Von Santros nach Sintos

Das kleine Fleckchen Trockenland befindet sich im Südwesten des Landes. Es ist eine Mischung aus Wüste im Westen und Ödland im Süden. Die Hafenstadt Santros befindet sich im Ödland und bildet dort die besten Seefahrer aus.
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Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. September 2012, 16:01

(Viro kommt von:
Das Trockenland / Die Handelsstadt Santros / Das Stadttor von Santros / Der vergessene Pfad nach Sintos)



Der Vormittag zog sich in die Länge. Mit steigender Sonne wurde die Luft immer heißer und einmal mehr lobte sich Viro für die gute Entscheidung den Schirm mitgenommen zu haben. In seinem Schatten war die Luft fast kühl und ein leichter Windhauch kühlte noch ab und an seine verschwitzte Stirn. Doch unter der schwarzen Kleidung sah es anders aus. Besonders die rechte Schulter brannte bald, als stünde sie in Flammen. Viro trug den Schirm in der linken Hand und begann instinktiv immer mal wieder die Seite zu wechseln, bevor es zu Blasenbildung unter seiner Robe kommen konnte. Auch wenn er Schmerzen gewöhnt war, so würden ihn Blasen und die darauffolgende sichere Infektion bei diesem Wetter schnell einen Strich durch seine Pläne machen.
Aufmerksam beobachtete er seine Umgebung um frühzeitig wenn nötig zu reagieren, doch außer ein paar Spuren von irgendwelchen Tieren im Sand konnte er keine Bedrohung ausmachen. Er hielt gut sein selbst gesetztes Tempo und kurz vor Mittag, als die Sonne immer erbarmungsloser auf ihn nieder schlug, entdeckte er in der Ferne einen dunklen Schatten leicht rechts von ihm. Seiner Orientierung nach, sollte das die erste Oase sein, auch wenn er sie ein Stück weiter westlich vermutet hatte.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Mittwoch 19. September 2012, 19:09

Nun gut, sie war nicht da, wo Viro sie erwartet hatte, aber er war doch stolz auf sich, das er sie gefunden hatte. Es hatte schon etwas von der Nadel im Heuhaufen, auch wenn es hier das Wasser im Sandhaufen war.
Viro steuerte die Oase an, in sehnlichster Vorfreude auf mehr Schatten und Wasser.
Jedoch legte er auch hier seine Paranoia nicht ab, er hielt die Augen weiterhin offen und erwartete nahe zu alles. Selbst ein Elefant, der plötzlich aus dem Himmel fiel und vor ihm gelandet wäre, hatte ihn verwundert, aber nur wenig überrascht.
Ein beunruhigender Gedanke wie er fand.
Seine Schritte waren schwer, als er den Rand der Oase erreichte, sich durch das karge Grün kämpfte und vor dem Wasserloch haltmachte.
Er spritzte sich Wasser ins Gesicht und genoss das kühle Nasse.
Einmal tief durchatmen, konzentrierte er sich dann auf seine Umgebung, um zu sehen ob er dort etwas vernahm oder erspähte, das nicht hierher gehörte.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 20. September 2012, 09:57

Die wenigen Schatten spendenden Pflanzen der Oase waren von magerem Wuchs und boten nur kleine dunkle Flecken auf dem staubigen Boden. Sie luden ein zum verweilen, bis die Mittagshitze vorüber war. Viro ging gleich zum Wasser und tauchte seine Hände hinein um sich das Gesicht zu benetzen. Das kühle Nass prickelte auf seiner überhitzen Haut. Bevor er jedoch reichlich trinken konnte, hörte er aus einiger Entfernung auf der anderen Seite des Wassers eine Stimme:
„Das würde ich lieber lassen, wenn ich du wäre!“
Da Viro im Licht am Wasser hockte und der Sprecher, deutlich männlich, im Schatten unter einem Baum saß, war er kaum zu sehen. Die Bewegung seiner Silhouette machte ihn erkenntlich und er beugte sich nach vorne ins Licht, damit der Neuankömmling einen Blick auf sein Gesicht werfen konnte. Allein das war schon eine recht friedliche Geste. Er war Mensch, wie Viro und erstaunlicher Weise wohl auch genauso groß wie der lange Nekromant, nur etwas breiter gebaut. Er hatte schwarzes langes Haar, dass im Nacken grob zusammengebunden war und trug lange sandfarbene gewickelte Gewänder wie die Banditen, die Viro vor dem Stadttor gesehen hatte. Jetzt bemerkte Viro auch die beiden Pferde, die zwischen zwei größeren trocknen Sträuchern angebunden waren und an dem wenigen Gras nagten, dass hier die Natur ihnen bot. Das eine war dem Sattel nach das Reittier, das andere das Packpferd. Eine zweite Bewegung ließ Viros Augen wieder schnell zu dem Fremden huschen, denn dieser streckte seinen Arm nach links aus und zeigte in eine bestimmte Richtung. Der Nekromant folgte mit den Augen und das was er sah, ließ ihn sofort das wenige Wasser im Mund ausspucken. Zu seiner Linken lag ein hab verwestes Tier im Wasser. Der Kopf war unter der Oberfläche nicht zu sehen, aber Becken, ein Teil der Wirbelsäule und Hinterläufe lagen noch am Ufer. Was es genau einmal war, konnte er Nekromant nicht beurteilen, aber das es tot war umso besser. Jetzt bemerkte Viro, dass das Kribbeln auf seiner Haut immer noch nicht nachgelassen hatte. Der Mann im Schatten hatte sich wieder an den Stamm des Baumes gelehnt und beobachtete Viro. Wahrscheinlich wartete er was geschehen würde. Wenn Viro schon genug getrunken hatte, würde er sicher bald einfach nach vorne kippen und dann könnte der Fremde in aller Ruhe seine Habseligkeiten an sich nehmen. Er brauchte also nur zu warten.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Freitag 21. September 2012, 22:04

Das verseuchte Wasser lief aus Viros Mund hinaus, das Kinn hinunter und von der Brust zu Boden. Nur der leicht verdächtige Geschmack, so wie das Wasser, was bereits seine Kehle passiert hatte, bliebe zurück.
Er sah den Mann an, holte seinen Trinkschlauch hervor und versuchte mit dem restlichen Trinkwasser, den Geschmack aus dem Mund los zu werden.
Er hustete und keuchte und dann war es besser.
Viro sah erneut zum Kadaver und dann von seinem leeren Wasserschlauch zum Wasserloch.
Er tauchte ihn ein und füllte ihn fast randvoll mit Wasser, immerhin brauchte er Wasser wenn er weiterwollte.
Doch könnte er das nie so trinken.

Da kam ihm ein Gedanke, der ein schmales lächeln auf seine Lippen zauberte. Diese „kleine Vergiftung“ kam ihm fast schon gelegen. Jetzt hatte er einen Grund, den Schirm zu testen.
Er hielt sich den aufgespannten Schirm über den Kopf und klemmte ihn sich zwischen den linken Arm und Oberkörper.
Er war einen kurzen Blick zu dem Mann, der ihn jedoch nur beobachtete.
Viro nahm daraufhin den Handschuh von der rechten Hand, zog den Ärmel soweit zurück wie möglich und streckte den rechten Arm gerade von sich.
Mit der linken Hand packte er den Unterarm und begann eine Zauberformel zu murmeln.
Gelernt hatte er sie, bei seiner Zeit im Drachengebirge und perfektioniert, während seinen Reisen mit den drei Mantronern. Es war ein recht simpler Entgiftungszauber, zumindest wäre er simple, wenn er nicht die Nekromantie als Grundlage hätte.
Er entstand aus einer Kombination von Viros nekromantischer Heilung und den Aufzeichnungen eines Nekromanten, die er in der Bibliothek im Drachengebirge gefunden hatte.
Gegen Ende der Formel, zog er an seinem rechten Unterarm.

