Zurück ins Leben

Dieser seltsame, aber auch einzigartige Wald liegt im Südwesten. Er ist zum Großteil ertränkt in Wasser und nur mit einem Floß lässt er sich durchquehren. Die Namudus sind die Einheimischen dieses Waldes, sie haben sich dessen Nachteile zunutze gemacht.
Benutzeravatar
Asmodeus
Gast
Gast

Re: Zurück ins Leben

Beitrag von Asmodeus » Samstag 6. September 2008, 11:35

Veränderung lag in der Luft. Die Anwesenheit von Gevatter Tod bedeutete immer Veränderung. Etwas verblichenes trat von der Erde ab… etwas neues würde entstehen und sei dieses Neue die Trauer der Hinterbliebenen, die Lücke die durch den Toten in ihrem Leben gerissen wurde… so war diese Veränderung für das Weltengefüge vermutlich vom gleichen Wert wie das Leben welches es gerade verlassen hatte. Dies war das simple Gesetzt von Leben und Tod. Alles hatte seine Zeit… und wenn sie Abgelaufen war würde es den Platz für etwas anders überlassen müssen für das die Zeit gerade begonnen hatte.

Leben und sterben.
Entstehen und vergehen.

Doch was dieses Gesetzt nicht beachtete war… das es so verdammt weh tat, jemanden zu verlieren. Schmerz. Genau diesen spürte Aurelius gerade und er war gewaltiger als jedes irdische Leid welches er gerade verspürte. Der kantige Stein der gegen sein Steissbein drückte, das Herz welches ächzend schlug, die schlechte Atmung die ihm Übelkeit und Schwindel bescherte, all dies verblasste im Schatten dieses unendlichen Peins. Er wusste nicht warum, doch er wusste dass er verloren hatte. Was hatte er überhaupt getan? Die Anks… die Toteninsel… sein ganzes Leben.. – dem eigenen Verstand nicht mehr zugänglich. Für immer Verloren. Doch die Gewissheit des Verlusts und des Schmerzes, die blieb bestehen. Aurelius war alleine mit diesem Schmerz. Er konnte nicht wirklich darauf aufmerksam machen. Konnte nicht davor Warnen dass die weisse Dame dem Fall nahe war und das Schachspiel so eine ungünstige Wendung nehmen würde.

Der Alte riss seine vergrauten Augen auf als der Gevatter sich über ihn beugte. Seine Atmung veränderte sich sogleich wurde zum angestrengten panischen Röcheln. Er wand seinen Kopf hin und her versuchte seinen morschen Rücken durchzudrücken. Bewegte mühsam seine knacksenden Hände. „AHRrhhhhhhhhg!“ Protestierte er und schüttelte den Kopf. Dies war nicht richtig! Diese Schicksalsfügung war nicht gerecht! Oder vielleicht doch? Um wie viel Mal hatten sie Tod bereits betrogen? Um wie viele Seelen? Nun… andererseits hatte Asmodi ihm auch einige geliefert.

<i> "Das lief nicht ganz so, wie es sich meine Schwester erhofft hatte"Und ich kann nicht helfen. Meine gute Schwester fürchtet Mallahalls Tod. Sie ist mir nahe, sehr nahe."</i> Der Greis verstand die Worte des Gevatters und sie machten ihm Angst… schreckliche Angst. Asmodi würde ohne Mallahall nicht unter Kontrolle zu bringen sein. Doch solche Gedanken konnten sich nicht länger in Aurelius Verstand manifestieren und als dieser sich entfernte… verschwand die Erinnerung daran. Nur Schmerz und Angst blieb… sowie unendliche Sorge.

Auch Aurelius ehemaliger Seelenbesetzer erging es nicht wirklich gut. Mühsam versuchte er den sterbenden Körper am leben zu halten. Er kämpfte förmlich darum doch es war nicht leicht. Mallahalls Körper reagierte auf seine Finsternis genau so schlecht wie er auf Licht. Er musste also aufpassen dass nichts aus dem Gleichgewicht geriet – obwohl dies schon längstens geschehen war. Sein einziger Bezugspunkt war im Moment der schwarze Paladin… in welchem er irgend eine grundlegende Veränderung ausgelöst hatte, doch noch war unergründlich ob dies gut oder schlecht für ihn war. Immer wenn dieser Jäger ihn ansah erkannte Asmodi eine gewaltige Unsicherheit als zweifelte der Paladin an seinen eigenen Sinnen. Hatte er wirklich gesehen was geschehen war? Hatte dieses Feuer tatsächlich existiert?

