Auf nach Unbekannt

Das Grasland macht seinem Namen alle Ehre. Weite Wiesen, geziert von Blumen, Sträuchern und Bäumen. Ein Beben hinterließ eine große Narbe in der schönen Ebene, eine große Schlucht, begehbar über eine dunkle Brücke
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Dienstag 14. September 2021, 11:23

Hätten sie es wirklich nicht zusammen bis hierher geschafft, wenn sie ihn nicht dermaßen gekränkt hätte? Oder verfolgte er mindestens ein Ziel, für das ihr Überleben notwendig war? Oder würde er sie schlichtweg solange in seiner Nähe dulden, wie es ihm persönlich gefiel und nur deswegen?
Möglich war so vieles bei ihm und ihn danach zu fragen... hätte das denn einen Sinn, selbst jetzt, nachdem sie erfahren hatte, dass er sie in den letzten Tagen gepflegt hatte? Sollte sie es überhaupt versuchen oder wäre das von vornherein ein sinnloses Unterfangen?
Jedenfalls war nicht er es, der sich um sie kümmerte, als sie in ihrem Lager für diese Nacht wieder zu sich kam, sondern die Waldelfe. Diese lächelte nachsichtig bei der Ablehnung ihrer Hilfe, obwohl in ihrem Blick durchaus ein gewisses Blitzen zu erkennen war, das deutlich zeigte, dass sie am liebsten die Augen verdreht hätte. Doch sie blieb ruhig und freundlich und nickte, scheinbar verstehend.
"Deine Zeichen würden auch nicht verschwinden, dazu sind sie zu deutlich. Aber warum willst du dich selbst mehr quälen damit als notwendig ist?", gab sie leise und dennoch unmissverständlich zu verstehen, dass es ihr als Heilerin widerstrebte, diese Meinung einfach als gegeben anzunehmen.
Ganz so, als hätte sie zumindest ein solches Gespräch schon einmal in dieser Art geführt. Was wiederum die Gedanken zu einer speziellen Narbe an einem speziellen Körper eines noch spezielleren Charakters lenken mochte. Oder auch nicht...
Schließlich gab die Spionin, teilweise, nach und in Lauryns Augen funkelte einen kurzen Moment lang ehrlich empfundener, freudiger Triumph auf, ehe sie lächelnd ein Nicken andeutete. Daraufhin kümmerte sie sich darum, dass die andere tatsächlich in eine sitzende Position gelangen und sich dabei auch weiterhin bedecken konnte.
Dass sich diese von dem Schatten ablenken ließ, obwohl er ausnahmsweise einmal keine Schuld daran trug, bemerkte die Elfe und beobachtete ihrerseits mit einem wissenden Blick. Bis eine Frage sie verwirrt blinzeln ließ, weil sie dem Gedankengang nicht ganz folgen konnte. "Wie kam es zu was?", erwiderte sie ehrlich ahnungslos.
Wenig später sah sich die Verletzte weiter um und sie konnte sich eine Bemerkung nicht verkneifen, so leise sie auch war. Dieses Mal verstand sie jedoch die Frage und zuckte mit den Schultern. "Na ja, er ist eben merkwürdig. Er sagt nichts, tut nichts und starrt Laogh immer nur an, als male er sich aus, wie er ihm jeden einzelnen Knochen im Leib brechen wird. Wenn er sich nicht auch um ihn kümmern würde, wäre er wahrscheinlich schon geschwächt vor lauter Durst und Hunger... und unser Wagen nur noch stinkendes Holz auf Rädern.", fasste sie die Ereignisse der letzten Tage zusammen und offenbarte damit unbewusst, dass der Schatten sich nicht ausschließlich auf die Bewusstlose konzentriert hatte.
Und dass dieser Gefangene wohl etwas Besonderes sein musste, sowohl von seinem Verhalten her, als auch wegen seiner Behandlung. Irgendetwas musste an ihm sein, dass er weiterleben sollte. Allerdings machte Lauryn nicht den Eindruck, als wisse sie um die Beweggründe des Meisterspions. Natürlich nicht, wer tat das schließlich schon?
Umso lieber war es ihr, dass sie das Thema wechseln konnten, auch wenn die Mischlingselfe alles herunter spielte. Ein feines, wissendes Lächeln kräuselte ihre Lippen daraufhin und als sie sich erhob, um eine Schale Brühe zu holen, meinte sie leise und dennoch hörbar für die andere:"Wenn es nur eine Zweckgemeinschaft wäre, warum hat er dir schon aus Pelgar raus geholfen und dich nicht den Soldaten überlassen?"
Ohne sich umzudrehen, ging sie zu dem kleinen Kessel und schöpfte die dampfende, stärkende Flüssigkeit in eine kleine Schale. Bei der Reaktion darauf musste sie einfach kichern und zeigte sich von ihrer kindlichen Seite. Bei dem Lob biss sie sich auf die Unterlippe und murmelte:"Nur wie bleibt mein Geheimnis!" Wenngleich ihre sich rötenden Wangen einen Anhaltspunkt zu geben vermochten, obwohl sie hastig den Blick abwandte und so tat, als müsse sie die Decke, auf der sie sich befanden, zurecht zupfen.
Was hatte Laogh dieses Mal angestellt?!

Wenig später erhielt ihr Reittier die Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, dass sie wieder lebte und ihn nicht völlig vergessen hatte. Obwohl er recht ruhig und ausgeglichen wirkte, stupste er sie mehrmals mit seinem weichen Maul an und wollte offensichtlich einen Leckerbissen von ihr, den sie nicht dabei hatte.
Ob er sich das beim Schatten auch getraut hatte? Oder hatte dieser von sich aus mit Bestechung agiert? Zuzutrauen wäre ihm beides nach dem, was sie vorhin bei Draca hatte beobachten können...
Schließlich war sie fertig mit ihrem kleinen Stelldichein mit ihrem Pferd und wandte sich ab. Dass sie dabei auf den Gefangenen zusteuerte, entging seinem Wärter nicht und dieser richtete es so ein, dass sie sich zuerst mit ihm abgeben musste. Als hätte es kein Zerwürfnis und keine Pflege zwischen ihnen gegeben, sah er sie spöttisch an und begann schon wieder damit, sie zu necken.
Ihre Erwiderung lockte seine Augenbraue in die Höhe und er beugte sich etwas zu ihr herab, als wolle er ihr direkter in die Augen sehen können. Das feine, spöttische und zugleich wissende Grinsen klebte, wie üblich, in seinem Mundwinkel."Du meinst, nachdem ich mich aufopfernd um die gekümmert habe, widmest du dich lieber anderen, als dich bei mir zu bedanken.", konterte er mit seinem speziellen, Schauer erzeugenden Timbre und hielt die sich aufbauende Spannung zwischen ihnen noch einen bedeutungsvollen Moment lang aufrecht.
Dann richtete er sich wieder auf und sein Grinsen wurde ein Spur breiter. "Aber ich verstehe schon. Solange du nicht vollständig im Besitz deiner Kräfte bist, musst du dich schonen und kannst mir noch nicht angemessen danken. Ja, ja, sonst wärst du nur wieder zu... hm... wie hast du es genannt? Zu müde, um dich mit meinen umwerfenden Qualitäten messen zu können."
Ja, er war ganz eindeutig wieder der Alte und zeigte ihr jene Maske, an die sie sich am meisten schon gewöhnt hatte. Oder steckte mehr dahinter? Entsprach diese schlichtweg noch am ehesten seinem echten, gut verborgenen Wesen? Oder wollte er nur testen, wie weit er sie schon wieder herausfordern konnte, um sie im nächsten Atemzug erneut verwirren oder sonst wie vor den Kopf stoßen zu können?
Jedenfalls hielt er sie trotz allem nicht davon ab, sich dem Wägelchen endgültig zu nähern. Der Gefangene starrte nur finster vor sich hin und zuckte mit keiner Wimper, als sie ihn ansprach. Der Dunkelelf indes baute sich hinter ihr, ganz seinem Spitznamen verpflichtet, wie ein beschützender Schatten auf, verschränkte die Arme vor der Brust und behielt seine leicht spöttische Maske bei.
Nichts verriet, was er tatsächlich dachte oder wie er die Situation lieber gehändelt hätte. Ja, nicht einmal ein klitzekleines Zucken war ihm anzumerken, das offenbart hätte, ob er sich unwohl dabei fühlte, dass sie jemanden über ihn ausfragen könnte.
Wobei diese Möglichkeit vermutlich gar nicht bestand, so stoisch, wie sie von dem Gefangenen ignoriert wurde. Oder würde sie doch irgendwie Zugang zu ihm finden können? Schließlich war er ebenso offensichtlich ein Mischling wie sie, das könnte ein Anknüpfungspunkt sein... zumindest theoretisch.
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Samstag 18. September 2021, 23:29

Eleyna war davon überzeugt, dass sie schlicht und ergreifend in eine Verkettung von Umständen geraten war. Sie nahm bei weitem nicht an, dass der Schatten einen Plan verfolgte, der sie einschloss. Jedenfalls nicht von vornherein. Sie selbst hatte um die Versetzung nach Pelgar gebeten und sie war es auch, die den Entschluss gefasst hatte, Arrond zu suchen. Dass der Meisterspion sie unter die Lupe nahm, damit rechnete sie, dass er allerdings echte Verwendung für sie hätte, bezweifelte sie. Eleyna war nicht überrascht gewesen, als Laogh sie nach ihrer Mutter fragte. Und dass sie von einem Andunier abstammte, der bei einem Feuer ums Leben gekommen war, war auch kein Geheimnis und ihre ganz persönliche Wahrheit. Sie zweifelte nicht an ihrem Leben und wie es dazu gekommen war, dass sie war wer sie war. Erkundigungen über jemanden einzuholen, der sich in den Dunstkreis Höherrangiger versetzen ließ, war normal. Pläne mit ihr deshalb zu haben, die nicht aus den Umständen geboren waren, wäre doch zumindest in ihrer Welt abwegig. Sie war nie schlecht in dem gewesen, was sie tat. Aber auch nicht sonderlich herausragend. Ganz anders, als ihre Mutter. Und eben diese Umstände waren es, die Eleyna nicht vergessen wollte. Sie wollte nicht vergessen, wie man ihr hin und wieder das Mischlingsdasein austreiben wollte. Wie man sie in Sarma folterte über Wochen und Monate hinweg. Wie man sie behandelte, als sie wiederkam. Was ihre eigene Mutter tat. Ein mildes Lächeln stahl sich auf die Züge der Halbelfe, als Lauryn nicht anders konnte, als ihre Beweggründe zu hinterfragen. Eleyna hob die Schultern an. „Es ist wie ein Mahnmal, das man bei sich trägt. Wenn es ziept und brennt, dann weiß ich warum und sollte ich jemals vergessen, wo mein Weg hingeht… erinnert es mich daran.“, gab sie preis und wandte den Blick ab. Das Thema war sehr persönlich und sie konnte nachvollziehen, dass Lauryn nicht verstand. Vielleicht hielt sie sie auch für übertrieben, aber Eleyna brauchte das. Sie musste sich stets daran erinnern, woher sie kam, um nie zu vergessen, wohin sie wollte. Nachdenklich bedachte sie Laogh mit einem Blick und ihr entging die eingehende Musterung der Anderen. Trotzdem lenkte Elwyna halbwegs ein, denn sie wollte Lauryn auch keineswegs damit belasten, wofür sie sich entschieden hatte. Sie hatte ihren Weg, Eleyna ihren eigenen. Akzeptanz oder gar Verständnis wollte sie damit jedenfalls nicht erreichen, denn wer sollte nachvollziehen können, was sie zu dieser Entscheidung brachte, wenn doch jede Geschichte anders war?

Die Mischlingselfe lenkte das Thema auf etwas anderes und schmunzelte bei der Gegenfrage der Waldelfe. „Ich meine, wie ist es dazu gekommen, dass er mich gepflegt hat und nicht du?“, präzisierte sie. Die gemurmelten Worte bezüglich des Gefangenen, nahm Eleyna zum Anlass noch mal nachzuhaken und nickte verstehend, als Lauryn etwas ausführlicher wurde. „Woher sie sich kennen, weißt du aber nicht?“, murmelte sie gedankenverloren, auch wenn sie bewusst die Frage danach stellte und sich fragte, wie das alles zusammenpasste. Ihre Überlegungen wurden von etwas gestört, dass sie in diesem Fall nur schwerlich beeinflussen konnte: Hunger.
Er wurde mit einem Mal beinahe übermenschlich und so schaffte sie es nicht, ihn zu ignorieren. Die Worte der Elfe während sie ihr die Brühe brachte, ließen Eleyna schnauben. „Das ist doch kein Beweis dafür, dass es keine Zweckgemeinschaft ist. Er könnte durchaus einen Grund gehabt haben, mir zu helfen. Ich bin mir sogar sicher, dass er einen Grund hat. Aber das bedeutet doch in keiner Weise, dass ich nicht bloß einem Zweck, seinem Zweck diene. Sobald dieser erfüllt ist wird sich zeigen wie weit es mit der Nächstenliebe her ist.“ Erwiderte sie und nahm die dampfende Schüssel, bevor sie noch anfügte: „Was völlig legitim ist. Sagt ja keiner, dass es andersherum nicht genauso gut sein kann.“, offenbarte sie und widmete sich danach ihrer Suppe.
Eleyna ging und würde nicht davon ausgehen, dass es sich bei dieser Reise um etwas anderes handelte, als eine Gemeinschaft, die aufgrund verschiedenster Beweggründe zusammenfand. Sie bezweifelte nicht, dass nicht jeder hier sein eigenes Süppchen kochte. So naiv war sie nicht. Nachdem sie die Suppe gegessen und Lauryns kindliches Gekicher mit einem taxierenden Blick quittiert hatte, nutzte die Spionin ihre neugewonnene Kraft, um sich zu erheben und ließ sich von der anderen helfen, bevor sie nach einer kurzen Stippvisite beim Rappen, endlich ihr eigentliches Ziel ansteuerte.

Kurz bevor sie den Gefangenen ansprechen konnte, trat ihr der Schatten in den Weg und ließ sie innehalten. Sofort legte sich ein gewisser Ausdruck auf ihr Gesicht der irgendwo zwischen Vorsicht und einem leichten Lächeln verhaftet blieb. Seine Worte lösten ihre Lippen und sie lächelte Zähne zeigend. Ihre Antwort kam deutlich kräftiger, als noch vor einigen Stunden und deutete ihren wiederkehrenden Biss an. Auch seine Antwort konnte nichts daran ändern, außer dass ihr Lächeln breiter wurde und sie die Decke etwas mehr um sich zog. „Was denn? Hast du etwa Sorge, dass ich deine Mühen vergessen könnte?“, schnurrte sie, während sie sich etwas vorlehnte, als er ihr entgegen kam. Eleyna kniff für einen Moment die Augen zusammen, um ihn anzublitzen. Sie lehnte sich noch etwas vor und trat sogar einen Schritt auf ihn zu. „Hmm.. vielleicht nicht so unberechtigt..“, schauspielerte sie und fasste sich mit den Fingerspitzen an die Stirn. Sie tat etwas nachdenklich. „Weißt du… es ist alles so.. verblasst. Ich fürchte ich weiß nicht mehr so recht, wovon du redest..“. Sie schürzte ihre Lippen und lächelte abermals, bevor sie sich etwas aufrichtete.„Aber wenn es so umwerfend war, wird es mir sicher wieder einfallen.“, kokettierte Eleyna, als wüsste sie nicht worum es ging. Vergessen würde das jedoch nicht.
Eleyna wandte sich von Laogh ab, um sich endlich auf etwas anderes zu konzentrieren. So sehr sie die Nähe des Schattens genießen konnte, gerade nach dieser seltsamen… Zweisamkeit auf dem Pferd, so musste sie dennoch daran arbeiten, dass sie sich davon nicht vernebeln ließ. Also richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf den Gefangenen und fragte unverfänglich, nach seiner Verpflegung und Versorgung. Dass keine Antwort kam, ließ sie innerlich jetzt schon die Augenrollen. Dennoch gab sie nicht auf und trat noch näher heran. Ihr war der Schatten nicht entgangen, als seine Wärme trotz ihrer Decke, an ihren Rücken strich. „Es bringt doch nichts, sich selber zu geißeln…“, murmelte sie und neigte sich etwas vor, um leiser zu sprechen. Sie wollte gar nicht damit verhindern, dass Laogh etwas hörte, doch trotzdem wollte sie ihn nicht anbrüllen. „Wenn jemand gelernt hat zu überleben, dann ja wohl ein Mischling in Morgeria.“, eröffnete sie und deutete auf ihn. „Und das ging nicht damit, dass du jegliche Nahrung oder medizinische Hilfe verweigerst.“, sie wandte sich kurz zum dampfenden Kessel, der am Feuer stand. „Ich hole dir Brühe. Sie schmeckt wirklich gut und die Wärme wird dir gut tun.“, sprach sie weiter und musterte ihn danach.„Kannst du überhaupt noch auf dem harten Holz sitzen?“, fragte sie und schaute demonstrativ in den Wagen hinein

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. Oktober 2021, 14:16

Ja, es lag durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, dass es lediglich einem Zufall geschuldet gewesen war, dass sie nun mit dem Meisterspion der Dunkelelfen unterwegs war. Dass keine Absicht hinter ihrer ersten Begegnung gesteckt hatte und er nicht weiter als das Beste aus dieser sich entwickelten Situation machte. Alles andere wäre schließlich vermessen und würde die Bedeutung ihrer eigenen Person gewaltig überhöhen.
Auf der anderen Seite... wenn es so wäre, warum hatte er ihr dann derart stark geholfen? Hatte sie in Pelgar mehr oder weniger beschützt, den Gefangenen mit auf diese Reise genommen und sie in den letzten Tagen regelrecht gepflegt während ihrer Bewusstlosigkeit? Lag es einzig und allein daran, dass auch er ein Interesse an Rodricks Vorgesetztem hatte? Oder verfolgte er gänzlich andere Pläne? Und wenn ja, welche? Wie hingen diese mit ihr selbst zusammen?
Dass er nicht schlicht und ergreifend aus Nächstenliebe handelte, das lag auf der Hand. Nur seine wahren Beweggründe, die blieben, wie so gut wie immer, im Verborgenen wie er selbst so oft. Diese allerdings wären durchaus von Bedeutung, denn sobald sein Ziel erreicht wäre, wie würde es weiter gehen?
Was würde er in Bezug auf sie machen, vor allem, sollte er ihre wahren Präferenzen herausfinden?! Würde er sie ungeschoren davon kommen lassen, quasi als Aufschub bis zu einer neuerlichen Begegnung? Oder würde er sie eliminieren, weil er sie nicht mehr benötigen würde? Gab es für sie eine reelle Chance, einen Angriff seinerseits zu überleben, sollte er das nicht wollen?
Nur... wieso betrieb er diesen Aufwand, kümmerte sich um sie während ihrer tagelangen Ohnmacht, fütterte und hielt sie soweit wie möglich sauber? Hatte sie auch nur irgendeine Möglichkeit, ihm zumindest die ein oder andere Andeutung einer Antwort entlocken zu können?!