Normalerweise würde nun die Hut leicht einreißen und sein Arm würde anfangen zu Bluten, wobei alle Giftstoffe aus der Wunde austreten würden.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Samstag 22. September 2012, 13:34

Ungeachtet dessen, dass Viro beobachtet wurde, vielleicht sogar ein wenig den Gedankengang im Hinterkopf, dass seine Magie als Abschreckung fungieren könnte, zog der Nekromant den Ärmel hoch, den Handschuh aus und klemmte den Schirm in seine linke Achsel um seinen Zauber zu wirken. Er wollte die Nähe des Todes in seinen Geist rufen um die Magie daraus entspringen zu lassen, er konzentrierte sich auf das dunkle Feuer in seiner Mitte, dass ihm seine Kräfte spendete, doch ...
nichts geschah. Er spürte rein gar nichts! Nicht mal ein Prickeln durchfloss seinen Arm, genauso wenig wie der schon fast erwartete Schmerz der auf den Zauber meistens folgte. Seine Magie war … nicht da! Genauso wie die Stimmen unter dem Schirm verstummt waren, schwiegen auch Viros Mächte. Instinktiv ließ er den Schirm nach hinten kippen und gab damit den Weg für das Flüstern frei. Versuchte er sich erneut zu konzentrieren und seinen Zauber zu wirken, so flammten sofort die mentalen, schwarzen Flammen in seinem Geist auf und der Zauber würde seine Wirkung zeigen.

Zeitgleich wurde er mit Adleraugen beobachtet. Aus dem Schatten heraus fixierten ihn dunkle Augen und der Umriss bewegte sich unmerklich, als Viro den Arm grob in die Richtung des Fremden ausstreckte. Die Geste könnte missverständlich aufgefasst werden. Ein leises Knarren störte nur kurz Viros Konzentration, ein Knarren wie wenn eine Bogensehne leicht gespannt wurde. Ein einzelner Blick genügte jedoch um Viro Gewissheit zu verschaffen, dass jedoch noch kein Pfeil aufgelegt worden war. Die Distanz zwischen ihm und seinem Beobachter, wäre auf jeden Fall ein Vorteil für diesen gewesen, doch noch verhielt sich dieser ruhig. Man klärte nur die Fronten.
Auf der einen Seite des vergifteten Teichs ein schwarz gekleideter Magier, dem gerade seine Magie versagte, oder vielleicht auch nicht und auf der anderen Seite eine Gestalt, der mindestens mit einem Bogen bewaffnet war und versuchte einzuschätzen, was der Mann da tat.

Viro war bereit seinen Zauber zu wirken. Ohne den Schirm versprach es ein Leichtes zu sein, doch mit war es schlicht weg unmöglich, was ihn nur zu einer Erkenntnis bringen konnte. Der Schirm musste eine „Antimagie-Rune“ beinhalten, was den Träger zwar seine Zauberfähigkeiten nahm, aber vielleicht sogar vor magischen Angriffen beschützen würde, was allerdings beides eine Begründung für das Fehlen der Stimmen sein könnte. Die nicht nur sprichwörtlich „gespannte“ Situation am anderen Ufer, war aber auch beachtenswert. Das wenige Gift, dass in seinem Körper kreiste, hatte noch nicht sein Gehirn erreicht, also bestand noch etwas Zeit zum Überlegen.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Montag 24. September 2012, 13:36

Der Schirm stellte sich als Unpraktisch für einen Zauberer heraus, nicht unnütz, aber doch stark einschränkend.
Er wollte gerade einen zweiten Versuch starten, da wurde im der Mann wieder bewusst.
Viro fand es immer wieder faszinierend, wie schnell sich die „harten Kerle“ durch ein wenig Magie verunsichern ließen. Lag es daran, dass sie sie nicht verstanden oder war es eine natürliche Furcht, die nur Magier nicht vollends verstanden.

Er hielt inne, senkte den linken Arm und starrte auf den rechten, er versuchte die Hand zu öffnen und schließen, doch wollte es nicht recht gelingen. Nicht das die Finger die Bewegungen nicht vollziehen wollten, sie taten es, doch machte jeder es auf seine Weise. Daum und Zeigefinger in einer fließenden Bewegung, der Mittelfinger ruckartig und Kleiner- und Ringfinger mit Aussetzern.
Viro konnte sich schon gar nicht mehr erinnern, wann die Hand das letzte Mal genau das gemacht hat, was er wollte.
Er seufzte und wand sich dem Mann zu: „Es wäre äußerst freundlich, wenn du davon absehen könntest, mir einen Pfeil in den Körper zu jagen, ach ja und neben bei, ich bin Viro.“

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Montag 24. September 2012, 20:52

Kaum hatte der Magier seinen Arm wieder gesenkt, erklang erneut das leise Knarren der Sehne. Viro probierte seine Finger zu bewegen. Aus der Ferne mochte es immer noch seltsam anmuten, was er da tat, aber die Situation entspannte sich merklich. Viros Worte:
„Es wäre äußerst freundlich, wenn du davon absehen könntest, mir einen Pfeil in den Körper zu jagen, ach ja und neben bei, ich bin Viro.“
blieben nicht unbeantwortet.
„Ich wollte nur sicher gehen, dass ich hier nicht gleich als Grillhähnchen ende. Heutzutage kann man nicht vorsichtig genug sein und Zyranus ist nun auch nicht so weit weg, dass einem nicht auch hier ein schlecht gelaunter Magier über die Füße stolpern kann. Ach ja, und nebenbei, ich bin Kasan.“
Der Stimme nach, konnte man ein Grinsen in das Gesicht Kasan's hinein interpretieren, der gerade Viros lässige Vorstellung nachgeahmt hatte. Grinsend fuhr er fort:
„Du könntest „Danke“ zu deinem Retter sagen und mit ihm einen Tee trinken, wie es Brauch der Reisenden durch das Trockenland ist. Meine Seite dieses verfaulten Tümpels bietet wenigstens Schatten.“
Wieder spürte Viro das Mustern seiner Augen.
„Du kannst es natürlich auch lassen, aber dann bleib besser wo du bist.“
Der Schattenumriss des Mannes zeigte zwar keine Angriffshaltung mehr, aber der Bogen war noch nicht entspannt worden. Die scharfen Adleraugen musterten Viro unverhohlen, dann kam Bewegung in die Schatten. Der Mann stand langsam auf und offenbarte so seine ebenso beeindruckende Größe wie Viro sie hatte. Den Bogen ließ er lässig neben sich hängen, wenn gleich ein Pfeil noch immer locker zwischen den Fingern klemmte. Er machte einen Schritt aus dem Schatten heraus und zog mit der freien Hand die Wicklung um seine Brust etwas lockerer, so dass er einerseits nun voll zu erkennen war, er aber andererseits ebenfalls die beiden gebogenen kurzen Krummschwerter präsentierte. Es wirkte wie ein einfaches Klarstellen, dass der Kämpfer wohl auf nahe, oder weite Distanz gleich gefährlich war und Viro sich sein Handeln gut überlegen sollte. Die Verhaltensweisen der Wüstenbewohner waren schon immer auf das Präsentieren der Waffen, bzw. der Stärke fokussiert, so war es nur natürlich, dass auch hier die Fronten geklärt wurden. Dieser war nicht dumm und besaß wohl eine gewisse Form von Anstand, sonst wäre Viro vielleicht schon tod gewesen. Die Einladung zum Tee hingegen war ein echtes Friedensangebot, kam Viro vielleicht auch von seinen Studien über die vergessenen Pfade und Sintos bekannt vor. Ganz sicher klang sie verlockend, zumal Viro kein eigenes Wasser mehr besaß. Außerdem musste er sich noch ungestört Heilung verschaffen und das Gift aus seinem Körper pressen, wenn er heute noch weiter ziehen wollte. Die logische Folge, dies zu unterlassen, wäre langsam aber sicher vom Gift dahin gerafft zu werden und früher oder später Opfer der Geier zu werden.
Da diese Oase nun mal mit jenem „Kasan“ besetzt war, musste er sie wohl oder übel mit ihm teilen. Jetzt kam es nur noch auf das „Wie“ an.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Dienstag 25. September 2012, 11:00

Viro tippte immer wieder mit dem Zeigefinger der rechten Hand gegen den Daum der selbigen, eine Angewohnheit, die er manchmal an den Tag legte wenn er nachdachte.
Er schätzte die Lage ab.

