunkelelfe, die nicht Spaß an Folter und Schmerz hat.“
, flüsterte sie weiter und rutschte noch näher heran und Razag sog einmal tief den Atem ein.
...sie riecht so gut...
Crystin plauderte weiter und Razag hörte einfach nur zu.
„Sie hat mir oft geholfen, wenn die Gladiatoren zu aufdringlich wurden. Zwar sah sie kaum den Kämpfen zu, aber sie stand oft genug in meiner Heilernische am Rand des Geschehens und beobachtete. Sie saß selten in den Rängen ihrer Familie. Meist stand sie einfach nur da, schweigsam wie eh und je und starrte vor sich hin. Anfänglich war ich ganz schön gehemmt, kannst du dir sicher denken. Ich wusste nicht, wie ich das einschätzen sollte – beobachtete man mich? Oder überwachte sie mich? Ich… ich war so nervös, etwas falsch zu machen und dafür bestraft zu werden. Aber sobald einer der Kämpfer sich mir gegenüber nicht vernünftig verhielt – stand sie neben mir und half...Und irgendwann…“
Razag konnte in ihren Augen ablesen, dass sie haderte, wie viel sie noch erzählen durfte, also blieb er still und wartete geduldig. Dann überschritt Crystin jene Grenze und entschied sich, dem Ork zu vertrauen.
„Irgendwann kam sie auf mich zu und sprach mich direkt an. Sie suche jemanden, der sie begleitete und dafür sorgte, dass etwaige Verletzungen nicht zum Problem würden. Sie sagte, die Reise wäre gefährlich und sie könne nicht alle Eventualitäten abschätzen. Sie wirkte vollkommen ruhig dabei und nichts verriet, ob sie mich ködern wollte oder… nicht. Sie sagte, sie würde mir für meine Hilfe…“
, sie schluckte und Razag war sich nicht ganz sicher, ob sie ergriffen war, oder Angst hatte.
Was hat sie gesagt, dass sie erhalten würde?
„...die Freiheit geben.“
, schloss sie und Crys brach den Blickkontakt ab. Sie rührte im Topf und wirkte bemüht, nicht Tränen zu produzieren. Razag war für einen Moment wie gelähmt. In seinem Kopf knackte es, während die Heilerin weiter sprach:
„Wie hätte ich da… nein sagen sollen?...Ich bin mir sicher, dass euch das gleiche winkt… Freiheit, Razag… stell dir das mal vor…“
, träumte sie und lächelte entzückt. Ihr Lächeln wurde jedoch nicht sofort erwidert, denn Razags Gedanken stolperten noch verwirrt durch die Gegend.
„Ich könnte endlich meine Studien aufnehmen… könnte in den Eldoras reisen… könnte meine Familie besuchen…“
, Crystin war jedenfalls vollends überzeugt von ihrer Belohnung. Dann rasteten endlich die Zahnräder im Kopf des großen Mannes neben ihr ein und er runzelte kurz die Stirn. Die Hoffnung, die er in Cris Augen sah, die bereitete ihm echte Sorgen, denn...
...MIST!
Raz'ulak glaubte nämlich diesem Versprechen aus Worten und hingeworfenen Fetzen kein Stück. Ganz im Gegenteil, war alarmiert und versuchte seine Befürchtungen im Zaum zu halten. Aber wie sollte er? Jeder der in Morgeria aufgewachsen oder lange genug gelebt hatte, hatte früher oder später Kontakt mit den fadenscheinigen Versprechungen, mit den dünnen Tropfen Hoffnung gemacht, die jene als Fallen auslegten und verteilten wie Zuckerbrot. Das Problem war, dass Dunkelelfen einfach verdammt gute Lügner waren und sich am Zerstören von Träumen und Hoffnung labten. Der größte Beweis war dafür:
… die große Hatz.
Raz lief es kalt die Wirbelsäule entlang. Wie ein einzelner Regentropfen, der den Nacken trifft und sich unter die Kleidung schummelt, kalt und unangenehm seinen Weg hinab rinnt und ein ungutes Gefühl hinterlässt.
...ob... könnte das hier eine Art Hatz sein?
Cris vertraute Zarrah so weit und hatte den 'Floh' in ihrem Ohr akzeptiert. Doch viel zu oft war Razag schon enttäuscht worden, oder war Zeuge gewesen, wie man hoffenden Seelen wieder alles entrissen hatte. Seine ganze Existenz baute darauf auf. Als Gladiatoren hatte man sie jeden Tag darauf konditioniert, dass sie in die Arena gingen, sich gegenseitig umbrachten, um am Ende mit kleinen Belohnungen gefüttert zu werden. DAS konnten Dunkelelfen gut. Und einmal im Jahr veranstalteten sie sogar für diese 'Lüge' ein richtiges Ereignis! Die große Hatz war dafür gemacht worden, den Sklaven vorzugaukeln, dass sie entkommen konnten, doch ...das taten sie nie. Es war eigentlich nur eine Jagd. Es war Folter.
Razag sah Cris an und behielt seine Sorgen und Bedenken für sich. Sie könnte sie ihm ohnehin nicht nehmen.
Das Wort eines Dunkelelfen, der Freiheit verspricht... ist wie Gift in das offene lachende Herz eines Kindes zu gießen.
Dies zu glauben fiel ihm sehr schwer. Aber Cris glaubte und sie... hoffte! Hoffnung war etwas, dass die Menschen antrieb, doch Orks hatten bitter gelernt, dass das bei Dunkelelfen nicht zu traf. Als seine Art aufbegehrt hatte, da hatte man sie ziehen lassen. Nur um sie jetzt als Vogelfreie zu jagen und abzuschlachten. So groß und stark sein Volk, ja noch heute jeder einzelne von ihnen war, diese Geschichte wiederholte sich einfach zu oft. Diejenigen, die große Macht hatten, sonnten sich in der Annahme:
Oh, wie war es vortrefflich die Stärke eines Riesen zu haben...
...aber es ist tyrannisch sie wie ein Riese zu gebrauchen.

Zum Glück waren die Riesen ausgestorben, aber diese Wahrheit war geblieben. Nun waren es nun mal die Dunkelelfen, die durch die Länder zogen und ihre Stärke missbrauchten. Sie waren nicht körperlich groß und stark, aber sie hatten ihre dunkle Magie, die die Orks sehr fürchteten und sie damit versklavten. Ihre Magie war ihre größte Macht. Die Geschichten über ihre glorreichen Siege hallten natürlich auch bis nach Morgeria... wahr oder nicht. Wer einen skelettierten Drachen beschwören konnte, vor dem sollte man sich zu Recht fürchten. Und dies war der Moment, wo ein kleines Glöckchen Razags Geist nicht mehr in Ruhe lassen wollte:
Ritualmagie... Ritualmagie-Rolle...
Das war es, was sie holen sollten.
Also noch mehr Macht für die Dunklen!
Razag starrte in die Blasen, die vom Grund des Kochtopfs aufstiegen. Wo das Wort 'Freiheit' einer Menschenfrau Hoffnung schenken konnte, da stürzte sie diesen Ork in einen Schlund aus Zweifeln. Razag war still geworden und grübelte. Cris Nähe war das einzige, was ihn gerade noch davor bewahrte sich ganz in dieser Dunkelheit zu verlieren. Wie sollte er auch Vertrauen haben? Zarrah war so verschlossen wie alle ihres Volkes. Ihre wahren Motive und Gedanken würde sie wohl nie mit 'Sklaven' teilen. Und das gegebene Versprechen der Heilerin gegenüber, war wie ein Lockruf, der ins Verderben führen konnte. Raz sah zu Cris und ihr Lächeln durchbrach diesen Ring aus Dunkelheit in ihm so leicht, dass es schon fast unheimlich war. Er konnte einfach nicht anders, als zurück zu lächeln. Doch im Hinterkopf formte sich dabei ein Versprechen:
Wenn Zarrah ihr weh tut und nicht ihr Versprechen einlöst...
Und dann folgten nur noch Bilder, denn jedes auch nur gedachte Wort hätte die blutrünstige Ader des Orks nicht im geringsten beschreiben können. Jene Bilder versprachen der Dunkelelfe nicht nur ein Leiden, dass lange anhalten würde, wenn sie Cris verraten würde, sie waren so blutrünstig, dass sie in keiner Geschichte jemals aufgeschrieben werden sollten. Dabei wurden sie nicht mal für Razag selbst in seinem Unterbewusstsein geboren, sondern einzig aus seinem Beschützerinstinkt für Cris. Es war ihm fast egal, ob er selbst verletzt oder betrogen werden könnte, aber nun hatte Zarrah seiner kleinen süßen Heilerin Hoffnung geschenkt.
Wehe, wenn sie sie nicht einlöst!

Aber all die Dunkelheit in seiner Seele kam nicht gegen dieses kleine sanfte und so unglaublich süße Schmunzeln an, dass Cris einfach über ihm ausschüttete, wie ein goldener Regen der seine Seele wärmte. Es verließ ihn auch nicht, als Zarrah mit Syn im Schlepptau wieder kam und sie sich zu ihnen ans Lagerfeuer setzten.
Na huch? Was da wohl passiert ist?
, fragte sich Raz, als er ihre Minen studierte. Zarrah erwiderte den freudigen Blick ihrer Heilerin nicht, sondern brütete dumpf und mit verschlossener Miene, während sie sich auf den umgestürzten Baumstumpf setzte und begann ihre Dolche zu schärfen. Sie sah nicht so aus, als ob sie reden wollen würde. Beide, Cris und Raz sahen von den Rückkehrern wieder zu sich und beide hoben ratlos die Brauen.
„Jemand Fleisch?
“, fragte sie daraufhin bedeutend gut gelaunt und machte sich daran, Portionen zu verteilen. Raz hielt wie Syn einen Teller hin, damit sie auftischen konnte.
...merkwürdige Stimmung zwischen den beiden.
Irgendwann gelang es seinem kleinen Kumpel, seinen Blick von Zarrah zu lösen. Er wanderte zu seinen Mitreisenden. Mit angezogenen Beinen, jederzeit bereit aufzuspringen, brütete er über seiner Mahlzeit.
Keine Ahnung was da los war, aber... es geht ihm nicht gut.
Doch dann wandte sich Syn unvermittelt an Cris:
"Du hast gesagt, du hilfst mir mit dem Kleid"
Razag kaute noch. In einen so großen Ork passte nun mal ordentlich was rein und Raz würde sogar den Topf auslecken, wenn man ihn ließ. Tischmanieren waren nichts, was er je hatte lernen müssen.
"Wenn du bei jeder Rast daran arbeitest, kann ich es schneller tragen. Ich sag dir auch, wie ich es haben will."
Einen Moment lang sorgte sich Raz mal wieder, dass Syn Cris dabei irgendwie ausnutzen könnte, aber...
Sie kann 'Nein' sagen. Sie muss es nur tun. Und ...Syn braucht etwas für sich, dass ihm gut tut. Etwas... das ihm Halt gibt. Mir reicht ...das Essen!...hmmmm lecker... Mit gut gefülltem Magen bin ich immer glücklich.
So dunkel es in manchen Ecken jeder Seele auch sein konnte, so düster manchmal auch die Gedanken sein mochten, es gab auch immer genauso Winkel die von Licht und Liebe erfüllt waren. Manchmal brauchte es nur eine Erinnerung um alles zum Leben zu erwecken. Bei Razag war es eben der Genuss von etwas gutem zu Essen. Bei Syn etwas gutes zum Anziehen? Sobald sich sein Kumpel darauf konzentrieren konnte, schien er wieder ruhiger, selbstsicherer und ausgeglichen und auch das erfreute den Ork.
...und vielleicht trainiert er mit mir ein bisschen, wenn es uns beiden besser geht. Einrosten will ich schließlich auch nicht.
Razag grinste verhalten. Eine spielerische 'Kaninchenjagd' würde ihnen beiden vielleicht ganz gut tun, wenn die Wunden verheilt wären. Oder schlichtes Muskeltraining für den Ork?
In einer Hand Syn in der andern Cris und dann über den Kopf und runter... rauf und runter... rauf... und... runter...
Während sich der Ork in seinen Fantasien über sportliche Betätigungen erging, beobachtete er die Runde. In seinen von Endorphinen gefluteten Gedanken tauschte er seine Hanteln aus. Dann war es Zarrah und Syn die er stemmte und kurz darauf nur die beiden Frauen. Dann sah er sich noch bei Liegestütze, und alle drei saßen auf seinem Rücken und lachten. Raz verschluckte sich fast bei der Vorstellung und gluckste leise. Dann sah er entwas peinlich berührt in die sonst eher schweigsame Runde und meinte:
„Tschuldigung... hatte gerade eine lustige Vorstellung von euch drein, wie ihr...“
Er sah in verständnislose Gesichter.
„Bin schon ruhig.“
Und das war er dann auch. Wie sollte man auch diese springenden Gedanken erklären? Zarrah sah so verbissen aus, aber auch irgendwie irritiert. Syn konzentrierte sich darauf Cris ein genaues Bild zu 'malen' wie er sich seine Garderobe vorstellte und Raz? Raz tanzte zwischen Licht und Schatten seiner Gedanken, zwischen den Bruchstücken an Informationen, die er bekommen aber nicht allein zusammen setzen konnte. Eine Weile beobachtete er also noch das Treiben und auch Zarrah, bis er dann erneut fragte:
„Zarrah?
Er wartete bis er ihre Aufmerksamkeit hatte. Dann setze er alles auf eine Karte und bewies für sich mehr Mut und Furchtlosigkeit als in all den Jahren in der Arena:
„Wer bist du und warum hast du uns für diese Aufgabe ausgesucht? Entschuldige, wenn ich dir damit vielleicht zu nahe trete. Es ist nur so, dass ich auch gerne deine Beweggründe wüsste.“
Wenn sie die 'übliche' Dunkelelfe wäre, gäbe es darauf keine Antwort oder nur wages Drum-Herum-Gerede. Syn, Cris und Razag waren hier, weil sie es einfach mussten, oder mit einem Versprechen auf Freiheit her gelockt waren. Aber was war mit ihr?
„Warum bist du hier?“
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 28. Juni 2023, 09:23

Versprechungen zu machen war leicht. Inflationär konnte man sie hier und dort fallenlassen, um andere dazu zu bewegen genau das zu machen, was man wollte. Und wenn eine Einlösung gefordert wurde, brauchte man lediglich ein Sammelsurium an Vertröstungen, bis der andere aufgab nachzufragen. Gerade in der Welt von Dunkelelfen und ihrem Ruf in allen Regionen, waren leere Versprechungen eher süße Verlockung, um zu kriegen, was einem selbst nutzte. Es galt als Raffinesse seinen Gegenüber dazu zu bekommen, im eigenen Interesse zu handeln, und nichts dafür als Ausgleich zu zahlen. Razag kannte das und auch Synnover wusste darum. Die Dunkelelfen hatten sogar einen Namen dafür: ‚Die große Hatz‘. Es lockte die Freiheit für diejenigen unter den Sklaven, die es tatsächlich schafften vor den Häschern zu fliehen. Die aushielten, trotz ihrer meist desolaten, körperlichen Verfassungen. Wenngleich nicht jeder Sklave auch gehörig malträtiert oder geschunden war. Es gab durchaus Familien, die darum wussten, wie angenehm das Leben mit Sklaven doch war und sich dementsprechend auch um sie – im Mindestmaß – kümmerten. Doch auch jene, die eben nicht von Krankheiten und Tieren befallen, ausgemergelt und halb totgeprügelt waren, schafften in der Regel dieses unfaire Spiel nicht. Es war ein Amüsement für die gelangweilten Damen und Herren des Adels, bei dem sie ihre scheinbar perfekte Fassade hintenanstellen und ihre dunklen Gene herauslassen konnten. Und am Ende all dessen? Nun… von Toten erhielt man keinen Bericht mehr und gewiss glaubten so einige Sklaven, dass es eben jene, die nicht mehr zurückkehrten, geschafft hätten. Die anderen, diejenigen, die man gefangen hatte, wurden öffentlich hingerichtet oder aber wieder in Diensten gestellt, doch zu deutlich schlechteren Bedingungen. Diese Seelen verloren dabei nicht nur im besten Falle ihren Status oder Annehmlichkeiten, die sie sich über Jahre mühsam erworben hatten, nein – jene verloren auch ihren Glauben und ihre Hoffnung.
Razag wusste darum nur zu gut. Er glaubte längst nicht mehr blauäugig daran, das ein Dunkelelf oder in diesem speziellen Falle, eine Dunkelelfe, tatsächlich meinen könnte, was sie sagte. Zarrah hatte der Heilerin versprochen, dass sie die Freiheit erlangen würde, sobald sie dieses Unterfangen gemeistert und vor allem überlebt hatte. Denn dafür garantierte die Elfe mit den weißen Haaren nicht. Crystin sah man an, dass sie diesen Köder geschluckt hatte und schürte damit umso mehr Razag’s Sorgen um sie. Und gleichwohl formte er ein stummes Versprechen Crys gegenüber, dass er – sollte es zu einer Enttäuschung ihrerseits kommen – alles dafür täte, sie zu rächen. Er würde Zarrah fortan gewiss nicht mehr so unbefangen betrachten können und musste vorsichtig sein, um keine Anzeichen von Verrat zu übersehen. Just in dem Moment, da Zarrah mit Syn ins Lager kam, konnte Razag nichts weiter erkennen, als dass die Dunkle offenbar ein wenig kopflos wirkte. Was vorgefallen war, blieb verborgen, doch wirkte Zarrah ein wenig unkonzentriert. Waren das schon die Auswirkungen des Schlafmangels? Syn, Crys und er hatten einen Plan geschmiedet, um die Elfe dazu zu bekommen, zu schlafen. Jetzt aber galt es erstmal, das köstliche Essen zu verzehren, das Crys mit Hilfe von Razag gezaubert hatte. Die schmale Heilerin füllte jedem eine vernünftige Portion auf. Bisher hatten sie diesbezüglich nichts einbüßen müssen. Zwar tischte man in freier Wildbahn nicht unbedingt besonders viel Obst auf oder bekam reichlich Nachschub – gerade nach gelungenen, erfolgreichen Kämpfen -, aber Crystin entpuppte sich tatsächlich als kleine Feinschmeckerin und kredenzte ihnen annehmbare Mahlzeiten. Als letztes gab sie Razag etwas auf den Teller und lächelte ihn immer noch gut gestimmt an, während sie neben ihm sitzenblieb, um mit ihm gemeinsam zu essen.

Synnover und Zarrah indes waren bedeutend schlechter gelaunt. Das weiße Kaninchen musste mit der Tatsache klarkommen, dass es seinen Status innerhalb der Nachtklingen-Mauern völlig falsch eingeschätzt hatte. Der wendige Gladiator musste erkennen, dass die vermeintliche Freiheit, die Karrish ihm suggeriert hatte, einfach gelogen gewesen war. Freiheit bedeutete um so vieles mehr als das zweifelhafte Privileg mit einem Beobachter an einem Wein zu nippen oder hier und dort in einem diktierten Buch zu blättern. Syn hatte sich in all den Jahren so sehr darauf etwas eingebildet, mit den schönsten Kostümen ausstaffiert worden zu sein, dass ihm systematisch der Blick verwehrt wurde, für die wahre Freiheit. Selbst der Blick von einem der hohen Balkone im Heim der Nachtklingen brachte ihn nicht auf den Gedanken, dass da mehr sein könnte. Für ihn war die Welt Morgeria und Karrish, der ihn vor den Reißern gerettet hatte. Er war seine ganze Welt und für ihn legte er sich ins Zeug. Dass es nun erneut eine Nachtklinge war, die ihn retten sollte, schlug auf sein Gemüt. Zudem hatte er sich ehrlich und wahrhaftig bei Zarrah bedanken wollen. Bedanken dafür, dass sie ihm gewährte, den Himmel zu sehen. Doch die Dunkle, die durchaus mit sich gerungen hatte, sagte kein Wort darüber. Hatte sie denn nicht erkannt, wie ernst es ihm gewesen war? War sie blind für derlei Gesten? Die Irrungen und Wirrungen dieses neuen Lebens, war für keinen von ihnen leicht zu betrachten. Es brauchte Zeit, sich in dem neuen Umfeld und den neuen Gepflogenheiten einzufinden und so brauchten beide eine unterschiedliche Art von Ablenkung: Syn sprach Crystin direkt auf das Kleid an. Die Heilerin hob kurz den Kopf und verbrannte sich minimal an einem Stück Fleisch, da sie so überrascht über die Anrede war. Sie fächelte sich etwas Luft über die kleine Stelle an der Lippe, ehe sie Syn fragend musterte. "Du hast gesagt, du hilfst mir mit dem Kleid.“, sie nickte bestätigend. "Wenn du bei jeder Rast daran arbeitest, kann ich es schneller tragen. Ich sag dir auch, wie ich es haben will." Für einen Moment schwieg Crys nachdenklich. Sie schob sich noch ein Stück Fleisch in den Mund und kaute, als würde sie sich diese Zeit erbitten wollen. Es entstand eine Pause, in der Razag hoffte, sie würde ihren Kopf durchsetzen und gleichzeitig Verständnis für den Rammellappen aufkam. „Ich habe gesagt, ich helfe dir. Und das tue ich auch.“, begann die Heilerin mit fester Stimme. Crystin hatte offenbar nur die Freiheitsluft einsaugen müssen, um zu ihrem wahren Naturell zurückzufinden. „Aber erst, sobald meine Pflichten erledigt sind. Und-“, sie hob einen Finger, um Synnover’s Aufmerksamkeit zu erhalten, „ich entscheide, wie lange ich daran arbeite. Ich werde mir nicht die Nächte um die Ohren schlagen, deswegen!“, entschied sie und nickte noch mal, als müsse sie sich selbst bekräftigen. Dann wurde sie etwas weicher im Gesicht und lächelte Syn zu. Ja, sie würde zu ihrem Angebot stehen. Und Razag durfte erkennen, dass sie sich dabei nicht ausnutzenlassen würde.
Auch für Crystin schien der kurze Moment Zweisamkeit mit Syn heilsam gewesen zu sein. Auf eine Art, die dem Kaninchen vermutlich weniger schmeckte. Plötzlich gluckste Razag und erntete Blicke von Crys und Zarrah. „Tschuldigung... hatte gerade eine lustige Vorstellung von euch drein, wie ihr... Bin schon ruhig.“, nuschelte er und während Zarrah nur den Blick abwandte und wieder brütete, grinste Crystin den Ork fragend an.
Razag aber entschied sich, die erneute Stille aufkommenden Unbehagens zu unterbrechen. Er befand sich inzwischen auf einer Mission und würde die Dunkle genauer unter die Lupe nehmen. „Zarrah?“ Die Elfe hob den Blick und betrachtete abwartend das Gesicht des Grünen.

„Wer bist du und warum hast du uns für diese Aufgabe ausgesucht? Entschuldige, wenn ich dir damit vielleicht zu nahetrete. Es ist nur so, dass ich auch gerne deine Beweggründe wüsste. Warum bist du hier?“ Stille. Selbst die Vögel schienen aufzuhören zu zwitschern, als hielte der Wald den Atem an. Das Lächeln wich aus Crystins Gesicht und sie suchte sich verstohlen Arbeit für ihre Hände. Nervosität lag darin, denn Razag wagte etwas, das bei allen dreien wohl selten, bis gar nicht hatte stattfinden dürfen. Zarrah hingegen hielt den Blick lange aufrecht und musterte Razag. Das Aufgewühlte wich einer stoischen Neutralität. Sie verbarg sich vor ihm. Ihr dunkelgrüner Blick bohrte sich in die Augen des Großen und es war fast so, als würde sie versuchen einzudringen. Als würde sie den Spieß einfach umdrehen, um hinter seine Fassade sehen zu können. Dann richtete sie sich etwas in ihrem Sitz auf und sah jeden nacheinander an. „Es ist wohl nur fair, wenn ihr ein wenig mehr erfahrt, immerhin seid ihr genau so involviert, wie ich.“, setzte sie daraufhin an und strafte jeden Gedanken an Vergeltung, die sie hätte ausführen können, Lügen. Ihr Blick landete erneut bei Razag, wo er blieb. „Ich bin hier, um die Schriftrolle der Ritualmagie zu finden. Es würde Ansehen und Status einbringen, diese zu finden und weiterzugeben. Und gleichzeitig einen Erfolg für die Belange der dunklen Völker darstellen.“, erzählte sie und etwas in ihrem Blick war da, was nicht ganz zu ergründen war. Sie wirkte völlig neutral dabei, während sie das sagte und man konnte weder die Genugtuung eines möglichen Sieges erkennen noch Stolz oder Vorfreude. „Ich habe euch ausgesucht, weil ich gesehen habe, wie ihr im schwarzen Sand gekämpft habt.“, beantwortete sie auch diese Frage. „Ihr gebt nicht auf. Ihr erhebt euch, wenn andere euch bereits im Blut versinken sehen.“ Jetzt war da etwas anderes zu erkennen, in der Mimik der Elfe. Die Neutralität wich einer Nuance von Anerkennung. Stärke und Zähigkeit waren Dinge, die wohl jeder schätzte. Doch zeigte das eine Dunkle gegenüber Sklaven? Zarrah indes verspottete die Fragen des Grünen nicht, sondern gab ihm tatsächlich Auskunft. Ob sie Razag zufrieden stimmen konnte? „Und für das Finden der Rolle, wird eben genau das nötig sein. Zudem kommt eine kleine Gruppe sehr viel schneller voran und ist effizienter in so manchen Situationen.“, räumte sie auch das ein. Schließlich, wenn es doch die Belange der dunklen Armee betraf, hätte man auch ein Heer entsenden können. Doch Zarrah schlug just in dem Moment die Augen nieder und brach den Blickkontakt ab. Dann erhob sie sich sogar, ging zum Feuer und legte ihr Essgeschirr zur Seite. Offenbar gab es Schichten, die keiner von ihnen sehen sollte und Razag’s Fragen aber angekratzt hatten. Bevor das Gespräch wohl vorbei wäre, hob Zarrah abermals den Blick und sah Razag lange an. Der Ork könnte die athletische Dunkle sofort zerquetschen, wenn er sie zu fassen bekäme, doch ihre Ausstrahlung konnte selbst den bissigsten Hund bändigen. „Und wenn die Mission gelingt…“, begann sie, doch war es auf einmal Crystin, die vorpreschte: „Erhalten wir alle unsere Freiheit?!“, rief sie aufgeregt und sah mit leuchtenden Augen zu Razag. Die Heilerin wünschte sich das für sie alle. Ohne die Sorgen des Grünen zu kennen oder die Ängste des Kaninchens. Zarrah jedoch durchbohrte Crys mit ihrem Blick. Sie wirkte ungehalten und mahlte ihren Kiefer aufeinander. „…seid ihr frei zu tun, wonach euch ist.“, schloss die Dunkle und beendete dieses offene Gespräch, in dem sie sich abwandte und drauf und dran war, ihre Lagerstatt von dem von Syn vorgesehenen Platz wegzuräumen, um sich Abseits zu legen. Das Gespräch war beendet – so schien es. Und Crystin machte ihrer Freude Platz, dass Syn und Razag offenbar die selbe Belohnung erhalten sollten, wie sie. Sie strahlte und blitzte Razag mit blauen Augen an. Doch auch Synnover erhielt ein Lächeln über beide Wangen.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Mittwoch 28. Juni 2023, 14:57

Wie eine gänzlich andere Umgebung doch in der Lage war, Gemüter zu verändern! Wo Raz'ulak und Crystin langsam erblühten und ihre Beziehung zueinander soweit auftaute, dass die Heilerin ihm sogar das Geheimnis einer bevorstehenden Aussicht auf Freiheit anvertraute, da lag eine seltsame Spannung über Zarrah und Synnover, als beide zum Lager zurückkehrten. Die Dunkelelfe wirkte erstmals nicht vollends geradlinig in ihren Plänen, fast als hätte etwas sie aus der Bahn geworfen. Sie zog sich in sich selbst zurück, um sich beim Schärfen ihrer Dolche wieder zu sammeln. Auch Syn zeigte sich verschwiegen, hielt Distanz zur allgemeinen Stimmung, indem er nur als stiller Beobachter teilnahm und ließ sich maximal dazu verleiten, etwas zu essen.
Razag machte sich bereits Sorgen um seinen Rammellappen von Kumpel, der trotz übergestülpter Kapuze nicht verbergen konnte, dass er nicht bei bester Verfassung war. Umso überraschender kam dann seine Erinnerung an Crystin, das Brautkleid neu zu vernähen. Dass Syn hierbei nicht demütig fragte oder hoffnungsvoll ihre Hilfe erbat, sondern vielmehr indirekt forderte durch seine Anweisungen, ließ ihn gar nicht als klassischen Sklaven erscheinen. Aber das war er im Grunde nie gewesen, nicht einmal bei den Reißern. Dort hatte man ihn zum Haustier degradiert. Er hatte keinerlei Aufgaben erhalten und tatsächlich zumindest die Freiheit genossen, tagsüber nur existieren zu müssen. Solange es keine Kämpfe in Hinterhöfen für ihn auszutragen gab, galt sein einziger Zweck dem blanken Überleben. Später dann, als die Nachtklingen sich seiner angenommen hatten, war er schnell von einem unter vielen zum Gladiator aufgestiegen und es brauchte nur einen Blick von Yolintha auf sein Äußeres, dass er sich zum Liebhaber und Lustknaben hatte aufschwingen können. Wenn man davon sprechen wollte, dass sich jemand in seiner Karriere hochgeschlafen hatte, konnte man Synnover getrost als Parade-Beispiel nutzen. Er war nie in der misslichen Lage gewesen, wirklich ganz unten jemanden um etwas zu bitten. Als er damit begann, auch seine eigenen Bedürfnisse durch Materielles stillen zu dürfen, hatte er sich längst in einer Position befunden, die andere Sklaven unter sich beherbergte. Nun lernte Syn die absolut unterste Stufe der Treppe zum Erfolg kennen, nämlich in Form von Crystins Reaktion.
"Ich habe gesagt, ich helfe dir. Und das tue ich auch. Aber erst, sobald meine Pflichten erledigt sind. Und ich entscheide, wie lange ich daran arbeite. Ich werde mir nicht die Nächste um die Ohren schlagen deswegen!"
Syns Griff um seine Schale festigte sich. Dass die Knöchel weißer hervortraten, sah man aufgrund seiner ohnehin ungemein hellen Haut überhaupt nicht. Er kaute auf seiner Unterlippe herum, hielt den Kopf gesenkt. Crystin, die scheue - due jungfräuliche! - Crystin stellte Bedingungen! Und sie durfte es... Langsam wurde ihm ein gewisser Umstand bewusst. Ich bin noch weiter unten als angenommen. Ich liege unter dem Teppich, auf dem Crystin auf Knien herum rutscht, um ihn für Zarrah zu glätten. Ich bin ein Teil von dem unliebsamen Dreck, der zwangsläufig am Teppich klebt, damit jener nicht rutscht. Razag bezog er in diesen Gedankengang gar nicht ein. Das konnte er nicht, denn er konnte die Position des Orks nicht einordnen. Erstmals sah er Raz'ulak den Furchtlosen weder auf einer Ebene unter ihn noch auf jener, auf der Syn sich selbst befand. Razag war ... bei Crystin, denn sie beide hatten gekocht und verstanden sich. Er war unten. Allein. Karrish war nicht hier. Hier interessierte sich niemand für ihn, ob aufrichtig oder nur zum Zweck körperlicher Bedürfnisstillung.
Im Bruchteil eines Herzschlags erschütterte es das Kaninchen. Das war der Moment, in dem er seine Schale fest umklammerte und hätte er Razags Kräfte besessen, wäre sie gewiss zersprungen. Dann aber besann er sich. Synnover versank niemals in Dunkelheit, nie in Selbstmitleid. Sein Ego ließ es nicht zu, selbst wenn er den Bodensatz des Bodensatzes erreicht hatte. Es half ihm schließlich nicht. Er konnte nur das Beste aus seiner Situation machen. Es gab jetzt nur noch einen Weg und zwar den nach oben. Wenn Crystin dabei von einer der höheren Stufen auf ihn herab schaute, musste er es hinnehmen. Wenigstens lange genug, bis er an ihr vorüberziehen würde.
"Wir Ihr wünscht", antwortete er ihr daher nicht nur demütig, sondern verwendete gar eine höfliche Anrede wie er es sonst nur bei den Nachtklingen tat. Er hatte verstanden. Sie gab den Ton an und über ihr Zarrah. Er nahm es hin, aber verdauen ließ es sich nur schwer. Syn stellte seine Schale auf dem Boden ab. Der Appetit war ihm soeben vergangen und am liebsten hätte er sich nun in sein Zimmer zurückgezogen, wäre laufen gegangen oder hätte von den Balkonen des Nachtklingen-Anwesens aus die kleinen Teile des Himmels betrachtet, die er sehen konnte. Eine lachhafte Aussicht, jetzt da er mehr kannte. Sein Blick glitt nach oben, zu den Wipfeln der Nadelbäume. Er war schon drauf und dran, sich einfach zu erheben, um eine erneute Kletterpartie zu wagen, da ließen Razags Fragen ihn innehalten. Sie galten nicht ihm, sondern Zarrah, aber sie waren direkt. Gewagt. Riskant. Vor allem aber waren sie interessant.
Syn rührte sich nicht. Er lauschte aufmerksam auf das, was die Dunkelelfe zu sagen hätte. Für eine Weile blieb es still. Zarrah musterte den Ork und Celcia hielt den Atem an. Syn beteiligte sich daran. Er wollte unter keinen Umständen ihre Antwort verpassen. Dass sie Razag überhaupt eine gab, ohne jenen sofort mit einer Strafe zu belegen, war eine Ausnahme. Das konnte ein Sklave sich nur bei Zarrah erlauben. Syn mochte die Jüngste der Nachtklingen nicht sehr gut kennen, aber instinktiv überraschte ihn ihre Reaktion nicht sonderlich. Er war auf den Inhalt ihrer Worte gespannt.
Sie weckten allerdings auch eine Reaktion bei ihm. Eine, mit der er nicht gerechnet hatte.
Synnover riss den Kopf herum. Er starrte aus geweiteten Augen zu Zarrah herüber. All ihre Worte über die Hintergründe ihrer Mission, die Schriftrolle der Ritualmagie, sie waren einfach aus dem Denken des Kaninchens verbannt. Er hatte sie aufgenommen, doch verloren sie an Bedeutung angesichts von Crystins Unterbrechung und Zarrahs Bestätigung dessen.
"Und wenn die Mission gelingt..."
"Erhalten wir alle unsere Freiheit?!"
"... seid ihr frei zu tun, wonach euch ist."

