Auf neuen Pfaden

Dieses Dorf beweist, dass unterschiedliche Rassen auch friedlich miteinander leben und auskommen können. Menschen und Elfen haben sich zusammengetan und dieses Dorf geschaffen. Im Einklang und friedlicher Harmonie hilft man sich gegenseitig.
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Gwynn
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Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Freitag 13. Oktober 2017, 20:59

Einstiegspost

54 … 55 … 56 … wo war ich?
Gwynn starrte auf den Boden des kleinen Zimmers, dass sie sich mit ihren zwei älteren Brüdern teilte und zählte die Astlöcher in den Brettern. Zum fünften Mal. Bedachte man, dass sie kaum etwas erkennen konnte, war das beachtlich. Wobei sie allerdings auch nicht sicher war, wie viele der ‚Astlöcher‘ wirklich welche waren.
Mit einem stöhnen wälzte sie sich unruhig in ihrem Bett herum. Dieses knarrte protestierend, gefolgt von einem verstimmten männlichen Brummen über ihr.
„Gwynn … verdammt hör auf dich so herum zu werfen! Es gibt Leute hier, die schlafen wollen.“
Grollte Raik verstimmt. Ein weiteres brummen folgte, diesmal vom Bett ihr gegenüber. Lir murmelte etwas Unverständliches – aber definitiv unfreundlich klingendes – und zog sich die Decke über den Kopf.
Gwynn schnaufte frustriert.
„Ich kann nicht schlafen!“
„Dann steh auf und geh, damit wir es können.“
Verkündete Raik verständnislos.

Das Mädchen warf sich ein weiteres Mal – demonstrativ laut – herum, so dass das Stockbett wackelte und wühlte sich dann, begleitet vom Protest Geheul ihres älteren Bruders, aus den Decken.
Sie schlicht barfuß durch die kleine Hütte, in der sie mit ihrer Familie lebte, und ging nach draußen.
Noch war es bis auf das Rauschen der Blätter still um das Haus, aber mit dem Morgengrauen würden die Vögel zu singen beginnen. Das Gras war taubedeckt und kalt, aber Gwynns Füße waren es gewohnt, barfuß zu sein und so ignorierte sie die Kälte weitestgehend.
Für gewöhnlich genoss sie die Stille kurz vor dem Morgengrauen – sofern sie denn früh genug erwachte – aber heute war sie zu unruhig. Sie lief ein paar Schritte in Richtung des Hauptpfades, der durch das Dorf lief, drehte aber um, bevor sie ihm zu weit folgte.
Noch war es nicht Zeit, zu gehen. Vor allem nicht im Nachthemd. Sie seufzte frustriert.

„Ich konnte auch nicht mehr schlafen.“
Stellte eine dunkle Stimme fest. Einem erschreckten Reh gleich machte Gwynn eine Satz und entdeckte ihren Vater, der auf der Bank im Garten saß und sie musterte. Flachsend grinste er sie an. Sie übte sich in einem tadelnden Blick aber versagte kläglich. Sie konnte ihrem Vater einfach nicht böse sein.

Er hob die Decke, die er sich um die Schultern gelegt hatte an und sie setzte sich zu ihm und kuschelte sich darunter. Ihre Füße zog sie mit unter die Decke, wobei diese noch immer unruhig hin und her wippten.
Mit einem Stirnrunzeln packte ihr Vater diese und hielt sie in seinen großen Händen gefangen.
„Himmel hast du kalte Füße!!! Was läufst du aber auch mit nichts am Leib hier draußen herum!!!“
Tadelte er sie scherzend und legte ihr einen Arm um die Schultern. Dann hauchte er einen Kuss auf ihren Kopf.
„Gwynn. Du kommst in ein alter, in dem du nicht mehr so einfach im Nachthemd herumrennen kannst!“
Sie rollte mit den Augen, auch wenn sie durchaus wusste, wovon er sprach.
„Ich sehe sowieso aus wie ein Stock. Ich könnte nackt durch den Ort rennen und keinen der Jungen würde es interessieren!“
Stellte sie trotzig fest. Marlon lachte erheitert auf.
„Denkst du das, ja? Ich glaube nicht, dass du nackt durch das Dorf rennst, Grashüpfer.“
Er musterte sie liebevoll und ein wenig stolz.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass du in ein paar Monaten einen Stock brauchst um dir all die Jungs vom Leib zu halten, weil sie Schlange stehen um dir zu gefallen.“
Der skeptisch verstimmte Blick seiner Tochter brachte Marlon erneut zum Lachen.
„Ha ha … witzig Papa, witzig. Weißt du, ich hab jetzt gar keine Zeit mehr dafür, weil ich nämlich ab heute eine Schülerin der Naturmagie sein werde!“
Verkündete sie und wurde wieder etwas nervöser.
„Das wirst du wohl.“
Auch Marlon schien dieses Thema die Leichtigkeit zu nehmen.

„Jetzt ist also auch mein Nesthäkchen flügge geworden … deiner Mutter und mir würde schrecklich langweilig werden, wäre ich mir nicht sicher, dass Lir hier vermutlich ewig leben wird!“
Beide brachen in kichern aus, als sie an den zweitältesten der Brüder dachten. Dieser war eher von der … konservativen Art. Und außerdem äußerst davon überzeugt, dass es Zuhause am besten und alle Frauen uninteressant waren. Und überhaupt würde er nicht in den Fußstapfen seines frisch vermählten älteren Bruders wandeln.
„Ich gehe doch nicht weg, Papa. Ich bleibe noch ganz lange dein Grashüpfer!“
Sie legte ihren Kopf tröstend an die Schulter ihres Vaters. Oder war es, weil sie Trost suchte?
Seit Jahren versuchte sie, Ilara, ihre Mutter, zu überzeugen sie bei Arienh lernen zu lassen und jetzt endlich war es irgendwie gelungen. Heute war der große Tag, sie würde zu ihrer Großmutter gehen um die Geheimnisse der Naturmagie zu lernen. Der Moment, auf den sie sich gefühlt ihr ganzes Leben vorbereitet hatte und sie hatte Angst.

Nicht so viel, dass es sie davon hätte abbringen können. Es war lediglich genug, um sie schlecht Schlafen und früh aufwachen zu lassen. Genug, um ihr Schmetterlinge durch den Bauch zu jagen bis ihr leicht Schlecht wurde.
Ihr Vater drückte einen weiteren Kuss auf ihr zerzaustes Haar und dann saßen sie schweigend auf der Bank und sahen dem Wald dabei zu, wie er langsam erwachte.
Nachdem die Sonne die kleine Lichtung vor ihrem Zuhause erhellte, wurde es auch im Haus lauter, als der Rest der Bewohner erwachte.
Marlon sah zu ihr herunter und lächelte.
„Ich bin stolz auf dich Gwynn. Folge deinem Herzen und lerne so viel du kannst.“
Er strich ihr über das Haar und stand dann auf. Zusammen gingen sie ins Haus um Frühstück zuzubereiten.

Gwynn war unkonzentriert und etwas linkisch und beinahe hätte sie Lirs Lieblings Tasse zerbrochen. Für gewöhnlich hätte das zu einer Auseinandersetzung zwischen den Geschwistern gesorgt, aber heute zeigte ihr Bruder Verständnis.
Wo die Zeit zuvor viel zu langsam gelaufen war, schien sie jetzt zu rennen und im Nu war es an der Zeit für Gwynn auf zu brechen.
Sie hatte kaum einen Bissen herunter bekommen und ihre Mutter legte ihr einen Apfel in die Umhängetasche, die sie an der Seite trug.
„Pass auf dich auf Grashüpfer.“
Ilara drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und drückte ihre Oberarme sanft. Man sah ihr an, wie gespalten sie war, aber um ihrer Tochter willen lächelte sie.
Gwynn nickte ihr zu, umarmte sie ein weiteres Mal und verabschiedete sich vom Rest ihrer Familie. Es war unsinnig, so ein Aufheben um das Ganze zu machen, schließlich war Arienhs Haus nicht so weit von dem ihrer Eltern entfernt. Aber etwas schien sich geändert zu haben. Vielleicht war es die Gewissheit, dass sie ab jetzt würde erwachsen werden müssen.

Zügigen Schrittes folgte sie dem Pfad. Ihre Sohlen waren geschützt von den ‚Moosigen Pfaden‘ und so ging sie beinahe lautlos über Sock und Stein. Den Kopf voller Ideen und Befürchtungen, was sie erwarten könnte. Dabei mochte sie Arienh sehr! Natürlich war sie manchmal etwas eigenartig, aber sie war auch klug und gebildet, durchsetzungsstark und ungemein interessant. Kurzum, Gwynn war der Meinung im ganzen Wald Sarius musste sie eine der besten Lehrerinnen sein, die man haben konnte! (Natürlich war ihr Erfahrungsschatz auf ihr Dorf begrenzt … aber Arienh war auch sehr beeindruckend.)
Nunja, und wer die beste Lehrerin hatte, musste sich auch besonders ins Zeug legen und allein das machte ihr Angst. Sie wollte ihre Großmutter nicht enttäuschen!
Von ihren Grübeleien ungerührt führten sie ihre Beine zielsicher zu einem bedeutenden Schritt in ihre Zukunft – und zu Arienh.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Dienstag 17. Oktober 2017, 10:01

Viel zu schnell war dieser Morgen gekommen und doch hatte sie ihn sehnlichst erwartet. Der Abschied von ihrem Vater im Morgengrauen, das harmonische Beisammensein mit ihrer Familie beim Frühstück, das alles würde sich nun ändern. Gwynn fühlte, dass man jetzt andere Dinge von ihr erwartete, dass sie nun erwachsen werden sollte. Sie war neugierig auf diesen neuen Lebensabschnitt, der anders werden sollte, als die der anderen Mädchen in ihrem Dorf und in ihrem Alter. Die sahen sich nun nach den Jungen um, wurden rot, wenn sie zurück schauten und kicherten. Wirklich gute Freunde hatte sie unter ihnen nicht, die sie zurück ließ, aber es gab doch ein paar mit denen sie doch das ein oder andere Wort gewechselt hatte. Sie waren Kameraden gewesen, hatten zusammen gespielt und nun ging jeder seiner Wege. Natürlich wussten alle, dass Gwynn bei ihrer Großmutter die Naturmagie lernen würde, so etwas sprach sich schnell herum. Manch einer hatte sie neidisch betrachtet und andere hatten sie bemitleidet. Die die einem Freund am nächsten kamen, hatten ihr alles Gute gewünscht. Und jetzt war es soweit. Ab jetzt gab es keine „heimlichen“ Treffen mehr, ab jetzt war sie eine Novizin der Naturmagie. Einen kleinen Zauber hatte sie schon von ihrer Oma gelernt. „Auf moosigen Pfaden“ zu wandeln ging ihr schon leicht von der Hand. Heute Morgen hatte sie ihre Füße berührt und schon waren die Sohlen mit einer grünlichen Moosschicht überdeckt. Diese schützte besser als jeder Lederstiefel und verschluckte die Geräusche, die beim Gehen entstehen könnten. Das Moos ließ sich ganz leicht mit Wasser wieder abwaschen, wenn man es wieder los werden wollte und hielt fast einen ganzen Tag lang. Es war ein praktischer Zauber und erleichterte das Anschleichen.
Gwynn brannte darauf weitere Zauber zu lernen. Es war, als hätte sie mit dem ersten Wirken von Magie eine Barriere eingerissen und nun strömte die Neugierde auf mehr ungehindert in sie hinein. Die Gier der Jugend, so hatte es Arienh bei ihrem letzten Treffen genannt. Manchmal sagte ihre Großmutter einfach komische Sachen. Arienh war sowieso eine merkwürdige Frau. Manchmal führte sie Selbstgespräche, selbst wenn sie mitten unter Leuten war und ihr Äußeres hatte früher die kleinen Kinder erschreckt. Sie war mit ihren 1,83m recht groß für eine Frau der Waldmenschen und ausgesprochen hager. Ihr Haar zeigte an manchen Stellen schon weiße Stellen, dass es wie die Rinde einer Birke aussehen ließ und der grüne Schimmer hatte sich mit den Jahren verstärkt. Mit 79 Sommern war sie auch nicht mehr die Jüngste, aber noch gesund und munter. Ihre Haut war so faltig und vom Wetter gegerbt, dass sie aussah wie borkige Rinde. Sie trug immer Kleidung in den Farben angepasst zu den Jahreszeiten des Waldes, weshalb man sie kaum von diesem unterscheiden konnte. Diesem Umstand war es zuzuschreiben, dass Gwynn sie erst entdeckte, als Arienh sich zu ihr umdrehte und ihr zu winkte. Ihre Enkelin sah in der Ferne schon die überwucherten Mauern des kleinen Hauses, mitten im Wald, aber ihre Großmutter hatte anscheinend etwas abseits davor im Wald zu tun. Also verließ Gwynn den gewohnten Weg und lief zu ihr. Ihre knarrende Stimme empfing sie mit einem kurzen vorangegangenen Schnalzen ihre Zunge:
„Florencias Seegen auf deinen Wegen...“
Sie hatte ihr den Rücken wieder zugewandt und hockte sich vor etwas, das am Boden lag. Ihr langer Zopf sah zerwühlt aus. Sie hatte ihn mal wieder nicht gekämmt. Insgesamt achtete die alte Frau nicht mehr so auf ihr Äußeres, denn es gab wichtigeres, wie sie immer sagte. In den verflochtenen Haarsträhnen hatten sich Blätter und Moos eingenistet, als wollten sie Nistzeug für die Vögel werden. Kleine Zweige baumelten in den Längen und gaben der Frau etwas durchaus schrulliges.
„Komm her mein kleines Samenkorn. Schau her...“
Sie wies auf einen kleinen Spross am Boden des Sarius. Gwynn sah ihn genau an und eine kleine Welle des Mitleides überrollte sie unwillkürlich. Der kleine Trieb, kaum so groß wie ihr Handteller, wand sich auf dem feuchten Moos, als würde er ersticken. Er hatte sogar noch Reste seiner Nuss in seinem dürren Wurzelwerk, dass blank und bloß der Luft ausgesetzt war. Er kämpfte um sein Leben.
„Ein Sariannen-Keimling.“
, flüstere Arienh andächtig. Der leicht grün und rötlich schimmernde Stiel der Pflanze verriet seine Herkunft.
„Wenn das mal ein ungewöhnliches Zeichen ist.“
Nachdenklich sah sie ihre Enkelin an und musterte sie mit zusammen gekniffenen Augen.
„Ausgerechnet heute lässt ein Vogel diesen kleinen Kerl hier fallen, wo du deinen Weg beginnen sollst... Florencia scheint etwas mit dir vor zu haben, mein kleiner Samen.“
Sie nickte, lächelte, als würde sie sich selbst eine Frage beantworten und sprach weiter:
„Gwynn, strecke deine Hand aus und wir werden sehen, was geschieht. ...Lass ihn zu dir kommen.“
Gwynns Herz klopfte laut. Wie geheißen streckte sie langsam ihre Hand dem kleinen Keimling entgegen.
„Konzentriere dich nur auf ihn, nichts anders ist wichtig. Er allein bestimmt was geschieht. Sei einfach für ihn da, wenn du es wirklich willst. Sei für ihn da....Er braucht dich.“
Es dauerte gefühlt eine Stunde, als der Keim in seinem Kampf sich langsam zu ihr schleppte und Blättchen für Blättchen, derer fünf, auf ihre Hand kroch. Nur seine Nuss schien zu schwer für ihn. So hing sie zwischen Gwynns Fingern schlaff an seinen Wurzeln herunter.
„Jetzt bring ihn schnell zur Hütte und bau ihm ein Bett aus Moos und Wasser! Eil dich!“
Gwynn hielt den Keim vorsichtig und lief so schnell sie ihre Füße trugen. Arienh folgte im gemäßigtem Tempo. Gwynn fand eine Tonschale mit einem kleinen Sprung, die ihr Oma vor dem Haus achtlos überwuchern ließ. Ein wenig frisches Moos war schnell gefunden und der Brunnen war ganz in der Nähe. Vorsichtig setzte sie den Keimling hinein, als Arienh langsam den Weg hoch kam. Noch ein paar Momente später gesellte sie sich zu ihr und schaute über Gwynns Schulter.
„Gut gemacht. Jetzt musst du für ihn sorgen. Er wird viel Wasser brauchen! Kleine Mengen, häufig und bald auch ein bisschen Schlick aus den feuchten Wäldern. Willst du ihm einen Namen geben? Ach, vielleicht ist das noch zu früh. Lass uns erst mal sehen, ob er die heutige Nacht überlebt. Morgen früh wissen wir mehr.“
Damit setzte sie sich auf einen umgestürzten Baumstamm, der ihr seit geraumer Zeit schon als Bank vor ihrem Haus diente und schnaufte geräuschvoll. Lächelnd und zufrieden betrachtete sie ihre Enkelin.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Mittwoch 18. Oktober 2017, 21:10

Ihre knarrende Stimme empfing sie mit einem kurzen vorangegangenen Schnalzen ihre Zunge:
„Florencias Seegen auf deinen Wegen...“
Sie hatte ihr den Rücken wieder zugewandt und hockte sich vor etwas, das am Boden lag. Ihr langer Zopf sah zerwühlt aus. Sie hatte ihn mal wieder nicht gekämmt.


Mit vor Aufregung flatterndem Magen ging Gwynn zu ihrer Großmutter und sah ihren zerzausten Schopf mit gemischten Gefühlen an. Sie hatte schon früher versucht, ihre Großmutter dazu zu überreden, sie ihr Haar entfilzen zu lassen – mit katastrophalem Ausgang. Niemand brachte Arienh dazu, etwas gegen ihren Willen zu tun und ganz sicher nicht ihre Enkelin. Zumindest nicht in diesem Punkt. Die alte Frau hatte hinsichtlich ihres Aussehens eine Entscheidung getroffen, die sie nicht revidieren würde. Egal wie viele freundliche Angebote Gwynn machte um deren Haar zu retten. Insgeheim überlegte sie, dass Arienh vielleicht sogar Freude dran hatte, wie ihr zerzaustes Äußeres auf andere Menschen wirkte.

„Komm her mein kleines Samenkorn. Schau her...“
Sie wies auf einen kleinen Spross am Boden des Sarius. Gwynn sah ihn genau an und eine kleine Welle des Mitleides überrollte sie unwillkürlich. Der kleine Trieb, kaum so groß wie ihr Handteller, wand sich auf dem feuchten Moos, als würde er ersticken. Er hatte sogar noch Reste seiner Nuss in seinem dürren Wurzelwerk, dass blank und bloß der Luft ausgesetzt war. Er kämpfte um sein Leben.
„Ein Sariannen-Keimling.“
, flüstere Arienh andächtig. Der leicht grün und rötlich schimmernde Stiel der Pflanze verriet seine Herkunft.
„Wenn das mal ein ungewöhnliches Zeichen ist.“
Nachdenklich sah sie ihre Enkelin an und musterte sie mit zusammen gekniffenen Augen.
„Ausgerechnet heute lässt ein Vogel diesen kleinen Kerl hier fallen, wo du deinen Weg beginnen sollst... Florencia scheint etwas mit dir vor zu haben, mein kleiner Samen.“
Sie nickte, lächelte, als würde sie sich selbst eine Frage beantworten und sprach weiter:
„Gwynn, strecke deine Hand aus und wir werden sehen, was geschieht. ...Lass ihn zu dir kommen.“
Gwynns Herz klopfte laut. Wie geheißen streckte sie langsam ihre Hand dem kleinen Keimling entgegen.


Ein Sariannen Keimling?!
Jedes Kind wusste um die ‚Hüter des Waldes‘, den beseelten Bäumen die in den Sümpfen des Waldes Sarius lebten. Das Dorf und die Umgebung waren fast zu trocken für die erhabenen Pflanzen, die sich am wohlsten mit den Wurzeln umgeben von Wasser fühlten. Daher war es umso überraschender hier einen Keim davon zu finden!
Die Härchen an Gwynns Armen richteten sich auf, als sie das kleine Wunder betrachtete! Über das, was Arienh mit ihren Worten über die zeitliche Übereinstimmung mit ihrem Lehrbeginn meinte, wollte sie lieber gerade nicht nachdenken.
Etwas überwältigt tat sie, wie ihr geheißen wurde und streckte ihren Geist und ihre Kraft in Richtung des Keims aus. Als dieser eine erste angestrengte Bewegung machte, wäre sie fast vor Schreck zusammen gezuckt aber sie beherrschte sich.

„Konzentriere dich nur auf ihn, nichts anders ist wichtig. Er allein bestimmt was geschieht. Sei einfach für ihn da, wenn du es wirklich willst. Sei für ihn da....Er braucht dich.“
Es dauerte gefühlt eine Stunde, als der Keim in seinem Kampf sich langsam zu ihr schleppte und Blättchen für Blättchen, derer fünf, auf ihre Hand kroch. Nur seine Nuss schien zu schwer für ihn. So hing sie zwischen Gwynns Fingern schlaff an seinen Wurzeln herunter.


So konzentriert wie möglich richtetet sie all ihre Aufmerksamkeit auf den Keim. Sie war froh, Arienh bei sich zu haben. Die Furcht, etwas falsch zu machen und dem kleinen Kerl zu schaden hätte ihr Herz sonst im eisernen Griff gehabt.
Mithilfe der Ermunterungen ihrer Großmutter schaffte sie es, den kleinen Kerl auf ihre Hand zu locken. Dabei musste sie sich auf die Lippe beißen, um den Tränen Einhalt zu gebieten, die ihr in die Augen steigen wollten.
Der Keim wirkte so kraftlos das es ihr die Brust vor Mitgefühl zuschnürte. So sanft und freundlich sie konnte murmelte sie Ermunterungen, während sie die noch schwer greifbare Magie, die ihr Innenwohnte, um sich hüllte. Als er schließlich, bis auf die Nuss, ganz auf ihrer Hand lag spürte sie wie das Leben schwach in dem Geschöpf pulsierte. Sie hätte es gern tröstend gestreichelt, aber sie wagte nicht, es zu berühren. Immerhin konnte sie es vielleicht versehentlich damit verletzen!
Vorsichtig legte sie die Nuss, mit der der Keim noch verbunden war, auf ihre Hand.

„Jetzt bring ihn schnell zur Hütte und bau ihm ein Bett aus Moos und Wasser! Eil dich!“
Gwynn hielt den Keim vorsichtig und lief so schnell sie ihre Füße trugen. Arienh folgte im gemäßigtem Tempo. Gwynn fand eine Tonschale mit einem kleinen Sprung, die ihr Oma vor dem Haus achtlos überwuchern ließ. Ein wenig frisches Moos war schnell gefunden und der Brunnen war ganz in der Nähe. Vorsichtig setzte sie den Keimling hinein, als Arienh langsam den Weg hoch kam. Noch ein paar Momente später gesellte sie sich zu ihr und schaute über Gwynns Schulter.
„Gut gemacht. Jetzt musst du für ihn sorgen. Er wird viel Wasser brauchen! Kleine Mengen, häufig und bald auch ein bisschen Schlick aus den feuchten Wäldern. Willst du ihm einen Namen geben? Ach, vielleicht ist das noch zu früh. Lass uns erst mal sehen, ob er die heutige Nacht überlebt. Morgen früh wissen wir mehr.“
Damit setzte sie sich auf einen umgestürzten Baumstamm, der ihr seit geraumer Zeit schon als Bank vor ihrem Haus diente und schnaufte geräuschvoll. Lächelnd und zufrieden betrachtete sie ihre Enkelin.


Diese warf ihr einen völlig entsetzten Blick zu, als sie andeutete, dass der Keim nicht überleben könnte.
So vorsichtig und korrekt wie möglich hatte sie alles gemäß den Anweisungen Arienhs erledigt. Jetzt überprüfte sie alles um den kleinen Keim herum. Testete, ob die Erde feucht genug war, überprüfte den Sitz des Mooses und sah die kleine Pflanze immer wieder besorgt an. Sie hatte direkt neben dem Blumentopf eine Gießkanne platziert um jederzeit nachgießen zu können.
Ihr erster Tag und schon lag die Verantwortung für ein kleines Leben in ihren Händen! Verunsichert warf sie ihrer Großmutter immer wieder Blicke zu, um zu überprüfen, dass sie nichts falsch machte. Die Naturmagierin indessen war die Ruhe selbst.

