Clavis Vanitatum

Dieser seltsame, aber auch einzigartige Wald liegt im Südwesten. Er ist zum Großteil ertränkt in Wasser und nur mit einem Floß lässt er sich durchquehren. Die Namudus sind die Einheimischen dieses Waldes, sie haben sich dessen Nachteile zunutze gemacht.
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Clavis Vanitatum

Beitrag von Vanitas » Sonntag 4. März 2012, 21:56

[Vanitas kommt von hier: Das östliche Drachengebirge - Der erste Schritt zur Macht?]
Im Wald Sarius gab es einen Ort, der von Lebewesen aller Art gemieden wurde. Weder die Waldtiere, noch Vögel trauten sich hier her, aus Angst vor dem unheimlichen Raubtier, dass so viele von ihnen getötet hatte. Und selbst die sonst so mutigen Waldmenschen näherten sich nur, wenn der böse Geist, der hier lebte, es ihnen erlaubte. Dieser Ort lag ganz in der nähe der Stelle, an der die beiden Flüsse Ilfar und Euwin zusammen flossen. Nicht mal hundert Meter westlich vor dieser Stelle, ging vom Ilfar ein winziger Nebenarm ab, der jedoch schon nach einigen Metern in eine Höhle einfloss. Und eben jene Höhle und wiese davor, war dieser spezielle Ort, dem sein Besitzer den Namen Clavis Vanitatum gegeben hatte. Auf den ersten Blick mochten die Höhle und ihre Umgebung sehr unscheinbar erscheinen, doch das täuschte. Man musste tiefer in das Höhlensystem eintreten, um ihr wahre Gesicht zu erkennen. Doch dann war es meistens schon zu spät. Wer Clavis Vanitatum betrat, ohne eingeladen worden zu sein, der kam für gewöhnlich nicht mehr lebend heraus ...

Es war zwar schon einige Jahre her, seit Vanitas dass letzte Mal zuhause gewesen war, doch je näher sie ihrem Ziel kamen, desto vertrauter wurde die Umgebung. Irgendwann erkannte er schließlich alles genau wieder und konnte die Kutsche so zu einer Furt dirigieren, die über den Ilfar führte. Der Wald hatte sich kaum verändert. Er war noch immer eine so abstoße Umgebung wie zuvor. Der Hexer hatte nie begriffen, was die Waldmenschen und Elfen an diesem gottverdammten Gelände fanden! Die einzigen Vorteile, die es bot, waren die Abgeschiedenheit und die Einsamkeit. Man begegnete hier draußen kaum anderen Lebewesen mit mehr Intelligenz als einem Fuchs. Und das war auch gut so! Nur aus diesem Grund hatte er es geschafft, eine Stufe zu erreichen, von der andere Magier nicht einmal zu träumen wagten. Hier gab es keine Ablenkungen, wenn man von den gelegentlichen Ruhestörungen durch Hexenjäger und dergleichen einmal absah. Aber die waren genau genommen doch auch nie mehr gewesen als Training. Glücksritter und Amateure, dass waren nie Gefahrenquellen für ihn gewesen. Und heute fürchtete sich der Abtrünnige nur noch vor der Macht des Rates von Zyranus, vielleicht den Leitern der anderen Akademien und höheren Wesenschaften. Natürlich würde er das nie zugeben, aber ...
Gegen Abend dann merkte Vanitas plötzlich auf. Sie waren ihrem Ziel ganz nah. „Sag ihm, er soll die Kutsche anhalten,“ kam es sofort von dem betagten Menschen und noch während der Wagen dabei war langsamer zu werden, öffnete er den Verschlag und sprang heraus. Tief atmete er den vertrauten Geruch ein. Jedes Gewässer in Celcia hatte seinen ganz eigenen Odeur, aber nur die wenigsten konnten diesen wahrnehmen. Das Aroma des Ilfars verband er seit langem mit dem Gefühl der Heimat. Die Kutsche hatte ein paar Meter weiter angehalten. Von der Stelle, an der Vanitas stand, konnte man bereits den kleinen Bachlauf erkennen, der vom Ilfar abging. Ihm müssten sie lediglich eine kurze Weile folgen, dann wäre er wieder zuhause. Die Kutsche kam auf diesem Terrain nicht mehr weiter. „Folge mir, Dunkelelf!“ Vanitas war zum ersten mal seit ihrem Aufbruch von Pelgar wieder richtig euphorisch. Gut gelaunt folgte er dem steinernen Flussufer, um sich im schlammigen Unterholz des Sarius nicht zu beschmutzen. Zehn Minuten später bog er ins innere des Waldes ein und folgte statt dem großen Fluss nun dem knöcheltiefen Bachlauf, der in Richtung Süden abging. Ab dort dauerte es nicht mehr lange, bis sich das kleine, kantige Felsmassiv zeigte, in dessen Inneren der Bach verschwand.
Vor 70 Jahren ungefähr, hatte der Hexer diesen Ort per Zufall entdeckt und beschlossen, ihn zu seinem Heim zu machen. Es war Ideal gewesen. Abgeschirmt, versteckt, mit viel Wasser in der nähe und die Höhlen selbst waren unter der Erde recht weitläufig. Unbewusst hatten sich Vanitas’ Schritte verlangsamt, bis er vor dem vier Meter hohen Berg aus Stein stand. Der Weg in sein verborgenes Reich war von hier aus durch die verschobenen Platten nicht zu erkennen. Aber wenn man dem Wasserlauf folgte, führte der einen direkt durch das verwinkelte Gestein und in die Höhle. „Folge mir,“ wies Vanitas den Dunkelelfen und trat als erster durch den niedrigen Eingang. „Aber berühre nicht das Wasser. Folge den Trittsteinen.“ So erreichte er die erste kleine Kammer, in der es Steil bergab ging. Das Wasser fächerte aus dem Bachlauf auf und überflutete den ganzen Boden mit einem dünnen Film, der ein wenig wie ein Wasserfall aussah. Breite Trittsteine führen nach unten und auch Vanitas nutzte diese, allerdings nur um ein gutes Vorbild für Neph zu sein. Für ihn selbst ging von dem Wasser keine Gefahr aus, aber der Elf mochte ungewollt die Verteidigungsanlage der Höhle aktivieren. Und er hatte nicht wirklich Lust, Energie zu verschwenden, um diese wieder zu deaktivieren. Je tiefer es ging, desto kälter wurde es. Aber noch war es bei weitem nicht unangenehm. Schließlich mündete die Steilkammer in ein Flügeltor, dass wie aus Glas zu sein Schien. Die Pforte nach Clavis Vanitatum.
„Trautes Heim, glück allein,“ meinte Vanitas grinsend und trat in die angrenzende Halle. Sie war kein vergleich zu der natürlichen Vorhöhle. Er hatte die Wände über die Jahre hinweg geschliffen und mit ewigem Eis bedeckt, ebenso wie den Boden und die Decke. Die große Halle strahlte weiß und silbern und ähnelte stark einem Herrschersaal. Tatsächlich stand am Ende gegenüber des Eingangs ein großer Thron aus purem Eis. Ein weiteres Portal führte in die darunter liegende Ebene, wo sich sein Labor befand. Ansonsten war der Raum spärlich eingerichtet, von den detailgetreuren Eisskulpturen einmal abgesehen. Zweiundzwanzig an der Zahl waren es und jede von ihnen zeigte einen der Zauber, die der Hexenmeister selbst kreiert hatte. Hinter dem Thron waren drei besonders große Statuen, die auf ihren Sockeln selbst den Dunkelelfen um über einen Meter überragten und bis zur Decke reichten. Die ganz links kannte Neph bereits, auch wenn er das Wesen damals um einiges größer gesehen hatte. Der Zauber den diese Plastik darstellte, war die Kaiserin, der Schlangendrache, der Pelgars Tor zerschmettert hatte.
In der Mitte der Halle blieb Vanitas stehen und breitete die Arme aus. Das hier war sein Reich. Für andere Herrscher mochte es nichts besonderes sein, dieses kleine Domizil unter der Erde und der Dunkle Herrscher hätte es sicherlich höchstens belächelt, doch hier, an dieser Stelle war Vanitas der Meister, König, Gott. Hier galten seine Gesetze und nur seine. Zumindest war es bisher so. Ihm war nicht ganz bewusst, was er durch Ancilliar hier her brachte. Wo er grade an die Katze dachte... wo war das Biest eigentlich? Oben hatte er es noch gesehen ... anderseits war es müßig, sich darum Gedanken zu machen. Im Moment fühlte er sich noch stark und er hatte ohnehin vor, nicht auf seine eigenen Reserven zurück zu greifen. „Mein Laboratorium ist ein Stockwerk tiefer. Und bitte, fass hier nichts an. Ich fürchte um die Konsequenzen. Deinetwillen.“
Durch die Tür hinter den drei großen Statuen ging es eine kleine Wendeltreppe herunter, die ebenso aus Eis bestand, wie alles andere hier. Das „Labor“ befand sich direkt unter dem „Thronsaal“ und hatte die selben Ausmaße. Allerdings war dieser Raum grade zu vollgestopft mit Tischen und Werkzeugen. Destillen, Retorten, Calcinatoren, Mörser und Stößel, hier unten war ein richtiges Alchemielabor eingerichtet worden. An der Nordwand waren ein halbes Dutzend Zellen eingelassen, doch sie schienen leer. Beherrscht wurde dieser Raum aber von etwas anderem. Genau in der Mitte befand sich ein Tank, der von der Decke bis zum Boden reichte und mit klarem Wasser gefüllt war. Darin befand sich Augenscheinlich ein junges, blondes Mädchen, doch irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Ihr ganzer Körper schien in Einzelteile zerlegt worden sein, zwischen den Rändern konnte man hindurch sehen. Arme, Beine, Hände, selbst der Kopf, alles war abgetrennt, befand sich aber wie durch eine unsichtbare Macht noch an der richtigen Stelle. Eigentlich konnte niemand einen solchen Zustand überleben, doch die nackte Brust des Mädchens hob und senkte sich. „Aurora, dass ist Neph. Neph, dass ist mein größter Misserfolg,“ kommentierte er mit einem Armschwenker auf den Wassertank. Dann deutete er auf einen niedrigen Tisch in der nähe, der Frei von allen Werkzeugen und Instrumenten war. „Mach dich Frei und leg dich dort hin,“ wies Vanitas den Elfen an und blieb selbst neben dem länglichen Tisch stehen.

