Durch überlutete Wälder

Dieser seltsame, aber auch einzigartige Wald liegt im Südwesten. Er ist zum Großteil ertränkt in Wasser und nur mit einem Floß lässt er sich durchquehren. Die Namudus sind die Einheimischen dieses Waldes, sie haben sich dessen Nachteile zunutze gemacht.
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Durch überlutete Wälder

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 14. Juli 2010, 07:59

Tahmo kommt von Grasland -> Windrituale

"Tahmo? Hallo, ich rede mit dir." Lua schmunzelte. Ihr Schüler starrte auf das Wasser, wo eben noch eine gelbe Libelle ein fröhliches Leben geführt hatte. Nun war es zu Ende, ganz plötzlich und durch das Maul eines gierigen, geschuppten Jägers. Der Fisch würde bestimmt keine Pferde- oder Ponybeine fressen, aber Nachtwinds Reaktion machte deutlich, dass er nicht die einzige Fischsorte in diesem riesigen Wassergebiet war. Aale, Wasserschlangen oder kleine Raubfische konnten hier in Unwesen treiben. Tahmo als gebürtiger Bewohner eines Fischerdorfes hatte sicherlich in seiner Kindheit das eine oder andere über Fische aufgeschnappt. Selbst, wenn es ihn bis dahin nicht interessierte, jetzt konnte er sein unbewusst gelerntes Wissen einsetzen und sei es nur dazu, dass er erkannte, dass unterhalb der Wasseroberfläche wirklich Gefahren lauerten. Es brauchte also keine Märchen von Menschenfressern, finsteren Waldhexen und gemeingefährlichen Schlingpflanzen. Etwas Wasser und ein paar Fische reichten aus.

Was sollten sie in dieser Situation unternehmen? Lua stützte sich auf Tahmos Wissen, vielleicht wollte sie ihn aber auch nur testen. Der junge Luftmagier sollte seine Gehirnzellen einmal aus den Tagträumen befreien und zum Einsatz in der Realität bringen.
Zunächst entschied sich der Blondschopf aber dafür, seinen Körper in Bewegung zu setzen. Er stieg von Faros Rücken und wanderte das Ufer ab. Er untersuchte das Wasser. Neugierig beobachtete Lua ihn. Was hatte er vor?
Tahmo suchte die Umgebung ab. Irgendetwas musste ihm doch einfallen. Da gab es Dutzende Wurzeln, die in nicht allzu weiter Entfernung voneinander aus dem Wasser ragten. Nachtwind und Faro wären bestimmt geschickt genug, sie in mehreren Sprüngen zu überqueren. Er durfte jedoch nicht vergessen, dass dies auf Dauer anstrengend für die Tiere sein würde. Das bedeutete mehr Pausen. Sie würden Zeit verlieren.
Zum anderen gab es das Risiko, einfach doch durch das Wasser hindurch zu reiten - oder zu schwimmen, falls es tiefer wurde. Konnte hier nicht irgendwo ein Boot herumliegen? Bis auf Hölzer, Schilf, Gräser und von den Ästen herabhängende lianenartige Efeugewächse, die schon an dicke Seile erinnerten, gab es hier nichts.
"Ich wüsste ja, wie wir über das Wasser kommen könnten, aber ich möchte Faro und Nachtwind nicht zurücklassen müssen", sagte Lua. Auch sie schien hochkonzentriert über eine Lösung nachzudenken.
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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 15. Juli 2010, 19:30

kleinere und größere Kreisen zogen sich über die krause Wasseroberfläche. Tahmo saß weiterhin grübelnd am Rand des Flusses, umgeben von mannshohem Schilf und sumpfig-nassen Bodens. Einzig und allein der riesige Schatten eines Fisches, der wohl locker die Größe eines kleinen Hundes erreicht hätte, lies den Blondschopf aufschrecken "Woah.." und zur SIcherheit ein wenig Abstand vom Ufer nehmen. "Ich wüsste ja, wie wir über das Wasser kommen könnten, aber ich möchte Faro und Nachtwind nicht zurücklassen müssen" erklang nun Luas grüblerische Stimme. Tahmo blickte zu ihr hin, nickte dann ebenfalls Gedankenversunken "Ja, ich will die auch nich zurück lassen."

Rings herum gab es eine Menge Schilf, Treibhölzer und stabil aussehende Lianen die wie Schlangen aus dem Geäst der Bäume hingen. "Wir könntn ein Floss basteln, aber ob das hält? Un vor allem. Passen da auch Nachtwind und Faro drauf?" Misstrauisch hob Tahmo ein morsches Stück Treibholz vom Boden auf und brach es mit Leichtigkeit in zwei Hälften. Wie so oft strich er sich grübelnd mit seiner Hand über den Hinterkopf. Man konnte wohl annehmen das er so besser nachdenken konnte, oder diese Gestik allgemein in gespannten Situationen aus Gewohnheit machte. Seine Mimik veränderte sich schlagartig, sie versteinerte für einen kurzen Moment ehe er breit Grinste. Voller Tatendrang griff er sich einen Stein und warf ihn im hohen Bogen ins Wasser. Was im ernsten Moment sicherlich als komisch erschien, machte im zweiten jedoch Sinn. Wie dunkle Schatten schwammen einige Fische unter der Wasseroberfläche zu dem sinkenden Stein, so als vermuteten sie dort einen besonderen Leckerbissen.
"Ich habs. Wir bauen ein kleines Floß, da kommen unsere Sachn drauf damit sie nich nass werden. Dann werfen wir einen Köder und lockn somit die großen Fische weg. Und wenn die abgelenkt sind, waten wir einfach mit den Pferden schnell ans andere Ufer. Na was meins du?" Tahmo blickte abwartend zu Lua, wie sie wohl seine Idee finden würde?

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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 21. Juli 2010, 11:49

Über eines waren sich Lua und Tahmo einig. Ihre vierbeinigen Gefährten würden hier nicht am Rand des überfluteten Waldgebietes zurück bleiben und obwohl Lua ihren Nachtwind noch nicht lange kannte, verband sie bereits jetzt sehr viel mit dem Pferd.
Doch wie sollte man Abhilfe schaffen? Die Situation schien aussichtslos. Tahmo grübelte bereits darüber, ein Floß zu bauen. Schnell würde er jedoch einsehen müssen, dass es keine leichte Sache würde. Ein Floß zu zweit aufzubauen, um sich und zwei kräftige, bepackte Pferde zu halten, grenzte an ein Ding der Unmöglichkeit. Es musste noch einen anderen Weg geben!

Tahmo hatte einen Geistesblitz, teilte ihn sogleich seiner Lehrmeisterin mit. Lua legte zwei Finger an ihr Kinn und tippte sich mit dem dritten nachdenklich gegen die Unterlippe. Sie trat näher ans Wasser heran. Ein schneller Blick auf dessen Tiefen zeigte ihr, was ihr Schüler meinte. Die Fische - allesamt armlange Ungetüme - hechteten recht schnell auf jegliche Form zu, die sich neu auf die Wasseroberfläche setzte. Hoffnung auf Nahrung, hungrige Mägen, was auch immer die Wasserbewohner trieb, wenn sie auch bei ihren Ködern so zielstrebig wären, könnte es funktionieren.
"Es gibt einen Denkfehler in deinem Plan", gestand Lua ihrem Schüler und zeigte über den Wald. Tahmo hatte vor, rasch bis zum nächsten Ufer zu reiten, solange die Fische durch einen Köder abgelenkt wären. Doch weit und breit zeigte sich keines. Der ganze Waldabschnitt stand unter Wasser. "Ist trotzdem kein Problem", machte Lua ihm neuen Mut. Ihr Arm streckte sich aus. Sie zeigte auf etwas.
Vor ihr lagen nur Wald, Wasser, Wurzeln ... "Die Wurzeln", kommentierte die Luftmagierin. "Die sind so groß und breit, dass sogar Nachtwind und Faro darauf Platz finden. Wir brauchen nur genug Köder. Dann waten oder schwimmen wir von Wurzelberg zu Wurzelberg, werfen neue Köder aus und suchen so die andere, trockene Seite des Waldes. Ich hoffe nur, wir schaffen es, bevor es dunkel wird. Tagsüber scheint mir das Gebiet schon unheimlich."

