Die nächste Etappe

Dieser prächtige Wald liegt im Norden Celcias. Der Fluss Tangros lässt dieses Gebiet blühen. Ein einsamer Priester ließ sich in diesem Wald nieder und erbaute ein Kloster, aber auch die Nachtelfen blieben nicht ohne Taten.
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Neriélle
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Freitag 24. Februar 2023, 11:53

Calhoun wusste genau, was er tun musste. Neri gab sich seinem verbotenen Spiel hin und kostete die Wellen aus, die er in ihr auslöste. Sie stöhnte leidenschaftlich und wusste am Ende nicht mehr, was für Laute sie von sich gegeben hatte oder ob sie auch etwas sagte. Da war nur noch das Zucken ihres Unterleibs und Calhoun, den sie heiß in sich umfing. Statt langsamer zu machen und sich selbst den Höhepunkt zu gönnen, spürte sie mehr als deutlich, dass Calhoun noch nicht genug hatte. Er stieß weiter in sie und löste eine nächste Welle aus, dass Neri der Kopf schwirrte und sie nicht mehr wusste, wo oben und unten war.. wobei sie das Unten deutlicher denn je spürte und in der Lust verging. Das Feuer rollte über ihren Körper hinweg und verbrannte jeden Gedanken. Sie hielt in ihrer Position inne und öffnete irgendwann die Augen, während ihr Körper spürbar entspannt auf ihm ruhte, weil sich auch die kleinsten angespannten Muskeln entladen hatten. Sie keuchte und sah ihn zufrieden an, während sie das innere Zucken auskostete. Sie schmeckte ihn, sie roch ihn und sie fühlte sich wahrhaftig ihres Verstandes beraubt.
Calhoun entließ sie aus seinem Griff und Neri hielt sich dankbar an ihm fest, da ihre Beine sich weich wie Butter anfühlten. Er hinterließ eine Leere in ihrem Schoß, doch unter seinen Küssen und Händen wurde ihr schnell klar, dass er noch nicht gesättigt war. Ihre Augenbrauen hoben sich überrascht nach oben, während sie ihm mit roten Wangen schon einen Spruch entgegnen wollte, der seine Standhaftigkeit kommentieren sollte. Doch für Worte war keine Zeit. Mühelos drehte er sie herum und Neri keuchte ergeben. Ihre Bedürfnisse waren befriedigt, das dachte sie zumindest, bis er sie hinab drückte und ihre Beine abermals öffnete, um sich in ihren Schoß zu treiben. Ihre Erregung ebbte nicht ab, ganz im Gegenteil: er wusste, welche Knöpfe er drücken musste, um ihre Leidenschaft erneut anzufachen. Und wie er das wusste. Zu ihrer eigenen Überraschung genoss sie das nun mehr forsche Stoßen, das eine neue Intensität bereit hielt, sie aber nicht schmerzte. Sie spürte die nächste Welle heranrollen und konnte nichts tun, außer sich in den Baum vor sich zu krallen und sie stöhnend zu empfangen. Kleine Blitze zuckten vor ihren Augen und in ihrem Leib, den Calhoun schlussendlich verließ. Sie spürte, dass er sich nicht in ihr ergoss und würde später darüber dankbar sein, dass zumindest einer von ihnen noch etwas Vernunft besaß und daran dachte, keine kleinen Mischlingselfen in die Welt zu setzen.
Stattdessen spürte sie seinen nassen und brennenden Körper über sich gebeugt, während sie selbst noch die kleinsten Zuckungen ihrer Begegnung auskostete.

Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um sich in weiche Kissen fallen zu lassen und noch ein wenig an seiner starken Brust zu dämmern, dachte sie gerade, als er sie an ihrem Arm zu sich herum zog und sie ihre Hände gegen seinen nackten Oberkörper presste, um nicht gegen ihn zu stoßen. Sie stöhnte leicht widerwillig. Sie hatte genug und brauchte eine Pause. Doch als sie so dicht vor ihm stand, bemerkte sie, dass auch er nun satt war und sie offenbar nur küssen wollte.
„Die Schatten scheinen dir zu schmecken!“
Etwas an seinem Ton verriet ihr, dass es nun vorbei war und ließ sie aufhorchen. Es klang wie eine Drohung und die Worte, die er benutzte, erinnerten sie nur allzu gut an die Worte, die er ihr vor ihrem Techtelmechtel zugeraunt hatte. Sie hatte die Schatten mehr als nur ein kleines Bisschen gekostet. Und ja, es hatte ihr geschmeckt, das würde sie gar nicht leugnen können, denn ihr Körper hatte in einer deutlichen Sprache gesprochen. Calhouns Gestalt hatte nicht zu viel versprochen, so viel stand fest. Ihr Körper fühlte sich weich wie Butter an. Sie verharrte an der Stelle, nackt wie sie war, und beobachtete ihn dabei, wie er sich abwandte. Er nahm etwas vom Boden auf, sie vermutete, dass es seine Sachen waren, aber in der Dunkelheit erkannte sie es nicht richtig.
“Bei den Göttern”, murmelte sie leise und seufzte. Es war, als würde sie langsam aus diesem dunklen Traum erwachen. Sie merkte erst zeitverzögert, dass sich die Schatten auflösten und hielt sich dann geblendet die Hand vor die Augen. Sie sah Calhoun an einem Feuer vorbei gehen, das seine Silhouette verboten schmeichelte, ehe er den Blick auf Arunn freigab.
Neris Augen weiteten sich und sie war mindestens ebenso überrascht wie der Mensch, ihn hier zu sehen. Ihr Verstand setzte nur langsam ein und sie brauchte einige Momente, um zu verstehen, dass sie bei ihrem Lager waren. Aber wie..? Sie war Calhoun eine ganze Weile in den Wald gefolgt und sie hatten sich kaum von der Stelle bewegt, da war sie sich sicher. Die Erkenntnis, dass Calhoun ihr Vertrauen ausgenutzt hatte und sie jetzt vorführte, traf sie mit kalter Härte. Etwas in ihrem Inneren krampfte sich zusammen.
Wenn er wollte, konnte Arunn ungeniert ihren nackten Körper betrachten. Neri war überrumpelt und überfordert mit der Situation. Sie schämte sich nicht. Es störte sie nicht, dass Arunn sie nackt sah. Aber es störte sie, dass er Zeuge ihrer Eskapade geworden war und das wiederum war ihr deutlich anzusehen. Es war nicht das erste Mal, dass Neri in flagranti erwischt worden war, vielleicht auch mal von jemandem, dem sie unbewusst falsche Hoffnungen gemacht hatte, die ihm beim Anblick von ihr und einem anderen Elfen genommen worden waren. Aber das hier war noch eine Spur prekärer und überbot alles, was Neri bisher widerfahren war - in so vielerlei Hinsicht.
Neri stand einige Momente da und sah aus, wie sie sich fühlte: wuschig, befriedigt und fassungslos. Gehörte sie nun zu den Mädels, die sich ihr Hirn von machtbesessenen Männern austreiben ließen?
“Scheiße”, entfuhr es ihr überraschend klar, als ihr Hirn begann, wieder einzusetzen und alle Eindrücke zu verarbeiten. Sie schlüpfte in die Hose zu ihren Füßen und in ihre Stiefel. Dann fand sie den Rest ihrer Kleidung, hob diese auf und verschwand außerhalb des Lichtkegels hinter einem Baum.
“Verdammt. Das kann doch nicht wahr sein. Dieser Halunke. Er hat das alles geplant. Wo hast du dich da nur reingeritten, Neriélle Nharimur?”, hörte man sie in ihrer Muttersprache murmeln, weil sie ihrer Fassungslosigkeit Ausdruck verleihen musste, aber nicht von den Männern verstanden werden wollte.
Als sie wieder vollständig bekleidet war und versucht hatte, ihre Haare, die zerzaust in ihrem Gesicht klebten, mit einem neuen Knoten zu bändigen, lehnte sie sich mit dem Rücken an den Baumstamm und versuchte mit geschlossenen Augen ihre Gedanken zu sortieren. Calhoun hatte sie um den Finger gewickelt wie kaum ein Zweiter und sie war dem Ruf der Schatten willig gefolgt. Er hatte sie so gereizt, dass sie nur noch ihn hatte haben wollen und keinen Gedanken an das Danach verschwendet hatte. Sie hatte zwar nicht erwartet, dass sie Händchen haltend zurück zu ihrem Lager spazieren würden. Aber sie hatte ihm auch nicht zugetraut, dass er sie benutzen würde, um seine Überlegenheit anderen gegenüber auszuspielen.

Neriélle tauchte hinter dem Baum auf. Die Leidenschaft war aus den goldenen Augen gewichen, stattdessen starrte sie wütend Calhoun an. Wo auch immer er sich befand, vermutlich sonnte er sich in seiner Eitelkeit, sie stapfte wütend an Arunn vorbei, auf ihn zu.
Sie blieb vor dem Dunkelelfen stehen und folgte dem Impuls, ihn mit der flachen Hand gegen die Schulter zu schlagen, während sie sprach.
“Calhoun, was sollte das?!”, fauchte sie. “Du hast gesagt, dass uns..” Sie brach mit einem Seitenblick zu Arunn ab. Calhoun hatte ihr eingeflüstert, dass es niemand erfahren würde. Doch das sprach sie nun nicht aus, weil ihr aus irgendeinem Grund wichtig war, dass Arunn nicht wissen sollte, dass sie es auch noch heimlich tun wollten. Er würde sich vermutlich hintergangen fühlen. Bei Arunns Blick schossen ihr plötzlich seine Worte durch den Kopf.
“Lass dich nicht einlullen von ihm. Er macht das so und dann stürzt er einen ins Verderben.”
Er hatte sie vor seinen eigenen Erfahrungen bewahren wollen. Und kaum lag er schlafend am Feuer, hatte sie nur noch auf ihre Instinkte gehört. Calhoun hatte sie eingelullt, er hatte gewusst, sie würde sich ihm öffnen, wenn er ihr das Gefühl von Sicherheit gab. Seine Schatten hatten ihr einen geschützten Raum für ihr verbotenes Spiel gegeben, von dem niemand erfahren sollte.
“Das macht man nicht mit einer Frau”, fuhr sie fort und wurde dann deutlicher. “Du kannst mich da nicht einfach stehen lassen und … und..”
Ihr fehlten die Worte für sein hinterlistiges Treiben, für die Blöße, die sie wegen ihm empfand und die sie gar nicht in Worte fassen konnte. Neri fühlte sich benutzt und dreckig in der Art und Weise, wie er sich von ihr entfernt hatte, dass er sie ausgenutzt hatte und seine Schatten zurückgerufen hatte, um sie bloßzustellen und Arunn vor den Kopf zu stoßen. Da stand sie nun. Sie wollte sich das nicht gefallen lassen, sie stand für sich ein.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Samstag 25. Februar 2023, 08:46

Es war berauschend gewesen. Die Dunkelheit hatte Neri in ihre Arme eingeladen und als sie einwilligte auf eine Weise liebkost, die sie nicht für möglich gehalten hätte. Immer wurde sie vor den Dunkelelfen, den dunklen Völkern, der Dunkelheit und den Schatten gewarnt. Es kann nichts Gutes aus ihnen entstehen, so lehrte man es in Shyána Nelle. Doch Neri wurde eines Besseren belehrt, als sie sich auf das Spiel einließ. Und wie es gut sein konnte! Wenn sich etwas so anfühlte und ihr solche Freuden und Lust entlockte, wie konnte es da nicht gut sein? Calhoun bewies Neri und all den Lehren aus Shyána, dass er mehr als gut war. Er war fantastisch! Und er überzeugte Neri auf eine Weise, die ihr jegliches Unbehagen, sämtliche Zweifel nahmen, denn das was er da mit ihr anstellte, würde noch lange in ihren Gedanken nachklingen. Er wusste, wo er sie anfassen und wie er sie nehmen musste. Er wusste auch, wie er die Reibung erhöhen oder abebben lassen musste und er achtete auf ihre Signale, um sie für sie beide in einem Höhepunkt enden zu lassen, der Wellen der Lust über sie ergoss. Auch er war befriedigt, das leugnete er nicht. Aber viel wichtiger war doch, dass Neriélle es war. Sie fühlte sich weich und geschmeidig. Die Wärme in ihrem Körper, gab ihr ein gesundes Aussehen und nach den letzten Tagen der Kälte, war ihr Körper nun wieder geschmeidig und beweglich. Er hatte sie regelrecht butterweich gevögelt und seiner Verheißung entsprochen. Was es nicht leichter machte, jetzt, wo es zu Ende war. Calhoun hatte ihr klargemacht, dass nun vorbei wäre und er sammelte seine Sachen auf, um sie samt seines Anblicks, seines Könnens, seiner Wärme und seiner Schatten mit sich zu nehmen als er ging. Neri bemerkt zu spät, dass die Schatten sich auflösten. Und schon ereilte sie die harte Realität in Form zweier, blauer Augen, die ihr entsetzt entgegenstarrten. Und verrutschten. Denn natürlich entging Arunn nicht, dass sie da vollkommen nackt und schweißgebadet im Feuerschein glänzte. Für wenige aber gefühlt lange Sekunden, haftete der Blick des Dessariers an ihr, ehe das Leben weiterlief und er beide anfuhr, ob sie noch bei Trost wären! Und er sich an seinem Essen verschluckte.
Neri aber konnte gar nicht so schnell schalten, weil sie überhaupt nicht verstand, wie sie wieder am Lagerfeuer sein konnten. Ihr fehlte jegliches Zeitgefühl und die Orientierung. Ob sie je eine Antwort erhalten würde? Jetzt aber kam erstmals wieder echtes Leben in sie. Reichlich konfus klaubte sie ihre Sachen auf und versteckte sich hinter einem Baum. Wo war das Erdloch, in das sie verschwinden könnte? Vielleicht sollte sie Calhoun noch mal bitten, exklusiv für sie Schatten zu kreieren, in denen sie versinken konnte. Dieser Mistkerl! Er hatte sie vorgeführt und eiskalt erwischt.

Der Ärger, den Neri über sich und ihn verspürte, brauchte ein Ventil. Und so stampfte sie halbwegs vorzeigbar auf den Dunklen zu. Jener hatte sich bereits angekleidet und richtete noch seinen Mantel als er von Neriélle attackiert wurde. Unbeeindruckt schaute er auf die Stelle, an der sie ihn geschlagen hatte. „Das diente der Befriedigung deiner verbotenen Lust.“, antwortete er reichlich unbekümmert und zeigte mit einem Flackern in seinem Blick als er diesen hob, dass er genau wusste, wovon sie sprach. “Das macht man nicht mit einer Frau!“ „Oh, ich bin mir sicher, dass man genau das mit einer Frau tun sollte…“, raunte er wieder zweideutig und wandte sich ihr gänzlich zu. Er ließ ihr ihre Wut. Und sie perlte an ihm ab, ohne, dass Neri eine erlösende Reue in seiner Mimik erkennen konnte. “Du kannst mich da nicht einfach stehen lassen und … und..” „und was, Neriélle?!“, grollte er plötzlich los und verringerte schon wieder die sowieso wenige Distanz zu ihr. Es passte fast kein Blatt mehr zwischen sie. Beide funkelten sie einander an. „Hat es dich nicht befriedigt?! Bist du unzufrieden? Hast du es nicht gewollt? Was, Neri?!“, wollte er wissen und sah sie auffordernd an. Dieses Mal wirkte er aber nicht so, als dass er ihr wieder die Knie weich werden lassen wollte.
Er wirkte bedrohlich. „Habe ich dich gezwungen? Oh, ich denke nicht! Du kannst es nur nicht ertragen, wie gut es dir gefallen hat und wie sehr dein Schoß auch jetzt noch zuckt vor süßer Erinnerung an mich!“, jetzt wurde es doch wieder etwas schlüpfrig. Und heiß. Oder war das das Feuer? Die Wut? Die Scham? Calhoun packte plötzlich Neri’s Hintern und presste seine Lippen auf ihre. Er nahm sogar in Kauf, dass sie nach ihm schlagen würde, ehe er sie entließ. „Stell dich nicht so an. Dem Menschen ist das egal, der kriegt eh keinen hoch.“, damit aber richtete er endgültig seinen Mantel, trat von ihr zurück und begann damit, allmählich seine Sachen zu packen. „Es ist bald Nacht. Wir brechen auf. Dem Menschen geht’s ja offenbar besser!“, bemerkte er so nebenbei, dass jegliche leidenschaftliche Atmosphäre dahinbröckelte. Arunn schnaubte in Neri’s Rücken. „Du bleibst das elende Gesocks, das deine Mutter aus sich rausgepresst hat, um es sterben zu sehen!!“, wütete der Dessarier eloquent und versuchte sogar auf die Beine zu kommen. Calhoun regte nicht mal einen Muskel. Der Kerl war abgebrüht. Arunn hingegen musste einsehen, dass er alleine nicht aufstehen konnte. Wütend ließ er sein Essen mit einer Handbewegung ins Feuer sausen. Der Appetit war ihm vergangen. Er sah wirklich übellaunig aus, gerade so wie das Feuer sein Licht über sein verdrecktes Gesicht tanzen ließ. Er wirkte etwas kräftiger. Offenbar verschaffte Neri’s Wundheilung ein wenig Zeit. Allerdings mussten sie auch noch 2 Tage gehen, bevor sie diese ominöse Hütte erreichen würden. Zu dritt… mit Calhoun, der selbst jetzt noch umwerfend aussah. Und Neri’s Erinnerungen, die sich gewiss nicht begraben ließen solange er in der Nähe war. Es würde… interessant werden, wenn sie aufbrachen und zusammen reisten. Und ihr blieb die Gewissheit, dass sie genossen hatte, was sie mit dem Schattenmagier getan hatte. Und er das wusste.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Samstag 25. Februar 2023, 15:01

Calhoun wusste, wie er ihre Leidenschaft entfachen konnte und er wusste offensichtlich auch, wie er ihr den Wind aus den Segeln nehmen konnte. Er hatte mit jedem Wort Recht.
„Das diente der Befriedigung deiner verbotenen Lust.“
Ihr Blick flackerte wütend. Das waren Worte, über die sie nicht nachdenken wollte, und mit der er keine Antwort auf ihren unausgesprochenen Vorwurf gab. Doch sie wollte nicht näher darauf eingehen. Er wusste genau, wovon sie sprach und das reichte eigentlich auch, denn im Grunde interessierte es ihn gar nicht. Das ließ er sie deutlich spüren.
„Oh, ich bin mir sicher, dass man genau das mit einer Frau tun sollte…“
Natürlich, das war klar. Sie hätte ihre Worte anders wählen sollen, um ihm keine Fläche für seine zweideutige Bemerkung zu geben. Fast hätte sie mit den Augen gerollt, aber die Wut war zu groß und sie war noch nicht fertig. Sie konnte nicht in Worte fassen, wie sehr er sie verletzt hatte und das nutzte er erneut schamlos aus.
„Und was, Neriélle?! Hat es dich nicht befriedigt?! Bist du unzufrieden? Hast du es nicht gewollt? Was, Neri?!“
Neri sog die Luft ein, als er ihr wieder so nah kam, doch das Funkeln in ihren Augen blieb und sie versuchte, sich ausschließlich auf diese Wut zu konzentrieren und die Erinnerung beiseite zu schieben, die er da gerade weckte. Dieser schamlose Kerl.
"Erwarte bloß keine Lobgesänge", gelang es ihr schließlich zu sagen. Sie hätte ihm gerne gesagt, dass sie schon Bessere hatte und die Provokation lag ihr brennend auf der Zunge. Aber sie konnte es nicht aussprechen. Sie beide wussten, dass das eine Lüge war. Sie wollte sich jetzt nicht noch lächerlich machen, denn im Grunde konnte sie keine seiner Fragen verneinen und das wusste er auch. Und das konnte jetzt auch Arunn aus ihrem Schweigen entnehmen, das nichts weiter außer Zustimmung bedeutete.
„Habe ich dich gezwungen? Oh, ich denke nicht! Du kannst es nur nicht ertragen, wie gut es dir gefallen hat und wie sehr dein Schoß auch jetzt noch zuckt vor süßer Erinnerung an mich!“
"Halt den Mund", sagte sie leise. Sie wollte das nicht hören. Und sie wollte nicht, dass Arunn es hörte. Calhoun hatte so Recht und das trieb Neri heiße Röte ins Gesicht. Und wie sollte sie da keine Scham empfinden, so schamlos wie er davon redete? Er war nicht direkt über sie hergefallen, er hatte gewartet und er war überraschend umsichtig gewesen, was sie ihm so nicht unbedingt zugetraut hätte. Er war forsch, aber nicht grob gewesen, und er hatte darauf geachtet, dass sie sich nicht weh tat. Es war ihm nicht nur um seine Befriedigung gegangen, denn er hatte gewusst, wie er sich bewegen musste, um süße Wellen in ihr auszulösen. Noch auf der Suche nach einer Erwiderung, weiteten sich ihre Augen perplex, als sie seine Hand auf ihren Hintern spürte und er sie im nächsten Moment küsste, nur um seine Macht demonstrieren zu wollen. Doch da war keine Leidenschaft mehr, auch wenn seine Berührung durchaus das innere Ziehen herauf beschwor, von dem er eben noch gesprochen hatte. Ein bisschen Ehrgefühl schlummerte vielleicht doch noch in ihr, denn sie hob kurzerhand die Hand, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen. So wie sie auch schon eine an Castus ausgeteilt hatte, als er übergriffig geworden war.
"Lass mich los und nimm deine Finger von mir!", fauchte sie. Sie stieß sich von ihm ab und erhöhte den Abstand zu ihm, während er sich unbeeindruckt löste und sich um seinen Mantel kümmerte.
„Stell dich nicht so an. Dem Menschen ist das egal, der kriegt eh keinen hoch.“
"Und du prahl' nicht so wie ein Jüngling, der sich gerade zum ersten Mal die Hörner abgestoßen hat. Du selbstgefälliger Mistkerl!", stieß sie hervor und dem Tonfall ihrer Worte war zu entnehmen, dass sie sich gerade ziemlich machtlos fühlte. Immerhin war ihr noch ein guter Spruch eingefallen. Doch vermutlich würde auch der an ihm abprallen. So wie jede Tat und jedes Wort an ihm abprallte und er es schaffte, daraus etwas zu erwidern, das seine Selbstgefälligkeit verdeutlichte, die kaum auszuhalten war.
Arunn, von dem er sprach, schob noch eine Beleidigung hinterher, die es wohl weitaus besser traf als die der Elfe, die in ihrer Wortwahl augenscheinlich etwas höflicher erzogen worden war.
Arunn hatte jedes Wort mit anhören können und hatte mehr Details erfahren, als ihm wahrscheinlich lieb war. Calhoun prahlte mit ihr wie mit einer Trophäe und das gefiel Neri ganz und gar nicht. Statt ihr süßes Geheimnis zu bewahren, wie es umsichtige Männer taten, posaunte er es dem Ersten entgegen, der es hören konnte. Ob er wollte oder nicht. Neri gab einen unwilligen Laut von sich und hätte ihre Wut am liebsten herausgeschrien. Sie verspürte plötzlich das Bedürfnis, Calhoun mit ihrer Lichtmagie zu blenden, aber vermutlich hätte er einfach dagegen gepustet und die Magie so erlöschen lassen. Diese Schmach wollte sie sich nicht auch noch geben. Neri war froh, dass wenigstens Arunn schwieg und ihr nicht noch eine Moralpredigt hielt. Er war überraschend still und nutzte seinen Atem nur für eine Beleidigung in Richtung Calhoun. Vielleicht stand er unter Schock. Vielleicht wusste er auch, dass er andernfalls die Wut der Elfe auf sich ziehen würde. Oder es war ihm schlichtweg egal.
Neri wusste, dass sie ihm nichts schuldig war, sie kannten sich im Grunde nicht - auch wenn sie ihn besser kannte als den Mann, mit dem sie gerade ungehemmten Sex gehabt hatte. Trotzdem wollte sie nicht in seinem Ansehen sinken.
Schwungvoll drehte sie sich um und wandte sich von den Männern ab, ohne noch etwas zu sagen. Stattdessen schnaufte sie wütend. Sie schlug die Kapuze des Mantels über ihren Kopf. Am liebsten wäre sie im Wald verschwunden, um allein zu sein, aber sie sollten wirklich bald aufbrechen, um die Kräuterhexe aufzusuchen. Auch wenn es sie einige Mühe kostete, ihren Stolz herunterzuschlucken. Arunns Leben war wichtiger. Die Kapuze verbarg ihr Gesicht in den Schatten und es war ihre Art, sich so abzuschotten und zu zeigen, dass man sie bloß nicht ansprechen sollte.

Sie packte ihre Sachen mit forschen Bewegungen, die deutlich machten, dass sie immer noch wütend war. Aber sie dachte auch über Calhouns Worte nach. Er hatte von ihrer verbotenen Lust gesprochen und vielleicht hatte er ja Recht? Sie hatte es ihm selbst gesagt, die Schatten hatten sich verboten angefühlt. Sie hatten schon damals im Kapayu eine Sehnsucht in ihr geweckt, die erst zwischen Calhouns Schatten gestillt worden war. Nachdem sie sich an sie gewöhnt hatte, hatte sie auch eine gewisse Geborgenheit verspürt. Sie hätte Angst haben müssen vor dieser dunklen Magieart, aber ihr Körper hatte nicht dagegen aufbegehrt. Die Lichtmagie in ihr hatte aufbegehren wollen, aber Neri hatte dem Impuls nicht nachgeben. Sie war gar nicht erst auf die Idee gekommen, wie Calhoun erkannt hatte. War das falsch? War das ein Zeichen, dass sie gar nicht über das Licht befehligen sollte?
Als letztes griff sie nach ihrem Bogen und musterte ihn mit traurigen Augen. Er war in den Fängen des dunklen Volkes geblieben und was war von ihm übrig? Die Sehne war gerissen, sein Holz gebrochen und wo es nicht gesplittert war, übersäten ihn Kratzer. Er war nicht mehr das, was er mal gewesen war. Die Elfe schluckte den schweren Kloß hinunter, der sich in ihrem Hals bildete, weil er gerade ein gutes Sinnbild für ihr Innerstes war. Andere hätten ihn wohl einfach dem Feuer übergeben. Aber Neri band ihn an ihrer Tasche fest, um ihn mitzunehmen. Er erinnerte sie an ihre Heimat und ihr altes Leben, das plötzlich ins Wanken geraten war, aber das sie noch nicht annehmen konnte. Sie glaubte nicht wirklich daran, aber vielleicht würde ein geschickter Bogenbauer ihn wieder hinbekommen.

Es lag Aufbruchstimmung über dem Lager. Als Neri ihre Sachen gepackt und an sich genommen hatte, ging sie zu Arunn hinüber, ohne ihn jedoch direkt anzusehen. Sie schlug die Kapuze zurück, offenbar war sie wieder bereit für ein Gespräch und die nächste etwaige Auseinandersetzung.
"Du siehst besser aus. Das ist gut", durchbrach sie die Stille zwischen ihnen, die zumindest für sie schwer zu ertragen war. Immerhin schienen ihre Kräuterkenntnisse für den Moment ausreichend zu sein. Zwischen ihnen war im Moment nichts mehr von der Leichtigkeit zu spüren, die ihr die Zeit in Gefangenschaft erleichtert hatte. Sie klang zurückhaltend und sehr vorsichtig, da sie äußerst verunsichert war, was er nun von ihr dachte. Er hatte offen kundgetan, was er von Calhoun hielt. Und Neri hatte sich ein Stück weit auf das Niveau des Dunklen hinab gelassen.
"Wir bringen dich zu einer Kräuterhexe, zwei Tagesmärsche von hier", erklärte sie ihm den Plan, den sie mit Calhoun vor ihrem Stelldichein gefasst hatte. Für einen Moment kam ihr in den Sinn, ob es so klug war, den Worten des Dunkelelfen abermals zu trauen. Aber er kannte angeblich diese Hexe und sie war immer noch der Überzeugung, dass Calhoun sie selbst aufsuchen wollte. Um seine seelischen Wunden heilen zu lassen. Bei dem Gedanken hätte Neri fast aufgelacht. Vielleicht würde sie ihm seine Überheblichkeit austreiben und ihn menschlicher machen.
Aber auch so.. was blieb ihnen übrig? Arunn brauchte dringend die Hilfe dieser Heilerin. Neri hockte sich vor ihm hin und hob zögernd den Blick in sein Gesicht, während sie leiser weiter sprach.
"Danach können sich unsere Wege trennen.. wenn du willst. Du solltest das nicht sehen."
Ob es das besser machte, dass sie die Liebelei mit dem Feind, den Arunn offensichtlich verachtete, nicht bereute, sondern nur, dass er davon erfahren hatte? War es eine Entschuldigung? Keine Entschuldigung für ihre Tat, denn dafür gab es keinen Grund. Sie war Arunn keine Rechenschaft und keine Erklärung schuldig, zumal sie sich das alles schon selbst nicht erklären konnte. Sie war einfach ihrem Gefühl gefolgt, das sie in Calhouns Arme getrieben hatte. Den einzigen Teil, den sie bereute, war, dass er ihr Vertrauen missbraucht hatte und sie plötzlich da gestanden hatte wie ein billiges Freudenmädchen. Sie hätte es ahnen können, denn vor romantischer Liebe hatte der Dunkelelf noch nie gestrotzt. Aber das war ja auch nicht das, was sie gewollt hatte.
Aber es tat ihr ehrlich und sichtlich leid, dass Arunn sie beide gesehen hatte und sie befürchtete, dass es nachhaltig ihre Beziehung beeinflussen würde, die sie sich langsam in dem Zeltlager aufgebaut hatten. Sie würde es akzeptieren, wenn sie ihm nicht mehr unter die Augen treten sollte. Sie war schon wegen weniger prekärer Dinge in der Meinung von anderen gesunken. Sie war eben nicht nur die humorvolle und freundliche Elfe.
"Ich hoffe, du hast keinen bleibenden Schaden von dem Anblick bekommen." Es war ein schwacher Versuch auszuloten, ob er schon für ihre Scherze anfällig war und sie schmunzelte bedacht, war jedoch jederzeit gewappnet für eine Zurückweisung.
"Kannst du laufen? Ich helfe dir."
Sie richtete sich auf und reichte ihm ihre Hand, während sie aufgeregt auf seine Reaktion wartete. Sie hatte alle Sachen gepackt und war bereit für ihre Weiterreise. Calhoun beachtete sie seit ihrer Auseinandersetzung nicht mehr und hoffte, dass er ihnen einfach nur den Weg wies und seine Gedanken für sich behielt.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Montag 27. Februar 2023, 00:07

Manchmal musste man wohl einfach innehalten und sich fragen, wie alles so hatte kommen können, wie es nun war. Gerade war Neri noch im Kapayu losgezogen, um die Welt zu erleben und fand sich nun in dieser äußerst prekären Lage wieder. Dabei schämte sie sich nicht mal für die Tat an sich. Es war umwerfend gewesen und wusste ihr neugieriges Naturell zu begeistern. Doch allein die Tatsache, dass Calhoun sie nun vorgeführt hatte und ihr überlegen war, schürte ihren Trotz. Sie brauchte diesen auch, denn die Erinnerungen waren viel zu frisch als dass sie nicht gleich wieder weiche Knie bekommen könnte. Seine Dreistigkeit allerdings bescherte ihm eine saftige Ohrfeige, sodass er für einen Moment innehielt und sie anfunkelte. Er hatte aber mit Gegenwehr gerechnet, weshalb er sich lediglich unbekümmert seinem Mantel widmete. Es war nur schwer zu ertragen, wenn jemand so kühl mit den eigenen Emotionen umging. Neri musste auf eine schmerzhafte Art und Weise lernen, wie sich ihre Partner früher in Shyána gefühlt haben mussten, wenn sie deutlich gemacht hatte, dass das alles nur eine einzige Nacht andauerte und ansonsten keinerlei weiterführende Gefühle im Spiel waren. Auch wenn sie selbst längst wohl nicht so aalglatt vorgegangen war. So hatte aber auch sie dem einen oder anderen gewiss vor den Kopf gestoßen. Es fühlte sich nicht schön an und dennoch. Schämen musste sie sich für gar nichts! Ihren Spruch aber kommentierte er mit einem weiteren Blick und Funkeln in den roten Augen, während sich sein Mundwinkel etwas anhob. War er jetzt auch noch amüsiert? Der Spruch war gut gewesen. Doch auch der schien ihn nicht weiter zu belasten. Nach der Erfahrung, die sie hatte machen dürfen, war das Danach doch deutlich ernüchternd. Unwillig und ohne jegliche Privatsphäre, blieb der Elfe lediglich ihre Kapuze. Keiner der Männer sagte etwas. Einzig die Augen von Arunn folgten Neri, der sie nachdenklich musterte. Unergründlich blieb seine Miene und ohnehin hatte er noch allerhand mit sich selbst zu tun.

