Die nächste Etappe

Dieser prächtige Wald liegt im Norden Celcias. Der Fluss Tangros lässt dieses Gebiet blühen. Ein einsamer Priester ließ sich in diesem Wald nieder und erbaute ein Kloster, aber auch die Nachtelfen blieben nicht ohne Taten.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. März 2023, 22:26

Reden wurde überbewertet. Sie hatte es mit Reden versucht und war kläglich an seiner ignoranten Art gescheitert. Doch das, was er stattdessen mit ihr anstellte, war bedeutend angenehmer. Und es versöhnte doch erheblich mit ihrem Streit über seine Unverfrorenheit. Calhoun ließ dabei allerdings erneut offen, was genau er eigentlich dachte. Was er über sie dachte. Neri wusste überhaupt nichts, doch in dem Moment, in dem er sie packte und eine neue Leidenschaft entbrannte, da ließ sie ihren Widerstand fallen. Es war egal, dass er verheiratet war, dass er ein Arsch war, dass er sie respektlos behandelte und dass sie rein gar nichts über ihn erfuhr. Hier wurde sie einfach nur zur Nutznießerin seines Könnens, das er bereits unter Beweis gestellt hatte. Neri spürte die heißen Küsse auf ihrer Haut, wie ihre Lippen anschwollen und sie es nach mehr verlangte. Die Elfe schob alle Bedenken beiseite und offenbarte ihm lediglich, dass ihre Integrität vielleicht nicht ganz so weit her war, wie sie ihm hatte glauben lassen wollen. Auf ihren kleinen Vorwurf, dass er sie wahnsinnig machte, grollte er nur und intensivierte sein Vorhaben, um sie um den Verstand zu bringen. Als wäre es sein selbsternanntes Ziel, packte er sie mühelos und bugsierte sie dorthin, wohin er sie haben wollte. Calhoun wusste ganz genau, was er mit ihr anstellen musste, damit sie schwieg und Wachs in seinen Händen wurde. Diese wussten zuzupacken und zu verzücken, ebenso wie seine Zunge es wusste. Und wie! Neriélle wusste kaum wohin mit ihren Reizen und den überfluteten Synapsen, die sich nach jeder Liebkosung sehnten, die er bereit war zu geben. Mühelose bescherte er ihr Schauer, während er ihrem Dirigieren gehorchte und sie auf eine Weise befriedigte, die sich überall in ihrem Körper zu entladen schien. Irgendwann konnten die Reize zu viel werden und ins Gegenteil umschlagen, doch Calhoun bewies auch hier, dass er gar nicht so ungeniert ihre Bedürfnisse überging, wie es seit ihrem Streit den Anschein hatte. Nein, er entließ ihren Schoß in eben jenem Moment, da sie vor Lust kaum noch hätte atmen können! Er hinterließ eine schwere Kühle, die sie füllen wollte und sehen konnte, dass er dazu imstande war. Doch bevor er sie endlich eroberte und ausfüllte, spielte er auf ihr Wortgefecht an und entlockte ihr ein Zucken der Mundwinkel.
Er erwiderte es tatsächlich mit funkelnden Augen, die immer noch raubtierhaft wirkten. "Ich hoffe, du arbeitest weiter so gewissenhaft", raunte sie zurück und er drängte sie ein wenig zurück, indem er sich weiter vorlehnte. „Du wirst mehr als zufrieden sein.“, raunte er heiser und seine Lippen strichen über ihre, während er sich dann ein wenig aufrichtete und von ihr aufgehalten wurde. Er ließ es zu, kam ihr sogar weiter entgegen und presste seine Lippen den ihren für einen leidenschaftlichen Kuss entgegen. Dabei schob er sie noch ein wenig mehr seiner eigenen Mitte entgegen und schon konnte Neriélle spüren, wie sich seine Spitze zwischen sie drängte. Er glitt mühelos hinein, füllte sie komplett aus und wartete nicht mal damit, sich gleich ein wenig bemerkbar zu machen. Noch während sie ihn küsste, stieß er in sie und packte dabei ihre Schenkel, um sich an ihnen festzuhalten, während er sie gleichzeitig hielt. Und mit einem Mal übernahm sie die Führung und nahm sich, was sie wollte. Er ließ sie gewähren, folgte ihrem Taktstock und öffnete die Augen. Er beobachtete sie, während sich ihre Lust steigerte und sie laut und gelöst stöhnte. Er grollte zufrieden bei ihrem Anblick und erhöhte das Tempo noch einmal, bevor sie zuckend und explodierend von der ersten Welle überrollt wurde. Calhoun hielt sie fest und ließ ihr den Moment, in dem sie sich ganz ihrem Höhepunkt hingeben konnte. Er küsste dabei ihr gerecktes Kinn und wanderte ihren Hals hinab, während er sich nicht aus ihr löste. Oh nein, so schnell würde er nicht aufhören. Und auch Neri würde das nicht wollen, denn sobald ihr Schauer vorübergezogen war, blickte sie ihn an, platzierte Küsse auf seiner Haut die ein wenig salzig schmeckte und biss ihm in die Unterlippe, was er mit einem stärkeren Griff um ihre Hüfte quittierte. Seine Zunge wanderte über seine Lippe und er blitzte sie an. „Bereit?“, wollte er rhetorisch wissen, wartete aber keine Antwort ab. Was folgte war etwas, was Neri durchaus noch einige Male den Verstand rauben könnte. Calhoun stieß wieder und wieder in sie, erhöhte das Tempo in einem Maße, dass es ihr die Luft nehmen könnte oder sie vor Lust schreien ließ. Er achtete auf jede noch so kleine Nuance und war verdammt ausdauernd.

Es war fast zum Niederknien, wie er sich in ihr verewigte und Neri spürte, dass er es ebenso genoss, wie sie vermutlich. Calhoun aber glitt immer wieder tiefer und tiefer, presste sich gegen sie und bewies ein immenses Stehvermögen. Ihre Leiber schwitzten, trotz der latenten Kälte des Winters und dennoch konnte das nichts stören. Seine glänzende Haut fühlte sich seidig an und er zog ihr Spiel in die Länge, das konnte sie spüren. Ob er sie bereits einmal erneut oder mehrfach über die Klippe schickte, er hörte nicht auf. Er laugte sie auf eine Weise aus, die sie bis dahin vermutlich nicht erlebt hatte. Er wechselte die Positionen, er dirigierte sie wie der Maler seinen Pinsel, um ein Kunstwerk zu erschaffen und sein Stöhnen und Grollen war die Farbe dazu.
Immer wieder presste er seine Lippen auf die ihren oder auf ihre schwitzende Haut. Er leckte ihre Lust von den Poren und knabberte an ihrem Ohr. Alles war darauf ausgelegt, dass sie die höchsten Freuden erlebte und ihn diesbezüglich vermutlich nicht so schnell vergessen könnte. Calhoun aber trieb es hier auch nicht zu weit. Er behielt seine Umsichtigkeit bei, damit es für sie beide das feurige Erlebnis blieb und nicht etwa zu einer unangenehmen Länge gedehnt wurde. Sobald er bei Neri Anzeichen von Erschöpfung spürte, wurde sein Tempo quälend langsam. Immer wieder ließ er sich Zeit, spürte das süße Brennen an sich und in ihrem Schoß und genoss den letzten Höhepunkt, der auch ihn über die Klippe bringen würde. Calhoun beobachtete dabei Neri erneut. Sein Rot ruhte auf ihren glühenden Wangen und bevor er es beendete, presste er seine Lippen auf die ihren, forderte ihre Zunge abermals zum Duell bevor er mit kurzen, zügigen Stößen, sie beide abermals forderte und sich dann zuckend aus ihr entfernte, um sich auf ihr zu entladen. Er keuchte und lehnte seine Stirn gegen ihre, während er sich auf dem Tisch abstützte und den schweren Atem einen Moment Zeit gab, sich zu beruhigen. Für einige Sekunden harrte er in dieser Position aus und öffnete dann erst die Augen. Er schaute auf ihre beiden Mitten hinab und hob daraufhin den Blick. „Bist du also doch eine dieser Frauen!“, raunte er ihr zu und es hätte vermutlich wieder nicht unpassender sein können, wenn er nicht hinter sie gegriffen hätte, um seinen Mantel, auf dem sie gelegen hatte, zu nehmen und ihr über die Schultern zu ziehen, damit sie nicht zu frieren begann. Er hielt den Mantel sogar vor ihrer Brust etwas zusammen und betrachtete Neri daraufhin einen Moment. Er neigte sich vor und gab ihr einen Kuss, der tatsächlich recht sanft war. „Mit dir macht es bisher mehr Spaß.“, murmelte er und ließ nicht erkennen, ob er sich einen Scherz machte oder es ernst meinte. Daraufhin ließ er sie in seinem Mantel auf dem Tisch sitzen und trat einen Schritt zurück. Er selbst blieb so nackt, wie sich nur Faldor diesen Halbgott ausgedacht haben konnte und streckte sich ausgiebig. Dann trat er an Neri vorbei und ging zum Fluss, um sich zu waschen.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Freitag 31. März 2023, 14:55

Neris Körper brannte unter seinen Berührungen und wurde weich wie geschmolzenes Wachs. Seine Berührungen vernebelten ihr die Sinne, sodass sie im Moment nur an das, was gerade jetzt zwischen ihnen passierte, denken konnte. Die Vorgeschichte zwischen ihnen war gerade völlige Nebensache und Neriélle ließ sich nur zu gerne ein weiteres Mal von dem gut aussehenden und verheißungsvollen Dunkelelfen verführen. Sie wollten einander und das alleine zählte im Moment. Er prophezeite ihr, dass sie mehr als zufrieden sein würde und das allein ließ sie unter ihm liegend erschaudern und sich seiner Mitte entgegen drängen. Sie keuchte auf, als er endlich in sie eindrang und sie seine starken Hände brennend auf ihren Schenkeln spürte. Neri genoss seine Nähe. Nicht nur, dass er sie vollends und genüsslich auszufüllen wusste, sondern auch, dass er so dicht über sie gebeugt blieb und ihren drängenden Küsse und fordernden Regungen folgte. Er wusste ihre Lust zu befriedigen und es dauerte nicht mehr lange, bis sie zuckend im ersten Höhepunkt aufging. Durch den Schleier hindurch spürte sie seine Küsse an ihrem Hals und genoss das Gefühl, das durch ihren Unterleib pulsierte, während Calhoun dort noch verharrte. Sie schlug die Beine um seine Hüfte und spürte den süßen Wellen nach, ehe sie die Augen öffnete und sah, dass sich Calhoun über die Lippen leckte. Offenbar gefiel ihm, was er sah, und das ließ auch Neris Lust wieder aufflammen. Auf seine rhetorische Frage, ob sie bereit war, brauchte es keine Worte, sondern nur den Blick in ihr Gesicht und den Bewegungen ihrer Beine, die seine Hüfte für weiteres freigaben. Neri dachte offensichtlich ebenso wenig wie er daran, das ganze hier so schnell enden zu lassen.

Und so zeigte Calhoun ihr abermals, mit welcher Ausdauer, Intensität und gleichzeitig überraschender Umsicht er ihren Verstand rauben konnte. Neri keuchte und stöhnte unter ihm und ließ ihre Lust hörbar hinaus. Sie passte sich seinem Rhythmus an, aber auch seinen Bewegungen, wenn er die Position veränderte. Oder sie war es selbst, die die Position ihrer Beine änderte, um ihn auf eine andere Art an und in sich zu spüren und sich in höchste Höhen treiben zu lassen. Ihre Hände strichen immer wieder seine Arme oder die Brust entlang oder krallten sich in seinen Rücken und Nacken. Wenn es die Position zuließ, legte sie die Hände auch auf seinen wohlgeformten Hintern, um diesen an sich zu drücken. Ihr Körper zuckte unter seiner Zuwendung und eine weitere heiße Welle überrollte sie, zitternd und schaudernd kostete sie dieses Gefühl erneut aus. Calhouns Grollen und Stöhnen verriet, dass er es genauso genoss wie sie. Er erregte sie auf eine bisher unbekannte Art und Weise. In ihrem Schoß zog und brannte es unentwegt und Calhoun wusste genau, wann er die Reibung und Intensität erhöhen musste und wann er sie mit langsamen Bewegungen quälte. Immer wieder fanden ihre Lippen und Zungen zueinander. Ihre Körper rieben sich schwitzend aneinander und sie mochte den Geruch, der ihn umgab. Ihre Haare hatten sich längst aus ihrem lockeren Knoten gelöst, klebten teilweise in ihrer Stirn oder umrahmten nun ihr Gesicht, das dadurch etwas weicher wirkte.

Calhoun forderte viel, aber Neri war bereit, sein Verlangen zu stillen. Seines und ihr eigenes. Ihr Atem ging unregelmäßiger und vergleichsweise schwerer und Calhoun schien zu merken, dass das anfängliche Feuer sich schleichend in Erschöpfung ausging. Mit geschlossenen Augen genoss sie die folgenden, quälend langsamen Bewegungen. In diesem Moment beschloss sie, das hier und seine Nähe zu genießen, solange es andauerte. Als er erneut einen Kuss einforderte, öffnete sie die Augen und erwiderte lächelnd seinen Blick, ehe ihre Zungen ein letztes Mal einander umspielten und er sie erneut über die Klippe trieb. Ein heißes, kribbelndes Gefühl bemächtigte sich ihres Körpers in einem letzten Höhepunkt, ehe er sich ihr entzog und ihre pulsierende Mitte freigab. Diesmal war sie es, die ihn beobachtete, als er seinem Höhepunkt nachfühlte, während seine Stirn gegen ihre lehnte und sie seinen starken und heißen Atem auf ihrem Gesicht fühlte. Kleine Schauer jagten noch durch ihren Körper und auch ihr Atem ging unregelmäßiger und stärker. Sie spürte eine Leichtigkeit in sich, die nur eine heiße Vereinigung wie diese auslösen konnte.
„Bist du also doch eine dieser Frauen!“
Calhoun holte sie schneller in die Wirklichkeit zurück, als ihr lieb war. In ihren Augen blitzte für einen Moment Verunsicherung auf und mit einem Mal packte sie die kalte Angst, dass er sich einfach wieder abwenden und sie stehen lassen würde. Schon wieder. Doch stattdessen griff er hinter sie und sie spürte im nächsten Moment seinen Mantel um ihre Schultern, den er vor ihrer Brust geschlossen hielt. Ehrliche Verwirrung stand ihr ins Gesicht geschrieben, während sich ihr Herzschlag langsam wieder beruhigte. Die Geste wollte nicht zu seinen Worten passen. Kurz dachte sie an die Situation im Lager im Wald zurück, als er sie in warme Decken gepackt, Essen zubereitet und Tee gekocht hatte. Damals hatte sie sich unwohl dabei gefühlt. Doch das hier war anders. Etwas perplex erwiderte Neri seinen Kuss, der unerwartet sanft war und ihre Verwirrung ob seiner widersprüchlichen Worten und Taten wachsen ließ.
„Mit dir macht es bisher mehr Spaß.“
“Soll das ein Kompliment sein?”, murmelte sie leise, als er sich abwandte, aber laut genug, dass er es hören konnte. Ihre Hände griffen nach dem Mantel, den er losgelassen hatte, um ihn weiterhin geschlossen zu halten. Ihre Frage klang so verdutzt wie ihr Gesichtsausdruck noch war. Es war kein Angriff und es schwang auch kein Sarkasmus mit, sondern es war eine ernstgemeinte Frage. War das ein verschrobenes Kompliment eines Dunkelelfen, der sie gerade als die Beste seiner unzähligen Frauen hervorhob, die er in der letzten Zeit genommen hatte? Wie viel war solch ein Kompliment wert? Geschmeichelt fühlte sich die Elfe davon jedenfalls nicht.

Neriélle rutschte vom Tisch herunter und merkte, wie leicht und weich sich ihr Körper anfühlte. Calhoun hatte ganze Arbeit geleistet. Ihre offenen Haare umrahmten verwuschelt das hübsche Gesicht mit den noch geröteten Wangen. Einem Impuls folgend, trat sie einen Schritt auf den Dunkelelfen zu, der sich gerade zum Fluss abwandte, und griff nach seiner Hand, bevor er wieder schweigend das Weite suchen und sie stehen lassen konnte. “Warte, Calhoun.” Sie zog sanft an seiner Hand, um ihm zu bedeuten, sich wieder zu ihr herum zu drehen. Dann machte sie noch einen Schritt auf ihn zu. Die Elfe hob den Kopf und schaute ihm in die Augen.
“Spiel' keine Spielchen mit mir, Calhoun”, sagte sie dann ernst. Es war kein verzweifeltes Betteln, das hatte sie nicht nötig. Vielmehr klang es nach der Forderung einer selbstbewussten Frau. Neri wollte nicht sein Spielball sein, den er nutzen und fallen lassen konnte, wie es ihm beliebte und das wollte sie nach seinen Worten klarstellen. Oder war es dafür schon lange zu spät? “Es macht Spaß mit dir, keine Frage. Ich brauche keine romantische Gefühlsduselei. Kein..” Wie hatte er es genannt? “.. emotionales Gewäsch.” Sie schmunzelte kurz, als sie seine Worte benutzte. “Wir können das einfach so lange machen, wie es uns Spaß macht. Aber dafür musst du dich nicht wie die Axt im Wald benehmen, in Ordnung?”

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Sonntag 2. April 2023, 09:03

Vermutlich hätte jede Zweisamkeit die Gedanken für diesen Moment verdrängt und ein Vakuum geschaffen, in dem man sich fallenlassen konnte. Doch Neri wurde nach allen Regeln der Kunst verführt. Es war nicht nur die reinen Fertigkeiten, die ihr den Verstand rauben wollten, sondern diese spezielle Mischung, die Calhoun ausmachte. Er war dominant, er war ungehobelt und sogar frech. Und er nahm sich, was er wollte. Dass sie das ausgerechnet auch wollte, überraschte Neri und machte das ganze gleichzeitig so viel aufregender. Und dann war der pure Genuss seines Könnens. Der Dunkelelf wusste sehr gut, wie er eine Frau befriedigen musste, obwohl er dabei nicht stumpf einem Muster folgte. Er achtete genau auf ihre Zwischentöne, beobachtete sie und passte so sein Tun an. Und es war verdammt gut, wie er sie vor der Hütte ungeniert nahm, sich seiner und ihrer Lust hingab und ihren Körper in Flammen versetzte. Jede Berührung, jeder Druck an der richtigen Stelle, erzeugte eine Gänsehaut und schob sie immer wieder über die Klippe, um sie im freien Fall erneut einzufangen und wieder den gleichen Weg hinaufzujagen. Dass sie bei Calhoun unbefriedigt sein könnte, war pure Utopie. Schwitzend rieben sich ihre Leiber aneinander, bis die Erschöpfung einkehrte. Bis es keine Klippe mehr zu überspringen gab, denn irgendwann setzte die Müdigkeit ein. Doch die war keineswegs zu vergleichen mit der nach dem Marsch im Wald oder der Flucht vor Tod und Zerstörung. Diese Müdigkeit ließ zufrieden zurück. Man fühlte sich gut und selig. Bis der Dunkelelf diese Seligkeit störte, indem er wieder den Mund aufmachte! Neri konnte seine Worte nicht einordnen.
Allerdings kehrte die Erinnerung an sein Verhalten bei ihrem ersten Techtelmechtel zurück und hinterließ einen faden Beigeschmack. Calhoun löste dieses Dilemma nicht auf, sondern verwirrte sie mit einer scheinbar einfachen Geste. Dennoch konnten seine Worte das Herz der unabhängigen Elfe nicht bezirzen. Noch während er sich abwenden und sich waschen wollte, rutschte Neri in den Stand und konnte nicht leugnen, dass ihre Bekne wie Pudding waren, ehe sie ihn mit sanftem Zug am Gehen hinderte. Er hielt tatsächlich inne und wandte fragend den Kopf. Er folgte ihr mit seinen Augen, während das Rot ihre Miene abtastete. “ Spiel' keine Spielchen mit mir, Calhoun”, eine Augenbraue wanderte in die Höhe und Argwohn legte sich auf seine Züge.

