Überbringung schlechter Nachrichten

Im Norden des Waldes Arus, ganz nah am Drachengebirge, befindet sich ein scheinbar unendlich tiefes Loch, gehüllt in Stein. Der Eingang zum Reich der Nachtelfen, fast friedlich haben sie unterirdisch ihre Stadt erbaut.
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Die Nachtelfen wissen nun über den dunkelelfischen Angriff auf Pelgar, sowie die Besetzung der Stadt Kosral Bescheid. Sie treffen Sicherheitsvorkehrungen, für den Fall, dass auch ihr Reich erobert werden soll. Die lange Treppe zum Stadttor wird nun durch verborgene Verteidiger bewacht. Bitte berücksichtigt dies, wenn ihr im Reich der Nachtelfen spielt.
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Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 10. April 2011, 13:29

[Luzien kommt von – Der Wald Arus – Rückkehr in die Heimat]

Der Justiziar, der Luzien zu Nepochal begleiten sollte, grinste, als er seinen Kollegen wiedersah. Nun sah er wieder aus wie ein Nachtelf. Diese Plattenpanzerung, die er von den Dunkelelfen ergattert hatte, war schlichtweg unbequem und auch irgendwie sperrig gewesen. „Gehen wir lieber, du weißt ja, Nepochal hasst es, warten zu müssen. Und in letzter Zeit ist er ziemlich ungeduldig geworden.“

Dann verließen sie das Gasthaus wieder. Arinna würde sich schon gut um die Schwarzhaut kümmern. Immerhin war sie eine voll ausgebildete Heilerin, sie würde das, was wichtig war, schon in die Wege leiten.
Bis zum Eingang in das unterirdische Reich war es jetzt nur noch ein Katzensprung. Für jemanden, der noch nie hier gewesen war, würde das hier ziemlich beeindruckend aussehen, Xanast jedoch gähnte nur gelangweilt. Er war hier schon so oft ein und aus gegangen, sodass er hier nichts interessantes mehr feststellen konnte.

Sie kamen an die lange Wendeltreppe, deren unterste Stufen man kaum noch erkennen konnte. Ganz unten kam man an eine schlichte Eisentüre. Im Gegensatz zu den Oberflächenbewohnern setzten Nachtelfen nicht auf Protz und Prunk, sondern auf Unauffälligkeit, selbst bei ihren Gebäuden, wenn man großzügiger weise die Adelshäuser mal vorneweg nahm. Diese strotzten nur so vor Dekadenz und Überheblichkeit.

Die Wendeltreppe zog sich trotz ihrer anfangs schnellen Schritte enorm in die Länge. Man konnte glatt meinen, sie würde überhaupt kein Ende mehr nehmen, als sie plötzlich unten angekommen waren. Hier herrschte völliges Zwielicht und eine unbehagliche Atmosphäre machte sich breit. Die Knie beider Justiziare fühlten sich wegen der Anstrengung etwas weich an, aber sie kümmerten sich nicht darum, da sie ja schnellstens weiter mussten. Das Stadttor, eine schlichte Eisentüre mit Sehschlitz lag direkt vor ihnen. Ohne zu zögern trat Xanast darauf zu und klopfte an. Dann wartete er.

Es dauerte nicht lange, da wurde der Sehschlitz aufgeschoben und jemand fragte barsch: „Wie lautet das Passwort?“ Xanast verlor keine Zeit: „Leben für Leben. Und jetzt lass uns endlich rein, wir sind sehr in Eile.“ Er trat dich an die Tür heran und präsentierte das Zeichen der Schattenkrieger, sodass sich der Torwächter mehr als beeilte, zu öffnen. Justiziare genossen überall im Reich großen Respekt und hatten gewisse Sonderrechte. Knarrend öffnete sich die schwere Eichenholztüre, die man vorsorglich mit Eisen verstärkt hatte und gab den Weg in die wundersame Welt der Nachtelfen frei.

Die Stadt unter der Erde war in gewisser Weise nicht anders als die übrigen Städte der Oberwelt, jedoch mit einem gravierenden Unterschied: hier drang nicht der kleinste Sonnenstrahl herein, sodass sich die Nachtelfen hier sogar vollkommen ohne schützenden Umhang bewegen konnten. Hier und da brannten einige Fackeln und auch einige Leuchtpilze hatten sich an der einen oder anderen Hauswand angesiedelt und tauchten die Straßen und Personen die darauf wandelten, in purpurnes Licht. Luzien würde sich bestimmt nun etwas besser fühlen, das hier war praktisch der einzige Ort in ganz Celcia, den er mit Fug und Recht als sein wirkliches Zuhause nennen konnte. Hier liefen einem keine unkultivierten und ungehobelten Menschen oder Orks über den Weg, es war ein Reich der Dunkelheit und der Nacht, nur für sie allein. Zwar mochte es auch hier vereinzelte Dunkelelfen geben, doch das war eher eine Seltenheit, da man von der Brutalität dieses Elfenvolkes wusste.

Doch diese hatten sich schon dementsprechend an das Leben der Nachtelfen gut angepasst, sodass Zwischenfälle mehr als selten waren. Außerdem waren da ja noch die Wachen, die hier für Recht und Ordnung sorgten. Es gab zwar immer noch Diebe und Meuchelmörder, sowie andere eher kriminelle Gruppen, doch diese arbeiteten nicht selten für eine mächtige Adelsfamilie und waren damit für die Justiz bis zu einem gewissen Punkt unantastbar. Unruhestifter, die keine solche Verbindung vorweisen konnten, wurden jedoch aufgegriffen und für einen oder mehrere Tage in den Kerker gesteckt, damit sie ihre Schandtaten in aller Ruhe überdenken konnten.

Zielsicher suchte sich Xanast seinen Weg durch die verschlungenen Straßen des Reiches. Er wusste genau, wo er hin musste um ihr Ziel zu erreichen. Dann schließlich hielt er vor einer steinernen Wand an. Prüfend sah er sich um, zur Sicherheit. Als er niemanden entdecken konnte wandte er sich Luzien zu. „Hier ist einer der geheimen Eingänge zum Hauptquartier. Nepochal ließ sie kürzlich anlegen, damit man nicht immer durch den Hauptkomplex laufen muss, um zu ihm zu gelangen. Das erspart Zeit und die werden wir noch brauchen.“ Er tastete über die Wand und fand einen lockeren Stein. An sich nichts wirklich besonderes. „Sesam öffne dich“, sagte er scherzhaft und drehte den Stein schließlich herum. Man konnte deutlich ein Kratzen vernehmen und die Wand öffnete sich. Schnell wandte sich der Justiziar nochmals um und sah wieder in alle Straßen. Nichts. „Schnell, bevor uns noch jemand sieht“, flüsterte er Luzien zu und verschwand sofort in dem schmalen Spalt, den die Wand freigegeben hatte.
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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Luzien » Donnerstag 21. April 2011, 21:18