Sie raffte ihre Kleidung, strich sich durch das blonde, wirre Haar. Ein Fisch nutzte den Moment, um aus dem Wasser zu springen und sich so eine unvorsichtige Libelle zu schnappen. "Welche Köder verwenden wir? Ich weiß nicht, ob die Fische auf unseren Proviant anspringen. Vielleicht ja auf ihre Artgenossen, das klappt aber nur, wenn wir uns beide als passable Angler entpuppen."
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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Tahmo » Freitag 23. Juli 2010, 23:01

Tahmo guckte zu Lua und dann wieder auf die Landschaft vor ihnen. Lua hatte Recht, der Sumpf zog sich noch bis weit hinter das Geflecht der Büsche und tief in den Wald hinein. Immer wieder griffen knorige, alte Wurzeln aus dem Wasser herraus, überwuchert von weichem Moos. Während sich die Bäume mit einem Wurzelgeflecht in dem moorastigem Untergrund fest verankerten. So langsam kam ihm seine eigene Idee nicht mehr so toll vor, leichte Nervosität machte sich breit. Was war wenn das Wasser doch weiter ging als sie vermuteten. Was wäre wenn dort drinnen noch größere Gefahren lauerten? Sie konnten jederzeit auf eine Wurzel klettern, um zumindest den Fischen zu entkommen. Aber wer weis was dort noch alles lauerte im Sumpf? "mh... und... wenn wir es nich schaffn?" Meinte Tahmo während er neben Lua tratt. Er sah sie mit fragendem Blick und angespannter Nervosität an. "Vielleicht... solltn wir einfach eine bessere Stelle suchen? Immerhin wissen wir nich wie weit der Sumpf geht und was dort noch so für Viehzeug is, oder? Und am Ende gehen uns die Köder aus, oder die Fische fallen nicht auf den Trick rein." Tahmo räusperte sich knapp, blickte dann zu Faro und Nachtwind, ehe er abermals seinen Blick über die sich kräuselnde Wasseroberfläche streichen lies. Die Fische hatten inzwischen bemerkt das Tahmo nur einen Stein ins Wasser geworfen hatte und keinen Leckerbissen der ihre sicherlich hungrigen Mägen füllte. Die Idee hier in den Wald zu gehen lies Tahmo immer mehr und mehr frösteln, es war einfach ein unglaubliches Wagniss. Ganz anders als einen Gastwirt zu ärgern oder Streiche auszuhecken. "Wir... wir solltn auch an unsere Sachn denken. Wenn unsere Klamotten nass werden dann frieren wir nacher und werden am Ende noch krank, Lua." Der junge Blondschopf wandte sich Lua zu, so ganz unrecht hatte er sicherlich nicht. Nasse Kleidung konnte schnell zum verhängniss werden, gerade wenn man weit ab von Dörfern und Städten unterwegs war. "Vielleicht finden wir einen Pfad wenn wir dem Ufer hier folgn, hm? Oder etwas anderes nützliches. Oder....... du kannst irgnwas zaubern..." Er ging am Ufer entlang um plötzlich stehen zu bleiben. "Das ist es! Wie wäre es wenn wir einfach das Wasser wegpustn und so nen Weg erschaffn? Was meinst du, geht das?"

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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Erzähler » Dienstag 3. August 2010, 09:26

Auch Lua blickte mit wachsender Skepsis auf die sich dahin ziehende Wasseroberfläche. Die Stelle, an der Tahmo den Stein hinein geworfen hatte, schlug keine Wellen mehr. Die Fische zerstreuten sich. Es gab nichts zu fressen und sie ließen sich nicht lange hereinlegen.
Tahmo trat an ihre Seite. Lua atmete durch. Ihre Brust hob und senkte sich in einem einzigen langen Zug. Ihr Blick verriet den Ernst der Lage. Das hier war kein Spiel, sie befanden sich nicht in einer Taverne, in der man nur genug Pfiffigkeit an den Tag legen musste, um aus einer Notsituation heraus zu kommen. Das hier war wesentlich größer, ebenso die Konsequenzen jedes ihrer Schritte. Wenn ihnen die Köder ausgingen oder die Fische sich nicht würden ablenken lassen, könnte es zuerst für ihre Reittiere und dann für sie selbst wirklich gefährlich werden.

Tahmo äußerte seine Bedenken. Lua wandte den Kopf herum. Ihre Augen fixierten Tahmo, wanderten über sein Gesicht zu seinem eigenen, fragenden Blick. Aber Lua strahlte trotz eigener Zweifel Zuversicht aus. Schon umspielte ein sanftes Lächeln ihre Mundwinkel, hob winzige Grübchen hervor, die sie jünger aussehen ließen.
Die Magierin strich ihrem Schüler durch das struppige Haar. "Wir schaffen das schon", meinte sie entschlossen und zugleich motivierend. "Aber deine Idee, mit einem Zauber das Wasser aufzuwirbeln, ist wahrlich nicht schlecht. Ich beherrsche einen Zauber, der geeignet sein dürfte und das Problem mit den bissigen Fischen wäre ebenfalls gelöst. Ja, so machen wir es!" Spontan fiel Lua Tahmo in die Arme, drückte ihn eng an sich. "Du bist genial!", lobte sie ihren Schüler, während sie ihn gleichzeitig liebevoll und fröhlich herzte. "Du hast hervorragende Einfälle! Und nun mach dich bereit. Du musst dafür sorgen, dass Nachtwind, Faro und du selbst immer dicht hinter mir bleiben. Ihr dürft auf keinen Fall von dem Weg abkommen, sonst geratet ihr ins Wasser."
Lua krempelte sich die Ärmel hoch. Der nächste Zauber würde sie einiges an Kraft, vor allem aber an Konzentration kosten. Sie spuckte sich in die Hände. "Los geht's." Schon bewegten sich ihre Finger. Tanzend vollführte sie die nötigen Gesten, um die Magie um ihre Hände zu sammeln. Dann streckte sie beide Arme vor sich, die Handflächen nach außen und lenkte die Luft direkt auf das Wasser. Wie ein kegelförmiger Strahl aus unsichtbarer Kraft stob der Wind in das flüssige Element, trieb es auseinander und schuf so eine knapp drei Meter breite Schneise, die den unebenen Untergrund des ansonsten überfluteten Waldgebietes zeigte. Fische stieß es beiseite, zurück in die angehobenen Wellen. Eine Wasserschlange floh aus der Schneise heraus.