Er wandte sich nun vollends ihr zu und die vorangegangene Entspannung in seinem Blick wich einem prüfenden Ausdruck. “Es macht Spaß mit dir, keine Frage. Ich brauche keine romantische Gefühlsduselei. Kein.. emotionales Gewäsch“ Er musterte sie, ohne eine Regung zuzulassen, obgleich er ihr Zucken der Mundwinkel erkannte. Dann trat er einen Schritt auf sie zu und verringerte die Distanz wiedermal. Er neigte sich zu ihr hinunter, um ihr in die Augen zu blicken und seine Stimme war nur ein Raunen zwischen ihnen. „Ist angekommen.“, meinte er salopp, ehe er seine Augen ganz ungeniert über die Ansätze ihres nackten Körpers wandern ließ. „Dass wir uns mal einig sind?“, er grinste kurz auf, was nicht wirklich etwas Warmes inne hatte. „Keine Sorge…“, murmelte er dann und kam mit seinen Augen zurück zu ihren und richtete sich auf. Fest war sein Blick, dann, plötzlich, packte er ihren Hintern und knetete ihn fest. Sein Mund kam ihrem Ohr nahe: „Du wirst auf deine Kosten kommen, ohne Gefahr zu laufen, den vollen Preis zahlen zu müssen!“, antwortete er kryptisch und dirigierte ihr Gesicht, so wie er es brauchte und küsste sie noch mal leidenschaftlich, ehe er sie aus seiner Nähe und seinen Fängen entließ und ihr ein kesses Grinsen schenkte. „Wie schon gesagt. Mit dir macht‘s bisher mehr Spaß als mit den anderen.“, zuckte er die Schultern. Er war also kein Kind von Traurigkeit. Gut, das wusste sie vorher, irgendwie. Die Frage blieb… wie lange würde ihr Arrangement Bestand haben können? Sex war offenbar kein Problem. Nur… würde Neri das reichen können? Der Mann wusste haargenau, welche Knöpfe er zu drücken hatte. Doch wie weit könnten sie gehen, ohne eine Grenze zu überschreiten? Diese Frage würde sich wohl an diesem Tag nicht mehr beantworten lassen. Ein kleiner Klaps auf Neri’s wohlgeformte, pralle Pobacke folgte, ehe er sich doch abwandte und zum Fluss hinunter ging.

Hier wartete er nicht erst lange, sondern ging hinein und versank daraufhin im kalten Wasser. Er wusch sich, tauchte unter und strich sich beim Auftauchen das Haar zurück. Danach kehrte er aus dem Wasser hervor und ging auf den Tisch zu, um sich die am Boden liegende Hose zu greifen. Er zog sie an und verhüllte damit den appetitlichen, unteren Teil seines Körpers. „Ich werde noch einen Tag brauchen, bis das Floß fertig ist.“, teilte er ihr mit – ganz ohne Gefühlsduselei- und kam schnell zur Tagesordnung zurück. „Du könntest dich darum kümmern, dass wir etwas Essbares für den Weg haben, ohne unnötig anhalten und ein Feuer machen zu müssen.“, trug er ihr auf. Er musterte sie und ließ erneut keine Rückschlüsse darauf zu, was er dachte. Der Streit war offenbar erledigt, zumindest sprach nichts mehr dafür, dass er die Wut von vor ihrem Stelldichein erneut aufleben lassen wollte. Vielleicht war das auch besser so. Wer konnte den Mann schon einschätzen? Nun, Arunn hätte gewiss mehr Licht in dieses Dunkel bringen können, wenn er bloß endlich mal erwachen würde. Allerdings könnte Neri feststellen, wenn der Weg sie dorthin führte, dass Arunn nicht schlechter aber auch nicht besser aussah. Der Mann brauchte Heilung in Form kundiger Finger. Sie konnten allenfalls seinen Zustand hinauszögern. Der Dunkle aber ging wieder seiner eigentlichen Arbeit nach. Keine lüsternen Blicke, keine knisternde Spannung. Er griff sich das im Baum steckende Beil zog es kraftvoll heraus und begann dann damit, einige Baumstämme zu schlagen, bis die Fläche des Floßes ausreichend war. Neri überließ er die Versorgung Arunn’s und die Jagd. Auch die Zubereitung, damit sie vielleicht ein wenig Fleisch gebraten oder gekocht mitnehmen könnten, überließ er ihr. Wie, das wäre ihrem jägerischen Können überlassen. Immerhin war ihr Bogen nicht zu gebrauchen. Sie hatte die Pfeile, sie hatte einen Dolch oder das Messer von Calhoun. Vielleicht fand sie noch etwas in der Hütte, aber leicht würde es gewiss nicht werden. Vielleicht aber tat Abstand mal ganz gut. Und der Wald hatte sie ja schon immer erden können. Einmal in ihrem Element, nur sie und die Jagd.



Wenn Neri jagen geht, höre mit dem nächsten Post gern im Wald auf. - Noch nicht zur Hütte zurückkehren.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Montag 3. April 2023, 14:47

Neri musterte Calhoun eingehend, um seine Reaktion auf ihre Worte einzufangen. Er wirkte skeptisch und sie erwiderte seinen prüfenden Blick standhaft. Es war ihr wichtig, ihm klarzumachen, dass er sie nicht behandeln konnte, wie er wollte, und gleichzeitig mit ihr diese aufregende Eskapade führen konnte. Sie hatten Spaß zusammen, viel und intensiven Spaß.. Ohja. Den wollte auch Neri im Moment nicht missen. Aber dafür forderte sie seinen Respekt. Die Elfe blieb weiter regungslos stehen, als Calhoun noch einen Schritt auf sie zumachte und sich zu ihr hinab beugte, was ihr Herz auch jetzt einen Moment schneller schlagen ließ.
„Ist angekommen.“
Einfach so? Neri hatte mit einer arroganten und herablassenden Antwort gerechnet, aber nicht mit dieser einfachen Zustimmung. Seine Mimik gab wie immer kaum Emotionen preis, sodass sie nie wusste, was sie im nächsten Moment erwartete. Aber sie bemerkte sehr wohl seinen Blick, der ihre Gestalt hinab glitt, die unter seinem Umhang verborgen blieb. Doch ihre Augen, die eine gewisse Verwunderung offenbarten, verweilten auf den markanten Zügen seines Gesichts.
„Dass wir uns mal einig sind?“
“Es geschehen noch Zeichen und Wunder”, pflichtete sie ihm mit einem leichten Grinsen bei und ahnte, dass er noch mehr zu sagen hatte.
„Keine Sorge.." Mit der folgenden Bewegung rechnete sie jedoch nicht, sodass sie überrascht und hörbar einatmete, als sich seine Hand plötzlich ungeniert auf ihren Hintern legte. Sein Atem kitzelte ihr Ohr und löste einen Schauer aus, der ihren Körper hinab rann. „Du wirst auf deine Kosten kommen, ohne Gefahr zu laufen, den vollen Preis zahlen zu müssen!“
Und wie verheißungsvoll er diese Versprechungen machen konnte.. durch den Kopf der Elfe flogen Bilder, die ihre Kehle auf einmal austrockneten. Doch als er nach ihrem Gesicht griff, um sie zu küssen, legte sie eine Hand auf seine führende Hand und verwehrte ihm im ersten Moment den Kuss, in dem sie seine Hand festhielt und ihrer Bewegung nicht nachgab, sondern still verharrte, soweit er sie nicht dazu zwang. "Gut", hauchte sie. "Gut, dass wir das geklärt haben." Erst dann gab sie seiner stillen Forderung nach und bewegte den Kopf in seine Richtung, um seine Lippen zu liebkosen. Sie versuchte das Kribbeln zu ignorieren, das sein Kuss auslöste und das von seinem folgenden Grinsen verstärkt wurde. Sie war froh, dass sie sich hierin einig waren und vermutete, dass auch Calhoun diese Abmachung ganz recht war.
"Wie schon gesagt. Mit dir macht‘s bisher mehr Spaß als mit den anderen.“
Eine ihrer Augenbrauen hob sich, das Kompliment in Frage stellend. Nicht den Umstand, dass es Spaß mir ihr machte.. sie hatte genug Erfahrung und wusste, was sie wollte und sie wusste auch, was den Männern gefiel. Es war eher die zweifelhafte Art, sie erneut aus der Menge von Frauen herauszustellen. Neri war nicht überrascht, sie hatte ihm schließlich von Anfang an unterstellt, sich ungeniert mit Frauen zu vergnügen. Das war schon im Zeltlager ersichtlich gewesen und ihr war auch klar, dass sie nur eine von vielen war. Doch das störte sie nicht. Was wäre auch die Alternative? Er war ein Dunkelelf, ein Schattenmagier, und sie eine gute Elfe und Lichtmagierin. Für eine normale Shyáner Elfe wäre allein diese körperliche Verbindung zu dem Dunkelelfen eine Schande, die ihresgleichen suchte. Alles darüber hinaus war in keiner Welt möglich, nicht existent und somit in Neris Augen keinen Gedanken wert. Auch wenn sie es nicht so hinaus posaunte wie Calhoun, war sie doch ebenso wenig ein Kind von Traurigkeit. Calhoun war nicht der erste Fremde, von dem sie sich angezogen fühlte. Aber doch der erste Dunkelelf mit dieser dunklen Aura, die ihn stets umgab und die Neri dazu brachte, sich bereitwillig in seine Fänge zu begeben. Obwohl es falsch war. Obwohl Calhoun für alles stand, das sie verachten sollte. Doch hier im Wald, von allen ungesehen, gab es keinen Grund, diesen anerzogenen Widerstand aufrechtzuerhalten. Sie konnte tun, was sie wollte. Und sie musste nicht den vollen Preis dafür zahlen, wie er es so schön formuliert hatte - was genau er auch immer damit meinte. Bestand der volle Preis darin, sich fest an ihn zu binden? Da war es wieder: das Szenario, das gar nicht existieren konnte. Nichts wollte Neri weniger als eine Beziehung. Sie war nicht mal auf der Suche nach dieser Art von Spaß gewesen, aber irgendwie hatte eines zum anderen geführt und Neri genoss die Nähe des Dunklen inzwischen mehr, als ihr lieb war, wenn sie zu lange darüber nachdachte. Calhouns Klaps auf ihren Po ließ sie aus ihren Gedanken auftauchen. "Du bist ungehobelt", rief sie ihm halblaut hinterher, um sicherzugehen, dass er es hörte. Aber sie klang nicht argwöhnisch, am ehesten vielleicht neckend.

Sie sah dem Dunkelelfen hinterher und seufzte, als er ins Wasser stiefelte. Doch nach diesem Gespräch fühlte sie sich wohler. Die Fronten waren geklärt. Sie würden ihren Spaß zusammen haben und bald wäre das hier sowieso vorbei. Wenn Arunn im Dorf der Waldmenschen Heilung fand, gab es in ihren Augen schließlich keinen Grund mehr für ihre gemeinsame Weiterreise.
Neri folgte Calhoun mit einigem Abstand zum Fluss, denn auch sie musste sich dringend waschen, auch wenn ihr das eiskalte Wasser widerstrebte. Doch Calhoun hatte sich nicht zurückgehalten und sich in Folge seines Höhepunktes auf ihr entladen. Am Ufer legte sie seinen Mantel ab und watete langsam in den Fluss hinein. Augenblicklich breitete sich eine Gänsehaut auf ihrem Körper aus. Während der Dunkelelf scheinbar unbeeindruckt erneut im Fluss untertauchte, lief Neri gerade mal bis zu den Oberschenkeln hinein und wusch sich mit zusammen gekniffen Zähnen. Sie versuchte es kurz und schmerzlos zu halten, dennoch begann sie schnell zu zittern, als sie das kalte Wasser unter die Arme, über die Brust und vor allem über Bauch und tiefere Regionen schöpfte und sich gründlich wusch. Das Wasser tat zwar gut und sie fühlte sich danach sauber und frisch, aber es war auch einfach verdammt kalt zu dieser Jahreszeit. So blieb auch keine Zeit, um den Dunkelelfen anzustarren, wie von dem gemütlichen Fensterplatz im Inneren der Hütte, sondern sie konzentrierte sich darauf, selber schnell fertig zu werden. Als ihr durchaus ansehnlicher Körper gewaschen war, schnappte sie sich schnell wieder Calhouns Mantel und legte ihn sich locker über die Schultern, um ihn nicht nasser als nötig zu machen, hielt ihn aber mit einer Hand wieder vor der Brust geschlossen. Neri war nicht so abgehärtet wie er, um sich völlig nackt und nass der kalten Winterluft auszusetzen. Dann kam sie ebenfalls zum Tisch zurück, um sich ihre Hose über die Beine zu streifen, während er seinen Plan offenbarte.
„Ich werde noch einen Tag brauchen, bis das Floß fertig ist. Du könntest dich darum kümmern, dass wir etwas Essbares für den Weg haben, ohne unnötig anhalten und ein Feuer machen zu müssen.“
Nachdem die Hose angezogen war, richtete sich Neriélle wieder auf und erwiderte seinen Blick. Doch seine Miene gab erneut keinen Hinweis auf seine Gedanken. "Ist gut", sagte sie dann nur und wunderte sich kurz darüber, dass sie ganz normale Gespräche führen konnten. Die Wut hatte sich in Leidenschaft verwandelt und war offenbar irgendwo zwischen ihren Höhepunkten verbrannt. Was blieb waren geglättete Wogen. Neri zog Calhouns Mantel von ihren schmalen Schultern und reichte ihn den Elfen wortlos, so als wäre sie nicht nackt darunter. Den Blick hielt sie in seinen Augen, neugierig, ob er die Chance nutzen würde, ihren nackten Oberkörper zu betrachten. Sie wartete einige Momente still.
"Viel Spaß bei der körperlichen Ertüchtigung", wünschte sie ihm dann frech, in Anspielung an die Ertüchtigung der ganz anderen Art, der sie gerade gemeinsam gefrönt hatten. Dann drehte sie sich auf den Absatz um, schnappte sich im Vorbeigehen seine Schüssel und verschwand in der warmen Hütte. Sie schloss die Tür hinter sich und lehnte sich einen Moment mit dem Rücken dagegen. Seufzend genoss sie die wohlige Wärme, die sie hier umfing. Und erneut merkte sie, dass ihr auch der Abstand zu Calhoun gut tat. Seine Nähe war so einnehmend und reizvoll.. sie brauchte definitiv Ablenkung und war froh, dass sie die Gelegenheit bekam, alleine in den Wald zu gehen.

Als ihr einige Sekunden später bewusst wurde, dass sie noch halbnackt hier herumstand, zog sie sich schnell ihre Jacke und den dicken Wollmantel an. Dann fischte sie ihre blutverschmierte Bluse aus dem Wasserbad, an die Calhoun sie wohl oder übel erinnert hatte, als er ihre andere Bluse im Eifer des Gefechts zerrissen hatte. Sie wrang den Stoff ordentlich aus und betrachtete ihn. Das Blut war zwar etwas ausgewaschen, aber sie würde wie eine Wilde darin aussehen. Doch das war besser als mit Nichts unter ihrer Jacke im Dorf der Waldmenschen aufzutauchen. Die Elfe breitete die Bluse auf der Schräge des Kamins aus, auf der sie sicherlich bis morgen getrocknet sein würde. Dann legte Neri einige Holzscheite nach, da sie das Feuer ziemlich vernachlässigt hatte und es nicht mehr allzu stark brannte. Danach aß sie erst einmal eine große Portion von dem Eintopf, da sie das Frühstück ausgelassen hatte. Sie konnte sich schließlich nicht nur von Luft und Leidenschaft ernähren. Als sie gesättigt war, ging sie zu Arunn hinüber und überprüfte seine Gesundheit.
"Hey Arunn, wie geht es dir?", fragte sie rhetorisch, weil sie die Stille zwischen ihnen noch immer schlecht aushielt. Sie stellte fest, dass es ihm zwar nicht schlechter ging, aber leider auch nicht besser. Kurz klopfte das schlechte Gewissen an, da sie sich mit Calhoun vergnügt hatte, statt an dem Floß zu arbeiten. Doch Neri hatte in den letzten Tagen Übung darin erlangt, die unliebsamen Gedanken beiseite zu schieben. Wenn sie jetzt noch damit anfing, würden vielleicht auch die Gedanken an Calhouns Ehe oder Nicht-Ehe zurückkehren und dann.. nein, nein. Sie verbat sich diese Gedanken. Stattdessen flößte sie Arunn noch etwas Brühe ein. "Wir bauen ein Floß.. naja, Calhoun baut ein Floß. Und dann bringen wir dich zum Dorf der Waldmenschen. Die wissen wenigstens, wie man jemanden richtig heilt", murmelte sie leise und musterte den Menschen. Dann kam ihr ein Gedanke. Sie erinnerte sich daran, dass die Heiler in Shyána Nelle manche Wunden ausbrannten, um eine Infektion zu stoppen. Vielleicht sollten sie das auch tun? Sie legte eine Hand auf Arunns Brust und verharrte so einige Momente. Dann erhob sie sich seufzend.
Im Anschluss begann sie, die Schränke zu durchsuchen, die sie noch nicht durchsucht hatte. Doch das einzige, das sie fand und ihr bei der Jagd nützlich sein konnte, waren zwei Netze und ein langer Strick. Vielleicht hatte damit mal jemand vor langer Zeit gefischt. Die Netze waren nicht sehr groß, aber gut in Stand. Da sie keinen Pfeil und Bogen nutzen konnte, blieb ihr nur die Möglichkeit, ein paar Fallen aufzustellen. Dafür nahm sie noch einige rohe Stücke von dem Kürbis mit, die sie abgeschnitten hatte, weil sie für Elfen ungenießbar waren, doch einem Hasen würden sie sicher noch schmecken.