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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 7. März 2012, 13:44

Sie hatten sich auf den Weg gemacht. Die Kutsche kam poltrig vorwärts, aber recht schnell. Die Euphorie auf seine Heimat und auf das bevorstehende Experiment, ließen den Hexer all seine Probleme vergessen. Neph ließ die Kutsche anhalten und noch ehe er etwas sagen konnte, war Vanitas schon aus der Kutsche hinaus.
Antworten hatte der Dunkelelf noch nicht bekommen. Immer wenn er angesetzt hatte, kam etwas dazwischen. Er wollte wissen, was und genau der Hexer mit ihm vorhatte. Jeden kleinen Schritt. Er wusste das Gröbste, aber nicht ob er betäubt werden würde oder so. Er fragte sich, ob die Schmerzen nur bei ihm so höllisch werden würden, weil er immun gegen Drogen aller Art war. So würde auch eine Betäubung so gut wie nichts bringen. Es sei denn man würde eine wesentlich höhere Dosis verwenden. Neph stieg aus der Kutsche, trat zum Kutscher. Ein Auge immer auf den Hexer gerichtet.
“Warte!” rief er kurz nach.
Mit groben Händen holte er die kleine Gestalt herunter. Panisch sah er ihn an, dachte sein letztes Stündlein hatte geschlagen. Der Kutscher wurde noch benötigt, also musste er diesen vor einer Flucht abhalten. “Runter da und ab nach hinten rein” zischte er. Der kleine Tropf gehorchte, zu groß war die Angst vor dessen Zorn. Neph ließ ihn hinten in die Kutsche eintreten und holte ein Seil hervor. Damit fesselte er seinen Kutscher so, dass dieser sich nicht befreien konnte, sich jedoch auch nicht erdrosseln. Mit der Frau verfuhr er gleich. Sie würden sich ansehen können, wären aber nicht hat in der Lage sich zu befreien. Nur noch knebeln und er verschloss den Kutschwagen. Die Pferde versorgte er noch, dann eilte er den Magus hinterher.
Ein niemals ermüdender Arm
Eine Gestalt huschte kurz an ihn vorbei und folgte Neph. Die Katze!
Endlich war er neben dem Hexer. Anspannung erfasste ihn mehr und mehr.
“Du muss mir noch meine Fragen beantwor…” Schon war der Magus, der auf einmal nur so vor Energie wimmelte, schon davon. Neph zog die Luft scharf ein, folgte ihn jedoch. Er hielt sich an die Anweisungen. Betrat nur die Trittsteine, die auch Vanitas betrat.
Endlich waren sie ihm Inneren.
Dann erreichten sie die große Flügeltür.
“Was für ein Material ist das? Kristall? Eis?” der Dunkelelf kam nicht drum rum seine Hochachtung aus zu drücken. Dieser Magus hatte hier ein eigenes reich.
Die Tür schwang auf und Neph konnte Vanitas folgen. Dieser war sichtlich stolz auf seine Heimat. Es war kühl, so wie auch die Gefühle des Hexers.
Neph blieb unverhofft stehen. Die Halle war zu hell für ihn. Nicht das Dunkelelfen so Lichtempfindlich waren, wie die Nachtelfen- aber so helles Licht mochte er überhaupt nicht. Er blinzelte, bevor er sich an das Licht gewöhnt hatte.
“Unglaublich, bei Faldor!” stieß er bewundernd aus. Es war zwar etwas protzig, aber sehr schön. Die Statuen sahen anziehend aus und er trat näher an sie an. Was für Meisterwerke.
Seine Hand war versucht darüber zu streichen, als die Warnung von Vanitas kam. Ruckartig nahm er die Hand zurück, seine Haltung sofort die eines gehorsamen Soldaten. Unbewusst war das geschehen.
Die Katze stand noch im Eingang, drückte sich an der Wand entlang und machte dann einen Satz auf den Thron. Ihre Augen erfassten alles.
Ob Vanitas sie noch sah während er die Wendeltreppe hinunter trat? Sie machte hier keine Anstalten ihn zu folgen, sondern rollte sich einfach ein. Die Ohren wie immer zuckend.
Neph ließ eine Hand an der Wand langgleiten, während er vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzte. Ein Gefühl von Anspannung überkam den Dunkelelfen. Nervosität machte sich breit.
Das folgende Labor, sah eigentlich nicht anders aus als die der meisten Magier. Nicht das er wirklich schon mal eins besucht hatte. Er war Krieger, kein Magus oder Alchimist. Die Säule in der Mitte ließ jedoch den Dunkelelfen erschaudern.
"Misserfolg? Was ist passiert?"
Er konnte sehen, dass das Mädchen darin noch lebte- irgendwie.
“Ihr wisst hoffentlich was ihr macht?…meine Fragen wurden noch nicht beantwortet! Was passiert, wenn ihr stirbt-… ich will mich nicht an euch binden, oder so!… da rauf?… alles frei machen, es müsste doch der Oberkörper reichen” plapperte er nervös?
Die Anspannung konnte man tatsächlich sehen. Immerhin machte hier der Dunkelelf keine Kleinigkeit. Er hatte sich bereit gestellt an sich experimentieren zu lassen.
Nur langsam entledigte sich der Dunkelelf seine Kleidung. Ein Gefühl aus seiner Jugend kam wieder hoch, ausgeliefert zu sein. Nochmals inspizierte er den Tisch. Hier waren keine fesseln dran oder so? natürlich konnte Neph notfalls welche erschaffen, immerhin würde ein Opfer nicht still liegen, selbst wenn es freiwillig geschah.
“mach ja nichts Törichtes” Drohte der Dunkelelf, wenn jetzt es auch nicht so bedrohlich wirkte.
Selbst ohne die Rüstung und Waffen konnte ein Dunkelelf mehr als tödlich sein. Er war zwar nicht übertrieben klobig, doch es war ein gestählter Körper. Muskulös und gar nicht zerbrechlich wirkend. Viele Narben waren auf diesen verzeichnet. Besonders Striemen durch die Peitsche. Vielleicht hatte deswegen Neph selbst die Peitsche gerne genutzt.
Doch sonst strahlte er beste Gesundheit aus.
Jetzt wirkte er fast hilflos. Eine Geste der Unsicherheit- wenn nur flüchtig konnte Vanitas wahrnehmen. Die fahrigen Finger strichen sich durch den Langen früher mal gleichmäßigen schwarzen Zopf.
“Was nun?” Als er sich auf der Liege niederlegte. Eine Hand hielt einen kleinen Dolch fest umklammert. Unsicher sah er zu der Säule.
“freiwillig so geworden oder nicht?” wollte er wissen.
Neph hatte sich in die Hände des Hexers begeben. Er hoffte dass ihn Faldor nicht eins auswischen wollte.
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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Vanitas » Mittwoch 7. März 2012, 15:09

Die Anspannung des Dunkelelfen brachte Vanitas zum Grinsen. Natürlich war das Gefühl mehr als gerechtfertigt. Schließlich gab er seine ganze Existenz in die Hände eines Mannes, den viele als Wahnsinnig bezeichneten. Es müsste ja nur ein winziger Teil des Rituals fehl gehen und er könnte sich nicht einmal mehr Krieger nennen, mit nur einem Arm. Geduldig wartete der Hexer, bis sich Neph seiner Oberbekleidung entledigt und wie befohlen auf dem Tisch platz genommen hatte. Die langen Finger des Zyraners strichen über die dunkle Haut, glitt an den Muskeln entlang und zeichnete die Lage der Knochen nach. Er musste sich erst einmal ein Bild vom Original machen, damit die Replik auch wirklich perfekt wurde. „Beruhige dich, Soldat. Ich bin kein Stümper. Meine Werke sind für die Ewigkeit. Der Arm wird seine Kraft aus deiner Lebensenergie ziehen, nicht aus meiner Magische. Im Endeffekt wird das dein Leben vielleicht um zwei bis drei Monate verkürzen, aber was sind schon 100 Tage, für hundert Jahre, die du noch mit voller Kraft kämpfen kannst?“ Als nächstes streckte und beugte Vanitas den Arm, lies ihn im Gelenk kreisen und probte die Beweglichkeit. Schließlich hob er ihn an, dass er in einem Winkel von 90° vom Körper weg zeigte. Da Neph auf dem Rücken lag, wies seine Hand nun in die Luft.
Dann stand er auf, ging zu einem der Tische, die mit Reagenzien voll gestellt waren und schnappte sich drei große, bauchige Flaschen, die mit durchsichtigen Flüssigkeiten gefüllt waren. Mit dieser Last kam er zu dem Elfen zurück und goss den Inhalt der ersten Flasche direkt über dessen Arm aus. Mit ein wenig Fremdlenkung durch den Hexer, wurde das gesamte Gliedmaß des Kriegers bedeckt, so dass es aussah, als würde er einen gläsernen Handschuh tragen, der bis zur Schulter ging. Auf ein Schnipsen gefror die Hülle, was sich garantiert nicht sehr angenehm anfühlte. Die Hülle blieb allerdings nicht lange an dieser Stelle, denn sofort nachdem das geschafft war, entfernte Vanitas sie vorsichtig, um ja nichts zu beschädigen. Was jetzt kam, war der nervigste Teil der gesamten Operation. Er durfte nun alle wichtigen Sehnen, Knochen und Muskeln erzeugen und alles richtig miteinander verbinden. Dafür benutzte er die anderen beiden Flaschen, aus denen er immer wieder ein wenig in den Eisarm füllte, um sie an der richtigen Stelle in den gewünschten Zustand zu bringen. „Mach dir keine Gedanken über Aurora. Sie ist kein Mensch, sie ist nicht einmal ein Lebewesen,“ begann er Nephs zweite Frage zu beantworten, während er dieser Präzisionsarbeit nachging. „Sie ist ein Homunculus. Ein künstliches Wesen, geschaffen aus Alchemie und Magie. Darüber hinaus ist sie Perfekt. Es ist unmöglich sie zu verletzten oder gar zu töten. Bei der ganzen Sache habe ich nur nicht bedacht, dass ich keine Möglichkeit habe, ihr ein Bewusstsein zu verleihen. Ich hab darüber nachgedacht, ihr das Gehirn ihres menschlichen Vorbilds einzufügen, aber das würde zu schnell sterben. Darum ist sie mein größter Misserfolg. Aber trotzdem eine schöne Dekoration oder?“
Nach einer weile verfiel Vanitas in Schweigen, während er weiter an dem künstlichen Arm arbeitete. Es dauerte sicherlich eine halbe Stunde, bis er zufrieden war. Probehalber versetzte er dem Arm einige magische Impulse, woraufhin die Finger sich bewegten. Die künstlichen Muskeln arbeiteten ganz so, wie sie es sollten. Er hatte sich sogar den Spaß erlaubt, die Narben des Elfen zu übertragen. Nur eine Sache störte ihn, nämlich dass der gleißend weiße Arm überhaupt nicht zum schwarzen Fleisch des Elfen passte. Genervt pustete Vanitas aus und sah sich in seinem Labor nach etwas um, dass dieses Problem beheben konnte. Sein Blick fiel auf die Eiskommode, in der etwa 30 kleine Flakon mit schwarzem Wasser standen. Warum nicht... dachte er sich und öffnete die Hand. Einer der Flakons löste sich aus der Halterung, ging durch die durchsichtige Schranktür als wäre sie aus Luft und schwebte auf seine Hand zu. Noch bevor sie dort ankam, platzte das Glas und das schwarze Wasser glitt zielgenau auf die Prothese zu, drang in diese ein und verfärbte sie binnen Sekunden pechschwarz.
Damit waren fast alle Vorbereitungen getroffen. Es fehlte nur noch eins. Mit einer lässigen Geste streifte sich Vanitas das Amulett über den Kopf, in das der Energiekristall eingelassen war, den Neph in im Gefängnis gegeben hatte. Er enthielt in etwa genug magische Energie, für den kommenden Zauber. Seine eigenen Reserven wollte er schonen, da die verdammte Katze nur wiederwillig davon abgab. „Du musst dich jetzt auf den Bauch legen, damit ich sowohl an das Schultergelenk, als auch das Rückgrat komme. Ich werde deinen Arm dann mit einem Hieb amputieren und den neuen einsetzten. Die Stelle werde ich vorher einfrieren, so dass du davon nichts spürst. Dann jedoch werde ich eine Verbindung zu deinem Nervensystem herstellen. Das wird ein Gefühl sein, als würde ich dir eine Million glühender Nadeln in den gesamten Körper rammen. Da du immun gegen Gifte und Schmerzmittel bist, musst du da leider so durch. Noch hast du die Wahl. Wenn ich erst mal angefangen habe, gibt es kein zurück mehr!“

