Am Ende fängt alles an...

Dieses Dorf beweist, dass unterschiedliche Rassen auch friedlich miteinander leben und auskommen können. Menschen und Elfen haben sich zusammengetan und dieses Dorf geschaffen. Im Einklang und friedlicher Harmonie hilft man sich gegenseitig.
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Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. April 2023, 13:21

Rhuna kommt von: Der Zauber, der uns innewohnt

Die vier Elfen liefen beinahe den Weg zurück, denn die Gewissheit, dass Avalinn nicht wohlauf war, wog schwer. Ein jeder mochte sie und sie handelte stets nur im Guten, sodass es außer Frage stand, helfen zu wollen! Selbst Yedan überschritt das Verbot, sich nicht im Dorf aufhalten zu dürfen, doch er erntete nicht mal missbilligende Blicke. Das Dorf war bereits auf den Beinen und einige Schaulustige hatten sich auf den Weg zum toten Baum gemacht. Sie mussten sich ein wenig durch deren starrende Körper drängeln, um nach vorn zu gelangen. Dort aber bot sich ein entsetzliches Bild: Avalinn’s schmaler Leib, gehüllt in das Kleid, das sie am Abend zuvor noch trug, hing mit dem Rücken am Baum und wurde durch zahlreiche dornige Ranken an Armen und Beinen dort gehalten. Ein rhythmisches Pulsieren raubte ihr stetig die Farbe und schien irgendetwas abzusaugen. Der Kontrast war gewaltig. Die Elfe wirkte leichenblass, fast weiß und ihre Haare verloren mehr und mehr das hübsche Braun. Die Augen waren geschlossen, die Lippen blass und spröde. Ihr Kopf wurde ebenfalls an die Rinde gedrückt, während sich eine Ranke über ihre Stirn geschoben hatte. Sie wies offenkundig keine Verletzungen auf, doch auf Ansprache reagierte sie nicht. Ihre Füße hingen schlaff und barfuß hinab, während sich auf dem Boden die schwarze Dürre ausgebreitet hatte. Rhuna konnte erkennen, dass sich links und rechts etwaige vorhandene Blumen und grüne Büschel bereits zu braunen, verdorrten Pflanzen entwickelt hatten und der schwarzen Pest anheimfielen. Stimmengemurmel drang von den Umstehenden. Ein jeder wirkte entsetzt und teilweise erschrocken und hilflos. Was ging hier vor sich?! Dann aber bewegte sich plötzlich etwas unterhalb der Erde. Einige der sarischen Elfen hatten sich vorgewagt, um der eldorischen Heilerin zur Hilfe zu kommen, doch das duldete der tote Baum offenbar nicht. Ranken schossen aus dem Erdreich und klammerten sich um die Gelenke von Armen und Beinen. Zwei der vier Männer wurden von den Füßen gerissen und zum Baum gezogen, wo sie ebenso festgehalten wurden, wie Avalinn. Auch sie wurden mit pulsierendem Rhythmus ihrer Lebenskraft beraubt. Die anderen beiden Männer wichen entsetzt und panisch zurück, einer stürzte und landete auf dem Bauch. Dann wurde auch er von einer Ranke gepackt und seine Fingernägel krallten sich in Panik in das Erdreich, um sich festzuhalten. Yedan setzte vor und packte seine Hände, um ihm zu helfen. „Ajak!“, rief der Halbelf und der Blonde reagierte, hielt Yedan und beide gemeinsam zerrten sie an dem Unglückseligen, um ihn vor dem selben Schicksal zu bewahren. Viele der Elfen, die nur zusahen, wichen verängstigt zurück. Dann schossen weitere Ranken hervor und sausten auf Yedan und Ajak zu, um sie von der Beute fernzuhalten, die sich der Baum einverleiben wollte. Und am Rande der ganzen Szenerie stand einer und starrte mit erstarrtem Blick auf das schaurige Spiel: Farun.
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Rhuna Bláidyaét
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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Sonntag 16. April 2023, 18:29

Ob die beiden in dieser Nacht auch ohne die Hilfe von Florencia zueinander gefunden hätte? Eine Antwort lag verborgen in den Sternen, doch im Grunde war eine Alternative bedeutungslos. Ihr Zusammenhalt war stark, obwohl sie einander noch nicht lange kannten. Doch Zeit schien zwischen Yedan und Rhuna nicht immer eine große Bedeutung zu haben. Vielleicht waren sie wirklich füreinander geschaffen und ihr Aufeinandertreffen im Kapayu war mehr Schicksal als Zufall gewesen. Ob die Götter die Antwort kannten?
Rhuna dachte über all dies gar nicht nach. Die Probleme der Welt waren für ein paar Stunden ausgehebelt und sie konzentrierte sich einzig und alleine auf Yedan, der ihr den Wunsch, ihm ein weiteres Mal auf diese Art und Weise nah sein zu dürfen, sofort erfüllte. Und dieses Mal hinderte sie ihre Unerfahrenheit kaum. Zwischen ihnen herrschte Vertrauen und auch ihre Gefühle füreinander schienen dieselben zu sein, so dass sie keine falsche Scham entwickelte und sich gänzlich von ihren Gefühlen und seinen Worten leiten ließ. Ihr war nicht bewusst gewesen, welche Empfindungen und Lust sie ineinander wecken konnten. Doch nun, wo sie diese einmal erlebt hatte, war es schwer von diesem wundervollen Gefühl, das ihr all die Sorgen für einen wunderbaren Augenblick nahm, abzulassen. Schon gar nicht, wenn der Mann, der ihr das Herz gestohlen hatte sie ansah und sein Blick ihr wortlos mitteilte, dass er sie nicht nur begehrte, sondern … liebte! Zumindest war es das, was die junge Elfe darin erkannte und was sie glücklicher machte, als er es wohl ahnen würde.

Zusammen trieben sie sich an den nächsten Rand der Ekstase und erlebten das atemraubende Gefühl, wie sich, die Kontrolle über sich verlierend, all der aufgebaute Druck ihrer Lust mit einem Mal entlud. Rhunas Körper zitterte schubweise und als all die Anspannung abflachte, lockerte sich ihr Griff um Yedan, so dass sie erschöpft und mit wild pochendem Herzen, gegen ihn sackte. Für einen wundervollen Moment blieben sie noch so, hielten sich und fühlten dem gerade Erlebten eine Weile hinterher. Die Lippen der Elfe zierte ein sanftes und entspanntes Lächeln und ein tiefer Atemzug löste sich, der ihre erhöhte Atmung etwas normalisierte.
Erst als der Sarier sie von sich hob, nur um sie direkt in seine Arme zu schließen, öffnete Rhuna die Augen und begegnete seinem Blick mit all der Zuneigung, die sie für ihn empfand.
Eine angenehme Erschöpfung breitete sich aus und die Müdigkeit begann schwer auf ihre Augenlider zu drücken, so dass ihr Violett immer mal wieder hinter diesen kurzzeitig verschwand. Sie spürte, wie es sich Yedan mit ihr gemütlich machte, schmiegte sich ihm entgegen und hauchte ein paar Küsse auf seine Wange, ehe ihr Kopf an seiner Schulterbeuge zum Liegen kam.
„Ich bin so froh, dass ich dich vor Raji gerettet habe…“, gestand ihr der Sarier und so, wie die junge Elfe lag, konnte sie seine Stimme nicht nur hören, sondern auch sanft spüren.
Das Lächeln auf ihren Lippen wurde etwas breiter bei der Erinnerung und seine nächsten Worte entlockten ihr ein leises Lachen.
„Darüber bin ich auch froh! Ich wäre ungern als Tigerfutter geendet!“, erwiderte sie leise und amüsiert, obwohl sie die Situation damals ganz und gar nicht lustig gefunden hatte. Es war viel Schlimmes geschehen, aber dank Yedan auch so viel Wundervolles und Schönes.
Mit der rechten Hand streichelte sie über seine leicht verschwitzte Oberkörperhaut und verweilte für ein paar Sekunden in ein paar Erinnerungen, die sie im Kapayu gesammelt hatten. Bis Yedan ihr noch einmal ein paar Worte zum Geschenk machte.
„Und ich bin froh, dass du mich gerettet hast. …Ich bin froh, dich zu haben, Rhuna…“ Die Worte trafen sie genau ins Herz und brachten die junge Frau dazu den Kopf noch mal anzuheben, um ihren Sarier anzusehen. Sie musterte sein Gesicht und strich ihm liebevoll ein paar Strähnen zur Seite, während Yedan bereits in Manthala’s Reich sank und einschlief. Für ein paar Momente konnte sie nicht anders, als ihn einfach anzusehen und ihn in seinem Schlaf zu beobachten. Ihr fiel auf, dass er, wenn er schlief etwas jünger wirkte und sie erinnerte sich an den Yedan aus Kayons Erinnerungen, dessen Welt noch in Ordnung gewesen war.
„Ich werde immer für dich da sein!“, versprach sie leise, ehe sie sich vorbeugte und ihm einen kleinen Kuss stahl. Ihr Haupt sank wieder auf seine Schulter und die Augen schließend, kuschelte sich Rhuna an ihn, um auch ihrer Müdigkeit und Schöpfung nachzugeben und in einen tiefen und erholsamen Schlaf zu fallen.

Das Erste, was die junge Elfe wieder bewusst wahrnahm war ein sanftes Kitzeln an der Nasenspitze. Noch schlafend hatte sie offenbar versucht der kleinen Neckerei etwas auszuweichen, doch schien der Verursacher an seiner Methode festzuhalten, um sie aus ihrem Schlaf zu locken. Ihre Nase zuckte leicht und in einem letzten Versuch an ihrem Schlaf festzuhalten, schob sie den Kopf etwas in den Nacken, doch langsam aber sicher arbeiteten sich weitere Reize in ihr Bewusstsein, die sie wacher werden ließen. Vogelgezwitscher, das gedämmte Lichtspiel eines angebrochenen Tages… der warme Atem von jemandem auf ihrer Haut.
Blinzelnd öffnete Rhuna die Augen und sah direkt in das Gesicht von Yedan, der sie scheinbar lächelnd im Schlaf beobachte hatte. „Guten Morgen…!“, erwiderte sie lächelnd und begann sich zu räkeln, ehe sie mit einem Seufzen liegen blieb und ihn nun in seinem Tun beobachtete.
„Es ist schon Vormittag“, hörte sie, woraufhin ihr Blick zum Himmel wanderte. „Du hast recht! Wir waren aber… wie lange waren wir überhaupt auf?“, fragte sie, weil sie persönlich gar nicht darauf geachtet hatte.
Rhuna setzte sich auf und betrachtete nun im Hellen Yedans nackten Körper. Die Erinnerungen an ihr nächtliches Tun kehrten ziemlich klar und detailliert in ihr Bewusstsein zurück, was man ihr mehr als deutlich ansehen konnte. Doch legte sich nur eine ganz sachte Röte auf ihre Wangen, die nicht davon zeugte, dass es der Elfe unangenehm war. Im Gegenteil, ein kleines Lächeln zog an ihren Mundwinkeln und sie sah einfach…ja, glücklich aus. Doch in Anbetracht ihrer Situation war ihnen beiden wohl klar gewesen, dass ihre Momente des Glücks nicht ewig anhalten würden.
„Ich werde mal Frühstück orga-“ „Rhuna! Yedan! Wo seid ihr?!“ Rufe unterbrach Yedan mitten im Satz und die Ruhe der Natur wurde durch Geräuschen der Hast gestört. Beide merkten auf. Die Stimme war unverwechselbar die von Ajak und Rhuna kannte ihn mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass sie aufgebracht klang. Ihr Blick wanderte zu Yedans und ihre Miene verzog sich sorgenvoll.
„Es muss etwas passiert sein…!“, sagte sie leise während sie sich anzogen. Die Glücksgefühle von vorhin waren durch ein ungutes Gefühl in der Magengegend abgelöst worden und die brünette Elfe spürte, dass sie nervös wurde. Ihr erster Gedanke war bei Kayon. Was war, wenn es diesem über Nacht schlechter gegangen war?
Rasch hatte sie sich angezogen und bändigte das Gewirr an Haaren provisorisch mit den Fingern, während sie schon einen ersten Schritt in Richtung des Lagers machte. Doch bevor sie noch einen weiteren Schritt machen konnte, hielt ihr Sarier sie plötzlich auf, indem er sie festhielt und in ihren Bewegungen stoppte. Überrascht wandte sie sich ihm zu und musterte seine Augen. Auch Yedan war sich bewusst, dass wahrscheinlich etwas geschehen war, doch er ließ sich nicht sofort von den Sorgen gefangen nehmen und nutzte die, vielleicht vorerst letzte Gelegenheit Rhuna noch einmal nah sein zu können. Und diese war ihm dafür unglaublich dankbar.
Ihre Hände legten sich auf seine, als diese ihre Wangen berührten und sie einen vorerst letzten Kuss miteinander teilten. Sie ließen einander durch diesen Kuss spüren, was sie füreinander empfanden und erinnerten sie vielleicht daran, dass sie einander hatten und das durchstehen würden.
„Wir schaffen das! Egal was passiert, wir bekommen das hin“, versprach sie ihm leise nach dem Kuss und schenkte ihm ein vertrauensvolles Lächeln Dann nahm Yedan ihre Hand und führte sie zu den Geschwistern.
Für eine Reaktion auf die Blicke von Kaya und Ajak blieb kaum Zeit, denn der blonde Elf wusste um die Dringlichkeit der Angelegenheit und seine persönlichen Empfindungen zurückzustellen.
„Avalinn ist verschwunden! Sie wollte zu dieser… wie hieß sie noch… Greda?! Wie auch immer, sie ist weg, kam dort nie an!“ Die Worte waren wie ein Schlag. Rhuna versteifte sich augenblicklich und ihr Griff um Yedans Hand verstärkte sich.
Nein!...Nicht Avalinn…! Rhuna hatte von ihrem Vorhaben die alte Greda zu besuchen gewusst und gehofft sie würde mindestens einen der Geschwister mitnehmen, doch die Heilerin hatte die Situation als sicher eingestuft. Und nun…was war mit ihr geschehen? Kaja, wie auch Ajak waren so aufgewühlt, wie Rhuna sie noch nie zuvor erlebt hatte.
„Was… ist mit Avalinn? Wo ist sie?“, fragte sie und spürte, wie auch ihr der Puls in die Höhe schoss.
„Am toten Baum, sie… sie hängt da und wird… oh es ist schrecklich, wir müssen ihr helfen, aber wir haben sie nicht losbekommen! Überall Ranken und Dornen,… was geht nur vor sich?!“ Ajaks Beschreibung zwang sich viel zu realistisch in Rhunas Kopf. Hatte es etwa… begonnen?
Nein, das geht nicht. Wir wissen noch viel zu wenig. Wir wissen noch nichts über diesen Mann und… was sollen wir tun, wenn wir Avalinn nicht losbekommen? Ihre Füße setzten sich von ganz alleine in Bewegung, doch ein kleiner Ruck ging durch ihren Körper, als Yedan sie kurz stoppte. Er drückte ihre Hand und für eine Sekunde hatte sie Sorge, dass er sie davon abhalten wollte in Dorf zurückzukehren. Doch zu ihrer Erleichterung kam es nicht soweit: „Gehen wir hin! Wir müssen etwas tun!“, sagte der Halbelf voller Entschlossenheit und zusammen liefen sie los zur Wurzel allen Übels: dem schwarzen, toten Baum im Waldmenschendorf.

Die Nachricht von Avalinn hatte bereits begonnen sich im Dorf auszubreiten, so dass sich die vier Elfen teilweise einen Weg durch die Schaulustigen bahnen mussten. Dabei nahm niemand negativ Notiz von Yedans Anwesenheit, was zumindest ein Problem weniger darstellte. Doch ein anderes Problem wurde Rhuna schnell bewusst, je näher sie dem Baum kamen. Sie spürte bereits von Weitem das Pulsieren, das unangenehm und immer stärker in ihrem Körper widerhallte, als würde es sich, je näher sie der Dunkelheit kam, mit ihrem Herzschlag synchronisieren.
Rhuna wurde kalt und eine Gänsehaut breitete sich auf ihrem Körper aus, doch die Sorge um Avalinn wog schwerer, so dass sie nicht einen Moment zögerte den Ort ihrer größten Angst näherzukommen. Und als sie ankamen bot sich ihnen ein entsetzliches Bild!
Rhuna keuchte bei dem Anblick und der Intensität des dunklen Pulsierens auf. Sie hätte am liebsten geschrien und wäre nach vorne gestoßen, um ihrer Freundin zu helfen, doch der Anblick bot wenig Spekulationsraum, was dann geschehen würde. Der tote Baum wirkte nicht nur wie ein unheimliches Monster, das seine Beute in seinen Fängen hielt und gegen alles und jeden unbarmherzig verteidigte. Er war es! Und mit jedem Pulsieren entzog es der Lichtmagierin Kraft und…
Es entzieht ihr ihre Lebenskraft! Es ist wie vorgestern, nur viel schlimmer! Rhuna sah sich hastig um. Was sollte sie nur tun? Ihr Blick fiel auf die Vegetation um den Baum, die sichtbar verdorrte und vertrocknete, als würde man der Pflanze gänzlich jedes Leben aushauchen.
„Es breitet sich aus…!“, wisperte sie leise und erschrak bei dem sich immer stärker festigenden Verdacht, dass Alyisas Auferstehung begonnen hatte.
Florencia und Phaun steht uns bei!, flehte sie in Gedanken, ehe sie Bewegungen ablenkte. Ein paar tapfere Sarier, die der Heilerin helfen wollten, stürmten plötzlich vor. Keine zwei Sekunden Später durchschnitten Schreie der Schaulustigen die Luft, als die Männer von den dornigen Ranken und Wurzeln des Baumes aufgehalten, gepackt und ebenfalls zu Opfern wurden, denen der Baum ihre Lebenskraft aussaugte. Die anderen Männer und auch Bewohner stolperten und wichen panisch zurück, doch nun war es der Baum der angriff. Eine Ranke packte einen der Zurückweichenden, der aus Todesangst heraus versuchte sich irgendwo festzuhalten. Und plötzlich verlor Rhuna den einzigen wärmenden Teil an ihrem Körper, als Yedan ihre Hand losließ und diesem Mann zu Hilfe eilte, indem er ihn packte und versuchte vor dem Schicksal Avalinns zu bewahren.
„Yedan, warte, es ist zu gefährlich!“, rief Rhuna aus Angst um ihn panischer, als sie gewollt hatte. Doch ihr Geliebter reagierte nicht auf sie, sondern rief auch Ajak zur Hilfe, was ihr einen weiteren Stich im Herzen bescherte. Doch der Anblick der beiden löste noch etwas anderes als Sorge in der jungen Elfe aus. Sie sah ihren Mut, ihre Bemühung die Männer nicht im Stich zu lassen und in diesem Moment riss sich Rhuna aus ihrer Schockstarre.
„Kaja!“, sprach sie die Rothaarige entschlossen an und wandte sich ihr zu. „Die Dorfbewohner müssen wissen, was hier passiert! Der Feind ist anders als vor einigen Jahren nicht sichtbar, aber das Dorf und sie alle werden angegriffen! Sie müssen helfen, sie müssen kämpfen, sonst sterben noch viel mehr. Wir müssen das stoppen, wir müssen die Quelle finden.“ Rhuna war es nicht gewohnt Anweisungen zu geben, doch dieses Mal sah sie keine andere Möglichkeit. Jemand den die Sarier kannte musste sie wachrufen. Sie konnten hier nicht alleine bestehen. Und wenn sie einer Sache vertraute war es die Liebe der Sarier zu ihrer Heimat. Wenn sie jemand aus ihrer Schockstarre befreite, würden sie ihre Heimat verteidigen. Und die Einzige, die für Rhuna gerade dazu fähig war, war Kaja.
Vertrauensvoll legte sie der jungen Jägerin eine Hand auf die Schulter und nickte ihr zu. Doch als sie den Blick von ihr wandte, entdeckte sie jemanden, der über all das, was hier passierte, vielleicht am besten Bescheid wusste: Farun!
Der Naturmagier stand am Rand des Geschehens und schien wie erstarrt zu sein. Wut und Verachtung wallte in Rhuna auf, doch sein Blick bewahrte sie davor ihn von vornherein zu verteufeln. Hatte er dieses Ausmaß willentlich und bewusst erkannt und in Kauf genommen?
Rhuna löste sich von Kaja und lief auf Farun zu.
„Ist es das, was du wolltest?“, schrie sie ihm entgegen und blieb in einiger Entfernung stehen. „Willst du alles und jeden opfern?“, ihre Stimme war aufgewühlt und zitterte leicht – ob auch Angst um ihre Lieben oder Wut auf Farun, war in diesem Moment aber kaum voneinander zu trennen. Ihr Blick lag scharf auf Farun gerichtet und sie deutete auf die grauenvolle Szene am Baum.
„Wenn du auch nur einen Funken Respekt vor unseren Göttern und dem Geschenk deiner Heimat und den Kräften deiner Magie hast, hilf uns! Willst du, dass alle sterben? Willst du, dass Ajak stirbt? Lorna? Du kannst die Vergangenheit nicht zurückbekommen, selbst wenn du alles und jeden opferst! Du bekommst nicht den zurück, den du dir erhoffst!“
Tatsächlich wusste Rhuna noch immer nicht in wieweit Farun tatsächlich in das alles verwickelt war. Doch, dass er vollkommen ahnungslos war, glaubte sie nicht. Doch mehr als gerade an sein Gewissen zu appellieren tat sie nicht. Das Dorf besaß neben Farum noch viele andere Magier und die konnte nur hoffen und vertrauen, dass sie alle zusammen dem Baum und den dunklen Machenschaften gemeinsam entgegenwirken konnten. Sie wandte sich also wieder um und rannte los, in Richtung des Baumes. Ihre Finger berührten kurz die Halskette, die ihr Avalinn geschenkt hatte. Avalinn war immer für sie da gewesen. Sie hatte nie aufgegeben und das würde Rhuna nun auch nicht tun, egal wie wenig sie eigentlich ausrichten konnte. Nichts tun kam nicht in Frage! Und so sammelte sie ihren ganzen Mut und rief sich die Worte in Erinnerung, die ihr im Labyrinth des Haraxwesens geholfen und einen Ausweg aus der Dunkelheit beschert hatten: „Öffne dein Herz, Kind. Die Hoffnung stirbt nie…! Öffne dein Herz. Lass Hoffnung hinein“

Ich muss Avalinn befreien. Sie darf nicht sterben! Ich lass das nicht zu! Und mit dieser Entschlossenheit bahnte sich Rhuna einen Weg durch die Schaulustigen, über die Wurzeln und über den dunklen, verdorrten Boden zu der Heilerin, in der Hoffnung und dem Willen sie irgendwie loszubekommen.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Erzähler » Montag 17. April 2023, 21:16

Magie war mächtig. Niemand kannte ihr genaues Ausmaß. Es gab Magier, die konnten ganze Erdreiche auftun, wieder andere konnten tosende Wassermassen bezwingen und ganze Seen schaffen. Es gab Magier, die hatte nur einen einzigen Zauber zur Verfügung, doch den wandten sie so lange an, bis er ihnen in Fleisch und Blut übergegangen war und sie ihn perfektionierten. Doch wie viel Potenzial hatte jemand in sich, wenn er ein Leben lang studierte? Sich weiterentwickelte? Oder galt das magische Potenzial als unerschöpflich und lediglich die Übung trug zum Erfolg und wahrer Macht bei? Fakt war, dass einige Seelen weitaus mächtiger waren als andere und es eine wahre Diskrepanz unter all den Magiebegabten gab. Rhuna zum Beispiel trug Potenzial in sich, sogar gleich doppelt! Doch gelernt, wie man damit umging, hatte sie bisher nicht. Und somit fühlte sie sich nutzlos in Anbetracht der grausigen Szene, die sich vor ihren Augen abspielte. Eben noch hatte sie zusammen mit Yedan den wohl schönsten Abend in ihrem neuen, jungen Leben erfahren und nun stand sie Auge in Auge mit der wohl größten Gefahr, die sie bisher hatte bestreiten müssen. Alles wirkte surreal und ihr legte sich ein dunkles Gefühl von Endzeit auf. Rhuna war erstarrt, wie all die anderen Umstehenden. Den Anblick der allseits beliebten Heilerin Avalinn am Baum, der ihr in einem Pulsieren die Lebenskraft zu rauben schien, verstörte wohl erstmal jeden. Keiner konnte diesem Werk lange ungeniert zusehen, denn wenn man jemanden in sein Herz geschlossen hatte, wollte man ihn sicher wissen. Sicher und außer Gefahr. So war es auch nicht verwunderlich, dass Rhuna im ersten Impuls Yedan und Ajak davon abhalten wollte, den unglückseligen am Baum zur Hilfe zu eilen. Es geschah nicht aus Untätigkeit. Rhuna wollte lediglich schützen, was sie liebte. Und das Unheil brach viel zu früh, viel zu unvermittelt über sie alle herein. Die Schwärze am Boden fraß sich Stück um Stück weiter über den Boden. Das Waldmenschendorf stand in einer Reihe mit Avalinn, obwohl auch jene Elfe nur ein Gast in diesem Dorf war, eben wie Rhuna. Auch sie war lediglich ein Gast und doch waren sowohl Avalinn als auch Rhuna unwiederbringlich mit dem Schicksal dieser Bewohner verknüpft. Auch letzterer schien es langsam einzufallen, dass sie nicht untätig bleiben durfte. Der erste Schreck musste einem Tun weichen, damit nicht alle Bemühungen umsonst gewesen sein würden. Als erstes fand sie Kaja. Die Schwester von Ajak starrte entsetzt auf ihren Bruder, der sich zusammen mit Yedan abmühte, um zu helfen. Auch in ihrem Gesicht stand die Angst vor Verlust und dem Grauen, das sich nun so schonungslos offenbarte. Es dauerte einen Moment, bis die Schwester reagierte. Rote Strähnen fielen ihr ins Gesicht, nachdem Rhuna sie packte. Ihre Augen lagen auf dem Gesicht der Shyánerin. Auch Kaja wirkte blass. “ Kaja! Die Dorfbewohner müssen wissen, was hier passiert! Der Feind ist anders als vor einigen Jahren nicht sichtbar, aber das Dorf und sie alle werden angegriffen! Sie müssen helfen, sie müssen kämpfen, sonst sterben noch viel mehr. Wir müssen das stoppen, wir müssen die Quelle finden.“, appellierte Rhuna an der Vernunft der anderen und stieß für einen Moment auf … Schweigen. Dann blinzelte Kaja jedoch ihre Schockstarre fort und nickte langsam, dann entschlossener. Ihr Ausdruck bekam den gewohnten Biss, den Rhuna bereits an ihr hatte erkennen dürfen. „Worauf du dich verlassen kannst! Wir werden uns nicht geschlagen geben!“, Kaja machte eine Faust und demonstrierte Entschlossenheit. Dann packte sie Rhuna, drückte sie und murmelte ein „Pass ja auf dich auf!“, ehe sie sie ohne weitere Umschweife stehen ließ und sich daran machte, das Volk der Sarier aufzurütteln! Sie alle mussten wissen, dass Gefahr drohte. Sie mussten alle kommen und sich gemeinsam dem Feind stellen. Während Kaja durch die Reihen der Umstehenden lief und jeden versuchte zu erreichen, fiel Rhuna’s Blick auf Farun. Der oberste Naturmagier des Dorfes starrte ebenso entsetzt, wie alle anderen auf das Bild. Doch gerade als er sich abwenden wollte, fiel sein Blick auf die wütende Rhuna, die sich vor ihm aufbaute und ihm die Leviten las. „Ist es das, was du wolltest? Willst du alles und jeden opfern? Wenn du auch nur einen Funken Respekt vor unseren Göttern und dem Geschenk deiner Heimat und den Kräften deiner Magie hast, hilf uns! Willst du, dass alle sterben? Willst du, dass Ajak stirbt? Lorna? Du kannst die Vergangenheit nicht zurückbekommen, selbst wenn du alles und jeden opferst! Du bekommst nicht den zurück, den du dir erhoffst!“, ihre Worte waren kraftvoll und voller Überzeugung gesprochen. Sie musste Farun erreichen. Ihn auf ihrer Seite zu wissen, könnte das Zünglein an der Waage sein, jetzt da Avalinn nicht einsatzfähig war. Doch der Magier starrte Rhuna an. Seine Augen huschten vom Baum zu ihr und zurück. Auch ihm fiel die Heftigkeit des Treibens auf, dass die Natur unter dem toten Baum litt und vor allem starb. Die Hoffnung des Lebens verlor, während die Hoffnungslosigkeit erstarkte. „Ich…“, kam es gekrächzt von Farun. „Ich will doch… Ich wollte nicht…“, stammelte er und dann runzelte er die Stirn. Für einen Moment wirkte es, als wäre er abwesend. Dann bekam sein Gesicht einen anderen Ausdruck. Farun straffte die Schultern und blickte emotionslos auf Rhuna. „Es hat begonnen und kann nicht aufgehalten werden! Ich kriege sie zurück und was dafür getan werden muss, wird getan!“, antwortete er fester und wirkte überzeugter. Rhuna aber hatte keine Zeit für den Wahnsinn eines Mannes. Farun mochte maßgeblich beteiligt sein, auch wenn sein wahres Tun noch ungeklärt blieb. Doch jetzt galt es die reale Gefahr für eine Freundin zu zerschlagen! Nicht den sturen Kopf eines trauernden, sturen Magiers zu bekehren! Und während Rhuna sich Avalinn zuwandte, verschwand der Naturmagier im Wald unweit des toten Baumes.

Rhuna bahnte sich einen Weg durch die Umstehenden, die teils gafften, teils helfen wollten oder panisch zurückwichen. Hier und dort wurde sie angerempelt, doch im großen und ganzen konnte sie ihren Weg ungehindert fortsetzen. Irgendwo in ihrem Rücken hörte sie die Stimme von Kaja, die verzweifelt versuchte, alle zum Helfen zu animieren. Die Schwärze rückte am Boden weiter vor und hatte bereits den Weg vor dem großen Baum erreicht. Rhuna betrat die Schwärze und spürte sofort eine unnatürliche Kälte. Sie fühlte, wie jene Kälte hinaufkletterte und zu einem lähmenden Gefühl wurde. Im Augenwinkel zogen und zerrten noch Yedan und Ajak an dem armen Tropf, der immer noch an einer Baumranke hing. Ihr Herz wurde von diesem Gefühl erreicht. Es schürte eine Dunkelheit, die sich ihrer bemächtigen wollte. Sie würde es nicht schaffen. Sie würde scheitern. Die Gedanken formten sich in ihr, ob sie wollte oder nicht. Dann aber berührte Rhuna das kleine Medaillon, welches sie von Avalinn erhalten hatte. Wärme flutete ihre Hand, wo ihre Füße die Kälte spürten, während sie näher an den Baum trat. Beides durchströmte sie nun und versuchte sich auf den unangefochtenen Thron zu setzen, der die Vorherrschaft in ihrem Denken übernehmen wollte. Dann erinnerte sich Rhuna an die Worte in dem Labyrinth der Trostlosigkeit. Hier klebte Hoffnungslosigkeit so arg an ihrer Seele, dass sie weder sehen noch hören konnte. Nur eine Stimme echote in ihr und eben jene Worte rief sie sich nun ins Gedächtnis. Hoffnung… sie sollte Hoffnung haben, wo alles um sie herum der Hoffnungslosigkeit anheimfiel. In ihrem Augenwinkel konnte Rhuna erkennen, dass Ajak und Yedan versagten. Die beiden Männer verloren den Kampf um die unbekannte Seele und der Mann wurde von den Ranken unter panischem Angstschrei ebenfalls an den Baum gedrängt. Seine Mitmenschen, die links und rechts neben Avalinn hingen, waren bereits schlohweiß. Ihre Wangen waren eingefallen, ausgemergelt ihre Körper und alles Leben wich in eben jenem Moment aus ihnen, da Rhuna die Heilerin erreichte. Ihr Weg war beschwerlich gewesen, doch hier, im Zentrum des Ganzen, wurden die Zweifel ohrenbetäubend. Sie konnte nichts ausrichten. Sie war zu nichts fähig, außer jemanden zur Last zu fallen. Avalinn war die Starke von ihnen und eben jene hing hier am Baum. Inzwischen waren ihre Haare weiß wie die einer Greisin, ihr einstiger Glanz war verschwunden und wirkte stumpf. Doch sie lebte noch. Ihre nackten Füße zierten schwarze Zehen und ebenso schwarze Schlieren, die sich langsam aber sicher einen Weg über ihre Beine hinauf suchten, wie jene am Boden, die auf den zentralen Baum des Dorfes zukrochen. Das Zentrum. Es ging immer um das Zentrum. Es waren die Herzen der Menschen und Elfen, die sich dieses Grauen einverleibte. Und es wollte den zentralsten Punkt des Dorfes. Das Herzstück – den großen Baum, der ein Zuhause darstellte für viele. Rhuna spürte, dass die Kälte unermesslich zu werden schien. Und mit ihr krochen ihr düstere Gedanken durch die Venen, die sich ihres Verstandes bemächtigen wollten. Sie war nichts wert. Sie würde es nicht schaffen. Und dann flüsterte eine Stimme, die ihr wohl vertraut war: „Liebe mich, Rhuna. Ich bin dein und du wirst mein!“. Das Säuseln war wieder so unsagbar lieblich. So einladend und doch auch beängstigend. Eine dominante Verführerin, die mit ihrer Stimme zu reizen wusste. Doch bevor Rhuna ihr gänzlich zuhören konnte, öffnete mit einem Mal Avalinn die Augen. Trübe, glanzlos… beinahe tot, blickten sie auf Rhuna herab. Und was machte die Heilerin, die Qualen litt? Sie lächelte… „Hoffnung, Rhuna… verlier sie nicht…“, keuchte sie und klang kaum noch nach Avalinn, auch wenn die Worte es durchaus taten. Dann hörte Rhuna etwas anderes: In ihrem Rücken hörte sie mit einem Mal Klagen… Wehklagen und Wimmern. Die Schwärze kroch weiter, unaufhaltsam schob sie sich über den Boden. Avalinn musste wahrlich mächtig sein, doch noch hatte die Schwärze die Heilerin nicht kleingekriegt. Noch hatte sie Hoffnung und so stagnierte die Schwärze auf dem Boden und das Pulsieren wurde etwas schwächer. Doch das Klagen kam von den Bewohnern, die sich auf der Schwärze aufhielten. Sie alle sanken in sich zusammen und kauerten an Ort und Stelle. Sie wogen ihre Körper hin- und her oder saßen starrend einfach nur tatenlos da. Es war… hoffnungslos.
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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Sonntag 23. April 2023, 14:49

Die Katastrophen brachen über sie herein, wie plötzlich auftauchende Wellen auf dem Meer. Die Größe war kaum vorherzusehen. Rhunas Morgen war zwar nur kurz gewesen, doch für ein paar Minuten hatte sie das Glück der vergangenen Nacht noch empfinden dürfen.
Nun stand sie hier bei ihren Freunden und sah geschockt auf das Bild, das sich ihnen allen bot. Die Dorfbewohner wussten nicht, wie ihnen geschah. In ihrem Dorf geschah erneut etwas Dunkles und was sie alle in Gefahr bringen würde. Doch der Feind war dieses Mal kaum sichtbar – oder besser ausgedrückt: er kam von unerwarteter Seite. Der tote Baum war eine Art Mahnmal gewesen, eine Erinnerung an ein schreckliches Ereignis. Dass dieser nun auf eine untypische Art lebendig wurde und jeden angriff, der ihm zu nah kam, war etwas, mit dem die meisten überfordert waren. Was sollten Sie tun? Wie konnten sie denen helfen, die Hilfe benötigten? Wie konnten sie das alles nur aufhalten?
Den meisten fehlte der Kontext! Das Wissen, dass sich Rhuna und ihre Freunde die letzten Tage mühsam erarbeitet hatten. Von daher wussten die Waldmenschen auch nicht, dass es einen Verräter unter ihnen gab.
Farun schien vom Ausmaß des Angriffs ebenfalls erschrocken zu sein. Doch als Rhuna ihn damit konfrontierte und aufforderte zu helfen diesen Irrsinn noch zu stoppen, schien sich der Magier emotional von dem Grauen zu distanzieren. Er sah nur seinen Schmerz und die Hoffnung auf Erfüllung eines langersehnten Traums: die Rückkehr seiner Tochter.
Aufgewühlt sah die brünette Elfe dabei zu, wie sich der Gesichtsausdruck des Elfen veränderte. Farun war bereit alles und jeden zu opfern. Und nichts, was sie sagte oder tat würde ihn dazu bewegen diesen Irrsinn abzubrechen. Das bewiesen ihr seine Worte, mit denen er all ihren Glauben und ihre Götter mit Füßen trat.

Das Dorf war in einem Ausnahmezustand. Niemand wusste wirklich, was sie tun sollten. Die einen schreckten zurück, während die anderen sich bereits begannen den Gefahren zu stellen oder zu helfen. Doch wusste überhaupt irgendjemand, wie sie der Gefahr begegnen sollten? Wie sie ein Ende erreichen konnten?
Rhunas größte Hoffnung lag noch immer in Avalinn. Sie war in ihren Augen die Weiseste und Erfahrenste von allen. Sie war das größte Gegengewicht und im Grunde für die dunkle Magie, die sich einen Vorteil erarbeitet hatte, die größte Gefahr. Weshalb der Baum die eldorische Heilerin vermutlich zu seinem ersten Opfer gemacht hatte.

Zu Farun durchzudringen war verlorene Liebesmühe und Zeit. Zumal Rhuna noch immer glaubte, dass er nicht die Quelle der dunklen Machenschaften und Magie war. Von daher verschwendete sie kaum einen weiteren Gedanken an den Magier. Jeder fand im Chaos eine Aufgabe: Kaja kümmerte sich um die Dorfbewohner und Yedan und Ajak versuchten den Opfern zu helfen. Und Rhuna? Sie sah für sich nur den Versuch Avalinn zu retten. Ihre Füße bewegten sich von ganz alleine. Doch schon als sie den ersten Schritt auf den verdorrenden Rasen machte, erkannte sie, dass sich ihr ein weiterer Feind entgegenstellte. Und das war ihre eigene Schwäche. Die Kräfte des Baumes schienen aus purer negativer Energie zu bestehen, die jeden noch so hoffnungsvollen Gedanken im Keim zu ersticken drohte.
Ihre Glieder fühlten sich zunehmend schwerer an, als würde die Anziehungskraft der Erde wachsen und mit Schrecken erkannte die Elfe, dass sich diese Kraft erneut ihrer bemächtigen wollte.
Es war wie bei ihrem ersten Besuch hier. Die Dunkelheit zog sie auf merkwürdige Art und Weise an, lullte sie ein und schien ihre Bewegung und ihren Geist immer träger zu machen. Ihre Instinkte schrien Alarm und wiesen sie an zurückzuschrecken, doch wie könnte Rhuna dies tun, wo Avalinn in Lebensgefahr schwebte?!
Verzweifelt versuchte die junge Elfe die Schlingen um Avalinns Glieder zu lösen und sie zu befreien. Jeder Griff um das tote und doch so lebendige Geäst ließ eine schmerzhafte Kälte durch ihren Körper ziehen und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit wachsen, denn sie bekam den Würgegriff der Pflanze kaum bewegt.
„Nicht… aufgeben!!!“, wiederholte Rhuna immer wieder und versuchte sich vor den negativen Gefühlen und kriechenden Gedanken zu schützen. Doch konnte sie dies überhaupt? Hatte sie nicht ein ums andere Mal gelernt und zu spüren bekommen, dass sie im Grunde nutzlos war? Sie konnte nichts aus eigener Kraft schaffen und hätte am besten gar nicht gegen das Leben aufbegehrte, das sich ihre Mutter für sie vorgestellt hatte.
Das Gefühl der Verzweiflung, das sie auf ihrer kurzen Reise bereits so oft empfunden hatte, rief sich der Elfe in Erinnerung. Angefangen von der Anstrengung, die der tückenreiche Matschboden des Kapayus in ihr auslöste, der Angst vor Raji und weiter zu der Panik, dass Yedan seinen Verletzungen erlag, gegen die sie mit ihrem mageren Wissen und Fähigkeiten kaum etwas hatte tun können. Rhuna spürte die lähmende Angst in ihr emporkriechen und hörte das leise Wispern in ihren Ohren, das ihr Erlösung versprach.
Der Blick der Elfe wurde stumpf und dunkler und für einen Moment lockerte sich ihr Griff um das Geäst. War nicht alles, was sie tat zum Scheitern verurteilt? Sie war nicht Avalinn …!
Um sie herum wurden die Klagen immer lauter. Gab es überhaupt noch eine Möglichkeit das Grauen aufzuhalten? Oder war ihr Schicksal längst besiegelt und ihr Tun von vornherein zum Scheitern verurteilt?
„Hoffnung, Rhuna… verlier sie nicht…“, hörte die junge Elfe plötzlich ihre Freundin keuchen, deren Leben bereits am seidenen Faden hing. Rhunas Blick richtete sich auf das blasse Gesicht und wurde so erneut mit dem Ausmaß der dunklen Magie konfrontiert, weil sie sehen konnte, wie der Baum der Elfe bereits ihr Strahlen genommen hatte. Ein furchtbarer Schmerz zog sich durch das Herz der Shyána, das von Verzweiflung beinahe zerrissen wurde. Sie wollte nicht, dass das passierte!
„Avalinn…!“, entwich ihr schluchzend der Name ihrer Freundin. In ihrer Stimme schwang eine Entschuldigung mit, weil sie nicht in der Lage war sie vom Griff des Baumes zu befreien. War Rhuna dabei aufzugeben? Sie sah zurück, sah wie sich die Bewohner auf dem Boden hin und herwiegten und der Hoffnungslosigkeit verfielen…
Doch dann entdeckte sie das aufgeregte Treiben hinter der Schwärze, die sich auf dem Boden ausbreitete. Und dieser Kontrast schien etwas in Rhuna wachzurütteln. Ihr Herz schlug schneller als sie beobachtete, dass ein weiterer Dorfbewohner jeder Tatenkraft und jedes Mutes beraubt wurde, sobald er die Dunkelheit auf dem Boden berührte.
„Du bist es…!“, flüsterte sie und ballte ihre Hände zu Fäusten. Wie hatte sie nur das Haraxwesen aus dem Blick verlieren können, das die pure Hoffnungslosigkeit darstellte. Sie war es doch, die in seinem Reich der Verzweiflung gewesen war. Sie war es, die seine Macht am eigenen Leib zu spüren bekommen hatte.
Entschlossenheit und Leben kehrte in den Blick der Brünetten zurück. Rhunas Griff um die Ranken verstärkten sich erneut und sie riss an diesen, die Avalinn unbarmherzig festhielten. Ihre Verzweiflung wandelte sich langsam in Wut zurück. Wut, die sie gegenüber dem Unheil empfand, das alles Leben im Dorf bedrohte.
Sie wandte ihren Blick und entdeckte ihre Freunde, die von allen Dorfbewohner mit am meisten wussten.
Alleine mag ich nichts ausrichten können, aber ich bin nicht alleine!, dachte sie und fand im Anblick der anderen die Hoffnung, die der Schatten beinahe erstickt hätte. Rhuna besaß vielleicht nicht viele Kräfte, doch sie war jemand, der nicht schnell und vor allem nicht gerne aufgab. Erst recht nicht, wenn sie etwas oder jemanden beschützen wollte. Und das entfachte erneut ihren Mut, der sich dieses Mal, wie ein Schutzschild um ihre Hoffnung legte, die sie nicht so schnell wieder verlieren würde.
„Avalinn, halte durch!“, beschwor Rhuna ihre Freundin und erwiderte das Lächeln, so gut sie konnte. Sie wusste, dass sie die Ranken des Baumes nicht so einfach lösen konnte. Ihre Magien aktivierten sich nicht einfach so, egal wie verzweifelt sie war oder wie sehr sie sich dies wünschte. Sie hatte es versucht, doch das Phänomen, von dem sie schon häufiger gelesen und gehört hatte, zeigte sich einfach nicht in ihr. Ob ihre beiden Potenziale daran schuld waren, oder etwas Anderes dies verhinderte war unklar, doch in diesem Fall… bedeutungslos. Sie alle hatten keine Zeit auf etwas zu warten, was vielleicht niemals geschehen würde.
Schweren Herzens fasste Rhuna einen Entschluss. Sie löste sich von der Stelle und lief zurück, denn sie musste versuchen ihre Freunde und die anderen Dorfbewohner vor der Hoffnungslosigkeit zu schützen, die sie alle bedrohte. Sie rief ihren Freunden zu:
„Es ist das Haraxwesen! Jeder der mit der Dunkelheit in Kontakt gerät droht der Hoffnungslosigkeit zu verfallen! Es löst Illusionen aus und zerstört den Mut!“, rief sie und sprach in diesem Fall aus leidvoller Erfahrung. „Das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen alle warnen! Sie dürfen die Hoffnung und ihren Mut nicht verlieren!!! Und wir müssen einen Weg finden die dunkle Macht abreißen zu lassen!“ Leider fielen Rhuna nicht viele Möglichkeiten ein, erst recht nicht, wenn sie nicht Avalinn und die anderen Opfer in Gefahr bringen wollte. Doch irgendwas… mussten sie tun, denn sonst würden sie so oder so sterben.
Der Baum entzieht der Umgebung die Lebensenergie. Es ist riskant, aber irgendwas müssen wir tun! Die Sarier sind hervorragende Bogenschützen. Wie kennen 3 Orte, die dunkle Magie aussenden: Der Baum, Alyisas Grab und das ihrer Mutter. Doch wie können wir die dunkle Macht aufhalten? Nur Avalinn besitzt starke Lichtmagie …. Rhuna suchte in den Blicken der anderen nach Rat, während ihnen die Zeit zwischen den Fingern zu verrinnen drohte. Ihnen fehlte noch immer jeglicher Anhaltspunkt auf den Ritualmagier. Sollte einer Farun folgen? Sollte sie das Haraxwesen vielleicht provozieren? Es gab viel zu viel Ungewissheit, viel zu viele ungelöste Fragen und eine stetig wachsende Bedrohung.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. April 2023, 10:35

Bei Rhuna:

Die Menschen und Elfen im Sarius hatten keine Chance, sich auf das vorzubereiten, was sie nun ereilte. Erst vor einigen Monaten überstanden sie einen Angriff auf sich durch einen Tross Dunkelelfen. Hier und dort konnte man noch Hütten im Wiederaufbau erkennen, die Zeuge dieses Angriffs gewesen waren. Trotzdem war den Bewohnern die Herzlichkeit nicht abhandengekommen und Rhuna hatte trotz der zweifelhaften und unrühmlichen Vergangenheit das Gefühl gehabt, sich wohlzufühlen. Nicht zuletzt, weil sie Freunde gefunden hatte, die ihr binnen kürzester Zeit wichtig geworden waren. Während die Shyána Elfe sich lediglich selbstfinden wollte, fand sie so viel mehr. Und sie wurde hineingezogen in einen Strudel aus Verrat, Verlust und Hoffnung. Sie deckte einen Komplott auf, der sich bis in die Tiefen des Harax erstreckte und sie maßgeblich betraf. Die Markierung an ihrem Handgelenk ziepte und erinnerte sie daran, was sie bereits durchgestanden hatte. Trotzdem spürte Rhuna, wie sie die Hoffnung verließ. Wenn sie in die trüben Augen ihrer Freundin schaute, wenn sie die blassen Lippen betrachtete, die aussahen, als wäre sie schon tot. Sie konnte einen Blick zurückwerfen und erkennen, dass immer mehr Bewohner des Dorfes die Hoffnung verloren. Einige wiegten sich stumm am Boden hin und her. Andere liefen apathisch durch die Gegend, ziellos und leer. Je länger die Schwärze Bestand hatte, desto trüber wurde das Bild. Klagelaute, Jammern und Weinen mischten sich diesem Bild bei und untermalten die eigene Hoffnungslosigkeit mit Ton. Es war schaurig. Rhuna erinnerte sich an das Reich der eigenartigen, schwarzen Gestalt. Sie erinnerte sich, was sie dort empfunden hatte und was dieses Wesen ihr mitgeteilt hatte: Sie war die Hoffnungslosigkeit. Und mit einem Mal wusste Rhuna, was sie zu tun hatte: Dieser schwindenden Hoffnung entgegenwirken! Sie durften sich dem leisen Flüstern nicht hingeben. Sie durften nicht zuhören, was das Flüstern ihnen suggerierte. Sie mussten sich dagegen wehren! Rhuna’s Verzweiflung veränderte sich. Sie würde nicht aufgeben! Die Hoffnung in ihr war stark und entbrannte neu, ob ihrer Erkenntnis. Sie rüttelte an den toten Schlingen, doch sie gaben nicht nach. Unaufhaltsam saugten sie die Heilerin aus, doch Avalinn erwies sich als zäh. Selbst jetzt, während um sie herum die Dunkelheit erstarkte, fand sie Worte der Zuversicht für Rhuna.

