Ausgesetzt

Dieser prächtige Wald liegt im Norden Celcias. Der Fluss Tangros lässt dieses Gebiet blühen. Ein einsamer Priester ließ sich in diesem Wald nieder und erbaute ein Kloster, aber auch die Nachtelfen blieben nicht ohne Taten.

Ausgesetzt

Beitragvon Erzähler » Samstag 22. April 2017, 14:31

Merek kommt von: Der Wald Arus>Das Kloster>"Neuanfang im Kloster"

Seine Augen gewöhnten sich nur schwer an das Licht, schwerer, als zuvor schon. Seine Kleidung hatte er anlegen können, wobei er aufpassen musste, dass die Dornen nicht die Ärmelsäume seines Hemdes zerfetzten, aber er fand sich nun außerhalb der Hütte in einem Wald. Ohne wirkliche Ahnung, wo nun eigentlich genau. Und es war natürlich immernoch Winter.
Eine Karte wäre hilfreich gewesen. Sein Bogen hatte in der Hütte nicht offen ersichtlich wie seine Kleidung herum gelegen, und wo er schon in die Richtung überlegte, ob er sich Hilfe kaufen könne: Geld schien er auch keins zu haben.
Prompt drohte wieder sinnlose Wut hochzukochen; hatte man ihn hier ernsthaft mittellos, unbewaffnet und ohne Essen in der Wildnis ausgesetzt, aber mit einer handgeschriebenen Mappe und einem verdammten Tiegel getrocknetem Basilikum?!

Sollte etwas klarer Verstand sich zu Wort melden dürfen, würde er einräumen müssen, dass er sich in der Hütte noch nicht wirklich gründlich umgesehen, sondern nur auf die offensichtlichsten Gegenstände reagiert hatte.
Er wollte aufbrechen, ja - aber so, wie er da gerade stand, ohne weitere Vorkehrungen, wäre das blanker Wahnsinn und vermutlich sein Todesurteil. Aber die frische Luft schien nach der leicht rauchgeschwängerten Luft in der Hütte immerhin gut zu tun. (Es würde auch nicht gerade von Verantwortungsbewusstsein zeugen, überließe er das Feuer in der gemauerten Feuerstelle einfach sich selbst - im günstigsten Fall ginge es einfach nur aus.)
Ein wenig abseits der Hütte befand sich ein aus grobem Holz gezimmerter Unterstand, der recht gut vor Wind und Wetter schützte und in dem sich tatsächlich das weiße Fell seiner treuen Stute erblicken ließ: Fiora! Sie hatten sie ihm nicht weggenommen! Allerdings bekam Merek schnell ein ungutes Gefühl und eine böse Vorahnung: Das Pferd begann, nervös zu wiehern, als er an den Unterstand kam, und je mehr er sich ihr zu nähern versuchte, desto panischer reagierte das Tier. Hatte er gefühlt nicht 'vor Kurzem' noch Bilder im Kopf gehabt, wo die Stute blutüberströmt und zerfetzt im Schnee des klösterlichen Innenhofes gelegen hatte? Jetzt stand er vor seinem treuen Reittier und schien nichts mehr mit ihr anfangen zu können?
Schlachten? Essen?
Ich kann sie dir zähmen, wisperte es plötzlich hilfsbereit in seinem Kopf und Merek wurde fast schlecht - da war sie, die 'Stimme', nach der der Pater gefragt hatte. Merek wusste, dass er da eine fremde Sprache hörte, die völlig krude, abstoßend und grausam klang, aber er verstand den Sinn der Worte, als hätte man es ihm frisch übersetzt.

Etwas würde ihm aber später noch auffallen, wann immer er sich nochmals zur Hütte wenden sollte: in einen der Eckpfeiler war deutlich sichtbar ein Pfeil geritzt, und in das Wandbrett daneben die Worte 'Brücke Santros'. Angestachelt durch diesen Fund ließen sich auch an einer anderen Ecke ein diagonal dazu verlaufender Pfeil mit dem Hinweis 'Dessaria' und ein dritter Pfeil Richtung 'Zyranus' finden. Kein Hinweis auf das Kloster. Durch fehlende Entfernungsangaben ließ sich immernoch kaum erschließen, wo er nun wirklich war, aber wenigstens war er nicht völlig orientierungslos. Die Schnitzereien wirkten sogar älter, man hatte sie offensichtlich nicht erst für ihn hier angebracht. Was war dies hier nun eigentlich? Eine Schutzhütte für Wanderer? Es wirkte langsam so.
Und vielleicht gab es drinnen doch mehr hilfreiche Dinge, als nur Basilikum...
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Re: Ausgesetzt