Freiheit. Frei zu entscheiden, überall hinzugehen. Hoffnung zu haben, ein eigenes Leben führen zu können. Ja, das wäre möglich. Wenigstens drei Tage lang, wenn man schnell genug wäre. Die große Hatz ließ niemanden entkommen. Synnover glaubte, dass nichts Anderes hinter Zarrahs Worten lag. Er hatte niemals zuvor davon gehört, dass ein Sklave aus reiner Herzensgüte und einfach so frei gelassen worden wäre. Eine solche Möglichkeit existierte für ihn nicht. Es gab nur eine Alternative zur großen Hatz, um seinem Schicksal als Sklave zu entkommen und das war ein vorzeitiger Tod. Jenen zog Synnover im Grunde vor. Lieber starb er durch eine gegnerische Klinge in der Arena oder einer nicht mehr zu heilenden Verwundung, als sich mit falscher Hoffnung durch die Tote Ebene jagen zu lassen, nur um seinen Häschern am Ende doch nicht zu entkommen. Niemand entkam der großen Hatz, ganz gleich wie frei zu entscheiden man war. Es war genauso falsch wie all die Freiheit, die Karrish ihm geschenkt hatte. Freiheit. Das war nur ein Konstrukt der Dunkelelfen, geschaffen, um Sklaven Hoffnung zu geben. Sie existierte nicht, nicht für Wesen wie ihn, Razag oder Crystin.
Bis eben noch dachte er, er wäre von hoher Position gefallen. Dann hatte Crystin ihn eine Stufe tiefer geschickt, um unten anzukommen.
Ganz unten. Tiefer ging es nicht ... und dann erfand irgendein Trottel die Schaufel und begann zu graben...
Syn bekam nicht mit, wie Zarrah ihre Schlafstatt ein Stück von seiner fortzog. Er übersah Crystins Strahlen und sogar ihr Lächeln in seine Richtung. Er wusste nicht, wie Razag die Information aufnahm, geschweige denn konnte er ihn ausmachen. Ihm drehte sich alles vor Augen. Freiheit.
Mit ungelenken Bewegungen kehrte er in den Stand zurück. Dann strauchelte er einige Schritte auf die Bäume zu. Ihm war, als hätte er Karrishs Weinkeller geplündert. Alles drehte sich. Ohne eine Erklärung abzuliefern verschwand er zwischen den Bäumen. Syn schaffte es gerade noch zu einigen Sträuchern, um sich halb dahinter zu verbergen. Dann suchte sich sein Mageninhalt den falschen Weg nach draußen. Er übergab sich in mehreren Schüben und sank dann kraftlos gegen die Rinde eines der Bäume. Heute ging auch wirklich alles schief. Was war nur los mit ihm? War er zu schwach, um außerhalb von Morgeria auch nur ansatzweise zu überleben. Seine Freiheit würde keine drei Tage dauern. Nach drei Minuten wäre es schon vorbei mit ihm. Verzweifelt stieß er ein knappes Lachen aus. Dann wischte er sich den Mund sauber und schlurfte wieder zum Lager zurück. Auch er suchte seine Schlafstatt auf, legte sich aber nur stumm darauf ab. Er hasste alles hier! Fast alles...
Syn rollte sich auf den Rücken und schaute nach oben. Es gab nur ein Ding, das wirklich frei war und mit Spott, strahlend blau, schaute es auf sie alle herab. Synnover erwiderte den Blick voll tiefster Sehnsucht.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raz'ulak der Furchtlose » Mittwoch 28. Juni 2023, 17:45

Syn sprach Crystin kurz nach seiner Rückkehr direkt auf das Kleid an. Die Heilerin hob kurz den Kopf und verbrannte sich minimal an einem Stück Fleisch, da sie so überrascht über die Anrede war. Sie fächelte sich etwas Luft über die kleine Stelle an der Lippe, während sie Syn fragend musterte. Gleichzeitig musterte aber auch ein anderes Augenpaar ihre Lippen.
Man! Wie gern ich diese Stelle jetzt lecken und sanft pusten... küssen... hmmmmm....
Konnten Orks schnurren? Falls ja, ging es im Gespräch unter.
"Du hast gesagt, du hilfst mir mit dem Kleid. Wenn du bei jeder Rast daran arbeitest, kann ich es schneller tragen. Ich sag dir auch, wie ich es haben will."
Für einen Moment schwieg Crys nachdenklich. Sie schob sich noch ein Stück Fleisch in den Mund und kaute. Es entstand eine Pause.
„Ich habe gesagt, ich helfe dir. Und das tue ich auch... Aber erst, sobald meine Pflichten erledigt sind. Und ich entscheide, wie lange ich daran arbeite. Ich werde mir nicht die Nächte um die Ohren schlagen, deswegen!“
, entschied sie und nickte noch mal, als müsse sie sich selbst bekräftigen. Dann wurde sie etwas weicher im Gesicht und lächelte Syn zu. Razags linker Mundwinkel rutschte ein klein wenig in die Höhe – mehr nicht! - wo er doch am liebsten die kleine Heilerin auf seine Schultern gehoben hätte und jauchzend durch die Gegend getragen hätte. Sie fand sie ihren Willen wieder und Razag hätte nicht stolzer auf sie sein können.
Doch der Moment wehrte nur kurz. Razag machte sich bereits Sorgen um seinen Rammellappen von Kumpel, der trotz übergestülpter Kapuze nicht verbergen konnte, dass er nicht bei bester Verfassung war. Seine Antwort brach einiges zum Einsturz.
"Wir Ihr wünscht“
, antwortete er Cris nicht nur demütig, sondern verwendete gar eine höfliche Anrede wie man es sonst nur bei den Herrschaften tat. Das war schlimm. Razags Mundwinkel fiel ins bodenlose. Syn hatte nicht sarkastisch oder zynisch geklungen, sondern ernst. DAS machte das ganze so schlimm. Verstört sah der Ork einen Moment seinen Kumpel an, entsann sich jedoch dann, dass er Zarrah ein paar Fragen hatte stellen wollen.
Verdammt... Das Problem sitzt bei ihm wirklich tief.
Die Verirrungen seines Kumpels konnten nicht sofort behoben werden... vielleicht nie. Vielleicht musste er einfach von Grund auf etwas neues lernen. Freiheit konnte erschreckend sein, wenn man sie nicht kannte. Aber wenn Razag könnte, würde er ihm helfen, sofern sein Kumpel es zu ließ. Aber vor allem anderen galt es erst einmal noch mehr heraus zu finden, was ihr aller Schicksal betraf, also hieß es jetzt ein bisschen Mut zusammen zu kratzen und ihre 'Herrin Zarrah' auf die Nerven zu gehen, was ein riskantes Unterfangen war.

Auf seine Fragen folgte Stille.
Zarrah hingegen hielt den Blick lange aufrecht und musterte Razag. Das Aufgewühlte wich einer stoischen Neutralität. Sie verbarg sich vor ihm. Ihr dunkelgrüner Blick bohrte sich in die Augen des Großen und es war fast so, als würde sie versuchen einzudringen. Nur stand Razag gänzlich offen da und lud sie zu sich ein. ER hatte ja auch nichts zu verbergen.
Sie richtete sich etwas in ihrem Sitz auf und sah jeden nacheinander an.
„Es ist wohl nur fair, wenn ihr ein wenig mehr erfahrt, immerhin seid ihr genau so involviert, wie ich.“
Ihr Blick landete erneut bei Razag, wo er blieb.
„Ich bin hier, um die Schriftrolle der Ritualmagie zu finden. Es würde Ansehen und Status einbringen, diese zu finden und weiterzugeben. Und gleichzeitig einen Erfolg für die Belange der dunklen Völker darstellen.“
Ja, so sieht man eine solche Mission wohl im Allgemeinen.
Trotzdem war Razag neugierig, ob noch etwas kommen würde, was nicht so einstudiert klang.
„Ich habe euch ausgesucht, weil ich gesehen habe, wie ihr im schwarzen Sand gekämpft habt. Ihr gebt nicht auf. Ihr erhebt euch, wenn andere euch bereits im Blut versinken sehen.“
Da war ein wenig Anerkennung in ihrem Blick zu erkennen.
„Und für das Finden der Rolle, wird eben genau das nötig sein. Zudem kommt eine kleine Gruppe sehr viel schneller voran und ist effizienter in so manchen Situationen.“
Zarrah schlug just in dem Moment die Augen nieder und brach den Blickkontakt ab. Dann erhob sie sich sogar, ging zum Feuer und legte ihr Essgeschirr zur Seite. Bevor das Gespräch wohl vorbei wäre, hob Zarrah abermals den Blick und sah Razag lange an.
„Und wenn die Mission gelingt…“
, begann sie, doch war es auf einmal Crystin, die vorpreschte:
„Erhalten wir alle unsere Freiheit?!“
Razag wurde von diesem Einwurf überrascht und sah kurz zu Cris und dann wieder zu der Dunklen zurück. Zarrah jedoch durchbohrte Crys mit ihrem Blick.
Autsch. Sie mag es nicht, wenn man sie unterbricht. Erst recht nicht bei …
Sie wirkte ungehalten und mahlte ihren Kiefer aufeinander.
„…seid ihr frei zu tun, wonach euch ist.“
, schloss die Dunkle und beendete das Gespräch.
„UFF!“
, kam es aus dem orkischen Sklaven. Geräuschvoll die angehaltene Luft auszustoßen, war mehr als angebracht. Schließlich lebte er noch. Nachdenklich sah er auf seine Hände. Ein Leben voller Kampf zeichnete sich in diesen Linien und Narben ab.
…seid ihr frei zu tun, wonach euch ist.
, sinnierte Raz.
...keine wirkliche Bestätigung von Cris Worten. Auch in Sklaverei kann man im Rahmen seiner Möglichkeiten tun wonach einem ist... Solche 'Auslegungen' sind immer gut gewählte Worte und … Nein, ich vertrau dem Braten noch nicht so recht. Egal wie schön das klingt.
Crystin machte derweil ihrer Freude Platz, dass Syn und Razag offenbar die selbe Belohnung erhalten sollten, wie sie. Sie strahlte und blitzte Razag mit blauen Augen an und Raz versuchte sich auch an einem Lächeln um ihre gute Laune nicht zu zerstören. So toll war er in seiner Schauspielerei jedoch nicht. Ein bisschen sah man ihm seine Zweifel bestimmt an. Doch auch Synnover erhielt ein Lächeln von Cris, doch seine Reaktion fiel um einiges heftiger aus, als die des Orks. Mit ungelenken Bewegungen taumelte er in den Stand, dann strauchelte er einige Schritte auf die Bäume zu, um sich halb dahinter zu verbergen. Dann suchte sich sein Mageninhalt den falschen Weg nach draußen. Razags spitze Ohren zuckten und er bedeutete Cris mit einem leichten Kopfschütteln Syn jetzt nicht zu folgen. Manche Dinge vollbrachte man lieber alleine...
Klogänge und Kotzen gehören dazu.
„...nicht. Das war vielleicht gerade ein bisschen viel.“
Syn übergab sich in mehreren Schüben. Ein verzweifelt klingendes knappes Lachen war kurz zu hören, dann schlurfte er wieder zum Lager zurück. Razag beobachtete ihn besorgt, aber Syn hatte keinen Blick dafür. Er suchte seine Schlafstatt auf und legte sich stumm darauf ab. Razag schob mit dem Fuß eine Trinkflasche näher, damit er sich vielleicht noch den Mund ausspülen konnte. Was sein Kumpel jetzt brauchte, konnte der Ork noch nicht richtig einschätzen, aber Syn wirkte, als ob er gerade in Ruhe gelassen werden wollte, so wie er in den Himmel starrte. Also ließ ihn Raz.
„Ich halte die erste Wache.“
Dann stand er auf und suchte sich eine Position, von der er einen guten Überblick auf das Lager und die Umgebung hatte und selbst nicht sofort gesehen wurde.
Hoffentlich ergibt sich mal ein Gespräch unter Kumpeln. Der Rammellappen benimmt sich echt ...angeschlagen ...überfordert ...vielleicht vertraut er auch dem Braten wie ich nicht so recht? Aber vor Zarrah können wir nicht darüber reden und Cris freut sich so sehr... Ich will ihr nicht die Hoffnung nehmen. Ich muss wachsam bleiben. Und Syn... Syn braucht was, dass ihn beschäftigt. Ne Ablenkung... vielleicht was, wo er glänzen kann. Hm... so flink wie er ist, könnte er glatt ein Kaninchen mit bloßen Händen jagen.
Razags positive Grundeinstellung und sein Beschützerinstinkt hielt ihn aufrecht auch wenn er Zweifel im Herzen trug. Er neigte dann wohl eher zu blutrünstigen Phantasien und sich Racheschwüre auszumalen, wenn was schief gehen sollte. Jetzt musste das gesagte erst mal im Ork arbeiten, gären und keimen. Das brauchte Zeit.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Samstag 8. Juli 2023, 20:35

Wenn sich im Leben plötzlich und ohne Vorwarnung alles veränderte, dann konnte man mitunter einen schweren Schlag erleiden. Je mehr Synnover bemüht darum war, dass nichts und niemand ihn kleinkriegen würde, desto tiefer sank er zu Boden. Und er musste erkennen, dass in diesem neuen, harten Leben kein Komfort auf ihn wartete. Dass alles, was er in den letzten Jahren mühevoll und mitunter schmerzhaft seiner Illusion eines erhabenen Lebens hinzugefügt hatte, nicht zählte. Selbst jetzt erkannte er, dass sowohl Crystin als auch Razag eine deutlich bessere Anpassungsfähigkeit hervorbrachten als er. Er wusste von allen am wenigsten und das erschwerte es ihm ungemein, sich seinen Platz zu erkämpfen. Dabei übersah er, dass man ihn endlich auf Augenhöhe behandelte. Dass keiner der unterschiedlichen Augenpaare, ob grau, grün oder blau, erwartete, er müsse bestimmte Dinge tun. Einzig der Gehorsam wurde seitens Zarrah eingefordert. Aber auch das aus anderen Gründen, als die, die Synnover vermutete. Das weiße Kaninchen hatte sich sein Fell befleckt und schaffte es einfach nicht, es in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. Es würde herauswachsen müssen… und darüber neu entstehen.

Nach Crys‘ deutlicher Ansage, sank Syn noch ein Stück tiefer. Man konnte meinen, dass er bereits ertrank und nur noch sein Gesicht herausragte, um gierig die letzten Atemzüge zu nehmen. “Wie Ihr wünscht“. Crystin sah auf und wirkte überrascht. Blaue Augen sahen für einen Moment prüfend auf das Häufchen Elend, ehe sie einen weichen Glanz bekamen. „So…“, sie stutzte und schien über ihre Reaktion nachzudenken. Sie wirkte ehrlich betroffen von seiner Antwort. Ihr Blick folgte seinem Handeln. „So hab ich das gar nicht gemeint…“, murmelte sie kleinlaut und mehr für sich. Sie schien sich ein wenig vor sich selbst zu erschrecken. Razag war es, der den Fokus aller auf sich zog und sowohl Syn als auch Crys einen kleinen Finger reichte, um sie aus ihren Gedanken zu ziehen. Denn seine Fragen verschafften ihnen allen eine kurze Verschnaufpause. Und während Celcia den Atem anhielt, öffneten sich die roten Lippen der Dunklen, um Rede und Antwort zu stehen. Das was sie sagte leuchtete ein und doch konnte Razag nicht anders als es für einstudiert zu befinden. Sie hielt sich vage und war nicht ansatzweise so überschwänglich, wie Crys. Was jener nun auch zum Verhängnis wurde als sie frei herausplauderte, was offensichtlich nicht Teil dieses Gesprächs hätte werden sollen. Die Bombe aber zündete auf unterschiedliche Weise. Zarrah kämpfte darum, ihren Ärger im Zaum zu halten, während sie die Worte bestätigte- auf ihre Art, wie Razag auffiel. Synnover aber wurde abermals getroffen, während er bereits am Boden lag. Das Kaninchen wusste sich nicht anders zu helfen als den gesamten Mageninhalt Florencia und Phaun zur Verfügung zustellen. Crys zuckte kurz, bevor sie von Razag zurückgehalten wurde. Nickend hörte sie auf seinen Einwand und sah dennoch ehrlich besorgt aus. Crystin schwamm sich zwar frei in ihrer Seele und kehrte Stück um Stück und gewiss schneller als die Männer zusammen zu ihren Wurzeln zurück, doch das bedeutete nicht, dass sie ihr großes Herz verlor. Mitleidig war der Blick, gemischt mit ähnlicher Sorge, wie die von Razag, die Syn zu seiner Schlafstatt begleitete. Zarrah indes zeigte keine große Regung. Sie hatte ebenfalls Syn’s Einbruch bemerkt, doch wenn sie dazu Gedanken hatte, verbarg sie diese hervorragend. Sie hatte bereits zu viel zugelassen, zu viel gezeigt. Razag wollte die erste Wache übernehmen, sodass sie ihm zunickte. „Weck mich, wenn wir wechseln.“, sagte sie knapp und deutete damit an, die zweite Wache zu übernehmen. Dann bezog ein jeder seine Schlafstatt, nachdem Razag noch die Flasche zu Syn schob und Crys das Essen vom Feuer nahm, damit es nicht anbrannte und später noch gegessen werden konnte und sich dann ebenfalls hinlegte. Sie alle waren müde. Müde vom Leben, müde von all den Fallstricken. Und so brauchte es nicht lange, da fand sich Razag allein am Feuer, während ihn gleichmäßiges Atmen begleitete. Die Ruhe… die Geräusche der Natur, das Knacken des Feuers. Es stellte sich eine entspannte Atmosphäre ein, die ihn einzulullen versuchte. Friedlich in sich ruhend, hatte er Zeit über alles nachzudenken….

„Hallo!“, tönte es da durch die Ruhe und störte das friedliche Bild erheblich. Die Stimme kam ihm bekannt vor, doch sehen konnte er nichts. „Freiheit, hm?“, fragte die Stimme und ein Lachen begleitete die Worte. „Meint sie wirklich, dass sie uns so leicht überrumpeln kann?“, kicherte die weibliche Stimme ausgelassen und auch ohne etwas zu sehen, konnte man sich gut vorstellen, wie sie den Kopf schüttelte. „Tja, was soll ich sagen? Wenn du mich fragst, dann klingt das alles viel zu gut, um wahr zu sein! Aber… mal ehrlich jetzt, wenn es wahr wäre…. Ohhh man, was könnte man da bloß alles tun ?!?!“, fragte sie träumend und vor Razag’s Augen formten sich schleierhafte Erinnerungen an seine Kindheit. Dann änderte sich das Bild und er hörte das Rauschen des Meeres. Sehnsucht begleitete das Bild und in seinem Kopf seufzte es lang. Und nervend. „Mach dir nicht so viele Gedanken um den Rammellappen. Du solltest dir mehr um dich Gedanken machen!“, mahnte die Stimme und Razag erkannte sie als eben jene, aus seinen Träumen. Nalia störte – mal wieder – seine Ruhe. War das früher eigentlich auch schon so gewesen?? Nicht das er es jetzt beschwören konnte. Aber Selbstgespräche hatte er gewiss schon öfter geführt. Jetzt antwortete jemand halt. Sofern Razag auf die Idee kommen würde, sich eine kleine Wasserfläche zu schaffen oder zu finden, würde ihn daraus Nalia mit ihren goldenen Augen ansehen. Er würde lediglich ihr Gesicht erkennen können. Zeit für Ruhe blieb wohl niemals, wie es schien, doch tatsächlich ließ man die Gruppe diese Rast in Ruhe verbringen, sodass sich Razag entscheiden konnte, ob er Zarrah weckte oder selbst die ganze Wache hielt und mit sich selbst – Nalia? sprach, er würde nicht durch unliebsame Gäste gestört werden. Abgesehen von Nalia. Die würde erst Ruhe geben, wenn er einschlief, falls das passierte. In der Abenddämmerung hatte er Anweisung alle zu wecken, damit sie das Lager abbauen und erneut aufbrechen konnten.

Viel gesprochen wurde nicht, denn sie alle hingen wohl dem Gespräch vom Morgen noch nach. Crystin’s Freude wirkte etwas gedämpft, doch könnte das auch daran liegen, dass sie leicht verpennt aussah und nicht so recht ausgeschlafen schien. Wie auch immer die Stimmungen der Einzelnen war, Zarrah führte sie weiter durch den Wald. Der Weg konnte lang und zäh werden, wenn alle eher stoisch durch die Natur schritten und kaum einer ein Wort sagte. Es war genug gesagt worden fürs erste, konnte man meinen und so verging dieser weitere Marsch, bis zur nächsten Rast mühevoll und zähflüssig. Kurz vor dem nächsten Anbruch des Tages, hatten sie eine erneute Raststelle auserkoren, das Lager wie üblich hergerichtet und abermals Aufgaben verteilt. Crystin aber hielt Wort und arbeitete tatsächlich an dem Kleid, wie Syn es sich vorstellte und leistete somit auch ein wenig Wiedergutmachung bei ihm. Dieses Mal übernahm nun Zarrah die Wache, sodass auch Razag sich ausruhen und allenfalls von Nalia träumen könnte, sie jedoch nicht auftauchte. So vergingen noch 3 volle Tage des Marsches durch den Wald, der nicht viel mehr als Natur zu bieten hatte, bevor sich, kurz vor der nächsten Rast endlich etwas anderes tat: Zarrah wurde langsamer und brachte die Gruppe zum Anhalten. Sie alle hatten einen strammen Marsch hinter sich. Die Knochen taten von den unbequemen Untergründen weh, Dachs oder Fuchs konnte keiner mehr sehen oder riechen und war inzwischen auch eher karg geworden, weil die Vorräte zur Neige gingen. Zudem hatten sie bis auf einige winzige Pfützen keine Möglichkeit gehabt, sich zu waschen. Sie sahen alle reichlich lädiert aus und ihre Kleidung stand inzwischen vor Dreck. Doch sobald Zarrah die Hand hob, damit sie anhielten, drang ein diffuser Geräuschpegel zu ihnen herüber. Erst war es nicht ganz zu erkennen, doch sobald die anderen Drei die kleine Anhöhe neben Zarrah erklommen hatten, konnten sie die Quelle ausmachen: Eine Hütte. Hell erleuchtet, mitten im Wald. Und jetzt machten auch die Geräusche erheblich mehr Sinn. Offenbar wurde im Innern der Waldhütte Musik gespielt, gelacht und gefeiert. Zarrah stand einen Moment wie festgefroren da und lies den Wind mit ihrem Haar spielen. Die dunkelgrünen Augen fixierten die Hütte als müsse sie sich wappnen. Dann atmete sie tief ein und aus und setzte ihren Weg unbeirrt auf diese Störung der tristen Kulisse des Waldes fort.

Schon beim Näherkommen wurde das Grölen und Lachen im Innern der Hütte von einem beständigen Quietschen durchbrochen. Mit jedem Windhauch, der ein wenig zugenommen hatte an diesem Tag, gellte es schrill zu ihnen herüber. Man musste nicht lange nach dem Ursprung suchen: Ein reichlich marodes und von Holzwürmer zerfressenes Schild hing an nur an einem Metallring und erzeugte bei Bewegung das Geräusch. Darauf abgebildet war mit viel gutem Willen ein Eber zu erkennen, der scheinbar von einem dutzend Leute gejagt wurde. Crystin legte den Kopf schief. „Was heißt das? Zum rennenden Schwein? Zur entwischten Sau?“, rätselte sie und runzelte die Stirn. Zarrah drehte sich nicht um, sondern seufzte nur. „Zum gejagten Eber…“, klärte sie auf und schien diese Absteige bereits zu kennen. Sie zog ihre Kapuze vom Kopf, hob eine dunkle Faust und hämmerte energisch gegen die Tür. Schlagartig wurde es still im Innern. Dann schabte ein zurückgeschobener Stuhl über Holz, behäbige Schritte folgten und ein Riegel wurde zurückgezogen. Ein rechteckiger Türspion verschaffte einen ersten Eindruck. Ein schnauzbärtiger Mann mit roter Nase und Wangen starrte aus kleinen, braunen Augen auf Zarrah. Bereits aus dem kleinen Türguckloch drang ein muffiger Geruch, süßlich vom Alkohol und anderen Dingen geschwängert. „Wir dulden keine Fremden.“, knurrte der Mann im Innern. Der Riegel wurde schwungvoll zugeschoben. Stille. Zarrah kreiste die Schultern, ballte die Hände zu Fäusten und schien sich für etwas zu wappnen. Dann riss der Schnauzbart unvermittelt die Tür auf, entblößte, welch Hüne er war und trat aus dem Innern. Er starrte Zarrah von Kopf bis Fuß an. Sie tauschten grimmige Blicke. „Deinesgleichen sind hier nicht willkommen-ELFE.“, spie er ihr ins Gesicht, sodass sie blinzelte, als ein Spuckefetzen sie traf. Sofort zuckte der massige Hüne, der Razag Konkurrenz machen konnte, zusammen und hob die Hände. „Oh, verdammt. Entschuldige! Das passiert mir immer wieder!“, sagte er mit einem Mal handzahm und begann damit, die Spucke im Gesicht der Dunklen mit seinem Ärmel wegwischen zu wollen. Zarrah schnaufte genervt und wedelte mit der Hand, dass er sie in Ruhe ließ. „Vielleicht machst du nächstes Mal einfach die Tür auf und lässt uns rein?!“, motzte die Elfe und schritt an ihm vorbei als wäre es weiter nichts. Der Hüne äffte sie nach „das habe ich gesehen!“, rief Zarrah und er zuckte abermals, ehe er sich zu den anderen dreien umwandte und entschuldigend lächelte. „Gestatten? Melvin! Anführer der rauen Fünfze…. Eh, Vierzehn – Kallos hats neulich erwischt- und Herbergsvater!“, er deutete einen Diener an und lächelte.
Melvin war… groß. Massig und trug ein schlichtes und äußert kratzig wirkendes Hemd, dazu braune Hosen, die bessere Tage gesehen hatten und dunkle Schuhe, die an den Zehen hier und dort reichlich spröde wirkten. Zudem hatte er braune, zottelige Haare und für seine Größe und Wuchtigkeit an Muskeln ein extrem freundliches Gesicht mit vielen Lachfalten um Augen und Mund. „Bitte! Kommt doch rein. Ihr seht aus, als könntet ihr mal etwas Komfort vertragen. Hat sie euch durch den Wald gehetzt? Wartet… Seid ihr etwa FREUNDE von ihr?! Sie hat noch nie Freunde mitgebracht!“, plapperte Melvin, legte seine massigen Arme um Syn und Razag - was reichlich kustig aussah, bei dem Größenunterschied- und führte sie rein. Crystin stand wie vom Donner gerührt da und blinzelte. Dann folgte auch sie hinein in die Hütte mitten im Wald.
Drinnen angekommen wurden sie als erstes von… Wärme begrüßt. Hier war es an der Grenze zu bruttig, denn ein Feuer prasselte in einem offenen Kamin gegenüber der Tür. Rechts von der Tür befand sich ein breiter Tresen, an dem eine Handvoll Leute saßen und etwas zu trinken hatten. Es roch im zweiten Atemzug nach deftiger Suppe und tatsächlich gab es wohl noch einen Nebenraum, aus dem man Klappern von Geschirr und ein melodisches Summen hörte. Ansonsten war die Ausstattung überschaubar: Es gab Bänke, an denen viele Hintern Platz hatten und lange Tische. Insgesamt vier von ihnen konnten die Neuankömmlinge sehen, von denen zwei locker besetzt waren. Zarrah stand am Eingang und schien auf die anderen zu warten. Und sobald die Sklaven das Parkett mit Melvin betraten, brandete ein Prosten und Jubeln auf. Man erhob die Gläser auf die Neuen und widmete sich dann wieder dem Gelächter und auch die Musik setzte wieder ein. Ein Zweiergespann neben dem Kamin heizte den Gästen mit Fidel und Laute ein. Und zwischen den Gästen lief ein junges Mädchen mit drallen Kurven und leicht verschwitztem Gesicht, und nach allen Kräften bemüht, die Gäste mit flüssigem Nachschub zu bedienen. Ihr schwarzes Haar war zu zwei Zöpfen geflochten und der kurze Pony verdeckte eine hohe Stirn. Ihr Kleid unterstützte nur noch ihre Rundungen, was ihr so manchen Männerblick einbrachte. Tatsächlich schien dieses Etablissement noch ein weiteres Stockwerk zu haben, denn eine Treppe führte linker Hand vom Eingang hinauf, eine andere in einen Keller. „Willkommen im gejagten Eber, meine Lieben!“, sagte Melvin stolz und deutete auf einen der Tische. „Macht mal Platz, Leute, wir haben Gäste!“, polterte Melvin donnernd und sogleich verteilten sich die Anwesenden, damit sich die Neuen zwischen sie setzen konnten. „Essen ist gleich fertig. Trinken?“, fragte Melvin in die Runde und wartete geduldig darauf, etwas servieren zu dürfen.
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- zwei metallene Kampffächer
- ein Dolch
- Reisegepäck (Schlafsack etc.)
- ein schwarzes Brautkleid
- falsche Hasenohren an einem Holzreif
Tierische Begleiter: Razag!!!

Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Mittwoch 12. Juli 2023, 09:53

Kein Wort des Dankes über das bereitgestellte Wasser. Keine Reaktion auf den Hinweis, dass Razag die erste Wache übernehmen würde. Sicherlich war die Gruppe es bereits gewohnt, dass Syn nicht viel sprach, wenn es nicht gerade um ihn als Mittelpunkt der Ereignisse ging, aber Crystins selbstbewusstes Erblühen und Zarrahs Aussicht auf ein freies Leben hatten etwas bei ihm verändert. Er veränderte sich! Vielleicht brauchte Syn aber auch nur Zeit, um die Informationen zu verarbeiten. Vielleicht brauchte er sehr viel Zeit.
Die nächsten Tage sprach er kaum. Er antwortete zwar gehorsam, wenn man ihm Fragen stellte, ließ sich ansonsten aber nicht dazu hinreißen, ein Gespräch anzufangen. Mehr noch, er kapselte sich ab. Anstehende Aufgaben, die man ihm zuwies, erfüllte er nach wie vor und das gewissenhaft. Er trödelte nicht, wirkte aber auch nicht tief betrübt, wenn er sie erledigte. Seinen Stapel Feuerholz präsentierte er nach wie vor mit einem stolzen Grinsen. Eigentlich wirkte er fast wie immer, solange man nicht auf die kleinen Nuancen achtete. Zum einen fehlten da Momente, in denen er die Initiative ergriff, denn das stand einem niederen Sklaven einfach nicht zu. Dabei hätte es gut getan, wäre er noch einmal provokativ auf Razag oder sogar Crystin zugegangen. Es hätte nicht nur die Stimmung gelockert, sondern auch seine Zunge. Ork und Kaninchen hätten sich endlich einmal näher mit ihrer Situation auseinandersetzen können - gemeinsam!
Es gab aber auch noch andere Anzeichen. Nach wie vor schaute das Kaninchen sich um. Es bestaunte die Welt, zeigte dies nur nicht mehr so offen. Es ging beherrschter vor. Einen Ausbruch wie beim ersten Anblick eines Waldes in seinem Leben gab es nicht mehr, auch wenn er sich gelegentlich dazu hinreißen ließ, den von Zarrah gewählten Pfad zu verlassen. Er verlor sich nicht zwischen den Bäumen, sondern wandelte nur am Rand ihres unsichtbaren Weges, wenn eine größere Gruppe besonders schillernder Blumen oder ein Ring aus Pilzen lockte. Einmal hielt Syn bei einem hohlen Baumstamm, in den vor Jahren ein Blitz eingeschlagen sein musste. Die Krone war abgebrochen und lag als Moos bewachsender Holzleichnam neben den Überresten des Stammes. Jener war geborsten und schwarz geworden. Der Spalt im Holz lud dazu ein, sich einfach ins Innere des Baumes zu stellen und durch das Loch über einem selbst gen Himmel zu blicken. Und genau das übernahm Synnover nicht. Er näherte sich dem hohlen Stamm nur, berührte dessen geschwärzte Oberfläche und neigte sich vor für einen Blick durch die offene Holzdecke ins das Einzige, was auf Celcia wirklich frei war. Da sie meistens nachts wanderten, blinzelten ihm die Sterne entgegen.
Der Himmel war das einzige, was Syn sich im Moment offen heraus nahm. Wann immer er seine Pflichten erledigt hatte, suchte er den nächst gelegenen Baum auf, um ihn zu erklimmen. Dann saß er so lange in den Wipfeln mit Blick auf den Horizont, bis ihn jemand herunter rief. Nichts Anderes zog seine Aufmerksamkeit so an wie das Blau über ihren Köpfen. Nicht einmal das Brautkleid oder Crystins erste Bemühungen, es nach Synnovers Wünschen zu gestalten, lockten ihn so sehr. Eigentlich ignorierte er beides sogar gekonnt, so lange Crystin ihn weder nach dem nächsten Schnitt fragte oder ihm ein Zwischenergebnis präsentierte. Dann gab Syn Auskunft und schnell kristallisierte sich heraus, dass er das kostbare Kleid nicht zerstören, wohl aber kürzen wollte. Es sollte für den Alltagsgebrauch umgeschnitten werden, so dass man beim Wandern oder zwangsläufig sogar bei der Verteidigung der Herrin Zarrah ein mehr als passables Bild machte. Dafür sollte Crystin dem Ausschnitt eine Schnürung verpassen. Synnover besaß als Mann einfach zu wenig Busen, um ihn auszufüllen, somit brauchte das Dekolletée nicht zum Blickfang werden. Aber auch hier trug das Kaninchen nicht mit der selbstverliebten Begeisterung vor. Vielleicht nahm Crystin es sogar positiv auf, weil er nun fast schon normal klang. Denn ins Depressive rutschte er ebenfalls nicht ab. Er blieb ... verschlossen, ohne sich komplett abzuwenden. Seine Seele stand allen weiterhin zur Verfügung, aber sie reagierte mit reservierter Distanz auf die Welt. Syn machte den Eindruck, weniger frei als zuvor zu sein, ohne dabei aber unzufriedener zu wirken. Er wusste die aktuellen Verhältnisse nämlich noch immer zu schätzen. Er konnte gehen, bekam reichlich frische Luft und durfte den Himmel sehen. Crystin zauberte regelmäßíg essbare Mahlzeiten auf den Tisch und Syn war nicht gezwungen, in seinem eigenen Unrat zu schlafen. Ein Bad hätte er dennoch liebend gern unternommen. Die Reise zog sich nun schon fast über drei Tage. Ihrer aller Kleidung besaß erste, erdige Flecken, das Haar war fettig und stumpf, wobei sich hier und da sogar mal ein Blatt verfangen hatte und sie nahmen nach und nach den Geruch ihrer Umgebung an.
Synnover echauffierte sich nicht darüber. Warum auch? Ihm blieb keine Wahl. Er war inzwischen den Luxus eines Edelsklaven gewöhnt gewesen. Er hatte Zugang zu Bädern, Bibliotheken und fremder Frauen Betten erhalten. Er vermisste all das auf seine Weise, aber er wusste auch, dass Jammern und Wehklagen fehl am Platz waren. Wie sollte seine Herrin auch Komfort aus dem Hut zaubern. Sie konnte unmöglich einen Badezuber mit warmem Wasser erscheinen lassen, geschweige denn ein Dach über dem Kopf und eine andere Sitzmöglichkeit als Boden oder Baumstümpfe. Sie konnte nicht...
Zarrah deutete mit erhobener Hand an, den Marsch zu unterbrechen. Syn wäre beinahe in Razags breiten Rücken gelaufen, konnte Dank seiner flinken Reflexe aber noch rechtzeitig ausweichen und schob sich so halb an ihm vorbei, bis er neben dem Grünling stand. Der Wald hatte sich verändert. Es war nicht mehr nur das Zwitschern der Vögel, das an ihre Ohren drang. Zarrah und Razag mochten den Unterschied zuerst wahrnehmen. Ihre Sinne waren feiner, dagegen konnten einfache Menschen wie Crystin oder Synnover nichts tun, aber auch sie hörten wenig später die Musik, gepaart mit einer munteren Geräuschkulisse aus Gelächter und Geplapper.
Syn spähte über die Schulter zurück. Wald. Nichts als Wald. Er konnte nicht sagen, ob sie im Kreis gelaufen und nun wieder nahe Morgeria angekommen waren. Das freudige Treiben, das man hörte, klang aber auch nicht nach Morgeria. Selbst auf den prunkvollen Festen aus Dekadenz und Völlerei, auf die Yolintha ihn regelmäßig zum Vorzeigen mitgeschleift hatte, war die Stimmung nicht auf diese Weise ausgelassen gewesen. Dunkelelfische Festivitäten besaßen immer eine Spur unterschwelliger Gefahr und Erotik. Hier jedoch steppte der Ork. Syns Augen huschten automatisch zu Razag herüber. Jener tanzte noch nicht, er konnte sich aber durchaus vorstellen, dass der Große mit seinem Gemüt bald wild umher wirbelte und einige Bäume entwurzelte. Das Kaninchen ging auf Abstand, bildete aber nicht das Schlusslicht. Denn als die kleine Waldhütte in Sichtweite kam, suchte er bewusst Nähe zu Zarrah. Dabei lockerte er immer wieder mal die linke Hand und berührte mit den Fingern jene Bewaffnung, die er nun am Körper trug: metallene Fächer mit tödlichen, scharfen Zacken - unbrauchbar, da er mit ihnen nicht umgehen konnte. Sein Dolch aus den Zeiten, in denen er ihn schon in der Arena nicht eingesetzt hatte. Als letztes Hilfsmittel könnte er Leben retten, aber Syn durfte sich nicht darauf verlassen. Und mein Atemnot-Zauber? Ich habe überhaupt nicht mehr geprüft, ob er noch funktioniert. Vielmehr hatte er es nicht gewagt. Während ihrer Reise hatte Syn sein Training fortgesetzt. Hauptsächlich war er Runden um ihre Lager gelaufen, um seine Ausdauer auf gleichem Level zu halten. Aber seine magischen Kräfte hatten geruht. Er erinnerte sich noch an das Bild mehrerer Ratten, die er getötet hatte, obwohl er nur auf deren fetten Anführer abgezielt hatte. Er durfte sich keinen Fehlschlag erlauben. Besonders jetzt nicht, da er sich in seiner persönlichen Rangliste als untersten Teil der Gruppe ansah. Missmutig presste er die Lippen aufeinander und starrte gegen Zarrahs Nacken.
Aktuell tauge ich nicht dazu, sie zu verteidigen und auf meine anderen Fähigkeiten legt sie überhaupt keinen Wert. Ich schlafe bei jeder Rast allein. Er schnaubte und in seinem Kopf schuf sich eine Karikatur der Stimme seiner Herrin. 'Du könntest so viel mehr sein' - ha! Warum bin ich hier, Zarrah?
Und auf einmal schlug er ein, der Geistesblitz. Er durchtrieb Synnovers Denken, dass es ihn erstarren ließ. Seine Augen zuckten, weiteten sich und hafteten am Gesamtbild der Elfe. Zarrah unterhielt sich soeben mit Crystin. Das Thema war der Name der Taverne, welche von einem quietschenden Schild herab hing: Zum gejagten Eber. Syn bekam von dem Gespräch nahezu nichts mit. Er hörte es, aber er hörte nicht zu. Er lauschte der Idee, die sich in seinem Kopf einnistete, um sich zwischen anderen mit mehr Logik auszubreiten. Sie würde sich festsetzen, bis sie bestätigt oder dementiert würde. Aber selbst wenn Letzteres einträfe, glaubte das Kaninchen nicht daran. Es wären nur Zarrahs Augen, die sich vor der Wahrheit verschlossen. Der wahre Grund, weshalb sie Karrishs Sklaven vor einem Ende auf einem Leichenberg bewahrt hatte. Der einzige Grund, weshalb sich eine Elfe wie sie überhaupt für ihn interessieren konnte, da sie sich bislang weder für ihn als Gladiator noch als Lustsklaven hatte begeistern können und beides in der jetzigen Konstelltation offenbar auch nicht schätzte. Es konnte keine andere Wahrheit für Syn existieren und so breitete sich ein Grinsen auf seinen Zügen aus, während sich in seinem Kopf der Gedanke endlich zu Ende formte: Sie schwärmt für mich. Sie hat einen Narren an mir gefressen und selbst mein entstelltes Aussehen kann es nicht verhindern, dass sie meiner einstigen Schönheit verfallen ist. Ich kann es ihr nicht verübeln. Wer würde sich nicht danach sehnen, in meiner Nähe zu sein. Jetzt, da Yolintha und Karrish für mich vorerst nicht greifbar sind, hat sie mich für sich allein. Sie traut sich nur noch nicht für weitere Schritte, aber es ist offensichtlich, wie sehr sie mich will. Deshalb ist sie beim Kuss im Wald auch zurückgewichen. Sie fürchtet, ich weiß es. Oh, Zarrahlein, ja ich weiß es jetzt. Du liebst mich - glaube ich. Er stutzte. Zumindest begehrst du mich. Ob es Liebe ist, kann ich dir nicht sagen. Das werde ich niemals können. Syn kannte das Konstrukt der Liebe schließlich nicht. Er hörte es hin und wieder aus fremden Mündern, sowohl bei Dunkelelfen als auch bei Sklaven und letztere hatten es schlimmer, wenn sie auseinandergerissen wurden. Aber das Kaninchen hatte in seinem ganzen Leben nichts erfahren, das er als Liebe hätte bezeichnen können. Er war ein Haustier gewesen, ein Kämpfer und Gewinn einbringendes Objekt. Erst in der Arena, später in den Betten zahlreicher Frauen. Keine davon hatte ihm je gesagt, dass Liebe mit im Spiel wäre und bei keiner von ihnen hatte er jemals etwas gefühlt. Er musste aber zugeben, dass er Yolinthas Nähe die letzten Nächte durchaus vermisst hatte. Sie war ausladend und hatte stets ein gut gepolstertes, weiches Ruhekissen aus Brüsten und Bauchspeck geboten. Er hatte sich gern bei ihr eingerollt, wenn sie es denn zugelassen hatte. Viel zu oft war er nach dem Akt ihres Bettes verwiesen worden. Umso mehr hatte er die Nächte geschätzt, in denen er es ihr dermaßen besorgt hatte, dass sie von einer befriedigten Ohnmacht in Schlaf übergeglitten war und er so die bequeme Bettwärme hatte länger genießen dürfen. Das vermisste er, nicht Yolintha als Person! Und nun sollte Zarrah ähnliches Begehren für ihn empfinden?
Er beobachtete sie immer noch mit einem seltsam triumphalen Blick, als sie entschlossen an der Tür des Ebers klopfte. Kurz darauf zeigte Celcia dem Kaninchen erneut einen Grund zum Staunen.
"Deinesgleichen sind hier nicht Willkommen - ELFE."
Syn stutzte. Keinen Wimpernschlag später lag seine Hand griffbereit am Dolch und er hatte schon einen halben Schritt nach vorn gewagt. Er fühlte sich nicht angegriffen. Er fühlte auch nicht das Bedürfnis, Zarrahs Ehre verteidigen zu wollen, aber sie war seine Herrin. Und sie schwärmt für mich. Es war seine Pflicht. Man erwartete es. Die Situation löste sich allerdings sofort auf. Der massige Klotz entschuldigte sich rasch bei Zarrah und folgte ihrer grimmigen Anweisung, die Tür zu öffnen. Die gesamte Gruppe wurde von dem armen Tropf, der sich Melvin nannte, hereingelassen.
Syn wollte schon an ihm vorbei huschen, da wurde er Opfer der massigen Pranke, ebenso wie Razag. In reichlicher Schieflage hing Melvin über ihrer beider Schultern und zur Abwechslung war es einmal nicht das Kaninchen, welches einen erstaunten Ausbruch zu Tage förderte.
"Hat sie euch durch den Wald gehetzt? Wartet ... Seid ihr etwa FREUNDE von ihr?! Sie hat noch nie Freunde mitgebracht!"
"Wir sind Sklaven", erwiderte Synnover gedankenlos und wand sich unter dem Arm heraus. Seine Tonlage ließ darauf schließen, dass er Melvin für eine der dunkelsten Kerzen am Leuchter hielt. Eine, die keinen Docht besaß. Wofür hielt der Anführer der Fünf- oder Vierzehn sie denn sonst? Sie waren keine Dunkelelfen, folglich mussten sie Sklaven sein. Die einzige Ausnahme könnte Razag bilden, denn so mancher Ork hatte sich auch im Kreise der dunklen Völker einen derart angesehenen Namen gemacht, dass Dunkelelfen ihm Respekt zollten. Crystin und er aber waren Menschen - Abschaum, weniger wert als Tiere. Was dachte Melvin bei sich, dass er...?!
Syn stutzte wie so oft schon an diesem Tag. Wieder gab Celcia ihm einen Grund zum Staunen. Und zum Lernen. Er durfte herausfinden, dass es außerhalb von Morgeria Orte gab, an denen Dunkelelfen nicht die Mehrheit bildeten. Im Inneren der Taverne saßen keine Herren und Herrinnen, die ihren Besitz ihm Auge behielten. Hier hockten andere Menschen, hellhäutigere Elfen und ... kleinere Menschen? Sie waren sehr bärtig, aber nicht größer als Goblins. Zwar erkannt er auch einen fremden Ork unter den übrigen Gästen, aber Zarrah schien die einzige Dunkelelfe hier zu sein. Sie erhielt lediglich auf weiblicher Ebene Konkurrenz. Syn schaute kurz der dunkelhaarigen Bedienung nach, ohne jedoch diese begehrende Glitzern in den Augen zu haben wie so manch anderer Gast. Und noch ehe er ihr mehr Aufmerksamkeit widmen konnte, agierte Melvin auf's Neue. Syn spürte nur einen Ruck durch seinen Körper gehen und schon fand er sich zusammen mit Razag und Crystin zwischen andere Gäste gequetscht. Er schluckte und drückte dann unwirsch gegen den Arm seines Sitznachbarn. "Lass mich etwas Luft", brummelte er, achtete aber nicht darauf, ob der andere dem nachkam. Seine Augen suchten nach einem offenen Fenster oder wenigstens dem Abzug des Kamins. Er schaute hinter sich, ob die Tavernentür geschlossen worden war. Er fühlte sich gerade selbst wie ein gejagter Eber. Einer, der in die Ecke gedrängt worden war und dem man bereits die Hauer mit bloßer Hand zog. Ohne Vorwarnung rückte er nun ein Stück weit, dichter an Razag heran. Er lehnte sich an seinen Kumpel und antwortete reichlich kontextfrei auf Melvins Frage nach einem Getränk mit: "Sodth...?"
Bei Karrish hätte er sich niemals so verstecken können, wenn er glaubte, ihm bliebe nicht genug Luft. Der Dunkelelf schätzte ohnehin keine Schwächen. Sodth ebenfalls nicht, aber sein Haustierchen hatte er dann doch ab und an mal nicht wegen jeder Kleinigkeit bestraft, im Gegensatz zu seinen restlichen Verwandten. Doch das hier war Razu'lak der Furchtlose, sein ... Kumpel. Syn ließ das Stück Stoff, das seine Finger am Leib des Orks hatten erhaschen können, nicht los. Aber er riss sich zusammen. Zarrah wartete. Es war an ihnen, ihr Komfort zu beschaffen. "Unsere Herrin wird zuerst bedient, das solltet Ihr wissen. Ich hoffe, ihr wird bereits eine Unterkunft vorbereitet wie es ihr zusteht", wandte er sich mit neuem Mut an Melvin. Die Haltung wahren. Er war Sklave und kein verängstigtes Kaninchen! Wenn jemand das bemerkte, würde selbst eine Zarrah ihn zurück auf den Leichenhaufen werfen, so sehr sie ihn auch begehren mochte. Es hieß nun, die Maske zu tragen wie immer. Darin war er meisterlich und niemand konnte es mit ihm aufnehmen. Trotzdem ließ er Razag nicht los, noch nicht.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raz'ulak der Furchtlose » Montag 17. Juli 2023, 10:52

Nur wer lange in Gefangenschaft gelebt hatte, wusste auch die Weite einer Landschaft zu schätzen. Das hier war schon etwas, was er lange ersehnt hatte. Noch mehr rief nur das Meer seine Sehnsucht, so war es auch nicht verwunderlich, dass bereits in jener ersten von drei folgenden Nächten Naira ihm einmal mehr in spiegelnden kleinen Wasserpfützen oder im Tau der Blätter erschien.
„Hallo!...Freiheit, hm?“
, fragte die Stimme seiner aquatischen 'Nervensäge'. Nicht dass sie wirklich nervte, aber Razag hatte sie in einem solchen Moment das erste mal bewusst wahrgenommen. Jetzt erlaubte er sich sogar ein verhaltenes Schmunzeln, als sie sich zu Wort meldete. Gewöhnte er sich bereits an ihre Gegenwart? Auf jeden Fall nahm er es als gegeben an, dass sie mit ihm sprach und sie sprach ihm aus der Seele:
„Meint sie wirklich, dass sie uns so leicht überrumpeln kann?“
, kicherte die weibliche Stimme ausgelassen und auch ohne etwas zu sehen, konnte man sich gut vorstellen, wie sie den Kopf schüttelte. Trotzdem suchte Raz immer das Spiegeln von Wasser, wenn sie sprach und fragte sich auch mal:
Kann nur ich sie hören?
Aber das Lager blieb ruhig und so nahm er an, dass sie nur in seinem Kopf sprach. So wanderte er diese Nacht ein wenig ruhelos umher. Der aufgeworfene Gedanke an Freiheit macht ihn unruhig.
„..Tja, was soll ich sagen? Wenn du mich fragst, dann klingt das alles viel zu gut, um wahr zu sein! Aber… mal ehrlich jetzt, wenn es wahr wäre…. Ohhh man, was könnte man da bloß alles tun ?!?!“
, fragte die Stimme in seinem Kopf träumend und vor Razag’s Augen formten sich schleierhafte Erinnerungen an seine Kindheit und er fragte sich still:
Was würde ich heute mit meiner Freiheit anfangen?
Auch wenn er im Gegensatz zu seinem Kumpel eine Kindheit und Jugend hatte an die er sich erinnerte, so war er doch lange Zeit ein Sklave gewesen und ihm jede Art von Entscheidungsfreiheit oder Selbstbestimmung abgenommen worden.
Wie es wohl Syn damit gehen würde? Eigene Entscheidungen und die Last der Wahl können erdrückend sein.
Dann hörte er das Rauschen des Meeres. Sehnsucht begleitete das Bild und in seinem Kopf seufzte er langgezogen. Nalia lockte ihn erfolgreich aus seinem Grübeln.
„Mach dir nicht so viele Gedanken um den Rammellappen. Du solltest du mehr um dich Gedanken machen!“
Hast du eigentlich schon immer zu mir gesprochen?...also...irgendwie?
Selbstgespräche hatte er schon öfter geführt, vor allem mit Bärbel, dem Bärenschädel, aber vielleicht hatte sie auch damals schon zugehört. Machte es einen Unterschied? Nicht wirklich.
Jetzt antwortet mir halt jemand.
Er zuckte die Schultern und um streifte weiter das Lager. Das innere Gespräch mit Nalia hatte vor allem den Nutzen, dass Razag nicht einschlief und so seine Wache verlängerte. Kurz überlegte er, die Dunkle mal ausschlafen konnte, die Wache erst nach der Hälfte des Tages seinem Kumpel zu übergeben, aber sein gehorsam siegte. Zarrah wäre gewiss wütend, wenn man ihre Befehle missachtete, selbst wenn es 'gut gemeint' war.
In der darauf folgenden Abenddämmerung war es dann soweit das Lager abbauen und erneut aufbrechen zu können. Viel gesprochen wurde nicht. Synnover schwieg auffallend und Razag nahm an, dass es einfach seine Zeit bräuchte, bis sein Rammellappen sich mit den veränderten Realitäten abfinden würde. Es war gewiss nicht leicht für ihn, also drängte sich der Ork nicht auf. Er war einfach da, wenn sein Kumpel ihn bräuchte. Zwar hatte er sich erhofft mir ihm mal über alles unter vier Augen reden zu können, aber solch ein Moment ergab sich vorerst nicht. Die nächsten drei Nächte wanderten sie still weiter und auch wenn sie so langsam voran kamen, so waren sie doch gewiss sicherer. Einzig Nachtelfen und ein paar Tierarten hatten eine Nachtsicht und so war der Marsch in der Dunkelheit nicht wirklich entspannend, aber Zarrah führte sie sicher durch den Wald. Razag nutzte die wenige freie Zeit die sie ab und an hatten wenn dann für Übungen und Hygiene so gut es ging. In den Stunden der Rast lüftete er gern seine Hemden, zog sich halb aus und mal stand er etwas abseits und übte ein paar Schwertschwünge oder nutzte den Auftrag des Holzholens dazu, besonders dicke Äste/Baumstämme durch die Gegend zu tragen, was seine Muskelkraft trainierte. Für den Ernstfall musste 'Ork' ja fit sein. Einmal bedachte er auch den Fächer seines Freundes mit einem nachdenklichen Blick. Das Ding sah tatsächlich so aus, als könne man damit kämpfen, nur so recht schien Syn damit nicht warm zu werden. In Razags Händen würde alles zur Waffe werden, denn Orks hatten einfach dieses natürliche Talent, aber noch sah er nur zu, wenn Cris und Syn sich den feinen Stoffen widmeten und dieses kämpferische Detail ungenutzt daneben lag. Aber ein bisschen juckte es dem Ork schon unter den Nägeln das Ding mal auszuprobieren. Seinen Rammellappen damit mal ein bisschen für den Kampf und Training zu begeistern, wäre für Razag eine schöne Vorstellung. Vielleicht könnte er helfen?
In seinen Händen sähe der Fächer einfach schön und ...elegant aus – kaum wie eine tödliche Waffe, aber er müsste deutlich mehr üben um damit umgehen zu können.
Razag hielt sich jedoch zurück und so ergab sich kein Trainingskampf zwischen den beiden. Die Reise ging weiter.
...
Und dann drang irgendwann das Grölen und Lachen gedämpft an Razags Ohren. Kurz darauf erreichten sie wohl das von Zarrah erwählte Zwischenziel. Es war eine kleine Hütte mitten im Wald.
„Zum gejagten Eber…“
, klärte sie die Dunkle. Sie zog ihre Kapuze vom Kopf, hob eine dunkle Faust und hämmerte energisch gegen die Tür. Ein Mann mit roter Nase und einer Raupe auf der Oberlippe starrte mit kleinen, braunen Augen aus dem Guckloch.
Ach nee, doch ein Bärtchen...
„Wir dulden keine Fremden.“
, knurrte der Mann im Innern. Der Riegel wurde schwungvoll zugeschoben.
Und nu?
Razag sah zu Zarrah, ob ihrerseits nun der Befehl zur Erstürmung folgen würde. Diese kreiste die Schultern, ballte die Hände zu Fäusten und schien sich für etwas zu wappnen. Dann riss der Schnauzbart unvermittelt die Tür auf, entblößte, welch Hüne er war und trat aus dem Innern. Er starrte Zarrah von Kopf bis Fuß an. Sie tauschten grimmige Blicke. Razag hatte die Hand auf das Heft seines Schwertes gelegt.
„Deinesgleichen sind hier nicht willkommen-ELFE.“
, spie er ihr ins Gesicht, sodass sie blinzelte, als ein Spuckefetzen sie traf. Sofort zuckte der massige Hüne zusammen und hob die Hände.
„Oh, verdammt. Entschuldige! Das passiert mir immer wieder!“
, sagte er und begann damit, die Spucke im Gesicht der Dunklen mit seinem Ärmel wegwischen zu wollen. Die plötzliche Nähe zu seiner Herrin ließ Razag die Luft anhalten.
Das er seine Hände behalten darf, spricht dafür, dass sie sich kennen und das hier eine Art 'Spass' ist... eine Begrüßung unter...
Zarrah schnaufte genervt und wedelte mit der Hand, dass er sie in Ruhe ließ. Razag atmete weiter.
„Vielleicht machst du nächstes Mal einfach die Tür auf und lässt uns rein?!“
, motzte sie und schritt an ihm vorbei. Der Hüne äffte sie nach.
Wow.
„Das habe ich gesehen!“
, rief Zarrah und er zuckte abermals, ehe er sich zu den anderen dreien umwandte und entschuldigend lächelte. Razag hatte nur mit fragenden Blick die Brauen gehoben und inzwischen wieder die Hand vom Heft seines Schwertes genommen.
„Gestatten? Melvin! Anführer der rauen Fünfze…. Eh, Vierzehn – Kallos hats neulich erwischt- und Herbergsvater!“
Die rauen Vierzehn.
Er deutete einen Diener an und lächelte. Auch etwas, dass Razag nicht gewöhnt war. Er stand erst mal nur steif da und musterte den Mann, während sein kleiner Kumpel sie als Sklaven vorstellte. Der Mensch war… groß. Nicht so groß wie ein Ork und Razag war größer als die meisten seiner Artgenossen, fast schon ein Oger, aber so große Menschen hatte er noch nicht viele gesehen und nur Gerüchte über eine Art aus dem eisigen Süden gehört. 'Maldorner' oder so. Dieser hier war auf jeden Fall massig und gewiss ein ernst zu nehmender Gegner, sollte es zu einem Kampf kommen. Was aber den Ork fesselte, war sein freundliches Gesicht mit den vielen Lachfalten um Augen und Mund. Starrte er? Vielleicht ein bisschen. Menschen mit Lachfalten waren in seinem Leben bisher selten vertreten gewesen.
„Bitte! Kommt doch rein. Ihr seht aus, als könntet ihr mal etwas Komfort vertragen. Hat sie euch durch den Wald gehetzt? Wartet… Seid ihr etwa FREUNDE von ihr?! Sie hat noch nie Freunde mitgebracht!“
, plapperte Melvin, legte seine massigen Arme um Syn und Razag und führte sie rein.
Freunde...
Im Gegensatz zu seinem Kumpel nahm er Melvin ganz anders wahr. Das eben erwähnte, fast unbekannte Wort im Zusammenhang mit einer Dunkelelfe, kitzelte eine gänzlich andere Idee in Razags durstigem Gehirn.
Freunde. Könnten die beiden wirklich Freunde sein? So wie sie miteinander umgehen... und warum bringt sie uns dann hier her? Wir sind ihre Sklaven. Werden wir jetzt vorgezeigt um ihnen allen zu dienen? Aber... dieses Verhalten... Freunde... Melvin scheint echt ein netter zu sein. Na mal sehen, was da noch auf uns zukommt.
Und es sollte noch merkwürdiger werden. Drinnen angekommen wurden sie als erstes von… Wärme begrüßt.
Puh. Stickig....
Am liebsten hätte sich Raz gleich seines Mantels und gleich mit, seines Hemdes entledigt. Die Gerüche waren wild durcheinander gewürfelt, schwelten aber waren nicht unangenehm. Sobald sie den Raum mit Melvin betraten, brandete ein Prosten und Jubeln auf.
Was ist denn hier los?
Man erhob die Gläser auf die Neuen und widmete sich dann wieder dem Gelächter und auch die Musik setzte wieder ein. Ein Zweiergespann neben dem Kamin heizte den Gästen mit Fidel und Laute ein. Razag ließ sofort den Blick schweifen.
Melvin und das Schankmädchen sind Menschen. Zarrah ist als Dunkelelfe erstmal alleine. Es gibt zwei Zwerge und weitere Elfen und ein anderer Ork ist dabei... Hm.
Ein winziger Wermutstropfen rann über Razags Seele, denn jetzt da sie nicht mehr unter sich waren, zog sich ganz automatisch etwas in ihm zurück. Als Ork hatte er gelernt sich 'dumm' zu stellen und hier war eben auch ein anderer Ork, der als Vergleich her halten würde. Das sein Volk sich oft und gerne diesem Vorurteil unterwarf war nur allzu bekannt. Schweigsam wagte er sich weiter vor und wusste die veränderte Situation nicht recht einzuschätzen. Was wurde jetzt von ihm erwartet? Aber es war Syn der mit seinen fordernden Worten nach einem passenden Zimmer für seine Herrin erst einmal seine Gedanken ablenkte. Razag behielt derweil die Fremden im Auge. Das junge schwarzhaarige Mädchen war nach allen Kräften bemüht, die Gäste mit flüssigem Nachschub zu bedienen. Die anderen Gäste genossen hier einfach das muntere Zusammensein, also wähnte sich Razag mal nicht sofort in akuter Lebensgefahr und sah sich weiter um. Tatsächlich hatte das Haus noch ein weiteres Stockwerk. Eine Treppe führte linker Hand vom Eingang hinauf, eine andere in einen Keller.
„Willkommen im gejagten Eber, meine Lieben!“
, sagte Melvin stolz und deutete auf einen der Tische.
...meine Lieben... ist das echt?
„Macht mal Platz, Leute, wir haben Gäste!“
, polterte Melvin donnernd und sogleich verteilten sich die Anwesenden, damit sich die Neuen zwischen sie setzen konnten.
„Essen ist gleich fertig. Trinken?“
Razag konnte nicht anders. Er nickte ausgiebig und sprudelte grinsend und ohne weiter nachzudenken heraus:
„Ja, gerne! Nen Krug Wasser und dann alles was die Fässer her geben.“
DURST!
Was richtiges zu trinken hatte er auch länger nicht bekommen.
Wenn man schon mal was angeboten bekommt... Hehe.
Nicht nur die Vorräte waren knapp geworden auf der Reise hier her. Wasser war immer schnell 'zu wenig' bei dem Ork. Sein Herz sehnte sich so sehr nach Flüssigkeit, wie wohl ein ausgetrocknetes Flussbett in der Zeit des Erwachens die Schneeschmelze ersehnte. Razag ließ sich auf die Bänke schieben und bot auch einen guten 'Schutzwall' zu den drängelnden Fremden um sie herum. Dass sich Syn bei ihm anlehnte, bemerkte er am Rande, aber kommentierte es nicht. Wie ganz selbstverständlich legte er auch mal locker den Arm um seine Schultern, ohne ihn einengen zu wollen. Die Umgebung und die Stimmung erinnerten ihn an die Saufgelage, die die Gladiatoren manchmal abhalten durften, wenn die Arena mal wieder eines ihrer großen Schaukämpfe abgehalten hatten. Da waren sie in Gruppen aufeinander los gegangen und hatten Kriege nachgestellt. Riesen gegen Menschen...also verkleidete Orks gegen Goblins... um das Größenverhältnis besser darzustellen. Waren sie gut gewesen, dann folgte auch die Belohnung und Aran‘Duran La’sthulien hatte sich nicht lumpen lassen. Das waren die 'guten' Zeiten in der Arena gewesen.
Das hier und jetzt wirkte anders und doch ähnlich. Razag fühlte sich ganz wohl und die Musik ließ bald seine Füße zucken. Nach dem erfrischenden Krug Wasser und einigen Humpen dessen, was man ihm vorsetze, sprach nichts dagegen sich zu entspannen, wenn Zarrah die Erlaubnis dazu gab.
„Herrin Zarrah, ist es erlaubt sich zu entspannen?“
, fragte er auch ganz bewusst. So recht traute er dem ganzen noch nicht, aber es fiel seiner Art einfach leicht sich dem Moment hinzugeben. Wenn man nicht alt wurde, dann musste man das Leben genießen wie es kam. Und Raz nahm es.
So beginnt doch jeder gute Witz:
Eine Elfe, zwei Menschen und ein Ork kommen in eine Bar.

Aber wie geht es dann weiter? Vielleicht beginnt auch so erst jetzt eine richtig gute Geschichte?
Eine Elfe, zwei Menschen und ein Ork kommen in eine Bar... Hier gibt es einige unterschiedliche Rassen...hm... Elfen...Zwerge... Menschen und jetzt auch eine Dunkelelfe. Da muss sich doch was draus machen lassen.