Mit ernstem Gesicht mustere sie den Keim:
„Mach dir keine Sorgen, wir machen dich wieder gesund damit du groß und stark wirst, kleiner Freund.“
Beteuerte sie inbrünstig und todernst. In der Gewissheit, die nächsten Minuten nichts weiter für ihn tun zu können ging sie zu ihrer Großmutter. Sie blieb stehen während ihre Zehen unruhig mit dem Gras spielten.
„Wie oft gebe ich ihm denn Wasser, Oma? Und kann ich noch etwas tun?“
Sie sah herüber zu dem Blumentopf um ihren Patienten zu begutachten, so als könne er in der kurzen Zeit, in der sie ihn nicht beobachtet hatte, verdorrt sein.
„Ich möchte nicht, dass er Stirbt. Wenn es sein muss, bleibe ich die Nacht auf, und wache über ihn!“
Beteuerte sie. Für jemand, der dem Keim gerade gegenüber versprochen hatte, dass er wieder gesund würde, war sie erstaunlich verunsichert.
Über einen Namen konnte sie noch gar nicht nachdenken – aber vielleicht würde der kleine Kerl, ging es ihm erst besser – auch selbst einen Hinweis liefern, wie man ihn benennen konnte. Sie sah unruhig auf ihre Füße und dann zurück zu ihrer Großmutter.
„Was heißt das denn … wenn man einen Sariannen Keim findet …“
Fragte sie unbeholfen weiter.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Samstag 21. Oktober 2017, 12:50

Mit ernstem Gesicht mustere sie den Keim, der mit seinen leicht gewellten Blättern tatsächlich etwas welk aussah. Musste das so sein? Irgendwie kam es ihr falsch vor. Und die Wurzeln erst! Dürr und fein wie Spinnenwegen, sicher nicht wie sie sich Sariannenwurzeln vorgestellt hatte.Er sah so hilflos aus in seiner Schale. Der dürre Stiel konnte ihn kaum aufrecht halten und die Blätter hingen. Die Wurzeln steckten nun in einer weichem Moosschicht, die einen Finger breit mit Wasser bedeckt war, wie es auch in Sümpfen wäre, doch irgendwie wirkte die kleine Pflanze so erschöpft, dass sie nicht so recht trinken wollte.
„Mach dir keine Sorgen, wir machen dich wieder gesund damit du groß und stark wirst, kleiner Freund.“
, beteuerte sie inbrünstig und todernst. In der Gewissheit, die nächsten Minuten aber nichts weiter für ihn tun zu können ging sie zu ihrer Großmutter. Sie blieb stehen während ihre Zehen unruhig mit dem Gras spielten.
„Wie oft gebe ich ihm denn Wasser, Oma? Und kann ich noch etwas tun?“
Arienh hatte ihre Augen geschlossen, wiegte ihren Kopf nachdenklich hin und her und hielt ihr Gesicht den Strahlen der Sonne zugewandt, wie es auch die Sonnenblumen in ihrem Garten im Sommer taten. Diese waren jetzt längst abgebrüht, reif für die Ernte und manche Nacht konnte man schon die nahende Kälte riechen. Aber noch waren sie in der Zeit des Wandels, die Nächte kühl aber die Tage noch warm und auch für Gwynn sollte sich nun einiges verändern.
Sie sah herüber zu dem Blumentopf um ihren Patienten zu begutachten, so als könne er in der kurzen Zeit, in der sie ihn nicht beobachtet hatte, verdorrt sein, doch nichts hatte sich verändert.
„Ich möchte nicht, dass er stirbt. Wenn es sein muss, bleibe ich die Nacht auf, und wache über ihn!“
Beteuerte sie und ihre Großmutter nickte leicht. Für jemand, der dem Keim gerade gegenüber versprochen hatte, dass er wieder gesund würde, war Gwynn erstaunlich verunsichert. Über einen Namen konnte sie noch gar nicht nachdenken – aber vielleicht würde der kleine Kerl, ging es ihm erst besser – auch selbst einen Hinweis liefern, wie man ihn benennen konnte. Sie sah unruhig auf ihre Füße und dann zurück zu ihrer tiefen-entspannten Großmutter.
„Was heißt das denn … wenn man einen Sariannen Keim findet …“
Fragte sie unbeholfen weiter.
„Oh, Kind. Ich hab ja schon Löcher im Bauch, von deinen ganzen Fragen. Nur Florencia weiß, was es heißen könnte. Vielleicht alles, vielleicht nichts. Es ist nur ungewöhnlich.“
Endlich hatte sie auch wieder ihre Augen geöffnet und sah Gwynn sanft lächelnd an. An ihrem Gesichtsausdruck konnte ihre Enkelin sofort erkennen, dass sie sie zwar ansah, aber ihre Gedanken irgendwo in weiter Ferne weilten.
„Weißt du, es ist lange her, dass ich den Wald der beseelten Bäume besucht habe... Sie sind meist sehr verschlossen und nicht sehr gesprächig...bleiben unter sich.“
Dann schien sie aufzuwachen und blinzelte ein paar Mal schnell.
„Ich denke, es wäre gut, wenn du bei ihm bist und ihn beobachtest. Red ihm gut zu und pass auf, dass er trinkt. Wann oder wie oft er das tut, weiß ich genau sowenig wie du, mein kleiner Samen. Er ist wie ein Neugeborenes. Er wird dir nicht sagen, was er braucht. Du musst es mit deinen Sinnen fühlen und schnell lernen die Zeichen zu verstehen.“
Arienh erhob sich und drückte knackend ihren Rücken gerade. Manchmal tat sie gerne wie eine alte Frau, aber Gwynn wusste, dass sie, wenn sie musste noch recht flink unterwegs war. Als sie aufrecht stand, schüttelte sie sich wie ein nasser Hund und lachte glucksend.
„Ich hab noch eine Menge zu tun heute. Eigentlich dachte ich ja, mein kleiner Samen würde mir bei der Sonnenblumenernte helfen können, aber so wie es aussieht hast du heute anderes zu tun.“
Damit krempelte sie die langen fadenscheinigen Ärmel hoch und zog eine Sichel aus einer Schlaufe am Gürtel. Sie warf noch einen unergründlichen Blick auf den Keimling und verschwand dann hinterm Haus. Natürlich könnte Gwynn ihrer Großmutter folgen und ihr helfen, doch in der Tat hatte sie nun ganz plötzlich eine ganz andere Aufgabe erhalten. Unsicher hockte sie sich wieder zu dem winzigen Sariannenbaum und betrachtete seine Blätter. Einem naturverbundenen Wesen konnte das Herz schwer werden, so matt hingen sie herab. Was hatte Arienh gesagt? Red ihm gut zu? Bloß was sollte man einem kleinen Baum sagen? Kam es drauf an, was sie sprach, oder war es mehr die Stimmlage? Würde er sie verstehen, oder nur ihre Präsenz spüren? Das alles war enorm schwierig und Gwynn auf sich gestellt. Immer wieder war sie versucht die kleinen Blätter zu streicheln und irgendwann gab sie sehr sehr vorsichtig diesem Verlangen nach. Auf keinen Fall wollte sie dem Kleinen ein Blatt abbrechen, aber sie hingen so furchtbar. Mit angehaltenem Atem hielt sie einen Finger unter eines der unteren Blätter, das am schlimmsten aussah und berührte es vorsichtig. Es ließ sich viel zu leicht anheben, war kraftlos und kühl in der Mitte, obwohl die Kühle wohl normal war. An den äußeren Rändern, dort wo es drohte zu verdorren, fühlte es sich wärmer an, als ob dort die Feuchtigkeit fehlte. Gerade als Gwynn ihren Finger wieder fort nehmen wollte, da rollte sich das Blatt leicht um ihren Finger. Wie ein Säugling, nur viel viel schwächer hielt es sie fest. Still verharrte das Mädchen und starrte die winzige Regung an. Lange geschah nichts weiter.
Mit nur einer freien Hand und hockend war diese Haltung schon nach wenigen Minuten nicht unbedingt angenehm, aber sich zu rühren, bedeutete womöglich, das Blatt abzureißen, also hielt sie still. Als erstes begannen ihre Beine einzuschlafen. Ob sie nach Arienh rufen sollte? Als zweites wurde der Arm schwer, aber der Anblick des kleinen Wesens ließ Gwynn tapfer aushalten. Als drittes begann es im Rücken zu ziehen und die Sonne stand so, dass sie ihr die ganze Zeit ins Gesicht schien. Langsam bildete sich eine dünne Schweißschicht auf Gwynns Haut und rann ihr in juckenden Bahnen den Rücken hinunter. Irgendetwas musste sie tun! Lange würde sie nicht mehr aushalten, da kam ihr eine Idee. Wenn der kleine Baum sich auf eine Berührung von ihr um den Finger gewickelt hatte, so könnte vielleicht eine weitere helfen? Vorsichtig und mit langsam zitternden Beinen streckte sie die andere Hand nach dem Blättchen aus, das sie fest hielt und streichelte sanft über die obere Seite. Es dauerte einige weitere schrecklich lange Momente, da rollte sich das Blatt auf und wollte sich nach oben um den anderen Finger rollen. Schnell zog Gwynn die Hände fort und fiel prompt auf ihren Hosenboden. Steif und mit furchtbar tauben Gliedern saß sie einen Moment da und atmete tief durch. Dann begann das KRIBBELN!!!
Eine Myriade von Ameisen schienen sich ihrer bemächtigen zu haben, krabbelten an ihren Beinen hinauf und bissen sie in die Kniekehlen. Am liebsten hätte sie geschrien, aber sie sah nur die kleine Pflanze, die sich suchend nach ihr streckte und dabei etwas weniger tot aussah. Den nächsten Versuch in diese Richtung sollte sie besser planen! Als sie wieder laufen konnte und sich zurück zur Pflanze kniete, bemerkte sie auch, dass der Wasserspiegel um einen viertel Finger gesunken war.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Montag 6. November 2017, 21:57

„Oh, Kind. Ich hab ja schon Löcher im Bauch, von deinen ganzen Fragen. Nur Florencia weiß, was es heißen könnte. Vielleicht alles, vielleicht nichts. Es ist nur ungewöhnlich.“
Endlich hatte sie auch wieder ihre Augen geöffnet und sah Gwynn sanft lächelnd an. An ihrem Gesichtsausdruck konnte ihre Enkelin sofort erkennen, dass sie sie zwar ansah, aber ihre Gedanken irgendwo in weiter Ferne weilten.
„Weißt du, es ist lange her, dass ich den Wald der beseelten Bäume besucht habe... Sie sind meist sehr verschlossen und nicht sehr gesprächig...bleiben unter sich.“
Dann schien sie aufzuwachen und blinzelte ein paar Mal schnell.
„Ich denke, es wäre gut, wenn du bei ihm bist und ihn beobachtest. Red ihm gut zu und pass auf, dass er trinkt. Wann oder wie oft er das tut, weiß ich genau sowenig wie du, mein kleiner Samen. Er ist wie ein Neugeborenes. Er wird dir nicht sagen, was er braucht. Du musst es mit deinen Sinnen fühlen und schnell lernen die Zeichen zu verstehen.“
Arienh erhob sich und drückte knackend ihren Rücken gerade. Manchmal tat sie gerne wie eine alte Frau, aber Gwynn wusste, dass sie, wenn sie musste noch recht flink unterwegs war. Als sie aufrecht stand, schüttelte sie sich wie ein nasser Hund und lachte glucksend.
„Ich hab noch eine Menge zu tun heute. Eigentlich dachte ich ja, mein kleiner Samen würde mir bei der Sonnenblumenernte helfen können, aber so wie es aussieht hast du heute anderes zu tun.“
Damit krempelte sie die langen fadenscheinigen Ärmel hoch und zog eine Sichel aus einer Schlaufe am Gürtel. Sie warf noch einen unergründlichen Blick auf den Keimling und verschwand dann hinterm Haus.


Mit gespitzten Ohren lauschte sie Arienh und nickte zur Bestätigung. Sie hätte ihrer Großmutter gern geholfen, aber sie hatte Recht, jetzt gab es andere Verpflichtungen für sie.
Es war ihr nicht so recht klar, ob sie erleichtert oder besorgt sein sollte, dass ihre Großmutter auch nicht über alles Bescheid wusste. Der Gedanke, eine allwissende Instanz hinter sich zu haben, war beruhigend, aber Arienh hielt nie mit der Wahrheit hinterm Berg (soweit es Gwynn wusste). Das hieß auch, dass sie offen darüber war, was sie konnte und wusste, egal ob es gegenüber einem Kind oder Erwachsenen war.
In diesem Fall entschied die junge Gwynn, dass es besser so war. Es konnte niemanden geben, der alle Antworten hatte. Dieses Recht wurde den Göttern vorbehalten.
Und es ermutigte sie, selbst Antworten zu finden und sich auszuprobieren – auch wenn das bei einem kleinen Lebewesen, dass es zu hüten galten, sehr einschüchternd war.

Natürlich könnte Gwynn ihrer Großmutter folgen und ihr helfen, doch in der Tat hatte sie nun ganz plötzlich eine ganz andere Aufgabe erhalten. Unsicher hockte sie sich wieder zu dem winzigen Sariannenbaum und betrachtete seine Blätter. Einem naturverbundenen Wesen konnte das Herz schwer werden, so matt hingen sie herab. Was hatte Arienh gesagt? Red ihm gut zu? Bloß was sollte man einem kleinen Baum sagen? Kam es drauf an, was sie sprach, oder war es mehr die Stimmlage? Würde er sie verstehen, oder nur ihre Präsenz spüren? Das alles war enorm schwierig und Gwynn auf sich gestellt. Immer wieder war sie versucht die kleinen Blätter zu streicheln und irgendwann gab sie sehr sehr vorsichtig diesem Verlangen nach. Auf keinen Fall wollte sie dem Kleinen ein Blatt abbrechen, aber sie hingen so furchtbar. Mit angehaltenem Atem hielt sie einen Finger unter eines der unteren Blätter, das am schlimmsten aussah und berührte es vorsichtig. Es ließ sich viel zu leicht anheben, war kraftlos und kühl in der Mitte, obwohl die Kühle wohl normal war. An den äußeren Rändern, dort wo es drohte zu verdorren, fühlte es sich wärmer an, als ob dort die Feuchtigkeit fehlte. Gerade als Gwynn ihren Finger wieder fort nehmen wollte, da rollte sich das Blatt leicht um ihren Finger. Wie ein Säugling, nur viel viel schwächer hielt es sie fest. Still verharrte das Mädchen und starrte die winzige Regung an. Lange geschah nichts weiter.

Voller entzücken biss sich Gwynn auf die Unterlippe um nicht halb erschreckt und halb entzückt zu quietschen. Der kleine Sariannen Keim hatte ein Blatt um ihren Finger gelegt!
Das ist ja so unglaublich niedlich und toll!
Einer Idee folgend sang sie dem kleinen Setzling leise ein Wiegenlied vor.

Mit nur einer freien Hand und hockend war diese Haltung schon nach wenigen Minuten nicht unbedingt angenehm, aber sich zu rühren, bedeutete womöglich, das Blatt abzureißen, also hielt sie still. Als erstes begannen ihre Beine einzuschlafen. Ob sie nach Arienh rufen sollte? Als zweites wurde der Arm schwer, aber der Anblick des kleinen Wesens ließ Gwynn tapfer aushalten. Als drittes begann es im Rücken zu ziehen und die Sonne stand so, dass sie ihr die ganze Zeit ins Gesicht schien. Langsam bildete sich eine dünne Schweißschicht auf Gwynns Haut und rann ihr in juckenden Bahnen den Rücken hinunter. Irgendetwas musste sie tun! Lange würde sie nicht mehr aushalten, da kam ihr eine Idee. Wenn der kleine Baum sich auf eine Berührung von ihr um den Finger gewickelt hatte, so könnte vielleicht eine weitere helfen? Vorsichtig und mit langsam zitternden Beinen streckte sie die andere Hand nach dem Blättchen aus, das sie fest hielt und streichelte sanft über die obere Seite. Es dauerte einige weitere schrecklich lange Momente, da rollte sich das Blatt auf und wollte sich nach oben um den anderen Finger rollen. Schnell zog Gwynn die Hände fort und fiel prompt auf ihren Hosenboden. Steif und mit furchtbar tauben Gliedern saß sie einen Moment da und atmete tief durch. Dann begann das KRIBBELN!!!
Eine Myriade von Ameisen schienen sich ihrer bemächtigen zu haben, krabbelten an ihren Beinen hinauf und bissen sie in die Kniekehlen. Am liebsten hätte sie geschrien, aber sie sah nur die kleine Pflanze, die sich suchend nach ihr streckte und dabei etwas weniger tot aussah. Den nächsten Versuch in diese Richtung sollte sie besser planen! Als sie wieder laufen konnte und sich zurück zur Pflanze kniete, bemerkte sie auch, dass der Wasserspiegel um einen viertel Finger gesunken war.


Das war ja Großartig gelaufen. So hinreißend der Sarianen Keimling war … niedlich verlor seinen Reiz nach den ersten Fünf Minuten, wenn einem dabei der Arm schwer wurde und die Beine einschliefen.
Ganz davon abgesehen, dass sie sich heiser fühlte und ihr das Singen irgendwann vergangen war. Stattdessen hatte sie begonnen, Geschichten zu erzählen, aber selbst die gingen ihr langsam aus. Zwischendrin hatte sie immer wieder gehofft, dass Arienh wenigstens vorbeikommen würde, um sie zu retten – aber offenbar hielt die Sonnenblumenernte sie ordentlich auf Trab.
Aber das Ganze hier ging auch nicht darum, dass sie es komfortabel hatte. Es galt ein winziges Leben zu retten, da war das hier ein kleines Opfer!
Nunja oder ein großes, denn ihre Beine taten ihr verdammt weh.

Sie bemerkte den gesunkenen Wasserstand und füllte den Topf des Keimlings wieder auf. Dann nahm sie selbst ein Schluck – und sorgte dafür, dass andere dringende Bedürfnisse erledigt waren und streckte und bewegte sich kurz, um wieder etwas Gefühl in ihre Gliedmaßen zu bekommen. Dann nahm sie ein Kissen, stellte sicher, dass sie die richtige Ecke fand, um sich anlehnen zu können, brachte das Wasser in Reichweite und nahm dann den Topf mit dem Keimling an sich.
Sie setze sich bequem, lehnte sich an die Wand und nahm ihren kleinen Patienten auf ihren Schoß. Dann streckte sie den Finger nach der Pflanze aus und strich ganz vorsichtig über die zarten Blätter.
„Wer hätte gedacht, dass du Berührung auch magst … aber ich schätze du fühlst dich gerade furchtbar allein, oder? Keine Sorge, ich bin hier und ich bleibe bei dir. Aber du darfst mich wirklich nicht so lange festhalten. Ich muss mich nämlich manchmal bewegen.“
Erklärte sie dem kleinen Leben.
„Sag mal, verstehst du mich eigentlich schon? Oder ist das bei dir wie mit Babys und man kann ihnen alles erzählen, solange es nur nett klingt?“
Sie strich liebevoll über die kleine Pflanze.
„Wir haben mal einen Nachmittag lang auf die kleine Schwester einer Freundin Acht gegeben. Da war es egal ob wir ihr Rezepte erzählt oder ihr gut zugeredet haben. Wobei ich ja glaube, dass sie Mamas Keksrezept am besten fand.“
Sie seufzte nachdenklich.
„Arienh hat mich gefragt, wie ich dich nennen will. Hast du irgendwelche Präferenzen? Ich meine, im Moment fiele mir da ein Haufen niedlicher Namen ein, aber du sollst ja mal groß und beeindruckend werden, da geht das natürlich nicht!“

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Dienstag 7. November 2017, 18:45

Gwynn hatte gehofft, dass Arienh wenigstens mal vorbeikommen würde, um vorbei zu schauen oder sie zu retten – aber offenbar hielt die Sonnenblumenernte sie ordentlich auf Trab. Was sie nicht wusste, Arienh hatte sie die ganze Zeit auf ihre ganz eigene Art im Auge. Mit einer großen Sonnenblumenscheibe auf dem Schoß saß sie gemütlich auf der anderen Seite des Hauses und hielt ihr Ohr an ein Blatt der dicken alten Weinreben, die sich um das ganze Haus rankten. Die Spitzen des Blattes hatten sich fast vollständig um ihr Ohr gerollt, sowie zwei lange Ranken sich um ihren knochigen Leib wanden. Ihre Hände puhlten die Kerne aus der Blüte und ihr Geist lauschte dem Wispern das aus der Pflanze kam. Natürlich ließ sie Gwynn mit ihrer Aufgabe allein, denn dies war wichtig. Ihr kleiner Samen musste lernen Verantwortung zu tragen, aber ihr ein wenig über die Schulter zu schauen, das ließ sich die alte Magi auch nicht nehmen. Im Stillen hoffte sie, dass alles gut gehen würde, denn die kleine Seele, die ihr da Florencia in den Schoß gelegt hatte, die war genauso besonders wie ihr kleines Samenkorn. Arienh legte ihren Kopf schief und lenkte noch etwas Magie in die Pflanze. Es war ein alter Zauber, aber ein sehr praktischer, wenn man sich mit Ranken gut verstand. Jede Pflanze hatte ihre Eigenheiten und Ranken waren nicht nur gut um Eindringlinge zu fangen, nein sie waren auch gut um Informationen von einem Ort zum nächsten zu übertragen. Nach dem Vorfall mit der Winde bezweifelte Arienh jedoch, dass ihre Enkelin diesen Zauber jemals erlernen würde. Das Kind zuckte ja schon zusammen, wenn man an ihrem Arm hinauf streichelte. Die 'Umarmung der Winde' war dann sicher nichts für sie. Aber andere Zauber könnte sie sicher schnell lernen. Aufmerksam verfolgte sie also das Treiben auf der anderen Seite des Hauses, während ihre Hände beschäftigt waren.

Gwynn bemerkte den gesunkenen Wasserstand und füllte den Topf des Keimlings wieder auf. Dann nahm sie selbst ein Schluck – und sorgte dafür, dass andere dringende Bedürfnisse erledigt waren und streckte und bewegte sich kurz, um wieder etwas Gefühl in ihre Gliedmaßen zu bekommen. Das grässliche Kribbeln ließ zum Glück schnell nach. Dann nahm sie ein Kissen, stellte sicher, dass sie die richtige Ecke fand, um sich anlehnen zu können, brachte das Wasser in Reichweite und nahm dann den Topf mit dem Keimling an sich. Sie setze sich bequem, lehnte sich an die Wand und nahm ihren kleinen Patienten auf ihren Schoß. Dann streckte sie den Finger nach der Pflanze aus und strich ganz vorsichtig über die zarten Blätter, die sich auch prompt wieder um ihren Finger rollten. Niedlich war das schon, zugegeben. Und jetzt war Gwynn auch darauf vorbereitet.
„Wer hätte gedacht, dass du Berührung auch magst … aber ich schätze du fühlst dich gerade furchtbar allein, oder?...“
Als winziger Keimling seiner Heimat entrissen worden zu sein, von einem geflügelten Raubtier durch die Luft geschleudert und auf viel zu trockenem Boden halb verdurstet zu sein, allein und ohne jegliche Familie... Nein, das war sicher nicht schön.
„...Keine Sorge, ich bin hier und ich bleibe bei dir. Aber du darfst mich wirklich nicht so lange festhalten. Ich muss mich nämlich manchmal bewegen.“
Erklärte sie dem kleinen Leben und das Blatt rollte sich etwas lockerer um ihren Finger.
„Sag mal, verstehst du mich eigentlich schon? Oder ist das bei dir wie mit Babys und man kann ihnen alles erzählen, solange es nur nett klingt?“
Sie strich liebevoll über die kleine Pflanze, deren oberen Blätter sich ihr neugierig entgegen reckten.
„Wir haben mal einen Nachmittag lang auf die kleine Schwester einer Freundin Acht gegeben. Da war es egal ob wir ihr Rezepte erzählt oder ihr gut zugeredet haben. Wobei ich ja glaube, dass sie Mamas Keksrezept am besten fand.“
Sie seufzte nachdenklich und erinnerte sich an den süßen wohligen Geschmack der Kekse. Einen Moment wiegte Gwynn unbewusst ihren Kopf hin und her. Das schien auch dem Keimling zu gefallen, denn er ahmte die Bewegung nach. Vielleicht mochte er ja auch Keksrezepte... oder Kekse... oder einfach das Gefühl, dass Gwynn gerade verströmte wie eine duftende Blüte.
„Arienh hat mich gefragt, wie ich dich nennen will. Hast du irgendwelche Präferenzen? Ich meine, im Moment fiele mir da ein Haufen niedlicher Namen ein, aber du sollst ja mal groß und beeindruckend werden, da geht das natürlich nicht!“
Das oberste Blatt, das was am ehesten im Moment einem Kopf ähneln könnte lag schräg auf der Seite. Ebenso wie Gwynns, da sie gerade nachgedacht hatte. Eine Antwort erhielt sie leider nicht, aber irgendwie reagierte der Keimling auf sie. Irgendwie sah er auch schon etwas gesünder aus. Die oberen vier Blätter wirkten wieder satt und grün. Nur das Unterste hatte diesen abgestorbenen, trockenen Rand, der anscheinend nicht mehr zu retten war. Vielleicht würde es irgendwann von selbst abfallen oder halt klein bleiben. Es war wie ein mahnendes Zeichen an einen schwierigen Start ins Leben. Die gewellten Kannten waren brüchig und als Gwynn sie näher und mit Mitleid im Herzen betrachtete, zog der kleine Kerl das Blatt hinter seinen dürren Stamm, als schämte er sich dafür. Woher sie wusste, das es ein 'Kerl' war? Nein, sie wusste es nicht mit Sicherheit. Es war mehr eine Art Eingebung. Es gab auch unter Pflanzen weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale. Noch hatte er keine ausgebildet, aber irgendetwas sagte ihr, dass er später triedelphische Staubblätter ausbilden würde, also die Pollen erzeugenden gefächerten Organe bei einer Pflanze. War es vielleicht doch die Berührung die sie diese Gedanken haben ließ? Es war ein wenig wie Tagträumen. Keine direkten Bilder, aber Ideen, die durch ihren Kopf waberten. Auf jeden Fall, sollte der Name wohl der eines männlichen Baumes sein.
Vielleicht fielen Gwynn ein paar Namen ein. Bei jenen, die ihm nicht gefielen ließ er die Blätter hängen, aber als ihr ein passender Name einfiel, dann streckte er sich und wiegte sich zweimal, schien regelrecht zu 'jubeln'. Auch ihr Gesang hatte ihm sehr gefallen und ihren Geschichten hatte er gespannt gelauscht. Das dieses große warme Wesen ihm nichts böses wollte, schien er zu spüren. Und jetzt, da sie auch nicht mehr so angespannt war und sich ganz der Berührung hingeben konnte, schlief Gwynn bald ein.