Luzien folgte dem selben Weg, den er schon unzählige Male zuvor gegangen war, um von seinem Zuhause ins eigentliche Herz des Reiches zu gelangen. Selbst nachdem er eine beträchtliche zeit nicht mehr hier gewesen war und die Trampelpfade, die den Arus am Rande des Eingangs zum Reich durchzogen, in letzter Zeit nicht sonderlich gut gepflegt worden waren, so hätte der Nachtelf diesen Pfad mit verbundenen Augen nachfolgen können. Es dauerte nicht lange, bis der Wald sich lichtete und die wohlgepflegte Rasenfläche auftat, die Rund um den Krater angelegt worden war, der in das unterirdische Herrschaftsgebiet der Nachtelfen führte.
Die beiden Schattenkrieger steuerten direkt auf den Treppenansatz zu, doch als sie diesen erreichten, blieb Luzien einen Moment lang stehen und legte den Kopf in den Nacken. Sein Blick schweifte über den Nachthimmel, der hier so wunderbar klar zu sehen war. Keine Reichwolken von Kaminen, keine Steinbauten und Türme blockierten den Blick auf das Sternenzelt. Das Licht der Himmelskörper erleuchtete die unterschiedlich gefärbten Augen des Elfen, während er sich langsam auf der Stelle drehte. Es hieß zwar, dass die Sterne überall gleich aussehen würden, doch hier in der Heimat ... da waren sie von einem ganz besonderem Zauber erfüllt.
Nach ein paar Herzschlägen riss sich der Justiziar von dem Anblick ab, schüttelte den Kopf und lachte leise, während er Xanast nacheilte, dem wohl nichts aufgefallen war. Er lachte über seine eigenen Gedanken. Wie viele Völker, abgesehen von den Nachtelfen, konnten sich schon so für den Nachthimmel begeistern? Das war fast schon lächerlich.
Nachdem er kurz seine Schritte beschleunigt hatte, stieß Luzien wieder auf seinen Zunftbruder. Wortlos folgten sie dem, sich windenden Treppengang, der bis tief unter die Erde führte. Vor vielen Jahren, damals sah er sich selbst noch als Juwelenschleifer und Schmuckschmied, da hatte er die Stufen einmal gezählt, aber inzwischen konnte er sich nicht mehr daran erinnern, zu welchem Ergebnis er gekommen war. Auf jeden fall war es eine dreistellige Zahl gewesen. Je näher sie ihrem Ziel, dem schlichten aber dennoch stabilen Eisenportal kamen, desto dunkler wurde es, denn die Wände erstreckten sich nun immer höher und schnitten das Mondlicht irgendwann einfach ab. Aber die Nachtaktiven Augen der beiden Soldaten waren an solche Umstände natürlich gewöhnt.
Xanast übernahm es, dem Torwächter das Passwort zu nennen, das den beiden Zugang zur Stadt gewährte. Die Pforte, absichtlich klein gehalten, damit Feinde nur in geringer zahl hindurch gelangen konnten, schwang sofort auf, als zusätzlich das Siegel der Justiziar gezeigt wurde und die beiden Schattenkrieger schlüpften hinein. Unter seiner Kapuze warf Luzien der strammstehenden Wache einen finsteren Blick zu, woraufhin dieser tatsächlich einen Schritt zurück wich.
So folgten die beiden dem schmalen, sich windenden Gang, der mit mehreren Falleisen gesichert worden war, bevor sich die eigentliche, gewaltige Höhle vor ihnen Auftat: Das Reich der Nachtelfen! Genussvoll sog Luzien die Luft ein. Sie war nicht stickig, wie in den normalen, natürlichen Höhlen, aber trotzdem erfüllt von ihrem ganz eigenen Aroma, dass nirgends sonst existierte. Ein Nachtelf, der innerhalb dieser Höhle aufgewachsen ist, konnte sich an keinem anderen Ort in der Welt wirklich zuhause fühlen. Und für den Justiziar galt das genau so. Die Stadt seiner Kindheit würde auf ewig etwas besonderes für ihn darstellen. Und er würde alles, wirklich alles in seiner Macht stehende dafür tun, um diese unterirdische Welt vor allen Gefahren zu beschützen!
Nachdem sie eine weile der breiten Hauptstraße gefolgt waren, gabelte sich der Weg an einer sternförmigen Kreuzung. Instinktiv wollte Luzien nach rechts schwenken, in Richtung der Kaserne, doch Xanast, der nach wie vor die Führung übernahm, folgte dem Verlauf geradeaus. Ein wenig irritiert folgte Luzien seinem Kollegen und begnügte sich damit, keine Fragen zu stellen. Es wäre nicht das erste mal gewesen, dass man den sitz der Halle der Justiz verlegt hatte. Er war lange genug nicht hier gewesen, um sich damit zu abzufinden dass er sich nun eben einen neuen Weg zum Hauptquartier merken musste.
Nach einer Weile blieb Xanast dann schließlich vor einer schlichten Steinwand stehen. In den Augen von Luzien, der sich nicht sonderlich auf Baukunst und Mauerwerk verstand, gab es hier nichts unauffälliges. Nachdem der Justiziar die einzelnen Steine kurz abgetastet hatte, öffnete sich vor den beiden Elfen dann allerdings ein verborgener Gang. Neugierig warf Luzien einen Blick in die Dunkelheit, die sich aufgetan hatte. “Nett. Niemand der einfach hier vorbei geht, würde das bemerken,“ kommentierte er die Neuerung und fügte dann leicht grinsend hinzu: “Ganz ehrlich: Wie viele versuche hast du gebraucht, bis du zielsicher die richtige Stelle gefunden hast?“
Dann huschte Luzien in den Tunnel hinein, die versteckte Tür schloss er geräuschlos hinter sich. Damit war es wohl unvermeidbar. Am Ende des Ganges würde er sich in der Höhle des Löwen befinden und hoffen müssen, nicht als Fraß vorgeworfen zu werden.

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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Gestalt » Sonntag 24. April 2011, 23:41

Sie gingen recht zügig durch den geheimen Gang. Luzien erkundigte sich sogleich, wie lange sein Zunftbruder wohl gebraucht hatte, um sich den komplizierten Weg merken zu können. Der grinste daraufhin etwas verlegen. „Wenn du mich jetzt schon so fragst, viel zu oft. Am Anfang bin ich immer den längeren Weg gegangen, eben, weil ich einfach diese verdammte Geheimtüre nicht gefunden hatte. Nepochal hatte da ein riesiges Geheimnis drumherum gemacht. Aber jetzt, jetzt könnte ich dich hier mit verbundenen Augen durchführen.“
Auch wenn der letzte Satz eher geprahlt war, würde Xanast Recht behalten. Er kannte sich nun wirklich sehr gut aus, vor allem bei den Stellen, die man besser nicht betrat. „Pass aber auf. Nepochal hat hier auch einige echt miese Fallen installieren lassen, damit nicht jeder x-beliebige hier herumschnüffeln kann. Halte also deine Augen und Ohren offen.“ Der Anführer der Schattenkrieger war mit der Zeit wirklich sehr vorsichtig geworden und wollte damit verhindern, das Unwissende nicht unbefugt Zutritt in das Hauptquartier der Justiziare bekamen. Zwar war es trotz allem immer noch in der Kaserne, jedoch in einem separaten Teil untergebracht. Und nur die wenigsten der Soldaten wussten, dass sich unterhalb ihrer Trainingsstätte die Zuflucht der Elite des Reiches befand.

Dann trat eine etwas längere Sprechpause ein und Luzien konnte sich den Gang nun genauer betrachten. Er war aus festem Stein gemauert und auch hier hatte man einzelne Purpurmantel-Pilze als Lichtquelle an den Wänden, welche mit ihrem Schein den Boden und die Wände erhellten. Was eigentlich nicht nötig gewesen wäre, denn sie beide waren Nachtelfen. Und damit konnten sie vortrefflich im Dunkeln sehen.

Sie kamen gut vorwärts und dank Xanasts Wegkenntnissen gerieten sie nirgends in eine der vielen Fallen, die er erwähnt hatte, bis sie schließlich vor einer schweren Türe standen. Sie wirkte recht massiv und würde sogar einem Rammbock mühelos über längere Zeit hin stand halten. „Hm, zehn Zentimeter dick. Eine Eisen-Stahl-Legierung. Jeder, der hier mit Gewalt reinkommen möchte, würde schmählich scheitern. Nepochal ist wirklich vorsichtig geworden auf seine alten Tage“, meinte er sarkastisch grinsend.
Nicht das er dem Großmeister der Schattenkrieger jetzt Paranoia andichten würde, im Gegenteil. Er bewunderte ihn und sah zu ihm auf. Nur fand er, dass SO starke Verteidigungsmaßnahmen eigentlich eher unnötig waren. Ins Reich kamen eh nur die Personen, welche das Losungswort kannten. Und zu diesem Gang hatten allein die Justiziare Zugang. Niemand sonst kannte die geheimen Wege und Pfade welche die Elite des Reiches benutzten. Fremde würden sowieso keine Chance haben, auch nur einen kleinen Blick auf dieses Paradies in der Finsternis zu werfen. Diese Stadt unter der Erde hatte ihren ganz eigenen Charakter, ihre ganz eigene Atmosphäre. Eine, in der sich ein Nachtelf wohl fühlen konnte.

Kurz kramte der Nachtelf in seinen Taschen herum und zog dann einen eisernen Schlüssel hervor. Er drehte ihn einmal, zweimal und dann signalisierte ein Klacken, dass die Türe offen war. „Dauert jetzt nicht mehr lange. Wir haben es fast geschafft.“ Bestimmt würde Luziens Puls nun etwas nach oben gehen. Jetzt würde er demnächst seinem Anführer Rede und Antwort stehen müssen, warum er sich die Dokumente hatte abnehmen lassen.