Konnte er diesem Kasan trauen?
Sicher nicht, Viro traute niemanden so schnell und erstrecht niemanden dem er gerade erst begegnet war.
zudem musste er sich selbst noch entgiften oder es zumindest versuchen.


Er hörte auf die Finger aneinander zu tippen und nach kurzem schweigen antwortete er schließlich: „Ich nehme dein Angebot zum Tee dankend an, Kasan. Doch vorher muss ich noch einen kleinen, für dich ungefährlichen Zauber wirken, wenn ich das dürfte.“
Er sah den Mann emotionslos an und wartete dessen Antwort ab.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. September 2012, 22:39

Der Wüstenbewohner nickte langsam und meinte schief grinsend:
„Solange du deinen Arm nicht im meine Richtung hältst, kannst du versuchen den Stein zum schmelzen zu bringen, oder es regnen zu lassen. Ganz wie es dir beliebt.“
Kasan schien dieser Aussagen nach wenigstens eine Ahnung von Magie zu haben, oder war schon mal dem ein oder anderen Zauberer begegnet um zu wissen, dass man sie nicht unterschätzen durfte, jedoch hatte er wohl keinen Schimmer was Viro Mentis für ein Magier war. Woher auch. Man sah ihm seine „Kunst“ ja nicht an. Einzig der graue, schrumpelige Arm weckte ein ungutes Gefühl bei vielen Betrachtern.
„Wenn du mit was auch immer, fertig bist, empfehle ich den linken Weg von dir aus gesehen. Der Rechte führt durch Treibsand.“
Damit drehte er sich um und ließ Viro tun was immer er wollte. Kasan schritt zwischen zwei schmalen trockenen Bäumen hindurch und näherte sich seinem Pferd, was weiter hinten versteckt zwischen hohen Büschen stand und einen Beutel mit Futter um die Schnauze gebunden hatte. Viro würde es sehen, sobald er den kleinen Teich umrunden würde. Ein pechschwarzes, hoch gewachsenes und schlankes Pferd, mit langer Mähne. Ein schönes Tier und von gewissem Wert, sofern sich Viro damit auskannte. Nah bei dem Pferd würde ihn eine ausgerollte Bastmatte und eine kleine Feuerstelle erwarten, in der Kasan einen klobigen kleinen Kessel erhitzte.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Mittwoch 26. September 2012, 14:04

Viro war froh, das in der Fremde in Ruhe ließ, als er abermals den rechten Arm von sich streckte.
Er konzentrierte sich, während er langsam die linke Hand um den rechten Unterarm schloss. Die stimmen waren ein irritierendes, fernes Flüstern, das seine Konzentration jedoch nur geringfügig störte.
Es war, wie schon er wähnt, ein recht einfacher Zauber.
Während er langsam die Magie durch seinen Körper fließen ließ, begannen rechten Arm zu kribbeln und schon kurz darauf war es bereits ein leichtes Brennen.
Es war mehr irritieren als schmerzhaft. Weswegen er sein Konzentration erhöhen musste und während er das tat, war ihm so, als würden die Stimmen ebenfalls etwas lauter, immer noch unverständlich, doch prägnanter.
Er setzte zur letzten Silbe an, die Magie hatte sich mittlerweile von seinem Körper aus, in seiner linken Hand und dem Stück des Unterarms kanalisiert, auf dem sie auflag.
Er zog mit einem kleinen Ruck an seinem rechten Unterarm und wartete was passierte.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 26. September 2012, 18:31

Immer wieder war es Abscheu und Faszination die zu gleichen Teilen im Innern des Nekromanten wüteten. Viros Faszination dem Tod gegenüber hatte ihn zum Nekromanten gemacht, hatten ihn mit eisernem Willen in die dunkle Magie seines Geistes geführt. Abscheu war es die nur darauf wartete entfesselt zu werden, sobald er seine Macht wirkte. Abscheu vor dem was unweigerlich danach geschah und was seinen Körper geformt hatte.
Viro Mentis konzentrierte sich.
Gleich einem stetigen Strom schwarzer Funken sammelte er alles was nicht zu seinem ureigenem Selbst gehörte und kanalisierte es in seinen Arm. Dieser begann schnell zu kribbeln und bald zu brennen und Viros linke Hand umschloss den rechten Unterarm. Ein kräftiger Ruck genügte um die narbige Haut zum Reißen zu bringen und sofort quoll aus einer kleinen Wunde ein fast schwarzes, blutiges Sekret mit gelblichen Schlieren darin. Zäher als Blut ran es die unförmigen Rillen in seiner Haut hinab und tropfte auf den Boden. Gleich eitrigem Schleim versickerte es langsam im Sand.
Den Riss musste Viro nun abdecken, damit er schnell heilen konnte, doch nicht lange würde er diese leichte Verletzung tragen müssen. Er spürte ohnehin kaum etwas außer dem Brennen in seinem Arm, aber das Flüstern der Stimmen hatte wieder zu genommen. Wieder ergab sich eine Situation den seltsamen Schirm zu testen. Hob er ihn über den Kopf, so würden die Stimmen schweigen, jedoch die Schmerzen durch das Wirken seiner Magie blieben.
Tee wartete auf der anderen Seite des Tümpels und Gesellschaft.

(Die Vergiftung ist er los geworden, hat dafür eine "leichte Verletzung" erhalten die nach 24 Stunden verheilt ist, sprich am nächsten Tag um die Mittagszeit. Bitte im Profil eintragen.)
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Mittwoch 26. September 2012, 22:47

Die Haut öffnete sich, kurz vor der umklammernden Hand und Blut rann aus der Wunde.
Es war ein zähflüssiges, schwarzes Sekret, das Viro beim seinem Anblick zögern ließ.
Es war weniger die Farbe, die hatte es schon seit Jahren, doch hatte sich die Konsistenz seit dem letzten Mal geändert.
Er wusste nicht, wieso es schwarz war, doch sah man dieses Phänomen auch bei getrocknetem Blut, weshalb es Viro nie wirklich interessiert hatte.
Es schien mehr oder wenigen natürlich zu sein, doch zähflüssiges, von der Konsistenz an Honig erinnerndes Blut, das war ungewöhnlich.

Viro mochte geheimnisvolle und ungewöhnliche Dinge, es waren die Dinge, die zu ergründen lohnenswert waren.
Doch mochte er sie nicht, wenn sie aus einer seiner Körperöffnungen kamen.

Die Blutung stoppte schnell und das Blut kroch langsam den Arm hinunter, bis Viro es an seinem Saum abwischt. Dank der schwarzen Färbung viel es nicht auf und er könnte es später in Ruhe säubern.
Immer noch in Gedanken versunken erhob er sich, krempelt den Ärmel hinunter und streift sich den Handschuh über die rechte Hand.
Langsam ging er auf Kasan. Viro ließ wie beiläufig seinen Blick über das Lager schweifen, dort war ein Pferd, ein recht Teures Schätzte Viro, doch war er kein Pferdekenner, dort war auch eine Feuerstelle auf der Wasser kochte und an der Kasan saß.
Viro nickte ihm zu, ließ sich ihm gegenüber auf den Boden fallen und starrte auf seine Hand, wieder öffnete und schloss sie sich und abermals machten alle Finger es auf „ihre Art“.
Viro grübelte vor sich hin.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 27. September 2012, 10:50

Kasan beobachtete seinen schweigsamen „Gast“. Eine Weile geschah gar nichts und sie saßen nur still vor einander. Irgendwann räusperte sich der Wüstenbewohner und zeigte auf Viros behandschuhte Hand.
„Seid ihr... ach wir waren ja schon beim „Du“. Bist du krank, oder so was ähnliches?“
Vor dem Nekromanten stand ein kleiner Becher mit einer dunklen Flüssigkeit in den Sand gedrückt.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Freitag 28. September 2012, 11:11

Gedanklich hing Viro immer noch bei der Frage, ob er jemals davon gelesen oder davon gehört hatte, dass jemanden dickflüssiges Blut aufgewiesen hätte.
Ihm wollte jedoch kein Beispiel einfallen, das annähernd an seines erinnerte, das beunruhigte ihn ein wenig.

