unbewohnte Ebene in der Nähe von Santros

Das kleine Fleckchen Trockenland befindet sich im Südwesten des Landes. Es ist eine Mischung aus Wüste im Westen und Ödland im Süden. Die Hafenstadt Santros befindet sich im Ödland und bildet dort die besten Seefahrer aus.
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unbewohnte Ebene in der Nähe von Santros

Beitrag von Freya » Montag 4. Juni 2012, 20:56

Der kaum vorhandene Wind war das erste, was Freya auffiel als sie sich dem Festland Celcias näherte. Ein wenig fühlte es sich an, als würde das Mädchen nicht genug Luft bekommen, doch sie gewöhnte sich recht schnell daran. Die Hymlianerin vermisste die meist stärkeren Winde ihrer Heimat schon jetzt, doch sie war so erschöpft von ihrer beinahe zwei-tägigen Reise auf ihrem Pegasus, dass sie sich dennoch sehnte, die trockene Erde unter ihren Füßen zu haben. Zudem war da auch noch die Aufregung, die sie antrieb - schließlich war sie von dem Traum ihrer bisherigen 23 Lebensjahre nur noch wenige Flügeschläge entfernt. Ihre Finger zitterten etwas, als sie dem grauen Hengst behutsam durch die Mähne strich - und bei ihre sollte diese Aufregung schon etwas bedeuten, schließlich war sie sonst die Ruhe selbst. Sie hatte genaue Anweisungen erhalten, wo man am besten landen konnte, ohne die Bewohner des Festlandes zu sehr mit dem Anblick eines fliegenden Pferdes zu überraschen. Freya steuerte einen großen, roten Felsen an, hinter dem sie landen wollte und der sich nun langsam in der Ferne am Horizont abzeichnete.
Als Shiro - so wurde ihr wunderschönes Reittier genannt - dann mit dem ersten Huf auf dem ausgedörrten Boden aufkam, machte ihr Herz einen kleinen Satz. Es kam der jungen Frau wie eine Ewigkeit vor, bis der Pegasus zum Stehen kam, doch als der Moment endlich gekommen war, sprang sie flink von seinem Rücken und wirbelte etwas Staub auf. Freya beugte sich nach unten um auch mit der Hand den Boden zu berühren und ließ etwas trockene Erde zwischen ihren Fingern zerbröseln. Ein kleines Jauchzen entfuhr ihr und sie genoss die Wärme, die der Boden abgab noch einige Augenblicke länger.
Schließlich riss sich die angehende Kundschafterin aus ihren Träumereien und atmete tief ein - die Luft hier unten war voller neuer Gerüche, deren Ursprünge sie sicher an einem anderen Zeitpunkt erforschen würde. Fast lautlos ließ sich Jorma, ihr Botenfalke, auf Freyas Schulter nieder und sie strich ihm sanft über sein Gefieder. "Ich hoffe der weiter Flug war nicht gar zu anstrengend für dich."
Schließlich setzte Freya ihre schwere Tasche ab und kramte kurz darin herum, bevor sie einen Beutel darauszog und diesen öffnete. Sie ließ sich einige Körner daraus auf die Hand fallen und gab einige davon erst Shiro und dann auch ihrem Falken, es handelte sich um eine Art Kraftfutter, bei dem auch schon solch kleine Mengen ausreichend waren um ein Tier für einen Tag zu sättigen. Schließlich räumte sie den Beutel wieder in die Tasche und sah sich nocheinmal um - niemand zu sehen, die Luft schien rein. Mit einem sanften Klaps auf den Hintern gab sie dem Pegasus zu verstehen, dass er nun wegfleigen solle, was dieser dann auch mit einem lauten Wiehern tat. Freya sah ihm nach bis selbst der kleine Punkt am Himmel verschwunden war. Dann machte sich das Mädchen daran, ihre Hängematte zwischen zwei knorrigen, blattlosen Bäumen zu befestigen.
Als sie damit dann endlich fertig war wischte sich Freya ihren Schweiß von der Stirn und seufzte. Nur noch einen letzten Handgriff tat sie in ihren Rucksack und fischte einen Apfel und ihren Wasserschlauch daraus. Über beides machte sie sich gierig her und ließ sich dabei entkräftet in ihre Hängematte fallen. Ihre robusten Lederstiefel zog sich das Mädchen noch flink über die Füße - es war ein sehr ungewohntes Gefühl gewesen, da sie in Hymlia fast nur barfuß lief und dieser Zustand war ihr auch erheblich lieber, dann kam wenigstens Luft zwischen die Zehen und Luft wollte die junge Frau möglichst immer und überall spüren.
Zufrieden mit ihren ersten Augenblicken auf der Erde - ihrem langersehntem Ziel - legte sich Freya in ihre Hängematte und schloss die Augen, die Vorfreude auf den morgigen Tag war riesig, sie würde das erste Mal auf Menschen treffen, die nicht wie sie waren. Mit der Sicherheit im Hinterkopf, dass Jorma ihren Schlaf bewachte und sie wecken würde, wenn sich etwas näherte versank die Reisende dann schnell ins Reich der Träume.