Doch noch war es nicht so weit. Er konnte sich ja die Worte, welche er sagen wollte, schon einmal zurecht legen.
Sie traten durch die Türe und Xanast verschloss eben jene wieder. Sicherheit ging immer noch vor. Auch wenn es eher unwahrscheinlich war, dass eine unwissende Person lebend durch die ganzen Fallen kommen könnte. Nun befanden sie sich in einem mittelgroßen Raum, welcher nun jedoch von Fackeln statt Pilzen erhellt wurde. Außer ihnen beiden befand sich hier niemand. Auch war er sehr spartanisch eingerichtet. Wohl ein Vorraum oder etwas derartiges. Am Ende des Raumes war wieder eine Türe, diesmal eine aus Holz. Auch diese durchquerten sie.

Nun trafen sie endlich wieder auf andere Personen. Es waren einige Schattenkrieger in der Basis geblieben, nicht alle waren auswärts eingesetzt. Zielstrebig ging Xanast auf einen großen Schreibtisch zu, an welchem eine Nachtelfe mittleren Alters saß und mehrere Pergamente durchsah. Anscheinend so eine Art Sekretärin. Sie sah auf, als sich die beiden Justiziare ihr näherten. „Ah, Xanast, Luzien. Ihr kommt genau richtig.“ Dann sah sie Luzien direkt und forschend an. „Und auf dich wartet er besonders. Ihr könnt jetzt rein zu Nepochal“, sagte sie, fügte aber noch an: „Ich würde euch beiden raten, ihn nicht zu sehr zu reizen. Momentan ist er etwas aufgebracht, allein schon wegen den vielen Dunkelelfen, die durch unseren Wald schleichen.“ Luziens Zunftbruder nickte bedächtig. „Danke dir, Jinua. Los, Luzien. Der Boss wartet wirklich nicht gern. Und in letzter Zeit überhaupt nicht.“

Und damit ergriff Xanast die Klinke und öffnete die schwere Eichenholztüre.
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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Luzien » Donnerstag 28. April 2011, 22:00

Luzien atmete hörbar laut aus, als er die Beschaffung des Tunnels näher betrachtete und Xanast erwähnte, dass dieser geheime Durchgang mit Fallen gespickt worden war. Auch wenn der nachtelf Respekt vor dem obersten der Schattenkrieger hatte, so konnte er nicht behaupten ihn oder seine Entscheidungen zu mögen. Für ihn war nicht nur dieser neue Weg ins Herz der Räumlichkeiten der Justiziar überflüssig, ihn auch noch mit Hinterhalten und anderen Gefahren zu versehen war grade zu lachhaft. Schon alleine, weil dieser Tunnel wirklich gut versteckt war. Wie hoch standen die Chancen, dass in diesem abgelegenen Teil der Stadt jemand per Zufall den richtigen Stein verdrehte, damit die versteckte Pforte sich öffnete?
Ohne irgendetwas zu sagen folgte Luzien seinem Kameraden tiefer ins Innere, in das Fleisch des unterirdischen Felsens. Zuerst sah es so aus, als wäre der Durchgang direkt aus dem Felsen geschlagen worden, aber nachdem die beiden eine gewisse Strecke hinter sich gebracht hatten, bemerkte der Soldat seinen Fehler. Nein, die Wände waren eindeutig gemauert worden. Zwischen durch war immer wieder eine Kolonie der leuchtenden Purpurmäntel angelegt worden, damit man auch ohne Fackeln einen sicheren Weg durch den engen Gang finden konnte. Die schimmernden Pilze betrachtete Luzien mit einer gewissen Abneigung. Viele dumme Jungspunde sahen es als eine Art Mutprobe an, etwas von den giftigen Pilzen zu essen und viele Kinder kamen dabei um, trotzdem unterschätzte die nächste Generation die toxische Wirkung des Sporengewächses weiterhin. Außerdem schmeckten diese Dinger widerlich, wie er aus eigener Erfahrung wusste.
Die beiden Nachtelfen sprachen nicht miteinander, während Xanast sie mit gekonntem Blick an den Fallen vorbei manövrierte, und darüber war Luzien nicht unglücklich. Im Gegenteil, es gab ihm eine letzte Gelegenheit, sich eine Art Rede zurecht zu legen. Zuerst einmal galt es natürlich, den Verlust seiner Dokumente einzuräumen, aber die weit wichtigere Aufgabe bestand darin, Nepochal von der Dringlichkeit zu überzeugen, sich gegen die schwarzhäutige Brut zu wappnen. Er machte sich keine falschen Hoffnungen. Seine Stimme alleine würde niemals ausreichen, um das Reich der Nachtelfen zu einem Schlag gegen die Dunkelelfen zu führen. Verdammt, wenn er nicht eben erlebt hätte, was er in den letzten Tagen erlebt hatte, so wäre er einer von jenen gewesen, die über das abschlachten der Menschen gejubelt hätte. Aber so war das eben nun mal so, wie es war.
Endlich erreichten die beiden Justiziar das Ende des Tunnels, dass durch ein massives Eichenportal versperrt wurde. Als Xanast ihm sagte wie dick das Tor war, wanderte seine linke Augenbraue nach oben. Das ist doch Wahnsinn. Wie kommt man nur auf solche dümmlichen Vorsichtsmaßnahmen? Er sprach es nicht offen aus, denn man wusste nie, wo Nepochal überall seine Augen und Ohren hatte. Aber der Gedanke lastete schwer in seinem Schädel. Aber als Xanast dann einen Schlüssel hervor kramte um dieses „Bollwerk“ zu öffnen, musste Luzien unwillkürlich lachen.
Wann bekomme ich denn einen Schlüssel dafür?“ Er gluckste leise. „Eine so massive Tür und dann wird sie mit einem Schloss verriegelt? Ich meinte, man könnte den Schließbolzen mit einem einzigen, kräftigen Tritt zerbrechen. Aber Nepochal hat noch nie darüber nachgedacht, dass selbst in der stabilsten Rüstung eine einzige Lücke reicht um einem Pfeil durchzulassen.“
Kopfschüttelnd folgte Luzien seinem Zunftbruder in eine Art Atrium, in dem noch einige andere Justiziar sich aufhielten. Nachdem er sich die Gesichter aller Anwesenden angesehen hatte, kam er zu dem Schluss, niemanden grüßen zu müssen. Alle Krieger hier standen in der Rangordnung unter ihm und auch wenn er sie vor mehreren Stunden noch eben so herzhaft begrüßt hätte, wie er es bei Xanast getan hätte, so musste er nun an seinen Ruf denken.
Nur Jinua, die den Schriftverkehr des Ordensmeisters wie immer verwaltete, begrüßte er mit einem freundlichen Nicken. Nicht weil ihr Rang das von ihm verlangte – im Grunde war sie nicht einmal wirklich eine Justiziarin – aber er mochte ihre ernste, nüchterne Art. Als die Nachtelfe eröffnete, dass die beiden zum Anführer gehen durften, nickte Luzien erneut. Und wandte sich zu der einzigen anderen Tür. Mit einer Geste wies er seinen Begleiter zur Tür und achte klar, dass er ihm den Vortritt überließ. Daraufhin ergriff Xanast auch schon die Klinke des Portals und öffnete diese. Luzien hatte einen langen Weg hinter sich, um endlich hier stehen zu können und nun war er nur noch ein paar Schritte von seinem Ziel entfernt.

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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 8. Mai 2011, 23:31

Es war wirklich etwas banal, weshalb das Oberhaupt der Schattenkrieger einen Geheimgang anlegen und sogleich mit Fallen versehen ließ, war er doch verborgen genug und für Unwissende praktisch unsichtbar. Doch wenn man bedachte, dass es in dieser kritischen Zeit sicherer war, selbst die verborgensten Eingänge nochmals zusätzlich zu sichern, dann könnte man ruhig darüber hinwegsehen. Aber dafür sahen die Kosten für diesen ganzen Bau doch etwas anders aus... Luzien zumindest war der Meinung, dass es eine unnütze Investition gewesen war. Falls ein Eindringling gemeldet wurde, würden die hier stationierten Justiziare ihn schon in Gewahrsam nehmen.