Dunkles, grünes Licht umgab sie, streichelte ihre Haut. Die Luft war warm und feucht und schmeckte nach Leben. Ihre Beine wurden von weichem Wasser umspült und kleine Fische spielten zwischen ihren Zehen. Neben ihr stand ein Baumriese, ein alter Verwandter und ließ seine langen Arme in den Fluten treiben. Ein paar Tiere lebten in seiner Krone und irgendwann wollte sie auch ein paar haben. Sie zupften die alten Blätter aus den Stellen, wo er nicht heran kam und bauten daraus ihre Nester in seinen Höhlen. Der Verwandte spendete Schutz, aber auch viel Schatten und sie liebte doch das Licht so sehr. Still wünschte sie sich, etwas weiter dort drüben zu wachsen, dort wo die Sonne so schön auf den Wellen glitzerte. Fröhlich streckte sie sich dem Licht entgegen, als ein Schatten über sie fiel. Riesige Klauen griffen unter ihre Arme, ein scharfer Schnabel schnitt in ihre Beine und riss sie aus ihrer Heimat. Der Verwandte versuchte noch nach ihr zu greifen, aber erreichte sie nicht. Er war zu alt, zu langsam. Nicht so hoch hinaus! Die Stelle war doch dort hinten! Nein, so wollte sie das doch nicht! Nicht noch weiter! Oh, wie sehr sie sich zurück wünschte, doch der große Schatten flog einfach weiter, folgte nicht ihren Wünschen. Weitere Schatten kamen und stritten mit dem Ersten. Plötzlich fiel sie und die Luft rauschte um ihre Arme. Alles war so schnell und dann schlug sie auf. Es tat nicht wirklich doll weh, sie war ja weich, jung und biegsam. Doch hier gefiel es ihr überhaupt nicht! Alles war so trocken. Wo war das ganze leckere Wasser hin? Wo die kleinen Fische die ihre Wurzeln kitzelten? Schnell fühlte sie sich schwächer werden. Mit aller Macht kroch sie über den Boden, auf der Suche nach Wasser, aber da war nur Moos, Moos und noch mehr Moos. Endlich kam mal ein Stein, dann wieder Moos. Sie überwand sogar den toten Arm eines anderen Verwandten, aber dann empfing sie auch nur mehr Moos. Gab es hier denn nirgends Wasser? Erneut erschien ein Schatten, doch dieser war viel größer als der Erste und bald gesellte sich ein zweiter hinzu. Sie flüsterten, aber sie verstand die Worte nicht. Der zweite Schatten hob sie hoch und tauchte ihre Füße in das so ersehnte Wasser. Fast taub vor Durst konnte sie erst nicht trinken, doch die Stimme flüsterte weiter unverständliche Worte und ließ sie nicht schlafen. Denn schlafen tat man nur in den dunklen Tagen, dann wenn das Leben sich aus der Welt zurück zog und 'ER' wollte doch leben.

„Gwynn.“
Etwas berührte ihre Schulter und rüttelte sie sanft, hielt ihren Arm aber dabei fest.
Nein, sie war keine Pflanze und sie hatte auch keine Wurzeln statt Füße oder Blätter statt Armen. Trotzdem fühlte sie sich einen Moment lang diesem Wesen aus ihrem/seinem Traum mehr als nur verbunden.
„Gwynn, wach auf Liebes!“
Als sie ihre Augen öffnen wollte, fiel ihr das erstaunlich schwer.
„Komm kleiner Samen, du solltest etwas essen und dann ins Bett gehen. Du hast den Keim jetzt lang genug gehalten. Jetzt musst du mal richtig ausruhen.“
Arienh tauchte verschwommen in ihrer Wahrnehmung auf. Vorsichtig sah sie auf ihre Hand und auf den Trieb, der noch immer auf ihrem Schoß stand. Sie hatte doch geschlafen, warum war sie dann so schrecklich müde? Es war tatsächlich schon Abend. Verdutzt sah sie den kleinen Kerl an, der aber während ihres Schlafs ein ganzes Stück gewachsen war. Sieben Blätter zierten seine kleine Krone und sein Stamm wirkte etwas fester. Ihr Finger, um den sein Blatt gewickelt war, fühlte sich ein bisschen taub an. Sie streichelte das Blatt von oben und es öffnete sich wie beim ersten Mal. Das Taubheitsgefühl ging weg.
„Ich hab ein paar mal Wasser nachgefüllt, aber ich wollte euch nicht wecken. Es sah so aus, als ob es richtig wäre... so harmonisch. Ich glaub, er mag dich... vielleicht ein bisschen zu sehr. Du wirkst matt und etwas blass.“
Ihre Oma stellte den Trieb beiseite, der seine Blätter nach Gwynn ausstreckte berührte jetzt die Stirn
ihrer Enkelin.
„Hm... etwas kühl. Ich glaube, du hast ihm von deiner Kraft gegeben. Oder er hat sich etwas genommen. Keine Sorge, er ist keine Winde. Das ist nicht schlimm.“
, beantwortete Arienh vielleicht einige aufkommende Bedenken.
„Eine Mütze voll Schlaf und etwas herzhaftes zu Essen, dann bist du schnell wieder ganz munter. Ich hab dir etwas Eintopf und Brot drinnen hin gestellt. Ich passe solange auf ihn auf. Er muss auch lernen ohne deine Magie zu wachsen, sonst wird er verzogen und faul. Also husch, rein und iss ja auf.“
Der Eintopf bestand aus Wurzeln des Waldes, Kräutern und Pilzen. Das Brot war gewiss schon drei Tage alt, hart, aber schmeckte noch gut. Getunkt war es dann auch leichter zu kauen und nach dem Essen fiel Gwynn auch schnell in einen traumlosen Schlaf.

Mitten in der Nacht wurde sie wach und meinte, das Rauschen der Blätter im Wind habe sie geweckt. Schnell schwang sie ihre Beine aus dem Bett und sah sich in der Hütte um. Keiner war da. Ihre Großmutter fand sie draußen auf der Bank, dösend, aber als sie heraus trat nickte sie ihr freundlich zu. Und der Topf mit dem Keimling stand neben ihr. Das Blätterrascheln verklang und der Keimling reckte sich ihr entgegen. Ganz trocken war er noch nicht, aber Wasser sollte bald nachgefüllt werden.
„Na dann kann ich mich ja jetzt schlafen legen. Alles gut bei dir?“
Arienh erhob sich, knackte mit dem Rücken und wandte sich schon zur Tür.
„Ich bring dir noch eine Decke.“
Sie schlurfte hinein und erschien wenig später wieder. Der Sternenhimmel war diese Nacht klar, aber zwischen den Bäumen des nahen Waldrandes lag Nebel.
„Hier. Damit du nicht frierst. Und gib ihm nicht zu viel. Du musst lernen, mit deinen Kräften Haus zu halten. Das ist die wichtigste und erste Lektion, die Florencia dir auferlegt hat. Euer Bündnis ist geschlossen, das kann ich sehen, doch er wird zum wachsen immer wieder nach deiner Zuwendung hungern.“
Sie tätschelte Gwynns Kopf und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
„Gute Nacht, kleiner Samen. Morgen reden wir im Licht der Sonne und machen Sonnenblumenöl.“
Sie lächelte und ging hinein.
Gwynn blieb mit ihrem Keimling allein draußen vor der Hütte sitzen, denn gewiss war er keine Zimmerpflanze. Sie beobachtete ihn wieder ausgiebig und erkannte schnell, dass er während der Nacht weniger trank. Alle drei Stunden brauchte er noch eine weitere Kanne, aber es schien doch weniger als am Tage, wo er in der Hälfte der Zeit das gleiche trank. So in der Stille bei ihm zu sitzen, ließ sie die Verbindung fühlen, die sie mit ihm geschlossen hatte, als sie ihm unbewusst wohl ihre Magie gegeben hatte... oder er sie sich genommen hatte? Der kleine gierige Wicht! Böse war sie ihm jedoch bestimmt nicht, denn er hatte sie gebraucht und nun war ein Teil von ihr in ihm. Und eben genau dieser Teil hatte ihr den Traum geschickt, sie geweckt, als er durstig wurde und ließ das Rascheln seiner Blätter ihr wie leises Flüstern erscheinen.

Die Nacht verging mit viel zu kurzen Schlafperioden. Immer wieder schreckte Gwynn in Sorge auf, dass er Durst haben könnte, oder irgendetwas anderes nicht stimmen würde. Aber langsam bekam sie heraus, auf was sie zu achten hatte. Das Blätterrascheln weckte sie auch wenn es eigentlich zu leise war. Es war mehr die Unruhe die sie dann überfiel. Es war ein bisschen so, wie wenn man einen Säugling versorgen musste. Gwynn hatte die tiefen dunklen Augenringe der jungen Mütter gesehen, die das taten. Aber sie fühlte jetzt merkwürdiger Weise, das gleiche glückselige Lächeln auf ihrem Gesicht, wenn seine kleinen Blätter sich um ihre Finger rollten. Er war einer dieser beseelten Bäume und ihre Magie, die sie ihm gab, die machte ihn zu etwas besonderem... machte sie beide zu etwas einzigartigem.
Der nächste Morgen begann viel zu früh und Arienh machte singend und trällernd Frühstück. Sie backte kleine Hirseküchlein mit getrockneten Trauben. Dann saßen sie kauend am Tisch, während ihr neuer Mitbewohner draußen gut sichtbar auf der Fensterbank stand. Versonnen betrachtete ihre Großmutter den Keimling.
„Hast du schon einen Namen gefunden?“
und biss noch einmal in das Hirseküchlein.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Sonntag 4. Februar 2018, 14:29

„Abor.“
Sagte Gwynn ohne zu zögern, während sie selbst versonnen nach draußen blickte. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und sie biss sich leicht auf die Lippe und blickte hinab auf den kleinen Hirsekuchen, der noch ein bisschen der Wärme aus dem Ofen hielt. Das machte ihn noch luftiger und jeder bissen war ein ganz besonderer Genuss. Und trotzdem hatte sie gerade wenig Hunger. Vielleicht lag es daran, dass sich ihr Magen nervös zusammengezogen hatte.
Es fühlte sich an, als wären Wochen seit dem Anfang ihrer Lehre ins Land gegangen, und nicht nur ein einziger Tag. Da war so viel passiert! Das kleine Leben, das plötzlich in ihren Händen lag, der Traum, in dem sie die Reise des kleinen Abor erlebte, die Verbindung zu dem mystischen Geschöpf.

Was das alles bedeuten konnte, drohte sie zu überrollen, weswegen sie den Gedanken schnell beiseiteschob – genauso wie die Furcht die immer wieder in ihr aufkeimen wollte.
Der Keim hatte ihr Kraft genommen, hatte sie beeinflusst und war mit ihr Verbunden. Einzig Arienhs Ruhe und Gelassenheit hielten sie fern von irrationaler Angst. Denn ihr Vertrauen in die ältere Frau war so tief, dass sie nicht mal in Betracht zog, in Gefahr zu sein. Und etwas war noch anders: Abor hatte ohne Kampf losgelassen und sie wusste mit absoluter Sicherheit – genauso wie auch der Keimling – dass er ihr nicht schaden wollte.
Vielleicht war das ihre Chance die Wunden ihrer Kindheit zu heilen.

„Wir haben ihn zusammengefunden. Ich habe ihm meine Ideen gesagt und er hat mir gezeigt ob er sie mochte oder nicht.“
Ihr Gesicht strahlte, als sie sich erinnerte, wie der kleine Sariannen Baum gejubelt hatte, als sie schließlich den richtigen Namen fand.
„Ich habe von ihm geträumt, Oma. Als du mich das erste Mal geweckt hast. Ich habe gesehen, wie er hierhergekommen ist! Der Arme hatte solche Angst. Kein Kind sollte Angst um sein Leben haben! Ich bin so froh das du ihn gefunden hast! Das hier ist nicht der richtige Ort für ihn.“
Sie sah Arienh eindringlich an, bis ihr einfiel, dass gerade ihre Lehrerin sich mehr als bewusst über diese Tatsache war und senkte etwas beschämt das Haupt.
„Natürlich weist du das… aber … werden wir ihn zurück dorthin bringen, wo er hingehört?“
Der Gedanke sich von Arbor zu trennen schmerzte sie schon jetzt. Er war eine große Verantwortung, aber auch ein großer Schatz. Sie fühlte sich dem Wesen verbunden und sorgte sich darum, was ihm ganz allein zustoßen könnte.
Aber Arienh hatte nicht auch nur angedeutet, dass sie sich jetzt schon von ihm trennen musste. Im Gegenteil, es klang eher so, als wäre es der Plan, dass sie sich weiter um ihn sorgte. Nur dass er nicht ewig hier bleiben konnte. Da fiel ihr ein.

„Wie schnell wachsen Sariannen Bäume eigentlich?“
Es war ihr nie in den Sinn gekommen, aber jetzt zog sie etwas erschreckt in Betracht, dass der Kleine Baum gut und gerne ähnlich lange wie ein Mensch brauchen würde, um erwachsen zu werden, wenn nicht länger! Das hieße … etwas wie mehr als ein Jahrzehnt!!! Aber vermutlich mussten sie ihn zu seiner natürlichen Umgebung zurückbringen, bevor er zu groß wurde.
Bei all den gewichtigen und neuen Herausforderungen des gestrigen Tages freute sich Gwynn geradezu auf das pressen des Sonnenblumenöls.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Dienstag 6. Februar 2018, 17:02

„Arbor... Wir haben ihn zusammengefunden. Ich habe ihm meine Ideen gesagt und er hat mir gezeigt ob er sie mochte oder nicht.“
Ihr Gesicht strahlte, als sie sich erinnerte, wie der kleine Sariannen Baum gejubelt hatte, als sie schließlich den richtigen Namen fand.
„Ich habe von ihm geträumt, Oma. Als du mich das erste Mal geweckt hast. Ich habe gesehen, wie er hierhergekommen ist! Der Arme hatte solche Angst. Kein Kind sollte Angst um sein Leben haben! Ich bin so froh das du ihn gefunden hast! Das hier ist nicht der richtige Ort für ihn.“
Sie sah Arienh eindringlich an, bis ihr einfiel, dass gerade ihre Lehrerin sich mehr als bewusst über diese Tatsache war und senkte etwas beschämt das Haupt, aber ihre Oma lächelte nur versonnen. Gwynns Überschwang und Engagement gefiel ihr.
„Natürlich weist du das… aber … werden wir ihn zurück dorthin bringen, wo er hingehört?“
Der Gedanke sich von Arbor zu trennen schmerzte sie schon jetzt.
"Irgendwann werden wir das sicher, aber das hat noch viel Zeit. Ich vermute, irgendwann wird er sich ganz von selbst danach fragen ... auf seine eigene Art und Weise. Du hast also von seinen Erlebnissen geträumt... Das ist gut. Dann werdet ihr eine Art finden miteinander zu kommunizieren."
Arienh kratzte sich am Kopf, wo sie eine weitere Strähne löste und dann wird vom Haupt ab stand.
„Wie schnell wachsen Sariannen Bäume eigentlich?“
Es war ihr nie in den Sinn gekommen, aber jetzt zog sie etwas erschreckt in Betracht, dass der Kleine Baum gut und gerne ähnlich lange wie ein Mensch brauchen würde, um erwachsen zu werden, wenn nicht länger! Das hieße … etwas wie mehr als ein Jahrzehnt!!! Aber vermutlich mussten sie ihn zu seiner natürlichen Umgebung zurückbringen, bevor er zu groß wurde.
Bei all den gewichtigen und neuen Herausforderungen des gestrigen Tages freute sich Gwynn geradezu auf das pressen des Sonnenblumenöls, so viel beschäftigte sie.
"Ich denke, das hängt allein von euch beiden ab. Ich nehme an, es wird wie mit allem in der Natur sein, meine Süße. Wenn du ihm zu wenig Nahrung gibst, dann wird er langsam wachsen und womöglich verdorren und wenn du ihm zu viel gibst wird er wilde Triebe bilden und vielleicht verderben. Das reche Mittelmaß ist immer der richtige Weg."
, sprach sie und räumte den Tisch ab.
"Spül bitte die Teller ab, lösche den Herd und komm dann nach draußen. Der Tag verspricht schön zu werden und ich möchte vor dem Abend die Ernte im Haus haben."
Damit streckte sie sich ausgiebig und ging hinaus hinter die Hütte um mit der Sonnenblumenernte zu beginnen.

Nachdem Gwynn ihre Hausarbeiten erledigt hatte, wässerte sie noch einmal Arbor und trug ihn dann in seinem Topf mit sich. Arienh war zwischen den Sonnenblumen kaum zu erkennen, die teilweise weit aus größer waren als sie. Mit einer kleinen Sichel schnitt sie die tellergroßen Samenstauden von den Stängeln und legte sie in eine geräumigen Sack, den sie sich vor den Bauch gehangen hatte. Ein weiterer Sack und eine zweite Sichel lagen auf der Bank an der Hauswand bereit. Das Wetter war erstaunlich mild, aber man konnte die nahenden dunklen Jahreszeiten schon fast riechen. Arbor wurde abgestellt und immer wieder beäugt, während die beiden Frauen die Ernte einbrachten. Er schien sich in der Sonne richtig wohl zu fühlen und reckte seinen kleinen Blätter dem Licht entgegen. Nach den ersten Stunden machten die Frauen erst mal eine Pause und die Lagerkammer am Haus hatte sich schon zur Hälfte gefüllt. Gwynn setzte sich neben Arbor und er steckte sein Ärmchen nach ihr aus. Sie betrachtet ihn und hätte schwören können, dass er schon wieder ein bisschen gewachsen war. Normal war das auf jeden Fall nicht, aber was war schon normal an einem Seelenbaum? Sie selbst brauchte auch eine kleine Pause, warum sie entschied in jetzt nicht zu füttern. Die zweite Hälfte der Ernte wartete noch und die war immer die schwerere. Arienh stapfte trotz ihres Alters tapfer durch die Reihen und schien unermüdlich am Werke zu sein. Nur manchmal wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und malte damit lustige Muster auf ihre schmutzigen Wangen. Gwynn sah gewiss nicht besser aus, aber das war eben der Nebeneffekt, wenn man fleißig war. In der Natur machte man sich nun mal schmutzig und zur zweiten Pause hatten sie etwas mehr als das nächste Viertel geschafft. Wenn sie nicht gestört würden, würden sie zum Abend fertig werden.
Teils schweigend, teils singend vertrieben sie sich die Zeit und ließen ihre Hände die monotone Arbeit tun. Gwynn konnte ihren Gedanken nachhängen, Arbor sich sonnen und Arienh ...sie beobachtete still ihr Enkelkind. Was hatte sich Florencia nur dabei gedacht, dem jungen Ding solch eine Last aufzubürden?! Empfand sie es als Last oder sah sie es als das was es war: Eine Möglichkeit zu wachsen und Erfahrungen zu sammeln, die anderen Naturmagiern meist ihr ganzes Leben lang verschlossen blieben. Der kleine Sariannenbaum war ein Geschenk und wenn die beiden einen gemeinsamen Weg beschreiten würden, dann vielleicht ein Freund fürs Leben. Das würde jedoch erst die ferne Zukunft zeigen. Arienh hatte die Sorge in den Augen ihres Mädchens gesehen, die Furcht sich schon bald wieder von dem Kleinen trennen zu müssen. Es stimmte sie froh, dass das Kind so gut auf die Pflanze reagierte, gerade bei ihrer Vorgeschichte nahm sie das nicht als selbstverständlich hin. Still dankte sie der Göttin für diese Möglichkeit.
Gwynn kümmerte sich ganz selbstverständlich um den kleinen und sein leises Rufen erreichte schon ihre sensiblen Sinne. Es bestand also Hoffnung. - Hoffnung für beide 'Kinder', denn beide hatten in jungen Jahren schreckliches erlebt und vielleicht konnten sie aneinander heilen.

Der Abend kam dann doch recht schnell und beide Frauen waren müde, geschafft und ihnen taten die Knochen weh. Aber es war geschafft, Die Kammer war bis unter die Decke voll gestapelt mit den großen Blütentellern. Morgen würde das Verlesen beginnen. Zufriedenheit breitete sich in ihren Gesichtern aus und sie lächelten, trotz der Blasen und der wunden Füße. Am Himmel zogen keine Sekunde zu früh dichte dunkle Wolken auf und erste Regentropfen berichteten von einer stürmischen Nacht. Gwynn eilte sich noch etwas Feuerholz ins Haus zu holen und brachte dann schnell Arbor hinein.
„Es ist gut, dass es regnet. Dann ist der Boden morgen weicher und du bekommst die Wurzeln der Blumen leichte aus dem Boden. Das Feld muss kahl gemacht werden und die Erde gelockert. Das wird nochmal eine rechte Knochenarbeit. Meinst du, du schaffst das? Jetzt da die Kerne sicher sind, kannst dir auch Zeit lassen. Ich werde morgen mit dem Pulen beginnen und schon mal die Presse aufbauen.“
Gwynns Großmutter streckte sich und fügte noch hinzu:
„Dieses Jahr steht sonst nur noch das Wurzelfeld im Wald an, aber das müssen wir erst kurz vor dem ersten Frost abernten. Wenn mich meine Sinne nicht täuschen, haben wir dafür noch ein bisschen Zeit.“
Während sie so dahin plapperte holte sie einen Tontopf mit Wachssiegel aus der prall gefüllten Vorratskammer im Haus. Zum Abendessen gab es in Honig eingelegte Beeren und noch einmal Hirse, diesmal als Brei gekocht. Danach übermannte die alte Frau die Müdigkeit und sie schlief im Sitzen am Tisch ein. Gwynn musste sie zu ihrem Bett führen, sonst hätte sie am Morgen sicher keinen Knochen mehr bewegen können. Sie zog ihr die Schuhe aus und sogar beim Überkleid half die Alte unmerklich. Dann schnarchte die Großmutter schon leise vor sich hin und ließ Gwynn mit ihren Gedanken allein.
Doch ganz allein war Gwynn nicht mehr. Arbor drehte seine Blätter immer der jungen Magi entgegen, ganz wie die Blumen es mit der Sonne taten. Sein leises Blätterrascheln rief sie zu ihm und Gwynn tränkte seine Wurzeln. Das Rascheln klang dankbar und seine Blätter streichelten ihre Hände, als wollte er ihr Trost spenden. Ob er ihre Schmerzen fühlte?
Rechtschaffend müde fiel auch Gwynn diesen Abend in einen tiefen traumlosen Schlaf.

Der nächste Morgen kam und beide Frauen hatten einen gewaltigen Muskelkater. Noch nicht ganz wach krochen sie aus ihren Betten. Arienh kramte ihren letzten Ölvorrat hervor und rieb sich damit die Hände ein. Dann gab sie auch Gwynn ein paar Tropfen und rieb ihre Finger kräftig zwischen ihren. Das Öl duftete nach Kräutern und linderte die Schmerzen. Wohl wissentlich wie neugierig die Kindfrau war erzählte sie ihr auch gleich, wo man die Kräuter fand, zu welcher Jahreszeit sie am meisten Wirkung hatte und wie man sie verarbeitete. Plötzlich fiel Gwynn auf, dass etwas entscheidendes sich verändert hatte!

Arbor!!!