Razag sog förmlich die Stimmung in sich auf. Wippend und trinkend saß er am Tisch und schunkelte bald im Takt der Musik mit. Viel fehlte nicht und er würde auf eben jenem tanzen, je nach dem was und wieviel man ihm zu trinken gab. Den anderen Ork in der Runde bedachte er mit einem kleinen lockernden sich selbst nicht so ernst nehmenden Witz ein 'Friedensangebot':
„Unterhalten sich zwei Folterknechte über ihre Arbeit: Sagt der Eine: "Und? Wieviele sind in deinem Kerker?" Sagt der Andere: "Siebzig - und ein paar Zerquetschte!"“
Im weiteren Verlauf fragte Razag:
„Und wie hat es dich hier her verschlagen?“
und stellte sich allgemein für alle vor:
„Nennt mich Raz.“
Vielleicht bot er so dem anderen Ork eine entspannte Plattform um sich kennen zu lernen. Aber bald war er auch ins Celcianische zurück gewechselt und hatte im Hinterkopf noch ein paar andere Witze, die man in gemütlicher Runde zum Besten geben könnte, sofern die Stimmung passte.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. Juli 2023, 13:53

Die drei Tage waren für die Gruppe eher zäh. Keiner von ihnen hatte groß Interesse daran ins Gespräch zu gehen oder wenn, dann ergaben sich einfach keine Möglichkeiten dazu. Razag war wohl von allen, abgesehen von Crys, noch gutgelaunt. Er hätte schon längst das Gespräch mit seinem selbst ausgesuchten Kumpel Syn gesucht, wenn jener nicht so in sich gekehrt wäre. Aber er verstand ihn auch. Das Kaninchen kannte keine Freiheit. Es verstand unter diesem Begriff nichts und wenn, dann glaubte er vielleicht, dass man ihn aussortieren wollte. Es war schwer zu verstehen, was Crystin daran so freute, wenn sie von Freiheit sprach. Fehlte dann dem Leben nicht der Sinn? Die Richtung? Razag hingegen erinnerte sich noch an das Gefühl. Er konnte es vor allem projizieren, wenn er ans Meer dachte. An die Weite, das Rauschen und die salzige Luft. Dann war alles in Ordnung und seine Seele frei… Doch auch er verbrachte die wichtigste Zeit im Leben in Gefangenschaft. Auch ihm hatte man, genau wie Synnover, das Kindsein abtrainiert und sie zu Kämpfern ausgebildet. Und zu Sklaven. Sie kannten inzwischen nur noch den Gehorsam gegenüber anderen und so war es auch nicht verwunderlich, dass beide sang und klanglos der Dunkelelfe durch den Arus folgten. Zarrah hingegen hatte ihre eigenen Fesseln zu bekämpfen. Oder zu verstärken- so genau wusste man das bei ihr nicht. Die Dunkle entpuppte sich als souveräne Anführerin. Sie gerieten nicht ein Mal in eine Notlage oder kamen an ihre Grenzen. Sie achtete auf die Unversehrtheit der Gruppe und war sich nicht zu schade, selbst die Wache zu übernehmen, wenn der Marsch die anderen müde werden ließ. Allerdings hatte inzwischen auch das Vieh gemerkt, dass hier Jäger im Wald unterwegs waren, und so wurden die Mahlzeiten immer wieder karg und fad. Crystin versorgte sie im Grunde gut, doch auch sie konnte nur das zaubern, was sie bei sich hatte. Und ihre Kräutermischung für Eintöpfe ging zur Neige. Das Salz war auch bereits aufgebraucht und so schmeckte das wenige Fleisch längst nicht mehr so vollmundig, wie noch am Anfang. Dafür fand Crys Ablenkung im Schneidern. Sie lockte Synnover aus seiner Wortkargheit, probierte es aus, dass er sich wieder etwas mehr von seiner eigentlichen Seite zeigte, doch das Kaninchen sprang darauf nicht wirklich an. Monoton verteilte er Anweisungen und klaglos erledigte er eingeteilte Aufgaben. Immer wieder zog es ihn zum Himmel, doch höher als die Baumkronen konnte er nicht herangelangen. Zarrah ließ ihn. Natürlich hatte sie bemerkt, dass er sich dann und wann verabschiedete, doch sie sagte nichts. Die Erinnerung an das Finden von Syn war noch da und die Elfe wälzte ab und an die Gedanken dazu, wieso er sie auf diese Weise geküsst hatte. Allerdings war sie auch Profi genug, um sich nichts anmerken oder gar davon ablenken zu lassen. Beständig folgte sie ihrem erdachten Weg und als sie die Hütte im Wald erreichten, veränderte sich die Stimmung abermals.
Die Begrüßungsszene wurde äußerst unterschiedlich interpretiert. Synnover glaubte schon, dass er endlich einmal zum Zuge käme und zeigen konnte, dass er zu recht an der Seite seiner Herrin stand. Jene Herrin, die ihn jede Nacht allein schlafen ließ. Die ihn nur insgeheim begehrte, wie er glaubte und jene, die ansonsten nicht seine ‚Dienste‘ in Anspruch nehmen wollte. Sie musste ihn lieben – begehren – wie auch immer. Sie musste einfach. Anders konnte sich Syn das ganze nicht herleiten. Wo Syn etwas beherzter handelte, blieb Razag ruhig. Auch seine Hand legte sich an den Knauf seiner Waffe, doch er tat das versteckter. Auch ihm war diese Situation suspekt und er wusste sie nicht einzuschätzen. Allerdings hatte er die Bedeutung des Wortes ‚Freundschaft‘ noch im Sinn und so stutzte er lediglich darüber, dass Melvin glauben konnte, sie gehörten dazu. Freunde waren sie nicht. Sie waren doch Sklaven – oder? Doch beiden ehemaligen Kämpfern musste auffallen, dass sie sich in einer vollkommen unbekannten Hierarchie befanden. Zarrah wirkte nicht wie die typische Herrin aus Morgeria. Sie züchtigte niemanden mit der Peitsche, die folterte nicht, sie verlangte keine Liebesdienste, wenn ihr langweilig vom Weintrinken wurde. Zarrah… kümmerte sich um sie. Wenn die Gruppe nicht aß, aß sie selbst auch nicht. Gab es zu wenig, bekamen Razag, Syn und Crys. Nein … diese Dunkle war keine typische Herrin und machte es den beiden Gladiatoren umso schwerer, sich endlich in ihrem neuen Schicksal zu ergeben.

Im ‚Gejagten Eber‘ aber entfaltete sich nochmal eine Atmosphäre, die keiner von ihnen je so richtig erlebt hatte. Nun, Razag erinnerte sich auf jeden Fall an die ‚guten Tage‘, wenn sie in der Arena hervorragend gekämpft hatten. Aran war bei weitem nicht der bestialische Herr über den schwarzen Sand. Denn ihm war durchaus bewusst, dass seine Investitionen mehr einbrachten, wenn er sie bei Laune hielt. Und so waren Sommerfellchen und ihre Freundinnen nur eines der Dinge, die ein erfolgreicher Kämpfer erhalten konnte. Ausgiebige Gelage, wenn zum Beispiel der Sand in der Arena neu gemacht werden musste und es deshalb für 3 volle Tage keine Kämpfe gab, dann berauschten sich die Gladiatoren an einem Fest für sämtliche Sinne. Es endete meist in wilden Orgien, denn das war der Moment in denen die Kämpfer mal ganz unter sich sein konnten, ohne von Argusaugen beobachtet zu werden. Wer danach allerdings nicht fit genug für den nächsten Kampf war, wurde ausgemerzt. Es war ein schwaches Bild von Freiheit, aber Razag erinnerte sich gern daran. Hier nun aber standen sie den rauen Vierzehn gegenüber. Oder besser gesagt, Melvin. Jener wollte kumpelhaft wissen, wie eine Dunkelelfe, ein bezaubernder Mensch, eine süße Brünette und ein Ork zusammenpassten und stieß dabei dermaßen auf Unverständnis seitens Synnover, dass er beschwichtigend die Hände hob. Offenbar war Melvin ein Koloss in Menschenkostüm, der ein furchtbar großes Herz hatte. „Sklaven?“, Melvin runzelte die Stirn und warf Zarrah einen zweifelnden Blick zu. „Aha.“, meinte er nur und schien sich nicht sicher zu sein, ob er das glauben durfte. Dann zuckte er die Schultern und geleitete die beiden ungleichen Gladiatoren herein. Hier war es stickig und laut, bis Melvin ein kleines Willkommens-Machtwort sprach. Sofort richteten sich vierzehn Augenpaare auf die Neuen und begrüßten sie mit einem Zuprosten. Die Stimmung war ausgelassen und wahrlich entspannt. Keiner brauchte das Gefühl zu haben, dass hier ein Hinterhalt schwelte. Man akzeptierte die neue Truppe ohne Umschweife. Syn jedoch war dieser plötzliche Ortswechsel doch zu viel. Nach mehreren Tagen im Wald allein mit 3 anderen, war die Menge einengend. Sofort zischte er einen Sitznachbarn an, dass er Platz brauchte, der schulterzuckend seinen Arm einfach wegnahm. Der ‚kleine Mensch‘, der eigentlich ein Zwerg war, musterte Syn einen Moment, drehte sich aber wieder dem Waldelfen zu, der mit braunen, langen Haaren und atemberaubend makelloser Haut offenbar ein angeregtes Gespräch über Stoffe führte. Und der Zwerg trank. Und trank.
Melvin entpuppte sich als hervorragender Gastgeber. Er fragte nach Getränken, nachdem er für Sitzplätze gesorgt hatte und Syn fühlte sich abermals dazu verpflichtet, für Zarrah zu dienen. "Unsere Herrin wird zuerst bedient, das solltet Ihr wissen. Ich hoffe, ihr wird bereits eine Unterkunft vorbereitet wie es ihr zusteht", wies er den Hausherren an, der ihn abermals anglotzte, als wäre Syn nicht ganz dicht. Zarrah's Blick aber legte sie im Hintergrund auf das Kaninchen. Durchdringend ruhte er auf ihm und hielt sich einen Moment dort. Dann aber griff sie nach ihrem Krug und versteckte den sich leicht anhebenden Mundwinkel hinter einem Schluck Bier.
Razag hingegen fühlte sich immer wohler, was er auch zeigte: „Ja, gerne! Nen Krug Wasser und dann alles was die Fässer her geben.“, feixte er und Melvin deutete kumpelhaft auf den Ork. „Na das ist doch mal nach meinem Geschmack!“, rief er ausgelassen und gab dem Schankmädchen Handzeichen. Dann wandte er sich wieder an Syn. „Hör mal, Kumpel – keine Sorge. Hier bekommen alle, was sie benötigen. Wir kümmern uns um die Elfe und auch um dich. Mach dich locker!“, brummte er ihm väterlich zu und hätte fast sein Haar getätschelt, hielt sich aber noch rechtzeitig zurück. Er lachte brummend auf und sah zu Crys. „Und du, Schnuckel? Bist ja reichlich still, oder stumm?“, fragte er und lachte erneut. Melvin war laut und polternd, aber schien ganz Razag’s Gefühl zu entsprechen. Crys zögerte etwas. Auch für sie war diese Situation seltsam ungewohnt und auch sie wich ein wenig in alte Muster zurück, ähnlich wie Syn und Razag. „W…Wasser bitte.“, nuschelte sie kleinlaut und lächelte unbeholfen, als man sie versehentlich anstieß. Ein weiterer Elf wandte sich zu ihr um. Er stutzte. „Oh, welch bezaubernde Abwechslung in diesem Etablissement.“, flötete er und lächelte entwaffnend. Crystin sah ihn zweifelnd an und räusperte sich. „Danke?“, fragte sie, ehe sie etwas wegrutschte. Der andere Ork hatte eine eher schmutzigere Hautfarbe und war nicht so groß wie Razag. Er saß an einem anderen Tisch, beobachtete den Gladiatoren aber argwöhnisch. Razag nahm das zum Anlass und versuchte gleich mal einem Problem entgegenzuwirken. „Unterhalten sich zwei Folterknechte über ihre Arbeit: Sagt der Eine: "Und? Wie viele sind in deinem Kerker?" Sagt der Andere: "Siebzig - und ein paar Zerquetschte!"“ Der Ork sah ihn aus kleinen, schwarzen Knopfaugen an. Sie waren viel zu klein für sein massiges Gesicht, das noch beide Hauer aufwies. Er brummte. Hatte die Arme vor der breiten Brust verschränkt und wirkte überhaupt nicht belustigt. Plötzlich rutschte er nach vorn und erhob sich, nahm seinen Krug und ging um den Tisch auf Razag zu. Hier blieb er stehen, warf dem Zwerg gegenüber von Razag einen Blick zu, der dazu führte, dass der Zwerg sich verdünnisierte. Dann nahm der Ork Platz und begann donnernd zu lachen. „Witz gut.“, lachte er abermals und schlug immer wieder ohrenbetäubend auf den Holztisch, das sämtliche Utensilien darauf klapperten. Er trank einen großzügigen Schluck aus seinem Krug und wischte sich schmatzend über den Mund. „Und wie hat es dich hier her verschlagen?“, setzte Razag gleich mal an und stellte sich noch mal zügig vor. Die rauen Vierzehn wandten sich gesammelt zu ihm um, hoben den Krug und riefen einstimmig „Hallo Raz!“, ehe sie sich wieder ihren Gesprächen widmeten. Der Ork aber lehnte sich vor. „Ich bin Tuddel. Eigentlich heiße ich Tudelius, aber das kann sich keiner merken und Tuddel klingt eben nach dummem Ork. Du verstehst, was ich meine, Kumpel, oder?“, grinste er und zwinkerte. „Wo kommt ihr her, Raz?“, fragte Tuddel dann in Plauderstimmung und offenbar hatte Razag da soeben einen neuen Freund gefunden.

Nur wenig später, brachte das schwarzhaarige Mädchen endlich das Essen. Crystin unterhielt sich derweil mit ‚Bentin‘, dem Waldelf aus Kosral. Er schien einen Narren an ihr gefressen zu haben, doch Crystin plapperte einfach ohne es zu bemerken. Dabei warf sie dennoch Razag immer mal wieder einen Blick zu, weil sie sich schräg gegenübersaßen. Sollte Razag erwidern, lächelte sie. Zarrah aber saß an der Theke. Sie hatte sich in den Raum gewandt und musterte die rauen Vierzehn plus 3 und hob den Blick, als Razag sie direkt ansprach. Jetzt, wo das Essen gebracht wurde, musste er die Chance nutzen. Zudem bot alles hier einfach eine entspannte Atmosphäre. „Herrin Zarrah, ist es erlaubt sich zu entspannen?“ Melvin kam auf sie zu und legte ihr einen Arm um die Schultern. Zarrah schob ihn von sich wieder runter. Dann sah sie Synnover an, der soeben sein Essen erhalten sollte. „Ruht euch aus, esst, trinkt. Die Rechnung zahle ich. Oben sind Zimmer für euch hergerichtet. Razag und Syn, ihr müsst euch eines teilen, mehr Platz gibt es nicht. Crystin schläft bei mir.“, erwähnte sie und tatsächlich hörten auf einmal alle zu, was sie sagte. Es war still und auch die Musik ruhte. „Nehmt ein Bad, wenn euch danach ist.“, erlaubte sie und nickte ihnen zu. Dann setzte die Musik wieder ein und die Ausgelassenheit wurde mehr. Syn wurde gerade angerempelt und konnte ein „Oh, Verzeihung!“, hören. Das Mädchen mit den drallen Kurven und schwarzen Haaren hatte aus Versehen seinen Arm erwischt, beim Servieren. Dann sah sie ihn aus braunen Augen an und lächelte offen. „Brauchst du noch etwas?“, fragte sie besonders höflich. Ihre Augen huschten dabei immer wieder über sein Gesicht und sie leckte unbewusst über ihre Lippen. „Egal was du brauchst…“, sie blitzte ihn an, „…zögere nicht, mir Bescheid zu sagen.“, kokettierte sie weiter und zwinkerte frech. Dann wirbelte sie schon weiter, kassierte einen Poklopfer seitens Garus – dem Zwerg mit braunem Bart und Zöpfen darin – und kicherte mädchenhaft. Die Atmosphäre lud zum Entspannen ein. Tatsächlich wirkte keiner der Anwesenden als eine Art Gefahr und auch sonst floss das Bier in rauen Mengen, der Met wurde auch bald aufgetischt und es wurde gegrölt, gesungen, gelacht und tatsächlich eröffnete soeben Crystin mit Bentin die Tanzfläche. Sie sah etwas erschrocken aus, aber sie ließ sich von der Stimmung mittragen. Einzig Zarrah saß auf ihrem Schemel und nippte nur ab und zu an einem Krug. Sie wirkte entspannt und doch längst nicht so mitgerissen von dieser Umgebung. Hier und dort tauschte sie mit Melvin ein ernstes Wort, allerdings verstand man nicht, worüber sie sprachen. Es musste wichtig sein, denn ihre Haltung wirkte eindringlich und auch Melvin lenkte irgendwann ernst ein. Ansonsten stand es den ‚plus 3‘ frei, sich mit den rauen Vierzehn zu unterhalten, zu tanzen, zu feiern.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Dienstag 18. Juli 2023, 22:12

Es handelte sich zwar um eine Hütte im Wald, aber nicht einmal der gejagte Eber konnte sich eine Sardinenbüchse unter den Tavernen nennen. Auch wenn Melvins raue Vierzehn den Raum ausfüllten, blieb noch immer genug Platz. Dass Synnover sich beklommen fühlte, lag an der Sitzgelegenheit. Zu einer Seite fand sich dieser Zwerg, der auf seine forsche Forderung hin wenigstens etwas Platz machte und auf der anderen saß sein Kumpel. Seltsamerweise suchte das Kaninchen gerade bei ihm Schutz, grabschte nach dessen Kleidung und hielt sich fest. Außerdem musste er feststellen, dass so eine Umarmung in Forme einer lockeren Hand auf der Schulter gar nicht so übel war. Natürlich kannte Syn Umarmungen. Viele Frauen suchten Nähe in den seinen und umarmten ihn auch einmal gern mit ihren Schenkeln. Glücklicherweise hatte er dann selten Zeit, sich auf diese Enge zu konzentrieren, weil er meistens damit beschäftigt war, einer anderen Enge Aufmerksamkeit zu schenken. Aber das hier war anders und so fasste das Kaninchen alsbald neuen Mut. Außerdem musste es seine Haltung wahren. Wie stünde Zarrah da, wenn sie bibbernde, vergänstigte Sklaven mit sich nahm und behauptete, diese sollten sie schützen? Nein, das durfte er nicht zulassen. Man hatte ihm früh genug eingetrichtert, den Namen seiner Herrschaften nicht zu beschmutzen - weder durch Worte noch durch Taten. So riss er sich zusammen und forderte bei Melvin auch recht schnell, dass man sich um Zarrah kümmerte wie es ihr gebührte. Dass er dafür einen hochzuckenden Mundwinkel seitens der Dunkelelfe erntete, bekam er nicht mit. Das war bedauerlich, denn es hätte seine Annahme nur bestärkt, dass sie die Augen nun einmal nicht von ihm lassen konnte. Da war Zarrah aber nicht die einzige, wie es schien.
Während Razag neben ihm zum Komiker wurde - Syn gluckste übrigens bei seinem Witz - da unterbrach ihn ein Stoß von hinten dabei, sich zumindest locker und entspannt zu geben. Zarrah hatte zwar erlaubt, ausgelassen zu sein, was Raz auch sofort zum Anlass nahm, aber das hieß nicht, dass Syn seine Wachsamkeit fallen ließ. Er war kein Wächter und längst nicht so misstrauisch wie man es bei einem Bewohner Morgerias grundlegend annehmen müsste. Dazu war er selbst als Sklave überraschend behütet aufgewachsen. Er hatte sich in einem Haushalt voller angesehener Assassinen niemals um eine Klinge im Rücken sorgen müssen, jedenfalls um keine aus dem Hinterhalt. Die Gefahr lauerte für ihn immer nur in der Arena. In den Betten anderer Frauen nahm er diese Rolle meistens ein, denn die holfe Weiblichkeit drohte stets, ihr Herz an diesen wunderschönen Menschen zu verlieren.
Das Barmädchen hingegen verlor zunächst ihr Gleichgewicht. Sie war der kleine Stoß im Rücken, der Syn aus seinen Gedanken riss und davon abhielt, sich dem Essen zu widmen. "Oh, Verzeihung!", entschuldigte sie sich. Syn blickte über die Schulter zurück.
Natürlich! Wieder die ganze plumpe Art, mit mir ein Gespräch beginnen zu können. Er spähte flüchtig zu Zarrah, aber diese war für den Moment in ein Gespräch mit dem Raupenbartwirt vertieft. Syn wandte sich um. Unverhohlen musterte er die Schwarzhaarige vom Scheitel bis auf Augenhöhe ihrer "Augen". Er starrte diese an, weil er wusste, dass das Wirkung hatte. Vor allem, wenn er sich anschließend ertappt gab. Also räusperte er sich rasch, blickte bewusst zur Seite und murmelte: "Schon gut."
Die Schankmagd sprang sofort auf ihn an. Balsam für sein Ego, vor allem nach drei Nächten, die er nicht nur auf hartem Boden hatte verbringen müssen, sondern auch allein. Syn konnte sich kaum mehr daran erinnern, wann er im Anwesen der Nachtklingen zuletzt hatte allein schlafen müssen - nagut, die Strafwoche, eingesperrt in seinem Zimmer nicht mitgerechnet. Davor war er stets bei Yolintha aufgewacht oder außer Haus, wo man ihn am Morgen zurück zu seinen Herrschaften brachte.
Ja, die Reise war wirklich schwer für ihn gewesen. Er musste stinken und reichlich verwahrlost aussehen. Außerdem war er immer noch schrecklich entstellt im Gesicht. Trotzdem begann das Schankmädchen doch glatt mit ihm zu flirten. "Egal, was du brauchst, ... zögere nicht, mir Bescheid zu sagen." Ich hab es einfach drauf! Er schenkte ihr einen dieser einstudierten Blicke, die suggerierten, dass er von ihrem Angebot überrascht war, aber nicht abgeneigt. Frauen mochten das. Vor allem Frauen, die nicht wussten, wie oft er schon herumgereicht worden war. Sie glaubten, diesen schönen, leicht erfahrenen Mann entdeckt zu haben und ihm Tricks beibringen zu können. Dass es sich im Bett dann genau gegenteilig herausstellte ... nun, bisher war ihm keine Frau dafür böse gewesen. Dazu waren sie gar nicht in der Lage, sobald Syn von ihren Leibern rutschte!
Das Mädchen wollte sich schon wieder auf den Weg machen. Synnover ergriff im letzten Moment noch flink ihren Unterarm. Er wartete, bis sie sich zu ihm umdrehte. Dann raunte er: "Ein richtiges Bett wäre wünschenswert und ... lieblichere Gesellschaft als die eines Orks." Nun war es an Syn zu zwinkern, aber er beschränkte sich lieber auf einen geheimnisvollen Blick unter der Spur eines Lächelns, damit die Fremde sich fühlte, als sei es ihr allein bisher geglückt, eine solche Mimik aus Syn herauszukitzeln. Er entließ sie mit dem stummen Versprechen, noch einmal nach ihr zu sehen. Vorher wollte er sich aber wenigstens waschen. Sein Magen erinnerte ihn allerdings auch daran, dass gerade die letzten Tage karg gewesen waren. Er drehte sich wieder zum Tisch herum, um sich nun seiner Mahlzeit zu widmen.
Crystin tanzte bereits mit dem braunhaarigen Elfen - Bentin? - und so gut gelaunt wie Razag schien, würde er sich bestimmt bald anschließen. Auf den dunkelelfischen Festen hatte man Syn auch gelegentlich das Tanzen abverlangt. Es war nicht so ausgelassen wie bei der kleinen Heilerin. Sie hüpfte munter und eher unkoordiniert über das Parkett. Syn hatte Schritte einstudieren müssen und nur eine strenge Reitgerte, eine noch strengere Tanzlehrerin und der Vergleich zu Ausweichbewegungen im Kampf hatten dazu geführt, dass er es überhaupt irgendwie hatte meistern können.
Während er aß, wanderte sein Blick von der Schankmagd hinüber zum Tresen. Warum eigentlich nicht? So kann ich auch gleich noch präsentieren, wie beweglich meine Hüften sind.
Syn erhob sich. Dass Zarrah vielleicht erneut in ein wichtiges Gespräch vertief war, interessierte ihn nicht. Er ging schnurstraks auf den Tresen zu und blieb vor ihrem Stuhl stehen. Allerdings unterbrach er ihre Angelegenheiten ansonsten nicht. Und wenn er eine Stunde hier stehen und warten musste, er zeigte sich geduldig. Syn rührte sich nicht vom Fleck, bis die Dunkelelfe ihm Aufmerksamkeit widmete. Dann aber verneigte er sich halb und bot ihr eine Hand entgegen.
"Ihr seht verspannt aus, Herrin. Erweist mir die Ehre und lasst mich Euch auf dem Tanzboden etwas auflockern. Auch Ihr habt Entspannung verdient." Es war ihm aufgrund seiner eigenen Gemütslage nicht möglich gewesen, seinen Plan mit den nahe liegenden Schlafsäcken auf der bisherigen Reise durchzuführen. Auch dort war das Motiv gewesen, sich ein wenig bei Zarrahs Gunst einzuschmeicheln und ihr gleichzeitig Entspannung zu schenken. Wer mochte das schließlich nicht?
Unterwegs hatte es, wie gesagt, nicht funktioniert, aber vielleicht ließ sie sich jetzt darauf ein. Syn rechnete schon damit, dass sie ablehnte. Wahrscheinlich käme auch nicht mehr als ein "Nein" über ihre Lippen und er wusste inzwischen ja, dass es nur Selbstschutz war. Auf diese Weise musste sie trotz aller Sehnsucht zu ihm nicht zugeben, wie gern sie ihrer Lust nachgeben würde. Daher durfte er trotz seines Sklavenstandes ein Nein nicht akzeptieren. Sollte Zarrah also ablehnen, würde er sie darauf hinweisen, in diesem Fall lieber ihren Dolch griffbereits zu halten, weil er im selben Atemzug noch nach ihrer Hand greifen und sie auf die Tanzfläche ziehen wollte. Selbst mit Klinge am Hals ließe Syn sie vorher nicht los. Er fürchtete dabei auch nur zu einem geringen Teil, verletzt zu werden, einfach weil es schmerzhaft war. Aber er glaubte irgendwie nicht, dass Zarrah ihn erst hierher mitschleifte, nur um ihn dann vor versammelter Mannschaft eines Freundes, wie Melvin sich nannte, abzustechen. Sie hätte vorher weitaus weniger skandalöse Gelegenheiten gehabt. Außerdem ... hatte sie sich die Mühe gemacht, ihn mehr als einmal nicht sterben zu lassen. Seinen Schwarm erdolchte man nicht für eine kleine Dreistigkeit. Oh, er war sich sicher, dass sie heute noch mit ihm tanzen würde!
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raz'ulak der Furchtlose » Montag 24. Juli 2023, 14:42

Die Ankunft und die herzliche Aufnahme in diese Gemeinschaft war etwas ungewohntes für Razag und noch mehr für seinen kleinen Kumpel. Jeder nahm es auf seine Weise war und hatte dazu seine Gedanken und natürlich auch unterschiedliche Reaktionen.
Und wie findet es Cris hier?
Raz nahm es recht locker und versuchte sich sogleich anzupassen.
„Ja, gerne! Nen Krug Wasser und dann alles was die Fässer her geben.“
,Melvin erwiderte:
„Na das ist doch mal nach meinem Geschmack!“
, rief er ausgelassen und gab dem schwarzhaarigen Schankmädchen ein Handzeichen. Raz folgte seinem Blick und schenkte dem fleißigen Mädchen ein kleines dankbares Nicken für ihre Arbeit. Er war schon immer beeindruckt von den Frauen die eine ganze Horde Männer zähmen konnten, besonders wenn diese sich dann auch noch betranken und einfach ihren Spaß haben wollten. Dabei ging es meist nicht mal um den ein oder anderen lockeren Anmachspruch, oder etwaigen folgenden Stunden für ein Stelldichein, sondern eigentlich viel mehr um das 'brüderliche' Zusammensein, die soziale Bindung unter den Kämpfern und dem Austausch von Geschichten und Trinksprüchen.
...wirkt echt gemütlich hier.
Dann wandte der Wirt sich wieder an Syn:
„Hör mal, Kumpel – keine Sorge. Hier bekommen alle, was sie benötigen. Wir kümmern uns um die Elfe und auch um dich. Mach dich locker!... Und du, Schnuckel? Bist ja reichlich still, oder stumm?“
, fragte er Cris und lachte erneut. Raz musterte Cris und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.
Na? Was denkst du von diesem Ort?
„W…Wasser bitte.“
, nuschelte sie und wurde prompt versehentlich angestoßen. Ein weiterer Elf wandte sich zu ihr um.
„Oh, welch bezaubernde Abwechslung in diesem Etablissement.“
, flötete er und lächelte entwaffnend. Und dann sah er natürlich auch aal glatt aus mit seiner perfekten Haut und den langen gepflegten Haaren. Raz presste unbewusst bei seinem Anblick die Lippen aufeinander.
War ja klar... Da präsentiert das Schicksal gleich den nächsten Stein in meinem Weg zum Herzen der holden Maid. Hab ichs dir nicht gesagt, Naira? ...Es soll einfach nicht sein.
, dachte Razag grummelig und drehte den Kopf weg. Der Anblick des nächsten Anwärters um das Wohlwollen der kleinen Heilerin, ließ Raz leise grummeln. Wohl aber blieben seine spitzen Ohren bei dem Gespräch zwischen Cris und dem Elfen. Crystin räusperte sich:
„Danke?“
, fragte sie, ehe sie etwas von dem neuen 'Prinzen' in ihrem Leben wegrutschte. Ein kleines Schmunzeln huschte über Razags linken Mundwinkel. Nein..............
Er war weder eifersüchtig! Noch freute er sich, dass der Elf nicht sofort einen Begeisterungsausruf bei ihr erntete...
Doch war er und ….doch tat er!
Nanu? Doch nicht so unwiderstehlich das unterernährte Spitzohr?
Also ließ Razag seinen Blick vorerst erst mal von Cris loslösen und beobachtete den Rest der Leute. Der andere Ork hatte eine eher schmutzigere Hautfarbe und war nicht so groß wie Razag. Er saß an einem anderen Tisch, beobachtete den Gladiatoren argwöhnisch. Razag nahm das zum Anlass und versuchte gleich mal einem Problem entgegenzuwirken.
„Unterhalten sich zwei Folterknechte über ihre Arbeit: Sagt der Eine: "Und? Wie viele sind in deinem Kerker?" Sagt der Andere: "Siebzig - und ein paar Zerquetschte!"“
Syn neben Raz gluckste amüsiert.
Na wenigstens einer, der mich lustig findet.
Ob Razag endlich bewusst wahr nahm, dass Syn ihn verstand? Im Moment konzentrierte er sich mehr auf sein Gegenüber. Der Ork sah ihn aus kleinen, schwarzen Knopfaugen an. Er brummte, hatte die Arme vor der breiten Brust verschränkt und wirkte überhaupt nicht belustigt. Plötzlich rutschte er nach vorn und erhob sich, nahm seinen Krug und ging um den Tisch auf Razag zu. Hier blieb er stehen, bis der Zwerg sich verdünnisierte. Dann nahm er Platz und begann donnernd zu lachen.
„Witz gut.“
Ah, er arbeitet mit Verzögerungstaktik. Klug.
„Und wie hat es dich hier her verschlagen?“
, setzte Razag gleich mal an und stellte sich noch mal zügig vor. Die rauen Vierzehn wandten sich gesammelt zu ihm um, hoben den Krug und riefen einstimmig
„Hallo Raz!“
Razag hob seinen Krug und prostete allen zu. Der Ork aber lehnte sich vor.
„Ich bin Tuddel. Eigentlich heiße ich Tudelius, aber das kann sich keiner merken und Tuddel klingt eben nach dummem Ork. Du verstehst, was ich meine, Kumpel, oder?“
, grinste er und zwinkerte. Ja, Raz verstand sehr gut was der Andere damit offenbarte. Nicht viele taten das so offen untereinander, einfach weil ihnen als Rasse die 'Dummheit' über Jahrzehnte eingeprügelt worden war. Aber hier eine 'gleichgesinnte' Seele zu treffen, das fühlte sich echt gut an.
„Wo kommt ihr her, Raz?“
Offenbar hatte Razag da soeben einen neuen Freund gefunden und er grinste. Während das schwarzhaarige Mädchen endlich das Essen brachte, lockerte Razag weiter die Stimmung:
„Bin frisch aus Blut und Sand des schwarzen Kolosseums exportiert.“
, gab Raz leicht schmunzelnd zu. Seine Herrin hatte sie in keinster Weise instruiert nicht die Wahrheit zu sagen, oder der gleichen. Hätte er das tun sollen, hätte sie es vorher sagen müssen. Da er sich dann auch noch erkundigt hatte, ob sie sich hier 'gehen' lassen könnten, da packte Raz die Gelegenheit beim Schopfe. Nicht häufig bekam man die Chance sich richtig satt zu futtern, zu trinken so viel man wollte und das auch noch in guter Gesellschaft. Er nutzte einfach den Moment. Verlockungen sollte man immer nachgehen, denn man wusste nie, ob sie noch mal vorbei kamen.
„Man nannte mich dort: 'Raz'ulak den Furchtlosen'. Einer der glorreichen Drei. Der erste ist tot, aber zweite der Glorreichen sitzt übrigens neben mir...“
Dabei sah er stolz auf seinen Kumpel hinab, klopfte diesem leicht auf die Schulter und griff dann nach einem neuen Humpen mit irgendeiner sehr willkommen Flüssigkeit.
„...aber … derzeit sind wir wohl... zwangsverrentet. Aber kennst du den?...“
Raz grinste und machte sich an den nächsten Witz, da dieser gut zu dem Mischmasch an Rassen in dieser Schenke passte.
„Ich find der passt hier ganz gut...“
Er nahm noch einen großen Schluck.
„Ein Echsenmensch, ein Elf und ein Zwerg kommen in eine Taverne und bestellen sich jeweils einen Teller Suppe. Doch in jeder Suppe ist eine Fliege. Der Echsenmensch schaut sich die Fliege kurz an, lässt seine Zunge aus dem Maul schnellen und frisst sie.
Der Elf holt sie vorsichtig aus der Suppe heraus, streichelt sie zärtlich und fragt: "Lebst du noch?"
Und der Zwerg schleudert sie auf den Tisch und schreit: "Spuck sofort meine Suppe wieder aus!"“