Da kam es Viro fast schon gelegen, das ihn der Fremd aus seinen Gedanken riss, auf dessen Frage hin antwortete er zögernd: „Es ist … kompliziert. Ich bin nicht krank, doch fern ab davon Gesund zu sein. Wie gesagt es ist kompliziert! Aber sag, was machst DU hier?“
Er nahm den Becher vor sich und nippte, weder Geruch noch Geschmack konnten ihm eindeutig sagen, was er da trank.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Freitag 28. September 2012, 13:37

Viros Zunge analysierte bitteren Tee mit einer Anzahl an unterschiedlichen, unbekannten Gewürzen und einem leicht milchig, öligem Nachgeschmack. Die dunkle Flüssigkeit stillte erstaunlich nachhaltig den Durst und den Geschmack würde er eine Weile nicht von der Zunge bekommen.
Kasans Gesicht sah nachdenklich aus. Dunkle Augen musterten den Nekromanten unverhohlen und abschätzend. Viro hielt sich betont kurz in seinen Ausführungen, deshalb antwortete auch sein Gastgeber kurz auf die Frage, was er hier mache:
„Auch das ist...kompliziert. Man könnte sagen ich bin hier hier zu Hause und auch wieder nicht. Wie gesagt, es ist kompliziert. Aber sag, Viro, Magier von mir unbekannter Magie, du hast einen Weg beschritten, den nur wenige kennen und nicht viele an ihr Ziel führt. Bist du auf der Suche nach vergessenen Pfaden die in eine stille Vergangenheit führen?“
Zwischen den Zeilen schwang deutlich die Annahmen mit, dass Viro nach Sintos unterwegs war. Kasan saß lässig seitlich auf seiner Matte und nahm einen Schluck des seltsamen Gebräus. Den Ellbogen seines rechten Arms hatte er in den Sand gebohrt und sein Kopf lag entspannt, horizontal auf seiner Schulter. Alles an ihm wirkte der Mittagshitze angemessen wenig bewegt. Nur seine Augen verrieten einen wachen Verstand, der vielleicht mehr vor Viro verbarg als er nach außen zeigte. Normale Banditen wusste der Nekromant einzuschätzen, aber dieser hier hatte ihm geholfen, und sogar zweimal vor Gefahr gewarnt. Stellte sich die Frage nach dem: Warum?
Was wusste der Wüstenbewohner von den geheimen Pfaden nach Sintos? Kannte er die Ruinen der einst mächtigsten Metropole des Westens? So wie er sich ausdrückte war es fast anzunehmen. Nun hatte er Viro mehr oder weniger offen nach dem Ziel seiner Reise gefragt, aber der Magier spürte, dass seine Antwort vielleicht mehr Gewichtung haben könnte als ein normales „Tee-Gespräch“.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Samstag 29. September 2012, 00:37

Viro nippte erneut am Becher und ließ die Flüssigkeit ein wenig in seinem Mund zirkulieren, um etwas mehr vom Aroma mit zubekommen, eher er hinunterschluckte.
Viro schmunzelte freudlos und antwortet: „Respekt Kasan, eins muss man dir lassen, du verstehst es um den heißen Brei zu reden.“, kurz hielt Viro inne und mustere Kasan, „Du weißt das man nicht in dieser Gegend unterwegs ist, wenn man nicht ein bestimmtes Ziel hat!“, er zögerte kurz, „Nun gut, oder man hat sich verlaufen. Und sei dir sicher, das habe ich nicht.“, er zögert erneut, „Also, Sintos ist mein Ziel und deines wahrscheinlich auch. Sag was weißt du von der Stadt und ich meine nicht das aktuellen Geplänkel, was weißt du über ihr Geschichte.“

Auf diese Antwort war Viro gespannt, er wusste immer noch nicht seinen Gegenüber ein zu schätzen, doch er vermutete, dass wenn er ihm etwas verheimlicht oder sich dummstellt, würde es ihm auffallen.
Und wenn er etwas wusste, würde es bedeuten, dass er weitaus mehr ist, als der Großteil der Leute dieser Gegend.

Sintos fand sich nur in wenigen Büchern und in noch weniger was mit der Stadt passiert war und wenn dann wurde immer ein namenlose Katstrophe grob umrissen, nichts Stichfestes.
Die hatte Viro immer verstört. Eine Stadt dieser Größe, quasi übernachte ausgelöscht und Niemand wusste wodurch.
Nun Niemand stimmt auch nicht unbedingt, in dem Buch, das Viro bei sich führte, behandelte ein kurzer Absatz das Schicksal von Sintos.
Nun diese Seiten hätten Viro sicherlich zum größten Sintos Experten von Celcia gemacht, wären sie nicht hundertfach verschlüsselt!
Das einzige was Viro aus dem Absatz entziffern konnte war, das Sintos nicht über Nacht Untergegangen war, es waren einige Tage und ein Name fiel, mit dem er jedoch nichts anfangen konnte.

Erwartungsvoll sah Viro Kasan an.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Samstag 29. September 2012, 20:25

Kasan blickte zurück und schaute in eine Richtung zum Horizont. Die Mittagshitze neigte sich ihrem Ende. Er runzelte die Stirn und sah Viro dann wieder abschätzend an. Für ihn war er ein Fremder genau wie es anders herum der Fall war. Das erklärte auch die ausweichende Antwort.
„Viro, ich möchte dich etwas fragen. Was würdest du einem einfachen Hufschmied sagen, der weder lesen noch schreiben kann, wenn er in dein Haus kommt, in deine Bibliothek und dich bitten würde, ihm deine wertvollsten Bücher vor zu legen? Würdest du sie ihm einfach überlassen?“
Die Gegenfrage bedurfte keiner Antwort, denn sie zeigte deutlich, dass Kasan entweder nichts wusste, oder aber eher nicht gewillt war Viro etwas über die Geschichte der vergessenen Stadt zu erzählen. Der Vergleich zielte auf Fähigkeiten ab, die Kasan Viro wohl nicht zu schrieb. Aber er redete weiter, während er langsam aufstand, Sand mit dem Fuß über die Glut schob und begann seine Sachen zusammen zu packen.
„Ich kenne dich nicht, Magier. Ich weiß auch nicht warum du diesen Weg beschreiten willst, aber solltest du Sintos lebend erreichen, gebe ich dir einen Rat.“
Er schob seine Matte, zusammen mit den anderen Gegenständen in die Satteltaschen und das Pferd hob seinen langen, schönen geschwungenen Hals. Kasan sah Viro nicht an als er weiter redete.
„Behalte dein Ziel im Auge, Magier. Nicht alles was du am Wegesrand sehen wirst ist es wehrt zu ergründen und nicht alles was dir verborgen bleibt ist unwichtig. Sintos Geheimnisse hüten sich selbst. Und was du in deinen Büchern, von Menschen geschrieben die nie einen Fuß in die Ruinen gesetzt haben, gelesen hast ist nicht alles wahr.“
Er stieg auf sein Pferd und sah von oben auf Viro herab, während er den breiten Schal um sein Gesicht und Kopf wickelte, sodass nur noch seine dunklen Augen zu sehen waren.
„Ich habe gesehen, dass dich das Gift nicht umgebracht hat, also bist du stark genug um dein Ziel zu erreichen. Wenn du in Schwierigkeiten geraten solltest, könnte diese Geschichte dir vielleicht helfen. Vielleicht wirst du auch finden, was du suchst, aber manchmal findet etwas anderes auch dich zu erst. Ehre die Gastfreundschaft, sofern du die Stadt erreichen solltest und nimm dich vor den Skorpionen in Acht.“
Kasan hob den Blick in Richtung Horizont und ohne erkennbares Signal, setzte sich das Pferd in Bewegung. Der Reiter machte eine fremdartige Handbewegung, die von seinem Herzen, über seinen Mund zur Stirn führte und nickte Viro dabei leicht zum Abschied zu. Die Worte die er sprach verstand Viro nicht doch deren Bedeutung musste eine Art Verabschiedung sein:
„Die Wüstenwinde mögen dir gewogen sein.“
Damit wandte er seinen Blick ab und das Pferd ging von seinem gemütlichen Schritt in einen langsamen Galopp über. Ross und Reiter entfernten ich schnell, jedoch nicht in die Richtung in die Viro wollte sondern quer dazu, mitten in die glühende Wüste hinein. Ein erster kühler Windhauch ließ das Atmen erträglicher werden. Wollte Viro noch vor der Dunkelheit die nächste Oase erreichen, so musste er sich langsam beeilen los zu marschieren. Die kleine Matte auf der er gesessen hatte, hatte Kasan zurück gelassen. Der auffrischende Wind verwehte schnell jede Spur im Sand, aber Viro kannte den Weg und die Landmarken die er brauchte um Sintos zu finden. Da seine Wasserflasche nur mit giftigem Wasser gefüllt war, war es lebensnotwendig, dass die nächste Oase unvergiftet war. Von hier gab es nur zwei Wege. Der eine führte in eine glühende Hölle aus Sand, mit einer ungewissen Zukunft, der andere führte zurück hinter die schützenden Stadtmauern von Santros und zu immer frischem Wasser.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Dienstag 2. Oktober 2012, 22:54