"Beeilen wir uns!", rief Lua über ihre Schulter zurück. Anschließend betrat sie die vom Wasser befreite Stelle. "Oh!", rief sie aus, als einer ihrer Stiefel im morastigen Untergrund stecken blieb. Sie schaffte es nicht, ihn heraus zu ziehen und so musste sie den Stiefel hinter sich lassen. Leicht humpelnd setzte sie ihren Weg fort. Tahmo musste die Pferde nehmen und ihr folgen - dicht auf, denn hinter ihnen zog sich das Wasser rasch wieder zusammen.
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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Tahmo » Dienstag 3. August 2010, 22:14

Eigentlich hatte Tahmo seine Ideen selbst nicht so berauschend gefunden. Sie klangen etwas verwirrt und ungeordnet. So stand er also da und rieb sich den Hinterkopf, während Lua immer und immer mehr ein grinsen auskam. Tahmo rieb sich den Hinterkopf immer langsamer und mit stetig wachsender, verdutzter Mimik je mehr Lua grinste. "Aber deine Idee, mit einem Zauber das Wasser aufzuwirbeln, ist wahrlich nicht schlecht. Ich beherrsche einen Zauber, der geeignet sein dürfte und das Problem mit den bissigen Fischen wäre ebenfalls gelöst. Ja, so machen wir es!" befandt Lua Tahmos Idee. Und noch ehe dieser auch nur ein Wort erwiedern konnte, fiel ihm die Magierin regelrecht in die Arme. Der Blondschopf brachte nur ein verdattertes "Uff" hervor als ihn Lua kräftig herzte und ihm somit die Schamesröte ins Gesicht trieb, nicht zuletzt wegen dem Schwall an Lob der dabei auf Tahmo niederging. "Du bist genial! Du hast hervorragende Einfälle!" Tahmo lächelte ein wenig, lies sich weiter von Lua umarmen und machte auch keine Anstallten der Umarmung zu entfliehen zumal sie recht angenehm roch, wie er fand. "Und nun mach dich bereit. Du musst dafür sorgen, dass Nachtwind, Faro und du selbst immer dicht hinter mir bleiben. Ihr dürft auf keinen Fall von dem Weg abkommen, sonst geratet ihr ins Wasser." Lua lies von ihrem Schüler wieder ab, dieser nickte nur kurz gehorsam mit zerzauster Mähne und roten Wangen sowie glücklichem grinsen. Vergessen waren zunächst die Gefahren des bevorstehenden Weges.

Tahmo tratt zur Seite, um Lua Platz zu machen. Er griff sich auch schon einmal die Beiden Pferde und überprüfte ob ihre Sachen gut und fest auf den Pferderücken verschnallt waren. "Los geht's." Er beobachtete wie Lua ihre Finger elegant bewegte. So als würde sie ein Orchester anleiten. Tahmo fühlte das aufkommende Kribbeln und kräuseln im Wind und in der Luft um sie herum. Er konnte es regelrecht spühren wie Luas tänzelnde Bewegungen die so voller Anmut und Schönheit waren die trägen Luftmassen in schwingung brachte. Dann, als würde sie einen Befehl geben stieß die Magierin ihre Arme ruckartig nach vorne. Und der aufgeweckte Wind folgte diesem Fingerzeig. Tahmo staunte als ein Windstoss die Wassermassen auseinander stieben lies. Regentropfen benetzten sein Gesicht und blinzelnd konnte er nun den vom Wasser befreiten, unebenen und matschigen Untergrund ausmachen. Nur eine einzelne Wasserschlange, welche eine beachtliche Größe aufwies, brachte sich noch hastig in Sicherheit. Ansonsten was jedoch kein Fisch weit und breit.

"Beeilen wir uns!", rief Lua nach hinten zu Tahmo. Dieser nickte und griff die Zügel der beiden Pferde fester. Nun ging es also los. stürmisch folgte der Blondschopf seiner Meisterin in das leergefegte Sumpfbecken, leise hoffend das in dem Schlamm keine Kreaturen mehr lauerten. Lua blieb sofort ein Stiefel stecken und Tahmo wäre dies ebenfalls fast passiert. Bis zu den Knöcheln sank er in den Matsch ein, den Pferden erging es ähnlich. Aber nun war keine Zeit zum trödeln. Das Wasser kehrte hinter ihnen bereits zurück und so rannte Tahmo so schnell wie der Wind hinter Lua her. DIe beiden Pferde, denen das ganze wohl nicht so geheuer war, trabten leicht neben Tahmo her. Gischt spritzte ihm immer wieder ins Gesicht, während er alles daran tat mit Lua schritt zu halten und leise zu hoffen das bald trockenes Land kam. Und das noch ehe Lua die Kraft ausging.

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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 5. August 2010, 20:26

Faro und Nachtwind gaben sich brav. Das Gepäck war fest auf ihren Rücken verstaut, die Zügel lagen Tahmo leicht in der Hand. Die beiden Tiere wiesen eine hohe Intelligenz auf oder sie wussten einfach, was zu tun war. Instinktiv folgten sie Tahmo, kaum dass der sich in Bewegung gesetzt hatte. Sie schienen zu spüren, dass es jetzt besser war, schnell zu gehen. Lua mochte eine begabte Luftmagierin sein - immerhin unterrichtete sie -, aber auch ihre Kräfte würden irgendwann erschöpft sein. Wie lange könnte sie das Wasser teilen?

Es existierte eine alte Legende, irgendwo in Celcia. Reisende erzählten davon, dass es einst einen Wanderer gab, der ein Volk aus Flüchtlingen in die Freiheit geführt hatte, indem er einen Flusslauf teilte und sie hindurch führte. Seine Macht reichte aus, um die halbe Sippschaft zu retten, dann wurden seine arme lahm. Er hatte sie auf einen Wanderstock gestützt, um die Kraft aufrecht zu erhalten und so alle befreien können.
Manche behaupten, er sei ein Gesandter Lysanthors gewesen, der genug Kraft verliehen bekommen hatte, um das Volk in die gerechte Freiheit zu führen. Anderer erzählen, er sei Wasser- oder Luftmagier. Es gab auch Varianten, in denen er seinen Arm nicht auf einen Stock, sondern einen helfenden Freund stützte, was der Legende eine vollkommen andere Moralnachricht verlieh. Wie auch immer, er hatte das Wasser auch nicht ewig teilen können und eine Stütze gebraucht.
Lua besaß keinen Wanderstock, nicht einmal einen Zauberstab. Sie schritt voran, beide Arme gar erhoben und an ihren Fingern glitt die Luft vorbei, um das Wasser links und rechts ihrer Füße zur Seite zu schieben.

Mit jedem Schritt gab der Schlick schmatzende Geräusche von sich. Wo das Wasser ihrer Magie Platz machte, surrten Libellen heran, um sich auf dem warmfeuchten Schlamm niederzulassen. Dampf stieg von unter der Erde auf. Der Boden fühlte sich weich und klebrig an.
Faro und Nachtwind hatten bereits Mühe, ihre Läufe zu heben. An den Hufen klebte der Schlamm, so dass beide Tiere bald dicke Stiefel aus Naturerde trugen, welche die Glieder noch schwerer werden ließen.

"Wir haben es bald geschafft." Luas motivierende Worte waren nur so daher gesagt. Vor ihnen tat sich nichts als überflutetes Waldgebiet auf. Nirgends schien Hoffnung auf Hilfe oder Rettung. Luas Atmung ging bereits schwerer. Sie stolperte und kurz unterbrach sich der Zauber.
Wasser schwappte zu beiden Seiten über ihre und Tahmos Füße hinweg, schwämmte bis zu den Knien hoch und war eisig kalt. Die Luftmagierin balancierte um neuen Halt. Ihre Arme fuchtelten wild in der Umgebung herum. Schließlich fand sie wieder festen Stand. Ein Fisch schnappte nach Faros Bein. Das Pony wieherte und trat nach dem Geschuppten, dass dieser in einem weiten Bogen davon schoss.
Schon teilten sich erneut die Fluten. Lua schaute nach hinten. Schweiß stand auf ihrer Stirn, Strähnen klebten an der Haut. Ihre Atmung kam stoßweise. "Entschuldigt. Geht es? Wir suchen eine sichere Stelle." Schon machte sie weiter, doch irgendwie ging es jetzt schwieriger voran. Das Stolpern hatte sie in ihrer Konzentration gestört. Unsicherheit, ob sie gefahrlos aus der Situation herauskommen würde, überschatettete Luas Gedanken.