Im Moment jedoch war es nicht der Dunkelelf, der sich mit ihr beschäftigte, sondern die Waldelfe mit den helfenden Händen. Nachdenklich war ihr Blick geworden und langsam deutete sie ein Nicken an, während auf ihren Lippen ein feines, nachsichtiges Lächeln lag. "Sich zu erinnern, ist immer wichtig. Aber sich dafür zu quälen, was andere getan haben...?" Den Rest des Satzes ließ sie in einem beredten Schweigen offen, würde damit das Thema nun hingegen endgültig ruhen lassen.
Ihre Ansichten waren andere und dennoch hatte sie selbst ausreichend erlebt, um es irgendwie nachvollziehen zu können. Zumindest verurteilte sie die andere nicht und allein das war vermutlich schon viel wert.
Danach widmeten sie sich einem anderen, weitaus präsenteren Thema. Lauryn musste leise kichern und zuckte mit den Schultern. "Wie es dazu gekommen ist? Er hat es einfach gemacht.", erwiderte sie schlicht und zugleich mit einem vielsagenden Unterton in der Stimme, der deutlich machte, dass sie sehr viel mehr beobachtet hatte und auch vermutete. Aus welchem Grund auch immer sie es nicht direkt preisgeben wollte.
"Nach dem Grund brauchst du mich aber nicht fragen. Er verrät mir genauso viel von seinen Gedanken wie dir.", setzte sie mit einem weiteren, leisen Mädchenkichern hinzu, das umso deutlicher machte, dass es Dinge gab, die man ihr nicht erklären musste. Die sie allein durch Beobachtung zu begreifen imstande war, ganz gleich, was sie bereits alles durchgemacht hatte.
Doch die kurze Leichtigkeit verflog, als das Gespräch in Richtung des Gefangenen ging. Sie seufzte und schüttelte dabei den Kopf. "Nein, zumindest nicht aus der Kaserne. Dort hätte ich ihn früher oder später einmal gesehen.", erklärte sie ehrlich, obwohl auch sie sich schon ihre Gedanken über diesen Mischling gemacht hatte. Nur, dass sie eben zu nichts führen konnten, denn Laogh wusste, wie er seine Geheimnisse am besten hütete. Und der andere war noch weniger gesprächig als er, wie es schien.
Der nächste Themenwechsel erfolgte dank des zurückkehrenden Appetits der Verletzten, sodass die Waldelfe für etwas Füllung sorgen wollte. "Oh, er hat immer einen Grund.", bestätigte auch sie und nickte dazu voller Überzeugung.
Trotzdem begannen ihre Augen wissend zu funkeln und ihre Lippen kräuselten sich leicht zu einem Ausdruck, der bei anderen rasch hätte anzüglich wirken können. Nicht allerdings bei dieser Unschuld aus dem Walde, das sich trotz der eigenen Vergangenheit eine Gutteil der Kindlichkeit hatte erhalten können.
Bei dem Nachsatz musste sie noch einmal kichern und als wäre das jetzt das Wichtigste auf der Welt, begann sie an der Decke, auf der sie saß, herum zu zupfen und imaginäre Fusel zu entfernen. "Bist du dir da wirklich so sicher?", murmelte sie gerade laut genug, dass die andere es hören konnte. Und zugleich ausreichend leise, um es zu überhören, wenn man unbedingt wollte.
Auch wenn der damit gesäte Zweifel an der reinen Zweckgemeinschaft von der Seite der Spionin her nicht vollkommen zu vernichten wäre. Es wäre eher die Frage, wie rasch er würde keimen und Früchte tragen können.
Danach ließ sie die andere gehen und beobachtete noch ein wenig, was geschah, ehe sie sich zu dem Menschen gesellte.

Auch von jemand anderem wurde sie beobachtet, der sich im Hintergrund hielt, bis es ihm opportun erschien, sich ihr wieder zu nähern. Dass es ihr besser ging, war leicht daran zu erkennen, dass sie auf sein Geplänkel, das sie von ihrem eigentlichen Ziel ablenken sollte, einging. Ihre Erwiderung ließ es spöttisch in seinen Augen funkeln.
Sie kamen einander näher und er ließ sein brummiges Lachen ertönen. "Nein, wirklich? Verblasst, also? Seltsam... In deinen Träumen schienst du alles noch haargenau zu wissen und immer wieder zu genießen.", raunte er in seinem ganz speziellen Timbre und stahl sich mit seinen Fingern unbemerkt unter die Decke, um wie zufällig über ihre Flanke zu streichen. Es war nur eine flüchtige Nähe, die sie beide jeweils gleich wieder auflösten.
Er ließ sie gehen, obwohl es ihm nicht sonderlich recht sein konnte, dass sie sich mit dem Gefangenen beschäftigte. Zumindest wäre das durchaus im Bereich des Möglichen. Oder er wüsste, dass der Mischling nicht reden würde, und könnte sich sicher sein, dass seine Geheimnisse gewahrt bleiben würden? Oder wollte er sich eigentlich gar nicht davon abhalten? Was auch immer mal wieder hinter seiner Stirn gut verborgen vor sich ging, er folgte ihr wie ein sprichwörtlicher Schatten, während sie zu dem Wägelchen ging und versuchte, Kontakt mit dem Gefesselten aufzunehmen.
Der einen äußerst stoischen Gesichtsausdruck angenommen hatte und sich beharrlich weigerte, auch nur mit der Wimper zu zucken oder sonstwie zu zeigen, dass er die Worte vernommen und verstanden hatte. Der Dunkelelf hinter ihr schmunzelte fein und amüsierte sich lautlos, denn er wusste so vieles mehr. Es hätte ihn gewundert, wenn da eine Reaktion gekommen wäre.
Trotzdem fühlte er sich bemüßigt, einen Ratschlag verlauten zu lassen. "Spar dir die Mühe. Selbst einer, dem sie die Zunge rausgeschnitten hätten, wäre gesprächiger.", spöttelte er und erreichte damit, dass der Kiefer des Gefangenen kurz zu mahlen begann. Er war also weder taub, noch des Lerium nicht mächtig. Jedoch schien er weiterhin fest entschlossen zu sein, die Anwesenden mit dieser Nichtbeachtung zu konfrontieren.
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Donnerstag 14. Oktober 2021, 13:26

Vielleicht war es für die Spionin sehr viel einfacher davon auszugehen, dass diese ganze Zusammenkunft der Individuen einem einzigen Zweck geschuldet war. Dass es sich so gefügt hatte, weil die Umstände sie dazu getrieben haben. Eleyna war nicht sehr gläubig und sie würde so etwas nie irgendwelchen Göttern zuschreiben. Aber das alles geplant zu haben? Bis hin zu diesem Moment auf der Decke mit einer dampfenden Schüssel in der Hand und einem Verband um den Kopf? Sehr unwahrscheinlich. Also war davon auszugehen, dass Laogh meisterhaft darin war, mit den sich ihm bietenden Gegebenheiten zu jonglieren und das Beste aus ihnen zu machen. Das sprach sie ihm auch nicht ab, aber die Annahme beziehungsweise Andeutung Lauryns, es könnte etwas anderes dahinter stecken, die unterschrieb sie definitiv nicht. Für die Spionin der Dunkelelfen die nie eine hatte sein wollen, gab es hinter jeder Ecke Verrat zu erwarten, hinter jeder Tat Berechnung und die Quittung erhielt derjenige, der unvorsichtig war. So viel Bitterkeit in sich zu erkennen, fiel der Halbelfe nicht leicht, doch das Leben hatte das aus dem kleinen andunischen Mädchen gemacht. Nicht selten hatte sie sich vorgestellt wie ihr Leben verlaufen Wäre, wenn ihr Vater den Brand überlebt hätte und ihre Mutter nicht. Ein Umstand den sie seit langen Jahren bedauerte. Sie wäre vielleicht in eine Schule gegangen die sich nicht damit schmückte, den Kinderseelen die Hoffnung auszutreiben. Die sie folterte für falsche Antworten, die Kindern lesen und schreiben beibrachte, statt Waffenkunde und Illusionen. Sie wäre vielleicht mit den Mädchen aus Andunie zusammen gewesen, hätte mit ihnen für den selben Jungen geschwärmt, statt zu lernen, wie man einem Mann gezielte Avancen machte und ihn so sehr in Verzückung versetzte, dass er am Ende alles freiwillig hergab, was man verlangte. Eleyna wäre in den Genuss gekommen eine Profession zu erhalten, die sie selber ausgesucht hätte. Doch ihr wurde in den Jahren des Älterwerdens immer wieder bewusst, dass das all diese Gedanken zu nichts führten und sie nahm ihr Schicksal hin, nahm es an und führte es stoisch aus. Sie empfand zwar nach wie vor Gefühle, wahre und reine Gefühle, doch darüber hinaus war sie eher geneigt sich einfach nicht mehr der falschen Hoffnung hinzugeben, sondern viel mehr aktiv an dem Ende dieses Lebens zu arbeiten.

Das war auch der Grund, weshalb sie sich nach dem Genuss der Suppe aufrappelte und ihren verletzten Körper dazu zwang, sich zu bewegen. Sie war lange genug verletzt und nutzlos gewesen. Sie musste endlich zurück zur alten Stärke und so schlang sie sich die Decke um den schmalen Körper und lenkte ihre Schritte auf den Gefangenen zu. Eleyna brauchte dieses Gespräch. Sie konnte nicht akzeptieren, dass jemand unter ihnen war, der Informationen zu haben schien und sie nichts unternahmen, um an diese zu kommen. Sie selber musste sich davon überzeugen, dass der andere Mischling nicht sprechen wollte, auch wenn sie sich sicher war, dass er es irgendwann dennoch tun würde. Eleyna verringerte den Abstand und konnte gut erkennen, dass Laogh sich zu ihr gesellte. Ihr Gang wurde etwas langsamer und sie ließ es zu, dass er sie kurz aufhielt. Seine Worte waren wie gewohnt anzüglich und in seiner ganz eigenen Art gesprochen, sodass sie ihr ein leichtes Lächeln entlockten. Das Geplänkel fand nahezu nahtlos die alte Form und sie selber konnte sich kaum dagegen wehren, ihm auf ihre Art zu antworten. Seine Berührung registrierte sie sehr wohl und auch das Gefühl, welche sie auf ihrem Körper hinterließ, so flüchtig der Moment auch gewesen war.
Zwischen ihnen herrschte keine einfache Anziehung, das jedenfalls hatte Eleyna in der Form noch nicht erlebt. Sie konnten die Finger nicht voneinander lassen. Er mit seinem Spott und seiner Art sich ihr immer wieder zu nähern, während sie den Konflikt mit ihm zu suchen schien und der Konfrontation nicht ausweichen konnte. Ihr Lächeln wurde breiter bei seiner Antwort und sie hob beide Augenbrauen, als wäre sie überrascht. Dann winkte sie jedoch gespielt lässig ab und zuckte die Schultern.„Das nennst du einen Beweis? Wer kann schon sagen, was wirklich und was Illusion ist in unseren Träumen?“, sie grinste ihn kurz an. Es war eine nonverbale Antwort darauf, dass sie ihn und alles an ihm natürlich nicht vergessen hatte. Aber es war jetzt auch nicht der Moment und ohnehin wollte sie die Gefühle die er weckte, die seine Nähe auslöste, nicht ergründen, denn das führte zu nichts. Dessen war sie sich sicher. Eleyna schüttelte seinen Versuch sie abzulenken ab und konzentrierte sich wieder auf den Gefangenen.
Ihre Worte perlten an diesem ab und die Sturheit hätte sie fast mit den Augen rollen lassen. Dann wartete sie jedoch einen Moment und überlegte, wie sie es anders versuchen würde, als Laogh hinter ihr die Stimme erhob. Eleyna wandte sich ihm nachdenklich zu, blickte erneut zum Halbelfen und nickte langsam. Eine Entscheidung treffend, griff sie beherzt nach dem Arm des Schatten und hakte sich bei ihm halb ein, um ihn zurück zu führen zum Feuer. „Hilf mir mal kurz, ja?“, sagte sie beim Gehen und am Feuer angekommen, entließ sie Laogh aus ihrem Griff, ließ die Decke von sich rutschen, um sich langsam nach einer weiteren Schüssel und einem Löffel zu bücken. Sie befüllte die Schale mit dampfender Suppe, ehe sie sich dem Gefangenen zuwandte. Ihr Blick glitt zu Laogh hinauf. Sie legte eine Hand an seine Brust, klopfte kurz darauf mit den Worten: „Warte hier mal kurz, in Ordnung?“, und drückte sich an ihm vorbei. Sie ging etwas sicherer, wenn auch immer noch nicht mit alter Manier, zurück zum Elfen und stellte die Suppe auf die Laderampe des Karren.
Hier blickte sie kurz etwas angestrengt, ehe sie sich jedoch ein Herz fasste und sich auf die Ladefläche hievte. Nachdem sie das geschafft und mit einer Schweißperle auf der Stirn bezahlt hatte, rutschte sie etwas dichter und blickte den Halbelfen nur kurz ins Gesicht. Sie rührte die Schüssel, dass es dampfte und ließ den Geruch der Suppe aufsteigen. „So, jetzt mal ernsthaft. Die Suppe ist wirklich gut. Du solltest etwas essen, findest du nicht? Du musst auch nichts sagen, meinetwegen. Dann isst du halt nur.“, plauderte sie und blendete den Schatten am Rande ihres Gesichtsfeldes bewusst aus. Eleyna tunkte den Löffel und pustete, ehe sie dem Halbelfen den Löffel hinhielt, damit er essen konnte.„Wenn du nicht isst, wird dein Widerstand nicht mehr lange anhalten. Das ist ja nun wirklich Basiswissen in Morgeria.“, versuchte sie ihn doch noch zu locken, damit er endlich den Mund aufmachte.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Freitag 15. Oktober 2021, 11:03

Der leichtere Weg war nicht immer zwangsläufig auch der bessere. Gerade in ihrem Metier war es oftmals überlebenswichtig, den ein oder anderen Umweg zu nehmen. Darin war der Schatten sicherlich auch ein Meister und nicht zu übertreffen. Allerdings konnte auch er nicht in die Zukunft sehen und somit jeglichen seiner Schritte minutiös im Voraus planen. Vielmehr hatte er seine Spontaneität perfektioniert und gelernt, sich auf jede Situation rasch einzustellen, um das Beste daraus zu machen und vor allem zu seinen eigenen Gunsten zu wenden.
Zugleich durfte er aber auch nicht seine Ziele und Aufträge vergessen. Welcher wohl sein derzeitiger sein mochte und von wem er stammte? Er hatte es bei seinem Können gewiss nicht nötig, jedem x-beliebigen Adeligen auf dem Weg zu einer Intrige zu helfen, indem er ihm oder ihr Informationen lieferte. Jemand wie Laogh verkehrte bestimmt nur in den allerhöchsten Kreisen. Ob er mit dem Dunklen Herrscher persönlich zu tun hatte?
Nur... war Arrond tatsächlich derart von Bedeutung nach dem Fall von Pelgar, dass sich jemand wie der Schatten sich seiner Auffindung annahm? Oder gab es da noch viel mehr im Hintergrund, sodass die Person lediglich ein Mittel zum Zweck wäre? Und wie sollte sie es schaffen, ihren Freund aus der Gefahrenzone zu bringen, ohne das eigene Leben zu riskieren und Laogh auf ihre eigenen Fersen zu heften? Rodrick als Gefahrenquelle war dabei noch nicht einmal einkalkuliert, der ihr bestimmt selbst liebend gerne persönlich den Hals umgedreht hätte.
Ob sie sich absetzen und auf eigene Faust weitersuchen sollte, in der Hoffnung, schneller zu sein als der Meisterspion der Dunkelelfen? Würde das auch nur im Geringsten Sinn machen? Oder gäbe es sonst irgendeine Möglichkeit der Ablenkung, um Arrond wenigstens eine Warnung zukommen zu lassen, damit dieser im Notfall rechtzeitig würde fliehen können? Was wusste der Schatten eigentlich alles und wie könnte sie ihn soweit überrumpeln, um die Person zu schützen, wegen der sie sich überhaupt erst nach Pelgar aufgemacht hatte?
Vielleicht könnte sie ja aus dem Gefangenen etwas dazu herausbekommen. Er und der reinrassige Dunkelelf kannten sich, das war vor ihrer Ohnmacht mehr als deutlich geworden. Somit könnte er die ein oder andere Antwort liefern, wenn sie ihn denn zum Reden bringen würde... unter vier Augen, ohne gespitzte, dunkelelfische Ohren in Hörweite. Dass Laogh das nicht unbedingt freiwillig zulassen würde, lag auf der Hand. Also müsste sie Mittel und Wege finden, um diesen Plan auch ohne seiner Einwilligung durchziehen zu können.
Immerhin schien der Mischling noch einen Nutzen zu haben, sonst befände er sich nicht länger unter ihnen. Nur... welchen? Würde sie diesen irgendwie aus einem der beiden Männern herauskitzeln können?
Schon vor ihrem ersten bewussten Aufeinandertreffen mit dem Gefangenen trat ihr der Schatten in den Weg und schien sie schlichtweg von ihrem offensichtlichen Vorhaben ablenken zu wollen. Zwar ging sie kurz darauf ein, doch so wirklich gelang es ihm auf Anhieb nicht. Dass er indes zu keinen anderen Mitteln griff, sondern ihr tatsächlich den Weg freigab und zuließ, dass sie sich dem Wägelchen näherte, sollte ihr zu denken geben. Was wusste er schon wieder, was ihr verborgen blieb?
Er blieb im Hintergrund, nahe genug, um eher nicht darauf hinzuweisen, dass er lauschen wollte. Viel eher schien es um ihre körperliche Unversehrtheit zu gehen, soweit diese überhaupt bestand, so, als wolle er sie schlicht und ergreifend beschützen vor einem gefesselten Mischlingselfen. Oder in ihrem Rücken irgendwelche Zeichen geben, um den Sprechenden einzuschüchtern?
Nun ja, das wäre auch möglich, wenngleich sie dafür den Gefangenen erst einmal dazu bringen musste, den Mund überhaupt aufzumachen. Denn bislang ignorierte er sie mit einer Standhaftigkeit, die ihresgleichen zu suchen schien. Was auch immer er war, er wirkte auf jeden Fall so, als besäße er einen ordentlichen Dickkopf. Irgendwie passend, dass Laogh ihn kannte...
Ob die Zwei sich einst gut verstanden hatten? So kam sie zumindest nicht weiter, das war mehr als offensichtlich, auch ohne seinem Hinweis. Das Ergebnis war für ihn wohl überraschend, denn anstatt es weiter zu versuchen, hakte sie sich bei ihm ein und zog ihn leicht, ehe er ihr freiwillig zum Feuer hin folgte.
Bei ihren Worten hob sich eine Augenbraue leicht an und seine Lippen kräuselten sich zu einem feinen Grinsen, als sie die Decke fallen ließ. "Willst du ihn zum Reden bringen, indem du dich vor ihm ausziehst?", neckte er sie und zog leicht an ihrer Tunika, als hätte er es so verstanden, dass sie dabei Hilfe benötigen würde.
Stattdessen nahm sie sich eine Schüssel und füllte sie mit der nahrhaften, heißen Brühe. Abwartend blieb er stehen, beobachtete sie und ließ es auch zu, dass sie die Hand auf seine Brust legte. Daraufhin allerdings schob er einen Moment lang die Unterlippe vor, als hätte er allen Grund zu schmollen und ihr das auch zu zeigen. "So schnell ersetzt du mich also?", raunte er mit seinem speziellen Timbre, während es in seinen Augen, in denen sich die Flammen widerspiegelten, spöttisch und herausfordernd funkelte.
Trotzdem ließ er es zu, dass sie sich an ihm vorbeidrängte. Wenngleich nicht, ohne ihr unauffällig, kurz und dennoch unmissverständlich in ihre Kehrseite zu kneifen. Das war etwas, das er sich nicht nehmen ließ. Sollte sie noch einen Blick in sein Gesicht werfen, könnte sie sein provozierendes Grinsen einen Atemzug lang erkennen.
Ehe seine Miene wieder neutral und der Ausdruck seiner Augen beobachtend, beinahe schon lauernd wurde, als er sich drehte und mit vor der Brust verschränkten Armen in Richtung ihres Ziels sah. Das Feuer in seinem Rücken flackerte und ließ seine Haut noch dunkler werden, sodass er wahrlich zu einem Schatten zu werden schien. Oder zu einer Statue, denn er rührte sich auch nicht mehr.
Der Mischling hingegen hatte sich ebenfalls nicht bewegt und auch trotz des verlockenden Dufts regte sich in seiner Miene nicht der geringste Muskel. Wenn sie es noch nicht wüsste, würde sie spätestens jetzt sicherlich die Vermutung hegen können, dass er mit dem Schatten für längere Zeit etwas zu tun gehabt hätte. Oder es sonstwie eine Verbindung zwischen ihnen gäbe...
Ob er wohl...? Nein, vermutlich nicht. Der Gefangene war definitiv ein Mischling und sein dunkelelfisches Erbe wies keine sonderliche Ähnlichkeit mit Laogh auf. Wobei... Merkmale konnten Generationen überspringen, also vollkommen ausgeschlossen wäre es nicht. Und auch nicht ungewöhnlich, dass Kinder aus Morgeria ihre eigenen Eltern meucheln wollen könnten. Besonders solche wie den Meisterspion...
Als sie sich neben ihn gesetzt hatte und die Schüssel wieder ergriff, wandte der Mischling seinen Kopf demonstrativ noch ein Stück weit von ihr ab. Aha, seine Umgebung bekam er zumindest mit, obwohl er allen solch betonte Ignoranz zeigte. Jedoch hatte er seinen Körper gut im Griff, denn unter normalen Umständen würde der Duft der Brühe gewiss jeden leeren Magen zum Knurren bringen. Bei ihm nicht, da war nichts zu vernehmen, zumindest nicht für ihre halbmenschlichen Ohren.
Auch strafte er sie mit Schweigen und würde sie versuchen, ihm mit dem Löffel zu folgen, würde er vermutlich früher oder später dagegen schlagen, anstatt ihr Angebot anzunehmen. Das Schweigen von seiner Seite aus schien nicht enden zu wollen, bis... bis er plötzlich den Schatten mit seinen Blicken regelrecht wie Dolche durchbohren wollte. Nicht anders konnte man diesen Ausdruck in seinen Augen beschreiben, die sich auf den Dunkelelfen, der sich ebenfalls nicht gerührt hatte, richteten.
"Dein Niveau sinkt.", gab er leise, beinahe flüsternd von sich, doch die Elfenohren zuckten leicht. Die Lautstärke reichte aus, dass jemand von reinem Elfenblut verstehen konnte. Die Stimme hingegen, so voller Hass sie auch sein mochte, war eigentlich von einem angenehmen Timbre, tief und sicherlich zu einer wohligen Samtheit darin fähig in den passenden Situationen.
Anders als die des Meisterspions und dennoch sicherlich genauso dazu geeignet, Frauen allein mit dem Klang dahinschmelzen zu lassen. Und er war des Sprechens fähig, das hatte er soeben bewiesen, wenngleich er das Angebot neben sich weiterhin ignorierte.
Der Adressat hingegen blieb in seiner Rolle der Statue und schien tatsächlich ihre Bitte zu beachten, allein mit dem Gefangenen zu reden. Oder er wusste schon, wohin solch eine Eröffnung führen würde, und ließ sich gar nicht erst provozieren. Das würde ebenfalls gut zu ihm passen.
Nur... was hatte der Mischling damit gemeint? Nicht noch jemand, der mit seinem Handeln mehr Fragen denn Antworten aufwarf!
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Samstag 16. Oktober 2021, 12:30