Viro war wieder allein und begann über seine derzeitige Situation zu grübeln.
Das Wasser vor Ort hatte seien Plänen einen Dämpfer verpasste, ohne Wasser wäre es glatter Selbstmord durch die sengende Mittagssonne zu wandeln.
Also zog sich Viro vorerst in die Schatten der kleinen Oase zurück und wartete, während er in seinem Kopf seine Pläne umordnete.
Er würde erst am Nachmittag aufbrechen, wenn die Sonne nicht mehr so hoch stand und die Dünen hin und wieder Schatten spendeten, zudem würde er Ausschau nach die Gewächsen der Wüste halten, um sich sein Wasser aus deren Rinde und Wurzeln zu holen.
Es würde seinen Zeitplan über den Haufen werfen und er würde er nach Einbruch der Dunkelheit in der weiten Oase eintreffen.
Doch war es das Vernünftigste was er tun könnte.
Um sich die Zeit zu vertreiben, öffnet Viro sein Buch und blätterte in ihm. Er lass nicht drin, das was er bereits übersetzt hatte konnte er mehr oder weniger auswendig und für neue Entschlüsselungen fehlten ihn mindestens sechs Wörterbücher, sowie ein Stapel Papier und ein Stift.
Es beruhigte ihn viel mehr und erkannte zumindest hin und wieder Wörter und wenn es etwas Interessantes im Kontext mit ihnen vermutete merkte er sich die Seite für Später.
Und so wartete er.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 3. Oktober 2012, 11:58

Viro plante seine Reise neu. Wenn die äußeren Umstände sich änderten, musste man sich halt anpassen. Also war das Warten auf kühlere Stunden eine gute Lösung für das Problem seines Wassermangels. Um die Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, nahm er sein Buch zur Hand und las die wenigen Passagen die er übersetzen konnte, doch ohne weiter Hilfsmittel fruchteten seine Bemühungen leider nicht. Früher oder später bräuchte er für das Studium dieses Werks Hilfe. Jemand der viele Sprachen beherrschte, denn eine einfaches Wörterbuch war für eine Übersetzung oft nur bedingt hilfreich. Wahllos aneinander gesetzte Worte ohne Sinn und Zusammenhang brachten keine Erkenntnis und Erkenntnis war das, wonach Viro strebte. Aber im Augenblick hatte er nichts anderes zu tun, also konnte er auch in den alten Seiten blättern und die Ruhe genießen. Außer dem langsam auffrischenden Wind in den Blättern, der ein leises Rascheln erzeugte, war absolut nichts zu hören. Spannte Viro auch noch den Schirm über seinem Kopf auf, so war die Stille fast vollkommen! Es war mehr als nur einfach erholsam, das ständige Flüstern unterdrücken zu können. Es war ein Genuss!
Erst jetzt bemerkte Viro richtig, wie angespannte er durch das Flüstern oft war. In den letzten Jahren hatte er immerzu diese Stimmen gehört. Sie waren unverständlich und immer da gewesen, sodass er sich einerseits schon daran gewöhnt hatte, aber andererseits dadurch eine gewisse Paranoia entwickelt hatte. Es war nicht immer leicht gewesen zwischen den wirklichen Flüstern, wenn er von anderen missgünstigen Augen beobachtet worden war, und dem eingebildeten zu unterscheiden. Lange Zeit war er nun schon der Meinung gewesen, dass er sich das alles nur eingebildet hatte, doch jetzt mit dem Schirm über seinem Kopf ergaben sich völlig neue Möglichkeiten. Seine Magie wurde unterdrückt, aber auch die Stimmen. So viel hatte er schon herausgefunden. Das geistige Schweigen hatte noch einen weiteren Nebeneffekt, der allerdings nicht ganz so angenehm war. Die Stille des Geistes machte ihn aufmerksamer für seinen Körper. Der Schmerz in seinem Arm war nicht anders als vorher, jedoch nervte er einfach ein wenig mehr, wenn er nicht von den Stimmen abgelenkt wurde. Das Brennen, was nach dem Wirken des Entgiftungszaubers zurück geblieben war, fühlte sich stärker an als sonst. So hatte die Magie des Schirms seine Vor- und Nachteile. Er erinnerte sich an das runzelige Gesicht der alten Frau auf dem Wagen. Die Alte war richtig wütend gewesen, als sie ihren Schirm verloren hatte. Irgendwie hatte das Schicksal es gut mit ihm gemeint und schlecht mit ihr, dass sie ihren wertvollsten Besitz verloren hatte und dieser ihm nun zugute kam.
Viro merkte, dass die Schatten langsam wieder Fülle bekamen und das Flirren über dem Sand weniger wurde. Sogar ein kühler Wind streifte seine Wangen. Es wurde Zeit für den Aufbruch. Er hatte sich geschont, so dass der Durst sich in Grenzen hielt. Ein halber Tagesmarsch lag noch vor ihm und er würde, wenn alles gut ging, drei Stunden nach Sonnenuntergang die nächste Oase erreichen. Er verstaute sein Buch wieder unter dem rechten Arm, spannte den Schirm über seinem Kopf auf und warf einen letzten Blick auf seine Notizen. Die Landmarken würden jetzt immer weniger werden. Sein Wissen über die Sternbilder, sollte ihn, sobald es dunkel geworden war, gut auf Kurs halten können. Nachts zu reisen barg jedoch noch ganz andere Gefahren, als nur die sich zu verlaufen.
Viro betrachtete den Himmel und ein seltenes Phänomen in dieser Gegend fesselte kurz seinen Blick. Ein paar winzige Cirruswölkchen zogen in großer Höhe landeinwärts und versuchten in den sengenden Strahlen der Sonne zu überleben … vergebens. Für den Nekromanten begann ein langer Marsch, ohne Trinkwasser. Sechs Stunden lagen mindestens vor ihm in denen er keinen Tropfen zu sich nehmen konnte. Das Wasser was seine Flasche füllte, war einzig zum Kühlen der Stirn gut. Verlief er sich, würde er gnadenlos verdursten. Der Mensch, wie fast jedes Lebewesen brauchte Wasser zum überleben. In einem Anflug von Wahnsinn hatte er alles hinter sich gelassen und war ohne nennenswerte Ausrüstung, ja sogar ohne Proviant los gezogen. Die Wasserflasche, die er bei sich trug, fasste gut drei Liter, aber war nutzlos geworden. Zusätzlich zu seiner Decke, hatte er nun die von Kasan zurück gelassene leichte Strohmatte, die ihm noch im Notfall Schatten spenden konnte. Zusammen mit der Decke konnte er sich jetzt sogar ein notdürftiges Zelt bauen, wenn er die Matte hochkant in den Sand steckte. Drei Stunden bis Sonnenuntergang und dann nochmal drei Stunden bis zur Oase, das war der Plan. Schritt um Schritt setzte er einen Fuß vor den anderen. Die endlose Wüste verwandelte sich jeden Meter mehr in einen feindlichen Ort. Die wenigen trockenen Grasbüschel des Trockenlandes verschwanden unter wandernden Dünen und bald sah Viro nur noch das still stehende Meer aus Sand vor sich, wie es seine Wellen mal hoch, mal niedrig in den Wind gelegt hatte. Kleine Sandteufel tanzten an den obersten Kannten der sandigen Berge. Die einzigen Spuren von Leben verschwanden, bzw. tauschten sich gegen schwer zu lesende Rillen oder verwirrende winzige Abdrücke die vom Wind schnell verweht wurden. Das Leben der Wüste war kleiner, aber um ein vielfaches gefährlicher, dass wusste auch Viro und Kasans Worte kamen ihm wieder in den Sinn. Er sollte sich vor den Skorpionen in acht nehmen. So sehr auch hier und da noch ein einsamer Stein vielleicht zum kurzen Verweilen einlud um Kräfte zu sparen, so sicher wusste Viro, dass unter ihm die Gefahr lauerte. Die Pflanzen die vielleicht Wasser in ihren Wurzeln speichern könnten, waren immer weniger geworden und mit einer Monotonie, die eine einfache Langeweile um das hundertfache überschritt, stapfte der Nekromant seinem Ziel entgegen. Die ersten drei Stunden seines Weges neigten sich dem Ende, so wie auch der Tag an Helligkeit verlor. Viro schaute nach oben und tatsächlich hatten sich ein paar neue Wolken für den Ansturm auf die Wüste versammelt. Noch war der Himmel nicht ganz zu gezogen, aber sollte er sich weiter verdunkeln, so würde Viro alle Orientierungspunkte verlieren. Keine Landmarke war in der Nacht zu sehen und wenn kein Sternbild ihn leiten konnte, so musste er dort verharren wo er gerade war. Die Nacht zog in der Wüste schnell herauf und mit ihr kamen die dunklen Gedanken, Zweifel und Ängste. Die Tage des Übergangs hatten selbst in diesen trockenen Gebieten ihre Auswirkungen. Es wurde empfindlich kühl und der Himmel zeigte nur noch wenig Sterne. Jeder weitere Schritt könnte gefährlich werden, oder ihn von seinem Weg abbringen.
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Freitag 5. Oktober 2012, 11:14