Als Neriélle wieder aus der Hütte trat, hatte sie ihren Wasserschlauch quer über die Schulter gelegt, einige kleine Stücke Kürbis in ihren Hosentaschen verstaut und die Netze in der einen Hand. In der anderen Hand trug sie Calhouns Schüssel, die sie wieder aufgefüllt hatte, und stellte sie auf den Tisch. Es fühlte sich an wie ein Deja-vu.. doch jetzt wollte sie etwas anderes jagen. Sie ging zu den Holzresten hinüber, die Calhoun bei seiner Arbeit produzierte und inspizierte die Äste ganz genau, ehe sie einige größere und kleinere zusammen sammelte. Zuletzt holte sie noch das Messer, das sie vorhin achtlos zu Boden geworfen hatte, als die wütende Gestalt des Dunkelelfen auf sie zugerannt war. Das und ihr Jagdmesser waren nun also die einzigen Waffen - oder eher Werkzeuge -, die sie bei sich trug. Zuletzt ging sie zu Calhoun hinüber.
"Arunn geht es noch nicht besser. Wir könnten später seine Wunde ausbrennen. Kennst du dich damit aus? Ich habe dabei bisher nur zugesehen." Und ehrlicherweise wollte sie das nicht alleine machen. Es hatte immer verdammt schmerzhaft ausgesehen und selbst bewusstlose Patienten hatte es so weh getan, dass sie zumindest kurzzeitig zu sich gekommen waren, um sich gegen den Schmerz zu wehren. Sie würde Arunn nicht gleichzeitig festhalten und die Wunde ausbrennen können. Wobei sie hoffte, dass letzteres Calhoun übernehmen würde. “Deine Chance, ihm etwas heimzuzahlen”, meinte sie daher noch im Scherz, um ihn von ihrer Idee zu überzeugen, und versuchte es mit einem Schmunzeln, darauf gefasst, dass er auch dieses nicht erwidern würde. “Ich gehe jetzt. Wünsch’ mir Glück. Ohne Pfeil und Bogen wird es dauern, also warte nicht mit dem Essen auf mich.” Bezüglich ihres Bogens schwang nicht einmal ein Vorwurf mit, es war eine reine Feststellung. Sie schaute Calhoun sogar für einen Moment verschmitzt an, um ihre scherzhaften Worte zu unterstreichen. Schließlich waren sie kein Paar, wovon der eine zwingend auf den heimkehrenden Part mit dem Essen wartete. Dann marschierte Neri samt ihrer Werkzeuge in den Wald.

Sie lief so weit, bis die Bäume sie verschluckt hatten und sie außerhalb von Calhouns Sichtweite war und noch einige Meter weiter. Dann blieb sie stehen und atmete mehrmals tief ein und aus. Sie atmete den Geruch des Neldoreth' ein, nahm die Geräusche seiner Tierwelt wahr und besah sich seine Pflanzen. Der Wald war ihr gleichzeitig unbekannt und vertraut. Die Natur gab ihr Ruhe und Entspannung, die ihr kein Elf der Welt geben konnte. Als Neri merkte, wie die Anspannung allmählich aus ihrem Körper und Geist wich, konzentrierte sie sich auf ihre Aufgabe. Sie heftete den Blick auf den Waldboden und hielt Ausschau nach Hinweisen und Fährten kleinerer Tiere. Sie sah angeknabberte Pflanzen, von denen sie Teile mitnahm, umgegrabene Erde und stieß so bald auf die Spuren mehrerer Hasen, denen sie eine Weile folgte. Dabei suchte sie aufmerksam die Umgebung ab und spitzte die Ohren. Es war nicht leicht, einen geeigneten Platz für eine Falle zu finden, doch Neri hatte dies schon oft getan und war entsprechend geübt. Mit dem Messer, das Calhoun ihr heute gegeben hatte, spitzte sie einen großen und zwei kleine Stöcker an, die sie mitgenommen hatte. Dann trennte sie einen Teil des Stricks ab und knotete eine Schlinge daraus, die sich um ihre Beute zuziehen würde, sobald diese einen der dünneren Äste bewegte und damit die Falle auslöste. Dann legte die Jägerin einige der gepflückten Pflanzen auf die Erde, die offenbar von Hasen gemocht wurden, und legte noch etwas von dem Kürbis dazu, bis sie sich aufrichtete und ihr Werk zufrieden betrachtete. Das Bauen dieser Falle war im Moment eine willkommene Abwechslung für sie. Es erinnerte sie an ihr Zuhause und an den Kapayu, in dem sie etliche Male Fallen gebaut hatte. Es erforderte viel Konzentration und Fingergeschick und es half ihr, den Kopf frei zu bekommen.
Dann lief sie weiter und baute noch eine zweite und eine dritte Falle auf die gleiche Art und Weise, um ihre Chancen eines Fangs zu erhöhen. Sie musterte die ihr unbekannten Lianen und Blumen, von denen im Moment nicht viele blühten, und pflückte ein paar von ihnen. Als sie einen umgestürzten Baumstamm passierte, beschloss sie, hier eine längere Pause zu machen. Sie hatte schließlich Zeit. Die Hasen würden nicht von jetzt auf gleich in die Fallen laufen, das wusste sie. Also nutzte sie die Zeit, wie sie nur eine Elfe nutzen würde: Sie frisierte sich die Haare. Sie kämmte sie zunächst so gut wie es mit ihren Fingern ging, denn eine richtigen Kamm hatte sie natürlich nicht dabei. Dann flocht sie mehrere dünne Zöpfe, die locker an ihrem Kopf bis zu ihrem Nacken entlang führten. Dabei arbeitete sie ein paar Lianen als zusätzliche Strähnen ein. Die vielen einzelnen Zöpfe verband sie zuletzt mit einem längeren Band zu einen einzigen Zopf. Als Abschluss knotete sie die drei Blumen, die sie gefunden hatte, an den Stilen in die Strähnen hinein. Am Ende war ihre Frisur zwar nicht so akkurat und säuberlich, wie sie sie vor einem Spiegel herzurichten wusste. Aber für die Umstände sah es überraschend gut aus, da sie in der Vergangenheit viel Zeit in das Herrichten ihrer Haare gesteckt und dabei sehr viel Geschick und Fingerfertigkeit erworben hatte. Während sie Strähne für Strähne zwischen den Fingern dirigierte, ließ sie sich die Wintersonne ins Gesicht scheinen, die sich durch das Blätterdach brach. Sie dachte an die letzten Wochen zurück - das erste Mal in Ruhe, seit sie Zyranus erreicht hatte. Es war so viel passiert, das würde ihr keiner der Elfen in Shyána Nelle glauben. Wobei sie auch nicht alles von ihrer Reise erzählen würde..

Neri beschloss, dass die Pause lang genug gewesen war. Sie nahm einen Schluck aus der Wasserflasche, ehe sie über Umwege zurück zu ihrer ersten Falle schlich. Zu ihrer Überraschung war tatsächlich ein Tier in ihre Falle getappt. Ein Wildhuhn flatterte gackernd über den Boden, wurde jedoch von dem Strick um seine Füße an Ort und Stelle gehalten. Es schien noch einiges an Energie zu haben, woraus die Elfe schloss, dass es noch nicht allzu lange in der Falle saß und dort um seine Freiheit kämpfte. Doch die konnte Neri dem Huhn nicht schenken. Sie näherte sich nun schneller dem Tier, um es nicht länger als nötig zu quälen und packte es mit beiden Händen am Hals. Kurz darauf erstarb das Gackern und eine seltsame Stille breitete sie über den Platz aus. Neri entknotete und entwirrte die Schnur von den Füßen ihrer Beute und baute die Falle dann erneut auf. Ein Huhn würde wohl kaum reichen. Sie beschloss, nun jede Falle zu kontrollieren und dann erst einmal zu der Hütte zurück zu kehren. Am Abend wollte sie die Fallen erneut kontrollieren.
Sie hielt das Huhn an seinem Hals und ging zur zweiten Falle, die jedoch noch unberührt so stand, wie sie sie aufgebaut hatte. Doch in ihrer dritten Falle hatte sich tatsächlich ein Hase verfangen. Neri zog ihr Jagdmesser, packte den Hasen im Genick und beendete sein Leben vorzeitig. Dann baute sie auch diese Falle neu auf und machte sich auf den Weg zurück zur Hütte. Die beiden toten Tiere transportierte sie in einem Netz, das nun seinen Nutzen hierin gefunden hatte. Neri musste Stunden weg gewesen sein. Doch immerhin war sie erfolgreich gewesen und sie hoffte, dass bis zum Abend noch weitere Tiere in ihre Fallen tappen würden.

Auf dem Weg zur Hütte hielt sie inne, als sie plötzlich eine Eiche erblickte. Sie betrachtete den Baum von oben bis unten, legte eine Hand an seinen Stamm und senkte ehrfürchtig den Kopf. Sie schuldete Phaun noch etwas. Er hatte ihr im Lager beigestanden, da war sie sich sicher. Wie sonst war es möglich, dass sie unbescholten vor einem Dämon hatte wegrennen können? Sie hatte um den Beistand des Gottes gebeten und sie hatte ihm im Anschluss einen Hasen versprochen. Also kniete sie sich vor den Baum hin und begann kurzerhand den Hasen ohne jeden Ekel auszuweiden. Sie platzierte die Organe des Langohrs an den Baum und schloss die Augen.
“Heiliger Phaun, Gott der Jagd, Behüter des Lebens, dir gebührt mein Dank. Bitte nimm dieses Opfer als Dank für deine schützende Hand, die du über mich gehalten hast. Der Dank eines deiner Waldkinder. Gesegnet seist du, Phaun.”
Ihre Worte waren nur ein leises Flüstern, durchzogen von Ehrfurcht und ehrlicher Dankbarkeit. Sie öffnete die Augen und verweilte noch einen Moment an Ort und Stelle. Die Tiere des Waldes würden sich die Organe des Hasen holen und damit würde sie Florencias und Phauns Tiere nähren und der Kreislauf würde weiter bestehen.
Neri legte den Hasen zurück in das Netz zu dem Huhn und erhob sich. Sie berührte noch einmal die Eiche mit ihrer Hand, ehe sie in einigen Meter Entfernung die Hände mit ihrem Wasser wusch und sich dann auf den Weg zurück zur Hütte begab.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 5. April 2023, 10:45

Neri konnte ihren Standpunkt klarmachen und Calhoun schien das auch zu akzeptieren. Immerhin pflichtete er ihr bei und machte den Eindruck als wäre ihm dieses Arrangement auch sehr recht. Doch wie immer konnte sie nicht hinter die Stirn des Mannes sehen und musste sich viele Gedanken zu ihm einfach zusammenreimen. Neriélle aber wusste, dass sie ihm wohl nicht widerstehen könnte, wenn er es wirklich darauf anlegte. Dafür sorgten seine Hände, seine Lippen und noch ganz andere Körperregionen, die sie bei Tageslicht hatte, deutlich erkennen können. Der Mann blieb ein Rätsel und im Grunde wollte sie dieses auch gar nicht lösen. Oder? Nein… Sie brauchte ihn, bis zu einem gewissen Punkt. Und wenn der gekommen wäre, dann würden sich ihre Wege trennen. So einfach war das manchmal. Im Grunde ging es ihr auch um Arunn. Der Dessarier war zu einem wichtigen Punkt in ihrer neuen Lebensgeschichte geworden und sie wollte ihn wohlauf wissen. Dafür musste sie sich anstrengen und sich zusammennehmen, wenn der Dunkle sie wieder um den Verstand … brachte. Ob nun mit einem explosiven Streit oder aber seinen Lenden. Irgendetwas war pures Reizmittel an ihm, für die Shyáner Elfe. Jetzt jedoch, nachdem sie sich beide gewaschen hatten, kehrte für einen Moment ein wenig Ruhe ein. Sie konnten sogar Gespräche führen, ohne sich anzugiften. Für den Moment erschien wirklich alles gut. Dennoch ließ es sich Neri nicht nehmen, ihn seinerseits mal ein wenig zu reizen. Ungeniert reichte sie ihm seinen Mantel und hielt ihren Blick in seinen Augen. Das Rot erwiderte intensiv und griff dabei den Mantel. Einen Moment hielten sie beide den Stoff fest, ehe Neri losließ und Calhoun festhielt. Und ganz so als könnte er ihre Gedanken lesen, ließ er seine Augen an ihren Lippen hinabperlen, um sie einmal ganz langsam und genüsslich über ihren Körper wandern zu lassen. Dann kehrte er zurück zu ihr und sein Mundwinkel zuckte, bis er sich jedoch den Mantel überstreifte und zu seinem Projekt zurückkehrte. Er widmete sich wieder dem Bau des Floßes, während Neri sich um Arunn und die Versorgung kümmern wollte. Blass war der Mann im Bett. Sein Atem ging nur wenig, aber regelmäßig dafür. Fieber entwickelte sich glücklicherweise nicht, auch wenn alles an ihm ‚ungesund‘ schrie. Auch wenn Neri`s Bogen stets gepflegt worden war, wusste keiner von ihnen, wie sauber er tatsächlich gewesen war. Und welche Infektion sich vielleicht gerade daranmachte, sich Arunn einzuverleiben. Er brauchte wahrlich vernünftige Hilfe, denn sie waren mit ihrem Wissen am Ende. Blieb zu hoffen, dass Calhoun das Floß so stabil bekam, dass sie bis zum Waldmenschendorf kämen. Doch eines nach dem anderen. Jetzt suchte Neri erstmal Utensilien, die ihr bei der Jagd helfen könnten. Als erfahrene Jägerin, brauchte sie nicht unbedingt einen Bogen – es ginge leichter mit diesem, aber er war nicht nötig. Zumal das Fallenstellen schonender war. Trotzdem brachte sie dem Dunklen noch etwas zum Essen, bevor sie aufbrechen wollte. Schon wieder hatte er den Oberkörper vom Mantel befreit und hackte kraftvoll auf die Stämme ein. Erst als sie das Wort erhob, hielt er inne und schaute zu ihr herüber. Sein Blick fiel kurz auf die Schüssel, allerdings ließ er sich nichts anmerken. "Arunn geht es noch nicht besser. Wir könnten später seine Wunde ausbrennen. Kennst du dich damit aus? Ich habe dabei bisher nur zugesehen.“ Er trat auf den Tisch zu, der eben noch zu ganz anderen Zwecken umfunktioniert wurde und legte das Beil darauf. Er griff die Schüssel, die sie mitgebracht hatte und schaute auf den Inhalt. „Wird nicht so schwer werden. Aber vielleicht ist das eine vernünftige Idee.“, meinte er schulterzuckend und stellte die Schüssel wieder weg. Er hatte noch keinen Hunger, hatte er ja gerade erst eine Portion gegessen. “Deine Chance, ihm etwas heimzuzahlen”, stichelte sie leicht und er schnaubte. „Es macht keinen Spaß, wenn sie sich nicht wehren.“, meinte er trocken und ließ stehen, wie er es genau meinte. “Ich gehe jetzt. Wünsch’ mir Glück. Ohne Pfeil und Bogen wird es dauern, also warte nicht mit dem Essen auf mich.” Er sah ihr nach und runzelte die Stirn. Lächeln tat er nicht, aber dass er keinen Kommentar abfeuerte, konnte ihr Lohn genug sein. Noch ehe sie gänzlich im Wald verschwunden war, hatte er sich bereits wieder dem Floß gewidmet.

Neri tauchte in den Neldoreth ein und genoss sofort die heimeligen Gefilde. Egal ob der Wald andere Flora und Fauna hatte, es war einfach das Gesamtbild, das sich auf ihr Gemüt auswirkte. Shyána Nelle lag mitten im Urwald und bot eine Vielfalt an wunderschönen Pflanzen und Farben. Auch der Neldoreth war bezaubernd. Er wirkte etwas dunkler, obgleich der Kapayu durchaus seine finsteren Ecken besaß. Der Neldoreth aber hatte ein wundervolles Leuchten inne, das allein schon beruhigend sein konnte. Man sagte ihm nach, dass er die Heimat von Florencia und Phaun wäre und Neriélle wurde nicht enttäuscht. Saftige Baumkronen, trotz winterlicher Temperatur, bildeten ein hohes Dach, das von der Kälte ein wenig abschirmte. Der Boden war moosbedeckt und viel grüner als im Kapayu oder Arus. Gleichwohl aber bestand der Wald aus mehr Farnen und die Blätter waren längst nicht so fleischig, wie im Kapayu. Es erdete die Elfe erheblich und auch die Distanz zu Arunn’s Krankenlager und der Sorge, die damit einherging, ebenso wie zu Calhoun, der viel zu lebendig daherkam. Beides reizte, zerrte an den Nerven und so war es die vermeintliche Stille des Waldes, die ihre Nerven beruhigte. Obgleich Neri zahlreiche Geräusche wahrnehmen konnte. Hier knackte ein Ast, dort raschelte ein Gebüsch. Flügelschlag in den Baumkronen reihten sich ebenso ein, wie das Rufen verschiedener Kauze. Hier herrschte Hochbetrieb und doch, doch strahlte der Wald Frieden aus. Er ähnelte sogar, je tiefer Neri hineinging, ein wenig dem Kapayu, denn auch im Neldoreth konnte sie Lianen finden. So fiel es ihr auch nicht schwer, Spuren der Tierwelt für sich zu finden. Und erfahren, wie sie war, brauchte sie kaum Zeit, um ihre Fallen aufzustellen. Nachdem das erledigt war, hatte sie Zeit. Zeit für sich – wie lange war das jetzt schon her? Einfach mal nur sich selbst im Fokus zu haben, lag schon verdammt lange zurück. Während sie auf Beute nur zu warten brauchte, statt sie aktiv zu jagen und zu erlegen, widmete sich Neriélle ihrem Haar. Sie hatte auf dem Weg bereits die eine oder andere schöne Blüte gefunden und verschönerte es jetzt damit. Es gelang ihr sogar wirklich gut und kunstvoll und machte ihrer Herkunft alle Ehre. Inzwischen wusch sich langsam die Beerenfarbe heraus und neue hatte sie nicht mehr, da sie kaputtgegangen waren. Vielleicht würde sie hier neue finden oder eine andere Farbe? Könnte ja sein… Nachdem sie sich aber selbst verschönert hatte, prüfte sie die Fallen und wurde tatsächlich fündig, Das Wildhuhn litt nicht lange, dann fand es Platz in dem Netz, das Neri schlauerweise mitgenommen hatte. Sie stellte die Falle wieder auf, präparierte sie und prüfte noch die anderen. Auch einen Hasen hatte sie gefangen und so kehrte sie mit ihrer Ausbeute zurück zur Hütte.
Auf ihrem Weg aber fand sie dann einen Moment, in dem sie sich auf ihren Glauben besann. Phaun, der Göttervater der Jagd, brauchte noch ein Opfer. Sie hatte es ihm versprochen und jetzt war auch dafür endlich ein wenig Zeit. Mit Ehrfrucht im Herzen und aufrichtigem Dank, zelebrierte sie eine winzige Messe und dankte dem weißen Hirsch mit ihrem Opfer. Es war der Kreislauf des Lebens, etwas was Florencia und Phaun guthießen und für das das Götterpaar stand. Neriélle fühlte sich so mit der Natur verbunden, dass es durchaus wichtig für sie war, diese Geste zu tun. Der Wind rauschte einmal auf und ließ die Blätter der starken Eiche erzittern, als würde Phaun ihr Opfer annehmen. Es war ein intimer Moment, den die Elfe mit ihrer Gottheit teilte. Danach ging sie zu einem Wasserloch und tauchte dort ihre Hände hinein, um sich das Blut von den Fingern zu waschen. Es war nur eine kleine Pfütze und schien vom letzten Regen übriggeblieben. Trotzdem wirkte das Wasser, bevor sie die Finger reintauchte, ungewöhnlich klar und vermischte sich dann zu einer bräunlichen Brühe, nachdem sie sich die Finger säuberte. „Das ist jetzt nicht wahr oder?!“, hörte sie auf einmal eine genervte Stimme vor sich. Ihre Augen aber fanden vorerst niemanden. „Du olle Schnepfe einer Elfe, wäscht du gerade deine Blutpfoten in meiner Badewanne?!“, schnauzte es weiter und die Stimme war eindeutig männlich. Im Gebüsch vor Neri raschelte es. Das ganze Ästewirrwarr erzitterte mit einem Mal. War sie beobachtet worden? Hatte sie so sehr im Gebet gesteckt, dass ihr nicht aufgefallen war, dass sie verfolgt wurde?! Für Sekunden klebten die Augenblicke aneinander und schufen das Gefühl von gedehnter Zeit. Hatte sie das Messer griffbereit? Für einen Moment stieg das Adrenalin, dann erstarb das Zittern des Gebüschs. Und hervor kam ein orangenes, kleines Tier… Tiefgrüne Augen starrten Neriélle mitten ins Gesicht. Die spitze Schnauze erinnerte an ein Wiesel oder einen Marder. Die kleinen Pfötchen hatte es erhoben und saß auf den Hinterbeinen. Die Nase wackelte und schnupperte, wie ein Häschen in ihre Richtung. „Was glotzt du denn so?! Wo krieg ich jetzt diesen Prachtkörper sauber?!“, schnauzte es und ja,… dieses Vieh sprach! Mit ihr!
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Mittwoch 5. April 2023, 14:37