Worte, die der Elfe halfen, sich neu zu fokussieren und nicht zu verzweifeln. Das Amulett um ihren Hals erzeugte eine immense Wärme, je länger sie auf dem toten Boden stand, doch es schützte auch ihr reines Herz. Avalinn beschützte sie noch, auch wenn sie selbst derzeit nicht viel mehr ausrichten konnte. Doch nun musste Rhuna wohl eine ihrer schwersten Entscheidungen treffen: Zum Wohle des Dorfes, musste sie ihre Freundin zurücklassen. Sie konnte hier nichts ausrichten und das Amulett wurde wärmer und wärmer, je länger sie hier stand. Bald würde auch das nicht mehr helfen. Und wenn sie dann der Hoffnungslosigkeit ins Netz ging… wer sollte dann die anderen warnen? Also entschuldigte sie sich schweren Herzens bei ihrer Freundin, die ein kleines Lächeln zustande brachte. Avalinn verstand. Sie war wohl die reinste Seele, die man hatte kennenlernen dürfen. Es leuchtete ein, wieso der Dämon sie als erste auswählte zu einem seiner Opfer zu werden. Rhuna durfte sich diesen Gedanken nicht hingeben. Sie riss sich los und eilte zurück. „Es ist das Haraxwesen! Jeder der mit der Dunkelheit in Kontakt gerät droht der Hoffnungslosigkeit zu verfallen! Es löst Illusionen aus und zerstört den Mut!“ Kaja’s Kopf suchte nach Rhuna’s Stimme. Sie hatte alle Hände damit zu tun, die Hoffnungslosen zu beschwören, nicht aufzugeben. Nun aber hörte sie zu und auch Yedan und Ajak, die weiterhin um die Seelen weiterer Opfer kämpften, sahen auf. „Das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen alle warnen! Sie dürfen die Hoffnung und ihren Mut nicht verlieren!!! Und wir müssen einen Weg finden die dunkle Macht abreißen zu lassen!“ Kaja sah entsetzt auf den Boden und zog ihren Fuß zurück, als die Schwärze näherkroch. „Dämonen…“, keuchte sie und man konnte in den Gesichtern der Freunde erkennen, wie das Verständnis für das Ausmaß der Situation aufkam. „Schafft die Leute hier weg! Alle in die Taverne!“, rief Yedan dann und Kaja nickte ohne Umschweife. Yedan und Kaja halfen denen am Boden hoch, während Ajak für einen Moment auf den Boden starrte. Er betrachtete die trostlosen Blätter und das Sterben der Pflanzen. „Lita! Kabbul!“, rief er plötzlich und zwei Elfen hoben ihre Köpfe, die ebenfalls versucht waren zu helfen. „Kommt her!“, befahl er und nichts von seinem jugendlichen Verhalten hatte jetzt noch Platz. Er wusste, was er wollte und deutete auf die Eckpunkte, an denen sich die Schwärze ausbreitete.

„Helft mir eine Barriere zu erschaffen! Soll sich dieses Ungeheuer durch unsere Magie fressen, bevor es die Bewohner erreicht!“, die beiden anderen Elfen nickten entschlossen. Alle drei knieten sich auf den Boden, dort wo die Schwärze zum restlichen Dorf noch eine Grenze zog und gruben ihre Finger in das lebende Erdreich. Dann flossen grüne Magiefunken aus ihren Armen und Fingern, verbanden sich miteinander und erschufen die wohl schönste Barriere, die Rhuna je hatte sehen dürfen. Ein kleiner Wall aus Hölzern mit Blumen in sämtlichen Farben und Moos baute sich vor den Magiern auf. Sie schirmten den Baum vom restlichen Dorf ab, schlossen aber auch Avalinn in ihrem Schicksal ein. Kaja und Yedan sammelten alle ein, trieben sie mithilfe anderer, nicht korrumpierter Bewohner zur Taverne. Weit weg von dem Ort des Geschehens. Rhuna hatte dafür gesorgt, dass die restlichen Bewohner beschützt würden. Nun stand sie zwischen dem Baum und dem Dorf, sah auf die hockenden Naturmagier, die alles gaben, um das Sterben aufzuhalten. Yedan sah sie zur Taverne laufen, bis er sich zu ihr umdrehte und ihr einen Blick zuwarf, der sie daran erinnern sollte, nicht aufzugeben. Dann lief er weiter, um auch die restlichen zu beschützen. Einen Moment wurde es ruhiger um Rhuna. Das Klagen und Jammern waren nur noch leise zu vernehmen, während der Wind auffrischte. Die Luft roch nach Regen und die Dunkelheit zeigte sich auch im Himmel. Sie wusste, sie mussten das Wesen aufhalten. Doch wie? Ihre Magie wirkte so nutzlos im Vergleich zur Naturmagie. Ihre Gedanken strauchelten. Die Hoffnungslosigkeit kannte kein Erbarmen, denn immer wieder suggerierte sie, dass man nichts mehr tun könnte. Das alles verloren schien. Dann aber spürte Rhuna, wie das Amulett immer heißer wurde, während die Dunkelheit zunahm. Sie musste es ablegen, oder sie würde ein Brandmal davontragen. Ein unangenehmes Kribbeln legte sich in ihren Nacken. Sie spürte, dass diese dunkle Präsenz schon ganz nahe war…

Neriélle kommt von Die nächste Etappe

Das Floß wurde langsamer und inzwischen musste Calhoun tatsächlich immer wieder mit dem Stock auf dem Grund nach Widerstand suchen, um sie abzustoßen. Hier war die Strömung nur ein seichtes Fließen, ohne wirklich das Floß voranzubringen. So ruhig, wie das Wasser aber wurde, so unruhig wurde Arunn. Schweiß stand auf seiner Stirn und immer wieder ruckte jetzt sein Kopf hin und her. Er wirkte gequält, als würde er einen Albtraum erleben. Und während Neri nach Arunn sehen wollte, setzte Dromar auf einmal an, das Gespräch von der Hütte fortzusetzen: „Ich glaube, dass das Pflanzensterben irgendeine Krankheit ist.“, erklärte er und sah auf den Menschen, der sich wand. „Woher sie kommt, kann ich nicht genau sagen. Aber sie erfasst das Gemüt, macht einen müde und suggeriert Albträume…“, erzählte er und sein Gesicht bekam einen glatten Ausdruck. Er wirkte zufrieden, auch wenn das nicht recht zusammenpassen wollte. Dann sahen die hellblauen Augen auf einmal auf und er deutete auf eine Stelle am Ufer. „Dort! Dort können wir anlegen!“, bemerkte er und Calhoun folgte dem Wink. „Dort?! Du Wahnsinniger!“, blaffte er und suchte das Ufer ab. Neri konnte erkennen, dass dort einige Grasnarben Unterwasser lagen. Wie kleine Insel ragten sie heraus. „Das ist Sumpfgebiet!“, murrte Calhoun. „Ich weiß, aber wir schaffen das. Ich kenne den Weg!“, beschwor Dromar und der Dunkle sah ihn zweifelnd an. Doch dann lenkte er das Floß so, dass sie an der besagten Stelle anlegen konnten. Calhoun griff sich das Seil und sprang leichtfüßig vom Floß, um es festzumachen. Seine Füße sanken immer wieder ein, doch er konnte sich halbwegs gut bewegen. Er half Neri, falls sie wollte, ehe er Dromar links liegen ließ und Pitt sich an Neri’s Hosenbein festklammerte. „Nasse Füße – irks.“, maulte das Ottsel und suchte sich einen gemütlichen Platz auf Neri’s Schulter. Dann griff der Dunkle die Taschen, warf sie Dromar zu, der sie überrascht versuchte aufzufangen, aber fallenließ. Peinlich berührt hob er sie wieder auf und betrachtete sie. „Nass…“, murmelte er und sah entschuldigend zu Neri. Er schulterte die Rucksäcke, während Calhoun den immer noch stöhnenden Arunn hochhievte und schließlich tragen würde. Er hatte also die Hände nicht frei für etwaige Kampfhandlungen. „Zum Dorf dauert es nicht lange.“, nickte Dromar und übernahm kurzerhand die Führung. „Tretet dorthin, wohin ich trete!“, mahnte er und im Gänsemarsch folgte Neri, dann Calhoun mit Arunn als Schlusslicht. Es ging eine ganze Weile so weiter, bis sie endlich wieder festeren Boden erreicht hatten. Der Sarius war noch mal ganz anders und hier standen die Bäume bei weitem nicht so dicht, sondern hatten viel mehr Platz. Das brauchten sie auch, denn ihre Wurzeln waren gewaltige Gebilde, die oberhalb der Erde interessante Formen annahmen. Die Luft war etwas modriger, durch die hohe Feuchtigkeit, doch auch hier gab es genug Schönes, um sich als echte Waldelfe wohlzufühlen. Der Sarius wirkte nur nicht so bunt, da es nur ab und an mal Blütenpracht gab. „Es ist nicht mehr weit.“, versicherte Dromar, der einen äußerst beschwingten Schritt an den Tag legte. Calhoun hingegen hatte ordentlich mit Arunn zu kämpfen. Er wurde unruhiger, je weiter sie dem Dorf entgegentraten.

Inzwischen glänzte nicht nur Calhoun’s Brust, sondern auch Arunn’s Stirn als hätten sie gebadet. Offenbar dachte Dromar aber nicht daran, eine Pause einzulegen. Arunn sah schlecht aus. Mit jedem Schritt konnte man förmlich fühlen, wie die Hoffnung auf Heilung schwand. Auch war das Wetter längst nicht mehr so schön. Es roch nach Regen und die dunklen Wolken, die ab und an zwischen den gewaltigen Baumkronen aufblitzten kündeten von einem Unwetter. Die gesamte Situation war irgendwie… angespannt. Es fühlte sich schwerfälliger an zu gehen, während die Gedanken sich in einem Abwärtsstrudel bewegten. Selbst Pitt hielt die Klappe und kaute nervös auf einer Kralle herum. Dann erreichten sie tatsächlich die ersten Ausläufer des Dorfes. Neri konnte Hütten am Boden erkennen. Einige von ihnen schienen zerstört, andere befanden sich im Wiederaufbau, während wieder andere hübsche Vorgärten oder Blumenkästen hatten, die wundervolle Blüten beherbergten. Das Dorf hatte seinen eigenen Charme und die Vielfältigkeit der Bewohner zeigte sich auch in den Baustilen. Sie kamen an einer kleinen Hütte vorbei, die recht verwildert aussah. Vor dem Haus stand eine Bank, die früher gewiss einen schönen Ort zum Verweilen geboten hatte. Jetzt aber voller Unkraut war. Über der Türzage quietschte im auffrischenden Wind ein vergilbtes Schild. Es war ein Bogen darauf zu erkennen. Dann trat ein alter Mann aus dem Dunkel der Hütte und wirkte unruhig. Sein Blick war zielgerichtet in die Ferne gelenkt, während er seinen Gehstock festumklammert hielt. „Es hat begonnen!“, wisperte er und sah sorgenvoll aus. Der Alte humpelte aus der Hütte und auf den Weg. Neri konnte in seiner Blickrichtung erkennen, dass sich ein gewaltiger Baum in der Mitte des Dorfes auftat auf dessen Äste weitere Hütten zu finden waren. Dann allerdings sah sie einen Menschen mit braunen Haaren und eine rothaarige Frau mit Sommersprossen, die eine ganze Meute an lethargisch wirkenden Menschen und Elfen in die Taverne des Dorfes lotsten. „Yedan!“, rief der Alte plötzlich, sodass der Braunhaarige aufsah und schien keine Notiz genommen zu haben von den Neunankömmlingen. Er versuchte auf den Braunhaarigen zuzugehen, doch in der Eile drohte er zu fallen. „Vorsicht, alter Mann“, kam ihm Dormar zu Hilfe und stützte ihn.
Der Alte schien für einen Moment verwirrt, dann sah er in das Gesicht auf und Erkenntnis legte sich in seine Augen. Entsetzen zeigte sich in dem faltigen Gesicht. „Du!“, keuchte er und Dromar’s heller Blick funkelte amüsiert, ohne von Neri und den anderen bemerkt zu werden. Neri allerdings spürte mit einem Mal ein seltsames Kribbeln im Nacken, das ihr die Hoffnungslosigkeit in die Glieder trieb. Es war wie in der Hütte, wie in der Höhle. Eine Schwärze kroch auf sie zu, ohne wahrhaftig gesehen zu werden. Sie spürte sie, doch sie konnte nicht davor fliehen.

Neri&Rhuna

Beide Frauen spürten, wie sich etwas ihnen näherte. Sie beide hatten das bereits unabhängig voneinander gefühlt und jede auf unterschiedliche Weise wahrgenommen. Für Rhuna bedeutete diese Präsenz, dass sie alles und jeden den sie liebte verlieren würde. Für Neriélle war es die süße Versuchung, die sie locken wollte und sie gleichzeitig abstieß. Sie hatte dieses Gefühl bereits bei Calhoun gefühlt, wenn auch nicht in diesem Ausmaß.
Rhuns konnte von ihrem Standpunkt aus nicht sehen, dass sich eine neue Gruppe Fremder Zutritt zum Dorf verechafgt hatte. Aber sie konnte Yedan sehen, der plötzlich innehielt in seinem Tun und zum Haus seines Vaters blickte. Er machte bereits Schritte darauf zu und blieb dann stirnrunzelnd stehen. Rhuna musste nur einige Schritte von Ajak und den anderen weggehen, um um den dicken Baum in der Mitte herumzspähen. Sie würde Fremde sehen, eine Elfe mit violetten Haaren, ein Dunkelelf mit weißen Haaren und roten Augen, der einen scheinbar Verletzten im Arm trug, der sich wehrte. Und sie sah Kayon, der von jemanden gestützt wurde, der so hell wie der Tag war. Mit fast weißen Haaren und hellblauen Augen. Und eine Eeinnerung kitzelte ihren Geist, versuchte sich einen Weg durch die Dunkelheit zu bahnen. Sie hatte ihn bereits gesehen. Sie kannte ihn. Und mit der Erkenntnis, hörten sowohl Neri als auch Rhuna wieder dieses liebliche, unheimliche Säuseln in ihren Köpfen. "Kommt... kommt und nähret mich. Ihr seid perfekt für mich... liebet mich...lasst mich herein...",, echote sie hinter beiden Köpfen und hinterließ unterechiedliche Gefühle...
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- Natur- und Pflanzenkunde (gut)
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Tierische Begleiter: Pitt (Ottsel)

Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Neriélle » Mittwoch 26. April 2023, 20:27

Etwas unsicher betrat Neriélle das selbstgebaute Floß. Sie setzte sich an den Rand, sodass Calhoun Arunn neben sie hinlegen konnte und sie so sicherstellen konnte, dass er nicht über Bord ging. Nachdenklich betrachtete Neri die Hütte, die sie so plötzlich und ziemlich unvorbereitet hinter sich ließen. Ihr gingen dabei allerlei Dinge durch den Kopf, allen voran ihr Streit mit Calhoun und die Versöhnung am folgenden Morgen. Doch da gab es auch düstere Erinnerungen. Sie dachte an die Schatten in der Hütte und die Vorkommnisse in der Höhle, die Leichen und das seltsame Flüstern. Diese Dinge machten sie wiederum froh, die Hütte hinter sich zu lassen. Schließlich verschwand das Haus aus ihrem Blickfeld. Sie brauchte eine Weile, um sich an das ungleichmäßige Schaukeln des Floßes zu gewöhnen, das von den Stromschnellen mitgerissen und von Calhoun gelenkt wurde. Arunn indes schien es immer schlechter zu gehen. Sie hatten nicht einmal mehr Zeit gehabt, um seine Wunde auszubrennen. Dromar konnte dafür etwas Hoffnung wecken, als er von einer geeigneten Stelle zum Anlegen redete, von der aus sie insgesamt schneller zu dem Dorf der Waldmenschen gelangen würden. Es wurde höchste Zeit, dass sie einen Heiler fanden. Calhoun schien nicht begeistert von der Idee des Menschen zu sein und Neri vermutete, dass er hauptsächlich so abweisend reagierte, weil ihm die Tatsache nicht gefiel, dass er gerade nicht den Anführer spielen konnte, so wie er es gewohnt sein musste. Doch die Elfe hielt sich da raus, sollten die Männer das unter sich klären. Sie verdrehte nur die Augen und grinste Pitt schief an, als Calhoun schließlich zähneknirschend nachgab. Doch zum Reden war auch der sonst offenen Elfe nicht zumute. Besorgt betrachtete sie immer wieder den Menschen und umfasste schließlich mitleidend seine Hand, wenn er den Kopf hin und her warf oder vor Schmerzen das Gesicht verzog. Nicht einmal die Schönheit der hiesigen Natur konnte ihr Gemüt im Moment erfreuen. Zu sehr wühlte die Sorge um Arunns Gesundheitszustand in ihr. Dromars ausführende Worte über die Krankheit, der er auf der Spur war, konnten sie da auch nicht beruhigen. Ganz im Gegenteil.
„Ich glaube, dass das Pflanzensterben irgendeine Krankheit ist. Woher sie kommt, kann ich nicht genau sagen. Aber sie erfasst das Gemüt, macht einen müde und suggeriert Albträume…“
Albträume..?, überlegte Neri in Gedanken und wirkte plötzlich nachdenklich, sodass ihr auch Dromars Mienenspiel entging. Sie dachte an den Alptraum in der Hütte zurück, an die Schatten und dieses Flüstern, das sie bis in die Höhle verfolgt hatte. Ob dieser eine Albtraum auch mit der Krankheit zu tun hatte? Doch ansonsten ging es ihr doch gut.. Neri spürte, wie sich eine feine Gänsehaut auf ihren Armen ausbreitete. In diese Hütte zu gehen, war die absolut falsche Entscheidung gewesen, wurde ihr mal wieder klar. Sie hatten nicht nur keine Kräuterhexe gefunden, die Arunns Wunde heilen konnte, sondern der Dessarier hatte sich zusätzlich mit dieser ominösen Krankheit infiziert, die ihm offenbar schwer zu schaffen machte und durch die ihm das gleiche Schicksal wie den Toten in der Höhle drohte.

Neriélle hob den Kopf, als Dromar nach stundenlanger Fahrt den Anlegeplatz entdeckte. Zweifelnd musterte sie den Platz, den er für geeignet hielt. Das hier war ein einziger Sumpf. Doch wenn Dromar Recht hatte, dann würden sie einige Wegstunden sparen, wenn sie diesen Weg nahmen. Auch Calhoun schien das einzusehen und lenkte das Floß zum Ufer. Bereitwillig ließ sie sich von Calhoun helfen, ergriff seine Hand und sank sogleich in den matschigen Boden ein, den Pitt direkt kommentierte und sich daher lieber einen Platz auf ihrer Schulter suchte. Neri versuchte derweil, in Bewegung zu bleiben, während sie eine halbwegs feste Stelle suchte, um nicht mit den Stiefeln stecken zu bleiben. Sie wandte sich um, als sie ein schmatzendes Geräusch hörte und sah, wie Dromar ihr Gepäck aus dem Sumpf fischte. Der Mann war tatsächlich so schlaksig und unbeholfen, wie er aussah. “Ist eh nichts Wichtiges drin”, winkte sie dann ab und warf einen kurzen, fragenden Seitenblick zu Calhoun. Der Inhalt ihres Beutels war schon vorher durch die zerquetschten Beeren dreckig gewesen und es befand sich auch nichts von Wert darin, daher blieb die Elfe recht locker. Calhouns Buch hatte sicherlich mehr zu leiden. Aber von dem Inhalt seiner Tasche wusste sie ja offiziell gar nichts, daher setzte sie ihre Unschuldsmiene auf.

Sie folgte Dromar auf direktem Fuß und befolgte seine Anweisungen, sodass sie in seine Fußstapfen trat, um nicht einzusinken. Der Weg war mühsam, weil er keinen festen Halt bot, und Neri merkte abermals, wie dringend sie eine Pause brauchte. Irgendwie stürzte sie von einem in das nächste Abenteuer, ohne Zeit zum Verschnaufen zu haben. Langweilig war ihre Reise bisher auf jeden Fall nicht gewesen. Sie war froh, als der Boden unter ihren Füßen endlich wieder fester wurde und das Laufen dadurch nicht mehr ganz so mühsam war. Nun nahm sich Neri die Zeit, die alten Bäume in diesem Wald zu mustern. Sie sahen wieder ganz anders aus als im Wald Arus oder im Neldoreth zuvor und auch anders als in ihrer Heimat. Die Wurzeln hatten sich teilweise ihren Weg oberhalb der Erde gesucht, bevor sie in dieser wieder versanken, und bildeten interessante Formen. Dromar versicherte, dass es nicht mehr weit war und Neri drehte den Kopf zu Calhoun in ihrem Rücken, um zu sehen, wie die Lage bei den Männern war. Calhoun stand die Anstrengung förmlich ins Gesicht geschrieben. Auch er hatte sich seit dem Verlassen der Zeltstadt vor den Toren Zyranus nicht ausruhen können. Er war zwar deutlich kräftiger als sie, aber Arunn hatte ein beachtliches Gewicht, davon hatte sie sich selbst schon überzeugen können. Die Elfe hoffte, dass sie wirklich bald das Dorf erreichen würden. Sie glaubte zwar nicht, dass sich Calhoun so schnell geschlagen geben würde, und wenn es auch nur wegen seinem Stolz war, aber Arunn lief mit Sicherheit die Zeit davon. Neri blickte zu dem Himmel hinauf, der eine immer dunklere Farbe annahm und zu der angespannten Stimmung passte, die sich über sie legte. Sie hoffte, dass sie vor dem Unwetter im Dorf ankommen würden, um dort Schutz zu suchen. Plötzlich lichtete sich der Wald ein Stück vor ihnen und sie erkannte in der Ferne Hütten. “Puh, endlich”, murmelte sie deutlich erleichtert. Doch die Anspannung wollte nicht so recht von ihr abfallen. Sie sah, dass einige Hütten beschädigt worden waren. Vielleicht gab es hier öfter Unwetter? Die, die noch bewohnbar waren, sahen jedoch gepflegt aus und sie sah viele bunte Pflanzen und Blumen in den Vorgärten. Ihr Blick fiel auf die Hütte, die ihnen am nächsten war und sie musterte für einen Moment das Schild mit dem Bogen. Ein Bogenbauer vielleicht? Den könnte ich später gut gebrauchen. Just in diesem Moment trat ein alter Mann aus der Hütte, aber er schien sie nicht zu bemerken.
„Es hat begonnen!“
Seine Worte drangen an ihre empfindlichen Ohren und sie folgte seinem Blick zum Dorf hinüber. Da sah sie den riesigen Baum, der in der Mitte des Dorfes stand. Neri hatte zwar Geschichten über ihn gehört und Zeichnungen gesehen, aber ihn mit den eigenen Augen zu sehen war etwas anderes und unglaublich. Mit großen Augen schaute sie den Stamm hinauf bis zur mächtigen Baumkrone, die in den Wolkenverhangenen Himmel ragte. Er ist noch viel mächtiger, als ich es mir vorgestellt habe. Und die Häuser erst dort oben! Wie es sich da wohl lebt? Der Ausblick muss wunderbar sein.
Ihre Augen schweiften umher und versuchten, die neuen Eindrücke in sich aufzunehmen. Da fielen ihr zwei Menschen auf, die zahlreiche Leute in eines der Häuser brachten, die wiederum irgendwie unbeteiligt und passiv wirkten.
Was hat begonnen? Wovon spricht er?
„Yedan!“
Neriélle sah zu dem gerufenen Menschen mit den braunen Haaren. Der alte Mann hatte sie noch nicht bemerkt, aber wie würde der Gerufene reagieren? Neriélle versuchte einen freundlichen Eindruck zu machen und überlegte gerade, wie sie sich erklären sollten, ohne den alten Mann zu erschrecken, in dessen Rücken sie standen, doch da drohte dieser zu stolpern. Glücklicherweise war Dromar direkt zur Hilfe. Der Alte drehte sich zu Dromar herum, sodass Neri einen freien Blick auf sein entsetztes Gesicht werfen konnte, als er Dromar wiederzuerkennen schien - und offensichtlich nicht erfreut darüber war.

Bevor Neri aber genauer darüber nachdenken oder das Wort an sich nehmen konnte, spürte sie plötzlich ein Kribbeln in ihrem Nacken. Reflexartig hob sie ihre Hand und strich damit über ihren Nacken, doch das Kribbeln verschwand nicht. Stattdessen glaubte sie zu spüren, wie sich der Gruppe etwas näherte. Es war wie im Wald, als ihre Sinne das Laufen der Bärin schon Sekunden zuvor erfasst hatten - aber doch ganz anders. Es erinnerte sie an.. nein, das konnte nicht sein?! Dieses Gefühl, das näher kam und sich plötzlich an sie klebte, erlangte ihre volle Aufmerksamkeit, sodass sie gar nicht dazu kam, den Alten und Dromar zu fragen, woher sie sich kannten. Die Elfe war zu abgelenkt von dieser.. Dunkelheit, die sie plötzlich fühlte. Sie kam näher, wie Calhouns Schatten damals näher gekommen waren, um sie zu verschlucken. Neriélle sah fragend zu Calhoun. Spürte er auch etwas? Bildete sie sich das alles nur ein? Aufmerksam suchten die goldenen Augen die Umgebung ab.
"Kommt... kommt und nähret mich. Ihr seid perfekt für mich... liebet mich...lasst mich herein..."
Nein, das war definitiv keine Einbildung. Sie kannte dieses Flüstern. Es war tatsächlich das Flüstern aus der Höhle. Es klang unheimlich und dunkel. Und es klang irgendwie reizvoll. Es erinnerte sie an Calhoun, der die gleiche Wirkung auf sie hatte, aber bei weitem nicht so stark wie diese Stimme.
"Hörst du das auch?", fragte sie Calhoun flüsternd und mit einem deutlichen Unwohlsein in der Stimme. Sie hatte ihm schon von ihrem Alptraum erzählt und auch das Flüstern war ein Teil davon gewesen. Wenn sie diese unterschwellige Dunkelheit spürte, tat es der Schattenmagier dann auch? Neri hoffte es, denn sie würde sich sicherer und weniger verrückt fühlen, wenn da jemand war, der dieses Flüstern ebenso hören konnte. Außerdem hatte diese Stimme nicht nur sie angesprochen, sondern mindestens noch jemand anderen. Abermals ließ Neri den Blick auf der Suche nach dem Urheber des Flüsterns schweifen. Alles andere rückte in den Hintergrund, so sehr nahm die Stimme sie gefangen.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Donnerstag 27. April 2023, 00:54

Es war wohl eine der schwersten Entscheidungen, die Rhuna in ihrem Leben treffen musste, als sie ihre Hände von den unbarmherzigen Ranken löste und sich von Avalinn abwendete. Das Herz der Elfe fühlte sich dabei an, als würde es vor Verzweiflung zerreißen, doch eine wirkliche Wahl besaß sie in diesem Moment nicht. Sie war weder physisch stark genug, noch besaß sie die nötige Magie ihrer Freundin zu helfen. Im Gegenteil – die Magien, die sie in sich trug machten sie sogar anfälliger und verwundbarer durch die Dunkelheit. Wenn nicht einmal eine Lichtmagiern mit Avalinns Fähigkeiten etwas ausrichten konnte, was sollte sie da ausrichten können?
Die Hoffnungslosigkeit fand in der Verzweiflung einen nährhaften Boden und breitete sich unter den Dorfbewohnern wie eine Krankheit aus, sobald sie die alles zerfressenden Schatten auf dem Boden berührten. Rhuna versuchte an der Hoffnung, die Avalinn sogar in ihrem todesnahen Zustand nicht aufgab, festzuhalten, doch war dies eine schwere Aufgabe, die auf dem Herzen der Weltfremden Elfe lastete. Denn mit jedem Elfen oder Menschen, der dem Klagen anheimfiel und der in eine Welt gerissen wurde, deren Zustand sie selbst durchgemacht hatte, fühlte sie die Angst vor dem Verlust in sich größer werden. Sie wollte niemanden verlieren – schon gar nicht die, die ihr ans Herz gewachsen waren.

Rhuna blieb keine Zeit sich mit dem Schmerz zu beschäftigen, den ihre Entscheidung mitgebracht hatte. Sie war glücklicherweise in der Lage Yedan und die Geschwister zu warnen, die vielleicht dadurch die Situation ein wenig besser durchschauen können würden. Zumindest handelten sie direkt und Yedan übernahm das Kommando die Dorfbewohner aus der Gefahrenzone zu bringen.
„Schafft die Leute hier weg! Alle in die Taverne!“, rief er und war gleich darauf damit beschäftigt seinen Worten Taten folgen zu lassen. Mit klopfendem Herzen sah sie ihrem Halbelfen nach, der bereits einen der am Boden hockenden Elfen aufhalf und zusammen mit Kaja und einigen anderen Helfern versuchte, die Bedrohung einzudämmen. Würde die Ausbreitung der Dunkelheit stoppen, wenn der Baum keine weiteren Opfer finden würde, deren Lebenskraft er aussaugen könnte? Wenn sie wenigstens ein klein wenig Zeit gewinnen könnten wäre das schon hilfreich.
Je weiter sich Kaja und Yedan vom Baum entfernten, je stärker empfand Rhuna eine kleine Erleichterung in sich aufkeimen. Eine Erleichterung die ein blonder Sarier gleich wieder zu zerstören wusste. Ajak rief zwei Elfen zu sich und forderte diese auf mit ihm eine magische Barriere zu erschaffen, die das Sterben und Ausbreiten der Verzweiflung aufhalten sollte. „Ajak…!“ Rhunas Herz krampfte sich erneut zusammen. Der junge Jäger tat nicht weniger als das, was sie von ihm erwartet hatte und doch wünschte sie sich gerade, dass er mit den Anderen Abstand von der Finsternis des Baumes nahm. Tatsächlich spürte sie in sich eine grauenvolle Angst aufsteigen, dass ihm etwas zustoßen würde und bevor sich der großgewachsene Mann seiner Aufgabe stellen konnte, fasste Rhuna diesen reflexartig am Handgelenk und sah zu ihm auf. Ihre Hand zitterte merklich und ihr gelang es nicht ihre Sorge in ihrem Blick zu verbergen, als sie mit sich zu kämpfen begann ihn gegen zu lassen. Rhuna wusste, dass er alles für seine Heimat tun würde. Das war das, was sie mit als Erstes bei ihm entdeckt hatte und was sie so sehr an ihm schätzte. Doch nun bedeutete es, dass er sich an vorderste Front stellen würde.
Einen Moment suchte Rhuna etwas in seinem Blick und sie schien nach den richtigen Worten zu suchen. Sollte sie ihn bitten nicht zu gehen? Nein…! Das konnte und würde sie nicht tun. Sie alle hier waren in Gefahr und mussten kämpfen und das verteidigen, was sie liebten. Andernfalls würde nur Tod und Grauen das Schicksal des Dorfes heimsuchen.
„Pass auf dich auf! Ich… flehe dich an.“ Die Stimme der Elfe brach ganz leicht, als sie ihn umarmte. Auch wenn ihre Gefühle füreinander nicht dieselben waren hieß das nicht, dass Ajak ihr nichts bedeutete. Im Gegenteil…! Daher fiel es ihr auch nicht leicht ihn seinen Weg das Dorf zu schützen gehen zu lassen.
Rhuna trat einen Schritt zurück und sah zu, wie die drei Elfen sich positionierten und ihre Magie wirken ließen. Sie erschufen pures und blühendes Leben, das sich zu einer Art Schutzmauer formte und den Baum vom restlichen Dorf trennte. Die Magie war wunderschön und beeindruckend und doch konnte gerade wohl niemand die Schönheit daran bewundern.
Die Maßnahmen waren derzeit das Einzige, was sie tun konnten. Doch sie waren weit entfernt von Perfekt. Rhuna liefen die Tränen über die Wange, als ihr die wachsenden Ranken die Sicht auf Avalinn nahmen, deren Schicksal sie momentan in Florencias Hände geben mussten, weil sie ihr nicht helfen konnten. Wieso war sie so unnütz? Wieso konnte sie ihrer Freundin nicht die Hilfe zukommen lassen, die sie brauchte und die Avalinn ihr selbst schon so oft geschenkt hatte? Wo Ajak sich vor ein paar Tagen noch neidvoll geäußert hatte, dass sie, in ihrem unkontrollierten Magiezustand ein ganzes Beet erschaffen hatte, war er es gerade, der seine Magie über sich hinauswachsen ließ. Rhuna hingegen konnte nicht mehr tun, als zusehen, während sich in ihr offenbar keine Magie rühren wollte, wo die Dunkelheit sie noch nicht bedrohlich korrumpierte.
Das Gefühl der Machtlosigkeit breitete sich erneut aus und drohte ein Gegengewicht für die Hoffnung zu werden, an der sie eisern festhalten wollte – nein, festhalten musste!
Wieso…?, dachte sie mit Verzweiflung und spürte einen wachsenden Schmerz, der von ihrem Arm ausging. Wieso konnte sie nicht die schützen, die sie liebte? Pharus war ihr unter den Händen weggestorben und Yedan hätte dieses Schicksal beinahe geteilt, wäre Avalinn nicht da gewesen. Und diese hing nun dort am Baum und kämpfte alleine um ihr Leben. Rhuna hasste das – hasste diese Seite an sich, die sie nicht einfach so ändern konnte.
Ihr Blick wanderte auf ihre Hände, mit denen sie nicht im Stand war etwas zu bewirken.
Nein…! Ich darf diese Gedanken nicht zulassen. Irgendetwas muss ich tun können!, dachte die Elfe und hielt sich so davon ab erneut der wachsenden Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu verfallen. Sie blickte auf und sah sich um. So fiel ihr Blick auch auf Yedan, der mit der Masse zur Taverne lief, um sie in Sicherheit zu bringen. Kurz trafen sich ihre Blicke und ein kleines gequältes Lächeln erschien auf ihren Lippen, als sie las, was er ihr mit seinen Augen mitteilte. Sie legte Zuversicht in ihren Blick und schüttelte leicht mit dem Kopf, als würde sie ihm sagen wollen, dass sie nicht aufgeben würde. Sie mochten gerade getrennt agieren, aber sie waren nicht alleine. Jeder musste das Beste geben, was er gerade tun konnte. So konnte aus wenig auch mehr werden…
Rhunas Gedanken trafen auf das Haraxwesen – den Dämonen der Hoffnungslosigkeit. Sie war diejenige, die am meisten mit diesem Wesen in Kontakt gekommen war. Konnte sie denn nichts tun, um es aufzuhalten? Ein Frösteln lief der Brünetten über die Haut, als der Wind auffrischte.
Eigentlich…, begann sie gedanklich eine Richtung einzuschlagen, die sie vielleicht auf den richtigen Weg führen würde. Ich muss die Quelle finden. Und diese scheint weder der Baum, noch Alyisas Grab zu sein. Das Bild des hellhaarigen Menschen aus Kayons Erinnerung erschien vor ihrem inneren Auge. Der Unbekannte war die einzige Spur, die sie hatten. Doch diese war nicht gewiss – was wenn sie sich irrten und der Mann mit alldem nichts zu tun hatte? Sie wussten ja noch nicht einmal, wo er war, geschweige denn, ob er sich im Dorf aufhielt.
Rhuna schloss die Augen und konzentrierte sich. Sie versuchte eine Spur – ein Gefühl zu finden, wie sie es vor ein paar Tagen im Beisein von Avalinn geschafft und das sie alle zu Alyisas Grab geführt hatte.
Sie hörte auf ihren Herzschlag. Das wonach sie suchte hatte weder eine Form noch Farbe und doch begann sie dem Gefühl in ihren Gedanken und für sich alleine ein Aussehen zu verleihen. Das tat sie ganz intuitiv und nach ein paar Sekunden schien es zu wirken. Das Gefühl war wie ein Licht, das sie in sich fand und das ihr eine Richtung wies, in die sie sich drehte, bevor sie wieder die Augen öffnete.
Das Erste, was die junge Elfe bemerkte war das brennende Gefühl um ihren Hals. Das Amulett, das Avalinn ihr geschenkt hatte war immer heißer geworden – so heiß, dass sie es abnehmen musste. Doch auch in ihren Händen konnte sie es nicht halten und so fiel es zu Boden. Ihr Blick folgte dem Sturz des Anhängers wie in Zeitlupe und als sie den Kopf senkte, breitete sich in ihrem Nacken ein immer stärker werdendes, unangenehmes Kribbeln aus, das ihr mehr als bekannt vorkam. Ihr Herzschlag erhöhte sich und die Angst kroch ihr in die Glieder.
Es… ist hier! Wen oder was sie tatsächlich meinte, wusste Rhuna selbst nicht. Ihr Blick hob sich und sie sah sich suchend um, lief in die Richtung, in die sie ihr Gefühl von vorhin hat leiten wollen.
Ihr Blick fiel auf eine Gruppe von Fremden, die aus der Richtung von Kayons Haus gekommen waren. Neben der Elfe mit violetten Haaren stand ein Dunkelelf, der einen scheinbar Verletzten im Arm trug. Tatsächlich war dieser der erste Dunkelelf, den sie zu Gesicht bekam, wenn man von den Leichenresten absah, an denen sich Raji im Kapayu gelabt hatte.
Ein Schauder durchlief sie bei der Erinnerung an die toten roten Augen des Leichnams und des Alptraums, den sie damals in ihrer ersten Nacht mit Yedan gehabt hatte.
Was macht ein Dunkelelf hier?, fragte sie sich aufgebracht, doch tatsächlich war dieser vergessen, als Rhunas Blick auf die Gestalt von Dromar fiel. Der Schreck zog ihr durch die Glieder. Er war es! Der Mann aus Kayons Erinnerung!
Ob es nun ihr Instinkt, ihre Magie oder etwas anderes war, war nicht gewiss, doch in der Elfe begannen alle Alarmglocken zu schrillen. Plötzlich ging alles furchtbar schnell. Rhuna sah nur noch Kayon und Yedan in der Nähe dieser Fremden – des Mannes, den sie alle als Quell der Verzweiflung vermuteten. Angst stieg in ihr auf, doch tatsächlich ergriff ein noch fiel stärkeres Gefühl von der jungen Elfe Besitz, als sie erneut die süßlich verführende Stimme der Dunkelheit in ihrem Kopf wiederhallen hörte.
„Kommt... kommt und nähret mich. Ihr seid perfekt für mich... liebet mich...lasst mich herein..." Eine unkontrollierbare Übelkeit befiel Rhuna und eine Hand auf den Mund pressend, spürte sie, wie ihre Beine nachgaben. Mit der freien Hand stützte sie sich zittrig vom Boden ab und versuchte das Würgen zu unterdrücken, mit dem ihr Körper auf die Übelkeit reagierte.
Das Gefühl … die Präsenz der Dunkelheit war geradezu greifbar und Rhunas Körper reagierte alarmierend negativ darauf. Ihre Ohren begannen zu surren und alles um sie herum begann zu verschwimmen, wie bereits vor ein paar Tagen, als die Dunkelheit sie das erste Mal kompromittierte. Die Stimme war süßlich – verführerisch – säuselnd und lud sie ein, den Worten einfach Folge zu leisten. Würde sie dies tun würde alles … einfach werden. Zumindest war es das, was die Worte zu versprechen schienen. Die Strapazen und die Qual würde ein Ende haben...
Rhuna hatte diese Empfindungen schon einmal erlebt. Sie sehnte sich so sehr nach einer Kraft, um ihre Lieben zu schützen und besagte Stimme hatte ihr diese schon einmal versprochen, würde sie nur nachgeben.
„Lass dich führen… ich zeige dir deine Macht.. ich gebe dir, was du ersehnst… öffne dein Herz für mich und du bist nie mehr allein…“ Die damaligen Worte der Stimme hallten in ihren Erinnerungen wider. Sie waren zu verführerisch…
Ein gequältes Wimmern verließ Rhunas Mund, als sie ihre Hand vom Mund zog und sich nun mit beiden abstützte. Sie fühlte sich buchstäblich zerrissen! Ihre schwache Seite wollte dieser Stimme vertrauen und nachgeben – in der Hoffnung eine Macht zu finden, die ihr ihre Wünsche erfüllen konnte. Doch ihre andere Seite – ob es die, ihrer Stärke war, war sogar fraglich, begehrte gegen dieses Empfinden auf!
Wenn… ich dem nachgebe… verliere ich alles und jeden…! Es war weit entfernt von einfach. Doch als Rhuna den Blick hob und Yedan ansah, fand sie die Stärke sich aus diesem Zustand zu reißen. Doch das hieß nicht, dass ihr Körper nicht länger mit den Einflüssen der dunklen Kräfte zu kämpfen hatte:
Ihr Herzschlag ging viel zu stark und Angstschweiß perlte von ihrer Stirn. Sie spürte, dass etwas in ihr zu brodeln begann. Waren das ihre Magien, die sie zu schützen versuchten? Würde es wie vor ein paar Tagen sein? Sie hatte doch keine Kontrolle!
Etwas zittrig richtete sie sich auf. Sie wünschte sich Avalinn an ihre Seite, die sie sonst immer bei diesen Vorfällen aufgefangen hatte. Doch ihre Freundin durchlitt gerade weitaus schlimmere Qualen…! Sie musste es alleine schaffen – das schuldete sie der Heilerin! Das schuldete sie Kayon, der gerade vielleicht in großer Gefahr schwebte.
Ihre Füße bewegten sich von ganz alleine. Rhuna hatte das Gefühl, dass sie den Boden unter sich gar nicht spürte, doch das hielt sie nicht davon ab bis zu Yedan zu gelangen, an dem sie sich allerdings festhalten musste. Hatte er den Mann erkannt? Konnte er die Dunkelheit auch spüren, oder gar die Stimme hören?
Der Blick der Shyáner-Elfe striff kurz den von Neriélle. Doch da sie einander und ihre Gesinnung nicht kannten und Neri zudem auch noch mit Dromar aufgetaucht war, begegnete sie ihr mit Misstrauen und Vorsicht. Sie entdeckte zwar die optischen Ähnlichkeiten zu einer Shyáner-Elfe, doch für mehr hatte Rhuna gerade kaum einen Blick. Sie sah rasch zu Yedan auf und ihr Blick sagte nur eins: Du musst deinen Vater dort wegholen! - sollte er nicht längst zum selben Schluss gekommen sein.
Ihr Griff um seinen Arm verstärkte sich kurz. Was wenn Kayon etwas geschah und dann auch noch ... Yedan...? Der Gedanke war weitaus schlimmer, als das zerrissene und brodelnde Gefühl, das immer stärker zu werden schien. Der brünetten Elfe ging es ganz und gar nicht gut, doch gerade konnte und wollte sie das nicht beachten und auch nicht von Yedan beachtet sehen. Tatsächlich bildete sich in ihr auch immer mehr Wut, die aus ihrer Verzweiflung resultierte. Egal was es kosten würde - sie würde alles tun, um das zu schützen, was ihr Lieb und Teuer war.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Erzähler » Samstag 29. April 2023, 09:03

Neri:

Es wäre endlich die nötige Rettung gewesen. Nach all den Sorgen und den Strapazen, die sie hatte miterleben müssen, wäre das Dorf der Waldmenschen ein Rückzugsort gewesen. Doch schon beim Näherkommen spürte Neriélle dass sich ihre Gedanken ins Gehenteil kehrten. Mit jedem Schritt näher an ihre Hoffnung, entglitt sie ihren Fingern immer schneller. Selbst, als sie die Dorfgrenze endlich überquerten und ihre Augen tatsächlich als erstes das Schild eines Bogenbauers fanden, verkümmerte ihr Gefühl auf Zuversicht unter der drückenden Last, die ein jeder hier fühlen musste. Die Worte des alten Mannes verstand die Elfe im Zusammenhang nicht, doch einmal mehr überschlugen sich die Ereignisse. Neri hatte sich bereits an diesen Wechsel zwischen hoffen und bangen gewöhnt, sodass sie augenblicklich erkannte, dass hier etwas nicht recht stimmen wollte. Und während sie sich noch fragte, wie sie ihr Auftauchen erklären würde, spürte sie diese Anziehung auf sich zukommen. Das feine Kribbeln in ihrem Nacken, das der Wirkung von Calhoun ähnlich war, aber um ein Vielfaches gefährlicher wirkte. Obgleich es auch diesem Schatten nicht an Verführung fehlte. Die Dunkelheit, die Neri gleichzeitig fürchtete und faszinierte, war wie ein Geliebter, der sie umhüllte, sie streichelte und liebkoste. Neri hörte zu, vergaß die Situation um sich herum und lauschte. Lauschte den Worten, die sich in ihre Gedankenwelt schmuggelten. Sie wandte sich an Calhoun und jener beobachtete derzeit den alten Mann und Dromar.
Sie schienen einander zu kennen, doch der Alte sah nicht zufrieden aus. Es war kein freudiges Wiedererkennen. Dann fiel der rote Blick auf Neri. "Hörst du das auch?", flüsterte sie ihm entgegen und er runzelte die Stirn. Noch immer trug er Arunn, der weiterhin unruhig wurde. „Ich höre nur dieses schreckliche Wimmern und Klagen in diesem Dorf. Hier geht etwas vor sich, wir hätten nicht herkommen sollen!“, brummte der Dunkle und sah just in dem Moment zum Dorf zurück, da sich der Halbelf, den der alte gerufen hatte zu ihnen drehte und die Gruppe erfasste.