Der Dessarier bemühte sich, sein inzwischen kaltes Kaninchen aufzuessen, während Calhoun behände seine Sachen verstaute. Viel hatte der kleine Tross nicht dabei, doch das Wenige wollte eingepackt werden. Auch Neri packte ihre Tasche, auch wenn sie bedeutend ruppiger vorging. Man merkte ihr die Stimmung an und auch ihre Kapuze konnte nicht verbergen, wie sie sich fühlte. Neri bekam für einen Moment Gelegenheit, ihre Habe zu inspizieren. Zumal das eine willkommene Ablenkung war, um sich nicht mit seinen Verfehlungen auseinandersetzen zu müssen. Der Beutel, den sie von Calhoun so charmant zugeworfen bekommen hatte war gefüllt mit allem, was sie aus Shyána mitgebracht hatte: Ein Trinkschlauch, halbgefüllt mit Wasser, etwas Trockenfleisch und Wechselsachen. Ihre violetten Waldbeeren waren allerding etwas zermatscht und würden kaum noch ihre Haarfarbe auffrischen können. Irgendwann würde sie ihren Beutel zudem reinigen müssen. Hier und dort hatten ihre Wechselsachen nun Flecken. Es wäre gewiss ratsam, die Dinge bei nächster Gelegenheit auszutauschen. Jetzt aber musste sie schweren Herzens ihren Jagdbogen verstauen. Er würde einer Nutzung vermutlich nicht mehr standhalten können und endgültig zerbersten. Das zu riskieren, lag nicht in ihrem Sinne. Einen Köcher fand sie unbeachtet neben Calhoun. Vier Pfeile hatte sie zur Verfügung, doch die Frage blieb, ob sie diese überhaupt tragen wollte. Dann gab es noch ihr Jagdmesser. Das hatte ihr der Dunkle bereits ungeniert zurückgegeben. Im Großen und Ganzen hatte sie ihre Habe beisammen und würde gegebenenfalls bei Gelegenheit ein wenig aufrüsten. Anders sah das bei Arunn aus.
Der Dessarier war nicht nur verletzt, er hatte auch keinerlei Hab und Gut bei sich. Einzig das rote Hemd, in dem sie ihn kennengelernt hatte und nun ein wenig in Fetzen hing, trug er. Ebenso wie seine dunkle Hose und ein Paar Schuhe. Alles andere gehörte Calhoun, der seinen Beutel gerade schulterte, als Neri zum Schmied kam. Irgendwann mussten sie das Schweigen ja brechen und sie sich ihrer Scham stellen. Arunn sah auf als sie zu ihm kam. Auf ihre Feststellung bezüglich seines Äußeren, schnaubte er nur und nickte langsam. "Wir bringen dich zu einer Kräuterhexe, zwei Tagesmärsche von hier", ließ sie ihn wissen und sein Blick glitt zum Dunklen. „Begleitet der uns etwa?“, murrte er brummig und schüttelte den Kopf. „Verdammte Scheiße.“, knurrte er ungeniert und ächzte kurz unter einer unbedachten Bewegung, die er machte. "Danach können sich unsere Wege trennen.. wenn du willst. Du solltest das nicht sehen."

Nun aber hob er die Augenbrauen. In seinem Gesicht war nicht abzulesen, was er genau dachte, und für einen Moment schien es, dass er Neri nicht antworten würde, was sie veranlasste, noch einen draufzusetzen: "Ich hoffe, du hast keinen bleibenden Schaden von dem Anblick bekommen." Mit einem Mal aber brach sein schmutziges Gesicht auf und offenbarte trotzdem noch recht weiße Zähne als er grinste. „Du meinst deinen knackigen Hintern?“, brummte er. „Den habe ich schon längst registriert, Schnecke!“, zwinkerte er und lachte kurz, ehe er schmerzverzerrt das Gesicht verzog und sich seine Seite hielt. Arunn keuchte und musste für einen Moment den Schmerz weg atmen. "Kannst du laufen? Ich helfe dir.", bot sie ihm eine Hand an und er schaute zu ihr auf. Dann seufzte er unwillig, denn jede Bewegung schmerzte, ehe er ihre Hand ergriff und sich mühsam und mit reichlich Zug an ihrem Arm, auf die Beine rappelte. Er hielt sich einen Moment an ihr fest, ehe er sich versuchte vorsichtig zu strecken. „Dein Anblick hat mir die kommende Woche versüßt!“, lachte er dann wieder und bereute sogleich. Vielleicht auch in Ordnung, für seine freche Antwort. Allerdings entließ er Neri auch aus ihrem Zweifel, dass er es äußerst schlecht auffassen könnte. Arunn schien nicht sauer auf sie zu sein, sondern auf Calhoun. Trotzdem neigte sich der Dessarier ein wenig vor und brachte einen Schwung unangenehme Gerüche mit sich. Vielleicht könnte er irgendwann mal baden, wenn sie ihm das Leben gerettet hatten… „Ich habe dich gewarnt, Neri. Aber du bist für dich allein verantwortlich...“, sein Blick glitt missmutig zu Calhoun der soeben das Feuer löschte und die weiteren Spuren beseitigte. „Er ist gewiss kein Kind von Traurigkeit und… naja, du wirst es schon noch sehen.“, orakelte er ihr, ehe er sich reichlich unförmig versuchte zu bewegen.
Seine Hand landete gleich an seiner Wunde und er keuchte. „Wie lange sagtest du? 2 Tage?“, er sah nicht glücklich aus. Zwei Tage durch den Wald zu wandern, würde ihm alles abverlangen. Calhoun indes kümmerte sich nicht weiter um die beiden anderen. Er gab die Richtung vor und marschierte los. Es war an Neriélle dem Schmied zu helfen oder ebenfalls vorauszugehen und zu Calhoun aufzuschließen. So oder so würde Arunn ein wenig langsamer machen müssen und sich nur langsam fortbewegen. Vielleicht brauchten sie mit ihm auch zweieinhalb oder gar drei Tage.

Der Dunkle aber ging einige Schritte vorweg, auch wenn er den Abstand nicht größer werden ließ. Offenbar hielt er sein Wort. Hier im Arus wirkte alles etwas dunkler und finsterer. Die Geräusche waren nicht ganz so vielfältig, wie die im Kapayu und es fehlte die Farbenpracht, die das Bild ein wenig schöner färbten. Auf der anderen Seite gab es hier nicht so viele Gefahren seitens der Flora. Auch die Faune wirkte im Gegensatz zum Kapayu recht… karg. Ab und an heulte ein Wolf irgendwo oder Neri konnte Bärendung entdecken. Es gab Mäuse, Kaninchen und Waldkauze aller Art. Auch wirkte der Wald an sich ein wenig aufgeräumter. Es gab nicht so viele, dichte Bäume, sondern die Nadeltannen wiesen schlanke Stämme und hochgewachsene Kronen auf. Man bewegte sich müheloser durch den Wald. Alles in allem aber war die Luft nicht stickig, sondern klar und angenehm. Hier pfiff der kalte Wind nicht stark, sodass die Kälte ebenfalls ein wenig ausgesperrt wurde. Trotzdem war der Marsch mühsam, gerade, wenn sie Arunn stützen musste. Jener verlor immer mal wieder das Gleichgewicht oder stolperte über eine der unzähligen Wurzeln. Es war beschwerlich und sie allein hätte durchaus sehr viel weiterkommen können in der Hälfte der Zeit. Andererseits konnte sie eben jene Zeit auch nutzen, um Arunn vielleicht etwas auszuhorchen oder aber zu Calhoun aufzuschließen und ihn zu verhören. Arunn würde auch eine Weile selbstständig laufen können, wenn sie sich seinem Tempo anpassten. Irgendwie mussten sie sich ja die Stunden vertreiben, wenn sie sich nicht nur anschweigen wollten. Arunn war es, der dann irgendwann doch noch mal die Konzentration fand, sie anzusprechen: „Tut mir leid, dass ich deinen Bogen versaut habe!“, meinte er versöhnlich und spielte darauf an, dass er ausgerechnet von diesem getroffen wurde. „Er flog auf mich zu und … naja, ich konnte mich nicht mehr in Sicherheit bringen. Hättest mal das Lachen von dieser Kackbratze hören müssen!“, schnauzte er dann missmutig und nickte mit dem Kopf auf Calhoun, ehe er strauchelte. „Ich kann dich hören, Mensch!“, kam es nüchtern vom Kopf der Truppe, der allerdings weiterlief. „Na und?! Sollst du auch! Kannst ruhig wissen, was ich von dir halte, du elendiger… verdammter…“, er kam nicht weiter, denn er hustete und verzog qualvoll das Gesicht. Calhoun seufzte gelangweilt. „Spar dir deinen Atem. Du lockst nur die Aasfresser an.“, meinte er und erntete ein widerwilliges Knurren, seitens Arunn.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Montag 27. Februar 2023, 21:00

Gedankenverloren packte Neri ihre Habe zusammen. Sie warf einen Blick in ihren Beutel, den Calhoun ihr zugeworfen hatte. Es war zwar noch alles da, aber ziemlich zermatscht, wie die Elfe enttäuscht feststellte. Sie hätte sich auch gerne neue Kleider angezogen, denn nach ihrer Gefangenschaft, der Flucht vor Asmodeus und zuletzt das schweißtreibende Zusammenkommen mit Calhoun waren diese kaum noch vorzeigbar. Flecken vom Blutregen und Dreck der vergangenen Tage klebten an ihr. Ihre Wechselsachen rochen zwar ob des Beerensafts süßlich und vertraut nach ihrer Heimat, aber sie waren eben sehr fleckig und in ihren Augen auch nicht wirklich vorzeigbar. Andererseits wollte sie sich nicht noch einmal vor einem der beiden Männer entkleiden. Sie hatten zwar so viel von ihr gesehen, dass das wohl keinen Unterschied mehr machen würde, aber Neri reichte es für heute mit nackten Tatsachen. Sie trauerte nicht nur der verfärbten Kleidung und ihrem Bogen nach, sondern auch den Beeren an sich, die sie zum Haarefärben benutzt hatte. Die violette Haarfarbe hatte sie immer etwas von den anderen abgehoben und sie mochte den Kontrast zu ihren goldenen Augen. Aber wenn die Farbe ausgewaschen wäre, würde ihre langweilige Haarfarbe zu Tage treten, die sich bei fast allen Shyáner Elfen glich, und sie wäre äußerlich eine von vielen. Was natürlich nicht stimmte, dafür besaß Neri eine viel zu eigene Persönlichkeit. Aber sie wollte nicht in der Menge untergehen und nicht mit dem Strom schwimmen. Vielleicht würde die Kräuterhexe ihr weiterhelfen können oder vielleicht wuchsen solche Beeren auch in diesem Wald? Sie ließ kurz den Blick schweifen, natürlich erfolglos. Immerhin hatte sie auch ein ihr bekanntes Kraut gefunden, das sie offensichtlich nicht verwechselt hatte, und Arunn zu neuen Kräften verholfen hatte. Nachdem Neri den Bogen an ihren Beutel befestigt hatte, schnappte sie sich auch den Köcher, der nicht ihrer war. Zwar konnte sie im Moment nichts mit den Pfeilen anfangen, aber das würde sich ja hoffentlich irgendwann ändern.

Zuletzt fehlte nur noch Arunn, dem sie ihren Plan offenbarte. Er machte direkt deutlich, was er davon hielt, dass Calhoun bei ihnen bleiben würde. Neri konnte seine Reaktion verstehen und nickte, aber sie konnte es nicht ändern. Sie brauchten ihn wohl oder übel noch. Wobei Neri ganz bewusst keinen Gedanken darüber zuließ, was sie selbst darüber dachte, dass sie noch in der zweifelhaften Begleitung des Dunkelelfen bleiben würden.
Neri hockte sich vor Arunn, um sich in so etwas wie einer Entschuldigung zu üben und ihm anzubieten, dass sich ihre Wege bald trennen könnten. Arunn konnte ihr ansehen, dass seine Meinung ihr wichtig war.. dass er ihr wichtig geworden war. Als sich endlich eine Reaktion in seinem Gesicht zeigte und er ein Grinsen offenbarte, fiel der Elfe sichtlich ein Stein vom Herzen.
„Du meinst deinen knackigen Hintern? Den habe ich schon längst registriert, Schnecke!“
Offensichtlich wollte der Dessarier nicht den Mantel des Schweigens über das Geschehene legen, so wie es Neri am liebsten gewesen wäre. Daher rechnete sie auch nicht wirklich mit solch einem Kommentar und stutzte kurz.
“Arunn..”, murmelte sie nur, fast betreten, und schien für einen Moment tatsächlich peinlich berührt zu sein, wo sie sonst immer schlagfertig geantwortet hatte. Sie schmunzelte ob seines folgenden Lachens, auch wenn ihr das Ganze noch etwas länger nachhing, als dem urteilsfreien Menschen, und sie nicht so schnell zu ihrer üblichen Fröhlichkeit zurückkehren würde. Als sich Arunn seine schmerzende Seite hielt, die ihm vor Lachen schmerzte, erhob sich Neri. “Das geschieht dir recht”, konterte sie nun doch schelmisch und schmunzelte kurz, ehe sie ihm ihre Hilfe anbot. Er bewies erneut, wie kräftig und muskulös er war, als er sich schwerfällig, aber mit starker Hand an ihrem Arm hochzog. Neri unterdrückte einen Laut, der verraten würde, dass er doch ziemlich schwer war und sie schon mit Sorge die nächsten Stunden vor sich sah, in denen sie ihn wieder stützen musste. Doch sie zog ihn hinauf und hielt ihn, bis er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte und zeigte, dass er alleine stehen konnte.
„Dein Anblick hat mir die kommende Woche versüßt!“
Neri hob die Augenbraue und sah ihn prüfend an. Sie bekam den Eindruck, dass ihm gefallen hatte, was er gesehen hatte. Oder wieso betonte er das nochmal? Als ihn eine neue Welle des Schmerzes durchfuhr, weil er lachte, schaute sie ihn vielsagend und mit einem zufriedenen Lächeln an. Das war die passende Strafe für seinen Kommentar. Doch im nächsten Moment wurde er wieder ernst.
„Ich habe dich gewarnt, Neri. Aber du bist für dich allein verantwortlich. Er ist gewiss kein Kind von Traurigkeit und… naja, du wirst es schon noch sehen.“
Sie folgte seinem Blick zu dem Dunkelelfen und ließ seine Worte über sich ergehen. Er konnte sich also doch nicht ein ‘Ich habs dir ja gesagt’ verkneifen. Neri tat sich schwer damit, diese Worte anzunehmen.
“Warnung angekommen”, meinte sie mit einem Lächeln auf den Lippen, das dieses Mal aber nicht ihre Augen erreichte. Sie hatte seine Worte gehört.. aber ob sie sie wirklich erreicht hatten, blieb zweifelhaft. Sie ließ sich äußerst ungern etwas sagen und es passierte schnell, dass sie dann erst recht das Gegenteilige aus Trotz tat. Doch nicht bei Calhoun. Sie hatte die Warnungen missachtet, sich der Lust hingegeben und war eiskalt in die Realität zurückgekehrt. Das war ein einmaliges Unterfangen gewesen, da war sich Neri sicher. Sie würde sich diese Blöße nicht noch einmal geben. Und für sie stand fest, dass sie von dem Dunkelelfen getrennte Wege gehen würden, wenn Arunn geheilt war. Doch sie ließ Arunn nicht an ihren Gedanken teilhaben, sondern legte ihre Hand an seinen Rücken, um ihm zu bedeuten, dass er gehen sollte.
“Und jetzt los, sonst kommen wir nie an. Ja, wir brauchen zwei Tage. Hoffentlich..” Ihre Augen legten sich auf Calhouns Rücken, der vorne weg ging und keine Anstalten machte, zu helfen. Andererseits war Neri ganz froh um diesen Abstand zu ihm. Sie nutzte die Gelegenheit, um Arunn an ihrer Entscheidung bezüglich der Kräuterhexe teilzuhaben.
“Nur er kennt den Weg zur Hütte der Kräuterhexe. Ich war mir nicht sicher, ob uns am Stadttor jemand nach Zyranus eingelassen hätte.. überall waren da noch Soldaten und Dunkelelfen. Ich hätte dich gar nicht den ganzen Weg alleine stützen können. Calhoun musste helfen und mit einem Dunkelelfen wären wir bestimmt nicht reingekommen, falls wir überhaupt bis zum Tor gekommen wären. Da schien mir der Wald erst einmal sicherer zu sein als das offene Feld mit all den Soldaten. Und die Taverne, von der Sarin sprach.. Keine Ahnung, ob sie dir da hätten helfen können. Weißt du, was mit ihnen passiert ist?” Doch ehe er antworten konnte, redete sie weiter, denn es gab Neuigkeiten, die er noch nicht wusste. “Asmodeus ist übrigens tot. Ich glaube, so schnell bin ich noch nie gerannt.. er sah wirklich grausam aus.” Sie lachte kurz freudlos auf und erinnerte sich nur ungerne an das Grauen, das sie bei seinem Anblick gepackt hatte, und an die Todesangst, als er hinter ihr hergehechtet war. Sie redete nicht besonders leise, von ihr aus konnte Calhoun ruhig mithören, denn Neri war schon ziemlich stolz auf sich, dass sie den Dämon zu Castus gelockt hatte. “Ich hab nicht gesehen, was dann passiert ist, aber Calhoun meinte, er existiert nicht mehr. Ich bin zurück zum Arztzelt gegangen, doch ihr wart alle weg. Was ist passiert?" Sie sah Arunn aus der Nähe an, aber ließ ihm auch jetzt keine Möglichkeit zu antworten. “Castus war erfolgreich. Er hat Asmodeus getötet, aber er ist auch.. gestorben. Dumm und Dusselig hab ich auch gesehen, beide sind tot”, endete sie etwas niedergeschlagen und blinzelte das innere Bild des grünen, leblosen Berges der beiden Brüder weg. So viele Tote. Vielleicht interessierte auch Arunn das Schicksal der Orkbrüder, die für einige absurde Situationen und Lacher gesorgt hatten. Und Castus? Er war so gestorben, wie er es geplant hatte. Dennoch betrübte auch sein Tod die Elfe. Sie dachte erneut an die Nachtelfe und ihren Dunkelelfen zurück. Ob sie noch lebten? Wie ging es ihr nach dem Tod von Castus? Ob sie in dem Gasthaus warteten? Vielleicht machten sie sich gerade die gleichen Gedanken um sie beide?

Sie liefen tiefer in den Wald hinein und Neris Blick schweifte umher, während immer auch ein Teil von ihr lauschte, ob sich jemand näherte oder sie sich selbst einer hörbaren Gefahr näherten. Sie betrachtete die Bäume nun in Ruhe und mit einem Stirnrunzeln. Es war seltsam, dass ein Wald so anders aussehen konnte, als der Urwald in ihrer Heimat. Die Bäume waren so schmal und schmucklos. Der Wald wirkte in ihren Augen kahl und trostlos. Auch fehlte ihr irgendwie die Geräuschkulisse und das Krabbeln und Summen verschiedener Tiere an bunten Blumen und im Dickicht.
"Euer Wald ist ganz schön langweilig", sagte sie nach ihren Beobachtungen und grinste Arunn an. "Du müsstest mal den Kapayu in meiner Heimat sehen. Ein farbenfroher Dschungel und überhaupt nicht so kahl und kalt wie hier. Da gibt es Wasserfälle und Seen, Blumen und Früchte. Und in dem Dickicht summt und brummt es und kleine Insekten und Reptilien kreuchen und fleuchen überall herum."
Sie hatte Arunn noch gar nichts über sich erzählt, fiel ihr während des Redens auf, sodass sie immer neue Details ihrer Heimat beschrieb, wobei ihre Augen bei den Erinnerungen leuchteten. Nachdem sie Calhoun noch ganze Einzelheiten des Kapayu und Shyána erzählt hatte, war sie beim Treffen mit dem Menschen sehr viel schweigsamer gewesen und hatte Details über sich und ihre Herkunft ausgespart.
"Hat euer Wald auch einen Namen?", wollte sie am Ende mit ehrlichem Interesse wissen. Sie war froh, dass der Wald hier einen Teil der Winterkälte aussperrte, aber die Wärme des Dschungels vermisste sie im Moment fast am meisten.
Noch immer war es nur Neri, die Arunn half und stütze, auch wenn es sie nach längerer Zeit ziemlich anstrengte. Sie war froh, wenn Arunn einige Meter ohne sie als Stütze laufen konnte, denn für eine Elfe wie sie war der Mensch schon ein ganz schön schwerer Brocken. Dennoch blieb sie bei ihm und war zur Stelle, falls er mal wieder stolpern sollte. Außerdem hatten sie so Gelegenheit, etwas zu plaudern.
"Tut mir leid, dass ich deinen Bogen versaut habe! Er flog auf mich zu und … naja, ich konnte mich nicht mehr in Sicherheit bringen. Hättest mal das Lachen von dieser Kackbratze hören müssen!“
Neri schaute erst Arunn an, wurde dann aber von Calhoun abgelenkt, mit dem sich der Mensch einen weiteren verbalen Schlagabtausch bot. Doch das Fluchen war offenbar ebenso anstrengend wie das Laufen und er musste sich hustend unterbrechen. Sie blieb stehen, um ihm eine Pause zu gönnen. Seufzend verdrehte sie die Augen, als die Männer sich trietzten, kümmerte sich aber nicht weiter darum. So wie Arunn ihr ihre Entscheidungen ließ, mischte sich Neri auch nicht bei den beiden ein. Als sich die Männer wieder beruhigt hatten, schaute Neri Arunn direkt an.
"Mach dir keinen Kopf um den Bogen. Du kannst ja nichts dafür. Ich bin nur froh, dass er dich nur zur Hälfte durchbohrt hat", lächelte sie ihn an. Sie war nicht sauer auf ihn und sie erwartete auch keine Entschuldigung. Aber sie freute sich, dass Arunn offenbar bewusst war, dass ihr der Bogen viel bedeutet hatte. Und dass er das nicht als sentimentales Gewäsch abtat. Er hatte sich den Bogen ja auch nicht absichtlich in die Brust gebohrt. Sie warf einen Seitenblick gen Calhoun, ehe sie weitersprach. "Es hätte einfach jemand bestimmtes besser auf meinen Bogen aufpassen sollen. Aber für diese Aufgabe ist nicht jeder geeignet." Sie sah noch einmal aus dem Augenwinkel zu Calhoun, um sicherzugehen, dass er ihre Spitze verstanden hatte. Verziehen hatte sie ihm das nicht und das würde vermutlich auch nie passieren. Aber in Anbetracht der zurückliegenden Umstände gab es Dinge, über die sie sich inzwischen mehr den Kopf zerbrach als über ihren zerstörten Bogen. Sie war gespannt, ob ihre Worte auch jetzt wieder an den Dunkelelfen abprallten.

Doch ihr lag noch etwas auf dem Herzen. Das war jedoch nur für Arunns Ohren bestimmt. Daher wartete sie, bis sich Calhoun wieder in Bewegung setzte. Sie jedoch blieb stehen und kramte ihre Feldflasche hervor, die sie Arunn reichte, damit er einen Schluck trank. Sie versicherte sich, dass Calhoun in der Zwischenzeit weitergelaufen war, ehe sie erneut ihrer Neugierde nachgab und sich direkt und nun leiser an den Menschen wandte.
"Sag mal Arunn.. woher kennt ihr beide euch eigentlich? Er hat dir geholfen, obwohl ihr euch offensichtlich nicht ausstehen könnt. Bisher hast du kein gutes Wort über ihn verloren - was ich vollkommen verstehen kann. Aber er hilft uns, obwohl er von dir auch nicht viel hält. Und du meintest sogar, ich soll ihn später töten. Übrigens habe ich noch niemanden getötet und habe das auch nicht vor. Aber.. sei bitte ehrlich Arunn..", wurde sie nun plötzlich ernst und es folgte eine theatralische Pause. "Ist er noch sauer, weil du ihm mit deiner geheimen Zutat das Essen und den Magen verdorben hast?" Nun konnte sie nicht mehr das Grinsen unterdrücken und ihre Augen funkelten belustigt über ihren eigenen Scherz, der das ernste Gespräch etwas auflockern sollte. Sie wollte unbedingt die gemeinsame Vergangenheit der beiden erfahren und hoffte, sie Arunn mit der lustigen Art etwas einfacher entlocken zu können. Ihr Vorhaben, Calhoun auszufragen, war schließlich kläglich gescheitert. In den Schatten hatte sich überraschenderweise kein Moment für ein tiefsinniges Gespräch ergeben.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Dienstag 28. Februar 2023, 21:48

Wenn Neri geglaubt hatte, dass Arunn sie zur Schnecke machen würde, war sie definitiv schief gewickelt gewesen. Leider machte aber seine saloppe Art das ganze nicht weniger… unangenehm für die Elfe. Man bekam den Eindruck, dass Arunn auch noch den Tod eines geliebten Menschen mit Humor nehmen würde, was wiederum die Frage aufwarf, ob er jemals wahre Gefühle zeigte. Sicher, seine Schimpftiraden waren legendär und er hielt auch nicht hinterm Berg, wenn er jemanden nicht leiden konnte oder ihm etwas gegen den Strich ging, doch… wie verhielt es sich mit wichtigen Gefühlen? Wie wäre er, wenn er verletzt oder verstimmt wäre? Wenn es etwas gab, was ihn so richtig wurmte? Um das herauszufinden, kannten sie sich einfach noch nicht lange genug. Somit erhielt Neri einen lockeren Spruch und ein breites Grinsen, ansonsten aber verhielt sich der Dessarier ihr gegenüber wie immer. Anfangs hatte sie Schwierigkeiten, doch dann war es eben jene, lockere Art, die Neri ein wenig half. Sie brach ihre griesgrämige Stimmung auf und neckte ihn sogar im Gegenzug, was er mit einem betont schnippischem Gesichtsausdruck kommentierte. Doch dann zeigte Arunn, dass er längst nicht der Alte war und benötigte sogar ihre Hilfe, wenn er den Weg bestehen sollte. Vorerst aber lag Neri noch einiges auf der Zunge und Arunn hatte ohnehin genug damit zu tun, zu … stehen. Die Elfe nutzte sein Zögern und erklärte ihm, ihre Entscheidung. Er hörte mit einem halben Ohr zu und nickte dann kurz. „Schon gut. Zyranus hätte ohnehin nicht aufgemacht. Die hochnäsigen Kuttenfatzken sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt!“, untermauerte er ihre Worte und das naturgemäß eloquent wie immer. Allerdings beschäftigte Neri noch mehr und so erwähnte sie Sarin, Castus und Iryan. Dieses Mal hob Arunn den Blick und sah die Elfe vor sich nachdenklich an. Sie ließ ihm keine Wahl, sondern redete gleich weiter. Der Mann schwieg, auch weil er tatsächlich Mühe hatte, zu stehen. Der Schmerz war immens und zehrte an ihm. Doch er gab ihr die Zeit. Offenbar hatte sie wirklich Bedarf, denn die Informationen flossen reichlich. Calhoun kümmerte sich indes nicht darum. Auch wenn Neri lauter sprach als nur zu Arunn, suchte sich der Dunkle bereits den günstigsten Weg, bevor die Elfe und der Schmied überhaupt losgegangen waren. Nun aber hob Arunn abwehrend die Hände. „Nun halt mal die Luft an, Neri. Du plapperst ja als würdest du gleich verstummen und wolltest die letzten Sekunden nutzen!“, schnaufte er und überlegte kurz.
„Ehm… Achja: Nachdem du losgezogen bist, um Dämonenfutter zu spielen, fegte mit einem mal eine immense Druckwelle über uns alle hinweg. Sie riss das Zelt fort und mich auch. Ich habe keine Ahnung, was das war oder wie das passiert ist. Sarin und der Hüne … - ich habe sie nicht mehr gesehen.“, brummte er und hob unwissend die Schultern. „Man, ich hoffe, ihnen geht’s gut. Toughe kleine Nachtelfe!“, grinste er kurz und erinnerte sich. „Hatte ganz schön Haare auf den Zähnen was?“, lachte er noch mal auf und winkte ab. „Kein Wunder, bei ihrer Bürde. Hätte sie gern etwas näher kennengelernt.“, sinnierte er dann und der Blick wurde kurz nachdenklich. Doch dann winkte er ab. „Allerdings lasse ich mir bestimmt nicht vorhalten, ich würde Frauen vergewaltigen oder wie Vieh ansehen!“, schnauzte er direkt los und erntete von Calhoun ein Schnauben. Er hörte also doch mit! Dieser Hund. Arunn aber brummte nur: „Halt die Klappe! DU solltest es am besten wissen, du Aasgeier!“, ehe er wieder zu Neri kehrte mit der Aufmerksamkeit. Sein Blick wurde anerkennend. „Bin schwer beeindruckt, von deinem Mut! Dass es Dumm und Dusselig erwischte, war irgendwie klar. Vermutlich haben sie sich gegenseitig beim Suppe-Bringen behindert und gar nicht gemerkt, was geschehen ist….“, sinnierte er und wirkte tatsächlich ein wenig betrübt. Doch dann kümmerte er sich wieder um sein eigenes Vorankommen.

Auch er hätte beinahe nicht überlebt und würde es vielleicht auch nicht, wenn er nicht adäquate Hilfe erhielte. Auch Neri wollte nun den Weg auf sich nehmen und folgte Calhoun, der sich tatsächlich ein wenig absetzte. Sie konnten ihn noch immer sehen, doch wenn sie ehrlich waren: Ein Zauber von ihm und sie wären verloren… Es war kein schönes Gefühl von jemanden abhängig zu sein, den man überhaupt nicht einschätzen konnte. Und seine kalte Schulter, nach dem heißen Stelldichein, schmeckte auch überhaupt nicht! Für eine Weile sprachen sie kein Wort miteinander. Neri beobachtete den fremden Wald und Arunn hatte genug damit zu tun zu atmen. Irgendwann aber hielt es die Elfe nicht mehr aus, sodass sie abermals das Gespräch suchte. Ihre Bemerkung entlockte Arunn eine erhobene Augenbraue. „Der Arus ist eine Brutstätte für Gesindel und Halunken. Wir sind also in bester Gesellschaft!“, grinste er schief, ehe er wieder etwas ernster wurde. „Er verbindet Ost und Süd miteinander und geht über in den Wald Neldoreth, Sarius und schließlich Kapayu. Wenn wir in die andere Richtung gehen würden, würden wir in ihm wandern können, bis zu meiner Heimat!“, erzählte er ihr, ehe auch Neri endlich ein wenig mehr über sich preisgab. "Du müsstest mal den Kapayu in meiner Heimat sehen. Ein farbenfroher Dschungel und überhaupt nicht so kahl und kalt wie hier. Da gibt es Wasserfälle und Seen, Blumen und Früchte. Und in dem Dickicht summt und brummt es und kleine Insekten und Reptilien kreuchen und fleuchen überall herum.", schwelgte sie in tiefverbundener Erinnerung und Arunn schnaubte lächelnd. „Klingt nach einem absoluten Desaster! Überall Getier und Gewürm, dass dich fressen will. Mir sind die Berge lieber!“, gestand er und lächelte dennoch. Eine belanglose Plauderei tat ihnen nach den Erlebnissen wohl allen gut. Und Neri konnte ein wenig ihren Wissensdurst stillen. „Arus. Wir befinden uns im Wald Arus.“, erklärte Arunn ihr abermals und verzog dann das Gesicht.
Seine Verletzung machte ihm zu schaffen und ihm standen die Schweißperlen auf dem Gesicht. Neri hatte ihn anfangs ein gutes Stück gestützt, doch seit geraumer Zeit nun schon, gönnte er der zierlichen Elfe eine Pause. Sein Gewicht war immens, wenn man bedachte, dass er übersäht war mit Muskeln. Aber es kostete ihn Kraft. Das konnte er nicht mal mit einem lockeren Spruch kaschieren. Er entschied sich dennoch, sich für den Bogen zu entschuldigen, was prompt einen Schlagabtausch zur Folge hatte. Neri aber enthielt sich lieber. Ihr stand noch immer nicht der Sinn, direkten Kontakt mit Calhoun zu haben und auch er blieb an der Spitze und sondierte für sie alle die Lage und den Weg. "Mach dir keinen Kopf um den Bogen. Du kannst ja nichts dafür. Ich bin nur froh, dass er dich nur zur Hälfte durchbohrt hat" „Da sag noch mal einer… man solle keine halben Sachen machen, hm?“, grinste er, was sofort wieder erstarb. Ihm ging es schlecht. "Es hätte einfach jemand bestimmtes besser auf meinen Bogen aufpassen sollen. Aber für diese Aufgabe ist nicht jeder geeignet.", ließ sie sich eine Spitze in gewisse Richtung nicht nehmen. Dieses Mal aber drehte der Dunkle den Kopf und schenkte ihr einen funkelnden Blick und ein undefinierbares Grinsen im Mundwinkel. Er hörte sie. Und er hatte die Spitze gehört. Was er damit machte, überließ er jedoch ihrer Fantasie, die sich aufgrund seines Anblickes trotzdem nicht gänzlich zähmen ließ.