Beitragvon Merek » Samstag 22. April 2017, 16:18

Eine kalte Brise kroch durch sein dünnes Hemd. In der Aufbruchsstimmung hatte er seinen Mantel nur locker übergelegt. Am Feuer war es warm und gemütlich gewesen, auch wenn er dies nicht hatte zu schätzen gewusst. Erst jetzt im Freien fehlte diese Wärme. Die Sonne war grell, aber noch schwach.
Er stand mitten in einem Wald vor einer Hütte und mit einem Mal wurde ihm bewusst, dass er eigentlich ziemlich verloren war. Ohne Karte, ohne Gold, ohne Nahrung. Alles, was er besaß war ein Tiegel voll getrocknetem Basilikum und eine Ledermappe, beschriftet mit Worten, die ihm nur bedingt weiterhalfen. Er schüttelte fassungslos den Kopf. Bruder Levins Worte konnten ihm hier nicht helfen zu überleben. Was hatte er sich dabei gedacht? Er konnte seine Klauen nehmen, und den nächstbesten Menschen in Stücke reißen. Vielleicht trug er wärmere Kleidung und Gold mit sich. Er hätte mehrere Probleme gleichzeitig gelöst. Es musste nicht bei einem Menschen bleiben. Er konnte…
Ein kalter Schauer durchfuhr seinen Körper bei dieser abscheulichen Vorstellung.
Nein.
Er würde keinen Menschen umbringen.
Er würde nicht sinnlos morden.
Merek schloss kurz die Augen, wobei nur sein Linkes auf sein Tun reagierte, und atmete tief durch. Sein Herzschlag hatte sich beschleunigt. Er musste auf seinen Körper hören lernen, wenn er sich kontrollieren wollte.
Beinahe belustigt kullerte sein rechtes Auge in der Augenhöhle, verschaffte ihm zu viele undeutliche Eindrücke auf einmal. Abschätzih spuckte er auf den gefrorenen Boden. Er brauchte eine Augenklappe. Er würde diesem Dämon in ihm nicht die Genugtuung geben, ihn ärgern zu können. Er würde ihn entmachten. Bekämpfen auf jedem Weg, der ihm einfiel.

Vielleicht befand sich noch etwas in der Hütte? Merek musste zugeben, dass er lediglich nach den offensichtlichen Gegenständen gegriffen hatte und herausgestürmt war.
Er wollte aufbrechen, ja - aber so, wie er da gerade stand, ohne weitere Vorkehrungen, wäre das blanker Wahnsinn und vermutlich sein Todesurteil. Aber die frische Luft schien nach der leicht rauchgeschwängerten Luft in der Hütte immerhin gut zu tun.

Ein wenig abseits der Hütte befand sich ein aus grobem Holz gezimmerter Unterstand, der recht gut vor Wind und Wetter schützte und in dem sich tatsächlich das weiße Fell seiner treuen Stute erblicken ließ: Fiora!
Merek lächelte, als er sein Pferd sah. Ein Gefühl von Freude machte sich in ihm breit. Vertrautheit. Sie hatten einiges zusammen durchgestanden und auch, wenn es ihm eigentlich völlig absurd vorkam, hatte ihr zustimmendes Schnauben ihn so manches Mal wieder aufmuntern können. Sie hatte ihm Wärme gespendet, wenn das Feuer nicht ausgereicht hatte. Nie zuvor hatte er ein Reittier so geschätzt wie diesen Schimmel.
Langsam bewegte er sich auf sie zu. Nervös scharrte die Stute über den Boden, wieherte verängstigt. Abrupt blieb er ein paar Schritte von ihr entfernt stehen.
„Ruhig…“, flüsterte er, während er die Hände hob. Ein Fehler, wie ihm zu spät bewusst wurde. Sie verfiel nur noch mehr in Panik. Erkannte sie ihn denn nicht?
Er sah keine Möglichkeit, sich ihr zu nähern, ohne dass sie stieg. Wie sollte er sie reiten?
Merek fragte sich, was Fiora sah: Seine Pranken und sein Auge, oder aber das Monster in ihm? Spürte sie die Gefahr, die von ihm ausging? Wenn das Tier schon so auf ihn reagierte, wie würden sich dann Menschen verhalten?