Neri blickte zu der Eiche empor, als sich mit einem Mal Wind erhob und die Blätter zum Zittern brachte. Sie lächelte glücklich. Sie fühlte sich plötzlich so frei. Hier gab es nur sie, den Wald und Phaun. Neri verharrte noch ein paar Momente selig, ehe sie sich abwandte und die Pfütze erblickte. Die war noch besser geeignet als das Wasser aus ihrem Trinkschlauch, um sich die Hände zu waschen. Sie kniete sich vor die Pfütze, betrachtete aber zunächst in der klaren Wasseroberfläche den sich darin spiegelnden Himmel, ehe sie ihre blutigen Hände darin sauber wusch und sich alles braun färbte.
„Das ist jetzt nicht wahr oder?!“ Neriélle hielt abrupt in der Bewegung inne, hob den Kopf und schaute in die Richtung, aus der die Stimme kam. Es war niemand zu sehen, aber der Junge motzte weiter. Zumindest glaubte Neri, dass es ein Junge war, denn die Stimme war eindeutig männlich, hatte aber auch einen kindlichen Klang. „Du olle Schnepfe einer Elfe, wäscht du gerade deine Blutpfoten in meiner Badewanne?!“
Badewanne? Wer soll denn darin baden?
Ungläubig hob sich Neriélles Augenbraue und sie nahm langsam ihre nun sauberen Hände aus der Badewanne.. Pfütze. Sie hielt den Blick auf das Gebüsch gerichtet, aus dem die Stimme kam und runzelte die Stirn. Doch noch hielt sich der Junge, den sie offensichtlich verärgert hatte, verborgen. Das ließ sie nun doch etwas unsicherer werden. Vielleicht täuschte sich ihr Gehör auch? Sie wischte sich schnell die Hände an den Oberschenkeln ab und griff dann zu ihrem Jagdmesser, während sie den raschelnden Busch nicht aus den Augen ließ.
“Wer ist da?”, fragte sie mit fester Stimme und versuchte, die Aufregung, die sie spürte, nicht nach außen zu tragen. Doch das Adrenalin strömte durch ihre Adern und erhöhte den Puls der Elfe. Das Zittern des Geästs wurde stärker und Neri erhob sich in die Hocke, während sie gleichzeitig zurück wich, um Platz zu gewinnen zwischen sich und dem Mann.. Jungen.. wer auch immer sie da anmotzte. Als das Zittern plötzlich erstarb, machte Neri noch ein paar Schritte nach hinten, ehe sich der Urheber der Worte aus dem Gebüsch löste. Neris Augen wurden größer vor Ungläubigkeit. Was war das denn?! Ein Marder? Dann huschte ihr Blick hinter das Tier, um nach seinem Besitzer Ausschau zu halten, bis..
„Was glotzt du denn so?! Wo krieg ich jetzt diesen Prachtkörper sauber?!“
Neris goldene Augen huschten zurück zu dem Tier und ihr klappte die Kinnlade hinunter. “Was zum…?”, flüsterte sie ungläubig. Nicht der Besitzer des Tieres hatte mit ihr gesprochen, sondern das Tier selbst! Sie musterte es eingehend, wie es da mit seinem angeblichen Prachtkörper auf den Hinterpfoten saß, mit seinem orangefarbenen Fell und den grünen Augen, die sie anstarrten. Sie hatte noch nie solch ein Tier gesehen und schon gar nicht gehört! Seit wann können Tiere sprechen?
“Was.. bist du?”, fragte sie dann verwirrt. Dann erinnerte sie sich an seine wütenden Worte. Ihr Blick fiel auf die verdreckte Pfütze und dann zurück auf den Marder, der nicht so ganz wie einer aussah. Deshalb also Badewanne.. “Es.. tut mir.. leid!?” Es war mehr eine Frage, weil sie absolut nicht wusste, wie sie reagieren sollte und noch dabei war, die Überraschung zu verdauen. Gleichzeitig stand ihr pure Verwirrung ins Gesicht geschrieben und sie sah noch einmal hinter das Tierchen. Spielte ihr jemand einen Streich? Hatte sie irgendetwas gegessen, was vergiftet worden war und das sie nun halluzinieren ließ?

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 6. April 2023, 22:07

Es wäre wohl ein friedlicher Abend geworden, wenn Neriélle nicht den Fehler begangen hätte, ihre blutigen Hände ausgerechnet in der Pfütze eines… sprechenden Maders zu waschen. Sie hätte zur Hütte gehen und sich um die Beute kümmern können, hätte vielleicht noch mal ein wenig mit Calhoun geplaudert – oder so – und hätte vielleicht mal friedlicher einschlafen können als am gestrigen Abend. Hätte, hätte… Denn auch wenn Phaun ihr offenbar wohlgesonnen war, war es dieses kleine Vieh ganz offensichtlich nicht. Mit grünen Augen starrte es Neri ins Gesicht und sah tatsächlich ziemlich vorwurfsvoll aus. Die Verwirrung ließ sich nicht leugnen, doch das war der kleine Kerl offenbar gewohnt oder es war ihm eindeutig egal. Er verlangte eine echte Antwort, auf seine Frage und verschränkte die kleinen Ärmchen, die irgendwie niedlich aussahen. Sein loses Mundwerk konnte manchem Dessarier Konkurrenz machen, das stand mal fest. “Was.. bist du?” „Neee, Fräulein! So nich‘! Ich werde dir gar nichts beantworten, solange du dich nicht entschuldigt hast!“ “Es.. tut mir.. leid!?”, kam es reichlich verwirrt von Neri und das kleine Wesen musterte sie prüfend. Lange. Wirklich lange, dann schnaufte es auf und winkte mit beiden Pfoten ab. „Macht doch nichts. Jeder kann sich mal an der Badewanne eines anderen vergreifen!“, murmelte er immer noch reichlich sarkastisch. Dann tippelte er auf die Pfütze, die sie beide trennte, zu und schnupperte. Er verzog das Gesicht und rieb sich über die Nase. „Hase. Ih!“, machte er und schabte den Waldbodendreck in die Pfütze. „Nichts zu machen, die ist hin.“, plapperte er weiter und wandte sich dann zu Neriélle um, die immer noch reichlich verdutzt dreinschaute. „Bist wohl nich‘ von hier, was?“, fragte er nonchalant. Dann wuselte er flink auf sie zu und beschnupperte sie einfach. Er ging sogar so weit, dass er einfach an ihrem Bein hinaufkletterte, über ihren Rücken schnell ihre Schultern erreichte und sich dort einfach hinhockte. Er starrte ihr ins Profil, dann streckte er langsam eine seiner Pfoten aus und deutete auf ihre hübsche Flechtfrisur. „Was ist denn das?!“, fragte er und anhand seines Tonfalls konnte man erkennen, dass er die Frisur jetzt nicht gerade bewunderte. „Ist das etwa Kunst?“, wollte er weiter ziemlich unhöflich wissen und plötzlich kugelte er sich vor Lachen, kullerte von ihr wieder herunter und kicherte noch auf dem Waldboden weiter. „Elfen…!“, kugelte er sich und wischte sich eine nichtvorhandene Träne aus dem Augenwinkel. Dann wurde er wieder ernst. „Jetzt muss ich zusehen, woher ich ‚ne neue Pfütze bekomme…“, sinnerte er und schaute sich demonstrativ um. Er hatte noch immer nicht gesagt, wer oder was er war und die Szenerie wurde dadurch auch nicht besser. Er hatte überhaupt keine Berührungsängste, war vorlaut und sogar frech. Ob Arunn vielleicht… das zeitliche gesegnet hatte? Oder er in so einem kleinen… Was zur Hölle war das?! Wiedergeboren worden war? So erschreckend dieser Gedanke war, so amüsant war er auch sich vorzustellen. Das kleine Vieh mit der großen Klappe aber wuselte bereits wieder auf das Gebüsch zu und sein sogenannter Prachtkörper verschwand im dunklen Grün der Zweige. Wieder raschelte die Pflanze, erzitterte unter dem Kerlchen, ehe Neri ihn dahinter weiterlaufen sehen konnte. Dann war er weg. Es wurde still um die Elfe und irgendwie könnte man gut verstehen, wenn sie einen Moment zum Verdauen brauchte. Der Wald nahm wieder die normalen Geräusche an und von dem sprechenden Wesen war keine Spur mehr zu sehen oder zu hören. Sobald Neriélle sich eventuell wieder reichlich verwirrt auf den Weg machen wollte, entweder, um ihn zu verfolgen oder aber zur Hütte zu gehen, hörte sie mit einem Mal ein dumpfes Geräusch. Es hämmerte schwerfällig auf den Waldboden und ihre guten Ohren und ihr Jagdtalent verrieten ihr, dass sich dort ein größeres Tier näherte. Schnell. Noch bevor sie aber ausmachen konnte, um welches es sich handelte, hörte sie bereits die kleine Nervstimme wieder. „BÄR!“, grölte er und da sah sie den organgefarbenen Körper schon auf sie zu rennen. In der Schnauze trug er eine Honigwabe, die in seinem Lauf hier und dort klebrige Klekse verlor. Der kleine Kerl umrundete dieses Mal den Busch und sprang dann beherzt vom Boden ab, landete bei Neri auf der Schulter und deutete mit dem kleinen Arm und reichlich vollem Mund in die entgegengesetzte Richtung der Geräusche. „Renn, Elfe! Die Bärenmama ist reichlich angepisst!“, er kleckerte sie ein wenig voll, doch noch bevor Neri lange Zeit zum Überlegen bekam, knackte bereits eine wirklich große Bärin aus dem Schatten des Waldes und brüllte sie an. Ihre dunklen Knopfaugen hatten sich auf sie gerichtet und schon setzte die Bärin zum behänden Lauf an. Sie würde Neri in Stücke reißen, wenn sie sie in die Tatzen bekäme. „Los, los, loooos!“, schrie der Quälgeist auf ihrer Schulter in ihr Ohr und war doch an allem Schuld! Wohin jetzt? Neri war gewitzt und im Wald machte ihr keiner so schnell etwas vor. Allerdings hatte sie keine Waffen… jedenfalls nicht für eine wütende Bärenmama. Was wäre die beste Strategie? Die Hütte war nicht mehr weit, der Wald womöglich mit besseren Verstecken gesegnet. Und da war ja auch noch dieses Vieh. Probleme, über Probleme und dabei hätte es so ein ruhiger Abend werden können...
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Freitag 7. April 2023, 18:30

Mit offenem Mund starrte Neriélle noch immer den Marder an, der nun mit verschränkten Pfoten vor ihr saß. Er würde ganz schön niedlich aussehen, wenn er nicht so vor sich hin motzen würde. Nach ihrer Entschuldigung erwiderte sie seinen prüfenden Blick angespannt und hatte die leise Sorge, dass ihr das Tier gleich verärgert ins Gesicht springen würde. Es sah zwar kuschelig und niedlich aus, aber Neri ahnte, dass er es faustdick hinter den Ohren hatte und nicht so kuschelig war, wie es durch seine kleine Statur und seinem Fell den Anschein hatte.
„Macht doch nichts. Jeder kann sich mal an der Badewanne eines anderen vergreifen!“
Neris Augenbraue hob sich zweifelnd in Anbetracht seiner Worte. Nahm er die Entschuldigung an? Seine Antwort wirkte jedenfalls reichlich sarkastisch. Aber er ging nicht weiter darauf ein, also reichte ihm ihre Entschuldigung offensichtlich. Wortlos beobachtete die Elfe das Tier dabei, wie es ein paar Schrittchen auf die Pfütze zumachte und an dem Wasser schnupperte, wobei ihm der für ihn offenbar eklige Geruch des Hasens in die Nase drang, dessen Blut sie sich gerade von ihren Händen gewaschen hatte. Es schüttete Erde über die Pfütze und gab scheinbar die letzte Hoffnung auf, sich damit noch waschen zu können. Neri indes verharrte still und verblüfft. Sie wusste nicht, was sie zu dem sprechenden Marder sagen sollte und konnte ihn einfach nur fasziniert beobachten.
„Bist wohl nich‘ von hier, was?“
"Nein, bin ich nicht", bestätigte sie seine Vermutung, ohne genauer darauf einzugehen, und musste dann aber kurz grinsen. Das Tierchen und sein Geplapper erinnerte sie mit seiner Art an den Dessarier und das ließ Neris Augen amüsiert funkeln. Der Mensch war ebenso vorlaut und hatte immer einen Spruch auf den Lippen. Sie überlegte kurz, ob Arunn während ihrer Jagd gestorben war und nun als dieses Tier wiedergeboren worden war? Ein sehr absurder Gedanke, der sie natürlich auch nicht ernsthaft zum Grinsen brachte. Aber die Vorstellung amüsierte sie dennoch. Oder war Arunn eventuell in seinem Leben davor so ein Marder gewesen..? Neris Gedanken schweiften ab und sie grinste dabei.
Dann kam der Marder aber plötzlich auf sie zu und schnupperte an ihr. Die Elfe betrachtete ihn abwartend und neugierig, doch als er plötzlich ihr Bein hoch kletterte, entfuhr ihr ein empörtes: "Hey, was soll das?!" Der Marder ignorierte ihre Einwände jedoch und als er über ihren Rücken lief, entfuhr ihr ein Kichern, weil die Füße kitzlige Spuren hinterließen. Die Elfe erhob sich und drehte den Kopf zu dem Gesicht des Marders, der nun ungefragt auf ihrer Schulter saß und sie ebenso anschaute.
"Frech bist du gar nicht, hm?", fragte sie rhetorisch und musste dann grinsen, weil ihr die Art irgendwie gefiel. Doch als er skeptisch auf ihre Frisur zeigte und nachfragte, was das sei, kniff Neri die Augen zusammen. Sein Tonfall machte deutlich, dass er nichts von dieser Kunst hielt, die sie so einiges an Zeit und Geduld gekostet hatte. "Frech und unhöflich", quittierte sie daher. "So wirst du aber nicht lange im Wald überleben", prophezeite sie ihm dann trocken. Doch der Marder kletterte wieder von ihr hinab und begann damit, sich vor Lachen zu kugeln und sie tatsächlich auszulachen! Neriélle stemmte die Hände in die Hüfte und wirkte weniger amüsiert. "Sag' mal, jetzt reicht es aber! Ich bin nicht hergekommen, um mich von einer Maus auslachen zu lassen!", sprach sie ihre Gedanken laut aus. Sie wusste nicht, was für ein Tier er war. Dass er keine Maus war, war ihr jedoch mehr als klar und sie betitelte ihn auch nur als solche, weil sie hoffte, ihn damit ebenso sticheln zu können. Auf diese Art würde er sie jedenfalls nicht davon überzeugen können, ihm bei der Suche nach einer neuen Badestelle behilflich zu sein. Immerhin wusste sie, wo hier ein Fluss war. Doch vorerst schwieg sie, als er auf dieses Thema zurückkam.

Ohne ein weiteres Wort wandte sich der Marder dann jedoch ab und verschwand in dem Gebüsch. Neri war neugierig und ging ein paar Schritte um das Geäst herum, doch kurz darauf verschwand er im Unterholz. "Seltsames Kerlchen", murmelte sie, ehe sie sich abwandte und nach dem Netz mit ihrer gefangenen Beute griff. So interessant wie das Tierchen auch war.. und auf der einen Seite hätte sie auch gerne mehr über ihn erfahren. Doch auf der anderen Seite hatte sie eigentlich keine Lust, sich von ihm völlig unbegründet triezen und auslachen zu lassen. Daher beschloss sie, wieder zur Hütte zurückzukehren. Nach ein paar Schritten in jene Richtung blieb sie jedoch stehen und lauschte konzentriert. Sie hörte schwere, gedämpfte Schritte in der Ferne, die aber eindeutig näher kamen, und spürte das leichte Zittern des Bodens unter ihren Füßen. Unweigerlich stellten sich die Härchen in ihrem Nacken auf. Sie ahnte nichts Gutes und drehte den Kopf über die Schulter zurück, in die Richtung, in die der Marder verschwunden war.
„BÄR!“, erklang es da auch schon und das Herz der Elfe setzte gefühlt für einen Moment aus. Neris Augen fanden schnell den Urheber der Stimme. Ungläubig sah sie, dass der orangefarbene Nager mit einer Honigwabe im Maul auf sie zugerannt kam. Reflexartig beugte sie sich ein Stück hinab und hielt ihm den Arm hin, damit er über ihn schneller auf sie hinauf klettern konnte. Das tat er dann auch und kleckerte sie als Dank mit Honig voll. „Renn, Elfe! Die Bärenmama ist reichlich angepisst!“
"Bärenmama?! Bist du lebensmüde?!", schrie sie den Marder auf ihrer Schulter plötzlich ungehalten an, während ihr Herz deutlich schneller in ihrer Brust schlug. Einen Bären zu reizen, war ja schon eine dumme Idee. Aber eine Bärin zu reizen, die Junge hatte - das war ein Selbstmordkommando. Da konnte er sich auch gleich eine Klippe hinunterstürzen. Im nächsten Moment erkannte sie in der Ferne den Schatten der Bärin, die schnell auf sie zugelaufen kam. Es brauchte keine weiteren Worte, denn ihr Überlebensinstinkt setzte mit dem Anblick der Bärin ein, und Neri nahm die Beine in die Hand. Ihr war beigebracht worden, auf keinen Fall vor einem Bären wegzurennen, sondern ruhig zu bleiben und sich langsam rückwärts gehend von einem zu entfernen. Doch die Bestie, die da auf sie zugerannt kam, ließ sie jede Theorie vergessen. Das Tier sah wütend aus und würde sie zerfleischen, wenn sie auch nur einen Moment länger stehen blieb und die Bärin sie zu fassen bekam. Den Moment für eine behutsame Vorgehensweise hatte der Marder übersprungen. "Wie kann man nur so dumm sein!?", entfuhr es ihr, während sie durch den Wald sprintete. Neri war wütend über seinen Leichtsinn, mit dem er nicht nur sich selbst, sondern jetzt auch noch ungefragt sie in Lebensgefahr brachte! Neri rannte, so schnell ihre Beine sie trugen. Sie sprang über am Boden liegendes Gehölz und senkte den Kopf vor herunterhängenden Ästen und Lianen. Vorerst wählte sie den Weg durch den Wald und nicht zurück zur Hütte. Auch das hatte sie gelernt: ein wildes Tier nie in das sichere Lager führen. Sie mussten noch die Nacht in der Hütte verbringen. Direkt davor hing der Rehkadaver, ein gefundenes Fressen für die Bärin, die sich dann vermutlich nicht mehr von dort weglocken lassen würde. Außerdem bestand die Gefahr, dass sie das Floß zerstörte, wenn sie wütend über die Lichtung fegte, die keinerlei Verstecke bot - bis auf die Hütte selbst, in der sie dann gefangen wären. Das waren zu viele Risikofaktoren, beschloss Neri, und hoffte daher, die Bärin im besten Fall durch Schnelligkeit und Ausdauer abhängen zu können. Oder.. "Gibt es hier gute Verstecke oder Erhebungen.. Felsen, irgendetwas, wo wir sie abhängen können?" Ihr Atem ging stoßweise, als sie kurz den Marder ansah, bevor sie sich wieder auf den Weg vor sich konzentrierte. Festhalten musste er sich allerdings selbst, denn dafür konnte sie nun nicht auch noch sorgen. Neri hoffte, dass er sie zu einem entsprechend geeigneten Ort führen würde und sie würde ohne Zögern die entsprechende Richtung einschlagen.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. April 2023, 19:56