Dem geschuldet, ließ sie Calhoun nun noch ein Stück vorausgehen und nutzte Arunn’s kurze Zwangspause, bei der er sich an einem Stamm anlehnte und schnaufte, um sich vertrauensvoll an ihn zu wenden. Der Dessarier sah blass aus unter all dem Dreck. Neri aber kramte ihren Wasserschlauch hervor und reichte ihn an Arunn weiter. Dieser nahm ihn dankend an und hob die Öffnung zitternd an seine Lippen. Er bemühte sich, doch tropfte dennoch ein kleines Bisschen daneben. Er wischte sich mit dem Arm über das Kinn, verschloss die Flasche wieder und reichte sie an Neri zurück. "Sag mal Arunn.. woher kennt ihr beide euch eigentlich? Er hat dir geholfen, obwohl ihr euch offensichtlich nicht ausstehen könnt. Bisher hast du kein gutes Wort über ihn verloren - was ich vollkommen verstehen kann. Aber er hilft uns, obwohl er von dir auch nicht viel hält. Und du meintest sogar, ich soll ihn später töten. Übrigens habe ich noch niemanden getötet und habe das auch nicht vor. Aber.. sei bitte ehrlich Arunn..", er hob eine Augenbraue, "Ist er noch sauer, weil du ihm mit deiner geheimen Zutat das Essen und den Magen verdorben hast?", so schwach Arunn war, er brach dennoch in Gelächter aus und verschreckte tatsächlich eine kleine Hasenfamilie, die empört durchs Dickicht hoppelte. So herzhaft es war, so kurz war es auch, denn ihn verließen zusehends die Kräfte. Sie waren nun seit Stunden gelaufen und er hatte tapfer durchgehalten. Selbst ohne Neri’s permanente Unterstützung. Das forderte nun langsam seinen Tribut. Arunn aber schüttelte, noch immer am Stamm lehnend, den Kopf. „Nein… Er war klug genug, es nicht anzurühren. Seine Stellung war zu hoch, um aus dem selben Topf wie die Soldaten zu essen.“, er erinnerte sich an seinen Streich und lachte abermals leise, aber dennoch herrlich ehrlich. „Calhoun…“, setzte er an und hustete abermals. Seine Augen verloren das Amüsement und wurden trüber. Er verzog das Gesicht und fasste sich an die Brust. „…und ich wir sind quasi… Fam… Familie..“, keuchte er und dann rutschte er einfach an dem Stamm herunter und kippte reglos zur Seite. Leichenblass lag er im Dreck und rührte sich nicht mehr.
Noch ehe Neri aber eingreifen konnte, umfassten zwei kräftige Hände ihre Schultern von hinten und schoben sie mit bestimmender Dominanz ein Stück beiseite. Calhoun glitt geschmeidig in die Knie und befühlte den Hals des Dessarier. „Er lebt noch. Aber nicht mehr lange. Wir müssen uns beeilen.“, erklärte er mit stoischer Ruhe, ehe er Neri sein Hab und Gut ungefragt in die Hände drückte, nachdem er sich wieder erhoben hatte. Er stand nun vor ihr und sah, erneut ziemlich nahe, auf sie herab. In seinem Gesicht sah man kaum etwas, doch seine Augen funkelten ihr zu. „Ich bin sein Schwager!“, erklärte der Dunkle mit einem Mal und offenbarte, dass er gehört hatte, worüber sie sprachen. Und einfach so, während er ihr seinen Beutel in die Hand drückte, damit sie ihn trug, klärte er sie auf. Aus dem Kerl wurde man nicht schlau! Und überhaupt… Schwager?!? Doch noch ehe sie genauer nachfragen konnte, wandte er ihr wieder den Rücken zu und hievte den Menschen auf seine Schultern. Es kostete ihn Kraft, doch war es auch verblüffend, wie viel er davon aufwenden konnte, dass er Arunn über seine Schulter legte und so Neri mit einem Nicken bedeutete, dass sie weitergehen mussten. Noch hatten sie einen ordentlichen Marsch, bis zur Kräuterhexe, vor sich und ob Arunn noch so viel Zeit haben würde, wusste keiner von ihnen.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Mittwoch 1. März 2023, 20:03

Sie war erleichtert, dass sich Arunn mit ihrem gefassten Plan, die Kräuterhexe aufzusuchen, arrangieren konnte. Außerdem war er der gleichen Meinung wie sie, dass die Zyraner ihnen nicht das Tor geöffnet hätten. Neri hatte die Situation scheinbar richtig eingeschätzt, was sie erleichterte, denn der Preis wäre unter Umständen Arunns Leben. Es folgte ein Schwall Informationen, die sie ihm um die Ohren haute und es brauchte einen Spruch von seiner Seite, um sie zu stoppen. Sie lächelte entschuldigend und ließ ihm nun eine Gelegenheit, um zu antworten. Als er die Druckwelle erwähnte, nickte sie bestätigend und warf ein kurzes “Das war Asmodeus, hat mich auch von den Füßen gerissen” ein.
Die Druckwelle hatte also das Zelt samt Arunn mit sich gezogen und den Menschen dann offenbar vor Calhouns Füße geworfen. Sarin und Iryan hatte er seitdem ebenfalls nicht mehr gesehen. Sie wüsste gerne, wie es ihnen ging und nickte zustimmend zu Arunns folgenden Worten.
„Man, ich hoffe, ihnen geht’s gut. Toughe kleine Nachtelfe! Hatte ganz schön Haare auf den Zähnen was? Kein Wunder, bei ihrer Bürde. Hätte sie gern etwas näher kennengelernt.“ Sie mochte es, wenn er lachte, es erhellte sogleich ihre Stimmung und sie stimmte kurz mit ein.
“Ohja, wer sich mit gleich drei Männern umgibt, muss sich zu wehren wissen”, grinste sie und überlegte kurz, wie es Sarin gelang, sich auf drei Männer einzulassen und eine gewisse Harmonie zwischen ihnen allen herzustellen. Für Neri unvorstellbar. Zumindest mit den dreien, über die Castus sie mit offenen Worten aufgeklärt hatte. Sie erinnerte sich an die Details, die er fröhlich über Iryans Männlichkeit erzählt hatte, und musste plötzlich noch einmal auflachen, weil das ganze so unglaublich gewesen war. Dann wurde Neri jedoch schnell wieder ernster, als Arunn fortfuhr.
„Allerdings lasse ich mir bestimmt nicht vorhalten, ich würde Frauen vergewaltigen oder wie Vieh ansehen!“
Calhoun folgte offenbar ihrem Gespräch, denn er schien mit einem Schnaufen seine eigene Sicht der Dinge äußern zu wollen. Neri war es egal, dass er alles hören konnte. Ihrer Meinung nach konnte er nichts davon gegen sie verwenden. Was geschehen war, war geschehen. Und es tat gut, sich mit Arunn darüber austauschen zu können. Neri hörte ihn eine Beleidigung in Richtung Calhoun brummen, der sie keine große Bedeutung zumaß, ehe sie an der Stelle wieder einhakte.
“Ich zumindest habe überhaupt nicht diesen Eindruck von dir. Vor allem, nachdem du Castus noch zur Seite gestanden hast, als die Soldaten an seine Wäsche wollten. Vielleicht ist sie an dem Tag mit dem falschen Fuß aufgestanden.. außerdem wusste sie, dass Castus sich an diesem Tag opfern wollte. Vielleicht sollten wir nicht zu hart urteilen”, murmelte sie nachdenklich, als sie sich in einer Erklärung für die Nachtelfe versuchte. Auch wenn sie Sarin gegenüber grundsätzlich misstrauisch gewesen war, die erste Nachtelfe, der sie begegnet war, hatte die tragische Liebe von Castus und Sarin sie doch ziemlich berührt und traurig zurückgelassen. Der Halbdämon und die Nachtelfe hatten eine große Last zu tragen gehabt.
Als Arunn ihren Mut erwähnte, war Neri anzusehen, dass es ihr gut tat, das zu hören. “Hey, ich wollte schon immer mal einem wahnsinnigen Dämon gegenüber stehen und ihn in den Tod locken”, grinste sie selbstgefällig. Im Grunde würde sie das rückblickend aber auf keinen Fall mehr machen und fragte sich ernsthaft, was sie da geritten hatte und wie sie lebend aus der Situation herausgekommen war.

Arunn hingegen war noch nicht über dem Berg. Sie half ihm beim Vorankommen, während sein Gewicht stellenweise auf ihr lastete und er sie manchmal auch verschnaufen ließ. Sie wollte mehr über diesen Wald wissen und vielleicht war es auch eine gute Ablenkung von ihren schmerzenden Muskeln und seiner schmerzenden Wunde, wenn sie ein bisschen plauderten. Arunn fand ziemlich ernüchternde Worte für diesen Nadelwald.
„Der Arus ist eine Brutstätte für Gesindel und Halunken. Wir sind also in bester Gesellschaft! Er verbindet Ost und Süd miteinander und geht über in den Wald Neldoreth, Sarius und schließlich Kapayu. Wenn wir in die andere Richtung gehen würden, würden wir in ihm wandern können, bis zu meiner Heimat!“
Neri hörte interessiert zu, ehe sie vom Kapayu schwärmte. Doch den konnte sie Arunn ganz offensichtlich nicht annähernd so schön beschreiben, wie er auf sie wirkte.
„Klingt nach einem absoluten Desaster! Überall Getier und Gewürm, dass dich fressen will. Mir sind die Berge lieber!“
“Bitte? Pff.. uns Elfen lassen die Tiere in Ruhe. Du musst sie respektieren und dann respektieren sie dich. Aber vielleicht hast du Recht.. vielleicht warten sie nur auf Menschenfleisch”, meinte sie amüsiert. Dann dachte sie darüber nach, was er gesagt hatte. Er lebte in den Bergen und Neri fragte sich, wie es dort war und wie genau diese Berge eigentlich aussahen. Sie hatte schon davon gehört, aber sie noch nie gesehen. Andererseits wollte sie jetzt auch keine blöden Fragen stellen, mit denen sie sich lächerlich machen könnte. Hinzu kam, dass man Arunn immer deutlicher ansehen konnte, wie schwer ihm das Laufen fiel. Sie hätte ihm gerne gesagt, dass er langsamer machen soll.. aber wenn sie noch langsamer liefen, würden sie quasi auf der Stelle treten. Außerdem lag ihm die Sache mit ihrem Bogen auf der Seele und er wollte sich entschuldigen. In ihren Augen traf dafür nur einen einzigen Mann die Schuld. Und der ließ sie mit einem Blick und einem leichten Grinsen wissen, dass er ihre Worte durchaus gehört hatte. Ihr Gelb verweilte einen Moment in seinem Gesicht und sie schmunzelte zufrieden. Er hatte sie gehört und er sah sie an und auch wenn sie nicht stolz darauf war, was geschehen war, so schaute sie doch immer noch gerne in das markante Gesicht mit der unnahbaren Mimik und konnte sich nur zögernd von dem Rot seiner Augen lösen.

Doch der Moment verflog, als Calhoun sich abwandte, um weiter zu gehen, und die Elfe die Chance nutzte, um Arunn und sich etwas zurückfallen zu lassen und etwas anzusprechen, das sie schon länger beschäftigte. Er sah blass aus, aber Neri konnte die Situation ganz offensichtlich nicht richtig einschätzen und so fragte sie mit ihrer eigenen Methode Arunn ganz ungeniert aus, woher Calhoun und er sich kannten. Offenbar hatte sie mit ihren Worten den richtigen Nerv getroffen, denn Arunn brach in Gelächter aus und Neri wurde von seinem Lachen angesteckt und stimmte mit ein, das noch eine Spur gelöster wurde, als sie die Hasen davon hoppeln sah. Es tat gut, mit Arunn zu lachen. Doch sein Lachen war kurz und er sah plötzlich noch schlechter aus als zuvor. Er lehnte den Kopf an den Baumstamm und erklärte ihr, dass Calhoun nichts von dem Eintopf gegessen hatte. Neri hatte das Essen gesehen, das ihm serviert worden war und das sie abgelehnt hatte. Er hatte sich den Bauch vollgestopft, während die anderen nur karge Mahlzeiten bekamen.
„Calhoun…und ich wir sind quasi… Fam… Familie..“
Sie sah, dass Arunn blasser und seine Augen plötzlich trüber wurden. Doch noch während sie fragen wollte, ob alles in Ordnung war, rutschte er bewusstlos den Stamm herunter und kippte zur Seite.
"Arunn..!", stieß sie aus, doch ehe sie überhaupt etwas tun konnte, spürte sie plötzlich Calhouns Hände auf ihren Schultern. Sie erstarrte unter seiner Berührung und kurz flackerte die Erinnerung in den Schatten vor ihren Augen auf. Doch er schob sie nur zur Seite und eilte Arunn zu Hilfe.
„Er lebt noch. Aber nicht mehr lange. Wir müssen uns beeilen.“
Neris Sorge über den Menschen zeichnete sich deutlich in ihrem Gesicht ab. Bereitwillig nahm sie Calhouns Beutel in die Hände, damit er seine frei hatte, während sie noch über Arunns letzte Worte nachdachte. Er und Calhoun sollten eine Familie sein? Was verband einen Menschen und einen Dunkelelfen? Calhoun brachte etwas Licht ins Dunkel.
"Ich bin sein Schwager!“
Neri schaute ihn entgeistert an. Die Überraschung saß! Schwager? Ihre Lippen formten fragend das Wort. Was sollte das bedeuten? Hatte Calhoun etwa..? Der Dunkelelf beugte sich hinab und legte sich Arunn über die Schulter, ehe er ihr bedeutete, weiterzugehen. Doch Neri blieb noch einen Moment stehen, während die Gedanken in ihrem Kopf umher wirbelten.
"Moment mal, was soll das heißen, Calhoun? Hast du eine Frau? Seine Schwester?!" Erst weiteten sich ihre Augen, dann funkelten sie ihn an. "Gab es nicht vielleicht wenigstens einen Moment, an dem du mal an deine Frau gedacht hast und dir auch der Gedanke gekommen ist, mir zu erzählen, dass du verheiratet bist?! Oder weiß sie, dass du dich durch die Welt vögelst, während sie hofft, dass du wohlbehalten aus dem Krieg zurückkehrst?" Ihre Worte waren leise, aber messerscharf, und aus ihnen war deutlich die Überraschung und Wut über dieses essentielle Detail herauszuhören, das er ihr verschwiegen hatte
Der Gedanke, dass er eine Frau hatte, während er sich hier mit ihr vergnügt hatte, machte sie sichtlich wütend. Hinzu kam die Menschenfrau im Lager. Hatte er Arunns Schwester geheiratet und betrog diese nun wahllos mit anderen? Und wieso hatte ihr Arunn nichts gesagt? In ihren Käfigen hatten sie noch über Calhoun geredet, doch das Einzige, was er ihr über ihn erzählt hatte, war, dass er zu den Magiern gehörte. Kein 'Ach übrigens, das ist mein Schwager, der dich da gefangen genommen hat und mich hier seit Wochen festhält.' Oder hatten sie doch von ganz unterschiedlichen Dunkelelfen gesprochen?! Und was war mit der Situation am Lagerfeuer, als Arunn sie zusammen gesehen hatte? Er hatte sie angeraunzt, aber wenn Calhoun wirklich seine Schwester mit ihr betrogen hatte, war er vergleichsweise ruhig geblieben.
Neri war anzusehen, dass ihr dieser Gedanke so gar nicht gefiel, dass er eine Frau hatte, und Neri die offene Lücke füllte, die sich fernab seiner Heimat aufgetan hatte. Außerdem meldete sich leise das schlechte Gewissen. Selbst Neri kannte Grenzen und ein verheirateter Mann war ein ungesagtes Tabu. Ihre bisherigen Bekanntschaften hatte sie aber tatsächlich auch nie danach gefragt, sodass ihr gerade zum ersten Mal der Gedanke kam, ob Calhoun vielleicht gar nicht der Erste war und die anderen ihre Frauen ebenso verschwiegen hatten? Dieser Gedanke hatte einen üblen Beigeschmack für die Elfe.
Neri konnte nur hoffen, dass Calhoun sich erklärte und ihre Gedanken unbegründet waren. Doch in ihrem Kopf gab es gerade gar keine andere Möglichkeit als die, die sie sich ausmalte.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Montag 6. März 2023, 09:50

“Ich zumindest habe überhaupt nicht diesen Eindruck von dir. Vor allem, nachdem du Castus noch zur Seite gestanden hast, als die Soldaten an seine Wäsche wollten. Vielleicht ist sie an dem Tag mit dem falschen Fuß aufgestanden.. außerdem wusste sie, dass Castus sich an diesem Tag opfern wollte. Vielleicht sollten wir nicht zu hart urteilen” Arunn nickte nachdenklich. Es war ihm anzusehen, dass er die Meinung der Shyáner Elfe teilte, doch dass ihm der Eindruck durch Sarin auch zu schaffen gemacht hatte. Was auch immer der Hintergrund dafür sein mochte, es traf einen Nerv. Deshalb kam auch kein lockerer Spruch über seine Lippen, aber sein Nicken und das leichte Schmunzeln um die bärtigen Mundwinkel waren für den aufmerksamen Beobachter Indiz genug, dass es ihm gut tat zu hören, dass Neri nicht diese Art von Mann in ihm sah. Trotz seiner lockeren Zunge und seinen Anzüglichkeiten. Zwischen dem Wort und der Tat, gab es eben doch noch einen enormen Unterschied. Der Weg führte die beiden in Calhoun’s Windschatten weiter und Neri half dem Menschen, wo sie konnte. Der Wald war offenkundig nicht Arunn’s Lieblingsort, wie Neri erfahren durfte und sie selbst musste sich fragen, ob sie in den Bergen würde zurechtkommen können. Allerdings ging ihr Weg in Richtung Süden, wie sie durch ihre Kenntnisse der Natur sehr wohl wusste und laut Arunn, würde sie das wieder näher an Shyána Nelle bringen. Sollte sie nun in einem großen Bogen zurück zu ihrer Heimat kehren? Die sie nicht ohne Grund verlassen hatte? Allerdings war der Weg bis zum Tal noch sehr weit und laut Calhoun strebten sie ein gänzlich anderes Ziel an. Trotzdem waren die Wege sehr verworren, wenn man wie Neri in die Welt zog, um einige Antworten zu erhalten. Und je mehr Fragen sie stellte, desto weniger wusste sie am Ende. Auch jene, die sie in einem günstigen Moment an den Dessarier stellte, warf nach seiner Antwort nur noch mehr Fragen auf. Allerdings war sie nicht in der Lage, sofort nachzuhaken, denn der Mensch hatte sich viel zu sehr verausgabt und kippte bewusstlos zu Boden. Noch ehe Neri handeln konnte, spürte sie bereits die Hände des Dunklen an sich und dort, wo er sie berührte, ließ er kribbelnde Abdrücke zurück, die sich nur all zu gut an ihre Zusammenkunft erinnerten.
Jetzt aber war keine Zeit für derlei Gedanken. Neri musste tatenlos mit ansehen, wie der Dunkle Arunn laienhaft untersuchte und sein Urteil fiel nicht gut aus. Ohne sie langwierig in Einzelheiten zu ertränken, stopfte er ihr wortlos seine Habe in die Hände und lieferte ihr sogleich noch eine weitere Antwort, die viel zu viele Fragen hinterließ. Er jedoch machte sich daran, Arunn hochzuhieven, während Neri wie vom Donner gerührt dastand und für einen Moment das Gefühl hatte, ihrem eigenen Leben hinterherzulaufen. Calhoun war bereits an ihr vorbeigetreten, da fand Neri ihre Stimme wieder: "Moment mal, was soll das heißen, Calhoun? Hast du eine Frau? Seine Schwester?!“ Er hielt inne und wandte sich, mit Arunn auf seiner Schulter, zu ihr herum. Sein Rot bohrte sich in ihr Gesicht und er beobachtete genau ihr Minenspiel. “Gab es nicht vielleicht wenigstens einen Moment, an dem du mal an deine Frau gedacht hast und dir auch der Gedanke gekommen ist, mir zu erzählen, dass du verheiratet bist?! Oder weiß sie, dass du dich durch die Welt vögelst, während sie hofft, dass du wohlbehalten aus dem Krieg zurückkehrst?"

Seine Lippen verzogen sich für eine Sekunde zu einem Lächeln, ehe er auf Neri zutrat und trotz des Dessariers eine gewisse Spannung aufzubauen wusste. Wo sie die Fragen laut und deutlich stellte, brauchte er nur ein Raunen, um zu antworten: „Was schockiert dich mehr, Neriélle? Die Untreue, die im Raum steht? Dass es die Schwester des Mannes ist, dem du dich verpflichtet fühlst? Oder dass du mich nicht haben kannst?“, stellte er Gegenfragen und überließ Neri wiedermal sich selbst. Die junge Frau musste sich wohl damit arrangieren lernen, dass sie ihre Antworten stets nur in Häppchen serviert bekäme. „Wir haben jetzt keine Zeit. Es sei denn, du willst seiner Familie die Nachricht überbringen, dass er tot ist, weil du ins Quatschen geraten bist!“, schnauzte er ohne lauter zu werden. Offenbar missfiel dem Dunklen dieser Moment. Hatte Arunn geplappert und er musste nun mit der Situation klarkommen? Oder gab es noch etwas, was das ganze in seinen Augen unschön machte? Er wirkte nicht wie jemand, dem es wichtig wäre, was andere über ihn dachten. Würde es da glaubhaft sein, dass ihm der Seitensprung unangenehm wäre? Wohl eher nicht, dafür hatte er auch viel zu sehr ihr Feuer entfacht und sich die Zeit genommen. Er war nicht einfach ein triebgesteuerter Kerl, der sich abreagieren musste. Nein, das Spiel hatte ihm selbst gefallen und er war durchaus kreativ dabei gewesen. Leider aber wurde Neri nicht schlauer aus ihm, denn er nahm ihr die Gelegenheit dazu. Mit schnellen, kraftvollen Schritten lief er voraus und ging einfach davon aus, dass die Elfe folgen würde. Die nächsten Stunden liefen die beiden wortlos, zumindest seitens Calhoun. Er hatte genug zu tragen und sein Körper musste brennen, wenn man bedachte, wie muskulös auch Arunn war. Ein elfisches Leichtgewicht war der Mann jedenfalls nicht! Doch er beklagte sich nicht, er zögerte nicht. Er schritt stoisch den nur ihm bekannten Weg voran und hielt nur an, wenn er für einen Augenblick die Richtung sondieren musste.
So gingen sie tatsächlich die Nacht über hindurch und eine Rast räumte Calhoun nicht ein. Auch den nächsten Tag liefen sie weiter, hielten nur kurz an, um ein karges Beerenmahl zu sich zu nehmen und einen Schluck aus dem Wasserschlauch zu trinken. Wobei es dabei eher um Neri ging, denn um ihn selbst. Calhoun legte Arunn nicht einmal ab, sondern trieb die Elfe weiter, um ordentlich Wegstrecke zurückzulegen. Irgendwann wurde er aber langsamer und der dichte Wald etwas lichter. Neri konnte erkennen, dass ringsherum hier und dort ein paar Bäume gefällt waren, sodass man ein wenig mehr Platz generierte. Zudem hörte sie mit einem Mal Wasser plätschern. Mit jedem Schritt dichter, wurde das Plätschern mehr zu einem Rauschen und am Fuße einer kleinen Anhöhe, konnte Neri dann eine Holzhütte entdecken. Es war inzwischen wieder Nachmittag geworden, denn die Sonne brach sich tiefstehend durch die winzigen Löcher des Arus‘. So hässlich wirkte der Wald nun gar nicht, denn hinter der Hütte konnte Neri einen breiten Fluss ausmachen. Hier glitzerten die Sonnenstrahlen malerisch über die Wasseroberfläche, während der Fluss sich mit gemäßigter Geschwindigkeit seinen Weg durch das Land suchte. Die Hütte wirkte geräumig, sodass hier sehr wohl jemand dauerhaft leben könnte. Die Bäume ringsherum waren vor langer Zeit gefällt worden und vor neben der Hütte gab es einen Holzvorrat. Nerielle konnte erkennen, dass kein Rauch aus dem Kaminschacht aufstieg, obwohl es recht kühl wurde. Alles in allem aber blieb der Anblick idyllisch.

Vor dem Haus stand eine Bank mit einem Tisch davor, die einluden, sich zu setzen und zu verweilen. Calhoun aber wirkte nicht so entspannt. Er hatte die Augen fest auf das Haus gerichtet und seine Miene wirkte verschlossen. Ohne ein Wort, schritt er voran, um das Haus zu erreichen. Neri spürte aber, dass der Gewaltmarsch an ihrer Kondition gezerrt hatte. Sie waren Stunden gelaufen, um schnellstmöglich diese Hütte zu erreichen. Calhoun erreichte als erstes die Tür und jetzt endlich, legte er den noch immer bewusstlosen Arunn auf dem Tisch vor der Hütte ab. Er war nicht einmal aufgewacht in all den Stunden und sollte Neri seinen Puls oder seine Atmung überprüfen wollen, so musste sie sich bereits stark konzentrieren, so schwach war beides. Sein Verband war inzwischen durchgeblutet und roch streng nach dem eisenhaltigen Lebenssaft. Calhoun aber rotierte nur kurz seine Schulter, die ordentlich belastet gewesen ist und öffnete dann die Tür. Sobald Neriélle folgen würde, betrat sie eine dunkle, kühle Hütte. Sie konnte erkennen, dass hier schon länger niemand mehr zu Hause war, denn es fühlte sich ein wenig klamm und feucht an. Gleichwohl überzog der Boden eine Staubschicht, die nur dort gebrochen wurde, wo Calhoun sich weiter in den Raum vorwagte. Jener starrte auf einen umgestoßenen Stuhl und schien für einen Moment ehrlich angepisst zu sein. An den Wänden und von der Decke hingen einige Kräutersäckchen und getrocknete Zweige. Neri konnte geradeaus, gegenüber der Eingangstür ein Holzbett entdecken, auf dem noch eine bunte, gehäkelte Decke lag. Bettzeug gab es ebenfalls, auch wenn alles recht staubig wirkte. Rechts vom Eingang gab es einen steinernen Kamin, der lange nicht gesäubert wurde, während zwei Fenster ihn einrahmten und auf den Fluss zeigten. Links, gegenüber vom Kamin, gab es eine kleine Küchenzeile. Ein benutzter Becher stand dort noch und zeugte davon, dass hier mal jemand gelebt haben musste, doch lange fort war. Calhoun besah sich die Zeichen des Verlassens. Er knurrte unwillig und fegte dann mit seiner Hand über einen kleinen Tisch, auf dessen Oberfläche eine Vase stand, die nun auf dem Boden zerschellte. Niemand war hier. Keine Kräuterhexe, keine Heilung, keine Hilfe. Und so, wie die Hütte aussah, kehrte ihre erhoffte Hilfe auch nicht mehr zurück.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Montag 6. März 2023, 13:37

Neriélle war noch nicht bereit, Calhoun einfach so aus der Situation zu entlassen. Sie wollte Antworten. Aber die gaben ihr die Männer nur häppchenweise und offenbar würde sich daran so schnell nichts ändern. Denn anstatt sich zu erklären, ging Calhoun direkt wieder auf Angriff über und versuchte, das Problem auf sie abzuwälzen. Vermutlich war es einfacher, ihr ein schlechtes Gewissen machen zu wollen, als sich selbst mit dem Problem auseinanderzusetzen. Doch die Elfe war nicht die Verheiratete von beiden und sah keine Schuld bei sich. Obwohl sich dennoch ihr schlechtes Gewissen meldete. Er hatte seine Frau mit ihr betrogen und sie somit in etwas hineingezogen, ohne dass sie eine Wahl gehabt hätte. Neri wollte keine heimliche Geliebte sein. Und schon gar nicht, wenn es sich um Arunns Schwester handelte. Denn der Dunkle hatte es richtig erkannt, sie fühlte sich Arunn gegenüber verpflichtet, sie waren Freunde geworden. Da konnte sie doch nicht mit seinem Schwager ins Bett hüpfen? Doch sie hatte nicht gewusst, dass er verheiratet war. Die Frage blieb, ob es irgendetwas geändert hätte? Ob es jetzt irgendetwas änderte, nun da sie es wusste? Sie hatte durchaus ein schlechtes Gewissen der unbekannten Frau gegenüber. Doch es war allein Calhouns Entscheidung gewesen, mit allen Konsequenzen, die ihm als erwachsener Mann bewusst sein mussten. Er stritt es nicht einmal ab! Neri war sprachlos. Seine letzte Vermutung in Verbindung mit seinem Lächeln, das so gar nicht zum Ernst der Lage passte, brachten ihre Augen schließlich zum Glühen.
“Was bringt dich denn dazu, zu glauben, dass ich dich haben will? Weil dir jede Frau hinterher lechzt und du dich vor den Weibern nicht retten kannst? Glaub bloß nicht, dass ich einen Mann an meiner Seite haben will oder brauche. Schon gar nicht dich! Scheinbar bist du auch noch stolz darauf, deine Frau zu hintergehen. Und das auch noch vor den Augen ihres Bruders. Was auch immer du dir beweisen musst, halt Arunn und mich da zukünftig raus.” Sie schnaubte wütend und konnte den Spieß durchaus umdrehen. Sie leugnete nicht, dass sie ihr Unterfangen mehr als genossen hatte. Selbst jetzt noch, als er ihr so nah nach der Berührung ihrer Schultern war, spürte sie die Anziehung zwischen ihnen beiden, wenn auch mit größer werdenden Widerwillen. Aber nur weil sie ihren Spaß gehabt hatten, hieß das nicht, dass sie irgendwas Ernstes von ihm wollte. Das konnte er sich getrost aus dem Kopf schlagen und das machte sie hiermit sehr deutlich.
„Wir haben jetzt keine Zeit. Es sei denn, du willst seiner Familie die Nachricht überbringen, dass er tot ist, weil du ins Quatschen geraten bist!“
“Natürlich. Wenn es unangenehm für Herr Unnahbar wird, haben wir keine Zeit.” Sie starrte ihm wütend Löcher in den Rücken als er weiterging. Obwohl er natürlich Recht hatte, konnte sie sich einen Kommentar nicht verkneifen. Doch Arunn hatte nicht viel Zeit und sie sollten dieses kostbare Gut wirklich nicht für einen Streit aufbrauchen. Dennoch wurmte es Neri, dass Calhoun so in sich gekehrt blieb. Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen, wobei sie so schweigsam blieb wie er. Sie hatte keine Probleme damit, mit ihm mitzuhalten. Die Elfe war es gewohnt, stundenlang durch den Wald zu streifen und den Witterungen zu trotzen. Außerdem trug sie nicht den muskelbepackten Menschen, dessen Gewicht Calhoun um einiges ausbremsen musste, sodass sie ein recht ähnliches Tempo an den Tag legten. Mit jeder verstreichenden Stunde wurde ihr bewusster, dass sie sich hier so gar nicht auskannte. Sie kannte den Arus nicht und auch nicht die Hütte. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als zu warten, wenn Calhoun überlegen musste, in welche Richtung es ging. Ihre Auseinandersetzung hatte Neri noch lange nicht vergessen, aber sie sparte sich die Worte, die eh nur an Calhoun abprallen würden. Wo vorhin noch das Feuer der Leidenschaft zwischen ihnen gebrodelt hatte, herrschte nun für den weiteren Tag Eiszeit. Sie freundete sich immer mehr mit dem Gedanken an, dass sich ihre Wege bald bei der Hütte trennen würden. Calhouns Auftreten und seine Worte entfachten immer nur neue Wut in ihr und sie war es leid. Bis auf die körperliche Anziehung verband sie rein gar nichts.
Obwohl Neri nur das Gepäck von ihnen tragen musste, merkte sie nach stundenlangem Laufen, wie kräftezehrend das war. Das Kaninchen hatte ja kaum den Hunger von den vorangegangenen Tagen gestillt. Und nun ernährten sie sich von Beeren, weil keine Zeit für eine Jagd blieb, davon abgesehen, dass Neri dafür eine essentielle Waffe fehlte. Es beeindruckte sie zwar, wie ausdauernd Calhoun war, doch sobald sich ihre Gedanken mehr als oberflächlich auf den Dunkelelfen fokussierten, versuchte sie sich davon abzulenken und sich an die Wut zu erinnern, die er ständig in ihr auslöste. In der Nacht wehte die Kälte deutlicher durch den Wald und gleichzeitig schwitzte sie, weil es so viel Mühe kostete, die Augen offen zu halten und weiterzulaufen. Arunns Leben zu retten war das Einzige, das sie durch die Nacht und den folgenden Tag trieb.