Ich kann sie dir zähmen, wisperte es plötzlich hilfsbereit in seinem Kopf und Merek wurde fast schlecht - da war sie, die 'Stimme', nach der der Pater gefragt hatte. Merek wusste, dass er da eine fremde Sprache hörte, die völlig krude, abstoßend und grausam klang, aber er verstand den Sinn der Worte, als hätte man es ihm frisch übersetzt.
Einen Moment lang ruhte er in einer Art Schockstarre. Er hatte von Menschen gehört, die Stimmen hörten und dadurch langsam dem Wahnsinn verfielen. Die sich mit ihren inneren Geistern unterhielten, Befehle von ihnen entgegennahmen und sogar andere Lebewesen auf Verlangen töteten. Sie waren nicht alle besessen. Aber die Macht, die eine solche Stimme ausüben konnte, musste enorm sein. Es war nicht, als hätte er die Worte unterdrücken können oder als halluzinierte er. Sie waren Wirklichkeit – ganz genau wie das höhnische Lachen, dessen Erinnerung ihn immer wieder einholte.
Der Dämon schien seine Gedanken lesen zu können. Oder aber er kombinierte in dieser Situation gut. Letzteres war Merek deutlich lieber, auch wenn er davon ausgehen konnte, dass der Dämon mehr über ihn und seine Absichten wusste, als ihm lieb war.
Für den Bruchteil einer Sekunde dachte Merek tatsächlich über das Angebot nach. Ohne Pferd diese Reise anzutreten war leichtsinnig und ein Unterfangen, dass ihn Monate Fußmarsch kosten würde. Konnte er mit dem Dämon in sich keine Symbiose eingehen? Ein wagemutiges Vorhaben. Nein, schiere Selbstzerstörung – und das wusste er. Jedes Bisschen an Kontrolle, dass er dem Dämon abgab, verlor er. Zulassen, dass der Dämon walten konnte, war ausgeschlossen. Merek hatte schon genug Schaden angerichtet. Er musste an Ana denken. Und an Quinn. Sie zählten auf ihn. Er konnte keine Geschäfte mit dem Teufel machen.
Er erinnerte sich an die Bilder, die er im Kloster noch im Kopf gehabt hatte: Blutüberströmt hatte Fiora im einst weißen Schnee gelegen. Zumindest das, was von ihr übrig war.
Ist das deine Art zu zähmen? Nein.
Merek gab ein Grummeln von sich. Zwar wusste er nicht, wie er mit der Situation umzugehen hatte, aber es würde sich ein Weg auftun. Und wenn er seine stets treue Begleiterin freilassen würde. Er würde sie unter keinen Umständen schlachten, solange sein Leben nicht davon abhing.
Nein, niemals!
Er würde dem Dämon nichts an Freiraum gewähren. Keinen Millimeter. Und würde er danach verlangen, würde er ihn unterdrücken.
Du kannst gar nichts. Ich werde dir nichts erlauben.
Merek wartete auf eine Reaktion. Auf eine Stimme, die ihn anzischte. Auf einen Kopfschmerz, der ihm den Verstand raubte. Auf irgendetwas, was nicht in seinen Händen lag.

Er wandte sich um. Vielleicht fanden sich noch Möglichkeiten in der Hütte. Und wenn es nur sein Bogen war oder etwas, womit er sich provisorisch eine Augenklappe basteln konnte. Ein Messer, irgendetwas. Grübelnd betrachtete er die einfache Holzhütte. Sie war zwar nicht schmuckhaft, aber ihr Erbauer hatte sein Handwerk verstanden. Der Efeu und die anderen Pflanzen, die sich einnehmend um das hölzerne Mauerwerk gelegt hatten, sagten ihm, dass diese Hütte nicht erst seit ein paar Tagen hier errichtet worden war. Was aber machte eine Hütte inmitten eines Waldes? Eine Hütte, scheinbar unbewohnt, bevor Levin ihn hierhergebracht hatte. Niemand stellte uneigennützig Hütten auf. Der Ort schien als Wohnort auch nicht sonderlich erstrebenswert. Ein Schutz für Wanderer? Dafür war diese Unterkunft beinahe zu gut in Schuss.
Auf einem der Eckpfeiler entdeckte er einen Pfeil. Merek kniff die Augen zusammen. ‚Brücke Santros’, prangerte in dünnen, geritzten Lettern auf einem Brett neben dem Pfeil. Es war ein altes Schild, deutlich gezeichnet durch Wind und Wetter. Kratzspuren verundeutlichten die feinen Linien der Schrift. Merek blicke sich weiter um und fand Richtungsweiser, die in Richtung Dessaria und Zyranus deuteten. Keine genauen Angaben, aber er musste sich im Wald Arus befinden. Levin hatte ihm geraten, nach Jorsan zu reisen. Er wusste, dass sich Jorsan viele Tagesmärsche weit weg befand und er gefühlt das ganze Land durchqueren musste, wollte er dieser Empfehlung nachgehen. Er würde in Richtung Zyranus reisen müssen. Vielleicht war er in seiner Heimat willkommen? Vielleicht konnte er in seinem Haus Kleidung oder von der Bank Gold holen? Dieser Gedanke klang verlockend – wenn es sein Haus überhaupt noch gab. Wenn man ihn nicht vertreiben würde.
Merek rieb sich die Schläfen. Erst einmal musste er schauen, wie er überhaupt bei dieser Kälte in Begleitung eines panischen Gaules reisen konnte.

Ein warmer Luftzug empfang ihn, als er die Türe wieder öffnete und einen Fuß in die Hütte setzte.
„Mal sehen, was die Hütte noch so hergibt…“
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Re: Ausgesetzt

Beitragvon Erzähler » Freitag 28. April 2017, 22:43

Für den Bruchteil einer Sekunde dachte Merek tatsächlich über das Angebot nach, aber die Gefahren, die es barg, wenn er dem Dämon Handlungsspielraum gewährte, auf sein Locken einging, schienen zu offensichtlich.
Nein, niemals!
Er würde dem Dämon nichts an Freiraum gewähren. Keinen Millimeter. Und würde er danach verlangen, würde er ihn unterdrücken. Du kannst gar nichts. Ich werde dir nichts erlauben.
Merek wartete auf eine Reaktion.
Doch es kam nichts. Kein Kontrollverlust, nicht einmal dieses nervige Lachen, das er manchmal zu hören glaubte, kein Aufbäumen... nur ein seltsames Gefühl: konnte Stille verächtlich wirken? Der Dämon war da, er spürte ihn. Aber die Bestie schwieg.