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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Erzähler » Samstag 10. März 2012, 14:37

Neph hätte nie damit gerechnet, dass ein Mensch es schaffen könnte, ihn eine Gänsehaut einzujagen. Doch nur zu deutlich spürte er sie jetzt, als die Finger des Hexers über seinen Oberkörper glitten. Er wusste, dass dies hier über seine kommenden Jahre entscheiden würde. Er ließ den Hexer gewähren, während er sich auf seine Atmung besandte.
Mach dich nicht verrückt.
Die Worte des Magus waren jedoch erbaulich. Hundert Jahre mehr, dafür ein paar Tage weniger, damit konnte der Dunkelelf leben.
„ich werde mir deine Worte merken, Magus! Was genau machst du?“ Er keuchte überraschte auf, als die Flüssigkeit über seinen Arm glitt.
„Was?!...“ Ein Knistern lag in der Luft, als die Flüssigkeit sofort gefror. Das der Magus bei diesem Prozess nachhalf, bemerkte Neph natürlich nicht. Er kannte sich mit arkanen Kräften nicht aus und dies war sowieso Neuland für ihn.
Vanitas nahm den provisorischen Armabdruck ab und machten jetzt den anderen Teil. Neph setzte sich auf, führ sich mit beiden Händen über die Oberarme. Kalt war der Raum, selbst für einen gestählten krieger.
„Ein künstlich erschaffenes Wesen?...Unzerstörbar?...“ Er machte einen Satz von Tisch, betrachtete dieses Wesen. Was wäre das doch für eine Sache, wenn man komplett unzerstörbar war. Fast lag ihn das auf der Zunge zu fragen, doch einen Frauenkörper wäre nun wirklich nichts für ihn. Er schüttelte sich bei dem absurden Gedanken.
„das ist der Nachteil bei Menschen, sie sterben zu leicht. Sind meist zu schwach oder zu überfordert“
Er starrte auf den Rücken des Mannes, der ihn operieren würde.
„Du hättest was besseres suchen sollen…aber eine schöne Deko ist es in der Tat“ wieder trat er zurück zur Liege.
Vanitas war unterdessen höchst konzentriert. Die Flüssigkeiten erfüllten ihren Sinn und ihren zweck. Er konnte sehen, wie sich in diesem provisorischen Arm langsam alles anatomisch Wichtige biltete. Wie sich ein Knochen aus verfestigten Eis entstand. Sehnen, die Stark wie Stahlseile waren sich entwickelten. Muskeln, welche nicht reißen oder ermüden konnten darauf folgten. Nach diesem prozess hatte er einen perfekten Arm, wovon jeder Heiler entzückt wäre, dass man die Anatomie genau studieren konnte. Ein graziles Spiel, als sich die Sehen spannten und die Muskel arbeiteten. Ein aus Magie und Eis erschaffener Arm. Konnte die Natur besseres erschaffen, vermutlich nicht. Dies war Perfektion!
Nur die Farbe war ziemlich auffällig. Doch Vanitas hatte auch dafür eine Lösung. Wasser, welches schwarz wie die Nacht war, erfüllte den Zweck. Neph sah, wie die kleinen Fläschen zu dem Magus hinschwebten.
Ob Vanitas selber noch wusste woher er diese Wasserproben hatte?
Erinnerte er sich noch, wie er damals den schwarzen kleinen Teich gefunden hatte. Ein Teich, der künstlich angelegt war und von Ritualmagiern und Hexern gleichermaßen verwendet wurde.
Alle Tests hatten immer ergeben, dass es sich um Wasser- schwarzes, jedoch einfaches Wasser handelte. Nur eine leichte Spur etwas Fremden war wahrzunehmen. Doch er hatte immerhin nicht alles verwendet und die arkane Signatur war mehr als gering.

„Was ist das?“ erkundigte er sich neugierig. Er zwang sich, nicht zu dem Hexer zu gehen und diesen wie ein Kind über die Schultern zu schauen.
Jetzt aber kam der wichtigste Teil.
Vanitas konnte die Magie spüren, welche der Kristall ausstrahlte. Es würde klappen. Neph lag seitlich auf der Liege, wusste immerhin nicht was jetzt geschehen würde. Die Erklärung ließ ihn stocken. Sollte er dies wirklich machen?
„ich habe schon einiges erlebt, ich bin Dunkelelf und stelle mich dem“ Antwortete er bevor er selber über alles nachgedacht ahtte.
Er wollte es wirklich.
Die Kraft und Macht zurück, die ihn das Alter nahm. Tief atmete er durch, den Dolch vorsichtshalber zum draufbeisen zwischen den Zähnen. Immerhin wollte er die Zunge nicht verlieren. Aber wie wollte Vanitas verhindern, dass er sich versehntlich bewegte?
Dieser Gedanke kam ihm reichlich spät. Er lag bereits auf dem Bauch, mit einen Dolch zum draufbeißen, den er in den nächsten Sekunden beim Schreien vergessen würde. Denn er hatte seine Schmerzunempfindlichkeit maßlos überschätzt oder Vanitas hatte untertrieben. Das Resultat war das selbe.
Grausig wurde sein Schrei durch die Hallen getragen.
So lange bis ihn irgendwann die Ohnmacht holte und das war ein Segen, selbst für den Krieger der Dunkelelfen.
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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Vanitas » Dienstag 20. März 2012, 20:43