Rhuna:

Handlungsfähig zu sein und handeln zu wollen, waren unterschiedliche Dinge. Rhuna wollte beides und hatte dennoch das Gefühl, dass sie ersteres nicht anbieten konnte. Sie wollte dem Dorf mit all seinen Bewohnern helfen. Sie wollte sie alle gegen die Dunkelheit schützen, die hier mehr und mehr Einzug erhielt. Aber sie spürte auch, dass sie wie gelähmt dastand. Sie hatte das Gefühl, unfähig zu sein und dass ihre Magien sie einfach hilflos zurückließen, statt sich im rechten Moment zu entfalten. Es war schwer abzugrenzen, welche Gedanken ihr gehörten und welche durch die Dunkelheit entstanden. Zu zweifeln war gut, denn es schürte gleichzeitig die Vorsicht, sich darin zu ergeben, würde aber alles verschlimmern. Rhuna balancierte auf einem äußerst dünnen Seil und geriet mehr und mehr ins Wanken. Blieb zu hoffen, dass sie nicht fiel. Jetzt aber musste sie zusehen, wie Ajak seine Magie entfaltete. Sie erinnerte sich daran, dass der blonde Elf sich beschwert hatte, weil Rhuna ein Bett aus Blüten in ihrer Bewusstlosigkeit erschaffen hatte. Er brauchte dafür hartes Training. Allerdings stellte Rhuna jetzt fest, dass er seine hart erlernte Magie wenigstens auf Knopfdruck anwenden konnte. Zusammen mit zwei anderen Elfen, erschufen sie eine Barriere aus Schönheit gegen die Dunkelheit, die sich weiter und weiter auf ihr Dorf zuschob. Rhuna aber entging diese Schönheit. Sie lauschte der Verzweiflung in ihrem Herzen und fröstelte. Dieser Weg würde einsam verlaufen. Und Avalinn hatte ihren kostbaren Atem vermindert, um sie an Hoffnung zu erinnern. Und Rhuna wollte hoffen! Sie, Yedan, Ajak , Kaja, Kayon… sie alle würden im Kleinen agieren und sich zu etwas großem zusammenschließen. Jeder ein kleiner Teil! Sie schloss ihre Augen und lauschte in sich hinein. Sie wusste, sie musste die Quelle finden. Die kranke Pflanze an der Wurzel herausziehen.. Sie lauschte. Und wie bereits auf dem Friedhof, lenkte ein warmes Gefühl ihren Blick. Es war nur flüchtig aber sie hörte zu! Rhuna richtete sich nach diesem inneren Licht aus, wie bei einem Kompass.

Dann schlug sie die Augen auf und spürte das heiße Brennen, um ihren Hals. Avalinn’s Schutztalisman hatte viel aushalten müssen. Jetzt aber verglühte er auf dem Boden zu ihren Füßen, ehe das Leuchten erlosch. Die Magie war vorbei und zurück blieb eine einfache Kette. Fast zeitgleich aber spürte nun auch Rhuna das gänzliche Ausmaß dieser Dunkelheit. Es kroch auf sie zu und umhüllte ihre Seele. Er lockte, verführte und korrumpierte. Aber noch etwas anderes entdeckte sie: Eine Gruppe Neuankömmlinge, die sämtliche Aufmerksamkeit allein schon durch ihre Konstellation erhielten.. Ein hochgewachsener Dunkelelf mit weißen Haaren und blutroten Augen stand mitten unter ihnen. Er trug nur einen langen, schwarzen Mantel, doch ihm fehlte das Hemd. Er war gut gebaut, hatte eine einnehmende Ausstrahlung und unterhielt sich gerade mit der ebenso großgewachsenen Elfe mit gelben Augen und violetten Haaren. Sie erregte die Aufmerksamkeit von Rhuna, weil sie etwas Vertrautes an sich hatte. Heimat, war der Begriff, der Rhuna einfiel. Doch das alles nützte nichts. Die Gruppe offenbarte ihr endlich eben jenen Mann, den sie bereits suchten. Einen weißhaarigen Menschen mit hellblauen Augen und einer Haut, die neben der des Dunkelelfen nur so leuchtete. Die Erkenntnis, die Angst, die Ungewissheit riefen die Dunkelheit und körperlose Präsenz auf den Plan. Rhuna brach unter ihr zusammen und musste sich erst wieder sammeln. Die Worte hämmerten in ihrem Kopf und erzeugten Übelkeit, wie eine zu starke Migräne. Trotzdem musste sie weiter und fand schließlich Halt an Yedan. Der Halbelf hatte die Augen fest auf die Gruppe gerichtet und blinzelte überrascht als er Rhuna’s Gewicht an seinem Arm spürte. „Rhuna!“, stieß er aus und hielt sie augenblicklich. Besorgnis legte sich in seine Züge und er betrachtete sie, ob sie körperlich verletzt wäre. „Was ist los?“, raunte er ihr zu und folgte ihrem Blick zurück zu der Gruppe.

Neri&Rhuna:

Beide Lager standen einander gegenüber. Yedan und Rhuna bildeten die eine Seite, während Neriélle neben Calhoun und dem sich windenden Arunn in seinem Arm die andere Seite bildeten. Zwischen ihnen standen Dromar und Kayon. Kayon hatte den Menschen offenbar erkannt und sein Gesicht verfinsterte sich immer mehr, während der helle Mensch unbeeindruckt schien. „Lass mich augenblicklich los!“, blaffte der Alte und rüttelte an seinem Griff. „Du warst da! Ich weiß es genau!“, krächzte er und Kayon sah zu Rhuna und Yedan. Letzterer runzelte die Stirn. Eine Erkenntnis wollte sich ihm zeigen, doch noch erinnerte er sich nicht so gut, wie es Rhuna tat. Sie hatte in der Erinnerung von Kayon einen Blick erhaschen dürfen. Doch für Yedan war es über 20 Jahre her und er damals in einer desolaten Verfassung gewesen. „Er.. kommt mir bekannt vor…“, murmelte der Halbelf und fasste Rhuna’s Arm etwas stärker. „Komm mit!“, zog er die Brünette mit sich und kam auf die Gruppe zu.
Calhoun trat ebenfalls ein Stück näher und nun waren es seine roten Augen, die die Szene erneut erfassten. „Sie scheinen dich zu kennen, Dromar?“, fragte er laut, sodass auch Rhuna und Yedan sie hören konnten. Der Hellhaarige legte einen Arm um Kayon, dem menschlichen Vater von Yedan. Er stemmte die andere Hand in seine Hüfte und betrachtete sowohl Neri und Calhoun als auch Yedan und Rhuna einmal. „Ein freudiges Wiedersehen, nicht wahr?“, er holte tief Luft. „Ahhh, ich war lange nicht mehr hier. Hier riecht es… so schön nach..“- , seine hellen, blauen Augen blitzten amüsiert auf, wirkten aber recht kühl dabei. „Verzweiflung..“, raunte er und in diesem Moment trat Yedan, dem die Erkenntnis ins Gesicht geschrieben stand, auf den Hellen entschlossen zu. „Du bist das!“, knurrte er und ließ Rhuna los. Dromar aber hob einen Finger und wackelte tadelnd mit diesem. „Nicht doch! Nicht so schnell.“, er lächelte zuckersüß und umfasste Kayon’s Schulter fester. „Behandelt man so inzwischen Gäste im Dorf?“, säuselte er und Yedan’s Blick flog zu Neriélle und Calhoun. „Sie kamen mit dir! Sie sind ebensowenig Gast, wie du!“, fauchte Yedan und funkelte die beiden an. „Was hat ein Dunkelelf mit einer Shyánerin zu schaffen??“, klagte er Neriélle indirekt an. Calhoun schnaubte. „Was auch immer hier euer Problem ist, wir kamen her, weil der Mensch hier dringend Hilfe braucht“, er ruckte das Kinn auf Arunn, der schon tot aussah.
Yedan’s warmer, hellbrauner Blick fiel auf das Gesicht des Dessariers. „Seit wann retten Dunkelelfen Menschen?“, hielt Yedan dagegen und Calhoun rollte die Augen. Er ließ Arunn vorsichtig zu Boden sinken und trat an Yedan heran, baute sich vor ihm auf.

Er war einen halben Kopf größer als der Halbelf. „Hör zu, Junge. Gebt uns Heilung, dann sind wir wieder weg. Mit dem da haben wir nichts zu schaffen“, deutete er auf Dromar und dann mit dem Daumen auf Neri hinter sich, „Sie hat ein zu großes Herz für Dahergelaufene. Das ist alles. Eure Probleme gehen uns nichts an. Also… wo ist eure Heilerin? Ich hörte, es hält sich eine hier auf!“, verlangte er zu wissen und trat von Yedan wieder weg. Dabei streiften die roten Augen kurz Rhuna. „Deiner Freundin geht’s nicht gut. Sie könnte gewiss auch eine gebrauchen!“ bemerkte Calhoun flüchtig und kehrte an Neri’s Seite zurück. Während sich die Gruppen beschnupperten, erlebten Neri und Rhuna aber weiterhin das Drängen der körperlosen Verführung. Jede auf ihre Weise. Die Stimme säuselte zwar nicht, doch das Gefühl blieb. Auf Neri’s Schulter hockte Pitt, der dem ganzen erstaunlich schweigsam zuhörte. Doch ein Blick in das Gesicht des Ottsele verriet, dass auch er diese seltsame Dunkelheit wahrnehmen konnte. Während Yedan, Kayon und Calhoun das offenbar nicht taten. Oder nicht in der Form. „He! Yedan! Yedan!“, rief hinter ihnen plötzlich eine Stimme und die rothaarige sarische Elfe Kaja trat an das Grüppchen heran. „Was ist denn hier los?“, grinste sie in offener Manier und stemmte die Hände in die Hüften. Sie betrachtet Dromar, erkannte ihn aber nicht. Dann sah sie Calhoun und ihr Blick glitt genüsslich über die breite Brust und das durchaus attratktive Gesicht. „Heilige… Florencia, dich mochte sie aber besonders, hm?“, grinste sie und erntete einen nichtssagenden Blick von Calhoun. „Oder Faldor, was mein dunkler Freund?“, feixte Kaja und sah zu Neriélle. „Na aber sag mal! Noch so n hübsches Ding! Eure Kinder würden gewiss der Renner werden!“, lachte sie und schien sich dem Ernst der Lage gar nicht bewusst zu sein. Yedan holte sie zurück. „Kaja! Hol dir Hilfe und bring den Menschen in die Taverne. Er braucht Heilung…“, murmelte er, ließ den Teil mit Avalinn aber gerade aus. Die Rothaarige blickte auf Arunn und wurde ernst. „Ach du scheiße, seine Kinder würden derzeit eher niemanden das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen!“, hustete sie. „Ich bin gleich wieder da“, versicherte Kaja und lief zurück zur Taverne. Da standen sie nun und um sie herum zog sich der Schatten der Hoffnungslosigkeit immer näher. Nur einer schien Hoffnung zu haben…: Dromar.
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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Neriélle » Montag 1. Mai 2023, 21:27

„Ich höre nur dieses schreckliche Wimmern und Klagen in diesem Dorf. Hier geht etwas vor sich, wir hätten nicht herkommen sollen!“
Neris Herz begann für einige Momente schneller zu schlagen. War sie doch verrückt geworden? Nein, sie war sich sicher, dass sie das Flüstern klar und deutlich gehört hatte. Es war das Flüstern aus der Höhle und das Flüstern aus ihrem Albtraum. Aber Calhoun hatte es offensichtlich nicht gehört. Trotzdem schien er wahrzunehmen, dass hier etwas nicht stimmte. Neris Blick klärte sich und kehrte zu den anderen zurück. Neben Yedan war inzwischen eine Elfe mit braunen Haaren getreten. Neriélle musterte ihre Gestalt, ehe sich ihre Augen einen Moment weiteten. Sie ist eine Shyánerin. Oder irre ich mich? Für einen Moment schaffte diese Verbundenheit zu der unbekannten Elfe, die sie unweigerlich an ihre Heimat erinnerte, die aufkeimende Dunkelheit in ihren Gedanken zur Seite zu drängen. Doch dann legte sich wieder diese Schwere über sie und ihre Aufmerksamkeit kehrte zu dem Alten zurück, der gerade Dromar anblaffte. „Lass mich augenblicklich los! Du warst da! Ich weiß es genau!“
„Sie scheinen dich zu kennen, Dromar?“ Auch Neri lag diese Frage auf der Zunge, doch Calhoun war schneller. Ein ungutes Gefühl kroch in Neriélle hinauf. Die hier anwesenden Dorfbewohner kannten Dromar und es wurde immer deutlicher, dass sie nicht viel von ihm hielten.
„Ein freudiges Wiedersehen, nicht wahr? Ahhh, ich war lange nicht mehr hier. Hier riecht es… so schön nach.. Verzweiflung..“
“Nein..”, flüsterte Neriélle ungläubig, weil sie endlich begann zu begreifen. Nicht alles und sicher nicht die gesamte Tragweite, aber doch so viel, dass ihr klar wurde, dass sie einen Fehler gemacht hatten - dass vor allem sie einen Fehler gemacht hatte. Schon wieder. Yedan und die Shyánerin kamen näher und der Bursche trat auf Dromar zu. Seine Worte unterstrichen ihre Befürchtung nur. „Du bist das!“
“Du hast uns hintergangen, Dromar!”, zischte Neriélle plötzlich in seinem Rücken und wusste für einen Moment nicht, auf wen sie wütender sein sollte - auf sich selbst oder auf den Menschen?!
„Nicht doch! Nicht so schnell. Behandelt man so inzwischen Gäste im Dorf?“
Auch wenn Neriélle den alten Mann nicht kannte, war ihr deutlich anzusehen, dass ihr Dromars plötzlicher Tonfall und die Art, wie er den Alten festhielt, missfiel. Er hatte so unschuldig und nett auf sie gewirkt. Doch nun kippte dieser Eindruck und hinterließ tatsächlich Zweifel in Neri. Im nächsten Moment fing sie Yedans Blick ein und sie sah den Vorwurf in seinem Blick, bevor er ihn aussprach.
„Sie kamen mit dir! Sie sind ebenso wenig Gast, wie du! Was hat ein Dunkelelf mit einer Shyánerin zu schaffen??“
“Er hat mir das Leben gerettet”, erklärte Neriélle Yedan kurz und knapp, ohne weitere Details zu nennen. Es war das erste Mal, dass sie anderen gegenüber zugab, dass sie Calhoun ihr Leben verdankte. Erst hatte er sie vor Soldaten der dunklen Armee beschützt und dann hatte er sie an einem Lagerfeuer im Wald versorgt. Ohne ihn wäre sie direkt getötet oder wenig später erfroren oder verhungert - vermutlich beides. Für einen Moment wurden ihre Züge härter, als sie darüber nachdachte. Doch dann fasste sie sich wieder. "Und jetzt sind wir hier, um Arunns Leben zu retten." Neris Blick verweilte einen Moment bittend in Yedans Augen und huschten dann zu Rhuna hinüber. Vielleicht konnten sie von ihr mehr Erbarmen erwarten? Alles, was sie gewollt hatte, war doch nur einen Heiler für Arunn zu finden. Sie deutete kurz mit dem Kopf zu Dromar hinüber, ehe sie wieder abwechselnd von Yedan zu Rhuna sah. “Wenn ich das richtig verstehe, hat er uns belogen. Ich traf ihn im Neldoreth. Er hat mir erzählt, dass er einem Pflanzensterben auf der Spur ist, irgendeiner Art Krankheit. Arunn scheint mit ihr infiziert zu sein. Er vermutete hier ihren Ursprung. Wir waren sowieso auf dem Weg hierher.. und dann..” Ja, dann? Neriélle verstummte, weil ihr ihre Gutmütigkeit rückblickend so naiv vorkam. Und diese Naivität brachte sie bei Weitem nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten. Sie hatte es für eine gute Idee gehalten, einen völlig Fremden zu vertrauen und blindlings hierher zu bringen, obwohl sie gar nichts über ihn wusste.. Neri schnaubte kurz unwillig in Dromars Richtung. “Du hast genau gewusst, was in dieser Höhle war, oder?! Hast du sie alle umgebracht?”, wollte sie dann wissen, ohne genauer auf die Leichen einzugehen, weil sie gar nicht über diese nachdenken wollte. Doch die Bilder flackerten kurz vor ihrem inneren Auge auf. Ihre Wangen bekamen einen leicht rötlichen Ton. Vor Wut, aber auch vor Scham, weil sie so naiv gewesen war, ihn mitzunehmen.
„Was auch immer hier euer Problem ist, wir kamen her, weil der Mensch hier dringend Hilfe braucht“, hakte Calhoun ein, doch Yedan wollte ihm das nicht glauben. „Seit wann retten Dunkelelfen Menschen?“

Neri sah aus dem Augenwinkel, wie Calhoun den kranken Arunn vorsichtig ablegte, um sich dann vor Yedan aufzubauen. Sie biss sich auf die Unterlippe und betete stumm, dass er diplomatische Worte wählen würde. Sie wusste, wie einschüchternd und gefährlich dieser Dunkelelf auf einen wirken konnte. Aber jetzt waren sie auf den guten Willen und die Hilfe der Dorfbewohner angewiesen.
„Hör zu, Junge. Gebt uns Heilung, dann sind wir wieder weg. Mit dem da haben wir nichts zu schaffen. Sie hat ein zu großes Herz für Dahergelaufene. Das ist alles. Eure Probleme gehen uns nichts an. Also… wo ist eure Heilerin? Ich hörte, es hält sich eine hier auf!“
Schweigend ließ Neri den Kommentar, der sie betraf, über sich ergehen, da Calhoun ihr dasselbe schon mal vorgeworfen hatte, als sie mit Dromar und Pitt, dem Ottsel, zur Hütte zurückgekehrt war, in der sie beide auf dem Weg hierher Unterschlupf gefunden hatten. Zumindest hatte sie irgendwie versucht, Dromar aufzuhalten, doch rückblickend gesehen wäre er sehr wahrscheinlich so oder so in dieses Dorf gelangt.
Neriélle erhoffte sich von Rhuna mehr Empathie und sah die andere Elfe flehend an. “Bitte..! Calhoun hat Recht. Wir kennen Dromar gar nicht und haben nichts mit ihm zu tun”, bekräftigte sie erneut. “Ich kann verstehen, dass ihr misstrauisch seid und ich kann es euch nicht verübeln, wenn ihr uns nicht traut. Wir können nur um eure Hilfe für unseren Freund bitten, bevor dieser stirbt. Wir haben Tage gebraucht, um hierher zu kommen. Ihr seid unsere einzige Chance. Seine einzige Chance!” Sie schaute während ihrer Worte fast durchgehend Rhuna an, ehe sie am Ende kurz auf Arunn deutete. Auch sie bemerkte, dass es der Elfe nicht richtig gut zu gehen schien, doch den Grund dafür konnte sie nicht ergründen. Ob sie ihnen helfen würden? Neri fühlte sich machtlos und hoffnungslos. Sie hatten vermutlich alle ihre Karten verspielt, in dem sie Dromar hierher gebracht hatten, der definitiv nicht gern in diesem Dorf gesehen war und irgendetwas im Schilde führte. Sie hegte Zweifel, für was ihre zurückliegende Naivität schon wieder verantwortlich sein könnte.. ob sie Dromar nun einen Vorteil verschafft hatten? Ob das Arunns Tod bedeutete? Sie spürte ein Pieksen im Herzen, als sich die Verzweiflung darum legte.

„He! Yedan! Yedan!“
Erst jetzt lösten sich ihre goldenen Augen von Rhuna. Sie blickte zu der rothaarigen Elfe im Hintergrund, die zu ihnen herüber kam und fragte, was los sei. Neri musterte die Elfe und fing ihren Blick auf, mit dem sie Calhoun unverhohlen musterte. Offenbar gefiel ihr, was sie sah, und damit hielt sie auch nicht hinter dem Berg. „Heilige… Florencia, dich mochte sie aber besonders, hm? Oder Faldor, was mein dunkler Freund?“ Neriélle schmunzelte nur leicht bei den Worten, die mehr als zutreffend waren und so einige ihrer vergangenen Gedanken in Worte fassten. „Na aber sag mal! Noch so n hübsches Ding! Eure Kinder würden gewiss der Renner werden!“
Zuerst lächelte sie Kaja freundlich an, weil ihr ihre Art im ersten Moment sympathisch war. Bei ihrer letzten Bemerkung verblasste aber das Lächeln ein wenig und sie hob eine Augenbraue. “Bloß nicht..”, murmelte sie dann leise. Wenn wir hierbleiben dürfen, sollte ich bei Gelegenheit auch eine Kräuterkundige aufsuchen, um das zu verhindern, huschten die Gedanken durch ihren Kopf. Sicher war sicher, falls Calhoun einmal die Beherrschung verlieren sollte. Aber die Worte der Rothaarigen machten ihr auch klar, dass sie hier noch zurückhaltender sein mussten, als sich Neri das ohnehin schon vorgestellt hatte. Wenn schon eine wildfremde Frau beim Anblick von ihnen beiden auf solche abstrusen Gedankengänge kam, sollten sie jegliche Taten in diese Richtung bleiben lassen. Neriélle war jedenfalls froh, als Yedan Kaja von ihnen ablenkte, bevor noch eine unangenehme Stille entstehen konnte.
„Kaja! Hol dir Hilfe und bring den Menschen in die Taverne. Er braucht Heilung…“
Neri atmete erleichtert aus. “Danke! Wirklich. Ohne euch würde er sterben. Wir sind euch etwas schuldig.” Ehrliche Dankbarkeit sprach aus ihr und es wurde deutlich, dass ihr Arunn viel bedeutete. Neri blickte kurz zu Calhoun hinauf, als ihr bewusst wurde, dass sie schneller geredet als gedacht hatte, und sie ihn einfach in diese Schuld mit einbezogen hatte. Sie lächelte schief und entschuldigend, da sie wieder mal vorschnell agierte.
Kaja stellte währenddessen fest, dass es wirklich nicht gut um Arunn stand und lief dann tatsächlich zur Taverne, um Hilfe zu holen. Neri warf einen misstrauischen Blick zu Dromar, dann zu dem Alten und zuletzt zu Yedan und Rhuna.
"Ich bin übrigens Neriélle.. Neri, wenn ihr wollt. Es tut mir leid, wenn Dromar euch Probleme macht.. Vielleicht könnt ihr uns aufklären?", fragte sie. Sie wollte ja nicht neugierig sein und sich in fremde Belange einmischen.. aber sie wollte es wieder gut machen. Sie wusste nicht, was genau Dromars Motive waren und was er mit dem Waldmenschendorf zu tun hatte. Doch offenbar hatte er hier irgendetwas angestellt, das über einen harmlosen Streich hinaus ging.. und wenn das tatsächlich etwas mit den Leichen in der Höhle und Arunns Infektion zu tun hatte.. Neri spürte förmlich, wie die dunkle Verzweiflung sie umgab.

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Rhuna Bláidyaét
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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Mittwoch 3. Mai 2023, 00:11

Der Verlust der Kette wog schwer, denn Rhuna bemerkte erst den Unterschied, als die unterstützende Kraft von Avalinn aufgebraucht war. Die Dunkelheit zerrte an der jungen Elfe, die aufgrund ihrer magischen Veranlagungen leider ein anfälligeres Ziel bot, als manch anderer. Sie fühlte alles intensiver und musste mehr Kraft aufbringen, um sich gegen die Korruption zu behaupten und vor der Gegenmagie zu schützen.
Einzig und alleine der Gedanke an ihre Freunde – an ihr Ziel sie und den Sarius zu beschützen hielt Rhuna aufrecht und davon ab, der verführerischen Stimme nachzugeben. Aufgeben kam einfach nicht in Frage – die Hoffnung zu verlieren, kam nicht in Frage!
Rhuna erreichte Yedan und als er sie aus Sorge stützte, umarmte sie ihn. Vielleicht war es reine Einbildung, doch der Körperkontakt zu ihm half ihr, so dass sie das Gefühl hatte endlich wieder etwas durchatmen zu können. Es war seine Wärme, die Rhuna gut tat und ihre kühlen Finger dort erwärmte, wo sie ihn berührte. Ganz ähnlich der Magie der Kette…
„Yedan, dein Vater…!“, begann sie und sah auf, wo ihr Blick auf Dromar fiel, der Kayon in seiner Gewalt hielt, auch wenn dies nicht für jedermann erkennbar war. Doch Yedan war aufmerksam, er war schlau und einfühlsam. Und so war es keine Frage der Zeit – er verstand sofort, dass sein Vater nicht freiwillig bei dieser Gruppe und ganz besonders nicht bei diesem Mann stand.
„Er.. kommt mir bekannt vor…“, murmelte er und zog Rhuna mit sich den Fremden entgegen. Mit jedem Schritt näher spürte die Elfe eine instinktive Ablehnung, die sie zurückweichen lassen wollte, doch sie riss sich zusammen und folgte tapfer den Schritten des Halbelfen. Ihr Herz pochte wild und schien in ihrer Brust widerzuhallen. Es war unangenehm, doch sie erlaubte sich keine Schwäche.
„Wir müssen Kayon von ihnen wegholen!“, flüsterte sie eindringlich und zugleich vollster Sorge bittend. Sie merkte, dass es in Yedan arbeitete und er nur ein paar Augenblicke von der Erkenntnis entfernt war, die ihn erkennen lassen würde, dass dieser Mensch die Wurzel allen Übels war.
Ihr Blick fiel auf den Dunkelelfen, der kurz danach das Wort ergriff und dem Bösen dadurch einen Namen gab: „Sie scheinen dich zu kennen, Dromar?“
Unsicher welche Rolle die beiden anderen spielen würden betrachtete sie ihn misstrauisch. Der Dunkelelf war großgewachsen und vielleicht sogar noch größer als Ajak. Tatsächlich sah er wirklich gut aus, doch ein solcher Gedanke wollte sich bei Rhuna in dieser Situation nicht bilden. Die muskulöse Statur ließ sie nur daran denken, dass der andere Elfenmann höchstwahrscheinlich kampferfahren und stark war – was im schlimmsten Falle einen weiteren gefährlichen Feind bedeuten würde.
„Ein freudiges Wiedersehen, nicht wahr?“, erklang nun Dromars Stimme, die Rhuna einen eiskalten Schauder über den Rücken jagte. Erneut durchzog sie eine Welle der Übelkeit. Die Stimme des Menschen und die in ihrem Kopf hörten sich nicht besonders ähnlich an, doch in beiden Schwang eine Düsternis und Boshaftigkeit mit, die sich auf anderer Ebene glichen. „Ahhh, ich war lange nicht mehr hier. Hier riecht es… so schön nach…Verzweiflung…“ Der Griff um Rhunas Hand zuckte und wurde fester. Yedan hatte Dromar in diesem Moment wiedererkannt und suchte eindeutig die Konfrontation. Und wer konnte ihm dies verübeln? Vielleicht war es dieser Mann, der ihm alles genommen hatte!
„Du bist das!“, knurrte der Sarier und ließ Rhuna los, die hastig nach seinem Arm griff, um ihn zurückzuhalten.
„Yedan, warte.“, beschwor sie ihn verhalten und zog ihn, soweit er dies zuließ, wieder zu sich. Ihr Blick lag auf dem Hellen, der in einer drohenden Haltung Kayons Schulter fester packte und mit der anderen Hand eine tadelnde Geste vollführte, um seinerseits den Halbelfen zum Zögern zu bewegen.
„Nicht doch! Nicht so schnell. Behandelt man so inzwischen Gäste im Dorf?“, fragte Dromar mit widerwärtiger Süßlichkeit in der Stimme, die in Rhuna pure Abneigung und Wut aufwallen ließ. Doch die Sorge um Yedan war größer. Was, wenn die Begleiter des Menschen zu dessen Schutz eingriffen?
Eine Sorge, die überraschenderweise von Neriélle ins Wanken gestürzt wurde, als diese plötzlich das Wort ergriff:
„Du hast uns hintergangen, Dromar!”, zischte die etwas größere Elfe, bei der Rhuna merkwürdigerweise an ihre ‚Heimat‘ denken musste. Ihre Blicke trafen sich kurz und der misstrauische Ausdruck in den violetten Augen verlor für einen Moment an Stärke und wich Unsicherheit. Wer ist sie? Ist sie eine Verbündete von ihm?, fragte sie gedanklich und sah von ihr zu dem Dunkelelfen, dessen reine Anwesenheit bereits einen Vertrauensvorschuss verhinderte. Yedan zumindest schien ihnen ebenfalls nicht vertrauen zu wollen.
„Sie kamen mit dir! Sie sind ebenso wenig Gast, wie du! Was hat ein Dunkelelf mit einer Shyánerin zu schaffen??“, fragte er anklagend und sorgte dafür, dass Rhuna Neri wieder ansah. Sie war auch eine Shyánerin…! Doch bedeutete das automatisch, dass sie auf derselben Seite stehen würden?
„Er hat mir das Leben gerettet“, kam es verteidigend von Neriélles Seite und die Art und Weise, wie ihre Stimme dabei klang löste etwas in Rhuna aus. Es war wie ein Echo, das einen vertrauten Gedanken weckte: auch sie war gerettet worden– von Yedan! Und gerade konnte sie dasselbe Gefühl der Dankbarkeit und Verbundenheit in den Augen dieser Elfe sehen, die auch sie damals empfunden hatte.
Rhuna suchte Yedans Hand und verankerte ihre Finger ineinander. Sie wusste, wie aufgewühlt er sein musste und wollte für ihn da sein – zeitgleich ihn aber auch davon abhalten unbedacht zu handeln. Egal, wie gut sie den Drang nachvollziehen konnte, Dromar an die Gurgel zu gehen…
Das Mal an ihrem Unterarm begann immer stärker zu brennen. Doch gerade missachtete sie diesen Schmerz und betrachtete unschlüssig Neriélle, die versuchte ihnen ihre Lage zu erklären:
„Und jetzt sind wir hier, um Arunns Leben zu retten.“ Rhuna folgte Neris Deuten und sah auf den dunkelhaarigen Menschen, aus dem bereits fast gänzlich das Leben gewichten zu sein schien. Erneut spürte sie ein vertrautes Gefühl in sich aufsteigen, das der verzweifelte Unterton der anderen in ihr auslöste.
„Wenn ich das richtig verstehe, hat er uns belogen. Ich traf ihn im Neldoreth. Er hat mir erzählt, dass er einem Pflanzensterben auf der Spur ist, irgendeiner Art Krankheit. Arunn scheint mit ihr infiziert zu sein. Er vermutete hier ihren Ursprung. Wir waren sowieso auf dem Weg hierher… und dann...”
Wenn das stimmt und er sie ebenfalls reingelegt hat…würden sie sich gegen ihn wenden? Sie sah kurz zu Yedan und versuchte in seiner Miene zu lesen, was er von den Worten der anderen Shyánerin hielt.
„Du hast genau gewusst, was in dieser Höhle war, oder?! Hast du sie alle umgebracht?”, klagte die Fremde ihren Begleiter nun an, der sich noch immer keine Schuld anmerken ließ. Dromar schien eher in positiven Erinnerungen zu schwelgen und sich über die Situation zu amüsieren.

Momentan war Rhuna nur stille Beobachterin. Doch gerade saßen sie hier fest, denn alleine konnten sie nichts gegen Dromar unternehmen. Schon gar nicht, wenn dieser Kayon still und unterschwellig als Geisel hielt. Herauszufinden, welche Rolle die anderen beiden Fremden nun spielten, war wohl das Einzige und Sinnvollste, was sie gerade tun konnten. Doch innerlich zerriss es Rhuna langsam. Nur einige Meter weiter kämpfte Avalinn um ihr Leben und Ajak… Ajak er riskierte sein Leben, um sein Dorf zu beschützen. Keinen der Beiden wollte sie verlieren...!