Fassungslos schaute sie auf den leeren Blumentopf – leer in Sinne von, dass kein Arbor mehr darin zu sehen war und stattdessen eine erdige Spur Krümel für Krümel über die Tischplatte hinunter, auf den Boden und zur Eingangstür führte. Der Spalt unter der dem Eingang wies ebenfalls ein paar Dreckklumpen auf und Gwynn öffnete vorsichtig die Tür. Dahinter war es schwerer seine Spur zu folgen, aber was sie sofort hörte war sein freudiges Blätterrascheln. Der nächtliche Sturm hatte einige Pfützen in der Umgebung hinterlassen und Arbor 'saß' tatsächlich auf einem am Boden liegenden Ast und ließ seine Wurzeln gebeugt ins Wasser baumeln. Er war gewachsen! Und wie!
Und er war gelaufen! Oder er hatte sich zumindest irgendwie fort bewegt. Und sie hatte geschlafen! Kaum dass sie nah genug war, streckte er seine beiden 'Haupt-Arme' nach ihr aus, als solle sie ihn auf den Arm nehmen. Er maß inzwischen tatsächlich gut 30cm und hatte aber vor allem an Volumen zugelegt. Sein Stämmchen hatte merkwürdig humanoide Form angenommen. Vielleicht wollte er seiner Freundin so ähnlicher sein? Er hatte zwei dickere Hauptwurzeln mit langen Zehen-Wurzeln , die im Wasser trieben und immernoch einen langgezogenen Rumpf. Seine zwei Haupt-Arme wurden flankiert von eins, zwei … neun weiteren kleinen Ästen an denen ziemlich viele Blätter wucherten und dort wo ein Menschenkind seinen Kopf haben würde, hatte sich der Stamm verdickt und kurze Blättchen ragten wie Haare einer Bürste hervor. Die fordernde Geste, die Bewegungen seiner Arme waren langsam und teils nicht wirklich humanoid. So hatte er keine Gelenke und wölbte sich nach allen Seiten, so wie es ihm in den Sinn kam. Auch so etwas wie Augen hatten sich gebildet. Groß und unförmig hingen sie noch schief im 'Gesicht', wie zwei schwarze glänzende Samen. Ob er damit sehen konnte, oder ob er seine Welt ganz anders wahr nahm, war dabei die Frage. Arbor schien sich aber zu freuen, dass Gwynn auf ihn zu kam und streckte sich wie ein Kleinkind nach der Mutter. Er rutsche von seinem Ast nach vorne und klatschte gerade wie ein gefällter Baum in die Pfütze. Der kleine Rumpf zuckte und wand sich amüsiert, beugte sich und Arbor stemmte seinen kurzen Arme in den Schlamm. Das ganze schien ihm Spaß zu machen. Dann stellte er sich wieder auf seine 'Bein-Wurzeln' und streckte sich nach Gwynn. Laufen ging wohl noch nicht wirklich, aber er wusste sich fortzubewegen. Im Moment noch eher wie eine Raupe, aber er lernte ja noch durch Zusehen und Nachahmen. Spätestens dann ging Gwynn auf: Jetzt musste sie auch noch aufpassen, dass er nicht davon „lief“.
Das erstickte:
„Erstaunlich...!“
ihrer Großmutter nahm sie kaum hinter sich wahr. Arbors Blätterkranz raschelte lauter und forderte ihre Aufmerksamkeit. Ob er Hunger hatte? Sollte sie ihn mit Magie füttern? Sollte sie ihn auf den Arm nehmen? Schlammig war er und ihr Überkleid war vom Vortag auch recht staubig, aber so war es nun mal.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Montag 19. Februar 2018, 23:01

Tage gefüllt mit rechtschaffener Arbeit forderten einen gewissen Tribut vom Körper, aber bei jemandem, der so Jung wie Gwynn war, hinterließ er nur wenige Souren. Die Arbeit mit ihrer Großmutter hatte ihr schon immer Freude gebracht und es störte sie nicht, an ihrer Seite den ganzen Tag zu schuften. Sie war umgeben von einer heilen, florierenden Natur, die im Einklang war und so fühlte sie sich in all der Erschöpfung doch belebt. Und es bot ihr den nötigen halt in all den neuen Erfahrungen, die sie Überrollt hatten.

Sonnenblumen ernten? Das konnte sie im Schlaf und die Bewegungen fielen ihr Leicht. Da war es leichter zu akzeptieren, dass sie so viel erwartete, dass sie noch überhaupt nicht konnte oder kannte. Immer wieder ging sie in Gedanken die Ereignisse durch und freundete sich schließlich mit ihrem Schicksal an. Was auch immer dieses seltene Zusammentreffen bedeutete, sie würde es Annehmen und das Beste daraus machen.
Der Tag verging, der Abend kam und am Morgen erwartete Gwynn die nächste Überraschung:

Arbor hätte sich beträchtlich verändert und begann, laufen zu lernen!!! Es schien so unmöglich, und doch stand der kleine Sariannenbaum da und streckte seine Ärmchen nach ihr aus. Sie blinzelte einige Male ungläubig. Hin und her gerissen zwischen Entzücken, Freude und Entsetzen. Natürlich überwogen die ersteren Beiden Gefühle das letzte und so stürzte sie mit einem freudig erstaunten:
„Abor!“
Auf den Keimling zu und hob ihn vorsichtig hoch. Dass ihr Kleid dabei noch dreckiger wurde war ihr in diesem Moment völlig egal. Sie blinzelte ein paar Tränen Weg und strahlte ihren kleinen Freund an.
„Das ist ja unglaublich!!! Wie hast du das nur gemacht?!“
Einem Impuls folgend drückte sie dem kleinen Freund einen zarten Kuss auf die … nun, dass was vielleicht mal eine Stirn werden würde und sah ihn dann wieder liebevoll an.
„Aber dass du mir nicht zu weit läufst! Ich möchte nicht, dass dir etwas passiert.“
Mahnte sie ihn und drehte sich, mit dem Keimling im Arm, zu ihrer erstaunt blickende Großmutter um. Etwas hilflos blickte sie diese an, sie wusste nicht wirklich wie sie mit ihm umgehen sollte, auch wenn ihr das Herz vor Zuneigung und entzücken fast aus der Beust hüpfen wollte.

Sie entschloss sich, ihre kleine Last erst einmal auf seinem Topf ab zu setzen, auch wenn sie sich nicht sicher war, ob er nun überhaupt dort bleiben wollte – geschweige denn ob er noch hinein passte. Vorsichtig wischte sie ihm mit ihrem Rockzipfel Schmutz von ‚Gesicht‘ und Körper.
Diese ‚Verwandlung‘ musste ihn viel Energie gekostet haben, aber sie hatte Angst, dass wenn sie ihm mehr gab, es zu viel wurde. Es war erstaunlich, was er mit dem geschafft hatte, was sie ihm gegeben hatte.
Ist er womöglich auch so Menschenähnlich geworden, weil er primär von meiner Energie genommen hat? Natürlich könnte es auch sein, dass er nur versucht uns Ähnlicher zu werden, aber trifft vielleicht ein: Du bist, was du Isst‘ auch auf so etwas zu?
Sie fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, wobei man ihr ansah, wie Ratlos sie war.

Großmutter hat mich gewarnt, dass zu viel ihm nicht gut tun könnte. Ich muss irgendwie herausfinden, ob er mehr Energie braucht. Im Moment scheint er ganz Munter zu sein, vielleicht ist das einer der Momente, in denen ich ihn besser nicht ‚füttere‘.
Sie nahm Abor genau unter die Lupe und versuchte, herauszufinden, wie es um die Kraft ihres kleinen Freundes bestellt war.
Bedurfte er der Kraft, so würde sie ihm versuchen einen kleinen Tropfen ihrer Magie zu geben, ansonsten würde sie erst einmal darauf verzichten.
Nachdem sie es herausgefunden und entsprechend gehandelt hatte, plante sie, ihrer Großmutter eine Idee vorzuschlagen, die sie gehabt hatte.
Sicher würde Arbor ungern still sitzen wollen und so überlegte sie, sich ein ‚Gestell‘ zu basteln, in dem sie ihn während ihrer Arbeit auf dem Rücken zu tragen. So würde ihm nicht langweilig und sie hatte ihn im Auge – konnte ihn vielleicht sogar beizeiten laufen lassen, wenn ihm danach war – oder vielmehr ähm …. Raupen?

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 21. Februar 2018, 09:40

Gwynn war hin und her gerissen zwischen Entzücken, Freude und Entsetzen. Natürlich überwogen die ersteren beiden Gefühle das letzte und so stürzte sie mit einem freudig erstaunten:
„Arbor!“
auf den Keimling zu und hob ihn vorsichtig hoch.
„Das ist ja unglaublich!!! Wie hast du das nur gemacht?!“
Einem Impuls folgend drückte sie dem kleinen Freund einen zarten Kuss auf die … nun, dass was vielleicht mal eine Stirn werden würde und sah ihn dann wieder liebevoll an. Das was seine Arme sein sollten, ringelte sich halb um ihren Hals und kleine Blätter kitzelten ihren Nacken.
„Aber dass du mir nicht zu weit läufst! Ich möchte nicht, dass dir etwas passiert.“
, mahnte sie ihn und drehte sich, mit dem Keimling im Arm, zu ihrer erstaunt blickende Großmutter um. Etwas hilflos blickte sie diese an, sie wusste nicht wirklich wie sie mit ihm umgehen sollte, auch wenn ihr das Herz vor Zuneigung und Entzücken fast aus der Brust hüpfen wollte. Die Freude schien auch Arbor zu fühlen und er ließ die kurzen Beine lustig in der Luft baumeln, bis sich Gwynn entschloss ihre kleine Last, die deutlich schwerer war als ein Menschenkind in dieser Größe, erst einmal auf seinem Topf ab zu setzen. Arbor beugte seinen Rumpf und sah an sich hinunter. Der Topf war inzwischen wirklich etwas klein, aber er stapfte mit den Beinchen, dass es nur so spritze. Im Wasser zu stehen war ihm wohl immernoch das liebste.
Vorsichtig kniete sich Gwynn zu ihm und wischte sie ihm mit ihrem Rockzipfel Schmutz von ‚Gesicht‘ und Körper. Immer wieder versuchte der kleine Kerl ihre Finger mit seinen kleinen Blättern einzufangen, was sich fast zu einem lustigen Spiel entwickelte. Aber hinter diesem Spiel verbarg sich vielleicht mehr. Diese ‚Verwandlung‘ musste ihn viel Energie gekostet haben, aber sie hatte Angst, dass wenn sie ihm mehr gab, es zu viel wurde. Es war schon jetzt erstaunlich, was er mit dem geschafft hatte, was sie ihm gegeben hatte. Ein bisschen kannte sie sich ja schon mit den Wachstumsphasen von Pflanzen aus und Arbor hatte in einer Nacht den Schub von fünf Wochen geschafft. Vergleichbar mit einem Menschenkind übersprang er die Phasen vom einmonatigen Säugling zum neunmonatigen Kind. Von ersten kleinen zielgerichteten Bewegungen des Kopfes und der Finger, zum Krabbeln, auch wenn das bei ihm noch sehr merkwürdig aussah.
Ist er womöglich auch so menschenähnlich geworden, weil er primär von meiner Energie genommen hat? Natürlich könnte es auch sein, dass er nur versucht uns ähnlicher zu werden, aber trifft vielleicht ein: Du bist, was du Isst‘ auch auf so etwas zu?
Sie fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, wobei man ihr ansah, wie ratlos sie war.
Großmutter hat mich gewarnt, dass zu viel ihm nicht gut tun könnte. Ich muss irgendwie herausfinden, ob er mehr Energie braucht. Im Moment scheint er ganz munter zu sein, vielleicht ist das einer der Momente, in denen ich ihn besser nicht ‚füttere‘.
Sie nahm Arbor genau unter die Lupe und versuchte, herauszufinden, wie es um die Kraft ihres kleinen Freundes bestellt war. Seine Blätter hatten einen satten glänzenden Grünton, wo sie nicht mit Matsch bedeckt waren. Alle waren straff und fest, keines welk. Die noch recht dünne Rinde wellte sich an manchen Stellen wie eine Haut, in der er noch hinein wachsen musste. Es ging ihm gut. Er war wohl genährt und zeigte keine Anzeichen von Krankheiten, also verzichtete sie erst einmal darauf ihn zu füttern. Dann schlug sie ihrer Großmutter eine Idee vor. Sicher würde Arbor ungern still sitzen wollen und so überlegte sie, sich ein ‚Gestell‘ zu basteln, in dem sie ihn während ihrer Arbeit auf dem Rücken zu tragen. So würde ihm nicht langweilig und sie hatte ihn im Auge – konnte ihn vielleicht sogar beizeiten laufen lassen, wenn ihm danach war – oder vielmehr ähm …. Raupen?

Erdacht, getan, machte sich Gwynn daran das „Gestell“ zu basteln, während sie allerdings schon ahnte, dass er es nicht lange brauchen würde, wenn er in dem Tempo weiter wuchs, aber genau dass dachte sie erst einmal zu unterbinden, damit sich seine Entwicklung dem natürlichen Ablauf in der Natur wieder etwas anpasste. Wichtig war ihr aber erst einmal für seine Sicherheit zu sorgen und das tat sie. Nachdem der „Korb“ fertig war und sie ihn hinein gesetzt hatte, stellten sie fest, dass es Arbor riesen Spaß machte herum getragen zu werden. Der Tag konnte also fortschreiten. Erst nach einer Weile stellte Gwynn fest, dass es doch einen Faktor gab, den sie nicht erwartet hatte. Arbor hatte wie immer großen Durst und das Wasser was er brauchte, konnte sie nicht mit sich herum tragen. Immer wieder musste sie ihn für ein paar Minuten in seinen Topf stellen, bis das Rauschen seiner Blätter nachließ und es weiter gehen konnte. Sein Wasserhunger war enorm und bald würde das kleine Gefäß nicht mehr reichen. Der Brunnen in der Nähe war gut gefüllt, aber es war eine anstrengende Arbeit immer wieder den Eimer hoch zu holen und den Topf nachzufüllen. Bald bräuchte er definitiv ein größeres Gefäß. Gwynn teilte natürlich ihre Sorgen mit ihrer Großmutter, die prompt eine Idee hatte und im alten Lagerschuppen verschwand und etwas heraus holte, was sie seit Jahren nicht mehr benutzt hatte. Sie rollte mit einigem Stöhnen, wo Gwynn sofort zu ihr lief und half, einen großen Bottich aus Schuppen. Eigentlich war er wohl einmal zum Baden gedacht gewesen, aber die Zeit, Arbeit, Kraft und Geduld so viel Wasser zu erhitzen, hatte die alte Frau nicht mehr. Deswegen fand Gwynn auch Pflanzenreste im Innern des Bottichs, die nach irgendwelchen Früchten aussahen, die Arienh darin zertreten hatte. Sie säuberte das Gefäß und setzte Arbor versuchsweise einmal hinein. Anfänglich versuchte er mal sich am Rand hoch zu zeihen, aber konnte im Stehen noch nicht darüber sehen. Das Bett wurde noch mit ein paar Eimern Wasser gefüllt und Arbor plätscherte darin herum. Dann sah er sich etwas gelangweilt um, dann ließ er sich auf den Rücken fallen und streckte alle Gliedmaßen von sich. Die Augen schlossen sich und er schlief ein. Jetzt hatte Gwynn also einen Tragekorb und eine Art Bett für ihren kleinen Sariannenbaum.
Den Tag verbrachten Gwynn und Arienh damit Kerne aus den Sonnenblumen zu pulen und immer wieder nach Arbor zu sehen. Das Lager war voll und auch die nächsten Tage versprachen eine gewisse Routine zu bringen. Sonnenblumenkerne, Arbor seine Wanne mit Wasser füllen, Sonnenblumenkerne, Arbor ein bisschen herum tragen, Sonnenblumenkerne, Arbor dabei zu sehen wie er versuchte laufen zu lernen und immer wieder dabei umfiel, Sonnenblumenkerne...
Gwynns Finger waren das viele Pulen nicht gewöhnt und wurden bald sehr rissig.
Abends kochte Arienh etwas warmes für sie und bereitete Getreidebrei für den Morgen vor.
Der nächste Tag kam, wie der vorherige ging, mit Sonnenblumenkernen. Aber Arbor sorgte für Abwechslung. Sein Wachstum schritt ohne Magie so gut wie nicht erkennbar heran, aber wenn Gwynn ihn alle zwei Tage fütterte machte er meist über Nacht einen großen Entwicklungssprung. Diese waren nicht ganz so mathematisch berechenbar, dass man hätte voraus sagen können wann er welche Größer erreichen würde, oder wann er genau los rennen könnte. Sie verliefen eher etwas chaotisch, mal etwas stärker, mal nur einen kleinen Schritt. Einen Tag entdeckte Gwynn durch seine Spuren, dass Arbor wohl über Nacht heraus gefunden hatte, wie er auch den Zuber verlassen konnte, aber er war auch wieder zurück geklettert. Sein aktuelles Lieblingsspiel war so zu tun, als sei er eine ganz normale Pflanze. Wann immer Arienh hin sah, verharrte er augenblicklich in der Bewegung und erst wenn sie weg sah, machte er wieder seine Faxen. Sein Lauftraining zeigte am vierten Fütterungtag erste Erfolge, als er an Gwynns Händen ein paar Schritte schaffte. Einen Tag darauf konnte er schon frei stehen und drei weitere Tage benötigte er um erste eigene Schritte zu vollbringen, doch dann gab es kein Halten mehr. Munter tapste er durch die Gegend, fiel gelegentlich noch hin, aber folgte wo und wann es immer ging Gwynn auf dem Fuße, wenn man so sagen konnte. Irgendwie hatte er verstanden, dass er sich immer in Sichtweite aufhalten sollte. Inzwischen hatte er die grobe Form eines humanoiden Wesens angenommen, aber sehr viel mehr Details kamen nicht mehr hinzu. Seine Beine waren immernoch recht kurz, aber etwas gewachsen. Der Rumpf dazu lang und knorrig. Er bestand einfach aus 98% aus Wurzelholz, der Rest waren kleine Blätter und Moos was inzwischen seinen Kopf etwas grünlich wirken ließ, dort wo beim Menschen Haare gewachsen wären. Die großen schwarzen Kulleraugen wurden immer klarer und nach einer Weile hatte sich sogar ein Mund gebildet, mit dem er versuchte Gwynns Mimik nachzuahmen. Eine Nase gab es nicht. Gen Ende der zweiten Woche stagnierte das Wachstum erst einmal. Zum einen wohl durch Arbor, zum anderen auch, weil Gwynn das Gefühl hatte mehr Magie würde ihm nicht gut tun. Inzwischen hatte sie gelernt ganz auf ihr Bauchgefühl zu hören. Zwar wollte der kleine Baum gerne mehr, aber einmal hatte er dabei wie ein pubertierendes Kind hässliche kleine Pusteln überall auf seinen Blättern bekommen und da hatte Gwynn ihn erst einmal auf Diät gesetzt. Erziehung musste sein.
Mit der Sonnenblumenkernverarbeitung ging es auch gut voran. Eines Abends, die Sonne war schon unter gegangen, saß Gwynn auf der Bank hinterm Haus und hatte gerade ihre Arbeit beendet. Ihre Hände schmerzten und sie rieb sich die wunden Fingerkuppen. Arbor saß am Rand des Brunnens und hatte ein Bein auf der Innen- und eines auf der Außenseite. Er war auch schon einmal hinein gefallen, aber das hatte ihm nur Spaß gemacht. Jetzt ließ er von seiner Beinwurzel lange dünnere Fasern in die Tiefe wachsen und holte sich sein Trinken selbstständig. Er sah Gwynn an, zog sein Bein aus dem Brunnen und rutschte von der Steinkante. Am Boden zogen sich die langen Wurzeln, die manchmal wie Tentakeln wirkten erstaunlich schnell in ihn zurück und er kam schaukelnd zu ihr gelaufen. Etwas mühsam erklomm er die Bank neben ihr und sah sie von unten traurig an. Seine Mimik hatte sich in den letzten Tagen auch stark verbessert, weswegen Gwynn ihn schon oft ohne Blätterrauschen verstand. Ihr kleiner Freund passte sich ihr an und jetzt legte er seine knorrige kleine Hand auf ihr Bein. Sein Blick wurde weich und plötzlich bemerkte die junge Naturmagi eine längliche Knospe an seiner Schulter. Der filigrane Auswuchs öffnete sich in vier sich aufrollende Blütenblätter und gaben ganz viele Haarfeine Fäden frei an deren Enden winzige Pollenstempel hell gelb schimmerten. Zu den Enden hin färbten sie sich violett und gaben dem „Jungen“ gerade eine etwas weibliche Note. Aber er hatte sie mit der Blüte sicher gerührt. Er wollte ihr etwas schönes zeigen und so etwas hatte sie sicher noch nie gesehen. Mangrovenbäume blühten nur sehr selten und dass er diese Knospe für sie getrieben hatte, hatte ihn sicher viel Kraft gekostet.

Blüte

Arbor sah sie lächelnd an, als ob er sich fragte, ob es ihr jetzt besser ginge. Er hatte ihren Schmerz gespürt und wollte sie anscheinend aufmuntern. Gwynn betrachtet ihren kleinen Baum und fühlte in ihrem Herzen seine tiefe Zuneigung.

...und ein bisschen Hunger.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Dienstag 27. März 2018, 22:36

Entgegen Gwynns Angst, dass sich alles geändert haben könnte, fand sie in eine angenehme und vertraute Routine. Sie hatte zuvor schon ihren Eltern oder anderen Bewohnern des Dorfes geholfen, jetzt tat sie das bei Arienh. Die körperliche Arbeit, wenn auch anstrengend und belastend, mochte sie und sie genoss es, mit ihrer Großmutter so viel Zeit zu verbringen. Arbor fügte sich wunderbar in diese Routine und so wurde aus einem kleinen Wunder ein Vertrauter und Freund – nun noch eher ein Schützling aber Gwynn ahnte, das hieraus eine tiefe Freundschaft erwachsen könnte.

Jetzt genoss sie die Ruhe nach einem arbeitsreichen Tag und fühlte, wie ihre Muskeln dankbar entspannten. Abor war, wie so oft, bei ihr um ihr ein ganz eigener Sonnenschein zu sein.

Er legte seine knorrige kleine Hand auf ihr Bein. Sein Blick wurde weich und plötzlich bemerkte die junge Naturmagi eine längliche Knospe an seiner Schulter. Der filigrane Auswuchs öffnete sich in vier sich aufrollende Blütenblätter und gaben ganz viele Haarfeine Fäden frei an deren Enden winzige Pollenstempel hell gelb schimmerten. Zu den Enden hin färbten sie sich violett und gaben dem „Jungen“ gerade eine etwas weibliche Note. Aber er hatte sie mit der Blüte sicher gerührt. Er wollte ihr etwas schönes zeigen und so etwas hatte sie sicher noch nie gesehen. Mangrovenbäume blühten nur sehr selten und dass er diese Knospe für sie getrieben hatte, hatte ihn sicher viel Kraft gekostet.
Arbor sah sie lächelnd an, als ob er sich fragte, ob es ihr jetzt besser ginge. Er hatte ihren Schmerz gespürt und wollte sie anscheinend aufmuntern. Gwynn betrachtet ihren kleinen Baum und fühlte in ihrem Herzen seine tiefe Zuneigung.
...und ein bisschen Hunger.


„Oh Abor, die ist wunderschön!“
Rief sie bezaubert aus und betrachtete die Schönheit auf Arbors Schulter und lächelte. Voller Bewunderung musterte sie den seltenen Anblick vor sich und ihre Hände zuckten, weil sie am liebsten über die seidigen Blätter gestrichen hätte. Stattdessen strich sie Abor über sein ‚Mooshaar‘ und tätschelte ihm die freie Schulter.
„Mach dir bitte keine Gedanken, Abor. Ich bin nur müde und die Finger tun mir ein bisschen weh. Das ist bald vorbei!“
Sie lächelte ihm zuversichtlich zu, um ihre Worte zu untermalen.
„Die Blume ist ein großartiger Anblick, aber bitte überanstrenge dich nicht meinetwegen, mein kleiner Freund. Schau, du munterst mich auch so auf und diese Blume ist ein sehr seltenes Geschenk, dass du nicht unachtsam machen solltest. Vor allem nicht, wenn das heißt, dass du wieder hungrig wirst!“
Sie tippte auf die leere Stelle, an der ein Mensch eine Nase gehabt hätte. Dann nahm sie ihn vorsichtig hoch und registrierte, dass er wieder etwas an Gewicht zugelegt hatte, und setzte ihn neben sich auf die Bank. Die Hand auf seiner freien Schulter sah sie zu ihm herunter.
„Ich gebe dir genau so viel, wie ich denke, dass du für die Blume gebraucht hast, nicht mehr.“
Mahnte sie und ergriff seine kleine Wurzelhand. Inzwischen hatte sie ein Gefühl dafür entwickelt, wie und wieviel sie ihm gab und sandte ihm einen winzig kleinen Strom aus Magie entgegen. Noch bevor ihr kleiner Freund ‚gierig‘ werden konnte, entzog sie sich ihm wieder.
„Und lass so etwas keine Ausrede für mehr Füttern werden, Abor.“