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Re: unbewohnte Ebene in der Nähe von Santros

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. Juni 2012, 00:23

Für die Bewohner des Trockenlandes war es ein sehr schöner Tag in dieser Jahreszeit. Es war untertags angenehm warm, die leichte Brise milderte die starke Sonneneinstrahlung, denn hier gab es kaum Gelegenheit, sich einen schattigen Platz zu suchen. Ein Umstand, bei dem man vorsichtig sein sollte, schließlich war der Himmel strahlend blau und erst am Abend würden sich wie aus dem nichts einige Wolken darauf abzeichnen.
Doch bis dahin hatte die junge Reisende noch Zeit, mindestens eine Stunden, vielleicht einige Minuten mehr oder weniger. Die Sonne würde zu einem anderen Zeitpunkt den Horizont erreichen, als die Bewohner Hymlias das von ihrem hohen Zuhause aus gewohnt waren.
Der Pegasus schnaubte leise, als endlich Ihr Ziel in Sicht kam. Der Flug war auch für ihn anstrengend gewesen, er keuchte ein wenig und in seinem Fell zeichnete sich etwas Schweiß ab, der noch nicht getrocknet war.
Er schüttelte kurz seinen Kopf, bezeichnenderweise nachdem seine neue Besitzerin seine Mähne glatt gestrichen hatte. In seinen Augen blitzte es leicht amüsiert auf und er warf ihr einen auffordernden Blick zu, sich mit ihm zu beschäftigen. Ein Hinweis darauf, dass sie seine Haarpracht ruhig noch einmal sortieren könnte. Seine Art und Weise sie abzulenken, da er ihre Nervosität selbstverständlich spürte. Sein Schweif zuckte etwas, was darauf hinwies, das auch ihn ihre Unruhe anzustecken begann, während seine Flügel sich langsamer bewegten, um die Geschwindigkeit seiner Bewegung heraus zu nehmen.
Schließlich fing er mit dem Landeanflug an und zeigte seine Erfahrung, indem er die Entfernung, in welcher er am Ende zum Stehen kommen würde, genau richtig eingeschätzt hatte, ohne irgendwo dagegen zu stoßen.
Er spürte, wie seine Besitzerin von ihm herab glitt und dadurch Staub hoch wirbelte. Der Pegasus schnaubte leicht und warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu, weil er das Kitzeln in seiner Nase nur zu deutlich spürte, das zu einem Niesen heran wachsen wollte. Dass sie ihn dabei ignorierte und sich mehr mit der Erde beschäftigte, sorgte dafür, dass er mit seinem Vorderhuf ein wenig zu scharren begann, um nun in ihre Richtung eine kleine Staubwolke zu schicken.
Dann tauchte auch schon der Vogel auf und bei Freyas Worten warf dieser einen anklagenden Blick zu dem Hengst, der ihn nicht hatte auf sich sitzen lassen. Dieser drehte sich seitlich, in Andeutung dessen, dass er ihm am liebsten sein Hinterteil präsentieren wollte, und tat, als würde er angestrengt nach ein bisschen Gras suchen.
Die beiden Tiere mochten sich nicht sonderlich, sie waren beide männlich und wollten der Liebling ihrer Besitzerin sein. Da blieb der Konkurrenzkampf nun einmal nicht aus, egal, ob sie versuchte, sie gleich zu behandeln oder nicht.
Kurz darauf wurden sie gefüttert, hintereinander, und während der Pegasus zufrieden kaute, ignorierte er den Konkurrenten weiterhin demonstrativ.
Als sie fertig waren, bekam er allerdings einen Klaps zu spüren, der ihm zeigte, was die Stunde geschlagen hatte. Und obwohl er gehorsam sich vom Boden abdrückte, wieherte er beleidigt und schnaubte noch einmal, bevor er höher in die Lüfte stieg und nach keiner ganzen Minute bereits nicht mehr zu erkennen war.
Der Falke krächzte ihm hinterher, was fast zufrieden klang, weil der andere verschwinden sollte.
Danach sah Jorma zu, wie seine Freundin sich ihr Nachtlager herrichtete, und warf einen skeptischen Blick zum Himmel. Es war doch noch viel zu hell... Aber er stellte ihre Entscheidung nicht in Frage, sondern beobachtete die Umgebung und versuchte auszumachen, von wo am ehesten eine Gefahr kommen könnte.
Als sich Freya hinlegte, gab er wieder einen kurzen Laut von sich und flog dann hinauf in den Baum, um über ihrem Kopf weiterhin Ausschau halten zu können.
Die Sonne brauchte noch eine geraume Zeit, bis sie sich als roter Ball dem Horizont näherte und am Ende auch versank. Die Luft kühlte ein wenig ab, nicht viel, jedoch spürbar. Wolken formierten sich, bedeckten immer öfter die Sterne, wenngleich ohne ihre Last herabregnen zu lassen.