Flucht. Das war das einzige, was jetzt noch Neriélle’s Gedanken bestimmen konnte. Dieser verdammte Quälgeist mit Fellpopo hatte soeben dafpr gesirgt, dass eine Bärenmutter sich mächtig angefasst fühlte. Und ihn schien das nicht mal mehr zu stören, denn er hielt sich lässig mit einer Pfote an Neri’s Garderobe fest und knabberte mit der anderen die leckere Honigwabe. Dass diese offensichtlich den kleinen Bärenkindern zugute kommen sollte, war ihm so ziemlich egal. Neri war außer sich vor Wut- und das zurecht. Sie wusste, dass man vor einem Bären nicht weglaufen musste. Sie waren viel schneller als man glauben mochte aufgrund ihrer Größe und ihrer Beschaffenheit. Doch in diesem Fall würde sich die Bärin nicht erweichen lassen. Die war ohnehin mächtig auf Zinne. So wetzte Beri los, half dem unsagbar blöden Vieh sogar noch und dachte fieberhaft nach. Zum Lager würde sie die Gefahr nicht bringen. Das wäre vollkommener Wahnsinn und nicht zielführend. "Wie kann man nur so dumm sein!?“, schnauzte sie den vorlauten Dachs oder was er war, an und der schaute sie aus grünen, verständnislosen Augen an. „Wieso denn? Ich kann nichts für ihre schlechte Laune. Sie wollte nicht teilen, da musste ich ihr das mal beibringen!“, plapperte er kauenderweise, während Neri alle Mühe hatte, ein Versteck zu finden. "Gibt es hier gute Verstecke oder Erhebungen... Felsen, irgendetwas, wo wir sie abhängen können?" „Ich versteh deine latente aggressive Art nicht, Elfe!“, beschwerte sich der Dieb auch noch und strapazierte damit gehörig alle Geduldsfäden dieser Welt. „Da lang!“, deutete er reichlich unbeeindruckt von der Situation und knabberte erneut an der Honigwabe. „Verdammte Götter, ist DIE lecker!“, schwärmte er, während Neri dem Fingerzeig schleunigst folgte und durch eine ganze Reihe an Bäumen hindurchwetzte. „Links“, wies er an, hielt sich an Neri’s Ohr fest, weil sie einen Haken schlug und er nicht runterfallen wollte, bis sie wieder geradeaus lief. Neri wusste, aufgrund ihrer guten Kenntnisse, dass sie sich von der Hütte entfernte. Gut so! Oder? Sollte die Bärin sie erwischen bräuchte sie gewiss Hilfe. Und wer wusste dann, wo sie zu finden war? „Rechts.“, befahl das Vieh erneut und leckte sich alle zehn Fingerchen genüsslich ab. „Dort vorn, da ist eine Höhle.“, meinte er und wedelte mit seiner Hand. Daraufhin begann er sich zu putzen! Während Neri ihm den verdammten Hintern rettete, hatte er nichts weiter zu tun als sich den Honig aus dem Fell zu säubern. Tatsächlich aber kam Neri auf eine Höhle zu. Diese wirkte anfänglich nicht sehr groß, war sie doch scheinbar nur in einen Felsen gehöhlt, doch je näher sie kam und schließlich hineinglitt, desto klarer wurde, dass die Höhle tiefer ging, als angenommen. Hier war es stockfinster und schon bald reichte das karge Licht des Waldes nicht mehr, um die Höhle genug auszuleuchten. Zudem wurde sie immer enger und schmaler, doch sie mussten weiter, ansonsten würde die Bärin keine Mühe haben, sie zu verfolgen, so breit war der Eingang. Einem schmalen Pfad folgend, konnte Neri endlich etwas verschnaufen, denn sie würde hier nicht von der Bärin erwischt werden können.

Tatsächlich zeigte ihr ein Blick zurück, dass das Tier nicht mal den geräumigen Teil der Höhle betrat, sondern brummend auf und ab schritt. Dann blieb sie stehen, schnupperte in das Höhleninnere, doch dann brüllte sie als wäre sie ungehalten über den Ausgang und trabte davon. Offenbar traute die Bärenmutter sich nicht weiter – oder hatte sie einfach aufgegeben? „Pitt.“, meinte dann das Tier, das alles erst ins Rollen gebracht hatte. „Mein Name ist Pitt und ich bin ein Ottsel. Weiß doch jeder, hm?“, motzte er schon wieder los und sprang von ihrer Schulter. Der Boden hier war etwas feucht und hier und dort machten kleinere Pfützen ihn rutschig. „Den Gang hier hab‘ ich noch nie gesehen, Elfe. Seltsam. Spannend, würd‘ ich sagen, hm?“, schnatterte er und wackelte ungeniert los, um den Gang weiter zu verfolgen. „Komm schon, Trulla. Das wird lustig!“, forderte er sie auf und verschwand hinter einer Biegung. Neri aber konnte nach den anfänglichen Adrenalinschüben spüren, wie es hier drin klamm wurde und muffig roch. Ein süßlicher Geruch lag in der Luft und kitzelte irgendetwas an ihrer inneren Jägerin. Sie kannte dieses modrigen, süßlichen Geruch, konnte ihn vielleicht aber noch nicht einordnen. Dem Gang folgend nahm der Geruch zu und wurde penetranter. Spätestens jetzt wurde ihr bewusst, dass es sich um Verwesung handeln musste. Auch hörten ihre Ohren, die nun nicht mehr nur das Rauschen ihres eigenen Blutes wahrnahmen, einige Insekten umhersummen. Ja, hier unten in der Höhle lag ein Kadaver. Eine Beklemmung nahm zu, die sich nicht recht definieren ließ. Etwas kitzelte ihre Sinne auf eine ungekannte Weise und sie behagte nicht sonderlich. Es war eben jene Atmosphäre, die die Nackenhaar zu Berge stehen ließ. „He! Elfe!“, rief dann Pitt und seine Stimme donnerte fast schon von den Wänden wider. Er war noch ein Stück weiter vorgelaufen und sobald sie seiner vorlauten Schnute folgen würde, käme sie wieder in eine etwas größere Höhle, die in der Breite ausladender wurde. Der Weg, den sie gekommen waren, war der einzige Zugang, das konnte sie gleich erfassen. Doch etwas ganz anderes erregte Aufmerksamkeit: In der Mitte dieser Höhle lagen… Körper. Von Elfen. Sie waren achtlos übereinandergestapelt und schon seit längerem tot. Pitt stand in einiger Entfernung da und starrte auf die Szenerie.
„Scheiße…“, murmelte er und auch sein Fell sträubte sich. Er wuselte lieber einige Schritte zurück und kam neben Neri zum Stehen. „Was geht denn hier ab?!“, murmelte er und sah sich um. Offenbar war auch er nicht nur sorglos und selbst ihm wurde dieser Anblick zu viel. Sollte Neri den Mut aufbringen, näher heranzugehen, würde sie feststellen, dass die Männer und Frauen sowohl spitze als auch ‚normale‘ Ohren hatten. Sie trugen Lederkleidung oder Kleider aus einst hübschen Farben, wirkten allesamt sehr naturverbunden, denn sie wiesen hübsche Zöpfe und spielerische Accessoires auf. Holz dominierte und war kaum verarbeitet. Ihnen allen war aber noch etwas gemein: Ihre Gesichert waren zu stummen Fratzen verzogen, aufgerissene Augen und Münder, als hätten sie etwas schlimmes erlebt im Augenblick ihres Todes. Gleichzeitig wiesen ihre Fingerspitzen schwarze Kuppen auf und unter ihren Augen sah man schwarze Schlieren, die offenbar unter der Haut entlangliefen. Es war schaurig und ganz und gar nicht unterhaltsam, sodass selbst Pitt keinen Spruch riss.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Freitag 14. April 2023, 13:22

Adrenalin pumpte durch den Körper von Neri, die auf der Flucht vor der Bärin durch den Wald rannte. Während sie die Aktion des Marders für völlig wahnwitzig und lebensmüde hielt, zeigte der hingegen keinerlei Einsicht. Sie schnaubte nur wütend, als er ihr etwas darüber erzählte, dass er den Bärenkindern das Teilen beibringen wollte. Ihr Atem reichte noch dafür aus, um ihn nach einem geeigneten Versteck zu fragen. Doch statt das Tier zurechtzuweisen oder sich mit ihm zu streiten, sparte sie sich den Atem lieber für das Rennen auf. Er hingegen faselte noch etwas über ihre latente aggressive Art. Für einen Moment überlegte Neri ernsthaft, stehen zu bleiben und ihn von ihrer Schulter zu befördern. Ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt. “Nicht übertreiben”, presste sie stattdessen warnend zwischen den Lippen hervor. Sie wollte ihn eigentlich nicht hier aussetzen. Das war nicht ihre Art. Zum einen wollte sie helfen, aber vor allem brauchte sie ihn jetzt zwingend, um ein Versteck zu finden. Er konnte sicherlich auf einem Baum Schutz suchen. Aber für sie gestaltete sich das Entkommen vor der Bärin als sehr viel schwieriger.
Ohne Umschweife folgte sie daher seinem Fingerzeig, mit dem er sie durch den Wald dirigierte. Sie spürte, wie ihr Herz stark gegen den Brustkorb schlug, und das Rauschen in ihren Ohren vermischte sich mit ihrem stoßweise gehenden Atem. Sie konzentrierte sich auf den Weg vor sich und versuchte, die Kommentare des Viehs bezüglich seiner Honigwabe zu ignorieren. Als er sich dann aber plötzlich an ihrem Ohr festhielt, entfuhr ihr ein überraschtes “Aua!” und sie schlug tatsächlich nach ihrem unfreiwilligen Begleiter. Sie merkte, dass sie ihn erwischte, aber offenbar nicht so doll, dass er von ihr herunterfiel.
Kaum hatte er ihr offenbart, dass dort vorn eine Höhle war, kam sie auch schon nach einigen Metern in Sicht. “Phaun sei Dank”, murmelte Neri erleichtert, auch wenn ihr die Aussicht auf eine Höhle nicht gänzlich behagte. Wäre das nicht eher ein Gefängnis? Sie wusste, dass sie inzwischen ein gutes Stück von der Hütte entfernt waren. Wenn sie nun in der Höhle eingekesselt werden würden? Wieviel Geduld würde die Bärin beweisen und sie dort in Schacht halten? Doch andererseits fehlten Neri gerade die Alternativen. Sie konnte nicht ewig durch den Wald rennen und vielleicht war das hier das einzige Versteck weit und breit. Daher hoffte sie darauf, dass die Höhle groß genug für sie und zu klein für die Bärin sein würde. Ihr Gebrüll in ihrem Nacken ließ sie jedenfalls nicht länger überlegen, sondern sie glitt eilig in die Höhle hinein. Doch eine Pause gönnte sie sich nicht. Sie drängte sich stets durch den enger werdenden Schacht, was ihr aufgrund ihres Körperbaus möglich war. Gleichzeitig empfand sie Erleichterung darüber, dass die Bärin hier nicht durchpassen würde. Es blieb nur zu hoffen, dass sie nicht vor der Höhle warten würde. Als der Gang immer enger und dunkler wurde, verharrte Neri einen Moment und erhellte mittels des Flammenscheins den Weg vor sich. Dann schaute sie zu der Bärin zurück, die zum Glück keinerlei Anstalten machte, ihnen zu folgen. Neri verfolgte die Bewegungen des Muttertieres und sah erleichtert, dass sie sich nach einem Brüllen abwandte und davon lief. Eine Sorge weniger.

„Pitt. Mein Name ist Pitt und ich bin ein Ottsel. Weiß doch jeder, hm?“
Neri sah zu dem Ottsel, der gerade von ihrer Schulter hüpfte und sich ihr vorstellte. Ihr Atem rasselte noch immer und sie brauchte die Pause, um sich etwas zu fangen und zu beruhigen. “Ottsel.. nie gehört”, stellte sie dann fest und musterte Pitt von oben bis unten, als würde es, nun da sie wusste, was er war, neue Erkenntnisse über ihn ermöglichen. “Ich bin Neri. Wenigstens sterbe ich jetzt nicht unwissend und weiß, wer mir das alles eingebrockt hat.” Sie konnte sogar schon wieder leicht schmunzeln. Der Umstand, dass die Bärin abgezogen war, erleichterte sie enorm und sie merkte, wie die Anspannung langsam von ihr abfiel.
„Den Gang hier hab‘ ich noch nie gesehen, Elfe. Seltsam. Spannend, würd‘ ich sagen, hm? Komm schon, Trulla. Das wird lustig!“
Neris Augenbraue hob sich ein Stück. “Neri”, verbesserte sie ihn dann, auch wenn ihr klar war, dass ihn das nicht davon abhalten würde, ihr weitere solch ‘netter’ Kosenamen zu geben. Trulla war vermutlich noch harmlos.
Die Elfe sah, wie er ganz unbekümmert einfach tiefer in die Höhle hinein lief und hinter einer Biegung verschwand. Das Ottsel war offenbar wirklich lebensmüde. Sie war zwar auch neugierig, aber jetzt, wo ihre Sinne die Umgebung genauer wahrnahmen, bekam sie das Gefühl, dass das keine gute Idee war. Sie bemerkte jetzt den muffigen Geruch, der eine süße Note hatte, und sie an irgendetwas erinnerte. Sie wusste nicht an was genau, aber es weckte in jedem Fall Unwohlsein in ihr. Es wäre sicherlich klüger, umzukehren, zurück zur Hütte zu gehen und den Abend ausklingen zu lassen. Sie dachte kurz an Calhoun.. schüttelte dann aber den Kopf und den Gedanken an den Dunkelelfen ab. Dann seufzte sie. Sie konnte Pitt jetzt nicht hängen lassen. Die Höhle verströmte eine unterschwellige Gefahr und auch, wenn sie nicht musste, fühlte sie sich irgendwie verantwortlich für den sprechenden Ottsel.

Und so folgte sie Pitt leicht widerwillig. Ihre Instinkte bemerkten die schaurige Atmosphäre, bevor ihre Sinnesorgane sie vollkommen wahrnahmen. Als Neri Pitt um die Biegung gefolgt war, donnerte auch schon seine Stimme durch die Höhle, als er sie zu sich rief. Neri krauste die Nase, denn der Geruch war nun deutlich penetranter und mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass er von einem verwesten Kadaver stammte. Dann hörte sie das Summen der Insekten, die über dem Kadaver kreisen mussten und ihr Recht gaben. Vor ihren Augen wurde die Höhle deutlich breiter und ausladender. Neri ließ den Blick schweifen, erkannte, dass das hier der einzige Weg zum Höhleninneren war, und erblickte dann den Urheber des Geruchs, den sie gesucht hatte.. die Urheber. Das Blut in ihren Adern gefror augenblicklich, als sie erkannte, dass hier kein Tierkadaver lag, sondern Leichen. Ihr Herz krampfte sich bei dem Anblick zusammen und es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter. Im Gegensatz zu Pitt war sie nicht fähig, etwas zu sagen. Das Grauen machte sie sprachlos. Sie überwand ein Stück weit die Furcht, die sich ihrer bemächtigte, und machte einen Schritt auf die Leichen zu.. so viele Leichen. Sie sah Menschen und Elfen gleichermaßen. Elfen, wie sie eine war. Angehörige ihres Volkes waren hier getötet oder zumindest achtlos zurückgelassen worden, ohne ihnen ein angemessenes Begräbnis zukommen zu lassen. Neris Blick glitt über die Gesichter, doch lange ertrug sie den Anblick nicht. Es reichte jedoch, um die schwarzen Schlieren und Fingerkuppen zu erkennen und um den Ausdruck in ihren Gesichtern aufzunehmen, die von großem Unheil kündigten. Ihr Körper zitterte und ihr wurde gleichzeitig heiß und kalt. Sie schloss die Augen, was dazu führte, dass sie die aufwallende Übelkeit deutlicher spürte, als ihr lieb war. Sie wandte sich ab, ehe ihr noch ein schnelles “Nicht anfassen!” in Richtung Pitt entfuhr, da sie plötzlich Sorge hatte, dass der wahnwitzige Ottsel zurück zu seinem Leichtsinn fand, auf die Idee kam, die Leichen anzufassen und sich dann vielleicht in irgendeiner Weise an den schwarzen Schlieren ansteckte. Doch dann musste sie sich erst einmal um sich selbst kümmern. Neri machte noch zwei schnelle, ausladende Schritte weg von all dem, ehe ihr auch schon die letzte Mahlzeit hochkam und sie sich übergeben musste. Sie versuchte, den Anblick der Leichen zu verdrängen, doch das Bild hatte sich in ihre Netzhaut gebrannt und sie erbrach sich erneut, wobei die Magensäure schmerzend ihren Hals hinauf stieg. Den Anblick von toten Tieren war sie als Jägerin gewohnt. Doch so viele Leichen zu sehen, denen offenbar etwas Grausiges widerfahren war, überstieg ihre kühnsten Alpträume. Zitternd griff sie nach ihrem Wasserschlauch und trank einen großen Schluck, um den Würgereiz hinunter zu spülen. Sie stand noch einige Augenblicke leicht vornüber gebeugt, ehe sie sich wieder aufrichtete.
“Lass’ und gehen, Pitt.” Tränen standen ihr in den Augen und ihre Stimme bebte und klang beinahe flehend. Sie konnte das hier nicht ertragen. Sie wollte nicht darüber nachdenken und doch wirbelten die Gedanken nur so in ihrem Kopf. Was war hier geschehen? Wer oder was hatte das getan? Und plötzlich schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf, der Panik in ihr weckte. Was war, wenn sich der oder das dafür Verantwortliche noch in dieser Höhle befand? “Ich muss hier raus”, sagte sie mit erstickter Stimme und wandte sich dann wieder dem Gang zu, um das Weite zu suchen - ob mit oder ohne Pitt.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Montag 17. April 2023, 14:29