Oh ja… denn die Spuren davon waren sichtbar und man konnte sie anhand von verbrannten Fleisch auch riechen. Panik machte sich in dem Viech breit als die andere Jäger auf ihn zutraten und gleichgültig, ja beinahe schon etwas genüsslich auf ihn herab blickten. Er begann leise zu winseln. Kräfte der Rebellion waren nicht mehr vorhanden. Nur noch Unterwerfung.
Schliesslich war alles bereit für die Deportation nach Zyranus.

Aurelius sah mehrere Flecken auf sich zukommen. Er runzelte seine Stirn. Hob seine Augenbrauen. Eigentlich sah er bei seinen Reaktionen immer niedlich aus, wäre da nicht die furchtbare Angst in sein Gesicht geschrieben gewesen. Er ächzte auf als sie ihn anhoben und in eine weiche Trage legten. „Mhrrmgmmm.“ Atmete er tief durch. Er konnte nicht anzeigen dass sein Rücken schmerzte. Kein Wunder, war er bereits Wundgelegen. Der Greis bedurfte der kompletten Pflege, er konnte sich ja nicht einmal selbst drehen.

Während es Aurelius in diesem Sinne einigermassen gut ging wurde bei Asmodi einiges ruppiger zur Tat geschritten. Das Viech krächzte gequält auf als sie seine verbrannte Haut packten und ihn auf die Trage hievten. „AHRHgoughhhhhhhruhhhhhhhhhhghhhhhhhhraaaaaaaaaarhhhhhhh!“ Jaulte der Dämon. Er musste schreckliche Schmerzen ertragen, solche die einen Menschen wie man an Mallahall sah… schon lange das Bewusstsein geraubt hätten. Er zitterte gar davon als sie ihn endlich festschnallten. Dann hechelte er. Seine Kehle und Zunge war völlig ausgetrocknet. Durch die Verbrennung verlor er ziemlich an Flüssigkeit. Ob das Viech wirklich bis nach Zyranus überleben würde? Nun… Asmodi bestimmt… aber Mallahall?

<i> "Wehr dich nicht, Dämonenviech. In Zyranus kassieren wir die Belohnung für dich, laden Etelin ab und werden Zeugen deiner Vernichtung",</i> Er winselte und heulte. „Neiiinnnn.“ Krächzte er matt.

<i> "Vielleicht dürfen wir ihn selbst vernichten"</i> Er stierte dem Mann entgegen. „Ihr solltet dies nicht arrrrrrrrghghhhhhhhhhrghhhhhhh“ Asmodi konnte nicht sprechen. Heulend, winselnd und knurrend verharrte er in seiner gezwungenen Position.

Das Viech schrie immer wieder auf wenn der Boden uneben war und die Erschütterungen seinen gemarterten Körper quälten. Aurelius hingegen verhielt sich eher ruhig. Er hatte die Augen verdreht, nicht weil er bewusstlos war sondern weil seine Lider sich nicht mehr richtig schlossen wenn er schlief. Für ihn war das Aufheben alleine schon eine riesige Anstrengung gewesen.

Benutzeravatar
Erzähler
Gast
Gast

Re: Zurück ins Leben

Beitrag von Erzähler » Montag 8. September 2008, 22:59

Tod hatte sich zurückgezogen, doch war er dem Treiben im Walde Sarius nicht gänzlich gewichen. Tod war niemals wirklich weg, sondern stets allgegenwärtig. Immer und überall. Ja, er besaß eine Vollzeitstellung und niemals hatte er Urlaub. Er macht Überstunden, ohne überhaupt für seine eigentliche Arbeit jemals Bezahlung zu erwarten. Und seine Motive schienen selbst ihm verborgen zu sein.
Hatte Tod Motive? Ebenso konnte man seine Schwester danach fragen, warum sie unbedingt so viele Geschöpfe lebend wissen wollte. Welchen Nutzen brachte es diesen zeitlosen Wesenheiten, die selbst noch dann sein würden, wenn auch der letzte Gott der Celcianer nur noch eine hauchdünne Erinnerung in der ewigen Existenz des Sein wäre?
Fragen, auf die es hier und jetzt keine Antworten geben sollte. Sie interessierten nicht und niemand würde hier sein, um sie zu hören. In der Welt der Sterblichen gab es genug andere Dinge von mehr Bedeutung.