Neri war in Gedanken versunken, als das Plätschern von Wasser an ihre Ohren drang. Sie hob den Kopf und sah, dass der Wald etwas lichter wurde. Ein paar Bäume waren gefällt worden und auf einer Anhöhe sah sie die Holzhütte stehen. Endlich, dachte sie befreit. Neue Kraft und Hoffnung durchfluteten sie und ließen sie noch die letzten Meter hinter dem Dunkelelfen hinauf gehen. Jetzt, wo sie am Ziel angekommen waren, spürte sie deutlich die Anstrengung in ihren Beinen. Von hier oben sah sie auf den rauschenden Fluss hinab, der in der Nachmittagssonne glitzerte. Der Blick gab ein idyllisches Bild ab. Aber deswegen waren sie ja nicht hier. Neri ging zu Arunn, den Calhoun auf den Tisch vor der Hütte abgelegt hatte und betrachtete ihn. Er sah furchtbar aus, fast schon leichenblass. Sie legte eine Hand auf sein Herz und das Ohr an seinen Mund. Doch sein Atem ging schwach, sehr schwach. Der Verband war getränkt von Blut und sie war froh, dass sich gleich jemand mit kundigen Händen um ihn kümmern würde. Vermutlich waren sie gerade noch rechtzeitig gekommen.
Mit neuer Hoffnung und Ungeduld folgte Neri Calhoun in die Hütte. Doch das leichte erwartungsfrohe Lächeln verschwand von ihren Lippen, als sie einen ersten Blick in die Hütte werfen konnte. Sie war zwar recht geräumig, aber klein genug, dass sofort zu erkennen war, dass niemand hier war. Es war dunkel, kalt und staubig. Nur ein umgestoßener Stuhl und ein Becher deuteten darauf hin, dass hier überhaupt mal jemand gelebt hatte. Irgendwann. Der Kamin war aus, der Boden starr vor Staub und die Fenster verdreckt. Mit jedem Detail, das ihre Augen aufnahmen und ihr verdeutlichen, dass hier keiner mehr lebte und keiner mehr kommen würde, desto fassungsloser wurde Neris Gesichtsausdruck. Eine Welle von Hilflosigkeit und Verzweiflung rollte über sie hinweg. Als die Vase auf dem Boden zerschellte, zuckte sie zusammen und blickte zu Calhoun, der seinen Gefühlen auf diese Weise Ausdruck gab. Die Hütte war verlassen. Es gab keine Kräuterhexe. Sie waren irgendwo in einem fremden Wald ohne Aussicht auf Heilung für Arunn. Neris Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
“Wo ist sie?”, fragte Neriélle leise in den Raum hinein. “Wo ist deine Kräuterhexe, Calhoun?! Verdammt!” Mit jedem Wort wurde die Elfe ein Stückchen lauter. Es war ihm anzusehen, dass er ebenso wenig damit gerechnet hatte, wie sie. Genau das machte Neri in diesem Moment so hilflos. Sie hatte ihm getraut. Sie hätten nach Zyranus gehen sollen oder in das Gasthaus. Vielleicht hätte es auch dort irgendjemanden gegeben, der ihnen hätte helfen können. Sie hätten so viel Zeit gespart und vielleicht würde es Arunn schon längst besser gehen. Doch sie hatte sich für Calhouns Vorschlag entschieden, sie hatte sich auf den Dunklen eingelassen und die Verantwortung für Arunns Leben an ihn abgegeben. Ein riesengroßer Fehler, wie sich nun herausstellte.
“Es war ein Fehler, dir zu trauen!”, stieß sie plötzlich aus. Es war falsch gewesen, auf diese Kräuterhexe zu trauen. Und es war falsch gewesen, ihm in den Schatten zu vertrauen. Nichts davon hatte irgendetwas besser gemacht, ganz im Gegenteil. Sie stand quasi vor einem Scherbenhaufen, mitten in einem kalten verlassenen Haus.
“Was jetzt? Was sollen wir jetzt tun, Calhoun?! Soll er hier sterben? Mitten im Nirgendwo? Oder gibt es noch jemanden in dieser Einöde, der Arunn helfen kann?” Ihre Stimme klang nun wieder etwas leiser und resigniert, da sie fürchtete, die Antwort schon zu kennen. Wer sollte denn hier noch anzutreffen sein? Tränen standen ihr in den Augen. Es gab hier keine Hoffnung mehr. Sie wusste überhaupt nicht, was sie tun sollten. Ihre Stimme bebte und zitterte. Wut und Enttäuschung wichen Erschöpfung und Hilflosigkeit. Sie hatte keine Ahnung, wo genau sie waren. Sie wusste nur, dass sie weiter in Richtung ihrer Heimat gelaufen waren, doch diese war viel zu weit weg. Selbst der Weg zurück nach Zyranus wäre zu weit und würde kostbare Kraft und Zeit rauben.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Dienstag 7. März 2023, 09:58

Neri hatte so einige Schläge in die Magengrube zu verdauen und erschwerend kam hinzu, dass es Arunn so schlecht ging. Sie konnte sich jetzt nicht mal ordentlich an Calhoun die Krallen abwetzen, denn das würde definitiv zu Lasten des Menschen gehen. Trotzdem brodelte seine Unverfrorenheit in ihr, wie das Wasser in einem Kessel und irgendwann bräuchte dieses ein Ventil. Ein wenig Druck baute sie dann aber trotzdem ab: “Was bringt dich denn dazu, zu glauben, dass ich dich haben will? Weil dir jede Frau hinterher lechzt und du dich vor den Weibern nicht retten kannst? Glaub bloß nicht, dass ich einen Mann an meiner Seite haben will oder brauche. Schon gar nicht dich! Scheinbar bist du auch noch stolz darauf, deine Frau zu hintergehen. Und das auch noch vor den Augen ihres Bruders. Was auch immer du dir beweisen musst, halt Arunn und mich da zukünftig raus.” Seine Augen zuckten zu ihren empor und er erwiderte ihr Glühen. Für einen Moment starrten sich die ungleichen Elfen einfach nur zornig an und beinahe sah es so aus als ob Calhoun etwas erwiderte, doch dann knurrte er nur und wandte sich dem Menschen zu. Das Thema war noch längst nicht geklärt und in Neri schwelten noch so viele ungesagte Dinge, die sie irgendwann loswerden musste. Jetzt aber kühlte der Gewaltmarsch sie beide ein wenig ab, denn sie sprachen nur sporadisch mal, hielten sich aber ansonsten bedeckt. Calhoun’s Ausdauer war bemerkenswert, denn er setzte den Menschen nicht ein Mal ab. Doch auch Neri konnte gut mit ihm mithalten und fühlte sich zumindest hier im Wald recht wohl. Auch wenn sie diesen nicht so wertschätzen konnte, wie ihren eigenen. So hatte der Arus doch seinen ganz eigenen Charme. Die Sorge aber um den Dessarier trübte ihren Blick für die Natur um sie herum, sodass ihr Gemütszustand dafür sorgte, dass der Wald grau, kalt und fad wirkte. Bis sie endlich die Hütte erreichten, die am Fuße einer Anhöhe lag und direkt am Flussufer stand. Allerdings täuschte die Idylle über den Umstand hinweg, dass sie hier keine Hilfe finden würden. Sowohl Neri als auch Calhoun mussten mit ihrer Enttäuschung zurechtkommen. Während Calhoun die Einrichtung demolierte und mit den Händen auf den Tisch haute, nutzte Neri das Ventil und reagierte sich an dem Dunklen ab. Jener stand mit dem Rücken zu ihr und stützte sich noch auf der Tischplatte ab. Seine Hände hatten den Staub auf diesem durcheinandergebracht. Neri aber ließ ihre Vorwürfe auf seinen Rücken niedergehen. “Es war ein Fehler, dir zu trauen!“ Sein Kopf ruckte in die Höhe und er stieß sich schwungvoll ab. Kraftstrotzend wandte er sich ihr entgegen und kam auf sie zu. Schon wieder baute er die Nähe auf und fixierte sie mit seinem Blick. Er wirkte bedrohlich, doch das hatte sie bisher nicht abgehalten, seiner Ausstrahlung auch etwas anderes abzugewinnen. „Ist das eine Hütte?“, fragte er mit tiefem Brummen. „Ist das augenscheinlich die Hütte einer Kräuterfrau?!“, hakte er noch zischender nach und verengte die Augen. „Ich denke ich habe nichts anderes versprochen als die Hütte einer Kräuterhexe!“, knurrte er weiter und baute noch mehr Nähe auf. Fast schien es so, als ob er ihr Gesicht packen wollen würde, doch seine Hände blieben, wo sie waren.

„Dass sie nicht mehr hier ist, ist nicht mein Vergehen!“, fauchte er ihr entgegen und brach abrupt die aufgebaute Nähe wieder ab, ging so eng an ihr vorbei, dass er sie anrempelte und trat aus der offenen Tür wieder hinaus. Er ging zu Arunn, was Neri die Zeit gab, zu resignieren. Das Schicksal hielt derzeit nicht viel Gutes für die Elfe bereit und die Hilflosigkeit kroch aus allen Ritzen auf sie zu. Wie sollte sie Arunn retten, wenn Hilfe nicht greifbar war? Was konnte sie denn tun, ausgerechnet sie, die sich nie sonderlich für Heilung und Kräuter interessiert hat. Hier hingen zwar noch ausgedörrte Zweige und Neri würde sogar in einer Schublade Mörser und Stößel finden doch… darüber hinaus? Was sollte sie tun? Was konnte sie tun? Sie wusste keine Antwort und musste sich an eben jenen wenden, dem sie eigentlich nicht mehr vertrauen wollte: „Was jetzt? Was sollen wir jetzt tun, Calhoun?! Soll er hier sterben? Mitten im Nirgendwo? Oder gibt es noch jemanden in dieser Einöde, der Arunn helfen kann?” Der Dunkle stand draußen neben dem Tisch und betrachtete das aschfahle Gesicht des Menschen. Sein eigenes Gesicht wirkte verschlossen und missmutig. Auch er hatte sich darauf verlassen, dass die Hexe hier wäre. Für einen Moment schien es, dass er Neri ignorierte, doch dann ging erneut ein Ruck durch seinen Körper und er richtete sich auf.
Er packte den Menschen, hievte ihn vom Tisch und ging, sollte Neri hinausgetreten sein, an ihr vorbei, um ihn ins Haus zu bringen. „Los, schüttle das Bett aus, wir legen ihn da hinein!“, wies er sie kühl an. Er würde so lange warten, bis sie gehorchte und Arunn danach hineinlegen. Calhoun deckte die Beine des Mannes zu, der sich weiterhin nicht rührte. Er schien nun wirklich ums nackte Überleben zu kämpfen. Der Dunkle richtete sich wieder auf und sah auf Arunn hinab. „Geh und sammele Holz ein, damit wir ein Feuer machen können. Wir bleiben hier, ruhen uns aus und sehen zu, dass wir ihn stabilisiert bekommen. Wenn wir es schaffen, können wir über den Fluss weiter nach Süden. Dort gibt es in jedem Fall Hilfe!“, er suchte mit seinem Blick die Leinen unterhalb der Decke ab, an denen die getrockneten Kräuter hingen. Auch er war kein Heilkundiger, doch vielleicht reichten ihre gemeinsamen Kenntnisse aus, um den Mann halbwegs am Leben zu halten. „Hol Wasser und mach den Kamin sauber. Und dann mach Feuer.“, befahl er und sah sie dabei nicht mal an. „Ich werde jagen, damit wir hier nicht verhungern!“, knurrte er und verließ ohne weitere Worte die Hütte. Nun stand Neri da. Allein in einer Hütte, die nicht heimelig wirkte oder so, als wolle man hier die Zeit verbringen. Und schon gar nicht mit Calhoun, der sie benutzt hatte und nun behandelte als wäre nichts gewesen. Zudem Arunn, der kaum noch Leben in sich zu tragen schien. Doch hatte der Dunkle vermutlich Recht damit, dass sie Arunn stabilisieren mussten. Wenn es eine Chance gab, musste man sie doch ergreifen, oder? Oder verlor Neri ihren Mut und würde weiter resignieren, bis die Hoffnungslosigkeit sich gänzlich ihrer bemächtigte?
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Dienstag 7. März 2023, 21:21

Fassungslos stand Neriélle in der leeren Hütte und wollte nicht glauben, was sie sah - oder eher, wen sie nicht sah. Die Hütte war offensichtlich seit langer Zeit unbewohnt. Ärger über sich selbst kroch in der Elfe hoch. Und Ärger über Calhoun. Sie war sich so sicher gewesen, dass er selbst zu dieser Hexe wollte und dass sie deshalb tatsächlich hier lebte. Neri bekam Zweifel, ob sie richtig entschieden hatte, hierher zu kommen. In dem Kampfgetümmel zwischen Soldaten, die alle Lebenden finden und umbringen sollten, war ihr der Wald als die sicherste Variante erschienen. Lieber war sie durch den fremden Wald marschiert als durch das zerstörte Schlachtfeld. Der Wald hatte ihr schon immer Sicherheit gegeben und vielleicht hatte das unbewusst ihre Entscheidung zu stark beeinflusst. Nun überlegte sie, ob sie es mit Calhoun in seiner Position vielleicht doch geschafft hätten, unbehelligt das Lager zu passieren? Und dann? Hätte man sie an der Seite des Dunkelelfen nach Zyranus gelassen? Selbst Arunn hatte ihre Vermutung geteilt, dass die Bewohner ihnen nicht das Tor geöffnet hätten. Und er besaß eine bessere Menschenkenntnis als die weltfremde Elfe. Oder hätten sie doch zu dem Gasthaus gehen sollen, von dem Neri eigentlich nicht wusste, wo genau es war, und zu dem sie ebenso durch das Lager hätten laufen müssen? Sarin war auch in Begleitung eines Dunkelelfen, vielleicht hätte man sie dort nicht abgewiesen. Aber ob jemand dort gewesen wäre, der hätte helfen können, wenn sie überhaupt den Weg gefunden hätten? Vielleicht war es auch einfach Neris Herkunft geschuldet, dass sie einer Heilkundigen im Wald mehr zutraute als den fremden Menschen, die sich im Krieg befanden, und die Vorstellung einer Kräuterkundigen hatte die naturverliebte Elfe unbewusst überzeugt, weil sie diese Art des Lebens so viel besser kannte.
Doch sie hatte die falsche Entscheidung getroffen, das wurde ihr nun deutlich vor Augen geführt. Es war nicht die erste dumme Entscheidung, die sie getroffen hatte - und auch nicht die einzige der letzten Tage. Aber diese schmerzte bisher am meisten, denn Arunn war wegen ihr näher am Tod als am Leben. Wegen ihr und wegen Calhoun, den sie mitverantwortlich dafür machte. Wenn sie nicht in Selbstmitleid und Selbstzweifel untergehen wollte, musste sie diese Erkenntnis nun an jemanden auslassen, den sie dafür ebenso verantwortlich machen konnte. Sie blickte zu dem Dunkelelfen am Tisch, der sie in diese ausweglose Situation gebracht hatte und rief ihre Gedanken aus, dass es ein Fehler gewesen war, ihm zu trauen. Sie wusste, dass sie ohne seine Hilfe von den Soldaten getötet worden wären und sie Arunn ohne ihn nicht in Sicherheit hätte bringen können. Doch davor verschloss sie sich gerade und überlegte, dass es besser gewesen wäre, Calhoun auf dem Schlachtfeld stehen zu lassen.
Sie sah, wie sich der Unheil bringende Dunkelelf vom Tisch abstieß und kraftvoll auf sie zukam. Seine gefährliche Ausstrahlung raubte ihr kurz den Atem und für einen Moment hatte sie Sorge, dass er ihr etwas antun würde. Ihr ganzer Körper spannte sich mit einem Mal an. So nahe sie sich auch gewesen waren, konnte sie ihn und seine Absichten noch immer nicht einschätzen. Er war und blieb ein Dunkelelf, der Feind aus dem Bilderbuch, den sie verabscheuen sollte. Und doch sah er so wütend aus, wie sie sich fühlte und sie glaubte, dass es auch für ihn ein Ausdruck der Hilflosigkeit war.
„Ist das eine Hütte? Ist das augenscheinlich die Hütte einer Kräuterfrau?! Ich denke ich habe nichts anderes versprochen als die Hütte einer Kräuterhexe! Dass sie nicht mehr hier ist, ist nicht mein Vergehen!“
Ihr Körper bebte vor Anspannung und immer noch vor Wut, während sie Calhoun gegenüberstand und seinen funkelnden Blick erwiderte. Eine Erinnerung seiner Worte huschte kurz durch ihren Kopf und die Erkenntnis, dass er in einem Nebensatz erwähnt hatte, dass die Hexe nur unter Umständen noch hier war. Vielleicht hatte sie sich einfach daran klammern wollen, dass das auf jeden Fall noch so war? Während sie noch darüber nachdachte, beendete Calhoun den wütenden Wortwechsel und stob an ihr vorbei, wobei er sie anrempelte.
“Was nützt uns diese leere Hütte”, hauchte Neri nur und plötzlich war die Wut verraucht. Manchmal wirkten kleine Gewitter Wunder. Sie gaben Platz für Emotionen und Worte, die man sich an den Kopf werfen musste, sodass man diesen danach wieder für die wichtigen Dinge frei hatte. Neri grummelte kurz ob seines Anremplers, verbuchte diesen dann aber unter die gleiche Kategorie wie ihre wütenden Worte, und folgte ihm nun überraschend friedlich bis zur Tür. Keine Auseinandersetzung der Welt würde jetzt helfen. Sie waren nun hier und nur sie beide waren jetzt für Arunns Schicksal verantwortlich. Der Mensch befand sich in denkbar schlechten Händen. Sie hatten ihn zwar schon einmal verarztet und es hatte kurzzeitig Besserung versprochen, aber Neri sah sich nicht im Stande, Arunn gänzlich zu heilen. Mit hilflosen Worten wandte sie sich daher erneut an Calhoun, der sich hier besser auskannte als sie. Neri machte sich ernsthaft Sorgen um Arunns Leben.

Zuerst reagierte Calhoun nicht und Neri starrte einfach nur ratlos auf den Menschen, der mehr tot als lebendig aussah, was ihr Herz zunehmend belastete. Doch dann schien Calhoun einen Entschluss gefasst zu haben. Neri machte ihm Platz, damit er Arunn ins Haus tragen konnte. Ohne ein Wort tat sie, was der Dunkelelf ihr sagte. Sie schob die Bettsachen zur Seite und klopfte mit den Handflächen ein paar Mal auf die staubige Matratze, wodurch sich die Staubpartikel kurz lösten, sich dann aber einfach nur neu verteilten. Dann schüttelte sie das Kissen aus und legte es an seinen Platz zurück, damit Calhoun den Menschen schon einmal ablegen konnte. Unter Niesen und Husten schüttelte sie dann die eingestaubte Decke aus und breitete sie über Arunn aus. Einen Moment standen sie nebeneinander vor dem Bett und blickten auf ihr Sorgenkind hinab.
„Geh und sammele Holz ein, damit wir ein Feuer machen können. Wir bleiben hier, ruhen uns aus und sehen zu, dass wir ihn stabilisiert bekommen. Wenn wir es schaffen, können wir über den Fluss weiter nach Süden. Dort gibt es in jedem Fall Hilfe!“
Ihr Blick folgte seinen Bewegungen zu der Decke, doch dann sah sie wieder mit sorgenvollem Blick auf Arunn hinab. Calhoun ging also tatsächlich davon aus, dass sie Arunn soweit helfen konnten, dass er eine weitere Reise überstand? Weiter in den Süden? Sie wollte so gerne seinen Worten glauben, dass es dort in jedem Fall Hilfe gäbe. Aber sie hatte ihm schon so oft geglaubt und es war in einem großen Desaster geendet. Sie hatte keine Kraft mehr, um Hoffnung aus seinen Worten zu schöpfen und sie hatte auch keine Kraft mehr, um zu fragen, was dort sein sollte.
„Hol Wasser und mach den Kamin sauber. Und dann mach Feuer. Ich werde jagen, damit wir hier nicht verhungern!“
Sie regte sich auch jetzt nicht groß auf seine Worte und nahm sie einfach nur an. Im Grunde war sie froh, dass er sie anwies, denn ihre Emotionen hatten sich so überschlagen, dass sie sich in Anbetracht der Umstände mit einem Mal so hilflos fühlte und nicht wusste, was sie nun am besten tun sollten. Sie hörte, wie Calhoun in ihrem Rücken die Hütte verließ und merkte, wie sich mit einem Mal die Anspannung in ihrem Körper löste. Jetzt, wo sie alleine mit sich und ihren Gedanken war, wurde ihr erst wieder deutlich, welche Präsenz der Dunkelelf ausstrahlte. Die zurückliegenden Tage hatten ihr einiges abverlangt. Neben der körperlichen Anstrengung, die inzwischen stark an ihr zerrte, merkte sie auch, wie die Gesellschaft der Männer sie angestrengt hatte. Ständig hatte es Konflikte mit Calhoun gegeben. Zwischen Arunn und ihm, und zwischen dem Dunklen und ihr selbst. Neri war gerne für sich, aber in den letzten Tagen war sie nie allein gewesen. Hinzu kam die belastende Situation der Gefangenschaft, die fragliche Verbindung zu dem Dunkelelfen und jetzt auch noch Arunns kritischer Zustand.

Neri seufzte, straffte die Schultern und machte sich daran, die Aufgaben zu erledigen. Sie ging hinaus und sammelte einige Holzscheite von dem Vorrat ein, den sie vorhin entdeckt hatte. Als sie diese neben den Kamin ablegte, sah sie an seinem Rand einen Feuerstein, ein Schlageisen und Zunder liegen. Das würde die Sache wenigstens beschleunigen. Sie entfernte nur den groben Schmutz von dem Kamin und legte dann die dünneren Holzscheite auf die Asche des letzten Feuers und darüber den Zunder. Dann entzündete sie mit geschickten Fingern ein Feuer, das ihr mit den Utensilien glücklicherweise schneller gelang als im Wald ohne jegliche Hilfsmittel. Zunächst legte sie kleinere Scheite nach und ging dann nach draußen, wo sie sich zwei Eimer schnappte, um Wasser aus dem Fluss zu holen. Am Ufer des Flusses blieb sie stehen und ließ den Blick kurz über das Haus und die Umgebung schweifen. Eigentlich war das wirklich ein netter Ort, dachte sie sich. Sie nahm für einige Momente die Flora und Fauna um sich herum auf und genoss die Stille, die sich neben den normalen Geräuschen des Waldes über die kleine Lichtung gelegt hatte. Dann zog sie ihre Stiefel aus, krempelte die Hosenbeine hoch, stieg in den Fluss und genoss für einige Augenblicke das kühle Nass an ihren beanspruchten Füßen, während sie sich gleichzeitig den Dreck von den Händen wusch. Auch wenn das Wasser eisig kalt war, fühlte es sich gut für die Elfe an, der Natur so nah zu sein. Mit einem Seufzen füllte sie die Eimer, schlüpfte wieder in ihre Schuhe und kehrte zurück ins Haus. Als sie daran vorbeilief, sah sie nun an der ihr zugewandten Seite ein kleines Kräuterbeet und war überrascht, dass hier dasselbe heilende Kraut wuchs, mit dem sie Arunn versorgt hatte. Doch zuerst brachte sie die Wassereimer ins Haus, in dem es schon deutlich wärmer geworden war. Dann kehrte sie noch einmal zu dem Beet zurück und schnitt mit ihrem Messer einige Hände voll von dem Kraut mit den gelb bräunlichen Blüten ab, um einen kleinen Vorrat anzulegen. Zurück im Haus legte sie das Kraut auf den Tisch und schob nebenbei die gröbsten Scherben der Vase mit dem Stiefel in eine Ecke.
Danach wandte sie sich den Küchenschränken zu und durchsuchte diese auf der Suche nach großen Töpfen und Schüsseln. Als ihr Blick in einem Schrank auf eine schmale, hohe Flasche fiel, erhellte sich ihr Blick für einen Moment. War das etwa Alkohol? Sie öffnete die Flasche und roch daran, ehe sie zufrieden nickte und direkt einen beherzten Schluck trank, den ihr Gemüt gerade gut gebrauchen konnte. Sie klemmte sich die offene Flasche unter den Arm, griff mit den freien Händen nach den gestapelten Töpfen und Schüsseln und ging mit ihnen zum Feuer. Auf dem Weg dorthin sah sie zu Arunn hinüber und stellte die Flasche auf dem Tisch ab.
"Du wirst besser bald wieder fit, Aru", sagte sie plötzlich zu dem Menschen. "Wir haben noch eine Flasche zu köpfen, hörst du?" Schließlich hatte sie ihn nach ihrer Gefangenschaft dazu aufgefordert, mit ihr einen Branntwein am Lagerfeuer zu trinken. Neri musste sich an diese Vorstellung klammern, dass sie beide das noch nachholen würden.
Sie fütterte das Feuer mit den größeren Holzscheiten und genoss die Wärme, die ihr entgegen schlug, als sie die Schüsseln und Töpfe so nah wie möglich an die Flammen stellte. Sie füllte Wasser in die Gefäße, damit es sich erwärmte. Sie konnten dann entweder Tee damit kochen - wobei sich Neris Körper schon durch den Alkohol angenehm warm anfühlte, oder sie nutzten es, um sich zu waschen. Einen halben Eimer Wasser ließ sie zum Trinken übrig und füllte einen Teil in eine Kanne, die sie mit drei Bechern zu der Flasche mit Alkohol auf den Tisch stellte.

Als das alles erledigt war, begann sie die anderen Schränke zu durchsuchen. Ob sie wohl irgendetwas nützliches fand? Zumindest fand sie ganz hinten in einem der Schränke einige saubere Tücher aus Leinen, die sich sowohl als Verband als auch zum Abtrocknen eignen würden. Da ihr keine Tinktur in die Hände fiel, auf der groß und deutlich 'Heilpaste' stand, griff sie nach den Kräutern, die sie draußen gefunden hatte, und setzte sich neben Arunn auf das Bett. Mit ihrem Jagdmesser durchschnitt sie kurzerhand zuerst sein Hemd, das sowieso kaum noch an Ort und Stelle hielt, und danach den alten Verband links und rechts von Arunns Brustkorb. Den Blut getränkten Stoff warf sie mit seinem Hemd in eine Schüssel. Das konnte später noch als Brennstoff dienen, aber dann hatte es seinen Zweck auch erfüllt. Nachdenklich legte sie ihre Hand auf Arunns Brust und betrachtete sorgenvoll die Wunde. Sie strich die Narbe entlang, die von seiner Wange bis hierhin verlief und fragte sich, ob sie die Geschichte dahinter noch erfahren würde. Sie ließ den magischen Flammenschein oberhalb der Wunde auf seiner Haut scheinen und bereute nicht zum ersten Mal, dass sie die Lichtmagie nicht besser beherrschte. Viele Magier konnten Wunden mit ihr heilen, was jetzt durchaus praktisch wäre. Aber sie konnte ihm damit höchstens etwas Wärme schenken. Der Flammenschein verblasste und Neri begann, die Wunde diesmal gründlich mit dem sauberen und warmen Wasser zu waschen. Dann begann sie das Kraut in ihrem Mund zu zerkauen, bis es seinen bitteren Geschmack entfaltete. Es hatte schon mal geholfen und etwas anderes hatte sie nicht gefunden. Angewidert von dem Geschmack schmierte sie einiges von dem Zeug in seine Wunde. Viel half bekanntlich viel. Dann nahm sie den sauberen Stoff zur Hand und verband ihn auf die gleiche Art wie beim letzten Mal. Nicht so fest, wie Calhoun, denn für sie war es ein ganz schöner Kraftakt, den Menschen nach links und rechts zu rollen, um die Wunde mehrfach und halbwegs fest zu verbinden. Am Ende wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und seufzte. Dann schnappte sie sich kurzerhand Calhouns Gepäck, um daraus ein frisches Hemd für Arunn zu ziehen. Vielleicht gab es ja hier noch das ein oder andere zu entdecken und so ließ sie durchaus neugierig den Blick über seinen Besitz schweifen. Sie streifte das Hemd des Dunkelelfen über Arunns Kopf und schaffte es irgendwie, seine Arme durch die Ärmel zu stecken und das Hemd über seinen Oberkörper und Rücken zu ziehen. Ein ums andere Mal versuchte sie, ihm etwas von dem Wasser einzuflößen, falls er überhaupt zu einer Regung fähig war. Am Ende zog sie die Decke über ihn und stellte fest, dass er sich immerhin etwas wärmer anfühlte als bei ihrer Ankunft.

Schließlich betrachtete Neri ihr Werk recht zufrieden. Was schon einmal geholfen hatte, half bestimmt noch einmal. Ein kleiner Funken Hoffnung glomm wieder in der Elfe auf. Zuletzt schnappt sie sich ein weiteres sauberes Tuch und eine Schüssel mit inzwischen warmen Wasser. Mit einem Blick zur Tür versicherte sie sich, dass Calhoun noch nicht zurück war, ehe sie ihren Mantel und die Jacke ablegte. Sie zog ihre Bluse aus, tränkte das Tuch mit Wasser und wusch gründlich ihr Gesicht und ihren Oberkörper. Sie war überrascht, wie viel Dreck an dem Tuch klebte und dass sogar Blutspuren zu sehen waren. Sie musste furchtbar ausgesehen haben. Sie entschied sich dann, ihre andere Bluse anzuziehen, die ähnlich hell wie ihre bisherige war, weshalb die Flecken der Waldbeeren deutlich sichtbar waren. Das war zwar ärgerlich, aber die Bluse roch immerhin süß und vertraut nach ihrer Heimat. Sie wollte jetzt auf keinen Fall wieder ihre alte Bluse anziehen, die nach Dreck und Schweiß der letzten Tage stank. Und auf blöde Kommentare bezüglich der fragwürdigen violetten Muster, würde ihr sicher eine schlagfertige Erwiderung einfallen. Im Haus war es inzwischen mollig warm geworden und sie entschied sich, das dreckige Wasser erst einmal stehen zu lassen und nicht noch einmal in die Kälte hinauszugehen, um es auszukippen. Stattdessen legte sie einfach ihre alte Bluse in das Wasser, damit sie durchweichen konnte. Sie genoss die Ruhe und Wärme im Haus und wollte sich davon wenigstens noch einige Minuten gönnen, bevor Calhoun wieder hier wäre, mit dem sie es offenbar noch etwas länger aushalten musste. Sie stellte zwei Stühle an das Feuer heran. Auf den einen setzte sie sich, denn von hier aus hatte sie sowohl die Tür als auch Arunn im Blick. Und auf den anderen, der direkt vor dem Feuer stand, legte sie ihre nackten Füße und wärmte sie in dem warmen Flammenschein.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Freitag 10. März 2023, 09:41

Wenn Neri der Hoffnungslosigkeit geglaubt hatte, dass sie vor Asmodeus nicht würde wegrennen und ihr Leben gleichzeitig behalten können, dann musste sie jetzt kläglich erkennen, was wahre Mutlosigkeit war. Die Hoffnung keimte stark, während sie endlich den befriedeten Wald und nach ihrem Gewaltmarsch die Hütte erreichten. Dass sich hier aber niemand befand, verleitete Neri dazu, ihrer Wut Luft zu machen. Und wer wäre besser dafür geeignet als Calhoun? Immerhin hatte sie ihm mehrfach schon vertraut und nichts hatte ihr wirklich etwas gebracht! Ihr Bogen war kaputt, auch wenn er nie versprochen hatte, darauf aufzupassen, ihre kurze aber immens heiße Schwäche, die ihr unangenehm vor die Füße gefallen war und natürlich die Chance, Arunn zu retten. Das alles war zu viel für die Elfe. Sie brauchte ein Ventil, um den Frust, die Angst und die Müdigkeit hinauszulassen. Leider konterte der Dunkle jedoch auf eine Weise, die ihr den Wind aus den Segeln nahm und ihr Temperament im Keim erstickte. Er konnte nun wirklich nichts dafür, dass es hier niemanden mehr gab. Seine Heimat war wohl mehr Morgeria, denn der Arus und wenn man es recht bedachte, dann wäre er wohl nicht alle paar Tage hier unterwegs, um nachzusehen, ob sein Wissen noch Bestand hatte. So aber brauchte Neri einen Plan. Wie sollte es weitergehen und weil sie müde und ausgelaugt war, wandte sie sich abermals an den Dunklen. Erneut musste sie sich auf ihn verlassen, ohne zu wissen, ob seine Idee auch reife Früchte tragen würde. Calhoun wies die Shyáner Elfe an, sich um die Hütte zu kümmern, während er auf Jagd gehen würde.
Sie mussten jetzt das Beste aus ihrer Situation machen und dafür sorgen, dass weder sie noch Arunn verhungerten, auskühlten oder an etwaigen Wunden vergingen. Es war fast wahnwitzig erneut Zeit zu vertrödeln, wo sie doch inständig gehofft hatten, nach zwei Tagen bereits sehr viel weiter zu sein. Neriélle aber hatte keine Kraft mehr zu rebellieren. Auch sie spürte die Müdigkeit, das Schmerzen der Füße, die Verspannung in ihrem Nacken und das lag gewiss nicht nur an dem strammen Marsch. Angst und Stress konnten ebenso dafür sorgen, dass sich die Muskeln verhärteten und später schmerzten.