Die Beklemmung in der Tierhöhle war allgegenwärtig. Neri konnte tatsächlich körperlich fühlen, dass sich an diesem Ort etwas Schlechtes zugetragen haben musste, noch bevor sie die weitaufgerissenen, schrecklichen Fratzen einiger toter Elfen und Menschen gesehen hatte. Ihre feinen Härchen stellten sich alarmiert auf und suggerierten ihr Gefahr. Selbst das vorlaute Ottsel klappte den Mund wieder zu und stand nur mit aufgestellten Ohren und schnuppernd in der Höhle. Er fand allerdings auch schneller wieder zu seiner Sprache zurück, während Neri noch mit dem Anblick kämpfen musste. Pitt wuselte mit einem Mal auf den Leichenberg zu und streckte die kleinen Fingerchen aus als Neri ebenfalls ihre Sprache wiederfand: “Nicht anfassen!“, mahnte sie und Pitt hörte tatsächlich auf die Elfe. Er warf einen Blick zurück über die Schulter und blinzelte. „Wieso nich‘?“, wollte er wissen, doch im Grunde war es klar. Was auch immer diese Seelen getötet hatte, die schwarzen Fingerkuppen und Schlieren implizierten, dass es auch ansteckend sein könnte. Es war einfach besser die Finger davon zu lassen. Neri aber ertrug den Anblick kaum. Nicht nur, dass sie beständig eine Gänsehaut spürte, sie merkte auch, wie ihr der Eintopf wieder entgegenkam. Mit schnellen Schritten war sie etwas abseits getreten und erbrach sich. Pitt verzog das Gesicht. „Mindestens genau so eklig!“, protestierte er, doch seine Stimme klang eine Nuance heller als gewöhnlich und zeigte, dass auch er nicht gefeit war vor diesem Anblick. Allerdings schien es beinahe so, dass Neriélle weitaus mehr damit zu kämpfen hätte, denn das flaue Gefühl wollte auch nach der Entleerung nicht verschwinden. Sie kämpfte weiterhin mit den Auswirkungen und vermutlich würden sie diese Bilder in den nächsten Träumen heimsuchen, wenn Manthala nicht gnädig genug wäre. Jetzt aber wollte sie endlich das Weite suchen. “Lass uns gehen, Pitt!“, verlangte sie und das Ottsel hob schnuppernd einen Finger. Ihm lag etwas auf der Zunge, doch beim Anblick der Elfe, die etwas blass um die Nase geworden war, verkniff er sich jeglichen, sarkastischen Kommentar. „Nagut. Lass uns an die Luft gehen – so lustig ist es hier dann wirklich nicht!“, meinte er und lief an Neri vorbei, um den Weg, den sie gekommen waren, wieder zurückzulaufen. Neri bildete die Nachhut und während sie sich wieder durch den enger werdenden Gang schob, hatte sie mit einem Mal das Gefühl, beobachtet zu werden. Sollte sie sich umdrehen, könnte sie nichts feststellen, außer, dass es ein unangenehmes Gefühl war, welches sie leitete. Und nach zwei weiteren Schritten, hatte sie das Gefühl mit einem Mal in einen seltsamen Strudel gezogen zu werden. Plötzlich rauschten ihre Ohren, ihre Sicht verschwamm und wurde gänzlich schwarz.
Sie hörte ein Flüstern, ähnlich wie in ihrem Traum. Es war beängstigend und verstörend, weil sie sich mit einem Mal so hilflos fühlte. Und gerade als sie glaubte, dass sich dieses Schreckgespenst auflöste, hörte sie tatsächlich gewisperte Worte einer körperlosen Stimme: “Liebe mich… Verehre mich… du bist perfekt für mich…Komm, Kind, komm zu mir. Dann war alles schlagartig vorbei und sie merkte mit einem Mal, dass sie stolperte. Neri war offenbar in ihrem seltsamen Tagtraum – oder was auch immer das gewesen war – weitergelaufen und stolperte nun mit einem Mal über etwas kleines, weiches, dass sich lautstark bemerkbar machte: „HE! Trulla! Pass doch auf!“, beschwerte sich Pitt, der sich aufrichtete und sie empört ansah. Sie war offenbar über das Ottsel gefallen, dass am Höhleneingang auf sie gewartete hatte. Der Waldboden empfing Neriélle mit dem Rascheln heruntergefallener Blätter und dem erdigen Geruch von Natur. Die Sonne schien nur vereinzelt durch das Blätterdach der Bäume, während der Wind sanft säuselte. Nichts deutete mehr auf ihre kleine Vision hin, die sie eben erlitten hatte. Hier schien alles friedlich und das Pfeifen des Windes war nicht zu vergleichen, mit der körperlosen Stimme, die sie hatte hören können. Diese Stimme war so… anziehend. Sie hörte sich verboten an und gleichzeitig so lieblich, dass man ihr hatte folgen wollen, wenn man den Weg gekannt hätte. Was war das nur gewesen? Es war ein wenig wie in ihrem seltsamen Traum. Auch diese eben erlebte Dunkelheit hatte etwas von den Schatten des Dunkelelfen, doch war dieses Erlebnis bedeutend kürzer. Zudem war die Mischung aus Faszination und Beklemmung verwirrend und der Anblick der Leichen gleichermaßen verstörend gewesen. Was zum Henker ging nur vor sich?! Neri fand gerade keine Antwort darauf.

Nichts deutete mehr auf den Spuk hin und hier an der frischen Luft, außerhalb der Höhle gab es auch nichts, was ihr hätte Angst einjagen können. Außer dem losen Mundwerk von Pitt – aber das war etwas anderes. Noch bevor die Elfe allerdings wieder auf die Beine hatte kommen können, tauchten mit einem Mal Füße vor ihrem Gesicht auf. „He- alles in Ordnung?“, hörte sie eine freundliche Stimme, eindeutig männlich. Und schon schob sie eine gepflegte Hand in ihr Sichtfeld, um ihr aufzuhelfen. Die helle Haut war überraschend prägnant, da sie beinahe weiß wirkte. Sobald Neriélle aufsah, schaute sie in das ebenso helle Gesicht eines Menschen. Er lächelte mit weißen, geraden Zähnen und seine hellen, blauen Augen funkelten freundlich. In seine Stirn fielen aschblonde Haare, die schon beinahe weiß wirkten und ihm ein strahlendes Aussehen verliehen. So hell waren seine körperlichen Merkmale. „Hast du dir wehgetan?“, fragte er weiter und wartete geduldig, ob sie seine Hilfe annehmen würde. Der Mann war etwas kleiner als Neri, schmächtig gebaut und in einfache Stoffe gehüllt. Er trug dunkelgrüne Farben und einen Umhang, wie Magier ihn oft gernhatten. Allerdings wirkte er etwas untergewichtig und jetzt, beim näheren Betrachten, hatten seine hellblauen Augen einen dunklen Schatten unterhalb des Lids. Trotzdem wirkte er recht freundlich und hilfsbereit und wartete geduldig ab, bis Neri sich gefangen hätte. „Ich bin Dromar“, stellte er sich unvermittelt vor und blickte daraufhin auf Pitt. „Oh! Ein Ottsel – ist das deiner?“, Pitt zog eine Schnute. „Ich bin niemandes! Kleiner “, schnauzte er und warf Neri dann einen Seitenblick zu. Kleinlaut fügte er an: „Sie hat mich vor ´ner Bärin gerettet.“, und verschränkte die Arme. „Außerdem heiße ich Pitt!“, fuhr er wieder hoch, ehe Dromar leise lachte. „Freut mich, Pitt. Was macht ihr hier?“, wollte er dann aber wieder mit Blick auf Neri wissen.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Montag 17. April 2023, 21:15

Neri erwiderte nicht sofort etwas auf Pitts Nachfrage, wieso er die Leichen nicht anfassen sollte. Erstmal war sie mit ihrem Frühstück beschäftigt, das gerade wieder zu Tage trat. Daher erwiderte sie auch nichts auf seinen Kommentar diesbezüglich. Neri hatte genug Mühe, sich darauf zu konzentrieren, sich nicht noch einmal zu übergeben. Als sie sich jedoch für den Moment beruhigt hatte und glaubte, ihrem Magen vorerst wieder vertrauen zu können - auch wenn das schlechte Gefühl in der Magengrube blieb -, erhob sie sich wieder und sah zum Ottsel hinüber. "Vielleicht ist es ansteckend?!", kam sie auf seine zuvor gestellte Frage zurück. Es war eher ein spontaner Gedanke gewesen. Sie hatte so etwas noch nie gesehen und wollte lieber kein Risiko eingehen. Deshalb bat sie ihn auch darum, die Höhle wieder zu verlassen. Sie wollte keine Minute länger hier bleiben. Neri sah förmlich, dass Pitt ein Spruch auf den Lippen lag und fühlte sich abermals ganz kurz an Arunn erinnert. Doch das Ottsel ließ schließlich Gnade walten und stimmte ihr zu, die Höhle zu verlassen - obwohl sie auch ohne ihn gegangen wäre, wenn auch nicht so gerne. Sie sollte sich erleichtert fühlen, als sie hinter Pitt her in Richtung des Ausgangs lief, doch die Anspannung wollte nicht von ihr abfallen. Gänsehaut bedeckte ihre Haut, als sie sich umdrehte, weil sie plötzlich das Gefühl hatte, beobachtet zu werden. Doch sie sah nichts und niemanden, und redete sich schließlich ein, dass sie sich das einbilden musste. Im nächsten Moment wurde ihr jedoch schwindelig und die Welt vor ihren Augen schwarz. Das Flüstern, das sie hörte, kam ihr auf negative Art bekannt vor. Sie bewegte den Kopf, auf der Suche nach dem Urheber des Flüsterns, doch sie sah nichts und sie verstand auch jetzt wieder nicht die genauen Worte. Bis sich das Flüstern in deutliche Worte wandte, die ziemlich verlockend in den Ohren der Elfe klangen.
“Liebe mich… Verehre mich… du bist perfekt für mich…Komm, Kind, komm zu mir."
Die Worte hallten noch in Neris Kopf nach, als sie plötzlich über etwas stolperte. Zuerst hatte sie das Gefühl, sich wie in einem Traum im freien Fall zu befinden. Doch dann realisierte sie, dass sie tatsächlich gestolpert war. Zumindest schaffte sie es noch, sich reflexartig mit den Händen etwas abzufangen, dennoch landete sie ziemlich unsanft auf dem Waldboden. Sie hatte nicht mal gemerkt, dass sie die Höhle schon verlassen hatten.
"Tut mir leid", murmelte sie reichlich verwirrt und eher automatisch in die Richtung des Ottsels, über den sie gefallen war und der sich lauthals beschwerte. Sie sog den erdigen Geruch des Waldes ein und verharrte einige Momente, während sie zurück an das Flüstern dachte. An das anziehende, dunkle und verbotene Flüstern, das sie unweigerlich an den Traum in der Hütte und an Calhoun erinnerte und das doch so gar nichts mit dem Dunkelelfen gemein hatte. War das eine Vision gewesen? Offensichtlich war sie wach gewesen, sonst wäre sie nicht gestolpert. Neri verspürte den Drang, nach dem Körper der Stimme zu suchen. Und der Grund dafür war nicht nur pure Neugierde, sondern er erinnerte an die Sehnsucht nach den Schatten..

„He- alles in Ordnung?“
Neriélles Gedanken wurden jäh unterbrochen. Sie schaute auf die Füße, die plötzlich vor ihr aufgetaucht waren. Sie hob den Kopf und erkannte die Hand, die ihr gereicht wurde, um ihr aufzuhelfen. Mit einem Mal wurde ihr bewusst, was für ein Bild sie abgeben musste. Als wäre sie zu doof zum Laufen oder würde mit dem Waldboden kuscheln. Der Anblick würde Arunn gefallen!
"Alles gut", murmelte sie betreten, griff nach der Hand und ließ sich bereitwillig auf die Beine helfen. "Danke." Dabei glitt ihr Blick musternd von der Hand zu dem entsprechenden Arm, weiter die Schulter und den Hals hinauf und landete schließlich im Gesicht des Fremden. Überrascht musterte sie seine helle Haut, die hellen blonden Haare und die strahlenden Augen. Der Fremde war hell wie der Tag. Das komplette Gegenteil von Calhoun. Sie war froh, seine Frage nach etwaigen Verletzungen mit einem Kopfschütteln beantworten zu können, denn sein Aussehen und plötzliches Auftreten machten sie im ersten Moment sprachlos. Er stellte sich ihr vor und wechselte ein paar Worte mit Pitt, während sich Neri Dreck und Blätter von der Kleidung klopfte. Sie musste furchtbar aussehen!
„Oh! Ein Ottsel – ist das deiner?“
Pitt stellte direkt klar, dass er niemandem gehörte und Neri schüttelte den Kopf. "Den möchte ich nicht mal geschenkt haben", ergänzte sie die Worte des Ottsels. Und als Pitt erzählte, dass sie ihn vor einer Bärin gerettet hatte, fügte sie noch hinzu. "Hört Ihr, macht nur Probleme." Trotz ihrer Wortwahl klang die Elfe gutmütig und grinste kurz und frech zu Pitt hinab, um ihm zu verdeutlichen, dass sie es nicht ganz so ernst meinte und sich nur für seine Sprüche revanchieren wollte. Dann wandte sich Dromar wieder direkt an sie und fragte, was sie hier machten.
"Ich bin übrigens Neriélle. Wie Pitt sagte, sind wir vor einer Bärin davon gerannt und hier gelandet."
Während sie sprach, musterte sie den freundlich und hilfsbereit wirkenden Fremden erneut. Ihr Blick glitt über seine Kleidung und dann abermals über seine helle Haut. Er wirkte so unschuldig, so rein und so hell. "Seid Ihr ein Heiler?", fragte sie dann, der plötzlichen Neugierde folgend und das aktuelle Thema wechselnd. Ihre Frage klang voller Hoffnung. Vielleicht beherrschte er die Lichtmagie und konnte damit heilen? Das Gesehene in der Höhle rückte für einen kurzen Moment in den Hintergrund. Sie dachte an Arunn, an seine lebensgefährliche Wunde und dass er dringend einen Heiler brauchte. Doch sie erklärte ihm nicht, wieso genau sie das fragte, denn plötzlich kehrte das Misstrauen zurück, das sie in der Höhle bemächtigt hatte, als ihr der Gedanke gekommen war, dass derjenige, der für das Schicksal der toten Elfen und Menschen verantwortlich war, sich vielleicht noch in der Nähe befand. Und nun traf sie ganz zufällig vor der Höhle jemanden, der nicht so recht hierher zu gehören schien. War das wirklich ein Zufall? Neris Körper spannte sich mit einem Mal an, das Schmunzeln verblasste und ihr Blick wurde prüfend.
"Wir haben uns vor der Bärin in der Höhle versteckt. Wart Ihr schon mal drin?", fragte sie, jetzt vorsichtiger. Normalerweise würde sich eine Antwort auf diese Frage erübrigen, denn Unwohlsein und Angst ihres Gegenübers würde Antwort genug sein. Doch Dromar wirkte ruhig und arglos, nicht so, als würde er wissen, was sich im Inneren der Höhle befand. Doch vielleicht, wenn er selbst dafür verantwortlich war und das verheimlichen wollte..? Neri schämte sich ein wenig für den Gedanken. Schließlich wirkte der Fremde auf den ersten Blick so vollkommen rein und gut. Und gerade noch hatte sie auf seine Hilfe gehofft. Doch sie konnte das Misstrauen nicht fallen lassen. Die Fratzen der Toten tauchten für einen Moment wieder vor ihrem inneren Auge auf. Was war, wenn er etwas damit zu tun hatte?
"Es ist grausig. Es sind Tote darin.. zahlreiche Elfen und Menschen", erzählte sie ihm dann mit leiser Stimme, die verriet, dass sie den Anblick noch lange nicht verdaut hatte. “Irgendetwas Grausames muss ihnen in der Höhle widerfahren sein..” Während sie sprach, beobachtete sie jedoch Dromar ganz genau und ließ sein Gesicht nicht aus den Augen, auf der Suche nach verräterischen Anzeichen, die zeigten, dass er ganz genau wusste, was sich in der Höhle befand. In ihren Augen konnte er die stumme Frage ablesen, was ihn ausgerechnet hierher geführt hatte. Die zurückliegenden Ereignisse hatten Neri misstrauisch gemacht.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Freitag 21. April 2023, 22:45

Neriélle’s Abenteuerlust wurde nicht gerade belohnt in letzter Zeit. Von anziehenden, verdammt gutaussehenden Dunkelelfen mal abgesehen. Allerdings taumelte sie in ein bahnbrechendes Abenteuer nach dem nächsten und fand sich viel zu häufig in Situationen wieder, die ihr alles abverlangten! Wie viele Shyáner konnten schon von sich behaupten einem waschechten Dämon begegnet zu sein? Und noch zu leben? Welche Elfe aus dem Tal hatte ihre Erfahrungen mit einem Dunkelelfen erweitert und musste zugeben, dass es durchaus süchtig machen konnte? Neri erlebte viel und bekam das Leben ungefiltert präsentiert. Doch auch das konnte seinen Reiz haben. Man könnte süchtig nach dem Kick werden, würde es irgendwann vielleicht brauchen immer und immer wieder vor immer größere Herausforderungen gestellt zu werden. Allerdings zählte Neri bisher nicht dazu. Im Grunde wollte sie derzeit nur, dass es ihrem Leidensgenossen Arunn besser ging, er diese Tortur überlebte und Calhoun das Weite suchte, um sie nicht ständig in Versuchung zu führen. Dann wäre ihr Leben wieder beschaulich und deutlich ruhiger! Was danach käme… nun, sie wusste es nicht. Neri aber musste irgendeinen Gott erheblich geärgert haben. Denn anstatt, dass sie die Ruhe im Wald genießen durfte, tauchte mit einem Mal Pitt auf. Ein nerviges Ottsel, das den Mund erheblich voll nahm und sie in Schwierigkeiten brachte. Die Bärin stellte eine immense Gefahr dar und so blieb der Elfe nichts weiter als die Beine in die Hand und das Ottsel auf die Schulter zu nehmen. Gerade als sie glaubte, das Unheil abgewendet zu haben, stolperte sie in ein viel größeres: Leichen, entsetzlich entstellt und übereinandergeschichtet starrten aus toten Augenhöhlen entgegen. Das Bild würde sie so schnell nicht mehr vergessen und der Anblick, sowie der Geruch schlugen ihr erheblich auf den Magen. Aber anstatt vor der Höhle ein wenig durchzuatmen, verfolgte sie diese seltsame Stimme wieder und dieses Mal konnte sie sie auch verstehen. Das was sie sagte klang verlockend, lullte den eigenen Verstand ein und würde sie nur weiter locken, würde man vielleicht bereitwillig folgen. Die Welt drehte sich. Sie war ein sich immer schneller drehender Kreisel, der Neri gefangen hielt. Die Elfe fiel unsanft zu Boden und auch wenn sie sich nicht ernsthaft verletzte dabei, brauchte sie einige Momente, um überhaupt wieder ein wenig klarer zu sehen. Und was sie sah, kam völlig unerwartet.
Da waren in Lederstiefel gehüllte Füße. Eine enge Lederhose zeigte schmale Beine, die in ebenfalls schmalen Oberschenkel endeten. Eine Tunika in schwarz wirkte etwas zu groß, bei der nicht ganz so muskulösen Brust, doch das helle Gesicht lenkte davon ab. Neri fühlte sich für einen Moment wie gebelendet, so strahlend wirkte der Fremde in dieser Situation. Nach dem erschreckenden Erlebnis, tauchte er wie das rettende Licht auf einmal auf und begegnete ihr mit aller Höflich- und Freundlichkeit. Seine Sorge um ihr Wohlbefinden schien echt zu sein, während er ihr aufhalf und sie aus hellblauen Augen musterte. Er half sogar etwas unbeholfen, ihr einige Blätter von der Kleidung zu klopfen, auch wenn er sich mit Berührungen zurückhielt. Er lächelte leicht, bei ihren Erwiderungen. Dann fiel der Fokus auf Pitt und das Ottsel machte gleich mal klar, wem oder was er gehörte. Nur sich selbst! Und Neri fand ihren Humor wieder, indem sie ihn nicht mal geschenkt haben wollte.