Für das wiedergekehrte Leben Aurelius war es derzeit Mallahall, die für ihn wichtig war. Sie würde fallen, würde sterben. Der Gevatter selbst hatte es ihm aufgezeigt, wie nah sich die Lichtmagierin an seiner Seite befand. Seine weiße Dame, umringt von den schwarzen Figuren des Feindes und von allen Seiten bedroht. Doch nicht nur sie, sondern alle, die mit der Seele in ihr engere Kontakte pflegten. Asmodi stürzte sie allein durch seine Anwesenheit auf Celcia alle ins Unglück. Weder hier noch im Harax war er erwünscht. Für ihn musste man einen neuen Ort finden, so entschieden es die Magier von Zyranus. Sie wollten ihn in ihrem Turm wissen, eingesperrt und von allem isoliert.
Anders wünschten es sich die Dämonenjäger. Sie wollten ihn vernichten. Sie alle?

Der dunkle Paladin, Esiah Arcain, führte sein Pferd durch den Wald. Obenauf saß Zanraia, die derweil ihren Sohn stillte. Die Jäger ließen es zu, versuchten nicht, ihr das Kind abzunehmen. Noch hatte niemand der ihren Castus' blauen Haarschopf entdeckt. Zanraia verbarg ihr Kind gut vor den kritischen Blicken.
Die Jäger konnten Dämonen aufspüren. Sie besaßen einen sechsten Sinn dafür, als könnten sie deren Präsenzen riechen. Doch bei so viel Asmodi ringsum ging das kleine bisschen dämonischer Essenz in Castus vollkommen unter. Das Kind verhielt sich ohnehin unauffällig. Wo es unter den Namudus viel Aufmerksamkeit erregt und häufiger geweint hatte, so war es jetzt still und gab keinen Pieps von sich. Der Kleine schien zu spüren, in welch brenzliger Situation sie sich alle befanden, auch wenn es absurd klang. Er war nur ein Säugling und unter natürlichen Umständen hätte er nicht einmal das sein dürfen. Nur durch Aeshma-Daevas Mächte hatte sich das Kind Zanraias Körper entreißen und binnen Sekunden ein eigenes Leben bilden können.
Jetzt hing es friedlich an der Mutterbrust, in Decken und Tüchter gepackt und so vor der Kälte geschützt. Zanraia schaute auf ihr Kleinstes herab. "Wir machen deine Papas wieder heil", flüsterte sie ihm zuversichtlich zu. "Diese Männer und die kleine, dicke Frau werden uns helfen." Gute, naive Zanraia. Sie glaubte daran, dass man Aurelius und Asmodi nach Zyranus brachte, um sie dort zu heilen. Beide brauchten Heilung mehr als alles andere.
Ihr Blick glitt zurück, über ihre Schulter hinweg. Mallahalls Körper wurde durch die Unebenheit des Bodens arg durchgerüttelt. Sie war kreidebleich, das Haar zerzaust und dämonenblau, von goldenen Strähnen durchzogen. Kraftlos hing sie auf der Trage, man hatte Arme und Beine fixiert, hauptsächlich aber um sie auf der Bahre zu halten. Auch Aurelius war auf diese Weise festgeschnallt worden. Er sah mehr als tot aus, doch seine röchelnden Atemgeräusche straften dieser Behauptung Lüge.

"Wir müssen uns beeilen", meinte die Nekromantin, besorgt um jene, die sie liebte. "Wie weit ist es noch?"
Esiah, der einzige, der sie hören konnte, denn alle anderen reisten vor ihnen und waren mit sich selbst und der Erkundung des Weges beschäftigt, antwortete nicht sofort. "Es wird noch einige Stunden dauern, ehe wir das Dorf der Waldmenschen erreichen. Dort leben Elfen. Sie sind heilkundig, wenn sie sich auch auf naturgebundenere Methoden stützen als beispielsweise die Medici in Pelgar oder die Magierheiler von Zyranus."
"Du weißt aber eine Menge."
"Ich bin viel herumgekommen ... aber man lernt immer wieder dazu." Arcains Blick fiel auf Mallahall, doch er suchte nicht die Besessene. Er suchte Asmodi.