Plötzlich geschah etwas Seltsames. Lua blieb stehen. Sie starrte vor sich auf etwas, das auf dem Wasser trieb und näher an sie alle heran fuhr. Ein breiter Baumstamm, zum Teil innen ausgehölt, schwamm auf dem Wasser - ein Kanu. Es wurde von einer fremdartigen Tiergestalt gefahren, die statt Rudern einen langen Stecken in Händen hielt. Das Wesen besaß den Körperbau eines Menschen. Die Haut war sonnengebräunt und bis auf einen Lendenschurz bar jeglicher Kleidung. Doch das Gesicht ähnelte dem eines grinsenden Luchses mit silberschwarzer Mähne, die in langen Strähnen über die schmalen Schultern der Person fiel. Das Haar umrahmte nackte, kleine Brüste. Es handelte sich um eine Frau. Oder etwas in der Art. Ihr schwimmendes Gefährt kam zielstrebig näher.
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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Tahmo » Freitag 6. August 2010, 21:57

Krampfhaft hielt Tahmo die beiden Zügel der Pferde umklammert. Weniger um die Pferde am ausreißen zu hindern, da die Beiden Instinktiv hinter den Magiern hergingen, sondern eher um selbst an irgendetwas halt zu finden. Direkt vor ihm kämpfte sich Lua mit schweren Schritten voran. Die Luft prickelte vor Magie und aufgebauschten Windstößen, während sich rechts links, vorn und hinten Berge von Wassermassen aufbauten. Tahmos Schritte versanken immer tiefer in dem modrigen Schlammboden, wodurch die Matschkruste um seine Stiefel wuchs und wuchs. Jeder Schritt wurde schwerer, immer weniger kahmen seine Füße vom Boden weg. Wasser und Dreck gelangte über den Stiefelrand in seine Schuhe um seine Füße in eine lauwarme Schlammpackung zu stecken. Gischt der aufgebauschten und vom Wind zurückgedrängten Wassermengen sowie der vom Lehmboden aufsteigende Wasserdampf liesen seine Klamotten immer mehr und mehr aufweichen und den Blondschopf nur mit zusammengekniffenen Augen voranschreiten.

"Wir haben es bald geschafft." Tahmo hob den Blick als er Luas erschöpfte Stimme vernahm. Die Magierin ging nur knapp vor ihm, sodass Er ihren immer schwerer werdenden Atem sowie das stetig wachsende erschöpfte Zittern ihres Körpers wahrnehmen konnte. Halte durch Lua, halte durch! Eine aufgescheuchte Libelle flog ihm fast gegen den Kopf, instinktiv versuchte er sie durch heftiges Kopfschütteln zu verscheuchen. Im selben Moment stolperte Lua über einen aus dem Morrast herausragenden Ast, Tahmo wollte gerade noch nach ihr greifen um sie vor einem Sturz zu bewahren, da brach jedoch der Zauber zusammen welcher den Beiden bisher einigermaßen trockene Füße bewahrt hatte. "Woaaah, Lua!" Tahmo rief erschrocken auf, leichte Panik lag in seiner Stimme als ihm ein Schwall Wasser seine Beine umspühlte und bis zu seiner Hüfte schwabte. Etwas glitschiges, großes Schlängelte sich an seinen Knien vorbei. Die Pferde wieherten erschrocken auf, Tahmo musste einen Zügel loslassen um das Vieh an seinen Knien zu verscheuchen. Im letzten Moment, kurz ehe die Wassermassen die Vier entgültig begruben, schaffte Lua es den Zauber wieder aufzubauen. Abermals prickelte die Luft um sie herum und das Sumpfwasser wurde vom Wind auf Distanz getrieben. Tahmo atmete auf, sein Herz schlug ihm bis zum Hals und erst jetzt bemerkte er die Anspannung an seinem Körper. Seine Blicke traffen sich mit Luas. Sie sah wirklich erledigt aus. Schweiß stand auf ihrer Stirn und die Haare klebten ihr im Gesicht. "Entschuldigt. Geht es? Wir suchen eine sichere Stelle." Tahmo nickte nur kurz, während er sie weiterhin musterte. Er sah zwar selber ziemlich durchweicht, matschig und gestresst aus. Aber bei weitem noch nicht so abgekämpft wie seine Meisterin.

Dennoch ging sie Zielstrebig weiter. Ob wir überhaupt Land finden? Zweifel machten sich in Tahmos Gedanken breit, er schluckte kurz ehe er energisch den Kopf schüttelte. Sie würden es schaffen, sie mussten nur weit genug kommen. Tahmo blickte auf die Zügel in seinen Händen, dann zu den Pferden. Die Beiden würden auch so folgen, zumal die Zügel schon die ganze Zeit eher schlaff waren da die Pferde fast schneller voran kamen als Er. Zielstrebrig strich sich der Blondschopf ein paar nasse Strähnen aus seinem Gesicht, dann machte er zwei schnellere Schritte nach vorne um zu Lua aufzuholen. Er wusste zwar nicht wie er ihren Zauber unterstützen konnte, aber sie zu stützen das konnte er.
Ohne etwas zu sagen, oder Lua zu fragen tauchte er unter ihrer linken Achsel hindurch. Er griff vorsichtig nach ihrem Arm, sodass Sie ihren Oberarm auf seinen Schultergürtel legen konnte. Dieser war zwar nicht besonders breit, aber reichte vollkommen aus damit sich Lua auf ihrem Schüler abstützen konnte. Seinen rechten Arm legte Tahmo jedoch erst zögerlich auf Bauchhöhe um Lua, ehe er sie dann doch entschlossener zu sich heranzog. Ein kurzer Blick nach schräg oben zu Lua, dann richtete sich der Blondschopf auf um nun seiner Meisterin als Stütze zu dienen. Die Situation schien ihm sofort weniger bedrohlich und hoffnungslos. Luas Nähe beruhigte ihn auf angenehme Art und Weise, wenn das Wasser sie schon begrub so hatte er zumindest nicht untätig zugesehen. Tahmo schluckte, er hatte eigentlich noch keine Lust zu sterben. Zu ertrinken oder von irgendeinem Fisch gefressen zu werden.

Ruckartig blieb Lua stehen, sie waren erst ein paar Meter weiter gekommen. Tahmo blickte auf, erst in das Gesicht seiner Meisterin dann auf den Punkt auf den ihre Augen starrten. Der Blondschopf traute seinen Augen nicht, er musste ein paarmal Blinzeln ehe er es glauben konnte. Aber es musste wohl wahr sein. Dort steuerte tatsächlich ein Baumstammfloss auf sie zu! "Das... das..." Tahmo murmelte ungläubig vor sich hin, war das die Rettung? Ein großes Baumstammfloß? Geführt von einer.... Ja was war das überhaupt? Tahmo konnte die Kreatur auf dem Floß nicht so ganz erkennen, trug sie eine Maske? Oder hatte sie einen Luchskopf? Egal, die kann uns sicher retten!
"Hey! Hier! wir sind hier drüben! Schnell beeil dich!" Tahmo schrie regelrecht gegen das Getose der aufgebauschten Wassermassen an. Die Fremde konnte Rettung bedeuten, sie konnte die Vier von hier fort bringen oder zumindest zu einem Stück Land geleiten. Sofern sie freundlich gesinnt war. Aber darüber dachte Tahmo nicht nach, genausowenig wie über die Tatsache das die Fremde halb nackt war. Ersteres würden sie im Zweifelsfalle gleich und letzteres würde er später noch bemerken. Nun mussten sie ersteinmal aus dieser Lage entkommen. "Wir habn es gleich geschafft Lua..."