Vielleicht war es der fiese Schlag auf ihren Kopf gewesen, der ihr derzeit ein eher zahmes Auftreten verlieh. Sie ließ sich von Laogh ablenken, wenn auch nur kurz und ging auf seine Worte zwar ein, behielt sie wirklich bissigen Kommentare jedoch vorerst für sich. Es gab vermutlich mehrere Gründe dafür und Eleyna verbot sich, länger darüber nachzudenken. Sie verfolgte jedenfalls keinen Plan oder wollte ihm im nächsten Moment die Augen auskratzen, was ein echter Fortschritt war. Garantiert lag das allerdings nicht daran, dass sie sich zu schwach fühlen könnte, um ein gepflegtes Wortgefecht mit ihm auszutragen. Nein, etwas anderes war der Grund für ihre neuerliche Vertrautheit und der lag ganz woanders begründet. Die Dunkelhaarige ließ sich subtil lächelnd auf seine Worte ein und konterte weitaus gewohnter, als die letzten Tage hätten jemals wieder vermuten lassen, doch sie ließ sich auch nicht all zu lange von ihm aufhalten. Dass er sie gehen ließ, bewies ihr lediglich, dass er nicht an ihren Erfolg glaubte. Was sie nur noch mehr anstachelte. Eleyna versuchte es mit ersten Worten, die allesamt gehört aber unkommentiert blieben. Die Mischlingselfe betrachtete den Gefangenen und hätte am liebsten die Augen gerollt bei der stoischen Art. Sie könnte ihr auch gut gleich ans Feuer setzen, damit er mit Rodrick ins Gespräch kommen konnte. Sie würden sich vielleicht gut verstehen, wer weiß?
In ihrem Rücken ertönte die dunkle Stimme des Schattens und ließ sie den Blick über de Schulter werfen.
Nachdenklich war ihre Miene, bis sie zum Mischling zurück sah und sich augenblicklich anders entschied. Eleyna griff beherzt nach dem Arm des Schattens, um ihn gezielt zum Feuer zu führen. Hier entledigte sie sich ihrer Decke und erntete postwendend einen spöttischen Kommentar. Das Ziehen an ihrer Tunika, ließ sie einen halben Schritt nach hinten machen, ehe sie ihr Gleichgewicht wieder erlangte. Noch war sie tatsächlich nicht die Alte, aber sie hatte auch die Nase voll davon verhätschelt zu werden. Sie wusste jetzt schon nicht damit umzugehen und verdrängte lieber die vielen Informationen durch Lauryn und dem, was sie selbst erkannt hatte, damit sie sich nicht länger damit beschäftigen musste, dass sich ein anderes Bild des Schattens in ihr manifestierte und sie daran hinderte, ihn als reinen Feind zu betrachten. Also legte sie einfach nur ein keckes Lächeln auf, als er sie auf ihre Motive ansprach und blickte Laogh flüchtig an: „Wenn es nötig ist?“, gab sie zu verstehen und tat so, als verstünde sie eventuelle Einwände nicht. Doch auch das war nur Geplänkel. Und sie schaffte es ihr Grinsen soweit zu verbergen, als dass sie sich hinabbeugte, um die Schüssel aufzuheben und zu befüllen. Danach wandte sie sich um, um ihre Hand auf seine Brust zu legen. Seinem Schmollen begegnete sie mit einem Anheben beider Augenbrauen, bevor sie auf seine Brust klopfte. „Aber aber.. Ich dachte wir führen eine moderne, tolerante Beziehung. Nicht eifersüchtig sein.“, schnurrte sie und ihr Funkeln in den hellen Augen unterstrich den sarkastischen Unterton.

Eleyna trat an ihm vorbei, um sich langsam aber deutlich kräftiger wieder zum Wagen zu begeben. Hier entschied sie sich, dass sie sich zu dem Fremden auf den Wagen setzen würde und auch wenn es sie mehr Anstrengung kostete, als normalerweise, schaffte sie es, sich auf die Ladefläche zu hieven. Dampfend stieg die Wärme der Suppe auf und erfüllte die Luft um sie herum mit dem Geruch der Kraftbrühe. Eleyna ging nicht wirklich davon aus, dass der Anblick des Essens die Zunge des Anderen lösen würde, doch sie wusste auch, dass irgendwann jeder Körper instinktiv reagierte. Sie brauchte nur zu warten, denn dass der Mischling sich so gut im Griff hatte, verriet ihr ebenso etwas über ihn, wie jedes Wort aus seinem Mund. Das Wegdrehen des Kopfes ließ sie innerlich zufrieden grinsen. Oh er war stur, damit hatte sie in den vergangenen Tagen gelernt umzugehen- naja irgendwie jedenfalls.
Sie machte hingegen keine Anstalten ihm mit dem Löffel vor seinem Mund zu folgen. Stattdessen zog sie den Arm zurück und beobachtete geduldig seine Reaktionen im Augenwinkel. Eleyna tat so, als rührte sie abermals die Suppe, als sie bei einem Seitenblick bemerkte, wie der Mischling seine Aufmerksamkeit jemand anderes schenkte. Sie folgte flüchtig dem Blick, obwohl sie wusste, wohin dieser ging. Danach rührte sie wieder in der Suppe und als tatsächlich einige Worte die Lippen des Gefangenen verließen, hielt sie inne. Da sie neben ihm saß, bedurfte es kaum einer Anstrengung, ihn zu verstehen und sie war sich dennoch sicher, dass er direkt mit Laogh sprach. Nun, sehr gut. Das was er sagte und die Bedeutung dessen, ließen die hellen Augen funkeln. Nicht weil sie sich angegriffen fühlte, obwohl er das gezielt versucht hatte, sondern weil sich etwas regte und sie sehr wohl zu lesen verstand, dass die beiden durchaus eine längere Zeit zusammen verbracht hatten. In ihr keimte ein kleiner Verdacht, den sie jedoch vorerst nicht weiter ausbauen wollte. Eleyna kehrte zu ihrem kleinen Spiel zurück und seufzte lauter, als sie es gemusst hätte, während sie auffällig nickte. „Ja, ich weiß.. aber was soll man machen?“, sie blickte zu Laogh, ebenso wie er es tat und setzte ein leichtes, freches Schmunzeln auf.„Viel Auswahl gibt es ja derzeit nicht.“, antwortete sie, als hätte er mit ihr gesprochen und sie wären alte Bekannte, die gemütlich plauderten. Ihr war bewusst, dass der Schatten sie beobachtete und belauschte und trotzdem blendete sie das für einen Moment aus. Nach einer kleinen Pause hörte man es neben dem Mischling plötzlich leise schlürfen. Die Spionin genehmigte sich einen Löffel der Suppe, die eigentlich für ihn bestimmt gewesen war und als wäre sie wieder das einfältige Ding aus dem Wald, stellte sie die Schüssel auf ihre Knie und beugte sich darüber, als müsse sie aufpassen nicht zu kleckern. „Uh, heiß", kommentierte sie ihr Gelöffel und schien sich nicht daran zu stören, dass der Mischling sie so gar nicht beachten wollte. Obwohl… so ganz stimmte das ja nicht, denn letztendlich hatte er sich trotzdem hinreißen lassen, ein paar Worte zu verlieren und auf ihr Gebaren reagiert. Vielleicht verstand der Schatten ja auch, dass ihr Tun in zwei Richtungen funktionieren konnte. Entweder arbeitete sich der Mischling den Hass an ihr ab oder aber, und danach sah es aus, führte ihr Handeln dazu, dass der Mischling direkt mit Laogh Kontakt aufnahm. So oder so… sein Schweigen war gebrochen.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Samstag 16. Oktober 2021, 20:57

Auch wenn es nicht ganz so offensichtlich war wie manch anderes, beobachtete der Schatten haargenau die Situation und jede noch so kleine Regung von ihrer Seite. Er registrierte, welche Antworten wie kamen und welche eben nicht, auch Tonlage und Wortwahl. So, wie er es immer tat, ganz gleich, ob er sein Gegenüber längst einschätzen konnte oder die Begegnung noch frisch war.
Allerdings ließ er ihr auch einen gewissen Freiraum, indem er sie nicht stärker von ihrem Vorhaben abhielt, sich mit dem Gefangenen zu beschäftigen. Weil er ihr vertraute? Wohl kaum. Viel wahrscheinlich war, dass er wusste oder davon ausgehen konnte, dass nichts an die Oberfläche gelangen würde, was er nicht dort haben wollte.
Der Mischling und er... sie kannten sich, definitiv. Die Frage war also vielmehr, woher und in welchem Verhältnis sie zueinander gestanden hatten. Dass sie nicht gerade im Guten auseinander gegangen waren... auch das war mehr als offensichtlich.
Was wiederum zu der weiteren Frage führte, ob eine Seite daran die Schuld trug, in diesem Falle definitiv der reinrassige Dunkelelf, oder beide dazu beigetragen hatten. Immerhin war der Gefangene von Bedeutung genug, dass er diese Trennung bis zum heutigen Tag überlebt hatte. Auch das ließ Rückschlüsse zu.
Ob es bei ihr ebenfalls so sein würde? Würde er sie, solange sie keine direkte Bedrohung für ihn darstellen würde, genauso eine Trennung ihrer Wege lebend überstehen lassen? Oder hielt er seine Entscheidung von damals bei dem Mischling für einen Fehler und würde diesen nicht noch einmal begehen? Gäbe es denn eigentlich irgendeinen Trumpf, den sie erringen könnte, um ihn dazu zu zwingen, sie zu verschonen, selbst, wenn sie sich daraufhin niemals wieder begegnen würden, was voraussichtlich ohnehin der Fall wäre?
Nein, vermutlich nicht, immerhin konnte er auch ganz anders als seine meist spöttische Art vorgaukeln sollte. Er war ein Dunkelelf durch und durch, der im Notfall absolut kaltblütig handeln würde, wenn es um seine eigene Haut ging. Oder...?
Nur... wie passte das dann damit zusammen, dass er sich in den letzten Tagen mehr als notwendig um sie und ihre Genesung gekümmert hatte? Dass der Gefangene noch lebte und, bis auf die Fesselung und manch blauen Fleck sowie heilender Wunde, unversehrt wirkte? Neue Rätsel taten sich auf und selbst bei längerer Betrachtung in Ruhe würden sie das Puzzel viel eher erweitern, denn allmählich zur Lösung beitragen.
Warum hatte sie ausgerechnet an jemanden wie ihn geraten müssen?! Und als wäre das nicht schon genug der Kopfschmerzen, schien mit dem Mischling nun eine etwas jüngere, nicht vollkommen reinrassige Version von ihm vorhanden zu sein, die sie ebenfalls knacken wollte. Ob es ihr wenigstens bei diesem Abglanz gelingen würde? Bislang zumindest war er sehr erfolgreich in der Demonstration von Sturheit.
Indes ließ der Schatten es zu, dass sie ihn etwas weiter weg von dem Wägelchen führte, und lenkte mit seinen Worten ihre Aufmerksamkeit wieder ein wenig auf sich. Obwohl er nicht eingriff, um sie daran zu hindern. Bei ihrer Antwort schnaubte er leise und sein Blick wurde noch spöttischer. Auch seine Stimme ließ durchklingen, dass er in dem Gefangenen keine ernsthafte Konkurrenz sah, als er erwiderte:"Gib dir keine Mühe, an mein Können kommt er nicht heran."
Oder war er doch... hm... eifersüchtig? Nein, das wäre absurd, grundsätzlich, da sie keine Gefühle füreinander hegten und obendrein, weil er nicht übertrieben hatte, was seine Fertigkeiten in der Horizontalen betrafen. Das Ganze war ein Spiel für ihn und er nahm sie nicht ernst, mal wieder.
Umso mehr hob sich seine Augenbraue belustigt an, als sie ihm gegen die Brust klopfte. "Ach, wir führen eine Beziehung? Davon wusste ich ja noch gar nichts!", gab er frech zurück und nahm sich die Freiheit, ihr tatsächlich beiläufig in den Po zu zwicken, als wären keinerlei Zeugen für diese Form von Intimität anwesend.
Nun ja, waren es ja auch nicht wirklich, denn Lauryn hatte sich in eine Decke zusammengerollt hingelegt und schien zu schlafen, während Rodrick stur so tat, als wären sie allesamt nicht vorhanden. Selbst der Mischling, das Ziel ihres Vorhabens, befand sich in einem Winkel zu ihnen, der ihm eine Sicht auf diese Berührung verwehren würde. Warum also tat Laogh es trotzdem? Um sie an etwas zu erinnern oder zu ärgern? Oder... weil er es schlicht und ergreifend konnte?
Wie auch immer, er hielt sie daraufhin nicht länger auf, sondern beobachtete sie vom Feuer aus in aller Seelenruhe, einer schattengleichen Statue mehr als ähnlich. Selbst sein Atem war so flach und schlecht beleuchtet, dass es wirkte, als hätte er sogar diese Regung nicht nötig. Er beobachtete wieder, auch dann noch, als offensichtlich war, dass sie allmählich ihre zurückkehrenden Kräfte überforderte.
Aber er half ihr nicht, gab absolut kein Zeichen von Unterstützung von sich. Ebenso wenig wie der Gefangene, der sich partout weigerte, sie einer Antwort oder zumindest eines Blickes zu würdigen. Im Gegenteil, er setzte alles daran, um ihr zu signalisieren, wie unwillkommen ihre Gesellschaft ihm war.
Bis bei ihm scheinbar der Geduldsfaden riss und er sich dazu herabließ, seine Stimme erklingen zu lassen. Nicht ihr gegenüber, bei ihr tat er weiterhin so, als gäbe es sie gar nicht. Stattdessen fixierte er den lebendigen Schatten und machte ihm einen mehrdeutigen Vorwurf, der so oder so auszulegen war.
Die Wahrheit kannten nur die beiden Männer oder wenigstens einen Teil davon und solange keiner von ihnen eine Ergänzung vornahm, die Hinweise darauf liefern würde, wären alle anderen Außenstehenden auf eigene Schlüsse angewiesen. Und alle beide schienen nicht den Willen zu haben, noch weiter in ihren Ausführungen zu gehen, ja, sogar der Meisterspion gab keinen Ton von sich, weder um sich zu verteidigen, noch sonstwie auf seine gewohnt spöttische Art zu reagieren.
Die Mischlingselfe hingegen... Sie machte weiter und erreichte damit tatsächlich einen kleinen Erfolg. Kurz, wirklich nur sehr kurz, warf der Gefangene ihr einen abschätzenden Blick zu und gab einen definitiv abfälligen Laut von sich, der erneut unendliche viele Deutungsmöglichkeiten zuließ, ehe er sich demonstrativ von ihnen beiden abwandte. Das war es vermutlich fürs Erste, denn im Anschluss konnte sie noch sehr schlürfen und den Zustand der Brühe kommentieren, er zuckte nicht einmal mehr mit der Wimper.
Was es wohl gewesen sein mochte, was zwischen den beiden Männern einst bestanden hatte? Denn auch der Dunkelelf verhielt sich distanzierter als ihr gegenüber und wirkte alles andere als gelassen sowie spöttisch, wie er es gewöhnlich tat. Ob da noch Gefühle im Spiel waren, welcher Art auch immer? Bei dem Mischling definitiv, und bei ihm? Würde sie, ausnahmsweise, einmal bei dem Meisterspion persönlich mehr Antworten und Erklärungen herausbekommen können als bei dem nicht minder sturen Gefangenen?
Auch er hatte nicht auf ihre Fortführung reagiert, obwohl er unter anderen Umständen gewiss Empörung gezeigt oder einen passenden Konter gegeben hätte. Wie nur käme sie des Rätsels Lösung endlich ein Stückchen näher?!
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Sonntag 17. Oktober 2021, 11:02

Ob sie wusste, dass sie ständig unter seiner Beobachtung stand? Nun, inzwischen ging sie fest davon aus. Die 2 Wochen die sie nun miteinander verbracht hatten reichten aus, dass sich Eleyna sehr wohl bewusst darüber war, wie Laogh arbeitete. Er war durch und durch taktisch, überließ nichts dem Zufall und analysierte jede noch so kleine Regung. Es hätte sie einschüchtern können. Sie nervös machen oder sogar verängstigten. Wer legte schon gerne seine Seele dar und dann auch noch unfreiwillig? Niemand. Und ein Spion schon mal überhaupt nicht. Dennoch erzitterte Eleyna nicht bei dem Gedanken daran. Man hatte ihr mal einen ziemlichen Dickschädel bescheinigt und gleichzeitig darüber philosophiert, ob es fast schon eine selbstzerstörerische Art darstellte, wenn man wie sie ständig mit dem Kopf durch die Wand wollte und dabei vergaß, das eigene Leben zu schützen. Eleyna barg so einige Geheimnisse, einige größer, andere kleiner aber definitiv einige wesentlich interessanter, als andere. Trotzdem gab sie sich ihren Gefühlen -zumindest denen, die aus Wut entsprangen- hin und präsentierte sich zuweilen als Hitzkopf. Doch sie wäre nicht am Leben, wenn sie nicht auch etwas an sich hätte, was reizte. Sei es nun beruflich, privat oder speziell. Die Halbelfe mit den eisigen Augen verstand es, ihren Kopf immer wieder aus der Schlinge zu ziehen. Das lag nicht zur Gänze daran, dass sie in dem was man ihr für ihr Leben vorgeschrieben hatte nicht so übel war, sondern vielmehr an einer gehörigen Portion Glück. Sie wusste das und ab und zu fühlte sie sich wie der Spieler, der im letzten Moment doch noch die richtige Trumpfkarte zog. Doch diese Art des Lebens forderte auch ihren Tribut. Laogh wusste stets was auf ihn zukam – vielleicht war es manchmal langweilig- doch Eleyna war fast schon das Pendant dazu und reagierte meist instinktiv auf die Änderung einer Situation.
Also entschied sie sich auch jetzt um, indem sie Laogh kurzerhand mit sich zog und etwas Abstand zwischen ihn und den Gefangenen brachte. Die Spionin würde es auf eine andere Art versuchen, die Lippen des anderen zu lösen, doch vorher stichelte Laogh und sie konnte sich ein ungesehenes Grinsen nicht verkneifen. Sie musste sich den Kopf wirklich übel verletzt haben denn das was sie empfand, war nicht das, was sie noch vor dem kleinen Zwischenfall empfunden hatte. Doch Eleyna war nicht nur gut darin die richtigen Karten im richtigen Moment zu ziehen- sie war auch gut darin gewisse Situationen und Gedanken zu verdrängen wenn sie ihr nicht passten. Und so war von ihrem Grinsen nichts mehr zu sehen, als sie sich mit der Suppenschüssel erhob und sich zu dem Schatten umdrehte. „Ach und das kannst du beurteilen? Ist ja höchst interessant..“, schürzte sie die Lippen, bevor sie zu ihm hoch sah und eine Augenbraue anhob. Sie legte die Hand an seine Brust und klopfte leicht darauf. Ihre Worte daraufhin veranlassten ihn sich mehr als nur einen verbalen Konter herauszunehmen, sodass sich Eleyna noch mal kurz umdrehte und ihn für einen Moment anfunkelte, während sie nach seiner verirrten Hand schlug ohne sie wirklich treffen zu wollen. Dann wurde ihr Grinsen eine Spur grimmig und der Sarkasmus ölte ihr aus jeder Pore, während sie antwortete: „Natürlich.. du hast es selber gesagt: Niemand reicht an dein Können heran. Also.. wer wenn nicht du?“, flötete sie zuckersüß und ließ ihn für den Moment stehen. Eleyna konzentrierte sich augenblicklich auf den Gefangenen und ließ das Hin und Her mit Laogh für den Moment außer Acht. Natürlich zogen sie einander nur auf und schenkten sich gegenseitig nichts. Als hätte es den Moment nicht gegeben, den sie im stummen Einvernehmen auf dem Pferd geteilt hatten. Doch das gehörte für sie definitiv in die Rubrik, die sie lieber verdrängte, als sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen.