Jorma wachte über seine Besitzerin und döste gleichzeitig, denn seine Sinne waren trotz allem scharf. Es war noch tiefe Nacht, der Sonnenaufgang zwei, eher drei Stunden entfernt, als sich unter ihm Freya regte.
Sofort war der Falke hellwach und flatterte zu ihr herunter. "Du bist wach, steh auf. Stärke dich und komm mit, der Weg ist weit. Wenn du schnell bist, erreichen wir die Häuser, wenn es hell wird.", erklärte er ihr, denn auf seine innere Uhr war Verlass. Und auch auf seine Einschätzung von Entfernungen mitsamt der Umrechnung, wie lange sie für diese Distanz zu Fuß benötigen würde, da er mitunter schneller und länger fliegen konnte.
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Re: unbewohnte Ebene in der Nähe von Santros

Beitrag von Freya » Donnerstag 14. Juni 2012, 16:40

Als Freya die Augen öffnete war es noch stockfinstere Nacht und sie seufzte leicht. Langsam setzte sie sich auf und rieb sich die Augen, der Schlaf war wunderbar erholsam gewesen nach ihrer langen Reise, trotzdem hatte sie schon besser geschlafen, das Klima hier unten bedurfte doch noch etwas an Gewöhnung. Jorma kam aufgeregt zu ihr herab geflattert und fordete sie auf sich schnellst möglich auf den Weg nach Santros zu machen. Noch etwas schläfrig nickte Freya, es war wohl keine schlechte Idee, schließlich wollte sie nur ungern Zeit verlieren, sollte ihre Reise doch schon in 10 Tagen zu ende sein und es gab noch so vieles zu entdecken. Nun jedoch hieß ihr erstes Ziel Santros und Jorma hatte recht, es war noch ein recht ordentlicher Fußmarsch, denn Shiro würde sie nur für längere Reisen, die weiter von dichten Menschenansiedlungen entfernt endeten, einsetzen. Also stieg die Hymlianerin aus ihrer Hängematte und wühlte in ihrem Rucksack herum, bis sie ein Laib Brot in der Hand hielt und von diesem mit ihrem Messer zwei Scheiben abschnitt. Sie aß diese wie sie waren und trank einige Schlucke kühles Wasser aus ihrem Schlauch. Jorma machte sich begierig daran, die Krümel, welche Freya fallen ließ aufzupicken. Schließlich war das Mädchen fertig und sah in den Himmel - dieser wunderschöne blaue Himmel, von hier unten wirkte er viel unerreichbarer und nicht wirklich real. Deshalb hatte man ihr wohl auch gesagt, dass Menschen ihres Volkes bei den Kontinentbewohnern teilweise als übernatürliche, engelsgleiche Wesen angesehen wurden. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen rappelte sich das Mädchen hoch und machte sich flink daran, ihr Schlaflager in ihrem Rucksack zu verstauen und sich ihre Lederstiefel wieder überzustreifen "Nun dann, los mein Schöner, unser Weg ist nicht kurz." Freya untermalte ihre Aufforderung mit einer Handbewegung, hiefte sich dann die schwere Tasche auf den Rücken und stapfte los, in die Richtung, die sie für die nach Santros hielt. "Deine Augen sind besser als meine in der Nacht, kannst du von weiter oben erkennen, ob dieser Weg der richtige ist?" Der Falke krächzte kurz und erhob sich dann mit einigen großen Flügelschlägen in die Lüfte. Freya verlor ihn schon schnell aus den Augen, doch einige Augenblicke der Stille später kam er zurück und ließ sich auf ihrer Schulter nieder. "Ich habe Lichter in dieser Richtung erkannt." teilte Jorma ihr mit und flog ein Stück um ihr den Weg zu zeigen. Freya nickte und folgte ihrem Vogel, welcher sie hoffentlich zu den richtigen Ansiedlungen brachte.