Calhoun verließ die Hütte nach seinen Anweisungen und erst dann merkte Neri, wie sehr seine Präsenz sich auf sie auswirkte. Er war ein geborener Anführer, das spürte man. Aber er war auch eine Versuchung, die gern gekostet werden wollte und gegen die man sich wehren musste, wenn man noch ein wenig Anstand in sich trug. Jetzt mehr denn je und so schwer es vielleicht fallen mochte. Doch Neri hielt sich davon ab, jetzt zu Boden zu sinken und ihrer Anspannung Luft zu machen. Sie tat, wie ihr geheißen und kümmerte sich sowohl um das Feuer als auch um Arunn. Sie fand auf ihrer Suche tatsächlich allerlei Nützliches und sogar etwas, was ihre Laune ein wenig zu heben wusste: Alkohol. Der leicht süßliche und brennende Geschmack, belebte sie tatsächlich wieder, sodass sie voranschritt und zügig ein wenig heimelige Wärme in der Hütte aufleben ließ. Trotzdem zog es sie nach draußen, wo sie das eiskalte Wasser des Flusses zu genießen wusste. Direkt am Ufer konnte sie bequem stehen und nur hier und dort musste sie darauf achten, nicht auf den flachen Kieseln auszurutschen. Die Strömung war mäßig, sodass sie keine Gefahr laufen würde fortgerissen zu werden, selbst wenn sie bis zu den Knien watete. Das Kalte klärte auch ihre Gedanken ein wenig und sorgte dafür, dass sich Neriélle wieder etwas wohler fühlte. Manchmal halfen klare Impulse dabei, das Gemüt zu beruhigen. Für einen Moment genoss sie es, kehrte dann aber in die nun erheblich wärmere Hütte zurück. Bevor sie diese aber betrat, fiel ihr Blick auf einen kleinen, inzwischen überwucherten, Kräutergarten neben dem Haus.
Hier fand sie tatsächlich das Kraut, das ihr bereits einmal in Sachen dessarischer Wunde geholfen hatte. Allerdings fand sie auch noch anderes: Unter vergilbten Blättern, lugte etwas hervor, das ihr gewiss gegen den Hunger helfen konnte. Es gab hier kleine Kürbisse und sogar noch einige wenige kleine Tomaten, die noch nicht der Witterung oder der Tierwelt zum Opfer gefallen waren. Sobald Calhoun mit dem Jagdstück kommen würde, gäbe das sicher eine tolle Beilage! Mit ihrer Ausbeute zurück im Haus, widmete sie sich aber wieder Arunn. Jener lag wie hingelegt in dem Bett und seine aschfahle Hautfarbe zeugte von seinem kritischen Zustand. Seit Stunden hatte er die Augen nicht mehr aufgemacht, was alarmierend sein musste. Selbst wenn man sich nicht auskannte, so war es eben ein Umstand, der nicht normal sein konnte. Während Neri sich der Wunde wieder annahm und dasselbe Kraut verwendete, wie zuvor, konnte sie erkennen, dass die Wundränder inzwischen reichlich schwarz wirkten. Von dem Loch in seiner Brust führten hässliche, rote und schwarze-lilafarbene Striemen über seine weitere Haut. Neri erinnerte sich, dass das bei ihrem ersten Versuch, ihn zu verbinden noch nicht so gewesen war. Bei einem erneuten Blick fiel auf, dass die Wunde tatsächlich eitrig wirkte. Nicht nur der Blutverlust machte ihm zu schaffen, sondern auch die Infektion, die sich offenbar ausbreitete. Trotz allem aber hatte Neri nur begrenzte Mittel und somit säuberte sie die Wunde einmal anständig, trug den Eiter zwangsläufig mit ab und legte dann das zerkaute Kraut hinein, bevor sie ihn frisch verband. Sie würde zukünftig darauf achten müssen, den Dessarier zu säubern, damit er nicht noch an der Infektion verging. Fieber hatte er bisher nicht, wie sie mit einem Blick und einem Nachfühlen merken konnte. Ihr Blick fiel dabei auf seine Narbe, die sich von seinem Gesicht bis hinunter über seine linke Brust zog. Diese Geschichte würde er ihr noch erzählen müssen! Auch sonst wies seine Haut überall kleinere und größere Blessuren auf.
Arunn schien ein bewegtes Leben zu haben, wenn man danach ging. Ganz anders war das bei Calhoun. Sein dunkler Körper war glatt und samtig weich gewesen. Wobei sie auch bei ihm getrost davon ausgehen konnte, dass er nicht der häusliche Typ wäre. Vielleicht passte er nur besser auf sich auf.

Bevor sie Arunn jedoch seiner Ruhe überließ, suchte sie in den Habseligkeiten des Dunklen nach einem frischen Hemd. Tatsächlich wurde sie fündig, doch dabei verteilte sie noch ein paar Dinge auf dem Tisch. Calhoun hatte nicht viel dabei, doch es fiel ein kleines Messer heraus, das klappernd auf der Tischplatte landete. Daneben ein kleines in Leder gebundenes Buch, dessen Pergamentseiten schon abgegriffen und vergilbt waren. Sobald Neri darin blätterte, würde sie eine Handschrift in einer Sprache erkennen, die sie aber nicht verstehen oder lesen konnte. Auf einigen Seiten waren auch Zeichnungen, die auch nicht deutbarer wurden. Unter dem Buch kamen dann zwei Ringe zum Vorschein. Das Material war robust, matt und schwarz. Sie fühlten sich kühl an und hatten tatsächlich einiges an Gewicht. Einer der Ringe war größer als der andere und sie wirkten wie füreinander erschaffen. Als letztes aber fielen drei kleine Phiolen ins Auge. Sie alle waren durchsichtig und geruchlos, allerdings wirkten sie, als wären sie nicht nur reines Wasser. Die Flüssigkeit hatte einen sämigen Film, der zähflüssig vom Innenrand der Phiole perlte. Mehr war in dem Beutel nicht enthalten, sodass sie sich das Hemd einfach schnappte und unter größter Anstrengung bemüht war, Arunn einzukleiden. Sich und Arunn Mut zusprechend, auch wenn er nicht mal das Wasser annehmen konnte, das sie ihm versuchte einzuflößen, kümmerte sich Neri dann noch um sich selbst. Sie wusch sich mit dem Flusswasser und zog sich endlich einmal um. Zwar war ihr Ersatzhemd längst nicht mehr tadellos, aber es war bei weitem nicht so schlimm, wie das vor Schweiß und Dreck starrende Ding, dessen sie sich entledigte. Es half bereits sich einmal etwas gewaschen zu haben und hob die Stimmung ein wenig. Überhaupt senkte sich Stück um Stück Ruhe über die kleine Hütte und das Prasseln des Feuers, das warme Gefühl des Alkohols in ihrem Magen und die Wärme an ihren Füßen, führten dazu, dass ihr die Augenlider schwer wurden. Gleichwohl hingen die Gedanken schwer in der Luft, denn die Sorge ließ sich nicht einfach so vertreiben und die Nachwehen ihrer Hoffnungslosigkeit hingen ebenfalls noch schwer an ihren Gedanken. Was wenn sie versagten?
Mit einem Mal flackerte das Kaminfeuer extrem und die Flamme drohte auszugehen. Nur langsam richtete sich die Flamme wieder auf und versuchte sich gegen die drohende Dunkelheit zu erwehren. Doch so recht wollte das Licht nicht mehr durch die Dunkelheit finden.
Eine seltsame Atmosphäre breitete sich plötzlich in der Hütte aus und dann sah Neri aus allen Ritzen und Löchern die Schatten kriechen. Sie waberten über den Boden, krochen aus den Wänden hervor, und auf sie zu. Es war ein beängstigender Vorgang, der sich trotzdem eigenartig vertraut anfühlte. Die Schatten wurden mehr und mehr und verschluckten nach und nach das Mobiliar, Arunn und schlussendlich das Feuer. Neri saß in vollkommener Dunkelheit. Nichts um sie herum konnte sie erkennen. Und dann hörte sie ein Wispern, ein seltsames Zischen, das sich nicht wirklich ausmachen ließ. Sie konnte nicht erkennen, woher diese Stimme kam und deutlicher wurde es auch nicht, was sie genau sagte. Ein ungutes Gefühl kroch über ihre Arme und stellte ihre Härchen auf. Dann, schlagartig war alles vorbei. Das Feuer prasselte gemütlich, Arunn schlief immer noch, die Hütte hatte sich nicht verändert. Oder doch?! Eine Bewegung im Augenwinkel erregte Aufmerksamkeit: Calhoun stand dort, den Rücken ihr zugewandt, an der Küchenzeile und wusch sich in einem der Eimer die Hände. Neben ihm lag ein blutiges Messer, während Neri noch die schlanken Beine eines Rehs erkennen konnte. Offenbar war die Jagd erfolgreich gewesen. Der Dunkle wandte sich um zu ihr: „Aufgewacht?“, fragte er und offenbarte Neri dann, dass sie eingenickt sein musste. Jetzt bemerkte sie auch, dass ihr Körper ganz steif war von ihrer sitzenden Position und sie offenbar nicht mitbekommen hatte, dass er zurückgekehrt war. War ihre seltsame Erfahrung nur ein Traum gewesen? Calhoun schien nicht so zu wirken, als wüsste er etwas über ihr Erlebnis. Allerdings… diese Stimme hatte sich unschön in ihr Bewusstsein gefressen, das der Gedanke ihr schon wieder ein seltsames Gefühl bescheren könnte.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Freitag 10. März 2023, 20:21

Nach der frischen Winterluft und dem kalten Fußbad tat es gut, wieder in die behaglich warme Hütte zurückzukehren. Unter anderen Umständen wäre dieser Ort hier wirklich idyllisch und ein gutes Versteck, um sich ungestört von anderen abzusetzen und mit der Natur allein zu sein. Sie würde sich den Ort merken und vielleicht irgendwann einmal hierher zurückkehren. Jetzt war aber an wohltuende Einsamkeit nicht zu denken. Neri stopfte sich eine Tomate in den Mund, die sie mit einigen anderen von den Sträuchern gepflückt hatte, und legte die restlichen mitsamt den kleinen Kürbissen auf die Küchenzeile. Die würde sie später noch klein schneiden und im Wasser am Feuer kochen. Als nächstes wandte sie sich aber erst einmal Arunn zu. Als sie die Wunde säuberte, war deutlich erkennbar, wie schlecht sie versorgt worden war. Sie war erschrocken darüber, wie die Wunde aussah. Die Ränder hatten sich schwarz gefärbt und aus der Mitte zogen sich rote und schwarz-lilafarbene Striemen über seine Brust. Eine Heilerin war nicht an ihr verloren gegangen, aber Neri gab ihr Bestes, um die Wunde von Eiter und Dreck zu befreien, auch wenn es sie einiges an Überwindung kostete. Doch auch das spielte gerade eine untergeordnete Rolle. Sie kannte Arunn kaum, aber sie versuchte alles dafür zu geben, um ihn am Leben zu erhalten. Dass er kein Wasser zu sich nahm und nicht einmal einen Laut von sich gab, sondern nur regungslos da lag, beunruhigte sie zusätzlich. Dafür wollte sie ihn wenigstens warm anziehen, nachdem sie seine Wunde neu verbunden hatte, und durchstöberte kurzerhand Calhouns Besitz nach einem passenden Hemd. Sie wusste nicht viel über den Dunkelelfen und sein Gepäck zu durchwühlen war auch eher einer spontanen Neugier geschuldet, die von wenig Anstand zeugte. Doch wenn der Elf schon nichts verriet, tat es vielleicht sein Besitz. Als erstes besah sie sich kurz das Messer, das sie aber zur Seite legte, als sie das Buch entdeckte. Natürlich nutzte sie die Zeit und blätterte kurz darin, bis sie erkannte, dass sie die Sprache nicht lesen konnte und auch die Bilder keinen Aufschluss über den Inhalt des Buches gaben. Ob das wohl ein Tagebuch war? Neri konnte sich das nicht vorstellen und musste bei dem Gedanken grinsen. Doch dieses Grinsen erstarb im nächsten Moment, als sie weiter kramte und ihr die beiden Ringe in die Finger fielen, die sie mit unerwarteter Härte daran erinnerten, dass er verheiratet war.
“Dieser Mistkerl”, flüsterte sie. Neri spürte die zuvor unterdrückte Wut erneut in sich aufflackern und drehte die Ringe zwischen Daumen und Zeigefinger, ehe sie sie auf ihre Handfläche legte, wo sie kühl liegen blieben. Der kleine Ring passte perfekt in den großen hinein. Zwei unmissverständliche Zeichen einer Heirat und der so viel gelobten wahren Liebe. Wobei sie ihre Zweifel hatte, dass ein Dunkelelf aus diesem Grund heiratete. Die Frage blieb nur, wieso Calhoun beide Ringe mit sich führte? Vielleicht hatte seine Frau von seinen Seitensprüngen erfahren und ihm den Ring an den Kopf geworfen? Neri musste erneut kurz schmunzeln, weil ihr die Vorstellung gefiel, dass sich Arunns Schwester Calhouns Spielchen nicht gefallen ließ. Aber hieß das auch, dass er nicht mehr verheiratet war oder die Hochzeit nicht mehr von Bedeutung war? Neri wusste nicht so recht, was sie davon wieder halten sollte. Die schwarzen Ringe warfen eine Menge neuer Fragen auf, doch Neri ahnte, dass sie keine Antworten auf diese bekommen würde. Sie schaute auf die Flasche mit dem Alkohol und überlegte, ob der Calhoun redseliger machen würde. Andererseits war es vielleicht besser, das Thema einfach ruhen zu lassen. Aber ob sie das schaffte? Sie hatte ihren Stolz zwar vorerst runtergeschluckt, aber in ihren Augen war zu vieles ungesagt geblieben. Zuletzt entdeckte sie die Phiolen und nahm eine davon vorsichtig in die Hand. Sie hielt sie vor das Licht, das durch das Fenster drang und kippte sie vorsichtig von links nach rechts, um deren Inhalt zu betrachten. Was das wohl war? Es sah nicht wie reines Wasser aus, aber nichts verriet, um was es sich bei der Flüssigkeit handelte. Als die Tasche leer war, legte die Elfe alles in der umgekehrten Reihenfolge wieder zurück, in der sie sie hinaus gezogen hatte. Dann nahm sie sich das Hemd, wonach sie die Tasche ursprünglich durchsucht hatte, und zog unter großer Anstrengung den muskelbepackten Menschen an.

Danach gönnte sie sich eine wohlverdiente Pause. Sie wusste gar nicht mehr, wieviel Zeit verstrichen war, seit sie Shyána verlassen hatte. Es musste mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Wochen her sein. Mit jedem Tag hatte sich die körperliche Anstrengung gesteigert und das merkte Neri nun deutlich. Seit ihrer Ankunft im Heerlager war ihr kaum eine Pause vergönnt gewesen. Die einzige unbehelligte Zeit, die sie in dem Käfig in der Eiseskälte verbracht hatte, war dabei nicht weniger anstrengend gewesen als die letzten Tage, die sie auf den Beinen gewesen war, nachdem sie vor einem Dämon davon und um ihr Leben gerannt war. Sie fühlte sich ausgelaugt und so setzte sie sich auf den Stuhl vor das Feuer und ließ ihre Gedanken kreisen. Sie dachte über Arunn nach und klammerte sich an die neu geweckte Hoffnung, dass sie rechtzeitig Hilfe für ihn finden würden. Etwas anderes blieb ihr ja nicht übrig.. Sie würde ihn nicht im Stich lassen, so viel stand fest. Auch Calhoun fand einen Platz in ihren Überlegungen, auch wenn sie immer wieder versuchte, nicht an den Dunkelelfen zu denken. Dennoch konnte sie nicht anders und ihre Gedanken kreisten um die wenigen Details, die sie über ihn wusste - und nicht zuletzt über die Ringe, die sie gefunden hatte und was es zu bedeuten hatte, dass er beide bei sich trug. Plötzlich flackerte das Kaminfeuer so stark auf, dass Neri in ihren Gedanken unterbrochen wurde. Sie sah zur Tür, weil sie erwartete, dass Calhoun zurück war und die kalte Luft von draußen das Feuer zum Flackern brachte, obwohl ihr der Lufthauch dafür zu stark vorkam. Doch die Tür war noch immer verschlossen. Die Elfe runzelte die Stirn und ließ den Blick schweifen bis sie aus dem Augenwinkel wahrnahm, dass sich etwas auf dem Boden auf sie zubewegte. Das Gold ihrer Augen fokussierten die Schatten, die aus allen Ritzen und Löchern der Hütte krochen und sogar aus den Wänden. "Was zum...?" Ihre Augen weiteten sich und sie suchte noch einmal aufmerksamer den Raum mit ihren Augen ab. “Calhoun?”, fragte sie leise und hörbar verunsichert in die sich stetig ausbreitende Dunkelheit. War er zurück? Erlaubte er sich einen Scherz? Neri richtete sich etwas in ihrem Stuhl auf und hielt nach dem Dunkelelfen Ausschau. Sie erwartete schon, dass er sich mit einem selbstgefälligen Spruch aus den Schatten schälte, doch sie wartete vergebens. Als nach und nach erst das Mobiliar, dann Arunn und schließlich auch das Feuer von den Schatten verschluckt wurde, stieg Furcht in ihr auf. Das erste und letzte Mal, als sie sich in der völligen Dunkelheit befunden hatte, war Calhoun bei ihr gewesen, und sie merkte jetzt, wie abhängig sie in dieser Situation von ihm gewesen war. Würde sie nicht sitzen, würde sie wohl vollkommen die Orientierung verlieren. Doch so klammerte sie sich mit den Händen links und rechts an der Sitzfläche fest und verfolgte mit großen Augen und klopfenden Herzen die wabernden Schatten.
Als sie ein Zischen hörte, riss sie den Kopf herum. Was war das? Es klang nicht nach Calhoun und es fühlte sich auch nicht an, als wäre er hier. Seine Präsenz fehlte, zumindest bildete sie sich das ein. Neri sah sich in der Dunkelheit um und doch erkannte sie nichts und hörte nur das Wispern, dessen Ursprung sie nicht ausmachen konnte. Sie fühlte sich mit einem Mal ausgeliefert und wehrlos. Ihr Körper spannte sich an und sie wollte mit dem Flammenschein die Dunkelheit durchbrechen und für etwas Licht sorgen.
Doch bevor sie dazu kam, war ein Wimpernschlag später die Dunkelheit plötzlich verschwunden. Das Feuer brannte und knisterte im Kamin, als wäre nichts gewesen, und Arunn lag noch immer in ihrem Blickfeld auf dem Bett und schlief. Dann sah sie zu ihrer Überraschung Calhoun in der Küche stehen, er wirkte, als wäre er schon eine Weile mit seiner Beute beschäftigt. Wo kam er plötzlich her oder.. wie lange war er schon wieder da? Waren die Schatten nicht von Calhoun beschworen worden? Tatsächlich wirkte er recht unbeteiligt, wie er dort stand. Aber was war es dann gewesen? Ein Traum? Calhouns Frage konnte sie entnehmen, dass sie tatsächlich eingeschlafen war. Aber es hatte sich nicht wie ein Traum angefühlt, aus dem sie gerade erwacht war. Ein kalter Schauer jagte über ihren Rücken. Neri erhob sich, drückte kurz ihren Rücken durch und kreiste Schultern und Nacken, um die Muskeln zu entspannen. Sie schaute sich den Boden und die Wände ganz genau an, doch die Schatten waren spurlos verschwunden.
“Warst du das? Hast du gerade deine Magie gewirkt?”, fragte sie dann Calhoun mit ernstem Blick, während sie auf immer noch nackten Füßen zu dem Elfen hinüber ging. Sie betrachtete ihn ganz genau und achtete auf verräterische Bewegungen oder Zuckungen in seiner Mimik, falls er sich ihr zuwandte, die darauf hindeuteten, dass er sich wirklich einen blöden Scherz erlaubt hatte und den er womöglich versuchte, zu überspielen. Und wenn er es doch nicht gewesen war, würde er sie für verrückt erklären? Doch wichtiger war für Neriélle im Augenblick, jede Möglichkeit in Betracht zu ziehen, die in Frage kam. Und am naheliegendsten war nun einmal der Schattenmagier vor ihr. Im besten Fall war es jedoch wirklich nur ein Traum gewesen, wobei sich dieser täuschend echt angefühlt hatte. Das Zischen und das wehrlose Gefühl hingen ihr zumindest noch deutlicher nach, als es sich nach einem Alptraum anfühlen mochte, und hinterließen jetzt noch ein seltsames Gefühl. Neri trat neben Calhoun und sah, dass er ein Tier gejagt und auch schon zerlegt hatte. Sie musste wirklich weggenickt sein, obwohl sie sich kaum erholt fühlte.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Dienstag 14. März 2023, 10:46

Auch wenn man eine Elfe mit guter Konstitution war, die es liebte im Wald zu laufen und sich das Rauschen der Blätter anzuhören, so war es doch etwas ganz anderes ständig und ohne Unterlass gefordert zu werden. Neriélle hatte nicht nur ihre Reise aus dem Kapayu bestritten, sie war in Gefangenschaft geraten, hatte Hunger leiden müssen und sich dann auch noch gegen einen Dämon wehren müssen, der sie hätte in Fetzen reißen können. Neri hatte ihrem Körper so einiges abverlangen müssen und zu allem Überfluss kam dann auch noch das Stelldichein mit Calhoun dazu, das ihren Körper auf eine ganz andere Art und Weise gereizt hatte. Und die Sorge, die der Zustand des Dessariers in ihr auslöste. Arunn ging es schlechter und ihn so ruhig zu erleben, war trotz der kurzen Zeit, in der sie sich kannten, ein unschönes Gefühl. So war es kein Wunder, dass Neriélle sich endlich ausruhen wollte. Dass die sitzende Position und die Wärme des Feuers dazu führten, dass sich Stille nicht nur über ihre Ohren senkte, sondern auch über ihr Gemüt. Die Gedanken schwirrten umher doch je länger sie dem Knacken der Holzscheite zuhörte, desto loser wurden die Fäden. Doch was dann folgte, konnte man wahrlich nicht mit einem erholsamen Schlaf vergleichen. Neri wurde Zeugin einer unheimlichen Begebenheit, die alles in diesem Haus in Dunkelheit tauchte. Da krochen die Schatten, ähnlich wie die, die Calhoun erschaffen hatte, über den Holzboden und verschlangen das Licht. Und als wäre das nicht beängstigend genug, hörte sie mit einem Mal aus der Dunkelheit ein Zischen. Sie verstand die Worte nicht, dafür war es zu undeutlich aber ihre Sinne hatten sie nicht getäuscht! Es war da! Oder nicht?! Zweifel wollten sich ebenso ihrer bemächtigen, wie der Wunsch diesem Unsinn Einhalt zu gebieten. War das Calhoun? Erlaubt er sich bereits jetzt wieder einen Scherz mit ihr? Neri tat das einzige, was sie tun konnte: Ihr ‚Flammenschein‘ flackerte in ihrer Handfläche auf und schaffte es tatsächlich, dass die Schatten kreischend ein wenig zurückwichen. Es war nicht viel und doch konnte sie um ihre Hand und überall dorthin, wohin sie sie bewegte, wieder die Hütte erkennen in einem kleinen Radius des magischen Lichts. Die Schatten wichen davor zurück, doch aufhalten konnte sie sie damit nicht. Dann war alles vorbei. Neri hatte weder ein magisches Licht in ihrer Hand, noch gab es hier irgendwelche ungewöhnlichen Schatten. Alles war genau so, wie sie es hergerichtet hatte. Mit Ausnahme einer Sache: Der Dunkelelf stand mit dem Rücken zu ihr und präparierte das gejagte Wild, um es für eine Mahlzeit herzurichten. Neri streckte sich und versuchte das klamme Gefühl loszuwerden, das sie ergriffen hatte. Als sie an die Seite des Elfen trat, sah er kurz zu ihr. “Warst du das? Hast du gerade deine Magie gewirkt?”, fragte sie und er hielt in seinem Tun inne.

Sein Blick glitt zu ihrem Sitzplatz am Fenster, eher er sie wieder mit seinem roten Blick streifte. Sein Gesicht sah fragend aus. „Ich habe sie nicht benutzt.“, antwortet er und seine Augen verengten sich ein wenig, während er seinen Blick über ihr Gesicht schweifen ließ. „Was ist denn los?“, wollte er wissen und wandte sich daraufhin dem Tier wieder zu. Er hatte eine Schüssel bereitgestellt und darin lagen zerkleinerte Happen des toten Tieres. Sie konnten nun mühelos weiterverarbeitet werden. Ob nun in einer Suppe gekocht oder gegrillt über dem Feuer. Er reichte die Schüssel Neri, damit sie sie verwendete oder auf den Tisch stellte. „Du siehst aus als hättest du den Menschen nackt gesehen“, frotzelte er, auch wenn sein Argwohn ihres verwirrten Ausdrucks bezüglich durchaus ehrlich war. Der Dunkle wandte sich ihr nun gänzlich zu und wischte sich dabei die Finger in einem Tuch ab. „Warum willst du wissen, ob ich meine Magie benutzt habe? Ich bin vor einer Weile wiedergekommen, doch du hast geschlafen.“, offenbarte er seine Sicht der Dinge und zuckte die Schultern. „Und Schatten habe ich auch keine gesehen.“, fügte er noch an und kümmerte sich erneut um das Wild. Calhoun hievte den Kadaver hoch und schleppte ihn zur Tür. Draußen war es bedeutend kühler und er hatte bereits dafür gesorgt, dass sie das halbzerlegte Reh nicht gleich wieder verlieren würden. Er hängte es in erhöhter Position auf, damit keine Aasfresser daran nagen konnten und sie später noch mal würden etwas davon nehmen können. Danach kehrte er zurück in die Hütte und zog sich ungeniert im Gehen das mit Blut besudelte Hemd aus. Ihn störte Neri’s Anwesenheit offenbar nicht. Dann ging er zu seiner Habe und öffnete den Sack. Sein Blick aber suchte vergeblich sein sauberes Hemd, sodass er Neri einmal argwöhnisch streifte und dann zu Arunn blickte.
Er schnaubte nichtssagend und warf den Sack wieder zu Boden. Dann aber verließ er die Hütte und schritt, wie Neri zuvor, zum Fluss. Auch er entledigte sich seiner Kleidung. Doch anders als es die Elfe getan hat, zog er sich komplett aus! Neri hatte einen guten Blick auf den Fluss vom Fenster aus, wenn sie ihm nicht sogar folgte. Doch Calhoun watete in den Fluss und immer tiefer, bis er tatsächlich einmal untertauchte und sich komplett der eisigen Kälte aussetzte. Nach einigen Momenten tauchte das weiße Haar wieder auf und er strich es sich zurück. Er wusch sich überall und auch seine Hände und Unterarme, dann entstieg er dem Wasser und erschuf damit für alle Zuschauer erheblichen Spielraum für fantasievolle Tagträume. Der Körper war von Göttern persönlich erschaffen. Anders konnte es kaum sein! Er wrang die Haare aus, ehe er wieder in seine Hose schlüpfte und Oberkörperfrei zurück ins Haus trat. Auch er hatte seine Stiefel ausgezogen und trug ein wenig Feuchtigkeit herein. Dann setzte er sich an den Tisch und beobachtete Neri, bei was immer sie auch tat, gerade. Bevor er nach der Flasche Alkohol griff und diese musterte. Er entkorkte sie, goss etwas in eines der Gläser und schob es Neri hin. „Du wirkst, als hättest du es nötig.“, meinte er. Er selbst nahm nichts davon. Und während vielleicht schon etwas Essbares im Werden war, hatte Neri tatsächlich Zeit sich zu überlegen, ob sie den Elfen auf gewisse Dinge ansprechen sollte… Wer wusste schon, ob er ihr etwas erzählen würde.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Dienstag 14. März 2023, 20:42

In der plötzlich aufziehenden Dunkelheit war der Flammenschein das Einzige, das ihr im Entferntesten so etwas wie Sicherheit gab. Denn ansonsten gab es in der Schwärze nichts, das ihr Halt gab. Das war in Calhouns Schatten, die er beschworen hatte, anders gewesen. In Calhouns Nähe war sie nicht einmal auf die Idee gekommen, ihre Lichtmagie in den Schatten einzusetzen. Doch die Dunkelheit jetzt, die aus den Wänden und Rissen auf sie zu kroch, war anders. Neri wollte sich an den Gedanken klammern, dass Calhoun der Auslöser der Schatten war, denn das wäre nicht so dermaßen beängstigend, weil es ihr bekannt war. Trotzdem aber spürte sie, dass diese Dunkelheit hier anders war. Die Schatten zuckten zischend vor ihrer Magie zurück, als wären sie Lebewesen, die das Licht scheuten. Eine Gänsehaut breitete sich über den Körper der Elfe aus und die winzigen Härchen stellten sich auf. Doch dann war plötzlich alles vorbei. Sie wirkte keine Magie mehr und sie saß auch nicht mehr aufrecht auf dem Stuhl. Einzig das bedrohliche Gefühl blieb, als sie erwachte - oder wieder die Welt um sich herum wahrnahm. Was sollte sonst der Ursprung der Schatten sein, wenn nicht der Dunkelelf? Neri hielt den Blick fragend auf sein Gesicht gerichtet, als sie ihn danach fragte. Wenn es verräterisch in seinen Augen blitzte oder die kleinen Muskeln im Gesicht zuckten, wollte sie es sehen. Doch als sich Calhoun zu ihr herum drehte, wirkte er ahnungslos, soweit sie das beurteilen konnte. Er versicherte ihr, dass er keine Magie benutzt hatte. Auch Neris Augen verengten sich kurz, während sie ihn prüfend ansah, fast als wartete sie darauf, dass er sich verriet. Doch da war kein Schmunzeln und auch sonst keine Regung, der Elf wirkte überraschend unbekümmert. Doch nicht nur das ließ sie kurz stutzen. Sie hatte zuerst die Befürchtung gehabt, dass er sich über sie lustig machen oder sie mit einem anzüglichen Spruch konfrontieren würde, der auf ihr Erlebnis in den Schatten anspielen sollte. Doch stattdessen fragte er ernsthaft, was los sei. Neri nahm ihm die Schüssel mit den Fleischstücken ab und haderte einen Moment mit sich.
„Du siehst aus als hättest du den Menschen nackt gesehen.“ Da entwich ihr plötzlich ein leichtes Schmunzeln und ein Teil ihrer Anspannung fiel von ihr ab. Der Dunkelelf besaß tatsächlich Humor, stellte sie überrascht fest. „Warum willst du wissen, ob ich meine Magie benutzt habe? Ich bin vor einer Weile wiedergekommen, doch du hast geschlafen. Und Schatten habe ich auch keine gesehen.”
“Weil dort Schatten waren.” Sie blickte kurz über die Schulter zurück zu ihrem Platz am Feuer. “Sie krochen aus dem Boden und aus den Wänden, direkt auf mich zu, und..” Sie sah zurück zu ihm hinauf und stockte. Hielt er sie vielleicht doch für verrückt? Übertrieb sie und es war nur ein Traum gewesen? Calhoun versicherte ihr, dass sie geschlafen hatte. Wenn er schon so lange hier war, um das Reh zu zerlegen und in kleine Stücke zu schneiden, und keine Schatten gesehen hatte.. war es wohl tatsächlich nur ein böser Traum gewesen? Aber es hatte sich so verdammt real angefühlt. “.. und da war ein Zischen. Die Schatten kamen näher und haben alles in der Hütte verschlungen. Es war seltsam, als würden die Schatten leben..”, fuhr sie leiser fort. Sie konnte es gar nicht recht beschreiben und es kostete sie einiges an Überwindung, Calhoun überhaupt von dem Vorkommen zu erzählen. Er hatte deutlich gemacht, dass er nichts damit zu tun hatte - und sie glaubte ihm -, was das Unbehagen in ihr noch erhöhte, als das es weniger wurde.
“Wahrscheinlich war es nur ein Traum”, murmelte sie abschließend und zuckte mit den Schultern. Das wollte sie sich zumindest einreden. Was sollte es sonst gewesen sein? Hier gab es nur sie drei.. oder nicht?

Während sich Calhoun um den Kadaver vor der Tür kümmerte, nahm Neri das Fleisch mit zum Feuer. Misstrauisch behielt sie jedoch die Ecken des Raumes im Blick. Neben dem Kamin stand ein Kessel, den man an einer Kette über das Feuer hängen konnte. Sie legte die Fleischstücke hinein und füllte etwas Wasser in den Kessel. Als Calhoun wieder in die Hütte kam, blickte sie automatisch zu ihm hinüber und sah, dass er sein Hemd auszog. Doch sie wendete nicht etwa beschämt den Blick ab. Wenn er sich zeigen wollte, sollte er das ihretwegen ruhig machen. Ihr gefiel, was sie sah, doch das wusste er schon längst, sonst hätte sie sich ihm kaum hingegeben. Denn im Grunde wusste sie sonst nicht viel über diesen Dunkelelfen. Sie kannte ihn nicht, sie konnte ihn nicht einschätzen, sie hatten noch nie ein vernünftiges Gespräch auf Augenhöhe geführt. Was blieb, waren sein Aussehen und seine Berührungen, die ihr so einiges entlockt hatten und an die sie noch immer mit einem leichten Kribbeln zurück dachte. Offenbar wollte er ein neues Hemd aus seiner Tasche holen und sie erwartete schon seinen Blick mit einem unschuldigen Gesichtsausdruck. “Ich hab’ seine Wunde gesäubert und neu verbunden. Sein Hemd sah schlimmer aus als dein zerstörtes Zelt”, erklärte sie ihm und wartete auf eine wütende Reaktion. Doch er schnaufte nur und offenbar kam er auch nicht auf die Idee, dass sie tiefer nach dem Hemd gekramt hatte, als es notwendig gewesen wäre. Stattdessen verließ er die Hütte und ließ sie allein.