Jinua, welche die ganzen Protokolle ordnete, war nicht wirklich eine voll ausgebildete Schattenkriegerin, schließlich beliefen sich ihre Tätigkeiten hauptsächlich „nur“ auf den anfallenden Papierkram, doch sie genoss schon einiges an Respekt. Immerhin war sie damit fast alleine, währen da nicht noch zwei Gehilfen, die ihr unterstützend zur Hand gingen, denn ansonsten wäre sie wohl vollkommen in den Papierlawinen erstickt. Sie war nun vollkommen zurück in ihre Arbeit versunken, schließlich kannten sich Xanast und Luzien hier wieder bestens aus, sodass sie ihrer Hilfe nicht mehr bedurften. Außerdem hatte sie ihnen ja schon gesagt, dass sie erwartet wurden.

Pass auf, Luzien. Nepochal ist momentan eher schlecht gelaunt und würde Provokation deinerseits mehr als missbilligen. Also versuch das am Besten so locker und so ruhig wie möglich über die Bühne zu bringen. Ich will nicht am Ende deine Überreste einsammeln müssen. Luzien würde diese Gesten sofort erkennen. Sein Zunftbruder teilte ihm erneut mit, dass er das Oberhaupt der Schattenkrieger nicht noch zusätzlich reizen sollte, da er Luziens provokante Äußerungen nur allzu gut kannte. Er selbst hatte einmal erlebt, wie Nepochal mit einem aufsässigen Bruder umgegangen war, der ihn wirklich bis zur Weißglut gereizt hatte. Damals hatte der Justiziar fast eine ganze Woche gebraucht, um das Blut von seiner Rüstung und seinen Stiefeln zu entfernen.
Der Grund dafür, warum er nicht in seiner Muttersprache, sondern in der Gebährdensprache geredet hatte, war folgender, dass er keine unerwünschten Zuhörer gebrauchen konnte. Nicht das am Ende etwas brisantes durchsickerte. Jinua war zwar vertrauensselig, doch bei den anderen wusste man nie. Die würden nur die reelle Chance wittern, Luzien zu verdrängen und seinen Platz einnehmen zu dürfen.

Doch noch war es nicht so weit. Sie durchschritten die Türe und betraten einen neuen Raum, in welchem eine seltsame und auch etwas beängstigende Atmosphäre vorherrschte. An den Wänden standen Regale, die meisten waren mit irgendwelchen Reagenzgläsern und Phiolen gefüllt, es gab aber auch welche, in denen Bücher untergebracht waren. Es waren sehr dicke Folianten mit Ledereinbänden, welche das gesammelte Wissen der Justiziare beinhaltete. Aber auch der Verhaltenskodex, sowie die Geschichte der Schattenkrieger war vorhanden.

Xanast steuerte auf den hinteren Teil des Raumes zu, in welchem ein großer Tisch aus Holz stand und an diesem Tisch saß.. Nepochal. Doch im Moment beachtete er die beiden Neuankömmlinge nicht, sondern besah sich die Pergamente in seinen Händen. Luzien würde sofort auffallen, dass es eben jene Schriftstücke waren, die er selbst zurückgeschickt hatte. Kurz blickte er auf, als sich die beiden Schattenkrieger ihm näherten. Er erkannte Luzien sofort, auch wenn er etwas andere Kleidung trug, sagte jedoch kein Wort. Der Anführer war in eine Rüstung gehüllt, welche nur noch entfernt Ähnlichkeit mit der normalen 'Arbeitskleidung' eines Schattenkriegers hatte. Schon allein daran konnte man seinen Status erkennen. Seine Augen schimmerten weiß, was einen unwissenden den Gedanken nahebrachte, dass er vollkommen blind sei, doch das war nur eine Illusion. Scharfsinn und Gerissenheit war in ihnen mehr als bemerkbar. Und gerissen war auch der Besitzer dieses Augenpaares.

Kurz bevor sie beide ihn erreicht hatten, trat eine andere Gestalt aus dem Zwielicht und stellte sich ihnen gegenüber. Es war Antares Draco, seines Zeichens rechte Hand Nepochals und damit de facto zweitmächtigster im Gefüge der Justiziare. Er trug wie alle Schattenkrieger eine dunkle Lederrüstung, welche jedoch mit eisernen Nieten noch verstärkt worden war. „Ihr kommt spät“, ließ er verlauten und man konnte an seiner Stimme klar und deutlich erkennen, dass er über irgendetwas aufgebracht war.
„Wir wurden nur etwas aufgehalten“, gab Xanast kurz und bündig zu Protokoll. Den Grund für ihr Zaudern nannte er aber nicht. Noch nicht. Antares antwortete nicht, sah jedoch prüfend zwischen Xanast und Luzien hin und her. Es war eine gewisse Spannung im Raum zu erspüren.

Dann jedoch erhob Nepochal das Wort. Und zwar direkt an Luzien: „Luzien. Aufgrund deiner Dokumente, die du schicken ließest, gehe ich stark davon aus, dass dein Auftrag gescheitert ist.“ Seine Stimme klang hart und kalt in den Ohren des Nachtelfen. Es würde sicherlich nicht wirklich überraschen, dass er bereits wusste, warum einer seiner besten Leute zurückgekehrt war. Man konnte es seinem Scharfsinn zuschreiben, jedoch war eine andere Version offensichtlicher: er hatte viele Spione und Spitzel, überall im Reich und auch außerhalb, welche ihm stets die neuesten Meldungen direkt zukommen ließen. So auch jetzt.
„Du weist, was ein Versagen nach sich zieht, nicht wahr? Normalerweise müsste ich dich jetzt hart bestrafen, doch da du schon immer einer unserer Besten warst, werde ich sie etwas mildern.“ Eine Strafe, welche Nepochal gerne mal verteilte war, einen Justiziar zu degradieren. Für Außenstehende wäre das nichts schlimmes, doch für einen Schattenkrieger, welcher ein halbes Leben um seinen Rang gekämpft hatte, war es fast schon schlimmer als der Tod. Außerdem wurden ihm die Sonderrechte entzogen, sodass er fast schon wieder auf der gleichen Stufe wie die Stadtwächter stand.

Xanast wollte unterstützend eingreifen und erklären, warum es so gekommen war, doch dies wurde vom Anführer mit einer scharfen Geste von vornherein unterbunden. Er würde sich von Seiten Xanasts keine Einmischung erlauben. Der Justiziar ballte darauf kaum merklich die Hände zu Fäusten, gehorchte aber. Er wollte sich nicht zur Zielscheibe von Nepochal machen. Alles was er konnte war, seinem Zunftbruder einen ermutigenden Blick zuzuwerfen. Stell bitte nichts dummes an.

Doch bevor Nepochal vollkommen entschied, was mit Luzien geschehen sollte, wollte er sich seine Version anhören. Vielleicht ließ er sich ja doch noch umstimmen.
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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Luzien » Freitag 20. Mai 2011, 14:36