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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Erzähler » Samstag 7. August 2010, 16:38

"Nicht aufgeben", gab Lua ihrem Schützling mit einem matten Lächeln zu verstehen. Sie konnten sich hier doch nicht einfach hängen lassen. Dann würden sie alle entweder im Schlamm stecken bleiben, in den sich wieder auftürmenden Fluten ertrinken oder von Raubfischen, Schlangen oder anderen gefährlichen Wasserbewohnern verschlungen. Lua holte alle Motivation aus sich heraus und kämpfte weiter. Das konnte man wirklich von ihr behaupten: sie war eine Kämpfernatur. So verträumt und vielleicht auch auf niedliche Weise ein wenig verwirrt sie hin und wieder wirkte, so hochkonzentriert ging sie nun vor. Sie wollte eben ihren Schüler und ihre tierischen Gefährten nicht enttäuschen, geschweige denn durch ihr Aufgeben an deren Untergang schuldig sein.
Nein, sie machte weiter. Erneut stob ein Windschwall von ihren Händen auf das Wasser und schob es beiseite. Ein Krebs zog sich in seine Muschel zurück. Nicht jedes Lebewesen hier war gefährlich, aber sie würden es werden, sobald Luas Kraftreserven vollkommen aufgebraucht waren. Die Situation wurde immer brenzliger.

Tahmo erkannte, dass er etwas tun musste und auch wenn es nicht viel war - denn ein Zauber wollte ihm wohl nicht einfallen, er lernte ja erst seine magischen Fertigkeiten kennen - so konnte er Luas Arme wenigsten stützen und das tat er auch. Im ersten Moment überrascht, schenkte Lua ihm schon im nächsten ein dankbares Lächeln und zwinkerte. Sie legte ihren schweren Arm nur allzu gern auf Tahmos Schulter ab.
Auch an der Hüfte wurde Lua stützend gepackt. "Ja, so ist es gut. Danke, Tahmo", ächzte sie erleichtert und fand nun durch seine Taten neue Motivation, sie alle aus der Lage zu befreien. Doch vielleicht mussten sie nicht allein gegen ihr mögliches Ende ankämpfen. Das Luchsgesicht der Fremden, die sich in ihrem schwimmenden Baumstamm näherte, beobachtete sie eingehend.

Lua starrte nach vorn. Sie atmete schwer aus, hatte vielleicht etwas sagen wollen, aber kein Ton drang aus ihrer Kehle hervor. Die Pferde hinter ihr bliesen heißen Atem in die Nacken ihrer Reiter. Tahmo jedoch reagierte, rief die Fremde zu sich. Ja, er brüllte vor Verzweiflung.
Und tatsächlich wurde sein Schreien erhört. Die Luchsgesichtige lenkte ihr Boot bis auf wenige Meter an beide heran. "Hilf uns", keuchte Lua mit einem flehenden Blick in die Richtung der Fremden. Diese legte kurz den Kopf schief. "Wisst ihr denn nicht, wie gefährlich die Gewässer sind?" Sie gab seltsame Geräusche von sich. Celcianisch konnte sie offenbar nicht sprechen. Dann zog sie ihr Ruder ins Boot und paddelte mit den Händen im Wasser. Vor den Raubfischen fürchtete sie sich scheinbar nicht. Schon war sie am Rand von Luas kleiner Schneise. Die Luchsfrau streckte einen Arm aus, packte Tahmo an seiner Kleidung. "Du musst schon etwas mithelfen, sonst bekomme ich dich nicht in mein Kanu", schnalzte sie mit der Zunge. Im gleichen Moment senkten sich Zweige der umstehenden Bäume auf Faro und Nachtwind nieder. Sie strichen den Pferden über das feuchte Fell und schlangen sich wie von Geisterhand um deren Bäuche. Faro gab ein verängstigtes Wiehern von sich. Nachtwind tänzelte auf der Stelle und riss wild den Kopf hin und her. Doch vergebens. Die Zweige - die Bäume! - hoben beide Tiere an und hielten sie weit über den Wässern in der Luft.
Lua starrte ungläubig nach oben. Dann wurde auch sie von der Luchsgesichtigen geschnappt und ins Kanu gezerrt. Ihr Luftzauber brach erneut, Wasser schwappte über die noch eben freie Stelle, stieß das Kanu an und ließ es ein Stück weit durch den Wald treiben.

Die Zweige anderer Bäume streckten sich nach den Pferden aus, umschlangen sie aufs Neue und beförderten die Tiere so hinter dem schwimmenden Baumstamm her.
Sie waren gerettet - so schien es jedenfalls. Lua atmete mehrmals tief durch, ehe sie die Fremde anschaute. Nun konnte man erkennen, dass sie garnicht wirklich ein Luchsmenschwesen war. Sie trug ein reichhaltig verzierte Holzmaske, deren Einkerbungen fein säuberlich die Züge des Luchses hervor hoben. Auf einem Markt jeder größeren Stadt würde ein solches Kunstwerk jede Menge Münzen einbringen. Lediglich Atemlöcher und kleine Kreise für die Augen waren heraus gearbeitet worden. Dunkle Augen blickten durch die Sichtlöcher Tahmo und Lua an. Dann packte die Luchsfrau nach ihrem Ruder und paddelte schweigend das Kanu durch den Wald.
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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Tahmo » Sonntag 8. August 2010, 10:55

Die Fremde war flink an den Rand der Schneisse gepadelt. Mit geübter Hand hielt sie ihr Floß so, das es nicht den kleinen Sturzbach des zur Seite gedrängten Wassers hinab in die Schneiße stürzte. Tahmo stützte Lua weiterhin, welche sich mehr und mehr auf ihn lehnte. Sie muss wirklich fast am Ende ihrer Kräfte sein, arme Lua dachte Tahmo leise. Sein Blick beobachtete dabei aufmerksam das Luxgesicht. Leise hoffend das diese Person sie retten würde, aber weshalb wäre sie sonst näher gekommen? Die Fremde gab ein paar komisch klingende Laute von sich die aus Schnalzen und klacken zu bestehen schienen. Wörter gesprochen in einer Sprache die Tahmo noch nie gehört hatte. Der Blondschopf guckte verwirrt, was wollte sie? Noch ehe er jedoch weiter nachdenken konnte streckte die Frau einen Arm aus und packte Tahmos Kragen. Das Luxgesicht war stark, äußerst stark sogar. Tahmo verstand zuerst nicht was sie wollte, als er jedoch von Lua weggezogen wurde überriss der junge Magier die Situation. Die Fremde wollte ihn ins Boot zerren. Hastig rudernd griff Tahmo nach dem Bootsrand welcher auf dem Kamm des aufgebauschten Wassers über ihm schwebte. Ächzend zog er sich mit der Hilfe der Fremden in das Baumstammboot, jedoch nicht ohne dabei in der Wand aus Wasser zu versinken. Er purzelte ein wenig unsanft und Kopf voran in das Boot, dicht gefolgt von Lua die beinahe auf ihm landete.