Die Elfe befestigte den Kessel mit der Kette über dem Kaminfeuer, in das sie kurzerhand noch die blutigen Stoffe warf, sodass kurz einige Funken aufstoben, ehe sich das Feuer durch Arunns Hemd fraß. Als Calhouns Gestalt am Fenster vorbei lief und es sich daraufhin kurz verdunkelte, sah Neri hoch. Nachdenklich ruhte ihr Blick auf dem Dunkelelfen, der ihr einige Rätsel aufgab. Sie wollte schon den Blick abwenden, bis sie sah, dass er sich am Flussufer entkleiden wollte. Diesen Anblick ließ sie sich dann doch nicht entgehen. Sie hob allerdings überrascht die Augenbrauen, als er immer weiter in den Fluss watete und schließlich komplett im Wasser untertauchte. Es fröstelte sie schon allein bei dem Anblick. Das kalte Wasser hatte zwar gut getan nach der langen Reise, aber mehr als ein paar Minuten hatte sie die Kälte an ihren Beinen nicht ausgehalten. Nach einem Bad im Fluss wäre sie als Eisblock wieder aufgetaucht. Doch Calhoun schien die Kälte nicht besonders viel auszumachen. Und während Neri schon bei der Vorstellung Gänsehaut bekam, vermochte Calhouns Anblick, als er wieder aus dem Fluss heraus kam, ihr warme Gedanken zu machen. Unverhohlen musterte die Elfe seinen dunklen Körper im letzten Licht des Abends und seufzte. Es könnte so einfach sein.. unter anderen Umständen, in einer anderen Welt.. Dabei war es eigentlich so einfach wie sonst kaum etwas. Er war ein verheirateter Dunkelelf und damit erübrigten sich eigentlich alle Gedanken, die sie sich machte. Eigentlich..
Neri wandte den Blick von seiner Gestalt ab und ging hinüber in die Küche, um die Kürbisse mit einem Messer zu zerschneiden, das so groß wie stumpf war. Dabei beeilte sie sich und schnitt sie nur in grobe Stücke. Calhoun musste ja nicht wissen, dass sie die Hälfte der Zeit, in der er weg gewesen war, damit verbracht hatte, ihn anzustarren. Glücklicherweise waren die Kürbisse nicht groß und das Zerschneiden dauerte nicht lange. Während der Elf in die Hütte zurückkehrte, legte sie die geschnittenen Kürbisse mitsamt einigen Kräutern, die sie noch gefunden hatte, in die Schüssel, in der zuvor das Fleisch gelegen hatte, und ging mit dieser zum Feuer hinüber, vorbei an Calhoun, der ihr gerade von dem Alkohol einschenkte und der Meinung war, dass sie diesen gebrauchen konnte. Sie blieb kurz auf seiner Höhe stehen, blickte auf das einzige Glas, das er gefüllt hatte und eindeutig nur für sie bestimmt war, und dann zu Calhoun.
“Ist nicht das feine Zeug, das du gewöhnt bist, hm?”, meinte sie und schmunzelte kurz. Sie klang jedoch überraschend neutral, damit er es nicht als Angriff verstand. Neri war überrascht, dass sie sich bisher nicht weiter angegiftet hatten, sondern es gerade so ruhig zwischen ihnen war, und das wollte sie gerne beibehalten. Denn die Wortwechsel mit Calhoun waren zuweilen mühsam und kosteten auch immer eine Menge Kraft. Neri drehte sich herum und schüttete die geschnittenen Kürbisstücke in den Kessel zu dem Fleisch. Sie stellte die Schüssel auf dem Tisch ab, wischte sich die Hände an der Hose ab und zog sich einen Stuhl vom Feuer heran, um sich Calhoun gegenüber an den Tisch zu setzen. Ohne ihn anzusehen, griff sie nach dem Glas und kippte den Alkohol hinunter. Doch die scharfe Flüssigkeit floss doch etwas schwallartig ihre Kehle hinab und hinterließ dort einen brennenden Film, der sie kurz husten ließ.
Dann griff sie zur Flasche, füllte erst ihr Glas und dann ein weiteres, das sie zu ihm hinüber schob. Dann hob sie den Blick in seine Augen. “Man gewöhnt sich dran”, forderte sie ihn auf und musterte ihn einen Moment. Ihre Augen glitten zuerst über seinen nackten Oberkörper, dann wieder hinauf zu den feuchten Haaren und endeten in seinen roten Augen.

Stille breitete sich in der Hütte aus. Sollten sie jetzt reden? Es war seltsam, hier mit ihm zu sitzen. Ohne dass er seine Überlegenheit auswalzte oder ihr einen anderen Grund gab, ihn wütend anzufauchen. Wobei es so einige Gründe dafür gäbe. Doch eigentlich war es Neri leid, ständig Gedanken daran zu verschwenden, auch wenn die Wut weiterhin nur unterdrückt und noch nicht gänzlich verraucht war. Sie hatten das Gespräch im Wald nur auf später verlagert. Ob das jetzt der passende Augenblick war?
Neriélle sah kurz zu Arunn hinüber. "Seine Wunde sieht furchtbar aus. Sie ist schwarz und eitert. Und da sind lila Striemen auf seiner Haut. Ich glaube, das ist kein gutes Zeichen. Wir sollten sie morgen früh noch einmal säubern und das Kraut benutzen." Das war doch ein ganz gutes und unverfängliches Thema, um mit einem Dunkelelfen zu reden, oder? "Wohin führst du uns, was ist im Süden? Wie weit müssen wir noch laufen?", wollte sie dann wissen und nippte kurz an dem Glas, während sie das Essen in ihrem Rücken köcheln hörte und der Feuerschein sie von außen und der Alkohol von innen wärmte. Sie hoffte inständig, dass er einen konkreten Plan hatte und es nicht auf eine weitere Person hinauslief, die sie dann nicht vorfanden. Arunn lief die Zeit davon.
Sie wartete die nächste Pause ab, ehe sie die Gunst der Stunde nutzte. Er wusste ja schon einiges über sie, aber umgekehrt wusste sie kaum etwas über den Elfen vor sich.
"Wie kommt es, dass Arunn ein Gefangener in dem Lager war, in dem du.. den Angriff geführt hast?", fragte sie nach. Denn so ganz klar war ihr noch immer nicht, was seine Aufgabe gewesen war. War diese Vorgehensweise ein guter Weg..? Sie führte das Gespräch über Arunn und lenkte es langsam in Richtung Calhoun. "Und wie kommt es, dass ein Dunkelelf in die Familie von Menschen einheiratet?"
Sie versuchte, ihre Frage neutral und ohne Vorurteile zu formulieren. Trotzdem konnte er heraushören, dass der Umstand sie skeptisch machte. Im Grunde ging sie nämlich nicht davon aus, dass er aus dem sonst so naheliegenden Grund geheiratet hatte - aus Liebe. Nein, das passte nicht. Er war ein Dunkelelf. Wer außer ein Dunkelelf könnte denn einen Elf dieser Art lieben? Und dann ausgerechnet eine Menschenfrau? Ihr eigenes und Calhouns Leben unterschieden sich ja schon um Welten - und sie waren beide Elfen. Neri fiel es schwer zu glauben, dass er überhaupt etwas lieben konnte außer sich selbst. Doch so offen trug sie ihre Gedanken natürlich nicht nach außen. Immerhin wollte sie hier etwas in Erfahrung bringen.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 16. März 2023, 22:08

Manchmal war es gar nicht so einfach zu erkennen, ob man wach war oder träumte. Manthala hatte bisweilen ihre ‚dunkle Freude‘ damit, die Schlafenden ein wenig zu necken und zu verwirren. Doch das hier wirkte bedeutend anders. Das Gefühl, die Beklemmung war anders gewesen. Manchmal konnten Albträume noch bis in den Wachzustand hinein nachwirken, aber irgendwann ließ einen das Gefühl des Unbehagens wieder los. Bei Neri fühlte es sich anders an. Als hätte sie etwas erlebt, was sie eben nicht mit der Einfachheit eines Albtraumes erklären konnte. Und nun fiel auch noch die plausibelste Erklärung weg, dass es Calhoun gewesen war, der sich einen blöden Scherz erlaubt hatte. Der Schattenmagier wies keine verräterischen Spuren auf, dass er sie anlog. Er war es nicht und damit blieb ein schleichendes Gefühl von Sorge, dessen sich Neri nicht ganz entziehen konnte. Da war es wohl gut, dass der Dunkle sich dieses Mal von einer anderen Seite präsentierte. Er zog sie nicht auf und er machte sich auch nicht lustig. Er wirkte ehrlich interessiert an seinen Nachfragen, doch ihre Antworten entlockten ihm nur einen stummen Blick. Erst nachdem er sich gewaschen und von ihrer Glotz-Attacke nichts mitbekommen hatte, wurde es Zeit ein paar Antworten zu bekommen. Neri nutzte die Gunst der Stunde, dass sie gemeinsam hier eine Weile verbringen würden. Was war da besser als sich zu unterhalten? Außer dem… naheliegendsten, das würde auch Spaß machen, aber das kam ja wohl nicht mehr in Frage.

Auch wenn seine Silhouette sich in ihre Netzhaut gebrannt hatte. Die definierten Muskeln, der schlanke, lange Oberkörper… Die wohlgeformten Arme und erst der Hintern! Und… zu allem Überfluss seine Mitte. Hoffentlich wurde ihr der Aufenthalt nicht zum Verhängnis! Schon wieder. Er hatte ihr ein Glas von dem Likör eingegossen. “Ist nicht das feine Zeug, das du gewöhnt bist, hm?” Er musterte sie und ließ sich nicht provozieren. Er nickte lediglich. „Ganz recht.“, meinte er ebenso neutral und doch schwang da ein Subtext mit, der kaum deutbar war. Wieso sollte es auch eine Schwäche sein, wenn man seinem Gaumen erlesenere Dinge zukommen lassen wollte? Und Neri erinnerte sich gewiss an die hübsche, kleine Bar in seinem Zelt. Mit den vielen verschiedenen Karaffen und Dekantern. Er sah ihr nach, während sie die Kürbisse in die Fleischschüssel warf und beobachtete sie ebenso, als sie sich einen Stuhl heranzog. Fortwährend ruhten die roten Augen auf ihr und nahmen jede kleine Bewegung auf.
Als sie dann das Glas kippte und trank, wanderte eine Augenbraue in die Höhe. Sie hustete leise, er verzog die Lippen leicht zu einem Schmunzeln. „Wohl bekommt es.“, meinte er trocken, doch davon ließ sie sich nicht aufhalten. Auch ihm schenkte sie ein und er richtete seinen Blick auf das Glas. Er rümpfte die Nase. „Mag ja sein, aber ich wollte nicht gleich von innenheraus verbrennen müssen.“, meinte er skeptisch und drehte dann das Glas in der Hand, um es sich genauer anzusehen. Skeptisch sah er auch sie an, doch dann erkannte er ihren Blick und blitzte sie über den Rand des Glases hinweg an.

Er trank und nichts regte sich in oder an ihm, das hätte Aufschluss geben können, wie es ihm schmeckte. Er leerte das Glas in einem Zug, stellte es wieder auf die Platte und hielt seine Hand daran fest, während die andere locker in seinem Schoß hin. Die Stille wurde nur durch das Feuer unterbrochen. Was nicht unbedingt zum Wohlbefinden beitrug, denn es war eigenartig mit Calhoun in so einer Hütte zu sitzen als wären… SIE miteinander verheiratet! Da war ja was… Neri entschied sich, erstmal ein halbwegs entspanntes Thema zu wählen. Arunn und sein Zustand waren zwar nicht lapidar, aber für ein Gespräch mit dem Verstand raubenden Dunkelelfen Goldwert. Auch er blickte kurz zu dem Mann im Bett. Er schnaubte leise. „Der wird das schon schaffen. Er ist zäh und das ist nicht das erste Mal, dass er so etwas erlebt.“, murmelte er und schien mehr zu wissen. Nun kehrte er mit der Aufmerksamkeit zu Neri zurück, lehnte sich kurzerhand über den Tisch, nahm die Flasche und goss erneut etwas in sein Glas. Es schmeckte nicht. Aber es wärmte. "Wohin führst du uns, was ist im Süden? Wie weit müssen wir noch laufen?" Er zuckte die Schultern und griff erneut nach dem Glas. Calhoun lehnte sich zurück und betrachtete das Gesöff noch einmal eingehender. Dann hob er den Blick und sah sie fest an. Er musterte sie, wie er es bereits oft getan hatte. „Wir laufen nicht. Wir fahren.“, bemerkte er und hob das Glas an seine Lippen. Er trank einen ordentlichen Schluck, leerte es aber dieses Mal nicht sofort. „Ich werde morgen und vielleicht übernorgen ein Boot bauen, dass uns den Fluss nutzen lässt. Dann sind wir in zwei Tagen im Sarius.“, erklärte er ihr ohne Umschweife. Er prostete ihr zu. „Wir sind bereits im Neldoreth.“, meinte er und trank erneut aus.
Dann erhob er sich und ging zum Feuer. Der Flammenschein leckte über seine nackte Haut. Das Dunkle schimmerte nach dem Bad und seine Haare ließen hier und dort Wassertropfen über seine Muskeln wandern. Dass sie den Anblick nun ‚ertragen‘ musste, hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Er hätte sich gewiss sein Hemd angezogen doch so… Allerdings musste sie noch eine weitere Nachricht verdauen:

Sie waren nicht mehr im Arus! Die Grenze der Wälder waren fließend und so war ihr nicht aufgefallen, dass sich etwas verändert hätte. Sie mochten auch an falscher Stelle in den Neldoreth eingetaucht sein, denn hier hatte man die Bäume zurückgedrängt, um sich ein Heim zu erschaffen. Viel hatte sie zudem nicht gesehen, denn es wurde dunkler und schon bald würde alles nur noch schwarz und grau aussehen. „Im Süden gibt es ein Dorf. Dort leben Menschen und Elfen zusammen.“, erklärte er ihr, während er im Topf rührte. Er schien tatsächlich gerade kein Interesse daran zu haben, sie zu triezen oder ihr das Leben schwer zu machen. Auf der anderen Seite… lag das daran, dass er sie nun bereits … hatte? Hatte er das Interesse verloren? Man wurde nicht schlau aus ihm! Und genau deshalb wollte Neriélle endlich ein paar Bausteine ergattern, um das Bild fertigzustellen. Falls ihr das je gelänge! "Wie kommt es, dass Arunn ein Gefangener in dem Lager war, in dem du.. den Angriff geführt hast? Und wie kommt es, dass ein Dunkelelf in die Familie von Menschen einheiratet?", schob sie direkt mal hinterher, bevor sie keine Gelegenheit mehr dazu hatte. Calhoun schien sie nicht gehört zu haben. Er ignorierte sie geflissentlich, rührte in dem Topf und… schwieg! Es dauerte. Es dauerte wirklich quälend lange, dann legte er den Kochlöffel beiseite und wandte sich wieder um. Er blieb am Feuer stehen, schirmte etwas von dem Licht mit seinem Körper ab und sah auf sie hinunter. Nun war er wieder da, der unnahbare Dunkle, der die Blicke nur so unter die Haut jagen konnte.
Er ließ seine Hände in die Taschen seiner Hose wandern und verlieh sich dadurch eine noch markantere Erscheinung. „Ich habe keinen Angriff geführt. Das war der Dämon, den du zum Feld gelockt hast, um dort zu sterben!“, berichtigte er und zeigte gleichzeitig, dass er gehört hatte, was sie tat. „Dass der Mensch da war, war bloßer Zufall.“, zuckte er die Schultern und kehrte zurück zum Stuhl. „Er kann von Glück reden, dass er so lange überlebt hat.“, meinte er noch recht gleichgültig und widmete sich ihrem Glas, indem er ihr ungefragt nachschenkte. Sein Blick ruhte auf ihrem Glas, dann wanderten seine Augen in ihr Gesicht. Dort ruhte der Blick für einen Moment. Er forderte sie stumm auf zu trinken und etwas an ihm stellte erneut die Nackenhaare auf. Dann aber widmete er sich ihrer zweiten Frage. Calhoun veränderte weder seine Körperhaltung noch seine Mimik, während er sprach. „Dessaria ist ein strategisch wichtiger Punkt.“, meinte er ohne jegliche Regung im Gesicht. „Da müssen Opfer gebracht werden.“, stellte er klar und trank sein eigenes Glas wieder leer. Seine Lippen schimmerten von dem leicht öligen Film des Likörs. „Das Essen ist fertig.“, meinte er dann und erhob sich, um zwei Schüsseln zu holen und etwas aufzutun.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Samstag 18. März 2023, 09:25

Neri schaute Calhoun zufrieden an, als er ihrer Aufforderung folgte und den Likör trank. Für einen Moment lächelte sie, weil sie sich freute, ihn ein Stück aus seiner ruhigen Beherrschung gelockt zu haben. Außerdem machte ihr das Trinken alleine keinen Spaß. Dafür löste der Alkohol etwas von der inneren Anspannung, die die Anwesenheit des Dunkelelfen in ihr auslöste. Und er macht ihn hoffentlich redseliger. Zuerst lenkte Neri das Thema auf Arunn und berichtete von ihren Sorgen, die seine Wunde betraf. Doch Calhoun versicherte ihr, dass das nicht seine erste Wunde dieser Art war und er das schon überleben würde.
“Ihr scheint ja eine lange Familienvorgeschichte zu haben”, murmelte Neri vielsagend, fragte aber nicht genauer nach. Ob Calhoun ihr wohl irgendetwas erzählen würde? Ihr Blick heftete sich unweigerlich an seine blanke Brust, als er sich nach vorne beugte, um nach der Flasche zu greifen und ihr einzuschenken. Es fiel ihr nicht gerade leicht, den Blick von den Muskeln, die sich deutlich unter der schwarzen Haut abzeichneten, abzuwenden. Aber wieso sollte sie nicht das mustern, was er so offen zeigte? Gut, er hatte keine andere Wahl, weil sein einziges sauberes Hemd nun Arunn trug. Aber es schien ihn auch nicht sonderlich zu stören. Ebenso wenig, wie Neri sich an seinem Anblick störte. Sie nahm ihr nun wieder gefülltes Glas in die Hand, wartete aber erst noch auf Calhouns Antwort, wohin genau und wie lange sie noch laufen mussten. Doch er erklärte, dass sie fahren würden.
“Fahren?”, fragte sie irritiert, ehe er sie aufklärte, dass er ein Floß bauen wollte. Die geschwungenen Brauen der Elfe hoben sich überrascht. Der Dunkelelf war offenbar für einige Überraschungen gut. Sie erwiderte sein Zuprosten und nahm einen größeren Schluck aus ihrem Glas. Der Alkohol wärmte nicht nur, sondern sie spürte auch so langsam seine Wirkung. Sie war kleiner und schmaler als Calhoun und außerdem hatte sie schon ein Glas Vorsprung von dem hochprozentigen Likör, den ihr Körper noch nicht abgebaut hatte. Aber er erleichterte ihr gerade das Zusammensein mit dem Dunkelelfen, der sie zu reizen wusste.. auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
Während der Dunkle zum Feuer ging, blieb Neri sitzen und schaute auf den Rest des Likörs in ihrem Glas hinab. Sie waren schon im Neldorath? Der Übergang zwischen den Wäldern war fließend gewesen und Neri war nicht aufgefallen, dass sie die Grenze zu dem Wald überschritten hatten. Dafür war sie offenbar zu abgelenkt von der Anstrengung, ihren Gedanken und der Wut gewesen. Hinzu kam die Rodung dieser kleinen Lichtung, sodass ihr die zunächst feinen Unterschiede der Wälder entgangen war. Er führte sie zu einem Dorf von Menschen und Elfen und Neri schaute zu ihm hinüber.
“Das Dorf der Waldmenschen”, meinte sie verstehend. Das erklärte auch, wieso er ein Floß bauen wollte. Das Dorf lag im Sarius und der war teilweise von Wasser überflutet. Auf ihrem Weg nach Zyranus hatte sie einen weiten Bogen um das Dorf geschlagen. Doch nun kehrten sie langsam in die ihr bekannte Gegend zurück. Zumindest halbwegs bekannt. In dem Dorf der Waldmenschen war sie noch nie gewesen, aber sie hatte viele Geschichten darüber gehört von Elfen, die schon einmal dort gewesen waren. Ein Dorf gegründet von Waldelfen und Menschen, die dort friedlich zusammen lebten und jeweils von den Fähigkeiten des anderen Volkes profitierten. Da gab es mit Sicherheit Heiler und das ließ etwas Hoffnung in ihrem Herzen keimen. Doch dann schweiften ihre Gedanken für einen Moment ab. Sie konnte unmöglich einen Dunkelelfen in das Dorf bringen. Neri hielt das für keine gute Idee. Doch sie schwieg dazu. Das Thema konnte sie immer noch ansprechen, wenn sie auf dem weiteren Weg zu dem Dorf waren. Wichtiger war, dass sie einen Heiler fanden, und für Calhoun würde sich schon noch eine Lösung finden.

Schließlich beflügelte der Alkohol auch ihren Mut und sie stellte Calhoun die Fragen, die ihr schon länger auf der Zunge lagen. Vor allem die Verbindung zwischen Arunn und ihm interessierte sie.. aber mehr noch die Verbindung zwischen ihm und seiner Frau, die angesichts ihrer Abstammung unmöglich etwas gemein haben konnten. Das nahm jedenfalls Neriélle an, was auch die Skepsis begründete, die ihrer Frage mitschwang. Sie blickte Calhouns Rücken fragend an, weil der sich dem Essen zuwandte, doch der Dunkelelf schwieg. Zuerst wartete sie halbwegs geduldig, doch Calhoun zog das Schweigen in die Länge und irgendwann entfuhr ihr ein unzufriedenes "Hmpf." Sie richtete den Blick wieder auf ihr Glas und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. Na schön, er wollte wohl nicht reden. Frustriert leerte Neriélle ihr Glas.. das dritte? Sie merkte, dass es langsam genug war und sie wohl lieber eine Pause machen sollte. Schließlich war sie immer noch so gut wie alleine mit dem Dunkelelfen und da sollte sie wohl lieber einen klaren Kopf behalten und bei Sinnen bleiben. Als sie hörte, dass er irgendwann den Kochlöffel beiseite legte, drehte sie den Kopf langsam zu ihm herum. Das Feuer in seinem Rücken umschmeichelte seine Statur und ließ ihn erhaben wie eh und je erscheinen. So wie er sie anschaute, flackerte kurz die Hoffnung auf, dass er vielleicht doch noch ihre Fragen beantwortete!? Sie erwiderte den Blick seiner roten Augen, die ihre Vorsicht, aber auch etwas anderes weckten, und nun folgte auch der Körper der Drehung des Kopfes und sie wandte sich ihm völlig zu.
„Ich habe keinen Angriff geführt. Das war der Dämon, den du zum Feld gelockt hast, um dort zu sterben!“ Für einen Moment erschien ein Schmunzeln auf ihren Lippen. “Stimmt”, sagte sie nur. Ihr war anzusehen, dass sie stolz darauf war und das versuchte sie keineswegs zu verbergen. Gleichzeitig blitzte es kurz herausfordernd in ihrem Blick. “Und was hast du dann gemacht.. außer vor deinen Karten gesessen und Frauen verhört?” Sie hätte fast 'unschuldige Frauen' gesagt, denn damals hatte sie ihm versichert, genau das zu sein, dass sie nichts im Schilde führte und nur zufällig in das Lager gestolpert war. So war es ja auch gewesen. Doch während ihres Aufenthaltes im Lager hatte sie sich doch für eine Seite entschieden.. nicht für seine. Hatte es sie nicht spätestens ab dem Augenblick zu Feinden gemacht, in dem er erfahren hatte, dass sie eine Mitschuld an Asmodeus Schuld trug? Andererseits hatte er betont, dass Asmodeus nicht sein Herr war und er bestritt auch, den Angriff geführt zu haben. Sie war überrascht davon, dass er es überhaupt noch einmal erwähnte, denn bisher hatte ihn das offenbar nicht gestört, dass die Belagerung auch wegen ihr ein jähes Ende gefunden hatte. Neri wurde einfach nicht schlau aus diesem Kerl.
Angeblich war es nur ein Zufall, dass Arunn zur selben Zeit in der Stadt gewesen war, die er belagert hatte - denn der Ansicht, dass er das getan hat, war sie immer noch. Doch zu diesem Zufall hob sie nur zweifelnd eine Augenbraue, ließ das jedoch so stehen. Eng verbunden schien diese Familie ja nicht zu sein.. doch bisher hatte Calhoun auch keinen Hehl daraus gemacht, dass er nicht viel von dem Menschen hielt. Aber von seiner Schwester? Ob er auch über sie so abwertend dachte?
Neri folgte seinen Bewegungen, bis er sich wieder setzte und ihr erneut einschenkte. Vermutlich sollte sie das Glas lieber später trinken. Doch dann trafen sich ihre Blicke und es zuckte kurz in ihrem Mundwinkel. Der Blick, mit dem der Dunke sie schweigend ansah.. er ließ eine Gänsehaut entstehen und erinnerte sie daran, dass sie nicht vor ihm einknicken und nicht klein beigeben wollte. Und so nahm sie einen, wenn auch kleinen, Schluck aus ihrem Glas, ohne den Blickkontakt zu beenden. Wo es ihr anfangs schwer gefallen war, seinen stoischen Blick zu erwidern, da suchte sie ihn nun sogar ab und an, weil er etwas in ihr auslöste, an das sie sich gerne erinnerte. Auch wenn eine Shyánerin vielleicht nicht allzu stolz darauf sein sollte.

Sie schwieg, weil sie noch immer hoffte, dass er nun auch auf ihre letzte Frage antworten würde - wieso er ausgerechnet mit einer Menschenfrau verheiratet war. Und tatsächlich antwortete er ihr nach einer gefühlten Ewigkeit. Doch mit dieser Antwort hatte sie nicht gerechnet!
„Dessaria ist ein strategisch wichtiger Punkt. Da müssen Opfer gebracht werden.“
"Opfer?", wiederholte sie im nächsten Augenblick und schnaufte kurz. Der Laut war eine Mischung aus Ungläubigkeit und Belustigung und mit gleichem Blick sah sie ihn auch an. “Ist das dein Ernst?” Ob seine Frau wusste, wie er von ihrer Ehe sprach? So.. lieblos? Neriélle lebte in einer ganz anderen Welt als der Dunkelelf, was das betraf. Von jeher war ihr die Ehe aus reiner Liebe vorgelebt worden. Zweckehen gab es in ihrem Paradies nicht. Ihre Eltern verband noch heute die wahre Liebe, soweit sie das beurteilen konnte. Auch ihre Königin und ihr König zeigten sich dem Volk stets liebevoll und verbunden zueinander. Und alle anderen? Neri hatte in der Vergangenheit oft das Gefühl gehabt, dass sich in einem gewissen Alter alles nur noch um eine Verlobung und Ehe drehte. Während ihre Freundinnen tagelang nicht vor Aufregung schlafen konnten, weil ihr Angebeteter Andeutungen für eine nahende Verlobung machte, war Neri stets froh gewesen, nicht um ein Treffen bei Sonnenaufgang oder -untergang gebeten worden zu sein. Sie wollte unter keinen Umständen einen Blumenkranz überreicht bekommen, wie es in Shyána Nelle nun einmal Brauch war, um seiner Liebsten einen Antrag zu machen. Doch Neri wollte das nie - und das hatte sie wohl allen bisher unmissverständlich klargemacht, denn an einen Antrag hatte noch keiner ihrer Geliebten gedacht. Es widerstrebte ihr, sich fest zu binden, während andere kaum etwas anderes im Kopf zu haben schienen. Das machte sie auch oft zur Außenseiterin, die entsprechende Blicke und Kommentare ertragen musste, wenn sie ungefragt ihre ehrliche Meinung zu dem Thema offenbarte. Denn auch dabei nahm sie selten ein Blatt vor den Mund. Auch wenn sie gut ohne einen Mann an ihrer Seite leben konnte, war ihr doch immer die augenscheinlich wahre Liebe in Shyána Nelle vorgelebt worden. Ein weiteres Bild, dem sie nicht entsprach. Und ein weiterer Grund, weshalb sie nicht nachvollziehen konnte, wie er seine Ehe so herzlos als Opfer bezeichnen konnte. Sie hatte schon vermutet, dass er nicht der Liebe wegen geheiratet hatte, aber seine Ehe melodramatisch als Opfer zu bezeichnen war etwas anderes.
"Geopfert.. für was? Für eine dämliche Stadt?", wollte sie daher wissen. Nichts und niemand auf der Welt würde sie dazu bringen, zu heiraten. Daher glaubte sie auch nicht, dass ihm das alles so sehr missfiel, wie er behauptete. Als ob jemand diesem Dunkelelfen etwas sagen oder ihn zu irgendetwas zwingen konnte. Das konnte sie nicht glauben.
“Oh bitte Calhoun, erzähl mir nicht, dass du dich wider Willen geopfert hast, als du Arunns Schwester das Eheversprechen gegeben hast. Wie viele Elfen hielten dich denn in Ketten und zerrten dich zum Altar? Vermutlich fiel dir der Vollzug der Ehe auch wahnsinnig schwer, hm.. oder war der Druck zu groß?”, fragte sie bewusst zweideutig, ehe sie nachsetzte. "Dafür ist deine Frau wahrscheinlich noch gut genug? Oder hat sie sich auch nur mit Widerwillen für die Sache geopfert?"
Auch wenn sie nur leise sprach, waren ihre Worte scharf wie Messerstiche und ungewohnt herablassend. Sie verstand nicht, was er ihr glauben machen wollte. Und je länger er schwieg und ihr Raum für Worte gab, desto mehr brandete die alte Wut wieder auf, die sie versucht hatte, zum Wohle von Arunn herunterzuschlucken und hinten anzustellen. Doch der Alkohol wusste diese erneut zu entzünden.
"Und wofür musste sich deine Frau noch opfern? Hat sie den Mund zu halten, während du nach Zyranus gehst, um Angehörige ihres Volkes zu töten?”, spottete sie mit leiser Stimme und erwähnte so ein anderes Thema, das sie beschäftigt hatte. Wer war mit einer Menschenfrau verheiratet und belagerte eine Stadt, in der hunderte oder gar tausende Menschen lebten? Sie konnte sich kaum vorstellen, dass seine Frau das guthieß. Neris goldene Augen funkelten unbarmherzig und eine Spur herausfordernd. Calhoun hatte sie verletzt und gekränkt und da sie mitunter nachtragend war und sich nicht alles gefallen ließ, sagte sie manchmal Dinge, die nicht unbedingt überlegt und fair waren. So wie jetzt. Und als Vergeltung für seine Heimlichtuerei und Bloßstellung wollte sie ihn ebenso kränken, denn viele Möglichkeiten außer Worte hatte sie nicht. Anstatt die Stimmung zwischen ihnen aufzulockern, hatte der Alkohol also gegenteiliges bewirkt. Er ließ Neriélle Selbstbeherrschung bröckeln und öffnete einen Raum voller Emotionen, die sich über den Dunkelelfen ergossen. Sie machte sehr deutlich, was sie von seinen Worten und seiner Ehe hielt, deren Sinn sie nicht verstand, aber deren Existenz sie offensichtlich mehr störte als sie zugeben wollte.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Dienstag 21. März 2023, 21:22

Vielleicht hätten sie lieber die Suppe gegessen, zwei oder drei unverfängliche Worte ausgetauscht und wären dann schlafen gegangen. Der Zeitpunkt sich zu betrinken und dann auch noch Gespräche zu führen, die schon nüchtern genug Potenzial für Probleme boten, war einfach schlecht. Im ersten Moment sah es noch so aus als hätte Neri alles unter Kontrolle und sie entlockte Calhoun sogar einige Antworten, doch diese schürten einfach nur aufs Neue ihre Wut über ihn. Der Mann war wie ein Stein. Ein in meterdickes Eis eingefrorener Stein. Emotionslos wie es seinesgleichen suchte, berichtete er von seiner Ehe mit der Schwester des Dessariers. Etwas, was Neri nicht verstehen konnte. Immerhin kannte sie nur die glückliche Form der Ehe. Die Ehe aus Liebe, aus Zuneigung und gegenseitigem Respekt. Nichts in der Welt hätte sie zu so etwas zwingen können, wenn sie es nicht selbst wählte und gleichwohl hielt sie Calhoun für eben so eine Person. Er machte nicht nur einmal deutlich, dass er jemand war, der sich gewiss nichts sagen lassen würde und der Alkohol war zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr Neri’s Freund. Wie eine Schlange, schlich er sich hinterrücks durch ihre Venen und vernebelte ihr den Kopf, sodass sie ihre Zurückhaltung nicht mehr wiederfinden konnte. Und schon purzelten die ersten Worte über ihre Lippen und provozierten einen durchdringenden Blick seinerseits. "Opfer? Ist das dein Ernst?“ Er verengte kurz seine Augen und beobachtete Neriélle, die sich erst so richtig in Rage dachte. Er schwieg. Was ihr nur mehr Raum für ihre Wut gab und sie sich so richtig entfalten ließ. "Geopfert.. für was? Für eine dämliche Stadt? Oh bitte Calhoun, erzähl mir nicht, dass du dich wider Willen geopfert hast, als du Arunns Schwester das Eheversprechen gegeben hast. Wie viele Elfen hielten dich denn in Ketten und zerrten dich zum Altar? Vermutlich fiel dir der Vollzug der Ehe auch wahnsinnig schwer, hm.. oder war der Druck zu groß?“ Es blitzte gefährlich in seinen Augen auf und er schwieg trotzdem noch. Seine Selbstbeherrschung war zumindest besser geschult als die der Elfe. Sie ließ sämtliche Vorsicht fahren und entließ eine sarkastische Tirade nach der anderen. Ihre Worte waren ordentlich garniert mit Spott und Unglaube und versalzten zumindest ihm das Essen. "Dafür ist deine Frau wahrscheinlich noch gut genug? Oder hat sie sich auch nur mit Widerwillen für die Sache geopfert?“ Calhoun wandte den Blick ab, stellte Neri die Schüssel hin, die er gerade noch gefüllt hatte, damit sie etwas essen konnten und kehrte zum Feuer zurück. Er hatte ihr den Rücken zugedreht und tat äußerst beschäftigt, während sich sein gesamter Oberkörper reichlich mechanisch bewegte. Er war auf hundertachtzig, beherrschte sich aber offenbar noch. "Und wofür musste sich deine Frau noch opfern? Hat sie den Mund zu halten, während du nach Zyranus gehst, um Angehörige ihres Volkes zu töten?“ Er ließ den Kochlöffel in den Kessel fallen und wandte sich abrupt um. Seine Augen glühten förmlich, brannten sich flackernd in ihre Augen.
„Bist du jetzt fertig?“, knurrte er und nichts war mehr von der halbwegs entspannten Stimmung zu merken. Calhoun stellte die zweite Schüssel, die für ihn gedacht war, unbefüllt auf den Tisch und ruckte Neri’s Stuhl so zügig und kraftvoll herum, dass sie frontal vor ihm saß. Der Dunkle stemmte sich links und rechts auf die Armlehnen und neigte sich ihr entgegen. „Was bildest du dir ein?“, knurrte er. Auch er war nicht laut, aber er war schneidend und bedrohlich gleichermaßen. Kein Spott lag in seiner Stimme. Er meinte es todernst. „Ich kann ja verstehen, dass dich unser kleines Stelldichein verwirrt hat, aber wage es nicht über Dinge zu reden, die du nicht verstehst!“, fauchte er. „Ich bin dir überhaupt keine Rechenschaft schuldig! Und wenn du Repressalien erwartest – keine Sorge! Du wirst ihr nie begegnen!“, schnauzte er sie bissig an und ruckte an ihrem Stuhl, sodass er sich wieder aufrichtete. Er warf ihr noch einen undeutbaren Blick zu, ehe er mit dem Kinn ruckte und auf den Alkohol deutete. „Der macht eben nicht alles schöner, nicht wahr?!“. Damit wandte er sich ab und griff sich seinen Mantel, den er sich über den nackten Oberkörper schlang, um damit das Haus zu verlassen. Er ließ die Tür offen und schnell war seine dunkle Gestalt in der heraufziehenden Nacht nicht mehr sichtbar. Wohin er auch immer ging, ob er wiederkommen würde oder nicht, Neri hatte jedenfalls ganze Arbeit geleistet. Dieses Mal war sie wohl die Siegerin dieses Wortgefechtes, auch wenn seine Worte ihren in Punkto verletzend nichts nachstanden.