Es wurde schnell kalt, doch das kante Viro bereits, in Santros war es auch nicht anders gewesen.
Viro bevorzugte eh die kühle, auch wenn es eher kalt als kühl war, doch kam ihn hier seine Schwarze Kleidung zugute, die von der Hitze des Tages immer noch aufgeheizt war und diese Wärme noch einige Zeit abgeben würde.
Viro blickt stets gen Himmel ums ich zu orientieren, auch wenn ihn einige Wolken hin und wieder störten, doch würde die schnell abkühlende Luft dafür sorgend, das diese sich schon bald auflösen würden, also würde er sich darum keine Sorgen machen müssen.
Vielmehr bestand die Gefahr, dass Viro seine aktuelle Position falsch einschätzte und an der Oase vorbei ging, begünstigt dadurch, dass er sie in dieser Dunkelheit schlechter erkennen könnte.
Eine Möglichkeit die jedoch nicht näher beleuchtete, da er an ihr nicht viel hätte ändern können.

Während er nun durch die Dunkle- Stille Wüste wanderte. Wurde ihm gerade das Zweitere nahe zu unerträglich.
Während ihn die Stimmen langsam in den Wahnsinn zu treiben schienen, ist ihre Abwesenheit annähernd so lästig. Was ihn ein wenig in Rage versetzte.
Vor ein paar Tagen hätte er alles dafür gegeben, sie los zu sein und jetzt.
Sollten sie wirklich eine externe Quelle haben und den Anschein hatte es nun mal, musste er vor dem großen Unbekannten seinen Hut ziehen. Es gehörte einiges dazu, jemanden eine Quall aufzuerlegen, die auch in Absenz einen quälte. Auf so etwas kam man nur, wenn man viel Zeit hatte. Viro wusste das, auch er hatte hin und wieder VIEL ZEIT.
Doch Viros wirkliche Sorge war die, das es sich bei dem Schirm, wie mit seinem Amulett verhielt. Auch das hatte ihn einst vor allem Geschützt, alles fern gehalten, nur damit die Schmerzen noch unerträglicher zurückkamen.
So festigte sich in Vioros Geist die Angst, dass wenn er den Schirm senkt, die Stimmen zurück kehren, nur lauter und intensiver als zu vor.


Mit diesen Gednaken ging er, mehr oder weniger, zielsicher durch die Dunkelheit.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Freitag 5. Oktober 2012, 22:08