Das Kanu schaukelte wild als Luas Zauber zusammen brach und das Wasser die leere Schneiße wieder zurück eroberte. Faro! durchfuhr es Tahmo regelrecht als das Rauschen des Wassers an seine Ohren drang. Geschwind rappelte Er sich hoch um nach seinem treuen Begleiter zu sein.... und traute seinen Augen kaum. Mit offenem Mund und starren Blick sank er mit seinem Rücken an die Kanuwand um ungläubig zuzusehen wie sich die dürren, morschen und alten Sumpfäume anfingen zu bewegen. Knarzend, krachend griffen die schwarzen Äste wie Hände nach Faro und Nachtwind, welche beide aufgebracht wiehernd von den Bäumen aus dem Wasser empor gehoben wurden. Das muss.... das muss Magie sein Dachte Tahmo leise bei sich. Hoffentlich geschieht den Beiden nichts. Zögernd guckte Tahmo nach links, zu der Fremden Person um sie aus der Nähe zu mustern.

Sein Blick striff über das Luxgesicht, welches in Wirklichkeit und aus der Nähe betrachtet nur eine Maske war. Eine äußerst kunstvoll geschnitzte Maske aus dunklem Holz. Ein äußerst edles Stück. Tahmo bestaunte die feinen Linien die sich wie Adern durch das Holz zogen. Es war also anzunehmen das dort ein Mensch unter der Maske steckte und .... anscheinend war es eine Frau. Blinzelnd guckte der Blondschopf auf die beiden Brüste der Fremden welche halb von den langen Haaren verdeckt waren. Allgemein fiel ihm jetzt erst auf das die Frau ziemlich leicht bekleidet war. Er räusperte sich kurz, als er bemerkte das die Frau ihn aus dunklen Augen anguckte und beendete sein Gestarre auf die entblöste Brust durch einen beschämten Blick zur Seite. Vollkommen wortlos drehte sich die Fremde um und packte ein Ruder, von hinten konnte man nun das Band sehen mit welchem die Maske am Hinterkopf festgezurrt war.

Das Boot setzte sich in Bewegung, gleichmäßig tauchte das Ruder in das Wasser ein. Tahmo der nicht viele Worte gegenüber Fremden verlohr rutschte neben Lua. Wobei ihm in dem kleinen Baummstammboot sowiso nicht viel mehr Möglichkeiten zum hin oder herrutschen geblieben wären. Die beiden Pferde wurden elegant von Baum zu Baum gereicht und waren somit mit den Dreien gleichauf. Faro hatte sich inzwischen wieder einigermaßen beruhigt, dennoch war er angespannt. Immerhin wurden Ponys nicht oft von Bäumen getragen. Das würde einige Streicheleinheiten und Säcke Hafer brauchen damit er sich von dem Schock erholen würde. Doch für den Moment waren sie alle sicher aufgehoben, hoffte Tahmo zumindest. Die einzige Möglichkeit welche noch bestand war die, das die Fremde eine von diesen Kanibalen war von denen man in Geschichten immer hörte. Und die Vier nur gerettet hatte um sie dann als besondere Leckerbissen zu verspeisen. Aber das waren nur Geschichten, das wusste auch Tahmo. Und er war Alt genug um nicht jede Geschichte zu glauben. Aber dennoch fühlte er sich leicht mulmig.

Schluckend kratzte sich Tahmo am nassen Hinterkopf, sein Blick wanderte von dem Rücken der Frau zu Lua hin. Er musterte seine Meisterin welche ordentlich erschöpft aussah, mit sorgenvollem Blick. "Alles in Ordnung Lua? Gehts dir Gut? Ich glaub wir sin in Sicherheit nun." Flüsterte er leise dicht neben ihr. "Das... war echt wahnsinn mit dem Wasser, wirklich. Bin froh das wir da heil raus sind..." Prüfend guckte er wieder zum Rücken der Fremden. Ob sie wohl zuhörte was er mit Lua redete? Ob sie seine Sprache verstand? Sie hatte einen wirklich schönen Rücken... Tahmo blinzelte über seine eigenen Gedanken, wandte sich dann abermals zu Lua hin um seine Meisterin zu mustern. Jetzt wo er saß und sich nicht mehr bewegte zog ihm die Kälte seiner schlammigen, nassen Stiefel und Klamotten in die Glieder. Lua friert sicher auch, vielleicht sollte ich... Tahmo knüpfte seinen Umhang ab. Das Wasser hatte den Stoff zum Glück nur aussen ein wenig angefeuchtet weshalb er innen noch trocken und angewärmt von Tahmo war. Der Blondschopf zog kurz die Nase hoch um Lua den Umhang über die Schultern zu legen und sie anschliesend stumm aus einem schlammigen Gesicht anzugrinsen.

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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Gestalt » Sonntag 8. August 2010, 12:14

Als Tahmo sich seines vierbeinigen Freundes erinnerte und im Boot aufsprang, griff die Luchsfrau nach ihm. "Ich hab euch nicht gerettet, damit du mein Kanu zum Kentern bringst!", raunte sie und hielt ihn an der Schulter fest. Aber der Blondschopf war schon wieder ruhiger. Er entdeckte soeben einen in der Luft hängenden Faro, der von Zweig zu Zweig weitergereicht wurde. Nachtwind erging es ähnlich.
"Ihnen geschieht nichts. Die Sariannenbäume achten Leben. Sie helfen." Vielleicht mochten die Worte selbst nicht zu Tahmo durchdringen, denn er beherrschte Nimuk - die Sprache der Einheimischen - nicht, aber möglicherweise bewirkte der Tonfall, dass er insgeheim wusste, was die Fremde ihm sagen wollte.
Lua, die dicht bei ihm hockte, war viel zu erschöpft, um auf das Geplapper oder die seltsamen, sich bewegenden und agierenden Bäume zu reagieren. Sie atmete noch immer schwer und er ausgelaugt. Die Magie hatte ihr einiges abverlangt.

Sogleich erkundigte sich Tahmo nach ihrem Befinden. "Gib mir Zeit mich auszuruhen", hauchte sie, schenkte ihm aber ein Lächeln. Es zeugte von Mattigkeit. Lua war müde. Sie konnte kaum noch die Augen offen halten, außerdem zitterte sie unbewusst. Ihre Kleidung hatte einiges an Wasser abbekommen, vor allem, als sie gestolpert war. Die Robe war vollkommen durchnässt, lediglich der obere Teil davon war von Feuchtigkeit verschont geblieben.
Luas Hand griff nach oben, ins Leere. Sie schaute längst nicht mehr hin, sondern rang eher darum, wach zu bleiben. "Tahmo?" Sie suchte seine Hand. "Bedank dich. Ich hab kein Geld mehr, aber ... sag Danke von mir, ja? Ich möchte jetzt schlafen." Erschöpft rollte sich die Luftmagierin ein, so gut es ging, um sich selbst die eigene Körperwärme zukommen zu lassen, die sie jetzt dringend gebrauchen konnte. Wäre Faro mit im Boot gewesen, er hätte eine prächtige Gelegenheit geboten, Wärme zu spenden.
Lua lächelte selig, als Tahmos Umhang sie umfing. Ihre Lippen formten erneut ein Dankeswort, aber kein Ton drang aus ihrer Kehle. Langsam, aber friedlich schlummerte sie weg. Tahmos Grinsen bekam sie nicht mehr mit. Dafür musterte die Luchsfrau wieder den Blondschopf. Das Kanu trieb inzwischen von den Wellen getragen ohne ihr Zutun durch den Wald.