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Re: unbewohnte Ebene in der Nähe von Santros

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 5. Juli 2012, 17:22

Es war eine starke Umstellung, die Freya schon bei der ersten Gelegenheit zu spüren bekam. In Hymlia war alles anders als auf dem Boden, die Luft, die Temperaturen, das Licht der Sterne, wenn sie sich zeigten, die Geräusche rings um sie herum.
Auch ihre Unterlage hätte vorteilhafter sein können, aber wenigstens hatte sie überhaupt schlafen können, das allein war schon viel wert. Schließlich hatte sie einen vermutlich anstrengenden Tag vor sich, besonders, weil ihr Pegasus nicht zur Verfügung stehen würde. Stattdessen müsste sie sich ausschließlich auf ihre Beine verlassen und die Strecke bis zu ihrem Ziel, welches auch immer es sein würde am Ende, könnte länger werden, als er zuvor aussah.
Ihr Vogel hatte es in dieser Hinsicht weitaus einfacher, denn er kannte diese Sphären, wenn auch nicht unbedingt jenen Ort. Jedoch konnte er sich ohne Hilfe orientieren und für seine Freundin und Besitzerin ausmachen, wohin er sie führen sollte und ob dies auch klug wäre, oder sie besser anderweitigs sich bewegen sollten. Deswegen wollte Jorma auch nicht länger Zeit vertrödeln, sondern trieb dazu an, endlich aufbrechen zu können.
Obwohl er nicht wusste, dass die Reise der jungen Frau nur wenige Tage dauern sollte, denn er als Tier dachte in anderen Maßstäben. Für ihn war der Stand der Sonne und der Sterne wichtig, die Jahreszeit mit ihren unterschiedlichen Temperaturen und Aufgaben, die sie stets mit sich brachte, nichts anderes. Auch war ihm nicht bewusst, was sie alles würde sehen wollen. Freya würde es ihm rechtzeitig sagen und er ihr helfen, soweit es in seinem Können lag.
Immerhin, seine Augen waren sehr gut und durch seine Flügel war er im Gegensatz zu ihr nicht an den Boden gefesselt. Deswegen auch stieg er nun in die Lüfte, wie es seiner Natur entsprach, und wollte den Weg ein wenig auskundschaften, ehe seine Besitzerin ihm folgen würde.
Diese konnte die Zeit obendrein nutzen, um sich zu stärken, das hatte Jorma vorerst nicht nötig. Er würde dann jagen, wenn er die Gelegenheit dazu hätte und notfalls bekäme er von Freya wieder diese stärkende Nahrung. Nun ja, zumindest wäre das sein Vorhaben gewesen, wären diese Krümel nicht zu verlockend gewesen. Also ließ er diese in seinem Schnabel verschwinden, bevor er sich tatsächlich aufmachte. Nun gab es kein Halten mehr.
Allmählich näherte sich die Nacht indes endgültig ihrem Abschluss, würde sich die Sonne nicht mehr sonderlich lange aufhalten lassen. Allerdings trotz der Dunkelheit konnte der Vogel ausreichend erkennen, um sich zurecht finden zu können. Das nahm er als Anlass, ihr den Weg zu weisen, indem er voraus flog, zurück kehrte, um sie mehr oder weniger abzuholen und weiter zu führen, ehe sich das Ganze wiederholte. So kamen die beiden Wanderer voran, Jorma stets die Lichter als Ziel vor Augen.
Dadurch verrann die Zeit, was der Vogel nicht zu spüren bekam, sich in den Beinmuskeln der jungen Frau jedoch bald zeigen würde. Deutlicher war vorerst aber der heller werdende Himmel, sodass die Lichter der Stadt immer mehr verschwammen und ihre Signalfunktion verloren. Dafür würde sich bald am Horizont die Silhouette des Endpunktes zeigen, um allmählich größer zu werden. Auch wenn es noch lange dauern würde, denn so schnell wie mit einem Pegasus konnte man zu Fuß nun einmal nicht reisen.
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Re: unbewohnte Ebene in der Nähe von Santros