Er wandte sich wieder der Hütte zu und entdeckte die eingeritzten Wegweiser. Er wusste, dass sich Jorsan viele Tagesmärsche weit weg befand und er gefühlt das ganze Land durchqueren musste, wollte er dieser Empfehlung nachgehen. Er würde in Richtung Zyranus reisen müssen. Vielleicht war er in seiner Heimat willkommen? Vielleicht konnte er in seinem Haus Kleidung oder von der Bank Gold holen? Dieser Gedanke klang verlockend – wenn es sein Haus überhaupt noch gab. Wenn man ihn nicht vertreiben würde.
Wie lange war er jetzt fort gewesen? Er wusste nicht einmal, ob man den Kampfplatz gefunden hatte, ob seine Eltern bestattet worden waren... oder Kethana...
Die drohenden Erinnerungen taten weh. Zyranus würde weh tun! Aber was sollte er sonst machen, hier irgendwo mitten im Wald hocken bleiben?
Erst einmal musste er schauen, wie er überhaupt bei dieser Kälte in Begleitung eines panischen Gaules reisen konnte. Ein warmer Luftzug empfang ihn, als er die Türe wieder öffnete und einen Fuß in die Hütte setzte.
„Mal sehen, was die Hütte noch so hergibt…“


Er musste etwas suchen, aber in einer Nische gab es einen Verschlag, wo ihm ein Stein vom Herzen fiel, als er die hölzerne Klappe öffnete: sein Bogen war darin. Sein Köcher mit einigen Pfeilen und zwei Ersatzsehnen. Weitere Teile seiner Bekleidung und seines spärlichen Hab und Gutes, was er ansonsten vermisst hätte, weil die Sachen im Kloster gewesen waren. Sogar wärmende Kleidung, die er im Kloster zum Schutz gegen die Kälte hatte tragen dürfen, hatte man ihm gelassen. Seine Geldkatze war da, mit den vier Lysanthemern und zwanzig Fuchsmünzen (=100 F) und kleinere Nützlichkeiten wie ein scharfes Messer oder feste Schnur, wohl um mit einfachen Methoden jagen oder angeln zu können und in der Wildnis zu überleben. In einem grob gezimmerten Schrank bei der Feuerstelle fanden sich haltbare Vorräte, die für vier oder fünf Tage reichen würden - wenn er stark rationierte, auch eine Woche. Keine Delikatessen, aber anständiger Proviant, und auf jeden Fall mehr, als er nach all den Umständen hätte erwarten dürfen. Erstaunlicherweise hatte er im Moment kaum Hunger - wie lange er wohl bewusstlos gewesen war? Aber man wollte ihn tatsächlich nicht hier verenden lassen.
Während er so suchte, wühlte und sichtete, bemerkte Merek nicht, dass Fiora draußen ein paar Mal schnaubte; vielleicht musste sie sich auch einfach noch beruhigen.
Es war längst taghell gewesen, als er draußen war, was im Winter bedeutete, dass es Irrsinn wäre, jetzt noch alles zusammen zu räumen und aufzubrechen. Wenigstens war der Vorfall im Kloster spät im Winter gewesen und an sich müsste es eine Frage von ein oder höchstens zwei Wochen sein, bis dieser verflixte Schnee endlich nachließe.

Später, wenn er zu der Stute zurück kehren würde, zu welchem Zweck auch immer, würde Merek auffallen, dass sie auf sein Nahen wesentlich zurückhaltender reagierte, ruhiger blieb. Ruhig genug, dass er an sie heran gelangen konnte, ohne mit den Hufen konfrontiert zu werden? Tatsächlich. Eine gewisse Nervosität war Fiora noch immer anzumerken, aber irgend etwas hatte sich deutlich geändert.
Bei genauerem Überprüfen würde Merek auffallen, dass an dem Halfter, den die Stute trug, eine kleine hölzerne Platte (etwa Amulettgröße) aufgezogen war, in die ein " I X " tief eingeritzt war, und die Einkerbungen bargen braun-rötliche Farbe. Getrocknetes Blut, wie ihm seine Nase mitteilte.

Seine Nase?!
Er konnte das Blut wirklich riechen! Im Zuge seiner Ausbildung war er oft genug mit Blut konfrontiert gewesen, um zu wissen, dass große Mengen davon die Luft mit einem eigenen "Aroma" schwängern konnten, aber das war kein Vergleich zu dem Phänomen in diesem Moment: er roch das bisschen Blut, so ähnlich wie Raubtiere dergleichen wohl riechen mochten. Es war nur wenig. Ein typischer Geruch nach Rost, und es roch... irgendwie lecker.
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Re: Ausgesetzt

Beitragvon Merek » Donnerstag 11. Mai 2017, 19:18

Er würde in Richtung Zyranus reisen müssen. Vielleicht war er in seiner Heimat willkommen? Vielleicht konnte er in seinem Haus Kleidung oder von der Bank Gold holen? Dieser Gedanke klang verlockend – wenn es sein Haus überhaupt noch gab. Wenn man ihn nicht vertreiben würde.
Wie lange war er jetzt fort gewesen? Er wusste nicht einmal, ob man den Kampfplatz gefunden hatte, ob seine Eltern bestattet worden waren... oder Kethana...
Die drohenden Erinnerungen taten weh. Zyranus würde weh tun! Aber was sollte er sonst machen, hier irgendwo mitten im Wald hocken bleiben?