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 28. März 2018, 21:36

In tiefer Zuneigung saßen sie an diesem Abend beieinander und Gwynn beswunderte das Geschenk, dass der kleine Baum ihr gemacht hatte.
„Oh Arbor, die ist wunderschön!“
, rief sie bezaubert aus, betrachtete die Schönheit auf Arbors Schulter und lächelte. Voller Bewunderung musterte sie den seltenen Anblick vor sich und ihre Hände zuckten, weil sie am liebsten über die seidigen Blätter gestrichen hätte. Stattdessen strich sie Arbor über sein ‚Mooshaar‘ und tätschelte ihm die freie Schulter.
„Mach dir bitte keine Gedanken, Arbor. Ich bin nur müde und die Finger tun mir ein bisschen weh. Das ist bald vorbei!“
Sie lächelte ihm zuversichtlich zu, um ihre Worte zu untermalen. Die kleinen Wurzelhände tätschelten ihre Finger und der kleine Baum, ein Kleinkind von vielleicht 6 oder 7 Jahren, wenn man es mit einem Menschen vergleichen würde, saß plötzlich still da und schien zu ...pressen? Er machte ein zerknautschtes aufgeblähtes Gesicht, wie wenn Arienh auf der Notdurft saß und überall an seinem Körper bildeten sich kleine Beulen. Gwynn beeilte sich schnell weiter zu sprechen.
„Die Blume ist ein großartiger Anblick, aber bitte überanstrenge dich nicht meinetwegen, mein kleiner Freund...“
Arbor hörte auf und schaute sie fragend an. Auch wenn er nicht reden konnte wie ein Mensch, so verstand er doch sie schon sehr gut.
„... Schau, du munterst mich auch so auf und diese Blume ist ein sehr seltenes Geschenk, dass du nicht unachtsam machen solltest. Vor allem nicht, wenn das heißt, dass du wieder hungrig wirst!“
Sie tippte auf die leere Stelle, an der ein Mensch eine Nase gehabt hätte und der kleine Baum schielte um ihre Fingerspitze sehen zu können. Dann nahm sie ihn vorsichtig hoch und registrierte, dass er wieder etwas an Gewicht zugelegt hatte, und setzte ihn neben sich auf die Bank. Die Hand auf seiner freien Schulter sah sie zu ihm herunter.
„Ich gebe dir genau so viel, wie ich denke, dass du für die Blume gebraucht hast, nicht mehr.“
, mahnte sie und ergriff seine kleine Wurzelhand. Inzwischen hatte sie ein Gefühl dafür entwickelt, wie und wie viel sie ihm gab und sandte ihm einen winzig kleinen Strom aus Magie entgegen. Währenddessen konnte sie beobachten, wie er kleine Kaubewegungen imitierte. Sein kleiner schlichter Mund, ein bewegliches Loch in seinem kleinen Gesicht, klappte auf und zu und auf und zu. Noch bevor ihr kleiner Freund aber zu‚gierig‘ werden konnte, entzog sie sich ihm wieder. Der Mund klappte zu und er grinste glücklich. Sein kleiner Kopf reckte sich ihrer Hand entgegen. Er nahm ihre Hand und drückte sie sich noch einmal auf seinen moosigen Kopf.
„Und lass so etwas keine Ausrede für mehr Füttern werden, Arbor.“
Der Sariannenbaum nickte eifrig. Er stellte sich auf Gwynns Schoß streichelte ihr Gesicht mit seinen rauen Händen, griff zu seiner Blüte, rupfte sie kurzer Hand ab, schien dabei auch keine Schmerzen zu haben oder so und steckte sie hinter ihr linkes Ohr. Es war ein Geschenk und der Duft war betörend. Süß wie Honig, würzig wie Baumharz und doch auch leicht wie der Frühling.
Dann ließ sich Arbor von ihrem Schoß herunter rutschen.
Sich noch kurz an der Bank fest haltend, sah er zu Gwynn auf, grinste und wackelte dann mit seinen kurzen Beinen in Richtung Brunnen. Dort wollte er erst umständlich wieder zurück auf den Rand klettern, stand dann nachdenklich davor und streckte dann seine Arme. Aus seinen Fingern wuchsen unglaublich schnell für eine Pflanze lange Wurzeln und mit diesen zog er sich dann erstaunlich flink hoch und warf wieder ein Bein über den Rand. Mit dem andern schaukelte er munter hin und her. Für eine Pflanze war er gerade wirklich munter und flink. Es ging ihm gut und das fühlte auch Gwynn in ihrer Verbindung. Sein Blätterrauschen flüsterte beruhigende Worte, dann erstarrte er plötzlich in der Bewegung, also musste sich Arienh wohl genähert haben. Sein Spiel, 'Bin eine Pflanze' liebte er immernoch. Gwynn drehte sich um und erwartete ihre Oma zu sehen, doch schaute in das Gesicht eines fremden Wesens, dass sich ihr unbemerkt genähert hatte. Einen Moment lang erstarrte sie genauso wie Arbor. Vielleicht war das ihr Glück, denn was wohl passiert wäre, wenn sie sich erschreckt und laut aufgeschrien hätte? Oder schlimmeres?
In der Dauer eines Herzschlages erfassten ihre Augen ein winziges Gesicht, dass nah an ihrem Kopf schwebte und an ihrer Blüte schnupperte. Das Gesicht mit den genüsslich halb geschlossenen grünen Augen gehörte zu einem ebenso winzigem Körper, der an surrenden Flügeln in der Luft hing.
Fee!
, schoss es ihr in den Kopf. Genauer gesagt, ein Feerich, wenn sie ihn genauer betrachtete. Sein Antlitz wirkte etwas ...benebelt, vermutlich vom Rausch des Duftes und er hatte seine Hände nach der Blüte ausgestreckt. Seine kurzen grünen Haare standen ihm wild vom Kopf ab und außer einem Lendenschurz aus Blütenblättern trug er nur seine leicht gebräunte Haut am Leib. Der Duft der Sariannenblüte musste ihn angelockt haben. Sollte sie etwas sagen? Sollte sie ihn gewähren lassen und ihm ihr Geschenk geben? Wie oft begegnete man schon einer Fee? Dafür gab es keine Verhaltensregeln, oder?
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Donnerstag 29. März 2018, 19:50

Etwas besorgt sah sie Abor dabei zu, wie er am Brunnen herum wippte. Würde er hinunterfallen, müsste sie ihn wieder heraus fischen. Sie hatte ihn bereits einmal ermahnt, vorsichtig dort zu sein, und Arienh sicher auch, aber der kleine hatte den Mut eines üblichen Altersgenossen. Wenn man denn in seinem Fall irgendetwas ‚üblich‘ nennen durfte.

Allerdings war er doch um einiges findiger als das übliche Kleinkind. Der Trick mit dem klettern indem er seine Wurzeln nutze, war jedenfalls sehr praktisch.

Und dann erstarrte er.

In der Dauer eines Herzschlages erfassten ihre Augen ein winziges Gesicht, dass nah an ihrem Kopf schwebte und an ihrer Blüte schnupperte. Das Gesicht mit den genüsslich halb geschlossenen grünen Augen gehörte zu einem ebenso winzigem Körper, der an surrenden Flügeln in der Luft hing.
Fee!
, schoss es ihr in den Kopf. Genauer gesagt, ein Feerich, wenn sie ihn genauer betrachtete. Sein Antlitz wirkte etwas ...benebelt, vermutlich vom Rausch des Duftes und er hatte seine Hände nach der Blüte ausgestreckt. Seine kurzen grünen Haare standen ihm wild vom Kopf ab und außer einem Lendenschurz aus Blütenblättern trug er nur seine leicht gebräunte Haut am Leib. Der Duft der Sariannenblüte musste ihn angelockt haben. Sollte sie etwas sagen? Sollte sie ihn gewähren lassen und ihm ihr Geschenk geben? Wie oft begegnete man schon einer Fee? Dafür gab es keine Verhaltensregeln, oder?


Mit großen Augen starrte sie den kleinen Besucher an. Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, dass die Blüte eines Sarianen Baumes Feen anlockte – geschweige denn, dass so nah der Hütte ihrer Großmutter welche lebten!
Ob Arienh das wusste? Schon wollte sie den Gedanken abtun, aber dann entschied sie sich um. Wer, wenn nicht die alte Frau konnte so etwas wissen? Und irgendwie war der Gedanke, dass sie in ihren jungen Jahren nackt mit den Feen um einen Pilzkreis tanzte nicht gerade abwegig.

Wenn man so etwas überhaupt tat.

Himmel ich habe überhaupt gar keine Ahnung von so etwas! Ich dachte nicht einmal, dass ich jemals einer Fee begegnen würde!

Jedenfalls schien der Feerich, der ihr, wäre er in Menschen Größe, sicher die röte auf die Wangen getrieben hätte. So konnte sich die jugendlich halbwegs von dem distanzieren, was da direkt vor ihrem Gesicht schwebte.

Sie wagte nicht, sich zu bewegen, geschweige denn die Blume aus ihrem Haar zu nehmen, aber ganz langsam und vorsichtig drehte sie den Kopf so, dass die Blume direkt zu der Fee deutete. Wenn er die Blume so sehr mochte, wer war sie, ihm diese vor zu enthalten. Außerdem konnte sie sich gerade nichts Tolleres vorstellen als diese Geschichte den Mädchen aus dem Dorf zu erzählen! Was gab es denn magischeres als eine Fee direkt vor der Nase schweben zu haben? Nun, vielleicht noch ein Einhorn zu sehen … oder einen Sariannen Keimling zu retten und ein Wurzelartiges Ziehkind zu haben!

Mit erschrecken und Freude wurde ihr klar, dass sie vermutlich die verdammt interessantesten Dinge in ihrer Altersgruppe erlebte, und vermutlich auch weit außerhalb dessen.
Mit mühe und Not hinderte sie sich daran, aufgeregt herum zu hüpfen oder zu kichern.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Montag 2. April 2018, 11:30

Der Feerich, der ihr, wäre er in Menschengröße, sicher die Röte auf die Wangen getrieben hätte, flatterte mit vor geneigtem Kopf schnuppernd in ihrer direkten Nähe. Weil er so klein war, konnte sich die Jugendliche halbwegs von dem distanzieren, was da direkt vor ihrem Gesicht schwebte. Aber was sie sah, sah wirklich nicht schlecht aus!
Die grünen fast durchsichtigen Flügel waren wie die einer Libelle, nur etwas zerfasert an manchen Stellen, als hätte ihn schon mal ein Vogel erwischt. Sie schillerten in den Farben Grün und Braun, wie seine wilden kurzen Haarsträhnen Der kleine Körper war zwar winzig, aber doch imposant gebaut. Die fast nackte Brust war an den Seiten von einer Art Moos-Weste umrandet, die aber kaum etwas bedeckte und nur interessante Muster aus Pflanzenfasern und Schatten auf den kleinen Leib malte. Der Lendenschurz bestand aus gewickelten Blütenblättern. Die muskulösen schlanken Beine steckten sogar in kleinen ausgefransten Stiefeln, die sich an der Spitze rollten. Sein Gesicht war kantig, mit einer spitzen Nase und großen geschlossenen Augen. Die Ohren waren im Verhältnis zu ihren größer und fransiger.

Gwynn wagte nicht, sich zu bewegen, geschweige denn die Blume aus ihrem Haar zu nehmen, aber ganz langsam und vorsichtig drehte sie den Kopf so, dass die Blume direkt zu der Fee deutete. Mit Mühe und Not hinderte sie sich daran, aufgeregt herum zu hüpfen oder zu kichern.

Feen waren, genau wie Einhörner eben jene Wesen, die man sich, wenn dann nur aus der Ferne vorstellte, sich hinter einem Busch versteckte und verstohlen beobachtete. Niemals stellte man sich vor sie aus der Nähe zu betrachten oder gar zu berühren und doch:
Hier und jetzt schwebte ein Feerich so nah vor Gwynns Gesicht, dass sie ihn berühren könnte, doch was noch viel erstaunlicher war, dass der kleine Mann überhaupt keine Berührungsängste hatte. Als sie ihren Kopf so drehte, dass die Blume ihm noch näher kam, öffnete er seine Arme und flog ihr direkt ins Haar. Seitlich an ihrem Kopf hörte sie nun nicht nun mehr das leise Klingen seiner Flügel, sondern fühlte auch noch kurz das schnelle Schlagen auf ihrer Haut. Es war wie als fächelte man mit einer kühlen Feder ganz schnell über erhitzte Haut und ein kleiner magischer Schauer, ausgelöst von Feenstaub und der Berührung, ergriff von der jungen Frau Besitz. Er landete auf ihrer Schulter, kuschelte sich in die vielen zarten Filamente und umarmte die Blüte. Sie konnte ihn jetzt kaum noch sehen, da er links an ihrem Gesicht klebte. Um so deutlicher fühlte sie, wie sein Arm ihre Wange entlang strich, als er die Blume knuddelte. Leise klingender Laute drangen ihn ihr nahes Ohr, an dass unterhalb seines Kopfes an seinem Leib lag. Sein anderer Arm strich über die Spitze ihres Ohrs und streichelte mit der Hand die glatte Oberfläche des Stückchens Stängels, der dort klemmte.
Gwynn hatte unwillkürlich die Luft angehalten, aber nun musste sie atmen, oder ohnmächtig zu Boden sinken. Atmen war die logische Wahl. Das Geräusch schien ihn aber aus seiner Trance zu holen und er lehnte sich, sich an ihrem Ohr fest haltend ein Stück nach vorne um ihr ins Gesicht sehen zu können. Sein Gesichtsausdruck wandelte sich von irritiert nach überrascht.
Dann hörte Gwynn die Stimme ihrer Großmutter:
„Arun! Was machst du da?!?...“
Der Feerich runzelte ertappt die Stirn, sah etwas unglücklich aus.
„Lass mein Enkelkind in Ruhe!“
Prompt verließ er Gwynns Schulter. Knapp eine Armeslänge von ihr entfernt schwebte er und sah zu Arienh.
„Weiß dein Vater wo du steckst?“
Der Feerich breitete die Arme in einer unschuldigen Geste aus und verneigte sich formvollendet in der Luft, wobei er einen Arm vor die Brust und den anderen weit zur Seite führte. Er verharrte in der Position, dann hob er den Kopf, grinste frech und antwortete:
„Dein Enkelkind? Hätte ich das gewusst, wäre ich noch viel früher gekommen!“
Seine Stimme klang etwas merkwürdig. Einerseits tief, wie es eben bei einem Mann war, aber da war auch ein hohes Klingen, was jedes Wort begleitete. Arienh kniff die Augen streng zusammen und Gwynn kannte diesen Gesichtsausdruck nur zu gut. Auch ihre Mutter konnte so gucken, wenn sie wusste, dass eines ihrer Kinder mal wieder nur Unsinn im Kopf oder etwas angestellt hatte. Sie verschränkt die Arme vor der Brust und sah ihn misstrauisch an.
„WAS? Ich habe nichts getan! Stimmt doch... Enkelkind?!?“
Er hatte sich zu Gwynn gewandt und erhoffte sich ihre Bestätigung. Auch Arienh und Arbor sahen alle Gwynn an. Hatte er was getan? Er hatte mit ihrer Blume gekuschelt, aber hatte er war das schlimm? Er hatte sie berührt und sein Feenstaub kribbelte ein bisschen auf der Haut an ihrem Hals. Aus der Entfernung sah das ihre Oma gewiss nicht und sie könnte ihre Haare darüber legen. Aber sonst? Das er sie Enkelkind nannte, da er ihren Namen noch nicht wusste, war auch so ein Ding. Da er den Kopf abgewandt hielt, Arienh sein Gesicht also gerade nicht sehen konnte, zwinkerte er der jungen Frau zu und schmunzelte so charmant, wie es eben nur junge Feenmänner nur konnten.
Würde er Ärger bekommen, für das was er getan oder auch nicht getan hatte? Vielleicht...?
Wenn sie zu Arbor schaute saß dieser wie immer in letzter Zeit wenn Arienh da war vollkommen still auf dem Brunnenrand und schaute aber zu ihr. Hatte er eben gezwinkert? Tatsache! Nur war das eine Zustimmung oder ahmte er nur das Verhalten des Feerichs nach? Von dieser Seite war also auch keine Hilfe zu erwarten.

((ooc: Bild von Arun im OT-Bereich))
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Montag 2. April 2018, 16:15

Ein Schauder durchlief die junge Frau bei der Sachten und unbeabsichtigten Berührung des Feerichs. Irgendwie mutete es recht intim an, was er da mit der Blume tat. Vielleicht hätte sie sie doch abnehmen sollen.
Irgendwie passte Gwynns Bild von einer Fee nicht so recht auf die Realität. In ihrem Kopf waren diese ätherische Geschöpfe voller Unschuld. Etwas niedliches harmloses. Als ihre Großmutter so selbstverständlich mit dem kleinen Kerl schimpfte, war sie ganz schön überrascht. Und ziemlich erstaunt. Warum musste er dafür ausgeschimpft werden, mit der Blume in ihrem Haar zu Kuscheln?! Hatte er da irgendetwas angestellt.

Sie war froh, als er von ihr wegflog und sie spürte, dass ihre Wangen heiß geworden waren. Irgendwie war das alles ziemlich peinlich und zu hören, wie der kleine Kerl ziemlich frech antwortete und so gar nicht unschuldig erschien, ließ sie die Arme vor der Brust verschränken. Nei, Feen waren offensichtlich nicht ätherisch und niedlich und unschuldig. Wobei … niedlich war der Feerich – auf eine etwas andere Weise.
Betrachtete man es so, dass ihr ein Junge gerade am Ohr geklebt hatte, und seinen Feenstaub auf ihrem Hals verteilte, war ihr gerade nach im Boden sinken zumute. Inzwischen musste ihr Kopf die Farbe einer Tomate haben und sie strich sich verlegen über den Hals und betrachtete ihre Hand danach kritisch.

Warum überhaupt verhielt sie sich wie ein kleines Mädchen und stand stocksteif da und ließ sich von der Fee so an der Nase herum führen! Sie war Arienhs Schülerin, da sollte sie doch etwas … hrm … kompetenter wirken.

„WAS? Ich habe nichts getan! Stimmt doch... Enkelkind?!?“
Er hatte sich zu Gwynn gewandt und erhoffte sich ihre Bestätigung. Auch Arienh und Arbor sahen alle Gwynn an. (…)
Da er den Kopf abgewandt hielt, Arienh sein Gesicht also gerade nicht sehen konnte, zwinkerte er der jungen Frau zu und schmunzelte so charmant, wie es eben nur junge Feenmänner nur konnten.
Würde er Ärger bekommen, für das was er getan oder auch nicht getan hatte? Vielleicht
Wenn sie zu Arbor schaute saß dieser wie immer in letzter Zeit wenn Arienh da war vollkommen still auf dem Brunnenrand und schaute aber zu ihr. Hatte er eben gezwinkert? Tatsache! Nur war das eine Zustimmung oder ahmte er nur das Verhalten des Feerichs nach? Von dieser Seite war also auch keine Hilfe zu erwarten.


Konnte man, wenn man ohnehin schon rot im Gesicht war, noch röter werden? Die Aufmerksamkeit war ihr gerade überhaupt nicht recht, vor allem, da sie so gar nicht verstand, was vor sich ging.
Und musste das erste männliche Wesen, das ihr charmant zuzwinkerte, unbedingt eine Fee sein?!
Gwynn war nicht sicher, ob es ihr nicht lieber war, dass Abors Augenzwinkern nur eine Imitation von Arun war. Irgendwie war es seltsam beruhigend, zu wissen, dass es noch jemand anderen gab, der hier nicht alles verstand.
„G ... Gwynn.“
Stammelte sie leise, noch immer etwas aus dem Tritt, dann versuchte sie es ein zweites Mal mit festerer Stimme.
„Mein Name ist Gwynn. Ich weiß nicht, was du getan haben sollst, Arun … und nebenbei Hallo.“
Sie biss sich etwas trotzig auf die Lippe.
„Warum bist du sofort zu der Sariannen Blüte geflogen?“
Und warum sagst du kein Wort und klebst stattdessen halbnackt neben meinem Ohr? Ließ sie unausgesprochen. Das hier war ihr gerade furchtbar unangenehm.
Super, nur ich schaffe es, so etwas tolles, wie eine Fee zu treffen, als unangenehm empfinde.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Dienstag 3. April 2018, 13:08

Konnte man, wenn man ohnehin schon rot im Gesicht war, noch röter werden? Ja. Über Gwynns puterrote Wangen legte sich sogar noch ein leichter Schleier von Purpur, der sich hinauf zog bis zu den runden Spitzen ihrer Ohren. Das Zwinkern des Feerichs hatte sie einfach ein wenig zu sehr aus dem Konzept gebracht und die Aufmerksamkeit, die ihr gerade zuteil wurde, war Gwynn gerade überhaupt nicht recht. Vor allem, da sie so gar nicht verstand, was vor sich ging. Und musste das erste männliche Wesen, das ihr charmant zuzwinkerte, unbedingt eine Fee sein?! Flirtete der kleine Kerl ernsthaft mit ihr? Aber sie passten doch so überhaupt nicht zusammen!!!
Das war ja wie wenn eine Maus mit einem Pferd flirtete, oder eine Mücke mit einer Maus, oder ein Pferd mit einem Drachen, oder... die Größenvergleiche gingen ihr schnell aus, denn wenn eine Fee mit einer Elfe flirtete, dann konnte doch irgendetwas nicht stimmen!
Gwynn war sich aber fast sicher, dass Arbors Augenzwinkern nur eine Imitation von Arun war. Ihr kleiner Sariannenbaum imitierte im Moment alles, was er sah. Irgendwie war es sogar beruhigend, zu wissen, dass es noch jemand anderen gab, der hier nicht alles verstand. Aber als Enkelin von Arienh sollte sie etwas sagen und möglichst eloquent dabei klingen.
„G ... Gwynn.“
, stammelte sie leise, noch immer etwas aus dem Tritt, dann versuchte sie es ein zweites Mal mit festerer Stimme.
„Mein Name ist Gwynn. Ich weiß nicht, was du getan haben sollst, Arun … und nebenbei Hallo.“
Sie biss sich etwas trotzig auf die Lippe.
„Warum bist du sofort zu der Sariannen Blüte geflogen?“
Und warum sagst du kein Wort und klebst stattdessen halbnackt neben meinem Ohr?
Die Gedanken ließ sie allerdings unausgesprochen. Der Feerich grinste sowieso schon zu breit.
„Ich liebe süße Dinger! … „
Das hier war ihr gerade furchtbar unangenehm.
Super, nur ich schaffe es, so etwas tolles, wie eine Fee zu treffen, als unangenehm empfinde.
Der Feerich wirbelte zweimal schnell um seine eigene Achse und fiel dann vor ihr in eine tiefe Verbeugung in der er sich einmal nach vorne überschlug. Mit der akrobatischen Einlage, zog er die Aufmerksamkeit der anderen Anwesenden auf sich und fort von ihr. Als er dann wieder aufrecht in der Luft schwebte antwortete er sogar ausnehmend heiter gestimmt:
„... und Hallo. Es ist mit eine Freude deine Bekanntschaft zu machen, Gwynn Tochter der Tochter von Arienhs Blute.“
Arienh zog misstrauisch eine Braue in die Höhe und musterte den Feerich und ihre Enkelin abwechselnd. Arun bemerkte es und flog ein wenig näher zu ihr. Mit ausgebreiteten Armen beantwortete er die zuvor gestellte Frage, ob sein Vater wisse wo er weilte.
„Mein Vater weiß, dass ich ausgeflogen bin.“
Die alte Frau schien die Antwort noch nicht zu beruhigen. Sie hakte nach.
„Weiß er dass du hier bei mir bist?“
Der Feerich wand sich und schaukelte dabei ein paar mal in der Luft hin und her.
„Ich sagte, ich wolle eine Freundin besuchen. Ihr seid doch eine Freundin.“
„Ja ...und du hast viele! Viele Freundinnen an vielen Orten!“
Der Umgang zwischen den beiden wurde immer merkwürdiger. So recht verstand Gwynn das hin und her vielleicht nicht, aber so langsam dämmerte ihr, dass der kleine Kerl zwar nicht log, aber auch nicht so ganz die Wahrheit sprach. In einer alten Geschichte über Feen, eine die Arienh ihr einmal eines Abends erzählt hatte, ging es um die Tricks und Flunkereien des Feenvolks. Eine Sache war ihr dabei im Gedächtnis geblieben, was sie allerdings damals und vielleicht heute auch noch als ganz angenehm empfunden hatte: Feen, zumindest die Guten, die logen nicht, aber konnten herrlich drum herum reden!
„Ich erfreue mich großer Beliebtheit. Freut ihr mich denn nicht zu sehen?“
Arienh stand immernoch mit verschränkten Armen da und taxierte ihn mit ihren Blicken.
„Ich freue mich immer über den Besuch des Feenvolks, auch wenn er unangemeldet kommt.“
Gwynns Großmutter hatte es auch ganz gut drauf, ihre Antworten zu verkleiden. Zwischen den Zeilen las ihre Enkelin aber etwas ganz anderes: **Ich freue mich über jeden anderen, aber dich nicht! Erst Recht nicht, wenn du hier ungeladenen auftauchst!** Arun schien das Geplänkel jedoch Spaß zu machen, denn er schlug abermals einen Salto.
„Wunderbar, dann werde ich in nächster Zeit häufiger vorbei schauen und eure Enkelin besser kennen lernen.“
Dabei sah er wieder zu Gwynn und zwinkerte erneut. Dreistes Kerlchen!
„Wunderbar, dann werde ich euren Vater benachrichtigen und die notwendigen Vorkehrungen treffen.“
sprach Arienh und dem Feerich entglitten die Gesichtszüge. Sein eben noch charmantes Lächeln wandelte sich in Resignation und Frustration. Er schloss kurz die Augen und sah dann Gwynn wehmütig an, als hätte er eben einen Kampf verloren, bei dem sie der Preis gewesen wäre. Er zuckte bedauernd mit den Schultern, hob in sehnsüchtiger Geste ihr eine Hand entgegen und wandte sich dann mit hängenden Schultern wieder höflich lächelnd der alten Frau zu. Seine Gestik war wirklich etwas überzogen, aber wenn man so klein war
„Das wird nicht nötig sein. Ich denke, heute wird eine Ausnahme sein. Ich habe noch viele andere Freunde zu besuchen... Immer viel zu tun. ...Dürfte ich denn wenigstens den heutigen Tag hier verbringen? Der Flug war anstrengend und meine Schwingen bräuchten eine kleine Pause. Ein wenig Honig wäre auch nett... der Gastfreundschaft wegen.“
Arienh presste die Lippen aufeinander. Es gefiel ihr nicht, dass der kleine Mann blieb, aber sie machte kehrt und verschwand eilig in der Hütte. Arun wandte sich wieder Gwynn zu. Seine Augen waren von einem warmen weichen Braun, wie das Fell der jungen Rehe und er sah sie damit neugierig an. Er musterte sie von oben bis unten und schwebte dabei auch leicht auf, ab und um sie herum.
„Sag, du süßes Ding... Seit wann wohnst du bei Ari und warum habe ich dich noch nie im Feenkreis gesehen?“
Bevor Gwynn jedoch antworten konnte, geschah etwas anderes. Arbor sprang von seinem Platz am Brunnenrand und kullerte über den hart getretenen Boden. Sie zuckte instinktiv, aber er hatte sich nichts getan. Am Boden rappelte er sich auf und stapfte mit seinen kurzen Beinen auf sie zu. Dann positionierte sich der kleine Baum zwischen sie und den Feenmann. Ein leises Blätterrauschen folgte und eine kleine Welle Beruhigende Emotionen schwappte über sie hinweg. Arbor wollte sie anscheinend beschützen. Vielleicht hatte er gefühlt, dass sie sich unwohl fühlte; dass sie mit dem Feerich nicht so richtig zurecht kam? Es wurde ihr warm ums Herz und das nicht nur, weil ihr kleiner Freund ihr seine Zuneigung zeigte, sondern weil es auch eine liebe Geste war. Doch er war noch so klein … körperlich größer als der Kerl mit den Flügeln, aber halt eben noch ein Kind. Die Reaktion des Feerichs war auch nicht schlecht. Seine großen leicht schräg gestellten Augen weiteten sich, als der Baum plötzlich vor ihm auftauchte und ihm mit seinen wild herum fuchtelnden Wurzeln die Sicht auf Gwynn versperren wollte. Die Überraschung in seinem Gesicht war Gold wert. Dann stemmte er die Hände in die Hüften und sank langsam zu Boden. Arbor machte sich so groß er konnte und ahmte die Bewegung nach. Seine wurzeligen Hände stemmten sich gegen den stammigen Leib. Dann hörte Gwynn die beiden reden.
Also eigentlich hörte sie nur Blätterrauschen und Äste knarren, aber der Feerich bewegte dazu die Lippen und machte eben diese Geräusche. Eine Weile ging es wohl zwischen den beiden hin und her. Die Gestiken waren von aufgebracht, über erklärend, bis hin zu freudig erregt. Dann sah Arun zu Gwynn auf und meinte:
„Bei Florencias langem Haar, da hast du ja einen sturen Freund!“
Arbor stemmte wieder die Hände in die Hüften und nickte auffordernd.
„Ja ja, schon gut. Ich sag es ihr!“
Arun räusperte sich und sprach:
„Erstens: Ihm gefällt der Name, den du ihm gegeben hast.
Zweitens: Er könnte schon viel stärker sein, wenn du ihn mehr füttern würdest. Dann könnte er...und ich zitiere: dich viel besser vor mit beschützen. Was ich für vollkommen überzogen halte!“
Arbor machte eine Geste, als ob Arun nicht seine Meinungen hinzu fügen sollte.
„Drittens: soll ich dir sagen, dass ich dir seine Sprache beibringen soll. Was ich auch gerne machen würde, sofern Ari mich lässt.“
Arbor nickte zustimmend und grinste zufrieden. Dann stapfte er in Richtung der Hütte um wahrscheinlich Arienh zu holen. Einen Moment blieb Arun also mit Gwynn allein. Der Feerich flog wieder näher zu ihr und setzte sich auf einen nahen Ast um sie wieder ausgiebig zu betrachten.
„Du bist hübsch! Hat dir das schon einmal jemand gesagt? Ach, was frag ich da. Du hörst das sicher alle Nase lang und kannst dich vor Verehren kaum retten, aber dein kleiner Freund hält sie dir bestimmt vom Leib. ...Eine interessante Verbindung die ihr da übrings habt. Ein Seelenbaum und eine Menschin. Sachen gibt es?! Und so ein junges hübsches Ding! ...Das wird den Hofstaat sicher interessieren. Vielleicht komme ich dann doch häufiger zu Besuch... also in offizieller Funktion um seine Fortschritte zu begutachten.“
Er lehnte sich ein wenig weiter vor und hätte er nicht das Gegengewicht seiner Flügel, so wäre er jetzt sicher vom Zweig gefallen.
„Was hast du eigentlich mit deinem kleinen Seelenbaum vor?“
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Donnerstag 5. April 2018, 23:33