Das Eisblau ruhte nun auf dem Mischling der stoisch und verbissen den Blickkontakt zu ihr mied. Dennoch bemüßigte sie sich, sich zu ihm zu setzen und ihr Versuch, ihm etwas zu essen zukommen zu lassen, kommentierte er mit einer Spitze. Eleyna lächelt innerlich, ließ sich ansonsten nichts anmerken. Wäre sie etwas weniger selbstbewusst, hätte sie das sicherlich verletzt. Auch die gesamte Behandlung durch ihn hätte etwas in ihr ausgelöst. Doch Eleyna war nicht erst seit gestern auf dieser Welt, sie hatte nicht erst seit kurzem mit Anderen zu tun sodass es sie nicht im Mindesten kratzte. Sie beobachtete die Regungen, die der Mischling bereit gewesen war zu teilen, bevor sie genüsslich am Suppenlöffel schlürfte und er sich wie ein Kleinkind wegdrehte und schmollte. Nun grinste sie offen, auch wenn er es nicht sehen konnte. Sie genehmigte sich noch ein, zwei Löffel, bevor sie sich erhob. Eleyna überbrückte die knappe Distanz zum Gefangenen und stellte sich in sein Blickfeld. Ohne etwas zu sagen, stellte sie ihm die heiße Schüssel auf die Knie und zog den Löffel heraus, den sie sich mit der Wölbung nach oben in den Mund schob und ihn angrinste „Vielleicht später.“ , gurrte sie und wusste sehr wohl, dass er nun gezwungen sein würde, die heiße Suppe auf seinem Schoß zu balancieren, da seine Hände gefesselt waren, und er nicht Gefahr laufen wollte, dass sie sich brennend über seine Beine ergoss. Den Löffel gönnte sie ihm nicht. Zu groß wäre die mögliche Gefahr, dass er damit Unfug anstellen könnte, sodass sie ihn mit einem scheinbar beiläufigen Schultertätscheln etwas ins Wanken brachte, ehe sie den Wagen verließ und sich langsam zurück auf den Weg zu Laogh machte. Hier angekommen, kopierte sie die statuehafte Gestalt und stellte sich ebenfalls mit Blick auf den Gefangenen auf. Eleyna verschränkte die Arme und als wäre es ein beiläufige Geplauder fasste sie trocken zusammen:„Lass mich raten- er ist von dir und seine Mutter ist das höhere Niveau?“, sie schnalzte mit der Zunge. „Was hast du ihm angetan, dass er dich so sehr hasst? Warst du nicht zu seinem Abschluss in der Kaserne?“. Eleyna schoss ins Blaue und ahnte lediglich, dass die beiden eine Bindung zueinander hatten die dicker war, als Wasser. Ob der sture Bock nun sein Sohn oder der Bruder, Neffe oder Cousin war, das würde sich zeigen. So oder so, war die Ähnlichkeit im Verhalten nicht zu leugnen und Eleyna war zufrieden bis hier her mit dem, was sie schlussfolgern konnte. Ohnehin spürte sie, dass sie sich mehr bewegt hatte, als sie es die letzten Tage getan hatte und dass sie sich in nächster Zeit sicher wieder setzen müsste, wenn sie nicht erneut unsanft auf dem Boden landen wollte. Doch trotz dieses kleinen Umstandes, war sie deutlich fitter und das garantiert nur aufgrund der intensiven Pflege durch Lauryn und Laogh.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Dienstag 19. Oktober 2021, 14:45

Auch wenn er noch immer jeden ihrer Schritte bemerkte und in das Bild, das er sich in der gemeinsamen Zeit hatte machen können, einfügte, war er längst nicht mehr derart stark darauf fokussiert wie am Anfang. Das meiste hatte er inzwischen für sich erkannt und ihrem imaginären Profil einverleibt, sodass er seine Aufmerksamkeit auch anderen Dingen widmen konnte. Wenngleich das nicht bedeutete, dass er sie außer Acht ließ oder gar vernachlässigen würde.
Aber er musste ebenso wenig noch beständig seine vollste Konzentration für jeden ihrer Schritte verwenden, sondern konnte ihr etwas mehr von den unsichtbaren Zügeln geben für ihre Bewegungsfreiheit, die er ihr gedanklich angelegt hatte, ohne sofort Überlegungen darüber anstellen zu müssen, wie ihre nächste Reaktion ihm zur Last werden könnte. Das war auch zu seinem eigenen Vorteil, schließlich hatte er sich unfreiwillig einen weiteren Klotz aufgehalst, den er zumindest noch einige Stunden lang in Schach halten musste.
Solange, bis er eine, ausnahmsweise, recht schmerzfreie und wenig belastende Methode ergreifen konnte, um sich des Gefangenen zu entledigen. Dass es soweit kommen würde, das stand für ihn zweifelsfrei fest. Es stellte sich viel eher die Frage, wie er in dieser Zeit größeren Schaden abwenden und seine Pläne dennoch durchsetzen könnte. Deswegen auch blieb er in der Nähe, um zu beobachten und zugleich handeln zu können, sollte es erforderlich werden.
Bislang jedoch erwies sich seine Vorsicht als unbegründet, denn der Mischling reagierte so, wie er es erwartet hatte. Das war gut, das vermied unnötige Komplikationen.
So konnte er es auch recht sorgenfrei zulassen, dass sie ihn weg von dem Wägelchen und hin zu dem Feuer führte. Natürlich hielt er dabei nicht seinen Mund, sondern versuchte auf subtilere Art, ihre Gedanken in eine andere Richtung zu leiten und dadurch abzulenken, von welchem Vorhaben auch immer. Dass es nicht recht gelang, sondern lediglich das Unvermeidbare einen Tick weit hinaus zögerte... nun, damit konnte er trotz allem leben.
Bei ihrer etwas zweifelnden Erwiderung tat er nichts weiter als äußerst vielsagend seine Augenbraue anzuheben und in seinen Blick noch deutlicher den Spott treten zu lassen. Was sie wiederum dazu nutzte, ihm die Hand auf den Brustkorb zu legen und ihn etwas... abzuklopfen.
Er konnte die Gelegenheit naturgemäß nicht einfach verstreichen lassen und ihre Reaktion, bei der sie versuchte, seine Hand wegzuschlagen, die er längst zurück gezogen hatte, stieß er sein leises, amüsiertes Hüsteln aus. "Ah, also doch noch nicht alles vergessen!", konterte er nicht weniger ironisch und zugleich mit jenem speziellen Tonfall, der sie daran erinnern sollte, dass sich die Zeit mit ihm weitaus angenehmer ausfüllen ließe als mit dem Gefangenen.
Dennoch ließ er sie im Endeffekt gehen und machte dabei eine Wandlung zur theoretisch lebendigen Statue durch, um weiterhin ein wachsames Auge zu haben. Wie schon so oft bewies er dabei, wie rasch er die Maske zu wechseln verstand, denn niemand hätte bei diesem Anblick vermuten können, wie zweideutig er vor wenigen Sekunden noch gesprochen hatte.
Der Mischling hingegen war vor allem eines: stur. Und das auch noch äußerst verbissen, denn er ließ sich von nichts beeinflussen, weder von ihrer erneuten Kontaktaufnahme, noch von dem wohl duftenden Essen, das sie mitbrachte. Ob er in der Zeit ihrer Bewusstlosigkeit etwas zu sich genommen hatte? Nun ja... die Elfe hatte erzählt, bei der Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit hätte sie durchaus mitgeholfen. Was hatte also der Schatten bei dieser Gelegenheit getrieben?
Jedenfalls schien der Gefangene seinen Körper recht gut im Griff zu haben, nicht das geringste Grummeln in seinen Eingeweiden war zu vernehmen, obwohl er sicherlich schon besser versorgt gewesen war. Lediglich einmal kurz schien ihm der Geduldsfaden zu reißen, womöglich aufgrund seines geringeren Alters, da er noch um einiges jugendlicher wirkte im Vergleich zu dem Meisterspion. Seine Worte waren an die Statue vor dem Feuer gerichtet und von einer Art, die wohl nur verstanden werden konnte, wenn man sich besser und länger kannte. Eine Replik oder sonstige Reaktion erfolgte nicht und so verzog auch er sich erneut in sein stoisches Schweigen.
Nur hatte er die Rechnung ohne der Wirtin gemacht, denn sie erhob sich schließlich und zwang ihm die gefüllte Schüssel auf. Das irritierte ihn tatsächlich so sehr, dass er einen Moment lang blinzelte und dabei offenbarte, wie jung seine Züge in Wahrheit wirkten, wenn er nicht den grimmigen Sturkopf gab.
Dann hatte er sich allerdings wieder gefasst und wandte demonstrativ den Kopf von ihr ab, bis sie sich entfernte. Das Tätscheln an seiner Schulter entlockte ihm dabei ein beinahe lautloses und definitiv äußerst unwirsches Knurren, aber ernsthaft aus dem Gleichgewicht brachte ihn das nicht.
In ihrem Rücken konnte sie daraufhin das Wägelchen knarren und knarzen hören, als er sich leicht bewegte und mit einer erstaunlichen Geschicklichkeit dafür sorgte, dass am Ende nichts mehr auf seinen Knien zu balancieren war, sondern sich dampfend zwischen seinen Beinen befand. Dabei verschüttete er kaum einen Tropfen, was für eine sehr gute Körperbeherrschung sprach. Es ihm jedoch auch erschweren würde, etwas zu trinken, sollte er trotz allem noch dem Hungergefühl nachgeben wollen. Obwohl sein bereits wieder abgewandter Blick davon zeugte, dass dem vermutlich kaum der Fall sein würde.
Der Schatten indes rührte sich weiterhin nicht, sah sie nicht einmal an, als sie sich zu ihm gesellte und ihn scheinbar mit der Kopie seiner Haltung provozieren wollte. Auch ihre Worte wären dazu angetan gewesen, wenn es sich um jemanden gehandelt hätte, der sich weniger gut im Griff hatte.
So schnaubte er lediglich und warf ihr einen schiefen Blick zu, der allein schon besagte, dass sie es derart plump eigentlich gar nicht versuchen sollte. "Also wirklich!", schickte er noch in einem sich beschwerenden Tonfall hinterher und konnte damit so vieles meinen. Ihre Aussage an sich, einen Teil davon oder die Möglichkeit, dass sie den Gefangenen als sein Fleisch und Blut bezeichnete.
Das lag ganz an ihr, denn er schien ebenfalls nicht länger an einem Gespräch interessiert zu sein und löste nun endgültig seine Haltung auf. Ohne sie oder den Mischling eines weiteren Blickes zu würdigen, entfernte er sich mit gezielten Schritten vom Feuer, sodass seine Gestalt schon nach wenigen Metern von der Dunkelheit regelrecht verschluckt wurde.
Was hatte er jetzt wieder vor? Hatte sie womöglich einen Nerv getroffen und war der Wahrheit näher gekommen als erhofft? Oder hatte sie genau das Gegenteil bewirkt und ihn, ein weiteres Mal, gekränkt? Sollte sie ihm folgen und die Gelegenheit nutzen, ihn noch mehr zu provozieren, oder sich lieber ausruhen, um weiterhin an Kraft zurück zu gewinnen? Beides hätte seinen Reiz, die Frage war, welcher davon war größer und lohnte sich mehr.
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Freitag 22. Oktober 2021, 23:56

Es kostet schon ziemlich viel Energie wenn man wie Eleyna versuchte einem Sturkopf Herr zu werden. Nicht genug damit, dass sie sich an dem Spion die Zähne ausbiss nein, die Götter hatten ihr nun auch noch einen ebenso sturen Bock von Gefangenen gesandt. Ob sie sie prüfen wollten? Ob es die Strafe für ihren Lebensstil war? Für den Verrat? Faldor würde sich sicher nicht mit so etwas aufhalten, sondern sie eher im Harax leiden sehen, doch wieso entschied sich das Universum dann, sie immer wieder in Sackgassen zu führen? Die Spionin saß neben dem jungen Mischling und rührte in der Suppenschale, während er sich zischend an die Salzsäule am Feuer wandte. Nichts passierte. Wenn es eine leise Hoffnung gegeben hätte, sie war augenblicklich dahin. Die Dunkelhaarige hätte gerne dem Impuls nachgegeben, die heiße Suppe irgendwo zu verteilen, doch sie rührte sich nicht und zeigte dem Mann neben ihr, dass er sie mit seinen Worten nicht erreichen konnte. Dass er die Worte sprach, war bereits ein kleiner Erfolg den sie auch gerne verbuchte. Doch aller Hoffnung, einen Zugang gefunden zu haben, zum Trotz, verstummte die angenehme Stimme des Anderen wieder und auch Laogh regte sich nicht. Eleyna war erneut am Anfang und hatte keinen Bedarf mehr daran, sich weiterhin mit dem Gefangenen zu unterhalten. Der Triumph, irgendetwas bekommen zu haben, wurde noch etwas versüßt, als er sich wie ein bockiges Kind wegdrehte und demonstrativ den Blickkontakt vermied. Ein Schmunzeln legte sich auf die Lippen der Halbelfe, während sie sich erhob. Nun, eine kleine Gemeinheit konnte sie sich nicht verwehren, also stellte sie die heiße Schüssel kurzerhand auf seine Beine. Ihre Worte blieben wie zu erwarten unbeantwortet und so tätschelte sie ihm unverhohlen die Schulter, während sein Blinzeln Öl im ihr Feuer goss. Er war eben nicht ganz so gut wie Laogh. Er war noch jung und hitzig, beinahe so wie sie, auch wenn sie grundsätzlich ganz anders arbeitete. Doch sie erhielt immerhin Brotkrumen und diese genügten ihr vorerst. Sich dessen gewiss, dass sie vorerst nichts weiter aus ihm herausbekommen würde, kletterte sie noch etwas mühevoll vom Wagen und kam dann langsam zu Laogh zurück. Eleyna stellte sich neben ihn, kopierte in gewisser Weise seine Haltung und ließ dann einfach ihrer Einschätzung freien Lauf.

Die Reaktion die folgte entlockte der Spionin ein deutlichen Augenrollen. Sie wandte den Kopf bei seinem Schnauben und noch ehe sie etwas sagen konnte, ließ er sie stehen. Die Spionin sah dem Schatten nach, bis er sich in die Dunkelheit einfügte und so wartete sie einen Moment, bis sie ihn auch nicht mehr hören konnte. Momente verstrichen und Impulse jagten durch ihren Körper, ihm zu folgen. Doch ihr Verstand klärte sich mit jeder Sekunde mehr und schüttelte die Verletzung immer weiter ab. Die Spionin verschränkte ihre Arme während sie sich selber davon abhielt, dem Schatten zu folgen. Sie war nicht sein Schoßhündchen und er hatte keine Lust ihr überhaupt irgendetwas zu verraten. Wiedermal. Eleyna zuckte die Schultern, als könne es jemand sehen, bevor sie ihre Arme wieder löste und sich langsam umdrehte. Am Feuer lag noch ihre Schlafstatt und sie spürte, dass die Bewegung, die innerhalb der letzten Tage deutlich fremder geworden war, ihren Tribut forderte. Plötzlich wusste sie, dass sie ihm nicht folgen könnte, selbst wenn sie es nun vorgehabt hätte. Sie spürte eine Müdigkeit in sich, die langsam ihre Glieder empor kroch und musste sich, wenn auch nur für sich, eingestehen, dass sie erschöpft war. Die Halbelfe lenkte ihre Schritte zurück zu ihrer Decke und ließ sich langsam darauf sinken. Sie spürte augenblicklich, dass ihre Beine dankbar waren für die Ruhe und als sie sich die Decke vom Feuer wieder über die Schultern zog, kippte sie einfach zur Seite und begrüßte das wohlige Gefühl zu liegen. Sie lag einen Moment da, starrte mit hellen Augen in die Flammen, bevor es keine Minute dauerte und ihr Körper sie zur Zwangspause verdonnerte. Eleyna schlief augenblicklich ein und fiel sehr schnell in ein tiefes Schwarz, das sich nach nur wenigen Momenten in ein verwirrendes Wirbeln verwandelte. Immer wieder flogen Objekte und Bekannte vorbei, winkten oder katapultierten sie zu Erinnerungsfetzen zurück, die sie im ihrer Vergangenheit erlebt hatte. Alle kamen darin vor, als hätte man ein Buch mit sieben Siegeln geöffnet. Ihre Mutter, ihr Vater, ihr jüngeres Ich, Veron, Arrond, Laogh, der Gefangene, Rodrick… sie alle waren gekommen, um ihren Schlaf zu stören, ihre Ruhe zu vergiften und so wühlte Eleyna ab und zu, ballte ihre Hände zu Fäusten, als würde sie unsichtbare Kämpfe austragen. Es dauerte eine Weile, bis sie endlich ruhiger wurde und mit leichten Schweißperlen auf der Stirn endlich einen etwas erholsameren Schlaf fand. Dieser wurde kurze Zeit später allerdings erneut gestört, als durch den dunklen Schleier mehr und mehr ein undurchsichtiges Gemurmel erklang. Undefinierbar könnte es auch ein neues Traumbild sein, jedenfalls fiel es ihr schwer, sich darauf zu konzentrieren, denn die Müdigkeit war noch allgegenwärtig. Zumal sie bisher nichts verstehen konnte und sich schwer tat, überhaupt darauf zu achten.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Samstag 23. Oktober 2021, 15:54