Wäre er nicht so mit seinem akuten Problem beschäftigt, würde er den Kampfplatz suchen und die Überreste seiner Familie aufspüren wollen. Wenn nicht auf dem Friedhof, dann im Wald. Ihnen die letzte Ruhe vermachen. Das war er Kethana und seinen Eltern schuldig. Auch wenn die Erinnerungen schmerzten. Es bot sich eine Möglichkeit, damit abzuschließen. Eine Trauerstätte zu errichten, oder falls es bereits eine gab, diese zu besuchen.
Er fühlte sich schrecklich, nicht zurückgekommen zu sein. Wieso war er einfach weggerannt? Weit weg von Zuhause und seinem alten Leben. Vielleicht war es die Angst gewesen, für den Mord an seinen Bruder zur Rechenschaft gezogen zu werden. Vielleicht war es die Angst gewesen, Ana nach Kethanas Tod in die Augen zu schauen. Er trug Mitschuld an ihrem Tod: Er hätte seinem Zwillingsbruder nicht blind vertrauen dürfen.
Hatte er als kleiner Junge auch so viele folgeschwere Entscheidungen getroffen? Als Kind war man geschützt durch seine Eltern und Lehrer, die einen nicht nur vor Außenstehenden, sondern auch vor einem selbst bewahrten. Jetzt hielt Ana ihre schützende Hand um ihn. Und er würde sie schützen.

Die Funde in der einsamen Holzhütte stimmten ihn mehr als nur zufrieden, ja, beinahe spürte er einen Hauch von Glück aufkeimen. Er hatte bei weitem keine Hilfe in diesem Ausmaß erwartet. Verdient schon gar nicht. Sie hatten ihm genügend Zeit gegeben, sich orientieren und sammeln zu können, einen Plan zurecht zu legen. Es hätte ihm Anlass geben sollen, an das Gute im Menschen zu glauben. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ihm noch einmal so großzügig geholfen werden würde, war verschwindend gering. Das Kloster war ein Ort, in dem besondere Menschen lebten. Menschen, denen etwas an Barmherzigkeit lag, die andere vor dem Tod bewahrten.

Merek riss von seinem Umhang ein Stück Stoff ab. Er war ihm ohnehin ein wenig lang. Mit dem Messer schnitzte er vier Ösen in den Stoff, bevor er die feste Schnur in die Hände nahm. Er musste sparsam mit seinen Utensilien umgehen. Aber er würde diese ständigen unwillkürlichen Eindrücke, die ihm dröhnende Kopfschmerzen bereiteten, nicht auf Dauer ertragen können. Etwas ungeschickt fummelte er die Kordel durch die Löcher, sodass er den Fetzen vorerst als Augenklappe benutzten konnte.
Es war eine Wohltat, als er die beiden Knoten hinter seinem Kopf zuzog. Auch wenn sein Gesichtsfeld dadurch deutlich eingeschränkt war, so war sein Bild doch klarer und vor allem kontrollierter. Merek stellte sich durchaus genüsslich vor, wie der Dämon in ihm wütend knurrte, während dieser nichts dagegen tun konnte, dass er ihm den Blick in die Außenwelt abschnitt. Vielleicht interessierte es das Monster in ihm überhaupt nicht. Doch alleine der Gedanke, dass er in gewisser Weise die Oberhand hatte, beflügelte ihn.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als er das nächste Mal aus dem Fenster sah. Um diese Zeit noch aufzubrechen machte keinen Sinn, zumal er auch noch nicht wusste, was er mit seiner Stute vorhatte. Fiora. Was sollte er mit einem Pferd machen, die spürte, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Dessen Panik ihm jegliche Annäherung versagte. Reiten würde er die Stute nicht können. Vielleicht aber konnte sie sein Gepäck tragen. Er konnte sie so lange mit sich führen, wie er Proviant besaß. Dann würde sie ihm noch einen guten letzten Dienst erweisen. Der Gedanke erschien ihm zugegebener Weise etwas barbarisch. Sie war eine so treue Gefährtin gewesen. Vielleicht konnte er sie zähmen? Alleine, ohne dem Zutun des Dämons. Er war zwar kein meisterlicher Reiter, aber er hatte als Kind mehrfach fasziniert dabei zugesehen, wie Pferde eingeritten wurden, wie man sie gebrochen hatte.
Er sollte sich lieber an den Harax erinnern, nicht an verblassende Geschichten seiner Kindheit. Es schadete aber in jedem Falle nicht, noch einmal nach der Stute zu schauen. Auch sie benötigte genügend Futter und Trinkwasser. Wasser. Zwar verspürte Merek noch immer keinen großen Hunger, aber wo er so an Wasser dachte, machte sich seine trockene Kehle bemerkbar. Vielleicht konnte er sich die Füße ein wenig vertreten und nach einer Quelle oder einem Brunnen Ausschau halten.