Beitrag von Freya » Dienstag 24. Juli 2012, 04:18

Freya hob den Kopf und wischte sich ein paar kleine Schweißtropfen von der Stirn. Sie waren nun schon eine Weile unterwegs und die Dämmerung war nun schon an ihrem Höhepunkt angelangt. Ganz in der Ferne meinte die junge Wanderin auch einen dunklen Fleck zu erkennen, bei dem es sich, wenn sie sich nicht völlig irrte um Santros handeln musste. Ein wenig hatte Freya versucht ihre körperliche Ausdauer schon in Hymlia zu verbessern - schließlich hatte man sie auf lange Wege, die nur zu Fuß zurückzulegen waren vorbereitet. Doch natürlich spürte sie ihre Waden dennoch viel stärker als sonst, in ihrer Heimat hielten sich die Wege, die man zu beweltigen hatte sehr in Grenzen. Zudem konnte sie auf dem harten, trockenen Boden nicht barfuß gehen, wie sie es sonst so sehr liebte. Die Lederstiefel an ihren Füßen waren schon jetzt nicht gerade ihre Lieblingskleidungsstücke. Einmal sah sie nach Jorma, wahrscheinlich würde er sich auf dem Weg irgendwann ein Mäuschen - oder was auch immer er in diesen Gefilden fand - erbeuten, denn sicherlich würden ihm die wenigen Brotkrumen, die seine Besitzerin am frühen morgen mehr oder weniger absichtlich zu Boden gefallen lassen hatte nicht für einen ganzen Tag reichen - erstrecht nicht, wenn dieser Tag zu einem Großteil aus Fliegen und dem Konzentrieren auf ein weit entferntes Ziel bestand. Nicht, dass der Vogel nicht genau für so etwas ausgebildet worden war - doch seine Dienste blieben nicht ohne Erschöpfungsanzeichen. Jedoch sollte sich die junge Kundschafterin wohl wirklich lieber um die eigene Kondition kümmern, Freya begann bereits leise zu keuchen und gab ihrem Begleiter ein Handzeichen - er solle warten, sie musste eine kleine Rast einlegen. Schnell hatte Freya ihren Rucksack abgesetzt und ihren Wasserschlauch herausgefischt. Er war schon etwas leerer als die junge Frau es ursprünglich eingeplant hatte, doch bis zur Stadt würde es reichen und dort konnte sie es dann bei der ersten Gelegenheit auffüllen lassen. Einige Tropfen schüttete sie sich auf ihre Hand und erfrischte ihr Gesicht damit. Sie sah sich ein wenig um und konnte weit und breit nichts Schattenspendendes erkennen. Nun gut - es musste irgendwann weiter gehen, also erhob sich Freya und stellte fest, das der Schmerz in ihren Beinen kaum nachgelassen hatte. Doch es half ja nicht, sie packte sich ihren Rucksack wieder auf den Rücken und setzte ihre Reise fort, so weit konnte es einfach nicht mehr sein.Und doch zog sich das letzte Stück der Reise für die Hymlianerin noch einmal ewig hin. Es mochten vielleicht eigentlich nur noch wenige Stunden sein, doch für Freya fühlte es sich an wie Jahrzehnte. Der Schweiß tropfte von ihrer Stirn oder rann ihr in Strömen den Rücken herunter. Auch ihre Beine schienen fast zu brennen, so stark rebellierten ihre ungeübten Muskeln, doch die immer größer werdende Stadt war genug Antrieb um trotz allem weiter zu gehen.