Hätte der Schatten ob ihrer Gedanken gewusst, er hätte sich köstlich darüber amüsiert. Damit nicht genug, er hätte sicherlich so einiges daran gesetzt, um ihr noch mehr Kopfschmerzen zu bereiten, allein schon zu seiner Belustigung. Allerdings beherrschte er die Fähigkeiten der Telepathie bedauerlicherweise nicht und obwohl er äußerst viel aus seinem Gegenüber für gewöhnlich herauslesen konnte, alles wusste er am Ende auch nicht. Umso mehr musste er beobachten und das konnte er besonders gut.
Ob er eine Offenbarung seitens des Gefangenen befürchtete oder nicht und wenn doch, warum, das konnte er wie immer perfekt überspielen. Denn, dass mit dem Mischling irgendeine Verbindung herrschte, war offensichtlich, sonst wäre er weder am Leben, noch mit ihnen die letzten Tage mitgereist.
Zum Leidwesen der Spionin indes war auch dieser Mann nicht gewillt, den Mund aufzumachen. Dass er einer Sprache mächtig war und seine Stimme gar nicht so schlecht klang, bewies er trotzdem, nur blieb er kryptisch und gewährte keine Erkenntnis für einen Außenstehenden.
Schließlich gab sie es auf, wenngleich nicht, ohne dem Gefangenen eine unliebsame Aufgabe zu stellen, die ihm tatsächlich einen Moment lang die wohl gepflegte Maske entriss und offenbarte, dass er noch viel zu jung für dieses blutige Geschäft war. Eigentlich... wenn nicht morgerianisches Blut sichtlich in ihm geflossen wäre. Dann hatte er sich wieder gefangen und balancierte die Schüssel geschickt soweit, dass er sie auf seine Art los wurde.
Der Meisterspion hingegen beobachtete das und reagierte... nun ja, alles andere als hilfreich für ihre eigenen Gedankengänge. Ja, er wirkte direkt beleidigt ob ihrer Vermutungen und ließ sie daraufhin sogar stehen. Es fiel jemandem wie ihm nicht sonderlich schwer, mit der Dunkelheit außerhalb des Feuerscheins zu verschmelzen, als er sich von ihr abwandte und sich entfernte.
Warum er das tat? Weil er nicht reden wollte? Weil er genug gesehen hatte? Weil es Zeit für eine absichernde Patrouille wurde? Schon wieder taten sich eine Handvoll neuer Fragen auf, doch die Mischlingselfe hatte sich übernommen. Auch wenn ihre Kräfte allmählich zurückkehrten, sie waren noch nicht allesamt wieder vorhanden und ihr Körper verlangte nach seinem Recht auf Ruhe.
So dauerte es auch nicht lange, bis sie vernünftig genug war, sich ans Feuer zu legen und nicht gegen die bleischweren Lider anzukämpfen, die ihr regelrecht zufielen und sie in den Schlaf zwangen. Durch ihre Erschöpfung bekam sie auch nicht mehr mit, wie sich etwas später in ihrem Rücken etwas tat.
Der Schatten löste sich aus der Dunkelheit, nahm die Schüssel an sich und hielt sie dem Gefangenen direkt unter die Nase. "Trink freiwillig oder ich hole eine frische Portion und flöße sie dir brennheiß ein... Käfer!", raunte er und grinste fein, aber definitiv herausfordernd.
Der Angesprochene funkelte ihn mordlüstern an. "Nenn mich nicht so!", fauchte er und bereute es bei dem Auffunkeln in den Augen des anderen. Wenngleich dieser sich durchsetzte und so dafür sorgte, dass die gebrachte Brühe einen Magen füllen konnte.
Danach nickte Laogh zufrieden und deutete auf die Ladeflächen des Wägelchens. "Und jetzt, schlafen!", befahl er und sein Gegenüber wusste, dass diesen Worten sonst Nachdruck verliehen werden würde.
"Ich bin nicht dein Lakai!", begehrte er dennoch auf und musste einfach rebellieren gegen diese Autorität. Mit dem Ergebnis, dass der Schatten nicht lang fackelte und mit seinem bewährten Griff dafür sorgte, dass er seinen Willen bekam. So hatte er auch ausreichend Sicherheit, um sich nicht beobachtet fühlen zu müssen, als er sich der anderen Mischlingselfe zuwandte.
Diese schlief anfangs noch ruhig und definitiv tief, aber schließlich änderte sich nach einiger Zeit etwas, ganz so, als gäbe es da üble Träume, die sie heimsuchten. Nachdem ihm das nicht unbekannt war, weder bei sich selbst, noch bei ihr inzwischen, handelte er kurzentschlossen. Sie brauchte diese Ruhe, um Kraft schöpfen zu können, und nachdem niemand es mitbekommen würde... legte er sich hinter sie, zog sie in seine Arme und gab ihr Halt sowie Wärme, damit die schlimmen Bilder verblassen konnten. Außerdem konnte er auf diese Weise ebenfalls etwas Schlaf finden, wenngleich er in gewissen Abständen seine Patrouille wiederholte und auch den Zustand des Gefangenen kontrollierte.
Dieser rührte sich bis zum Morgengrauen nicht, was auch seine Absicht gewesen war. Umso wütender war der Mischling indes, als er wieder zu sich kam und feststellen musste, dass er noch einmal die verhasste Gesellschaft ertragen musste. Noch in seiner liegenden Position funkelte er wütend in das dunkle Gesicht, das ihn spöttisch angrinste. "Hoch mit dir, sonst saust du dich noch ein, Käfer.", provozierte dieser natürlich weiter.
Der Jüngere knurrte leise. "Das nächste Mal findest du mich nicht rechtzeitig.", knurrte er und musste es dennoch über sich ergehen lassen, dass der Meisterspion ihm half.
Wenig später kehrten sie von dem Fleckchen zurück, das sie sich hinter den Pferden gesucht hatten, damit tatsächlich kein Unglück passieren würde. Nicht, dass Laogh dabei behutsam oder gar fürsorglich mit dem anderen umgegangen wäre, trotzdem war es mehr, als man ihm vermutlich zugetraut hätte. Solange, bis sie wieder zurück am Wägelchen waren und er den Mischling recht unsanft zurück katapultierte, um im Anschluss daran die Fesselung zu kontrollieren.
"Du sperrst mir das Blut ab!", protestierte der Gefangene.
"Keine Sorge, noch sind deine Finger nicht blau und in einigen Stunden bist du sie los.", konterte der Dunkle ungerührt und zog noch extra einmal fest. "Außerdem bist du früher nicht so zimperlich gewesen. Wer macht diesen Weichling aus dir?", setzte er nach und hatte wieder sein feines, spöttisches Grinsen aufgesetzt.
"Du kannst es jedenfalls nicht sein.", kam es zurück, in der Absicht, den Schatten damit in seinem Inneren zu treffen. Was dieser gar nicht erst zuließ und selbst wenn, hätte er es erfolgreich zu verbergen gewusst.
Indes deutete der Mischling mit dem Kinn in Richtung Feuer, vage dabei auch in Richtung der schlafenden Spionin. "Schickst du sie jetzt für deine Drecksarbeit vor? Soll die Beine für jeden breit machen, damit du deinen Willen bekommst?", stichelte er weiter.
Laogh drehte den Kopf und warf einen Blick über die Schulter zu der gemeinten Person.
Ein leises, gehässiges Lachen erklang. "Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich fast fragen wollen, ob du sie magst und nicht nur benutzt!" Abrupt drehte der Dunkle sich zurück und sein Gesicht wurde zu einer absolut neutralen Maske.
"Vorsicht, Käfer, verbrenn dir nicht die Finger.", erwiderte er gefährlich ruhig und offenbarte damit seinem Gegenüber, dass dieser auf einem guten Weg war. Trotzdem behielt er es noch für sich, um später daraus erfolgreicher Kapital schlagen zu können.
"Mutter hat sich inzwischen übrigens beruhigt. Deine Eingeweide sollst du behalten, aber häuten soll ich dich und ihr daraus einen Lederbezug für ihren Sattel machen lassen.", wechselte er kurzerhand das Thema.
Als wären sie gute Freunde und in geselliger Runde an einem anderen, warmen und gemütlichen Ort bei einem Humpen, bleckte Laogh flüchtig seine Zähne zu einem Grinsen. "Wie? In ihrem Alter erinnert sie sich noch an mich?", hielt er flapsig dagegen und klopfte dem knurrenden Gefangenen, den er damit bewusst hatte reizen wollen, auf die Schulter. Dieses Gespräch führte zu nichts weiter und die Zeit war auch allmählich für den Aufbruch gekommen.
Also wandte er sich ab und wollte zu den Pferden gehen, um nach ihnen zu sehen, vor allem noch einmal die Verletzung von Draca zu überprüfen, da er sie diesen Tag über wieder reiten wollte. Schließlich war sein Halt bei einer gewissen Person nun nicht länger notwendig.
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Eleyna d'Yaincre
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Sonntag 24. Oktober 2021, 14:16

Die Müdigkeit war gnadenlos, als sich Eleyna ans Feuer setzte und sich mit einer zweiten Decke wärmte. Sofort wurden die Lider schwer und als sie sich hinlegte, dauerte es nur wenige Sekunden in denen sie lediglich das hypnotische Flackern des Feuers wahrnahm, bis die Augen bleischwer zugingen. Eleyna fiel augenblicklich in einen tiefen Schlaf, dunkel und friedlich. Sie genoss das Gefühl des leichten Fallens, bis sich auch ihr Verstand verabschiedete und sie ruhen ließ. Um sie herum nahm die Spionin nichts wahr und so wusste sie auch nicht, was sich in ihrem Rücken abspielte. Vielleicht aber waren es die geschulten Sinne die nicht ruhen wollten, vielleicht hatte sie unbewusst doch etwas wahrgenommen, jedenfalls änderte sich das schwarze Traumbild ohne Unterlass und plötzlich wurde das ruhige Dahingleiten zu einer wilden Verfolgungsjagd. Sie sah ihre Mutter über sich, die der erwachsenen Eleyna sagte, sie müssen fliehen, da eine große Feuerwand auf sie zugewalzt kam, doch im nächsten Moment erstach sie ihren Vater und lachte böse dabei, während Eleyna erstarrt auf den toten Körper ihres Vaters achtete und dabei den Flammen zum Opfer fiel. Es brannte, es brannte beinahe körperlich, doch bevor sie aufschrecken konnte, veränderte sich das Bild und Veron trat aus dem Hintergrund. Er umfasste sie von hinten, liebkoste ihren Hals und ließ seine Hände gleiten, bis er plötzlich mit einem Messer zustach und ihr das Rückenmark durchtrennte.
Schlapp hing Eleyna in den Armen und war unfähig etwas zu tun. Plötzlich drehte Veron sie herum und sie blickte in das Gesicht des damaligen Anführers der Diebe. Als hätte man sie mit Schürharken bearbeitet, drangen die Schmerzen tief in ihre Seele und vernarbten das junge Herz für den Rest ihres Lebens. Eleyna schrie, zumindest im Traum und wühlte in der Realität. Sie griff, die schreckliche Folterung abermals durchlebend, nach der Decke und krampfte ihre Hände darin fest, keuchte und warf den Kopf hin und her. Plötzlich veränderte sich das Bild des dunklen Kerkers in Sarma erneut und sie fand sich auf einer seltsamen Lichtung wieder.

Eleyna entspannte sich, denn von diesem Bild ging eine gewisse Ruhe aus, die sich auf ihren Geist übertrug. Langsam sah sie sich um, drehte sich im Kreis und erfasste mit hellem Blick ein kleines Haus. Wärme umgab sie und ohne zu wissen, dass es der Körper des Spions war, der ihr Halt und Ruhe spendete, entspannte sie sich merklich in seinem Arm. Eleyna schlief nach wie vor tief und doch sah sie sich in einem weißen Kleid, barfuß und mit offenen Haaren. Sie ging langsam auf das Haus zu, aus dem leichter rauch stieg und ein Gefühl von Heimeligkeit suggerierte. Zögernd kam sie näher, bis die Tür plötzlich geöffnet wurde und ein kleines Mädchen mit schlohweißen Zöpfen die Stufen hinabsprang und lachend auf Eleyna zulief. Die Spionin runzelte die Stirn und öffnete wie selbstverständlich die Arme, um das Mädchen aufzufangen. Als wäre es das Normalste der Welt. Erneut lachend hängte sich das Mädchen an sie und Eleyna ging in die Knie, um sie hochzuheben. Kleine, dunkle Kinderhände nahmen ihr Gesicht zwischen sich und helle blaue Augen funkelten ihr entgegen. Die Ähnlichkeit war verblüffend und während sie das noch verdauen musste, weil sie nicht verstand, erregte über den Kopf des Mädchens hinweg eine weitere Gestalt ihre Aufmerksamkeit. Ein feines Lächeln auf den Lippen, die Hände auf dem Rücken verschränkt, trat die dunkle Gestalt aus dem Haus. Mit jedem Schritt näher, zog sich Eleynas Magen zusammen, als sie erkannte wer dort aus dem Haus trat. Urplötzlich schreckte sie auf und öffnete die Augen. Eleyna keuchte und atmete schneller, während sie irgendwo zwischen Realität und Traum gefangen war. Mit klopfenden Herzen fand sie zurück in die Realität und brauchte dennoch Zeit, sich mit dem Bild, das sie eben erblickt hatte, auseinanderzusetzen. Verrückt war der Traum gewesen, absurd gar doch das hatten Manthalas Bilder oft an sich. Das leicht heruntergebrannte Feuer half ihr, den Anker wieder in dieser Welt zu finden und so wurde sie sich auch dem Gemurmel bewusst, das sich hinter ihrem Rücken abspielte. Sie wurde ruhiger und lauschte, auch wenn sie offenbar den Anfang verpasst hatte. .. ob du sie magst und nicht nur benutzt! Vorsicht, Käfer, verbrenn dir nicht die Finger
Die Worte kamen eindeutig vom Spion, also musste er mit dem Gefangenen reden. Eleyna hielt beinahe die Luft an, als sie weiter sprachen: Mutter hat sich inzwischen übrigens beruhigt. Deine Eingeweide sollst du behalten, aber häuten soll ich dich und ihr daraus einen Lederbezug für ihren Sattel machen lassen. Wie? In ihrem Alter erinnert sie sich noch an mich?“ Eleynas Herz stockte. Erwischt! Zufrieden stahl sich ein Lächeln auf ihr Gesicht, während sie das Geträumte in den Hintergrund drängte und erfolgreich schaffte, sich dem Bild zu entziehen. Sie blieb noch einen Moment liegen, während sich der schleichende Gang des Meisterspions entfernte und richtete sich dann allmählich auf. Jetzt spürte sie die Folgen der Nacht und rieb sich etwas gerädert über den Nacken, ehe sie es trotzdem schaffte, die Müdigkeit und die Gefühle verbunden mit all den Alptraumbildern zu verbannen. Sie erhob sich langsam und fühlte sich kräftiger. Dass sie das auch Laogh zu verdanken hatte, wusste sie indes nicht. Doch ihm wich sie ohnehin aus, denn das was sie da gesehen und vor allem gefühlt hatte, sollte er sicher nicht erfahren. Also machte sie sich daran, ihre Decke auszuschütteln und spürte ein seltsames, flaues Gefühl im Magen. Sie wandte sich dem Feuer zu, sah nach, ob es etwas gab, was sie zubereiten könnte. Offenbar hatten die Bilder sie hungrig gemacht.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Sonntag 24. Oktober 2021, 15:04

Nachdem er dafür gesorgt hatte, dass ihr Lager so sicher wie möglich war und ihm auch niemand einen Strick aus seinem Handeln drehen konnte, begab er sich ebenfalls zum Feuer. Er sah und konnte hören, dass die Mischlingselfe unruhig schlief, und entschied sich zu etwas, das ein Beobachter als Mitgefühl hätte auslegen können... oder als Schwäche, je nachdem, welchen Standpunkt man diesbezüglich vertreten wollte.
Ja, vermutlich war es tatsächlich nicht das Klügste, aber er war überzeugt davon, dass niemand ihn so sehen würde. Und selbst wenn, könnte er immer noch behaupten, er hätte einfach gern einen weiblichen, weichen Frauenkörper im Arm und könnte so seine Finger ungehindert wandern lassen, wenn ihm danach wäre.
Warum genau er hingegen sich dazu legte und mit seiner Wärme für Halt und Ruhe sorgte, blieb allein sein Geheimnis. Ob er selbst es so genau wissen wollte? Nun, wahrscheinlich nicht, obwohl das nicht bedeutete, dass es ihm nicht längst klar wäre. Es würde auch seine Entscheidungen nicht beeinflussen, das hatte es noch nie, denn sonst würde er nicht mehr leben.
Doch es bemerkte niemand, sogar die betroffene Person wachte dadurch nicht auf, somit musste er sich nicht unnötig damit auseinander setzen, als er im Morgengrauen aufstand und den Tag begann. Dabei sah er auch nach dem Gefangenen, dessen Zunge sich ihm gegenüber durchaus lockern konnte. Nicht, dass die Worte sonderlich freundlich oder das Gespräch gar erbauend gewesen wäre. Es war schlichtweg vermutlich die letzte Gelegenheit dazu, denn noch waren sie ungestört. Wenngleich der Schatten tatsächlich nicht mitbekam, dass er belauscht wurde, weil sich niemand auffällig laut am Feuer rührte.
Schließlich ließ er den Mischling stehen und begab sich zu den Pferden, um dort nach dem Rechten zu sehen. Er wurde mit einem leisen Schnauben empfangen, das einen empörten Unterton hatte. Lautlos lachend strich er seiner Stute über die weichen Nüstern und murmelte ihr ein paar Worte zu die netter waren als alles, was er für gewöhnlich Zweibeinern gegenüber äußerte. Trotzdem war sie alles andere als zufrieden mit seiner Behandlung und wollte erst recht wieder verhindern, dass er sich ihre Verletzung ansah.
Er ließ sich davon nicht beeindrucken und vergewisserte sich, dass er ihr diesen Tag über keinen Schaden zufügen würde. Den Sattel selbst würde er nicht benutzen, jedoch würde ihm auch die Pferdedecke reichen, um sich auf dem Rücken halten zu können. Ja, es war soweit, er würde sich auf sein Reittier schwingen und dort die Stunden verbringen können, bis sie an ihrem Ziel wären.
Es sollte keinerlei Verzögerungen mehr geben, sodass es am Abend endlich erreicht wäre und sich diese zusammengewürfelte Gruppe zu zerstreuen beginnen könnte. Nicht sofort, wahrscheinlich erst am nächsten Morgen, allerdings gab es die realistische Aussicht auf eine Nacht in einem Bett.
Ob er diese Nacht noch einmal durchwachen und aktiv mit der Mischlingselfe sein würde? Nun, abgeneigt wäre er nicht, nur ob er es darauf anlegen würde, darüber war er sich noch nicht sicher. Auch der Gefangene musste bewacht und kontrolliert werden, da durfte er sich nicht zu sehr ablenken lassen. Doch er hatte ja noch Zeit für eine Entscheidung. Jetzt galt es erst einmal, Lauryn aufzuwecken und seine eigenen Vorbereitungen zum Aufbruch zu treffen.
Also sah er noch kurz nach dem Rappen, der sich ebenfalls sehr zutraulich und gezähmt ihm gegenüber benahm, weit weniger zickig als Draca natürlich, ehe er sich wieder dem Feuer zuwandte. Dabei konnte er sehen, dass sich die Spionin erhoben hatte und aktiv zeigte, sodass er, mit seinem üblichen, feinen Grinsen auf den Lippen, erst einmal zu ihr gesellte.
Lautlos trat er neben sie, tauchte dort, mehr oder weniger aufgrund der besser werdenden Lichtverhältnisse, wie ein Schatten auf und würde sich insgeheim darüber amüsieren, sollte er es geschafft haben, sie zu erschrecken. "Ah, sehr gut, du stehst auf eigenen Beinen. Dann brauche ich dich nicht wie ein Paket über den Rücken von Raik legen.", spöttelte er, auch, um zu prüfen, wie gut sie tatsächlich wiederhergestellt war. Und inwieweit sie etwas von der letzten Nacht mitbekommen hatte. Danach würde er sich um die Waldelfe kümmern, die ebenso wie der Mensch noch selig schlummerte.
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Montag 25. Oktober 2021, 00:14

Eleyna war schon oft von Schreckensbildern im Schlaf heimgesucht worden, doch dieses Mal war aufwühlender und sie verstand nicht Recht warum. Sie fand sich immer wieder mal in der Folterkammer in Sarma wieder oder wurde durch Veron verraten. Manchmal träumte sie, dass Arrond tot wäre und dann wiederum, dass ihr Vater lebte aber ihre Mutter nicht mehr. All das war nichts neues für sie und doch nahmen sie diese Träume mit. Eleyna brauchte einen Moment, um sich wieder im Hier und Jetzt einzufinden, bevor sie sich des Gemurmels bewusst wurde. Die Stimmen konnte sie zügig auseinanderhalten und so lauschte sie überrascht und neugierig zugleich , während sie Zeugin dessen wurde, was sie bereits in etwas abgewandelter Form vermutet hatte. Sie waren also doch verwandt und offenbar Brüder. Die Mischlingselfe ließ sich nichts anmerken, sondern wartete auf den richtigen Moment, um sich zu rühren. Offenbar war das Gespräch vorbei, denn Laogh hatte- wie immer- das letzte Wort, ehe er sich beinahe lautlos entfernte. Eleyna hörte das Schnauben von Draca und war sich sicher, dass er ihr einen Besuch abstattete. Wie es ihr wohl ging? Das letzte, was die Spionin wusste, war dass sich einer der Banditen an ihr vergangen hatte und sie verletzt war. Eleyna erhob sich von ihrer Schlafstatt, denn die Bilder und das was sie erfahren hatte, trieben sie zum Aktionismus. So schüttelte sie die Decken aus, bevor sie das flaue Gefühl bemerkte und sie nach etwas Essbarem suchen ließ. Die Decken fein säuberlich gefaltet, blickte Eleyna an den Rand des Lagerfeuers. Die Scheite glommen nur noch rot, das Feuer war bereits erloschen.
Doch sie konnte einige Reste der Suppe ausmachen, so wie Beeren und etwas trockenes Brot. Beim Anblick jedoch, erkannte sie, dass ihr flaues Gefühl kein Hunger gewesen war. Eleyna presste die Lippen aufeinander und wandte den Blick angeekelt ab.