Irgendetwas war anders. In der Luft lag ein rostiger Geruch. Etwas, das er zuvor nicht wahrgenommen hatte. Was nicht verwunderlich war, gehörte er in letzter Zeit nicht unbedingt zu den Blitzmerkern. Doch hier draußen im Wald konnten sich Gerüche auch durchaus schnell einmal ändern, je nachdem, wie der Wind stand, welche Kreaturen durch die Wildnis streiften und welche Gräser und Pollen umherflogen. Merek mochte die Sommerluft am liebsten, kurz nach einem ordentlichen Regenschauer, wenn die Luft befreit war von allem Staub und Dreck, der dort festgehangen war. Es roch erfrischend.
Aber er konnte nicht abstreiten, dass auch dieser Geruch genüsslich war. Unbewusst lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Hatte er nicht gerade noch gar keinen Hunger verspürt? Er schüttelte den Kopf. Sein Körper spielte ihm anscheinend gerne Streiche. Zum Speisen hatte er später noch genügend Zeit.
Während er sich Fiora näherte, schnaubte sie ein paar Mal nervös. Aber das Scharren, das unruhige Auf-der-Stelle-treten blieb aus. Merek blieb ein paar Meter von ihr entfernt stehen und zog ungläubig die Augen zusammen. Der Geruch wurde stärker, je näher er der Stute kam. Er übertünchte ihren typischen Pferdegeruch. Eigentlich nahm er gar keine anderen Gerüche mehr wahr. Er kannte diesen Geruch irgendwoher, konnte ihn aber nicht einordnen. So etwas Leckeres hätte er doch nicht vergessen?
Vorsichtig legte er eine Hand auf Fioras Fell. Behutsam strich er über ihren Hals, übte nur wenig Druck auf sie aus, um sie mit den Dornen an seiner Hand nicht zu verletzen. Erneut schnaubte sie unzufrieden, lies es aber geschehen. Vorhin konnte er sich auf mehrere Meter nicht nähern. Jetzt berührte er sie. Mereks Hand glitt an ihr Halfter, die andere streichelte über ihre Stirn, strich durch ihre Mähne. Irgendetwas war geschehen, auch wenn er nicht einordnen konnte, was das war. Konnte es einzig an der Augenbinde liegen? Fiora hatte ihn von hinten unmöglich sehen können.

Am Halfter hing etwas. Bei genauerem Hinsehen fand er eine kleine hölzerne Platte. Er nahm sie zwischen seine Klauen und drehte sie ein wenig hin und her.
Was soll I X bedeuten?, fragte er sich kurz, wurde dann jedoch von dem intensiven Geruch abgelenkt, der definitiv von diesem kleinen Ding ausging. Er roch Blut. Er roch Blut.
Im Zuge seiner Ausbildung war er oft genug mit Blut konfrontiert gewesen, um zu wissen, dass große Mengen davon die Luft mit einem eigenen "Aroma" schwängern konnten, aber das war kein Vergleich zu dem Phänomen in diesem Moment: er roch das bisschen Blut, so ähnlich wie Raubtiere dergleichen wohl riechen mochten.
Mit dem Finger fuhr er über die Einkerbungen. Sie waren definitiv getrocknet. Wie konnte getrocknetes Blut so…geschmackvoll…riechen? Er war immer für ein gutes Stück Fleisch zu haben gewesen. Ausgeblutet. Gut Durchgebraten. Aber Blut? Er wollte den Gedanken abstoßend finden. Er wollte sich davor ekeln. Doch wie sollte er das, Anbetracht der Tatsache, dass seine trockene Kehle beinahe danach lechzte? Unbewusst leckte er sich über die Lippen. Frisches Blut schmeckte metallisch, salzig. Ob es getrocknet diesen Geschmack behielt? Er stellte sich vor, wie seine Lippen das rostige Braun berührten, er den Geschmack in sich aufsog.
Heftig schüttelte Merek den Kopf. Ihm war bewusst, dass dieses Verlangen ein Falsches war. Nicht er wollte dieses Blut – der Dämon in ihm verlangte danach. Und er wollte ihn nutzen, um sich damit zu stärken. Zumindest schien ihm das logisch.
Dennoch, oder gerade deswegen taten sich diverse Fragen in ihm auf. Wie kam dieses ‚Amulett’ an Fioras Halfter? War es vor ein paar Stunden schon dort angebracht gewesen? Den Geruch hätte er doch zuvor bemerkt? Was bedeutete „I X“? War es eine Neun? War es ein Zeichen? Hatte Fioras plötzliche Wesensänderung etwas damit zu tun? War hier noch mehr Blut? Viel wichtiger, wessen Blut war es?
Merek sah sich suchend um. Sie befanden sich mitten im tiefsten Wald – wer zum Henker würde hier kleine, mit Blut beschmierten Holzplatten an Pferdehalfter anbringen? Es war durchaus möglich, dass es schon seit dem Kloster existierte und der Wind sich gedreht hatte, wodurch er den Geruch zuvor nicht wahrnehmen hatte können. Doch das so veränderte Verhalten seiner Stute konnte er sich nicht erklären. Er ging um sie herum, suchte den Boden nach weiterem Blut ab, überprüfte ihre Unversehrtheit.
Dabei kitzelte ihn der Geruch in der Nase. Speichel sammelte sich in seinem Mund. Es roch besser als der Trockenproviant, der in der Hütte auf ihn wartete: Einladend, beinahe verführerisch vernebelte ihn der Geruch.
Konzentriere dich auf das Wesentliche, Merek. Konzentriere dich!
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Re: Ausgesetzt