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Re: unbewohnte Ebene in der Nähe von Santros

Beitrag von Erzähler » Montag 27. August 2012, 21:06

Seit sie ihre Füße auf diesen festen Boden Celcias gesetzt hatte, war alles anders geworden. Nicht nur die Luft und Geräusche, sondern nun zeigte auch ihr Körper, dass dieser Teil der Welt vollkommenes Neuland war. Die Muskeln wurden stärker beansprucht, der Untergrund federte nicht derart stark nach, wie es bei manchen Wolken sein konnte, ab und zu piekte etwas in der Fußsohle durch die Stiefel hindurch, die obendrein bald schon zu drücken begannen und früher oder später sicherlich zu unangenehmen Blasen führen würden, und der Atem wurde ihr allmählich knapp.
Das Tempo war ungewohnt für die junge Frau und im Gegensatz zu ihrem Begleiter benötigte sie weitaus mehr Zeit, um sich tatsächlich umstellen zu können. Ganz zu schweigen davon, dass ihr noch bei weitem die Erfahrung fehlte, ihre eigenen Kräfte zu sparen und einschätzen zu können. Wenn Freya also weiter so laufen würde, würde sie demnächst eine Pause benötigen, um überhaupt Santros noch erreichen zu können. Aber das würde sie bald ohnehin bemerken, sobald ihr Körper das unmissverständlich deutlich machen würde.
Nun ja, wenigstens schien sich die Stadtsilhouette schon am Horizont abzuzeichnen mit dem heller werdenden Licht, sodass ihr Ziel nicht vollkommen außerhalb ihrer Wahrnehmung sich befand.
Indes schwebte der Vogel einige Meter voraus und ließ sich treiben, da die Luftströmung dafür ideal war und er gleichzeitig Kraft sparen konnte. Dadurch könnte er den Moment etwas länger hinaus zögern, ehe er zwangsläufig auf die Jagd müsste. Dabei allerdings würde er seine Freundin ein wenig allein lassen müssen und vermutlich auch vom Weg abkommen, weswegen sie das Ende des Marsches schon deutlicher im Auge haben sollte.
Im Augenwinkel bemerkte er eine Bewegung und drehte instinktiv den Kopf, sodass er die Geste zum Anhalten auch erkennen konnte. Was schon Glück war, denn immerhin wäre ein Ruf besser gewesen, damit er es nicht zu spät registrierte und weiter fliegen würde. Also vollführte er einen Halbkreis und sank stark mit den Flügel schlagend und dabei Staub aufwirbelnd vor seiner Begleiterin am Boden zur Ruhe.
Fragend legte er den Kopf schief und sah zu ihr hoch. Sie waren noch nicht sonderlich weit gekommen, weswegen er besorgt war, da sie jetzt schon eine Pause benötigte.
Als sie auch noch Wasser auf ihre Haut tropfen ließ, anstatt es zu sparen, krächzte er protestierend. Das sollte sie lieber nicht tun, so erfrischend es auch sein mochte!
Jedoch konnte er sie im Endeffekt auch nicht aufhalten und als sie sich wieder erhob, stieg auch er erneut in die Lüfte. Der Weg dehnte sich und im Gegensatz zu Freya hatte Jorma das instinktiv erkannt, sodass er sich körperlich noch um vieles besser fühlte als sie. Indes brach der Tag an und schritt fort, reihte sich Minute an Minute, Stunde um Stunde.
Kurz vor Mittag war es dann soweit, der Vogel bog ab und begab sich auf die Jagd. Mit mehr Glück als gedacht, schaffte er es rasch, sich sogar zwei Mäuse zu holen und sie mit Haut und Haar zu verspeisen. Es dauerte womöglich zehn Minuten oder auch zwanzig, das war für den Jäger unerheblich. Dafür hatte er wieder mehr Kraft, keinen knurrenden Magen und konnte schnell die Distanz wieder aufholen.
Als er erneut über Freyas Kopf schwebte, krächzte er lautstark, um darauf aufmerksam zu machen.
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