Während er erzählte schaute er sich ein bisschen um ob noch weitere Zuhörer vielleicht schmunzelten und mehr verstanden. So heraus zu finden, ob noch jemand Krzner verstand war ein beliebter Trick von ihm, denn nur wenige konnten Emotionen wirklich perfekt verbergen. Also machte er weiter:
„Aber jede Art soll ja berücksichtigt werden... hm... Goblins sind immer super und echt schlau! Einer der Wärter ..ungelogen SELBST ein Goblin hat mal den erzählt: ...Ein Goblin kommt an einen Teich, und da steht ein Elf und schaut einen Fisch an. Der Elf macht mit dem Arm einen Kreis, und der Fisch schwimmt einen Kreis.“
Zur Untermalung machte Razag die Bewegung auf der Tischplatte mit.
„Der Elf macht mit dem Arm eine Zickzack-Bewegung, und der Fisch schwimmt im Zickzack. Der Elf fuchtelt kompliziert herum, und der Fisch schwimmt die Strecke genau nach. "Was machst du da, Elf ?", fragt der Goblin. Der sagt bloß: "Die höhere Intelligenz zwingt der niederen ihren Willen auf!", dreht sich um und geht. Nach einer halben Stunde kommt der Elf um nachzusehen, ob der lästige Goblin noch da ist. Der steht wirklich noch am Teich und rührt sich nicht, nur der Mund geht auf - und zu - und auf ... Hhahahahaha...“
Da Raz alles was es zu trinken gab bestellt hatte, stand nun ein Krug Met dank dem Schankmädchen vor ihm.
„Uh... das ist lecker! Orkdankt.“
Damit setzte er erneut an und leerte dem Humpen, stellte ihn lautstark ab und schüttelte sich kurz.
„Krasssssüß!“
Und hikste einmal. Raz Knie fühlten sich angenehm weich an und die Musik hallte in seinen Knochen nach. Er ließ seinen Blick über die Tafel schweifen und blieb an Cris hängen die munter vor sich hin plauderte... mit dem Elfen. ‚Bentin‘, hieß der Waldelf aus Kosral, wie Raz dem Gespräch entnehmen konnte. Er buhlte um ihre Aufmerksamkeit, aber Cris warf dennoch Razag immer mal wieder einen Blick zu. Einmal hielt er ihren Blick länger bei sich, als ihre Augen aufeinander trafen und er zwinkerte ihr verschwörerisch zu. Cris sollte wissen, dass er sie im Blick hatte, damit sie sich wohl fühlen konnte. Er passte trotz allem auf sie auf. Ein Wort würde genügen und zur Belohnung schenkte sie ihm ein kleines Lächeln. Zufrieden wandte sich Raz wieder seinem neuen Ork-Kumpel Toddel zu.
„Sag mal...“
Raz versuchte sich an Zarrahs Worte vor dem für ihn entscheidenden 'Knacken' im Gehirn zu erinnern, aber es gelang ihm nicht, also fragte er nach.
„Ich ...das richtig verstanden???...Wir können hier... ...baden?“
Raz sah aus, als würde er eine hoch Mathematische Gleichung im Kopf lösen... so was wie 27x37 oder so. Der Alkohol zeigte ganz langsam Wirkung. Der Ork war ...ein klein wenig beschwippst, was bei dem Thempo, was er sich hinter kippte, kaum verwunderlich war. Andere lägen da schon bewustlos unterm Tisch.
„Hat sie ...das wirklich gesagt?“
Es hatte so schön geklungen! Und Raz vergaß langsam Krzner zu sprechen. Aber bevor Tuddel antworten konnte, setzte die Musik wieder ein und die Ausgelassenheit wurde mehr. Auch Raz wippte fleißig mit, was die Bank unter ihm ordentlich zum schwingen brachte. Syn neben ihm wurde gerade angerempelt und ein:
„Oh, Verzeihung!“
, war zu hören. Das Mädchen mit den drallen Kurven und schwarzen Haaren hatte aus Versehen seinen Arm erwischt, beim Servieren. Dann sah sie ihn aus braunen Augen an und lächelte offen.
„Brauchst du noch etwas?“
, fragte sie besonders höflich. Ihre Augen huschten dabei immer wieder über sein Gesicht und sie leckte unbewusst über ihre Lippen.
Ah... es wirkt schon. Rammellappen ist wie Vitamin K für die Mädels. K wie Karnickel...
, dachte Raz leicht amüsiert und beobachtete die Szene neben sich:
„Egal was du brauchst…zögere nicht, mir Bescheid zu sagen.“
, kokettierte sie weiter und zwinkerte frech. Das Mädchen wollte sich schon wieder auf den Weg machen, doch Synnover ergriff im letzten Moment noch flink ihren Unterarm. Dann raunte er:
"Ein richtiges Bett wäre wünschenswert und ... lieblichere Gesellschaft als die eines Orks."
„HEEEEE....!“
Raz verschränke gespielt beleidigt die Arme vor der Brust und schob die Unterlippe echauffiert nach vorn. Dann gluckste er aber schon und nahm sich den nächsten Humpen. Syn entließ das schwarzhaarige Mädchen ohne Namen mit dem stummen Versprechen, noch einmal nach ihr zu sehen.
Raz grinste.
Dann trank er wieder und die Musik hielt ihn kaum noch auf der Bank. So wanderte sein Blick auch noch mal durch den Raum.
Nanu... wo ist denn... ???
Cris Platz war leer. Er fand sie. Crystin tanzte bereits mit dem braunhaarigen Elfen Bentin und so gut gelaunt wie Razag gerade war, beschloss er sich spontan anzuschließen. Also ließ er seinen vorerst letzten Witz los und erhob sich dabei schon mal langsam und ein klitze klein wenig schwankend:
„W..warte... der ist auch gut! …Ein Menschling, der schon lange bei den Elfen lebte, will endlich als akzeptiert werden. ..."Dafür musst du drei Dinge tun!" erklärt der Elf. Du musst eine Orkfrau küssen, einen Bären erlegen und ...du musst dieses Drachenblut (Zwergenschnaps) trinken. "Kein Problem!" sagt der Mensch und leert die Flasche des edlen Gesöffs auf einen Zug. Dann wankt er aus der Schenke... Eine Woche später ist er zurück, mit Wunden übersäht. "Hicks! Denn Bären hab ischgeküßt. Un´wo isjetz die Orkfrau die ischschießen soll?“
Glucksend fand sich Raz in der Senkrechten ein, strich sich den Bart glatt und grinste von einem spitzen Ohr zum anderen. Dann atmete er drei mal tief durch und schritt fest gen Tanzfläche... oder der nächsten freien Lücke neben Cris... Frei von jeglicher Scham sich zum sprichwörtlichen 'Löffel' zu machen und dem festen Willen 'noch ein bisschen' mehr Spaß zu haben (War das möglich?), stellte er sich bereit und begann dann eifrig zu ...zappeln.

((Als Spieler darf man ja nix verlinken, also bitte im OT nachschauen. ;) ))

Mit den Armen heftig ausschlagend schaffte er sich sicher schnell ein bisschen Raum und 'vertrieb' ganz 'ungeplant' dabei auch sicher ein paar Elfen.... einen Elfen... Bentin aus seinem Umkreis. Rhythmisch hin und her hopsend machte er gar keine sooo schlechte Figur und bewies, dass auch Orks durchaus schnell und wendig sein konnten. Außerdem strahlte er pure Lebensfreude aus und das war beim Tanzen nun mal das wichtigste. Raz hatte Spaß!
Und Raz konnte tanzen! Wenn Cris mutig genug war, sich auf ihn einzulassen, so würde er sogar MIT ihr tanzen.

((ooc: zweiter Link, sofern sie mitmacht. ))
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. Juli 2023, 08:35

So seltsam es sich anfühlen mochte, die ‚raue Vierzehn‘ wusste, wie man Gäste empfing. Lauthals und freundlich wurden Razag, Crystin und Synnover aufgenommen und ganz selbstverständlich mit eingebunden. Keiner der Angehörigen, ob Elf, Mensch, Zwerg oder gar Ork wirkte so als ob sie sich etwas aus Volkszugehörigkeiten machten. Das einzige, was hier und dort mal Blicke kassierte, war die unermessliche Apartheit des Kaninchens und das imposante Aussehen des Orks. Razag grenzte fast an eine Körpergröße zum Oger und hatte dennoch das Wesen eines freundlichen Gesellen. Synnover wusste trotz Blessuren zu fesseln und beide durften neugierige und forschende Blicke erkennen. Ansonsten war der Ton hier und dort recht herb und schroff, aber alles im Rahmen einer Männertruppe, die es nicht gewohnt waren, viele Frauen um sich zu wissen. Einzig die Schankmaid wurde mal einbezogen in einen derben Witz oder betatscht. Von Crystin ließen die Raubeinigen im Moment noch die Finger. Bis Bentin, der hübsche Waldelf auf sie aufmerksam wurde und sein Glück versuchte. Er umgarnte die Heilerin mit allem, was das eloquente Elfenherz herzugeben wusste, doch mehr als höflich zu sein, kam vom Crys nicht. Dafür blickte sie immer mal wieder zu Razag, der einen Witz nach dem nächsten wiedergab. Razag konnte erkennen, dass Crys offenbar hier und dort einige Fetzen Krz'ner verstand, denn ab und an hoben sich die Mundwinkel. Vermutlich hatte sie in den Jahren ihrer eigenen Gefangenschaft das ein oder andere aufgeschnappt. Flüssig mit ihr auf seiner Heimatsprache reden, konnte er allerdings nicht mit ihr. Während sich Razag immer wohler fühlte und auch Crystin sich langsam gewöhnte, wurde auch Synnover ein wenig ruhiger. Anfangs noch von klaustrophobischen Abwandlungen geplagt, wusste er mit Razag an seiner Seite, dass er sich auf seinen Kumpel verlassen konnte. Freundschaftlich klopfte Razag ihm auf die Schulter und signalisierte Beistand, sodass Syn ein wenig auftaute. Als dann auch noch das Schankmädchen kam, um Nahrung und… Balsam für seine Seele zu bringen, wurde er deutlich gelöster.
Die Dunkelhaarige kokettierte ganz ungeniert mit ihm und er wusste, welche Knöpfe er zu drücken hatte. Es war ihm in Fleisch und Blut übergegangen.
Er würde sie mit Leichtigkeit um den Finger wickeln können, da war er sich absolut sicher. "Ein richtiges Bett wäre wünschenswert und ... lieblichere Gesellschaft als die eines Orks." Das Mädchen blitzte Syn an und sah auf, als Razag sich gespielt beschwerte. Das Mädchen lachte glockenhell und kehrte mit ihrem Blick zu Syn zurück. Erneut neigte sie sich etwas vor. „Jederzeit..“, raunte sie, ehe sie mit dem Kopf zum Tresen ruckte. Sie deutete auf einen Bereich hinter dem Tresen, wo Syn eine Tür neben der Küche ausmachen konnte. „Ich sperre nie ab.“, sagte sie vieldeutig und leckte sich demonstrativ über die Lippen. Noch glaubte das Mädchen, endlich mal einen Leckerbissen selbst zu erobern. Dass Synnover es genau anders hielt, ahnte sie indes nicht. Musste sie auch nicht- es reichte, dass sie ihm nicht widerstehen konnte.

Sie machte sich wieder auf den Weg, um ihre Arbeit zu verrichten, während Razag erneut einen Humpen leerte. Zarrah hatte gesagt, sie sollen zulangen. Das war quasi eine Anordnung der Herrin selbst und da durfte man sich nicht zieren! Zudem wusste ja keiner von ihnen, wann es wieder die Gelegenheit für so etwas gab. Dass Zarrah sie überhaupt hergeführt hatte und nun auch für sie zahlte, war eine weitere Kerbe auf ihrer ungenutzten Peitsche der Sklavenhandhabung. Razag fragte sich, wie Crystin es hier wohl gefiel. Die Heilerin hatte anfangs Mühe, sich wohlzufühlen aber inzwischen lachte sie auch mal, wenn Bentin ihr etwas erzählte. Die Stimmung wurde zusätzlich getragen von der fröhlichen Musik. Das Duo spielte schnelle Stücke, die zumindest Razag’s Fuß wippen ließen. Während er sich noch mit Tuddel unterhielt, der ihm soeben bestätigte, dass es oben ein Zimmer mit einem Zuber gab, er aber vielleicht zweimal baden müsste, weil er nicht ganz hineinpasste, wurde Syn auf Zarrah aufmerksam. Die Dunkelelfe saß ernst wie eh und je am Tresen und redete ab und an mit Melvin. Immer wieder waren die Blicke ernst oder aber Melvin gestikulierte stark. In Synnover reifte ein Gedanke, den er unbedingt in die Tat umsetzen wollte. Bevor er aber losging, blickte er noch mal zur Schankmaid. Jene erwiderte den Blick mit leuchtenden Wangen und wippendem Busen, ehe sie wieder eine neue Runde Getränke für Razag holte. Der Ork komnte die Wirkung des Alkohols bereits spüren und Tuddel taute auch immer mehr auf. Auch er offenbarte sein nicht ganz so schlichtes Gemüt und grölte hier und dort über die Witze. Auch stieg er mit ein und trank, was die beiden schon bald Arm in Arm schunkeln ließ. Die Stimmung war einfach bombastisch. Nun hielten auch Crys und Bentin sich nicht mehr auf den Bänken. Nun, Crys vielleicht schon, aber der Waldelf gab ihr keine Chance zur Flucht. Etwas erschrocken blickte sie Bentin an, der eine flotte Sohle aufs klebrige Parkett legte. Das konnte Razag besser. Der Ork leerte den Humpen erneut und erhob sich schwankend. Ein Ork seiner größe könnte einiges zerstören, wenn er unkontrolliert fiele, sodass Tuddel die Hände hob, um gegebenenfalls einzuschreiten. Doch es dauerte nur einen Moment, dann hatte sich der Grüne wieder im Griff und wankte zur Tanzfläche. Die war nicht annähernd groß genug für einen Ork, sodass kurzerhand die verbliebenen zügig Tische und Stühle beiseite räumten, um genug Platz zu schaffen. Alle die, die nicht tanzten, setzten sich auf die Tische und prosteten und grölten, als der Ork seinen Moment hatte. Das war Synnovers Stichwort, um sich endlich an die Erfüllung seines Planes zu machen. Er wollte endlich die Gunst erhalten, die ihm ohnehin zustand. Er wollte Zarrah zeigen, dass ihre Zuneigung zu ihm auf fruchtbaren Boden fiele, wenn sie sie doch nur zulassen würde.
Und so machte Syn Platz für Razag, der soeben die Arme wirbelte und schwang.

Bentin rümpfte die Nase, als dieser ‚Klotz‘ von Ork ihn einfach zur Seite drängelte. Mit schmalen Lippen und verschränkten Armen sah der Waldelf zu, wie Razag dann Crystin aufforderte, mit ihm zu tanzen. Das Mädchen riss die Augen groß auf und strahlte dann. Sie ergriff mit kleiner Hand die Pranke und schaute sich seine Bewegungen genau ab. Dann lachte sie fröhlich, probierte sich an dem Schwingen und wurde zusehends mutiger. Solange, bis sich Razag und Crystin halbwegs synchron befanden und beide mehr als ausgelassen Razag’s Tanz aufführten. Die Umstehenden jubelten, pfiffen und lachten. In all dem Tulmult aber saß die Dunkle nach wie vor auf ihrem Platz und schien andere Gedanken zu hegen. Zarrah trank ebenfalls etwas Met, nippte aber allenfalls mal daran. Als Syn sich weit genug durch die Zuschauer geschoben hatte, konnte er gerade noch einen Fetzen des Gesprächs aufschnappen, den Melvin mit Zarrah führte: „…wenn sie euch finden, garantiere ich für gar nichts!“, brummte Melvin missmutig. Zarrah nickte. „Werden sie nicht. Wir bleiben nicht lange, versprochen.“, erwiderte sie. Dann zog sie einen gut gefüllten Lederbeutel aus ihrem Mantel und warf ihn auf den Tresen. Er klang dumpf, als er aufkam. „Für deine Unkosten.“, bemerkte sie und Melvin steckte das Säckchen ein. Dann richtete er sich auf und setzte ein mehr als freundliches Gesicht auf. „Was darfs sein, Sklavenjunge?“, feixte er und Zarrah warf erst Melvin einen strengen Blick zu, ehe er die Schultern hochzog und abdampfte. Dann sah sie abwartend zu Syn. "Ihr seht verspannt aus, Herrin. Erweist mir die Ehre und lasst mich Euch auf dem Tanzboden etwas auflockern. Auch Ihr habt Entspannung verdient." Die Dunkle betrachtete seine Hand, die er ihr hinhielt. Dann blickte sie zu der Tanzfläche, auf der Razag und Crystin gerade ihren Tanz beendeten und sich die Heilerin lachen an Razag’s Hüfte festhielt. „Warum tanzt du nicht mit den anderen?“, fragte sie so neutral, dass es einer Beleidigung für seinen Charme gleichkam. Doch dann spürte Synnover tatsächlich, wie sich die schmalen, langen Finger der Elfe über seine Handfläche schoben. Sie erhob sich und blickte ihn einen Moment lang nur an. Dann schloss sie ihre Finger um seine und ließ sich von ihm zur Tanzfläche führen.
Zarrah war im Gegensatz zu Crystin überhaupt nicht schüchtern. Sie verringerte den Abstand zu Syn, schob ihre Hand auf seine Schulter und legte die andere in seine Handfläche. Sobald er seine Finger an ihre Hüfte schob, blickte sie ihn aus dunkelgrünen Augen an. Es war fast wie ein Lauern, aber ihre Züge wirkten überhaupt nicht missbilligend. Die Musikanten hatten das schnelle, fröhliche Stück beendet und Razag sowie Crystin Applaus erhalten. Crystin strahlte Razag mit hochroten Wangen an. Der Spaß war echt und sie glücklich. Dann wurde sie aber etwas ernster und als die Musik einsetzte und etwas langsamer spielte, wurde sie verlegen. Crystin räusperte sich. „Willst… also… willst du… noch mal, Razag?“, fragte sie zögernd nach einem Tanz, der deutlich mehr Körperkontakt voraussetzte. Synnover und Zarrah jedoch hatten diese Frage bereits geklärt und befanden sich in enger Haltung zueinander im Takt. Zarrah konnte tanzen, natürlich als Erbin der Nachtklingen und aus gutem Hause. Sie fühlte sich zudem weich und überhaupt nicht steif an. Sie ließ sich von Syn führen, sodass er zeigen konnte, was er wollte. Nach einer kleinen Weile blickte sie ihn mit undurchsichtiger Miene an. „Geht es hier um meine Entspannung, wie du es nennst, oder um den Schoß des Mädchens, den du beeindrucken willst?“, raunte sie halblaut. Aufgrund der Nähe zueinander, musste sie nicht laut sprechen. Syn aber konnte nicht erkennen, ob sie ihn tadelte oder sich amüsierte. Zarrah stellte fest. Und wenn er einen Blick riskierte, würde er die Küchenhilfe sehen können, wie sie mit eifersüchtigem Blick beobachtete, wie er die hübsche Elfe leichtfüßig- und beweglich in der Hüfte- führte. Dass das Zarrah nicht entging, war beinahe klargewesen.
Nach einer ausholenden Drehung jedoch, in der sie sich mit dem Rücken an ihn lehnte und den Kopf zur Seite drehte, um seine Hand zu berühren, schenkte sie ihm tatsächlich ein kleines Lächeln. „Yolintha hat dich gut ausgebildet.“, murmelte sie und lobte seine Tanzkünste. Dann fand sie sich wieder dicht bei ihm, während sich ihre Körper beinahe berührten und ihre Gesichter auf einer Ebene waren. Crystin hatte Razag auf ihre Schüchterne Art um den nächsten Tanz gebeten. Sollte er eingewilligt haben, würde sie ebenfalls Körpernähe aufbauen, denn der langsamere Takt wollte das so. Falls er ablehnte, hätte sich Crys wieder auf einen der freien Plätze gesetzt und würde nur Syn und Zarrah beobachten. Bentin jedoch brodelte offenbar immer noch und stierte den Ork mit giftigem Blick an. Wenn das mal nicht noch Probleme mit sich brachte…
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Mittwoch 26. Juli 2023, 02:50

Natürlich wurden Syn und Razag sofort zum Mittelpunkt des Geschehens. Das Kaninchen konnte man kaum übersehen. Er fiel einfach auf und selbst mit seinem, nach eigener Annahme vollkommen entstelltem Gesicht war er nach wie vor ein Blickfang. Vor allem die Bedienung ließ sich nur allzu schnell und gern auf ihn ein. Syn spielte mit ihr, schmeichelte und hinterließ eine vielsagende Zweideutigkeit im Raum, die auf Erfolg traf. Die Frau mit den schwarzen Zöpfen zögerte nicht, ihm zu signalisieren, wo sie schlief, dass die Tür dort stehts unverschlossen sei und er jederzeit auf einen Besuch vorbeischneien könnte. Syn sagte nicht zu. Die Aussicht auf ein bequemes Bett, vor allem aber, nicht allein schlafen zu müssen, lockten ihn. Sein Blick hinüber zu Zarrah verriet ihm jedoch nichts. Die Dunkelelfen konnte unmöglich verpasst haben, was sich zwischen ihrem Sklaven und der Bardame anbandelte, aber sie gab keinerlei Zeichen, weder in Zustimmung noch Ablehnung. Das war Synnover nicht gewohnt. Yolintha hatte manchmal nur überdeutlich klar gemacht, mit welcher ihrer Freundinnen er die kommende Nacht verbringen sollte. Beinahe plump hatte sie Syn bei ihr abgestellt, sie schon einmal durch einen scheuen Handgriff prüfen lassen, was sie erwarten durfte oder ihr direkt das Ende der Leine in die Hand gedrückt. Wenn sie verdeckter vorging, war die Konversation stumm abgelaufen. Syn hatte mit irgendeiner der Dunkelelfen bei feierlichen Ereignissen über Belangloses gesprochen, aber immer wieder Blick zu Yolintha geworfen. Nahm sie ihren Wein in die linke Hand, hieß das für Synnover Arbeit in der Horizontalen. Nippte Yolintha aber mit rechter Hand vom Glas und streckte dabei den kleinen Finger ab, war Synnovers ausgesuchte Wahl ein Tabuthema. Dann durfte er nicht einmal mehr Liebeleien mit ihr austauschen, sondern sollte sich anderen Zielen widmen. Es war zu einem Spiel zwischen beiden geworden, das manchmal auch recht schwierig für ihn zu erkennen gewesen war. Vor allem, wenn seine Herrin sich der Völlerei und dem Rausch hingab, dann achtete sie nämlich kaum noch auf ihren Sklaven, solange sie ihn nicht selbst zwischen ihren Schenkeln wünschte. Dies waren Abende, an denen Synnover zwar reichlich mit den anderen Gästen plänkelte, aber auf keinen von diesen wirklich einging. Dann waren es die Dunkelelfen, die an Yolintha herantraten, ihr Geld oder Gefälligkeiten für eine Nacht unter den Lenden des schönen Menschen anboten. Ganz gleich aber wie ein solcher Abend verlief, am Ende verbrachte Synnover ihn nie im eigenen Bett.
Dass Zarrah überhaupt nicht auf ihn einging, kränkte ihn fast ein wenig, aber vielleicht war sie sich des Spielens noch nicht bewusst. Vielleicht hatte sie niemand jemals eingeweiht. Wenn Syn sich richtig erinnerte, war die Elfe auch nur selten auf den Festen aufgetreten, auf denen Yolintha für Stimmung gesorgt hatte und wenn, dann wirkte sie wie ein Schatten der Familie. Höflich zwar, aber reserviert. Sie war wie Karrish eher eine Beobachterin aus dem Hintergrund heraus und doch...
Nachdenklich studierte Synnover die Unterhaltung am Tresen, während man ihm auftischte. Er hing seinen Gedanken nach, achtete kaum auf Crystin und ihre Umwerbung durch den Waldelfen. Es kümmerte ihn ohnehin nicht. Solange die Heilerin nicht direkt Hilfe forderte, würde er nicht eingreifen. In einem solchen Fall aber würde er nicht mit weniger Herz agieren als bei Zarrah. Immerhin stand Crystin aktuell über Synnover, jedenfalls wenn es nach dessen Liste einer Rangordnung für Sklaven ging, die offenbar nur für ihn existierte.
Und Razag? Nun, der wusste sich zu amüsieren. Er war eindeutig der ausgelassene Charakter der Gruppe. Er nahm, was kam und das auf orkische Art. Er machte sich dabei keine Gedanken, welche Außenwirkung sein Handeln hätte. Synnover wusste ebenfalls, sich zu amüsieren, aber achtete doch stets immer darauf, den Ruf seiner Herrschaften in keinster Weise zu schädigen. Denn wenn durch sein Verhalten ein schlechtes Licht auf die Nachtklingen fiele, dann fiel es auch auf ihn zurück und er war nicht gewillt für ein paar Stunden Heiterkeit eine Strafe zu kassieren. Auch wenn Karrish oder Yolintha und vermutlich nicht einmal Zarrah ihn ohne Nahrung über Tage in einen Schrank sperrten, bis er fast am Gestank der eigenen Fäkalien erstickte, so hieß das nicht, dass er sich alles erlauben durfte. Viel, aber nicht alles. Er schluckte den letzten Bissen seiner Mahlzeit herunter und seufzte. Sein Blick wanderte zu Razag hoch.
Unbekümmerter, argloser Ork. Manchmal möchte ich doch gern tauschen. Einfach den Verstand ausschalten und die Welt mit gesegneter Dummheit erleben. Syn verzog missbilligend den Mund. Nein. Razag ist nicht dumm. Ein wenig naiv vielleicht und in einem Schachspiel könnte er es gewiss nicht mit mir aufnehmen, aber er weiß seinen Kopf zu benutzen - für einen Ork. Syn musterte die andere Grünhaut, mit der er sich unterhielt. Tuddel, ja der Name klang schon entsetzlich zurückgeblieben. Syn zweifelte keine Sekunde daran, dass Razag auch im trunkenen Zustand noch Tuddel übertrumpfen würde. In Sachen Komik schaffte er es auf jeden Fall und noch mehr. Seine anhaltende Witztirade entlockte Synnover nicht nur ein Grinsen. Bei der Geschichte mit dem Goblin und dem Fisch musste er doch herzlich auflachen. So sehr, dass er sich selbst darüber erschreckte, sich anschließend räusperte und den Lacher mit einem Schluck Wasser herunterspülte. Wasser. Die Bedienung hatte ihm zwar auch schon Wein angeboten bei einer ihrer Runden, doch er hatte abgelehnt. Irgendwie stimmte ihn der Gedanke an das noble Getränk ... unglücklich. Und Syn wollte hier nicht sitzen, um Trübsal zu blasen. Dazu waren Musik und Stimmung zu gut. Als Razag schließlich die halbe Taverne dazu zwang, das Mobiliar für seinen ganz eigenen Tanz neu zu verteilen, da juckten auch dem Kaninchen die Finger. Er ließ seine Arme bestimmt nicht so ausladend schwingen wie der Ork, wollte sich selbst aber ein wenig die Beine vertreten.Was für ein Tanz! So lächerlich und albern! Trotzdem schmunzelte er kurz beim Anblick von Razag und Crystin, die prompt in den Rhythmus mit einfiel.
Er selbst wandte sich dem Tresen zu und wartete dort geduldig auf eine Reaktion seiner Herrin. Dabei schnappte Syn noch einige Worte auf, die Zarrah mit Melvin wechselte. Sie ließen ihn innerlich aufhorchen. Nach außen verzog er allerdings keine Miene. Doch so wie er es verstand, hatten sie Verfolger auf den Fersen. Das würde Zarrah Vorsicht erklären, sowie ihr Drängen, das Lager stets zügig zu verlassen und vor allem, möglichst keine Spuren zurückzulassen. Syn fragte sich, wer ihnen folgen könnte, fand aber keine Antwort. Wenn er oben im Baum saß, um den Himmel zu betrachten, war ihm niemand aufgefallen. Allerdings konnte er von sich auch nicht behaupten, ein besonders pfiffiger Bezwinger der Wildnis zu sein. Noch immer juckte ihm der Hintern vom Umstand, sich nach der Notdurft mit Zweigen und Blättern zu säubern. Er beklagte sich nicht, im Gegenteil. Seine Gefährten würden schon bemerkt haben, dass er im Grunde recht genügsam war und das wirkte doch reichlich widersprüchlich angesichts des Luxus, mit dem er sich so gern umgab. Und das war der Knackpunkt. Synnover wusste, dass es Luxus war. Er wusste, wie hart man für all diese Annehmlichkeiten arbeiten musste. Wie viele Leben er in der Arena hatte auslöschen und mit wie vielen Frauen er hatte schlafen müssen ... und nicht einmal ein prunkvolles Zimmer war ihm vergönnt gewesen nach all der Zeit. Sechs Jahre im Dienst der Nachtklingen und auch er hatte sich immer nur in einem Zuber der Bad für alle waschen müssen. Und nun? Ganz unten... immer noch...
Er beklagte sich nicht. Er würde mit dem zurechtkommen, was man ihm gestattete. Aber er würde auch genug Ehrgeiz entwickeln, auf eine gewisse Stufe zu gelangen. Eine, die seine Bedürfnisse zu befriedigen wusste. Eine Stufe voll Komfort, bei der er dann aber auch genügsam genug wäre, nicht nach mehr zu streben. Niemals hätte er versucht, auf einer Ebene mit Karrish zu sein. Trotzdem kam er jetzt nicht darum herum, zu arbeiten. Und Zarrah war eine Nuss, die er selbst mit dem richtigen Werkzeug nicht knacken konnte. Doch er bekam erste Hilfestellungen. Immerhin schwärmt sie für mich... Ja, das nahm er immer noch an und es festigte sich, als er ihre Reaktion auf seine Anfrage zum Tanzen erhielt. Sie fragte zwar nach einem Grund, weshalb er es nicht vorzog mit den anderen zu tanzen, legte aber ihre schlanken Finger in seine Handfläche und ließ sich von ihm vom Tresen wegführen. Auf dem Weg zur Tanzfläche antwortete Syn ihr natürlich: "Ich halte mich an Euren Wunsch, micht Crystin nicht mehr zu nähern." Razag blieb außen vor. Dass er ein Mann war, zählte nicht. Syn hatte auch oft genug mit Männern getanzt, vor allem, wenn sie betrunken waren und ihn glatt für eine Frau gehalten hatten. Nun, wer konnte es ihnen verübeln? Manchmal war er auch in Kleidern ausstaffiert von Yolintha mitgenommen worden. Oh, all die lüsternen Blick männlicher Dunkelelfen und die neidischen Dolchstiche aus den Augen der weiblichen. Mit einem Lächeln erinnerte er sich daran und wollte dieses Gefühl wieder spüren: Alle Blicke auf sich ziehen, während er tanzte. Zarrah würde ihm dabei helfen.
Es zeigte sich, dass er sie nicht einmal groß überreden brauchte und dass sie eindeutig ebenfalls Erfahrungen im Tanz besaß. Syn hatte sie nie zuvor tanzen gesehen. Als ihre Hand jedoch zielgenau seine Schulter traf, um ihm so klassisch die Führung zu überlassen, bestand kein Zweifel mehr. Sein Blick ruhte einen Moment lang auf ihrem Gesicht, während er es sich herausnahm, die Hand über ihre Schulter und an ihrem Körper entlang bis zur Hüfte wandern zu lassen. Er packte nicht zu. Seine Berührung war sanft. Zarrah würde ihn kaum spüren und das machte es umso verführerischer. Es würde sie dichter an ihn drängen, weil sie einfach mehr fühlen wollen würde!
So standen sie still in Ausgangsposition, ein Tanzpaar wie zwei Puppen auf einer Spieluhr. Sie warteten in ewiger Erwartung darauf, dass die Musik einsetzte. Ihre Blicke trafen sich. Zarrah schaute lauernd hinter einer Maske der Neutralität hervor. Syn erwiderte es seinerseits mit der höflichen Fassade eines aus der Masse an Galanen auserwählten Jünglings.
Nach wildem Applaus für Razags und Crystins Tanzeinlage spielten die Musikanten erneut auf. Das Lied war langsamer, ganz so als ahnten sie bereits, worauf die Dunkelelfe und ihr schöner Sklave hinaus wollten. Trotzdem steckte sofort Leidenschaft in ihrem Tanz, als sie sich umeinander drehten, ohne dabei den Blickkontakt zu verlieren. Syn übte nur wenig, dafür gezielten Druck aus. Er führte Zarrah an seiner Hand und gab ihr winzige Impulse über die Berührung ihrer Hüfte, wann immer aus dem Tanzen eine Drehung oder Änderung der Position zu erwarten war. So wirbelten sich umeinander, schmiegten ihre Leiber so dicht, dass nur noch die Kleidung sie voneinander trennte. In erschreckend aufeinander abgestimmter Darbietung warfen sie ihre Köpfe zur Seite. Dann löste Syn seine Tanzparnterin von sich, streckte den Arm aus und schien sie schon zu den anderen Männern der Taverne entlassen zu wollen. Zarrah durfte sich an dem ausgestreckten Arm in mehreren Drehungen entrollen, eine anziehende Pose einnehmen und dann mit einem sanften Schwung von Syns Hand zu ihm zurückwirbeln. Er hielt sie dicht an sich gepresst, bevor beide mit einem ausgestreckten Bein in die Tiefe gingen, als wollten sie in übertrieben theatralischer Pose einen Kuss austauschen. Doch erneut blieb es nur bei einem Blickkontakt aus scharf gestochenen Augen. Tiefes Grün traf auf sanftes Gras, ehe beide Augenpaare einen gleichfarbigen Reigen hinterließen und der Rest ihrer Körper in die Ausgangsposition zurückkehrte.
Es war ihr erster gemeinsamer Tanz, aber das hätte wohl niemand für möglich gehalten. Sie bewegten sich beinahe schon wie ein Leib. Sie passten sich einander an. Ein Körper verbog sich, wenn der andere sich über ihn beugte und umgekehrt. Sie agierten vollkommen fließend und ließen ihre Fähigkeiten bewundern. Dabei fand zwischen beiden Tänzern eine ganz andere Dynamik statt. In ihren Wechseln aus Position, Wirbeln und Umdrehungen konnten sie sich sogar miteinander unterhalten.
"Geht es hier um meine Entspannung, wie du es nennst, oder um den Schoß des Mädchens, den du beeindrucken willst?" Syn wartete die nächste Pirouette ab, bis Zarrah wieder dicht bei ihm war. Er neigte sein Gesicht dem ihren zu, als wollte er gleich in ihren gestreckten Hals beißen. Tatsächlich aber nutzte er diese Position, um ihr leise zu antworten. "Wär mir ihr Schoß wichtiger als meine Herrin, hätte ich sie zum Tanzen eingeladen." Eine gemeinsamen Drehung erfolgte neuer Blickkontakt. Syn näherte sich, bis seine Stirn Zarrahs berührte. Er hob neckisch einen Mundwinkel an. "Aber Eure Eifersucht ehrt mich, Herrin." Mit diesen Worten entließ er sie wieder an seinem ausgestreckten Arm.
Der Tanz setzte sich fort. Die Leiber schwitzten bereits, denn das ließ sich nicht vermeiden. Wichtig hierbei war es, die Haltung zu bewahren. Außenstehende durften nur die Schönheit ihrer sich biegenden Körper sehen. Sie wurden nicht enttäuscht. Sogar Zarrah wertschätzte es, dass ihre Schwester so viel Mühe in Synnovers Ausbildung auf dieser gesellschaftlichen Ebene gelegt hatte. "Yolintha hat dich gut ausgebildet", lobte sie zwischen den Zeilen. Wieder wartete Syn mit seiner Antwort bis zu einer Pose, in der die Beobachter pure Erotik knistern sehen konnten, wo den beiden Aktiven nicht einmal klar war, ob sie überhaupt existierte. Ihnen war sicherlich auch so warm genug. Dann aber raunte Syn vielversprechend gegen Zarrahs Ohr: "Yolintha hat mich nicht nur auf dem Gebiet des Tanzes zum Meister geschult."
Dann endete es. Die Musik fand ihre letzten Takte zusammen mit einem Wirbel seitens des Kaninchens für seine Herrin. Er ließ sie einen letzten Reigen aufnehmen, ehe beide in ihre Ausgangspositionen zurückkehrten. Die Püppchen auf der Spieluhr fanden zu ihrem Startpunkt zurück. Grün traf auf grün. Syns Brustkorb hob und senkte sich von der Anstrengung des Tanzes und drückte so vollkommen unbewusst gegen jenen von Zarrah. Sein Herz pumpte Blut, seine Muskeln dankten der Auflockerung mit diesem weichen Gefühl von Adrenalin, das sie durch die Adern schickten. Sein Blick glühte, während er auf Zarrah ruhte. Für einen Moment stand die Welt still und es gab nur sie in seinem Sichtfeld. Er betrachtete die Dunkelelfe, ihre glänzende Haut, die silbernen Strähnen ihrer Haare, die Wölbung ihrer Lippen. Syn näherte sich Letzteren, angezogen von ihrer Form. Wie mit den Füßen eines Schmetterling, der nur knapp das Blütenblatt anflog, streifte er sie mit den seinen. Es kam nicht zum Kuss. Im einem letzten Moment der Klarheit besann er sich seiner Umgebung, den Zuschauern und seines Standes gegenüber ihr, die als Nachtklinge in der Öffentlickeit auftrat. Er zog sich zurück, ließ die Lippen ungeküsst mit der sinnlichen Erinnerung an ein Was-hätte-sein-können allein. Dann zog sich auch der Rest seines Körpers zurück. Syn entließ Zarrah, hielt nur noch ihre Hand empor und verneigte sich dabei tief vor ihr. Anschließend ließ er Zarrah gänzlich frei, um sich dem Applaus von außen anzuschließen. Auch er schenkte ihr respektvollen Beifall. Das war üblich. Ebenso wie das Warten, bis die Menge sich beruhigt hatte. Falls Zarrah keine Zugabe geben wollte, der Synnover sich natürlich nicht verweigern würde, führte er sie zu ihrem Tresenplatz zurück und reichte ihr auch den Becher wieder - nicht ohne selbst kurz schelmisch davon zu nippen.
Und erst dann warf er der Bedienung einen so gezielten Blick zu, dass sie ihm nicht ausweichen könnte. Er zwinkerte in einer Weise, die andeutete, dass er sich als loyaler Sklave natürlich erst der Herrin widmen musste, später aber gewiss an ihre Zöpfe denken und sich ihrem Körper widmen würde. Zufrieden mit dem Ausgang zog Syn sich trotz seiner anmutenden Präsenz zurück. Er wartete auf ein neues Glas Wasser und lehnte sich damit in perfekter S-Kurve an den Tresen. Höflicher Abstand zu Zarrah, aber nah genug, um möglichen weiteren Gesprächen lauschen zu können. Vielleicht erfuhr er so noch mehr. Vielleicht wollte nun aber Crystin seinem Charme verfallen. Wie er seiner Herrin bereits mitgeteilt hatte, würde er sich ihr nicht mehr nähern. Das hieß aber nicht, dass er die kleine Heilerin ignorierte. Immer dann, wenn sie Syns Anwesenheit wünschte, war er da. Wenn sie Fragen zum Schnittmuster für die Umnähung des Brautkleides brauchte, war er an ihrer Seite. Aber er hielt Wort und näherte sich ihr ansonsten wirklich nicht mehr. Und Razag? Nun, Syn würde sogar auch mit ihm tanzen. Es wäre ein gutes Training, den schwingenden Armen des Orks auszuweichen, aber auch gegen ein Gespräch hatte er nichts einzuwenden. Vielleicht erzählte der Große ja noch ein paar Witze. Syn hatte immerhin darüber gelacht. Tatsächlich hatte der Tanz mit Zarrah bei ihm mehr bewirkt als er zugeben wollte. Er fühlte sich heiter. Ein wenig ausgelaugt, aber mit neuer, gehobener Stimmung. Und er freute sich darauf, seinen Körper vom Schmutz der Reise und vom Schweiß des Tanzes später waschen zu können. Was danach geschehen sollte ... nun das würde er dann entscheiden. Ihm standen wohlige Stunden bevor, wenn er es denn so wollte.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raz'ulak der Furchtlose » Mittwoch 26. Juli 2023, 09:18