Mit großen Augen betrachtete Gwynn das ‚Schauspiel‘ vor sich. Offenbar gab es eine gewisse Weise, dem kleinen Volk Rhetorisch zu begegnen – und ihre Großmutter schien die Etikette nicht nur zu kennen, sondern auch zu beherrschen.
Der Wortwechsel zwischen ihr und Arun verhieß eine etablierte, aber schwierige Beziehung. Möglicherweise bedeutete der Feerich Ärger – und die paar Minuten, die sie ihn bis jetzt erlebt hatte, sprachen für diesen Umstand. Er war frech, charmant und etwas ließ sie vermuten, dass schamlos auch zu seinen Attributen zählte…
Ich liebe süße Dinger … von wegen! Das ist KEINE zufriedenstellende Antwort!

Einige Mädchen im Dorf hätten ihn sicher anders beschrieben: Spaß. Arun verhieß definitiv extrem Unterhaltsam zu sein.
Wie gut nur, dass Gwynn plante, eine vorbildliche vernünftige Schülerin zu sein und sich nicht von Flausen und Unsinn ablenken zu lassen!
Zum Glück kannte Arienh die richtigen Hebel, um Arun in die Flucht zu schlagen, denn so neugierig das junge Mädchen auch war, der Feerich brachte sie zu sehr aus dem Konzept, als dass sie sein Bleiben herbeisehnte.

„Sag, du süßes Ding... Seit wann wohnst du bei Ari und warum habe ich dich noch nie im Feenkreis gesehen?“
Von der Anrede „süßes Ding“ – und der daraus resultierenden Erkenntnis - noch etwas aus dem Tritt gebracht schwieg die Druiden Schülerin. Bevor sie sich gefasst hatte, geschah etwas anderes. Arbor sprang von seinem Platz am Brunnenrand und kullerte über den hart getretenen Boden. Sie zuckte instinktiv, aber er hatte sich nichts getan. Am Boden rappelte er sich auf und stapfte mit seinen kurzen Beinen auf sie zu. Dann positionierte sich der kleine Baum zwischen sie und den Feenmann. Ein leises Blätterrauschen folgte und eine kleine Welle Beruhigende Emotionen schwappte über sie hinweg. Arbor wollte sie anscheinend beschützen. Vielleicht hatte er gefühlt, dass sie sich unwohl fühlte; dass sie mit dem Feerich nicht so richtig zurecht kam? Es wurde ihr warm ums Herz und das nicht nur, weil ihr kleiner Freund ihr seine Zuneigung zeigte, sondern weil es auch eine liebe Geste war. Doch er war noch so klein … körperlich größer als der Kerl mit den Flügeln, aber halt eben noch ein Kind. Die Reaktion des Feerichs war auch nicht schlecht. Seine großen leicht schräg gestellten Augen weiteten sich, als der Baum plötzlich vor ihm auftauchte und ihm mit seinen wild herum fuchtelnden Wurzeln die Sicht auf Gwynn versperren wollte. Die Überraschung in seinem Gesicht war Gold wert. Dann stemmte er die Hände in die Hüften und sank langsam zu Boden. Arbor machte sich so groß er konnte und ahmte die Bewegung nach. Seine wurzeligen Hände stemmten sich gegen den stammigen Leib. Dann hörte Gwynn die beiden reden.
Er redet?! Abor kann reden? Das ist ja toll! Ich will auch …
Also eigentlich hörte sie nur Blätterrauschen und Äste knarren, aber der Feerich bewegte dazu die Lippen und machte eben diese Geräusche. Eine Weile ging es wohl zwischen den beiden hin und her. Die Gestiken waren von aufgebracht, über erklärend, bis hin zu freudig erregt. Dann sah Arun zu Gwynn auf und meinte:
„Bei Florencias langem Haar, da hast du ja einen sturen Freund!“
Arbor stemmte wieder die Hände in die Hüften und nickte auffordernd.
„Ja ja, schon gut. Ich sag es ihr!“
Arun räusperte sich und sprach:
„Erstens: Ihm gefällt der Name, den du ihm gegeben hast.
Zweitens: Er könnte schon viel stärker sein, wenn du ihn mehr füttern würdest. Dann könnte er...und ich zitiere: dich viel besser vor mit beschützen. Was ich für vollkommen überzogen halte!“

Gwynn verschränkte die Arme vor der Brust und betrachtete Abor mit gehobener braue. Ob dies sich auf seine Bitte um mehr Kraft bezog, oder seine Annahme, sie bräuchte seinen Schutz, blieb offen.

Arbor machte eine Geste, als ob Arun nicht seine Meinungen hinzu fügen sollte.
„Drittens: soll ich dir sagen, dass ich dir seine Sprache beibringen soll. Was ich auch gerne machen würde, sofern Ari mich lässt.“

Erfreut sah sie den Feerich an und nickte strahlend. Die Möglichkeit, Abor zu verstehen würde sie sich auf keinen Fall entgehen lassen! Selbst wenn das bedeutete, dass sie weiter mit Arun zu tun hätte.
Jemand so kleines sollte nicht so Einschüchternd sein.
Arbor nickte zustimmend und grinste zufrieden. Dann stapfte er in Richtung der Hütte um wahrscheinlich Arienh zu holen. Einen Moment blieb Arun also mit Gwynn allein. Der Feerich flog wieder näher zu ihr und setzte sich auf einen nahen Ast um sie wieder ausgiebig zu betrachten.
„Du bist hübsch! Hat dir das schon einmal jemand gesagt? Ach, was frag ich da. Du hörst das sicher alle Nase lang und kannst dich vor Verehren kaum retten, aber dein kleiner Freund hält sie dir bestimmt vom Leib. ...Eine interessante Verbindung die ihr da übrings habt. Ein Seelenbaum und eine Menschin. Sachen gibt es?! Und so ein junges hübsches Ding! ...Das wird den Hofstaat sicher interessieren. Vielleicht komme ich dann doch häufiger zu Besuch... also in offizieller Funktion um seine Fortschritte zu begutachten.“


Das Rot, das ihre Wangen kurz verlassen hatte, kehrte in neuer Leuchtkraft zurück. Hübsch … so hatte sie noch nie jemand genannt, von ihren Eltern vielleicht abgesehen. Und die Jungen sahen sie nicht einmal an! Vielleicht hatten Feen einfach einen anderen Blickwinkel auf die Welt. Einen Moment lang waren ihre Füßen ungemein interessant.
Ein gemurmeltes „Danke.“ Wurde zwischen ihren Zähnen hervor gepresst. Immerhin hatte das Mädchen gelernt, sich für Freundlichkeiten zu bedanken.
Als Arun einen Hofstaat erwähnte, hob sie den Kopf wieder ruckartig.
Hofstaat?! Interessieren?! Offizielle Funktion?
Ihr wurde leicht übel bei dem Gedanken.

Er lehnte sich ein wenig weiter vor und hätte er nicht das Gegengewicht seiner Flügel, so wäre er jetzt sicher vom Zweig gefallen.
Instinktiv wollte Gwynn schon nach ihm Greifen, um ihn vom fallen ab zu halten, erinnerte sich dann aber daran, dass der kleine Kerl fliegen konnte - und er sie immer noch einschüchterte. Dabei heraus kam ein seltsames Hände wedeln und verrenken, weil ihr Körper und ihre Hände erst in die eine, und dann in entgegen gesetzte Richtung gingen.
„Was hast du eigentlich mit deinem kleinen Seelenbaum vor?“
Gwynns offenes Gesicht spiegelte klar ihre Emotionen wieder und wechselte von mildem entsetzen zu Verblüffung.
„Was ich mit ihm vor habe?“
Wiederholte sie tumb die Frage. Sie hatte niemals zuvor einen Gedanken daran verschwendet, überhaupt in der Position zu sein, etwas mit Abor ‚vor zu haben‘.
„Ich … ich weiß nicht. Ich denke ich werde auf ihn Acht geben und wenn er groß genug ist, um für sich selbst Entscheidungen zu treffen, dann werde ich ihm helfen, wenn ich es kann. Bisher habe ich angenommen, dass er wohl irgendwann zurück zu seinen Brüdern und Schwestern möchte …“
Sie sah die Fee verunsichert an.
„Muss … muss ich denn irgendetwas mit ihm ‚vor haben‘? Das … das wäre nicht gerade nett würde ich sagen.“
Sie biss sich auf die Lippe und sah in richtung Hütte und dann zurück zu Arun.
„Könntest du das mit dem ‚dem Hofstaat berichten‘ vielleicht lassen? Ich fände es irgendwie besser, wenn Abor, Arienh und ich unter uns bleiben und ich bin sicher Abor möchte auch nicht, dass Jemand seinen Fortschritt beobachtet!“
Sie blickte den Feerich unglücklich an und fügte dann, weil sie befürchtete ihn mit ihren harten Worten verprellt zu haben, noch hinzu:
„Nicht, dass ich …“
Sie stockte, unbewusst der Feen Etikette folgend darauf bedacht, nicht zu Lügen.
„Es ist nicht Persönlich gemeint. Es geht mir um die … Aufmerksamkeit. Natürlich kannst du gerne hier sein.“
Etwas unzufrieden mit ihrem Schlichtungsversuch bemühte sie sich um ein nettes Lächeln, was ihr allerdings nicht unbedingt glückte.
„Warum bist du denn eigentlich hierhergekommen? Und woher kennen du und Arienh euch?“
Versuchte sie ihr Heil im Angriff. Wenn Arun Fragen beantwortete, konnte er sie wohl schlecht weiter aus dem Konzept bringen!

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Freitag 6. April 2018, 11:15

Das Rot, das ihre Wangen kurz verlassen hatte, kehrte auf seine süßen Komplimente hin mit Macht und neuer Leuchtkraft zurück. Hübsch … so hatte sie noch nie jemand genannt, von ihren Eltern vielleicht abgesehen. Und die Jungen sahen sie nicht einmal an! Vielleicht hatten Feen einfach einen anderen Blickwinkel auf die Welt. Einen Moment lang waren ihre Füßen ungemein interessant.
Ein gemurmeltes
„Danke.“
wurde zwischen ihren Zähnen hervor gepresst. Immerhin hatte das Mädchen gelernt, sich für Freundlichkeiten zu bedanken. Was ihr beim Anblick ihrer schlammigen Füße jedoch entging, war das siegreiche Grinsen des Feerichs, als sie sich bedankte. Aber selbst wenn sie es gesehen hätte, hätte sie vermutlich nicht gewusst, warum er sich gerade darüber so freute.
Als Arun dann einen Hofstaat erwähnte, hob sie den Kopf wieder ruckartig.
Hofstaat?! Interessieren?! Offizielle Funktion?
Ihr wurde leicht übel bei dem Gedanken. Er lehnte sich ein wenig weiter vor und hätte er nicht das Gegengewicht seiner Flügel, so wäre er jetzt sicher vom Zweig gefallen.
„Was hast du eigentlich mit deinem kleinen Seelenbaum vor?“
Ein seltsames Hände wedeln und verrenken folgte. Arun folgte etwas irritiert der wilden Gestik. Ihr Gesicht spiegelte klar ihre Emotionen wieder und wechselte von mildem Entsetzen zu Verblüffung.
„Was ich mit ihm vor habe?“
, wiederholte sie tumb die Frage.
„Ich … ich weiß nicht. Ich denke ich werde auf ihn Acht geben und wenn er groß genug ist, um für sich selbst Entscheidungen zu treffen, dann werde ich ihm helfen, wenn ich es kann. Bisher habe ich angenommen, dass er wohl irgendwann zurück zu seinen Brüdern und Schwestern möchte …“
Sie sah die Fee verunsichert an.
„Muss … muss ich denn irgendetwas mit ihm ‚vor haben‘? Das … das wäre nicht gerade nett würde ich sagen.“
Sie biss sich auf die Lippe und sah in Richtung Hütte und dann zurück zu Arun der nur leicht zustimmend nickte. Anscheinend gefiel ihm ihre Antwort, oder reichte ihm zumindest soweit aus, dass er keine weitere Frage dazu stellte. Aber das mit dem Hofstaat wurmte sie noch immer.
„Könntest du das mit dem ‚dem Hofstaat berichten‘ vielleicht lassen? ...“
Aruns Braunen hoben sich unter seinen grünen Haarsträhnen die ihm wild ins Gesicht hingen und ein Funkeln trat in seine braunen Augen.
„...Ich fände es irgendwie besser, wenn Arbor, Arienh und ich unter uns bleiben und ich bin sicher Arbor möchte auch nicht, dass Jemand seinen Fortschritt beobachtet!“
Sie blickte den Feerich unglücklich an und fügte dann, weil sie befürchtete ihn mit ihren harten Worten verprellt zu haben, noch hinzu:
„Nicht, dass ich …“
Sie stockte, unbewusst der Feen Etikette folgend darauf bedacht, nicht zu Lügen.
„Es ist nicht Persönlich gemeint. Es geht mir um die … Aufmerksamkeit. Natürlich kannst du gerne hier sein.“
Etwas unzufrieden mit ihrem Schlichtungsversuch bemühte sie sich um ein nettes Lächeln, was ihr allerdings nicht unbedingt glückte, vor allem weil das Lächeln des Feerichs gerade zu strahlend geworden war.
„Warum bist du denn eigentlich hierhergekommen? Und woher kennen du und Arienh euch?“
Versuchte sie ihr Heil im Angriff. Wenn Arun Fragen beantwortete, konnte er sie wohl schlecht weiter aus dem Konzept bringen!
„Oh, das eine ist leichter zu beantworten als das andere. Ich bin dem süßen Duft der Blüte gefolgt... und das andere: Mein Vater und deine Großmutter hatten mal was miteinander. Also als sie noch viel viel viel jünger war, so gefühlt vor tausend Jahreszeitwandeln.“
Trotz der eigentlich klaren Worte schaute Gwynn wohl einen Moment fragend. Was wohl das „Was miteinander“ bedeuten könnte? Da machte der der kleine Mann mit seinen Armen, Händen, seinem Becken und ein paar flinken Stößen auch schon eine Geste, die klarer nicht hätte sein können.
„ ...aber das war zu Vaters besseren Zeiten. Ich war noch nicht mal meiner Blüte entschlüpft, geschweige denn, von Phaun geplant. Jetzt ist er nur noch ein langweiliger alter Mann der sich mit anderen langweiligen alten Männern zusammen den ganzen Tag den Bauch voll schlägt und Probleme wälzt.“
Damit sah bei seinen Ausführungen in Richtung Haus, wo Arbor verschwunden war und rieb sich kurz durch sein grünes Haar, dass es ihm danach noch mehr in alle Richtungen ab stand, sofern das noch möglich war.
„Probleme... „
Er wandte sich wieder der jungen Druidin zu und legte den Kopf nachdenklich schräg. Dann zuckte er mit den Schultern.
„Also ICH denke ja nicht, dass ein Sariannenbaum, außerhalb seiner Familienwurzeln in Verbindung mit einem Menschen ein Problem sein könnte! Aber ICH werde da auch selten zu solchen Problemen befragt. Da kümmern sich normaler Weise die Älteren drum, sofern sie es erfahren. Wenn ich also...“
Er sah Gwynn schmunzelnd an.
„Wenn ich also zum Beispiel der zuständigen Feenoberin verschweigen soll, was ich hier gefunden habe... Was bekomme ich dann dafür? Ich könnte schließlich Ärger bekommen, wenn es ein anderer entdeckt und heraus kommt, ich hab davon gewusst und nichts gesagt. Es müsste sich schon für mich lohnen.“
Arun wackelte lustig mit den Brauen und musterte Gwynn noch einmal intensiv. Sein Blick blieb wieder an der Blüte in ihrem Haar hängen.
„Wir könnten eine kleine Abmachung treffen. Schließlich willst du ja auch, dass ich dir die Sprache deines kleinen Freundes bei bringe. Zusammen mit meinem Schweigen wären das schon drei Gefallen, die du mir schuldest.“
Drei? Gwynn zählte nur zwei.
„Ich will aber nicht gierig erscheinen. Wir wollen ja gute Freunde werden! Also mein Vorschlag lautet: Ich bringe dir die Sprache der Naturgeister, Gaianya bei und ich schweige über unseren kleinen Freund hier, da es hier sonst bald vor neugierigen Feen nur so wimmeln würde. Ihr hättet wohl keine ruhige Minute mehr! Nein, das wollen wir ja nicht. Also ...Im Gegenzug wird dein kleiner Freund zu jedem meiner Besuche eine Blüte treiben, in deren Duft ich baden darf. Dein Teil der Abmachung, da du ja noch nichts zu beigetragen hast ...hm... was könntest du mir geben?...Ah ich weiß! Du gibst mir einen Kuss! Nicht heute, nicht morgen, an einem von mit gewählten Ort und Zeitpunkt. Abgemacht?“
Er sprang von seinem Ast und flog auf Armeslänge an sie heran. Er streckte seine Hand nach vorne und seine Hand glitzerte vom Feenstaub.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Dienstag 10. April 2018, 22:31

„Oh, das eine ist leichter zu beantworten als das andere. Ich bin dem süßen Duft der Blüte gefolgt... und das andere: Mein Vater und deine Großmutter hatten mal was miteinander. Also als sie noch viel viel viel jünger war, so gefühlt vor tausend Jahreszeitwandeln.“
Trotz der eigentlich klaren Worte schaute Gwynn wohl einen Moment fragend. Was wohl das „Was miteinander“ bedeuten könnte? Da machte der der kleine Mann mit seinen Armen, Händen, seinem Becken und ein paar flinken Stößen auch schon eine Geste, die klarer nicht hätte sein können.


Gwynn starrte den Feerich einfach nur völlig perplex und mit einer Andeutung von Entsetzen an. Diese Geste hat er doch nicht wirklich gerade gemacht! Und … und … wie soll das überhaupt gehen?! Das mit einem Menschen und einer Fee … ugh … ich möchte mir das nicht mit meiner Großmutter … nein überhaupt nicht vorstellen.
Ihre Ohren Begannen zu glühen.
„Was … aber … wie … wie kann … ?!“
Stammelte sie.

„ ...aber das war zu Vaters besseren Zeiten. Ich war noch nicht mal meiner Blüte entschlüpft, geschweige denn, von Phaun geplant. Jetzt ist er nur noch ein langweiliger alter Mann der sich mit anderen langweiligen alten Männern zusammen den ganzen Tag den Bauch voll schlägt und Probleme wälzt.“
Das klingt irgendwie so, als wäre er ein Ratsmitglied oder so etwas.
Damit sah bei seinen Ausführungen in Richtung Haus, wo Arbor verschwunden war und rieb sich kurz durch sein grünes Haar, dass es ihm danach noch mehr in alle Richtungen ab stand, sofern das noch möglich war.
„Probleme... „
Er wandte sich wieder der jungen Druidin zu und legte den Kopf nachdenklich schräg. Dann zuckte er mit den Schultern.
„Also ICH denke ja nicht, dass ein Sariannenbaum, außerhalb seiner Familienwurzeln in Verbindung mit einem Menschen ein Problem sein könnte! Aber ICH werde da auch selten zu solchen Problemen befragt. Da kümmern sich normaler Weise die Älteren drum, sofern sie es erfahren. Wenn ich also...“

Phaun sei Dank! Bitte sag, dass du Ihnen nichts verrätst.

Er sah Gwynn schmunzelnd an.
„Wenn ich also zum Beispiel der zuständigen Feenoberin verschweigen soll, was ich hier gefunden habe... Was bekomme ich dann dafür? Ich könnte schließlich Ärger bekommen, wenn es ein anderer entdeckt und heraus kommt, ich hab davon gewusst und nichts gesagt. Es müsste sich schon für mich lohnen.“

Oh nein … wirklich?!
Arun wackelte lustig mit den Brauen und musterte Gwynn noch einmal intensiv. Sein Blick blieb wieder an der Blüte in ihrem Haar hängen.
„Wir könnten eine kleine Abmachung treffen. Schließlich willst du ja auch, dass ich dir die Sprache deines kleinen Freundes bei bringe. Zusammen mit meinem Schweigen wären das schon drei Gefallen, die du mir schuldest.“
Drei? Gwynn zählte nur zwei.
„Ich will aber nicht gierig erscheinen. Wir wollen ja gute Freunde werden! Also mein Vorschlag lautet: Ich bringe dir die Sprache der Naturgeister, Gaianya bei und ich schweige über unseren kleinen Freund hier, da es hier sonst bald vor neugierigen Feen nur so wimmeln würde. Ihr hättet wohl keine ruhige Minute mehr! Nein, das wollen wir ja nicht. Also ...Im Gegenzug wird dein kleiner Freund zu jedem meiner Besuche eine Blüte treiben, in deren Duft ich baden darf. Dein Teil der Abmachung, da du ja noch nichts zu beigetragen hast ...hm... was könntest du mir geben?...Ah ich weiß! Du gibst mir einen Kuss! Nicht heute, nicht morgen, an einem von mit gewählten Ort und Zeitpunkt. Abgemacht?“


Die Schmetterlinge, die Gwynn bei dem zweiten Vorschlag durch den Bauch flatterten, waren ihr unheimlich. Er war winzig und sie kannte ihn gar nicht! Welcher irre Teil in ihr hatte gerade entschieden, dass ein Überraschungs-Kuss von einem beinahe Fremden in Miniaturgröße aufregend war?!

Er sprang von seinem Ast und flog auf Armeslänge an sie heran. Er streckte seine Hand nach vorne und seine Hand glitzerte vom Feenstaub.
Gwynn verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Arun kritisch. Sie war mit älteren Brüdern aufgewachsen – verhandeln konnte sie – davon war sie zumindest überzeugt.

„Zwei Gefallen, nicht drei! Einmal die Sprache, das andere Mal dein Schweigen.“
Sie hielt entsprechend ihrer Worte erst einen, dann zwei Finger in die Höhe. Sie hegte die leise Vermutung, dass er Abor etwas versprochen haben könnte … nur was?
„Und du hast schon angeboten, mir die Sprache so bei zu bringen! Wenn du wirklich möchtest, dass wir Freunde werden, denkst du nicht, dass ein ‚Gefallen‘ der falsche Weg ist? Ich weiß nicht, wie Feen das Handhaben, aber unter Menschen helfen wir einander ohne alles mit Gefallen auf zu wiegen!“
Stellte sie klar.