Ab jetzt war absolute Konzentration erforderlich, wenn er nicht aus versehen alles versauen oder den Elfen töten wollte. Beides wäre im Moment doch sehr unangenehm, aber ein gewisses Restrisiko bestand nun mal immer. Die größte Gefahr jedoch bestand für den Verstand des Dunkelelfen. Vanitas bemerkte, wie der Krieger seinen Dolch zwischen die Zähne klemmte und schüttelte leicht den Kopf. Aus einem Fach unter dem Operationstisch holte er ein Beißholz hervor, dass er seinem Opfer in die Hand drückte und ihm dafür den Dolch abnahm, den er in die Ecke des Tisches rammte. „Mit dem Stahl im Mund würden dir die Zähne zersplittern. Und ich habe keinen nerv, auch noch deinen Kiefer zu ersetzten.“ Die Worte waren eher ein genervtes Brummeln, denn im Augenblick sammelte der Hexer seine Konzentration, für den ersten Zauber. Neph hatte sich wie befohlen auf den Bauch gelegt und der Magier stellte sich ans Kopfende. Seine Hände legte er auf die Schulter des Arms, den er gleich entfernen würde und kanalisierte seine Kräfte in ähnlicher Form, wie er es bei der Magierin im Wald gemacht hatte. Sofort kühlte das Fleisch unter seinen Händen ab und wurde taub. Für gewöhnlich machte er sich diese Mühe nicht, sondern verabreichte den Probanten ein Schmerzmittel, doch diese würden bei dem Krieger, mit seiner Giftresistenz, ja nicht wirken. Dabei war es wichtig, dass der Elf so lange wie möglich ruhig lag. Die Schmerzen würden schon noch früh genug kommen.
Nachdem die Stelle, die er amputieren wollte, schockgefrostet war und der Elf nichts mehr fühlen konnte, wob Vanitas den ersten der beiden richtigen Zauber. Er schwenkte mehrmals die Hand durch die Luft und die Feuchtigkeit der Halle vermengte sich zu einer Form, die stark an das Fallbeil einer Guillotine erinnerte. Gleich würde es kein zurück mehr geben ... Der Hexer lies den Arm ruckartig sinken und die Schneide tat es der Bewegung gleicht. Sie zischte kurz durch die Luft und trennte dann den Arm genau auf der geplanten Linie vom Körper. Neph bekam davon natürlich nichts mit, wenigstens diese Betäubung hatte ihre Wirkung getan. Die Blutung stoppte abrupt, als der Lebenssaft des Elfen an der Austrittsstelle gefror. Ganz vorsichtig legte Vanitas die Prothese an die rechte Stelle. Seine eine Hand berührte das Eis, die andere den Nacken des Elfen. „Was ich vielleicht vorher hätte sagen sollen ...“ meinte der Zyraner leichthin und ein böses Lächeln umspielte seine Lippen, „die meisten werden vor Schmerzen wahnsinnig, selbst wenn ich sie betäube.“ Selbst wenn Neph darauf noch etwas hätte erwidern wollen, gab der Hexer ihm keine Gelegenheit mehr. Er sog bereits Energie aus dem Kristall um seinen Hals und wob den einen Zauber, den kein ehrbarer Zyraner jemals lernen würde. „Arkane Macht XIV; die Kunst!“ Damit starte der Prozess der Verschmelzung von Magie und Fleisch. Und gleichzeitig kam auch der Schmerz für den Dunkelelfen. Durch das Ritual fräste der Hexer künstliche Nerven in das Rückenmark seines Verbündeten und verband diese gleichzeitig mit dem künstlichen Gliedmaß. Bereits nach wenigen Sekunden wurde Neph ohnmächtig und dabei konnte er von Glück reden. Für die meisten war die Pein zu groß, als dass der erlösende Schlaf eintreten konnte. Wie Im Zeitraffer wuchsen der künstliche Arm und das Gelenk zusammen, Sehnen, Muskeln, alles verband sich an der richtigen Stelle miteinander. Nach ein paar Minuten stand Vanitas Schweiß auf der Stirn, die erforderliche Konzentration zu halten, war äußerst anstrengend.
Es dauere vielleicht zwanzig Minuten, dann war es geschafft. Vanitas keuchte inzwischen und das nicht weil ihm die Energie ausging. Seine Brust schmerzte wieder, doch er durfte das Ritual nicht abbrechen oder es wäre gescheitert. Um so glücklicher war er, als endlich alles vollendet war. In Nephs Nacken war nun eine handtellergroßer, glatte und sehr dünne Eisscheibe, an dem Punkt, wo die neuen Nerven entstanden waren. Zufrieden lächelnd fuhr Vanitas mit dem rechten Zeigefinger über die Scheibe und hinterließ dort ein verschnörkeltes V. Es hatte keine besondere Funktion, aber jeder Künstler Signierte seine Arbeit und so hielt er es auch. Wenn dieser Elf dereinst sterben würde, sollte man erkennen, woher er seine Kraft hatte.
Kaum hatte er das getan, brach er hustend neben dem Operationstisch zusammen. Ein Glück, dass Neph vor Schmerzen noch ohnmächtig war und diese schwäche nicht mitbekam. Zu seinem schrecken spuckte er sogar ein wenig Blut aus, bis er sich endlich wieder beruhigte. Immer noch zitternd wischte er das Blut mit dem Arm weg und erhob sich langsam. Das musste irgendwie geändert werden. Es konnte so nicht weiter gehen. Verflucht, dass würde ihn noch umbringen! Wieso traf ihn grade so etwas? Mit soviel anderem könnte er leben, oder etwas dagegen tun, aber das ...

Vanitas saß in seinem gefrorenen Thron und wartete darauf, dass Neph wieder zu sich kam. Es mochten vielleicht schon zwei Stunden sein, seit der Elf das Bewusstsein verloren hatte. Viel länger würde es nicht mehr dauern. Oder aber der Geist des Kriegers war vernichtet worden. Das würde sich in der nächsten Zeit zeigen. Das tote Fleisch, dass bei der Operation angefallen war, hatte er bereits entsorgt und in das dritte Untergeschoss geworfen. Dort blieb nicht mal er längere Zeit gerne. Aber von den Tierchen, die dort lebten trennen, wollte er sich auch nicht.
In seiner rechten Hand hielt er ein weiteres der Fläschchen mit dem schwarzen Wasser und quer über seinem Schoß ruhte ein Schwert, das stark an eine Sense erinnerte. Er hatte nie wirklich verstanden, was es mit dieser Flüssigkeit auf sich hatte. Er hatte weder ihre Macht, noch ihren Ursprung ergründen können. Alexej schon. Der Bengel hatte irgendwie gewusst, wie man die volle Stärke dieses Zeugs ans Licht bringen konnte. Aber dieses Geheimnis hatte er mit ins Grab genommen. Alles was von ihm blieb war dieses verdammte Schwert und die restlichen Proben, die er genommen hatte. Und im Endeffekt brachten beide ihm nichts, nichts außer Zweifel und schlechte Erinnerungen. Seine linke Hand umklammerte den Griff des Schwertes, er hob die Waffe an und rammte sie kräftig in den Boden. Das abknickende, sensenartige Ende der klinge bohrte sich in den gefrorenen Boden und blieb dort stecken. Er war am Ende. Selbst mit einen neuen Untergebenen und starken Krieger an seiner Seite, war er dennoch am Tiefpunkt angelangt ...

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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 22. März 2012, 15:20

Sie fuhr erschrocken hoch, als sie plötzlich den Schrei aus der unteren Etage hörte. Ihr Fell sträubte sich und sie fauchte kurz ins Nichts. Aber hier war keiner. Ihr neuer Mensch war ebenfalls unten, doch wenn etwas mit ihm wäre, dann hätte es ihr Gebieter mitgeteilt. Sie streckte sich wieder gelassen, fuhr ihre Krallen über das Eis.
Nicht unbedingt ein Ort, den sie bevorzugen würde, aber ihr Gebieter wollte nun mal, dass sie den alten Menschen begleitete. Sie roch, dass er langsam zu alt wurde und ihr Gebieter nicht mehr lange warten musste.
Schade, ihr gefiel es eigentlich.
Ihr Mensch hielt sich von ihr auf Abstand, was wohl auch an ihr jetziges Aussehen lag. Mit der Zunge fuhr sie sich über eine Pfote, Körperpflege musste ja sein.
Vielleicht würde er sie dann mal streicheln.
So beschäftigte sie sich erstmal. Dann stellten sich ihre Ohren auf. Da waren Schritte.
Sie hüpfte von Thron mit einem federleichten Sprung und wartete neugierig, wer da kam. Die Schritte hörten sich nach Vanitas an. Sie miaute einmal, was an diesen Ort sich noch furchtbarer anhörte.
Der Anblick verhieß ihr nichts Gutes, er würde so keinen Dienst für ihren Gebieter erfüllen können beziehungsweise seine Suche weiterführen. Aber Hilfe wollte er ja nicht von Sammael.
Dann tat sie es.
Sie war immerhin eine Katze und die waren mehr als man ahnte.
Dann schlich sie die Treppe runter. Sie drückte sich an die Wand, als der Magus in Sichtweite kam. Er sollte sie nicht entdecken. Tatsächlich schien er viel zu abwesend. Er stank nach Schmerz und Schweiß.
Ihre Chance.
Endlich kam sie unten an. Obwohl sie zum ersten Mal hier war, führten ihre Pfoten sie zu dem Operationstisch. Mit einen Satz war auf diesen. Der Dunkelelf war dort. Vorsichtig berührte ihre Pfote ihn. Nichts geschah. Sie hörte seine Atmung. Die Augen kniff sie zusammen. Sie konnte das schwarze Eis riechen. Sie schüttelte sich und kletterte dem Dunkelelfen auf den Rücken.
Sie wusste, dass der Elf sie nicht mochte. Aber sie sah nur so furchtbar aus, weil sie eigentlich schon tot gewesen war. Eins ihrer Leben war dahin. Und jetzt, jetzt gab sie ein Weiteres. Sie machte was man von ihr erwartete, sie war immerhin eine Katze.
Sachte schritt sie über seinen Rücken hinauf zu Nacken und seinem Gesicht. Sie machte sich lang, so dass ihre Schnauze fast seine Wange berührte.
Dann atmete sie tief ein.
Sie zog seinen Atem ein. Das schwarze Wasser hatte ihn zu dem perfekten Opfer gemacht- ihr Opfer.
Dann schlug sie ihre Krallen in seine Schultern.

Vanitas war der Verzweiflung nah. Er spürte wie ihm die Zeit wegrannte, seit seine Macht abhanden gekommen war. Jetzt saß er auf seinen Thron aus Eis und verfluchte die Vergangenheit. Das Schwert zitterte noch leicht von der Kraft des Einschlags.
"Schöne Waffe..." keuchte es vom Treppeneingang. Neph hatte die Treppe nach oben geschafft. Seine Beine zitterten noch leicht, aber er fühlte eine Stärke in sich, die er nicht greifen und fassen konnte. Er lehnte an einer der Wände, hielt sich fest. Jetzt konnte man keinen Unterschied sehen, dass ein Arm tatsächlich aus Eis war.
"ich...habe es...überlebt, überrascht?" Er hielt stolz den Arm hoch bevor er ihn wieder sinken ließ. Warum fühle ich mich trotzdem so seltsam.
Seine Atmung war ruhig, fast schon zu ruhig.
Dann schreckte er leicht hoch, als etwas an ihm vorbei rannte. Die Katze!
Angewidert schaute er ihr nach.
Sie rannte zielgerecht auf Vanitas zu und ehe er sich versah hockte sie auf seinen Schoß. Sie pulsierte nur so von Energie.
Ihre Augen suchten ihren Herrn, während sie wieder miaute und zu schnurren anfing. Sie drückte ihren Kopf an Vanitas...
Da passierte es.
Er konnte etwas spüren!
Energie! Seine und noch etwas!
Sie durchflutete den Magus! Die Luft kribbelte seltsam, und Neph fuhr sich frierend über die Arme. Sein Oberkörper war noch immer unbekleidet.
"Was bei Faldor geschieht hier?"
Ancilliars Augen leuchteten hypnotisch und Lebenskraft durchflutete den alten Hexer. Heilte seinen Körper. Aber noch etwas. Es war Jugend. Als würde sich sein Körper regenerieren. Sich Muskeln wieder aufbauen, die durch das Alter geschwächt waren. Sein Geist arbeitete mit der Energie der Jugend, ohne das Wissen seines Lebens verloren zu haben. Knochen gewannen wieder an Halt. Kraft und einen Teil der Energie, die ihm gehörte.
Dann hörte er eine Stimme. Sie war nicht so kalt wie die von Sammael. Weiblich und mysteriös.
" Höre Herr, ich habe dir ein Leben von mir gegeben, dafür ein anderes genommen. Du kannst Jugend erlangen, jedes Mal wenn der Dunkelelf für dich Leben trinkt. Es hält dann eine Weile
Sie machte kehrt, bereit zum Sprung. Da drehte sie sich nochmals um.
„Übrigens dein Schüler hatte das schwarze Wasser nicht beherrscht, es beherrschte ihn. Es ist eine Essenz des Todes. Mach aus den Wissen was. "
Dann sprang sie wieder von ihm runter.
Verschwand wie immer in eine der hintersten Winkel, während eine seltsame Wandlung in ihm vorging.
Das Zeichen auf der Brust blieb jedoch.