Plötzlich wurde ihr schlecht, doch just in dem Moment, wo das Gefühl sie zu übermannen drohte, ertönte eine bekannte Stimme hinter ihr. Die Spionin zuckte tatsächlich zusammen, da sie Laogh bei den Pferden vermutet hatte, ehe sie sich umdrehte und ihn ansah. Von der Übelkeit war keine Spur mehr und sie ließ die Decken in ihrem Arm etwas sinken. Es dauerte zwei Sekunden in denen sie sich sammeln musste und ihre Sprache wiederfand: „Wie ein Paket, hm? Transportierst du denn alle Pakete mit dieser.. Fürsorge?“, warf sie den Ball zurück und ließ ihn ein feines Lächeln sehen. In ihren Augen funkelte es angriffslustig, auch wenn sie durchaus als harmlos einzustufen war. Eleyna drehte sich Laogh weiter zu und warf kurz einen Blick zum Gefangenen. Danach glitt ihr Blick zu dem Rappen und in ihrem Gesicht konnte man ihre Gedanken ablesen. „Raik?“ hakte sie nach und fand den Blick zurück zum Schatten. „Sag bloß du bist jetzt mit meinem Pferd per Du?“, frotzelte sie grinsend und schaute zum Tier zurück. „Raik..“, wiederholte sie den Namen und schien ihn sich gedanklich immer mal wieder vorzusagen. Dann zuckte sie die Schultern und blickte Laogh wieder an. „Gefällt mir- auch wenn ich es sicher nicht gut heiße, dass du dir das Recht heraus nimmst, meinem Pferd einen Namen zu geben. Aber..“, sie lächelte leicht und gleichwohl zynisch, „das hast du dir wohl verdient, was?“, sprach sie leise und neigte sich etwas vor. Danach musterte sie Laogh einen Moment schweigend. „Brechen wir auf?“fragte sie kurz darauf beiläufig, während sie sich etwas abwandte und sich ganz bewusst entschied, ihm nicht zu verraten, dass sie etwas wusste. Eleyna machte keine Anstalten irgendetwas von ihrem Wissen preiszugeben und so klopfte sie scheinbar völlig ahnungslos die Decken etwas aus. "Ich denke ich kann selber reiten. Wie weit haben wir noch?“, sie sah sich nun demonstrativ um versuchte sich zu orientieren, denn immerhin fehlten ihr 4 Tage dazu. Seine Anwesenheit machte etwas mit ihr. Die Situation, dass er sich um sie gekümmert hatte, hatte dazu geführt, dass Eleyna verwirrt war. Sie hatte mit Lauryn über den Nutzen dieser Gemeinschaft gesprochen und war felsenfest überzeugt, dass hier jeder nur um seinen Vorteil besorgt war, sie eingeschlossen. Doch dass sich der Schatten ihrer auf diese Weise angenommen hatte, hätte sie nicht angenommen. Es nicht geglaubt, wenn sie nicht in seinem Arm aufgewacht und ihm so nahe gekommen wäre. Es hatte einen leisen Zweifel gesät, den sie zwar ignorieren konnte, aber nicht wegbekam. Und auch jetzt, hinter seinem Zynismus und Spott war er da und achtete auf sie. Eleyna musterte Laogh noch mal kurz ehe sie sich einmal mehr in Aktionismus stürzte. „Ich helfe den anderen beim Zusammenpacken..“, kommentierte sie ihr Vorhaben und deutete auf die herumliegenden Dinge. Eleyna wirkte sicherer auf den Beinen und auch die Gesichtsfarbe hatte wieder deutlich mehr Ähnlichkeit mit ihrem Erscheinungsbild. Alles in allem war sie auf einem guten Weg und sobald die Kopfschmerzen und die Übelkeit verschwunden waren, wäre sie zum Großteil wieder ganz die Alte.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Montag 25. Oktober 2021, 12:52

Ob der Schatten eigentlich auch von seiner Vergangenheit im Schlaf heimgesucht wurde? Zumindest manchmal? Oder war er viel zu abgeklärt und hätte sich sogar in diesem Zustand soweit unter Kontrolle, um ruhig schlafen zu können? Zuzutrauen wäre es ihm durchaus, vor allem, wenn man sich versuchte vorzustellen, wie alt er tatsächlich war und was er schon alles gesehen hatte. Doch tatsächlich eine Antwort darauf würde man wohl nie von ihm bekommen.
Es sei denn, man könnte ihn heimlich im Schlaf beobachten und anhand seiner Reaktionen Schlüsse ziehen. Wenngleich das ebenfalls ziemlich unwahrscheinlich war, so gut, wie er seinen Körper stets im Griff hatte.
Jetzt hingegen fühlte er sich viel zu sicher, sodass er ein wenig unvorsichtig wurde und die beiden Männer sich laut genug unterhielten, um auch am Feuer wahrgenommen werden zu können. Obwohl die gezogenen Schlüsse über dieses spezielle Verhältnis nicht ganz die richtigen waren, hätte er sie keinesfalls gutgeheißen.
Dennoch ging dieses Wissen an ihm vorerst vorüber, sodass er den Gefangenen sich selbst überließ und sich den Pferden zuwandte. Dass ihn dabei die Blicke des Mischlings regelrecht erdolchen wollten, spürte er und ignorierte es. Ihm konnte derzeit nichts passieren, schließlich hatte er gerade selbst erst die Fesselung soweit nachgezogen, dass es auch dem Können des Mischlings nicht möglich wäre, sich daraus zu befreien. Leichtsinnig durfte er nicht werden, nur, weil die Waffen außer direkter Reichweite sich befanden.
Also kümmerte er sich um seine Stute und ihre Launen, ehe er sich flüchtig auch dem Rappen widmete, der ebenfalls recht anhänglich geworden war in den letzten Tagen... nachdem er begriffen hatte, dass er gegen den Meisterspion nicht gewinnen konnte. Man musste nur wissen, wie man mit einem impulsiven Wesen umzugehen hatte, dann fraßen sie ihm recht rasch nicht nur sichtbar aus der Hand. Zumindest bei Pferden war es bislang immer so gewesen...
Als er fertig war, wandte er sich dem Feuer zu und änderte sein Vorhaben im Stillen, als er erkennen konnte, dass die Mischlingselfe aufgewacht war. Er gesellte sich zu ihr, besser gesagt, er schlich sich an, und einen Moment lang blitzte es amüsiert in seinen Augen auf, als sie sich tatsächlich bei seinem Auftauchen erschrak.
Daraufhin hob sich allerdings seine Augenbraue leicht an, denn ihre Gesichtsfarbe war nicht ganz so, wie sie es sein sollte. Es war keine Sorge, die dieser Anblick in ihm auslöste, jedoch durchaus eine Vorstufe davon. "Du hast dich übernommen gestern.", stellte er lapidar fest, griff nach ihrem Kinn und legte ungefragt seinen Handrücken gegen ihren Hals. Eine effektivere Methode als die flache Hand an die Stirn zu legen, hatte Lauryn ihm erklärt und er machte sich dieses Wissen nun zu eigen.
Im nächsten Moment nickte er zufrieden und beendete die Berührung. "Kein Fieber, na immerhin.", fuhr er fort.
Erst danach ließ er sich dazu herab, den Faden von zuvor wieder aufzugreifen. In seinen Mundwinkel schlich sich sein übliches herausforderndes Grinsen, während in seinen Blick der Spott zurück kehrte. Betont gleichmütig zuckte er mit den Schultern. "Kommt ganz auf das Paket und dessen Verhalten an.", raunte er ihr mit seinem speziellen Timbre zu und verringerte die Distanz zwischen ihnen beiden minimal, sodass sie sich noch gänzlich zu ihm umdrehen, aber ihm nicht sonderlich leicht entwischen konnte, sollte sie es vorhaben.
Ihm entging der Blick in Richtung des Mischlings nicht, doch er würde dieses Thema zwischen ihnen nicht zur Sprache bringen, solange es nicht notwendig wäre. Ohnehin gab es einen anderen Punkt, der ihr jetzt erst aufzufallen schien.
Sein Grinsen wurde etwas breiter und er setzte eine derart betont unschuldige Miene auf, dass man den Schelm dahinter umso deutlicher erkennen konnte. Leicht hob er sogar seine Arme an, als wolle er ihr mitteilen, was er denn für eine andere Wahl gehabt hätte. "Ach, wir hatten ein bisschen Zeit zusammen in den letzten Tagen. Er ist eigentlich gar kein schlechter Kerl,... wenn er einmal begriffen hat, wie der Hase läuft.", erwiderte er und warf ihr einen Blick zu, der mehr als deutlich machte, dass er ihre Führung des Reittieres für zu... nachsichtig oder laienhaft hielt.
"Ja, Raik. Er war einverstanden damit.", bekräftigte er diese Entscheidung, als handele es sich um seinen Besitz. Dass dies nicht der Fall war, war ihm dennoch bewusst und er wartete bereits auf ihren Protest. Der relativ spät kam, wie er fand und es zugleich auf ihren trotz allem noch geschwächten Zustand zurück führte.
Ihre Worte entlockten ihm sein amüsiertes Hüsteln und er machte einen minimalen Schritt auf sie zu, um die Spannung zwischen ihnen wieder stärker aufbauen zu können. Auch sie neigte sich etwas mehr in seine Richtung, sodass er ihr entgegen kam und sich zu ihr hinunter zu beugen begann. "Oh, ich habe mir noch vieles mehr verdient!", raunte er ihr grollend entgegen, legte seine Hand auf ihre Hüfte und zog sie dichter an sich heran.
"Aber du kannst mir glauben, seinem Tier einen Namen zu geben macht vieles einfacher.", fuhr er fort und kam ihr immer näher heran, als wolle er sie küssen. Dicht davor hielt er allerdings inne, weil in seinem Rücken das Holz des Wägelchens knarrte und ein leiser Laut ausgestoßen wurde, der verdächtig danach klang, dass sich gerade jemand ekelte. Ohne sich zu rühren, sah Laogh ihr direkt in die Augen und hatte ein schadenfrohes Grinsen auf den Lippen.
Daraufhin richtete er sich wieder auf und erklärte, laut genug, um auch vom Gefangenen gehört werden zu können:"Zu schade, dass wir nicht allein sind. Mir scheint, jemand unter uns leidet unter Neid und Eifersucht.", spottete er und ließ sie los, um den Abstand zwischen ihnen wiederherstellen zu können. Noch nahm er Rücksicht, wenngleich aus einen gänzlich anderen Grund, als die betroffenen Personen wohl ahnten.
Dann nickte er. "Gleich, sobald alle munter sind und gegessen haben.", erklärte er das Offensichtliche und sah ihr zu, wie sie sich noch weiter um die Decken kümmerte, die eigentlich schon fertig behandelt waren.
Machte er sie nervös? Oder der Umstand, dass sie beobachtet wurden? Das konnte er nicht einfach so stehen lassen, also verringerte er die Entfernung zwischen ihnen erneut, indem er von hinten an sie heran trat, die Hände auf ihre Hüfte legte und sie seinen Körper an ihrer Kehrseite spüren ließ. Noch nicht mit der charakteristischen, vielversprechenden Beule, die gegen sie drücken würde, jedoch mit ausreichend Wärme.
Dabei beugte er sich herunter und raunte ihr verheißungsvoll ins Ohr:"Je nachdem, wie oft du vom Pferd fällst, sollten wir heute Abend da sein. Wirst du es so lange noch ohne einem Auffrischen deines Gedächtnisses aushalten, mein Kätzchen?" Warm blies er seinen Atem gegen ihr Ohr und knabberte flüchtig daran, um zumindest ihrem Körper die ein oder andere Erinnerung zu bescheren.
"Sucht euch ein Zimmer oder einen blickdichten Busch! Das ist ja ekelhaft!", kam es prompt von dem Wägelchen und sorgte dafür, dass sie das grollende Lachen in der Brust des Schattens als sanftes Vibrieren an ihrem Rücken zu spüren bekam.
"Weck Lauryn und iss etwas. Ich kümmere mich um die zartbesaitete Diva!", bemerkte er amüsiert und laut genug, dass besagte Person einen weiteren Grund hatte, ihm den Hals umdrehen zu wollen. Damit wollte er sich von ihr lösen und sein Vorhaben auch tatsächlich in die Tat umsetzen, sofern sie ihn nicht zurückhalten würde.
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Montag 25. Oktober 2021, 14:20

Es war den Träumen geschuldet, dass Eleyna zusammenzuckte, als Laogh so plötzlich auftauchte. In Gedanken war sie noch dabei alles zu verdrängen und tief zu vergraben, sodass es niemals wieder an die Oberfläche gelangen würde. Sie hob den Blick in das Gesicht des Anderen und ihre Übelkeit verschwand. Dennoch fühlte sich der Schatten bemüßigt, sie einer näheren Betrachtung zu unterziehen und Eleyna hatte zumindest so viel Kraft zurückerlangt, als dass sie bei seinem Griff an ihr Kinn stur den Kopf zur Seite ziehen wollte. Er hielt sie mühelos an Ort und Stelle, befühlte mit seinem Handrücken den Hals und entließ sie daraufhin zufrieden aus seinem Griff. Eleyna runzelte die Stirn und zuckte tatsächlich die Schultern. „Ich hatte auch nicht vor ein Pflegefall zu bleiben.“, gab sie zu Protokoll und spielte das ganze nach bekannter Manier herunter.„Übernommen.. Unsinn, ich habe lediglich schlecht geschlafen.“, gab sie zurück und lehnte sich etwas vor, während sie auf seine Art ihrer Behandlung anspielte.
Auch er verringerte die Distanz und Eleyna konnte deutlich spüren, wie sich die Härchen an ihrem Arm aufstellten. Als hätte sich nichts geändert, lullte er sie in seinem charakteristischen Timbre ein, als er ihr typischer Weise entgegnete. Die Spionin hob beide Augenbrauen und schürzte die Lippen. Auch sie verhielt sich weitaus normaler, als in den letzten Tagen. „Ist dem so?“, kokettierte sie.
Eleyna wandte kurz den Kopf, da er ihr so nahe stand, dass sie sich nicht hätte bewegen können, ohne ihn zu berühren und schaute zum Mischling auf dem Wagen. Erst danach glitt ihr Blick zum Rappen und sie erkannte, was Laogh getan hatte. Seine unschuldige Miene entlockte ihr indes ein abfälliges Schnauben.„So? Na was bin ich froh, dass wir dich getroffen haben. Nicht auszudenken was geschehen wäre, wenn er namen- und ich ahnungslos geblieben wäre.“, gab sie zynisch zurück und schürte damit das altbekannte Feuer in sich. Ihre Miene wurde eine Spur distanzierter, auch wenn das kaum über seine Wirkung hinwegtäuschen konnte. Eleyna machte zumindest keine Anstalten, sich ihm zu entziehen und wenn sie ehrlich in sich hineinhorchte, hätte sie gegen eine Fortsetzung mit ihm nichts einzuwenden. Auch wenn sie ihm das sicher nicht auf die Nase binden würde. Wo bliebe da der Spaß?Nichtsdestotrotz streckte sie den Rücken durch, als seine Hand Platz an ihrer Hüfte fand und sie zu sich zog. Sie prallte gegen seine Brust und nur die Decken verhinderten, dass sie ihn wirklich berührte. „Hm, wir sind bisher ganz gut ohne Namen klargekommen. Ich hatte nicht vor mein Herz zu sehr an ihn zu hängen.“, gab sie bereitwillig zu und schmunzelte leicht. Sie hatte bewusst seinen kleinen Hinweis auf ‚Bezahlung' überhört und tat so, als wisse sie nicht, was er meinen könnte. Herausfordernd leuchteten die hellen Augen seinen entgegen und sie wartete geduldig, ob er sie küssen würde oder nicht. Sie hatte das Kinn gereckt und blieb still stehen, bis er so dicht war, dass sie beinahe ihre Lippen geöffnet hätte, doch soweit kamen sie nicht.

Auch Eleyna hörte den eindeutigen Kommentar und hob tatsächlich belustigt die Augenbrauen. Amüsiert neigte sie sich etwas zur Seite, als Laogh sich aufrichtete und lauter sprach. „Ernsthaft?! DAS lockert deine Zunge?“,, fragte sie den Gefangenen und schnalzte mit der Zunge. Sie kam zurück in einen geraden Stand und sah den Schatten an. „Interessant“, kommentierte sie und grinste. Die Distanz hatte ihr wieder mehr Verstand verschafft und so erinnerte sie sich an das, was sie verdrängen wollte. Also füllte sie die kleine Pause mit unbedeutenden Fragen, nur um sich abzulenken und nicht Gefahr zu laufen, sich zu sehr an die Nacht von vor einigen Tagen zu erinnern. Sie sollte das nicht, davon war sie nach wie vor überzeugt und doch… schien Laogh sie nicht vom Haken lassen zu wollen. Sie hatte sich bereits umgewandt und gedankenverloren abermals ihre Decken sortiert, als er dicht hinter sie trat und seine Hände auf ihren Hüften platzierte. Eleyna richtete sich schnurgerade auf und spürte augenblicklich die Wärme seines Atems an ihrem Ohr. Erneut stellten sich die feinen Härchen auf und zeigten, dass sie durchaus empfänglich für ihn und sein Tun war. Das jedoch war auch längst kein Geheimnis mehr, was sie hüten musste war ihr Verstand… und ihr Herz. Sie legte für einen Moment den Kopf etwas zur Seite, als sie seine Zähne spürte und atmete lange aus. Erneut kam die Stimme des Jüngeren und entlockte dem Schatten ein vibrierendes Lachen. Eleyna wartete noch einen kleinen Moment, ehe sie spürte, dass sich der Schatten lösen wollte.
Sie ließ die Decken fallen, wandte sich kurzerhand um und drehte sich und Laogh so, dass der Gefangene eine gute Sicht auf das Folgende haben konnte: Sie zog Laogh ein wenig zu sich, reckte sich gleichzeitig entgegen und küsste ihn. Allerdings ließ sie es sich nicht nehmen, dabei ihren Körper fest an ihn zu drücken, ihre Zunge einzusetzen und ihm nun ebenso die eine oder andere Erinnerung in seinen Kopf zu pflanzen, denn auch er dürfte ihr kleines Stelldichein genossen haben. Die Spionin küsste Laogh intensiv und tatsächlich auch leidenschaftlich, da es recht lange her war, wie sie bei ihrer kleinen Racheaktion feststellen musste, seit sie beide in diesen Genuss kamen, bevor sie sich von ihm löste und ihn herausfordernd anfunkelte: „Und du?“, stellte sie die Gegenfrage und wandte sich dann an den Mischling. Ihm schenkte sie ein triumphierendes Lächeln, bevor sie sich schwungvoll wieder den Decken widmete und sich daran machte, diese zu verstauen und Lauryn zu wecken.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Montag 25. Oktober 2021, 15:41