Schritt um Schritt brachten Viros Füße ihn seinem Ziel näher. So hoffte er zu mindestens, denn leider zog sich der Himmel immer weiter zu. Der wolkig, schwarze Himmel über ihm, brachte kühle Temperaturen mit sich und er war glücklich über den Umstand, schwarze Kleidung wie die Wüstenbewohner zu tragen. Er kannte den wärmenden Effekt. Die Sonneneinstrahlung hatte ihn ordentlich aufgeheizt und die Luftpolster unter den langen geschlossenen Stoffbahnen hielten noch eine Weile die Wärme. Es war das gleich Prinzip, das sie sich mit ihren schwarzen Zelten zu nutze machten. Den Tag über verachten sie unter den offenen Vordächern im kühlenden Schatten um sich zur Nacht in das aufgeheizte Innere zurück zu ziehen. Doch Viro war kein Wüstenbewohner. Er war ein studierter Nekromant und sogar ein sehr guter. Er besaß ein enormes Allgemeinwissen um sich seiner Umgebung weitestgehend anzupassen, aber als die Sterne verschwanden und die letzten Lichter erloschen, war es Wahnsinn weiter zu gehen. Seine Hoffnung, dass die Kühle den Himmel klären würde, wurde maßlos enttäuscht. Am Tag verbrannten die Sonnenstrahlen die Wolken, doch in der Nacht zogen sie weit vom Meer ins Landesinnere. Die Zeit des Wandels brachte selbst der Wüste eine Kälte, die schon an eisige Temperaturen heran reichte. Viro war gut zwei Stunden, trotz immer schlechterer Sicht auf die Sterne weiter gelaufen, als er anfing leicht zu frieren.
Seine Gedanken begannen sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Erinnerungen und Hoffnungen mischten sich zu paranoiden Vorstellungen. Was wäre wenn er sich an den Schirm gewöhnte und die Stimmen mit grausamer Macht zurück kehrten, sobald er ihn herab senken würde? Er probierte es ein paar Mal. Gewöhnte er sich an die Stille und kam ihm deshalb die Stimmen lauter vor, oder wurden die Stimmen lauter, weil sie zum Schweigen gezwungen wurden? War der Ursprung des Flüstern in Viro selbst zu finden, so wie seine unterdrückten Zauber, wenn er den Schirm trug, oder wurden sie von außen von ihm fern gehalten? Wie konnte er eines vom Anderen sicher unterscheiden? Runenmagie war ihm fremd, doch der Tod war ihm geläufig. Er wusste sicher, dass die Magie die er wirkte ihm mit jedem Mal ihm näher brachte. Doch brauchte es nicht einmal seine Magie, wenn er so weiter lief um ihm diesem Ziel näher zu bringen. Seine Augen nahmen nur noch grobe Umrisse wahr und sein Gang wurde immer unsicherer. Eigentlich müsste er bald auf die Oase stoßen, doch da war nichts als Sand. Langsam wurde die Luft sogar feucht und flüsterte ein vages Versprechen auf Morgentau. Viros Fuß stieß gegen etwas was er in der Dunkelheit übersehen hatte und er strauchelte, fing sich gerade noch und sah sich um. Gegen was war der da getreten? Es hatte nicht nach einem Stein geklungen, wie die letzten kleinen Hindernisse die das Schicksal ihm in den Weg gelegt hatte. Es hatte hölzern und hohl geklungen. Holz wäre ein gutes Zeichen, dass er sich der Oase näherte. Viro hockte sich hin um besser sehen zu können. Er wartete einen Moment, bis ein schmaler Streifen Sternenlicht sich durch die Wolkenfetzen kämpfte und erkannte den nackten fahlen Glanz von blanken Knochen. Dies war kein Holz! Dies war ein Skelett. Genauer gesagt, die Überreste eines größeren Tiers, ein Kojote, oder Schakal vielleicht. Das Gebiss, war das eines Jägers. Dieser hier war schon lange tot. Leider bedeutete sein Fund aber auch noch etwas anderes.
Viro hatte sich verlaufen, denn wo Schakale verhungerten war keine Oase in der Nähe.
Resigniert ließ er sich neben den Knochen nieder. Es brachte nichts noch weiter zu laufen. Als der Schirm nach hinten rutsche, schienen die Stimmen ihn auszulachen, doch Viro war sachlich genug um sie ignorieren zu können. Gut, er hatte sich verlaufen. Es war stockdüstere Nacht, also konnte er sich auch ausruhen. Er war schließlich schon lange unterwegs und die Müdigkeit nagte an seiner Konzentrationsfähigkeit. Er hatte nichts um ein Feuer zu machen, aber er hatte eine Decke in die er sich wickeln konnte. Eine Weile starrte er noch in die Dunkelheit, dann musste er eingenickt sein.
“Na endlich!“
Viro sauste instinktiv herum. Die weibliche Stimme in der Sprache der Magie, Melongiar hatte ihn erschreckt. Er stand aufrecht inmitten einer Nebelbank. Er konnte die kleine Gestalt im dichten Grau erst gar nicht richtig erkennen. Erst als sie ein paar Schritte auf ihn zu machte, sah er deutlich die kleine Oma von dem Händlerwagen vor sich. Ihr runzeliges Gesicht schob die Falten so zurecht, dass es einem Grübelnden Ausdruck ähnelte.
„Ich dachte schon, du schläfst gar nicht ein!“
Missmutig trippelte sie einmal um Viro herum, musterte ihn dabei, zupfte an seiner Kleidung, betrachtete den rechten Arm eine Sekunde länger und stellte sich dann mit vor der Brust verschränkten Armen vor ihn. Sie reichte ihm gerade mal bis zum Bauchnabel.
„Ganz schon lang dein Elend! … Langes Elend … so was, aber auch! Du kannst dir sicher denken, warum ich dich heimsuche. Ich will meinen Schirm wieder haben! Sprachlos, mein Großer?“
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Sonntag 7. Oktober 2012, 22:06

Entmutigt und für den Tag erschöpft ließ sich Viro in den Wüstensand sinken, um der Kälte etwas herzu werden, nahm er die Decke vom Buch und schlang sie sich um die Schultern, den Wälzer drückte er währenddessen an sich und grübelte.
Viro war gut darin zu grübeln, gäbe es darin einen Wettkampf, er würde darüber nachgrübeln an ihm teil zu nehmen.
Und gerade als Viro die Schwelle ins Reich der Träume passiert hatte, erklang eine Stimme und ein Person erschien vor ihm.

Irritiert.
Dies war das Wort, das Viros Reaktion am besten beschrieb.
Es dauerte einen Moment bis er erkannte, dass dies kein Treffen von Angesicht zu Angesicht war, sondern das er Träumte, mehr oder weniger.
Das dies kein normaler Traum war, wurde Viro dann jedoch recht schnell klar, seine Träume waren düsterer, mit immer wiederkehrenden Motiven und Protagonisten und er ging nicht davon aus, das die alte Dame zu ihnen aufgenommen wurde.
Es war Magie!
Gewirkt von einer alten, sehr alten Zyranerin, wenn er die Zeichen richtig deutete. Die Alte, dessen Schirm er mit sich trug.

Viro antwortet der Traum-Alten zögerlich, verwendete dabei ebenfalls Melongiar und versuchte möglichst Freundlich zu klingen: „Ihr könnt ihn gerne haben, ich erhebe keinen Anspruch auf ihn, doch werdet ihr ihn euch von mir hohlen müssen, den ich bin irgendwo zwischen Sintos und Santros vom rechten Weg abgekommen.“