(hoffe es geht für dich so klar!!! ;)
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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Vanitas » Sonntag 1. April 2012, 00:13

Schlurfende Schritte ließen Vanitas aufhorchen und er drehte seinen Kopf wie auf ein Kommando in Richtung des Treppenabsatzes. Ein paar weitere dieser langsamen, trägen Schritte, dann schob sich die Gestallt des Dunkelelfen aus dem Untergeschoss in sein Sichtfeld. Er wirkte erschöpft und geschwächt, aber immerhin war er lebendig und wie es aussah noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Das war mehr, als die meisten behaupten konnten, die zu einem Opfer von Vanitas’ wahnsinnigen Experimenten wurden. Und wenn jetzt noch alles funktioniert hatte, wie es sollte ... Neph keuchte ein paar Worte, die der Magier nicht verstand. Das es so schwer war zu erkennen, dass er kein Wort Lerium sprach. Aber ausnahmsweise machte Vanitas seinem neuen Gefolgsmann keinen Vorwurf, denn nach dem, was er vor einigen Stunden durchgemacht hat, musste man ein wenig nachsichtig mit seinem Kopf sein. Und tatsächlich, schon nach ein paar weiteren Metern sprach er wieder so, dass auch der alte Mensch ihn verstehen konnte. Neugierig beobachtete dieser, wie Neph seinen neuen Arm hob und die Finger bewegte. Es sah ganz danach aus, als wäre das Ritual perfekt gelungen. Eine fließende Motorik, ein unbeschädigter Geist. Eine Meisterleistung, die kein anderer Magier nachzuahmen vermochte! „Darüber dass du überlebt hast? Nein. Dass du wieder aufgestanden bist ... schon eher.“ Er schmunzelte, aber nicht auf diese hinterhältige Art, wie er sonst immer grinste, sondern fast schon froh darüber, dass dieser ganze Kraftaufwand sich letztlich gelohnt hatte. Er war grade im begriff, sich zu erheben und die letzten Untersuchungen an dem Moloch-Arm vorzunehmen, als er bemerkte, dass dieses verlauste Biest Ancilliar auf ihn zu lief. Das war nicht weiter verwunderlich, hielt sich das räudige Tier doch die meiste Zeit in seiner nähe auf. Aber das nächste was sie tat, überraschte den Magus dann doch schon mehr. Sie sprang auf seinen Schoß und verharrte dort. Bisher hatte sie nur ein einziges Mal Körperkontakt zu ihm gesucht und da hatte sie ihm das Gesicht zerkratzt.
”Was zum …?” Die Katze fing genüsslich an zu schnurren und drückte ihr Köpfchen gegen seine Brust. Er hob grade den Arm, um den ungebetenen Gast im Genick zu packen und weg zu schleudern, als ein Ruck durch ihn ging. Es fühlte sich an, als hätte würde eine unsichtbare Macht ihn gnadenlos gegen das Eis seines Thrones drückte. Ein zweiter Ruck und Energie floss durch seine Adern, seinen Geist, seinen ganzen Körper. Es fühlte sich an, wie in der Kutsche, als ein Teil seiner Magie zu ihm zurück gekehrt war und doch anders. Es war eine andere Art von Energie, wenn auch nicht fremd und seltsam vertraut, so war es dennoch zuviel. Sein Körper begann zu brennen. Vanitas wollte sich bewegen, konnte es aber nicht. Und dann hörte er diese Stimme in seinem Kopf. Es war genau so, wie wenn der Elfenbastard mit ihm sprach, auch wenn die neue Stimme ganz anders war. Gleichzeitig flutete Welle um Welle von Stärke durch ihn, Energie, Macht, Lebenskraft, wie immer man es nennen mochte, aber jede Welle drohte, seine Haut zu zerreißen. Schließlich hüpfte die kleine Katze wieder von seinem Schoß und es war, als würde diese unsichtbare Etwas ihn wieder los lassen. Von der plötzlichen Freiheit überrascht, fiel Vanitas nach vorne weg und auf alle viere auf den Boden. Er hatte den Mund zu einem stummen Schrei geöffnet, dass ihm der Kiefer schmerzte. Speichel lief ihm an den Zähnen entlang und tropfte auf den Boden. Dabei wusste er genau, was mit ihm passierte. Er fühlte es zuerst in seinem inneren. Sein Herz, das zu beginn noch gerast hatte, pumpte nun zwar schnell, aber auch kräftig wieder Blut durch seine Adern. Der Schaden, den es erlitten hatte, schien sich von ganz alleine zu heilen. Aber nicht nur sein Herz. Sein Rücken, seine Lungen, ein Körperteil nach dem anderen wurde von der pulsierenden Kraft erfasst und geheilt. Verjüngt!? Was passierte hier mit ihm? Er hatte nicht darum gebeten! Er hatte es einmal abgelehnt, als Sammael ihn verjüngen wollte! Sein Gesicht juckte, der ganze Schädel kribbelte. Feine, weiße Härchen fielen vor ihm auf den Boden, als sein Kinnbart sich löste. Gleichzeitig wuchs sein Haupthaar rapide und silbrige Strähnen glitten an dem vorher glatten Schädel herunter. Selbst seine Haut glättete sich.
So plötzlich, wie es begonnen hatte, endete es auch und Vanitas fiel der Länge nach auf den gefrorenen Boden. Seine Hände glitten über das glatte Eis. Er fühlte eine lange vergessene Kraft in sich. Keine arkane, sondern eine physische. Jugendliche Stärke! Mit der Handfläche fuhr der Magier über den matten Eisboden, der daraufhin verspiegelte. Es war fast schon ein Schock, als er sich selbst so sah. Es war sein eigenes Gesicht, braun gebrannt zwar, aber trotzdem ... so hatte er vor etwa hundert Jahren einmal ausgesehen. Ruckartig kam er wieder auf die Knie und machte sich an seinem Seidenhemd zu schaffen. Er riss die Knöpfe mehr auf, um einen Blick auf seine Brust zu werfen. Doch das Zeichen war noch immer dort. Dieses Brandmal, dass ihm Sammael aufgezwungen hatte. Ungläubig betrachtete er nun seine Arme, die glatte Haut, das kräftigere Fleisch. Er war noch immer so abgemagert wie zuvor, aber trotzdem wirkte er bestimmt fünf mal gesünder als zuvor. ”Ich habe nicht hierum gebeten ...“ flüsterte der verjüngte Magier und schlug mit der Faust aufs Eis. Nein, er hatte es nicht erbeten. Aber er würde es annehmen. Jetzt wo er wieder in diesem Körper steckte, der mehr war, als ein langsam verwesendes Gefängnis, wollte er es nicht mehr missen.
Vanitas stand nun vollends auf und wunderte sich ein wenig darüber, dass er so aufrecht und ohne zu zittern stehen konnte. Und vor allem stand er, ohne irgendein stechen oder ziepen zu fühlen. Er hatte schon fast vergessen wie das war ... Mit festen Schritten ging er auf eine der Statuen zu, diese stellte einen Krieger in voller Rüstung dar, und zog sich gleichzeitig das zerrissene Hemd aus. Mit den Fingern berührte er den Block unter der Statue, woraufhin die Vorderseite weg schmolz und den zugriff auf ein schrankähnliches Fach ermöglichte. Ohne zu zögern holte er ein frisches Seidenhemd heraus, dieses mal jedoch ein schwarzes ohne Ärmel und zog es sich an. Danach schleuderte er seine verschmutzten Stiefel weg und zog sich frische an. Zum Schluss nahm er eine dunkelblaue Mantelrobe heraus und betrachtete sie prüfend. Die hatte er mal einem jungen Hexenjäger abgenommen. Ziemlich viel Silber war darin verarbeitet worden und eigentlich war der Federkragen überhaupt nicht sein Stil, aber zu einem jungen Wassermagier passte sie ganz ausgezeichnet. Während er sich den leichten Reisestoff überstreifte, wandte er sich an den bas dahin stummen Dunkelelfen. „Keine Fragen. Ich habe keine Antworten darauf, was grade passiert ist. Geh runter und hol deine Sachen. Nimm auch das Schwert mit. Wir haben noch immer eine Verabredung mit Zyranus, nicht wahr?“ Prüfend betrachtete Vanitas sein Spiegelbild im Boden und grinste schmallippig. Wenn er schon einen Pakt mit einem Dämonen hatte und unzweifellos in die tiefen des Harax stürzen würde, dann wollte er vorher zumindest noch so viele Zyraner mit sich reißen wie möglich. Und wer sollte sich ihm jetzt noch in den Weg stellen. Womöglich hatte Sammaels Dienerin doch einen Fehler gemacht.

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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Erzähler » Montag 2. April 2012, 10:02

Sie beobachtete ihn, sie wie er sich wandelte. Genüsslich leckte sie sich über ihre Pfote. Mochte der Magus denken, was er wollte, aber Fehler machte sie nie. Sie war eine Katze und sie war mehr als nur dies. Sie war nicht nur Dienerin, sondern ein Wesen, welches zwischen den Welten wandelte.
Das mochte der Magus nicht verstehen. Sie streckte ihren Rücken durch, als sie die Berührung ihres Meisters wahrnahm. Sein sanftes Streicheln. Sie schnurrte auf. Er war zufrieden, wenn er es sich auch anders gedacht hatte.
Aber wer würde sich schon gegen eine Frau stellen?