„Was Abor angeht – die Blume wachsen zu lassen hat ihn viel Kraft gekostet! Ich kann ihn unmöglich der Gefahr aussetzen, dass er jedes Mal, wenn du herkommst, das Ganze wiederholt. Nicht, wenn das heißt, dass er es zu oft hintereinander tun muss – wer weiß, was das mit einem heranwachsenden Sariannenbaum anstellt! Ich glaube nicht, dass du ihm schaden möchtest, oder? Ich kann dir meine Blüte geben, und wenn Abor zustimmt, kann er es, nachdem er ein paar Wochen ruhe hatte, noch einmal für dich tun. Aber das entscheidet er selbst.“
Sie holte tief Luft, als sie merkte, dass ihr der Atem knapp wurde. Das hier machte sie nervös und wenn sie nervös wurde, sprach sie zu schnell.

„Und was den Kuss angeht … ich glaube nicht, dass du es nötig hast, jemanden mit einem Gefallen zu einem Kuss zu bringen, oder? Davon ab – solltest du das nicht besser mit einer Fee tun? Ich bin … ich weiß nicht … fünfmal so groß wie du? Ich meine … wie soll das … und meine Oma und dein Va … das geht überhaupt nicht!“
Schweifte sie unwillkürlich ab, da Aruns Bildhafte Enthüllung sie noch immer schwer beschäftigte. Sie blinzelte einige Male und rang um Worte, während ihre Gedanken sich munter im Kreis drehten. An sich war ein Kuss ja gar nicht schlimm … eher gefährlich für den Feerich … nicht das sie ihm versehentlich weh tat. Vermutlich war es, wie einer Katze einen Kuss zu geben … wenn die Katze aussah wie ein gut aussehender Miniaturmensch mit Flügeln und grünen Haaren. Möglicherweise hinkte der Vergleich etwas… auf jeden Fall musste es einen Haken geben!

„Jedenfalls … jedenfalls will ich wissen, wo der Haken ist! Ich meine … meinetwegen gebe ich dir einen Kuss … solange es nicht zu peinlich ist! Aber … ich will zuerst wissen wo der Haken ist!“
Stellte sie fest und räusperte sich.
Das ‚Nie und nimmer ist ein reiner Kuss den Gefallen Wert, den du mir gibst‘ schaffte sie noch, für sich zu behalten. Dann straffte sie die Schultern und versuchte sich in einem entschlossenen Blick und atmete tief durch.
„Also … das sind meine Bedingungen! Ich will den Haken wissen, Abor muss zustimmen und es darf ihm nicht Schaden, die Blume für dich wachsen zu lassen – also nicht jedes Mal wenn du her kommst!“
Stellte sie fest und fügte dann noch hinzu.
„Und ich möchte von dir wissen, was denn bitte der dritte Gefallen sein soll!“
Erfüllte er alle Bedingungen und Änderungen zu ihrer Zufriedenheit, war sie bereit ein zu schlagen. Ansonsten galt es entweder zu verhandeln oder eben abzulehnen.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 11. April 2018, 19:49

„Zwei Gefallen, nicht drei! Einmal die Sprache, das andere Mal dein Schweigen.“
Sie hielt entsprechend ihrer Worte erst einen, dann zwei Finger in die Höhe. Und Arbor nickte zustimmend. Mehr hatte er nicht verlangt. Zwei Gefallen, nur die Frage war was er genau mit dem dritten gemeint hatte. Gwynn grübelte, ob er vielleicht irgendetwas mit Arbor abgesprochen hatte, aber da konnte sie sich nicht sicher sein. Oder es war etwas ganz anderes gewesen, wovon nur Feenmänner in ihren winzigen Hirnen überzeugt waren?
„Und du hast schon angeboten, mir die Sprache so bei zu bringen! Wenn du wirklich möchtest, dass wir Freunde werden, denkst du nicht, dass ein ‚Gefallen‘ der falsche Weg ist? Ich weiß nicht, wie Feen das Handhaben, aber unter Menschen helfen wir einander ohne alles mit Gefallen auf zu wiegen!“
Na ja, so ganz stimmte das auch nicht immer, aber es half ihre Argumente zu untermauern und sie selbst fühlte sich besser, wenn sie etwas zum Handel beitragen konnte. Also stellte sie ihre Position klar. Arun legte auf ihre Aussage hin den Kopf etwas schiefer, hob zweifelnd die Brauen, aber ließ sie weiter reden. Anscheinend war ihm diese Aussage nicht entscheidend genug um Gwynns Rede zu unterbrechen und so sprach sie weiter:
„Was Arbor angeht – die Blume wachsen zu lassen hat ihn viel Kraft gekostet! Ich kann ihn unmöglich der Gefahr aussetzen, dass er jedes Mal, wenn du herkommst, das Ganze wiederholt. Nicht, wenn das heißt, dass er es zu oft hintereinander tun muss – wer weiß, was das mit einem heranwachsenden Sariannenbaum anstellt! Ich glaube nicht, dass du ihm schaden möchtest, oder?“
Er schüttelte vehement mit dem Kopf und konnte hoffentlich so ein wenig die Sorge um Arbor mildern. Es war auch schwer vorstellbar, dass eine Fee, selbst wenn sie so frech war wie er, dass ein Feenmann etwas tun würde, was einem Geschöpf der Natur schaden würde, geschweige denn einem Seelenbaum!
„... Ich kann dir meine Blüte geben, und wenn Arbor zustimmt, kann er es, nachdem er ein paar Wochen Ruhe hatte, noch einmal für dich tun. Aber das entscheidet er selbst.“
Er nickte zustimmend und schien mit dieser Aussage zufrieden zu sein. Wenn Arbor selbst entschied, wann er für eine Blüte bereit war, dann konnte Gwynn schließlich wenig dagegen sagen, oder? Andererseits war Arbor noch ein Kind und die trafen manchmal dumme Entscheidungen. Jetzt hatte Gwynn aber schon die Verantwortung abgegeben und konnte sie auch nicht mehr zurück fordern. Sie war selbst noch grade der Jugend halb entwachsen und da war das alles sicher alles ein bisschen viel. Sie war aufgeregt und sprach auch sehr schnell. Das nächste Thema machte ihr wohl am meisten zu schaffen.
„...Und was den Kuss angeht … ich glaube nicht, dass du es nötig hast, jemanden mit einem Gefallen zu einem Kuss zu bringen, oder?“
Der kleine Feenmann schmunzelte und zog unschuldig die Schultern in Richtung seiner spitzen Ohren. Er sah wirklich nicht so auch, als ob er es „nötig“ hätte, aber er schien es wohl trotzdem so zu wollen.
„Davon ab – solltest du das nicht besser mit einer Fee tun? Ich bin … ich weiß nicht … fünfmal so groß wie du? ...“
Arun musterte sie von oben bis unten, spreizte seine Hände vorm Körper und zählte dabei eher sogar acht oder 10 Finger ab. Wenn man seine Flügelspannweite schätzte, so waren diese ungefähr 20 Finger groß. Maß man aber nur den Körper... oh, dann wohl nur knapp 10cm. Er war einfach nur ein über großer Schmetterling! Die Vorstellung, dass ein Mensch und eine Fee...also, dass sie... Es ging einfach nicht in Gwynns Kopf! Es war unmöglich!
„... Ich meine … wie soll das … und meine Oma und dein Va … das geht überhaupt nicht!“
Er grinste nur ein bisschen mystisch und verschränkte die Arme vor der winzigen, aber doch recht muskulös definierten Brust. Sie schweifte unwillkürlich ab, da Aruns bildhafte Enthüllung sie noch immer schwer beschäftigte. Sie blinzelte einige Male und rang um Worte, während ihre Gedanken sich munter im Kreis drehten. An sich war ein Kuss ja gar nicht schlimm … eher gefährlich für den Feerich … nicht das sie ihm versehentlich weh tat. Sie könnte ihn schlimmsten Falls verschlucken! Aber vermutlich war es mehr, wie einer Katze einen Kuss zu geben … wenn die Katze aussah wie ein gut aussehender Miniaturmensch mit Flügeln und grünen Haaren. Möglicherweise hinkte der Vergleich etwas… auf jeden Fall musste es einen Haken geben!
„Jedenfalls … jedenfalls will ich wissen, wo der Haken ist! Ich meine … meinetwegen gebe ich dir einen Kuss … solange es nicht zu peinlich ist!“
Arun blinzelte an dieser Stelle kurz verstimmt und presste die Lippen aufeinander.
„... Aber … ich will zuerst wissen wo der Haken ist!“
, stellte sie fest und räusperte sich, dann straffte sie die Schultern und versuchte sich in einem entschlossenen Blick und atmete tief durch.
„Also … das sind meine Bedingungen! Ich will den Haken wissen, Arbor muss zustimmen und es darf ihm nicht Schaden, die Blume für dich wachsen zu lassen – also nicht jedes Mal wenn du her kommst!“
Stellte sie fest und fügte dann noch hinzu.
„Und ich möchte von dir wissen, was denn bitte der dritte Gefallen sein soll!“
Erfüllte er alle Bedingungen und Änderungen zu ihrer Zufriedenheit, war sie bereit ein zu schlagen. Ansonsten galt es entweder zu verhandeln oder eben abzulehnen.

Arun grinste.
„Ganz schön viel Grips in dem Menschenhirn! Du bist gut! Es gefällt mir sehr, wenn süße Dinge auch noch schlau sind. Macht dich noch viel interessanter!“
Na ob das so gut war, wenn er sie NOCH interessanter fand? Er hörte auf zu lächeln und schien nun sehr geschäftsmäßig in der Luft auf und abzulaufen. Dabei ob er den ersten Finger und begann:
„Zum ersten Punkt!“
Er zeigte mit dem soeben gehobenen Finger in Richtung Haus, wo Arbor und Arienh seit ein paar Minuten weilten.
„Wir lassen den kleinen Seelenbaum entscheiden, wann er seine Blüten treibt und jedes Mal wenn er dies tut, werde ich da sein und dich unterrichten. Damit bin ich auch einverstanden. ...Zweitens: ...“
Der nächste Finger wanderte in die Höhe und er machte dann damit eine Geste, die wohl Gwynns Lippenform umschrieb.
„Für mein Schweigen und deinen, sowie Arienhs, dadurch weiter bestehenden Frieden vor meinem Volk hier an diesem Ort, erhalte ich einen Kuss zu einer Zeit und einem Ort meiner Wahl. Ob dieser dir nun peinlich sein wird oder nicht, darauf habe ich keinen Einfluss und dieses Gefühl ist somit nicht als Ausschlusskriterium verhandelbar. Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen, süßes Ding!“
Die letzten seiner Worte hatte er wie eine Liebkosung ausgesprochen. Auch wenn ein „Ding“ allein vielleicht nicht ganz so nett klang, so war es der Klang seiner Stimme und der intensive Blick seiner warmen Augen, der das Süße in seinen Worten hervorhob und ihre Sinne tanzen ließ. Warum mussten sie auch darüber reden und verhandeln?! So steigerte sich doch nur die Vorfreude...Furcht?...die Aufregung vor dem eigentlichen Akt. Ein Kuss war nur das aufeinander drücken von Lippen. Das hatte Gwynn schon ein paar mal gesehen und auch innerhalb der Familie selbst gespürt. ...obwohl da meist mehr auf Wangen oder Stirn. Warum machte er daraus nur ein so großes Ding? Vielleicht wäre es besser, sie würden es schnell hinter sich bringen. Aber nein, er wollte wann und wo bestimmen. Der keine Herr lief weiter auf und ab und landete ganz nebenbei auf dem Holm des Brunnens. Nun streckte er den dritten Finger in die Höhe.
„Weil wir doch Freunde sind, so habe ich nur zwei Gefallen für drei Dienste gefordert, womit der dritte Dienst an Wehrt verliert und so auch für die Verhandlungssache die Bedeutung erlischt.“
Er stemmte zufrieden die Hände in die Hüften und nickte.
„Also, ich bin sehr zufrieden mit unserer Abmachung.“
War jetzt plötzlich kein Handschlag mehr von Nöten? Hatte sie zugestimmt? Es schien fast so... Oder er glaubte es. Dann schlug er sich plötzlich mit der flachen Hand an die Stirn.
„Jetzt hätte ich fast den Haken vergessen! Ich Schussel! Hahahhaa!“
Sein Lachen klang ungewöhnlich klar für ein so kleines Wesen und erfüllte die Natur um ihn herum mit Freude und einer Leichtigkeit, die schon fast berauschend war.
„Er befindet sich links neben der Eingangstür.“
...Moment!...
WAS?...
Gwynn brauchte eine Sekunde, bis sie verstand, was er meinte. Der Kleiderhaken ihrer Großmutter befand sich tatsächlich links hinter der Eingangstür, wenn man die kleine Hütte betrat. Sie pflegte dort immer ihren Mantel aufzuhängen, wenn sie nach kalten Tagen von draußen kam und strich dann immer irgendwie verträumt die Falten glatt. Das der kleine Feerich wusste, wo DIESER Haken sich befand, war nur ein weiterer Beweis, dass er schon einmal hier gewesen sein musste...und sogar im Haus gewesen war. Arun lächelte nur und zwinkerte ihr abermals mit seinen warmen Augen zu. Er lachte noch einmal und irgendwo blühte ein Knospe an einer Pflanze auf, die zuvor sich schon sich für den Winter zu Ruhe gelegt hatte. Sein Einfluss auf seine Umwelt war gerade spürbar und Gwynn verstand, warum die Feen die Wächter des Waldes waren. Ihre Gegenwart, ihr Lachen ließ die Welt erblühen. Arun hatte sich auf dem Querholm über dem Brunnen nieder gelassen und schaukelte mit den Füßen.
„Aber ich bin mir fast sicher, dass du diesen Haken nicht gemeint hast.“
Er breitete versöhnlich die Arme aus und setzte zu einer Erklärung an:
„ Der Haken, den du meinst ist doch offensichtlich. Er ist ...“
Weiter kam er jedoch nicht, denn Arienh, gefolgt von Arbor kamen aus dem Haus.
„Ah, mein Honig!“
Mit diesem Ausruf flog er auf und landete auf dem Topf, den Gwynns Großmutter eilig auf der Bank abstellte, damit er nicht womöglich noch auf ihrem Arm landete. Arienh beobachtete den Feerich aus dem Augenwinkel, wie er sich Kopf über in der süßen Creme versenkte und näherte sich ihrer Enkelin. Sie lehnte sich zu ihr und flüsterte:
„Sei bloß vorsichtig mit dem Feenvolk. Pass auf, was du zu ihnen sagst. Auch wenn sie nicht lügen, so sind es doch gerissene kleine Geister. Ach ja, und bedanke dich niemals bei ihnen, sonst schuldest du ihnen schneller einen Gefallen, als dir lieb ist! Und glaube mir, du willst einer Fee keinen Gefallen schulden.“
Sie schaute mürrisch zu dem Feerich, doch irgendetwas ließ Gwynn die ernste Fassade der alten Frau auch durchschauen. Lag da ein winziges Schmunzeln um ihre Lippen? Es blieb dort kaum eine Sekunde und es war, als amüsierte sie sich über etwas, was sie vor langer Zeit erlebt hatte. Auch ihre Augen lachten mit und so schlecht konnten die Erinnerungen gar nicht sein, wenn sie die Iriden Arienhs so zum Funkeln bringen konnten. Was für Abenteuer ihre Oma wohl schon mit dem Feenvolk erlebt hatte? Gwynn hätte sie sicher gern danach gefragt, doch gerade jetzt war nicht der Zeitpunkt. Es dauerte kaum zwei Atemzüge, da hatte der Feerich den ganzen Honigtopf geleert und leckte sich gerade noch alle zehn Finger ab. Rein logisch war das ganze nicht möglich, zumal das Fassungsvermögen des Honigtopfes deutlich mehr Volumen eingenommen hatte, als jemals in diesen kleinen Körper hinein gepasst hätte. Trotzdem war das Gefäß jetzt leer und der Feerich erstaunlich sauber für jemanden, der sich kopfüber in Honig getaucht hatte. Magie?
Fee?!?
Arun war mit seiner Mahlzeit fertig und flog leicht pendelnd durch die Luft auf die beiden Frauen zu. Gut zwei Armeslängen blieb er in der Luft hängen.
„Die Damen, ich ergötzte mich sehr an euer Gesellschaft und an eurer Gastfreundschaft. Es war mir ein Vergnügen. Ich werde euch nun nicht länger von eurem Freundbringer - Tagewerk abhalten.“
Er verbeugte sich abermals und Arienh schien erleichtert, dass er wohl vor hatte zu gehen.
„Grüße an die Familie.“
, erwiderte die alte Frau.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Sonntag 9. September 2018, 22:20

Irgendwie schaffte es der wirklich wirklich kleine Feerich, dass SIE sich klein fühlte. Und außerdem wollten ihre Wangen nicht aufhören zu glühen. Sie hatte verhandelt und Arun hatte sie ernst genommen und ihr sogar ein Kompliment gemacht. Irgendwie. Es war schön, dass er sie hübsch und Klug fand, aber irgendwie hatte er es sehr seltsam formuliert.

„Also, ich bin sehr zufrieden mit unserer Abmachung.“
War jetzt plötzlich kein Handschlag mehr von Nöten? Hatte sie zugestimmt? Es schien fast so... Oder er glaubte es. Dann schlug er sich plötzlich mit der flachen Hand an die Stirn.
„Jetzt hätte ich fast den Haken vergessen! Ich Schussel! Hahahhaa!“
Sein Lachen klang ungewöhnlich klar für ein so kleines Wesen und erfüllte die Natur um ihn herum mit Freude und einer Leichtigkeit, die schon fast berauschend war.
„Er befindet sich links neben der Eingangstür.“
...Moment!...
WAS?...
Gwynn brauchte eine Sekunde, bis sie verstand, was er meinte. Der Kleiderhaken ihrer Großmutter befand sich tatsächlich links hinter der Eingangstür, wenn man die kleine Hütte betrat. Sie pflegte dort immer ihren Mantel aufzuhängen, wenn sie nach kalten Tagen von draußen kam und strich dann immer irgendwie verträumt die Falten glatt. Das der kleine Feerich wusste, wo DIESER Haken sich befand, war nur ein weiterer Beweis, dass er schon einmal hier gewesen sein musste...und sogar im Haus gewesen war. Arun lächelte nur und zwinkerte ihr abermals mit seinen warmen Augen zu. Er lachte noch einmal und irgendwo blühte ein Knospe an einer Pflanze auf, die zuvor sich schon sich für den Winter zu Ruhe gelegt hatte. Sein Einfluss auf seine Umwelt war gerade spürbar und Gwynn verstand, warum die Feen die Wächter des Waldes waren. Ihre Gegenwart, ihr Lachen ließ die Welt erblühen. Arun hatte sich auf dem Querholm über dem Brunnen nieder gelassen und schaukelte mit den Füßen.
„Aber ich bin mir fast sicher, dass du diesen Haken nicht gemeint hast.“
Er breitete versöhnlich die Arme aus und setzte zu einer Erklärung an:
„ Der Haken, den du meinst ist doch offensichtlich. Er ist ...“
Weiter kam er jedoch nicht, denn Arienh, gefolgt von Arbor kamen aus dem Haus.
„Ah, mein Honig!“


Fast hätte Gwynn vor Frustration laut aufgeschrien. Was, was nun war der Haken!!!! Und jetzt konnte sie nicht mehr fragen, wo ihre Großmutter da war!

Mit diesem Ausruf flog er auf und landete auf dem Topf, den Gwynns Großmutter eilig auf der Bank abstellte, damit er nicht womöglich noch auf ihrem Arm landete. Arienh beobachtete den Feerich aus dem Augenwinkel, wie er sich Kopf über in der süßen Creme versenkte und näherte sich ihrer Enkelin. Sie lehnte sich zu ihr und flüsterte:
„Sei bloß vorsichtig mit dem Feenvolk. Pass auf, was du zu ihnen sagst. Auch wenn sie nicht lügen, so sind es doch gerissene kleine Geister. Ach ja, und bedanke dich niemals bei ihnen, sonst schuldest du ihnen schneller einen Gefallen, als dir lieb ist! Und glaube mir, du willst einer Fee keinen Gefallen schulden.“


Mit mühe und Not beherrschte Gwynn ihre Mimik um zu verhindern, dass alles an ihr still ‚Oups‘ schrie. Etwas zögernd schüttelte sie den Kopf, um ihrer Großmutter zu verdeutlichen, dass sie verstanden hatte.

Arienh schaute mürrisch zu dem Feerich, doch irgendetwas ließ Gwynn die ernste Fassade der alten Frau auch durchschauen. Lag da ein winziges Schmunzeln um ihre Lippen? Es blieb dort kaum eine Sekunde und es war, als amüsierte sie sich über etwas, was sie vor langer Zeit erlebt hatte. Auch ihre Augen lachten mit und so schlecht konnten die Erinnerungen gar nicht sein, wenn sie die Iriden Arienhs so zum Funkeln bringen konnten. Was für Abenteuer ihre Oma wohl schon mit dem Feenvolk erlebt hatte? Gwynn hätte sie sicher gern danach gefragt, doch gerade jetzt war nicht der Zeitpunkt. Es dauerte kaum zwei Atemzüge, da hatte der Feerich den ganzen Honigtopf geleert und leckte sich gerade noch alle zehn Finger ab. Rein logisch war das ganze nicht möglich, zumal das Fassungsvermögen des Honigtopfes deutlich mehr Volumen eingenommen hatte, als jemals in diesen kleinen Körper hinein gepasst hätte. Trotzdem war das Gefäß jetzt leer und der Feerich erstaunlich sauber für jemanden, der sich kopfüber in Honig getaucht hatte. Magie?
Fee?!?
Arun war mit seiner Mahlzeit fertig und flog leicht pendelnd durch die Luft auf die beiden Frauen zu. Gut zwei Armeslängen blieb er in der Luft hängen.
„Die Damen, ich ergötzte mich sehr an euer Gesellschaft und an eurer Gastfreundschaft. Es war mir ein Vergnügen. Ich werde euch nun nicht länger von eurem Freundbringer - Tagewerk abhalten.“
Er verbeugte sich abermals und Arienh schien erleichtert, dass er wohl vor hatte zu gehen.
„Grüße an die Familie.“
, erwiderte die alte Frau.


Jetzt geht er schon? Aber er wollte mir doch noch den Haken verraten! Menno!
Sie war tatsächlich etwas traurig, dass er wieder ging. Gerade hatte sie irgendwo ihren Mut gefunden, da verschwand er schon. Und obwohl in ihr ein paar Alarmglocken schrillten war er doch ohne Zweifel ungemein interessant!!! Und natürlich hatte ihre Großmutter sicher Recht damit, den Feen besser keinen Gefallen zu schulden. Aber so, wie sie aussah, hatte sie das selbst schon einmal getan. Und hier war sie, immer noch putzmunter und fröhlich, so schlimm konnte es also doch nicht sein!
Vielleicht würde der Haken ja das Beste an den Gefallen sein.
„Auf Wiedersehen Arun.“
Sprach Gwynn und meinte es so. Sie freute sich auf seinen nächsten Besuch – und sie würde sich darauf vorbereiten, indem sie ihrer Großmutter so lange Löcher in den Bauch fragte, bis sie alles Interessante über Feen und ihre Erlebnisse mit dem Feenkönig ausgespuckt hatte!
Sie würde abwarten, bis der Feerich außer Hörweite war und dann mit den Fragen starten:
Als erstes wollte sie wissen, was Arienhs Erfahrungen mit ‚Gefallen‘ waren, dann, was da mit Aruns Vater gewesen war, und dann, wie das alles mit den Größenunterschieden funktionieren konnte. (einer von Beiden musste schrumpfen oder wachsen, richtig?!)