Beitragvon Erzähler » Samstag 27. Mai 2017, 23:24

Was bedeutete „I X“? War es eine Neun? War es ein Zeichen? Die Deutung als Neun war nicht unmöglich, aber dafür standen die beiden Zeichen ungewöhnlich weit auseinander. Zeichen... Wie er das Holz mit dem eingeritzten Symbolen und dem Blut, mit dem man die Linien wohl "nachgemalt" hatte, so betrachtete, kam noch eine andere Deutungsmöglichkeit in Betracht:
Runen.
Im Zuge seiner Ausbildung waren sämtliche Zweige der magischen Künste einmal vorgestellt worden, das gehörte zur Grundausbildung, aber er hatte von der Symbolzauberei, die meist Zwerge benutzten, kaum Ahnung. In seiner Erinnerung waren die Zeichen, die man dabei verwendete, kryptischer, andererseits war es eine Keil"schrift", die sich nur gerader Striche bediente... und die Wesensänderung des Pferdes war ein ziemlich deutliches Symptom, das mit dem Einfluss von Magie eine logische Erklärung finden würde.

Aber es erklärte nicht, wo zum Kuckuck jetzt auch noch Zwergenmagie auf einmal herkommen sollte! Merek sah sich suchend um. Sie befanden sich mitten im tiefsten Wald – wer zum Henker würde hier kleine, mit Blut beschmierten Holzplatten an Pferdehalfter anbringen? Er ging um Fiora herum, suchte den Boden nach weiterem Blut ab, überprüfte ihre Unversehrtheit.
Ja, die Stute war unverletzt, und wo er sich gerade so dazu ermahnte, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: da waren Fußspuren im Schneematsch, die einmal zum Unterstand und von diesem wieder weg führten.
Es war Winter, herrje!
Selbst für ihn als Halblaien, was das Überleben in der Wildnis anging, war es ein Leichtes, diese Spuren als "nicht meine" zu identifizieren und ihnen mehrere Meter zu folgen. Es musste ein einzelner Mensch gewesen sein, und es waren feste Stiefelabdrücke, so viel war klar. Wie groß oder schwer diejenige Person nun gewesen wäre, waren hingegen natürlich Details, bei denen kundige Waldläufer ihre Künste unter Beweis stellen konnten, aber es war vorerst unwichtig: wichtiger war, dass die Fußspuren zwischen den Bäumen hindurch gingen - wie weit wollte Merek ihnen folgen? Unbewaffnet? Seinen Bogen holen, Zeit verlieren? Wann war die Person überhaupt gekommen? Wenn er Pech hatte, hatte sie während seiner Suche in der Hütte sowieso längst alle Zeit der Welt gehabt, wieder zu verschwinden.

Und wenn es eine andere Person gewesen war, die also das Medaillon an Fiora angebracht hätte, würde das bedeuten... dass die- oder derjenige ihm nicht feindlich gesonnen war. Im Gegenteil.
Apropos Winter: Auch um Trinkwasser würde Merek sich keine Sorgen machen müssen, solange er mindestens Flächen mit halbwegs unberührtem Schnee fand. Ein großer Suppentopf und ein deutlich kleinerer waren ebenso in der Hütte gewesen. Gekochtes Schneewasser war nichts, das man zu lange als Trinkwasser benutzen sollte, aber es würde über erste Verlegenheiten hinweg helfen, bis er etwas anständigeres gefunden hätte - eine Hütte mitten in der Wildnis, die fernab jeden Wassers wäre, machte wenig Sinn...
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Re: Ausgesetzt

Beitragvon Merek » Sonntag 28. Mai 2017, 18:20

Die Stute war unverletzt, und wo er sich gerade so dazu ermahnte, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: da waren Fußspuren im Schneematsch, die einmal zum Unterstand und von diesem wieder weg führten. Es musste ein einzelner Mensch gewesen sein, und es waren feste Stiefelabdrücke, so viel war klar.
Viel mehr konnte er aus den Spuren nicht lesen. Größe und Gewicht des dazugehörigen Menschen hätte er nicht einmal schätzen können, wenn er sich neben die Spuren stellte und sie mit seinen eigenen verglich. Sie mussten entstanden sein, nachdem er das erste Mal bei Fiora gewesen war – diese tiefen Abdrücke wären ihm zuvor aufgefallen, als er sich umgesehen hatte.
War derjenige noch in der Nähe? Intuitiv setzte sich Merek in Bewegung. Er hatte Fragen, die nach Antworten riefen. Doch nach ein paar wenigen Schritten blieb er abrupt im Schnee stehen, blickte auf die Fußspuren, die sich zwischen den Bäumen im Wald verloren. Er war unbewaffnet, nicht einmal das Messer hatte er eingesteckt. Würde er seinen Bogen holen, würde er wertvolle Zeit verschwenden. Und auf seine Magie war kein Verlass. Viel mehr noch, er wollte, nein er durfte sie nicht versuchen einzusetzen. Der Gedanke, dass der Dämon dadurch an Stärke gewinnen konnte, reichte zu diesem Zeitpunkt als Grund, sich gegen die Magie auszusprechen. Vielleicht konnte er sie als Notnagel sehen, sollte er in Gefahr geraten. Sicherlich sollte er sich nicht wissentlich in Gefahr begeben.
Einen Moment lang starrte Merek in den Wald hinein. Er fühlte sich noch immer geschwächt von den aktuellen Ereignissen. Noch dazu würde irgendwann die Dunkelheit einsetzen. So eine Verfolgungsjagd zu beginnen, schien mehr als sinnlos. Wahrscheinlich war die Person sowieso längst über alle Berge.