Neph stand da wie angewurzelt. Da sah er etwas, was er nicht für möglich gehalten hatte. Der alte Hexer wurde junger und sah plötzlich so vollkommen anders aus. Es fröstelte ihn, als er dies beobachtete. Es sah nicht gerade leicht aus. Er konnte nichts dazu sagen. Folgte der Bewegung des Mannes, als dieser dann sich schlagartig umzog und an ihm vorbei rauschte.
Fragen schossen durch seinen Kopf, aber noch bevor er sie stellen konnte, wurden sie schon abgewunken.
Er hatte gerade einen Arm eingebüßt und die Katze schien dem Magus Jugend zu schenken.
Was geschah hier wirklich?
„Keine Fragen. Ich habe keine Antworten darauf, was grade passiert ist. Geh runter und hol deine Sachen. Nimm auch das Schwert mit. Wir haben noch immer eine Verabredung mit Zyranus, nicht wahr?“
Der Befehl war eindeutig und Neph hinterfragte nichts. Er nickte nur, ging zu dem Schwert und riss die Klinge aus dem Boden. Kurz wog er sich hin und her, ließ sie durch die Luft fahren. Die Waffe fühlte sich gut an, so einfach in seinen Händen. Dann folgte er Vanitas nach unten.
Seine Sachen lagen noch dort, wo er sie hinterlegt hatte. Er griff nach seinen Hemd, zog dieses über. Kalt war ihm trotzdem. Doch wen sollte es bei so einer Umgebung wundern. Was ihn jedoch erfreute, war die Tatsache, dass sich sein neuer Arm überhaupt nicht fremd anfühlte. Seine Finger strichen über den Arm. Faszinierend.
Trotzdem hatte er das Gefühl, als wenn eine Stimme irgendwo in seinem Geist am sprechen war.
Er fühlte sich seltsam an - so getrieben.
„Seltsam oder, aber ich hatte das Gefühl eine Frauenstimme neben mir gehört gehört zu haben. Vermutlich habe ich von einer Frau geträumt... nur versteh ich nicht, was das zu bedeuten hat, wenn sie mir sagt, jedes Trinken, wird Jugend schenken, doch Sterben kommt zuerst...ich werde senil“
Noch während er sich wieder komplett ankleidete, blickte er zu dem jungen Hexer.
„Wieso willst du noch nach Zyranus, du hast doch alles was du brauchst“ der Gürtel war geschlossen, dass Schwert ruhte auf seiner Schulter, als würde es nichts wiegen.Ein Schmerz schoss durch seinen Körper.
Plötzlich stöhnte Neph auf, griff sich selber an sein Herz. Was war das? Er keuchte auf, hielt sich an der Liege fest.
Hatte gerade sein Herz gestoppt? Angst und Wut überkam ihn.
„hast du noch etwas gemacht“ fuhr er Neph an. Machte große Schritte auf den Magus zu. Er griff dessen Fellkragen, keuchte wieder auf. Seine Finger fühlten sich genauso eisig an, als hätte er beide Arme durch Eis ersetzt. Er ließ den Hexer los, als hätte er sich an ihm verbrannt, presste seine Hände auf die Oberschenkel.
„bei Faldor, was geht hier vor?“
Schmerzen machten sich im Dunkelelfen breit. Wieso schmerzte ihn gerade alles?
Wieso schmerzte sein Kiefer?
„Was...“ er keuchte auf, seinen Griff fest auf die Oberschenkel gedrückt.
Biss sich selber auf die Unterlippe.
Hatte sich die Zähne verändert?
Sahen die Eckzähne schon immer so scharf und spitz aus?
Die Augen blitzten, sahen so klar wie eis aus, dass rot verschwand mehr und mehr.
Vielleicht würde sich Vanitas an die Worte der Katze erinnern.
Neph sackte in die Knie, als würde er Vanitas anbeten. Kniete keuchend vor dem Hexer, so wie dieser zuvor vor seinen Thron.
Jetzt konnte Vanitas wirklich von einen Gefolgsmann reden.
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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Vanitas » Dienstag 22. Mai 2012, 17:37

Eine Euphorie erfüllte den Hexer, wie er sie schon lange nicht mehr empfunden hatte. Selbst das Glücksgefühl, als er im Kerker hinter das Geheimnis der Rätselschrift gekommen war, konnte bei weitem nicht mit dem aktuellen Moment mithalten. Sicher, man hatte ihn gegen seinen Willen verjüngt und er müsste eine ähnliche Wut empfinden wie damals, als dieser Dämonenbastard ihn mit einem Brandmal versehen hatte. Doch der Zorn blieb aus. Dafür war dieser Körper, dieser Zustand der absoluten Kraft, viel zu verführerisch. Am liebsten hätte er den Kopf in den Nacken gelegt und lauthals gelacht. Aber diesen Triumph wollte er Sammael nicht gönnen. Stattdessen strich er sich bedächtig über die langen, dürren Arme. Durch den dünnen Stoff seiner Robe konnte er deutlich die Muskeln und das Fleisch fühlen. Nicht jedoch den Knochen. Vielleicht hatte er sich in den letzten Jahren zu sehr gehen lassen. Zu wenig Essen, zu wenig Ruhe, dass hatte seinen Körper ausgelaugt. Nur so konnte er sich das Formtief erklären, dass ihn in den letzten Tagen und Wochen dominiert hatte. Sicher, er war alt. Er hatte inzwischen doppelt solange gelebt, wie es normale Menschen taten. 124 Jahre ... das war eine lange Zeit. Aber für einen Zyraner noch lange kein Alter. Diesen Zustand der Gebrechlichkeit, von dem er nun befreit war, hätte eigentlich noch 40 oder mehr Jahre auf sich warten lassen sollen. Noch einmal würde er es nicht so weit kommen lassen. Seine Studien waren beendet, alle Zauber, die er benötigte erforscht und perfektioniert. Es bestand kein Grund mehr, sich Tagelang in sein Labor zu verkriechen und ohne Schlaf und Nahrung zu experimentieren. Es war unmöglich zu sagen, wie viel Zeit ihm noch in diesem Leben blieb und genau deshalb musste er sich diese Zeit nehmen! Abwesend hob Vanitas den Blick und starrte in die Richtung, in der eben noch der Dunkelelf gewesen war. Sowohl er, als auch das Schwert war verschwunden. Also befolgte er wohl seine Anweisung und holte seine Sachen. Gut so. Mit ein wenig Geduld würde aus ihm noch ein sehr guter Adjutant werden. Ein guter Soldat war er schon, sonst hätte er keinen hohen Rang in der Armee des dunklen Herrschers gehabt. Ein guter Schütze war er ebenfalls, wie er schon mehrmals bewiesen hatte. Und mit der Verbesserung die er vorgenommen hatte, wurde sein Wert noch einmal gesteigert. Ebenso wie seine Hörigkeit. Ja, er hatte Neph eine Waffe gegeben, doch es war eine Waffe, die sich gegen ihn wenden würde, sollte der Elf sich gegen den Magier wenden. Wahrscheinlich würde es nicht so weit kommen. Opportunisten waren immer die besten Gefolgsleute, solange sie etwas wollten oder brauchten, konnte man auf ihre Unterstützung zählen.
Mit ausgestreckter Hand fuhr Vanitas über den gläsernen Krieger. Die beißende Kälte der Eisstatue fraß sich in ihn hinein. Wie sehr er Neph um seinen neuen Arm beneidete. Was würde er dafür geben, an sich selbst die selbe Operation durchzuführen. Aber das war unmöglich. Unter den folternden Schmerzen würde er unmöglich seinen Zauber fehlerfrei weben können. Und außer ihm gab es niemanden, der dieses Ritual durchführen konnte. Zumindest niemand, dem er sich anvertrauen würde. Als er die Berührung löste, brannten seine Finger leicht und die Haut war gerötet. Ungeduldig folgte er dem Elfen ins Untergeschoss. Der hatte seine Kleider wieder angelegt und schloss grade den Gürtel, als Vanitas eintrat. Die Frage, die er stellte war berechtigt. Warum wollte er weiterhin nach Zyranus, wo er doch nun eigentlich andere Dinge in angriff nehmen sollte? „Warst du selbst es nicht, der nach Zyranus wollte? Der in die Bibliothek wollte und zu einem Drachen, der dort drunter leben soll? Ich führe nur deinen eigenen Plan weiter aus. Natürlich nicht ohne Hintergedanken. Ich fühle mich grade besonders Mächtig. DAS ist der perfekte Zeitpunkt, um sich einem oder vielleicht auch mehreren Ratsmitgliedern zu entledigen. Sie sind die einzigen, die derzeit noch eine wahre Gefahr für mich darstellen.“ Das stimmte so nicht ganz. Viel gefährlicher als alle Mitglieder des Zyranischen Rates zusammen, war dieser dämonisch Elf Sammael. Und es gab noch ein gutes Dutzend anderer Magier, die ein großes Risiko darstellten. Raxtian Tausendtod, Rufus Faust, diese Feuerhexe Cassandra. Aber mit den Ratsmitgliedern hatte er noch eine Rechnung offen. An ihnen wollte er Rache üben, stellvertretend für ihre Vorgänger und alles Zyraner! Außerdem interessierte es ihn noch immer, ob es wirklich einen Drachen unter der Bibliothek der magischen Stadt gab. Gründe nach Zyranus weiter zu reisen gab es mehr als genug. Und danach würde er mit Sammael abrechnen. Es war ungewiss, wie es sich auf ihn auswirken würde, wenn der Dämon erst mal vernichtet war. Den ungewollten Pakt zu lösen, stand zwar in seiner Prioritätenliste ganz weit oben, aber vorher musste noch etwas erledigt werden. Diesen Körper musste man ausnutzen, solange es ging!
Mit einem mal schien irgendetwas in dem Dunkelelfen vorzugehen. Er stöhnte, krümmte sich leicht und griff sich in der selben Manier an die Brust, wie Vanitas selbst es vor kurzer Zeit noch getan hatte. Das war ... höchst beunruhigend! Eine solche Reaktion hatte er noch nicht erlebt, vor allem nicht, nachdem der Proband bereits wieder auf den Beinen gewesen war. Es hatte ganz sicher nichts mit dem Ritual und den Zaubern zu tun, die Vanitas durchgeführt hatte. Unbewusst trat der Hexer einen Schritt zurück. Nicht weit genug. Schneller als er es dem angeschlagenen Krieger zugetraut hätte, hatte dieser die Distanz zwischen ihnen überwunden und ihn am Kragen gepackt. Darüber war der Zyraner so verdutzt, dass er gar nicht reagieren konnte. Sein Hals würde stranguliert und das Luft holen fiel ihm schwer. „Ich habe gar nichts gemacht!“ presste er hervor, als ihn Neph schon wieder los lies. Vanitas taumelte leicht und strich sich mit der rechten Hand über den geschundenen Hals. Was ging hier vor? Besser hätte er es nicht formulieren können. Das hier war wiedernatürlich! Ganz langsam wanderten seine Auenbrauen nach oben, als er die Veränderung bemerkte, die mit seinem Vasallen vor sich ging. Der Kiefer schien sich zu deformieren, die Muskelstränge wurden dicker und Kräftiger. Auch die Eckzähne wuchsen und wurden länger. Und seine Augen, sie schienen alle Farbe zu verlieren. Das Rot wandelte sich mehr und mehr zu einem Eisgrau. Als die Verwandlung abgeschlossen war, erinnerte Neph den Magier äußerlich an einen ... Vampir? Er glaubte zwar an die Existenz der Homines Nocturni, doch hatte er sich nie besonders für diese interessiert. Sie galten eigentlich als Ausgestorben und es gab kaum lesenswerte Aufzeichnungen über sie! „Ich fürchte, du hast dich mit der porphyrischen Hämophilie infiziert.“ Es war die einzige logische Antwort, die er geben konnte und selbst damit war er sich nicht ganz sicher. Aus den Augenwinkel bemerkte er, wie Ancilliar die Treppe nach unten kam. Hatte das kleine Biest etwas damit zu tun? Bedeutete das vielleicht ...? Als die Katze nah genug an ihm heran war, griff er ruckartig zu und hob das räudige Tier im Nacken vor sein Gesicht. Soweit er wusste, mochten Katzen es, wenn man sie so festhielt. Aber darauf kam es ihm nicht an. "Hast du den Dunkelelfen in einen untoten Blutsauger verwandelt?" fragte er lakonisch, ohne eine Antwort zu erwarten. Wenn er die Worte des kleinen Biests richtig interpretierte, hieß das, jedes mal, wenn Neph Blut trank, würde er, Vanitas, mit neuer Jugend versorgt. Ganz leicht klopfte der Magier der Katze auf die Vorderpfoten, wie man es manchmal bei kleinen Kindern tat. "Wir verwandeln keine Anhänger in Vampire. Wenn du das noch einmal machst, werde ich dich bestrafen." Eigentlich hatte Vanitas kein Problem damit, was mit dem Krieger passiert war. Auf eine Art hatte Neph somit seine Unsterblichkeit erlangt. Aber sollte er tatsächlich so Sonnenempfindlich sein, wie man es über Vampire erzählte, wäre dass ein entscheidender Nachteil. Zumindest im Augenblick zwar weniger, denn draußen dämmerte es bereits, aber man musste da globaler denken ... „Steh auf,“ blaffte er den Elfen an, der natürlich von der Unterhaltung mit der Katze nicht viel verstanden hatte, „Wir müssen zurück zur Kutsche! Und zwar sofort!“