Die Reise ging weiter, über Stock und Stein, tiefer in den Wald und trotzdem fort von dem überfluteten Teil. Jenen wollte man umgehen, die Pferde konnten ihn nicht durchqueren. Das Wetter war für die Jahreszeit wahrlich angenehm.
Die Dämonenjäger schwiegen, lediglich Venen Ranáum und Aglamar unterhielten sich gedämpft und besprachen Einzelheiten über Exorzismus und Dämonenvernichtung. Sie planten Asmodis Todesurteil.
Etelin musste neben ihnen einhergehen. Immer wieder stolperte er, seine kurzen Beine ließen es nicht anders zu. Er konnte kaum mit ihnen mithalten. Da seine Hände durch das Energieseil auf den Rücken gefesselt waren, konnte sich der Lich auch nicht auf seinem Stab abstützen. Jenen führte derzeit Aglamar und er schaute während seines Gespräches mit Venen immer wieder in die schwebende dunkle Kugel aus Magie, die zwischen den Rippen des skelettenen Endes des Stabes gefangen war. Sie hatte an Größe eingebüßt, war jetzt nicht einmal mehr faustgroß.
Zanraia schlief auf dem Ross des Paladins. Ihr Kopf war nach vorn auf die Brust gesunken und unter ihrer roten Mähne verbarg sich Castus, der leiste gluckste.

Es war friedlich. Esiah ließ sich ein Stück zurückfallen, bis er direkt neben Asmodis Trage einherging. Seine finsteren Augen fixierten den Frauenkörper und blieben auf den verbrannten Händen haften. "Lass mich mit der Lichtmagierin in dir sprechen, Dämon." Er wartete einen Moment und unabhängig davon, ob Asmodi ihm antwortete oder ob nun tatsächlich Mallahall ihn hören konnte, sprach er irgendwann weiter: "Besessene ... Mallahall. Erklärt mir, wie er es vollbringen konnte. Wie konnte diese Haraxheit ... heilen?" Seine Hand glitt zu seiner Waffe, dann zu seinem Herzen. Das Gesicht blieb unverändert finster. "Es war nur im Ansatz, aber ich habe es gespürt. Nichts davon, nicht eines dieser Gefühle, wird in Zusammenhang mit einem Dämon vermutet. Ich kenne die Natur der Dämonen. Sie sind herz- und skrupellos. Sie sind machtgierig, größenwahnsinnig und egoistisch. Harax steht für Chaos. Sie sind Chaos. Wie konnte diese Hände, geführt von seinen Mächten ... mich an ... die wenigen Momente einer glücklicheren Vergangenheit erinnern? Wie konnten sie meine Seele berühren und Traurigkeit vertreiben?"
Er schien mehr zu sich selbst zu sprechen als zu Mallahall, aber die Dämonenherrin hörte ihn ohnehin nicht. Ihr Sein schwamm in einem schwarzen Meer der Bewusstlosigkeit. Sie würde nicht erwachen, half man ihr nicht. Sie würde sterben, überließ Asmodi ihr die Kontrolle. Doch wäre sie noch immer Dämonenherrin, wenn sie erwachte? Es war viel schwarzes Blut geflossen.

"Antworte mir." Eine Bitte, keine Forderung. Tief im Körper der Frau glomm ein Stück hoffnungsvoller Unschuld und Güte. <b>Du bist kein Haraxwesen mehr.</b> Mehr sagte seine eigene Unschuld nicht zu Asmodi.