Runen. Jemand hatte willentlich Magie auf seine Stute gewirkt. Magie, die es ihm ermöglichte, sie weiterhin reiten zu können. Wieso half man ihm derart und klammheimlich? Er hatte verstanden, dass Bruder Levin und das Kloster ihn nicht einfach ausgesetzt hatten; dass sie ihm eine reelle Möglichkeit gaben, überleben zu können. Doch er befand sich hier fernab des Klosters. Er kannte hier draußen in der Wildnis niemanden, der ihm Hilfe zukommen lassen würde. Wie sehr er diese Ungewissheit verabscheute. Doch entweder würde das Schicksal sie zusammenführen, oder eben nicht. Er würde dieses Ereignis so hinnehmen müssen. Zumindest für den Moment.

Merek holte den großen Topf aus der Hütte und ging einmal um diese herum, in der Hoffnung, dort eine größere Fläche unberührten Schnee auszumachen. Abgekochter Schnee schmeckte sicherlich nicht so gut wie Quellwasser, aber für den Abend würde es reichen. Es war besser als nichts. Zudem musste in der Nähe ein Brunnen oder eine Art Gewässer sein, die er vor dem Aufbrechen noch suchen sollte, um seinen Trinkschlauch zu befüllen. Es war sowieso nicht unklug, entlang eines Flusses oder Baches zu reisen. Sobald der Schnee geschmolzen war, würde es ihm nicht so einfach gemacht werden, wenn er sich nicht früh genug um Wasser kümmerte.

In Gedanken ging er schon einmal durch, wie er die ganzen Sachen zusammenpacken würde. Mit Fiora hatte er eine sehr gute Möglichkeit, viel Gepäck mit auf die Reise nehmen zu können. Im Zweifel musste er seinen Umhang nehmen, um die Sachen zu verpacken, würden ihre Satteltaschen nicht reichen. Doch darum würde er sich am nächsten Morgen in aller Frühe kümmern.
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Re: Ausgesetzt

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 14. Juni 2017, 23:57

Es brannte dem Magier unter den Nägeln, so bald wie möglich von hier fort zu kommen, also nutzte er das restliche Tageslicht, um sich bestmöglich vorzubereiten und am nächsten Morgen nur noch die letzten Dinge erledigen zu müssen. Er hatte genügend Wildnisausrüstung vorzuweisen, um mehrere Nächte trotz des Wetters auch ohne festes Dach über dem Kopf auszukommen. Es konnte gefährlich werden, wie er aus eigener Erfahrung wusste, aber er hatte auch schon schlechter dagestanden. Er konnte nur hoffen, dass das Wetter halbwegs trocken blieb und es nicht viel regnete.

Tatsächlich fand sich, als er zielstrebiger nach dergleichen suchte, in etwa dreihundert Schritt Entfernung von der Hütte ein Waldbach, der gerade so tief und schnell genug war, um nur bei ernsthaft eisigem Wetter völlig zu zu frieren. Jetzt glitzerte nur eine dünne Eisschicht an Stellen, wo das Wasser flach und in kleinen Mulden so gut wie unbewegt blieb. Am schlimmsten und gefährlichsten war der Matsch, mit dem man zu kämpfen hatte, sobald es für gefrorenen Boden nicht mehr reichte - oder dem Bach an ungünstigen Stellen zu nahe kam.
Seine Hände offenbarten einen weiteren Nutzen: sie schienen Kälte gegenüber relativ unempfindlich zu sein, jedenfalls hatte Merek keine größeren Probleme, als das Wasser beim Schöpfen seine Finger benetzte.

Es wurde dunkel, irgendwann saß Merek alleine wieder in der Hütte, Fiora war versorgt und er zwar erschöpft, aber noch nicht müde genug, um bereits schlafen zu können. Er kannte sie, diese Stunden, in denen er zu viel Zeit zum Nachdenken hatte.

Und irgendwann ging er doch schlafen. Zumindest wollte er es. Aber er lag auf dem schlichten Bett und rieb sich zunächst an der Augenbinde die Haut, denn das Auge unter dem Stoff begann, zu jucken, und es wurde immer lästiger.
Warum musste er so eindringlich wieder an die Fußspuren denken, die von Fioras Unterstand fort geführt hatten? Er konnte sie im Geiste regelrecht sehen, bis in die kleinste Kleinigkeit, wie der Matsch an den Rändern ausfranste.
Willst du den Besitzer finden?, wisperte verlockend die Stimme, die nur er hören konnte...
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