Der Fremde lachte und bewies eine tiefe Stimme, die schon leicht kratzig klang. „Ich verstehe. Eine Zweckgemeinschaft also?“, er zog einen Mundwinkel schief und musterte sie unverhohlen. Er wirkte recht zugänglich. Weder verschlossen, wie Calhoun, noch so wortgewaltig wie Arunn. „Es freut mich Neriélle.“, lächelte er und nickte ihn offen zu. “Seid ihr ein Heiler?“, fragte Neri plötzlich und Dromar hob beide Augenbrauen. „Wieso? Braucht ihr doch einen?“, stellte er gleich die Gegenfrage und sein Hellblau tastete noch einmal ihren Körper ab. Doch dann seufzte er und schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin kein Heiler. Ich habe einige Erfahrungen mit Heilkundigen, aber…“, er kicherte kurz, „da ist nicht sehr viel hängen geblieben…“, seine Augen blitzten. Dann allerdings holte Neri’s Verstand ihren Körper wieder ein. Sie synchronisierten sich, sodass sie eins und eins zusammenzählen konnte und ein gewisses Misstrauen entstand. Zufälle waren derlei viele, doch… war das einer? Dromar bemerkte offenbar ihre Veränderung und wurde etwas ernster. Er hörte ihr zu und blickte hinter sie auf die Höhle, während sie sprach. Ihre Worte trieben ihm das Lächeln und die Freundlichkeit aus dem Gesicht. Düster wurde seine Mimik und er runzelte die Stirn. „Nein, ich war noch nicht in der Höhle. Ich… das klingt.. schrecklich.“, meinte er, doch klang er weiterhin recht ruhig dabei. Seine Mimik ließ kaum Rückschlüsse darauf zu, ob er besorgt, entsetzt oder gar gelangweilt war. Blass war er ohnehin schon, sodass ihr nicht mal blieb, seine Hautfarbe zu beurteilen.
Dromar hatte seinen Blick an die Höhle geheftet. Dann wandte er sich aber ab und schüttelte das aschblonde Haupt. „Vielleicht sollten wir von hier verschwinden.“, meinte er und wirkte jetzt doch etwas aufgebracht „Nicht immer steckt hinter allem etwas Böses… doch das, was du beschreibst, könnte Hinweis auf etwas sein, was ich derzeit untersuche.“, offenbarte er ihr und setzte sich in Bewegung. Er verließ den Radius um die Höhle und schien genau zu wissen, wohin er wollte. „Ich untersuche derzeit einige Phänomene, die ein Pflanzensterben nachsichziehen. Ich bin mir noch nicht sicher, was das bedeutet. Aber hier in der Nähe gibt es eine Kräuterhütte, dort kann ich meine Vorräte aufstocken und dann weiterziehen, zum Dorf der Waldmenschen.“, teilte er ihr unverblümt mit und schien nicht die selbe Skepsis, wie Neri zu teilen. „Dort scheint die Wurzel allen Übels zu sein. Jedenfalls, mach meinen Berichten, die ich so hörte“, sprach er weiter. Dromar schlug tatsächlich den Weg zur Hütte ein und wusste offenbar, wohin er gehen musste. Und während der Mensch weiterschnatterte, konnten Neri’s empfindliche Ohren bereits das Wasserrauschen hören. Das rhythmische Hacken des Beils war vorbei, stattdessen stieg etwas Rauch auf, von dem befeuerten Kamin.

Und sobald sie den Blick auf die Hütte richten konnten, stand vor ihr tatsächlich ein fertiges Floß. Ihre Jagd hatte lange gedauert, die Flucht noch länger und offenbar hatte der Dunkle die Zeit genutzt. Wie er wohl reagierte, wenn sie auf einmal einen Fremden im Schlepptau hatte? Obwohl Dromar eher sie schleppte, denn er ging so selbstverständlich auf die Tür zu, dass sie ihn gar nicht mehr aufhalten konnte, ehe er klopfte und einfach hereinstiefelte. Sofort hörte man Stuhlbeine, die hastig über den Boden gekratzt wurden, als jemand aufsprang. Dann ertönte die Stimme des Dunklen, die so viel vollmundiger klang: „Wer seid ihr?!“, kam es scharf seitens Calhoun und Dromar blieb überrascht in der Tür stehen. „Was geht hier vor?!? Wo ist Kiara?“, fragte er und man spürte förmlich, wie die Situation völlig falsch zu kippen drohte. Und mit einem Mal, völlig unpassend, schawenzelte Pitt mit einem Mal hervor. „Beruhigt euch Jungs! Pitt ist ja da und klärt euch mal auf. Also: DAS ist Dromar. Son komischer Vogel, der im Wald rumschleicht und vor gruseligen Höhlen, Elfinnen aus dem Dreck rettet. Das da ist…. Ja zum Henker, wer bist du?!“, Keine Antwort. „Ich schätze, ich bin fertig.“, plapperte der Ottsel und Calhoun’s Blick richtete sich auf Neri, die gewiss schon dazugetreten war. „Freunde von dir? Oder ein viel zu großes Herz für alles Dahergelaufene?“, fragte der Dunkle und hatte die Arme verschränkt. Noch immer hatte er nichts an, doch in der Hütte war es auch wohlig warm genug. Arunn lag immer noch im Bett, unverändert.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Sonntag 23. April 2023, 10:25

Neri betrachtete den fremden Dromar vor sich, schüttelte dann aber den Kopf, als er fragte, ob sie einen Heiler brauchte. Noch immer verschwieg sie Arunn, den wahren Grund ihrer Nachfrage. Doch sogleich bescheinigte Dromar ihr, kein Heiler zu sein, und Neri verspürte ehrliche Enttäuschung darüber. Das wäre auch ein zu großer Zufall gewesen.. oder war ihre Begegnung gar kein Zufall? Neri wurde misstrauisch, sie musste zuerst sichergehen, dass sie ihm trauen konnte, bevor sie irgendetwas über sich oder ihre Begleiter in der Hütte preisgab. Auch Dromar, der bis dahin ziemlich freundlich und gut gelaunt wirkte, wurde in Anbetracht ihres Misstrauens ernster. Sie ließ ihn nicht aus den Augen, während sie ihm knapp von den Leichen in der Höhle erzählte. Er wirkte ernsthaft betroffen, wenn auch nicht so entsetzt, wie sich die Elfe selbst jetzt noch fühlte. Doch es war ihr auch nicht möglich, das Grauen, das den Leichen ins Gesicht geschrieben stand, in passende Worte zu fassen. Neris Blick folgte seinem zu der Höhle in ihrem Rücken und es fröstelte sie, als sie an die Toten und an das Flüstern in der Schwärze zurück dachte. Was ging hier nur vor sich?
„Vielleicht sollten wir von hier verschwinden. Nicht immer steckt hinter allem etwas Böses… doch das, was du beschreibst, könnte Hinweis auf etwas sein, was ich derzeit untersuche.“
Neri war ehrlich froh, dass er sich nicht selbst von dem Treiben in der Höhle überzeugen wollte, und nicht etwa vorschlug, wieder dort hinein zu gehen. Das wollte die Elfe auf keinen Fall. Sie hatte noch immer Angst, dem Urheber des Grauens zu begegnen.. oder erneut diesem Flüstern, das tief in ihrem Inneren Gehör gefunden hatte. Doch darüber wollte sie jetzt gar nicht nachdenken. Die Begleitung des Dunkelelfen mit seinen Schatten verlangte ihr schon genug Selbstbeherrschung ab. Neriélle wurde hellhörig bei Dromars Worten und folgte ihm für den Moment bereitwillig, auch wenn es ihr fast leid tat, die Elfen und Menschen einfach so in der Höhle zurück zu lassen. Sie hätte ihnen gerne ein angemessenes Begräbnis ermöglicht. Vielleicht war dies später noch möglich? Andererseits wusste sie auch, dass sie nicht für alles und jeden verantwortlich sein konnte. Und jetzt wollte sie auf keinen Fall noch einmal einen Fuß in diese Höhle setzen.
„Ich untersuche derzeit einige Phänomene, die ein Pflanzensterben nachsichziehen. Ich bin mir noch nicht sicher, was das bedeutet. Aber hier in der Nähe gibt es eine Kräuterhütte, dort kann ich meine Vorräte aufstocken und dann weiterziehen, zum Dorf der Waldmenschen. Dort scheint die Wurzel allen Übels zu sein. Jedenfalls, mach meinen Berichten, die ich so hörte.“
Als Dromar die Kräuterhütte erwähnte, hob Neri den Kopf vom Waldboden, den sie nachdenklich betrachtet hatte. Mit einem Mal wurde sie nervös und auch die Information, dass er ebenfalls zum Dorf der Waldmenschen wollte, rückte vorerst in den Hintergrund.
“Moment, Dromar”, wollte sie einhaken, doch der Mensch lief zielstrebig weiter. “Die Kräuterhütte.. es ist vielleicht keine gute Idee, dorthin zu gehen.” Wie sollte sie ihm nur erklären, dass dort ein Dunkelelf war? Sie konnte es nicht über die Lippen bringen. Und egal, was für Einwände sie erheben wollte, Dromar schritt einfach weiter und schien sie gar nicht anhören zu wollen. Und Neri konnte es nicht aussprechen und wollte das Unvermeidbare noch so lange wie möglich hinauszögern.

Schließlich lichtete sich der Wald vor ihnen und gab den Blick auf die Hütte frei. Besorgt hielt Neri nach Calhoun Ausschau, doch der war nicht zu sehen. Aber er hatte das Floß fertiggestellt. Sie musste einige Stunden unterwegs gewesen sein. “Dromar, warte!”, war der letzte Versuch, ihn aufzuhalten, ehe er auch schon ganz selbstverständlich die Tür zur Hütte öffnete. Neri hoffte inständig, dass Calhoun nicht in der Hütte war, doch sie wusste auch, dass dieser Wunsch sehr abwegig war. Wo sollte er sonst sein? Sie war für die Jagd verantwortlich gewesen, er hatte das Floß fertiggestellt und mehr gab es im Grunde auch gar nicht zu tun. Dann hörte sie die Stuhlbeine über den Boden kratzen und Calhouns scharfe Stimme. Dann Dromar, der nach Liabell fragte - Neri vermutete, dass das die Kräuterhexe war. Während Pitt ihr zuvor kam und versuchte, das Ganze zu entschärfen, schritt Neriélle an Dromar vorbei ins Innere der Hütte. Sie schaute Calhoun entschuldigend an, der so gar nicht begeistert von der Sache war.
„Freunde von dir? Oder ein viel zu großes Herz für alles Dahergelaufene?“
"Das scheint sich so durchzuziehen", murmelte sie und erwiderte Calhouns Blick für drei Sekunden, die sich für sie deutlich länger anfühlten, sodass ihm vielleicht klar war, dass er sich zu diesen Dahergelaufenen dazu zählen konnte. Dann wandte sie sich herum, sodass sie etwas schräg vor Calhoun und zwischen ihm und Dromar sowie dem Ottsel stand. Im Moment war ihre größte Befürchtung, dass Calhoun etwas Unüberlegtes tat, sodass sie lieber in seiner Nähe blieb, um ihn gegebenenfalls davon abhalten zu können, falls das überhaupt möglich war - was, wenn sie ehrlich war, sie sich gar nicht vorstellen konnte. Offenbar war es an ihr, allen die gesamte Situation zu erklären.
"Kiara ist nicht hier. Wärst du stehen geblieben und hättest mir zugehört, wüsstest du das bereits", meinte sie zwar grundsätzlich freundlich, aber auch eine Spur missmutig gen Dromar. Es war ihr unangenehm, dass er einfach so in die Hütte gelaufen war, ohne ihr auf dem Weg hierher irgendeine Möglichkeit zu lassen, ihn vorwarnen zu können, was Calhoun betraf - oder diesem Zusammentreffen am besten gänzlich auszuweichen. Sie hatte im Inneren zwar schon versucht, sich darauf vorzubereiten, wie sie den Waldmenschen ihr Dreiergespann erklären sollte - und sich gleichzeitig für die Reaktionen zu wappnen, dass sie ausgerechnet einen Dunkelelfen mit dorthin brachte. Doch das hätte noch einen Tag Zeit gehabt. Neri war noch nicht bereit dafür und fühlte sie entsprechend überrumpelt und überfordert von dieser Situation. Ihre Worte an Dromar waren vielleicht auch für Calhoun eine Erklärung, wieso sie mit dem Fremden hierher gekommen war.
"Wir, Calhoun und ich, wollten auch zu ihr. Ich vermute, sie ist die Kräuterhexe, die hier eigentlich wohnt? Wir sind gestern hier angekommen, weil unser Freund Arunn da drüben dringend Hilfe braucht." Sie deutete zu dem Bett hinüber, da ihnen der stille Mensch im Bett vermutlich noch gar nicht aufgefallen war. "Er ist schwer verletzt und braucht dringend einen Heiler. Die Hütte war verlassen und von Kiara gibt es keine Spur. Sie muss vor langer Zeit gegangen sein. Tut mir leid." Sie sah von Pitt zu Dromar. "Wir wollen ebenfalls zum Dorf der Waldmenschen. So wie du auch, Dromar. Calhoun hat ein Floß gebaut und wir sollten schnellstmöglich dorthin fahren, damit Arunn dort Heilung erfährt.”
Sie sah Dromar an. Ob ihre Erklärung ihn beruhigte? Ob er selbst noch einmal seine Beweggründe erläuterte, woher er Kiara kannte und was ihn ins Dorf der Waldmenschen führte? Neriélle seufzte hörbar. Dass immer alles so anstrengend und nervenzehrend sein musste! Dann fiel ihr wieder Pitt ein.
“Oh, und das da ist Pitt, ein Ottsel. Er hat eine Bärin und ihre Jungen verärgert und ich hab ihn vor ihr gerettet”, wandte sie sich am Schluss an Calhoun, ohne genauer auf den Ausgang ihrer Flucht einzugehen. Von den Leichen konnte sie noch immer erzählen. Jetzt galt es, das Ganze hier aufzuklären und die Wogen zu glätten. Wie er wohl reagierte?

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Sonntag 23. April 2023, 12:11

Es war schon mehr als fragwürdig, ob sie Dromar einfach so zufällig über den Weg gelaufen war. Die Höhle mit ihrem erschreckenden Inhalt, dieses unheimliche Flüstern, die Worte… All das war doch merkwürdig und schürte das Misstrauen der Elfe. Allerdings war sie Pitt ja auch ‚einfach so‘ über den Weg gelaufen. Zusammen mit Calhoun und Arunn, befand sich Neri langsam in einer äußerst bunten Männerrunde. Ob die Elfe sich deshalb unwohl fühlte? Vermutlich nicht. Einzig das Nachhallen der grausamen Erinnerung verschaffte ihr Unbehagen. Dromar aber hielt sich erstaunlich wenig auf mit der Höhle. Er betitelte das ganze zwar als schrecklich, aber wirklich nachsehen, ob ihre Worte stimmten, wollte er dann auch offenbar nicht. Oder hatte auch er Angst? Oder wusste er bereits Bescheid und spielte ihr etwas vor? Neri würde es nicht anhand seiner Reaktion ergründen können, denn er ließ sich nicht so einfach in die Karten gucken. Er wirkte ehrlich bestürzt, aber das hielt auch nur so lange, bis er sich auf den Weg machte – ausgerechnet zu eben jener Kräuterhütte, die sie derzeit als ihren Rastplatz auserkoren hatten. Was, wenn er sie dort vorfand und ganz falsche Schlüsse zog? Er vermutete offenbar jemand anderes dort, doch das hatte Calhoun auch. Was, wenn Dromar auf die Idee käme, sie hätten etwas mit ihrem Verschwinden zu tun? Calhoun war auf jeden Fall ein Minuspunkt in ihrer Gleichung. Er war Dunkelelf. Damit fingen die Probleme ja schon an! Doch so sehr Neriélle sich auch bemühte, der Mensch mit den hellen Haaren wollte ihr einfach nicht zuhören. Er stiefelte zielsicher durch das Unterholz und schien sie gar nicht richtig wahrzunehmen. Dafür nahm man das Ottsel wahr: „He! Wartet mal ihr ollen Zweibeiner. Was ist mit mir?!“, rief er ihnen hinterher und setzte ihnen nach. So überwand das ungleiche Trio die Entfernung und fand sich schließlich an der Hütte wieder. Bevor Neri auch hier den Menschen zurückhalten konnte, platzte jener in das Innere. Ein Feuerschein erfasste ihn und ließ ihn noch heller strahlen. Im Innern der Hütte standen sich zwei erhebliche Kontraste gegenüber. Erst in einem Raum mit Calhoun, wirkte die helle Hautfarbe des Menschen bedeutend prägnanter. Gegenüber standen sie sich und wirkten beide gleichermaßen angespannt. Keiner von ihnen hatte mit dem jeweils anderen gerechnet. Pitt versuchte die Situation zu entschärfen – auf seine Weise eben -, doch Neriélle musste trotzdem eingreifen.