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. Oktober 2012, 06:44

Die winzige Gestalt kratze sich am Kopf und ihre gehäkelte Wollmütze rutschte dabei munter hin und her. Ein paar schneeweiße Haare, zusammen mit einem ellenlangen Zopf, rutschten darunter hervor und sie stopfte sie sogleich wieder hinunter. Insgesamt erschien sie äußerst unpassend für die warme Wüstengegend angezogen, fiel Viro am Rande auf. Nicht nur die Wollmütze, sonder auch ein Schal um den Hals, der weite Umhang, der Mantel darunter, die kurze Jacke, die Strickjacke, die Hemden, die Röcke die in unterschiedlichsten Längen ihre Füße versteckten, das alles machte es unmöglich sie sich in einer warmen Umgebung vorzustellen. Und über allem trug sie einen kleinen Rucksack, sowie jede Menge Beutelchen und Taschen an Bändern und Gürteln. Alles war in warmen Erdtönen gehalten. Für die kühle Nebelgegend jedoch hier, schien sie perfekt gekleidet.
Viro musterte ihr Erscheinen irritiert und realisierte, dass er sich in einer Art Traumebene befand. So etwas war ihm noch nie passiert! Geistesgegenwärtig formulierte er seine Worte jedoch mit besonnener Höflichkeit, was ein verschmitztes Lächeln in das runzlige Gesicht zauberte und die Alte antworten ließ:
„Jungchen, wir sind hier unter uns... Sind wir doch?“
Sie schaute in den Nebel neben sich, doch da war nichts zu sehen.
„Sind wir! Du kannst mich ruhig … hm … Rukulla nennen. Ja, das gefällt mir.“
Es war klar, dass sie sich den Namen gerade ausgedacht hatte. Nur warum, blieb offen.
„Bin viel zu alt für diese Spielchen. Aber ist schon ganz lieb von dir, dass du es versucht hast. Jetzt haben wir nur ein anderes Problem ...hm?“
Sie sah wieder in den Nebel, als hätte sie von dort etwas gehört, dann nickte sie und sah Viro wieder an.
„Du hast deinen Weg verlassen, ja. Wenn ich dich jetzt einfach da lasse wo du bist, und mich auf den langen Weg mache, bist du so knochig wie der Schakal neben dir, bis ich angekommen bin. Nein so wird das nichts! Was sagst du, Opa?“
Wieder schaute sie in den Nebel halb über sich und lauschte. Das Ganze begann äußerst merkwürdig auszusehen, da niemand neben ihr stand. Entweder sie unterhielt sich mit jemand den Viro nicht wahrnehmen konnte, oder sie war einfach schon ein bisschen senil. Beides war bei einer so alten Magierin wie dieser „Rukulla“ nicht ganz ungefährlich.
„Tia, wir können dich auch leider nicht mitnehmen, mein Großer. Wie soll ich dich eigentlich nennen? Hast du einen Namen?“
Die Frage klang so übertrieben irritierend, als ob es etwas besonderes wäre einen Namen zu haben. Allerdings war sie anscheinend noch nicht fertig, denn sie redete ungebremst weiter.
„Ich hab eine Idee. Ich leihe ihn dir! Du musst dafür jedoch … sagen wir eine Weile ein paar meiner Aufgaben übernehmen. Keine Sorge, nichts was du nicht schaffen könntest, mein Großer.“
Sie grinste und ein kleiner Nasenring über ihrer Oberlippe klingelte leise.
„Und umsonst soll es auch nicht sein. Aber dazu später. Wenn du mir hilfst, dann helfe ich dir. Eine Hand wäscht die Andere, quid pro quo, du gibst mir was, ich gebe dir auch was. Ist ja nicht so, als hättest du grade was anderes vor, oder?“
Sie kicherte leise, als hätte sie einen guten Witz gemacht.
„Ich werde mal nicht so sein und dir aus deiner etwas misslichen Lage helfen. Als erstes solltest du dem Blick des Schakals folgen. Diese Tierchen kennen sich gut in der Wüste aus und dieser hat sich ganz fürchterlich nach Wasser gesehnt, als er vergangen ist. Hihi, wäre leichter, wenn du ihn selber fragen könntest, nicht? Die Toten sprechen nicht mit jedem, ja ja. Ich melde mich dann wieder, wenn du etwas für mich tun kannst. Aber jetzt solltest du aufwachen!“
Sie sah Viro mit großen Augen an.
„Hast du nicht gehört? AUFWACHEN!“
Viro schreckte hoch. Er lag immer noch neben dem Schakalskelett, dessen Schädel in eine bestimmte Richtung zeigte. Es war noch dunkel und der Himmel zu gezogen, aber am Horizont färbte sich ein erster Streifen dunkelblau und kündigte den nahenden Morgen an. Viro fühlte sich steif und unausgeschlafen. Dieser Schlaf hatte nichts von der erholsamen Ruhe einer normalen Schlafphase gehabt. Nachdem er sich langsam hochgerappelt hatte, sah er ihn.
Ein kleiner sandfarbener Skorpion saß nicht weit von ihm zwischen den nackten Knochen des Tiers. Es wurde Zeit für den Aufbruch. Über Nacht waren seine Spuren im Sand verweht worden und die Knochen glänzten tatsächlich leicht feucht von der kalten Morgenluft mit einer dünnen Schickt Tau überzogen. Viro hatte Durst und auch Hunger, aber vor allem Durst!
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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Viro Mentis » Mittwoch 10. Oktober 2012, 13:20

Der fast schon endlosscheinende Monolog der Alten, verärgerte Viro ein wenig. Er mochte es nicht, wenn Entscheidungen über seinen Kopf hinweg getroffen wurden.
Zudem vertraute er Zyranern und Zaubereien im Allgemeinen nicht, sie hatten immer eigene Pläne und nutzten andere für diese aus. Viro wusste dies genau, da er selbst so war und er noch keinem Zauberer begegnet war, der nicht nur vorgab anders zu sein.
Was die Kleidung der Dame anging, irritierte sie Viro nicht zu sehr, gerade alte Zaubrer und Zaubrerinnen neigen zu verschrobenen verhalten, die verschiedenste Ursachen haben konnten und wenn man versuchte über sie nachzudenken oder gar zu verstehen, bestand die Gefahr, dass man schnell selbst den Verstand verlor.

Und plötzlich endete alles und Viro schreckte in der Wüste hoch, in der echten Wüste, allein.
Ihm fröstelte ein wenig, doch zog er eh die Kälte der Hitze vor.
Während er sich erhob und wenig ausgeruht fühlte, sinnierte er über die Worte der Alten. Ein weiterer Fakt den er bei Zaubrern nicht mochte war, dass sie verstanden mit wenigen Worten mehr zu erzählen als andere, ohne wirklich etwas zu erzählen. Auch Viro beherrschte dies recht gut, man musste nur wissen welche Worte man weglassen musste und was gute Füllwörter waren.

Er blickte sich um und starrte auf einen kleinen Skorpion, es war, als wolle dieser ihn zusätzlich antreiben, schnell das Weite zu suchen oder besser gesagt die Oase. So orientierte er sich in die Richtung, in der der Schakalschädel wies und ging los, mit dem Schirm auf der Schulter ruhend und das in die Decke eingewickelte Buch unterm Arm, während die Sonne sich langsam den Horizont emporkämpfte.

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Re: Von Santros nach Sintos

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. Oktober 2012, 19:01

Die Nacht und ihre Irrwege verging und in der blauen Stunde, zwischen Tag und Nacht, kam Viro gut voran. Der Durst brannte in seiner Kehle und nagte an seiner Konzentration. Nach einer halben Stunde hatte er gerade eine besonders hohe Dünenkante erklommen und sah weit über das Meer aus Sand. Die Sonne sandte ihre ersten Strahlen über den Horizont und lange Schatten malten gewaltige schwarze Schlangen in die Dünentäler. Ein wunderbarer Moment vollkommener Stille legte sich über die Wüste. Viro richtete seinen Blick der Sonne entgegen und sah dabei nicht unweit seiner Zielrichtung eine unregelmäßig gezackte Linie. War das die Oase? Lange Schatten von Palmenwipfeln unterbrachen die weichen Linien in der Ferne. Er war wieder auf dem richtigen Weg! Unwillkürlich konnte man sich die Frage stellen, ob er sie auch ohne den Hinweis der Alten gefunden hätte?
Der Tag brach mit Macht über die Landschaft und mit den Sonnenstrahlen kam die Wärme zurück, wenn auch nicht so stark wie am Vortag. Die Zeit des Wandels machte sich langsam auch am Tag bemerkbar. Die Wolken zogen träger, dicker und länger über den Himmel als sonst. Ein kühler Wind begleitete ihn noch eine Weile und als er sich noch eine weiter halbe Stunde später, langsam der kleinen grünen Senke zwischen den sandigen Bergen näherte, sah er, dass sich gerade eine Karavane quer von ihm zum Aufbruch bereit gemacht hatte. Er hörte Pfiffe und leises Schnalzen, das die die Kamele antrieb. Es handelte sich um eine kleine Gruppe von sieben oder acht Lastentieren und sechs schnellen Reitern. Wenn er rennen würde, könnte er sie vielleicht noch erreichen, vorausgesetzt er schaffte es die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ansonsten wartete eine etwas größere Oase mit einem schmalen grünen Vegetationsgürtel auf ihn. Hier war das Wasser hoffentlich nicht vergiftet, außer eben jene Gruppe hatte es gerade getan. Die 15 beweglichen Umrisse machten sich auf den Weg nach Norden, tiefer in die Wüste hinein, hinter der sich in dieser Richtung das weite Grasland irgendwann anschloss und die Brücke nach Zyranus. Viro hatte seine Orientierung wieder. Wenn er sich einen halben Tag ihnen anschloss, käme er schneller voran, müsste dann sich aber scharf westlich halten um an Sintos nicht vorbei zu reiten. Immer vorausgesetzt sie ließen ihn reiten. Die andere Option war sie ziehen zu lassen und den direkten Weg zu Fuß einzuschlagen, der ihn dann sicher seinem Ziel entgegen bringen würde. Beide Varianten hatten ihr für und wieder. Wollte er sich anderen Menschen anschließen und schneller sein, oder alleine reisen und dafür seine Ruhe haben?
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