Raz neuer Kumpel Tuddel ließ die Hoffnung des Orks auf ein Bad gleich einer aufsteigenden Seifenblase erschillern.
Baaaaaden!!!
Dieser Ort hier war wirklich ein Traum! Aber noch mehr kleine Träume wollten wohl heute für Raz in Erfüllung gehen, obwohl er nicht mal gewusst hatte, dass er solche hatte. Nicht nur Zarrah erfüllte sein Sehnen nach Flüssigkeit und gewann damit vielleicht mehr Zuneigung, als sie vermutete. Auch Cris ließ Raz Herz erneut höher schlagen, als sie seine Hand nach seinem Solo ergriff und echte Freude in ihr Gesicht einkehrte.
Die Musik war schnell, laut und lustig. Raz war 'etwas' lockerer durch den Alkohol und dem entsprechend auch ein wenig 'furchtloser' noch als sonst. Cris Lachen befeuerte seinen Mut mehr noch als der süße Met es tat. Es war einfach ihren kleinen Leib herum zu wirbeln und seine Hände waren ihr sehr gerne nah. So durfte er sich ihr nähern, ohne denken zu müssen. Er mochte das rhythmische Stampfen, das Klatschen in der Umgebung, aber vor allem dieses leuchtende Augenpaar. Mit Cris zu tanzen machte Spaß! Für ein kleines Weilchen war einfach alles perfekt.
Aber jeder Tanz endete und so zog er sich wieder aus ihrer wärmenden Aura zurück, verbeugte sich tief, wie ein Galan und lachte schallend.
„Das war guuut...Hahaha.“
Dann spielten die Musikanten ein paar erste langsamere Takte und Raz sah kurz etwas irritiert zu ihnen hin. Der Wechsel in der Musik beeinflusste auch sein Denken und er sah kurz versonnen zu seinem Rammellappen und zog einen Mundwinkel hoch, als er ihn mit Zarrah zusammen sah.
Sie harmonieren besser, als sie beide es wissen...
Und damit meinte er nicht den nahezu perfekten Reigen, den die beiden da zu den ersten langsamen Klängen hin legten. Für Razag waren sie einfach ein schönes Paar. Noch etwas außer Atem aber zufrieden sah er wieder nach vorne als Cris sich räusperte und fragte:
„Willst… also… willst du… noch mal, Razag?“
So kam es zögernd zu den ersten Klängen eines Tanzes, der deutlich mehr Körperkontakt voraussetzte zwischen ihren Lippen hervor. Raz sah kurz zu Syn und Zarrah die diese Frage bereits geklärt hatten und sich in enger Haltung zueinander im Takt wiegten. Raz sah auch den eifersüchtigen Blick des Schankmädchens und dann den von Bentin. Diesen hielt er einen Moment länger und runzelte die Stirn. Bentin jedoch brodelte und stierte den Ork mit giftigem Blick an. Hier bahnten sich gleich zwei Probleme an.
Raz neigte seinen Kopf zu Cris Wange und flüsterte:
„Da hinten steht ein Elf, der es mir echt übel nimmt, dass ich hier bei dir stehe. Wenn du lieber mit ihm tanzen willst, dann sag es frei heraus. Dann zieh ich mich zurück... aber wenn ich um dich kämpf... also du dich bei mir wohler fühlst, dann reicht mir ein Nicken.“
Einen Moment sah er Cris in die nahen blauen Augen, die ihn jedes Mal mit einer tiefen Ruhe erfüllten wie das dunkle Blau des Ozeans. Der Ork wartete aber nicht lange, denn das hier durfte nicht eskalieren. Also raunte er noch leise:
„Krieg bitte keinen Schreck...“
Er zwinkerte ihr zu. Dann hob er die kleine Heilerin hoch und setzte sie auf seinem Unterarm ab. Das hatte gleich zwei Vorteile. Der erste war der Ausgleich des doch gewaltigen Größenverhältnisses beim Tanzen. Beim schnellen Tanz war es einfach gewesen, denn da 'kuschelte' man sich nicht oft aneinander. Aber bei langsameren Schritten, da war es hilfreich und harmonischer, wenn das Paar ungefähr gleich groß war und die Dame sich nicht an den oberen Rippenbogen ihres Partners schmiegen musste. Raz kompensierte also kurzerhand und durchaus etwas forscher den Größenunterschied, in dem er Cris einfach in den Arm nahm. So konnte sie sich auch an seine Schulter lehnen, seinen Hals umfassen und auch wenn ihre Füße in der Luft baumelten, so übernahm Raz das Schunkeln im Takt.
„Hey, Bentin.“
, rief Raz nur etwas lauter, aber war sich sicher, dass der Elf ihn in jedem Fall hören würde.
„Schau nicht so giftig. Sie hat mich gefragt, nicht ich sie. Es ist ihre Wahl.“
Das war der zweite Vorteil Cris im Arm zu halten. Raz unterbewusste Beschützerinstinkt brachte Cris aus der Reichweite der Konkurrenz. Aber um ganz ehrlich zu sein, gab es auch noch einen dritten Vorteil und der ging sehr viel tiefer.
Bombom...Bombom...
Razags Herz schlug stark und warm gegen seine Brust, als würde es versuchen damit das kleinere zu erreichen. Cris so nah bei sich zu haben fühlte sich einfach gut und richtig an. Auch wenn er sich immernoch nicht sicher war, ob sie ihn wirklich gewählt hatte, er genoss diesen einen kleinen Moment, da er sich taumelnd im Takt der Musik dieser Illusion hin geben konnte. Sollte es selbst nur für diesen einen Tanz sein. Vielleicht war es gleich vorbei, weil er wieder mal alles falsch gedeutet hatte. Vielleicht war er viel zu betrunken... so sehr eigentlich noch nicht, denn tanzen ging ja noch. Vielleicht bat sie ihn aber auch gleich sie wieder runter zu lassen. Vielleicht war der Elf dümmer als jeder Ork und griff ihn an, oder sonst etwas unvorhergesehenes geschah. Er konnte nicht in die Zukunft sehen und wollte es auch nicht. Diese eine Sekunde lang gehörte er ihr. Sie hatte ihn nicht erobert, keine Keule geschenkt, aber doch wollte Raz'ulak diesen einen Moment glauben, dass die kleine Heilerin nur ihn wollte.
Wenigstens... einen Tanz lang.
Danach würde gewiss wieder alles sein wie vorher. Razag seufzte und schnupperte unbewusst an Cris Haar, während seine Beine ihrer beider Körper schaukelten. Einen Herzschlag lang schloss er die Augen....wenn das kein Fehler war. Aber sie roch so gut nach Wald und Erde, ein wenig Schweiß und vor allem nach ihr. Sie hatten alle noch kein Bad nehmen können, also trugen sie die Erinnerungen ihrer Reise in Form von Duftnoten bei sich. Noten die sich mit der Musik vermischten und Razag träumen ließen... träumen von fernen friedlichen Ufern, dem Klang der Wellen, von einem kleinen Lagerfeuer am Strand zwischen Palmen, an dem Cris seinen Fang zubereitete...
Raz träumte einfach ...sogar recht schlicht. Er hatte keinen großen Wünsche. Ihm reichte es auch diese kleine Frau, die gerade dabei war ihre Stärke wieder zu finden, einfach nur im Arm zu halten. Ihre Nähe zähmte die blutrünstige Bestie in ihm.

Doch auch dieser Tanz endete. Viel zu schnell waren all die kleinen Herzschläge durch den Zeitensand verronnen und Raz sah aus dem Augenwinkel, wie Syn und Zarrah die Tanzfläche verließen und gen Tresen strebten.
„Muss... ähm... soll ich dich wieder absetzen?“
Ich könnt dich auch dein Leben lang auf Händen tragen.
Es lag an Cris Reaktion, wie es nun weiter ging und ihre Nähe hatte den Ork sogar das wichtigste für jene süßen Minuten vergessen lassen... das Baden.
Im Moment gab es nur sie.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 26. Juli 2023, 23:11

Es war gar keine Frage, dass man dem Ork den Platz freiräumte, damit er seine Ausgelassenheit zur Schau stellen konnte. Es musste eine seltsame Wohltat für die Seele sein, wenn man einmal vollkommen losgelöst tun und lassen konnte, wonach einem wirklich war. Dass Zarrah keine Peitsche zückte, um den ‚verrückt gewordenen‘ Ork wieder zur Raison zu rufen, grenzte an ein Wunder. Oder war sie abgelenkt? Wie auch immer. Sie zahlte die Zeche und Razag hatte vor, die Zeche zum Bersten zu kriegen. Vielleicht musste die hübsche Dunkelelfe irgendwann mal die Beine breit machen, um die Rechnung zu zahlen. Doch das waren offenbar Gedankenmuster, die nach Morgeria passten – scheinbar aber nicht in ihre neue Welt. Hier durfte er lachen, Witze erzählen und … tanzen. Razag offenbarte da ein solch mitreißendes Gemüt, dass er bejubelt und begrölt wurde, während er seine Arme und Hüften schwang. Und noch etwas hatte sich geändert: Crystin ließ sich zusätzlich entflammen, um es ihm gleichzutun, nachdem er sie aufgefordert hatte. Was war die Welt doch wundervoll! Razag jedenfalls konnte kaum glauben, dass die kleine Heilerin sich ihm anschloss und seine Eigenart zu tanzen imitierte. Und sie tat es gewiss nicht, um sich lustig zu machen! Nein, sie fand Gefallen daran und wirkte ausgelassen wie nie. Sie kannten einander noch nicht sonderlich lange und gut, aber Razag durfte es sich ganz allein auf die Seele schreiben, dass er die sonst so schüchterne Braunhaarige dazu bekam, sich einfach auch mal der Musik hinzugeben. Und sie zierte sich nicht, als seine Pranken ihre Hüften packten, um sie zu drehen oder etwas hochzuheben. Sie fasste beherzt zu, wenn er sie in einer offenen Promenade schwingen ließ und sie zu ihm zurückkehrte. Die rauen Vierzehn unterstrichen die laute Musik dabei mit ihrem eigenen Rhythmus. Auch Tuddel stand am Rand und beobachtete das Treiben mit lachenden Augen und einem kräftigen Händeschlagen. Hin und wieder stampfte er mit dem Fuß auf. Razag konnte erkennen, dass er Tuddel beeindruckt. Dass seine Lebensfreude dem anderen Ork offenbar etwas klarmachte. Wozu verstecken, wer man war? Warum nicht sein, wie man ist…

Etwas, was nicht immer sein konnte, wie es war, fand gerade auf der Tanzfläche zusammen als die fröhliche Musik ausklang und sich alle jubelnd bedankten, dass sie das hatten erleben dürfen. Während Razag und Crystin etwas außer Atem waren und einen Moment brauchten, bezogen ganz andere Gefilde Aufstellung. Dabei war keinem der beiden bewusst, wie sie auf die Außenstehenden wirken mussten. Razag’s Gedanken spiegelten sich auch hier und dort in anderen Blicken wider. Synnover und Zarrah harmonierten. Nicht offensichtlich, nicht erkennbar für die jeweils grünen Augen, aber sie passten auf der Tanzfläche zusammen. Die Musiker waren versiert und ahnten voraus, dass nun etwas anderes an Tönen nötig wurde. So setzten sie an und spielten ein musikalisch interessantes Stück. Auch jenes wusste die Menge zu verzaubern. Aber auf einer anderen Ebene, wie die, die eben noch für Heiterkeit sorgte. Schon bevor Synnover den ersten Schritt getan hatte, hatten er und seine Partnerin die Augen der Umstehenden für sich gewonnen. Allein die Haltung beider zeugte von Können und… etwas anderem, das sich nicht recht deuten ließ. Sie waren einfach ein Hingucker. Und sie wussten zu betören. Deutlich ruhiger war es geworden im gejagten Eber und es war nun Syn, der seine Beute erlegen wollte. Endlich ließ sie sich hinreißen, ihm näherzukommen. Und Zarrah war ihm verdammt nahe. Keine Scheu, kein tadelnder Blick. Zarrah berührte Syn ohne Umschweife, ließ sich ihrerseits von ihm anfassen, wo er es wollte und nach wenigen Takten und einem anfänglichen Beschnuppern, waren sie in der Musik und ihrem Tanz gefangen. Synnover verstand seine Kunst hervorragend. Es hatte ihn einige Rohrstockschläge gekostet, einige Stunden Blut und Schweiß, doch es zahlte sich wohl in jenem Moment aus. Endlich konnte er Zarrah zeigen, was sie sich seit langen Tagen und Nächten entgehen ließ. Die Elfe wurde Wachs in seinen Händen.
Ließ sich führen, drehen und wirbeln, wie es ihm schmeckte. Sie zögerte nicht seinem Befehl zu gehorchen, wusste sich zu biegen und zu drehen. Ihre Haltung war makellos. Immer wieder präsentierte sie ihren schlanken Hals, der Lippen zum Verweilen locken wollte. Sie schenkte Synnover ein Feuer in ihren Augen, die sonst so kühl und neutral sein konnten. Da war etwas, was er bei ihr bisher nicht vermutet hatte: Leidenschaft. Oh, auch Zarrah schien welche zu besitzen. Andernfalls konnte man SO nicht tanzen. Immer wieder stieß er sie in dramaturgischer Manier von sich, nur um sie im letzten Moment einzufangen und doch zurückzuholen. Sie presste ihren Körper gegen den seinen, hob ihr Bein, das er mit seiner Hand halten musste und fuhr mit ihrer Hand über seine linke Gesichtshälfte. Beinahe sah es so aus, als ob ihre Lippen sich berühren würden, dann drehte er sie wieder und löschte den knisternden Moment mit Wind. Ihre Körper begangen zu schimmern. Die Intensität dieses Tanzes erhitzte die Räumlichkeiten und schien sogar das Feuer erröten zu lassen. Und wo die Augen auf das tanzende Paar ruhten, bahnte sich am Rande etwas anderes an.

Crystin war noch immer beflügelt von dem Adrenalin und die Leidenschaft, die sich gerade zwischen Synnover und Zarrah zu manifestieren schien, regte ihren Mut an. So fragte sie Razag, ob er nicht auch noch mal einen Tanz mit ihr wagen wollte. „Da hinten steht ein Elf, der es mir echt übelnimmt, dass ich hier bei dir stehe. Wenn du lieber mit ihm tanzen willst, dann sag es frei heraus. Dann zieh ich mich zurück... aber wenn ich um dich kämpf... also du dich bei mir wohler fühlst, dann reicht mir ein Nicken.“, raunte er ihr zu und Crys folgte seinem Hinweis. Sie entdeckte Bentin und runzelte die Stirn. Dann sah sie zu Razag zurück und schenkte ihm den blauen Blick, der ihn zur Ruhe bringen wusste. Sie lächelte ihn ehrlich an. Und noch bevor sie etwas anderes erwidern konnte, hatte Razag verstanden. Er hob sie hoch und sie sah überrascht auf, ehe sie sich lachend an seinen starken Schultern festhielt. Die Musik versprach Leidenschaft, aber Razag und Crystin machten ihren eigenen Takt. Und vergaßen den Rest um sich herum. Zumindest die Heilerin. Razag wollte jedoch nicht, dass hier noch etwas die Ausgelassenheit störte, sodass er zum Angriff blies: „Hey, Bentin. Schau nicht so giftig. Sie hat mich gefragt, nicht ich sie. Es ist ihre Wahl.“ Der Elf schnaubte beleidigt und stampfte an den Tanzenden vorbei und hinaus. „Brauch‘ frische Luft!“, schnauzte er noch und knallte die Tür zu. Fort das Problem. Aber Razag wurde ohnehin soeben von etwas ganz anderem eingefangen. Etwas, das wohl auch zu einem Problem werden konnte… für sein Herz. Die strahlenden Augen von Crystin wussten seinen Blick zu halten. Sie sah ihn an, so dicht wie er sie bei sich hielt und lächelte einfach nur. Sie war weich und anschmiegsam, dabei hatte sie gar keinen Alkohol getrunken. Sie brauchte das wohl nicht. In ihr schlummerte sehr viel mehr Mut, als man bisher hatte vermuten können. Oh, wie warm war ihr Körper in seinen Armen. Razag schunkelte und versank im Blick von Crys. Und dann geschah etwas, was der Ork nicht für möglich gehalten hatte. Vielleicht lags aber auch nur am Alkohol und er bildete es sich ein? Nein… Da sank ihr Kopf vor und schmiegte sich unterhalb seines Kinns an seine Brust. Crystin ließ sich von ihm sanft schunkeln und genoss es ganz offensichtlich. Und Razag? Er durfte den eigenen Duft der Menschenfrau aufsaugen und für sich abspeichern. Sie roch für ihn nach Freiheit. Nach etwas, was er sich vielleicht erträumte. Was sie schon von Anfang an für ihn ausgemacht hatte. Schon im Bad hatte er sich zu ihr hingezogen gefühlt und nun lag sie in seinen starken Armen und… „Ich fühle mich wohl bei dir, Razag!“, gestand sie ihm leise und trotz der lauten Musik gut hörbar für die grünen Ohren. Sie schickte ihn ins Land der Träume… Wie sie gemeinsam am Strand lebten… sie seine Mahlzeit zubereitete, mit nichts als einem Baströckchen und einem Blätterbüstenhalter bekleidet. Der salzige Wind fuhr durch ihr langes, braunes Haar… Oh, wie schön konnte Freiheit aussehen!

Vielleicht war es auch das, was Synnover und Zarrah dazu veranlassten, alles um sich herum auszublenden. Nun… vermutlich nicht alles. Syn war es gewohnt seine Wirkung zu entfalten und dabei genau auf sein Publikum zu achten. Mit Zarrah’lindae hatte er genau die richtige Wahl getroffen, sein Können zu beweisen. Nicht nur ihr. Allen. Und er vollführte diese Darbietung nur vordergründig für Zarrah: "Wär mir ihr Schoß wichtiger als meine Herrin, hätte ich sie zum Tanzen eingeladen.", antwortete er ihr auf ihre Frage. Sie blitzte ihn an. Oh, sie kannte die Wahrheit. Ließ sie sich denn gar nicht von ihm verführen? Aber sie war ihm doch längst verfallen, nicht wahr? "Aber Eure Eifersucht ehrt mich, Herrin.", raunte er noch und entließ sie wieder aus seiner Nähe. Zarrah drehte sich um sich selbst, machte eine dramatische Pose und wurde von den flinken Händen des Kaninchens wieder eingefangen. Er drehte sie, während sie die Arme nach oben reckte und ihn ihren schlanken Körper anfassen ließ. Syn konnte spüren, dass dieser Leib nicht so steif, wie seine Besitzerin war. Es fühlte sich gut an, verheißungsvoll, wenn man sich von der Leidenschaft des Tanzens beflügeln lassen wollte. Fantasie regte der Tanz nicht nur bei den Tanzenden an. Einige Wangen waren rosig geworden. Manch Blick über den Rand des Getränks hinweg zogen die Dunkelelfe regelrecht aus, während die Schankmaid nur noch Augen für Synnover hatte. Ihre Lippen waren geöffnet. Sie wirkte erregt, denn ihr Busen hob und senkte sich. Ein Lob seitens der Elfe schaffte Raum für weitere Interpretation der Umstehenden. Zarrah lehnte sich gegen Synnover’s Brust mit dem Rücken und drückte ihre Kehrseite gegen das, was so viele Frauen begehrten. Er neigte sich vor und raunte: "Yolintha hat mich nicht nur auf dem Gebiet des Tanzes zum Meister geschult.", er glitt mit seinen Händen über ihre Taillen und wanderte weiter nach vorn, ehe sie sich kraftvoll drehte und somit nur die Ahnung einer unsittlichen Berührung zurückließ. Sie fanden sich in ihrer Ausgangsposition ein und allmählig klangen die letzten Töne des Stücks an. „Die großen Verführungskünste, des weißen Kaninchens. Dein Ruf eilt dir voraus.“, bemerkte Zarrah mit einer Gelassenheit, die ihn stutzen lassen könnte. Doch er sah es vielleicht aus Kompliment und als Zugeständnis. Für einen Moment standen sie in der letzten Position einander gegenüber und hechelten sich leicht die Anstrengung des Tanzes auf die jeweiligen Lippen. Grün blickte in Grün und hielten sich aneinander fest. Dann neigte er sich vor, um das sanfte Schimmern ihrer Lippen mit den seinen zu verbinden. Sie hielt still, doch Syn besann sich rechtzeitig. Höflich wie sie sich präsentieren konnte, neigte sie den Kopf etwas, während Applaus aufbrandete und sogar Pfiffe und Rufe den Tanzenden schmeichelten.
So wie Razag und Crystin bejubelt wurden, wurden es auch Syn und Zarrah. Die Dunkelelfe aber trat im Jubel noch mal an Syn heran und engte für einen Moment die Augen. „Es hat funktioniert.“, meinte sie schlicht und gab dann, wie rein zufällig, den Blick auf das Mädchen frei. Jene hätte Synnover wohl direkt besprungen, so wie sie glühte. Ihren Schoß hatte sie durchaus angefeuchtet und ohne auch nur einmal Haut berührt zu haben, vorbereitet. Jetzt aber führte er seine Herrin zu ihrem Platz, was sie zuließ. Sie war in dieser Welt großgeworden und kannte sich aus. Während Syn ihren Becher mit seinen Lippen benetzte und ihr dann wiedergab, löste sich langsam das feiernde Völkchen auf. Einige brauchten nach den Darbietungen frische Luft und so wurde die Tür geöffnet, die Bentin bereits zerknirscht zugeworfen hatte und ein schwall kalter Waldluft flutete den Raum. Zarrah aber trank ohne Umschweife aus ihrem Becher und lächelte dann sogar leicht. Dann erhob sie sich und sah zu Razag und Crystin, die sich gerade etwas in ihre Nähe schoben. Sie bedachte jeden von ihnen mit einem Blick. „Macht nicht zu lange. Wir werden hier nicht ewig Ruhe finden.“, sagte sie und nickte ihnen zu. Für Zarrah war dieser Abend beendet. Für die drei anderen aber, musste das nicht gelten. Während die Dunkle mit schwingenden Hüften die Treppe nach oben nahm, hatten Razag und Syn, gemeinsam mit Crystin und einigen der ‚rauen Vierzehn‘ noch Zeit, um ein Bisschen zu plaudern, noch etwas zu Tanzen oder aber nochmal etwas zu essen. Nach und nach aber verloren sich hier und dort die Bewohner des gejagten Ebers und auch das Feuer brannte ein wenig hinunter. Irgendwann verabschiedeten sich auch die Musiker und der Schankraum lichtete sich. Einzig Tuddel, unterhielt sich noch angeregter als am Anfang mit einem der beiden Zwerge. Und das Mädchen, Jasmina, säuberte hier und dort die Tische, die nicht mehr gebraucht wurden. Irgendwann verabschiedete sich Crystin auch von den beiden Männern. „Es war ein wundervoller Abend, Razag… Danke!“, lächelte sie ihm entgegen und hatte leicht rosige Wangen. Dann ging sie leise die Melodie ihres Tanzes summend, ebenfalls nach oben. Razag und Synnover hatten die Möglichkeit sich bei einem weiteren, letzten Getränk, noch etwas zu unterhalten oder aber auch schlafen zu gehen.
Und Jasmina? Die schloss die Bar und blitzte Synnover vielsagend an. Sie erwartete ihn heute Nacht noch bei sich. Er hatte es ‚versprochen‘. So klickte ihre Tür nur einmal, ehe es um Razag und Syn ruhiger geworden war. Tuddel verlor sich irgendwann in einem sanften Schnarchen. Der Ork hatte deutlich zu viel getrunken und war, Kopf auf dem Tisch, eingepennt. Bentin war gar nicht mehr zusehen gewesen und Melvin wies die beiden an, sobald sie gingen, noch mal das Feuer mit ein – oder zwei Scheiten zu versehen, damit es nicht gänzlich erlosch. Dann waren sie unter sich.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Donnerstag 27. Juli 2023, 11:08