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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Erzähler » Sonntag 27. Mai 2012, 17:57

Neph stöhnte noch immer im Hintergrund. Kniete am Boden und versuchte Herr über sich zu werden. Keuchte und schnappte nach Luft. Schweiß war dem Krieger auf die Stirn geschrieben. Sein Körper passte sich etwas an, was wohl wiedernatürlicher nicht sein konnte. Seine Finger kratzen verkrampft über den gefrorenen Boden und erzeugten ein schrilles Quietschen. Sein Mund öffnete sich in einem stummen Schrei und Vanitas konnte tatsächlich die gespitzten Eckzähne sehen. Mit seiner Vermutung hatte er wohl Recht. Die Katze hatte den ehemaligen Dunkelelfischen Krieger zu einem Vampir gemacht.
„Womit habe ich mich infiziert“ fauchte der Krieger angestrengt. Das Sprechen fiel ihm noch schwer.
„Rede so…das ich dich…argh… versteh…Ma…Magus!“ Er hatte seine eisigen Augen auf den Magier gerichtet. So zu ihm hoch und stemmte sich auf seine Beine. Fremd fühlte er sich. Ausgelaugt. Seine Hand griff wieder zu seiner Brust.
Fassungslos sah er zu Vanitas hoch.
„es..es…schlägt nicht…wie?“
Inzwischen hatte Vanitas eins und eins zusammengezählt und sich Ancilliar von der Treppe gefischt.
Er hatte die Katze am Genick gepackt. Wie ein Jungtier hing sie vor dem Gesicht des Magus. Sie war ziemlich leicht, was man ihrer ausgemangelten Gestalt zu ordnen konnte.
Sie selber sah Vanitas mit hängenden Pfoten an. Ihre Mundwinkel hatten eine Art grausiges Lächeln, so wie man es deuten konnte.
„miau?“ fragte sie nur. Er gab ihr einen sanften Klaps auf die Vorderpfoten . Ihr Köpfchen folgte seinen Fingern noch bevor er etwas gemacht hatte. Wirklich böse war er ihr nicht. Sie schnurrte auf als er den Tadel los lies. Die Katze konnte an Grausamkeit ihm das Wasser reichen.
„ich habe das gemacht, was nötig war..mehr nicht. Außerdem ist er so nützlicher und kann dir nicht schaden“ Ihr Schwanz schlug hin und her und Vanitas konnte spüren, dass sie ihn gerade etwas Magie rüberschickte.
„Und bitte..keine Strafe“ es war ironisch gemeint. Sie blickte ihn kurz mit großen Augen an, doch war da noch etwas anderes. Etwas Dunkles. Etwas Mysteriöses wie die schwersten Rätsel der Welt, die alles an Grausamkeiten trotzten. Sie wand sich plötzlich in seinem Griff und strampelte sich daraus. Trotz ihrer ziemlich verunstalteten Wirbelsäule landete sie auf ihren Pfoten und wich wie immer etwas weg.
„Ich höre nicht schlecht“ brummte der Dunkelelf. Was hast du zu der Katze gesagt…hat sie was damit zu tun?“ Die letzten Worte waren immer dunkler geworden. Zornig und mit unterdrückter Wut. Vanitas Vampir stand auf. Tatsächlich sicherer auf den Beinen, als dieser wohl selber erwartet hatte. Er war trainiert Befehle zu befolgen. Und ein Inneres Bedürfnis lag darin dies für Vanitas zu tun.
„Die Kutsche rennt nicht weg…was geht hier vor“ verlangte er zu wissen. Er hatte sich inzwischen auf gemacht die Kutsche zu erreichen. Der Magus wollte immerhin noch nach Zyranus und Neph ja eigentlich auch.
Draußen war die Dämmerung schon in Gange und Neph blieb einen Moment zögernd vor dem Eingang von Vanitas reich stehen.
„es fühlt sich fremd an!“ sagte er mehr zu sich als zu Vanitas. Die Katze huschte mit einem Geräusch, was an ein Kichern erinnerte, an den beiden vorbei. Ihr Ziel die Kutsche, wo ja im Inneren die Frau und der Gnom gefesselt waren.
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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Vanitas » Dienstag 12. Juni 2012, 00:38