Benutzeravatar
Asmodeus
Gast
Gast

Re: Zurück ins Leben

Beitrag von Asmodeus » Dienstag 9. September 2008, 00:21

Aurelius spürte jede Erschütterung der Trage schmerzhaft in seinen Knochen. Selbst im tiefen Schlaf ächzte er manchmal auf und versuchte sich matt zu bewegen. Seine Lippen waren spröde und rissig, auf seiner Zunge hatte sich ein dicker bräunlich weisser Belag gebildet. Soor. Mundpilz. Nicht selten hier in den Sümpfen und schon gar nicht ungewöhnlich für faulende Zombies. Dieser weisse Pelz in seinem Mund sah nicht nur ausladend aus er roch auch entsprechend. Es schien so als verschlechterte sich der Zustand des Greises. Er hatte blaue Flecken an Armen und Beinen gekriegt – dort wo man ihn angefasst und hochgehoben hatte. Trotz aller Vorsicht seitens der Jäger war die Haut des Greises einfach nicht mehr dick genug gewesen um keinen Schaden zu nehme. War dies überhaupt noch als Haut zu bezeichnen was sich da um die Überreste von ehemaligen Muskeln schmiegte? Aurelius der Medicus hätte einen Namen dafür gekannt. Pigmenthaut. So dünn, weil sie praktisch nur noch aus einer schicht bestand. Darum schimmerten auch die Knochen und Sehnen so deutlich durch. Die Haut riss auch schnell wenn es Belastungen ausgesetzt wurde, doch bei Aurelius war es nicht so schlimm er hatte „nur“ Fingerabdruckförmige Hämatome gekriegt. Sein schlechter Atem ging rasselnd man konnte den Schleim auf seinen Lungen richtig hören. Der Medicus selbst kannte auch dieses Phänomen, es trat oft eins bis drei Tage vor dem Tode eines Patienten auf. Die Lunge füllte sich mit Wasser weil der Betroffene seinen eigenen Speichel nicht mehr runterschlucken konnte sondern er einfach in die Lungen lief. Dieser Vorgang nannte man auch Todesröcheln…. Weil es darin endete. Im Tod. Wie war dies aber bei Aurelius? Der welcher dem Tode beraubt wurde? Würde er nun in den kommenden Tagen dazu verdammt sein Tag für Tag… Stunde um Stunde an seinen eigenem Wasser zu ertrinken ohne sterben zu können? Er brauchte Hilfe… und dies schnell. Die Wahrscheinlichkeit war gross dass man einem Wesen welches zweifellos so unter diesen Symptomen leiden würde den Gnadenstoss gäbe. Die Jäger kannten sich er mittel und Wege auch nekromantischen Zaubereien entgegenzuwirken.

Hoffentlich waren es wirklich nur noch Stunden bis zum Dorf der Waldmenschen… und dann musste sich auch noch ein Heiler bereit erklären ihm zu helfen. Aurelius Leben und pure Existenz war überwiegend von fremden Personen abhängig und er besass nicht einmal den Verstand zu erkennen wie unangenehm dies eigentlich war. Im Moment kriegte er ohnehin nicht viel mit als ein immerwährender dumpfer Schmerz. Er träumte von Lichtkegeln und Kreisen. Mehr vermochte sein Hirn nicht mehr zu projizieren. Manthalas Träume schienen in der gähnenden Leere seines Gehirnes keinen Kanal zu finden durch welche sie in Aurelius Bewusstsein gelangten. Oder lag es schlicht daran, dass Aurelius keins mehr besass?

Niemand wusste darüber bescheid, ja nicht einmal er selbst. Was mochten die Jäger von dem Greis denken der da mitten im Wald herumlag in Begleitung einer Mutter mit Kind?

Asmodi hingegen klemmte an seinem Bewusstsein fest wie es ihm gar nicht mehr recht war. Unsägliche irrsinnige Schmerzen durchzuckten seine Haut wie immerwährende Elektrische Stösse, als schlüge alle fünfzehn Sekunden ein wüster Blitz in seine Gliedmassen ein. Die Fixation auf der Trage war lebenserhaltende Folter. Denn jedes toben, jede noch so kleine körperliche Anstrengung hätte die Vernichtung des Frauenkörpers zur Folge. Dies war sich der Dämon genau so bewusst wie offenbar auch den Jägern, doch dem Dämon würde es bei aller menschlichen und unmenschlichen Disziplin (an der es diesem Dämon ohnehin mangelte) nicht gelingen bei diesen Schmerzen stillzuhalten. Nicht um sonst hiess es man schüttelte den Schmerz ab. Man schrie vor Schmerz. Man tobte vor Schmerz. Nie erstarrte man vor Schmerz und lag still. Denn Pein… zwang zur Unruhe. Ein stetiges Signal dass etwas nicht in Ordnung war.