Es war eine gewisse innere Überwindung vonnöten, um über die von Xanast geöffnete Türschwelle zu treten. Natürlich vollkommener Unfug, es war ein ganz normaler, kleiner Schritt und ganz gleich, wie man ihn auf der anderen Seite empfangen würde, er hatte schon schlimmeres durchgestanden. Trotzdem, Kopfsache blieb Kopfsache. Und genau darum musste Luzien auch die Augen schließen, bevor er durch die Pfote treten konnte. So betrat er das Heiligtum der Schattenkrieger, einen düsteren Raum, gehalten in einem unwirklichen Zwielicht. Er war drei Schritte gegangen, als auch schon wieder stehen blieb. Die Tür hatte sich wie von Geisterhand wieder selbst geschlossen und das spärliche Licht, dass aus dem Vorzimmer gedrungen war, ausgesperrt.
Nachdem sich Luzien kurz in der dunklen Kammer umgesehen und das Oberhaupt des Ordens entdeckt hatte, warf er Xanast einen kurzen Blick zu. Dann sank er aufs linke Knie hinab und stemmte beide Fäuste gegen den Boden. Den Blick gesengt atmete er einmal tief ein und sagte dann die Litanei der Justiziar auf. "Wir sind die Schatten von Manthala, die dunkle Gerechtigkeit des Reiches. Méntara Tronás Schild im Frieden, Schwert im Krieg und Dolch in der Nacht." Es kam keine Antwort, aber das war auch nicht vorgesehen. Es war eine art Ritual, mit der die Elite der Schattenkrieger ihre Verbundenheit zu ihrer Aufgabe und die Loyalität zur Anführerin des Reiches aufzeigten. Es war keine Pflicht an sich und viele Ordensmitglieder verzichteten nach ein paar Monaten darauf, aber Luzien hielt daran fest und sagte es jedes mal auf, wenn er vor Nepochal trat.
Als er mit diesen Versen geendet hatte, erhob sich der Nachtelf wieder und folgte seinem Kameraden bis zum anderen Ende des Raumes, wo der Älteste der Schattenkrieger hinter seinem Schreibtisch saß und irgendwelche Unterlagen durchsah. Von seiner Unsicherheit, die ihn fast darin gehindert hatte überhaupt einzutreten, war nun nichts mehr zu spüren oder auch nur anzusehen.
Aber dadurch, dass er seine Aufmerksamkeit nur auf seinen Vorgesetzten gerichtet hatte, bemerkte er die andere Gestalt nicht, die sich ihnen näherte. Und über ihren Anblick erfreute sich Luzien ganz und gar nicht. In die Prestigerüstung der Justiziar gehüllt, trat Antares Draco aus den Schatten und baute sich vor Luzien und Xanast auf. Sofort verengten sich Luziens Augen zu Schlitzen. Er verschränkte die Arme vor der Brust und machte noch einen Schritt weiter nach vorne. Einen Moment lang starrte er dem Stellvertreter der Justiziare direkt in die Augen, ehe er herabschätzend an seinem Gegenüber hinunter blickte. Er hatte vor gar nicht langer Zeit genau die selbe Rüstung besessen. Aber die dürfte nun irgendeinem glücklichen Finder im Armenviertel von Pelgar gehören.
Nein, er lies sich von Draco nicht einschüchtern. Luzien mochte den Schattenkrieger nicht und lies es kalt über sich ergehen, als der Widerling das Wort hob. Auf eine Antwort verzichtete er. Die Spannung zwischen den beiden war ohnehin seit langem gereizt. Mehr als einmal hatte Luzien bereits das vage Gefühl gehabt, Antares sah in ihm eine Art Bedrohung, was aber vollkommen lächerlich war. Er war glücklich damit, wie es im Augenblick war. Einen höheren Rang wollte er niemals einnehmen.
So lies Luzien seinen Konkurrenten einfach stehen und ging um ihn herum, um endlich vor Nepochal zum stehen zu kommen. Der Anführer der Jäger der Anführerin kam auch ohne große umschweife direkt zum Punkt. Ein Zug, den Luzien schon immer gemocht hatte. Der alte Nachtelf verschwendete keine Zeit damit, um den heißen Brei herum zu reden, sondern ging den klaren Sachverhalt sofort an. Als er geendet hatte, legte Luzien sich die rechte Hand auf Herzhöhe vor die Brust und verneigte sich leicht vor seinem Herren.
Der Elf musste nicht erst einen Blick zu Xanast werfen, um zu wissen, dass er sich bereits auf dünnem Eis befand und sich genau bewusst sein musste, was er da sagte. “Es tut mir leid Herr, aber ich habe versagt. Es gibt nichts, was das beschönigen könnte. Nepochal, Pelgar ist ein Kriegsfeld! Abertausende Dunkelelfen, Orks und anderer Abschaum belagerten die Stadt vor meinen Aufbruch und im inneren tobten bereits unzählige Kämpfe! Inzwischen dürfte die Stadt gefallen sein. Die Schenke, in der sich Sinitar zuletzt aufgehalten hatte, ist zerstört worden. Es war unmöglich, die Spur weiter zu verfolgen. Niemand interessiert sich für einen flüchtigen Nachtelfen, wenn das eigene Leben so sehr in Gefahr ist.“
Luzien hoffte inständig, dass er es mit seinen wenigen Worten geschafft hatte, deutlich zu machen, wie es in der Hauptstadt des Landes zugegangen war. Doch das war noch nicht der Punkt, an den er kommen wollte. Das Kredo der Justiziar erlaubte in drei Fällen, das Abbrechen eines Auftrages. Wenn das eigene Leben in Gefahr war, wenn andere, unschuldige Nachtelfen gefährdet wurden oder wenn man die Sicherheit des Reiches bedrohte. Leider würde sich seine Situation dadurch nicht wirklich verbessern. “ Aber ich hätte meinen Auftrag niemals so schnell abgebrochen, wenn das Kredo es nicht von mir verlangt hätte. Natürlich gab es in Pelgar keine Staatsbürger des Reiches und jeder, der mich kennt, weiß dass ich mein Leben geben würde, wenn es mir Erfolg bringen würde. Aber meine Aktion in diesem Kriegsgebiet hat, so fürchte ich, dass Reich in eine gewisse Misslage gebracht. Ich wurde gefangen genommen und mir wurden meine Unterlagen entwendet worden. Die Liste mit den gesuchten Nachtelfen, sowie das gesiegelte Dokument, dass mir im Namen der Schattenkrieger Vollmacht für die Bestrafung von Nachtelfen erteilte. Natürlich sind diese Texte verschlüsselt, doch ich fürchte, dass die dunkle Brut sie irgendwie entschlüsselt. Und was für einen Strick sie uns mit diesen Papieren drehen können, ist mir gänzlich unklar.“
Luzien ballte die Hände zu Fäusten und starrte voller Zorn an Nepochal vorbei und an die Wand hinter ihm. Je länger er erzählt hatte, desto stärker waren die Erinnerungen und Gefühle in ihm hochgestiegen, dieser Hass, den er auf den Dunkelelfenkommandanten fühlte, der ihn als Attentäter missbrauchen wollte. “Ich alleine verschulde dieses Unglück und ich bin bereit, jede Strafe anzutreten, die ihr für richtig erachtet, sei es nun ein Verstoß aus dem Orden oder der Tot. Aber ich bitte euch, gebt mir vorher die Gelegenheit, meinen Fehler wieder gut zu machen! Lasst mich meine Dokumente zurückholen. Danach bin ich für jede Strafe bereit!“

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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Gestalt » Montag 30. Mai 2011, 21:18

Nepochal hörte sich Luziens Erklärung schweigend an. Nur seine Rechte Hand schien etwas aufgebracht darüber zu sein. Ob es allerdings an Luzien oder der Tatsache, dass er von Dunkelelfen gefangen genommen worden war, oder am Ende beides lag, war nicht zu erkennen. Luzien mochte ihn nicht, genau so verhielt es sich umgekehrt. Die kalten Augen von Antares musterten den Justiziar eingehend. „Ein Schattenkrieger, der sich gefangen nehmen lässt. Was für eine Schande!“ Es war nur ein Flüstern, in Lerium gesprochen, aber laut genug, sodass es vor allem Luzien hören konnte. Neben diesem ballte Xanast beide Hände zu Fäusten. Er konnte diesen Drecksack auch nicht leiden. Überhaupt nicht. Nur seine hoch disziplinierte Ausbildung verhinderte gerade noch so, dass er nicht doch seine Waffen zog um ihn in seiner Position als rechte Hand zu beerben. Auch wenn er dann der nächste wäre, den es ereilen würde.

Nepochal selbst überging den Spott, gemahnte ihn aber mit einer Handbewegung, dass er nun besser schweigen sollte. Der Anführer hörte sich den Bericht bis zuletzt an, während er in Gedanken schon nach einer Lösung suchte, die für alle von Vorteil war. Er war zwar nicht mehr der jüngste, doch dank seines genialen Verstandes immer noch ein geachtetes, sowie gefürchtetes Mitglied der Nachtelfengesellschaft. Auch wenn ihn manchmal das Alter doch etwas einholte.
Dann jedoch erhob er seine Stimme. Wie immer klang sie so kalt wie Eis, doch wer mehrfach mit Nepochal zu tun hatte, der wusste, dass er meist immer so redete. „Nun denn, Luzien aus Nerus Sippe. Zwar ist der Verlust der Dokumente höchst unerfreulich, da es sich bei den Gesuchten um gefährliche Individuen handelt, aber die Dunkelelfen sind momentan ein weitaus größeres Problem. Schon jetzt greifen kleinere Spähtrupps unsere östlichen Grenzen an. Doch wie sich herausgestellt hatte, waren es unkoordinierte Angriffe, so als würden die einzelnen Gruppen miteinander konkurrieren und sich gegenseitig aufreiben. Nur dürfte es nicht lange dauern, bis sie das aufgeben und gemeinsam arbeiten.“ Es schwang auch ein kleiner Hauch an Sorge mit.