Stunden vergingen, in denen nichts weiter geschah. Die Nacht war hereingebrochen und allmählich forderte der Marsch und der Alkohol ihren Tribut. Gleichwohl dürfte das warme Essen den Bauch gut genug füllen, um sich satt und behaglich zu fühlen. Das einzige Bett war zwar durch den Verletzten belegt, doch einige wenige Decken konnte Neri noch finden, um es sich halbwegs auf den Stühlen bequem zu machen. Ihre Reisezeit war momentan noch äußerst entbehrlich. Wie lange hatte sie nun schon nicht mehr richtig geschlafen? Viel zu lange und die Stille um sie herum schuf Raum für Nachdenklichkeit oder noch mehr Platz für wütende Gedanken. Ganz gleich, wie Neri sich die Zeit noch vertrieb – irgendwann würde auch sie endgültig in einen Schlaf fallen. Ob er Träume bereithielt oder traumlos blieb, würde sich zeigen. Er war auf jeden Fall erholsamer als man vielleicht angenommen hätte. Neri wurde am nächsten Morgen bereits von einigen Sonnenstrahlen geweckt. Sie kitzelten sie sanft an der Nase und blendeten sie mit warmem Licht. Tatsächlich wirkte alles äußerst friedlich. Sie hörte sogar Vögel zwitschern. Mit einem Mal aber wurde friedliche Erwachen von einem monotonen Geräusch unterbrochen. Immer wieder schlug etwas Hartes gegeneinander, dann für einen Moment Pause und das selbe von vorn. Das Tempo war schnell und sobald Neri aus dem Fenster blicken würde, könnte sie den in der Sonne schwitzenden Oberkörper des Dunkelelfen sehen. Wann ist er zurückgekehrt? Und wieso? Nach ihrer Auseinandersetzung hätte er durchaus auch wegbleiben können. Auf der anderen Seite konnte man auch schlechter aufwachen und in den Tag starten. Während sie noch die Müdigkeit vertrieb, hatte Calhoun bereits begonnen, sich um das Floß zu kümmern. Er hatte bereits den ein oder anderen Baumstamm gehackt und formte gerade die Enden spitz zusammen mit einem Beil. Es war ganz offensichtlich schweißtreibende Arbeit und wenn man sein Gesicht betrachtete, dann war das nicht nur ihrem Vorankommen zuträglich. Er wirkte immer noch leicht wütend und hatte einen verschlossenen Gesichtsausdruck. Ja. Neri und ihr kleiner Freund, der Alkohol, hatten dieses Mal ins Schwarze getroffen. Sie hatte mit ihren Worten ganz offensichtlich getroffen. Neri eins, Calhoun eins. Sie waren quitt. Oder?
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Donnerstag 23. März 2023, 18:08

Neris goldene Augen hefteten sich kühl an den Dunkelelfen, den sie nicht mehr aus den Augen ließ. Sie beobachtete ihn ganz genau, um zu sehen, ob ihre Worte auch ihre Wirkung nicht verfehlten. Er bekam nach und nach die Wut der Elfe an den Kopf geworfen und musste nun als ihr Blitzableiter fungieren. Sie sah die Regung in seinen Augen, aber da er schwieg, setzte sie ein ums andere Mal nach. Ohja, sie wollte ihn provozieren. Dafür stellte sie erst seine Integrität und dann seine Männlichkeit in Frage. Er war ein stolzer Elf und schien in jeder Angelegenheit überzeugt von sich zu sein. Also versuchte Neri, gezielt an diesem Stolz zu kratzen. Sie war ehrlich überrascht von seiner Selbstbeherrschung und dass er es trotz allem noch fertig brachte, ihr eine Schüssel mit Essen zu füllen und vor ihr auf den Tisch zu stellen. Sie nahm es zur Kenntnis, aber ignorierte die Mahlzeit ansonsten, all ihre Aufmerksamkeit lag nun auf Calhoun, den sie aus der Reserve locken wollte. Er schwieg zwar, aber sie registrierte, dass sich seine Haltung änderte. Er war nicht mehr so lässig und überheblich, sondern wirkte reichlich angespannt. Seine Schweigsamkeit hingegen schürte ihre Wut weiter. Sie wollte Antworten! Also legte sie noch einen drauf und dichtete ihm an, das Volk seiner Ehefrau töten zu wollen. Nichts auf der Welt rechtfertigte diese Absicht, die Neri ihm zuschrieb. Und auf diesen Vorwurf zeigte er endlich mal eine Regung! Er ließ den Kochlöffel fallen und drehte sich zu ihr herum. Neri hatte erreicht, was sie wollte, und schloss den halb geöffneten Mund, aus dem fast noch mehr Vorwürfe und Anschuldigungen gepurzelt wären, als er sie fragte, ob sie jetzt fertig wäre. Sie sah das Flackern in seinen Augen, woraufhin es zufrieden in ihren Augen funkelte. Als er im nächsten Moment ihren Stuhl samt ihr zu sich herum riss, schnappte sie allerdings überrumpelt nach Luft. Gleichzeitig schwirrte ihr der Kopf von der ruckartigen Bewegung, die ihr Kopf aufgrund des Alkohols nicht sofort ausgleichen konnte. Als die Bilder vor ihren Augen minimal zeitverzögert vorbei gezogen waren und sie Calhoun wieder fokussierte, hatte er sich schon links und rechts auf den Lehnen ihres Stuhls abgestützt und lehnte sich ihr entgegen. Im gleichen Augenblick fuhr ihr Oberkörper instinktiv zurück, bis sich ihr Rücken gegen die Stuhllehne presste. Das Knistern des Feuers im Hintergrund wusste die Atmosphäre zwischen ihnen passend zu unterstreichen.
„Was bildest du dir ein? Ich kann ja verstehen, dass dich unser kleines Stelldichein verwirrt hat, aber wage es nicht über Dinge zu reden, die du nicht verstehst!”
Dann erkläre es mir!, hätte sie ihm gerne ins Gesicht geschrien und er konnte die stumme Aufforderung förmlich an ihrer Körpersprache erkennen. Doch seine plötzliche Nähe und seine Wut raubten ihr den Atem. Sie sah deutlich, dass er um seine Selbstbeherrschung kämpfte und das ließ ihn noch gefährlicher wirken. Außerdem ließ er ihr keine Zeit für eine Erwiderung, sondern knurrte weiter.
“Ich bin dir überhaupt keine Rechenschaft schuldig! Und wenn du Repressalien erwartest – keine Sorge! Du wirst ihr nie begegnen!“
Die Elfe sah die Anspannung seiner gesamten Muskeln aus nächster Nähe. Seine Wut war fast greifbar und für einen Moment drohte sie sich mit ihrer eigenen zu einer größeren Explosion zu vermischen. Auch Neris Körper war ob seiner plötzlichen Nähe und der Gefahr, die er verströmte, angespannt. Ihre Augen glühten förmlich vor Wut und ihre Kiefer mahlten verärgert aufeinander.
“Das wäre ja noch schöner”, stieß sie leise und sarkastisch zwischen zusammengepressten Lippen hervor. Sie spürte zwar eine gewisse Genugtuung darüber, dass ihre Worte einen empfindlichen Punkt in dem Dunkelelfen getroffen hatten, der immer so unerträglich unnahbar wirkte. Aber er hatte immer noch auf keine ihrer Fragen geantwortet und das machte sie wahnsinnig und wütend. Trotzdem schwieg sie ansonsten, weil sie einsah, dass sie jetzt lieber den Mund halten sollte. Sie war nicht so lebensmüde, um den Schattenmagier gänzlich aus der Reserve zu locken. Sie hatte die Verfolgungsjagd eines Dämons überlebt, da wäre es dämlich, in dieser Hütte zu enden, weil sie einen Dunkelelfen bis aufs Blut provozierte. Trotz ihres zweifelhaften Stelldicheins in den Schatten traute sie ihm noch immer alles zu. Er war schließlich ein Dunkelelf. Wenigstens hatte sie ihn deutlich spüren lassen, dass ihr sein Umgang mit ihr missfiel. Endlich stieß sich Calhoun von dem Stuhl ab und richtete sich wieder auf. Noch immer knisterte die Luft zwischen ihnen und Neri bedachte ihn mit einem giftigen Blick, während sich ihre Brust hob und senkte und von der Wut in ihrem Inneren kündigte, die sie noch immer gefangen hielt.
„Der macht eben nicht alles schöner, nicht wahr?! Sie blickte kurz auf die Flasche Alkohol, auf die er deutete, ehe sie ihn wieder mit zusammengekniffenen Augen anstarrte. “Kommt ganz auf die Gesellschaft an”, erwiderte sie nur und schnaubte kurz. Sie beobachtete ihn dabei, wie er sich abwandte, seinen Mantel griff und zur Tür ging. Das ließ sie erneut schnauben. Sie war noch nie einem Elfen begegnet, der derart schweigsam war und so ein Geheimnis um sich machte. Und jetzt verschwand der Kerl einfach und ging erneut allen Problemen aus dem Weg. Sie hatte vielleicht diesen Wortwechsel gewonnen, aber wie ein Sieg fühlte es sich dennoch nicht an.
Erst als er in der Dunkelheit verschwand, gelang es ihr, sich annähernd zu entspannen. Sie stieß ihren Atem aus und erhob sich von dem Stuhl, um ihm ein wütendes “Argh” hinterher zu rufen und die Tür zuzuknallen. Allerdings stillte auch das nicht ihre Wut und sie stand einige Momente verloren in der Hütte. Das Gespräch war mehr als unbefriedigend gelaufen. Erneut war das zunächst ruhige Gespräch eskaliert und sie hatten sich verletzende Worte an den Kopf geworfen. Neri wusste nicht so recht, wohin mit ihrer Wut und grummelte noch immer vor sich hin, als sie ihren Stuhl wieder zurecht rückte und sich setzte.

Sie aß das Essen aus der Schüssel und merkte erst dann, wie hungrig sie eigentlich war. Die letzte richtige Mahlzeit war das Kaninchen gewesen, das sie sich zu dritt geteilt hatten, kaum genug um den Hunger der Tage zuvor zu stillen. Neri nahm sich daher noch eine weitere großzügige Portion und genoss das Sättigungsgefühl, das sich langsam in ihrem Magen ausbreitete. Wenigstens das konnte ihre Wut etwas dämpfen. Während dem Mahl kreisten ihre Gedanken natürlich um die vorangegangene Auseinandersetzung mit Calhoun und den Dingen, die sie sich an den Kopf geworfen hatten. Sie wusste, dass er ihr keine Rechenschaft schuldig war. Sie war eben nur die Elfe aus Shyána Nelle, die dort gewesen war, als die Leidenschaft ihn überrollt hatte. Oder nicht? Neri musste zugeben, dass sie sich seit ihrer ersten Begegnung von ihm angezogen gefühlt hatte - oder von den Schatten, die zu ihm gehörten. Lange hatte sie es nicht wahrhaben wollen und sich gegen diese Gedanken gewehrt, doch in den Schatten war ihr dies klar geworden. Zuvor hatte sie Calhouns Anziehungskraft dem Umstand geschuldet, dass er ein Dunkelelf war.. von einer ihr unbekannten Elfenart, die ihn reizvoll machte und ihre Neugierde weckte. Sie hatte geglaubt, dass seine arrogante Art und sein Gebaren, das Macht und Nähe ausstrahlte, zu der Anziehungskraft beigetragen hatten. All diese Eigenschaften schrieb sie ihm zwar noch immer zu. Doch inzwischen glaubte sie, dass sie Anziehungskraft der Schatten stärker war, als ihr lieb war. Vielleicht hatte sie in den letzten Stunden auch einfach zu viel Zeit zum Nachdenken gehabt, zu viel Gläser Alkohol und sie sollte das alles viel rationaler sehen? Als ein einmaliger Zeitvertreib mit einigen Tiefen und intensiven Höhen. Neri seufzte in die, vom Knistern des Feuers abgesehen, sonst stille Hütte hinein. Der Umstand, dass Calhoun verheiratet war, hinterließ noch immer einen üblen Beigeschmack. Allein der Umstand, dass es eine Zweckehe war, konnte ihr schlechtes Gewissen etwas beruhigen, aber eben auch nicht gänzlich. Dass er beide Ringe bei sich trug, unterstrich doch eigentlich nur, dass sie ihre Ehe nicht nach außen zeigten und sie gar nicht von Bedeutung war.. oder nicht? Sie leerte das restliche Glas mit dem Likör. Er hatte gesagt, dass sie seiner Frau nie begegnen würde, was Neri doch stark hoffte. Wollte er damit ihr Gewissen erleichtern? Oder wollte er nur, dass sie Ruhe gab? Neris Gedanken drehten sich im Kreis und die Menge an Alkohol förderte ihre Konzentration nicht gerade. Sie seufzte und erhob sich.

Neri blickte kurz zu Arunn hinüber und verstand so langsam, wieso er und Calhoun ständig aneinander gerieten. Dann goss sie etwas von der Brühe aus dem Kessel in einen Becher und versuchte diese irgendwie Arunn einzuflößen, damit er zu Kräften kam. Außerdem stellte sie erleichtert an der Stirn fest, dass er immer noch kein Fieber hatte. Mehr konnte sie im Moment nicht für ihn tun. Also stellte die den Stuhl wieder näher ans Feuer heran und versuchte sich mit ein paar Decken ein halbwegs bequemes Bett aus den Stühlen zu bauen. Außerdem legte sie noch ein paar Holzscheite in den Kamin, damit es warm blieb. Dann setzte sie sich auf einen Stuhl, legte die Beine wieder auf den anderen und deckte sich mit einer Decke zu. Sie schlief überraschend schnell ein, denn die Anstrengung der letzten Tage war ungewöhnlich und enorm für die hochgewachsene Elfe gewesen.

Die Sonnenstrahlen kitzelten die Elfe aus ihrem Schlaf. Er war traumlos, aber unruhig gewesen. In der Natur hatte sie einen leichten Schlaf und die Hütte war ihr weit weniger vertraut als die Wälder. Daher war sie instinktiv wachsam geblieben. Außerdem war ihre Schlafstätte auf Dauer mehr als unbequem und wenn sie in der Nacht erwacht war, legte sie auch gleich den ein oder anderen Holzscheit nach, um das Feuer im Kamin am Leben zu erhalten. Trotz allem fühlte sich Neriélle erholter als in den letzten Tagen. Sie genoss die warmen Sonnenstrahlen in ihrem Gesicht und lauschte mit geschlossenen Augen dem Gesang der Vogel. Es klang so friedlich.. doch in den letzten Tagen hatte sie gelernt, dass die Welt nicht immer so friedlich war, wie sie schien. Dann klang das monotone Schlagen an ihre Ohren und sie erhob sich neugierig, wobei sie schmerzhaft merkte, wie verspannt ihre Muskeln waren. Also dehnte sie sich erst einmal ausgiebig, während sie aus dem Fenster blickte und Calhoun sah. Offenbar war er schon dabei, das Floß zu bauen. Ihr Blick flog über seinen Körper und blieb an seinem Gesicht hängen. Er sah immer noch wütend aus, also war er wohl doch nicht der unnahbare Klotz, den er immer vorgab zu sein. Für seine Wut hatte er auch ein Ventil gefunden. Auch Neri fühlte die Wut noch wie einen unliebsamen Stein in ihrem Magen. Das Gedankenkarussell begann sich erneut zu drehen, doch die Elfe schob all die Wenn und Abers bei Seite, denn neben der Wut spürte sie auch Resignation. Calhoun würde ihr keine Erklärungen liefern und damit würde sie sich abfinden müssen. Ob ihr das gefiel oder nicht.

Neri beschloss, einen Tee zu machen und dabei fiel ihr Blick auf die noch saubere Suppenschüssel auf dem Tisch, die Calhoun in seiner Wut dorthin gestellt hatte. Sie hatte keine Ahnung, wann er zurückgekehrt war. Aber gegessen hatte er offensichtlich nichts. Neri entfuhr ein Laut, der ihren Ärger über ihre eigene Umsicht ausdrückte. Genervt von all den Gefühlen, die in ihr wühlten, nahm sie grummelnd seine Schüssel und füllte sie mit dem Essen vom gestrigen Abend, das noch über dem Feuer hing. Dann legte sie einen Löffel hinein, zog sich ihre Jacken an und ging hinaus zu dem Dunkelelfen. Schweigend blieb sie einige Schritte hinter ihm stehen. Auch wenn sie auf leisen Sohlen lief, wie für eine Elfe üblich, hatte er sie sicherlich gehört. Dann trat sie neben ihn, stellte die Schüssel neben ihm ab und richtete sich wieder auf. Sie schwieg noch einige Augenblicke und es kostete sie Überwindung, das Wort an ihn zu richten. Auch, weil sie nicht so recht wusste, wie sie nun zueinander standen. Doch für ihre gestrigen Worte würde sie sich nicht entschuldigen. Neri hätte es gerne auf den Alkohol geschoben, doch sie hätte die Fragen auch nüchtern gestellt. Vielleicht nicht ganz so forsch und provozierend, aber geschwiegen hätte sie mit Sicherheit nicht. Nicht so wie er. Sie war noch immer genervt von seiner Verschwiegenheit, mit der sie nur schwer umgehen konnte. In ihren Augen erschwerte diese nämlich auch die gemeinsame Reise und das Zusammensein, mit dem sie sich wohl oder übel arrangieren mussten. Denn im Grunde waren sie doch nur zwei Elfen, die sich zufällig über den Weg gelaufen waren. Und die einzige Sache, die sie verband, war der Dessarier, der in Lebensgefahr schwebte.
“Kann ich helfen?”, fragte sie schließlich und bemühte sich um einen neutralen Ton. Sie wollte so schnell wie möglich zum Dorf der Waldmenschen. Vordergründig um Arunns Willen. Aber auch, weil die Aussicht darauf, wieder unter gutmütige Elfen zu kommen, tatsächlich ziemlich verlockend war. Und wenn sie beim Bauen des Floßes half, würden sie dort auch schneller ankommen.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 23. März 2023, 21:15

Im Grunde wollte Neriélle den Dunkelelfen vor sich einfach nur verstehen. Sie wollte wissen, wieso er war, wie er eben war und wieso er mit ihr schlief, wenn er doch eine liebende Ehefrau hatte, die auf ihn wartete. Aber anstatt sich zu rechtfertigen und sich vielleicht auch noch zu erklären, wies er ihre Worte mit kaltschnäuziger Wut ab und hinterließ mehr verbrannte Erde als dass er einen rettenden Regenguss erschuf. Calhoun war… kompliziert. Und das schürte die Wut der Elfe nur noch mehr. War ihre Forderung nach Aufklärung denn so abwegig? Aus Neri´s Sicht nicht, denn immerhin hatte er ihr nicht von Anfang an reinen Wein eingeschenkt. Sie hatte ein Recht auf Informationen, wenn sie schon so sehr mit einbezogen wurde. Doch das sah der Dunkle offenbar ganz anders. Er wies sie ab und ließ sie sogar stehen. Es war eine Flucht oder aber er wusste, dass er sich sonst nicht würde beherrschen können. Dass sie seine Wut so sehr entfachte, dass er nicht mehr an sich halten und ihr etwas antun könnte. Wäre ja möglich. Zumindest spürte selbst Neri die äußerst angespannte Haltung und nicht nur ihr Atem ging einen Deut schneller, während sie sich anfunkelten. Dabei mischte sich nicht allein Wut und Abscheu miteinander. Da war auch etwas anderes. Seine Anziehungskraft war enorm und selbst jetzt, wo sie doch eigentlich einfach nur wütend auf ihn war, spürte sie sie noch. Er war eben doch geheimnisvoll, dunkel und…verboten. Sie hatte von den Früchten genascht und nun bekam sie sie nicht mehr aus dem Kopf. Auf der anderen Seite verbot sie sich diese Leckerei, denn er war der Schlechte. Er war der Feind und er war… verheiratet.
Allerdings relativierte Neri diese Ehe bereits gedanklich und glaubte seine Worte, dass es eine reine Zweckehe wäre. Er hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er sie genau so sah. Und damit Neri’s – wenn auch zugegeben spärliche Erfahrungen – in Sachen Liebe und Ehe gehörig auf den Kopf stellte. Eben so war es bei vielen friedliebenden Elfen aus dem Kapayu Brauch, niemals im Streit ins Bett zu gehen. Man sollte die Dinge vorher geklärt haben, um einen friedlichen, von den Göttern gesegneten Schlaf zu erhalten. Wut, Zorn und Missgunst waren keine Liebhaber, die man in seinem Bett haben wollte. Calhoun dagegen… Wie auch immer! Keiner von ihnen suchte den jeweils anderen noch mal auf und so schlief zumindest Neri mit Groll und einer gehörigen Portion Suppe im Bauch ein. Diese war köstlich gewesen. Sie hatte gute Arbeit geleistet und das wohlige Gefühl, das sowohl ihre Sinne schärfte als auch ihr Wohlbefinden schürte, breitete sich so immens aus, dass sie einschlief. Um am nächsten Morgen vollkommen steifgelegen zu erwachen. Das war doch alles ein äußerst zweischneidiges Schwert… Auf der einen Seite hatten sie Glück eine Hütte wie diese gefunden zu haben. Wo sie sich sicher aufhalten und auch warm werden konnten.

Wo sie Arunn ein wenig päppeln konnten und selbst die Füße hochlegen. Um dann festzustellen, dass die Positionen alles andere als komfortabel gewesen waren. Ihr Blick wurde allerdings ein wenig entlohnt. Immerhin hatte sie ungenierten Blick auf den schwitzenden Dunkelelfen, der sich inzwischen wieder seinen Mantel ausgezogen und über den Tisch draußen vor dem Haus geworfen hatte. Er hackte und stemmte, dass sich seine Muskeln im aufgehenden Licht der Sonne glänzend zeigten und Neri`s Sinne verführten. Allerdings hatte auch sie ihren Streit nicht vergessen und verspürte derweil sogar eine gewisse Genugtuung, da er offenbar selbst noch nicht wieder zur alten Form zurückgekehrt war. Gut so! Bevor sie sich aber sabbernd an seinem Anblick labte, wandte sie sich lieber dem etwas größeren Sorgenkind zu: Arunn. Der Mann hatte die Nacht ruhig und bewegungslos verbracht. Wenn sie nicht seine Vitalwerte prüfen würde, könnte man durchaus glauben, dass er tot wäre, so ruhig lag er da. Selbst sein Atem musste man genau beobachten, um eine Bewegung seiner Brust zu erkennen. Neri aber versuchte ihr Glück noch mal und schöpfte etwas Brühe. Sie würde ihm Kraft geben und das war doch jetzt das Wichtigste. Damit er durchhielt, bis sie eine Lösung parat hatten. Die Elfe versuchte Arunn zu animieren und stellte dabei fest, dass das Fieber nicht eingekehrt war. Er schwitzte nicht und sein Hemd war trocken. Auch seine Wunde hatte nicht erneut durchgenässt, sollte aber noch mal bei Gelegenheit neu verbunden und behandelt werden. Offenbar halfen die Kräuter zumindest soweit, dass sie eine Infektionsausbreitung verhinderten. Ob man, jetzt wo sie Feuer hatten, die Wunde mal ausbrennen sollte? Würde das die keimenden Zellen abtöten und eine Ausbreitung zusätzlich verhindern? Die Suppe lief mehr daneben, als das etwas hineinging, doch Neri konnte sehen, dass es bereits etwas besser ging, als das Trinken am Abend zuvor.
Arunn öffnete tatsächlich minimal die spröden Lippen und versuchte jedenfalls, auch wenn er nicht aufwachte, etwas mitzuhelfen. Vielleicht war das Schlimmste überstanden und sie mussten ihn nur noch stabil halten, bevor er ihnen wegstarb. Jetzt aber widmete sie sich wieder dem Elfen vor der Tür. Er war Sorgenkind Nummer zwei. Und er hörte sie garantiert, reagierte aber nicht. Es war zum Haare raufen! Er hackte weiter auf seine Baustämme ein, um sie halbwegs gerade zu bekommen. Er hantierte mit einem Messer, das er hier gefunden haben musste und schnitt Unebenheiten ab, um die halbwegs gleichmäßigen Stämme vernünftig aneinander zurren zu können. Neri trat neben ihn und stellte die Schüssel auf einen der Stämme ab.

Er tat so als bekäme er nichts dergleichen mit und säbelte noch ein Rindenauge ab, sodass zwei Stämme besser nebeneinander lagen. Erst dann blickte er auf die Schüssel und wandte ihn wieder ab. Er setzte das Messer abermals an, ohne Neri anzusehen, ehe er sich abermals aufrichtete, sein Messer gekonnt im Erdreich versenkte, damit es stecken blieb, sich die Schüssel kommentarlos griff und den Inhalt löffelte. Er hatte Hunger. Und er wirkte beinahe schon trotzig, wie er da wortlos ihre Suppe muffelte. Es dauerte nicht mal lange, da war der Inhalt geleert und er wischte sich über sie leicht fettigen Lippen, ehe er seine leicht klebrigen Haare aus dem Gesicht wischte. Er hatte sie sich dieses Mal mit einem einfachen Band zurückgebunden, doch einige wenige Strähnen hatten sich auf seine schweißnasse Stirn verirrt. Er hob den Blick und sah sie ungerührt an. “Kann ich helfen?”, fragte sie betont gleichmütig und er schnaubte, wandte sich um, um die Schüssel neben seinem Mantel auf den Tisch zu stellen. „Sicher, wenn du wieder nüchtern bist?“, fragte er frech und funkelte sie erneut an. Oh, dieser Streit war noch nicht vorbei und er hatte zwar ihr stummes Angebot, die Suppe, angenommen, aber er war noch längst nicht so weit, ihre Worte zu vergessen. Calhoun griff sich das Messer und ging mit energischen Schritten zum Fluss, hockte sich dort an das Ufer und spülte die Klinge ab, damit der Baumharz das Messer nicht stumpf werden ließ. Nachdem es sauber war, legte er es neben sich und schöpfte mit den hohlen Händen Wasser, um es sich über den Körper laufen zu lassen. Es war eine willkommene Abkühlung und danach erhob er sich wieder, nicht ohne das Messer zu greifen.
Er wandte sich der Shyánerin zu und hielt einen Moment seinen Blick in den Augen der anderen. Dann trat er auf sie zu und hielt das Messer auf sie gerichtet. Vor ihr blieb er stehen und warf das Messer in die Luft, fing es an der Klinge auf und reichte es ihr, um die sichere Seite nehmen zu können. Neri und er standen erneut recht dichtbeisammen, sodass sie tatsächlich einfach nur hätte zustoßen müssen, um ihm erheblichen Schaden zuzufügen. Er funkelte sie an, als warte er bereits darauf, dass sie ihrer Wut freie Bahn ließ, doch dann nickte er nur, ohne hinzusehen, zu den Astaugen. „Säbel sie ab, damit die Stämme so glatt wie möglich werden.“, wies er sie an und seiner Stimme war ein leichtes Knurren beigemischt. Es konnte auf verschiedene Arten gelesen werden. Zum einen wirkte er bedrohlicher. Zum anderen aber auch ungemein… Nein! Nein! Diese Gedanken waren tabu! Und er war tabu. Und der Schweiß, wie er über seine Muskeln lief und sich in der Sonne präsentierte… Der Geruch, der nicht unangenehm war und davon zeugte, dass er Reinlichkeit lebte. Und dann dieser Blick… Er durchbohrte sie beinahe und ließ sie sich fragen, ob das eine andere Art von Hunger war… Und dann diese Lippen… „Und wenn es Frau ‚ich-ziehe-falsche-Schlüsse‘ angenehm ist, dann hole ich noch ein paar Baumstämme mehr.“, fauchte er. OH! Diese Lippen, die solche Verheißung versprachen und dann alles mit Gift und Galle vernichteten… Oder anheizten? Niemals!... Oder? Er wollte sie erneut stehenlassen, um genau das zu tun, was er angekündigt hatte. Oh und wie er noch sauer war… Das konnte ja ‚lustig‘ werden.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Freitag 24. März 2023, 08:23

Sie beobachtete Calhoun, der so aussah, wie sie sich gestern Abend noch gefühlt hatte. Er schien gefangen in seiner Wut zu sein. Sie hatte den restlichen Abend mit Grübeleien verbracht und war am Ende zu dem Schluss gekommen, dass sie wohl oder übel akzeptieren musste, dass er schwieg wie ein Stein. Was hatte sie auch für eine Wahl? Sie hatte Calhoun danach gefragt, als Arunn ihr im Wald eröffnet hatte, dass sie zu einer Familie gehörten, und der Elf hatte die Unterhaltung auf später verschoben. Sie hatte ihn noch einmal eindringlicher gefragt am gestrigen Abend und wieder hatte sie keine zufriedenstellenden Antworten bekommen. So langsam resignierte Neri. Sie konnte ihn schlecht zwingen. Doch Calhoun schien das Ganze tatsächlich noch über die Nacht hinaus zu beschäftigen, was sie tatsächlich überraschte. Sie hatte erwartet, dass er heute so weitermachen würde wie die letzten Tage, als wäre nichts geschehen. Aber Neri spürte auch Genugtuung darüber. Es beschäftigte ihn also doch mehr, als er hatte zugeben wollen. So beobachtete sie ihn auch mit einer gewissen Zufriedenheit, weil sie ihm diese Wut aus vollem Herzen gönnte, als er fast trotzig seine Suppe auslöffelte, ehe sie fragte, ob sie helfen könne.
„Sicher, wenn du wieder nüchtern bist?“
Ihre Augen verengten sich für einen Moment. Im Stillen kannte sie aber an, dass der freche Spruch gut war. Aber ihre Lippen regten sich nicht. Der Streit war also noch nicht vorbei. Neri hatte neutralen Boden betreten wollen, doch Calhouns Reaktion drohte ihre Wut erneut an die Oberfläche zu kitzeln. Dabei hatte sie sich doch erst vor ein paar Minuten dazu entschlossen, die Dinge so zu akzeptieren wie sie waren.