Das Haraxviech ärgerte sich um dieses menschliche Phänomen. Er hatte schliesslich schon längstens begriffen dass etwas ganz und gar nicht stimmte! Also warum quälte sich der Körper noch immer selbst?! Eigentlich herrlich… normalerweise mochte er ja solche Mechanismen die Folter brachten… aber nicht heute. Nicht jetzt. Nicht wenn er es war der darunter zu leiden hatte. Oh ja. Er litt wirklich. Dies ging weit über seine Toleranzgrenze hinaus und wer Asmodi kannte wusste wie zäh dieses Viech eigentlich war. Kaum ein Wesen konnte ohne mit der Wimper zu zucken seinen eigenen Arm auffressen, höchstens ein Tintenfisch vielleicht.
Auch Asmodi röchelte. Doch bei ihm klang es eher trocken, angestrengt und kämpferisch. Er war unwillig diesen Körper freizugeben. Dieser Wunderbare Geist der darin gefangen war, der zugegebenermassen ausser Kontrolle geriet, doch dennoch ein unglaubliches dämonisches Potential in sich verbarg was das Viech insgeheim faszinierte. Selten hatte Asmodi vor etwas Angst. Nur von dingen die seiner eigenen Boshaftigkeit nahe kamen oder sie gar übertrafen. Dies traf auf seinen Vater und auf den Magierrat zu. Jetzt reihte sich auch die Dämonenherrin in diese Liste ein. Vor den Jägern hatte er auch Angst aber diese sass nicht so tief wie die anderen.

Er schnaubte winselte und fluchte unentbehrt vor sich her keuchend, weil ihm dies eigentlich schon zuviel Kraft kostete. Er war da. Seine Präsenz in seinem Überlebenskampf deutlich spürbar. Seine blauen ruhelosen Augen stierten gen Himmel. Doch noch immer sah er nichts. Das Licht hatte ihm die Finsternis in den Augenhöhlen geraubt. Blind… wie er es schon oft war blickte er in die Welt. Auf seinen Sehsinn konnte er verzichten. Er brauchte ihn nicht. Schliesslich konnte er seine Opfer riechen. Menschen aufspüren, denn sie stanken. Nach Liebe, nach Sehnsüchten, nach verlorenen Erinnerungen, kürzlich erlebte Freude, Glück – unendliches Glück… der Paladin… stank besonders danach. Er rümpfte die Nase, es knirschte dabei als die Haut um den linken Nasenflügel einfach aufsprang. „Arghh.“ Zynisch gesagt sah Asmodi aus wie ein Krustentier, doch wenn man sich Mallahalls unglaubliche Schönheit vor Augen führte… war es einfach nur schrecklich was mit dem Körper geschehen war. Konnte die Lichtmagierein selbst die komplette Verstümmelung des eigenen selbst dem Dämon verzeihen? Würde sie sich selbst jemals vergeben können?

Asmodi erwiderte den Blick des Paladin nicht auch wenn er ihn auf sich spürte wie die Klinge eines schartigen Dolches. Er keuchte. Er wusste genau dass er es sich mit diesem Mann, in dem er offensichtlich eine gewaltige Veränderung ausgelöst hatte nicht verscherzen durfte. Er war sein einziger… potenzieller Verbündeter der wirklich noch Handlungsfähig war. Etelin war überwältigt und in gewahrsam genommen, soviel hatte er mitbekommen… und Zanraia… würde bestimmt nichts unternehmen was ihren einzigen Erben ihrer beiden geliebten Väter in Gefahr bringen würde. Trotz dem Chaos in ihrem Geiste würde dieser mütterlicher Instinkt überwiegen, da war sich das Viech sicher. Er kannte Mütter, er hatte sie schon oft gejagt und sich daran gelabt ihre Kinder zu quälen und sie dabei zusehen zu lassen und wenn sich dies auch nur in seinen Träumen oder seiner Fantasie abgespielt hatte…

Der Dämon wurde zunehmend unruhig als sich das Pferd des schwarzen Paladins näherte. <i> "Lass mich mit der Lichtmagierin in dir sprechen, Dämon."</i> Asmodi verzog sein Gesicht und ächzte. Geiferte eine eklige Mischung zwischen verbranntem Fleisch, heissem schwarzen Blut und Wundwasser vor sich hin. Er hustete. Seine Kehle war trockne. Er brauchte Wasser, doch Asmodi war nicht darauf geschult auf solche Bedürfnisse zu achten. Er verstand die Signale von Mallahalls Körper nicht und wusste sie nicht zu deuten. „Sie…ist am sterben… Paladin…“ Krächzte er gequält und angestrengt.