Er war und blieb ein guter Beobachter, der sich selbst bei nicht so idealen Lichtverhältnissen wie in diesem Moment recht gut zurecht zu finden wusste. Deswegen auch fiel ihm die veränderte Gesichtsfarbe der Spionin auf, sodass er gleich daran dachte, dass sich ihre Kopfverletzung wieder bemerkbar machte. Also überprüfte er das Auffälligste, nämlich ihre Körpertemperatur, und konnte damit zufrieden sein, weil sie sich nicht anders als gewöhnlich anfühlte.
Dass sie sich ihm dabei entziehen wollte, bemerkte er durchaus, überging es vorläufig jedoch, denn für Spielchen war später auch noch sicherlich Zeit. Wie auch ihre Bemerkung zeigte, die ihn zum Grinsen brachte. "Hm... ich überlege noch, ob ich das gut finde oder nicht.", hielt er dagegen und weckte damit bewusst die Erinnerung daran, in wessen Armen sie am Vortag nach ihrer langen Bewusstlosigkeit erwacht war.
Bei ihrer nächsten Ausrede nickte er langsam und scheinbar nachdenklich, als zweifelte er noch ein wenig an ihrem Gesundheitszustand. "Ja, du hast eindeutig mich gebraucht für deinen guten Schlaf.", meinte er betont beiläufig und auf eine Weise, bei der sie etwas nachdenken müsste, um den Sinn dahinter zu erkennen. Oder auch nicht, das lag dann einzig und allein an ihr.
Trotzdem entfernte er sich nicht von ihr, sondern kam ihr näher und wollte sie noch an ein ganz anderes Knistern erinnern, das zwischen ihnen derart rasch aufkam, sobald sie sich einander zuwandten. Ihre kokette Antwort, mit der sie seinen Lieblingssatz kopierte, sorgte dafür, dass er einen Atemzug lang die Zähne bleckte, als wolle er sie gleich mit Haut und Haaren auffressen.
"So könnte man es beschreiben.", konterte er und nahm ihr durch seine Nähe bewusst ihre Bewegungsfreiheit. Er wollte sie wieder in die Enge treiben und herausfinden, welchen Weg sie, nachdem sich zwischen ihnen so einiges geändert hatte, einschlagen würde. Und was es benötigen würde, dass sie seinem Willen folgte, ohne es selbst zu bemerken oder gar dazu gezwungen zu werden. Dazu gehörten auch abrupte Themenwechsel, um später den gesponnenen Faden weiter verfolgen zu können, wenn er fester geworden wäre.
"Ja, nicht wahr?", sprach er scheinbar vollkommen ernst und zugleich nachdenklich, während er langsam nickte. "Er hätte dir noch richtig auf der Nase herumtanzen und seine Sehnsucht nach Liebe kaum bezwingen können.", fuhr er fort und spielte damit bewusst auf die Versuche des Rappen an, die weiße Stute zu besteigen.
Ob es ihm inzwischen gelungen war? Bei ihrer Verletzung und dem darauf folgenden Verhalten, soweit sie es mitbekommen hatte, eher unwahrscheinlich. Aber auch der Schatten war unberechenbar und so wäre es bei seinem Reittier wohl auch.
Seine Hände indes fanden ihren Weg an ihre Hüfte und er zog sie mit sanftem Druck an sich heran, ohne mit einem ernsthaften Widerstand zu rechnen. Ihre Worte ließen ihn schmunzeln. "Wie schade. Er hat gute Qualitäten, wenn man ihn zu händeln weiß, die man zur Zucht gut nutzen könnte.", entgegnete er.
Was wollte er ihr damit nun wieder sagen? Dass er es begrüßen würde, wenn Raik Draca decken würde? Oder war es mal wieder eine Anspielung an die derzeitige Besitzerin und was er in Wahrheit in ihr sah? Vielleicht irgendwie sogar von beidem ein bisschen? Jedenfalls näherte er sich immer mehr ihren Lippen, erwiderte mit leichtem Spott im Blick den ihren und schien drauf und dran zu sein, sie küssen zu wollen. Als eine Störung vom Wägelchen erfolgte, die ihn erstaunlicherweise davon erst einmal abzuhalten verstand.
Ihre Reaktion indes war ebenfalls belustigend, während nun sie in den Genuss der mordlüsternden Blicke von dem Gefangenen kam. Laogh ließ die Mischlingselfe vorläufig ziehen, während er ihr schon wieder Anweisungen gab und auch dem anderen kurz hinsah, um diesem zu zeigen, dass er noch viel mehr demonstrativ machen könnte, wenn er denn wollte. Und zumindest von einem Teil davon würde er sich nach der sichtlich angeekelten Miene nicht nehmen lassen.
Also wandte er sich wieder ihr zu und nahm sich die Freiheit, hinter sie zu treten und sie so zu berühren. Abrupt fuhr sie in die Höhe, richtete sich auf, als hätte sie einen Stock verschluckt und bot ihm damit sehr einfach die Möglichkeit, sie noch mehr wieder um den Finger zu wickeln. Es hätte ihn irgendwie auch gewundert, wenn nicht...
So grinste er in sich hinein und widmete sich ihrem Ohr, als sie schon den Kopf ein wenig zur Seite neigte. Wäre nicht die erneute Unterbrechung erfolgt, die noch eindeutiger war als zuvor, hätte er wohl an ihrem Hals zu knabbern begonnen. Aber stattdessen wollte er sich lösen und ihr die Gelegenheit tatsächlich geben, den Aufbruch in die Wege zu leiten.
Dieses Mal hatte er jedoch die Rechnung ohne der Wirtin gemacht, denn noch während er sich aufrichtete, ließ sie die Decken fallen und drehte sich zu ihm herum. Nicht, ohne auch ihn etwas zu bewegen, sodass sie beide gut sichtbar für den leidenden Gefangenen waren, wie er mit einem lautlosen Lachen feststellte.
Sie zog an ihm, leicht und eindeutig, wodurch er sich zu ihr hinabbeugen musste. Gegenwehr leistete er keine und so trafen sich ihre Lippen rasch, um sich daran zu erinnern, was sie schon einmal ausgiebig genossen hatten. Tatsächlich ließ er sich in diesen Kuss genauso fallen wie sie und erlaubte es seiner Männlichkeit, sie das auch deutlich spüren zu lassen, sobald sie sich an ihn schmiegte. Einen Arm legte er um ihren Rücken, damit sie ihm nicht sofort wieder entwischen konnte. Mit der Hand des anderen griff er nach ihrem Oberschenkel und übte gekonnt Druck aus, dass sie ihr Bein heben und ihn noch dichter an sich heranlassen musste.
Währenddessen ergab sich bei ihrem Zungenduell ein Patt, bis er spürte, dass sie sich zu lösen begann. Kurz war er versucht, das zu verhindern, doch dann riss er sich zusammen und wollte die Qual des gefesselten Mischlings nicht noch mehr erhöhen. Also gewährte er ihr den Rückzug und sorgte dafür, dass sich auch die Spannung in seiner Hose allmählich wieder legte. Betont ruhig und abwartend erwiderte ihren Blick und hob bei ihrer Frage kurz eine Augenbraue leicht an, als sie auch schon zu dem Gefangenen hinsah.
Erneut hüstelte er leise und tätschelte ihre Pobacke, die er noch problemlos erreichen konnte. "Nimm es ihm nicht krumm, er ist noch sehr jung und muss noch viel lernen.", spöttelte er laut genug, um dem Betroffenen zuerst die Schamesröte und dann die Wut ins Gesicht zu treiben.
Sie indes drehte sich schwungvoll um, sammelte die Decken ein und entfernte sich langsam. Der Schatten sah ihr noch kurz nach, ehe auch er sich umdrehte und zu dem Wägelchen hintrat. "Du Armer, wie du leidest! Soll ich dich wieder ins Traumland schicken, Käferchen, dass du das nicht länger ertragen musst?", raunte er ihm derart leise zu, dass es sonst niemand würde hören können.
Der Blick, der ihm daraufhin geschenkt wurde, ließ ihn brummend lachen. "Dann stell dich nicht so an. Wenn du lieb fragst, füttert vielleicht sie dich dieses Mal.", fuhr er fort und der Mischling knurrte wie ein Wolf.
"Ich versteh immer besser, warum Mutter dich so hasst.", zischte er.
Plötzlich verschwand jeglicher Spott und alle Schadenfreude aus der Mimik des Schattens und ohne auch nur der geringsten Chance, ihm zu entkommen, packte er mit seiner Hand den Kiefer des Mischlings. Mit einem Mal wurde deutlich, dass er wahrlich auch zu den Dunkelelfen zu zählen war. "Du weißt gar nichts, Kleiner. Also halt dich aus Dingen raus, von denen du nichts verstehst."
Dieses Mal war es der Mischling, der zu grinsen begann, doch es hatte nichts herausforderndes oder spottendes an sich, sondern war gehässig und selbstzufrieden. "Oh, jetzt hab ich aber Angst!", provozierte er weiter.
Die Kälte in Laoghs Gesicht schien noch stärker zu werden ebenso wie der Griff an dem Kiefer, der leise verdächtig knirschte. "Noch habe ich dich überleben lassen. Lass es mich nicht bereuen!", zischte er kaum hörbar und drückte so fest, dass es weh tun musste, ehe er den anderen regelrecht von sich stieß.
Dieser schlug mit dem Hinterkopf unsanft auf das Holz und war einige Sekunden lang leicht benommen, sodass er sich erst aufrappelte, als der Schatten sich bereits abgewandt hatte. Denn er hatte sich den Sattel des Rappen und die Decke der Stute geschnappt, um die Tiere zu satteln und ebenfalls aufbruchbereit zu machen.
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Montag 25. Oktober 2021, 20:39

Es war fast so, als wäre sie nicht dem Tod von der Schippe gesprungen, als er nach ihrem Kinn griff und ihre Körpertemperatur überprüfte. Sie wollte sich ihm entziehen, aus Reflex oder aus Trotz, so recht wusste sie das selber nicht. Seine Worte jedoch entlockten ihr einen Augenaufschlag, bevor sie konterte. Was er jedoch erwiderte, ließ sie einen Moment ratlos zurück. Wie hatte er denn das jetzt wieder gemeint? Eleyna wusste nicht, dass er es war der ihr tatsächlich Halt und Wärme gespendet hatte und so stieg sie tatsächlich nicht hinter den Sinn seiner Worte. Diese also geflissentlich überspielend, fühlte sie sich augenblicklich dazu berufen, seinen Satz zu wiederholen und seine Reaktion darauf ließ ihr Herz kurz schneller schlagen. Der Ausdruck in seinem Gesicht versprach ihr Dinge, die sie derzeit sogar zugelassen hätte, denn mit der Nähe zu ihm war das so eine Sache: Es war fast schon… unnatürlich, dass die Nähe zueinander ausreichte, um derartige Spannungsfelder zu erzeugen. Das war von Anfang an so, denn bereits im Raum mit der Karte, knisterte es gewaltig. Und das war tatsächlich bis heute nicht anders geworden. So harrte Eleyna abwartend aus und hielt ihren Blick mit einem feinen Lächeln in seinem Gesicht, bis er weiter sprach. Dass er ihr die Bewegungsfreiheit nahm, löste bei ihr zumindest dieses Mal nicht gleich den Fluchtreflex aus und so blieb sie an Ort und Stelle stehen. Zum Einen war es gewiss so, dass sie diese Handlung bereits kannte, zum anderen war es allerdings auch so, dass sich etwas geändert hatte. Zwar spielten sie noch miteinander, genossen vielleicht beide einfach nur die Momente und das Spiel an sich, doch gab es auch eine hauchdünne Vertrautheit, die die letzten Tage gesponnen hatten. Eleyna versuchte gewissenhaft diese Gedanken beiseite zu drängen und sich rein auf das Vergnügen zu konzentrieren, was das Thema über die Pferde durchaus zuließ. So ermahnte sie ihn fast schon, dass er es tunlichst unterlassen sollte, ihre Privatangelegenheiten zu regeln, doch wie nicht anders zu erwarten, setzte er noch einen drauf. Erneut wanderten ihre Augenbrauen nach oben und sie musterte ihn kritisch. „Zur Zucht? Wir haben keine Zeit für so etwas.“, meinte sie schulterzuckend und fragte sich, ob er eigentlich immer zweideutig sprach. Denn so wie er über das Züchten redete, fühlte sie sich irgendwie persönlich angesprochen. Doch auch wenn die Halbelfe noch leicht lädiert war, so war sie trotzdem noch sie selbst und schaffte es durchaus, sich davon nicht weiter verunsichern zu lassen.
Die angeekelten Geräusche unterbrachen das spannungsgeladene Miteinander der beiden Spione und Eleyna war fast schon etwas ärgerlich, dass der andere Mischling es geschafft hatte, Laogh von einem ‚Wiedersehen' ihrer Lippen abzubringen. Sie hatte in den Sekunden zuvor gespürt, dass sie es wollte. Dass sie seine Lippen willkommen heißen wollte und sich tatsächlich daran erinnerte, wie gut es war, wenn sie sich beide darauf einließen. Doch davon war nun nichts mehr zu merken und so verpuffte das Knistern ebenso schnell, wie es gekommen war. Eleyna begegnete dem Blick des Gefangenen ungerührt. Er hatte kaum die Wirkung die er dachte zu haben, jedenfalls nicht bei ihr. Also ließ sie ihn mit seinen Mordgedanken alleine, wandte sich um und kümmerte sich um die Decken. Doch es dauerte kaum das Aufschütteln, als sie schon den Körper des Spions hinter sich spürte. Sofort stand sie gerade mit dem Rücken zu ihm und seine Hände ruhten auf ihren Hüften. Eleyna hätte ihn daran hindern können, sich wehren können, doch sie wollte schlicht nicht.

Die neuerliche Unterbrechung führte dazu, dass Eleyna eine Entscheidung traf. So ließ sie es nicht zu, dass sich Laogh entfernte, drehte sich und ihn so herum, dass der Fremde eine hervorragende Sicht auf sie beide hatte und dirigierte den Schatten nach ihrem Willen. Sie zog leicht an ihm und brauchte keine Mühe, um das zu bekommen, was sie in diesem Moment wollte. Und das waren seine Lippen. Der Kuss war als Rache an den Mischling gemeint, sollte ihm auf eine subtile Art das Maul stopfen, doch sobald Eleyna die Lippen Laogh's spürte, ließ sie sich auf eine ganz andere Art darauf ein. Sie lehnte ihren Körper gegen seinen und spürte augenblicklich, dass auch er ganz und gar nicht abgeneigt war. Noch immer hatten sie diesen Funken zwischen sich ohne näher darauf eingehen zu wollen. Für einen Moment vergaß sie die Rache an dem Anderen, spürte nur die Liebkosungen und das kleine Machtspielchen zwischen ihren Zungen. Sie durfte erleben, was sie vermisst hatte, ohne dass sie davon wusste. Seine Hand an ihrem Oberschenkel hatte keine Mühe sich das zu holen, was sie wollte und so schlang sie das Bein um seine Oberschenkel, um sich und ihn noch näher zueinander zu bringen. Der Kuss war… intensiv. Und verheißungsvoll. Und Eleyna brauchte all ihre Konzentration, um nicht sofort über den Spion herzufallen. Sie schaffte es langsam sich aus der Zweisamkeit zu holen und blendete Stück um Stück die Umgebung wieder ein. Ihr Herz pochte, ihre Lippen pochten, ihr Schoß pochte, als sie sich langsam löste.
Einen Atemzug lang, starrte sie Laogh an, als hätte er das getan, als wäre er Schuld an dem, was sie empfand, doch mit der Länge eines Wimpernschlages, war der Ausdruck wieder weg und ein herausforderndes Lächeln zeigte sich ihm. Er erntete eine Gegenfrage auf seine, ob sie sich wohl beherrschen könnte bis zum Abend und schon widmete sie sich dem Mischling mit einem triumphierenden Lächeln. Es hätte nur noch gefehlt, dass sie ihm die Zunge zeigte, doch sie war längst kein Kind mehr. Eleyna wandte sich von den beiden Männern ab und begann dann damit, am Feuer allmählich aufzuräumen. Nebenbei weckte sie Lauryn und auch Rodrick wurde von ihr, etwas weniger behutsam, aus dem Schlaf geholt. Was beim Wagen gesprochen wurde, konnte sie nicht verstehen, doch als sie sich nach dem Zusammenräumen aufrichtete und zum Wagen blickte, sah sie wie Laogh zupackte und die Stimmung ordentlich gefährlich wirkte. Sie harrte einen Moment aus, beobachtete und zuckte leicht, als der Mischling unsanft gegen das Holz stieß. Es kam überraschend für sie, denn sie hatte die Worte nicht hören können die gesprochen wurden. Einen Moment lang, beobachtete sie allerdings Laogh noch, ehe sie sich daran machte, die Feuerstelle mit Sand zu füllen, damit niemand der sie verfolgte genau sagen könnte, wie lange sie Vorsprung hatten. Danach trank sie einen Schluck Wasser, aß widerwillig einige Beeren, denn beim Fleisch wurde ihr abermals übel, ehe sie sich mit einer Decke und ihrem Rucksack bewaffnet, auf den Weg zu ihrem Rappen machte, um den Sattel zu überprüfen, den Laogh bereits fertig gemacht hatte.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Montag 25. Oktober 2021, 21:47

Er konnte in ihren Augen deutlich erkennen, dass sie seine Anspielung nicht verstand. Eigentlich sollte es ihn enttäuschen und wenn er tief in sich hinein horchen würde, gäbe es dieses Gefühl womöglich auch. Doch es zeugte auch davon, dass sie tief genug geschlafen hatte, um seine Nähe nicht bewusst genug wahrnehmen zu können, was wiederum seinem Hang zur Geheimniskrämerei schmeichelte. Somit sah er sich im Moment ebenso wenig genötigt, sie weiter aufzuklären, sondern gab ihr lieber andere Dinge, an denen sie zu knabbern haben sollte.
Wie schnell sie hingegen auf seine Nähe ansprang und sich die Spannung zwischen ihnen aufbauen konnte, sollte auch ihm allmählich zu denken geben. Dass sie die Finger nicht von ihm lassen konnte, davon war er von Anfang an ausgegangen, schließlich kannte er unzählige Tricks und Kniffe, um diese Wirkung zu erzielen. Dass aber ihm gleichfalls dieses Spiel so viel Vergnügen bereiten könnte...
Nun ja, er würde es genießen und auskosten, solange ihre Wege noch gemeinsam laufen würden, und danach damit abschließen, um nach vorne zu schauen. Und sich anfangs vielleicht manchmal daran zurück erinnern und einen gewissen damit verbundenen Druck abbauen zu müssen. Doch das würde sich legen mit der Zeit, so wie noch jede Bekanntschaft, wenngleich es nur äußerst selten eine derart intensive für ihn gegeben hatte.
Jetzt aber konnte er es voll auskosten und sich darüber amüsieren, wie zahm sie geworden war ob der Tatsache, dass er sich die Freiheit genommen hatte, ihrem Tier einen Namen zu geben und so zu tun, als wäre sie selbst schuld daran, dass er dieses Problem für sie hatte lösen müssen. Obendrein gab es eine andere Zweideutigkeit, die er sich nicht nehmen lassen wollte.
Ihre betont ruhige, fast schon gleichgültige Reaktion verstärkte das spöttische Funkeln in seinen Augen. "Wir? Wir beide wären daran ja nicht beteiligt. Oder hast du Interessen, die mir bislang entgangen wären?", neckte er sie mit einem Hauch von Grollen in der Stimme, um ihr eine weitere Gänsehaut zu bescheren und weiterhin offen zu lassen, ob er in Wahrheit nicht sie beide meinte.
Dabei hatte er kein ernsthaftes Interesse daran, sich fortzupflanzen. Seine Gene wären bestimmt einzigartig und es wert, sich möglichst viel zu vermehren, allein schon sein gutes optisches Äußeres wäre ein Segen für jeden Sohn und sein scharfer Verstand der Untergang jedes simplen Gecken im Ringen um die Gunst seiner Tochter. Jedoch war sein Leben nicht dazu geeignet, um sich einen derartigen Schwachpunkt erlauben zu dürfen. Denn auch ohne Kontakt zu seinem Sprössling, wäre dieser immer in Gefahr, von Manipulation bis hin zu einer kurzen Existenz. Wobei letzteres wahrscheinlich sogar das bessere Übel wäre...
Nein, seine Blutlinie würde mit ihm vergehen, das stand für ihn fest, auch wenn er mit Hingabe die Übungen zur Zeugung vollführte. Die bislang auch nicht zu einem Resultat geführt hatten, dessen hatte er sich stets vergewissert... und bei manchen Begegnungen auch bewusst dafür gesorgt, sofern er sich des Bemühens der Gespielin nicht hatte sicher sein können.
Der Kuss, den sie beide anstrebten, fand dann hingegen nicht statt, denn das Publikum konnte sich dafür nicht begeistern. Dass sich die Spionin indes darüber tatsächlich ärgern könnte... oh ja, das hätte ihm gefallen! Bedauerlicherweise wusste auch sie so manches Gefühl in sich zu verbergen und die Ablenkung war ausreichend, um ihn im Unklaren darüber zu lassen.
Wenngleich nicht untätig, da er trotz allem nicht sofort von ihr lassen wollte. Die Gelegenheit, als sie sich abwandte, war viel zu günstig, um sie sich entgehen zu lassen. Noch bevor sie ihm wirklich entkommen konnte, drückte er sich bereits von hinten an sie und ließ sie zumindest seine Körperwärme spüren. Sie richtete sich auf und er nahm sich die Freiheit, sie ein wenig an ihre ihm offenbarte Schwäche zu erinnern.
Wären sie nun wahrlich alleine gewesen, seine Finger hätten rasch den Weg in ihre Hose gefunden und sie dort noch mehr zum Dahinschmelzen gebracht, als seine Lippen es vermochten. So hingegen blieb er relativ harmlos und hätte es auch so belassen, wenn sie nicht Eigeninitiative gezeigt hätte.
Sie wandte sich ihm zu und der Kuss, den sie miteinander teilten, war definitiv von beiden Seiten ein Vorgeschmack auf dessen, was sie noch ausüben könnten fernab neugieriger Blicke und lästiger Bemerkungen. Ihr Körper wurde weich in seinem Griff, während in seiner Hüftregion etwas hart werden konnte und sich gegen ihren Schoß drängte. Dennoch dauerte der Kuss nicht ewig und er vergaß seine Umgebung nicht völlig, worin auch die Zeit miteingeschlossen war.
Je länger sie warteten, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch eine Nacht im Freien verbringen müssten. Bei dem Wetter zu überleben, allerdings in dieser flachen Landschaft ungünstig für das, was er mit der Mischlingselfe vorhatte. Also ließ er sie ziehen und haschte nicht noch einmal nach ihren Lippen.
Stattdessen beobachtete er sie noch eine kurze Spanne lang, ehe er sich ebenfalls wegdrehte und noch einmal zu dem Wägelchen trat. Was er besser hätte sein lassen, denn das Gespräch entwickelte sich in eine Richtung, die ihn ernsthaft verärgerte und ihn sogar zu einem kurzen, entschiedenen körperlichen Angriff verleitete.
Danach schnappte er sich Sattel und Pferdedecke und widmete sich lieber jenen Wesen, die dafür am besten geeignet waren, sein Gemüt wieder zur Ruhe zu bringen. Zuerst nahm er sich Dracas Rücken an, denn der gewebte Stoff war leicht und brauchte nur einmal schwungvoll hinüber geworfen zu werden. Richten würde er ihn erst später, wenn er aufsaß, schließlich würde sich seine Stute bis dahin bewegen, wie er sie kannte. Auch jetzt schnaubte sie leise und warf ihm einen empörten Blick zu, dass er sie einfach so abzuspeisen gedachte.
Doch er war noch nicht in der rechten Stimmung, weswegen er eher geistesabwesend und innerlich noch etwas brodelnd ihren Hals klopfte, ohne auf sie sonst wie zu reagieren. Das registrierte auch sein Reittier, sodass sie ihm langsam und mit leicht gesenktem Kopf folgte, als er zu dem Rappen ging. Dieser ließ sich beim Grasrupfen nicht wirklich stören und er konnte ihm problemlos den Sattel auflegen.
Als er richtig saß, um keine unangenehmen Druckstellen hervorzurufen, zog der Schatten fachmännisch alles zurecht und beugte sich dann hinunter, um den Gurt zu schnappen und festzuziehen. Diesen Moment nutzte indes Draca, um ihn leicht gegen sein Gesäß zu stupsen. Laogh, der damit nicht gerechnet hatte, musste sich tatsächlich am Boden abstützen und grunzte leise ob dieser unerwarteten Wendung.
Raiks Kopf fuhr hoch, seine Ohren zuckten und kauend blickte er fragend um sich herum. Die Stute hingegen schnaubte leise und es klang fast nach einem Lachen, während der Schatten sein Gleichgewicht wieder gefunden hatte und sein Vorhaben zu Ende brachte.
Trotzdem hatte sie ihr Ziel erreicht, er musste wider Willen schmunzeln und schüttelte leicht den Kopf. Als er sich umdrehte, klopfte er ihr ein wenig tadelnd gegen die Nüstern, um sie daraufhin liebevoll darüber zu streicheln. "Du bist mir eine!", murmelte er ihr dabei ins Ohr und zupfte leicht daran.
In den Augen der Stute stand deutlich Zufriedenheit und sie wandte sich wieder ab, um etwas Abstand zu dem Hengst zu gewinnen, der schon wieder nervös zu werden drohte in ihrer Gegenwart. Wenngleich nicht, ohne mit ihrem Schweif zu agieren und die beiden männlichen Wesen damit zu streifen.
Sofort wieherte Raik leicht und seine Nasenflügel bebten regelrecht. Laogh legte ihm mit einem leisen Hüsteln und nachsichtigen Kopfschütteln die Hand auf die Schulter. "Ruhig, Junge, noch ist der falsche Moment.", sprach er mit einem tiefen, beruhigenden Timbre auf ihn ein und erreichte damit, dass zwar ein frustriertes Schnauben erklang, er sich aber dennoch wieder dem Gras widmete. Dafür bekam er ein belohnendes Halsklopfen.
Daraufhin wandte sich auch der Schatten ab und ließ die Pferde allein, um zum Feuer zu treten und die Bemühungen der Spionin zu überprüfen, ihre Spuren zu verfälschen. Zufrieden nahm er sich ein Stück Fleisch und schob es sich in den Mund, um kauend noch ein wenig mit der Stiefelspitze in der erstickten Glut herum zu stochern. Ganz so, als müsse er einfach demonstrieren, dass es niemand so perfekt zu löschen verstand wie er.
Danach ging er zu Lauryn und erklärte ihr kurz, wo sie sich befanden und dass sie am Abend an ihrem Ziel ankommen sollten, natürlich nicht ohne der eindringlichen Warnung, sich vor dem Gefangenen zu hüten. Die Waldelfe hörte aufmerksam zu, verstand nicht alles und nickte trotzdem, weil sie ihm vertraute.
Im Anschluss widmete sie sich dem restlichen Abbau des Lagers, verstaute alles so neben dem gefesselten Mischling, dass sie nichts unnötig verlieren würden, und kletterte, mit Rodricks Hilfe, auf die Sitzbank. Der Mensch folgte ihr, sodass sie nun nichts mehr aufhalten konnte.
Laogh nickte leicht, trank noch einen Schluck aus seinem Schlauch und ging dann wieder zu den Pferden hin, wo sich die Spionin bereits aufhielt. "Es tut mir leid, ich hatte keine Zeit, ihm das Kunststückchen des Kniens beizubringen, um dir das aufsitzen zu erleichtern.", spöttelte er, wieder ganz der Alte, als er zu Drace trat und die Decke auf ihrem Rücken richtete.
"Soll ich dir also helfen? Oder reicht es, wenn ich auf der anderen Seite stehe und dich auffange, weil du gleich wieder hinunter kippst?", fuhr er neckend fort, um ihren Sturkopf zu wecken und den Widerstand, den sie ihm sonst geleistet hatte.
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Eleyna d'Yaincre
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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Dienstag 26. Oktober 2021, 13:56