Applaus brandete wie ein Rauschen von Meereswellen auf, die Synnover nicht kannte. Trotzdem erreichte das Geräusch sein Bewusstsein, überschwemmte seine Wahrnehmung und löste den Klang seines eigenen wild schlagenden Herzens in Verbindung mit der rhythmisch passenden Atmung ab. Er hatte alles um sich herum vergessen. Ihm war weder die zweite Tanzeinlage von Razag und Crystin aufgefallen, noch dass die Heilerin sich zum Ende hin liebevoll an die breite Brust seines großen Kumpels schmiegte. Er hatte auch nicht Bentins impulsiven Abflug bemerkt oder wie oft die Barbedienung Jasmina ihn bei jeder seiner gebogenen Bewegungen angehimmelt hatte. Oder dass sie Zarrah am liebsten mit Blicken erdolcht hätte, um ihren Platz einnehmen zu können. Selbst unter Melvins Männern schien es das eine oder andere Raubein zu geben, das sich für den drahtigen Kaninchenkörper begeistern könnte. Durch seine schlanke Statur machte er auf viele hier einen fast schon femininen Eindruck, was die glatte Haut und sein schöner Blick nur unterstrichen. Letzten hatte Syn aber aktuell nur für Zarrah übrig. Er hielt sie noch immer, starrte sie an und wartete darauf, dass seine Atmung sich von der Anstrengung des Tanzes beruhigte. Er versank in ihrem Grün, vergaß für einen Moment, wer sie war und wer er selbst. Er neigte sich ihren Lippen entgegen ... und hörte das Rauschen klatschender Hände, den Jubel und die Anerkennung der Zuschauer. Er badete darin. Warum nur spürte er sich dadurch plötzlich gestört?
"Es hat funktioniert."
Wie von einem Donner aufgeschreckt zuckten Syns Pupillen und schon huschte ein Blitzen über seine Iriden. Zarrah neigte sich ein Stück von ihm weg, so dass seine neu gewonnene, freie Sicht geradewegs auf die schwarzen Zöpfe und den bebebenden Busen der Bedienung fiel. Synnovers Züge glätteten sich, verliehen ihm einen ernsten Ausdruck, der mehr irgendwie nach Distanz schrie. Dann aber nickte er leicht und beim nächsten Wimpernschlag, den er Zarrah schenkte, war die lächelnde Maske zurück. "Natürlich hat es das, Herrin. Ich weiß, was ich tue." Er hatte ihren unausgesprochenen Segen erhalten ... oder ihre Order. Heute Nacht würde die willige Bedienung unter seinen Stößen erbeben, unter seinen Fingern schmelzen und seinen Namen als sinnlich gehauchten Zauberspruch den Göttern darbieten.
Darauf musste er sich mental offenbar vorbereiten. Es gab keinen zweiten Tanz für Synnover. Angebote wies er höflich zurück und hielt sich nun eher als schöne Dekoration am Tresen auf. Er trank, aber nicht viel und vor allem ausschließlich Wasser. Auch auf eine weitere Mahlzeit verzichtete er. Das Kaninchen brauchte einen munteren Körper heute Nacht, keinen von Trägheit geblähten Bauch. Er beobachtete die feierlaunige Meute wie ein Außenstehender. Kam aber die Bedienung, die sich ihm beiläufig auch mal als Jasmina vorstellte, zu ihm, hatte er stets ein Lächeln für sie übrig. Nachdem sie sich ihm vorgestellt hatte, erwiderte er: "Mich kennt man als das weiße Kaninchen ... außer mein Kumpel Raz. Der nennt mich den Rammler ... aus welchen Gründen auch immer." Es steckte immer nur ein Körnchen Wahrheit in seinen Worten. Er würde sich nicht als Lappen bezeichnen, auch wenn er Razag bislang nicht daran gehindert hatte, diesen Spitznamen für ihn zu verwenden. In der Öffentlichkeit unterstrich Syn lieber seine Vorteile und so erwiderte er auf eine flüchtige Andeutung Jasminas hin, ob sie und er auch kurz das Tanzbein schwingen sollten: "Ich möchte meine Kräfte lieber für heute Nacht aufsparen." Ein Funkeln seiner grünen Augen und eine gespielte Verlegenheit brachten ihren Schoß gewiss noch einmal zum Dahinströmen. Syn kannte es. Sie war nicht anders als die dunkelelfischen Frauen, denen er sich hingab. Sie alle lechzten nach seinem hellen Fleisch, seiner zarten Haut und seiner strammen Mannhaftigkeit, mit denen er sie beglückte. Sie sahen in ihm nur das und würden Tage danach noch Sehnsucht nach ihm haben, wo Syn bereits über einem anderen zappelnden Körper lag und die Vergangenen längst vergessen hätte. Dass auch Jasmina nur eine von vielen sein sollte, bestätigte sich Zarrah wenig später.
"Macht nicht zu lange. Wir werden hier nicht ewig Ruhe finden." Dann zog sie sich zurück. Syn verfolgte ihren schwingenden Gang die Treppe empor. Die Formulierung war seltsam. Er dachte an die Gesprächsfetzen zwischen ihr und Melvin, die er Stunden zuvor noch hatte aufschnappen können. Sie scheint Verfolger bereits zu erwarten und die werden gewiss für Unruhen sorgen. Da war er ganz froh, auf Alkohol verzichtet zu haben. Hoffentlich gäbe es mit Razag kein Problem, der Ork war gut angeheitert. Könnte er in diesem Zustand kämpfen, wenn es nötig würde? Syn hob seine linke Hand, ballte sie locker zu Faust und fühlte minimal das Kribbeln in seinen Fingern. Es erinnerte ihn daran, dass auch er keine Höchstleistungen erbringen konnte. Da halfen auch die ausgelassene Stimmung oder Erholung zwischen den Schenkeln einer Frau nicht. Der Heilungsprozess benötigte mehr Zeit, wenn es überhaupt Heilung für ihn gab ... auf natürlichem Wege. Crystin wäre gewiss in der Lage, seine Hand wieder zu dem zu machen, was sie vorher war. Dann könnte er auch seinen Zauber wieder einsetzen.
Seine Augen wanderten über die Szenerie. Die kleine Heilerin amüsierte sich und dem Kaninchen fiel das Strahlen auf, jedes Mal, wenn sie Razag entgegen blickte. Sie lächelte viel offener, viel häufiger unter dem Schirm seiner Aufmerksamkeit. Selbst als Synnover sie bis zu ihrer Bereitwilligkeit verführt hatte, sich ihm widerstandslos hingeben zu wollen, hatte sie ihm kein solches Lächeln geschenkt. Er kannte es nicht. Er kannte nur die lüsternen Blicke, die über seinen Leib wanderten. Er warf Crystin keinen solchen nach, als sie sich bei Razag für den Abend bedankte und nun ebenfalls die oberen Etagen aufsuchte. Die Männer blieben zurück.
Die Taverne leerte sich mit dem Fortschreiten der Zeit. Einer der rauen Vierzehn erhob sich von seinem Tisch, verabschiedete sich von seiner Runde und machte sich dann aber zum Tresen auf. Ohne um Erlaubnis zu bitten, klopfte er Syn auf die Schulter, zog ihn dichter heran und hauchte ihm seine Alkoholfahne ins Gesicht. "Falls dir Jasmina nicht zusagt und du offen für andere Erfahrungen bist, weißer Tänzer..." Er schenkte Syn einen besonders betrunkenen Ausdruck des Begehrens und leckte sich die Lippen. Syn ließ seinen Blick an der Gestalt des Mannes entlang wandern, verharrte besonders lang auf dessen Schritt - er wusste, dass die auf Anklang fand - und kehrte zu dessen Augen zurück. "Meine Herrin entscheidet, nicht ich", erwiderte er. Dabei legte er besonderes Bedauern in seine Stimme, ganz so, als würde er sofort jede Frau in den Wind schießen, um sich stattdessen einem versoffenen feisten Raubein wie diesem hier anbieten zu dürfen. Um den armen Tropf nicht voll Enttäuschung zurückzulassen, hob Syn seine Hand und streichelte ihm die Wange. "Aber sicher gestattet sie uns, zu träumen", entließ er den Mann. Danach befüllte Syn sich noch einmal einen ganzen Becher mit Wasser und trank ihn in zwei ausladenden Zügen. Ein Sklave zu sein, war nicht leicht.
Wenigstens hatte der lüsterne Geselle ihn an etwas erinnert. Syn löste sich vom Tresen und blickte zu Razag herüber. "Es wurde doch ein Zimmer mit Badezuber erwähnt. Ich muss frisch sein für alles, was noch kommen mag heute Nacht." Er machte eine Pause, um die Informationen zwischen den Zeilen sacken lassen zu können. Syn hatte keine Zweifel mehr daran, dass Razag sie nicht verstehen würde. Er war nicht so dumm wie beispielsweise der schnarchende Tuddel in der Ecke. "Du solltest dich auch waschen, Kumpel. Komm doch mit. Du kannst mir Witze erzählen, bis ich fertig bin."
Eine Einladung zum gemeinsamen Baden? Ein indirektes Lob für Razags Komikerkünste? Offenbar freute das Kaninchen sich wahrlich darauf, zwischen Jasminas Schenkeln versinken zu dürfen. Er wirkte beflügelt und hielt sogar noch einmal auf der Treppe an, um einen Wink in den Schrankraum und die letzten verbliebenen Feierleichen zu werfen. "Gute Nacht, ihr rauen Vierzehn. Im Namen meiner Herrin danke ich für den erquickenden Abend!" Er neigte den Kopf und wandte sich dann nach oben. Das, was ihn gerade am meisten die Freude ins Herz trieb, war ausnahmweise wirklich ein Zuber.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raz'ulak der Furchtlose » Samstag 29. Juli 2023, 10:47

Oh, wie warm ihr Körper ist...
Razag schunkelte und versank im Blick von Crys. Und dann geschah etwas, was der Ork nicht für möglich gehalten hatte. Vielleicht lag es aber auch nur am Alkohol und er bildete es sich ein? Nein… Da sank ihr Kopf vor und schmiegte sich unterhalb seines Kinns an seine Brust. Raz Augen weiteten sich vor Erstaunen.
Passiert das gerade wirklich?
Die Vermutung, dass er einfach zu viel getrunken hatte und am Tisch eingeschlafen war, kam ihn auch noch in den Sinn, aber dafür fühlte sich das irgendwie zu real an.
Träume ich?
Seine kleine süße Heilerin saß auf seinem Unterarm und hatte die Beine quasi um ihn geschlungen, die Arme um seine Schultern gelegt und schmiegte sich an seine Brust? Crystin ließ sich von ihm sanft schunkeln und genoss es ganz offensichtlich.
Sie genießt es ! SIE GENIESST ES!!!
Er war hin und weg! Sie war so nah! Er durfte den eigenen Duft der Menschenfrau aufsaugen und für sich abspeichern. Wie die Männer im Trüffelkeiler-Clan würde er seine 'Bache' immer wieder finden! Doch das hier ging weit über hintergründig abgespeicherte Informationen hinaus. Sie roch für ihn nach Freiheit, etwas was sie schon von Anfang an für ihn ausgemacht hatte. Schon im Bad hatte er sich zu ihr hingezogen gefühlt. Schon damals hatte sie keine Angst vor ihm gezeigt, was ihm schwer imponiert hatte und nun lag sie in seinen starken Armen und...
„Ich fühle mich wohl bei dir, Razag!“
, gestand sie ihm leise und trotz der lauten Musik gut hörbar für die grünen Ohren, die bei den zarten Worten heftig zuckten. Sie schickte ihn ins Land der Träume…
Ich muss träumen … Woow! …
Razags Mundwinkel hob sich langsam immer weiter, bis er strahlte wie besagtes Honigkuchenpferd.
In meiner Welt ist alles schön!
Ein unglaubliches Gefühl von Stolz, dass sie ihn gewählt htte, tiefer Zuneigung und Wärme flutete seine Brust und … bescherte ihm echtes HERZKLOPFEN!
Bodom! BodoMM BODOMMM!
Wollte dieses verrückt gewordene Organ etwa aus seiner Brust hüpfen? Es hielt sich auch nicht an den Takt der Musik, sondern wurde deutlich schneller. Oder war er vielleicht krank? Fast hätte er sich an sein hämmerndes Herz gegriffen, aber da lag ja schon Cris. Unbemerkt von Cris, mit seinem freien Arm den Daumen hoch präsentierend, sah er kurz zu Syn und strahlte über beide Ohren. Syn sah es leider nicht, aber das war nicht schlimm. Raz fast dümmliches Grinsen über sein eigenes Glück wurde milder, als er die beiden anderen Tänzer betrachtete und dachte:
Sie harmonieren wirklich schön und ganz schön ...leidenschaftlich! Holladiewaldfee! Was ne Drehung!
Tanzen konnten die beiden wirtlich gut. Aber Raz konnte es nur am Rande genießen ihnen zuzusehen, denn immer wieder kitzelte Cris Haar sein Kinn und irgendwann gab er ihrem Drängen nach, neigte den Kopf und schmiegte vorsichtig sein Kinn an ihren Schopf.
...so weich...
Raz schloss die Augen.
...nur einen Moment gönne ich mir diesen Traum! Einen Moment...
Doch da wurde es auch schon leiser. Die Musikanten hatten aufgehört zu spielen und ganz plötzlich war der Schankraum auch irgendwie leerer. Cris saß auch nicht mehr in seinen Armen und er selbst auf einer Bank. Vor ihm stand ein letzter Krug Met. Irgendwann musste er sie wohl doch runter gelassen haben.
...oder ich hab das wirklich nur geräumt. Ja, das wird es sein.
Also trank er noch einen Zug und erfreute sich an der Gesellschaft und grinste auch ein paar mal Tudelius zu, dem wohl sein Auftreten irgendwie imponiert hatte. Raz brauchte einen Moment um diesen Blick zu deuten, aber zuckte dann mit den Schultern.
„Das Leben ist zu kurz um es nicht in Wahrheit zu leben... meine ich.“
Sich immer zu verstellen war anstrengend und ihm war erlaubt worden sich zu entspannen. Also hatte Razag das getan. Er grinste in die kleiner werdende Runde.
„Ein paar hab ich noch...“
Sein Blick fiel auf die Herrn Zwerge:
„Zwergenwitz: Gehen zwei an einer Schenke vorbei.“
Raz grinste. Das war der kürzeste Witz, den er kannte.
„Gut, gut. Was längeres.... ah ja... was klügeres...
Sitzt in Andunie ein Mann am Kai. Neben sich hat er eine offene Kiste, die aber mit einem Tuch abgedeckt ist. Immer wieder greift er hinein und schiebt sich etwas in den Mund, auf dem er dann kaut. Ein anderer beobachtet das eine Weile und fragt dann: "Was kaust du da?"
Meint der erste "Fischaugen" - "Schmecken die denn?" - "Nein, aber sie machen klug!" - "Das will ich auch werden! Verkaufst du mir welche?" - "Ja klar, 10 Fischaugen für einen Taler" Nun setzt sich der zweite also daneben und kaut und kaut. Nach einer Weile springt er auf und schimpft: "Du hast mich betrogen! Für einen Taler hätte ich ja auch 10 Fische bekommen - da wären 20 Fischaugen dabei gewesen!" Meint der erste nur gelassen: "Siehste, 's wirkt schon."
Der Abend verlief noch lustig und Raz genoss Cris Aufmerksamkeit und das Lachen um sich herum.
In meiner Welt ist alles schön!
So trank er noch seinen Krug leer und war dann wirtlich schon ein wenig betrunken. Das zeigte sich dann auch in den 'schlüpfriger' werdenden Witzen, die er zum besten gab:
„Ein Taugenichts geht in eine Schenke, setzt sich hin und sagt zum Wirt: "Hallo, ich wette mit dir um 20 Lysanthemer, dass ich dir etwas unglaubliches zeigen kann, als du jemals gesehen hast!"
Der Wirt sacht: "Ne Jung, ich hab schon soviel gesehn, da schlag ich ein."
Ok, der Taugenichts holt also ein 25 Finger großes, weißes Pferd aus der Tasche, setzt es auf den Tisch und es beginnt herumzulaufen und Gläser zu zerstören. Der Taugenichts steckt es wieder ein, der Wirt ist völlig fertig und gibt ihm die 20 Lysanthemer. Sagt der Wirt: "Meiner Treu, wo hast du das her, niemals hab ich ein so kleines Pferd gesehn!"
Sagt der Taugenichts: "Ja, also, das ist folgendermaßen. Im Wald, da steht eine Eiche, darunter findest du eine Wunderlampe und der Geist darin erfüllt dir einen Wunsch."
Der Wirt lässt alles liegen, stürmt in den Wald und findet die Lampe. Heraus kommt der Geist: "Zu Diensten Herr! Was ist euer Wunsch?"
Der Wirt: "Ich will 10 Millionen in kleinen Scheinen".
Der Geist: "Es sei!"
Und auf dem Waldboden erscheinen 10 kleine Ferkel mit Melonen im Maul. Der Wirt überlegt, rennt zurück in die Schenke und stellt den Taugenichts zur Rede: "Hör mal, du hättest mir sagen sollen, dass der Geist schwerhörig ist! Ich wollte 10 Millionen in kleinen Scheinen und bekommen hab ich 10 Melonen in kleinen Schweinen!"
Der Taugenichts: "Was? Du hast doch nicht im Ernst gedacht, ich hätte mir einen 25 Finger langen Schimmel gewünscht?"“
Razag kam in Fahrt:
„Neulich in einer pelganer Spelunke. Betritt ein junger Streuner die überfüllte Schenke und fragt höflich eine einzelne junge Dame an einem Tisch: "Darf ich mich dazusetzen?" Sie schreit empört: "Wie bitte? Ins Bordell?" Alle Gäste schweigen betreten und der Mann geht mit hochrotem Kopf davon, um sich an einen anderen Tisch zu setzen. Eine Weile später kommt die junge Frau an seinen Tisch und flüstert: "Verzeihen Sie mein Verhalten von vorhin, aber ich bin Medica Psychologica im zweiten Semester und teste das menschliche Verhalten in außergewöhnlichen Situationen..." Schreit der junge Streuner: "Was?? 25 Lysanthemer?..."“
Danach ebbte das Lachen langsam ab und das illustre Publikum ebenfalls. Irgendwann verabschiedete sich auch Crystin auch von den beiden Männern.
„Es war ein wundervoller Abend, Razag… Danke!“
, lächelte sie ihm entgegen und hatte leicht rosige Wangen. Dann ging sie leise die Melodie ihres Tanzes summend, ebenfalls nach oben.
...diese Melodie...
Raz blinzelte. Doch! Er erkannte sie aus seinem Traum. Genauso verträumt sah er der kleinen Heilerin nach, bis sie ganz verschwunden war. Razag sah zu Synnover:
„Kumpel... ich glaub ich bin verliebt!“
Lag es am Alkohol, dass Raz so klare Worte fand? Ein bisschen bestimmt. Morgen würde er sich vielleicht nicht mehr an alles erinnern, aber jetzt war er einfach glücklich. Etwas klinkte einmal in ihrer Umgebung und die letzte Person, die Schankmagd Jasmina war verschwunden. Raz erhob sich deutlich schwankend und kniete sich vor das Feuer um wie angewiesen noch zwei Scheite hinein zu legen und starrte dann ziellos in das Feuer. Syn brubbelte irgendwas hinter ihm, dass nach:
"Es wurde doch ein Zimmer mit Badezuber erwähnt. Ich muss frisch sein für alles, was noch kommen mag heute Nacht."
Er machte eine Pause in der der betrunkene Kumpel seinen Kopf ruckartig hoch, taumelte und sich dann an der Wand neben dem Kamin in die Höhe stemmte.
Badezuber... WASSER! Ja jajajaja...
„Haaaahhhst Recht...“
"Du solltest dich auch waschen, Kumpel. Komm doch mit. Du kannst mir Witze erzählen, bis ich fertig bin."
„Na dann mal die Treppe rauf...“
Raz sah die Stufen an. Irgendwie wirkten sie steiler als vor ein paar Stunden.
„Ich schaff das!“
Syn trat an seine Seite und vielleicht half er sogar seinem Kumpel die Treppe hinauf. Wenn nicht, dann half auch krabbeln. Die Aussicht auf ein Bad beflügelte die letzten Reserven des Orks und kaum war er der Beschreibung Tuddels gefolgt und hatte den Raum gefunden, da schälte er sich schon so schnell es ging aus der Gewandung, ließ alles fallen und versenkte sich so gut es ging im feuchten Element.
„Ooohhhhhhjjjaaaaaaahhhhh!“
Raz tauchte so tief ein, wie sein massiger Körper es zu ließ. Tuddel hatte ja gesagt, dass es eng werden würde, also schöpfte er mit holer Hand eine Ladung sich ins Gesicht und ließ dann den Nacken auf den Rand sinken.
In meiner Welt ist alles schön.
Wo war jetzt sein Kumpel? Konnte er noch genug Platz machen, dass Syn mit rein kam, oder musste der dann doch warten? Er grinste zu ihm rüber und gab den letzten Witz für diesen Abend zum Besten, denn bald darauf, würde er entweder gleich im Zuber einschlafen, oder noch den Anweisungen seines Kumpels folgen.
„Einen letzten zum Absacken...
Einem Mann wurde einst in einem Badezuber all seine Kleidung geraubt. Das einzige verbliebene Stück Stoff war ein kleines Tuch. Da er seine Blöße ohnehin nicht würde verbergen können, beschloss er, mit dem Tuch anstelle bspw. seines Gemächts sein Gesicht zu bedecken und so den Zuber schnellstmöglichst zu verlassen.
Am Weg, den er entlang gerannt kam, saßen drei Frauen auf einer Bank …
Husch...
Die erste meinte: "Mein Mann ist das nicht!"
Husch...
Darauf die zweite: "Stimmt, dein Mann ist das nicht!"
Husch...
Worauf die dritte: "Das ist überhaupt kein Mann aus unserem Dorf!"“
Glucksend ließ er das Wasser leichte Wellen schlagen und sah dann zu Syn hinüber:
„So jetzt hab ich aber genug erzählt. Kennst du noch was zum einschlafen? Ach nee, Moment... hab ich das richtig mit bekommen? Du willst noch was ...mit dem Mädchen da unten anfangen?“
Raz verzog das Gesicht, dass man ihm seine Zweifel überdeutlich ansah.
„Hälst du das für ne gute Idee?... '*hiks*.“
Da war er der Schluckauf der Betrunkenen.
„Du und Zarrah habt echt süß zusammen ausgesehen.“
Raz hatte nichts von irgendwelchen 'Absprachen' oder 'Befehlen' mitbekommen, die Zarrah ihm vielleicht oder auch nicht gegeben hatte. Er hatte nur sie als Paar gesehen. Was genau vorgefallen war, wusste er nicht, also fragte er, während er nach einem Stück Seife hangelte.
„Kannst du mir die Haare ausbürsten?“
Raz'ulak trug seine Haare sonst für den Kampf streng in vielen kleinen Zöpfen und Kordeln nach hinten gebunden. Diese Knoten raus zu kriegen würde gewiss eine Weile dauern, aber dann würde man mit schwarzer glatter Seide belohnt. Gerade schäumte er sich den Bart kräftig mit Seife ein, so dass er aussah, als hätte er Tollwut. So hielt er aber auch mal den Mund.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Samstag 29. Juli 2023, 22:25

Syn blieb den restlichen Abend am Tresen, in Razags Nähe. Nicht, weil er sich um dessen steigende Trunkenheit sorgte oder instinktiv die Nähe eines Reisegefährten suchte, sondern weil sich die orkische Zunge immer mehr löste. Razag gab einen Witz nach dem anderen zum Besten und das Kaninchen ... lachte. Er kicherte, er giggelte, er keckerte hinter vorgehaltener Hand und er unterdrückte ein Prusten, als die Späße schlüpfriger wurden. Razag wusste, ihn zu begeistern, aber gelegentlich stimmte er ihn auch nachdenklich.
„Das Leben ist zu kurz um es nicht in Wahrheit zu leben... meine ich.“
Syn runzelte die Stirn. Er verstand die Worte, nur der Sinn dahinter wollte ihm nicht so richtig klar werden. Ein Leben in Wahrheit... Er wusste nicht, warum ihm ausgerechnet diese Aussage innehalten ließ. Warum es ihn beschäftigte. Dann schaute er zu einem der Fenster, das leicht geöffnet war und ihm so nicht nur gegen die Beklemmung des Raumes selbst half, sondern auch noch ein wenig von der kühlen Nachtluft hereinließ. Der Himmel musste jetzt wundervoll aussehen, als hätte Karrish all seine Edelsteine an ihn verschenkt und er trüge sie wie die prunkvollen Ketten, die Yolinthas Dekolletée schwerer machten als ihren drallen Busen. Die Wahrheit ist... mir wurde die Wahrheit gezeigt ... von...
Seine Gedanken wurden von der nächsten Witztirade unterbrochen. Syn ließ davon mitreißen, weil es einfacher war zu lachen, als sich der Wahrheit und einem Leben darin zu stellen. Zumindest einfacher für ein Kaninchen, das sich die letzten Jahre lang in einem Bau falscher Freiheit versteckt gehalten hatte.
Razags Welt war offener für das, was wahr wurde. Vor allem aber genoss er die Wahrheit, denn Betrunkenen fiel es leichter, sie zu ergreifen. Er frotzelte herum, trank noch mehr, schunkelte mit Tuddel, bis dieser irgendwo auf einer Bank einfach liegen blieb und schnarchte. Das Leben beider Orks war schön. Razag teilte ein wenig davon mit Syn und auch er konnte den übrigen Abend genießen; auf eine andere, ihm sonst bekannte Weise. Es fehlten die Blicke zahlreicher Bewunderer, die ihm stets folgten. Es fehlte das sehnsüchtige Seufzen von Frauen, die ihn heute nicht bekommen würden und das seichte Berühren seines Körpers von jenen, die noch mit Yolintha verhandelten. Es fehlten die koketten Witze, die meist auf Kosten nicht-dunkelelfischer Völker gingen und zu denen er stets lächelte oder schmunzelte, aber nie offenherzig lachen durfte. Das schickte sich nicht. Hier war es möglich und es war ... durchaus angenehm. Wo er jedoch noch ein wenig brauchte, um wirklich aufzutauen, da hatte Razags Zunge sich so weit gelockert, dass er in Plapperlaune war. Sein getrübter Verstand hingegen hinderte ihn daran, gewisse Dinge für sich zu behalten.
"Kumpel ... ich glaub, ich bin verliebt!"
"Liebe, ja?" Syn schnaubte. Crystin verdrehte ihm den Kopf. Sie war schön und zuckersüß, das konnte nicht einmal Syn abstreiten. Aber Liebe? "Du bist ein wirklich seltsamer Lustsklave", murmelte er. Das Kaninchen hatte nur einmal an Zarrahs Met genippt, sich ansonsten an Wasser gehalten. Das genügte nicht, um ihn auch nur ansatzweise beschwipst werden zu lassen. Sein Verstand war noch klar und doch entkam ihm diese Bemerkung unüberlegt. Dass Razag wie er ein Diener der Gelüste seiner Herrschaften war, hatte er schon in den Duschräumen im Untergrund bemerken dürfen. Immerhin hatte er sein Gemächt gehalten und da war ihm auch der Ring ins Auge gefallen. Synnover hatte noch nie eines der Bordelle besucht, wusste aber von dessen Existenz und auch, dass man dort die besten der Bestne mit Intimschmuck auszeichnete. Er hatte einfach eins und eins zusammengezählt und nun ins Schwarze getroffen. Umso unverständlicher für ihn war, dass Razag von Liebe sprach. Lustsklaven wussten nicht, was Liebe ist. Sie wussten, wie man Liebe macht und da endete es.
Syn beobachtete seinen Kumpel die nächsten Stunden mit teils nachdenklicher Miene. Als auch er endlich im Begriff war, sich soweit zu lockern, die Kalauer von Razag zu erwidern, da war der Schankraum schon wie leergefegt. Die letzten Verbliebenen neben ihm und seinem Kumpel waren jene, die Razag im Trinken geschlagen hatten und nun mit den Köpfen unter Tischen schliefen oder dort, wo ihre Beine sie nicht mehr hatten halten wollen. Tuddels Schnarchen erfüllte den Raum, aber es reichte nicht, um die Stimmung zu halten.
Die Luft fühlte sich warm und stickig an. Sie erinnerte das Kaninchen daran, dass er den gesamten Abend so verbracht hatte, wie er die letzten drei Tage durch den Wald gestiefelt war. Mehr noch, er hatte sich beim Tanzen ganz schön ins Zeug gelegt und der Schweiß seine Kleidung durchtränkt. Wenn er heute noch Jasmina seine Aufwartung machen wollte, musste er sich von seiner best duftenden Seite zeigen. Sie würde sich keinem Stück Haut widmen, das nach drei Tagen Wildnis stank. So führte ihn sein Weg langsam die Treppe empor. Der Abend aber hatte seine Spuren hinterlassen, hing als Leichtigkeit noch in seinem Geist und führte dazu, dass Synnover seinen Kumpel kurzerhand einlud, ihm beim Baden Gesellschaft zu leisten. Ein paar Witze würden die Zeit im Zuber angenehmer gestalten.
Das hätte er mal nicht tun sollen, aber trotz ihrer bereits gemeinsam verbrachten Zeit war dem Kaninchen nicht bewusst, wie sehr Razag jegliche Flüssigkeit Celcias liebte. Die Aussicht auf einen gefüllten Zuber weckte sogar den letzten Funken Trunkenheit in ihm. Schneller als Syn in der Arena einem Gegner entkam stampfte der Ork die Stufen empor. Er taumelte zwar, ließ sich aber nicht aufhalten. Trotzdem musste Syn ihm zweimal von hinten eine menschliche Stütze sein, damit er nicht zurück kippte und das Kaninchen auf seinem Weg die Stufen wieder herunter begrub.
Endlich am Waschraum angelangt, sprengte der Ork beinahe schon die Tür und stürzte sich auf den Zuber. Wasser schwappe auf die Dielen, wo eingetrocknete Flecken im Holz von der eifrigen Nutzung dieses Raumes kündeten. Da Syn seinen Kumpel ohnehin nicht hatte aufhalten können, nutzte er die Gelegenheit, sich umzusehen.
Es handelte sich um einen für alle Gäste nutzbaren Raum, sich zu waschen. Das ließ darauf schließen, dass die Gaststuben keine eigene Ecke mit Waschschale oder Zuber besaßen. Luxus sah anders aus. Alles hier wirkte etwas rustikal, wurde von seinen Besitzern jedoch gehegt. Es huschten weder Kakerlaken über die Wände, noch Mäuse in ein Loch in der Wand. Handtücher lagen bereit, ebenso Seife. Der Weidenkorb für gebrauchte Tücher und schmutzige Wäsche quoll zwar schon etwas über und das Badewasser war etwas trüb geworden von der Nutzung vorheriger Gäste, aber das tat dem ganzen keinen Abbruch. Syn und Razag würden sich reinigen können. Vor allem aber der Ork freute sich über jeden Tropfen, der seine Haut berührte. Er hockte im Zuber, der für seine Verhältnisse etwas zu klein war. Es kam wohl eher Menschen hierher, die über Nacht bleiben wollten ... oder Dunkelelfen. Syn fühlte sich immer noch befremdlich bei dem Gedanken, dass er so viele verschiedene Völker im Schankraum angetroffen hatte, ohne den Eindruck gewonnen zu haben, sie wären Sklaven. Diese Welt fernab von Morgeria war ... anders. Eine Wahrheit, die Karrish ihn nie hätte sehen lassen.
Er schluckte den Gedanken herunter, bevor er sich richtig bilden konnte. Er wollte nicht an Karrish denken, denn er wollte nicht an seinen verlorenen Luxus denken. Er war jetzt hier, in einem rustikalen, aber wenigstens sauberen Baderaum. Er würde sich das Waschwasser mit einem Ork teilen. Ein Ork, der den gesamten Zuber einnahm. Syn trat an den großen Holzbottich heran und legte seine Hand auf den Rand, genau zwischen Razags Beine, die ob des Platzmangels überhingen. Razags graue Augen trafen mit leichter Verklärung auf das wache Grün seines Kumpels. Sie blitzten und es war deutlich zu sehen, was er nicht aussprach. Er lud ihn ein, in den Zuber zu kommen.
"Soll ich mich auf deinen nackten Bauch setzen? Da oben bekomme ich keinen Tropfen Wasser ab", brummte das Kaninchen, allerdings nicht missgelaunt. Es schüttelte den Kopf und klopfte mit der Hand gegen das Zuberholz. "Erzähl mir Witze, wie versprochen, während ich warte."
"Einen letzten zum Absacken...", erwiderte Razag und ließ einen plumpen Zuberwitz heraus, der von der Offenherzigkeit einiger Dorfweiber kündete, dass es Syn erneut zum Lachen brachte. Erst gluckste er, dann aber platzte es aus ihm heraus wie nicht einmal unten im Schankraum. Denn die beiden Männer waren unter sich und er konnte sich ausnahmsweise mal gehen lassen. Ein Stück von Razags Kuchen der Wahrheit probieren...
Dabei fiel sein Blick erneut auf den Zuber und zwischen die Beine des Orks. Er grinste auf. "AbSACKen trifft es", neckte er, griff ins Badewasser hinein und spritze den Ork damit etwas voll. Jetzt war er locker! Es sollte sich schlagartig ändern. Er hielt in seinem Anflug von Wasserspritzerei inne, als Razag Jasmina erwähnte.
"Hab ich das richtig mitbekommen? Du willst noch was ... mit dem Mädchen da unten anfangen? Hältst du das für 'ne gute Idee?"
Langsam zog Syn die Hand aus dem Wasser zurück. Er schaute den Ork an. Nun reichte er Razag einen Teil seiner Wahrheitsmahlzeiten. Denn diese bestanden nicht immer nur aus einem blauen, weiten Himmel, aus Alkohol, wilder Tanzerei, fröhlichen Witzen und Unbeschwertheit. Nein. Seine Wahrheit sah anders aus.
"Ich bin Lustsklave und selbst Zarrah erkennt es endlich an, nutzt meine Fähigkeiten für ihre Vorteile. Was immer es ihr bringen wird, dass das Mädchen da unten unter meinem Körper dahinschmilzt, sie hat es beordert und bewilligt." Sie hatte ihm zu verstehen gegeben, dass er sich Jasmina zu widmen hatte. Die Bardame war schließlich auf ihn zugekommen, nicht umgekehrt. Umgekehrt entsprach es nicht der Wahrheit, außer er brauchte ein Ventil ... wie bei Crystin. "Es geht hier nicht darum, was ich davon halte, Razag. Es wird erwartet und ich werde die Erwartungen wie immer rigoros übertreffen."
Die Art, mit welcher Syn es vortrug, strotzte nicht nur von seinem Selbstbewusstsein, diese Aufgabe meistern zu können, sondern auch von einer Neutralität, die nur jemand besaß, der mit den Jahren verstanden hatte, wie sein Leben aussah. Er hatte sich damit arrangiert, seinen Körper für andere herzugeben. Mehr noch, er hatte es unter seine Kontrolle genommen! Er akzeptierte, dass Entscheidungen über seinen Kopf hinweg getroffen wurden, aber er nahm die Zügel bei der Umsetzung in die Hände. Es war vielleicht das Spiel anderer, aber er fand die Lücken in den Regeln und veränderte sie zu seinen Gunsten. Er holte das Beste für sich aus den Situationen heraus und das, ohne den Groll seiner Herrschaften auf sich zu ziehen. Außerdem war es für Männer doch nicht schlimm, wenn sie sich Frauen hingeben sollten. Es war angenehm und mit Glück erlaubte man ihm sogar, den eigenen Höhepunkt zu erreichen. Was könnte man(n) sich mehr wünschen?
"Du und Zarrah habt echt süß zusammen ausgesehen."
Syns Blick huschte wie ein hellgrüner Kometenschweif zu Razag herüber. Ich hasse dich...
Er ließ sich nichts anmerken. Er reckte das Kinn vor, hob es leicht an und blickte so unantastbar wie möglich auf den Ork im Zuber herab. "Natürlich! Jeder würde in meiner unmittelbaren Gegenwart süß aussehen, immerhin durfte sie sich in meiner Schönheit ein wenig sonnen." Schon wolle Syn von dem Thema ablenken und anmerken, dass Razag nun genug Zeit im Zuber verbracht hätte, da kam dieser ihm mit einer weiteren Bitte zuvor. "Kannst du mir die Haare ausbüsten?"
Ich hasse dich so sehr...
Es holte das Kaninchen von seinem hohen Ross herunter. Wie weit war es inzwischen mit ihm nur gekommen? Natürlich war es Razag, der zuerst im Zuber saß. Natürlich stellte er Ansprüche und natürlich forderte er Syn dazu auf, für ihn Dinge zu erledigen. Denn Crystin hatte ein Auge auf den großen Grünen geworfen und das hob ihn eine Treppenstufe höher. Syn war es, der ganz unten stand ... vor der Treppe. Es würde dauern und er musste sich erneut beweisen. Er musste sich wieder hocharbeiten. Das funktionierte nur, indem er keinen Widerstand leistete. Er brauchte die Gunst anderer, um sie später hinaus für seine Zwecke manipulieren zu können. Es führte kein Weg daran vorbei. Aber er tat es auf seine Weise: "Gewiss. Deine Haare sehen abartig aus."
Syn holte sich einen Hocker heran, dann einen zweiten, um darauf Bürste, Kamm und ein extra Stück Seite abzulegen. Mit flinken Fingern dröselte er Razags Haarpracht Zopf für Zopf auf, bis vor ihm ein stumpfes, wirres und teils schon krauses Meer aus schwarzen Haaren über den Zuberrand hing. Er griff nach der Seife, schäumte sie im Badewasser ein - auch wenn das bedeutete, dass er Razag unter die Achsel fassen musste, um das Nass zu erreichen - und machte sich dann daran, dass Haar mit dem Seifenschaum geschmneidig zu waschen. Später spülte er es aus, indem er immer wieder Wasser aus dem Zuber schöpfte. Danach kämmte er die groben Knoten heraus und schließlich setzte er sich hin, um es auszubürsten. Das würde dauern, denn er wollte es ordentlich machen. Er bemühte sich stets darin, seine Aufgaben bestmöglich zu erledigen. Nur so verschaffte man sich das Ansehen, das er unter Zarrah erneut anstreben musste.
"Razag?", fragte er allerdings nach einer Weile inmitten seiner Arbeiten. "Woher weißt du, dass du verliebt bist?" Vielleicht erhielt er gar keine Antwort mehr. War der Ork schon eingeschlafen? Wenn nicht, würde es wohl Dank Synnovers Zuwendung igendwann der Fall sein und natürlich würde Razag im Zuber die Nacht verbringen! Das bedeutete für Syn dann eine Katzenwäsche mit kleinen Schöpfkellen seiner Hände. Aber auch das würde er bewältigen. Nur langsam musste er sich beeilen. Die Nacht dauerte nicht ewig lang und er wurde erwartet. Sein Blick wanderte zur Tür. Ja. Das wurde erwartet. Und ich werde eine Bestleistung abliefern, wie üblich!
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Raz'ulak der Furchtlose » Sonntag 30. Juli 2023, 15:59

"Liebe, ja?"
Raz grinste dümmlich, da der Alkohol seine Sinne ganz schön umnebelte.
"Du bist ein wirklich seltsamer Lustsklave."
Razag lachte und zuckte mit den Schultern.
„Bin der Beste!“
, sprach er voller Überzeugung aus und griff sich stolz an den Schwanzring. Er lachte noch mal und ließ dann seinen Oberkörper Tuddelgleich auf die Tischplatte sinken. Den Kopf auf die verschränkten Arme abgelegt nuschelte er vor sich hin.
„Ich hab keine Annung von der Liebe, aber so muss es sich anfühlen... halt alles was... *hiks*...was kein Sex ist, oder? Ich will sie lachen sehen. Ich will sie glücklich machen...und sie beschützen....allles ohne Befehl! Das ist doch seltsam, oder Kumpel? Wenn das keine Liebe ist, dann bin ich ein fettes grünes Einhorn...“
Morgen würde er diesen Gefühlsausbruch sicher vergessen haben, aber ob Syn das auch vergessen und ihm nicht unter die Nase reiben würde? Die Aussicht auf ein Bad ließ jedoch jeden Damm in Razag brechen und er krabbelte hoch motiviert die Treppenstufen hinauf, versenkte sich im Bad und fühlte sich seit langem mal wieder rund um wohl. Er war ein Ork, der den gesamten Zuber einnahm und in seiner Welt war alles schön. Syn trat an den großen Holzbottich heran und legte seine Hand auf den Rand, genau zwischen Razags Beine, die ob des Platzmangels überhingen. Razags lud ihn ein, in den Zuber zu kommen.
"Soll ich mich auf deinen nackten Bauch setzen? Da oben bekomme ich keinen Tropfen Wasser ab."
Raz zog abermals die Schultern hoch und ließ dem Rammler seinen Willen. Syn schüttelte seine hübschen Kopf und klopfte mit der Hand gegen das Zuberholz.
"Erzähl mir Witze, wie versprochen, während ich warte."
"Aye! Einen letzten zum Absacken..."