Als erstes ließ sie es sich nicht nehmen, Calhoun eine Spitze zu verpassen. Seine roten Augen hingen in ihrem Blick und seine Augenbrauen zuckten kurz amüsiert nach oben, bei ihren Worten. Dann wandte sie sich an Dromar: "Kiara ist nicht hier. Wärst du stehen geblieben und hättest mir zugehört, wüsstest du das bereits", tadelte sie den Menschen und erntete ebenfalls einen Blick. Kurz flammte darin etwas auf, das sich nicht genauer deuten ließ. Dafür war es nur zu kurz vorhanden. Dann entspannte sich aber seine Mimik und auch seine Körperhaltung wurde etwas weicher, wenn auch weiterhin wachsam. „Wo ist sie denn?“, wollte er wissen. "Wir, Calhoun und ich, wollten auch zu ihr. Ich vermute, sie ist die Kräuterhexe, die hier eigentlich wohnt? Wir sind gestern hier angekommen, weil unser Freund Arunn da drüben dringend Hilfe braucht. Er ist schwer verletzt und braucht dringend einen Heiler. Die Hütte war verlassen und von Kiara gibt es keine Spur. Sie muss vor langer Zeit gegangen sein. Tut mir leid. Wir wollen ebenfalls zum Dorf der Waldmenschen. So wie du auch, Dromar. Calhoun hat ein Floß gebaut und wir sollten schnellstmöglich dorthin fahren, damit Arunn dort Heilung erfährt.”, plapperte Neri wieder und hörte an ihrer Seite bereits ein Schnaufen seitens des Dunklen. „Ich bin übrigens auch noch Linkshänder und esse gerne Hasenbraten!“, knurrte er sarkastisch und tadelte Neri, ob ihrer Gutmütigkeit! Hatte sie denn nichts gelernt? Er war doch das beste Beispiel gewesen. Trotzdem beließ er es dabei und sah zu Dromar zurück. Dieser hatte die hellblauen Augen auf Neri gelegt und ihr schweigend zugehört. „Ihr… wollt auch ins Dorf?“, er runzelte die Stirn. Glaubte er ihr etwa nicht? „Das… oh, das trifft sich gut.“, stieß er aus und wirkte tatsächlich freudig überrascht. Er lächelte sogar, was eine ganze Reihe weißer Zähne entblößte. Irgendwie sah er niedlich aus, auch wenn sein Körper kaum Muskeln hatte. Er wirkte recht schlaksig, gerade im direkten Vergleich mit Calhoun. Plötzlich saß Pitt auf dem Tisch und reckte eine Pfote in die Höhe. „Dann will ich auch zum Dorf. Scheint ja Trend zu sein.“, bemerkte er und wuselte einmal um sich selbst. Bis seine Knopfaugen auf Arunn ruhten. „Dem geht’s aber gar nicht gut.“, meinte er und verzog die Schnute. „Er stinkt wie die Leichen in der Höhle!“, bemerkte er salopp und plapperte aus, was Neri gewiss nicht angesprochen haben wollte.
Calhoun reagierte prompt und sah von Arunn zur Elfe. „Leichen? Höhle?“, fragte er stirnrunzelnd nach und bekam dennoch noch keine Antwort, da sich Dromar auf einmal einmischte. „Lasst mich mal sehen!“, bemerkte er und drängte sich zwischen Neri und Calhoun durch, ging um den Tisch, warf einen hungrigen Blick in den Eintopf, ehe er bei Arunn stehenblieb. „Das… oh… interessant… das könnte… aber wieso…?“, murmelte er. „Alter… - red‘ mal Klartext?“, maulte Pitt, der auf Arunn’s Brust hockte und von ihm zu Dromar sah. Jener aber funkelte das Ottsel nur böse an, was weder Calhoun noch Neri sehen konnten, da er ihnen den Rücken zugewandt hatte und wandte sich dann mit gehetzter Miene um. „Wir müssen augenblicklich los! Ist das Floß fertig?!“, fragte er und sah Calhoun an. „Was auch immer diese Elfen getötet hat, scheint auch euren Freund erwischt zu haben – kann das sein?“, fragte er, wartete aber keine Antwort ab. Auf einmal hatte er es sehr eilig, loszukommen. Calhoun runzelte misstrauisch die Stirn, während er dem Hellen nachsah, wie er bereits zur Tür hinaus wollte. Es ging alles mit einem Mal schnell. Dann wandte sich Calhoun an Neri und funkelte sie an. Er öffnete seine Arme und trat an sie heran, neigte sich etwas zu ihrem Ohr und verströmte seinen ganz eigenen Geruch und seine Ausstrahlung war so gegensätzlich zu der von Dromar. „Du solltest gelernt haben, vorsichtiger zu sein, Neriélle. Ich trau‘ ihm nicht!“, meinte er und richtete sich wieder auf. „Aber er hat recht. Arunn stinkt, als wäre er bereits tot und wir sollten nicht noch länger warten. Pack alles zusammen – das Floß ist bereit. Dromar!“, wandte er sich dann zuckersüß und überhaupt nicht ehrlich gemeint an den Menschen. „Du wirst gewiss helfen können, das Floß zu Wasser zulassen, nicht wahr?“, spottete er, ohne es offensichtlich zu tun. Er hielt nichts von dem schmächtigen Menschen. Gar nichts. Doch er legte ihm eine Hand auf die Schulter und schob ihn aus der Hütte, um mit ihm das Floß in den Fluss zu schieben. Nun würde es wohl losgehen – Auf in Richtung Heilung. Hoffentlich…
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Sonntag 23. April 2023, 21:09

Während Neri versuchte, Dromar und Pitt zu erklären, was Calhoun und sie hier zu suchen hatten und dass Kiara nicht mehr hier lebte, schwiegen die Männer und das Ottsel. Doch kaum hatte sie geendet, da schnaubte der Dunkelelf in ihrem Nacken und tadelte sie mit sarkastischen Worten, die ihr bedeuteten, dass sie mal wieder zu viel gesagt hatte. Aber war das wirklich so? Dromar hatte ihr als Erster seine Pläne offenbart. Und wenn sie dasselbe Ziel hatten, konnten sie denn daraus nicht auch einen Vorteil ziehen? Daher ignorierte sie scheinbar Calhouns Worte, weil sie nichts auf diese erwiderte, aber gehört hatte sie ihn unmissverständlich. Stattdessen erwiderte sie Dromars Blick, der vor ihr stand, und der das Wort an sich nahm.
„Ihr… wollt auch ins Dorf?“
"Wenn du nicht zufällig jemanden in der Nähe kennst, der ihn heilen kann, dann ist das Arunns einzige Chance", kommentierte Neri und kannte die Antwort natürlich schon.
„Das… oh, das trifft sich gut.“
Unweigerlich musste sie sein Lächeln erwidern, auch wenn das Aufblitzen in seinen Augen sie für einen Moment verunsichert hatte, nachdem sie ihn getadelt hatte. Doch nun schien er sich ehrlich zu freuen und wirkte, vielleicht auch wegen dem krassen Kontrast zu Calhoun, so unschuldig auf sie. Kein Wunder also, dass sie einfach so ausgeplaudert hatte, was sie hierher getrieben hatte und wo sie hin wollten. Immerhin hatte sie verschwiegen, woher genau sie kamen. Zwar blieb ein Rest von Misstrauen dem Menschen gegenüber, aber zumindest fand Neri ihn zunehmend sympathischer und stufte ihn für wenig gefährlich ein.

Dann sah sie zu Pitt hinüber, der sich gerade bemerkbar machte und kurzerhand beschloss, ebenfalls mit in das Dorf zu reisen. Das würde ja eine bunte Truppe werden. Neri vermied nun gezielt den Augenkontakt mit Calhoun. Wahrscheinlich schmeckte ihm das gar nicht, dass sie nun gleich zwei ungebetene Mitreisende hatten. Doch zunächst lag Neris Aufmerksamkeit auf dem Ottsel.
„Dem geht’s aber gar nicht gut. Er stinkt wie die Leichen in der Höhle!“
Da fokussierte Neri das Ottsel genauer. "Was?", entfuhr es ihr, dabei hatte sie ganz genau gehört, was er gesagt hatte. Sein Vergleich ließ sie aufhorchen. "Nein, das kann nicht sein!" Bei den Worten des Ottsels packte sie plötzlich die Befürchtung, dass Arunn das gleiche befallen haben könnte wie die Leichen in der Höhle. Bis jetzt hatte sie gar nicht darüber nachgedacht, doch nun, da sie es tat, fiel ihr die furchtbare Ähnlichkeit zwischen den Striemen auf Arunns Brust und denen auf den Körpern der Toten auf. Was es mit den Leichen in der Höhle genauer auf sich hatte, blieb sie Calhoun zunächst jedoch schuldig. Neri war in diesem Moment viel zu aufgewühlt aufgrund des Gedanken, der ihr erst jetzt, aber dafür mit voller Wucht gekommen war. Sie folgte Dromar, der sich Arunns Wunde anschaute und etwas vor sich hin murmelte. Pitt verstand offenbar genauso wenig wie sie, was der Mensch sagen wollte.
„Wir müssen augenblicklich los! Ist das Floß fertig?!“
"Was, jetzt sofort!?" Sie sah für einen Moment zu Calhoun, um zu sehen, was er davon hielt. Die Anwesenheit des Dunkelelfen oder Kiaras Verschwinden waren offenbar gerade das geringste Problem.
„Was auch immer diese Elfen getötet hat, scheint auch euren Freund erwischt zu haben – kann das sein?“
"Das ist nicht möglich! Oder doch..?! Er war schon verletzt, bevor wir herkamen. Wie soll das möglich sein? Wie soll das, was in der Höhle passiert ist, auch ihn treffen können?!" Neri verstand den Zusammenhang zwischen den beiden Dingen nicht. Sie spürte Calhouns fragenden Blick auf sich und sah ein, dass sie ihn in die zurückliegenden Geschehnisse einweihen musste. "Pitt und ich sind in eine Höhle gelaufen, um der Bärin zu entkommen. Darin lagen zahlreiche Elfen und Menschen.. sie waren alle tot. Sie sahen aus, als hätten sie etwas Furchtbares kurz vor ihrem Tod gesehen. Sie hatten schwarze Fingerkuppen und Striemen auf ihrer Haut. Ganz ähnlich wie die auf Arunns Brust." Letzteres murmelte sie in bitterer Erkenntnis, dass Dromar recht haben könnte, auch wenn sie es noch immer nicht verstand, wie das zusammen hängen konnte.

Dromar stiefelte zur Tür hinaus, während Calhoun ihr nun wieder näher kam. Das Funkeln in seinen Augen ließ Unbehagen in ihr aufkommen, während seine geöffneten Arme eine Nähe versprachen, die es in ihrem Körper kribbeln ließ. Ihr Körper konnte sich zwischen den Widersprüchen nicht entscheiden.
"Du solltest gelernt haben, vorsichtiger zu sein, Neriélle. Ich trau‘ ihm nicht!“
Sie blickte zu ihm hinauf und überlegte einen Moment. "Hätte ich dir auch besser misstrauen sollen?", fragte sie dann leise. Ihre Nähe machte es nicht notwendig, laut zu sprechen und ihre Frage war nur für den Elf zu hören. Eigentlich hatte sie ihm das frech erwidern wollen, doch als sie so darüber nachdachte, klang ihre Frage plötzlich doch ernster als beabsichtigt. Schließlich war er ein Dunkelelf und Dromar nur ein Mensch. Auch wenn sie wusste, wie er es meinte und im Grunde wusste sie auch, dass er Recht hatte. Sie war einfach zu gutmütig und zu naiv für die Welt außerhalb von Shyána Nelle. Das hatte selbst sie schon erkannt. Und sie hatte das auch Calhoun gegenüber bewiesen. Doch wer nichts wagte, der gewann auch nichts. Und immerhin hatte ihre Naivität sie einander näher gebracht. Und ob er das bereute? Neri schmunzelte leicht bei dem Gedanken daran, weil sie das bezweifelte, denn sein Verlangen war bestimmt nicht gespielt gewesen. Doch für Anspielungen war nun bei weitem nicht die richtige Zeit und nicht der richtige Ort. Dromars Worte und ihre Schilderungen von den Toten, gepaart mit Arunns kritischen Zustand, schienen schlussendlich aber auch Calhoun zu überzeugen, dem Menschen Glauben zu schenken, und er wies sie an, alles zusammen zu packen. Ihr Blick fiel kurz auf das Netz mit den beiden toten Tieren darin. Plötzlich legte sich eine Aufbruchstimmung über ihre Gruppe. Sollte jetzt wirklich alles so schnell gehen? Sie hatte nicht einmal Zeit, die Tiere zu zerlegen und ihr Fleisch für die Reise vorzubereiten. Doch Calhoun schien das nicht weiter zu beschäftigen. Ehrlicherweise war ihr das nur recht. Sie hatte noch bildlich vor Augen, was den Menschen in der Höhle widerfahren war, und dieses Schicksal wollte sie Arunn um jeden Preis ersparen!

Calhoun wandte sich Dromar zu und folgte ihm nach draußen. Neri überlegte, ob das hier ein Fehler war? Doch wenn sie sich gegenseitig halfen, gelangten sie vielleicht auch schneller oder sicherer zum Ziel? Außerdem war sie der Überzeugung, dass Dromar Calhoun im Ernstfall nichts anhaben konnte und das beruhigte sie für den Moment. Neri sah den beiden ungleichen Männern stirnrunzelnd hinterher. Das versprach eine interessante Reise zu werden.. sie hoffte nur, dass sie ohne Zwischenfälle verlief und keine Probleme zwischen den Männern entstanden. Viel zu packen gab es allerdings nicht. Calhouns Gepäck und ihr eigenes lag schon gepackt da. Arunn hatte nur sich und Calhouns Hemd, das er trug. Sie schaute in den Kessel und teilte den Rest vom Essen in drei Schüsseln auf. Zusätzlich füllte sie eine Schüssel nur mit Kürbissen. Dann stellte sie alles auf den Tisch vor der Hütte.
"Wir sollten das noch essen, falls jemand möchte?!", bot sie mit einem Blick zu Dromar auch ihm an. Zumindest sie hatten die zurückliegenden Stunden und Ereignisse hungrig gemacht. Neriélle wandte sich an Pitt. "Was isst du eigentlich? Kürbis?", fragte sie und deutete auf die Schüssel, die mit eben jenen Stücken gefüllt war. Oder aßen Ottsel auch Fleisch? Sie kannte bisher ja nur seine Abneigung gegenüber Hasen.
Während sie aßen, schaute sie zu Dromar und nutzte die Gelegenheit, um mehr Informationen zu erhalten. "Vorhin im Wald hast du etwas von einem Pflanzensterben erzählt. Was hat es damit auf sich? Was bringt dich dazu, zu glauben, dass die Ursache im Dorf der Waldmenschen zu finden ist? Sollten wir uns auf irgendwas vorbereiten?”
Ganz verschwunden war Neris Misstrauen also noch immer nicht. Andererseits wollte sie, wenn es mehr über dieses Sterben von Pflanzen, Elfen und Menschen zu wissen gab, dieses auch erfahren, damit sie sich vielleicht alle etwas wappnen konnten.
Nach ihrer kleinen Stärkung verräumte die Elfe die geleerten Schüsseln in der Hütte, löschte das Feuer, sammelte den Rest ihres Hab und Guts ein und trat dann mit Calhouns und ihrem Gepäck sowie den beiden toten Tieren im Netz wieder nach draußen. Neue Hoffnung keimte in ihrem Herzen. Aber auch Besorgnis über Arunn, über ihren neuen Mitreisenden und über das dunkle Geschehen, das alles miteinander verband.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. April 2023, 10:35

Auf einmal ging alles schnell. Offenbar hatte Dromar soeben entschieden, dass sie gemeinsam aufbrechen würden. Sie hatten das Floß und er das gleiche Ziel. Für den Hellhaarigen stand somit fest, dass sie sich die Überfahrt auf dem Auwin teilen würden. Calhoun aber war wenig begeistert. Überhaupt blieb die Frage, was der Dunkle noch in ihrer Nähe zu suchen hatte. Doch Neri wusste, dass er zumindest eine Bindung zu Arunn hatte. Und, dass der Dunkle nicht rein böse sein konnte. Auch das wusste sie. Nun aber blaffte er ungehalten, sie solle alles einpacken, während er sich um den Hellen kümmerte. Der Mensch sah unsicher auf, als Calhoun ihm eine Hand auf die Schulter legte und verlangte, mit ihm zusammen das Floß zu Wasser zu lassen. Das könnten anstrengende 2 Tage werden. Neri aber packte umsichtig alles ein, was sie dabeigehabt hatten. Viel war es nicht und so trat sie bereits wenig später aus der Hütte und legte alles bereit. Calhoun stand am Flussufer und wickelte gerade ein Tau um einen Pflock im Boden, damit ihnen das Floß nicht wegtrieb. Dromar stand abseits und sah nicht aus, als ob er geholfen hätte. Seine Arme waren halb so dünn, wie die von dem Dunklen. Sie glichen sich tatsächlich überhaupt nicht. Doch der Mensch blickte auf Neri, als sie heraustrat. Er lächelte ihr leicht zu, kam dann herüber und blickte in die Schüsseln. „Oh, das sieht gut aus!“, bemerkte er und griff sich sogleich etwas, während Calhoun weiter prüfte, ob das Floß auch schwamm. Er stellte sich darauf und wartete einen Moment, ob es untergehen würde, dann nickte er zufrieden. Er kam auf die beiden anderen zu, griff sich das Zeug und warf dem schmatzenden Dromar nur einen mordlustigen Blick zu, ehe er sich daranmachte, ihr Hab und Gut zu verstauen. „hmmm“, machte der Mensch. „Hast du das gekocht? Lecker!“, lobte er und schleckte sogar den letzten Rest der Schüssel aus. Pitt kam ebenfalls dazu und hob eine nicht vorhandene Augenbraue. „Alter – du solltest mehr essen, wenn du so hungrig bist!“, schnaufte das Ottsel und griff dann Neri’s Schüssel mit dem Kürbis. Er stopfte sich gleich drei der Stücke in den kleinen Mund und musste zusehen, nicht zu ersticken. „Vorschüglisch“, schmatzte er undeutlich und hob eine kleine Daumenkralle in Neri’s Richtung. Kürbis aß er neben Honig dann wohl auch. „Wenn ihr dann alle fertig seid?“, knurrte Calhoun genervt und deutete salopp auf das Floß. Er hingegen ging ins Haus und hob den Bewusstlosen auf die Arme, um ihn ebenfalls aufs Floß zu bringen. „Neri – du passt auf, dass er nicht runterrollt.“, teilte er sie zum Krankendienst ein, während er das Ottsel musterte. „Wieso kommst du überhaupt mit?“, Pitt wirkte empört. „Moralische Unterstützung? Was geht’s dich an?“, antwortete er frech und hopste behände auf das schwimmende Gefährt. Dromar wandte sich um und blickte noch mal auf die Hütte. Dann betrat er als letzter das Floß. Und schon stieß Calhoun sie ab und hatte einen langen Stock als Ruder auserkoren. Er stieß sie vom Rand ab und brachte sie in die Mitte, sodass die Strömung sie ein gutes Stück tragen würde. „Wo wollt ihr an Land gehen?“, fragte Dromar nach einigen Minuten. „Am Euwin.“, murmelte Calhoun und Dromar schüttelte das weiße Haar. „Dann brauchen wir 2 Tage. In etwa einem Tag wären wir auch nahe dem Dorf, von dieser Seite aus.“, berichtete er und Calhoun brummte, ohne zu ihnen zu sehen. Er konzentrierte sich, während er stand und die anderen saßen, auf die Stromschnellen und steuerte so gut es ging das Floß. „Dort lässt es sich aber schlecht anlegen.“, murmelte er und wirkte überhaupt nicht zufrieden mit der Rolle des Menschen. „Ich kenne eine.“, hielt Dromar dagegen und erntete einen funkelnden Blick aus roten Augen. „Na… dann.“, knurrte Calhoun und die Gruppe verfiel wieder in Schweigen. Pitt fraß noch immer die Kürbisse und schaute auf das Wasser und die sich entfernende Hütte. Dann war sie irgendwann verschwunden. Die Landschaft war wunderschön, die man am Flussufer bewundern konnte. Hier und dort wurde das Flussufer steiniger, dann flachte es wieder ab. Viel wurde nicht gesprochen, doch war es Arunn, der hin und wieder das Gesicht leidend verzog oder den Kopf hin und her warf. Die Schlieren auf seiner Wunde wurden immer dunkler, je länger sie fuhren. Nach etwa einem halben Tag Fahrt, wurde das Gewässer etwas unruhiger. Calhoun hatte alle Hände voll zu tun, damit sie nicht ins Trudeln gerieten, bevor sie dann die holprigen Stromschnellen überwunden hatten und in deutlich ruhigere Gewässer eintauchten.

Neri weiter bei Am Ende fängt alles an
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