Der Dunkelelf trat nun hervor und legte den verletzten und sichtbar kranken Menschen, den er bislang getragen hatte, auf den Boden. Vom Körper des Menschen ging ein unangenehmer Geruch aus und es war nicht schwer zu erkennen, dass er bereits mit einem Bein im Grab lag. Verstohlen sah Rhuna zu Neri und entdeckte in ihrem Blick die ehrliche Sorge um den kranken Mann.
„Was auch immer hier euer Problem ist, wir kamen her, weil der Mensch hier dringend Hilfe braucht“, bekräftigte nun auch noch Calhoun. Und während Yedan provokant nachharkte und fragte: „Seit wann retten Dunkelelfen Menschen?“, machte Rhuna zögerlich einen Schritt auf Arunn zu, um einen näheren Blick auf ihn zu werfen. Das, was sie sehen konnte, war eindeutig: Diese Krankheit zerfraß ihn…!
Florencia, was sollen wir nur tun?, fragte sich die junge Elfe verzweifelt. Ihnen lief die Zeit davon, wie Sand durch ihre Finger ronn. Sie hatten genug eigene Probleme und die Einzige, die Arunn vielleicht tatsächlich helfen könnte war … Avalinn!
Im Augenwinkel bemerkte Rhuna, dass sich schräg vor ihr der Dunkelelf vor Yedan aufbaute. Seine Statur und Größe alleine konnte einschüchtern – besonders jemand deutlich kleineren, wie Rhuna. Was Yedan anging, ahnte sie, dass er sich hingegen nicht beeindruckt zeigen würde.
„Hör zu, Junge. Gebt uns Heilung, dann sind wir wieder weg. Mit dem da haben wir nichts zu schaffen. Sie hat ein zu großes Herz für Dahergelaufene. Das ist alles. Eure Probleme gehen uns nichts an. Also… wo ist eure Heilerin? Ich hörte, es hält sich eine hier auf!“
Rhunas Herz schlug noch einen Takt schneller. Yedan war vor allem eines: ein wahrer Sarier, der sich zum Wohle seiner Lieben nicht im Geringsten einschüchtern lassen würde! So liebevoll und sanft er sich geben konnte, es hieß nicht umsonst, dass man sich mit Sariern nicht anlegen sollte…!
Die Stimmung begann demnach gefährlich zu kippen.
Der Blick der Brünetten huschte von Kayon zu Dromar, von Dromar zu Calhoun, zu Yedan und dann wiederum zu Neri, die offensichtlich ahnte, dass sich die Fronten gerade negativ verhärteten.
„Bitte..! Calhoun hat Recht. Wir kennen Dromar gar nicht und haben nichts mit ihm zu tun. Ich kann verstehen, dass ihr misstrauisch seid und ich kann es euch nicht verübeln, wenn ihr uns nicht traut. Wir können nur um eure Hilfe für unseren Freund bitten, bevor dieser stirbt. Wir haben Tage gebraucht, um hierher zu kommen. Ihr seid unsere einzige Chance. Seine einzige Chance!” Tatsächlich waren es diese Worte, die Rhuna zum Handeln bewegten. Sie kannte besser als andere das Gefühl der Hilflosigkeit. Und diese sah sie nun in den Augen der anderen Shyánerin, die um das Leben ihres Freundes fürchtete.
Ohne Kaja und Ajak hätte auch ich Yedan verloren! Sie wusste um die Angst, die Neri empfinden musste und konnte nicht anders, als sich einzumischen.
Ohne darüber nachzudenken trat sie zwischen die beiden Elfenmänner und hielt beide mit ihren Armen auf Abstand. Mit festem Blick sah sie erst in das warme Braun Yedans – dann in die roten Augen Calhouns. Sie hatte einen Entschluss gefasst und würde nun alles auf diese Karte setzen.
„Dich mögen unsere Probleme nicht kümmern, aber wenn sie …“, und damit sah Rhuna zu Neriélle, „…die Wahrheit sagt, haben wir ein und dasselbe Problem!“, erklärte sie mit fester Stimme. Man konnte Rhuna ansehen, dass es ihr weiter nicht gut ging. Sie ignorierte gerade ihren körperlichen Zustand, der sich jedoch nicht gänzlich verbergen ließ. Obwohl sie keine Angst vor Calhoun hatte, zitterte sie vor Anstrengung. Die Verzweiflung und Dunkelheit griff sie stetig und unsichtbar an, was ihre Magien wiederum dazu veranlassten aktiv zu werden – unkontrolliert. Tatsächlich begann sich etwas bei ihr abzuzeichnen, was zuvor nur bei Avalinn geschehen war: Rhunas warmes und schönes Braun begann immer fahler zu wirken und an Farbintensität zu verlieren. Es waren sogar beteits einige Strähnen dabei, die sich völlig weiß zu färben begannen…
„Die Wurzel der Krankheit habt ihr mitgebracht! Er ist ein Nekromant und …“, bevor Rhuna weitersprechen konnte, unterbrach sie aufgeregtes Rufen. Kaja kam angelaufen, die höchstwahrscheinlich bemerkt hatte, dass etwas vor sich ging. Doch wie Kaja nun einmal war, übersah sie die angespannte Stimmung, als sie sich der attraktiven Männlichkeit Calhouns bewusst wurde.
„Heilige… Florencia, dich mochte sie aber besonders, hm? Oder Faldor, was mein dunkler Freund?“ Rhuna stutzte etwas bei ihren Worten. Wie konnte Kaja in einer solchen Situation einen Blick für so etwas haben – egal wie recht sie haben mochte?
Angestrengt wischte sich die Jüngere den Schweiß von der Stirn. Ihr fiel es plötzlich schwer ihrer Freundin bei der weiteren Bewunderung zuzuhören und bemerkte, dass sich der Boden unter ihr leicht zu drehen begann. Das wallende Gefühl von Magie, das der Baum ausgestoßen hatte schien nun auch von ihr zu kommen. Sie spürte, dass sie etwas auszehrte…etwas in ihr miteinander rang und um Vorherrschaft kämpfte…! Gleichzeitig breitete sich ein beinahe unerträgliches Kribbeln und Brennen auf ihrer Haut auf, wo das Mal sie kennzeichnete...
Was konnte sie nur gegen all das tun?
Ihr Blick wanderte zu Dromar, der etwas Abseits das Schauspiel, das sich ihm bot, zu genießen schien. Allein sein Anblick genügte und Wut flammte in ihr auf. Noch nie zuvor hatte sie jemanden so verachtet, wie diesen Mann, der ihr im Grunde gerade mal vor ein paar Minuten begegnet war.
Avalinn… was soll ich tun?, bat sie ihre Freundin stumm um Rat, im Wissen, dass sie keine Antwort erhalten würde. Im Hintergrund bekam Rhuna mit, dass sich Kaja um Arunn kümmerte und dass sich die andere Shyánerin erleichtert bedankte.
„Danke! Wirklich. Ohne euch würde er sterben. Wir sind euch etwas schuldig. Ich bin übrigens Neriélle.. Neri, wenn ihr wollt. Es tut mir leid, wenn Dromar euch Probleme macht... Vielleicht könnt ihr uns aufklären?"
„Er wird sterben…!“, kam es plötzlich nüchtern von Rhuna, die ihre Hände fallen ließ und an ihren Seiten zu Fäusten ballte. Ihr Blick gewann wieder an Schärfe und sie sah Neriélle, wie auch Calhoun eindringlich an. Für lange Erklärungen hatten sie einfach keine Zeit und tatsächlich hatten sie vielleicht eine kleine Chance, wenn die beiden begriffen, dass Dromar der Feind war und sie geschlossen gegen ihn vorgehen müssten.
„Die Einzige, die euren Freund heilen könnte schwebt gerade selbst in Lebensgefahr. Und das wegen ihm!“, klagte Rhuna Dromar an und deutete auf ihn. In ihren Augen schimmerten Tränen, die aus der Verzweiflung geboren wurden.
„Ich kann euch nicht alles erklären! Aber wenn ihr eurem Freund helfen wollt, helft uns ihn aufzuhalten! Er ist ein Nekromant und bedient sich der Kräfte von Harax-Dämonen, die alle in Verzweiflung stürzen. Seine Kräfte vergiften und töten alles Leben! Und wenn wir Avalinn nicht von diesem Baum bekommen, stirbt sie und kann niemanden mehr heilen!“ Rhunas Hände zitterten. Sie spürte, dass mit ihr etwas ganz und gar nicht stimmte. Sie musste irgendetwas tun... bevor sie vielleicht, wie damals das Bewusstsein verlor...
Sie sah zu Kayon, der noch immer unverändert im Griff des Menschen gefangen war und handelte mit einem Mal völlig impulsiv. Sie lief ohne weiter darüber nachzudenken los und stürzte sich so auf Dromar, dass dieser Kayon loslassen musste, was zur Folge hatte, dass der Helle und Rhuna etwas unsanft zu Boden stürzen würden…

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Erzähler » Montag 8. Mai 2023, 11:03

Dieser Tage war es für niemanden leicht sich in Vertrauen zu üben. Zumindest Neriélle hatte in ihrem kurzen, ‚eigenständigen‘ Leben viel zu viel Moral hinterfragen und abschätzen müssen. Ständig war ihr Moralkompass beansprucht worden und schließlich musste sie lernen, dass schlecht nicht gleich schlecht oder gut nicht gleich gut bedeutete. Es wurde immer schwieriger den Motiven Rechnung zu tragen und so musste sich die Elfe mit einer momentanen Patt-Situation zufriedengeben. Rhuna hatte es da teilweise leichter gehabt: Ihre Weggefährten gehörten dem guten Zweig des Lebens an. Sie hatte Yedan, Kaja und Ajak und vor allem Avalinn. Die eldorische Heilerin war ein wichtiger Teil ihres Lebens geworden und zeigte ihr eine Linie, die sie selbst gern zeichnen wollen würde. Dass sich der einst so hilfsbereite Farun, oberster Naturmagier im Dorf der Waldmenschen, als Mittäter dieser ganzen Misere herausstellte, rüttelte ordentlich an ihrem Gerechtigkeitsempfinden. Und dann, dann gab es da eben noch jenen Mann, dem sie bisher kaum etwas zu Lasten legen konnte: Dromar. Der hellhaarige Mensch, der in der Erinnerung von Kayon wie ein Leuchtfeuer dagestanden und zugesehen hatte. Rhuna wusste instinktiv, dass jener in all diese Dinge verwickelt war! Dass er nun mit dieser fremden Gruppe ins Dorf kam, konnte nur bedeuten, dass Neriélle und Calhoun ebenfalls Dreck am Stecken hatten. Allerdings konnte Neri ein wenig die Zweifel ausräumen. Es war eben nicht nur unvorteilhaft, wenn man manchmal direkt aussprach, was einem in den Sinn kam. Neri musste lediglich die richtigen Momente für Sprechen oder Schweigen lernen. Jetzt half ihre leidenschaftliche Ader dabei, dass zumindest Rhuna etwas empfänglicher für ihre Worte war, während Yedan die Erkenntnis traf, wer der Mann dort ist. Es war schwer dieser Truppe Glauben zu schenken. Dunkelelfen hatten das Dorf der Waldmenschen vor einiger Zeit einen Angriff zugefügt, bei dem Yedan’s Mutter, Liabell, verstarb. Letztendlich haben die Waldmenschen gewonnen, doch der Schaden war hier und dort in Form von Ruinen und Zerstörung noch ersichtlich. Nun trifft das Dorf die nächste Katastrophe, die sowohl Rhuna als auch Neriélle am stärksten spüren konnten. Jeder auf seine ganz eigene Weise. Während Rhuna die Dunkelheit körperlich spürte und es ihr die Galle hochtrieb, lauschte Neri dem sanften Säuseln und lieblichen Lockruf. Einzig die Männer dieser Runde, schienen nicht so empfänglich für das Dunkel zu sein. Yedan klagte soeben Neri und Calhoun der Mittäterschaft an und sagte dem Dunklen in der Runde auf den Kopf zu, was er von ihm hielt. Calhoun kümmerte es herzlich wenig. Als Dunkelelf war er sein ganzes Leben Anfeindungen ausgesetzt. Und die meisten trafen ja auch zu. Jetzt aber war es Neri, die dem Elfen zur Seite sprang. Yedan betrachtete sie eingehend. Seine Augen funkelten. Rhuna spürte die aufwallenden Gefühle des Halbelfen und trat an seine Seite. Sie schob ihre eigenen Belange beiseite und wollte für den Sarier dasein, ihm Halt und Trost spenden. Und ihn mit sanfter Methode davon abhalten, sich zu verrennen. Es wirkte. Aber nicht nur bei Yedan, der sich merklich unter ihrer Berührung entspannte. Rhuna konnte fühlen, just in dem Moment, da sie an Yedan dachte und nicht an ihren inneren Kampf, dass es da ein helles Klingen gab. Es war ein sirrender Ton, nicht unangenehm und einzig aus ihrem Inneren kommend. Lauschte sie diesem Ton, spürte sie zugleich eine zuversichtliche Wärme. Es war wie ein Funken, eine kleine Flamme in ihrem Innern, die noch nicht besonders groß war aber trotzdem fühlbar eine gewisse Stärke und Ruhe ausstrahlte. Es war vergleichbar mit dem Gefühl der Kette, die sie von Avalinn erhalten hatte. Eine wohltuende Wärme, die allerdings aus ihrem Innern kam. Ihre Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf Neri, die erklärte, wieso sie hierherkamen. Und das sanfte Klingen in sich, schaffte in all der Hoffnungslosigkeit, Sorge und dem Unwohlsein einen Ort, an dem die Dunkelheit keinen Zutritt haben würde. Sie wusste instinktiv, dass sie dort ganz tief in sich, sicher wäre und es sich lohnte diesem Klingen weiter Raum zu geben. Eben jenes war es auch, dass ihr den Gedanken einpflanzte, dass Neri und Calhoun sogar Verbündete im Kampf werden könnten, wenn sie von Dormar ebenfalls reingelegt worden waren. Zudem gab es sowohl für Rhuna als auch für Neriélle eine gewisse Verbundenheit, die beide erkennen konnten. Sie waren beide Shyáner Elfen und das ließ eine Brücke bestehen, die sie überqueren konnten oder aber nicht. Es lag bei ihnen.

Während Rhuna in sich aber einen Hort der Ruhe entdeckte, spürte Neri, wie die Dunkelheit sich ihr immer mehr näherte. Sie war dabei nicht unerbittlich und grob, ganz im Gegenteil. Sie war wie ein Liebhaber zu der Elfe, säuselte an ihrem Ohr, so schien es, lockte sie mit Versprechungen, die nur sie hören konnte: „Ich gebe dir Macht, Neriélle. Ich zeige dir, wie sie deine Macht wird…“, flüsterte sie und es war, als würde eine liebende Person zu einem sprechen. Es fiel der Elfe schwer sich zu konzentrieren, doch sie hatte dem Dessarier nicht vergessen. Er benötigte ihre Hilfe. Und sie gab die Hoffnung nicht auf, dass er sie bekommen würde. Während Calhoun und Yedan auf einen Pfad gerieten, der die Fronten nur härter machen würden, waren es Neri und Rhuna, die sich um Frieden bemühten. Neri erklärte ihre Situation, erbat sich die Hilfe der Sarier und flehte darum, man möge sie nicht hängenlassen. Rhuna kannte diese Hilflosigkeit nur zu gut. Sie fasste einen Entschluss und ging einen Schritt auf der Brücke, die zu Neriélle existierte, voran. Sie stellte sich zwischen die beiden Elfenmänner und hielt sie auf Abstand. Calhoun funkelte sie an und auch Yedan richtete seine Augen auf Rhuna. „Dich mögen unsere Probleme nicht kümmern, aber wenn sie die Wahrheit sagt, haben wir ein und dasselbe Problem!“ Rhuna spürte, dass die Dunkelheit kontinuierlich auf sie einwirkte. Ihr kamen die Erinnerungen in den Sinn, wie sich Avalinn’s Haar weiß verfärbte und sie glaubte schon, dass das gleiche mit ihr passierte. Doch das blieb eine Suggestion der Dunkelheit. Sie wollte, dass die Elfe glaubte, keine Chance zu haben und keine Stärke aufbringen zu können. Doch da war dieses sanfte Leuchten in ihr, das sich sehr wohl gegen die Dunkelheit behaupten konnte. Sie musste nur zuhören. „Die Wurzel der Krankheit habt ihr mitgebracht! Er ist ein Nekromant und …“ Sie wurde von Kaja unterbrochen, doch das Schnauben von Dormar war gut zu hören. „Nekromant!“, spie er aus, als wäre er beleidigt worden. Kaja erheiterte die Gruppe, trotz all der Anspannung. Die rothaarige Elfe war eben eine Frohnatur und offenbar ließ sie sich von dem Schatten innerhalb des Dorfes nicht ganz so einlullen, wie die anderen. Trotzdem währte ihr Auftritt nur kurz, denn schon wuselte sie wieder weg und verschaffte sich helfende Hände, damit Arunn eben jene Hilfe bekam, die er brauchte. Die Erleichterung, die Neri die anderen spüren ließ, schafften bei Rhuna eine Nüchternheit, die sämtliche Hoffnungen ausradierte. Er wird sterben!, sagte sie und Calhoun’s Rot richtete sich auf die Brünette. „Charmant.“, murmelte er, obwohl gerade er nicht anders reagiert, hätte vermutlich. Sonst war er doch immer der geradlinige.
Rhuna aber konnte den kleinen Lichtball in sich nur schwer immer wieder finden. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Naturmagie in ihr sich gegen die einsetzende Schwärze behaupten wollte, während das Licht sich entfalten und überleben wollte. Und eben jene Unberechenbarkeit ließ die Elfe unüberlegt handeln. Sie stürzte sich auf den Menschen und jener schrie überrascht auf, während er den Halt verlor und mitsamt der Shyánerin zu Boden ging. Kayon wackelte gefährlich und riss die Augen auf. Er hatte bisher noch überhaupt nichts gesagt, doch nun wankte er zu Yedan und wurde von ihm gestützt. Vater und Sohn sahen sich seit Jahrzehnten das erste Mal wieder und doch blieb keine Zeit für Wiedersehensfreude. Rhuna landete auf Dromar und presste ihm die Luft aus der Lunge. Dann aber fing er sich, packte die Elfe an beiden Schultern und drückte sie so von sich, dass sie ihn ansehen musste. Sein Hellblau blitzte diebisch. „Fehler!“, knurrte er und wirbelte sie herum, sodass sich seine Arme um ihre Schultern legten wie ein Schraubstock. Er rappelte sich irgendwie auf, zog sie mit sich und hielt sie schützend vor sich. Yedan zuckte in Rhuna’s Richtung, wurde aber von einem Schnalzen von Dromar aufgehalten. „Nicht doch, Großer. Willst du sie auch verlieren, wie damals die kleine Alysia? Übrigens…“, er feixte, das war zu hören auch wenn man ihm nicht ins Gesicht sah: „Schöne Grüße!“, seine Stimme veränderte sich einem bösen Omen gleich.

Seine Augen huschten zu Neriélle, Rhuna blieb in seiner Gewalt, egal, ob sie sich wehrte oder nicht. „Du bist ein echter Glücksfund, weißt du das?“, grinste er die Elfe mit den violetten Haaren an. „Dass du mir vor die Füße fällst, muss eine Segnung von Faldor sein!“, lachte er höhnisch und nun trat Calhoun neben Neriélle und baute sie wie ein Wachhund neben ihr auf. „Dromar pfiff leise durch die Zähne. „Keiner von euch kann aufhalten, was hier geschieht. Es ist vor langer Zeit initiiert worden und nicht mehr aufzuhalten! Es wird auf die Welt kommen und dem haraxischen Schoß entspringen wie das Kind aus der Mutter! Und es wird euch mit sich reißen und du…“, er raunte es an Rhuna’s Ohr, „Wirst nach der Heilerin dort hängen und es nähren!“, säuselte er. Erneut zuckte Yedan, wurde aber von Kayon zurückgehalten. Dann drehte sich Dromar wieder zu Neriellé. „Und du! Du wirst es sein…“, meinte er kryptisch. „Du passt so viel besser.“, behauptete er, ohne näher darauf einzugehen. Dann lachte er und es war ein kaltes, eisiges Lachen. „Dromar!“, kam es mit einem Mal fest vom Waldrand. Der Hellhaarige grinste. „Oh, seht wer endlich zur Feier kommt! Farun…“, spottete er und drehte sich und Rhuna so, dass sie den Magier sehen konnten. Er wirkte alt, ausgemergelt und längst nicht mehr so, wie Rhuna ihn in Erinnerung hatte. „Du hast es versprochen! Wann, Dromar, wann?!“, wollte der Magier wissen und richtete sich zerstreut seine hölzerne Krone, die gar nicht mehr so erhaben wirkte. „Oh…., natürlich – der liebende Vater will sein einziges Kind zurück, verstehe… nun, Alyisa erweist sich als… nicht brauchbar.“, teilte er ihm mit. „Aber ich habe besseres Material. Besser als deine verrottende Tochter!“ spuckte er ihm entgegen und löste Entsetzen auf dem Gesicht aus. Die Augen des Naturmagiers glitten über Rhuna. „Nicht doch – sie wird es nähren – SIE, sie wird es sein!“, kicherte er wahnsinnig und Farun’s Blick traf Neri. Schmerz lag in seinen braunen Augen und etwas brach darin. „Nein… du… du hast versprochen du würdest sie mir… sie würde zurückkehren…“, Farun sank gebrochen auf die Knie.
Er hielt sich an seinem Stab fest, der ihm mehr Ausdruck und Würde verleihen sollte. Und während seine Knie den Waldboden berührten, manifestierte sich seine Hoffnungslosigkeit als einen Schatten, der von ihm aus über den Boden kroch und immer schneller und schneller auf die Gruppen zukroch. Keiner konnte vor ihnen zurückweichen – früher oder später, erreichte er einen jeden und verschlang sie alle. Rhuna und Neri spürten, wie sie durch einen Schleier tauchten. Es fühlte sich seltsam an, kalt und … endgültig. Dromar hielt Rhuna nicht mehr. Er war verschwunden. Neri und Rhuna aber waren in einer Welt gefangen, die Rhuna bereits kennengelernt hatte. Es war schwarz und alles was sie sahen, formte sich aus teerartigem, klebrigen Schwarz. Es tropfte von der Umgebung, die exakt eine Nachbildung des Ortes war, an dem sie eben noch gestanden hatten. Yedan und Kayon standen wie angewurzelt da. Beiden konnte man Schmerz ansehen, seelische Pein, die sie all die Jahre ertragen mussten. Sie waren nicht ansprechbar, sie reagierten auch nicht. Sie wimmerten stumm und litten ihre Qualen des Lebens. Es war so ruhig hier und doch herrschte Beklemmung. Rhuna kannte das bereits. Sie war dieser Welt bereits einmal entkommen. Und Neri? Neri erkannte die Dunkelheit als eben jene, die sie in der Hütte und in der Höhle gespürt hatte. Es hatte etwas Vertrautes, auch wenn sie nicht gefeit war vor der Hoffnungslosigkeit. Und Calhoun? Der stand noch immer neben Neri und hatte die Arme verschränkt. Dann plötzlich ruckte sein Kopf herum und er musterte sowohl Neri als auch Rhuna. „Und wir wären wo genau?“, fragte er unbeeindruckt und schien nicht im Mindesten so zu leiden, wie Yedan und Kayon. Hatte er kein Leid erlebt?! Nein- Neri wusste, dass es da etwas gab. Wieso blieb er immun? Oder lag es an.. seiner Art der Magie? Und wo war Dromar? Die beiden Elfinnen konnten gehen, wohin sie wollten. Diese Schattenwelt war eine exakte Kopie des echten Dorfes. Sie würden all jene sehen, die sich vor Hoffnungslosigkeit wanden und wiegten. Reagieren würde aber keiner in diesem Zustand. Sobald sie dorthin sahen, wo sich Avalinn am toten Baum befand, könnten sie ein warmes Pulsieren, fast sonnengleich erkennen. Es blendete zwar nicht, doch strahlte es stärker als es Lysanthor wohl am wärmsten Tag könnte. Davor konnten sie die schönste Blütenpracht in Farbe erkennen. Jenes Leuchten und jene Blüten, die in der Echtwelt von Ajak und anderen Naturmagiern beschworen wurden, behielten auch hier ihre Farbe.
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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Neriélle » Dienstag 9. Mai 2023, 17:43

Neri versuchte aus vollem Herzen, die anderen von ihren Absichten zu überzeugen. Sie hatten so viel auf sich genommen, um Arunn hierher zu bringen. Der Gedanke, dass das alles umsonst gewesen wäre, schnürte ihr die Kehle zu. Sie konnte Arunn nicht seinem Schicksal überlassen. Die Gefangenschaft hatte sie zu Freunden gemacht und für Freunde tat man doch nun mal alles. Das wusste selbst Neriélle, die oft sorglos im Umgang mit anderen war. Doch Arunn hatte sie schnell ins Herz geschlossen. Für einen Moment glaubte sie, das Misstrauen in den Augen der anderen Shyáner Elfe bröckeln zu sehen. Neri war klar, dass sie in Begleitung eines Dunkelelfen mehr Überzeugungsarbeit leisten musste. Wäre sie ohne ihn hier, hätte man Arunn vermutlich schon längst ohne größere Fragen zur Heilerin gebracht. Doch sie war mit ihm hier, weil er ihr Leben gerettet hatte, und deshalb setzte sie sich für den Elfen ein. Sie flehte förmlich um die Hilfe der Heilerin, die Arunns letzte Chance war. Eine weitere Reise würde der Mensch gewiss nicht überleben. Doch mehr als ein kurzes Flackern in Rhunas Augen deutete dann doch nicht darauf hin, dass sie ihr vollends glaubte. Neri spürte den eisernen Griff der Hoffnungslosigkeit in ihrem Inneren. Sie biss sich auf die Unterlippe, weil sie nicht wusste, was sie noch sagen sollte. Yedan funkelte sie weiter misstrauisch an und die andere Elfe schwieg, trat dann aber näher an den Dessarier heran und sah ihn sich genauer an. Das Schicksal des Menschen würde ihr doch nicht so egal sein können?
„Ich gebe dir Macht, Neriélle. Ich zeige dir, wie sie deine Macht wird…“ Ein Schauer ergriff Neri, als sie plötzlich die dunklen Worte in ihrem Geist hörte. Sie schüttelte den Kopf und versuchte, die Worte zu ignorieren. Lass mich in Ruhe, antwortete sie gedanklich und versuchte, sich vor der Stimme zu verschließen, die sich in ihren Kopf pflanzen wollte. Einzig die brodelnde Stimmung zwischen Yedan und Calhoun hielt sie gerade davon ab, genauer über diese Worte nachzudenken. Während sich Calhoun vor Yedan aufbaute, verweilte Neris Blick flehend auf Rhuna und drängte erneut, ihnen zu helfen. Neri bemerkte, dass die Elfe nach Yedans Arm griff und ihn scheinbar stumm nach seiner Meinung fragte. Plötzlich schien die andere einen Entschluss gefasst zu haben und stellte sich zwischen Yedan und Calhoun, um beide auf Abstand zu halten. Offenbar hatten sie beide zumindest in diesem Augenblick das gleiche Ziel und wollten den Konflikt entschärfen. Das war doch schon mal ein gutes Zeichen?
„Dich mögen unsere Probleme nicht kümmern, aber wenn sie die Wahrheit sagt, haben wir ein und dasselbe Problem!“
Neri erwiderte Rhunas Blick und nickte bestätigend, um zu unterstreichen, dass sie die Wahrheit sagte. Sie war sogar etwas überrascht, dass Calhoun nicht wieder eine Spitze setzte, weil sie den falschen Leuten zu viel erzählte. Vielleicht handelte sie aber dieses Mal auch einfach richtig und erzählte den richtigen Leuten das Richtige? Sie hatte alles gesagt, was zu sagen war und vielleicht erkannten auch diese Fremden die Aufrichtigkeit in ihren Worten. Jetzt konnte sie nur noch hoffen, dass die Elfe und ihr Gefährte ihr Glauben schenkten. Neri bemerkte das Zittern der Brünetten, doch schrieb sie es der Aufregung zu, die sie empfinden musste. Vielleicht war sie auch nicht so selbstsicher, wie sie sich gab, immerhin gehörte einiges an Mut dazu, sich so vor einen Dunkelelfen zu stellen. Neri bemerkte es anerkennend, doch für einen sonst so spitzen Kommentar stand ihr nun nicht der Sinn.

„Die Wurzel der Krankheit habt ihr mitgebracht! Er ist ein Nekromant und …“
“Ein Nekromant?” Neris Blick glitt augenblicklich zu Dromar hinüber, der das als Beleidigung aufzufassen schien. Sie hatte von dieser Magie gehört, das schon. Aber nicht viel. Ihre Lehrmeister hatten stets abgeblockt, wenn Neris Neugierde Überhand nahm und sie mehr über die dunklen Magien wissen wollte. Sie hatte Bücher gelesen, aber auch darin hatte sie nicht mehr als Andeutungen und Vermutungen gefunden. Einen Nekromanten hatte sie sich jedoch völlig anders vorgestellt, ähnlich finster wie einen Dunkelelfen vielleicht. Aber Dromar passte mit seiner hellen Haut, den hellen Haaren und den strahlenden blauen Augen überhaupt nicht in dieses Bild. Sie bekam das Gefühl, dass außerhalb von Shyána Nelle nichts so war, wie es den Anscheint erweckte. Ob Dromar auch der Urheber dieser flüsternden Stimme war? Oder eines der Wesen, das er kontrollierte? Neriélle hatte keinerlei Ahnung von dieser Magie und verlor sich kurz in Gedanken. Immerhin gab sich Yedan einen Ruck und wies die Rothaarige an, Arunn zu versorgen. Dafür erntete er ehrliche Dankbarkeit von Neriélle, die im Anschluss um Aufklärung des Ganzen bat.
„Er wird sterben…!“
Neris Blick ruckte zu Rhuna hinüber und die Elfe schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, der sich augenblicklich bei den Worten der anderen bildete. Fassungslos starrte sie Rhuna an, weil sie zunächst nicht verstand. Hatte Yedan nicht gerade angewiesen, ihn zu dieser Heilerin zu bringen..? Neriélle musterte Rhuna, die offenbar um Selbstbeherrschung kämpfte. Sie sah die geballten Fäuste und die Tränen in den braunen Augen. Neris Blick huschte zurück zu Dromar, der von der Elfe angeklagt wurde.
„Die Einzige, die euren Freund heilen könnte schwebt gerade selbst in Lebensgefahr. Und das wegen ihm! Ich kann euch nicht alles erklären! Aber wenn ihr eurem Freund helfen wollt, helft uns ihn aufzuhalten! Er ist ein Nekromant und bedient sich der Kräfte von Harax-Dämonen, die alle in Verzweiflung stürzen. Seine Kräfte vergiften und töten alles Leben! Und wenn wir Avalinn nicht von diesem Baum bekommen, stirbt sie und kann niemanden mehr heilen!“
Neri versuchte noch, ihren Worten zu folgen und gedanklich einzusortieren, da stürzte sich Rhuna plötzlich auf Dromar. Die Elfe war viel zu überrumpelt von dieser Aktion und brachte kein Wort heraus, sondern sah nur verdutzt mit an, wie sich Rhuna auf Dromar stürzte. Sie ist ja noch leichtsinniger als ich, bemerkte Neri im Stillen und verfolgte das Gerangel der beiden, während der alte Mann die Gelegenheit nutzte, sich aus Dromars Fängen zu befreien und Schutz bei Yedan suchte. Neri war nicht sonderlich überrascht, als Dromar Rhuna packte und sie in ihre Gewalt brachte. Einen Moment sah sie fragend zu Calhoun hinauf. Sollten sie etwas tun? Konnten sie überhaupt etwas tun? Yedan wagte zumindest einen Versuch, um seiner Gefährtin zur Seite zu springen, wurde aber schnell in seine Schranken gewiesen.
„Nicht doch, Großer. Willst du sie auch verlieren, wie damals die kleine Alysia? Übrigens… Schöne Grüße!“
Neri schaute zu Yedan. Wer ist.. war Alysia? Sie muss ihm nahe gestanden haben. Und Dromar.. hat er sie umgebracht?
Neriélle frage sich für einen Moment, wo sie hier schon wieder reingestolpert war. Rhuna hatte von Dämonen gesprochen.. von Verzweiflung, die auch Dromar erwähnt hatte, und die alle vergiftete und tötete. Für einen Moment blitzte das Bild der Leichen vor ihrem Auge wieder auf. Waren sie deswegen tot? Und fühlte sie sich deshalb so verzweifelt und machtlos? War da mehr als nur die Sorge um ihren Freund?

„Du bist ein echter Glücksfund, weißt du das?“ Neriélle schaute zurück zu Dromar und war ehrlich überrascht, dass er sie meinte. Bei seinem Grinsen, das seine unheilvollen Worte unterstrich, gefror ihr das Blut in den Adern. „Dass du mir vor die Füße fällst, muss eine Segnung von Faldor sein!“
Neris Brauen zogen sich erbost zusammen. "Klär das allein mit deinem Gott und halt mich da raus!", meinte sie mit verärgerter Stimme. Schlimm genug, dass er sie übertölpelt hatte. Ihr missfiel der Gedanke, dass er sie noch tiefer in diese Sache hineinziehen wollte, die etwas mit Dämonen und dunklen Kräften zu tun hatte. Auf seine Worte hin trat plötzlich Calhoun an ihre Seite und baute sich neben ihr auf. Für Außenstehende mochte es nur eine kleine Geste sein, die vielleicht nicht mal wirklich auffiel und sich in deren Augen vielleicht gar nicht so sehr auf die Elfe beziehen mochte. Doch für Neri barg sie einigen Interpretationsraum. Sie wurde nervös bei dem Gedanken, dass sich Calhoun schützend neben sie stellte. Zum einen wegen dem Umstand, dass er überhaupt den Willen zeigte, sie zu schützen.. und zum anderen, weil er Dromar offenbar für gefährlich genug hielt und es in Betracht zog, dass er ihr tatsächlich etwas antun würde.
„Keiner von euch kann aufhalten, was hier geschieht. Es ist vor langer Zeit initiiert worden und nicht mehr aufzuhalten! Es wird auf die Welt kommen und dem haraxischen Schoß entspringen wie das Kind aus der Mutter! Und es wird euch mit sich reißen und du wirst nach der Heilerin dort hängen und es nähren!“
Neri erfasste allein bei seiner Prophezeiung eine Gänsehaut. Gleichzeitig konnte sie kaum glauben, was er sagte. Hatte sie nicht eben erst den Lockvogel für einen Dämon gespielt und war diesem knapp entkommen? Und nun sollte hier ein weiterer Dämon sein Unwesen treiben? Und Rhuna? Neri blickte kurz zu dem Baum, an dem die Heilerin Avalinn offenbar ein unheilvolles Schicksal ereilte. Doch von ihrer derzeitigen Position aus konnte Neri die Heilerin nicht sehen. Es klang jedoch äußerst prekär, wie Dromar die Lage beschrieb. Neri sah zurück zu Dromar und ihre Blicke trafen sich.
„Und du! Du wirst es sein… Du passt so viel besser.“
Neri war anzusehen, dass es ihr gar nicht gefiel, dass er sie schon wieder so direkt ansprach. Sie war doch nur eine Fremde, die zufällig vor seine Füße gefallen war. Sie wollte nicht glauben, dass Faldor seine Finger mit im Spiel hatte. Denn dann würde das Ganze mit Sicherheit kein gutes Ende nehmen. Außer vielleicht, wenn Calhoun bei Faldor ein gutes Wort für sie einlegte.
"Ich weiß ja nicht, was du so zu dir nimmst.. aber halte mich aus deinen Wahnvorstellungen heraus. Ich werde gar nichts in deinem perfiden Plan sein! Lass’ uns in Ruhe, lass’ das Dorf in Ruhe!", bemerkte sie trotzig und wusste selbst nicht, woher sie diese Härte hernahm. Es wirkte so, als würde sie ihm ohne Zögern die Stirn bieten. Tatsächlich hatte sie aber einfach nur Angst vor ihm und das Einzige, das sie ihm entgegen setzen konnte, waren diese Worte. Dromar hatte offenbar seit langer Zeit etwas Unheilvolles geplant und plötzlich malte er sich eine dunkle Zukunft für sie aus.. Wenn diese auch nur im entferntesten der Aufgabe entsprach, die er Rhuna gerade prophezeit hatte.. nein, da wollte sie definitiv nicht mitmachen. Ihr war natürlich klar, dass ihre Worte rein gar nichts bewirken würden und tatsächlich lachte er nur kalt.

Plötzlich drang eine weitere Stimme an ihre Ohren, die nach Dromar rief. Neris Blick folgte dem von Dromar, hin zu dem angesprochenen Farun, der am Waldrand erschienen war. Neri versuchte, dem Wortwechsel der beiden zu folgen. Er war also der Vater von Alysia und Dromar hatte ihr tatsächlich etwas angetan.. er hatte sie getötet.. Neri bekam Bauchschmerzen als sie den beiden Männern zuhörte. So viel Leid verbarg sich hier, dabei hatte sie in dieser kurzen Zeit vermutlich nur an der Oberfläche gekratzt.
„Oh…., natürlich – der liebende Vater will sein einziges Kind zurück, verstehe… nun, Alyisa erweist sich als… nicht brauchbar. Aber ich habe besseres Material. Besser als deine verrottende Tochter! Nicht doch – sie wird es nähren – SIE, sie wird es sein!“
Neris Körper straffte sich und sie knurrte unwillig, während sich ihr Puls beschleunigte. Dromar hatte offenbar Alysia für irgendetwas benutzt und sie war daran gestorben. Und nun wollte er sie an ihrer statt benutzen. Neri musste dem Drang widerstehen, sofort das Weite zu suchen. Sie war froh, dass wenigstens Calhoun noch hier war. Sie war ja für jedes Abenteuer zu haben.. aber dieses hier war definitiv zu groß. Sie wollte nichts mehr von Dämonen wissen. Farun sank scheinbar gebrochen auf die Knie und Neris Augen verengten sich für einige Momente. Dann sah sie, wie sich ein Schatten vor ihm auf dem Boden manifestierte und ihr stockte der Atem. Der Schatten wurde größer und kam mit einem Mal auf sie zu gekrochen. War das der Dämon? War das Nekromantie? Neri verband damit vor allem nur eines: den Tod. Und mit einem Mal bekam sie ernsthaft Angst und jegliche Worte blieben ihr im Halse stecken. Sie konnten nicht davor weglaufen.. der Schatten kam unweigerlich näher und kurz, bevor er sie berührte, griff sie in einem Impuls nach Calhouns Hand, der noch immer neben ihr stand. Sie wollte nicht alleine sterben, nicht jetzt und nicht hier. Ein dunkler, kalter Schleier legte sich über ihre Augen, dann um ihre Gestalt und zuletzt um die restliche Welt. Mit offenem Mund starrte die Elfe die Umrisse vor sich an, die denen des Dorfes glichen, aber plötzlich in Dunkelheit getaucht waren. Aber sie lebten. Jedenfalls noch. Wie töricht von mir.. Natürlich leben wir noch. Dromar scheint noch einiges vor zu haben. Sie entzog Calhoun schnell ihre Hand, als hätte sie sich verbrannt, und räusperte sich kurz. Die Angst hatte sie wie eine Welle erfasst und mit sich gerissen. Das war ganz offensichtlich nur eine Übersprungshandlung.. Neri war das ganz offensichtlich unangenehm. Sie trat sogar einen Schritt zur Seite und vermied den Blick zu dem Dunkelelfen. Verstohlen schaute sie stattdessen zu Rhuna und hoffte, dass sie von der neuen Umgebung abgelenkt worden war und nichts gesehen hatte. Doch Neri und ihre Begleiter hatten plötzlich ganz andere Probleme. Da waren nur noch Calhoun, Rhuna und sie. Sie ließ den Blick über diese dunkle Spiegelwelt schweifen. Die Objekte in dieser dunklen Welt schienen aus klebrigen Schwarz zu bestehen, das hier und da zu Boden tropfte. Dromar war verschwunden, aber Yedan und der alte Mann waren noch da. Sie wirkten so unfassbar gequält und wimmerten, dass sie ihr nur leid tun konnten. War das das Wimmern, das Calhoun vorhin gehört hatte? Neri stellte mit Schrecken fest, dass ihr diese Dunkelheit allzu bekannt vorkam. Langsam und bruchstückhaft fügte sich alles zu einem Bild.
„Und wir wären wo genau?“ Calhoun hatte inzwischen die Arme verschränkt und gab sich völlig unbeeindruckt. Neri bemerkte seinen Blick auf sich, hatte sich aber wieder gefasst und fand für einen Moment ihre Selbstsicherheit wieder.
"Wie kannst du so ruhig bleiben?", fragte sie ihn und es klang schärfer als es sollte. Das alles hier machte ihr zu schaffen. Die Aufregung, die Angst vor Dromars Prophezeiung, die Dunkelheit, die sie schon einmal gesehen hatte.. es zerrte an ihren Nerven und brachte sie dazu, sich stärker zu geben, als sie tatsächlich war. Sie wollte um keinen Preis zeigen, wie sehr sie das hier ängstigte. Nur der kurze Moment, in dem sie sich vergessen hatte und in dem sie Halt bei einem Dunkelelfen gesucht hatte, mochte ihm zeigen, dass sie sich nicht so sicher fühlte, wie es klingen mochte.

Neri schaute zu Rhuna. “Geht es dir gut?”, wollte sie als Erstes wissen. “Ich dachte schon, du kratzt Dromar die Augen aus. Wie heißt du eigentlich?” Es war herauszuhören, dass sie das nur gut geheißen hätte, wenn sie Dromar geschadet hätte. Dann schaute sie sich erneut kurz um, ehe sie wieder ungefragt ihr Wissen mitteilte. “Ich kenne das hier.. nicht direkt. Aber die Dunkelheit. Sie war in dem Albtraum, den ich in der Hütte hatte. Die Dunkelheit und dieses Flüstern, das mich seither verfolgt. Vielleicht war es auch real, ich weiß es nicht.” Sie schaute zu Calhoun, sie hatte ihm damals davon erzählt. “Und auch in der Höhle, nicht lange, aber plötzlich war ich auch dort in dieser Dunkelheit. Und dann traf ich Dromar.. Hat er das hier erschaffen?”, wandte sie sich wieder an Rhuna. Sie kannte den Menschen. Vielleicht wusste sie auch mehr über diese Dunkelheit? Und vielleicht konnte sie ihr sagen.. “Wer ist Alysia? Was ist mit ihr passiert?” Welches Schicksal blühte ihr, wenn Dromar seine Pläne in die Tat umsetzte?
Ihr Blick schweifte erneut über die Elfen und Menschen, mit denen sie gerade noch geredet hatten und die sich nun stumm ihrem Leid hingaben. "Seltsam..", überlegte sie laut. "Wieso sind sie alle so.. und wir drei nicht?" Dann erst bemerkte sie das Gewicht auf ihrer Schulter und ihr Blick fiel auf das Ottsel, das so still geworden war, dass sie es tatsächlich völlig ausgeblendet hatte. "Vier", berichtigte sie sich daher schnell. Pitt hatte das alles offenbar die Sprache verschlagen und so mutig wie der Bärin im Wald gegenüber wirkte er nun gar nicht mehr. Der Dämon bringt Verzweiflung über die Elfen und Menschen und stürzt sie ins Unglück.. oder den Tod. Wieso erfahren wir kein Leid? Stirnrunzelnd sah sie den Dunkelelfen an. Vermutlich weil er ein gefühlloser Felsblock ist, dachte sie bei sich, aber mit einer Spur Gutmütigkeit. Sie erinnerte sich, dass er ebenfalls die Heilerin hatte aufsuchen wollen.. wegen einer ‘nicht fleischlichen’ Wunde. Konnte er kein Leid empfinden? Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Er war ein Dunkelelf. Und egal, was sie bisher zusammen erlebt hatten, kam ihr das doch immer wieder in den Kopf und war manchmal eine gute Erklärung für das scheinbar Unerklärliche. Vielleicht konnte Rhuna Licht in das Dunkel bringen. Neri sah sie prüfend an. Dann wurde ihr bewusst, dass ihre Begleiter in dem Leid vergingen und sie nun alleine mit ihr und Calhoun war. “Wir werden zusammen einen Weg finden, wie wir wieder zurück kommen. Und dann helfen wir deiner Freundin Avalinn”, meinte sie daher aufmunternd. Sie würde ihr Möglichstes dafür tun. Sie hoffte, dass Rhuna langsam Vertrauen zu ihnen fassen konnte, vermutlich blieb ihr jetzt gar keine andere Wahl und Neri wollte es ihr leichter machen.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Sonntag 14. Mai 2023, 03:37

Als Rhuna zwischen Yedan und Calhoun trat, begegnete sie dem stechenden Blick des Dunkelelfen, dem ihre Einmischung nicht zu gefallen schien. Tatsächlich konnte sie das Gefühl, das sie bei diesem durchdringenden Blick empfand nicht einschätzen, doch so einschüchternd er aussah, ließ Rhuna dies nicht auf sich wirken. Von Calhoun ging eine düstere Aura aus, doch fühlte sie sich weitaus weniger feindselig und zerstörerisch an, als die Dunkelheit, die das Dorf heimsuchte. Es war schwer für sie das genaue Empfinden zu beschreiben, doch irgendetwas in ihr reagierte auf seine Aura, wie ein Echo, das von ihm zurückgeworfen wurde. (Anmerkung: dachte da lediglich an die Gegenmagien Licht und Schatten) Und aus unerklärlichen Gründen nahm dadurch der Argwohn der Brünetten gegenüber des Dunkelelfen etwas ab.
Sie erwiderte unverwandt seinen Blick und forderte durch einen bestimmten Druck, sowohl bei Yedan, als auch bei Calhoun, dass sie Abstand voneinander hielten. Sollten diese beiden Fremden tatsächlich auch Opfer von Dromars Täuschung sein, konnten sie es sich nicht leisten auch mit ihnen Streit zu beginnen - so sehr sie Yedans Empfindungen aufgrund der Geschichte des Dorfes auch verstehen konnte.
Ich sehe in ihren Augen keine Lüge…, dachte Rhuna, sich durchaus darüber bewusst, dass dieses Gefühl nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen musste und sie einer Fehleinschätzung unterliegen konnte. Doch irgendetwas ließ sie erneut Vertrauen wollen.
Die beiden Shyáner-Elfen schienen zumindest dasselbe Ansinnen zu haben und einen Vorteil ineinander zu sehen. Und so fasste Rhuna einen Entschluss und versuchte die beiden von der Gefahr, die von ihrem Begleiter ausging zu überzeugen.
Dromar schien bei Rhunas Beschuldigung ein Nekromant zu sein verächtlich zu schnauben. Die Elfe wusste, dass dies eine Behauptung und noch keine bewiesene Tatsache war, doch es war ihre stärkste Vermutung, die auch Avalinn mit ihnen geteilt hatte. Bisher war die Wurzel des Übels unbekannt gewesen und sie hatten den hellhaarigen Menschen lediglich in Verdacht gehabt. Ein Verdacht, der sich für Rhuna mit seiner Bemerkung, dass das Dorf so schön nach Verzweiflung roch bestätigte. Ihr lief erneut ein Schauder über den Rücken. Dromars Kräfte, seine gesamte Aura waren angsteinflößend und so wie es aussah, schien auch Neri dies langsam wahrzunehmen.
Obwohl sie beide aus Shyána Nelle kamen, kannten sich die beiden Elfenfrauen nicht. Zumindest Rhuna war sich sicher, der Violetthaarigen bislang nicht bewusst begegnet zu sein, was nicht unbedingt etwas heißen mochte, da die verborgene Elfenstadt durchaus groß genug war, so dass sich nicht alle Bewohner kannten. War sie vielleicht früher aufgebrochen und bereits längere Zeit unterwegs? Was trieb sie dazu sich in der Begleitung eines Dunkelelfen aufzuhalten? Rhuna empfand der Anderen gegenüber durchaus Neugierde, doch die Situation gewährte ihr keine Zeit dieser nachzugehen. Sie alle konnten gerade nicht mehr tun, als auf das Glück zu setzen und zu hoffen, dass ihre Einschätzung über die Gesinnung der anderen korrekt war.