Mit einem genervtem Blick und leichtem Stirnrunzeln folgten die Augen des alten – jetzt wieder jungen – Magiers der Katze, die sich aus seinem Griff gewunden hatte und ganz in Stubentigermanier auf allen Vieren landete. Das schlimme bei dem Biest war, dass ihm spontan tatsächlich keine einzige vernünftige Strafe für sie einfiel. Getötet hatte er sie bereits einmal und das hatte ja wirklich sehr viel gebracht. Spontan fielen ihm ein paar Dutzend Möglichkeiten ein, sie zu töten oder sie mit der Angst vor dem Tot zu foltern, aber bei dieser geisterhaften Katze würde er damit nicht sehr weit kommen. Dass er sich nie Gedanken darüber gemacht hatte, wie man jemanden bestraft, ohne ihn zu zerstören. Die einzige Möglichkeit wäre vielleicht „die Kunst“ auf sie anzuwenden, aber bei einer Katze lohnte das einfach nicht so sehr wie bei einem Dunkelelfen. Noch einmal betrachtete er das verlauste Biest im ganzen. Nun, vielleicht doch. Man könnte sie wenigstens etwas ansehnlicher machen. Allerdings musste Vanitas zugeben, dass diese struppige, halb tot wirkende Katze viel besser zu ihm passte, als ein flauschig weißer Artgenosse. Wie würde es denn aussehen, wenn einer der gefürchtetsten und mächtigsten Magier der Welt mit einem kleinen Kuschelkater an den Fersen herum laufen würde? Das wäre schlecht für seinen Ruf. Mit einem kaum wahrnehmbaren Kopfschütteln wandte er sich von Ancilliar ab. Im Augenblick war das Mistvieh ohnehin vollkommen unantastbar für ihn. Er stand auf eine Weise mit ihr im Bund, die er nicht genau erklären konnte. Stattdessen schenkte er lieber Neph seine ganze Aufmerksamkeit. Zumindest bei ihm wusste Vanitas, wie sie zueinander standen. „Dein Herz schlägt nicht, weil du tot bist! Porphyrische Hämophilie. Das bedeutet für den Laien Vampirismus.“
Mit wenigen Schritten überbrückte er die Distanz zwischen dem Krieger und griff ihm an den Hemdkragen, um ihn zu sich zu ziehen. „Du bist ein untotes, unsterbliches und unglaublich mächtiges Wesen geworden. Hast du es jetzt verstanden? Und ich habe nichts damit zu tun. Ich kenne keinen Magier, der in der Lage wäre, einen Vampir zu erschaffen, nicht einmal die mächtigsten Nekromanten könnten das.“ Mit einem abwertenden Blick nickte er in Richtung der Katze. Warum sollte er lügen? Der Dunkelelf wollte wissen ob Ancilliar etwas mit seiner Wandlung zu tun hatte, also würde er es ihm sagen. Aber die Form wie er es sagen würde, war das ausschlaggebende. „Natürlich hat sie etwas damit zu tun. Du musst wissen, diese Katze ist in Wirklichkeit die Sendbotin eines wirklich mächtigen und boshaften Dämonen, die dich in einen Blutsauger verwandelt hat, um mir besser zu diensten zu sein.“ Wenn man es genau nahm, war das nichts anderes als die Wahrheit. Aber der sarkastische Tonfall, den der Magier eingeschlagen hatte, lies die Glaubwürdigkeit wieder sehr wanken. Was er mit der Katze besprochen hatte, überging Vanitas beflissentlich. Sollte Neph doch im Trüben fischen. Seiner Meinung nach hatte der Hexer ihm alles zu dem Thema erklärt, dass der Worte wert gewesen wäre. Sein Griff löste sich und lies den untoten Elfen wieder frei. Dafür legte er seine Finger nachdenklich in die andere Hand und glitt mit dem Daumen an ihnen entlang. Dieser Körper war ein Segen, doch schlagartig wurde ihm klar, dass er mit der Gefahr spielte. Aus Neph war ein schwer zu kontrollierendes Monster geworden. Ihn zu reizen war nicht klug, erst recht nicht, ihn so hart anzufassen. „Verzeih mir, ich hab mich hinreißen lassen. Und jetzt komm, ich will zurück zur Kutsche.“ Es hörte sich zwar nicht wirklich wie eine ernste Entschuldigung an, aber es war die Absicht die zählte. Zu freundlich wollte er sicher auch nicht auftreten.
Ohne weitere Worte verließen die beiden ungleichen Verbündeten die eisigen Hallen, die Vanitas sein Reich nannte. Der kurze Aufenthalt hatte für größere Veränderungen gesorgt, als der Zyraner es geahnt hatte. Eigentlich hatte er nur einen Grund schaffen, um den Elfenkrieger etwas mehr an sich zu binden und gleichzeitig dafür zu sorgen, ihn in der Hand zu haben. Ein wenig zu forschen vielleicht noch, oder sich selbst beweisen, dass man immer noch nicht zum alten Eisen gehörte. Und jetzt ... auf ihre weise waren beide Unsterblich geworden. Das war noch eine Sache, die sie verband. Unsterblichkeit gegen ihren willen und auf eine Weise, die sie nicht wollten. Wie konnte ein solches Geschenk gleichzeitig so ein Fluch sein? Vanitas ballte die Hände zu Fäusten, während der sicher von einem Trittstein zum nächsten ging. Mit einem Blick über die Schulter stellte er sicher, dass der Elf es ihm gleich tat. Erst beim Eingang des Höhlenkomplexes blieb er stehen und wartete auf seinen „Diener“. „Die Sonne ist nicht länger dein Freund. Glücklicherweise wird die Kutsche genügend Schutz bieten. Wir betreten Zyranus einfach bei Sonnenuntergang. Dann haben wir genügend Zeit. Für alles.“ Ein Schatten huschte an seinen Füßen entlang und in den Wald hinein. Irgendwie hatte Vanitas kein gutes Gefühl dabei, dass die Katze sich ständig entfernte. Lieber würde er sie immer in seiner Nähe wissen. Schnellen Schrittes ging es zurück in den Sarius in Richtung der Kutsche. Dabei färbte sich der Himmel langsam rot. Es wurde Zeit. Die verjüngten Beine des Magier brachten ihn schneller als erwartet ans Ziel. Mit einem Ruck riss er den Verschlag auf. Weder die Frau noch der Gnom hatten sich seit ihrer Abwesenheit bewegt. Beim Anblick des Mädchens jedoch kam ihm ein Gedanke. „Wir haben keinen Nutzen von dem Gör. Töte sie. Reiß ihr die Kehle auf und trink ihr Blut! Sei die Bestie, die du geworden bist!“ Ich will wissen wie es sich nun auf mich auswirken wird!

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Re: Clavis Vanitatum

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Juni 2012, 00:05

Neph sah entgeistert den Magus an. Schüttelte fast ungläubig seinen Kopf. Seine Hand griff zu seinem ehemaligen schlagenden Herzen. Er sah zu der Katze rüber.
Hass glomm in seinen Augen auf. Hass auf ein Wesen, welches ihn- einen Dunkelelfen, gelinkt hatte. Das sie mit dem Magus irgendwas gemacht hatte, war eine Sache aber mit ihm. Aber das er mit reingezogen wurde.
Er fletschte die Zähne, knurrte bedrohlich.
Der Umstand der ihn gerade zurück hielt, war die Tatsache, dass ein mächtigeres Wesen wohl dahinter stand. Es schien sogar mächtiger als Vanitas zu sein und Neph hielt diesen Hexer schon für verdammt mächtig.
Die Katze gähnte daraufhin nur genüsslich und streckte sich lang. Sie behielt alles schön im Auge. Und es war fast so als könnte man sie lachen hören. Ihre Augen schienen den Dunkelelfen höhnisch anzublitzen. Immerhin hatte er doch etwas dafür bekommen. Sie hatte ihn Unsterblichkeit geschenkt, warum sich Lebewesen immer so ein Geschenk nicht wertschätzen konnten, verstand sie nicht.
Vanitas ließ ihn los, hatte sogar eine Entschuldigung rübergebracht.
„Ein Vampir?!“Nephs Finger gingen zu seinen Mund, fühlten mit den Fingern vorsichtig nach, was seine Zunge ertastet hatte. Er hatte Reißzähne, die lang und spitz war. Er war ein Wesen geworden, welches eher zu den Mythen gehörte, anstatt wirklich umher zu wandeln.
„Womit hast du dich eingelassen, Magus…das so was geschehen kann?“ wollte er trotzdem wissen. Er hatte sich abgewandt. Normalerweise würde er doch Verlust empfinden müssen…oder Trauer über sein Leben. Aber er fühlte sich nicht so. Wie leer, ohne störende Emotion…ohne Gefühl. War das wenigsten die Entschädigung, dass er jetzt ein Unleben führen musste? Natürlich war er noch immer klar bei Verstand.
„gehen wir!“ antworte er auf die Entschuldigung noch und folgte den Magus nach draußen. Es war doch wesentlich einfacher den Jungen Magus zu folgen, anstatt hinter dem alten fasst hinterher zu kriechen.
Die letzten Strahlen der Sonne suchten noch einen Weg in den Höhleneingang. Neph war auch ohne zu tun von Vanitas stehen geblieben, sah noch die Katze wie sich vorbei huschte. Gebannt starrte er auf die letzten Strahlen und mit jedem Schwinden des Lichts umso mehr an Kraft schien ihn zu durchfluten. Er ballte die Hände zu Fäusten, schloss für einen Moment die Augen.
„Es fühlt sich …“ Dann knurrte er auf.
Das Gefühl von übermächtigem Hunger riss in seinen Gedärmen. Er keuchte leicht.
Vanitas hatte sich inzwischen zu Kutsche begeben. Und irgendwie war es ein Bedürfnis, zu wissen was die Katze ihm erzählt hatte. Diese tauchte plötzlich von unter der Kutsche hervor auf. Rieb sich an den Beinen, des Magus und gab ein Schnurren von sich. Sie suchte kurz den Blickkontakt zu ihm und wich dann nur ein zwei Schritt weg. Im inneren der Kutsche, saßen der Gnom und die Frau. Diese war inzwischen wach und blinzelte irritiert. Sie versuchte auf sich aufmerksam zu machen, doch verstummte als sie den Dunkelelfen sah. Ihre Augen ries sie panisch auf und versuchte von diesem wegzukriechen. Die fesseln rissen die Haut auf und sie wand sich.
Neph trat zu Vanitas.
„Bestie?..nein…ich …“ Die Worte die Vanitas aussprach wie ein Befehl, selbst wenn dies nicht beabsichtigt war. Der Hunger überkam ihn, bei dem Anblick auf das Mädchen. Diese hatte so große Augen inzwischen, dass man glaubte, ihr würden diese rausfallen. Der Gnom keuchte ebenso entsetzt, als sich an Vanitas Neph vor bei drückte. Das Mädchen förmlich aus den Ketten riss und ihr mit zitternder Hand, erst sanft über ihre Kehle strich. Einen gedämpften und verzweifelten Schrei, dann schlug er seine Zähne in ihren Hals. Zerriss ihr die Kehle und trank begierig das hervorsprudelnde kostbare Blut.
Der Gnom war bleich, verdrehte die Augen und war bewusstlos noch bevor er weiteres sehen konnte. Der Dunkelelf labte sich am Blut des Mädchens, zerriss ihr den Hals wie ein wildes Tier.
Wirst du schwächer, lasse ihn trinken…bist du verletzt, wird es dich heilen…ach ja eine Seele weniger, die du bringen musst, Miau!“

Und Vanitas konnte es spüren. Energie flutete durch seinen Körper. Seine Adern verfärbten sich kurz, wurden deutlich tiefblau. Ein Rauschen und pulsieren führ durch ihn. Sein Sehen war schärfer, selbst die Dunkelheit mochte gerade nichts verbergen. Alle Sinne wurden für einen Moment geschärft, konnte förmlich sehen, woraus sich die arkanen Strömungen zusammensetzen. Es war ein berauschendes Gefühl, welches der Körper ungerne hergeben wollte.
In so einem Zustand würde er selber den größten der Magier in nichts nachstehen, dass konnte er spüren. Es dauerte eine Weile, da verebbte der Zustand…er fühlte sich erholt und gestärkt. Wie nach guten Schlaf und gutem Essen. Irgendwie ein zufriedenes Gefühl.

Es war inzwischen tiefste Nacht. Wann war die Zeit vergangen? Obwohl es nicht mehr so kalt war in einem größeren Umkreis von Vanitas ausgehend, der Boden gefroren. Neph saß auf den Boden der Kutsche und ließ die Beine runterbaumeln. Neben der Kutsche lag das Gör, tot und mit zerrissener Kehle. Die Katze sah vom Dach der Kusche runter, wedelte mit dem Schwanz.
„nicht schlecht!... das sah beeindruckend aus!...ich fühl mich lebendiger als früher, und du?“ Sein Gesicht wirkte neutral.
„Mal ehrlich, du bist kein Mensch, oder?“ Es klang nicht wie eine ängstliche Frage, sondern eher wie eine neutrale Feststellung.
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