Die Situation hatte sich beruhigt. Grillen und andere Insekten zirpten in den Sarius hinein. Vögel zwitscherten von irgendwo weit über ihnen. Sie verbargen sich in den Baumkronen. Kein einziger war zu sehen, aber ihr Gesang hallte weit. Die Stämme der Bäume knarrten, jedes Mal, wenn die Pferde weitergereicht wurden.
Das Wasser ringsum plätscherte und Schmetterlinge wie Libellen erfüllten die Luft. Der Wald lebte und er wirkte mit einem Mal sehr idyllisch. Zugleich verlor er seine Exotik nicht. Ebenso wenig wie die Fremde mit der Luchsmaske. Sie musterte Tahmo noch immer.
"Ich bin Lynka Niminaku. Wie heißt ihr und was macht ihr im Wald der Namudus?" Sie schwieg einen Moment. "Du verstehst kein Wort von dem, was ich sage." Die Frau zog ihre Maske zurück. Ein junges Gesicht, jünger noch als Tahmos, kam zum Vorschein. Das war keine Frau, sondern ein Mädchen. Sie konnte kaum älter als 15 oder 16 Jahre sein! Dennoch besaß ihr dunkler Blick die Weisheit eines halben Lebens. Sie sah die Welt eindeutig mit anderen Augen als Tahmo.
Plötzlich zeigte sie auf sich selbst und wiederholte in sehr gebrochenem Celcianisch: "Lynka Niminaku ... Name." Ihr Hände drückten sich gegen Tahmos Brust. "Name?"
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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Tahmo » Sonntag 8. August 2010, 13:44

Die Situation hatte sich beruhigt, sie waren der Gefahr und dem möglichen Ende entkommen... mit mehr Glück als Verstand. Lua hatte sich neben Tahmo in dessen dunkelblauen Umhang gerollt und schlummerte nun friedlich vor sich her. Der Baumstamm schaukelte ruhig auf dem dunkelgrünen Sumpfwasser dahin, während die modrige Luft von vielfarbigen Libellen und Schmetterlingen nur so schwirrte. Wenn man sich nicht gerade eine Schneisse durch den überfluteten Waldboden bahnen wollte, sondern in einem sicheren Baumkanu saß, konnte dieser Wald wirklich enorm idyllisch sein. Jedesmal wenn einer der Sumpfbäume Faro und Nachtwind von einem Ast zum Anderen reichte erklang ein gezogenes Knarzen, welches Tahmo versicherte das die Beiden Pferde noch immer da waren.

So ganz wohl war dem Blondschopf immer noch nicht. Erschöpfung machte sich breit, dennoch beobachtete der seine Umgebung weiterhin aufs genaueste. Sowohl die umliegende Sumpflandschapf mit all ihren Büschen, Gestrüppen und seltsamen Pflanzen, exotische Vogelstimmen sowie zirpende Insekten die hier und dort die mystisch wirkende Flora untermalten, als auch die Fremde mit der Luxmaske die ihn nun schon seit einiger Zeit wieder anstarrte. Dunkelbraune Augen musterten ihn aus münzgroßen Maskenlöchern heraus.
Augen mit der Farbe von gerösteten Haselnüssen, wie Tahmo fand. Es war ein klein wenig grußelig und vor allem seltsam, mit einer unbekannten - halbnackten - Frau deren Gesicht sich hinter einer Maske versteckte zusammen in einem Kanu zu sitzen. Vor allem wenn sie einen ununterbrochen musterte. Das Einzige das Stärker war als das mulmige Gefühl in Tahmos Magen, war seine aufkeimende Neugierde. Wer war die Fremde? Wiso hatte sie ihnen geholfen?

"Ich bin Lynka Niminaku. Wie heißt ihr und was macht ihr im Wald der Namudus? Du verstehst kein Wort von dem, was ich sage?" Abermals sprach die Frau mit einer Zunge die Tahmo nicht verstand. Wodurch sie sich zuerst reichlich fragende Blicke des jungen Blondschopfes zuzog, dicht gefolgt von einen erstaunten Gesicht als sie ihre Maske vom Gesicht zog. Tahmo machte große Augen, was er gut vermochte, die Fremde Frau entpuppte sich als junges Mädchen. Vielleicht ein wenig jünger als er selbst! Genau sagen konnte Tahmo das nicht. Staunend verfolgte er die Bewegung ihrer Hände welche auf ihrer Brust zum liegen kam. Abermals guckte Tahmo dorthin, "Lynka Niminaku ... Name." Das Mädchen sprach ein gebrochenes Celcianisch, aber man konnte es verstehen. Lynka, das ist also ihr Name. Tahmo zog kurz und leise die Nase hoch, eine Geste von Angespanntheit. Angespanntheit zu der er guten Grund hatte, immerhin hatte er noch nicht oft mit halbnackten Mädchen in einem engen Kanu gesessen. Genauergesagt hatte er das noch nie. Plötzlich lehnte sich die Fremde nach vorne um ihre feingliedrigen Finger auf Tahmos Brust zu legen und abermals nachzufragen: "Name?" Blut schoss Augenblicklich in Tahmos Wangen und anderen Bereichen seines Körpers. Er wäre wohl am liebsten ins Wasser gesprungen, wenn dort keine hungrigen Seeschlangen gelauert hätten.

Tahmo blinzelte, guckte nun nach unten auf seine eigene Brust. Er räusperte sich kurz, ehe er eine Antwort gab "Ich... Tahmo." Eine kurze, knappe aber präzise Antwort, wohlgemerkt. Sein Blick hob sich wieder und er versuchte sich in einem mageren, aber freundlichen Lächeln. Ob sie es mir übel nimmt wenn ich meine Hand bei mir lasse? Langsam deutete Tahmo mit dem Daumen auf die neben ihm schlafende Lua. "Das is.. Lua" Sprach er langsam und betont. Er war plötzlich aufgeregt, musterte die Fremde wieder neugierig. Woher sie wohl stammt? Sicherlich aus dem Dschungel. Die hat recht dunkle Haut und.... oh man... ich sollte aufhören ihr auf die Brust zu gucken
Abermals kurz und leise die Nase hochziehend fixierte er rotwangig einen anderen, deutlich unverfänglicheren Punkt, nämlich die beiden Pferde welche immer noch von Baum zu Baum wanderten. "Wohin... fahren wir?" Stellte er eine einfache Frage, gefolgt von einem Kratzen am Hinterkopf. "Und... Danke...fürs retten. Du bist eine Magierin oder?"

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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Gestalt » Montag 9. August 2010, 16:37

Lynka hieß sie und sie versuchte, einen innigeren Kontakt aufzunehmen, als sie es bereits geschafft hatte. Ja, Tahmo und Lua hockten in ihrem Boot, aber sie kannte die Namen ihrer Geretteten noch nicht. Dem Blondschopf schossen Geschichten von Menschen durch den Kopf, die ihresgleichen verspeisten. Vielleicht wollte sie auch nur die Namen ihrer eigenen Beute erfahren, aber machte sich ein Menschenfresser diese Mühe?
Das Luchsmädchen schob sich noch weiter vor. Ihr Körper war Tahmos jetzt ganz nahe. Nur wenige Millimeter trennten die beiden Gesichter voneinander. Lynkas Haare waren verfilzt, ihre Haut musste mit etwas unangenhm riechendem eingerieben worden sein. Sie strömte ein Aroma aus, das an gedüngte Felder erinnerte. "Name", wiederholte sie, dieses Mal energischer. Verstand dieser junge Mann sie denn gar nicht?!
Endlich antwortete Tahmo, nannte seinen Namen und sonst nichts weiter. Lynka lehnte sich lächelnd zurück. "Ichtahmo", sprach sie nach. So ganz verstanden hatte sie es wohl noch nicht. Fragend legte sie den Kopf schief, als sie die Miene ihres Gegenübers zu entschlüsseln versuchte. "Ich? Ich Tahmo? Tahmo? Ahhh ... Tahmo!" Nun begriff sie. Was immer das erste der beiden Wörter bedeutete, sie hatte herausgefunden, wie sich der Fremde nannte.
Tahmos Name klang bizarr, wenn Lynka ihn aussprach. Es steckten unterdrückte, tierische Laute im Hintergrund. Sie packte beinahe ein Klackern mit hinein, wenn sie versuchte, das "T" auszusprechen. Es fiel ihr offensichtlich nicht leicht.