Sehr schlimme Kunde, doch so leicht war das Nachtelfenreich nicht zu erobern. Die spiralförmige Treppe erwies sich als zu schmal und zu unwegsam, als das man einen Rammbock an das Eisentor heran bringen könnte. Außerdem würden die Stadtwächter und die Schattenkrieger durch geschickte Ausfallmanöver die Planung des Feindes zunichte machen können. Sie waren hier in ihrer Heimat, da kannte man alle Schlupflöcher und jeden Schleichweg. Dummerweise waren die nur so lange sicher, wie keiner etwas ausplaudern würde. Und diese Gefahr bestand nun, da die Liste vom Luzien in die Hand der Dunkelelfen gefallen war. Bestimmt würden sie einen der 'Verräter' für sich gewinnen und ihnen so Zugang zum Reich gewähren lassen.

„Hm...du willst also deine Dokumente zurückholen, wie? Nun gut. Jedem steht eine zweite Chance zu, auch dir.“ Nepochals Stimme hatte einen fast schon versöhnlichen Ton angenommen, auch wenn man nach wie vor vorsichtig sein sollte. Seine rechte Hand jedoch protestierte lautstark. „Was? Ihr wollt ihm eine zweite Chance zugestehen? Man sollte ihn wegen Gefährdung des Reiches zur Rechenschaft ziehen!“ Der Anführer wandte sich sogleich in seine Richtung, sodass jede Art von Protest sofort erstarb. Kalt musterten seine schlohweißen Augen den Schattenkrieger. Auch wenn man es ihm nicht ansah, innerlich war er wirklich wütend auf Antares. „Ich sagte, jedem steht eine zweite Chance zu, so auch ihm. Was war an dieser Anweisung nicht zu verstehen? Du hast sicherlich noch selbst genug zu tun.“ Seine Stimme war ruhig, aber dennoch bedrohlich. „Ja, eure Eminenz. Verzeiht den Ausrutscher“, antwortete Antares patzig und drehte sich sogleich um, um aus dem Raum nach draußen zu gehen. Bevor er ihn jedoch verließ, sah er Luzien noch einmal an, direkt in die Augen. Purer Hass loderte in seinen eigenen Augen. Sein Blick sagte: 'glaube nur nicht, dass ich dich jetzt wieder als Teil unserer Zunft sehe. In meinen Augen bist du nichts anderes als ein Ausgestoßener.' Dann verschwand er. Was für ein 'netter' Zeitgenosse. Dagegen wirkte Xanast ja geradezu harmlos.

Nepochal erhob sich nun und damit galt die Unterredung als beendet. Er trat auf die beiden Schattenkrieger zu, welche sich bisher nicht von der Stelle gerührt hatten. „Nun, du weist ja schon, was dich erwartet. Schließlich warst du schon einmal in dieser Stadt der Menschen. Finde die Dokumente, am Besten noch vor den Dunkelelfen! Sie sind eminent wichtig! Und diesmal, enttäusche mich nicht!“ Er sah beide kurz an. „Und nun geh, auf das Recht geschehe!“ So viel dazu. Xanast verneigte sich ehrfürchtig und verließ zusammen mit Luzien schweigend den Raum des Anführers.

Dann, als sie die Türe geschlossen hatten, brach der Justiziar sein Schweigen, welches in Anwesenheit Nepochals von ihm Besitz ergriffen hatte. „Junge, Junge. War das eine Aufregung. Dunkelelfen. Hier! Da kommt noch jede Menge Arbeit auf uns Schattenkrieger zu. Aber diesem Antares, dem möchte ich am liebsten...“ Er vollendete den Satz nicht, man konnte sich sicherlich schon denken, was er gemeint hatte. Außerdem würde es mehr als komisch erscheinen, wenn er in Anwesenheit von Kollegen über Mordgedanken an einem Vorgesetzten sinnierte. Das konnte böse nach hinten losgehen.
Sein Blick schweifte kurz herum. Jinua war immer noch am Arbeiten, sehr löblich. Immerhin sorgte sie hier für einen gewissen Grad an Ordnung, auch wenn die Papierwoge allzu oft die Oberhand zu gewinnen versuchte.
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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Luzien » Donnerstag 16. Juni 2011, 14:32

Luzien hatte die Augen geschlossen und wartete Stumm auf das Urteil, dass man über ihn verhängen würde. Welch eine Ironie, dass einer der Kriegsrichter verurteilt werden musste. Dabei war es doch sonst Luzien selbst, der einen Richtspruch sprechen musste, wenn er jemanden gestellt hatte. Und häufig musste er dann auch das Urteil ausführen. Das Nepochal ihn nicht selber, eigenhändig töten würde, stand für ihn eigentlich fest. Für genau solche Aufgaben war Antares, dieser miese Stiefellecker da. Trotzdem wunderte sich Luzien, dass es eben jener war, der zuerst das Wort ergriff und nicht das Oberhaupt seines Ordens. Natürlich war es eine Beleidigung, die da von dem zweiten der Justiziar kam, was hatte man auch anderes erwarten können, doch Luzien lies es kalt. Solche Sprüche prallten an seiner harten Schale ab, ohne auch nur einen Kratzer zu hinterlassen. Bei dem heißblütigen Xanast hatten die erniedrigenden Einflüsterungen von Antares allerdings mehr Wirkung. Kameradschaftlich und beruhigend legte Luzien kurz seine rechte Hand auf die linke Schulter seines Begleiters. Sicher, Xanast war diszipliniert und er würde wohl kaum einen so dummen Fehler begehen, wie einen hochrangigen Schattenkrieger vor den Augen eines noch mächtigeren zu ermorden. Aber es schadete sicher auch nicht, wenn er seinem Freund mit dieser kurzen Geste zeigte, das der Hundsfott es nicht wert war.
Es dauerte eine ganze Weile, bis der Oberste der Justiziar zu einem Ergebnis gekommen war. In einem stimmte Luzien mit Nepochal überein, die Dunkelelfen standen kurz vor einem weiteren Kriegszug nach westen und waren gewiss eine viel größere Gefahr, als aus dem Verlust seiner Dokumente entstehen konnte. Und wenn man ihn fragen würde, so hätte Luzien gewiss seine schwarze Justiziar-Rüstung gegen die silberne eines Hauptmanns eingetauscht, um mit den Truppen gegen den Feind zu ziehen. Doch einen Fehler auszumerzen, den man selbst verursacht hatte, war wichtiger als die eigenen Wünsche und der eigene Stolz. Und letztlich gewährte Nepochal Luzien auch seine Bitte. “Ich werde euch gewiss kein zweites mal enttäuschen Herr. Recht wird gesprochen und recht wird geschehen, wie es der Wunsch des Reiches ist!“
Da er und Xanast offiziell von Nepochal entlassen worden waren, verbeugte sich der Justiziar noch einmal tief und machte dann auf dem Absatz kehrt. Antares, der ganz wehelend gegen eine zweite Chance für ihn war, wurde von Luzien keines weiteren Blickes gewürdigt. Es war nicht das erste mal, dass er sich wünschte, den großmäuligen Nachtelfen zu erschlagen, aber vielleicht war es ja das letzte mal. Stumm verließen die beiden Jäger die finstere Kammer des Obersten.
Es war auch Xanast, der das Wort ergriff, als die massive Tür hinter ihnen ins schloss fiel. Aber das was er sagte, konnte Luzien nur belächeln. “Mach dir nicht so viele Gedanken wegen Antares. Du bist der bessere Elf, begib dich nicht auf sein Niveau herab.“ Freundschaftlich legte er seinem Kameraden den Arm um die Schulterund lotste ihn in Richtung des Haupteingangs. Er brauchte Zeit zum nachdenken und daher bevorzugte er den richtigen Heimweg, durch die unterirdische Kaserne.
“Wie stehen die Chancen, dass du in eine belagerte Stadt eindringst, die von dem blutrünstigsten Volk ganz Celcias regiert wird und dort einen bestimmten Kommandanten findest, um ihm ein Dokument zu entwenden? Und wie hoch stehen die Chancen, dass du das ganze auch noch überlebst?“ Langsam schüttelte er den Kopf und stemmte mit einem Arm das Stahltor auf, dass in den offiziellen Bereich der Kaserne führte. “Ich werde das alleine nicht schaffen. Aber ich will niemanden wegen meiner Dummheit in Gefahr bringen! Sag mir Xanast, was würdest du an meiner Stelle tun?“

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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Gestalt » Montag 4. Juli 2011, 12:50

Die Mission war klar, doch der Ausgang blieb vollkommen offen. Es war nicht alltäglich, dass man sich in eine Stadt begab, in der es vor feindlichen Streitkräften nur so wimmelte. Auch Pelgar war jetzt keine Ausnahme mehr, es fiel unter den unbeirrten Angriffen der Dunkelelfen. Doch diese Stadt war nur eine von vielen, welche erobert werden würde. Nicht mehr lange und die dunklen Völker würden sich wohl gen Westen wenden, um noch die anderen Länder unter ihre Herrschaft zu bringen. Und dann wäre selbst das Reich der Nachtelfen im Fokus der Bedrohung.