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. September 2018, 10:05

„Auf Wiedersehen Arun.“
Sprach Gwynn und meinte es so. Sie freute sich auf seinen nächsten Besuch.
Der Feerich lächelte keck und machte eine formvollendete Verbeugung, die nun in einem Salto endete. Danach stieg er mit ein paar schnellen Flügelschlägen auf und Licht schien sich um ihn zu ballen, dann zerplatzte sein Bild, wie eine Seifenblase und ein kleiner Lichtpunkt blieb zurück der eilig davon schwebte. Eine Weile standen sie still nebeneinander und beobachteten die Bäume, doch schnell hatten sie ihn zwischen dem Blattwerk aus den Augen verloren und Gwynn bereitete sich innerlich schon mal darauf vor, ihrer Großmutter so lange Löcher in den Bauch zu fragen, bis sie alles Interessante über Feen und ihre Erlebnisse mit dem Feenkönig ausgespuckt hatte! Sie wartete bis der Feerich außer Hörweite war, um dann mit den Fragen zu starten. Als erstes wollte sie wissen, was Arienhs Erfahrungen mit ‚Gefallen‘ waren.
„Gefallen... ja... das ist so eine Sache bei den Feen.“
, begann die alte Frau. Sie ging ein paar Schritte zu der Gartenbank, nahm Platz und klopfte neben sich, damit ihre Enkelin sich zu ihr setzte.
„Man könnte meinen diese kleinen Wesen wären Geschöpfe Manthalas, nicht Florencias, wenn sie ihre Verträge aushandeln... Sie sind sehr gewitzt und achten stets auf ihren Vorteil. Sie sind nicht böse oder so, denk das nicht... aber sie sind auch frech und übermütig, wenn es um den Umgang mit uns „Freundbringern“ geht. Ich glaube, sie nennen uns so, weil wir ihnen „Spaß“ machen.“
Arienh sah zur Seite und damit ihre Enkelin nachdenklich an.
„Ich glaube, der gute Arun hat ein Auge auf dich geworfen und ich weiß noch nicht, ob das gut ist, oder mehr Probleme als Segen mit sich bringt....“
Ihre Finger nestelten an einer Naht ihres Rocks.
„Habt ihr euch unterhalten während ich drin war? Wenn dem so war, dann wünschte ich, du würdest es mir erzählen... aber... Ich verstehe auch, das man als junger Mensch seine eigenen Erfahrungen machen muss. Ich war schließlich auch mal jung und durch kleine Fehler lernt man am besten.“
Bei den letzten Worten unterdrückte sie eindeutig ein Kichern. Kichern! Großmütter kicherten doch nicht, oder?!
„Ich möchte dir keine Erfahrung vorenthalten, aber wenn du mich lässt, dann steh ich dir immer mit meinem Rat zur Seite. Nur manche Entscheidungen muss man halt alleine fällen und du bist nun alt genug um das auch zu tun. Bezüglich des Feenvolks... nun ja, da sind Entscheidungen nicht immer nur einseitig... aber ich fasel und verzettel mich. Was wolltest du wissen? Ach ja, die Gefallen der Feenmänner! Oh je...“
Ein wehmütiges Schmunzeln lach auf ihren Lippen und sie seufzte ganz in Gedanken versunken. Dann kam sie wieder zu sich und fuhr fort:
„Gefallen... die sind bei ihnen wie Verträge. Man schuldet ihnen manchmal schneller einen, als man denkt, denn ihre Regeln und Gesetzte sind ..weich und wandelbar. Sie sind gute Redner und schnell glaubt man ihnen alles. Sie sind charmant und ja auch nett anzusehen. Ihre Magie tut ihr übriges um sie äußerst anziehend zu machen...“
Während sie so sprach klang es fast so, als würde sie sich für ihre jugendlichen Leichtsinn rechtfertigen wollen, aber sie lächelte dabei, also konnte es wohl doch nicht so schlimm gewesen sein.
„Das mit dem „Bedanken“ hab ich früh lernen müssen. Ich war damals im Wald unterwegs gewesen um Kräuter zu sammeln... Da war diese Wurzel gewesen. ...Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob ER vielleicht sogar dafür gesorgt hat, dass sie sich hebt und ich falle... Na ja, auf jeden Fall stolperte ich und mein Fuß verfing sich. Es tat nicht sonderlich weh, aber ich klemmte fest. Eine Weile versuchte ich alleine frei zu kommen, dann fing ich an um Hilfe zu rufen. Das lockte einen Wolf an und ich bekam natürlich Angst. Er wirkte nicht wirklich bedrohlich... eher desinteressiert...aber dann tauchte dieser Feenmann auf und verjagte ihn. Er war mein Held, so glaubte ich und ich bedankte mich...Tja. So war das. Schon schuldete ich ihm einen Gefallen. Seit dem formuliere ich meinen Danke grundsätzlich lieber so: **Ich freue mich über deine Hilfe** oder **Deine Unterstützung war nötig und willkommen**. Einer Fee zu „Dank“ verpflichtet zu sein, ist halt so eine Sache. Sie verlangen halt immer eine Gegenleistung. Das ist halt ihre Art das Gleichgewicht der Natur wieder her zu stellen. Dabei sind sie selten bösartig... nur … etwas frech vielleicht.“
Da war es wieder, dieses Schmunzeln. Da Gwynn aufmerksam zugehört hatte, war es ein guter Zeitpunkt Arienh zu fragen, ob der Feerich von dieser Geschichte Aruns Vater der Feenkönig gewesen war. Ihre alte Großmutter kicherte wie ein junges Mädchen und schien sich an etwas schönes zu erinnern. Sie hob die Hände an ihre geröteten Wangen und lachte.
„Oh ja, das war...das ist er. Hihihi...aber damals war er ja noch nicht König.“
Arienh sah ihre Enkelin fragend an.
„Sag, trügt mich mein Gefühl? Findest du Arun anziehend?“
Die leichte Röte auf Gwynns Wangen war vielleicht eine erste Bestätigung ihrer Vermutung, weshalb sie weiter redete:
„Du brauchst dich nicht zu schämen. Das passiert den Besten.“
Sie lächele versöhnlich.
„Auch wenn ich Arun vorhin gegenüber nicht sehr erfreut gewirkt habe, so hab keine Angst vor dem Feenvolk. Sie sind gesegnete Wesen Florencias und wer weiß warum unsere Göttin dir erst einen Sariannenbaum und dann einen Feerich schickt? Sie wird sich schon dabei etwas gedacht haben...oder sie prüft dich.... oder hat einfach ihren Spaß, wer weiß das schon. Aber die Feen werden dir nichts tun... auf jeden Fall nichts schlimmes. So sind sie nicht. Mir hat dieser kleine „Fehler“ damals eine ganze menge Erfahrung gebracht und auch ein paar neue Zauber. Sie sind gute Lehrer, wenn auch auf ungewöhnliche Weise.“
Wieder lächelte sie versonnen und Gwynn versuchte das Gespräch auf den Größenunterschied zu lenken, was Arienh allerdings nur mit einem Schulterzucken beantwortete und einem leisen:
„Größe ist ...relativ. Es kommt auf den Standpunkt an.“
Das waren ihre letzten gewichtigen Worte und mehr war wohl zu diesem Thema erst einmal nicht aus der alten Frau heraus zu holen. Wie genau das Zusammentreffen mit dem damals noch ungekrönten Feenkönig also abgelaufen war, oder um noch mehr Details aus ihrer Großmutter heraus zu bekommen, dafür musste Gwynn wohl genauer nachfragen. Außerdem schien Arienh auch darauf zu warten, dass Gwynn ihrerseits vielleicht etwas erzählte.

Arbor genoss derweil ungerührt von ihrem Gespräch die vielleicht letzten warmen Sonnenstrahlen der voranschreitenden Jahreszeit. Jeden Tag wurde es abends kühler und die Nächte waren schon manchmal empfindlich kalt. Wer hier aufgewachsen war, der fröstelte dann leicht, aber an warmen Tagen wie heute genoss die Flora und Phauna des Waldes die Wärme und das Licht. Der kleine Sariannenbaum planschte mit einen wurzelartigen Füßen in einem Matschloch herum und würde wieder viel Dreck nach drinnen tragen, wenn es Zeit für das Abendessen sein würde. Er wuchs so schnell und das war auch gut, denn wenn man sich nach den Jahreszeiten richten würde, dann würden auch bei ihm bald die ersten Blätter fallen und Gwynns Bauchgefühl sagte, dass ihr Schützling in den kommenden dunklen Tagen ebenso schläfrig sein würde wie der Rest der Welt. Bis dahin sollte er wenigstens seine Sturm und Drang-Phase hinter sich gebracht haben. Aber noch waren die Tage voller Licht und Wärme. Arun würde ihr hoffentlich die Sprache der Baumgeister beibringen und dann könnte sie sich mit ihrem pflanzlichen Freund besser verständigen. Vielleicht alleine deswegen, blieb zu hoffen, dass der Feerich bald wieder kommen würde. Vielleicht aber auch, weil seine Gesellschaft doch eine gewisse Spannung mit sich brachte und Gwynn so jung wie sie war auch neugierig allem Neuen gegenüber stand.

Ein wenig Gartenarbeit und Aufräumen stand noch an und das Befüllen der Säcke mit den Sonnenblumenkernen wartete auch noch. Arienh wollte auch noch teures Öl aus den Kernen herstellen und die Presse dazu stand noch im Schuppen. Sie war schwer und schlecht zu transportieren. Notfalls musste man halt in dem kleinen dunklen Raum arbeiten, aber auch das ginge irgendwie. Der Tag schritt voran und Arienh murmelte beim Kochen einmal leise, als sie glaubte Gwynn wäre noch draußen:
„...wir werden mehr Honig brauchen...!“
Gwynn war gerade herein gekommen und betrachtete den Haken an der Wand hinter der Eingangstür. Er hatte durch Aruns Erwähnung merklich an Aufmerksamkeit gewonnen und sie sah ihn einen Moment lang eindringlich an. Er war aus hellerem Holz als die Wand dahinter gefertigt und mit sehr feinen Verzierungen versehen. Das Holz glänzte und die Schnörkel malten verspielte Schatten in die Maserung. Feenwerk? Die beiden Haken, die von der Grundplatte abgingen lagen diagonal in unterschiedlichen Höhen, asymmetrisch, wild und wie gewachsen. Der untere Hacken war filigraner, wie für eine Frau gemacht, der obere etwas breiter und gröber im Muster. Ob an diesem Oberen mal ein anderer Mantel gehangen hatte? Von einem Mann? Gwynn wusste gar nicht so viel von dem Vorleben ihrer Großmutter, aber wenn sie wollte, dann wäre jetzt wohl ein guter Zeitpunkt dies zu ändern. Arienh füllte Eintopf in hölzerne Schalen und dampfender Duft verteilte sich in der kleinen Hütte. Arbor lag schon schläfrig in seinem Zuber und sie hatten noch ein bisschen Zeit für sich.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Mittwoch 19. September 2018, 23:05

Gwynn lauschte jedem Wort ihrer Großmutter mit gespitzten Ohren und sog die vagen, aber doch äußerst interessanten Informationsfetzen in sich auf. So ‚jung‘ hatte sie die Frau, die sie für gewöhnlich als uralt wahrnahm, noch nie gesehen. Plötzlich konnte sie sich Arienh als junges Mädchen vorstellen. Ob sie damals auch schon so resolut und mutig gewesen war? Oder waren ihre ersten Schritte auch eher schüchtern und unsicher gewesen.

Still nahm sie die Worte ihrer Großmutter in sich auf und empfand große Dankbarkeit dafür, dass sie Gwynn nicht um eine Antwort bedrängte sondern ihr nur ein Angebot zu reden machte. Ihre Lehrmeisterin hatte schnell erkannt, dass die junge Frau sich ein wenig genierte und dass Arienh selbst etwas Verlegenheit empfand, ließen Gwynn auftauen.

Nach der kryptischen Aussage über die Relativität von Größe – was Gwynn ein unzufriedenes brummen entlockte – bedankte sie sich brav. Dann sagte sie kaum hörbar:
„Ich … ich weiß noch nicht, ob ich es dir erzählen kann. Oma. Aber ich denke darüber nach.“
Sie senkte verlegen den Kopf und half ihrer Großmutter bei der Arbeit.

Immer wieder wanderten ihre Gedanken zu Arun, aber auch zu Arbor, mit dem sie sich ungemein gern würde Unterhalten wollte. Was unweigerlich dazu führte, dass sie wieder an Arun und den Kuss dachte. Wenn nicht einer von ihnen Beiden die Größe wechselte, würde dieser ein sehr unzufriedenstellendes Ergebnis haben. Gut – oder schlecht – dass ihre Phantasie kein Problem damit hatte, sie Beide auf die passenden Größen bringen. Wie es wohl war … das mit dem Küssen? Wohl kaum so spektakulär, wie manche Mädchen aus dem Dorf es klingen ließen.

Und was war da mit Arienh und Feenkönig? Das klang fast wie ein Märchen. Eins das sie unbedingt hören musste!!!
So in Gedanken versunken ging der Tag wie im Flug vorbei und schon fand sie sich mit ihrer Großmutter am Tisch zum Abendbrot essen wieder – und etwas musste sie wohl vermuten, denn warum sonst sollten sie mehr Honig benötigen? Oder erwartete sie vielleicht sogar Besuch vom Feenkönig?

Die Sorge und das Misstrauen um den Gefallen waren jedenfalls verflogen.

Sie holte mehrmals tief Luft und stellte fest, dass es gar nicht so leicht war, mit ihrer Großmutter über das Gespräch mit Arun zu reden. Ein bisschen wollte sie es wie ein Geheimnis hüten.
„Ich hab ihn gebeten, niemandem von Arbor zu erzählen …“
Sagte sie leise und sah ihre Großmutter dann besorgt an.
„Und er hat gesagt er bringt mir Abors Sprache bei … aber wollte etwas im Gegenzug … eine Sarienannenblüte, immer dann wenn er uns Besucht.“´

Sie senkte etwas verschämt das Haupt, fügte dann aber hinzu:
„Aber ich habe ihm gesagt, dass ich ihm das nicht verspreche, weil es Arbor doch so viel Kraft kostet, und dass wir Acht geben müssen, dass es ihm nicht schadet… und … und …“
Sie seufzte und starrte hinab zu ihren Händen, die sie in ihre Tunika gekrallt hatte.

„Und er hat gesagt er will mich Küssen – oder ich ihn …. Zu einem von ihm gewünschten Zeitpunkt …“
Ihre Wangen brannten wieder und sie biss sich in die Wangenseite. Dann blickte sie vorsichtig zu Arienh hoch.
„Er hat gesagt, er findet mich hübsch … das hat noch niemand gesagt – außer Papa und der zählt nicht. Warum ist der erste Junge, der mich mag, eine Fee? Und weist du wie alt Arun ist?“

Sie würde natürlich auch noch Arienh über ihre Feengeschichten ausfragen, aber zuerst gedachte sie, etwas von sich aus an Informationen zu geben.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Samstag 22. September 2018, 12:45

Am Abend saßen die beiden Frauen zusammen und genossen den Eintopf und die Zweisamkeit. Gwynn holte mehrmals tief Luft und stellte fest, dass es gar nicht so leicht war, mit ihrer Großmutter über das Gespräch mit Arun zu reden. Ein bisschen wollte sie es wie ein Geheimnis hüten.
„Ich hab ihn gebeten, niemandem von Arbor zu erzählen …“
Sagte sie leise und sah ihre Großmutter dann besorgt an. Diese hob den Kopf langsam und sah sie dann aufmerksam an. Ihr Blick war milde und die Brauen leicht gehoben, so als wartete sie, was da noch kommen würde, also sprach Gwynn weiter:
„Und er hat gesagt er bringt mir Abors Sprache bei … aber wollte etwas im Gegenzug … eine Sarienannenblüte, immer dann wenn er uns besucht.“´
Arienhs Brauen wanderten ein kleines Stück weiter nach oben. Fragend sah sie sie an und Gwynn senkte etwas verschämt das Haupt, fügte dann aber hinzu:
„Aber ich habe ihm gesagt, dass ich ihm das nicht verspreche, weil es Arbor doch so viel Kraft kostet, und dass wir Acht geben müssen, dass es ihm nicht schadet… und … und …“
Sie seufzte und starrte hinab zu ihren Händen, die sie in ihre Tunika gekrallt hatte.
„Das war gut. Du hast sehr fürsorglich und in Abors Sinne gehandelt.“
, war die kurze Antwort. Arienh sah auf das gesenkte Haupt ihrer Enkelin hinab und ahnte, dass da noch mehr war. Sie rückte mit ihrem Stuhl etwas näher und streichelte sanft ihren Arm.
„Und er hat gesagt er will mich Küssen – oder ich ihn …. Zu einem von ihm gewünschten Zeitpunkt …“
Ihre Wangen brannten wieder und sie biss sich in die Wangenseite. Dann blickte sie vorsichtig zu Arienh hoch. Das Streicheln hatte aufgehört. Die Hand ruhte still auf ihrem Arm und die Brauen ihrer Großmutter hatten sich fast bis zu ihrem Haaransatz hinauf gezogen, wodurch ihre Augen riesig wirkten.
„Er hat gesagt, er findet mich hübsch … das hat noch niemand gesagt – außer Papa und der zählt nicht. Warum ist der erste Junge, der mich mag, eine Fee? Und weist du wie alt Arun ist?“
Gwynn wollte natürlich auch noch Arienh über ihre Feengeschichten ausfragen, aber zuerst gedachte sie, etwas von sich aus an Informationen zu geben.
Arienh schien in ihrem Erstaunen einen Moment gefangen gewesen zu sein, denn sie blinzelte ein paar mal schnell bevor sie mit einem voran gesetzten Räuspern antwortete:
„Krmmm...ja, also...wie alt Arun ist? Ich weiß es nicht... Feen können sehr alt werden, nahezu unsterblich, soweit ich weiß. Aber das hat nichts zu sagen. Manche können noch mit 100 Jahren wahre Kindsköpfe sein und ihre Streiche spielen. Erwachsen werden sie wohl nie...“
Ihre Annahmen bezogen sich anscheinend auf ihr Wissen um den jungen Feenkönig und wie er wohl damals gewesen war.
„Er … will dich küssen... weil du ihm einen Gefallen schuldest...?“
, fragte sie vorsichtig und Gwynn nickte zögerlich. Es brachte nichts, ihre Oma was vor zu machen. Sie sah mit immernoch weit hochgezogenen Brauen auf die Tischplatte und sammelte in Gedanken versunken Krümel zusammen.
„...zu einem von ihm bestimmten Zeitpunkt...“
Plötzlich stand sie auf und ging ans Fenster, öffnete die Läden und lehnte sich hinaus um den Himmel zu betrachten.
„Bald ist Neumond... Samhain... das Mondfest der Feen...“
Sie drehte sich wieder zu Gwynn um und sah in ihr fragendes Gesicht.
„Das ist eine Tradition bei den Feen. Es fällt immer auf den ersten Neumond zu Beginn der dunklen Zeit, wenn die Natur sich langsam schlafen legt. Man verabschiedet sich vom Überfluss, den Florencia und geschenkt hat, ist dankbar, singt, tanzt und... Es dauert drei Tage lang und der Schleier zwischen den Welten ist dann besonders dünn, somit die Reise unter die Feenhügel besonders leicht. Vielleicht will er dich dazu einladen...was eine große Ehre wäre...aber halt auch nicht ganz ungefährlich. Die alten Geschichten sagen, dass jeder der einmal mit den Feen getanzt hat, nie mehr zurück gekommen ist....“
Arienh grinste in diesem Moment schelmisch und zuckte mit den Schultern.
„Aber das sind nur Geschichten, von Leuten die es nicht besser wissen. Die die es besser wissen , reden nur nicht darüber!“
Sie zwinkerte Gwynn zu und drehte sich einmal mit weit ausgebreiteten Armen im Kreis. Als sie wieder stehen blieb, meinte sie dann jedoch ernst:
„Falls er dich dazu einlädt, dich dorthin mit nimmt, dann pass nur auf, dass du ihn dazu kriegst, dass er dich auch nach drei Tagen wieder zurück bringt! Du bist ein Mensch und nicht gemacht für seine Welt. Das musst vorsichtig sein! Ich will meine Enkelin nicht an die Feen verlieren, verstanden?!“
Sie griff nach einem Becher auf dem Tisch und nahm einen großen Schluck. Dann sah sie Gwynn aufmerksam an.
„Er hat also gesagt, dass er dich hübsch findet... so so... und... wie findest du ihn so?“
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Sonntag 14. Oktober 2018, 14:39

Arienh schien in ihrem Erstaunen einen Moment gefangen gewesen zu sein, denn sie blinzelte ein paar mal schnell bevor sie mit einem voran gesetzten Räuspern antwortete:
„Krmmm...ja, also...wie alt Arun ist? Ich weiß es nicht... Feen können sehr alt werden, nahezu unsterblich, soweit ich weiß. Aber das hat nichts zu sagen. Manche können noch mit 100 Jahren wahre Kindsköpfe sein und ihre Streiche spielen. Erwachsen werden sie wohl nie...“
Ihre Annahmen bezogen sich anscheinend auf ihr Wissen um den jungen Feenkönig und wie er wohl damals gewesen war.
„Er … will dich küssen... weil du ihm einen Gefallen schuldest...?“
, fragte sie vorsichtig und Gwynn nickte zögerlich. Es brachte nichts, ihre Oma was vor zu machen. Sie sah mit immernoch weit hochgezogenen Brauen auf die Tischplatte und sammelte in Gedanken versunken Krümel zusammen.
„...zu einem von ihm bestimmten Zeitpunkt...“
Plötzlich stand sie auf und ging ans Fenster, öffnete die Läden und lehnte sich hinaus um den Himmel zu betrachten.
„Bald ist Neumond... Samhain... das Mondfest der Feen...“
Sie drehte sich wieder zu Gwynn um und sah in ihr fragendes Gesicht.
„Das ist eine Tradition bei den Feen. Es fällt immer auf den ersten Neumond zu Beginn der dunklen Zeit, wenn die Natur sich langsam schlafen legt. Man verabschiedet sich vom Überfluss, den Florencia und geschenkt hat, ist dankbar, singt, tanzt und... Es dauert drei Tage lang und der Schleier zwischen den Welten ist dann besonders dünn, somit die Reise unter die Feenhügel besonders leicht. Vielleicht will er dich dazu einladen...was eine große Ehre wäre...aber halt auch nicht ganz ungefährlich. Die alten Geschichten sagen, dass jeder der einmal mit den Feen getanzt hat, nie mehr zurück gekommen ist....“
Arienh grinste in diesem Moment schelmisch und zuckte mit den Schultern.
„Aber das sind nur Geschichten, von Leuten die es nicht besser wissen. Die die es besser wissen , reden nur nicht darüber!“


Es war eine Erleichterung zu sehen, dass Arienh nur überrascht und nicht erzürnt über Gwynns Entscheidungen war. Ihr sogar zu verstehen gab, dass sie nicht falsch gehandelt hatte!
Neugierig lauschte sie ihrer Großmutter und ihr Augen wurden groß, als sie vom Samhain Fest zu erzählen begann.
Mich? Er …er will mich in die Feenwelt mitnehmen?
Ein kleiner Wirbelsturm aus Gefühlen entfaltete sich in dem Geist der Jugendlichen und als er sich legte, kam ihr nur ein Gedanke.
Großartig!!!
Aufregung ließ sie etwas wibbelig werden und am liebsten wäre sie los marschiert um den Feenjungen zu verkünden, dass sie gleich los legen könnten!
Also in die Feenwelt gehen … nicht das Andere … oder … doch?

Sie zwinkerte Gwynn zu und drehte sich einmal mit weit ausgebreiteten Armen im Kreis. Als sie wieder stehen blieb, meinte sie dann jedoch ernst:
„Falls er dich dazu einlädt, dich dorthin mit nimmt, dann pass nur auf, dass du ihn dazu kriegst, dass er dich auch nach drei Tagen wieder zurück bringt! Du bist ein Mensch und nicht gemacht für seine Welt. Das musst vorsichtig sein! Ich will meine Enkelin nicht an die Feen verlieren, verstanden?!“


Sie hat Recht ... ich darf dort nicht zulange verweilen, sonst bleibe ich dort vielleicht ewig … oder komme erst in Hundert Jahren zurück oder so!
Ihre Vorfreude legte sich wieder etwas und sie bemühte sich, die vernünftige kleine Person zu sein, die sie für gewöhnlich war. Pflichtbewusst, Eifrig, Vorsichtig und verlässlich. Das waren die Attribute, die sie mit sich verknüpfen wollte, nicht wild und den Kopf voller Dummheiten. Sie musste sich doch als Schülerin würdig erweisen!
Gwynn hörte auf, auf der Bank herum zu rutschen und lauschte Arienh weiter. Sie musste ihre Großmutter unbedingt dazu bringen, aus dem Nähkästchen zu plaudern!
„Wenn er mich wirklich mit nehmen will, gebe ich auf mich acht, Oma.“

Arienh griff nach einem Becher auf dem Tisch und nahm einen großen Schluck. Dann sah sie Gwynn aufmerksam an.
„Er hat also gesagt, dass er dich hübsch findet... so so... und... wie findest du ihn so?“


Gwynn blinzelte überrascht und hob die Augenbrauen.
Ja, wie finde ich ihn überhaupt?
Sie verzog den Mund nachdenklich und sah einen Moment mit zusammen gekniffenen Augen an die Decke.
„Er ist süß … irgendwie etwas erwachsener als die Jungs aus dem Dorf … nicht nur süß.“
Korrigierte sie sich.
„Er sieht sehr gut aus … und er ist ziemlich Frech … ich weis nicht, das klingt irgendwie albern, aber ich hab ein bisschen Angst vor ihm … irgendwie hat er etwas an sich … ich hab so ein komisches Gefühl im Magen, wenn ich an ihn denke und es war schlimmer, als ich mit ihm gesprochen hab… so als wäre es nicht sicher, ihm zu vertrauen.“
Sinnierte sie, und versuchte das schwer fassbare Gefühl in Worte zu fassen.
„Nicht so, als würde er mir ein Leid antun wollen oder als wäre er böse oder so. Nur, als ob er sich einfach nicht so sehr darum kümmert, was mit anderen ist.“
Sie sah ein bisschen unglücklich drein.
„Ich tue ihm unrecht. Er war wirklich nett und will bestimmt nur helfen. Vielleicht bin das auch nur ich und Jungs … egal wie groß sie sind, irgendwie bringen sie mich aus dem Konzept.“
Sie fuhr mit dem Finger über eine der Kerben auf der Holzplatte.
„Ich wette es ist ziemlich aufregend ihn zu Küssen.“
Teilte sie der Holplatte mit.

„Oma, würdest du mir mehr von Aruns Großvater erzählen? Wie ihr Euch kennen gelernt habt und wie ihr Freunde wurdet?“
Jetzt sah sie ihre Großmutter wieder direkt an. Ihre Augen leuchteten vor Neugierde.

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