Lynkas Blick wanderte aufmerksam zu der schlafenden Begleiterin. Die Luftmagierin rührte sich kaum. Der Umhang hob und senkte sich von ihren regelmäßigen, tiefen Atemzügen. Sie hatte ja kaum noch die Augen offen halten können. Luftmagie verlangte viel ab. Ob es sich mit jeder Magie-Art so verhielt?
"Das is ... Lua." Aufgeweckte Luchsaugen blinzelten. "Lua", wierholte Lynka. Diesen Namen konnte sie schon viel einfacher nachahmen. Sanft streckte sie ihre Hand nach Lua aus, berührte den Umhang. Beinahe zärtlich strich sie darüber. "Lua ... sie ist sehr erschöpft. Ihr solltet euch beide ausruhen." Ihr Kopf wandte sich um. Faro und Nachtwind hatten sich bereits in ihr Schicksal ergeben. Sie ließen sich wie reife Früchte von einem Ast zum nächsten reichen. "Du hast die falschen Tiergefährten hierher mitgenommen. Sie werden Probleme haben, vorwärts zu kommen."
Lynka zuckte zusammen. Sie betrachtete nun wieder Tahmo, der seinerseits ihren reifenden Körper nicht nur bewunderte, sondern regelrecht anstarrte. Es verwirrte die Einheimische, dass er sich so sehr dafür interessierte. Sicher, die Jungen in ihrem Alter guckten sie auch ganz gern mal an, aber Tahmo schien dieses Starren mit Scham zu verbinden. Seine Wangen waren rot. Oder war ihm heiß? Hatte er Fieber?
Sofort streckte sie ihm wieder eine Hand entgegen. Dieses Mal fühlte Lynka seine Stirn. Kein Fieber, alles war in Ordnung. Wieder legte sie den Kopf schief. Dieser hellhaarige Mann verwirrte sie.

"Wohin ... fahren wir? Und ... Danke ... fürs retten. Du bist eine Magierin, oder?" Lynka musterte ihn. Ihr fragender Blick machte deutlich, dass sie wenig bis nichts verstanden hatte. Kommunikation würde zwischen beiden Parteien noch zum Problem werden. Doch das Luchsmädchen war bemüht, zu lernen. Langsam und tonlos bewegte es die Lippen, versuchte, die Worte nachzusprechen und so ihren Sinn zu ergründen.
"Wo....hin", brachte sie hervor. Es ergab für sie keinen Sinn. Sie war lange nicht so sprachbegabt in Celcianisch wie andere ihres Dorfes. Ergeben schüttelte Lynka den Kopf und seufzte. "Ich habe euch geholfen, aber eure Worte übersteigen meine Fähigkeiten. Ich bin noch jung, ich muss lernen. Aber vielleicht könnt ihr weitere Hilfe in meinem Dorf bekommen. Ich hoffe nur, du begreifst irgendwie, was ich dir sagen möchte. Tahmo." Sie schenkte ihm ein verzeihendes Lächeln, da sie ihm nicht anders erklären konnte, welche Pläne sie verfolgte.
Dann griff Lynka nach einem Paddel und begann, das Kanu nun auch wieder mit Körperkraft voran zu treiben. Sie musste ihre Geretteten rasch ins Dorf der Einheimischen bringen. Dort gab es mehr Namudus, die mit ihnen sprechen und sie verstehen konnten. Vielleicht klärte sich dann auf, was diese Fremden hier überhaupt zu suchen hatten.
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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Tahmo » Montag 9. August 2010, 20:19

Abermals sprach Lynka in einer Sprache welche Tahmo nicht kannte. Ihre Worte ähnelten Tierlauten und besaßen fremdartige Vokale. Tahmo wurde nicht schlau draus, was das Mädchen wohl zu bemerken schien. Sie schnappte sich abermals das Paddel und wandte sich somit von Tahmo ab, um das Kanu sicher durch den überfluteten Wald zu dirigieren.
Tahmo mhte leise, musterte kurz den Rücken von Lynka und drehte sich dann abermals ein wenig zur Seite. Der junge Blondschopf zupfte ein wenig seine Klamotten zurecht, bemerkte unzählige Matschflecken und fand keine einzige trockene Stelle mehr. Er kam wohl nicht darum bei der nächsten Gelegenheit seine Bekleidung zu waschen und sich selbst ein wenig Körperpflege zukommen zu lassen. Aber nun hieß es abwarten. Abwarten und sehen wohin das Mädchen Ihn und Lua brachte. Er lehnte seinen Rücken an die hölzerne Wand des Kanus, welche noch von der natürlichen Maserung des Baumstammes aus dem es gefertig worden war durchzogen wurde. Ruhig schaukelte das Gefährt auf dem ruhigen Sumpfwasser hin und her, fast schon zu ruhig. Die grünen Augen des Jungmagiers verfolgten eine ganze Zeit lang die beiden Pferde die, inzwischen ihrem Schicksal vollkommen ergeben, von Ast zu Ast und Baum zu Baum transportiert wurden. Tahmos Seufzter ging in einem langezogenen Gähnen unter. Die ganze Aufregung hatte ihn müde gemacht, was er nun so langsam bemerkte.

Seine Augen striffen zu Lua hinüber die, tief schlummernd, neben ihm eingerollt am Kanuboden lag. sanft zupfte Tahmo den Umhang zurecht und dachte über die vergangene Situation nach während er einen vertraumten Blick auf seine Meisterin warf. Das war eine dumme Idee, die echt ins Auge hätte gehen können. Wir hätten nach einer sichereren Stelle suchen sollen, Lua. Er guckte ein wenig missmutig, gähnte herzhaft und... verschluckte dabei fast eine grellgelbe Libelle. Das nächste Mal, pass ich besser auf und überlege zweimal.
Der Blondschopf streckte sich, schielte zu der mit rudern beschäftigten Lynka ehe er die Arme um sich schlang und die Augen schloss. Er würde ein wenig seine müden Augen zu machen, aber dabei nicht einschlafen! Sondern aufmerksam seine Umgebung belauschen. Das Wasser plätscherte still unter dem eintauchenden Ruder. Insekten zirpten, Vögel zwitscherten und... irgendwelche unbekannten Kreaturen machen unbekannte Geräusche in weiter Ferne... Es dauerte nicht lange, da schlief Tahmo ein. Entgegen seines Vorsatzes nicht zu schlafen.

Er verfiel in einen genauso tiefen wie intensiven Traum. Lua und er bahnten sich beide einen Weg durch ein riesiges Wassermeer. Kilometer hohe Wassermassen türmten sich wie Burgmauern neben ihnen in den Himmel. Zu Tahmos erstaunen trug Lua nur einen Lendenschurz, wodurch er immer mehr von seinem Zauber abgelenkt wurde. Letztendlich drohten die Wassermassen auf sie einzustürzen. Tahmo wurde erdrückt, er wollte aufschreien als ihn lauter Arme packten und über Wasser zerrten. Er blickte in das Gesicht tausender Eingebohrene, verzweifelt suchte er nach Luas Gesicht. Konnte sie nicht entdecken und... wachte schließlich schwitzend aus seinen Träumen wieder auf.

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Re: Durch überlutete Wälder

Beitrag von Erzähler » Dienstag 10. August 2010, 02:20

weiter im Dorf der Einheimischen -> Zu Gast bei den Namudus
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