<i> "Besessene ... Mallahall. Erklärt mir, wie er es vollbringen konnte. Wie konnte diese Haraxheit ... heilen?"</i> Asmodi begann zu zittern als er sich an diese schreckliche Schmerzbringende Macht zurückerinnerte die ihn durchströmt hatte.

<i> "Es war nur im Ansatz, aber ich habe es gespürt. Nichts davon, nicht eines dieser Gefühle, wird in Zusammenhang mit einem Dämon vermutet. Ich kenne die Natur der Dämonen. Sie sind herz- und skrupellos.“</i> Das benannte Viech versuchte zu grinsen was ihm aber nicht wirklich gelang, schmerzlich verzog er sein Gesicht und röchelte weiter. Nur noch so wenig seiner dämonischen Essenz befand sich in Mallahalls Körper. Viel von dem mit dämonenfinsternis kontaminierten Blut war ausgeflossen. <i>“Sie sind machtgierig, größenwahnsinnig und egoistisch. Harax steht für Chaos. Sie sind Chaos. Wie konnte diese Hände, geführt von seinen Mächten ... mich an ... die wenigen Momente einer glücklicheren Vergangenheit erinnern? Wie konnten sie meine Seele berühren und Traurigkeit vertreiben?" </i>

Asmodi schwieg. Er wusste es selbst nicht. Doch dann hielt er inne als sich tief in seinem Innern sich etwas regte.

<i><b> Du bist kein Haraxwesen mehr.</b></i> Er riss seine Augen auf. Der blaue Rauch wirbelte auf. Es war ein Ausdruck von Ergriffenheit. Er keuchte. Schluchzte als würde er gleich weinen. Er hatte nur einmal geweint. „Ich… konnte…weinen….Paladin.“ Antwortete er röchelnd. „Weisst…du… was… Dämonentränen… beinhalten?“ Hatte es überhaupt vor Asmodi jemals einen Dämon gegeben der geweint hatte? Asmodi wand sich als ihn ein heftiger Krampf kurz durchzuckte. Er heulte laut auf, warf seinen Kopf zurück und drückte gegen die Fesselung ehe er sich wieder entspannte und keuchend wieder zur ruhe kam. „In…diesem…Körper….vereint…sich…mein…Geist…mit…meiner…Unschuld…darum…vernichtet…er..mich…langsam…ich…kann sie nicht tragen…die Lichtmagierin… tat dies für mich.“ Brachte er mühsam hervor. Wie sprach er denn da mit dem Paladin? Ganz so als würde er ihm vertrauen. „Bitte… Paladin…schenk…mir…etwas….Finsternis…wie…ich dir… Licht… geschenkt… habe… nur so… wird die Maga… leben…über…lebarh,g,h,h“ Seine Stimme brach ab. Asmodi spürte dass ihm die Zeit davon rann.

Benutzeravatar
Kazel Tenebrée
Administrator
Administrator
Beiträge: 3200
Registriert: Mittwoch 9. August 2006, 23:05
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Stille Ebene
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mischling (Elf/Dunkelelf)
Sprachen: Lerium
etwas Kr'zner
Beruf: Überlebenskünstler
Fähigkeiten: Dolche (durchschnittlich)
Adlerkrallen (rudimentär)
Flinkheit
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 0F
Ausrüstung: - lederne Arm-/Beinschienen, Lederhelm
- goldener Faden aus dem Gürtel eines Inquisitors
- ein Stundenglas mit eigener Lebenszeit
- Zelte, Kochgeschirr, Handaxt für Feuerholz, Feuerstein & Zunder, Verbandsmaterial, 2-3 Seile
- 1 Dolch
Tierische Begleiter: Terror (Warg)
4 weitere Warge
Zum Vorzeigen: Bild

Re: Zurück ins Leben

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 12. September 2008, 00:25

<i>weiter in Das Dorf der Waldmenschen -> <a href="http://69169.rapidforum.com/topic=110467883167" target="_blank">Unter Elfen und Menschen</a></i>
Bild

Antworten

Zurück zu „Der Wald Sarius“