Das Thema rund um die Familienplanung war etwas, was Eleyna durchaus hin und wieder in Zukunftsvisionen durch den Kopf geisterte, doch eher als Hirngespinste, denn wahrlichen Möglichkeiten ihre Familie, ihr Blut, ihr Leben- all das waren nicht gerade Kriterien, die eine Mutterschaft begünstigten. Sie hatte sogar Kräuter, die erfolgreich verhinderten, dass es jemals ungeplant dazu käme. Doch sie hatte ohnehin nicht ständig den Bedarf denn auch wenn es durchaus Möglichkeiten für sie gab, nahm sie nicht pauschal jede wahr. Eleyna hatte das seltsame Traumbild bereits erfolgreich vergraben während sich Laogh ihr näherte, sodass sie nicht mehr daran dachte. Seine Worte über Zucht entlockten ihr eine recht neutrale Haltung und Antwort die ihn bemüßigten, noch mal nachzuhaken. Die Spionin öffnete ihre Lippen zu einem grimmigen Lächeln. "Ich bitte dich! Selbst wenn es nicht völlig abwegig wäre, wäre es immer noch eine äußerst schlechte Idee, nicht wahr?“ gab sie zu verstehen und beließ es dabei. Sie machte deutlich, dass ihre Gedanken nicht dahin trieben, dass ausgerechnet der manipulative Meisterspion ihr Material der Wahl wäre, sollte es um Familie oder mit seinen Worten Zucht gehen. Eleyna wirkte fast ein wenig zu bissig, denn seine Anspielungen drängten das Bildnis in den Vordergrund, welches sie kurz vor dem Aufwachen erleben musste. Ihr Verstand jedoch hielt die Zunge bestmöglich in Schach, denn er sollte nicht auf die doofe Idee kommen, etwas anderes zu vermuten. Es kam ohnehin zum Themenwechsel, als sich Laogh näher zu ihr beugte. Leider wurde der erwartete Kuss unterbrochen, als sich doch tatsächlich der gegangene Mischling zu Wort meldete. Überrascht davon, dass dieser offenbar die zur Schaustellung von… Begehren, Zuneigung wäre wohl zu viel der Ehre, nicht ertragen konnte, verriet der Spionin noch mehr und sie musste ein kleines Fragezeichen an ihre Bruder-Theorie machen. Vielleicht doch keine Brüder, wer wusste das schon.
Jedenfalls hätte sie sich über die Unterbrechung ärgern können, wenn es nicht dazu geführt hätte, dass sie durchaus eine Rache einsetzen konnte. Eleyna nutzte das neugewonnene Wissen aus und trieb ein Spiel mit dem Fremden, als sie Laogh doch noch animierte, sie zu küssen.

Leider hatte sie nicht für möglich gehalten, dass ihr dieser Kuss sehr viel besser gefiel, als die eigentliche Motivation dahinter und so kostete sie diesen Moment, wachsweich in seinen Händen, aus und hätte es sicher auch noch weiter laufen lassen, wenn sie nicht unter Beobachtung gestanden hätten. Und wenn sie nicht endlich hätten aufbrechen wollen. Denn auch für die Spionin war es sehr viel verlockender in einem Bett zu schlafen, als noch eine Nacht am Lagerfeuer mit beißendem Geruch und frieren zu verbringen. Also löste sie sich wenn auch widerwillig und triumphierte über den Gefangenen, ehe sie die beiden hinter sich ließ und sich ans Aufräumen machte.
Den Blick in ihrem Rücken konnte sie förmlich spüren, doch sie ließ sich davon nicht beirren. Eleyna sammelte alles zusammen, was bereits eingepackt werden konnte, bevor ihr Blick auf die beiden Dunklen fiel. Gerade tauschten sie einige Worte, die sie nicht verstand, bis plötzlich Laoghs Hand vorschnellte und den Anderen packte. Sie zuckte sogar etwas, als der Kopf des Jüngeren gegen das Holz knallte und der Spion mit eiserner Miene und offenbar wütend zu den Pferden ging. Sie beobachtete ihn einen Moment, wandte sich dann allerdings trotzdem den Arbeiten zu, die noch getan werden mussten. Schweigend grübelte sie über das Gesehene, war dann aber auch wieder beschäftigt genug, um es auf später zu verschieben.
Nachdem sie etwas gegessen und getrunken hatte und alle anderen ebenso fertig waren, löschte sie das Feuer und schaute zu Raik. Sie sah gerade noch, wie Draca ihren Herren schubste und er tatsächlich das Gleichgewicht drohte zu verlieren. Unwillkürlich und ohne, dass sie etwas hätte daran verhindern können, lächelte sie bei dem Bild, welches sich ihr bot. Es war ein warmes Lächeln, mit Zuneigung gefüllt, die ihr selber nicht bewusst war und doch hatte die Situation etwas… Normales. Da war nichts kontrolliert an ihm oder berechnend, er … amüsierte sich wahrhaftig. Bevor sie jedoch auffiel, wandte sie sich weiter dem Feuer zu und kümmerte sich weiter darum. Erst als Laogh zurückkehrte, um etwas zu essen, sah sie wieder auf. Ihr Blick fiel auf die Stiefelspitze, was sie nur wortlos registrierte, ehe sie die restlichen Sachen an dem Wagen verstaute, die sie noch im Arm hatte. Sie ignorierte hier den Gefangenen, während sie danach zu ihrem Pferd ging, um ihn noch mal ausgiebiger zu begrüßen und den Sattel zu überprüfen. Sie strich mit der flachen Hand seinen Hals entlang und sah ihm ins Gesicht.„Raik also?“, murmelte sie leise und zuckte die Schultern. „Wieso nicht? Er passt zu dir und ihr habt euch wohl gut verstanden, hm?“, murmelte sie weiter, bevor dann Laogh’s Stimme erklang.
Eleyna wandte sich ihm zu, blinzelte ihn ungerührt an und stellte einen Fuß in den Steigbügel. Dann zog sie sich hoch und glitt ohne nennenswerte Probleme in den Sattel. Einzig ihr Kopf pochte kurz auf, doch das verflog recht schnell wieder. Oben sitzend, sah sie zu Laogh hinunter und grinste ihn an. „Na alter Mann? Wird das heute noch was? Draca kann sicher knien, wenn du sie bittest.“. Sie funkelte herausfordernd und drehte den Spieß einfach um. „Soll ich vielleicht lieber bei dir aufpassen, dass du nicht mit der Decke verrutscht?“, hielt sie dagegen und leckte sich kurz grinsend über die Lippen. Oh ja, sie war auf dem allerbesten Weg gesund zu werden.

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Re: Auf nach Unbekannt

Beitrag von Erzähler » Dienstag 26. Oktober 2021, 14:43

Es bereitete ihm ein gewisses Vergnügen, sie mit Zweideutigkeiten zu reizen und auf Dinge dabei anzuspielen, die für ihn ohnehin nicht infrage kämen, sie jedoch wütend machen könnten. Immerhin bekam er ein grimmiges Lächeln zu sehen, das er mit einem viel feineren, amüsierten quittierte. "Eine schlechte Idee, hm? Weil du ihr nicht widerstehen könntest?", raunte er derart verheißungsvoll, als läge er es tatsächlich gerade darauf an, sie zur Mutter seines Sprösslings machen zu wollen.
"Die Fellmischung wäre sicherlich... interessant.", fügte er in demselben Timbre hinzu, als wolle er auf diese Weise klarstellen, dass es sich rein um das Ergebnis seiner weißen Stute mit dem schwarzen Hengst handeln würde. Und nicht um ihr Mischlingsblut gepaart mit reinem, klischeehaften Dunkelelf.
Er ahnte ja nichts von ihren Traumgebilden, die womöglich auch ihm zu denken gegeben hätten. Nicht in der Hinsicht, sie wahr machen zu wollen, sondern in Hinsicht auf ihre Wünsche und Gefühle. Allerings verriet sie ausnahmsweise einmal nichts, das ihm Gedanken in die richtige Richtung erlaubt hätten, sodass er lieber das Knsitern zwischen ihnen ausnutzen wollte.
Auch wenn es nicht ganz so kam wie geplant, denn die Empfindlichkeit des Zusehers war ein Grund, der ihn vorerst an dem geplanten Kuss hinderte. Obwohl nicht sonderlich lange, da es nun die Mischlingselfe war, die ihn dazu provozierte, sodass sie sich schließlich doch noch körperlich trafen, als Vorgeschmack auf die kommende Nacht, sollte diese niemand vereiteln.
Mehr als deutlich konnte er spüren, wie sie weich in seinem Griff wurde und eindeutig bereit für eine neue Runde seiner ungeteilten Aufmerksamkeit war. Nicht hier und nicht jetzt, aber er legte damit garantiert den Grundstein für ihre Tagträume, bis sie soweit waren, diese auch in die Tat umsetzen zu können. Er würde sich auf jeden Fall ein paar angenehme Gedanken auf dem Ritt machen, um diese Nacht unvergesslich zu machen.
Zuvor jedoch wurde ihm dieses Vergnügen verleidet, als er sich dem Gefangenen widmete und am Ende sich im Stillen eingestehen musste, damit einen Fehler begangen zu haben. Beinahe hätte er sich dem Bedauern stellen müssen, wie sich ihrer beider Beziehung zueinander entwickelt hatte, aber dazu war es schon zu lange her und er hatte damit längst abgeschlossen. Das sollte auch so bleiben und deswegen war es gut, dass er dieses Problem sowieso bald los wäre. Jetzt musste er nur noch darauf achten, dass auf dem Weg bis dahin der Schaden so gering wie möglich gehalten wurde.
Wobei er tatsächlich einmal ernsthaft wütend wurde und nicht aufpasste, ob es jemanden gab, der die Szenerie beobachtete. Ohnehin hielt er die Spionin noch für zu geschwächt und abgelenkt mit ihrer Aufgabe, als dass er ihr zutraute, etwas von der Auseinandersetzung mitzubekommen. So machte er sich lautlos grollend auf zu den Pferden, um diese ebenfalls für den Aufbruch bereit zu machen.
Dieses Mal war es die richtige Entscheidung, denn die Stute kannte ihn nicht nur gut, sondern wusste auch um die ein oder andere Methode, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Zwar war ihr Stupser nicht gerade... nett, doch sie half ihm, zurück zu sich selbst zu finden. Sie waren eben ein eingespieltes Gespann und wussten darum, wie sie den anderen unterstützen konnten.

Auf dem Wägelchen indes saß der verschnürte Mischling und musste gegen die leichte Benommenheit ankämpfen, die von seinem pochenden Hinterkopf ausgelöst wurde. Der Treffer war unangenehm gewesen und anstatt ihn zur Vernunft oder sonstwie zum Nachdenken zu bringen, verstärkte es in ihm nur die negativen Gefühle.
Als er endlich wieder klar sehen konnte und sich der Schwindel gelegt hatte, sah er zufällig zum Feuer hin. Er tat es nicht bewusst und dennoch war es genau jener Moment, in dem die Spionin warm lächelte. Rasch folgte er ihrem Blick und seine Miene verfinsterte sich umso mehr, während gleichzeitig Entschlossenheit und Hinterlist in seinem Blick aufflackerte.
Danach entspannte sich seine Haltung etwas, er richtete seine Augen auf seine Knie und blendete seine Umgebung aus, um sich voll und ganz auf das konzentrieren zu können, was sich hinter seiner Stirn zusammensponn.

Der Meisterspion kehrte schließlich zum Feuer zurück, aß ebenfalls eine Kleinigkeit und überprüfte die Arbeit der Mischlingselfe, um noch die ein oder andere Kleinigkeit zu verbessern. Was im Prinzip nicht notwendig gewesen wäre, aber er konnte es einfach nicht lassen und musste demonstrieren, dass er der Überlegenere war.
Währenddessen waren auch die Waldelfe und der Mensch fertig und die Spionin ging zu ihrem Rappen, der sie mit einem freudigen Schnauben begrüßte. Als sie seinen neuen Namen erwähnte, schnaubte er erneut und nickte mit dem Kopf, wie, als wolle er dem zustimmen und bekräftigen, dass er darauf hören wollte. Die Ohren richteten sich ganz in ihre Richtung und als sie fortfuhr, drückte er seine Nüstern gegen ihre Hand, wie um zu zeigen, dass sie ihm trotzdem gefehlt hatte. Oder auf der Suche nach einem Leckerli, das sie vor ihm zu verbergen versuchte. Der Schatten würde ihn doch nicht etwa während ihrer Bewusstlosigkeit verwöhnt haben, um ihn gefügig zu machen?! War er denn dicker geworden?
Da kam auch schon Laogh hinzu und das Pferd wieherte leise unter Protest, noch nichts Zusätzliches erhalten zu haben. Woran sich auch nichts änderte, denn seine Besitzerin saß kurzerhand auf. Raik tänzelte leicht unter dem unerwarteten Gewicht auf seinem Rücken, so wenig es auch ausmachte.
Der Dunkelelf hingegen grinste schmal und tätschelte frech ihren Oberschenkel, fast schon unverschämt nahe an ihrer Körpermitte. "Warte nur, bis wir allein sind, dann zeige ich dir, wer von uns beiden alt ist.", raunte er ihr vielversprechend zu und wandte sich ab, um zu seiner grasenden Stute zu treten.
Mit geübtem Griff nahm er sowohl Zügel, als auch einige Strähnen ihrer Mähne und gab sich Schwung, um elegant auf den Pferderücken zu gelangen, ohne, dass die Decke zu sehr verrutschte oder er ein Problem mit dem Gleichgewicht bekam. Schon ließ er sie wieder los, behielt lediglich die Zügel locker in einer Hand und gab ihr mit ein wenig Schenkeldruck zu verstehen, dass das Fressen nun vorbei war.
Mit merklichen Widerwillen, aber dennoch gehorsam setzte sich Draca in Bewegung und schnaubte nur leise, um ihren Unmut zu bezeugen. Dicht ließ er sie zu Raik treten, auch auf die Gefahr von Nervosität bei dem Rappen hin, denn die Tiere sahen jeweils in die entgegen gesetzte Richtung.
Wie zufällig berührte Laoghs Knie das der Spionin, während seine freie Hand locker auf dem eigenen Oberschenkel ruhte. "Keine Sorge, die Schöne hier kann viele Tricks, sie ist immerhin sehr gelehrig. Ich schaffe es auch so.", griff er den Faden wieder auf, als hätte er das noch nötig und nicht soeben demonstriert, wie geübt er in Wahrheit war.
Ob er oft ohne Sattel ritt? Seine Beweisführung und seine gesamte, entspannte Haltung zeugten davon, dass er es sicherlich regelmäßig tat. Aus welchen Gründen auch immer.
Während die Stute mit ihrem Schweif zu schlagen und der Hengst tatsächlich nervöser zu werden begann, beugte sich der Meisterspion zur Seite, griff nach dem Kinn der Mischlingselfe und zog sie kurzerhand in seine Richtung, dass sie aufpassen musste, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. "Aber niedlich, dass du dir Sorgen um mich machst.", flüsterte er ihr zu und stahl ihr kurzerhand einen Kuss, ehe sie sich ihm entziehen könnte.
Dieser hätte durchaus länger und intensiver ausfallen können, doch nun wurde es Raik allmählich zu viel diese Verlockung direkt vor der Nase zu haben. Wiehernd und schnaubend begann er herum zu tänzeln und gab eindeutige Laute von sich, die verkünden sollten, dass er Draca gleich besteigen wollen würde.
Mit einem leisen, amüsierten Hüsteln ließ der Dunkelelf seine Gespielin los und erlaubte es seinem Reittier auszuweichen, die diese Avancen im Moment noch immer nicht wollte. "Vorsicht, dass er dir nicht durchgeht und dich noch abwirft!", spöttelte er, ganz den Unschuldigen mimend, und erlaubte es sich, Raik einen Klaps auf die Flanke zu geben, um ihn abzulenken. Beruhigen würde er sich dadurch nicht, hätte allerdings nun einen anderen Grund, um wieder gezähmt werden zu müssen.
Mit geradem Rücken und weiterhin locker gehaltenen Zügeln ritt er daraufhin in Richtung des Wägelchens, als würden ihn ihre Probleme mit dem Rappen nun nichts mehr angehen und er ihr keine Hilfe geben müssen, um die Kontrolle über das Tier zurück zu gewinnen. "Wir brechen auf!", verkündete er stattdessen und wollte sich an die Spitze ihres kleinen Trupps setzen, so, wie sie es bisher gehalten hatten.
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