Sie sog die Luft zwischen den Zähnen ein, als er ihr den Rücken zudrehte und zum Fluss ging, als würde sie sich für das gleich folgende wappnen. Die Elfe wischte sich mit den Händen durch die Haare, die reichlich zerzaust in einem Knoten hingen. Das würde ein interessantes Gespräch werden! Sie nutzte die Zeit, um sich anzusehen, was er bisher bezüglich des Floßes geschafft hatte. Doch ab und an fiel ihr Blick zurück auf den Dunkelelfen mit dem bald nassen Gesicht und Strähnen, die ihm in die Stirn fielen. Sie versuchte betont gelassen zu wirken und seinen Blick ruhig zu erwidern, als er zurück zu ihr kam. Ruhig, aber auch abwartend, da sie noch mit weiterem rechnete. Er aber hielt das Messer auf sie gerichtet, ehe er es im nächsten Moment in die Luft warf und an der Klinge wieder auffing.
"Nett", meinte sie daraufhin betont unbeeindruckt. Als sie den Griff des Messers in die Hand nahm, blickte sie jedoch verstohlen auf seine unverletzte Handfläche. Er reichte ihr die Klinge so provokant, wie sie sie ihm dann auch für ein Sekunden entgegen hielt. Doch sie war keine Furie, die ihm ein Messer ins Herz jagen wollte. Nicht einmal gedanklich. Also senkte sie den Arm, während sie seinen Blick erwiderte. Ihr Gold legte sich auf sein Rot und sie bekam nur halb mit, was er ihr für einen Aufgabe für den Bau des Floßes auftrug. Hier ging es doch gar nicht um das Floß. Schweiß und Wasser tropften von seiner Stirn und über seinen nackten Oberkörper, dem sie gefährlich nahe war. So langsam müsste sie den Anblick eigentlich gewöhnt sein.. dennoch gab es Momente, wo er sie aus dem Konzept riss. Je länger ihr Blickkontakt anhielt, desto deutlicher spürte sie ein Kribbeln in ihrem Körper, das sie versuchte, zu ignorieren.
„Und wenn es Frau ‚ich-ziehe-falsche-Schlüsse‘ angenehm ist, dann hole ich noch ein paar Baumstämme mehr.“
Ihr Blick war zu seinen Lippen hinab gewandert, hinter denen eine Mischung aus Knurren und Fauchen sie traf, einem hungrigen Tier gleich. Zumindest erinnerte sein Blick sie daran, doch sie schüttelte diesen Gedanken schnell ab. Schließlich waren sie doch gerade dabei, sich zu streiten, rief sie sich in Erinnerung.
"Natürlich. Lauf nur weg.. schon wieder", betonte sie deutlich den letzteren Teil. "Herr 'Ich verdrehe wahllos Frauen den Kopf und wenn es unbequem wird, laufe ich davon." Dieses Spiel konnte sie auch spielen. Und wie. Er provozierte sie mit ihrer Unwissenheit, obwohl er es war, der sie nicht aufklärte, sondern das Weite suchte. Daran erinnerten sie nun seine Worte und gaben ihrer Wut neuen Raum. Sie war sich sicher, dass ihre Worte ihn zum Hierbleiben bewegen würden und er sich dieses Mal nicht abwenden würde. Ihr Körper spannte sich unbewusst an in Erwartung seiner Reaktion, während sie versuchte, so locker wie möglich vor ihm zu stehen. Doch ihr Griff um das Messer war stark und ihr Gesichtsausdruck war so provokant wie seine Worte.
"Blöd für dich, dass Arunn geplaudert hat, hm? Sonst hättest du ganz einfach deine üblichen Spielchen mit mir spielen können. Aber da hast du dir diesmal die Falsche ausgesucht."
Sie hatte sich wirklich vorgenommen, nicht wieder so aufbrausend zu werden. Doch seine Worte provozierten sie und sie konnte sie unmöglich auf sich sitzen lassen. Außerdem ging sie lieber als Erste zum Angriff über, in dem sie ihm unterstellte, dieses Spiel ständig mit wildfremden Frauen einzugehen. Sie fragte sich kurz, ob es diese Frauen gewagt hatten, ihm zu widersprechen. Gab es diese Möglichkeit in seiner Welt überhaupt? In der Welt der Shyáner Elfe auf jeden Fall, wie sie nun deutlich machte.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Samstag 25. März 2023, 12:48

Dieses Mal hatte Neri ganze Arbeit geleistet. Sie hatte Calhoun klargemacht, was sie von ihm und seiner Verschwiegenheit hielt. Was sie über ihn dachte und wie sie sich das zusammenleben auf Zeit vorstellte. Trotzdem konnte sie nicht über ihren Schatten springen und versuchte sogar die Wogen ein wenig zu glätten, indem sie ihm eine Schüssel von der noch lauwarmen Suppe brachte. Es hätte ein Friedensangebot sein können und im ersten Moment schien es auch so als würde der Dunkle dieses annehmen, denn er löffelte sie eilig leer. Gleichwohl wirkte es ein wenig trotzig und zeugte davon, dass er noch nicht soweit war, ihr mit gleicher Neutralität zu begegnen. Calhoun wirkte angefasst, unstet und gleichwohl wütend. Und Neri? Die freute sich ein Loch in den Bauch, da sie endlich mal Oberwasser hatte. Während er sie einmal mehr demonstrativ stehenließ, um sich am Flussufer zu waschen, hatte Neri Zeit zu sehen, dass er bereits vier halbwegs gleiche Baumstämme dünnerer Bäume geschlagen und von der Krone befreit hatte, um sie nebeneinander zu legen und später dann mit ordentlichen Seilen zu befestigen. Die Fläche, die diese Stämme boten, würde allerdings nicht für sie drei reichen. Gerade, weil Arunn wohl liegen müsste und somit mehr Platz beanspruchte. Seile lagen bereits nebendran, doch noch hatte er nicht begonnen, die Stämme zu befestigen. Sie lagen lose nebeneinander und er hatte mit monotonen Schlägen die Enden bearbeitet, um sie halbwegs vernünftig anzugleichen. Er kehrte wieder zu ihr zurück und wusste es sowohl mit seiner Art sie bis aufs Blut zu reizen, wie mit seinem Körper und seiner Nähe dieses Blut zum Kochen zu bringen. Es war ein ständiges Zerren an den ohnehin gespannten Nerven und ließen die Elfe ein wenig unstet zurück. Zum einen wollte sie ihm mit kalter Nichtachtung begegnen, damit er sich ja nicht einbilde, dass er sie in irgendeiner Weise interessierte. Zum anderen aber wirkte sein Verhalten bedeutend besser als ihr lieb war. Er war einfach gutaussehend und das allein hätte sie vielleicht noch mit ihrem Stolz kaschieren können, doch gepaart mit seiner geheimnisvollen – nervigen – Art und der latenten Bedrohlichkeit, die von ihm auszugehen schien, reizte er ihr behütetes Herz. Neriélle hatte ohnehin eine Affinität zum Dunklen und ausgerechnet er war so… von allem ein wenig, dass sie gar nicht mehr wusste, was sie eigentlich wollte. Und dann war sie wieder im Moment gefangen und zeigte ihm durchaus, dass sie nicht ganz so abgebrüht sein konnte, wie sie wollte. Denn während sie jeweils am anderen Ende das Messer gemeinsam festhielten, fesselte sein durchdringender Blick ihren Goldenen und gleichzeitig nahm sie im Augenwinkel seine nackte Brust wahr, die verboten dicht vor ihrer Nase lag. Er ließ sie nicht kalt. Und vielleicht trugen die Streitereien ein wenig dazu bei, dass dem so war. Das Kribbeln ihres Körpers half ihr jedenfalls nicht, das wütende Gefühl aufrechtzuhalten. Aber Calhoun sorgte dafür, dass sie sich erinnerte, wo sie eigentlich geradestanden. "Natürlich. Lauf nur weg... schon wieder“, er reagierte nicht sondern wandte sich bereits ab. Er wollte schließlich in den nahegelegenen Wald und neue Stämme besorgen. Ein paar würden sie noch brauchen. "Herr 'Ich verdrehe wahllos Frauen den Kopf und wenn es unbequem wird, laufe ich davon.‘" Er sammelte soeben ein Beil und ein weiteres Messer ein und schnaubte bei ihren Worten. Sie traf ein funkelnder Blick und zusammengepresste Lippen. Calhoun richtete sich wieder auf und wandte sich ihr wieder zu, als er an ihr vorbeitrat. Er neigte sich etwas ihr entgegen und sah aus, als wollte er sie gleich fressen, doch dann schnaubte er nur noch mal und ließ sie wieder mal wortlos stehen.

Wenn sie geglaubt hatte, dass er sich darauf einlassen würde, hatte sie sich geschnitten. Ihre Worte triezten ihn und zeigten, dass er längst nicht so aalglatt war, wie er anfangs den Anschein machte. Auf der anderen Seite wurde er auch nur wütend und lieferte ihr dennoch keine Antworten. Noch immer konnte sie ihn zum Waldrand gehen sehen und sie sah auch, wie angespannt sein ebenso muskulöser Rücken war. Es brodelte in ihm. Zudem spannten sich seine Finger extrem fest um den Griff des Beils, als wolle er ihn gleich werfen. Sollte sie Angst haben vor ihm? Vermutlich. Aber es war viel zu verlockend, dass sie diese Macht über ihn zu haben schien. Auch wenn sie gar nicht genau wusste, wieso. Was war es, was ihn so wütend werden ließ? Wirklich nur ihre Spitzen oder… gab es etwas, was sie übersehen könnte? Wie auch immer Neri dieses Schauspiel bewertete und für sich verbuchte – ob als Sieg oder nicht -, Calhoun stiefelte mit energischen Schritten weiter und erst als er einen kleinen Baum erreicht hatte, entlud sich ein Teil seiner Anspannung. Er schlug so heftig auf den Stamm ein, dass das Bäumchen innerhalb weniger Augenblicke fiel. Dann packte er es, als hätte es kein Gewicht, zog es den Weg zu Neri zurück und ließ ihn vor ihren Füßen fallen. Er funkelte die Elfe an. „Los! An die Arbeit.“, schnauzte er und ging erneut zurück. Bevor er dieses Mal aber den Wald erreichte, wandte er sich noch mal um zu ihr. „Mach dich endlich nützlich, damit wir von hier wegkommen!“, blaffte er und im Subtext schwang deutlich mit, dass er keine Lust mehr hatte, sich mit ihr zu beschäftigen. Neri aber stach abermals ins Wespennest, während er den nächsten Stamm schlug. "Blöd für dich, dass Arunn geplaudert hat, hm? Sonst hättest du ganz einfach deine üblichen Spielchen mit mir spielen können. Aber da hast du dir diesmal die Falsche ausgesucht.", rief sie ihm entgegen und er hielt für Sekunden inne, bevor er umso fester zuschlug. Ober sie assoziierte? Ganz egal… Er hatte sie gehört und das war Genugtuung pur. Der nächste Baum fiel, was vermutlich seiner Wut und deren Entladung zu verdanken war. Er schwitzte abermals, ob der körperlichen Anstrengung und bot ihr wieder eine besondere Art sich an ihm zu ergötzen. Dieses Mal aber stand Calhoun einen Moment schnaufend vor dem Stamm zu seinen Füßen und packte ihn nicht gleich.
Er starrte darauf, das Beil in seiner Hand, den Rücken ihr zugewandt. Sein Atem ging schnell, das konnte sie erkennen. Dann, plötzlich, drehte er sich zu ihr um und sah aus, als wolle er ihr jetzt nach dem Leben trachten. Doch um die Bedrohlichkeit seines Anblickes etwas zu entschärfen, schleuderte er das Beil neben sich in den Stamm, wo es stecken blieb, und kam mit weitausladenden, kraftvollen Schritten auf sie zu. Er wurde gar nicht langsamer, sondern überwand etwaige Hindernisse, die ihm im Weg standen. Bis seine Hände nach ihren Hüften packten, um sie zu sich zu ziehen und seine Lippen abermals ganz unverblümt und ohne zu Fragen auf die ihren pressten. Dabei war er trotz der Rage, die er offensichtlich mit sich führte, erstaunlich weich. Er hielt sie fest, so richtig fest und küsste sie, als wären sie einer Meinung diesbezüglich. Dabei löste er sogar eine seiner Hände und begann damit, über ihren Körper zu wandern und überall kleine Brände zu entfachen. Oh, die Erinnerungen waren äußerst frisch und sein ganzes Gebaren verheißungsvoll. Aber… war Neri auch bereit dafür? Konnte sie das zulassen?
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Samstag 25. März 2023, 18:08

Angespannt und für seine vermeintliche Reaktion gewappnet beobachtete sie nach ihrer Erwiderung Calhoun dabei, wie er das Beil und das Messer einsammelte. Sie vernahm sein Schnauben auf ihre Worte und erwiderte seinen funkelnden Blick. Während sie auf seine provozierenden Worte mit eigenen Provokationen antwortete, reagierte er nur abermals mit Schweigen. Es war frustrierend! Neri straffte die Schultern, als er zurück zu ihr kam, doch der Elf schwieg eisern und machte den Anschein, an ihr vorbeizulaufen. Aber kurz, bevor er das tat, stoppte er und beugte sich zu ihr hinab, was ihren Herzschlag unweigerlich erhöhte. Er sah aus, als würde er sie gleich fressen wollen.. er sah hungrig aus.. und Neri versuchte, auch diesen Gedanken beiseite zu schieben und nicht zu lange auf seine verschlossenen Lippen zu starren. Lieber fasste sie ihren Ärger in Worte, als darüber nachzudenken, was sie wirklich wollte.
Als er sich dann endlich schnaubend zum Waldrand abwandte, starrte sie giftige Löcher in seinen Rücken. Dann schnaubte sie nun ihrerseits leise und verdrehte die Augen. Der Kerl machte sie wahnsinnig! Sie sah, dass er wütend war und sich zu beherrschen versuchte. Aber wieso blieb er trotzdem so gefasst, im Gegensatz zu ihr? Sie spürte zwar Genugtuung, weil ihre Worte ihn wohl doch irgendwie trafen, aber auch eine steigende Frustration über sein Verhalten. Erst als sie sah, wie er mit dem Beil auf das Bäumchen einschlug, kam ihr der Gedanke, dass es vielleicht besser war, dass er seine Wut an dem Baum ausließ und nicht an ihr. Denn sie würde vermutlich eben so schnell nachgeben wie dieser unter dem Beil. Als er das geschlagene Bäumchen zu ihr zog und sie anschnauzte, dass sie an die Arbeit gehen sollte, hob sie nur eine Augenbraue und stemmte die Hände in die Hüften, während das Messer in ihrer Hand zur Seite zeigte. War das jetzt sein Ernst? Sie biss sich die Zähne an ihm aus und er trotzte dem einfach so? Immerhin waren sie der gleichen Meinung, dass sie hier so schnell wie möglich weg sollten. Keiner hielt es mit dem anderen aus. Neri suchte seine Nähe und gleichzeitig versuchte sie, ihn auf Abstand zu halten. Vermutlich hatte er sich das alles einfacher mit ihr vorgestellt. Doch Neri konnte ziemlich stur und unnachgiebig sein und das bekam er nun zu spüren, ob er wollte oder nicht. Hätte Arunn seinen Mund gehalten, hätte sie womöglich nie erfahren, dass Calhoun verheiratet war und vielleicht hätte das einiges geändert oder leichter gemacht. Der nächste Baum fiel und sie sah, dass Calhoun auf ihre Worte reagierte und in der Bewegung innehielt. Neri blieb unerbittlich, sie wollte diesen Dunkelelfen aus der Reserve locken! Es war, als wollte sie ihn unbedingt explodieren sehen. Sie sah, wie er ähnlich bebte wie am vorherigen Abend. Sie sah, wie sich sein nackter Oberkörper hob und senkte, vor Anstrengung, aber sicherlich auch vor Wut. Und sie sah, wie er sich mit Blick auf das Beil zu ihr herum drehte und tatsächlich dachte sie im ersten Moment, dass er damit auf sie zustürmen würde. Ihr Fuß hob sich sogar schon in einer ersten Bewegung des Zurückweichens und der Griff um das Messer, das sie noch immer hielt, wurde wieder stärker. Würde er ihr tatsächlich etwas antun? Vielleicht hatte sie zu viel Vertrauen in ihn, weil sie ihm das bisher nicht zugetraut hatte? Oder schätzte sie ihn vollkommen falsch ein, was ihr gleich zum Verhängnis werden würde? Schließlich war er noch immer ein Dunkelelf, einen, den sie viel mehr verabscheuen sollte, als ihr Herz wollte. Doch dann sah sie, dass er das Beil zur Seite warf und ohne die vermeintliche Waffe auf sie zugestürmt kam. Ihre Kehle fühlte sich plötzlich trocken und die Knie weich an.. vor Angst oder vor Erwartung hätte sie gar nicht sagen können. Mit schnellen Schritten überwand der Dunkelelf auch schon den letzten Abstand zwischen ihnen und packte sie plötzlich an den Hüften. Neri war sichtlich überrascht, denn mit dieser Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Sie wusste nicht, was genau sie erwartet hatte, aber auf jeden Fall nicht, dass er sie überhaupt noch einmal so anfassen würde. Nicht so und vor allem nicht jetzt. War sie nicht nur irgendeine Elfe.. eine von vielen? Eine Frau, die er erobert hatte und die nun uninteressant geworden war? Offensichtlich war sie das nicht. Sie wusste nicht, was er fühlte, aber für sie fühlte es sich an, als würde Calhoun einen tief in ihr verschlossenen Wunsch erfüllen. Sie spürte seinen festen Griff und unter seinen Händen löste sich Neris aufgebaute Anspannung und die eingenommene Abwehr. Als sie realisierte, was er vorhatte, hob sie sogar den Kopf, um seinen Kuss zu empfangen. Sie wehrte sich nicht, ganz im Gegenteil. Sie warf das Messer achtlos hinter sich und legte ihre nun freien Hände seitlich an seine starken Arme, während ihre Lippen die seinen liebkosten. Seine fühlten sich weich an und hinterließen ein Kribbeln auf ihren Lippen. Im ersten Moment war sie überrumpelt von seiner plötzlichen Nähe, die sie so unverhofft und mit voller Macht umgab, aber dann erwiderte sie seinen Kuss sanft. Nicht so stürmisch wie damals im Wald, zwar ähnlich leidenschaftlich, aber auch gefühlvoller. Neri ließ Calhouns Berührungen zu. Und wie sie das tat, als wollte sie nichts anderes. Das hier war die beste Art, um sie zum Schweigen zu bringen. Ihn ständig um sich zu haben mit seiner dunklen Aura hatte an ihren Nerven gezerrt. Ihm nah sein zu wollen und gleichzeitig nicht zu dürfen, weil es gegen alle Regeln sprach, hatte sie dazu gebracht, auf Abwehr zu gehen, um in ein Muster zu passen, dem sie gar nicht entsprach. Gleichzeitig hatte er, ob bewusst oder unbewusst, sie ständig mit seiner Nähe gereizt. Ganz zu schweigen von seiner unnahbaren Art, die sich seit gestern Abend verstärkt hatte und die ihre Begierde während ihrer Wortgefechte unterschwellig noch mehr geweckt hatte. Neri erbebte unter seiner Hand, die auf Wanderschaft ging und schickte ihrerseits ihre Zunge auf Wanderschaft, um die seine zu liebkosen. Sie hatte die Augen geschlossen und gab sich ganz seinen Berührungen hin, die sie erschaudern ließen, so als hätte sie darauf Tage warten müssen und konnte nun nicht anders, als die Gelegenheit zu ergreifen, die sich ihr so schamlos bot. Ihre Hände strichen über seine Brust und von dort zurück zu seinen Armen. Für diesen Moment genoss sie einfach nur, ihm so nah zu sein und nicht mehr gegen die dunkle Anziehungskraft ankämpfen zu müssen, die ihn seit jeher umgab. Für den Moment regte sich kein Widerstand in ihr.

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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. März 2023, 11:19

Neri konnte. Sie konnte es nicht mur zulassen, sie wollte es auch! Es war ein tiefer Wunsch, der sich erst jetzt so richtig zeigen wollte, da es bereits passierte. Es war ein ständiges Auf und Ab und im Grunde sollte sie nicht tun wonach sie sich sehnte. Aber wer sollte sie verurteilen? Seine Hände griffen nach ihr und zogen sie eng in seine folgende Umarmung. Dabei sendeten seine Lippen enervierende Impulse durch ihren ganzen Körper, während er ihre liebkoste. Es gab kein Zögern, es gab kein Halten. Auch er hielt sich nicht zurück, sondern packte was unter ihrer beerigen Bluse verborgen lag und knetete ihr Fleisch. Sein Anliegen war unmissverständlich klar. Nur woher die Intention dazu kam blieb sein Geheimnis. Ein weiteres. Seine Wut aber hatte sich in Leidenschaft verwandelt und zeigten der Elfe, dass er heißer brennen konnte als seine kalte Schulter vermuten ließ. Neri konnte nicht leugnen, dass sich ein gewisses Bild formte. Er, wie er nackt im Zelt stand und wie er es verstand, mit Blicken dafür zu sorgen, dass man sich die Kleider am liebsten selbst vom Leib reißen wollte. Immer wieder fassten seine Lippen gekonnt nach, saugten, schmiegten und massierten die ihren. Seine Zunge bat nicht um Erlaubnis. Sie verlangte es, ohne grob zu werden. So schnell wie er auf sie zugekommen war und Hand angelegt hatte, so zügig hatte er sie auch auf seinen Schoß gehoben. Calhoun hatte keine Mühe die Elfe so zu händeln, wie er es sich vorstellte und Neri ließ es zu, weil sie es insgeheim wollte.

Sie wollte seine Hände an sich spüren, sie wollte ihre über seine Haut wandern lassen. Er grollte in ihren Kuss hinein, während er sie zum Tisch vor der Hütte trug und dort mit einer Bewegung die Schüssel entfernte, ehe er sie auf seinen abgelegten Mantel setzte. Er drängte sich zwischen ihre Beine und ließ sie kaum zum Atem kommen. Sie konnte deutlich spüren, wie er bereit war, während er sich gegen ihre Schenkel presste. Calhoun verlangte viel von ihr, wurde aber wieder nicht grob oder gar übergriffig. Er tat nur, was sie zuließ. Auch wenn er ganz klar dominierte. Er löste sich von ihren Lippen, wanderte ihre Wange entlang und drehte dann mit seiner Linken ihren Kopf in die selbe Richtung, um ihren Hals etwas zu spannen und dort an ihm hinunter zu lecken, bevor er mit seiner Rechten nach ihrem Kragen griff und ihn von ihrer Schulter zog. Auch dort bedeckte er ihre Haut mit Küssen. Dann glitten beide Hände über ihre Brüste, kneteten dort kurz, ehe er in ihren Stoff fasste und kurzerhand die Bluse entzweiriss. Er legte frei, was seine Hände bereits immer wieder gereizt hatten und hob ihr Kinn mit seiner Hand wieder etwas gestreckt nach oben, ehe sein Kopf an ihrer Kehle versank und dort die feine Linke hinabküsste, bis er sich ihren Spitzen zuwenden konnte. Er beugte sich etwas hinunter, um sie zu erreichen, doch dann reizte er Neri wieder auf eine unglaublich selbstbestimmte und höchst wirksame Art.
Ihre Haut kribbelte von seiner Behandlung, während die leicht feuchten Stellen immer wieder Schauer aussanden, wenn der Wind leicht wehte. Calhoun aber war noch nicht fertig. Nachdem er sich ihren Brüsten gewidmet hatte und dort für Unruhe sorgte, wanderte er weiter hinab, bis er ihre Hose öffnete und diese mit einem kurzen, für ihn mühelosen anheben ihrer Hüfte, hinunterzog. Neri war nackt und er wusste haargenau was er tat. Und so senkte er dich zwischen ihre Beine hinab, um sie sich über die Schulter zu legen und leicht mit seinen Händen abzuspreizen, ehe seine kundige Zunge ihren Weg über ihre anderen Lippen fand. Und auch hier bewies der Mann sein Können. Es war nicht fair, dass er konnte was er konnte und war wer er war. Aber wenigstens lohnte sich dieser vermeintliche Grenzübertritt erheblich.

Neri saß noch auf dem Tisch und hatte Platz sich darauf auszustrecken, wenn sie das wollte. Und Calhoun kümmerte sich um ihr tiefstes Wohlbefinden indem er auch hier massierte, saugte und leckte. Dabei war er genau so forsch und nehmend, wie der Kuss es bereits getan hatte, aber er wusste auch, was er tat. Und er schien tatsächlich erhebliches Vergnügen dabei zu haben, ihr die Lust zu entlocken. Hier hörte sie niemand. Sie waren allein und ihm es offenbar eine Freude, wenn sie stöhnen würde. Vielleicht war er sogar so versiert, dass sie schon dem ersten Höhepunkt nahe war, so oder so wusste Neri, dass sie mindestens zwei, wenn nicht sogar mehr Höhepunkte überrollen würde. Und als er sicher sein konnte, dass sie vollkommen überreizt war, ob seines Könnens, da erhob er sich wieder und öffnete seine Hose. Ihm gefiel es auch, das konnte sie deutlich sehen. Und während er ihr zeigte, was da noch auf sie wartete, schaute er sie mit einem Mal an. Sein Atem ging schneller und seine Brust hob sich erneut sichtbar. Dann lehnte er sich vor, stützte beide Hände links und rechts von ihr ab und senkte sich ihr entgegen. Er kam ihr verboten dicht, doch hielt er seinen Blick in ihren Augen, bevor er mit tiefem Timbre seine Stimme erklingen lies, dass es einem die Haare zu Berge stehenlassen konnte: „Los… an die Arbeit..“, knurrte er rauchig und tatsächlich blitzte es kurz in seinen Augen auf, das klar wurde, dass er es nicht gänzlich ernst meinte, sondern mit Absicht erwähnte, um eine Brücke von ihrem Streit zu diesem Moment zu schlagen. Dann zog er allerdings an ihrer Hüfte und platzierte sie so, dass er mühelos in ihr versinken könnte, wenn sie wollte.
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Re: Die nächste Etappe

Beitrag von Neriélle » Sonntag 26. März 2023, 21:18

Calhoun brach ihren Widerstand. Schon wieder und dieses Mal erheblich schneller. Seine reizvolle Nähe machte es Neri unmöglich, einen klaren Gedanken unter seinen Berührungen zu fassen. Wo sie ihm vorher noch an den Kopf geworfen hatte, dass sie die falsche Frau für seine Spielchen war, hing sie nun doch wieder in seinen Armen. Sie gehörte definitiv zu den Frauen, denen er den Kopf verdrehte, auch wenn sie das nicht offen zugeben würde. Die Gefühle, die er in ihr auslöste, verwirrten sie und sie machten ihr auch irgendwo Angst. Sie waren so anders und ihr in dem Maße unbekannt. Und sie konnte sich ihnen auch nicht länger widersetzen. Der Dunkelelf machte das unmöglich und es wurde mit jeder seiner Berührungen schwieriger. Selbst das Tabu, mit einem verheirateten Mann zu schlafen - erneut - überschritt Neri gerade willentlich. Die Shyánerin hatte keine Ahnung, wie viel Glauben sie dem Dunkelelfen bezüglich seiner Zweckehe schenken konnte und sollte. Doch sie wollte ihm glauben. Weil es ihr Gewissen erleichterte und weil es ehrlicherweise die gesamte Sache, die kompliziert genug war, gerade einfacher machte.
Zumindest lief er nicht schon wieder weg, wie sie ihm gerade noch vorgeworfen hatte. Oh nein, Calhoun ging zum Angriff über. Wieso war sie nochmal sauer auf ihn? Falls es seine Taktik war, auf diese Weise den Problemen zu entgehen, war diese auf jeden Fall erfolgreich.

"Du machst mich wahnsinnig", murmelte sie zwischen zwei Küssen und ließ offen inwiefern genau. Denn reden wollte sie jetzt nicht mehr. Das war mühsam mit diesem Elfen. Und diese Sprache hier sprach Calhoun deutlich besser. Sie hatte noch genau in Erinnerung, was er mit ihr in den Schatten angestellt hatte und das allein erregte sie und ihre Phantasie. Sie hatte eine heiße Ahnung davon, was sie erwartete, und das wandelte innerhalb von Sekunden ihre Wut in Leidenschaft um, die aber nicht weniger intensiv war. Ihr Atem ging rasch schneller und sie legte ihre Hände in seinem Nacken aufeinander und die Beine um seinen Körper, als er sie hochhob. Ihr Atem streifte heiß seine Lippen als er sie auf dem Tisch vor der Hütte absetzte. Auch er war innerhalb weniger Momente bereit, das spürte sie deutlich, als er sich zwischen ihre Beine drängte. Neris Atem entwich in einem leisen Stöhnen, als er mit seinen Berührungen das leichte Pochen in ihrem Inneren auslöste. Mit geschlossenen Augen und etwas geöffnetem Mund genoss sie seine Lippen auf ihrer Haut und die heißen Spuren, die er auf ihrer Wange und dem Hals hinterließ. Er wusste sie zu reizen und sie hielt ihn nicht auf. Nur als er den Stoff ihrer Bluse zerriss, öffnete sie die Augen überrascht.
"Musste.. das.. sein..?" Es fiel ihr schwer vor Erregung zu reden und es war eher ein leises Keuchen, das an seine Ohren drang. Sie war in diesem Moment aber nicht wütend, dafür reizte er sie auf ganz andere Weise. Um das Problem konnte sie sich später kümmern.. wie um all die anderen, die mit einem Mal völlig unwichtig geworden waren. Sie stöhnte erneut auf, als er sich ihren Brüsten widmete und legte ihren Kopf in den Nacken, während ein Ziehen von ihren Knospen durch ihren ganzen Körper zog und sich im Unterleib sammelte. Genau dorthin bewegten sich nun auch die Lippen des Dunkelelfen, die ein leichtes Zittern in ihren Beinen auslösten. Sie drückte ihren Rücken etwas durch und ließ sich bereitwillig von ihm entkleiden. Und wie bereit sie war. Schon jetzt. Doch Calhoun bewies hier mehr Geduld, als sie hätte aufbringen können und wanderte immer tiefer, bis er ihre Beine über seine Schultern legte.
Ihr entfuhr ein ungläubiges Keuchen, als er ihre Lippen gekonnt liebkoste und sie immer weiter reizte. Sie legte ihre Hand auf seinen Kopf und er spürte es an den Bewegungen ihrer Fingerspitzen, die sich in seine Haare gruben oder aber still verharrten, dass sie den elektrisierenden Strömen in ihrem Körper nachfühlte, die seine Zunge und Lippen auslösten. Mit einem lauten Stöhnen ließ sie seinen Kopf los, legte sich schließlich auf den Rücken und bewegte ihr Becken entsprechend, damit er seine Reize an den richtigen Stellen setzte, wobei er schon ganz genau wusste, was er tun musste. Neri war jetzt sogar noch etwas gelöster und entspannter als in den Schatten. Sie wusste genau, wo sie war und sie wusste, dass sie alleine waren. Das ließ sie tatsächlich ohne Scheu seine Berührungen genießen und sie mit einem Stöhnen unterstreichen. Außerdem war sie sich sicher, dass ihn diese Geräusche erregen würden, was ihr nur zu Gute kommen würde.

Ihr Unterleib pulsierte im süßen Schmerz, als er sich von ihrer Mitte löste. Mit geröteten Wangen öffnete sie die Augen und schaute nun ihrerseits hungrig zu ihm hinauf. Sie stützte sich auf ihren Unterarmen ab, wobei sie in der Bewegung sah, wie bereit er war, bevor er sich über sie beugte und sich mit den Armen neben ihr abstützte.
„Los… an die Arbeit..“ Es lief ihr gleichzeitig heiß und kalt den Rücken hinab. Ihr Mundwinkel zuckte kurz bei seiner Anspielung. "Ich hoffe, du arbeitest weiter so gewissenhaft", raunte sie ihm zu, während sie den rechten Arm streckte, um sich mit der Hand auf der Tischplatte abzustützen und seinem Oberkörper gleichzeitig entgegen zu kommen. Während sie die linke Hand in seinen Nacken legte und sein Gesicht zu sich zog, um ihn fordernd zu küssen. Gleichzeitig drückte sie ihm ihr Becken entgegen, um ihn zu empfangen. Ihre Lippen wanderten zu seiner Wange und sie entließ ihren Atem in einem Stöhnen an seinem Ohr. Sie genoss das Gefühl, als er tiefer und tiefer in sie eindrang. Hungrig und fordernd drückte sie sich an ihn und dirigierte seine Bewegungen mit ihrem Fuß an seinem Hintern. Er hatte sehr gute Vorarbeit geleistet, denn tatsächlich brauchte es nur ein paar kräftige Stöße, ehe ihr völlig überreizter Unterleib explodierte und zuckende Wellen durch ihren Körper trieb. Sie stöhnte abermals an seinem Ohr und hielt ihn mit dem Fuß an Ort und Stelle, um ihn tief in sich zu spüren. Sie fühlte dem Zucken nach und verharrte ein paar Wellen in ihrer Position. Ihre Finger krallten sich in seinen Nacken, ehe sich der Schleier langsam nach und nach lichtete. Sie bedeckte den Weg von seinem Ohr bis zu seinen Lippen mit kleinen Küssen und biss ihm am Ende in die Unterlippe, die sie ein paar Sekunden hielt, ohne ihn wirklich zu schmerzen. Dann löste sie sich langsam von seinem Mund und sah ihn aus glühenden Augen an.
"Und jetzt weiter", hauchte sie mit erstickter Stimme. Auch sie wusste, sich zu nehmen, was sie wollte, und sie wusste, die Männer zu reizen. Erst dann löste sich ihr Fuß von seinem Hintern und gewährte ihm wieder Spielraum, damit er erneut die Führung übernehmen konnte. Neri verbrannte unter seinen Berührungen und sie wollte mehr davon.

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