Doch diese Tatsachen waren nun eben nebensächlich, Luzien hatte den Auftrag bekommen, seine wertvollen Papiere zu bergen, bevor sie entschlüsselt werden konnten. Die Zeit drängte. Auch wenn sich Herendia kaum merklich vom dunkelelfischen Lerium unterschied, waren in ersterer Sprache mehrere Floskeln und Umschreibungen untergebracht. Und jemand, der nicht mit der Nachtelfensprache aufgewachsen war, würde sich damit etwas schwer tun. Doch auch wenn jemand die Sprache des unterirdischen Reichs sprach, würde er erst den komplexen Kode, mit dem jeder Justiziar seine persönliche 'Jagdliste' verschlüsselt hatte. Und den würde kaum jemand anderes als ein Schattenkrieger entziffern können.

Xanast nickte, als Luzien ihn dazu gemahnte, sich nicht von seinem Zorn leiten zu lassen. „Du hast Recht. Trotzdem, er geht einem auf die Nerven.“ Er versuchte sich abzuregen, was aber alles andere als leicht war, denn Antares war wirklich ein Drecksack, wie er im Buche stand. Er hatte seinen hohen Rang nur, weil er auf niemanden Rücksicht nahm. Oft kam es vor, dass er selbst seine eigenen Leute seinen eigenen Zielen opferte. Und dagegen war selbst der als bösartig verschrieene Xanast harmlos. Auch wenn es ab und zu doch einige Parallelen gab...

Sie verließen den versteckten Bereich der Justiziare und gingen durch die Kaserne. Hier und da eilten Soldaten herum, Offiziere bellten Befehle. Anscheinend bereitete man sich schon mal auf einen möglichen Angriff vor. Auch wenn es noch etwas unkoordiniert vonstatten ging. Was nur allzu verständlich war, denn die gesamte Verteidigung des Reiches musste nun komplett umgestellt werden. Jeder geheime Ausgang, welcher in den Wald führte und vor allem von den Spionen genutzt wurden, wurde nun von innen mit einigen Soldaten überwacht, um zu verhindern, dass feindliche Agenten eindringen konnten. „Meiner Meinung nach, gibt es hier zu viele dieser Nebeneingänge, ist mir zu unsicher, wenn einer entdeckt werden würde. Aber die Beschlüsse des Oberkommandos muss man halt hinnehmen wie sie sind.“ Er seufzte leise.

Sollte es zu einem Angriff von Seiten der dunklen Völker kommen, wären die Nachtelfen in der Rolle der Verteidiger enorm im Vorteil. Die Wendeltreppe zum Eingang war unpassierbar für mehrere Feinde gleichzeitig, auch verhinderte sie, dass man mit Rammböcken zum Tor gelangen konnte. Außerdem kannten sie sich in den Wäldern aus, ein weiterer Pluspunkt. Damit konnte immer und überall ein Hinterhalt auf arglose Gegner lauern und sie dezimieren, bevor sie überhaupt die Lichter des Gasthofes zu Gesicht bekommen würden.

“Wie stehen die Chancen, dass du in eine belagerte Stadt eindringst, die von dem blutrünstigsten Volk ganz Celcias regiert wird und dort einen bestimmten Kommandanten findest, um ihm ein Dokument zu entwenden? Und wie hoch stehen die Chancen, dass du das ganze auch noch überlebst?“ Das gab Xanast zu denken. Er war nie wirklich in einer der Menschenstädte gewesen, außer, wenn er auf Jagd gewesen war. Was Luzien da vortrug, hatte Hand und Fuß, die Chancen, dieses Himmelfahrtskommando unverletzt zu überstehen, waren sehr gering. „Ich würde sagen, die Chancen, dass man da unversehrt wieder raus kommt, liegen vielleicht bei zwei oder drei Prozent. Und das ist in so einer Sachlage überhaupt nicht viel.“ Außerdem brauchte man dazu eine ordentliche Portion Glück, denn so einen Kommandanten würde man erst nach einer langwierigen Suche aufspüren können. Es war wie die klassische Suche einer Nadel in einem riesigen Heuhaufen. Die liefen ja nicht auf offener Straße herum. Sie würden in ihren Residenzen bleiben, während niedere Diener ihre Erledigungen tätigten. Wieder ein Beweis dafür, dass Dunkelelfen dekadent und überheblich waren. Selbst dann noch, wenn man ihr Leben beendete.

“Ich werde das alleine nicht schaffen. Aber ich will niemanden wegen meiner Dummheit in Gefahr bringen! Sag mir Xanast, was würdest du an meiner Stelle tun?“ Er klang verzweifelt, auch wenn er es zu überdecken versuchte. Aber er wusste es schon von vornherein: ganz alleine würde er bestimmt scheitern. Das musste er sich eingestehen. Er war zwar einer der Besten seiner Zunft, doch auch der beste Kämpfer konnte nicht alles bewältigen. Er war nicht unsterblich. Auch er würde irgendwann seinen Meister finden.

Sein Gegenüber überlegte kurz, dann sah er ihn an. „Wenn du Hilfe brauchst, dann kannst du auf mich zählen. Sollte deine Mission durch mein Leben oder meinen Tod zum Erfolg führen, werde ich es tun. Glaube mir, ich fürchte dieses Pack nicht! Sie mögen mir meine Geschwister genommen haben, aber bei Manthala, mich bekommen sie nicht!“ Er würde ihm beistehen, es war einfach eine Frage der Berufsehre. Schließlich stand Luzien in seiner Schuld. „Mal schauen, vielleicht kann uns die Kleine, die wir auf gegabelt haben, noch irgendwie nützlich sein. Immerhin schuldet sie uns so einiges.“
Er grinste vergnügt und hatte auch schon konkrete Vorstellungen, welche Rolle Raye in der Geschichte zu spielen hatte. Und wenn sie sich nicht darauf einlassen wollte? Dann würde er sie eben zwingen. Ihr Widerspruch wäre ihm egal. Schließlich war es zum Wohle des Reiches und da sie auch eine Bürgerin eben jenes Reiches war, war es ihre verdammte Bürgerpflicht, Schaden davon abzuwenden.