Die düstere Prophezeiung, dass Arunn sterben würde, ließ Rhuna nicht böswillig oder gar aus erpresserischen Gründen verlauten. Auch wollte sie Neriélle und ihrem dunklen Begleiter nicht die Hoffnung rauben – im Gegenteil. Sie musste die beiden aufklären, sie verstehen lassen, was hier vorging und ihnen die geringen Chancen aufzeigen, um sie vor der Bedrohung zu warnen, die sie in Form von Dromar mitgebracht hatten. Doch als sie in die Augen Neriélles sah, wusste sie, dass ihre Worte nicht sofort auf Verständnis stießen. Was sie ihr nicht verdenken konnte.
„Ich wünschte mir, wir könnten eurem Freund sofort helfen, doch wir brauchen dafür selbst Hilfe!“ rief sie noch, ehe sie einen wagemutigen und wahrscheinlich leichtsinnigen Zug machte, indem sie auf Dromar losging. Doch ganz so gedankenlos war Rhuna nicht losgelaufen – sie war sich der Gefahr durchaus bewusst, nur lag ihr tatsächlich Kayons Sicherheit gerade mehr am Herzen, als ihre eigene. Noch dazu… war sie sich sicher, dass ihr nicht sofort der Tod wiederfahren würde. Rhuna spielte hier irgendeine Rolle – und diese bot, wenn auch nur für den Moment einen gewissen Schutz.
Ihr gelang es Dromar zu überrumpeln, so dass sich Kayon an Yedans Seite in Sicherheit bringen konnte. Der Preis dafür war, dass sie nun in die Gewalt des Menschen geriet, doch alleine der kurze Anblick der Wiedervereinigung von Vater und Sohn war ihr dies wert.
„Fehler!“, knurrte Dromar ihr entgegen, woraufhin Rhuna seinen Blick nur verachtend erwiderte und begann gegen seinen Griff aufzubegehren. Tatsächlich spürte sie zum allerersten Mal im Leben den grausigen Wunsch jemanden umbringen zu wollen und dieser richtete sich gegen diesen, ihr eigentlich völlig unbekannten Mann.
„Das werden wir noch sehen…!“, grollte auch sie im wagemutigen Beschluss sich nicht geschlagen zu geben oder gar die Hoffnung fallen zu lassen. Ihre Lage war in diesem Moment prekär und Dromar schien eindeutig die Oberhand zu haben, doch Rhunas Wut auf diesen Mann befeuerte ihre Dickköpfigkeit darüber ihn nicht gewähren lassen zu wollen.
Yedan hingegen erlebte in diesem Moment wohl einen kleinen Schock. Er bekam durch Rhunas Leichtsinn vielleicht seinen Vater zurück – oder zumindest auf die etwas sicherere Seite, doch dafür musste er nun zusehen, wie seine Begleiterin in die Gewalt ihres Feindes geriet.
Rhunas Hände versuchten Dromars Griff um ihre Schultern zu lösen und ihre Finger krallten und zerkratzten dabei die Haut seiner Arme, soweit sie an diese gelangen konnte. Wenn er sie schon als eine Art Schutzschuld missbrauchte würde sie sicher nicht tatenlos bleiben und stillhalten.
Ihr Blick fand den von Yedan und als sie seine Sorge darin entdeckte lächelte Rhuna ihm aufmunternd entgegen und schüttelte kaum merklich mit dem Kopf. Sie wusste genau, wie er sich gerade fühlte – hatte sie doch vor ein paar Minuten erst dieselbe Verzweiflung darüber gespürt, dass sie Avalinn nicht hatte helfen können. Doch ähnlich wie die Heilerin Rhuna ein hoffnungsvolles Lächeln geschenkt hatte, versuchte Rhuna nun Yedan stumm darum zu bitten die Hoffnung nicht aufzugeben. Er kannte sie und wusste, warum sie sich entschieden hatte Dromar anzugehen. Sie beide waren sich der Gefahr gewusst gewesen, die das Betreten des Dorfes mit sich gebracht hatte und sie beide wussten, dass hier niemand sicher war, solange sie Dromar und seine dunklen Machenschaften nicht stoppten. Sie versuchte ihm stumm zu sagen, dass noch nichts verloren war. Doch ihr Geiselnehmer roch natürlich die Wunde Yedans, in die er ein verbales Messer zu rammen wusste.
„Nicht doch, Großer. Willst du sie auch verlieren, wie damals die kleine Alysia? Übrigens… Schöne Grüße!“ Die Worte brachten auch Rhuna dazu geschockt die Luft anzuhalten und sie wandte ihr Gesicht soweit sie konnte, um den Menschen anzusehen. Eine Welle des Hasses lief erneut durch ihren Körper und wäre es ihr möglich, hätte sie Dromar höchstwahrscheinlich die Augen für diese Worte ausgekratzt. Sie hasste es den Schmerz in Yedans Augen zu sehen. Sie hasste es, dass sie ihn nicht beschützen konnte, wo er doch bereits so viel Leid erfahren hatte. Sie hasste es, dass er unter ihrer Entscheidung zu leiden hatte, dass sie ihre und Kayons Position quasi ausgetauscht hatte, wo sie doch wusste, dass er sich unmöglich für die Sicherheit einer seiner geliebten Personen entscheiden könnte.
Wieso? Florencia, … wieso passiert das nur? Das hat er nicht verdient – das hat hier niemand verdient! Könnte ich doch nur… irgendetwas tun! Wäre ich mehr wie Avalinn, wäre ich vielleicht in der Lage dazu. Wie schon so oft suchte Rhuna Rat bei Florencia. Alleine sich gedanklich an diese zu wenden schenkte ihr ein wenig Trost, denn die letzte Zeit hatte die junge Elfe immer wieder das Gefühl gehabt, dass ihre Gottheit und auch Phaun sie nie im Leid alleine gelassen hatten. Vielleicht war es unverschämt so zu empfinden, denn wieso sollte sich das Götterpaar um das einzelne Schicksal einer recht unbedeutenden Elfe kümmern, wo es weitaus gottesfürchtigere Gläubiger gab, die ihnen deutlich mehr huldigten? Rhuna hatte, seit sie aufgebrochen war, kaum Zeit gefunden ihnen im angemessenen Rahmen zu danken und war zunehmend mit sich und den Problemen beschäftigt, auf die sie getroffen war. Doch tatsächlich fühlte sie sich Florencia und Phaun viel näher, als jemals zuvor in ihrem Leben in Shyána Nelle.
Was kann ich nur tun, Florencia?, fragte sie und suchte gleichzeitig selbst nach einer Antwort, die sie sich selbst geben konnte. Von ihrem Standpunkt aus konnte die Brünette nicht Ajak sehen, doch die magische Barriere erkennen, die die ausbreitende Dunkelheit aufzuhalten vermochte. Der Gedanke an den blonden Elfen ließ sie zumindest etwas Mut fassen, denn er tat gerade, trotz der Übermacht der Verzweiflung, alles in seiner Macht stehende, um das Dorf und die Bewohner zu schützen.
Entschlossenheit blitzte in ihren Augen auf und sie wandte sich an den Halbelfen, der sichtlich mit seinen Emotionen rang.
„Yedan, hör nicht auf ihn! Er will dich nur verletzen!“, rief sie, sah dann aber zu Neriélle, die Dromar plötzlich ins Auge fasste.
„Du bist ein echter Glücksfund, weißt du das? Dass du mir vor die Füße fällst, muss eine Segnung von Faldor sein!“, lachte er höhnisch, was den Dunkelelfen dazu bewog sich neben die andere Shyáner-Elfe zu stellen, als würde er sie beschützen wollen. Weder für Rhuna, noch für Neri schienen Dromars Worte im ersten Moment Sinn zu ergeben.
„Klär das allein mit deinem Gott und halt mich da raus!“, erwiderte diese und wirkte auf die Brünette aufgrund der Worte ziemlich verärgert.
Er scheint sie… die beiden wirklich ausgenutzt und getäuscht zu haben. Doch seine Worte ließen auch darauf schließen, dass er etwas mit Neri vorhatte und das ließ beide Frauen besorgt die Augenbrauen verziehen. Da Rhuna die andere Elfe nicht kannte, konnte sie nicht einschätzen, was dies bedeuten konnte, doch Dromar ließ sie nicht lange im Dunkeln. Er war sich seiner Sache und Übermacht viel zu sicher!
„Keiner von euch kann aufhalten, was hier geschieht. Es ist vor langer Zeit initiiert worden und nicht mehr aufzuhalten! Es wird auf die Welt kommen und dem haraxischen Schoß entspringen wie das Kind aus der Mutter! Und es wird euch mit sich reißen und du…“ Rhuna spürte den unangenehm heißen Atem des Menschen nahe an ihrem Ohr und schauderte, als er ihr die drohenden Worte entgegenraunte, die offenbarten, welche Rolle er für sie vorgesehen hatte: „…wirst nach der Heilerin dort hängen und es nähren!“
Rhunas Herz setzte für einen Schlag aus und sie verspannte sich sichtlich. Yedan zuckte erneut nach vorne, doch Kayon hielt seinen Sohn zurück und bewahrte ihn davor unbedacht zu handeln. Ihr Blick fand wieder den von Yedan und wieder schüttelte sie leicht mit dem Kopf. Doch die Worte hatten ihre Gedanken durcheinandergebracht. Dromars Drohungen unterschieden sich irgendwie von den düsteren Prophezeiungen, die der Harax-Dämon mit ihr geteilt hatte. Und das bescherte ihr ein mulmiges Gefühl…
„Und du! Du wirst es sein…! Du passt so viel besser.“ wandte sich Dromar nun an Neriélle, der anzusehen war, dass auch ihr bei diesen Worten ein Schauder des Missfalles über den Rücken lief. „Ich weiß ja nicht, was du so zu dir nimmst.. aber halte mich aus deinen Wahnvorstellungen heraus. Ich werde gar nichts in deinem perfiden Plan sein! Lass’ uns in Ruhe, lass’ das Dorf in Ruhe!“ Tatsächlich tat es gut diese Worte aus dem Mund der anderen Shyánerin zu hören und bewog Rhuna dazu, erneut zu versuchen sich aus dem festen Griff des wahnsinnigen Menschen zu winden, oder ihn wenigstens irgendwie zu verletzen, was ihr im Falle des Gelingens zumindest eine kleine Genugtuung geben würde. Lachend bewahrte Dromar seinen schraubstockfesten Griff und ließ Rhuna nicht entkommen, die nach ein paar Momenten erschöpft innehalten musste. Ihre Verfassung war noch immer nicht so gut, obwohl sie das Gefühl hatte, je mehr sie die Verzweiflung abwehrte und nicht zuließ, dass sie sich etwas stärker fühlte, als zuvor. Und doch ließ die Frustration über ihre momentane Machtlosigkeit Rhunas Wut erneut aufwallen.
„Du…“, grollte sie, doch bevor sie ihrer Beschimpfung Luft machen konnte, durchbrach eine andere Stimme das eisige Lachen ihres Peinigers.
„Dromar!“ Alle Blicke wandten sich der Stimme vom Waldrand zu, an dem Farun plötzlich aufgetauchte. Beim Anblick des Naturmagiers erstarrte sicher nicht nur Rhuna, denn wo er vorhin noch entschlossen und erhaben gewirkt hatte, sah er nun alt und ausgemergelt aus.
Kein Vergleich zu vorhin…, dachte Rhuna schockiert, ehe Dromar sich dem Neuen ihrer Runde zuwandte. Und mit jedem Wort, das die beiden miteinander wechselten wuchs ihr Unbehagen, denn es war offensichtlich, dass etwas mit Faruns und Dromars Vereinbarung nicht stimmte.
„Oh…., natürlich – der liebende Vater will sein einziges Kind zurück, verstehe… nun, Alyisa erweist sich als… nicht brauchbar. Aber ich habe besseres Material. Besser als deine verrottende Tochter!“ Faruns entsetzter Blick traf auf den von Rhuna, deren ungutes Gefühl immer stärker wurde, so dass sie erneut ein Zittern erfasste. Der Naturmagier schien zu glauben, dass sie Alyisas Platz einnehmen sollte, doch die junge Elfe beschlich ein völlig anderer Gedanke, der nur einen Wimpernschlag von dem Hellen bestätigt wurde:
„Nicht doch – sie wird es nähren – SIE, sie wird es sein!“, verkündete Dromar mit einem wahnsinnigen Kichern, während allen bewusst wurde, dass er Neriélle meinte.
Der Gedanke, dass Dromar Rhuna hätte meinen könnte, wäre der Elfe vielleicht gekommen, wäre nicht die Elfe mit den violetten Haaren aufgetaucht und in Dromars Fokus geraten. Rhunas Verdacht, dass sich ihre, von Dromar zugedachte Rolle verändert hatte war nun bestätigt und das Bild, das Rhuna aus all den Wortfetzen, wie ein Puzzle zusammensetzte, war ein gänzlich anderes, als sie erwartet hatte. Im Nachhinein betrachtet hatte die dunkle Stimme, deren Ursprung scheinbar nicht Alyisa, sondern Dromar gewesen war, versucht sie auf die dunkle Seite zu ziehen, seitdem sie den verborgenen Machenschaften im Dorf auf die Spur gekommen war. Die Gründe dafür erschlossen sich ihr nicht und ließen sie lediglich über Möglichkeiten rätseln – wenn diese überhaupt der Wahrheit entsprachen. Doch wenn dies der Fall war, schien sie Dromars Bemühungen zunichte gemacht zu haben, indem sie den Verführungen ein ums andere Mal wiederstanden hatte, bis sich schlussendlich ihre beiden magischen Tendenzen zeigten.
Ihre Gedanken rasten und jede Möglichkeit, die ihr in den Kopf kam, schien unrealistischer, als die Vorherige zu sein. Was nur war Dromars Ziel? Was bezweckte er und welche Rolle hatte Alyisa gespielt, die er ganz offensichtlich gerade betrog.
Was geschieht hier nur…? Ich dachte sie würden zusammenarbeiten, um Alyisa zurückzubringen! Ich dachte es wäre ihr Vorhaben, doch wie es jetzt aussieht, war sie nichts anderes, als eine von Dromars Marionetten!
Besorgt sah Rhuna von Farun zu Yedan, der um einiges blasser wirkte, als zuvor. Wie gerne hätte sie sich einfach losgerissen, um für den brünetten Sarier da zu sein und genau das sagte auch ihr Blick, in dem Tränen schimmerten.
Für Farun indessen brach eine Welt zusammen. Er hatte für Alyisas Rückkehr alles aufgegeben. Seine Würde als Naturmagier, seinen Glauben, seine Loyalität seinem Volke und der Natur gegenüber…! Er hatte unrechte Wege beschritten und Opfer, wie Yedan in Kauf genommen. Alles um seine kleine Tochter zurückzubekommen. Er hatte all sein Handeln damit rechtfertigt und nun… zerbrach jegliche Hoffnung auf diesen Traum, so dass einzig und alleine Verzweiflung zurückblieb.
Die von dem Naturmagier ausgehende, manifestierte Hoffnungslosigkeit aus Schatten breitete sich wie eine gigantische Welle über dem Boden aus und verschlang alles und jeden auf seinem Wege.
„Yedan!“, rief Rhuna im Angesicht der Gefahr und streckte eine Hand nach ihm aus, doch da wusch die schwarze Hoffnungslosigkeit bereits über sie alle hinweg und tauchte alles in einen seltsam trüben Schleier.

Mit einem Mal fiel Rhuna, weil Dromar plötzlich verschwunden war, als hätte die Welle ihn aufgelöst. Sie fing sich mit den Händen auf dem Boden ab, doch als sie diesen berührte spürte sie keine Erde, sondern eine bekannte, teerartige und klebrige Masse an ihren Händen. Vor Schreck stolperte sie auf die Beine und wich ein paar Schritte zurück, was jedoch nichts an der Umgebung änderte. Sie kannte diesen Ort… und ihre Instinkte ließen alle Alarmglocken schrillen.
Nein…! Hastig sah sich Rhuna um. Sie entdeckte Yedan und Kayon, die dastanden, als wäre die Zeit stehen geblieben. Ihre Gesichter sprachen von Leid und Qualen, die sie durchlitten und egal was die junge Elfe auch versuchte, sie konnte nicht zu den beiden durchdringen.
Rhuna zog ihre Handflächen von Yedans Wangen und wich ratlos einen Schritt zurück. Sie umfasste mit der rechten Hand ihre linke und versuchte so das Zittern ihrer Hände zu stoppen.
Beruhige dich…! Du warst schon einmal hier und bist entkommen!, redete sie sich gut zu, musste sich allerdings stark zusammenreißen, um ihrer Angst nicht die Oberhand zu gewähren.
Für einen Moment schloss Rhuna die Augen und atmete tief ein und aus, um ihre Atmung zu normalisieren, was ihr nach ein paar Augenblicken auch gelang. Sie durfte sich nicht gehen lassen. Sie durfte sich dieser Angst und Hoffnungslosigkeit nicht hingeben.
Es gibt einen Ausgang! Rhunas Vorteil war vielleicht, dass sie diesen Zustand bereits einmal durchlebt hatte. Das schmälerte nicht das ungute Gefühl, doch da sie diesem Kerker schon einmal entflohen war, stärkte es ihren Mut und ihre Hoffnung es erneut zu schaffen. Das war anders – wie noch etwas: Nur ein paar Schritte von ihr entfernt stand die andere Shyánerelfe und … täuschte sie sich? Auch der Dunkelelf schien nicht in Qualen und der Verzweiflung der Hoffnungslosigkeit gefangen zu sein.
„Und wir wären wo genau?“, fragte Calhoun und verschränkte mit unbeeindrucktem Gesicht die Arme vor sich, während sein Blick die klebrige Kopie des Dorfes betrachtete. Rhunas Herz machte einen Satz, als sie registrierte, dass die beiden mit ihr gefangen waren. Konnte das gehen? Waren sie nicht in sich selbst gefangen? War es vielleicht doch anders, als das letzte Mal?
„Wie kannst du so ruhig bleiben?“, hörte Rhuna Neriélle den Dunkelelfen vorwurfsvoll fragen und verfolgte kurz schweigend ihre Unterhaltung, bis sich die andere Elfe an sie wandte: „Geht es dir gut? Ich dachte schon, du kratzt Dromar die Augen aus. Wie heißt du eigentlich?” Rhuna musterte Neri etwas genauer und schwieg dabei, als würde sie sich noch entscheiden müssen, ob sie der anderen Vertrauen schenkte. Die Elfe war etwas größer und schien auch ein wenig älter zu sein, als sie es war. Für einen Moment musterte sie die hellen, goldfarbenen Augen, in denen sie keine bösen Absichten erkennen konnte.
Dromar mag ihr eine düstere Rolle zugedacht haben, doch das muss nicht heißen, dass sie dieser zustimmt und entsprechend handelt… Ihr Blick wanderte kurz zu Calhoun, der als Dunkelelf nicht unbedingt das Vertrauen mehrte, doch hatte Rhuna zuvor schon das merkwürdige Gefühl gehabt, dass er nicht so war… wie der Ruf seines Volkes. War ein Vertrauensvorschuss leichtsinnig und gefährlich? Was hatte sie überhaupt für eine große Wahl?
„Mein Name ist Rhuna.“, antwortete sie nach einem weiteren Augenblick, in dem sie beschloss auf ihr Herz zu hören. Sie war argwöhnisch gewesen, doch ähnlich wie Neri war sie keine vorschnell urteilende Person. Calhoun und Neri waren offensichtlich hergekommen, um für Hilfe für ihren Freund zu bitten. Ihre Absichten schienen gut zu sein und hatten wohl nichts mit Dromars Erscheinen im Dorf zu tun. Vielleicht… mit Florencias Segen, würden sie mit ihnen zusammenarbeiten und helfen das Dorf und seine Bewohner zu retten…!
„Du heißt Neri...élle, nicht wahr? Und er…?“ Rhuna sah von der anderen Shyánerin zu dem Dunkelelfen. Sein Name war vorhin schon einmal gefallen, doch die Ereignisse waren Schlag auf Schlag gekommen, so dass sie ihn sich nicht sofort gemerkt hatte.
„Ich kenne das hier.. nicht direkt. Aber die Dunkelheit. Sie war in dem Albtraum, den ich in der Hütte hatte. Die Dunkelheit und dieses Flüstern, das mich seither verfolgt. Vielleicht war es auch real, ich weiß es nicht. Und auch in der Höhle, nicht lange, aber plötzlich war ich auch dort in dieser Dunkelheit. Und dann traf ich Dromar… Hat er das hier erschaffen?“, fragte Neri nun die Jüngere, die sie einen Moment mit geweitetem Blick ansah. Hieß das, dass diese Elfe dieselben Erfahrungen gemacht hatte, wie sie? Hörte sie auch diese Stimme?
„Du… sagst du hörst ein Flüstern. Was sagt es?“, fragte sie und spürte eine leichte Aufregung in sich aufkeimen. Sie ließ Neri erst einmal weitersprechen und erkannte, dass sie genau so viele unbeantwortete Fragen hatte, wie sie selbst.
„Wer ist Alysia? Was ist mit ihr passiert? Wieso sind sie alle so.. und wir drei nicht? Vier…, fragte Neri und machte so auf das Ottsel aufmerksam, das bisher niemandem groß aufgefallen war.
In einer nachdenklichen Geste strich sich Rhuna durch die Haare. Wie sollte sie das alles nur erklären? Wie viel Zeit hatte sie überhaupt? Das Leid um sie herum schien nicht aufzuhören und wenn die Lage sich weiter zuspitzte, würden mehr und mehr Menschen und Elfen ihr Leben verlieren.
„Wir werden zusammen einen Weg finden, wie wir wieder zurück kommen. Und dann helfen wir deiner Freundin Avalinn!“ Neris Worte ließen Rhuna aufsehen. Einen Moment sah sie die hübsche Elfe schweigend an, doch dann bildete sich ein kleines dankbares und hoffnungsvolles Lächeln auf ihren Lippen. Obwohl sie Rhuna nicht kannte, versuchte Neri offensichtlich sie aufzumuntern und dafür war die Jüngere ihr äußerst dankbar. Sie nickte zustimmend und fing dann an, Calhoun und ihr etwas darüber zu erzählen, was hier vor sich ging:
„Alyisa war eine Elfe aus diesem Dorf und die Tochter von Farun, dem angesehensten Naturmagier des Dorfes. Ihr habt ihn eben gesehen…“, begann sie und deutete auf die Stelle an der Farun zusammengesunken war. Trotz all seiner Taten empfand Rhuna doch Mitleid für den gebrochenen Mann, der aus Liebe zu seiner Tochter einen völlig falschen Weg eingeschlagen hatte.
„Faruns Frau kam bei einem Überfall von Dieben ums Leben und Alyisa konnte ihren Tod nicht verwinden. Sie war eine potenzielle Schattenmagierin, doch durch die Trauer und den Drang nach Rache, verlor sie den Blick für die Werte ihres Volkes und verschrieb sich völlig den dunklen Künsten. Sie verlor mehr und mehr …“, sie hielt inne und schien nach dem richtigen Wort zu suchen: „… die Wertschätzung vor dem Leben! Ich kannte sie selbst nicht, daher weiß ich nichts über ihre Gedanken oder Vorhaben. Aber was ich hörte ist, dass es ihr später nicht mehr alleine um Rache ging. Sie verschrieb sich vollends der Nekromantie und wurde zu einer ernsten Bedrohung für das Waldmenschendorf. Yedan…“, erneut verließ Rhunas Blick Neris Gesicht und sah auf den gequälten, brünetten Halbelfen, der sich zuvor mit Calhoun angelegt hatte. Ihr Blick wurde weicher, verletzlicher und man konnte deutlich erkennen, dass er ihr am Herzen lag. Die Tatsache, dass er dort stand und sie ihn doch nicht erreichen oder helfen konnte, war für Rhuna unsagbar schwer auszuhalten.
„… er… entdeckte eines nachts, wie sie mit ihrer Magie den Baum dort tötete, um ihre Kräfte zu mehren, indem sie ihm sein Leben aussaugte. Als er sie zur Rede stellte, versuchte sie ihn zu töten, um ihr Werk fortsetzen zu können, doch bei der Rangelei verlor sie an eben diesem Baum ihr Leben. Tatsächlich wirft ihr Tod viele Fragen auf und was tatsächlich passiert ist, ist noch nicht sicher. Yedan war nach dem Kampf so gut wie bewusstlos, doch er erinnert sich daran, dass unmittelbar nach Alyisas Tod zwei Männer auftauchten, die mit ihren Machenschaften und vielleicht auch mit ihrem Tod zu tun hatten. Der eine war Farun und von dem anderen konnten wir bislang nur vermuten, dass es Dromar war, doch bis vorhin kannten wir weder seinen Namen, noch wussten wir mehr, als wie er aussah. Dass er damit zu tun hat war eine reine Vermutung, die sich nun bestätigte. Das alles geschah vor über 20 Jahren. Yedan war noch in derselben Nacht als Mörder verurteilt und verbannt worden, weil Farun ihm eine kaltblütige Tat unterstellte und Alyisa als unschuldiges Opfer ausrief. Niemand wusste um ihre magische Neigung und was sie getan hatte. Es wurde vertuscht...“ Das alles war kompliziert zu erklären, erst recht, da es viel war und sie nur wenig Zeit hatten.
„Was tatsächlich vor sich geht, weiß ich nicht. Bisher nahmen wir an, dass es Faruns und Dromars Ziel war Alyisa wieder ins Leben zurückholen, da wir vermuteten, dass sie die Quelle der dunklen Mächte ist. Doch wir scheinen uns geirrt zu haben. Dromar scheint für das Grauen im Dorf verantwortlich zu sein. Anscheinend war es Teil des Plans Alyisa zurückzuholen, doch aus irgendeinem Grund glaubt Dromar nun, dass du … ihren Platz einnehmen wirst.“ Rhunas Blick ruhte auf Neri. Wieso der Nekromant sie als Ersatz ausgewählt hatte, wusste die brünette Elfe nicht, doch Neri schien dies zumindest vorhin keineswegs gefallen zu haben. Ein wenig hatten sie und Calhoun ja selbst mitbekommen, doch würden die Informationen ausreichen, die Rhuna ihnen in der Eile gegeben hatte? Wenn sie zum Baum sah, konnte sie die helle und hoffnungsspendende Magie von Ajak und den anderen Naturmagiern sehen. Und … oh sie betete zu Florencia, dass ein Teil dieses Lichts auch von Avalinn war. Noch immer kämpften ihre Freunde… und deshalb musste Rhuna auch alles versuchen, um die Katastrophe abzuwenden!
„Ich weiß, dass es verwirrend … und beängstigend ist und ich habe euch auch noch nicht alles erzählt. Ich kann euch nur sagen, dass eine dunkle Macht das Dorf angreift. Der Baum, den Alysia tötete, wurde plötzlich durch dunkle Magie lebendig und saugt alles und jedem die Lebensenergie aus, der ihm zu nah kommt. Meine Freunde versuchen die Ausbreitung der der Finsternis aufzuhalten, die all jene, die sie berühren in Verzweiflung stürzt und handlungsunfähig macht. Ich weiß nicht wer alles welche Kräfte besitzt, aber Dromar scheint die Quelle zu sein und auch die Macht von Haraxdämonen zu nutzen. Ich weiß nicht, was er vorhat, aber Nerièlle… du erwähntest vorhin diese Stimme. Sie verführt und lockt einen, verspricht einem Macht, nicht wahr? Ich hörte sie wie du, aber… wir dürfen ihr nicht nachgeben. Dromar hofft wohl dich auf seine Seite ziehen zu können. Er will dich wohl benutzen, aber bitte halt dem stand! Bitte pass auf dich auf...denn er scheint unheimlichmächtigundgefährlichzu sein!“ Wenn die, ihr fast gänzlich unbekannte Elfe zu Dromars Werkzeug wurde, konnte das ihr aller Schicksal besiegeln.
Rhuna biss sich auf die Unterlippe. Ihr war die Sorge mehr als anzuerkennen. Sie wollte Neri auch keine Angst einjagen, doch wie sollte sie es vermeiden ohne ihr nicht alles zu sagen oder zu lügen?
„An diesem Ort… war ich schon einmal. Aber ich weiß nicht, ob es genau so ist, wie letztes Mal. Damals war ich in mir… in meinem Kopf oder Geist selbst gefangen. Der Haraxdämon, der pure Hoffnungslosigkeit verkörpert, hielt mich dort gefangen und versuchte mich in eben diese zu stürzen. Selbst Avalinn, die Heilerin wegen der ihr hergekommen seid, konnte mich nicht aus diesem Zustand befreien und mir gelang es nur zu entkommen, weil… ich nicht aufgab und die Hoffnung nicht verlor einen Ausweg zu finden.“ Das alles klang selbst für Rhuna zu viel. Sie senkte den Blick auf das Mal, mit dem sie der Dämon gekennzeichnet hatte. War es noch da? Würde der Dämon noch immer hinter ihr her sein, oder war nun Neriélle in Gefahr? Rhuna verstand nicht mehr, welche Rolle sie in all dem Gewirr spielte. In der zweifelhaften Gewissheit und Bedrohung hatte sie eine gewisse Ruhe finden können. Doch nun schien nichts mehr so zu sein, wie sie geglaubt hatte. Und das machte sie unruhig, weil sie demzufolge auch keine Gefahr und den weiteren Verlauf absehen konnte.
Ihr schwirrte der Kopf. Konnte sie überhaupt wissen, ob sie tatsächlich in sich selbst gefangen waren? Erzählte sie vielleicht zu viel? Was, wenn die beiden ihnen doch nicht helfen würden oder … was wenn es Dromar gelang die Elfe vor ihr zu dem Werkzeug zu machen, das er in ihr sehen wollte?
Ich weiß selbst viel zu wenig. Es sind zu viele ungeklärte Fragen! Und damals konnte ich nur fliehen, weil mich der Funkenfreund aus dem Labyrinth hinausgeführt hat! Obwohl Calhoun und Neriélle bei ihr waren fühlte sich Rhuna doch ein wenig alleine. Yedan… all ihre Freunde waren hier und zugleich auch nicht. Was wenn sie Fehler machte? Eine falsche Entscheidung könnte genügen…! Was wenn sie die beiden… oder einen der beiden falsch einschätzte? Von Calhoun ging eine gewisse Dunkelheit aus, doch hatte sie nicht das Gefühl ihm groß misstrauen zu müssen. Und das obwohl er ein Dunkelelf war.
„Würdet ihr… mir etwas von euch erzählen? Was denkt ihr wieso Dromar es nun auf dich abgesehen hat Neriélle?“ Konnte sie sich auf diese beiden verlassen?

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Neriélle » Montag 15. Mai 2023, 21:03

Neri stand in der finsteren Welt, die sie so plötzlich erfasst hatte, und versuchte, die Eindrücke der neuen Umgebung in sich aufzunehmen. Während sie Abstand zu Calhoun suchte, um den Griff nach seiner Hand zu überspielen, blickte sie zu Rhuna, die sich gerade von dem klebrigen Boden erhob und zu Yedan ging. Misstrauisch verengten sich Neriélles Augen, als Rhunas Begleiter weder auf ihre Worte noch auf ihre Berührungen reagierte. Wo waren sie hier nur gelandet? Die Anspannung in ihrem Körper wuchs ins Unermessliche und jede Faser ihres Körpers war zum Zerreißen gespannt. Musternd glitten Neris goldene Augen über Yedan und den alten Mann neben ihm. Wenn sie schon nicht auf die ihnen vertraute Elfe reagierten, dann war es wohl zwecklos, ähnliches zu versuchen, um die beiden zu erreichen. Für einen Moment drängte sich Neriélle der Gedanke auf, wie es den anderen so ergehen musste. Sahen sie, was um sie herum geschah, bekamen sie es irgendwie mit? Offenbar fühlten sie zumindest all das Leid in sich und diese Vorstellung, dort hilflos zu stehen und nichts als Leid und Verzweiflung zu spüren, gruselte Neri tatsächlich. Sie sah zu Rhuna, die erst jetzt zu realisieren schien, dass sie nicht alleine in dieser Welt war, sondern Neri, Calhoun und Pitt auch noch hier waren, und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Neri war aufgrund der unbekannten Umgebung hochkonzentriert, sodass ihr Rhunas Zögern auf ihre Frage nicht entging, so kurz es auch gewesen war.
Sie traut uns immer noch nicht. Doch war das verwunderlich? Neri wusste noch nicht viel über Dromars Pläne, doch sie sollte einen entscheidenden Part darin übernehmen. Sie war mit ihm zusammen ins Dorf gekommen, sie war in Begleitung eines Nekromanten und eines Dunkelelfen aufgetaucht, während das Dorf in größter Not war. Neri hätte es sich anders gewünscht, aber sie konnte der anderen Elfe ihr Misstrauen nicht verübeln. Sie waren zwar beide Shyánerinnen, aber dennoch völlig Fremde. Dromars Worte ließen darauf schließen, dass sie selbst etwas Dunkles verbarg, das ihm von Nutzen sein konnte. Neri schob die Gedanken zur Seite.
„Mein Name ist Rhuna“, sagte die andere schließlich und Neri lächelte sie zaghaft an. Sie war froh, dass sie zumindest versuchte, an das Gute in ihnen zu glauben. Die Frage war natürlich auch, ob sie im Moment eine Wahl hatte.
„Du heißt Neri...élle, nicht wahr? Und er…?“ Neri nickte zustimmend, überließ es aber Calhoun, ihr seinen Namen zu nennen. Stattdessen versuchte Neri weiterhin, Rhunas Vertrauen zu erlangen, indem sie ihr ihre bisherigen Erfahrungen mit der Dunkelheit erzählte. Jeder Hinweis könnte ihnen nützlich sein, um hier herauszukommen.
„Du… sagst du hörst ein Flüstern. Was sagt es?“ Neri schaute sie irritiert, aber auch überrascht an. Sie hatte das Flüstern nur nebenbei erwähnt. Wieso fragte Rhuna explizit danach? Hört sie es auch? Ist sie die andere, zu der die Stimme ebenfalls spricht? Neri dachte über die genauen Worte der dunklen Stimme nach und es war ihr anzusehen, dass sie sich unwohl dabei fühlte. Sie wollte nicht an dieses Flüstern denken, das sie heimsuchte, aber wenn es half, dieser Schattenwelt zu entkommen, dann musste es wohl sein. Sie überlegte einige Sekunden, ehe sie wieder den Blick zu Rhuna suchte. “Es will, dass ich zu ihm komme. Es wollte, dass ich es verehre und nähre..” und es liebe, dachte sie, brachte es aber nicht über die Lippen, es laut auszusprechen. Es fiel ihr generell schwer, über Gefühle im Allgemeinen und Liebe im Besonderen zu reden. Und dass offenbar ein Dämon oder irgendeine Kreatur sie nun dazu aufforderte, konnte sie nicht äußern. Allein der Gedanke löste ein fürchterliches Unbehagen und Unruhe in ihr aus. Es hatte ihr Macht in Aussicht gestellt, aber auch das verschwieg Neri. Sie benötigten Rhunas Vertrauen und sie wollte sie nicht verunsichern. Und sie wollte auch gar nicht lange über die Worte sinnieren. “Es hat auch noch zu anderen gesprochen.. dann hörst du es auch?”, fragte sie nach und so etwas wie Hoffnung und Erleichterung klang durch. “Ich dachte schon, ich bin verrückt geworden.”

Viel wichtiger war Neri im Moment jedoch, mehr über Alysia zu erfahren. Sie wollte wissen, wer sie gewesen war und was mit ihr geschehen war. Dromar wollte, dass Rhuna den Platz der Heilerin Avalinn am Baum einnahm, um es zu nähren - ursprünglich hatte sie wohl diesen Platz einnehmen sollen, das hatte das Flüstern bei ihrer ersten Begegnung verlangt.. doch Dromars Plan hatte sich mit ihrem Aufeinandertreffen vor der Höhle offensichtlich geändert. Nun sollte Neriélle Alysias Platz einnehmen. Doch was war Alysias Aufgabe in dem Plan gewesen? Sie wollte einiges von Rhuna wissen und ihre Fragen waren im Moment nicht nur Ausdruck der naturgegebenen Neugierde der Shyáner Elfe, sondern vielmehr ihrem Überlebenswille geschuldet. Sie wollte nicht in die Fänge des Nekromanten gelangen. Sie würde sich wehren und das konnte sie besser, wenn sie wusste, was auf sie zukam. Aufmerksam und dankbar über jede Information lauschte Neriélle den langen Ausführungen der anderen Elfe. Sie sah und hörte deutlich, dass Rhuna Mitleid mit Farun empfand. Der Naturmagier hatte offensichtlich einen Pakt mit Dromar geschlossen, der großes Unheil über das Dorf der Waldmenschen gebracht hatte und dennoch tat er Rhuna leid, was für ein großes Herz in der Brust der Elfe sprach. Neri lächelte innerlich für einen Moment, weil sie einige Gemeinsamkeiten zwischen sich und der anderen Shyáner entdeckte. Doch als Rhuna schließlich die Macht Alysias erwähnte, wurden Neris Gesichtszüge glatt, da sie meinte, mit einem Mal zu einer dunklen Erkenntnis zu gelangen. Alysia war eine Schattenmagierin, die sich am Ende den dunklen Künsten verschrieb. Immer wieder drehten sich diese Worte in Neris Kopf. Sie sollte Alysia ersetzen - sie sollte eine Schattenmagierin ersetzen!? Oder verstand sie etwas falsch? Dromar hatte betont, wie gut sie in seinen Augen geeignet war, um Alysias Aufgabe zu übernehmen. Was auch immer diese Aufgabe war.. Wieso ich?, dachte Neri mit einer Spur Fassungslosigkeit und versuchte, sich diese und ihre Überforderung nicht anmerken zu lassen. Dennoch war in ihrer Mimik abzulesen, dass ihr dieses neue Wissen zu schaffen machte. Ich beherrsche doch nur die Lichtmagie und das nicht mal gut. Was habe ich mit der Schattenmagie zu schaffen? Die Schattenmagie hatte sie schon immer neugierig gemacht und diese Neugierde war immer mal wieder aufgeflammt und stellenweise größer geworden, wenn ihre Lehrmeister oder Eltern jegliche Fragen von ihr diesbezüglich abblockten, sodass Neri irgendwann resignierte und die Neugierde über das Dunkle mit sich selbst ausmachte. Als sie dann aber dem Schattenmagier im Kapayu begegnet war, hatte seine Magie diese Neugierde in eine bis dahin unbekannte Sehnsucht nach den Schatten gesteigert. Sie hatte wegen dieser Sehnsucht ihre behütete Heimat verlassen und war kaum ein paar Tage später geradewegs in Calhouns Arme gelaufen. Schon damals im Zelt war ihr der Gedanke gekommen, ob das mehr als nur ein Zufall gewesen war. Nach ihrer Flucht war sie dem Dunkelelfen in den Wald gefolgt und seine Schatten hatten sie liebkost.. die Schatten zogen sich wie ein dunkler roter Faden durch ihre bisherige Reise und hatten sie bis in das Waldmenschendorf geführt. Neri schüttelte den Kopf, um die Gedanken abzuschütteln, die sie für einige Moment gefangen hielten. Das ist nicht möglich. Niemals. Es muss um etwas anderes gehen. Irrte sie sich? Bestand Alysias oder ihre Aufgabe in etwas anderem? Der Gedanke daran, dass sie die Schattenmagie oder eine andere dunkle Magie nutzen könnte, war so falsch wie die Anziehung, die sie von Anfang an zu dem Dunkelelfen neben sich verspürt hatte. Und trotz aller Falschheit hatte sie.. Neri war froh, dass Rhuna fortfuhr und sie Zeit hatte, sich mit all diesen Gedanken zu arrangieren, denn sie ließen sich nicht mehr vollständig zur Seite schieben.

Als die brünette Elfe Yedan erwähnte, sah Neri ihr deutlich an, wie viel ihr an dem Halbelfen lag. Neri empfand plötzlich noch mehr Mitgefühl mit der Elfe als ohnehin schon aufgrund ihrer derzeitigen Situation. Rhuna konnte ihrem Gefährten nicht helfen, sie war machtlos, und Neri konnte nur ahnen, wie sich das anfühlen musste. Sie ließ die andere Elfe in Ruhe weitersprechen, denn sie wollte alles über Alysia wissen, was es zu wissen gab, auch wenn sie das Ende der Geschichte mit einer dunklen Vorahnung erwartete. Vielleicht gab es einen Hinweis darauf, dass sich Neri irrte und ihr erster Gedanke komplett falsch war? Doch was Rhuna erzählte, konnte sie nicht beruhigen. Alysia hatte den riesigen Baum getötet und ihm das Leben ausgesaugt, um ihre eigenen Kräfte zu stärken. Konnte man den Waldmenschen und -elfen etwas Schlimmeres antun? Wo blieb in diesem Geschehen Platz für eine gute Tat? Dromar hatte sicher nichts in diese Richtung geplant. Dass er diesen Plan schon vor zwei Jahrzehnten gefasst hatte, überraschte Neriélle. Als Rhuna schließlich erzählte, dass Yedan für Alysias Tod verantwortlich gemacht und verbannt worden war, schaute Neriélle erneut zu dem Fremden.
“Das klingt schrecklich”, murmelte sie und meinte nicht nur diesen Teil der Geschichte, sondern die bisherigen Erzählungen in ihrer Gesamtheit. Besonders Alysias letztes Kapitel ihres Lebens klang schrecklich. Rhuna gab zu bedenken, dass sie nicht alle Details über ihren Tod oder Dromars und Faruns Motive kannte, doch allein das, was sie bisher erzählt hatte, ließ eine Gänsehaut auf Neriélles Gliedern zurück.
„Anscheinend war es Teil des Plans Alyisa zurückzuholen, doch aus irgendeinem Grund glaubt Dromar nun, dass du … ihren Platz einnehmen wirst.“
Neriélle spürte, wie sich ein riesiger Kloß in ihrem Hals manifestierte. Rhunas Erzählungen zufolge hatte Alysia nur Dunkelheit und Verderben über das Dorf gebracht. Was Dromar glaubte, in ihr zu sehen, war Wahnsinn - falls ihre Vermutung stimme. Es machte ihr Angst, sehr viel Angst. Es begann sie zu frösteln und sie mahlte mit den Kiefern aufeinander. Von ihrer sonst so fröhlichen und humorvollen Art war nichts mehr übrig.
“Dromar irrt sich, wenn er denkt, dass ich auch nur im entferntesten dazu fähig bin, zu tun, was Alysia getan hat. Ich weiß nicht, was er sich da zusammenreimt”, schnaubte sie in einem kläglichen Versuch, ihre Unsicherheit zu überspielen. Rhuna lenkte ein, dass das alles verwirrend und beängstigend war und Neri brachte nur ein “Allerdings” über die Lippen. Offenbar gab es noch viel mehr zu erzählen, doch die Zeit rannte davon. Als Rhuna ihre Freunde erwähnte, die an dem Baum kämpften, der durch dunkle Magie lebendig geworden war und nun die Lebensenergie aller aussaugte, die ihm zu nahe kamen, schaute Neri zu dem Baum hinüber. Erst jetzt sah sie das warme, helle Pulsieren sowie die farbige Blütenpracht davor, die sich deutlich in der Dunkelheit abzeichnete. Zusammen mit dem Licht wirkte sie wie die einzige Hoffnung in dieser Dunkelheit.