, erwiderte Razag und ließ einen plumpen Zuberwitz heraus, der von der Offenherzigkeit einiger Dorfweiber kündete, dass es Syn erneut zum Lachen brachte. Erst gluckste er, dann aber platzte es aus ihm heraus wie nicht einmal unten im Schankraum. Denn die beiden Männer waren unter sich und er konnte sich ausnahmsweise mal gehen lassen. Das gefiel dem Ork und er stimmte lauthals mit ein, dass das Wasser um ihn nur so schwappte. Jetzt war sein kleiner Kumpel endlich mal locker! Es sollte sich jeoch schlagartig ändern, als Razag Jasmina erwähnte.
"Hab ich das richtig mitbekommen? Du willst noch was ... mit dem Mädchen da unten anfangen? Hältst du das für 'ne gute Idee?"
"Ich bin Lustsklave und selbst Zarrah erkennt es endlich an, nutzt meine Fähigkeiten für ihre Vorteile. Was immer es ihr bringen wird, dass das Mädchen da unten unter meinem Körper dahinschmilzt, sie hat es beordert und bewilligt...Es geht hier nicht darum, was ich davon halte, Razag. Es wird erwartet und ich werde die Erwartungen wie immer rigoros übertreffen."

Die Art, mit welcher Syn es vortrug, strotzte nicht nur von seinem Selbstbewusstsein. Raz machte wieder diese nichts sagende Geste und zuckte mit den Schultern. Von der Anweisung hatte er nichts mitbekommen, aber wenn Syn das sagte, dann stimmte es.
Mein ja nur...
"Du und Zarrah habt echt süß zusammen ausgesehen."
Syns Blick huschte wie ein hellgrüner Kometenschweif zu Razag herüber. Er reckte das Kinn vor, hob es leicht an und blickte so unantastbar wie möglich auf den Ork im Zuber herab.
"Natürlich! Jeder würde in meiner unmittelbaren Gegenwart süß aussehen, immerhin durfte sie sich in meiner Schönheit ein wenig sonnen."
Hm... wenn Syn und ich zusammen tanzen würden... wär ich dann auch 'süß'...Hihihhhohohoh...
Raz gluckste und bat seinen Kumpel:
"Kannst du mir die Haare ausbüsten?"
"Gewiss. Deine Haare sehen abartig aus."

Raz griff sich in den Nacken und zog einen der von der Reise verfilzten Zöpfe hervor, schaute beschämt und betätigte:
„Hast Recht.“
Syn holte sich derweil einen Hocker heran, dann einen zweiten, um darauf Bürste, Kamm und ein extra Stück Seite abzulegen. Mit flinken Fingern begann er Razags Haarpracht Zopf für Zopf aufzudröseln. Und Razag? Er genoss die Zuwendung und das sanfte Kribbeln auf der Kopfhaut, dass Syns Finger auslösten. Noch nie war er so zart behandelt worden. Die meisten, selbst so nette Leute wie Sommerfellchen, hatten irgendwann einfach ne Schere genommen und die schlimmsten Teile raus geschnitten. Deswegen waren Raz Haare auch teils sehr unterschiedlich lang. Erst als er in den Dienst des Hauses Tenebrée getreten war, da begannen sie ihn richtig zu pflegen. Wäre das nicht geschehen, so hätte Syn jetzt einzig die Lösung eines Kurzhaarschnittes gehabt. Voller Genuss nuschelte der langsam schläfrig werdende Ork:
„Daaaannke! Das fühlt sich echt gut an! ...Ich liebe dich, Kumpel!“
"Razag?"
, fragte Syn.
„Hmmmhmmm...?“
Er erhielt keine Antwort mehr, nur ein kaum zu deutendes Brummen. Dank Synnovers Zuwendung würde Razag im Zuber die Nacht verbringen! Die sanften kundigen Hände seines Kumpels hatten den genießenden Ork über die Klippe zum Nachtschattenreich geschickt. Razag träumte bereits von vergangenen rhythmischen Klängen an fernen Stränden, einem leisen Summen, dass verdächtig nach Cris klang und zärtlichen Fingern, die ihm die Haare neue flochten, während er Synnover und Zarrah sich an den Händchen haltend am Ufer entlang spazieren sah...
Raz lächelte im Schlaf.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Synnover » Sonntag 30. Juli 2023, 19:00

"Das ist jetzt nicht dein Ernst?!" Syn ließ den Strang aus Haaren fallen, den er nun schon bestimmt das vierte Mal in Folge gebürstet hatte. Die schwarzen Haare hatten so schon Zeit zum Trocknen gehabt, fielen seidig gegen den Zuberrand und glänzten bereits von seinen Bemühungen. Dass Razag unter all der Fürsorge einfach eingeschlafen war, verärgerte das Kaninchen. Er stieß leicht gegen die Schulter des Großen. "He!" Nichts, Razag war total weggetreten. Wasser, Alkohol und nicht zuletzt Synnovers überdurchschnittlich gute Massage seiner Kopfhaut hatten ihn ins Reich der Träume übergleiten lassen. Syn hob seinen Arm an, schnupperte und brummte anschließend. Er umrundete den Zuber, stellte sich auf die Zehenspitzen und langte ins Wasser. Es war trüb, aber es duftete noch nach Seife. Blieb zu hoffen, dass Razag sich nun nicht im Schlaf entspannte, um Dingen ihren Lauf zu lassen. Bei der bloßen Vorstellung schauderte Syn und beeilte sich, bevor das Szenario Wirklichkeit werden könnte. Er suchte nach einer Schale, schöpfte sich etwas vom Badewasser ab und griff zur Seife. Eines der Handtücher wurde mit dem Nass durchtränkt. Statt eines entspannenden Bades begnügte er sich nun also mit einer Waschung. Er ging gründlich vor und war am Ende gewiss genauso sauber, aber der Moment, in dem er im Wasser hätte einweichen können, den hatte Razag ihm genommen. Zuletzt schöpfte er nochmal eine neue Schale ab und spülte sich das Haar aus. Sein kurzer Schnitt erlaubte es ihm wenigstens, das problemlos zu tun. Es genügte auch, die weißen Strähnen nur ein halbes Dutzend Mal zu bürsten, bis er zufrieden war. Anschließend suchte Syn nach seiner Kleidung und ... warf sie kurzerhand zu Razag in den Bottich. Die Sachen stanken von der langen Reise. Es täte ihnen folglich genauso gut, einmal in Seifenwasser zu liegen wie dem Ork. Nur Ersatzkleidung hatte das Kaninchen sich vorab nicht bereitgelegt. Nicht, dass es sich genierte. Syn musste nichts verstecken! Außerdem war niemand von Bedeutung mehr im Schankraum. Er könnte getrost bis zu Jasminas Kammer schleichen, so wie ... seine Eltern oder die Götter ihn geschaffen hatten. Ob er ein Gottesgeschenk an Celcia war? Mit Sicherheit! Und Jasmina sollte es auch gleich herausfinden! Trotzdem wollte er sie nicht sofort verschrecken. Syn griff also nach den Handtüchern, schlang sich eines von passender Grüße um die Hüfte und knotete es vorn zusammen. Der Knoten saß fest genug, um Überraschungen zu vermeiden. Wer aber am vorstehenden Ende zog, könnte ihn sofort seiner einzigen Bedeckung berauben. Synnover grinste. Das war doch perfekt. Er wollte sich schon zum Gehen wenden, da fiel sein Blick noch einmal auf Razag. Genauer gesagt, er schaute ihm von seiner Position aus direkt zwischen die überhängenden Beine und erinnerte sich an dessen Worte vom munteren Trinkabend.
Er hatte von Liebe gesprochen und wie es sich seiner Meinung nach anfühlte. Wenn man jemanden jenseits körperlicher Aktivitäten glücklich sehen wollte. Wenn man jemanden zum Lachen bringen und beschützen wollte, aus freien Stücken heraus. Dann war das Liebe?
"... Ich liebe dich, Kumpel!", hatte er genuschelt, bevor Razag in den Schlaf abgedriftet war. Syn musterte den Hünen. Sein Mundwinkel hob sich zu einem schrägen Grinsen, das nicht so recht wusste, ob es amüsiert oder skeptisch sein sollte. Er will mich zum Lachen bringen? Nun, das hat er geschafft. Beschützen? Ich bin nicht auf ihn angewiesen. Mich glücklich machen...?
Syn stand vor dem Zuber, spähte zwischen Razags Beinen hindurch zu seinem Kopf, der sich wie ein grüner, einzahniger Felsen aus einem grünen Tal erhob, das von Wasser umgeben war. Er betrachtete das Bild eine ganze Weile lang schweigend. "Warum solltest du das wollen?", fragte er und erwartete natürlich keine Antwort. Stattdessen zitierte er Razag noch einmal unter einem spöttischen Schnauben: "Wenn das keine Liebe ist, dann bin ich ein fettes, grünes Einhorn..." Er stutzte und sah zu den Handtüchern herüber. Dann handelte er. Mit wenigen Handgriffen und etwas Geschick gelang es Syn, eines der größeren Tücher zu einer hornähnlichen Wurst zu rollen. Jene legte er dann behutsam auf Razags Kopf ab. Es war kein allzu prächtiges Horn. Das Handtuch reckte sich nicht in die Höhe, sondern hing wie ein halb erschlaffter Glücksbringer knapp über Razags Nase herunter. "Gute Nacht, Einhorn", verabschiedete Syn seinen Kumpel. Anschließend schlich er auf den Gang.
Alles lag im Dunkeln. Er lauschte. Ruhe war in die Taverne eingekehrt. Nun, Ruhe war relativ. Syn konnte es jenseits der zahlreichen Türen ordentlich schnarchen hören. Hin und wieder entwich einem entspannten Schläfer der ein oder andere Darmwind. Zum Glück waren bis auf eine Tür alle Räume geschlossen, so dass es auf dem Gang nicht nach der Zwiebelsuppe stank, die unter anderem am Vorabend serviert worden war.
Offenbar hatten Razag und Syn so viel Zeit im Bad verbracht, dass auch die letzten sich zu Bett begeben hatten. Sein Blick fiel zur Treppe, die ihn wieder in den Schankraum führen würde. Die Tür unten war unverschlossen. Jasmina wartete auf ihn, falls nicht auch sie bereits die Geduld verloren hatte und eingeschlafen war. Er setzte einen Schritt in Richtung Treppe, aber nicht einmal die erste Stufe erreichte er. Syn wandte den Kopf über die Schulter. Er spähte den Gang entlang. Es gab neben dem Waschraum, den Razag nun als sein Sclafzimmer auserkoren hatte noch jenes, in das er und Synnover eigentlich untergebracht werden sollten. Melvin hatte zwischenzeitlich beschrieben, wohin sie mussten. Er hatte aber auch - auf unterschwellige Nachfrage seitens des Kaninchens - mitgeteilt, in welchem Zimmer Crystin und Zarrah schlafen würden.
"Du willst sie wohl unter allen Umständen sofort beschützen können, was, Sklavenjunge?", hatte der Wirt gelacht und ihm einen unangenehm festen Schulterklopfer verpasst. Jetzt sah Synnover zu der Tür, hinter der mutmaßlich Crystin und Zarrah schlafen mussten. "Beschützen ... aus freien Stücken..." Er verzog den Mund. So ein Unsinn. Nichts davon ist meine freie Wahl. Sie ist die Herrin. Wenn ich sie beschütze, dann aus Loyalität. Ohne sie bin ich aufgeschmissen.
Er wandte sich ab und setzte seinen Fuß auf die oberste Treppenstufe. Dann hielt er inne. Der Blick glitt wieder zurück über die Schulter. Sie hatte ihm nur allzu deutlich klar gemacht, wohin er gehen sollte. Sie hatte ihn gefragt, warum er nicht mit anderen - beispielsweise Jasmina - tanzte. Sie hatte ihm mitgeteilt, dass sein imposanter Tanz auch bei ihr Eindruck erweckt hatte. Und sie hatte sich zur Seite gebeugt, damit ganz klar wurde, wen sie damit meinte. Zarrah erwartete, dass er sich um Jasmina kümmerte. Und das wäre auch nicht schlecht. Er würde zwar noch ein wenig ins Schwitzen geraten und sicherlich die meiste Arbeit tun müssen, aber am Ende könnte er warm neben einer nackten Frau schlafen. Er hatte die letzten Tage neben niemandem gelegen. Zarrah war mit ihrem Schlafsack immer ausgewichen, von Crystin sollte er sich fernhalten und Razag ... war ein Mann, der keine Anzeichen hatte durchblicken lassen, dass er Syn auf diese Art und Weise näherkommen wollte.
Aber er liebt seinen Kumpel... er will mich zum lachen bringen, mich beschützen und glücklich sehen... falls das Liebe ist. Syn schüttelte den Kopf. Das fette, grüne Einhorn schlief! Es war Zeit, die Pflichten zu erfüllen, damit auch Syn bald schlafen könnte. Er setzte einen weiteren Fuß auf die nächste Treppenstufe, dann noch einen, allerdings unter Zögern.

Synnover lauschte. Jenseits der Tür konnte er weder Schnarchen noch solche Furzgeräusche hören, wie nur männliche Löcher sie hinbekamen. Ohja, es gab einen Unterschied, wenn man Yolintha aus der Statistik strich. Sie hatte aufgrund ihrer häufigen Völlerei durchaus das Talent, die morgerianische Zimmerdecke beben zu lassen. Die meisten Frauen, bei denen Syn gelegen hatte, klangen aber anders. Definitiv nicht so wie das unregelmäßige Konzert, dem man vom Gang aus hatte lauschen können. Er war also richtig.
Syn klopfte. Nicht leise, aber auch nicht alarmiert. Eben laut genug, dass auch Schlafende wach werden könnten, aber gleichermaßen ruhig, dass er hoffentlich sonst niemanden weckte. Ganz gleich, wer ihm die Tür öffnete, er fragte sofort: "Ist Crystin da? Raz braucht sie. Er ist im Waschraum." Sprach er direkt zu der Heilerin oder hatte Zarrah selbst die Tür geöffnet?
Er musste nur warten, bis das gelockte Verbot auf zwei Beinen aus dem Raum wäre, damit er sich Zarrah direkt nähern könnte. Oh und wie er sich ihr nähern wollte. Dicht genug an ihr Ohr, damit sie sein Wispern auf jeden Fall wahrnahm, wollte er ihr zuraunen: "Lass mich heute Nacht bei dir schlafen. Ich bin gut. Ich bin wirklich gut. Du sagtest, mein Ruf eilt mir voraus. Die Gerüchte entsprechen nicht der Wahrheit. Nach mir wirst du nie wieder einen anderen haben wollen. Lass mich zu dir." Und falls sie bereits schlief würde er ihr die Worte dennoch als Warnung vorausschicken, ehe er sich zu ihr ins Bett legte - dann natürlich ohne Handtuch, das wäre ja unbequem so zu schlafen! Vielleicht war Zarrah aber auch wach. Vielleicht stand sie in der Tür, versperrte ihm den Weg. Vielleicht lehnte sie ab. Er würde es erfahren und definitiv nicht hinunter zu Jasmina gehen, solang sie es ihm nicht einprügelte. Er konnte es sich selbst nicht ganz erklären, aber ... er wollte einfach nicht.
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Re: Die Reise beginnt...

Beitrag von Erzähler » Montag 31. Juli 2023, 00:58

Die Ruhe kehrte in die Taverne des ‚gejagten Ebers‘ ein und die raue Vierzehn samt Jasmina verabschiedete sich zusehends. Am Ende gab es nur noch Syn und Razag und einen schnarchenden Tuddel, der aber nichts mehr mitbekam. Razag dürfte wissen, er sich fühlte, denn auch ihm waren die unzähligen Humpen allmählig zu Kopf gestiegen. Bevor ihn aber die Schläfrigkeit ebenfalls an die klebrige Tischplatte binden konnte, machte das Kaninchen einen Vorschlag, den der Ork nicht ablehnen konnte. Mit dem Elan eines Trüffelschweines auf der Jagd, verfolgte der grüne Hüne das Ziel, den Badezuber ausprobieren zu wollen, den Tuddel bereits erwähnt hatte. Wasser war Razag so immens wichtig, dass er sogar halbwegs selbstständig die Stufen hinaufschaffte – mit ein wenig Unterstützung seitens Synnover. Jener durfte sich glücklich schätzen, dass der Hüne nicht auf ihn drauffiel, denn er hätte ihn gewiss unter sich begraben und ihm wohl mehr als eine Delle verpasst. Wenn auch etwas lauter als vielleicht beabsichtig, schafften es Kaninchen wie Ork halbwegs unbeschadet in das einzige Bad der Taverne zu gelangen. Dass sich hinter ihnen die eine oder andere Tür, nach Überprüfung, was das für ein Lärm gewesen war, ebenfalls schloss, bemerkten sie gar nicht. Syn war ohnehin davon abgelenkt, dass der betrunkene Razag sich sofort aus seinen Kleidern schälte und splitterfasernackt, das viel zu kleine Becken eroberte. Links und Rechts streckte sich ein Orkfuß dem Menschen entgegen und führten den Blick an strammen Waden zu etwas, das im leicht angegrauten Wasser verborgen lag. Razag war selig. Wasser war einfach sein Element – obwohl er nicht recht wusste, wieso. Er nahm es hin und lebte damit. Was Syn hinzunehmen hatte war wohl, dass der Grüne zuerst baden würde. Etwas, was er eigentlich vorgehabt hatte und nun musste er mitansehen, wie seine Pläne dahinschwammen. Aber so war es jetzt, nicht wahr? Er war das absolute Schlusslicht – noch hinter dem Schlusslicht. Er war der Bodensatz, den man schnell unter den Teppich kehrte, weil es nicht mal wichtig war, wegzuräumen. Wenigstens wusste Razag das Kaninchen zu erheitern. Die Stimmung kippte nicht, denn mit einem Witz nach dem anderen, entlockte der Ork Synnover ein echtes Lachen. Es war selten und dieses Mal frei von Berechnung und Einstudierung. Syn war ehrlich belustigt und das war etwas, das Razag heute zum zweiten Mal geschafft hatte. Nicht nur bei Syn erreichte er damit, was er bezweckte. Crystin… Sie hatte mit ihm getanzt, sie hatte sich an ihn geschmiegt und sie hatte offen zugegeben, dass er ihr einen schönen Abend beschert hatte. Wenn einem da nicht das Herz aufging… Und Razag quoll über vor Glück, sodass auch Syn Zeuge dessen werden durfte. Allerdings konnte er nicht verstehen, was Razag damit meinte. Für ihn war die körperliche Befriedigung die Einzige, die existierte. Die Beschreibung allerdings, die Razag ihm lieferte, bettete sich klammheimlich in sein Hinterstübchen, sodass er darüber genauer nachdenken würde- irgendwann. Jetzt aber konnte er nur abschätzig davon ausgehen, dass der Ork eben nur betrunken war. Yolintha konnte auch in den höchsten Tönen säuseln, wenn der Pegel hoch genug gewesen war. Warum sollte Razag das wollen? Dass der Ork ein immens großes Herz – ungeachtet seiner Statur – hatte, hatte auch Syn bereits gemerkt. Dass er als Kaninchen darin ebenso Platz finden könnte, wie Crystin, Tuddel oder ganz eventuell sogar Zarrah, das glaubte er eben nicht. Synnover hatte nie die selbstlose Schönheit von Liebe erfahren. Eben das Gefühl, wenn man den anderen einfach nur glücklich machen wollte, ohne Gegenleistung, ohne Erwartungen… Vielleicht wenn er weiterzusehen und lernen dürfte. Wer weiß.

Synnover hätte gern noch etwas mehr darüber erfahren, während er die Filzlocken des Ork’s bürstete, doch der Alkohol machte ihm da einen Strich durch die Rechnung. Razag schlief ein, ohne die wichtige Frage seitens des Kaninchens gehört zu haben. Und so blieb Syn allein mit einer Frage, auf die er keine Antwort erhalten würde. Razag allerdings überschritt bereits die Grenze zu Manthala’s Reich und hörte bereits das Rauschen der Brandung und das Kreischen der Möwen. Die Sonne schien ihm auf den Pelz und wärmte ihn. Er konnte den Sand unter seinen Füßen spüren, die kleinen Kiesel, die ihn kitzelten. Er hörte ein Lachen und sah mit einem Mal die Heilerin im Wasser stehen. Der Wind spielte mit ihrem Haar, während sie sich mit dem strahlenden Blau ihrer Augen zu ihm drehte und winkte. Dann waren da plötzlich Zarrah und Syn, die jeweils eine Hand von ihm hielten und ebenfalls lächelten. Sie gesellten sich zu Crys, setzten sich in den Sand und die Braunhaarige begann, Razag’s Haare zu kämmen, während sie eine Melodie summte. Und plötzlich tauchte aus dem Wasser ein bekannter Kopf hervor und spritzte den genießenden Ork mit Wasser nass. „Schöner Traum! Nett hast du es hier.“, sie nickte mit dem Kopf zu Zarrah. „Was sucht die denn hier?“, dann zu Syn „und der? Stören sie dich nicht in deinem Traum von einem Leben mit der Heilerin?“, fragte Nalia und hob eine Augenbraue. Dann grinste sie aber wissend. „Ich hab dir doch gesagt, dass sie dich gern hat, oder etwa nicht?“. Doch immer wieder bemerkte Razag, dass er nicht gestochen scharf sehen konnte. All die Bilder um ihn herum verschwammen immer mal wieder, ehe sie plötzlich ganz aufhörten. Nichts war da, alles dunkel. Das schöne Bild war verschwunden, das Gefühl verblasste. Der Alkohol verhinderte das feine Träumen und so fiel Razag in einen weiteren, traumlosen Schlummer.

Synnover konnte es nicht fassen. Da wagte er den Vorstoß und wollte einmal ein…ernsthaftes Gespräch führen, da schnarchte der grüne Holzkopf einfach! Zudem IM Zuber! Seinem Zuber. Seiner Möglichkeit, sich für bevorstehende Arbeiten frisch zu machen! Es war unmöglich Razag zu bewegen. Der Alkohol machte ihn noch schwerer und so blieb Syn nichts weiter als sich behelfsmäßig zu waschen. Als er damit fertig war, konnte er sich eine kleine Rache nicht verkneifen und wickelte Razag ein Handtuch-Horn um den Kopf. Erst dann war er zufrieden und verließ das Bad nur mit einem Handtuch bekleidet. Er konnte hören, wie die ‚raue Vierzehn‘ Alkohol und Essen verdauten und nur dankbar sein, dass die Türen allesamt verschlossen waren. Jasmina war sein Ziel, deshalb wählte er die Treppe. Sie schlief unten neben der Theke… Und Zarrah wollte es so, nicht wahr? Ihre Anweisungen waren klar gewesen – zumindest in seiner Welt. Doch bevor er überhaupt die Hälfte der Treppe hatte schaffen können, zögerte er. Er wollte nicht. Er wollte etwas ganz anderes. Und so wandte er seine Schritte ab vom Schankraum und kam leise näher. Er wählte jedoch nicht die einzig offene Tür und ein Zimmer ganz für sich. Razag würde im Bad schlafen… Er wählte die Tür daneben und klopfte. Es dauerte einen Moment in dem alles still blieb. Erst dann hörte er ein Knarzen, dann Schritte. Sie klangen leichtfüßig und bemüht leise, doch die Dielen gaben etwas nach und knarzten trotzdem. Dann wurde ein Riegel aus der Halterung geführt und die Tür einen Spaltbreit geöffnet. Ein reichlich strubbeliger, braunhaariger Schopf lugte hervor und müde blaue Augen. „Syn?“, wisperte Crystin fragend und öffnete die Tür etwas mehr. Sie sah den nackten Kaninchenkörper und blinzelte einige Male. Sie war überrumpelt und eine Röte legte sich auf ihre Wangen. „Was… tust du hier?“, wollte sie wissen, ehe sie die Augen wieder in sein Gesicht hob. “Raz braucht dich. Er ist im Waschraum.", lockte er sie und schlagartig war Crys wach. „Oh! In Ordnung.“, sie schloss kurz die Tür und Syn konnte leise Schritte hören. Dann kehrte sie zurück und schob sich zwischen Tür und Syn vorbei. Sie hatte ein knappes Nachthemd an, das ihr bis zur Hälfte ihrer Oberschenkel reichte. „Sie schläft schon. Könntest du bitte die Kerzen löschen und dann leise die Tür hinter dir zuziehen? Sie braucht Ruhe…“, bat Crystin im guten Glauben daran, dass Syn sich dann in sein Zimmer zurückziehen wollte. Danach eilte Crys die paar Türen weiter und verschwand im Bad.
„Razag?“, hörte der Ork die Stimme der Heilerin. „Razag, hörst du mich?“, fragte sie abermals und wartete. „Komm schon, du kannst nicht hier im Zuber schlafen.“, redete sie eindringlicher und fasste ihn am Arm. „Du musst mir helfen, Razag ich schaffe das nicht allein.“, raunte sie in sein Ohr und lächelte leicht. Crystin betrachtete den schlafenden Hünen und schüttelte leicht den Kopf. Das Handtuch auf seinem Kopf sah witzig aus, auch wenn sie den Sinn nicht verstand. „Na komm, Großer. Ich bringe dich ins Bett.“, bot sie an und rüttelte ihn noch mal am Arm. „Komm!“, rief sie. Tatsächlich würde sie Razag so gut es ging eben helfen wollen, damit er eben aus dem Zuber kommen konnte. Und sie würde versuchen, ihn ins Zimmer zu bekommen, das noch leer stand.

Synnover aber hatte gewiss nicht vor, Crystins Bitte nachzukommen. Er hatte sich in das Zimmer seiner Herrin geschlichen und die Tür geschlossen – von innen. Eine Handvoll Kerzen erhellten das Zimmer im diffusen Licht. Sie würden gelöscht werden müssen, damit sie kein Unheil anrichten konnten. Syn konnte mit einem Blick sehen, dass das Zimmer ebenso karg und praktisch eingerichtet war, wie es der Baderaum vermuten ließ. Luxus oder Komfort suchte man vergeblich. Ihm fiel sofort die große Sitzgelegenheit auf, auf der sich Crystin offenbar ein Bett gebaut hatte. Es war zerwühlt und lag so da, wie sie es verlassen hatte. Was aber interessanter war, lag im Bett. Es war kein wundervolles, verziertes Bett wie in Morgeria. Es war nicht mal besonders breit. Allerdings konnte er die schmale Silhouette seiner Herrin ausmachen. Sie lag auf der rechten Seite, den Kopf auf dem Kissen und die Augen entspannt geschlossen. Ihr Atem ging ruhiger, gleichmäßig und tief. Zarrah schlief tatsächlich. Die dünne Decke war ihr inzwischen von der Schulter bis zur Hüfte gerutscht und gab den Blick auf die nackte, dunkle Haut frei. Ihr Arm verdeckte die wohlgeformten Hügel, die im Flackerlicht der Kerzen schimmerten. Syn zögerte nicht. Er entledigte sich des Handtuchs und setzte seinen Plan in die Tat um. Flink wie er nun mal war, lupfte er die Decke an und kroch darunter. Angenehme Wärme empfing ihn und tatsächlich musste auch Zarrah sich gewaschen haben. Das lange, weiße Haar verteilte sich auf dem Kissen, während ihre Haut nach Seife roch. "Lass mich heute Nacht bei dir schlafen. Ich bin gut. Ich bin wirklich gut.", säuselte er in das spitze Elfenohr. Der gleichmäßige Atem stockte. Zarrah öffnete die Augen und blieb auf der Seite liegen. Sie starrte gegen die Wand und schien einen Moment zu überlegen, ob das eine Einbildung gewesen war oder…. Langsam drehte sich die Elfe auf den Rücken und gab Syn eine Ahnung davon, wie sie ohne Kleidung aussah. Allerdings wurde das wichtigste von ihren Haaren verdeckt, während die Strähnen nur das dunkle Fleisch erahnen ließen. „Was tust du da?“, fragte sie und sah ihn aus klaren Augen an. „Du sagtest, mein Ruf eilt mir voraus. Die Gerüchte entsprechen nicht der Wahrheit. Nach mir wirst du nie wieder einen anderen haben wollen. Lass mich zu dir. Grün heftete sich an Grün. Zarrah betrachtete Synnover schweigend. Lange. Überlegte sie? War das Verlangen in ihrem Blick? Nein… oder? Es war nicht zu erkennen, was als nächstes folgen würde. Ob er noch so flink fliehen könnte, wenn sie - woher auch immer - ihren Dolch zog, um ihn endgültig zu erdolchen? Doch mit einem Mal drehte sich Zarrah wieder zur Seite und ihm den Rücken zu. Sie schloss die Augen. „Wenn du mich anfasst, schläfst du das nächste Mal im Stall. Fingerlos.“, meinte sie leise. Die Drohung klang… ernstzunehmend, aber sie schmiss ihn offenkundig auch nicht aus ihrem Bett. Und sie schickte ihn nicht unter Prügelstrafen zum Schankweib... Sollte es möglich sein? Hatte sie gerade die Erlaubnis gegeben, dass er bei ihr liegen durfte? Und wer war noch mal Jasmina?...
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