Die Kaserne hatten sie schnell hinter sich gelassen, denn allzu groß war sie ja nicht. Sie gingen die Hauptstraße entlang, immer in Richtung Haupttor. Bevor sie sich auf die lange Reise nach Pelgar einlassen wollten, wäre es wichtig, sich nochmals auszuruhen und sich dementsprechend vorzubereiten.
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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Luzien » Mittwoch 6. Juli 2011, 16:23

“Nein, zwei bis drei Prozent sind wirklich nicht viel. Darum plane ich auch gar nicht in diesem Versmaß,“ kommentierte Luzien die Überlegungen des anderen Nachtelfen und nickte ihm bestätigend zu. Er selbst hätte seine Chancen auf vielleicht 5% geschätzt, aber das machte kaum einen großen unterschied. Luzien hatte immerhin den Vorteil, sich in Pelgar auszukennen, oder zumindest zielsicher an bestimmte Orte zu kommen, wenn er über die Dächer gehen konnte. Außerdem verstand er etwas von der Militärlogik der Dunkelelfen, oder dachte es zumindest. Wie richtig Luzien mit seinen Gedankenspielen am Ende war, würde sich zeigen. “Reduzieren wir das ganze jedoch um das Lebend wieder nach hause kommen, steigen meine Chancen auf gut ein drittel,“ fügte er in einem Anflug von Galgenhumor hinzu und grinste schwach.
Dieses Lächeln verschwand allerdings sofort, als Xanast seinem Zunftbruder das Angebot unterbreitete, ihn durch sein Leben oder seinen Tod zu unterstützen. Luzien schlug dem Jüngeren kameradschaftlich gegen die Schulter, doch das ganze hatte einen mehr als nur bitteren Nachgeschmack. Das wäre ja die Krönung, wenn er den Auftrag zur Zufriedenheit des Obersten erfüllte und dafür keinen geringeren Preis als das Leben seines Freundes bezahlte. “Ich nehme dein Angebot dankend an Xanast. Aber vertrau mir, do solltest die Dunkelelfen fürchten! Furch kann ein guter verbündeter sein. Sie kann dich am Leben halten. Das du da lebend wieder raus kommst, ist mir weitaus wichtiger, als die Schriftrollen zu erbeuten!“ Luzien ballte die Hände zu Fäusten und seine Stimme hatte einen so festen Nachdruck, wie es nur wenige der obersten Befehlshaber der Nachtelfenarmee sonst hin bekamen. Schließlich ging es ihm ja darum, eben niemanden wegen seiner Unfähigkeit in den Tod zu führen. Aber alleine würde er kaum erfolg haben. Es war ein Teufelskreis und so wie es aussah, gab es für ihn nur einen weg, diesen zu durchbrechen.
Hilfreich war da die Erinnerung an die gefangene Dunkelelfe. Er hatte sie bis jetzt schon fast wieder vergessen, zuviel anderes war wichtiger gewesen. In seinem Kopf begann sich der Grundriss eines Planes zu bilden. Eines tollkühnen Planes, aber er war weitaus besser, als alles was ihm sonst bisher eingefallen war. “Du und ich, dass sind schon mal zwei. Und mit der Dunkelelfe wären es drei. Ich denke, ich werde auch Arinna fragen, ob sie uns begleitet. Eine Heilerin schadet niemals. Vier Mann. Das klingt doch ganz gut.“
Noch einmal schlug Luzien seinem Kameraden gegen die Rücken und grinste, dieses mal jedoch, weil er nun auf mehr, als nur Erfolg zu hoffen wagte. Sie hatten den Rand der Kaserne erreicht. Er drehte sich herum und betrachtete das gewaltige Ausbildungslager. Das größte Gebäude der Stadt, größer sogar als Mentaras Anwesen. Fast ein drittel seines Lebens hatte er hier verbracht und gelernt sich zu verteidigen, anzugreifen und wenn nötig zu töten. Sein Blick fiel auf eine Treppe, die seitlich am Hauptgebäude in die tiefsten tiefen führte. Direkt in den Kerker der Kaserne. “Sag mal Xanast … haben wir eigentlich ein paar hochrangige Dunkelelfen gefangen genommen? Weibliche?“ Seine Augen waren zu schlitzen verengt, als er den Abstieg betrachtete und seine Lippen waren zu einem dreckigen grinsen verzogen. Ein bösartiges Mienenspiel, auf das viele der Schwarzhäute neidisch gewesen wären.
“Ich denke, wir sollten einen kleinen Abstecher nach dort unten machen und unsere braven Raye-Lin eine neue Identität verschaffen. Wäre sie nicht als böse Dunkelelfenkommandantin wesentlich glücklicher?“ Soweit Luzien wusste, hatten die Schwarzhäute häufiger Nachtelfen als Söldner in ihren Reihen. Meistens waren dies Verräter und Verbannte des Reiches. Aber die Dunkelelfen nahmen sie gerne auf, denn in Nachteinsätzen war sein Volk besonders effizient. Wenn nun eine Kommandantin mit drei Söldnern nach Pelgar kommt, würde es viel leichter sein, in die Stadt zu kommen, als wenn die Gruppe versuchte, sich einen Weg durch die Kanalisation oder über die mauer zu suchen. Zumindest sah sein Plan es so vor ...

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Re: Überbringung schlechter Nachrichten

Beitrag von Gestalt » Montag 11. Juli 2011, 21:17

Xanast wiegte leicht den Kopf, dann nickte er zustimmend. Es war unklug, das eigene Leben einem Dokument unterzuordnen. „Du hast recht. Ich sollte aufhören, in diesem Muster zu denken und zu handeln.“ Er grinste leicht. Dann jedoch wurde seine Mimik ernst. Pelgar war ein hartes Pflaster, schon immer gewesen. Jeder, der kein Einwohner der Stadt war, wurde misstrauisch beäugt. Doch jetzt, da die Dunkelelfen dort herrschten, war es womöglich noch schlimmer: Menschen wurden versklavt und geknechtet, Waldelfen wurden gejagt und hingerichtet. Dunkelelfen, Pah! Egozentrisches und egoistisches Volk... Ich hasse sie! Noch immer brannte eine riesige Wut auf jene, die seine Geschwister ermordet hatten. Die lagen zwar schon zwei Schritt unter der Erde, aber noch immer war da dieser Schmerz in ihm, welcher ihm keine Ruhe ließ.

„Gut. Arinna dabei zu haben, ist immer eine gute Sache. Sie ist eine der besten Heilerinnen, die ich kenne. Und was die Kleine angeht, nun, für die finden wir auch noch was passendes.“ Sie gingen weiter, bis sie am Zugang zu den Kerkerräumen angekommen waren. Überrascht hob der Schattenkrieger eine Augenbraue an. Doch Luzien erklärte, dass sie womöglich eine Rolle für die junge Dunkelelfe gefunden hatten. Die Rolle als Kommandantin einer kleinen Söldnergruppe hörte sich in seinen Ohren gut an, jedoch hatte er noch etwas anzumerken. „Hm. Klingt gut, aber da gibt es einen deftigen Haken: von ihrer Statur her reicht sie nicht an eine kampferprobte Dunkelelfe heran, die ihr Leben dem Krieg gewidmet hat. Außerdem verhält sie sich nicht wie eine, dazu finde ich sie zu harmlos. Aber gut, ich schaue mal, was sich machen lässt. Bis gleich.“ Dann verschwand er durch die Tür, die zu den Zellen führte.

Keine fünf Minuten später kam der Justiziar wieder heraus, in den Armen hielt er eine geschwärzte Plattenpanzerrüstung. „Auch wenn ich kein gutes Gefühl bei der Sache habe, werden wir es wagen müssen. Ich sehe sonst auch keinen anderen Weg, in die Stadt rein zu kommen, ohne gleich die ganze Dunkle Armee im Nacken zu haben.“ Er deutete Auf die Rüstung. Sie gehörte eindeutig einer weiblichen Person. „Ihre neue Identität lautet Marleza Schattenfang. Vielleicht kann sie die Rolle ja perfekt spielen und uns sicher in die Stadt lotsen. Aber ich weiß nicht, ob ich mich an die Rolle als Söldner gewöhnen könnte.“ Noch traute er der Dunklen nicht vollkommen, hatte er sich vorher doch nur abfällig über sie geäußert, doch er hoffte, dass sie ihre Pflicht als Bürgerin des Reiches erfüllte.
Mit einem Blick auf seinen Zunftbruder nickte er in Richtung des Kasernenausganges. „Gehen wir.“ Dann verließen sie die Kaserne. Xanast war nicht mehr ganz so schnell wie Luzien, da er die Rüstungsteile tragen musste. Es war bester morgerianischer Stahl. Stark und fast undurchdringlich.

Sie folgten der Straße direkt zum Haupttor. Die Wache, welche sie auch schon hereingelassen, sprang hastig auf und öffnete brav das Tor. So ist's fein. Grinste Xanast in sich hinein. Die Wache zeigte Gehorsam, besonders wenn es Justiziare waren, die ihm entgegen kamen. Dann traten sie hindurch, die Wache schloss das Tor und sie erklommen die Treppe nach oben.

[Ab sofort spielst du wieder mit Raye zusammen ;) Viel Spaß]

[Weiter in: Der Wald Arus – Rückkehr in die Heimat.]
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