„Ich weiß nicht, was er vorhat, aber Nerièlle… du erwähntest vorhin diese Stimme. Sie verführt und lockt einen, verspricht einem Macht, nicht wahr? Ich hörte sie wie du, aber… wir dürfen ihr nicht nachgeben. Dromar hofft wohl dich auf seine Seite ziehen zu können. Er will dich wohl benutzen, aber bitte halt dem stand! Bitte pass auf dich auf...denn er scheint unheimlich mächtig und gefährlich zu sein!“
Rhuna beschrieb, im Gegensatz zu ihr, genauer, was die verführerische Stimme gesagt hatte. Vermutlich hatte sie bei ihrer Beschreibung zuvor gemerkt, dass Neri Details zurückhielt, und brachte diese nun besser auf den Punkt. Neri nickte zustimmend und hörte den Nachdruck in den Worten der anderen. Ihr war klar, dass es der anderen Elfe nicht um sie ging. Es ging ihr um die Menschen und Elfen, die in diesem Dorf lebten. Wenn sie diesem Flüstern nachgab und wenn sie Dromars Absichten verfiel, dann brachte sie alle in Gefahr, denn dann führte sie das Unheil fort, das Alysia begonnen hatte. Oder..!?
“Das kann nicht sein”, sagte Neriélle plötzlich, weil sich ihre Gedanken nur noch im Kreis drehten und egal, wie sie es auslegte, kam sie immer wieder auf die dunkle Magie zurück. Was sonst sollte ihre Aufgabe sein, wenn es darum ging, eine Schattenmagierin zu ersetzen? Plötzlich wandte sie sich abrupt von Rhuna und Calhoun ab, als wäre es so möglich, einen klaren Gedanken zu fassen. Sie schlug die Hände über den Kopf zusammen, fuhr sich durch die Haare und ging unstet einige Schritte hin und her und beschritt so einige unförmige Kreise. Dabei blieb sie zwar in unmittelbarer Nähe der beiden, es kostete sie aber einiges an Kraft, die neuen Informationen zu verarbeiten. Dass sie jetzt nicht einfach das Weite suchen konnte, setzte sie zusätzlich unter Druck. Selbst Pitt schien zu merken, dass sie diesen Abstand jetzt brauchte und hüpfte vorerst von ihrer Schulter. Neris Magen krampfte sich vor Übelkeit zusammen und sie bekam das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Allein die Vorstellung des ganzen Ausmaßes setzte ihr zu. Sie blieb stehen, schloss die Augen und versuchte, sich aufs Atmen zu konzentrieren und ihren Herzschlag zu beruhigen. Sie war keine Schattenmagierin! Sie konnte ja nicht mal über das Licht befehligen, wie sollte sie da fähig sein, eine dunkle Magie zu nutzen.. oder irgendetwas anderes Dunkles in diese Richtung weiterzuführen, was eine verzweifelte Schattenmagierin begonnen hatte? Die Schatten machten sie neugierig, sie hatte sich nach ihnen gesehnt, sie hatte geglaubt, sie in Calhouns Schatten zu fühlen und unter anderen - weniger erregenden - Umständen, hätte sie vielleicht auch dem Kitzeln in den Fingerspitzen nachgegeben, die nach der Magie hatten greifen wollen. Doch das hier war purer Wahnsinn. In einer erneuten, abrupten Drehung wandte sie sich wieder Rhuna und Calhoun zu. “Wieso ich? Wieso nimmt er nicht dich?!”, stieß sie plötzlich aus und sah Calhoun an. In ihren Augen spiegelten sich Unverständnis, Überforderung und Hilflosigkeit. “Nicht, dass ich das möchte, aber du.. das würde wenigstens Sinn ergeben. Ich kann doch nicht einmal richtig die Lichtmagie wirken. Du hast gesehen, was ich damit erschaffen kann: eine kleine dämliche Flamme und mehr nicht.” Sie lachte kurz auf und es klang ziemlich freudlos. Sie offenbarte damit den beiden etwas, das sie Calhoun nicht auf die Nase hatte binden wollen. Sie hatte ihren magischen Flammenschein damals im Wald erschaffen, um Arunn ein wenig Wärme zu spenden. Calhoun musste es gesehen haben, denn danach hatte er sein Wissen geteilt, dass er wusste, dass sie eine Lichtmagierin war. Doch was für eine schlechte Magierin sie war, vor allem im Vergleich zu seinen Fähigkeiten, hatte sie vor ihm verheimlichen wollen. Das war auch der Grund dafür gewesen, wieso sie in seinen Schatten nicht ihrer Magie nachgegeben hatte - um keine Schwäche zu zeigen. Dafür hatte sie gesehen, was Calhoun mit seiner Magie machen konnte - worauf sie nun indirekt anspielte. In ihren Augen verkörperte er geradezu die Schattenmagie. Wieso wählte Dromar nicht ihn aus? Neri verspürte plötzlich den Frust ihrer ganzen Misserfolge in Sachen Magie und der Ärger über ihre eigene Unfähigkeit brodelte an die Oberfläche. “Ich habe keine Ahnung, was Dromar glaubt, in mir zu sehen. Deine Erzählungen lassen nur den Schluss zu, dass die Aufgabe mit dunkler Magie zu tun hat. Wie soll ich denn dazu fähig sein, etwas mit Schattenmagie oder Nekromantie oder Dämonen anzustellen? Egal was Dromar vorhat, es wird nicht funktionieren. Ich kann das nicht.”, schloss sie dann und es waren Worte, mit denen sie sich in erster Linie selbst beruhigen wollte, als sie schlussendlich versuchte, den beiden ihre Vermutung zu erklären, die sie so aus dem Konzept brachte. Ihr Blick war aufgeregt zwischen Calhoun und Rhuna hin und her gesprungen und wirkte auch nun unstet.. Jede Faser ihres Körpers schrie danach, das Dorf zu verlassen. Nicht nur das Dorf in dieser Schattenwelt, sondern auch das in der richtigen Welt.

“Wir müssen einen Weg hinaus finden”, sagte sie deshalb und versuchte, den Drang zur Flucht in ihrem Innen niederzukämpfen. Generell blieb sie mehr oder weniger in Bewegung und tat sich schwer damit, sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Normalerweise würde sie nun einfach gehen und im Wald ihre Ruhe suchen. Doch das war nicht möglich.
„An diesem Ort… war ich schon einmal. Aber ich weiß nicht, ob es genau so ist, wie letztes Mal. Damals war ich in mir… in meinem Kopf oder Geist selbst gefangen. Der Haraxdämon, der pure Hoffnungslosigkeit verkörpert, hielt mich dort gefangen und versuchte mich in eben diese zu stürzen. Selbst Avalinn, die Heilerin wegen der ihr hergekommen seid, konnte mich nicht aus diesem Zustand befreien und mir gelang es nur zu entkommen, weil… ich nicht aufgab und die Hoffnung nicht verlor einen Ausweg zu finden.“
Als Rhuna erzählte, dass sie schon einmal hier gewesen war, hielt Neri tatsächlich in ihrem unsteten Tun inne und sah sie überrascht an. “Es gibt also einen Weg hinaus. Gut.. Aber wie genau hast du das angestellt? Vielleicht sollten wir uns alle an den Händen halten, an das Gute auf der Welt denken und ein Liedchen singen.” Sie schaute von Rhuna zu Calhoun, ehe sie seufzte und die Schultern hängen ließ. Es war natürlich nicht ernst gemeint und ihre innere Ruhelosigkeit und Hilflosigkeit färbte ihren sonst eher belustigenden Sarkasmus in abwertende Worte. “Tut mir leid.. es ist nur..”, murmelte sie deshalb in Richtung Rhuna und brach ab, weil der anderen Elfe schon längst klar geworden sein musste, dass Neri nur versuchte, ihre strapazierten Nerven zu beruhigen. Da war es vielleicht gar keine so schlechte Idee, sie etwas abzulenken.
„Würdet ihr… mir etwas von euch erzählen? Was denkt ihr wieso Dromar es nun auf dich abgesehen hat Neriélle?“
Neriélle blieb stehen und atmete einige Momente tief ein und aus. Sie zwang sich zur Ruhe, denn sie konnte Rhunas Fragen durchaus verstehen. Sie waren zusammen in einer tropfenden Schattenwelt gefangen, da war es nicht verwunderlich, dass Rhuna mehr über sie wissen wollte. Sie blickte kurz zu Calhoun und erwartete schon einen sarkastischen Hinweis, dass sie keine Zeit für Plaudereien hatten. Und vermutlich hatte er Recht. Trotzdem wollte sie Rhuna nicht einfach so stehen lassen, auch wenn sie nicht wusste, was genau Rhuna hören wollte und welches Wissen ihnen in dieser Situation noch hilfreich sein konnte.
“Ich komme aus Shyána Nelle.. wie du auch, vermute ich?” Neri versuchte sich in einem Lächeln. “Ich wünschte, wir wären uns unter anderen Umständen begegnet. Ich habe erst vor ein paar Wochen mein Zuhause verlassen.. ich wollte nach Zyranus und bin dort Calhoun und Arunn begegnet.” Dass Calhoun ihr Leben gerettet hatte, hatte sie ja schon erzählt. Sie sah von Rhuna kurz zu dem Dunkelelfen hinauf und wieder zurück. Ob sie wusste, dass ein Krieg um Zyranus geherrscht hatte? Neriélle hatte es nicht gewusst und war deshalb völlig blauäugig in das Lager des Dunklen Volkes marschiert. Daher ging Neri davon aus, dass Rhuna ebenso wenig von den aktuellen Geschehnissen in Zyranus wusste. Auch jetzt war Neri der Meinung, dass es besser war, der anderen Elfe nicht alles zu erzählen. Bisher war sie Calhoun gegenüber nicht viel misstrauischer gewesen als ihr gegenüber. Aber wenn sie erzählen würde, dass Calhoun in der Armee, die Zyranus belagert hatte, eine durchaus hohe Position inne gehabt hatte, dass er sie festgesetzt, verhört und eingesperrt hatte.. vermutlich würde ihre Meinung ihm gegenüber sinken. Außerdem würde sie mich danach wahrscheinlich doch für wahnsinnig oder überaus dumm halten, dass ich in seiner Nähe geblieben bin. Sie würde mehr als ein paar Minuten brauchen, um das alles zu erzählen und zu erklären.
“Ich kann nicht alles erzählen, wir sollten nicht zu viel Zeit verlieren. Arunn wurde verletzt und wir sind bis in den Neldoreth gelaufen, um Hilfe für ihn zu finden. Dort wollten wir eine Kräuterhexe aufsuchen, doch sie war nicht in ihrer Hütte. Wir blieben in der Hütte und dort hatte ich eine Art Alptraum.. aus allen Wänden und Ritzen kamen Schatten auf mich zu und ich hörte dort auch das Flüstern zum ersten Mal. Wir nutzten die Hütte als Unterschlupf. Calhoun baute ein Floß, um uns hierher zu bringen. Während der Jagd bin ich dann auf Pitt gestoßen, der so töricht war, sich mit einer Bärenmutter anzulegen. Wir haben Schutz in einer Höhle gesucht und dort waren.. es lagen tote Menschen und Elfen dort, viele von ihnen. Sie sahen aus, als hätten sie kurz vor ihrem Tod Fürchterliches gesehen.. sie hatten schwarze Fingerkuppen und schwarze Striemen unter den Augen. Auf dem Weg nach draußen war ich plötzlich wieder umgeben von dieser Dunkelheit und dem Flüstern. Und dann war plötzlich Dromar dort.. und er tat ahnungslos. Es tut mir leid, Rhuna, dass wir ihn mitgebracht haben. Ich dachte, wir tun ihm einen Gefallen und dass er helfen kann, Arunn zu heilen, weil auch auf seiner Wunde inzwischen diese schwarzen Striemen sind. Meine Menschenkenntnis lässt zu wünschen übrig..", murmelte sie schließlich zuletzt und sah erneut zu Calhoun hinauf. Und ihre Elfenkenntnis war auch von zweifelhafter Natur. "Und aus ihm hier wirst du nicht viel herausbekommen. Oder möchtest du uns etwas über dich erzählen?", gab sie die Frage am Ende an Calhoun weiter und funkelte ihn herausfordernd an, da sie vermutete, dass er so schweigsam blieb, wie sie ihn kennengelernt hatte. Bisher hatte sie sich die Zähne an seiner Verschwiegenheit ausgebissen und obwohl sie nun schon mehrere Tage zusammen reisten, wusste sie im Grunde nichts über ihn. Aus ihren Erzählungen wurde vermutlich auch Rhuna genau das klar. Sie reisten noch nicht lange zusammen und Neri war nicht diejenige, die für den Dunkelelfen das Wort ergriff. Ihre Vermutung über Dromars Absichten hatte sie wohl gerade während ihres kleinen Ausbruchs deutlich genug dargelegt, sodass sie nun vorerst schwieg.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Gestalt » Samstag 20. Mai 2023, 10:51

So viele Emotionen, die gerade herrschten. Da waren Angst, Verzweiflung, Hilflosigkeit und Häme, ja sogar Genugtuung. Wut und Unverständnis verrauchten langsam, nachdem sich die Wogen innerhalb der ungleichen Gruppen etwas glätteten. Einer von ihnen schien allerdings nichts davon zu empfinden: Calhoun. Der Dunkle stand mit einer schieren Ruhe neben Neriélle als sich Dromar’s Worte gegen sie richteten. Wie ein stummer, angsteinflößender Fels in der Brandung, strahlte die Wirkung auf den hellhäutigen Menschen ab. Was seine Worte allerdings tatsächlich in dem Elfen bewirkten, blieb sein Geheimnis. Calhoun war ein Buch mit sieben Siegeln, wie man so schön sagte. Er ließ sich nicht hinter seine Stirn gucken, wirkte unnahbar und abweisend. Doch kleinere Gesten ließen das Bild mit anderen Farben entstehen. Während Neri und Rhuna beide mit ihren Gedanken, Erkenntnissen und Verwirrungen zu kämpfen hatten, war es Calhoun, der sich nicht beeindrucken ließ. Er war aber auch nicht persönlich betroffen, sodass er lediglich ein Kollateralschaden war. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort und wurde durch die Finsternis ebenso eingehüllt, wie die beiden Elfinnen. Neri aber packte im Angesicht der Gefahr die Angst und ließ sie eine Handlung durchführen, die die Nähe zu Calhoun auszunutzen wusste. Sie griff seine Hand und drückte diese in der grauenhaften Erwartung, durch die sich ausbreitende Finsternis verschluckt zu werden. Das war er also, der letzte Moment. Haltsuchend bei einem Dunkelelfen, der sie mit scharfen Worten und finsterer Magie um den Verstand gebracht hatte. Wie tief war sie also gesunken? Doch der Moment ihres Ablebens kam nicht. Neriélle durfte feststellen, dass sie noch quicklebendig war, nachdem alles um sie herum dunkel geworden war. Für einen Moment gab es da nur die Dunkelheit. Sie umgab die beiden Elfen wie eine viel zu enge Hülle und man glaubte schon, nicht atmen zu können.
Sobald der erste Schreck aber verflog, fand sich Calhoun noch etwas dichter bei der Elfe und er hatte seine Hand nicht von ihrer gelöst. Was ihr peinlich berührt, bewusstwurde, denn sie entriss ihm fast die Hand und er ließ es stillschweigend zu. Wieder mal erhielt Neri keine Antwort darauf, was in dem Mann vor sich ging. Ob sich das je ändern würde? Wollte sie das überhaupt? Sie suchte die Ablenkung in Rhuna und stellte jener so einige Fragen. Rhuna aber spürte die Verzweiflung, erneut in diesem Reich des Schreckens gefangen worden zu sein. Erinnerungen wallten auf und ließen sie abermals vor Verzweiflung beben. Nur ein Blick genügte und sie sah Yedan und Kayon an, dass die Dunkelheit bei ihnen andere Wirkung hatte.

Beide durchlebten das schmerzvolle Leben, welches sie hatten führen müssen. Yedan quälten die Erinnerungen an Alyisas Verrat, ihren Tod, der Verlust seiner Heimat und Familie. Er durchlebte die bittere Erkenntnis, für die Rettung seiner Mutter nichts beigetragen zu haben und für immer zu wissen, dass er sie nicht wiedersehen würde. Auch Kayon sah man dieses bewegte Leben an. Die Wiedervereinigung mit Yedan blieb hinter all den Ereignissen zurück, sodass die Freude nicht ausreichend stark war, um die Schatten zu beleuchten. Rhuna war vorerst allein. Allerdings stimmte das nicht ganz: Neri war da und spendete ein wenig Trost. Die Elfe erinnerte Rhuna an ihre Heimat. Dort war für beide Frauen alles beschaulich und sorglos gewesen. Hatten ihre Eltern und Freunde also Recht? War es nicht besser in Frieden und von Schönem umgeben zu leben, um sich nicht mit der Schwere des Lebens belasten zu müssen? Beide hatten nicht hören wollen. Und nun standen sie hier, der Verzweiflung nahe. Während Rhuna und Neri sich allmählich annäherten und ob der vorherrschenden Situation eine Art stummen Frieden schlossen, blieb als letzter nur noch Calhoun von der Wirkung der Schatten verschont. Hatte auch er ein behütetes Leben geführt? Wohl kaum. Neriélle hatte ihn schließlich auf einem Schlachtfeld kennengelernt. Geführt von einem Dämon… Schon wieder Dämonen. Binnen kürzester Zeit hatte Neri nun mit diesen haraxischen Wesen zu tun. Behielt Dromar Recht mit seiner finsteren Einschätzung über ihre Rolle in diesem Spiel? Um sich abzulenken, versuchte Neri Licht in das Dunkel zu bringen und fragte Rhuna nach den Hintergründen von allem.
Und Rhuna gab bereitwillig Auskunft. Es fiel ihr nicht leicht, alles noch mal in Worte zu fassen und eben jene machten deutlich, wie vergiftet dieses Fleckchen Celcia und die Existenzen darauf waren. Der Verrat, der Schmerz nahmen scheinbar überhand. Neri empfand tiefes Mitgefühl für Rhuna und ihre Freunde und gleichzeitig schiere Angst, ob der überwältigenden Neuigkeiten. Welche Rollen spielten sie und die andere Elfe wirklich? Was hatte das alles zu bedeuten? Nicht einmal Pitt war in der Lage, sich der Finsternis zu entziehen, denn er hielt die Klappe. Vor Angst, nicht vor einem bizarren Leben, das er noch mal durchleiden musste. Ottsel waren vorlaut für vier, aber echte Schisser. Und so krallte sich das kleine Tier an seiner neuen Besitz- Beschützerin fest und biss sich die Zunge wund. Was Rhuna zu erzählen wusste, schmälerte weder Neri’s noch Rhuna’s Sorgen. Im Gegenteil. Es brachte noch mehr Verwirrung und Fragen auf, die allesamt ins Leere zu liefen schienen.

Während die Frauen sich austauschten und sich gegenseitig auf den neusten Stand brachten, schwieg der Dunkelelf der Runde. Er stand wie eine Statue neben ihnen und man hätte glauben können, er höre nicht mal zu. Dass dem nicht so war, bewies er nur Augenblicke später: „Schattenmagier haben nichts mit Dämonen zu tun.“, er sah kurz zu Neri und revidierte: „in magischer Hinsicht, meine ich.“ Er löste seine Arme aus der Verschränkung und sah sich ein wenig um. Ihn schien dieses Ambiente nicht sonderlich zu stören. „Nekromanten haben mit dem Tod zu tun. Deshalb saugte diese Elfe auch den Baum aus. Sie beziehen ihre Kräfte aus allem, das lebt. Und sie erwecken Tote zum Leben. Wobei man nicht sagen kann, dass diese Wiedergekehrten etwas mit den früheren Lebenden gemein haben. Seelenlose, verrottende Hüllen, trifft es da wohl ganz gut. Weder Schattenmagier noch Nekromanten können Dämonen beschwören. Euer weißhaariger Verrückter wird wohl ein Ritualmagier sein, wenn er wirklich die Quelle all dessen ist.“, merkte er reichlich nüchtern an. Er hielt sich nicht mit Gefühlen und Mitleid auf. Nun war es an Neri, sich zu erklären und sie berichtete von der kurzen Zeit, außerhalb von Shyána Nelle.
Erneut verschränkte Calhoun die Arme und musterte die Elfe mit den violetten Haaren skeptisch. Sie ließ einen wichtigen Teil aus, doch war es nicht an ihm, diese Dinge zu erklären. Sah er jedenfalls so. Also schwieg er erneut und erwies sich nicht als Hindernis aber auch nicht als große Hilfe, die richtigen Worte zu finden. Bis Neri die Leichen erwähnte, von denen er auch nur sporadisch etwas mitbekommen hatte. Seine roten Augen glommen auf und er wandte sich zu dem Dorf um, das sich in schwarzer Finsternis spiegelte. „Dormar sucht einen Wirt.“, bemerkte er dann kühl und wandte sich ausdruckslos zu Neri und Rhuna um, die er beide mit einem Blick bedachte. Er trat auf Rhuna zu, griff nach ihrem Arm und zeigte ihr das Mal, an ihrem Arm. Noch immer war es da, noch immer brannte es. „Du bist markiert worden. Er hatte dich erwählt.“, erkannte er die Wahrheit und sah zu Neriélle. „Aber er hat sich umentschieden. Etwas an dir lässt ihn glauben, dass du sehr viel besser passt, um den Dämon der Hoffnungslosigkeit aufzunehmen und auf die Welt zu holen.“, schloss er und ließ Rhuna los. Er trat auf Neri zu und fixierte sie mit seinem Blick. Neri kannte das schon. Er hatte eine gewisse Wirkung und setzte sie scheinbar unbewusst ein in diesem Moment. Seine Augen, seine Nähe, alles war darauf ausgelegt ihre Knie weichwerden zu lassen und sich die Informationen zu holen, die er brauchte. Intensiv musterte er das Gesicht von Neri. Dann neigte er sich ihr entgegen. „Du hast etwas an dir, das die Dunkelheit sieht.“, grollte er halblaut und entließ sie aus seinem Wirkungsbereich. „Ihr beide beherrscht Lichtmagie.“, sagte er wieder weitaus neutraler und trat zurück. „Ihr tragt also die Hoffnung weitaus mehr in euch, als es jene arme Tropfe tun, die unmagisch sind. Davon ernährt sich dieser Dämon und deshalb wird saugt er das Leben – Sinnbild der Hoffnung – aus der Heilerin. Ihre Lichtmagie, ernährt den Dämon. Ist sie leer, stirbt sie und du bist die nächste.“, meinte er, mit Blick auf Rhuna. Dabei klang er tatsächlich so als würde er das Wetter erklären. Ob das nun mangelnder Empathie, Desinteresse oder einfach seine Art ist, blieb ungeklärt. Er trat einige Schritte um den großen Baum, der zwar nicht betroffen war, aber die Sicht auf den kleineren, toten Baum verdeckte und nickte in die Richtung. „Seht ihr Licht. Es strahlt selbst durch das Reich des Dämons, in dem wir uns befinden.“, machte er aufmerksam und tatsächlich konnten die Frauen erkennen, dass das warme Pulsieren von Avalinn ausging. Die Heilerin war mächtig, sehr mächtig und bot genug Nahrung für den Dämon. Er hatte sich die Stärkste ausgesucht, doch hatte er sich auch übernommen. Avalinn würde nicht so schnell aufgeben. Das hatte sie auch Rhuna suggeriert. „Also- irgendwelche Ideen?“, meinte Calhoun dann und blickte Rhuna, sowie Neri abwartend an. Es lag an ihnen, etwas zu unternehmen.
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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Mittwoch 24. Mai 2023, 23:47

Tatsächlich fiel es Rhuna nicht ganz leicht Neriélle und Calhoun einfach Vertrauen zu schenken. Sie war erneut in dieser Welt aus zähflüssigen Schatten gefangen und musste mit ansehen, wie Yedan und Kayon vor ihren Augen, von der Verzweiflung gequält, litten. Kein Wort drang zu ihnen durch und keine Berührung schien sie wachrütteln zu können. Von ihren anderen Freunden war weit und breit nichts zu sehen und sie konnte nur hoffen, dass der Schatten nicht auch zu ihnen vorgedrungen war.
Das Gefühl alleine zu sein nagte an Rhuna, denn auch wenn Neri und der Dunkelelf mit ihr zusammen in dieser ‚Welt‘ gefangen waren, waren diese doch im Grunde Fremde für sie. Fremde, die mit Dromar gekommen waren, der ganz offensichtlich die Quelle allen Übels darstellte. Wie sollte man auf solch einer Basis und unter solchen Umständen Vertrauen aufbauen? Für nichts schien Zeit zu sein, doch hatte Rhuna überhaupt eine Wahl? Alleine konnte sie nichts ausrichten und die Einzigen, die quasi erreichbar und ansprechbar waren, waren die beiden anderen Elfen.
Zumindest Neri versuchte ihren Teil, um Rhuna davon zu überzeugen, dass sie nichts mit Dromar und seinen Taten zu schaffen hatten. Calhoun hingegen gab sich undurchsichtig und schien anfänglich ziemlich wortkarg zu sein, so dass sich Rhuna kein wirkliches Bild von ihm machen konnte. Von allen Anwesenden schien er am wenigsten von den negativen Einflüssen betroffen zu sein. Und eben diese fast teilnahmslose Art war es, die Rhuna doch ein wenig verunsicherte. Weder stellte er sich ihr vor, noch schien er bemüht zu sein, wie Neriélle, ein wenig Licht in die ganze Geschichte zu bringen.
Die brünette Elfe teilte dennoch ihr Wissen mit ihnen und Stück für Stück versuchten sie das Puzzle zusammenzusetzen.

Dromars Pläne waren für beide nicht wirklich nachzuvollziehen, allerdings verstanden sie, dass er Neriélle eine wichtige Rolle zumaß. Eine Rolle, die die Elfe ganz offensichtlich verängstigte.
Rhuna verstand sehr gut, wie sich Neri fühlte, als sie etwas Abstand suchte, um mit all den beängstigenden Neuigkeiten zurechtzukommen. Mitleidig folgte ihr violetter Blick den Bewegungen der Frau, die wie ein Tiger hin und herlief.
Man will einfach nur weglaufen…! Oder aufwachen, weil man glaubt, dass das alles nur ein böser Traum sein kann… Rhuna hatte lernen müssen, dass beides nicht möglich war. Und das erkannte nun wohl auch Neri. Der hilfesuchende Ausdruck in den Augen der Älteren fand den von Calhoun, der in ihren Augen offensichtlich eine viel logischere Wahl für Dromars Pläne gewesen wäre, was sie ihm in ihrer Angst und Verzweiflung auch mitteilte.
„Wieso ich? Wieso nimmt er nicht dich?! Nicht, dass ich das möchte, aber du... das würde wenigstens Sinn ergeben. Ich kann doch nicht einmal richtig die Lichtmagie wirken. Du hast gesehen, was ich damit erschaffen kann: eine kleine dämliche Flamme und mehr nicht.”
Aufmerksam betrachtete Rhuna das ungleiche Paar. Neri hatte mit diesen Worten preisgegeben, dass sie eine Lichtmagierin war und dass sie Schwierigkeiten hatte ihre Magie richtig anzuwenden… oder zu beherrschen. Im Grunde hatte sie also ein Problem, wie…:
… es ist wie bei mir…!? Bei diesem Gedanken antwortete ihr Herz und erneut wallte Mitgefühl in ihr auf. Die Verzweiflung über die eigene Machtlosigkeit, die Frustration am eigenen Können zu scheitern, obwohl man den Willen in sich besaß, konnte die junge Shyáner-Elfe mehr als gut nachvollziehen. Auch wenn ihre beiden Fälle mit Sicherheit nicht dieselben waren. Dennoch führte diese Parallele dazu, dass sie sich Neri näher fühlte, als zuvor.
Schweigend sah sie Neri an, die eine Antwort in den Augen Calhouns zu suchen schien. Die Beziehung der beiden war Rhuna nicht ganz klar, doch sie vermutete durchaus, dass da mehr Gefühle im Spiel waren, als sich momentan abzuzeichnen schien. Hatten sie vorhin nicht sogar Händchen gehalten? Der Dunkelelf ließ sich zwar keinerlei Gefühlsregung im Gesicht ablesen, doch musste das nicht unbedingt heißen, dass er nichts zu all dem hier empfand.
Die Erinnerung an das warme Gefühl von Yedans Hand in der ihren führte dazu, dass sich ihre Handfläche plötzlich unglaublich kalt anfühlte. Um dieses Gefühl loszuwerden, ballte sie ihre Hand zur Faust und widerstand dem Drang zum Halbelfen zu sehen. Dromar hatte ihr ihre größte Stütze genommen, doch Rhuna weigerte sich, jetzt schon aufzugeben…
„Ich habe keine Ahnung, was Dromar glaubt, in mir zu sehen. Deine Erzählungen lassen nur den Schluss zu, dass die Aufgabe mit dunkler Magie zu tun hat. Wie soll ich denn dazu fähig sein, etwas mit Schattenmagie oder Nekromantie oder Dämonen anzustellen? Egal was Dromar vorhat, es wird nicht funktionieren. Ich kann das nicht.”
Neriélles Frage war durchaus berechtigt, doch konnte Rhuna ihr keine Antwort dazu geben. Ganz im Gegensatz zu Calhoun, der unerwarteter Weise das Wort plötzlich ergriff:
„Schattenmagier haben nichts mit Dämonen zu tun …in magischer Hinsicht, meine ich.“, begann er und zog so die Aufmerksamkeit der beiden Shyánerinnen auf sich. Dabei kam Rhuna plötzlich ein Verdacht, der ihr vorhin schon bei Neriélles Worten, unterschwellig gekommen war. Kann es sein…, dass er ein Schattenmagier ist? Rhuna musterte Calhoun etwas eingehender. Ihr war bewusst, dass es viele Dunkelelfen gab, die der Schattenmagie mächtig waren. Von daher war der Gedanke nicht sehr weit hergeholt. Und es würde vielleicht erklären, wieso dieser Mann in dieser Schattenwelt völlig unbeeindruckt und quasi unbehelligt blieb. Was genau dieser Verdacht in ihr auslöste konnte Rhuna gerade selbst nicht beschreiben. Sollte sie dies nun argwöhnischer machen, oder…?
„Nekromanten haben mit dem Tod zu tun. Deshalb saugte diese Elfe auch den Baum aus. Sie beziehen ihre Kräfte aus allem, das lebt. Und sie erwecken Tote zum Leben. Wobei man nicht sagen kann, dass diese Wiedergekehrten etwas mit den früheren Lebenden gemein haben. Seelenlose, verrottende Hüllen, trifft es da wohl ganz gut. Weder Schattenmagier noch Nekromanten können Dämonen beschwören. Euer weißhaariger Verrückter wird wohl ein Ritualmagier sein, wenn er wirklich die Quelle all dessen ist.“, erklärte Calhoun und korrigierte somit einige Denkfehler, die den beiden Elfendamen unterlaufen waren. Rhunas Miene war ernster geworden und sie dachte ganz offensichtlich über die Worte des Dunkelelfen nach.
Ein Ritualmagier…! Schaudernd dachte sie an diese, ihr ziemlich unbekannte Form der Magie. Doch die Möglichkeit, dass selbst Dromar nur ein Mittelsmann und nicht der Kopf dieser ganzen Grausamkeiten war, war weitaus beängstigender.
Auch Neri machte sich ihre Gedanken, doch bediente sie danach Rhunas Wunsch etwas mehr über sie beide zu erfahren. Ein kurzes Lächeln zeigte sich auf den Lippen der Brünetten, als sie zustimmend nickte, als Neri ihre Vermutung aussprach, dass sie wohl auch aus Shyána Nelle stamme. Anschließend hörte sie ihr allerdings weiter zu und ließ sich weder ihre Gedanken, noch Empfindungen bei dem Gehörten ansehen.
Rhuna erkannte, dass Neri sicher viel ausgelassen hatte. Kurz huschte ihr Blick zu dem Dunkelelfen – dessen Name sie so noch einmal erfuhr. Mit Informationen über ihn, ihr kennenlernen oder ihren Grund gemeinsam bis hierhin zu kommen, hatte Neri so gut wie nichts erwähnt. Und so ganz einig schienen sich Neri und Calhoun auch nicht zu sein, so wie sie ihm gegenüber hier und da kleine Spitzen austeilte.
Als sich Neri erneut für das Aufkreuzen mit Dromar entschuldigte schüttelte Rhuna nur mit dem Kopf.
„Er hat uns alle getäuscht…! Du bist doch auch nur in das alles hineingestolpert, ohne zu wissen, oder gar nur zu ahnen, was passieren wird. Und glaube mir… ich kenne das Gefühl verzweifelt einem Freund helfen zu wollen, weil dessen Leben in Gefahr ist.“ Nun sah Rhuna doch wieder zu Yedan. Der Sarier war ein unglaublich wichtiger Teil ihres Lebens geworden und die Angst, dass sie erneut nichts ausrichten konnte, um ihm… um allen hier zu helfen… sah man ihr eindeutig an. Angespannt versuchte sie ihre Ruhe zu bewahren, die sie sich mühsam zusammenkratzte. Doch tatsächlich brauchte sie dafür sehr viel Willensstärke…

Unerwarteter Weise ergriff Calhoun nun wieder das Wort. So teilnahmslos er auch gewirkt hatte, er schien bisher allen ihren Gesprächen aufmerksam gefolgt zu sein und schien deutlich mehr Wissen über derart Magien zu verfügen, so dass er die Zusammenhänge schneller und besser erkennen konnte.
„Dormar sucht einen Wirt.“, bemerkte er und Rhuna erkannte plötzlich, dass er auf sie zukam. Sie hob den Blick zu ihm und kämpfte mit sich, ob sie einen Schritt zurückweichen oder standhaft an Ort und Stelle verweilen sollte. Anders als zu Neri empfand sie noch kein sonderliches Vertrauen ihm gegenüber und so spiegelte sich eindeutige Skepsis in ihrem violetten Blick wieder, als er ihren Arm plötzlich ergriff. Den Grund erkannte sie dann aber wohl schneller als Neri – denn die Brünette wusste um ihr Mal, das sich noch immer brennend auf ihrer Haut bemerkbar machte.
„Du bist markiert worden. Er hatte dich erwählt. Aber er hat sich umentschieden. Etwas an dir lässt ihn glauben, dass du sehr viel besser passt, um den Dämon der Hoffnungslosigkeit aufzunehmen und auf die Welt zu holen.“ Rhuna bewunderte durchaus die Schnelligkeit seiner Kombinationen und die scheinbar mühelose Übersicht, die er sich in so kurzer Zeit von der kritischen Lage gemacht hatte. Doch seine scheinbare Empfindungslosigkeit löste dann doch leichtes Missfallen in ihr aus.
So warm sich seine Hand auf ihrer Haut auch anfühlte, der Griff war ziemlich gefühlskalt und er ließ keinen Zweifel daran, dass ihn ihr oder das Schicksal eines anderen Dorfbewohners hier nicht wirklich zu tangieren schien. Dagegen war der Blick, den er Neriélle entgegenbrachte schon deutlich … geladener…?! Er ließ sie los und stand nun vor der anderen Elfe, deren Gesicht er mit einem intensiven Blick betrachtete.
Rhuna rieb sich kurz die Stelle, die er gegriffen hatte und musterte die beiden aus den Augenwinkeln. Die Stimmung zwischen den beiden war eindeutig… mit einer gewissen Spannung geladen. Doch in welche Richtung diese Spannung ging … oder in welche Richtungen… das ließ sie gerade undurchdacht.
„Du hast etwas an dir, das die Dunkelheit sieht.“, hörte Rhuna Calhoun sagen und wusste instinktiv, dass diese Worte nicht für mehr als Neriélles Ohren gedacht gewesen waren.
„Offenbar gäbe es viel… zu erzählen, wofür keine Zeit ist…“, murmelte Rhuna zu sich, ohne tatsächlich damit einen Vorwurf zu machen. Eine gewisse Neugierde war durchaus geweckt, doch hatte die junge Elfe gerade viel zu viele Sorgen, als dass sie weiter Gedanken darin investieren würde.
„Ihr beide beherrscht Lichtmagie.“, verkündete Calhoun nun wieder lauter, woraufhin Rhuna mit der Stirn runzelte. Woher wusste Calhoun, dass sie Lichtmagie in sich trug? Sie hatte doch ihre zweifelhafte Rolle in all dem… und sich selbst mit ihren nicht wirklich vorhandenen Fähigkeiten kaum erwähnt! Doch bevor sie ihn darauf ansprach, beschloss sie ihn erst einmal weitersprechen zu lassen.
„Ihr tragt also die Hoffnung weitaus mehr in euch, als es jene arme Tropfe tun, die unmagisch sind. Davon ernährt sich dieser Dämon und deshalb saugt er das Leben – Sinnbild der Hoffnung – aus der Heilerin. Ihre Lichtmagie, ernährt den Dämon. Ist sie leer, stirbt sie und du bist die nächste.“ Der Mangel jeglicher Empathie in seiner Stimm-, wie auch Wortwahl stieß Rhuna tatsächlich sauer auf und sie verengte leicht den Blick. Gefühlskalter Goblin…
„Seht ihr das Licht. Es strahlt selbst durch das Reich des Dämons, in dem wir uns befinden.“ Das Licht war für sie alle erkennbar und war mit der größte Trost, den Rhuna in dieser Landschaft aus Dunkelheit und Schatten empfand. Doch empfand sie, dass Calhoun dieses Mal einem Denkfehler erlag. Avalinn war mächtig und beherrschte die Lichtmagie, wie wohl keine andere in dieser Gegend. Diese Macht und Stärke war es, die sie trotz der Kräfte des Dämons am Leben erhielt. Rhuna hingegen…! Sie verstand nicht, wieso sie eine Rolle in Dromars Plänen finden sollte – auch nicht als simples Glied in der Ernährungskette des Dämons. Sie besaß keine starke Magie. Noch dazu war ein Teil Naturmagie und nicht alleine Lichtmagie.
Ich würde keine 5 Minuten überleben. Er würde sich von mir nicht lange nähren können…! Doch vielleicht ist das auch unwichtig und einfach nur Mittel zum Zweck, um mich aus dem Weg zu räumen, nachdem ich mich eingemischt habe.
„Also- irgendwelche Ideen?“, fragte Calhoun nun die beiden, woraufhin sich Rhuna von diesen Gedanken losriss. Sie sah zu Neri und musterte ihr Gesicht, um herauszufinden, ob sie eine Idee hatte. Was konnten sie überhaupt tun…?
Neri soll der neue Wirt sein…, dachte sie mit gemischten Gefühlen. Ihr blieb verborgen, was Dromar in der anderen Elfe sah, dass sie von dieser zweifelhaften Rolle befreit hatte. Eigentlich sollte Rhuna Erleichterung darüber verspüren dahingehend kein Ziel mehr zu sein, doch irgendwie fand sie darin keine Beruhigung. Vielleicht, weil sie Neri und ihre Fähigkeiten nicht kannte und so nicht einzuschätzen wusste? Doch spielte das überhaupt eine Rolle, wo sie sich selbst vielleicht durch den Dämon verloren hätte, wäre sie weiterhin das Ziel gewesen?
Solche Gedanken sind Zeitverschwendung und führen zu nichts!, dachte sie und entließ ihren Atem in einem kaum merklichen Seufzen.
„Warum fragst du uns, wo du doch den besten Überblick zu haben scheinst...!“, merkte Rhuna in einem Anflug von Frustration an. Sie versuchte ruhig zu bleiben, doch ihre rissige Fassade begann zu bröckeln. Gerade würde sie am liebsten einfach nur … aufwachen…!

„Neriélle soll der Wirt des Dämons der Hoffnungslosigkeit werden. Der Dämon entzieht Avalinn ihre Kräfte, da sie als mächtigste Lichtmagierin hier die meiste Hoffnung in sich trägt und er sich davon ernährt. Und ich soll ihren Platz einnehmen, wenn er ihr alles Leben ausgesaugt hat.“, fasste Rhuna noch einmal mit stechendem Herzen zusammen. Der Gedanke, dass Avalinn sterben würde, drohte so viel, der Hoffnung, an die sie sich klammerte, zu zerstören. Ihr schwirrte der Kopf und ihr fiel kaum eine Idee ein, die wirklich hilfreich wäre.
„Wenn der Dämon durch Ritualmagie beschworen wurde, können wir ihn doch nur aufhalten, oder in den Harax zurückschicken, wenn wir Dromars Magie stoppen. Und Dromar können wir nur endgültig stoppen, indem wir ihn töten.“ Die junge Elfe hätte nie geglaubt solche Worte einmal in den Mund zu nehmen und irgendwie hatte sie das Gefühl, dass dieser schreckliche Gedanke auch eine zu… einfache Lösung bilden würde. Eine Lösung, die vielleicht nicht das Problem aus der Welt schaffen würde. Würden sie es überhaupt schaffen dies möglich zu machen...!
Kopfschüttelnd machte sie eine revidierende Handbewegung.
„Vergesst, was ich gesagt habe…! Neri wurde doch noch nicht markiert, oder? Kann sie diesem Schicksal nicht entgehen?"

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Neriélle » Freitag 26. Mai 2023, 15:11

Während sich Neriélles Gedanken im Kreis drehten, blieb Calhoun im Gegensatz zu ihr gänzlich ruhig und schien insgesamt sehr unbeeindruckt von all dem zu sein. „Schattenmagier haben nichts mit Dämonen zu tun. In magischer Hinsicht, meine ich.“ Neri sah ihn prüfend an. Calhoun hatte ganz offensichtlich mehr Ahnung von dem Ganzen als sie, was im Grunde nicht wirklich überraschend war, sondern eher hilfreich. Denn vermutlich wusste auch Rhuna nicht viel über Dämonen und ähnliche dunkle Künste, da sie sicher bisher ein ähnlich behütetes Leben wie sie in Shyána Nelle verbracht hatte - oder zumindest nicht weit entfernt davon, wenn sie schon lange in diesem Dorf verweilte. „Nekromanten haben mit dem Tod zu tun. Deshalb saugte diese Elfe auch den Baum aus. Sie beziehen ihre Kräfte aus allem, das lebt. Und sie erwecken Tote zum Leben. Wobei man nicht sagen kann, dass diese Wiedergekehrten etwas mit den früheren Lebenden gemein haben. Seelenlose, verrottende Hüllen, trifft es da wohl ganz gut. Weder Schattenmagier noch Nekromanten können Dämonen beschwören. Euer weißhaariger Verrückter wird wohl ein Ritualmagier sein, wenn er wirklich die Quelle all dessen ist.“
Von der Ritualmagie hatte Neri mindestens genauso wenig Ahnung wie von der Nekromantie. Diese Magiearten entzogen sich vollständig ihrer Vorstellungskraft, was ihre Ängste über ihre vermeintliche Zukunft mehr schürte als zu beruhigen. Vermutlich war das nicht seine Intention gewesen, doch Calhouns Worte konnten sie wenigstens für kurze Zeit beruhigen, als er klar machte, dass es hier nicht um die Schattenmagie ging. Dann jedoch nahm das Unbehagen in ihrem Inneren Überhand. Es war ihr unangenehm, dass sie also ohne Grund so viel von ihren nicht vorhanden Magiefähigkeiten erzählt hatte und sich so in ihre Vermutung hinein gesteigert hatte. Für einen Moment sah Neri zu Rhuna hinüber und sie hatte den Eindruck, dass auch die andere Shyánerin Calhouns Vermutung erst einmal verdauen musste.

Neri spürte, wie Rhunas Blick zwischen ihr und Calhoun hin und her huschte, als sie in knapper Form von ihrem Kennenlernen und der gemeinsamen Reise erzählte. Ihnen allen drei war klar, dass sie Details ausließ, was auch Calhouns skeptischer Blick ausdrückte, mit dem er sie musterte und den sie wiederum starr erwiderte. Für einige Moment hatte sie Sorge, dass er noch einige Details ihres Aufeinandertreffen hinzufügen würde, doch dem war glücklicherweise nicht so und Neri war in diesem Moment sogar froh über seine Schweigsamkeit. Sie vermutete zwar, dass sich Rhuna mehr Details über sie beide erhofft hatte, doch sie konnte ihr einfach nicht alles erzählen. Sie mussten jetzt zusammenhalten und da war es nicht förderlich, noch mehr Zwist zwischen Rhuna und Calhoun zu säen. Stattdessen mussten sie Rhuna von ihrem guten Willen überzeugen. Daher war es ihr auch ein großes Anliegen, noch einmal zu betonen, dass sie nichts mit Dromar zu schaffen hatte und zu erklären, wie sie auf ihn hereingefallen war.
„Er hat uns alle getäuscht…! Du bist doch auch nur in das alles hineingestolpert, ohne zu wissen, oder gar nur zu ahnen, was passieren wird. Und glaube mir… ich kenne das Gefühl verzweifelt einem Freund helfen zu wollen, weil dessen Leben in Gefahr ist.“
Neri lächelte leicht bei Rhunas verständnisvollen Worten und nickte ihr dankend zu. Dann folgte sie ihrem Blick kurz zu Yedan, ehe er wieder musternd auf Rhunas Gesicht verharrte. Die Angst um ihn war ihr mehr als deutlich anzusehen.
“Wir werden hier herauskommen und ihn retten”, murmelte sie in ihre Richtung und versuchte, etwas Hoffnung zu verströmen. “Ich weiß zwar noch nicht wie, aber .. Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren”, meinte sie gutmütig. Sie wollte Rhuna Mut zusprechen, aber sie wollte auch verhindern, dass sich die Andere in ihrer Verzweiflung verlor. Calhoun schien da völlig anders und deutlich nüchterner an die Situation heranzugehen.
„Dormar sucht einen Wirt.“
Die Überraschung darüber stand Neri ins Gesicht geschrieben, als sie seine Worte gedanklich wiederholte und zu ihm an ihrer Seite schaute. Offenbar hatte sie einiges falsch interpretiert. In einem Moment noch froh darüber, dass es nicht darum ging, die Magie einer Schattenmagierin zu nutzen, durchfuhr sie nun jedoch Furcht, die durch Calhouns Nüchternheit, mit der er es bemerkte, eher noch verstärkt wurde. Er klang völlig desinteressiert, so als würde es ihn nicht einen Hauch interessieren, was Dromar mit ihr und Rhuna vorhatte. Neri versuchte, den riesigen Kloß in ihrem Hals herunterzuschlucken. Sie trat einige Schritte vor, um das Mal auf Rhunas Arm zu betrachten, das ihr bisher entgangen war und auf das der Dunkelelf hinwies. „Du bist markiert worden. Er hatte dich erwählt. Aber er hat sich umentschieden. Etwas an dir lässt ihn glauben, dass du sehr viel besser passt, um den Dämon der Hoffnungslosigkeit aufzunehmen und auf die Welt zu holen.“
Rhunas Unwohlsein aufgrund Calhouns Nähe und Griff nahm Neri nur am Rande wahr. Calhouns Worte gingen ihr durch den Kopf. Seine düstere Prophezeiung klang einfach nur grauenhaft. Neri dachte unweigerlich an Asmodeus zurück, den Dämon, für den sie erst vor ein paar Tagen den Lockvogel gespielt hatte. Der Geruch des schwarzen Rauches, der ihn umgeben hatte, hing selbst heute noch in ihrer Nase. Sie sah noch immer seine entstellte Gestalt bildlich vor sich und das blaue Feuer, das ihn umgeben hatte. Sie wollte auf keinen Fall als Wirt für so eine Kreatur fungieren. Im Stillen versuchte sie sich nun also auf eine neue Gefahr einzustellen und die Furcht, die sich ihrer erneut bemächtigen wollte, zu unterdrücken.

Doch jegliche Gefühle und Gedanken an zurückliegende Begegnungen mit Dämonen, verblassten für den Moment, als Calhoun plötzlich dichter an sie heran trat. Sie konnte nicht anders, als den Blick aus seinen roten Augen zu erwidern, und als er sich ihr dann noch entgegen beugte, wurde ihr gleichzeitig heiß und kalt. Ihre Augen huschten unweigerlich zu seinen Lippen und sie biss sich unbewusst auf die Unterlippe. Bevor ihre Gedanken jedoch abschweifen konnten, erinnerten Calhouns Worte sie daran, dass das hier nicht der richtige Zeitpunkt war.
„Du hast etwas an dir, das die Dunkelheit sieht.“, vernahm sie das halblaute Grollen. Sie schluckte leer. "Ist das so? Was soll das bedeuten?", wollte sie leise von ihm wissen und sah ihn prüfend an. Diese Worte ausgerechnet aus seinem Mund zu hören, verunsicherten sie. Vor allem, weil es danach klang, als wüsste er etwas über sie, was sie nicht wusste. Das wiederum bereitete ihr Unbehagen, aber es weckte auch eine gewisse.. Neugierde? Was wollte er damit sagen? Gab er Dromar Recht? Seine rätselhaften Worte gaben ihr zu denken. Wie kam es, dass ein völlig fremder Mensch und ein fast ebenso fremder Dunkelelf sie mit solchen Dingen in Verbindung brachten? Nun, da auch Calhoun solche Überlegungen äußerte, fiel es Neri umso schwerer, Abstand von jenen zu nehmen. Wieso sollten die beiden Männer davon sprechen, wenn nicht zumindest ein Fünkchen Wahrheit darin steckte?
„Offenbar gäbe es viel… zu erzählen, wofür keine Zeit ist…“
Neri sah aus dem Augenwinkel zu Rhuna und ihr wurde mit einem Moment bewusst, wie sie und Calhoun auf die Elfe wirken mussten. Fast gleichzeitig mit Calhoun trat auch sie einen Schritt zurück und wandte den Blick von den beiden ab.

„Ihr beide beherrscht Lichtmagie.“ Da hob sich ihr Blick direkt wieder, diesmal überrascht zu Rhuna. Sie beherrschte also auch die Lichtmagie? Woher wusste Calhoun das? Die andere Elfe schien ebenso überrascht wie sie darüber zu sein, da sie den Dunkelelfen stirnrunzelnd musterte. Jener ließ sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und sprach sogleich weiter. „Ihr tragt also die Hoffnung weitaus mehr in euch, als es jene arme Tropfe tun, die unmagisch sind. Davon ernährt sich dieser Dämon und deshalb saugt er das Leben – Sinnbild der Hoffnung – aus der Heilerin. Ihre Lichtmagie, ernährt den Dämon. Ist sie leer, stirbt sie und du bist die nächste.“
Erneut bildete sich ein großer Kloß in Neris Hals. Sie wollte überhaupt nicht über den Tod nachdenken. Doch er schien wie ein offenes Geheimnis in dieser Schattenwelt zu lauern. Calhoun sprach so unbeteiligt von Rhunas Tod wie von dem Wetter und das schien der Elfe verständlicherweise sauer aufzustoßen. Jetzt, wo sie in Gesellschaft anderer waren, wurde Neriélle wieder bewusst, wie gefühlskalt dieser Elf wirkte. Während ihrer Reise hatten sie nicht viele Gespräche geführt und selbst jene waren durchtränkt von Sarkasmus und verbalen Verletzungen gewesen. Ihn jetzt so mit Rhuna sprechen zu hören, machte ihr seine Art erneut bewusst.
Neri sah Calhoun scharf an. “Das werden wir aber zu verhindern wissen.. nicht wahr?”, fragte sie mit Nachdruck. Vielleicht wurde ihm dadurch klar, wie taktlos seine Worte gewesen waren? Anschließend schaute Neri gleichermaßen aufmunternd und entschuldigend zu Rhuna, auch wenn sie vermutete, dass ihr Einwand die nüchternen Worte des Dunkelelfen, der ihr gerade ihren Tod prophezeit hatte, nicht abmildern konnte. Vermutlich konnte das nichts.
Sie grübelte jedoch noch etwas über anderes nach, wobei sie Calhoun nachdenklich anschaute. Wenn sie durch ihre Lichtmagie mehr Hoffnung in sich trugen als die nichtmagischen Elfen und Menschen in diesem Dorf.. wie stand es dann um Calhoun? Noch immer rätselte sie im Stillen, wieso er nicht so im Leid gefangen blieb wie Yedan und der alte Mann. Er war ein Dunkelelf, er musste Schlimmes erlebt haben.. oder nicht?

Der Dunkelelf lenkte ihre Aufmerksamkeit erneut auf Avalinns Licht, das an dem großen Baum pulsierte. „Seht ihr Licht. Es strahlt selbst durch das Reich des Dämons, in dem wir uns befinden.“ Neri trat einige Schritte zur Seite, um das Licht besser zu sehen. Dann sah sie stirnrunzelnd zurück zu Rhuna und ihre Blicke trafen sich für einen Moment, als Calhoun fragte, ob jemand von ihnen eine Idee hatte.
„Warum fragst du uns, wo du doch den besten Überblick zu haben scheinst...!“
“Guter Einwand”, pflichtete Neri Rhuna bei und schaute demonstrativ zu Calhoun hinauf. Rhunas Worte entlockten Neri ein kurzes Schmunzeln, denn sie mochte es, wenn eine Frau einem Mann die Stirn bot. Dennoch übernahm Rhuna noch einmal das Wort und fasste ihre bisherigen Erkenntnisse zusammen.
„Neriélle soll der Wirt des Dämons der Hoffnungslosigkeit werden. Der Dämon entzieht Avalinn ihre Kräfte, da sie als mächtigste Lichtmagierin hier die meiste Hoffnung in sich trägt und er sich davon ernährt. Und ich soll ihren Platz einnehmen, wenn er ihr alles Leben ausgesaugt hat. Wenn der Dämon durch Ritualmagie beschworen wurde, können wir ihn doch nur aufhalten, oder in den Harax zurückschicken, wenn wir Dromars Magie stoppen. Und Dromar können wir nur endgültig stoppen, indem wir ihn töten.“
Ihren Worten folgend und über eine Lösung nachdenkend, hatte Neri den schwarzen Boden zu ihren Füßen betrachtet. Sie versuchte sich auf die Worte der Elfe zu konzentrieren und nicht zu viel über diesen Dämonen nachzudenken, bevor sie völlig durchdrehte. Nun hob sie jedoch überrascht den Blick und musterte Rhuna eindringlich mit einer gehobenen Augenbraue. Diesen Vorschlag hatte sie nun nicht erwartet.. obwohl er ziemlich naheliegend war. Doch die Aussicht, dass sie hier einen Mord planten, missfiel Neriélle.
„Vergesst, was ich gesagt habe…! Neri wurde doch noch nicht markiert, oder? Kann sie diesem Schicksal nicht entgehen?"
“Dromars Tod ist die naheliegendste Lösung”, musste sie ihr dennoch beipflichten. “Und doch.. zu was für Elfen würde uns das machen?”, stellte sie die Frage in den Raum und sah sie eingehend an. Calhoun würde das sicherlich nichts ausmachen - Neri nahm an, dass Dromar sicherlich nur einer von vielen auf seiner Liste der Getöteten wäre. Doch Neri tickte anders. Sie hatte noch nie jemanden getötet und sie wollte niemanden töten. Sie hatte zwar den Lockvogel gespielt, um Asmodeus in den Tod zu locken. Doch getötet hatte ihn Castus. “Wenn Dromar jemand ein Messer ins Herz rammen soll, dann muss das Calhoun machen”, beschloss sie kurzerhand und sah den Dunkelelfen an. Wenn das der einzige Weg sein sollte, musste er es tun. Sie konnte sich zumindest nicht vorstellen, dass Rhuna dazu im Stande war. “Aber vielleicht gibt es einen anderen Weg. Hmm, das Ritual.. muss Dromar dieses nur einmal ausführen oder stetig fortführen? Dann könnten wir es eventuell unterbrechen? Und wenn nicht.. wie hat er dich markiert, Rhuna? Wenn er mich nicht markiert, kann der Dämon nicht.. auf die Welt kommen.” Allein diese Formulierung jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken. “Aber ich befürchte, dass er dich dann einfach nehmen wird.” Sie schaute die andere Elfe an und verzog kurz das Gesicht, weil ihr der Gedanke ebenso wenig gefiel. Sie sah zu dem Baum hinüber und bei dem Anblick des Lichts kam ihr eine weitere Idee. “Würde es vielleicht etwas bringen, wenn wir zu Avalinn gehen und sie mit unserer Lichtmagie unterstützen? Vielleicht können wir unsere Magien bündelt und so diese Welt hier zerstören? Oder andersherum.. wir befreien Avalinn, dann hat dieser Dämon nichts mehr, woraus er seine Energie ziehen kann..?”, überlegte sie laut und schaute unschlüssig zwischen Rhuna und Calhoun hin und her.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 31. Mai 2023, 22:14

Dass ausgerechnet ein Schattenmagier nun Licht ins Dunkel bringen konnte, war an blankem Hohn kaum zu übertreffen. Sowohl Neri als auch Rhuna hatten beide Schwierigkeiten, dem ganzen zu folgen, denn sie wussten viel zu wenig über die Machenschaften, die in der Welt existierten. Ihr behütetes Leben hatte sie zu selbstbewussten und starken Persönlichkeiten heranwachsen lassen. Beiden war ein innerer Mut eigen, der sich in diesem Moment zeigen wollte. Selbstzweifel und Unverständnis waren da normal, doch allem voran stand doch, dass keiner von ihnen die wahre Flucht antrat. Rhuna hatte in diesem Dorf ihre Freunde gefunden und würde keinen von ihnen im Stich lassen wollen oder können. An diesem Punkt war sie längst nicht mehr und dank Yedan auch nie wirklich gewesen. Anders sah es da bei Neriélle aus. Sie haderte noch mit allem, aber sie hegte auch keine tiefe Verbundenheit zu irgendwem hier in diesem Dorf. Einzig Arunn war jemand, der sie hatte zum Bleiben bewegen können, denn auch da hatte sich gezeigt, dass sie nicht einfach davonrannte. Und so standen sie in der schwarzen Trostlosigkeit und versuchten gemeinsam mit Calhoun ein wenig mehr das Licht der Erkenntnis zu entzünden. Für mehr blieb ihnen derzeit auch keine Zeit. Rhuna sehnte sich danach, einfach mehr Zeit investieren zu können, um über alles in Ruhe nachzudenken und abwägen zu können. Als hätte das Schicksal beschlossen, ihre tief verborgenen Attribute hervor zu kitzeln, in dem es sie forderte und immer wieder vor scheinbar unlösbare Aufgaben stellte. Würde ihr Leben denn fortan weiterhin so turbulent weitergehen? Nun… wenn sie sich nicht bald etwas vernünftiges einfallen ließ, würde ihr Leben vermutlich kaum noch ausreichen, um es herauszufinden. Dass sie allerdings inzwischen weitaus besser mit all diesen Neuigkeiten umzugehen verstand, bemerkte sie dabei nicht richtig. Anders sah es bei Neri aus. Sie kannte sich mit dem bisweilen grausamen Leben außerhalb des Tals noch nicht aus. Neri stand quasi am Anfang ihrer Reise und durchlebte ebenso diese Verzweiflung und Angst, die auch Rhuna bereits hatte fühlen dürfen. Man hätte glauben können, dass sie denselben Schicksalspfand gewählt hatten und nun lernen mussten, mit jener Entscheidung zu leben. Neri war allerdings noch nicht gänzlich so weit, weshalb sie sich nach all den vielen, verwirrenden Informationen an Calhoun wandte. Ihre aus der Angst geborene Wut traf den einzigen, der es scheinbar vertragen konnte. Rhuna hätte sie wohl nicht attackiert, denn die Sympathie und vor allem Empathie, die Neri für die andere empfand, verhinderten das. Bevor die Stimmung aber nachhaltig in Schieflage geriet, brachte der Dunkelelf die Frauen auf eine neue Eingebung: Er erkannte das Mal an Rhuna’s Hand und zog die richtigen Schlüsse. Offenbar war er durchaus in der Lage rational zu denken, wo andere sich in ihrer Emotionalität verloren. Oder aber er kannte sich einfach gut mit solchen Dingen aus. Wieso auch immer, er brachte die Informationen präzise auf den Punkt und stand vor Neriélle, um einen weiteren Fakt darzulegen: "Ist das so? Was soll das bedeuten?", wollte sie wissen, nachdem er anmerkte, dass sie scheinbar etwas an sich hatte, dass die Dunkelheit anzog.

Calhoun betrachtete ihr Gesicht mit glatter Miene. Er sah auf ihre Lippen, die sie unbewusst knetete. Dann trat er zeitgleich mit ihr zurück. "Woher soll ich das wissen, hm? Aber wir beide wissen, dass du nicht so unschuldig bist, wie es deine Herkunft erzählen will!", meinte er bloß und fixierte ihren Blick kurz herausfordernd, als wüsste sie genau, was er meinte. Doch dann wandte er den Blick zu Rhuna. „Offenbar gäbe es viel… zu erzählen, wofür keine Zeit ist…“ Er schnaubte und winkte ab. „Das lohnt sich nicht.“, gab er zurück und ließ offen, was er genau meinte. Doch dann schaffte es der Dunkle, trotz seiner Nüchternheit, die Frauen zu verblüffen, indem er auf den Kopf zusagte, dass auch Rhuna Lichtmagier beherrschte. Doch keiner von ihnen hakte hierbei nach, sondern sie akzeptierten sein Wissen und ließen ihn weitersprechen. Bis er scheinbar vollkommen unbeteiligt über den Tod von Avalinn und Rhuna sprach. Nicht nur den Frauen stieß das auf, sondern auch Pitt hatte seine Stimme wiedergefunden: „Alter! Merkst du’s noch? Kannste nicht so sagen, echt nicht!“, meldete er sich zu Wort und reckte einen Daumen in Richtung Rhuna, um ihr Mut zu machen – auf seine Art. “Das werden wir aber zu verhindern wissen… nicht wahr?” Calhoun aber bedachte jeden von ihnen mit einem kühlen Blick. Dann verengte er die Augen. „Es sind Fakten, die präsentiert werden. Gefühle bringen uns hier nicht weiter und…“, er sah von Neri zu Rhuna und zurück, „ich kenne deine neue Freundin nicht. Verzeih also, dass ich nicht in Tränen ausbreche, wenn diese ganze Sache nach hinten losgeht!“, brummte er und blieb bei seiner Meinung. Er war niemand, der sich in Leid und Schmerz erging. Ob das wohl immer so gewesen war? Neri hatte ihn durchaus zornig erlebt und dabei bemerken dürfen, dass er nicht vollkommen gefühlstot ist. Aber sie hatte auch seine Effizienz erleben dürfen – in mehr als einer Hinsicht. Derweil fragte sich Neriélle nicht nur, wieso er so empathielos daherkam. Auch seine Rolle in diesem Szenario blieb weitestgehend ungeklärt. Wieso machte ihm die Hoffnungslosigkeit nicht zu schaffen? Wenn Rhuna und sie Hoffnung aufgrund ihrer Magie hatten und das Licht ihnen eine Art natürlichen Schutz bot, was war dann mit ihm? Er sah nicht so aus als ob er die pure Hoffnung innewohnen hatte. Allerdings lenkte Calhoun erneut die Elfinnen ab und deutete auf das Licht von Avalinn.
Das Pulsieren versprach weiter Hoffnung und selbst jetzt noch, schaffte die Heilerin es, ihre Herzen zu erreichen. Avalinn wurde gequält und hatte dennoch die Kraft, jeder Seele, die es sehen wollte und konnte, zu helfen. Rhuna musste unweigerlich darüber nachdenken, dass sie überhaupt nicht in der Lage dazu wäre. Oder wussten dieser Dämon und Dromar etwas, das ihr entging? Konnten sie etwas sehen, was sie nicht erkennen konnte? Es war alles viel zu verwirrend und undurchsichtig. Unmut machte sich breit: „Warum fragst du uns, wo du doch den besten Überblick zu haben scheinst...!“ “Guter Einwand” Calhoun hob eine Augenbraue und verschränkte schnaubend die Arme vor der breiten Brust. Pitt feixte und hob seine kleine Pfote, um mit Neri abzuklatschen. „Voll gegeben!“, grölte er als würden sie nicht derweil in einer triefschwarzen Welt festsetzen, die einem Dämon gehörte. „Neriélle soll der Wirt des Dämons der Hoffnungslosigkeit werden. Der Dämon entzieht Avalinn ihre Kräfte, da sie als mächtigste Lichtmagierin hier die meiste Hoffnung in sich trägt und er sich davon ernährt. Und ich soll ihren Platz einnehmen, wenn er ihr alles Leben ausgesaugt hat. Wenn der Dämon durch Ritualmagie beschworen wurde, können wir ihn doch nur aufhalten, oder in den Harax zurückschicken, wenn wir Dromars Magie stoppen. Und Dromar können wir nur endgültig stoppen, indem wir ihn töten.“, schlussfolgerte Rhuna und Pitt pfiff leise. „Herzchen, bist du dir sicher?“, wollte das Ottsel wissen und Calhoun’s rote Augen ruhten auf Rhuna. Er betrachtete sie schweigend und schien über etwas nachzudenken. „Vergesst, was ich gesagt habe…! Neri wurde doch noch nicht markiert, oder? Kann sie diesem Schicksal nicht entgehen?" „Soweit ich weiß, ist es völlig egal, ob man markiert wurde oder nicht. Durch die Markierung kann dich der Dämon schneller finden und in deine Gedanken eindringen. Es ist eine Art Pforte, die er nutzen kann, um dich leichter zu verführen.“, erklärte er der Brünetten. „Aber er kommuniziert auch ohne dieses Mal. Bisher hast du dich ja wacker geschlagen.“, bemerkte er an Rhuna gewandt und warf Neri einen kurzen Blick zu. Wieso die Stimme sie dann ebenfalls mühelos erreichte, bliebe noch zu klären. “Dromars Tod ist die naheliegendste Lösung. Und doch.. zu was für Elfen würde uns das machen?”, stellte sie die Frage nach der Moral.

Nun war es Calhoun, der vorerst schwieg. “Wenn Dromar jemand ein Messer ins Herz rammen soll, dann muss das Calhoun machen.“, beschloss sie und erreichte damit tatsächlich, dass Calhoun sie fragend ansah. „Na, wenn es weiter nichts ist?!“, bemerkte er äußerst scharf und funkelte Neriélle an. Er schnaubte abfällig über ihre Bemerkung und sah zu dem Licht hin. “Aber vielleicht gibt es einen anderen Weg. Hmm, das Ritual.. muss Dromar dieses nur einmal ausführen oder stetig fortführen? Dann könnten wir es eventuell unterbrechen? Und wenn nicht.. wie hat er dich markiert, Rhuna? Wenn er mich nicht markiert, kann der Dämon nicht.. auf die Welt kommen. Aber ich befürchte, dass er dich dann einfach nehmen wird.”, sinnierte nun auch Neri. „Falsch.“, kam es erneut seitens des Dunklen. „Der Dämon ist längst auf dem Weg.“, bemerkte er und nickte abermals zum Licht von Avalinn. Tatsächlich konnte man erkennen, dass es allmählich diffuser wurde. „Diese Lichtmagierin hat so viel Magie in sich, dass der Dämon wie ein fetter Blutegel emporsteigen wird und durch das Portal auf Celcia kommen wird.“, er musterte Rhuna. „Und dich braucht er dann, um sich in seinem neuen Wirt einzunisten.“, er sah zu Neri. “Würde es vielleicht etwas bringen, wenn wir zu Avalinn gehen und sie mit unserer Lichtmagie unterstützen? Vielleicht können wir unsere Magien bündelt und so diese Welt hier zerstören? Oder andersherum.. wir befreien Avalinn, dann hat dieser Dämon nichts mehr, woraus er seine Energie ziehen kann..?” Er nickte leicht. „Beides könnte helfen. Dromar wird irgendwo das Ritual durchgeführt haben. Wenn wir den Ort finden könnten und es zerstören, ist das Portal vorerst verschlossen. Zudem muss er anwesend sein, um den Dämon zu beschwören. Wir sind hier gefangen, damit er das ungestört tun kann. Denn das unbequeme an Ritualmagie ist, dass sie beständig ausgeführt werden muss und mitunter mehrere Stunden Zeit kostet. Dromar muss die Formel aufsagen und wiederholen, bis der Dämon aus dem Harax auf Celcia kommt.“, erklärte er und sah sich nun um.
Sein Blick fiel auf Yedan und Kayon. Dann auf Rhuna. „Schenke ihnen dein Licht.“, meinte er und sah zu Neri. „Vielleicht gemeinsam, damit sie aus ihrer Starre erwachen und helfen können.“, überlegte er. „Einen Versuch ists wert.“, zuckte er die Schultern und ging einige Schritte auf Avalinn’s Licht zu. „Wir müssen uns beeilen, denn so wie es aussieht, wird die Heilerin nicht mehr lange durchhalten können.“, mahnte er. Und tatsächlich: Das Licht wurde dunkler und pulsierte nicht mehr ganz so stark. Zudem konnte man ab und zu einen Blick auf sie werfen und erkennen, dass ihre Haare inzwischen weiß waren. Rhuna und Neri mussten jetzt zusammenarbeiten, damit sie endlich dem Ganzen entkommen konnten. Wenn sie also ihre Lichtmagie verbanden – würden sie es schaffen, Yedan und Kayon aus ihrem Leid zu holen? „Wir müssen uns aufteilen, wenn wir etwas erreichen wollen. Ich suche mit dem Halbelfen Dromar’s Versteck. Ihr kümmert euch um Avalinn und den Dämon.“, schlug er vor und bekam dann eine fellige Pfote vor die Nase gereckt. „Und was mach ich?? Ich will auch was tun!“, murrte er und erntete nur eine erhobene Augenbraue von Calhoun. Dann sah er Rhuna und Neri fest an und nickte ihnen zu. „Los jetzt!“
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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Donnerstag 8. Juni 2023, 16:00

Ihre Lage war angespannt und jeder der drei Elfen ging unterschiedlich mit den Gefahren um, die sie alle bedrohten. Doch trotz all des nervlichen Stresses bemerkte Rhuna durchaus, dass sie ruhiger bleiben konnte, als in vergangenen Situationen. Seit sie das Dorf der Waldmenschen betreten hatte, war sie stetig mit den Kräften einer dunklen Macht konfrontiert worden, gegen die sie sich hat wehren müssen. Die Angst vor dem ungewissen Fein war weiterhin präsent und man konnte noch lange nicht von einer Routine sprechen, doch die junge Elfe hatte gelernt, dass sie nichts besser machte, wenn sie sich von ihren Gefühlen zusätzlich verunsichern und durcheinanderbringen ließ. Ihre Sorge um ihre Freunde war groß und schürte ihre Angst, doch sie merkte auch, dass diese Gefühle die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung schürten und genau das durfte sie nicht zulassen.
Rhunas Herz zog sich bei Yedans Anblick zusammen. Sie wollte ihn aus diesem Zustand holen, doch sie waren in keinem Märchen, in dem eine sorgenvolle Berührung, ein leichtes Schütteln oder die reine Zuneigung füreinander das Böse vertreiben und sie wieder vereinen konnte. Auch ließ ihre Magie sie nicht zum ersten Mal im Stich und so war die Brünette gezwungen sich gar nicht erst in Hoffnung auf diese stützen zu wollen. Yedan kämpfte einen Kampf und sie musste Vertrauen in ihn haben, dass er sich von diesem nicht geschlagen geben würde.
„Wir werden hier herauskommen und ihn retten. Ich weiß zwar noch nicht wie, aber ... Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren“, hörte sie plötzlich Neri sagen, woraufhin sich ihr violetter Blick ein wenig überrascht auf ihr Gesicht legte. Die Worte überraschten sie kurz, doch halfen sie ihr auch ihre Hoffnung weiter zu bewahren. Und so nickte sie und begegnete der anderen mit einem dankbaren Lächeln.
„Du hast recht!“, erwiderte sie und sah noch einmal zu Yedan. Ich weiß, dass du nicht aufgeben wirst und deshalb… werde ich es auch nicht tun!, wandte sich Rhuna in Gedanken an ihren Liebsten, bevor sie sich dann gänzlich darauf konzentrierte, mit ihren Leidensgenossen einen Plan zu schmieden, der Dromar vielleicht das Handwerk legen konnte.
Die beiden waren kurzzeitig miteinander beschäftigt, was Rhuna den Gedanken näherbrachte, dass zwischen ihnen vielleicht mehr war, als es den Anschein hatte. In der einen oder anderen Hinsicht zumindest. Doch dieser Moment verging so schnell, wie er gekommen war und der Dunkelelf zog ihrer beiden Aufmerksamkeit auf sich, als er verkündete, dass sowohl Neriélle, als auch sie – Rhuna Lichtmagie beherrschten und somit mehr Hoffnung in sich trugen, als andere.
Mit erwachtem Argwohn betrachtete die junge Elfe den düster dreinblickenden Mann, der auf äußerst charmante Weise die vermutliche Vorgehensweise des Dämons erklärte und somit Avalinns und ihren Tod prophezeite. Der Mangel jeglicher Empathie stieß Rhuna sauer auf und auch Neri schien von der Gefühlskälte schockiert zu sein. Doch unerwarteter Weise meldete sich jemand ganz anderes zu Wort. Neris kleiner Begleiter – das Ottsel fand seine Stimme wieder und sprang für die junge Dame in die Bresche.
„Alter! Merkst du’s noch? Kannste nicht so sagen, echt nicht!“, kritisierte es Calhoun und reckte einen Daumen in Richtung Rhuna. Diese war im ersten Moment überrascht darüber, dass das, ihr unbekannte Wesen sprechen konnte, doch erreichte Pitt sein Ziel, indem er die Elfe mit seiner ganz eigenen Art der Hilfe zum Lächeln brachte. Und auch Neri bot dem Dunkelelfen die Stirn und forderte ein wenig mehr Einfühlungsvermögen seinerseits ein.
„Das werden wir aber zu verhindern wissen… nicht wahr?” In diesem Moment verlor sich ein wenig das Gefühl der Einsamkeit, denn auch wenn sie weder Neri, noch Pitt gut kannte, schienen sie guten Herzens zu sein. Anders als… ein miesepetriger Dunkelelf, der gerade von allen Seiten volles Pfund zurück erhielt, was ihn jedoch auch nicht wirklich zu interessieren schied.
„Es sind Fakten, die präsentiert werden. Gefühle bringen uns hier nicht weiter und ich kenne deine neue Freundin nicht. Verzeih also, dass ich nicht in Tränen ausbreche, wenn diese ganze Sache nach hinten losgeht!“, brummte Calhoun zur Verteidigung seines Standpunktes, woraufhin Rhuna ihn etwas eingehender musterte. Und unerwarteter Weise kam sogar ein kleines Verständnis für seine Sichtweise bei ihr auf, auch wenn seine Worte sie natürlich weiter reizten
„Ist schon gut. An deinen Worten ist durchaus was dran und ich kann immerhin auch nicht behaupten in Tränen auszubrechen, würde dir etwas passieren.“, erwiderte sie mit nüchternem Tonfall und machte eine wegwerfende Handbewegung, als würde das Thema für sie dadurch beendet sein. Calhoun schaffte es mit seiner Art wohl jeden zu provozieren, der naturgemäß schneller mit jemandem mitempfand. Und so war Rhuna wohl keine Ausnahme, auch wenn sie normalerweise sich nicht so schnell auf Streitigkeiten einließ.
Tatsächlich traf es sie weniger, dass er ihren Tod für wahrscheinlich hielt. Hier sprach wohl wieder die Sorge um Avalinn aus ihr, die den lebenzehrenden Kräften des Dämons bereits viel zu lange standhalten musste. Ihr pulsierendes Licht verlor an Stärke und das schürte Rhunas Angst die Lichtmagierin im Stich zu lassen. Von daher war Calhouns Frage, ob einer von ihnen, die sie doch weniger zu wissen schienen, als der Dunkelelf, eine Idee hätte, nicht wirklich hilfreich. Und so traf erneuter Unmut den Schattenkrieger.
„Warum fragst du uns, wo du doch den besten Überblick zu haben scheinst...!“, fragte Rhuna nun ihrerseits etwas provozierend, woraufhin Neri ihr mit: „Guter Einwand” beipflichtete, was die jüngere Elfe doch ein wenig … freute. Auch Pitt sprang wieder an ihre Seite und Rhuna musste ein kleines Lachen unterdrücken, als das Ottsel mit seiner kleinen Pfote mit Neri abklatschte. „Voll gegeben!“, äußerte er die Schadenfreude, die vielleicht alle drei ein klein wenig empfanden.
Doch schlussendlich musste dieser kleine erheiternde Moment der Ernsthaftigkeit weichen, die sie aufbringen mussten, um ihr erdrückendes Problem zu lösen. Und so fasste Rhuna ihre Lage noch einmal in knappen Worten zusammen und sprach dabei die einzige Lösung aus, die sich ihr bis dahin erschlossen hatte. Und diese beinhaltete Dromars Tod – oder anders ausgedrückt Mord.
Dass Rhuna diese Möglichkeit überhaupt in Betracht zog schockierte wohl nicht nur sie selbst. Pitt pfiff leise und fragte: „Herzchen, bist du dir sicher?“, was die junge Elfe im ersten Moment doch wieder etwas verunsicherte. Natürlich wusste Rhuna, dass sie eine abscheuliche Tat als Lösung vorgeschlagen hatte. Eine Tat, die jemand wie sie, wohl nicht mal gedanklich in Betracht ziehen sollte. Doch obwohl die betroffene Reaktion der anderen, abgesehen von Calhoun, ihr ein schlechtes Gewissen bescheren sollte, wollte sich dieses nicht so recht regen.
Wenn wir ihn nicht töten, was hält ihn davon ab dieses Ritual in der Zukunft nicht erneut durchzuführen? Oder etwas anderes Furchtbares zu planen und Tod und Leid weiter zu verbreiten? Tatsächlich sah sie auf und suchte unbewusst Calhouns Blick. Nicht einmal, weil sie seine Ansichten hören wollte, es war vielleicht nur ein Reflex, weil er als möglicher Schattenmagier dieser dunklen Welt am Nächsten kam oder sie den Verdacht hatte, dass ihm diese Möglichkeit moralisch ebenfalls nicht zu stark zu schaffen machen würde.
Natürlich antwortete der Dunkelelf nicht auf ihre Gedanken, sondern nur auf ihre vorher gestellte Frage, die einen möglichen anderen Weg einschlug, der ihr jedoch am … wirkungslosesten erschien.
„Soweit ich weiß, ist es völlig egal, ob man markiert wurde oder nicht. Durch die Markierung kann dich der Dämon schneller finden und in deine Gedanken eindringen. Es ist eine Art Pforte, die er nutzen kann, um dich leichter zu verführen. Aber er kommuniziert auch ohne dieses Mal. Bisher hast du dich ja wacker geschlagen.“, merkte er zu Rhunas Überraschung beinahe … anerkennend an. Für die junge Elfe ergab das alles durchaus Sinn, doch stand noch immer die Frage im Raum, wie es sich bei Neriélle verhielt, die nun in Dromars Fokus geraten war.
„Dromars Tod ist die naheliegendste Lösung”, pflichtete ihr Neri zögerlich bei, doch bereits mit den nächsten Worten stellte sie diese Möglichkeit und ihre Moral wieder in Frage. musste sie ihr dennoch beipflichten. „Und doch.. zu was für Elfen würde uns das machen?”
Rhuna schwieg und sah zu ihren Füßen, während sie sich leicht auf die Unterlippe biss. Die Frage beschäftigte sie, doch auf andere Art und Weise, wie sie selbst von sich erwartet hätte. Waren ihre Empfindungen und ihr Wunsch Domar mit allen Mitteln zu stoppen etwas Schlechtes? Durfte sie diese überhaupt haben, wo sie doch Licht- und Naturmagie in sich trug? Oder war es eben das … was die Aufmerksamkeit des Dämons anfangs auf sie gezogen hatte? Trug sie vielleicht Dunkelheit in sich – mehr als sie es sah oder wollte?
„Ich bin mir natürlich nicht sicher…!“, antwortete sie verspätet auf Pitt’s Frage und wirkte in diesem Moment auch nicht so, als wäre sie mit sich selbst im Reinen.
„Aber wie wir es auch drehen und wenden, die Sicherheit von uns allen und dem ganzen Dorf hängt von Dromars Erfolg oder Misserfolg ab. Wir müssen ihn aufhalten und ich bezweifle, dass er seine Pläne, die er über Jahrzehnte durchsetzt plötzlich aufgibt und einen moralischen Wandel durchlebt.“, machte sie ihren Gedanken Luft, die sie sichtlich selbst verunsicherten. „Dromar hat so viel Leid und Tod über die Menschen, Elfen und die Natur gebracht und er wird noch mehr Leben und Qualen hervorbringen, wenn es ihm gelingt den Dämon auf diese Welt zu holen. Jemand wie er… ich meine…“, Rhuna suchte nach den richtigen Worten, doch sie schien keine so recht finden zu können. „… der Tod gehört zum Leben. Es ist der Preis den wir alle einmal zahlen werden und schlussendlich erleben wir den Tod jeden Tag und führen ihn auch herbei, um unser Leben zu gewährleisten. Wir alle töten, um zu leben und das ist der natürliche Lauf der Dinge. Doch Dromar tötet nicht, weil er dadurch sein Überleben sichert. Er jagt nicht aus Hunger, sondern aus reiner Mordlust oder was auch immer für anderen Gründen, die meiner Ansicht nach aber nichts mit dem Kreislauf der Natur gemein haben können. Er schätzt kein Leben er… er… ist wie eine Krankheit, die Leid, Schmerz und Tod verbreitet. Und ist es so falsch zu denken, dass wir diese Krankheit stoppen müssen?“, fragte sie nun ihre neuen Bekanntschaften und sah sie abwechselnd an. Die Shyánerelfe schätzte das Leben, doch konnte sie den Gedanken … oder die Bereitschaft Dromar töten zu wollen, doch nicht abwehren, wenn sie dadurch den Wald, die Dorfbewohner und ihre Freunde beschützen konnte.

„Wenn Dromar jemand ein Messer ins Herz rammen soll, dann muss das Calhoun machen.“, äußerte Neri plötzlich und holte damit vielleicht nicht nur Rhuna aus ihrer Gedankenwelt. Natürlich wirkte der Dunkelelf so, als wäre er für diesen Auftrag die beste Wahl, doch dieser schien keineswegs geschmeichelt von der Beförderung seiner Begleiterin. „Na, wenn es weiter nichts ist?!“, bemerkte er äußerst scharf und funkelte Neriélle an, die daraufhin noch einen weiteren Vorschlag äußerte.
„Aber vielleicht gibt es einen anderen Weg. Hmm, das Ritual... muss Dromar dieses nur einmal ausführen oder stetig fortführen? Dann könnten wir es eventuell unterbrechen? Und wenn nicht... wie hat er dich markiert, Rhuna? Wenn er mich nicht markiert, kann der Dämon nicht... auf die Welt kommen. Aber ich befürchte, dass er dich dann einfach nehmen wird.”, sinnierte die andere Shyánerin, ehe Calhoun sie unterbrach und seine Ansichten klarstellte: „Falsch. Der Dämon ist längst auf dem Weg. Diese Lichtmagierin hat so viel Magie in sich, dass der Dämon wie ein fetter Blutegel emporsteigen wird und durch das Portal auf Celcia kommen wird. Und dich braucht er dann, um sich in seinem neuen Wirt einzunisten.“, bemerkte er mit einem Blick auf Rhuna, die ihn einfach nur schweigend ansah und sich weder ihre Gedanken, noch Emotionen anmerken ließ. So … ungewiss ihr seine Rolle vorkam und so oft seine harten Worte ihr aufstießen, er bewies sich als hilfreich mit seinem Wissen und seinen Ansichten. Doch fehlte ihnen schlussendlich immer eine Idee für einen Plan, der aussichtsvoll erschien und mit dem jeder von ihnen einverstanden sein konnte.
„Wie er mich wirklich markiert hat kann ich dir gar nicht sagen. Ich war in einer Art magischen Traum von Naturmagie hervorgerufen, der mir vergangene Erlebnisse in den Erinnerungen von Kayon zeigen sollte. Dort… packte mich plötzlich eine körperlose Hand … wie aus diesen schleimigen Schatten bestehend. Und das war es im Grunde auch schon. Der Dämon hielt mich in seiner Scheinwelt gefangen, aus der ich nur knapp und … für mich selbst noch immer aus nicht ganz erklärlichen Gründen entkommen konnte.“, beantwortete Rhuna Neris Frage, auch wenn die Worte sicher ernüchternd sein würden. Die junge Elfe empfand sich nicht ohne Grund als recht macht- und nutzlos.
„Würde es vielleicht etwas bringen, wenn wir zu Avalinn gehen und sie mit unserer Lichtmagie unterstützen? Vielleicht können wir unsere Magien bündelt und so diese Welt hier zerstören? Oder andersherum… wir befreien Avalinn, dann hat dieser Dämon nichts mehr, woraus er seine Energie ziehen kann...?”, stellte Neri eine weitere Option in Frage, die Rhuna selbst schon versucht hatte – zumindest alleine. Sie hatte versucht Avalinn von dem Baum zu befreien, doch war ihr dies alleine nicht gelungen. Doch Calhoun schien den Plan durchaus in Betracht zu ziehen.
„Beides könnte helfen. Dromar wird irgendwo das Ritual durchgeführt haben. Wenn wir den Ort finden könnten und es zerstören, ist das Portal vorerst verschlossen. Zudem muss er anwesend sein, um den Dämon zu beschwören. Wir sind hier gefangen, damit er das ungestört tun kann. Denn das unbequeme an Ritualmagie ist, dass sie beständig ausgeführt werden muss und mitunter mehrere Stunden Zeit kostet. Dromar muss die Formel aufsagen und wiederholen, bis der Dämon aus dem Harax auf Celcia kommt.“, erklärte der Dunkelelf, wobei sich Rhuna erneut bei dem Gedanken erwischte, dass schlussendlich alle dunklen Entwicklungen von Dromars Leben abhingen.
Rhuna rieb sich nervös über den Arm und begann unbewusst über das Mal zu kratzen, womit sie erst aufhörte, als Calhoun sie plötzlich ansprach und mit seiner Forderung aus dem Konzept brachte.
„Schenke ihnen dein Licht. Vielleicht gemeinsam, damit sie aus ihrer Starre erwachen und helfen können. Einen Versuch ists wert.“, merkte er an und wusste wahrscheinlich nicht, dass er die Brünette damit mit einem unangenehmen Fakt konfrontierte, von dem er und Neri noch nichts wussten.
Ich kann das nicht…! Ich beherrsche keine Lichtmagie, die ich bewusst anwenden kann. Sonst hätte ich doch längst...!, dachte sie mit wachsender Verzweiflung über ihre zweifelhafte ‚Besonderheit‘. Doch diese vor den anderen beiden zuzugeben fiel ihr nicht besonders leicht.
„Wir müssen uns beeilen, denn so wie es aussieht, wird die Heilerin nicht mehr lange durchhalten können. Wir müssen uns aufteilen, wenn wir etwas erreichen wollen. Ich suche mit dem Halbelfen Dromar’s Versteck. Ihr kümmert euch um Avalinn und den Dämon.“, plante der Dunkelelf bereits weiter, was Rhuna nur noch mehr in Zugzwang brachte. Sie konnte ihr Geheimnis nicht für sich behalten, wenn es den Plan gefährden und die Drei wohlmöglich in Lebensgefahr bringen konnte. Ihre Gedanken überschlugen sich und als sie sein aufforderndes und fast zugleich zutrauendes: „Los jetzt!“ hörte, konnte sie nicht mehr schweigen.
„Warte! Es… gibt da einen Gedankenfehler, den du begehst!“, begann Rhuna, um ihn aufzuhalten und versuchte sich zusammenzureißen, auch wenn ihre Ohren zu surren begannen. Ihr Blick begegnete dem von Neri beinahe entschuldigend, ehe sie ihn auf Calhoun richtete.
„Du hast vorhin einfach behauptet, dass ich eine Lichtmagierin bin. Aber das… ist nicht ganz richtig.“, gab sie zu und ballte unbewusst die Hände zu Fäusten. „Ich trage Lichtmagie in mir … aber zu gleichen Teilen auch Naturmagie. Nur… kann ich keine der beiden Magien bewusst anwenden. So sehr ich es auch versuche und es mir wünschen würde. Sobald ich gegen eine der dunklen Magien versuche anzugehen zeigen sich beide Potenziale und ringen um die Vorherrschaft und entziehen mir dadurch nur noch mehr Kraft. Ich wünschte es wäre anders, aber … ich bin …“ nutzlos, beendete sie gedanklich den Satz, den sie nicht wirklich über die Lippen bekam. Man konnte Rhuna nicht vorwerfen nicht alles versucht zu haben. Sie hatte sich selbst sogar für eine der beiden Magien entschieden, doch irgendetwas schien sie dennoch falsch zu machen.
„Ich weiß nicht … wie – was ich tun soll! Avalinn hat mir damit helfen wollen, aber bevor wir die Möglichkeit hatten, brach all dieses Unglück über uns herein. Wenn ihr Magie beherrscht und wisst, was ich tun kann sagt es mir! Bitte!“ Zum Schluss hin wurde die Kraft in ihrer Stimme schmaler, denn ihre Bitte kam wirklich aus tiefstem Herzen. Das Gefühl, dass sie ihren Freunden und Yedan nicht helfen konnte quälte sie und selbst Calhoun würde vielleicht erkennen, dass sie alles tun würde um nützlich sein zu können…

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Neriélle » Samstag 10. Juni 2023, 21:29

Neri schaute in die roten Augen des Dunkelelfen, der ihr gegenüber stand und von dem sie mehr über die Dunkelheit erfahren wollte, die sie laut seinen Worten sehen konnte. "Woher soll ich das wissen, hm? Aber wir beide wissen, dass du nicht so unschuldig bist, wie es deine Herkunft erzählen will!" Zuerst zogen sich ihre Augenbrauen zusammen, da seine Gegenfrage sie sehr unzufrieden stellte. Dann aber sprach er weiter und sie sah das herausfordernde und bedeutungsvolle Blitzen in seinem Blick. Ohja, sie wusste ganz genau, worauf er da anspielte. Ihre Mimik verlor für einen Moment die Unzufriedenheit, als sich ihr Mundwinkel nach oben zog und sie vielsagend eine Augenbraue hob, so als wolle sie sagen, dass ihm ihre nicht vorhandene Unschuldigkeit in gewissen Dingen ganz offensichtlich gefallen hatte. Als sie voneinander zurücktraten und es ihr wieder leichter fiel, einen klaren Gedanken zu fassen, kam sie jedoch auf ihren eigentlichen Gedanken zurück. Wieso deutete er solche Dinge an und sagte dann doch nichts weiter dazu? War es vielleicht doch nur eine Vermutung von ihm? Oder sein Instinkt? Vielleicht der gleiche Instinkt, der ihm verraten hatte, dass Rhuna und sie die Lichtmagie beherrschten? Es prasselten nach und nach so viele Informationen auf die Elfe ein, dass sie kaum dazu kam, ihnen gänzlich zu folgen. Sie würde Calhoun wohl später noch einmal genauer darauf ansprechen. Auch Rhuna hätte offensichtlich gerne mehr erfahren, aber Calhoun winkte nur ab. „Das lohnt sich nicht.“
Neri fragte sich, was genau er damit meinte, war sich aber ziemlich sicher, dass er es auf seine Lebensgeschichte bezog. Auf diese war Neri noch immer recht neugierig, doch.. “Ich sagte ja: Aus ihm wirst du nichts rausbekommen”, hakte Neri ein und sah kurz Rhuna an. “Außer es geht offenbar um Lichtmagie und Dämonen. So redselig hab ich dich die ganze letzte Woche nicht erlebt”, wandte sie sich zuletzt an Calhoun und betrachtete ihn augenscheinlich prüfend, ob auch alles in Ordnung mit ihm war.

Doch für solche Gespräche - oder Gesprächsversuche - war nun wirklich keine Zeit. Calhoun redete ganz nüchtern über Rhunas Rolle in diesem ganzen Debakel, die Avalinn ablösen sollte, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder ihr bevorstehendes Unheil in irgendeiner Weise zu beschönigen. In der Zwischenzeit erwachte Pitt aus seiner Starre und fand ganz offensichtlich seine Stimme wieder. „Alter! Merkst du’s noch? Kannste nicht so sagen, echt nicht!“ Neri konnte dem Ottsel nur zustimmen und versuchte ebenfalls, Calhouns Worte abzumildern und Rhuna Mut zuzusprechen. Zumindest Pitts lockere Worte ließen die Andere für einen Moment lächeln. Doch der Dunkelelf schien reichlich unbeeindruckt von ihrer beider Zurechtweisung und antwortete mit kühlen Augen und Worten. „Es sind Fakten, die präsentiert werden. Gefühle bringen uns hier nicht weiter und… ich kenne deine neue Freundin nicht. Verzeih also, dass ich nicht in Tränen ausbreche, wenn diese ganze Sache nach hinten losgeht!“
Neri stöhnte genervt auf und rollte gut sichtbar für ihn mit den Augen. “Das erwartet hier keiner von dir”, erwiderte sie trocken und ließ offen, ob sie nur das Zeigen von Gefühlen meinte oder den Umstand, dass ihm das Schicksal der anderen Elfe nicht interessierte - oder eben beides.
„Ist schon gut. An deinen Worten ist durchaus was dran und ich kann immerhin auch nicht behaupten in Tränen auszubrechen, würde dir etwas passieren.“ Überrascht von diesen trockenen Widerworten warf Neri Rhuna einen anerkennenden Blick zu und konnte ein amüsiertes und zufriedenes Schmunzeln nicht zurückhalten. Offenbar schlummerte mehr Gegenwehr in der Elfe, als Neriélle zunächst aufgrund ihrer Erscheinung angenommen hatte. Rhuna machte eine abwinkende Handbewegung und damit schien zumindest vorerst wieder Frieden zwischen ihnen zu herrschen. Neri hoffte im Stillen nur, dass sie alle hier heil aus dieser Geschichte herauskamen und das Gespräch über ihr aller Ableben eben doch nur theoretischer Natur war und auch bleiben würde.

Wenig später drohte die Stimmung erneut zu kippen, als Rhuna den Dunkelelfen anfuhr, ob er seine Fragen nicht am besten selbst beantworten konnte. Neri pflichtete ihr bei und selbst Pitt stimmte mit ein und Neri kam nicht umhin, mit einem leichten Grinsen und zwei Fingern seine winzige Pfote abzuklatschen. Neri hörte Rhunas kurzes Auflachen und zumindest für sie drei war dies vielleicht ein winziger Moment von Verbundenheit. Calhoun schien das jedoch weniger witzig zu finden, und Neri kam für einen Moment der Gedanke, dass es vielleicht nicht die beste Idee war, den Dunkelelfen unter den derzeitigen Umständen gegen sich aufzubringen. Im Stillen musste Neri zugeben, dass Calhouns Wissen nämlich sehr hilfreich war - so hilfreich, wie seine Art manchmal nervig war.
Für einen Moment keimte leise Hoffnung in Neri auf, als Rhuna den Gedanken in den Raum warf, dass sie noch nicht markiert worden war und der Dämon sie so nicht finden würde. Doch auch diese Hoffnung erstickte der Dunkle sofort im Keim. Selbst ohne dieses Mal war es dem Dämonen also möglich, sie als Wirt zu nutzen. Neriélle dachte an die Stimme zurück, der es ganz offensichtlich auch so gelungen war, in ihren Kopf einzudringen und zu ihr zu sprechen. Ein Schauer jagte ihr bei diesem Gedanken über den Rücken. Was gab es dann für Möglichkeiten? Konnten sie überhaupt irgendetwas gegen Dromars dämonische Pläne ausrichten? Neri grübelte auf der Suche nach einer Lösung. Auch Rhuna schien im Grunde nicht recht glücklich über ihren eigenen Vorschlag zu sein, Dromar zu töten. Aber offenbar fand sie die Idee nicht allzu abwegig, da sie sich nach Neris Vorwurf noch einmal erklärte.
„Ich bin mir natürlich nicht sicher…! Aber wie wir es auch drehen und wenden, die Sicherheit von uns allen und dem ganzen Dorf hängt von Dromars Erfolg oder Misserfolg ab. Wir müssen ihn aufhalten und ich bezweifle, dass er seine Pläne, die er über Jahrzehnte durchsetzt plötzlich aufgibt und einen moralischen Wandel durchlebt. Dromar hat so viel Leid und Tod über die Menschen, Elfen und die Natur gebracht und er wird noch mehr Leben und Qualen hervorbringen, wenn es ihm gelingt den Dämon auf diese Welt zu holen. Jemand wie er… ich meine… der Tod gehört zum Leben. Es ist der Preis den wir alle einmal zahlen werden und schlussendlich erleben wir den Tod jeden Tag und führen ihn auch herbei, um unser Leben zu gewährleisten. Wir alle töten, um zu leben und das ist der natürliche Lauf der Dinge. Doch Dromar tötet nicht, weil er dadurch sein Überleben sichert. Er jagt nicht aus Hunger, sondern aus reiner Mordlust oder was auch immer für anderen Gründen, die meiner Ansicht nach aber nichts mit dem Kreislauf der Natur gemein haben können. Er schätzt kein Leben er… er… ist wie eine Krankheit, die Leid, Schmerz und Tod verbreitet. Und ist es so falsch zu denken, dass wir diese Krankheit stoppen müssen?“
Bei Rhunas Worte begann Neriélle erneut, langsam auf und ab zu gehen, wie ein Tier, das seinen Käfig nicht verlassen konnte. Und tatsächlich verspürte sie fast ununterbrochen noch immer den Drang, diese Schattenwelt zu verlassen. Doch das schien im Moment unmöglich und so musste die Energie woanders hin. Sie hörte Rhuna zu, dachte über ihre Worte nach, und suchte nach einem Ausweg. Hier und da nickte sie verstehend zu den Worten der anderen Elfe. Am Ende musste sie allerdings zugeben, dass die Argumente der anderen Elfe ziemlich logisch klangen, auch wenn sie es ungerne zugab.
“Das, was du uns bisher erzählt hast, klingt wirklich nicht danach, dass sich Dromar einfach so umstimmen lassen wird. Darauf können wir uns nicht verlassen, so viel ist klar. Und er ist der Ursprung allen Übels”, pflichtete sie Rhuna bei. Und dennoch konnte sie sich einfach nicht vorstellen, jemanden umzubringen. Dromar zu ermorden widerstrebte ihr, doch wenn das der einzig mögliche Weg war, um dieses Unheil zu beenden, dann musste das aus ihrer Sicht Calhoun erledigen, was sie kurzerhand auch äußerte. Doch dem gefiel diese Aufgabe offensichtlich genauso wenig wie ihr - und dazu offenbar noch viel weniger, als Neriélle erwartet hatte. „Na, wenn es weiter nichts ist?!“ Sein scharfer Tonfall überraschte sie und auch sein Blick war ablehnender als sie vermutet hätte. Diesmal blieb er nicht so unbeteiligt. “Sag bloß, du hättest ein Problem damit?” Die überraschte Frage verließ Neris Mund schneller, als sie über sie oder ihre Folgen nachdenken konnte. Schließlich hatte sie seine zweifelhafte Bekanntschaft vor Zyranus geschlossen, eine Stadt voller Menschen, die er belagert hatte - und so lange er ihr seine Aufgabe in dem mittlerweile zerschlagenen Krieg nicht erklärte, ging sie noch immer genau davon aus. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihm vorwarf, keine Skrupel zu haben, Menschen zu töten. Die Worte verließen aber schneller ihren Mund, als die Erinnerung an seinen zurückliegenden Wutausbruch wieder hochkam. Als ihr klar wurde, dass ihre unüberlegten Worte vielleicht doch eine Spur zu hart waren - schließlich mussten sie jetzt dringend zusammenarbeiten - versuchte sie nachträglich die Wogen zu glätten, in dem sie schnell weitersprach.
"Also gut, wir müssen Dromar stoppen, aber keiner will ihn töten." Sie schaute Rhuna fragend an, als wollte sie sicherstellen, dass das auch auf sie zutraf. Oder würde sie..? "Dann einigen wir uns darauf, dass wir Dromar zumindest festsetzen und bewegungsunfähig machen, wenn wir ihm noch einmal über den Weg laufen, damit er seine dunkle Magie nicht weiter ausführen kann?! Ich bezweifle allerdings, dass er sich hier aufhält.”

Daher überlegte Neri auch anschließend laut, ob es nicht doch einen anderen Weg gab, Dromar aufzuhalten, indem sie das Ritual selbst unterbrachen. Da sie nicht davon ausging, Dromar hier zu begegnen, war es in ihren Augen dringender, den Dämon von sich fernzuhalten.
„Der Dämon ist längst auf dem Weg. Diese Lichtmagierin hat so viel Magie in sich, dass der Dämon wie ein fetter Blutegel emporsteigen wird und durch das Portal auf Celcia kommen wird. Und dich braucht er dann, um sich in seinem neuen Wirt einzunisten.“
Kaltes Grauen kroch ihr bei Calhouns Worten durch Mark und Bein und sie folgte seinem Nicken mit den Augen zu Avalinn hinüber, dann weiter zu Rhuna, die er mit seinem Blick bedachte, und sah schlussendlich in seine roten Augen.
“Das sind wundervolle Aussichten”, kommentierte sie sarkastisch, um nicht zu zeigen, wie sehr seine Worte sie tatsächlich ängstigten. Er hatte Recht, dass Gefühle sie hier jetzt nicht unbedingt weiterbrachten, sondern sie womöglich nur verzweifelter oder gar panisch machten, wenn sie zu detailliert darüber nachdachte, aber Neri konnte die kalte Angst in ihrem Inneren kaum unterdrücken. Die Aussicht, dass dieser Dämon schon ganz nah war und immer näher kam, um sie als Wirt zu benutzen.. wie sollte sie das so völlig unbeteiligt hinnehmen können? Ihre Situation schien aussichtslos zu sein. Sie schaute erneut zu Rhuna, die ihr erklärte, wie der Dämon sie markiert hatte.
„Wie er mich wirklich markiert hat kann ich dir gar nicht sagen. Ich war in einer Art magischen Traum von Naturmagie hervorgerufen, der mir vergangene Erlebnisse in den Erinnerungen von Kayon zeigen sollte. Dort… packte mich plötzlich eine körperlose Hand … wie aus diesen schleimigen Schatten bestehend. Und das war es im Grunde auch schon. Der Dämon hielt mich in seiner Scheinwelt gefangen, aus der ich nur knapp und … für mich selbst noch immer aus nicht ganz erklärlichen Gründen entkommen konnte.“
Erneut runzelte Neriélle die Stirn. Je mehr sie über diesen Dämon und diese Schattenwelt erfuhr, desto weniger gefiel ihr das alles. Rhuna brachte nun auch noch die Naturmagie ins Spiel, was in Neris Augen nicht gerade für Aufklärung, sondern eher für mehr Fragezeichen sorgte.
“Wenn der Dämon sowieso auf dem Weg ist und mich gar nicht zu markieren braucht.. bleibt mir ja vielleicht wenigstens das erspart”, murmelte Neri und sah sich kurz um, ganz so als erwartete sie, dass diese körperlose Hand, von der die andere Shyánerin erzählt hatte, jeden Moment auftauchen würde.

Das Ganze zerrte zunehmend an ihren Nerven. Gab es denn keinen Ausweg? Zu irgendetwas musste doch Rhunas und ihre Lichtmagie in dieser Welt aus dunklen Schatten gut sein? Vielleicht würden sie mit ihr Avalinn helfen oder gar den Dämon vernichten können?
„Beides könnte helfen. Dromar wird irgendwo das Ritual durchgeführt haben. Wenn wir den Ort finden könnten und es zerstören, ist das Portal vorerst verschlossen. Zudem muss er anwesend sein, um den Dämon zu beschwören. Wir sind hier gefangen, damit er das ungestört tun kann. Denn das unbequeme an Ritualmagie ist, dass sie beständig ausgeführt werden muss und mitunter mehrere Stunden Zeit kostet. Dromar muss die Formel aufsagen und wiederholen, bis der Dämon aus dem Harax auf Celcia kommt.“
Während Calhoun sprach, legte sich Neris Stirn überlegend in Falten. Die Aussicht darauf, dass sie dieses Ritual tatsächlich noch unterbrechen konnten, ließ etwas Hoffnung keimen. Doch wie genau sollten sie das anstellen? Neris Blick schweifte umher und blieb dann auf Rhuna liegen, die Calhoun ansprach, ehe sein Blick erneut auf sie traf.
„Schenke ihnen dein Licht. Vielleicht gemeinsam, damit sie aus ihrer Starre erwachen und helfen können. Einen Versuch ists wert.“
“Hmpf..” Neri klang reichlich unzufrieden. “Ich hoffe wirklich, dass du das Licht besser beherrschst als ich”, murmelte sie dann gen Rhuna, ohne zu ahnen, dass sie damit ins Schwarze traf. Es gefiel ihr überhaupt nicht, dass sie nun ihre völlig unausgereifte Magie nutzen sollte. Sie hatte offen zugegeben, dass sie im Grunde nur einen mickrigen Zauber beherrschte. Jetzt auch noch zeigen zu müssen, dass sie kein nennenswertes magisches Talent besaß, was sie all die Jahre belastet hatte, widerstrebte ihr.
„Wir müssen uns beeilen, denn so wie es aussieht, wird die Heilerin nicht mehr lange durchhalten können.“ Unweigerlich sah Neri zu Avalinn hinüber, deren Licht tatsächlich zunehmend dunkler wurde und langsam, aber sicher zu verblassen schien. Mit Erstaunen bemerkte Neri die weißen Haare der ehemals dunkelhaarigen Heilerin, ganz so als würde die Dunkelheit sie aussaugen. „Wir müssen uns aufteilen, wenn wir etwas erreichen wollen. Ich suche mit dem Halbelfen Dromar’s Versteck. Ihr kümmert euch um Avalinn und den Dämon.“
Neriélles Kopf ruckte wieder zurück zu Calhoun. Ihr Blick machte sehr deutlich, dass ihr sein Vorschlag missfiel, dass er sie hier mit dem Dämon alleine lassen wollte. Doch ehe sie etwas sagen konnte, drängte sich zuerst Pitt in den Vordergrund, den vorerst aber auch Neri ignorierte. Calhoun trieb sie zur Eile und Neriélle öffnete gerade den Mund, um seinem Vorschlag zu widersprechen, als Rhuna das Wort an sich nahm.
„Warte! Es… gibt da einen Gedankenfehler, den du begehst!“ Neri ahnte nichts Gutes und so sah auch ihr Gesicht aus, als sie es Rhuna zuwandte. Sie sah den entschuldigenden Blick der anderen Elfe, woraufhin sich fragend ihre Brauen hoben. Was folgte jetzt noch?
„Du hast vorhin einfach behauptet, dass ich eine Lichtmagierin bin. Aber das… ist nicht ganz richtig. Ich trage Lichtmagie in mir … aber zu gleichen Teilen auch Naturmagie. Nur… kann ich keine der beiden Magien bewusst anwenden. So sehr ich es auch versuche und es mir wünschen würde. Sobald ich gegen eine der dunklen Magien versuche anzugehen zeigen sich beide Potenziale und ringen um die Vorherrschaft und entziehen mir dadurch nur noch mehr Kraft. Ich wünschte es wäre anders, aber … ich bin …“
“Interessant!”, kam es Neri plötzlich leise über die Lippen und dann musste sie auf einmal lächeln. Sie konnte Rhuna ansehen, wie sehr sie mit sich rang und wie viel Mut es sie kostete, ihnen beiden davon zu erzählen. Sie konnte mit ihr mitempfinden, war es ihr doch vor ein paar Minuten nicht viel anders ergangen. Sich selbst eine Schwäche einzugestehen, war das Eine. Aber es anderen und dazu noch völlig Fremden zu offenbaren, noch einmal etwas ganz anderes. Neriélle verspürte zwar für einen Moment eine gewisse Enttäuschung darüber, dass Rhuna zwar die Lichtmagie in sich trug, aber nicht bewusst anwenden konnte und damit vermutlich ihr ganzer Plan zum Scheitern verurteilt war. Aber viel eher drängte sich ehrliche Neugierde und Anerkennung in den Vordergrund. “Ich habe noch nie jemanden getroffen, der zwei Magiearten in sich trägt.. Ich meine, keine Normalsterblichen. Nicht die Lehrmeister aus der Akademie”, erklärte sie und die Neugierde stand ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. Sie fragte sich, ob man Rhuna nicht in der Akademie der Magie gelehrt hatte, mit beiden Magiearten umzugehen. Doch sie stellte die Frage nicht laut, denn ganz offensichtlich war dies nie geschehen oder eben nicht gelungen. An ihre eigenen Misserfolge erinnert, wollte sie lieber kein Salz in die Wunde streuen, auch wenn ihre Neugierde groß war und sie gerne mehr zu den Hintergründen erfahren hätte. Doch auch wenn sie schwieg, sah man Neri die Neugierde förmlich an.
„Ich weiß nicht … wie – was ich tun soll! Avalinn hat mir damit helfen wollen, aber bevor wir die Möglichkeit hatten, brach all dieses Unglück über uns herein. Wenn ihr Magie beherrscht und wisst, was ich tun kann sagt es mir! Bitte!“

Langsam schaute Neriélle hinüber zu Calhoun. Sie war auf seine Reaktion gespannt. Sie wäre nicht überrascht, wenn er sich nun mit einem einfachen ‘Dein Problem’ abwenden würde. Doch sie hoffte, dass er tatsächlich ein paar Tipps gab. Tipps, die vielleicht auch ihr selbst weiterhelfen würden? Erstaunlich fand sie in jedem Fall, wie ehrlich Rhuna war und dass sie so problemlos Calhoun, einen völlig Fremden und dazu noch Dunkelelfen, um Hilfe bat. Etwas, das Neri nie in den Sinn gekommen wäre. Lieber hätte sie auf eigene Faust versucht, mit ihrer Lichtmagie Yedan und den alten Mann zu erreichen, als zuzugeben, dass sie keine Ahnung hatte, was sie dafür tun sollte.
"Vielleicht hat Dromar uns deshalb auserwählt. Die zwei schlechtesten Lichtmagierinnen, die seinen Weg und den Weg des Dämons kreuzten. Offenbar sind wir gut genug. um dem Dämon als Körper und Futter zu dienen.. Aber nicht talentiert genug, um ihm ernsthaft etwas entgegen zu setzen", überlegte Neri laut. Fast wirkte sie erheitert über diese Ironie des Schicksals und versuchte es daher mit Galgenhumor. Dann wurde sie mit einem Mal wieder ernster.
“Woher wusstest du eigentlich, dass wir die Lichtmagie beherrschen.. oder dachtest es zumindest..?”, fragte sie dann Calhoun frei heraus. Da sie nun wieder bei diesem Thema waren, beschloss Neri, diese Frage nun doch zu stellen. War es doch nur ein Instinkt, der ihn ganz offensichtlich fehlgeleitet hatte? Zumindest in der Hinsicht, dass sie zwar ein magisches Talent besaßen, aber man nicht von wirklicher Beherrschung sprechen konnte? "Und eines noch Calhoun", sprach sie sogleich weiter, bevor er auf die Idee kam, einfach zu gehen, "ich finde, unter diesen Umständen solltest du uns nicht allein mit diesem Dämon lassen. Sollten wir nicht lieber alle zusammen bleiben?", äußerte sie nun auch endlich ihre Zweifel an seinen zuvor geäußerten Vorschlag, sich aufzuteilen. Sie gab es zwar ungerne zu, aber gerade unter den neu gewonnen Erkenntnissen, dass Rhunas Magie nicht nur nicht ausgeprägt war, sondern sie auch noch nach eigenen Worten schwächte, gefiel es ihr ganz gar nicht, mit Rhuna alleine in dieser Schattenwelt zu bleiben. Jene Elfe sah sie dann überlegend an, während sie fortwährend über einen Ausweg nachdachte. Wie sollten sie Yedan, den alten Mann oder gar Avalinn befreien, wenn sie selbst die Lichtmagie nur ein wenig beherrschte und Rhuna sie nicht kontrollieren konnte? Neri dachte an ihren Vater zurück und an die unzähligen Lehrstunden, in denen er versucht hatte, sie auf den Pfad des Lichts zu führen. Sie erinnerte sich, wie oft er einfach nur ihre Hand genommen hatte und sie in jenem Moment seine um so viel stärkere Lichtmagie in sich pulsierend gespürt hatte. Seine Magie zu fühlen, hatte sie motiviert, keine Frage. Aber wenn sie versuchte hatte, danach zu greifen, war sie ihr immer und immer wieder entglitten und all die Versuche hatten nicht den gewünschten Erfolg erbracht. Aber vielleicht war es einen Versuch wert? Vielleicht war es bei Rhuna anders? Man konnte sehen, wie es in Neris Kopf arbeitete und sie mit einem sachten Lächeln aus der Erinnerung ihres Vaters wieder in die aktuelle Situation zurückkehrte.
"Rhuna, wir sollten nichts unversucht lassen. Vielleicht hilft es dir, wenn ich deine Hand nehme und du die Lichtmagie durch mich spürst? Wie gesagt, ich kann im Grunde nur den einen Zauber.. aber vielleicht.. nun ja.. vielleicht bringt er dich auf den.. richtigen Pfad?" Sie wusste nicht, wie sie es ausdrücken oder erklären sollte. "Wir könnten es zumindest versuchen? Vielleicht schaffen wir es, die beiden zu befreien.. und danach Avalinn. Und dann suchen wir gemeinsam den Ort des Rituals und beenden es..?"

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Erzähler » Sonntag 18. Juni 2023, 09:07

Die Situation war angereichert mit Spannungen, Annahmen und Emotionen, die davon zeugten, wie sehr zumindest Rhuna und Neri unter Druck standen. Während Rhuna mit ihrer Machtlosigkeit konfrontiert wurde, musste sich Neri eingestehen, dass ihr Wagemut kleinere Brötchen backte im Angesicht dieser schieren und unbekannten Gefahr. Gefangen wie ein Raubtier im Käfig, versuchte sie den inneren Druck durch umherwandern und scharfe Worte abzubauen. Und welches Ventil bot sich da besser an als Calhoun? “Sag bloß, du hättest ein Problem damit?”, schoss sie bereits los und traf zielsicher. Der Schattenmagier durchbohrte Neri regelrecht mit seinem roten Blick. Seine Miene zeugte von Ablehnung und trotzdem hielt er sich zurück. Etwas, was Neri versuchte hintenherum zu tun, doch ihre Relativierung brachte keine versöhnliche Geste seitens den Dunklen. Er widmete sich lieber der Lösung und scheuchte die Frauen zum Tatendrang. „Warte! Es… gibt da einen Gedankenfehler, den du begehst! Du hast vorhin einfach behauptet, dass ich eine Lichtmagierin bin. Aber das… ist nicht ganz richtig. Ich trage Lichtmagie in mir … aber zu gleichen Teilen auch Naturmagie. Nur… kann ich keine der beiden Magien bewusst anwenden. So sehr ich es auch versuche und es mir wünschen würde. Sobald ich gegen eine der dunklen Magien versuche anzugehen zeigen sich beide Potenziale und ringen um die Vorherrschaft und entziehen mir dadurch nur noch mehr Kraft. Ich wünschte es wäre anders, aber … ich bin …“ Das kleine Wörtchen stand wie ein Mahnmal zwischen ihnen. Rhuna formte es in ihren Gedanken und erschuf damit ein kleines Saatkorn, das keimen wollte. Nutzlos sein. Gab es etwas schlimmeres? Niemand wollte je zu nichts zu gebrauchen sein oder für etwas ungeeignet. Ein jeder von ihnen, egal wohin man auf Celcia schaute, brauchte einen Sinn, einen Zweck. Wieso sollte man sonst auf der Welt wandeln? Es gab doch immer eine Bestimmung! Eine Wahrheit, so unbequem sie auch manchmal sein würde.
Bei Rhuna’s ehrlichen Worten, war es Neriélle, die genau hinhörte. Für sie traf das ebenfalls zu, doch zugeben konnte sie das längst nicht. Sie ging davon aus, dass Calhoun wissen musste, wie schlecht sie ihre Magie beherrschte. Dass Rhuna nun allerdings ebenfalls nicht an ihr Potenzial herankam, war doch ein Problem. Wie sollten sie, nach Calhoun’s Vorschlag, etwas ausrichten?
“Ich habe noch nie jemanden getroffen, der zwei Magiearten in sich trägt.. Ich meine, keine Normalsterblichen. Nicht die Lehrmeister aus der Akademie”, verriet Neriélle und es war wieder mal Pitt, der ihnen allen eine gedankliche Verschnaufpause einräumte: „Mega Sache! Also… dass sich die beiden Potenziale in dir befinden, nicht das Kräfteentziehen und so, aber… heftig!“, plapperte das Ottsel und wackelte mit seinem Fellpopo zu Neri herüber. Er zupfte an ihrem Hosenbein und erbat stumm einen ‚händischen Fahrstuhl‘ nach oben, um sich auf ihre Schulter zu setzen. Er schnupperte ungeniert in Richtung Rhuna.

Dann bewegte sich der Dunkle am Rand des Geschehens und auch er musterte Rhuna. Neri war sich fast sicher, dass er die Schultern zucken und sich abwenden wird, allerdings hatte sie bereits erheblich ausgeteilt und war da anscheinend zu weit gegangen. Die roten Augen musterten die Brünette eingängig. „Es gibt immer den Moment, in dem sich ein Potenzial entfaltet und hervorbricht. Du hattest ihn offenbar noch nicht. Und wenn es so sein sollte und du beides zu gleichen Teilen weiterhin in dir trägst, dann kannst du lernen damit umzugehen. Es wird nicht leicht und vielleicht bist du nicht stark genug für diesen Weg.“, meinte er und sein Blick glitt kurz zu Neri. „Aber eine Sache, die die Magie unbedingt braucht ist.. Selbstvertrauen.“, schloss er. “Vielleicht hat Dromar uns deshalb auserwählt. Die zwei schlechtesten Lichtmagierinnen, die seinen Weg und den Weg des Dämons kreuzten. Offenbar sind wir gut genug. Um dem Dämon als Körper und Futter zu dienen.. Aber nicht talentiert genug, um ihm ernsthaft etwas entgegen zu setzen. Woher wusstest du eigentlich, dass wir die Lichtmagie beherrschen.. oder dachtest es zumindest..?” Der Dunkle schaute die Elfe an. „Dromar sagte, dass deine kleine Freundin die nächste am Baum wäre, um den Dämon zu nähren. Leuchtet ein, dass sie Lichtmagierin ist. Und bei dir? Du warst halberfroren im Wald. Um dich herum ein – zugegeben- eher schlechter Kokon aus Licht, der dich unbewusst schützen sollte.“ Nun zuckte er tatsächlich seine Schultern. „Aber das ist nicht das vordergründige Problem.“, er deutete auf die weißhaarige Avalinn, dann auf Yedan und Kayon und schließlich die Finsternis um sie herum. „Wir haben eine Menge Arbeit. Und ich bin nicht gewillt, hier drinnen zu verrecken, weil ihr euren Glauben an euch nicht finden könnt.“, setzte er zu einer Standpauke an, sah sowohl Neri als auch Rhuna streng an und verschränkte die Arme, dass das Muskelspiel trotz Dunkelheit deutlich zu sehen war. „Ihr werdet euch etwas einfallen lassen müssen, ansonsten gehen wir hier alle drauf. Klärt eure Unzulänglichkeiten später, jetzt ist der Moment zu handeln!“, mahnte er mit eindringlicher, tiefer Stimme.

Zumindest Neriélle könnte der Gedanke kommen, wie er im Heerlager den Ton angab. Er war ein Anführer- nicht unbedingt der charmantesten Art, doch seine Worte waren trotzdem wirkungsvoll. Er trieb die Frauen an, sich auf das wichtigste zu konzentrieren. Er räumte ihre Zweifel durch Schroffheit Stück um Stück beiseite und ließ keinen Raum mehr für Unsicherheit und Verzweiflung. Er schürte systematisch Rhuna’s und Neri’s Unmut, damit sie kämpfen konnten. Und er lud ganz bewusst ihren Zorn auf sich, damit ihre Herzen einen Fokus hatten. Neri schien es annehmen zu können, denn die Angst trat einen kleinen Stück zurück und ließ sie handlungsfähig bleiben: "ich finde, unter diesen Umständen solltest du uns nicht allein mit diesem Dämon lassen. Sollten wir nicht lieber alle zusammen bleiben?“ Er musterte sie und ein feines Lächeln spielte über seine Züge. „Fürs Beschützen und Töten bin ich deine Wahl, hm?“, sagte er freiheraus und funkelte sie herausfordernd an. „Bedaure, es macht mehr Sinn, wenn wir uns aufteilen und somit schneller vorankommen.“, verneinte er Neri’s Vorschlag und zwang sie dazu, selbst nach Lösungen zu suchen. "Rhuna, wir sollten nichts unversucht lassen. Vielleicht hilft es dir, wenn ich deine Hand nehme und du die Lichtmagie durch mich spürst? Wie gesagt, ich kann im Grunde nur den einen Zauber.. aber vielleicht.. nun ja.. vielleicht bringt er dich auf den.. richtigen Pfad? „Wir könnten es zumindest versuchen? Vielleicht schaffen wir es, die beiden zu befreien.. und danach Avalinn. Und dann suchen wir gemeinsam den Ort des Rituals und beenden es..?“ „Hauptsache ihr tut irgendetwas und hört endlich auf, darüber ausschließlich zu reden!“, grollte Calhoun abermals und piekte ganz bewusst in das Wespennest, damit die Frauen ihren Kampfwillen endlich wiederfanden. Nun war es an Rhuna und Neri. Beide Frauen bezogen Aufstellung an Yedan und Kayon, die mit leiderfüllten Gesichtern dastanden und beständig gefangen waren in diesem Grauen. Rhuna wusste, was sie durchlebten, immer und immer wieder. Es war etwas persönliches, denn all das, was hier geschah war ihre Geschichte.
Yedans erste Liebe, korrumpiert und vergiftet durch das Unheil, das ihrer Familie widerfahren war. Um dann auf ewig Verderben zu bringen und dem Dämon der Hoffnungslosigkeit Tür und Tor zu öffnen. Rhuna konnte vielleicht erkennen, dass Dromar dieses Dorf gezielt ausgewählt hatte. Bedachte man die Informationen, die sie bereits erhalten hatte, gab es hier wohl so einige Seelen, die ihren Lebenssinn und -Mut verloren haben. Yedan, Kayon, Farun und all jene, die durch den späteren Angriff ihre Lieben verloren. Sie alle waren Teil dieses Ganzen und der Beginn von den Plänen des Weißhaarigen. Das Leid eines ganzen Dorfes, machte es Dromar leicht, seine Ziele zu verfolgen. Und zu erreichen.
Neri ließ ihren Worten Taten folgen, indem sie Rhuna’s Hand ergriff, während sie vor Yedan standen. Als erstes geschah gar nichts. Sie konnten lediglich einander fühlen, vielleicht war eine Hand kalt und schwitzig, während die andere warm blieb, oder aber sie behielten beide einen kühlen Kopf. Wie auch immer sie sich fühlten, es kam kein großer Knall oder ähnliches. Es geschah überhaupt nichts. Dann war es Pitt, der sich wieder bemerkbar machte und eine kleine Kralle mahnend hob. Er versuchte Calhoun zu imitieren, was ihm nicht recht gelang: „Selbstvertrauen, meine Damen! Ihr habt den dunklen Ochsen doch gehört.“, grinste er frech. Neri und Rhuna mussten in sich einen Glauben finden, etwas ausrichten zu können. Ohne ging es einfach nicht. Und sobald eine von ihnen den Funken gesetzt hatte, spürten sie beide mit einem Mal ein äußerst warmes Gefühl in sich. Es breitete sich in ihnen selbst aus und wanderte über ihre Kehlen hinab zum jeweiligen Arm, den sie verbunden hielten und mündete in ihren verschlungenen Handflächen. Hier aber entstand tatsächlich eine kleine Explosion und sowohl Rhuna als auch Neri konnten fühlen, wie sich ihre Magien miteinander verbanden, um gemeinsam anzuschwellen. Neri wusste, ihre Magie gezielt zu nutzen, ob nun nur für einen Zauber oder nicht, sie kannte das Gefühl, Magie bewusst zu wirken und konnte den gemeinsamen Impuls verwenden, um ihn nach ihren Vorstellungen zu lenken.

Rhuna indes spürte die Macht, die von der Lichtmagie ausging. Sie verstärkte sich durch Neriélle’s Vorschlag und half ihr, sich nur auf jene Richtung zu konzentrieren. Rhuna konnte fühlen, wie ihre Naturmagie demütig beiseitetrat und Platz machte, für das Licht. Es funktionierte. Beide Frauen erstrahlten im hellen Licht, das sich lenken ließ und auf Yedan und Kayon überging. Ob sie die beiden nun berührten oder aber einfach dastanden, machte keinen Unterschied. Ihre gemeinsame Lichtmagie löste das Leiden auf, spendete Hoffnung und half Vater und Sohn aus ihrer Starre. „Rh…Rhuna?!“, kam es von Yedan, der sich verdutzt die Augen rieb. Die Lichtmagie verblasste wieder und sie fanden sich zusammen mit Kayon und Yedan wieder in der Finsternis. „Keine Zeit für lange Erklärungen!“, mischte sich Pitt wieder ein und deutete nach hinten. „Der Dunkle ist weg.“, bemerkte er und dann wurde es noch ein Stück dunkler, als sich das pulsierende Licht langsam verabschiedete. Immer kürzer wurde das Leuchten, immer weniger wurde die Strahlkraft der Hoffnung. „Los! Zum Baum!“, kam es von Yedan, der Rhuna’s Hand packte und sie mit sich zog. Kayon geleitete Neri „Komm, Liebes!“, und eilte mit ihr zusammen zum toten Baum, an dem Avalinn hing. Die Elfe war nur noch ein schwacher Abglanz dessen, was Rhuna kannte. Schwach und ausgemergelt sah sie aus, weiße Haare, die strähnig und glanzlos herab hingen. Kein feines Lächeln auf den spröden Lippen, die Augen geschlossen und der Kopf nach vorne gesackt. Der Dämon sog die letzten Reste ihrer Magie aus und bevor er den letzten Tropfen nehmen konnte, erlosch auch die Barriere aus Naturmagie. Auch sie zerfiel in Dunkelheit. Auch diese Farbe verlor sich im Schwarz der Hoffnungslosigkeit. Ajak und die anderen hatten alles gegeben. Avalinn hatte alles gegeben. Nun waren Rhuna und Neri dran. „Sie muss endlich von diesem Baum weg!“, grollte Yedan, der keine Sekunde mehr zögerte, Rhuna mit sich zog und sich daranmachte, Avalinn zu befreien. „Helfen wir ihnen! Alle gemeinsam!“, appellierte Kayon an Neri und eilte hinterher. Und gemeinsam konnten sie die Ranken überwinden, die den Boden unwegsam machten und Avalinn am Baum hielten.
Yedan schlug auf die Ranken ein, während Kayon mithalf und sie so den Weg ebneten, um Rhuna und Neri zur Heilerin zu geleiten. Jetzt oder nie. Vielleicht gelang es ihnen noch einmal, gemeinsam die Magie zu nutzen. Doch Rhuna spürte ein Kitzeln in sich drin das ihre Naturmagie aussendete. Auch sie wollt genutzt werden. Auch sie wollte eine Bühne. War jetzt der rechte Zeitpunkt, für Vorsicht? Calhoun hatte an ihr Selbstvertrauen appelliert. Und Neri? Neri spürte ebenfalls ein Kribbeln. Sie fühlte eine Art Präsenz, die scheinbar direkt hinter ihr stand. Doch drehte sie sich um, sah sie nichts. Es war ein Kribbeln im Nacken, wenn sich die Härchen aufstellten. Und dann hörte sie etwas, das nur für ihre Ohren bestimmt war: „Lass mich rein, Kind. Lass die Narren hoffen und spüre meine Macht. Zusammen werden wir alles tun können, was immer du schon wolltest. Spürst nicht, wie es dich zu mir zieht?“, säuselte die Stimme und tatsächlich konnte Neri spüren, wie es sie zum Dunkel zog, zum Verbotenen. Rhuna indes könnte dem Kribbeln der Naturmagie folgen und versuchen, die Ranken zu lösen. Oder aber sie hielt direkt auf Avalinn zu, um sie endlich von dem Baum zu befreien.
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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Sonntag 2. Juli 2023, 11:13

Einen klar ersichtlichen Weg, wie sie die Dunkelheit und ihr bevorstehendes Ende noch aufhalten konnten, war nicht zu erkennen. Doch im Grunde bildete jeder von ihnen einen Gedanken dazu und unterm Strich waren sie sich einig, dass sie Dromar irgendwie aufhalten mussten. Er war die Quelle allen Übels und wenn man seine Ritualmagie unterbrach würden sie vielleicht noch eine Chance haben. Neriélle schien Calhoun als am fähigsten für diese Aufgabe zu betrachten. Was dieser davon hielt und ob er es überhaupt in Betracht ziehen würde, konnte Rhuna nicht so recht von seiner Miene ablesen. Wenn der Dunkle es nicht tun würde… würde es jemand anderes von ihnen tun? Würde es Neri tun können?
Während die Brünette die andere Elfe betrachtete spürte sie tief in sich, dass sie den Gedanken für sich selbst nicht verwarf. Der Wille ihre Lieben zu beschützen erschuf eine unerwartete Bereitschaft in ihr dies mit allen Mitteln zu tun. Doch würde sie Dromar wirklich töten können, würde sich ihr die Gelegenheit bieten? Diese Frage konnte Rhuna nur für sich selbst und ganz still in sich beantworten.
Momentan schien sie nicht die Fähigkeiten zu besitzen es überhaupt zu tun, selbst wenn sie es versuchen würde. So schmerzhaft es auch war, musste sie sich erneut mit ihrer Machtlosigkeit befassen und diese den beiden, ihr fast noch fremden Elfen erklären, um sie alle nicht unnütz in Gefahr zu bringen. Von daher schluckte sie ihren Stolz hinunter und beichtete ihr großes Problem, was das Gefühl der Nutzlosigkeit nur noch einmal in ihr verstärkte.
Ich will so nicht mehr sein, dachte sie gequält und machte sich bereits auf eine negative Reaktion der anderen beiden gefasst, doch weder Neri, noch Calhoun erfüllten die dahin vermuteten Erwartungen. Im Gegenteil, Neri schien eher beeindruckt zu sein, dass Rhuna zwei Potenziale in sich trug.
„Ich habe noch nie jemanden getroffen, der zwei Magiearten in sich trägt.. Ich meine, keine Normalsterblichen. Nicht die Lehrmeister aus der Akademie“, erzählte die andere Elfe, was Rhuna dazu brachte sie völlig überrascht anzusehen. Man sah ihr an, dass sie mit einer völlig anderen Reaktion gerechnet hatte. Von daher war es nicht verwunderlich, dass sie im ersten Moment glaubte die Worte nicht richtig verstanden zu haben. Doch als dann auch noch das Ottsel Pitt einklinkte und Neris Reaktion zu teilen schien, registrierte Rhuna, dass sie sich momentan ganz alleine als Nutzlos betrachtete. „Mega Sache! Also… dass sich die beiden Potenziale in dir befinden, nicht das Kräfteentziehen und so, aber… heftig!“
Verunsichert sah sie zwischen Neri und Pitt hin und her. Ihre Reaktion brachte sie zum Nachdenken und lockerte irgendwie den Stein, der ihr stets den Weg zu ihrem Selbstvertrauen versperrt hatte. Bisher hatte Rhuna ihre Besonderheit mehr als Handicap betrachtet und darüber die Möglichkeiten übersehen. Doch nun…? Nun schienen die beiden ihr eine neue Sichtweise zu ermöglichen.
Im Augenwinkel bemerkte die brünette Elfe eine Regung bei Calhoun und als sie ihn ansah bemerkte sie, dass auch er sie betrachtet hatte. Kurz flackerte noch einmal Unsicherheit in ihrem Blick auf, denn von ihnen allen schien der Dunkle die Situation am bodenständigsten einschätzen zu können. Doch auch er… auch seine Worte waren nicht darauf aus sie zu entmutigen: „Es gibt immer den Moment, in dem sich ein Potenzial entfaltet und hervorbricht. Du hattest ihn offenbar noch nicht. Und wenn es so sein sollte und du beides zu gleichen Teilen weiterhin in dir trägst, dann kannst du lernen damit umzugehen. Es wird nicht leicht und vielleicht bist du nicht stark genug für diesen Weg. Aber eine Sache, die die Magie unbedingt braucht ist... Selbstvertrauen.“ Erst waren es Neris und Pitts … nun Calhouns Worte, die etwas in der jungen Elfe regten und ihr Herz ein paar Takte schneller schlagen ließen. Wenn Rhuna eine Sache wollte, dann war es stark genug zu sein diesen Weg zu gehen. Sie wollte lernen ihre Kräfte zu beherrschen! Nein…! Genug der Zweifel: Sie würde es lernen und nicht aufgeben! Denn nur so würde man über sich hinauswachsen können.
In diesem Moment kam der Stein ins Rollen und Rhuna gewann den Willen an sich selbst zu glauben, was eine merkwürdige Ruhe in ihr auslöste. Es war egal, ob es ihr sofort gelingen würde. Es war egal, wie anstrengend es werden würde. Sie wusste nur, dass alles verloren war, wenn sie sich selbst aufgab, bevor der letzte Funken Hoffnung erloschen war, dass sie doch noch etwas erreichen könnte. Sie hatte durch ihre Ängste aus den Augen verloren, dass sie diese Welt mit all ihren Schönheiten und Wundern liebte und noch lange nicht alles gesehen hatte, was sie sich seit ihrer frühen Kindheit gewünscht hatte. Sie hatte Freundschaften geschlossen- Fremde waren zu Freunden geworden und ihr soweit ans Herz gewachsen, dass sie diesen helfen und sie beschützen wollte. Doch das würde sie nicht können, wenn sie sich an ihren eigenen Hürden aufhielt und das Vertrauen in sich selbst verlor.
Ohne es selbst zu bemerken hatte sie ihre Hände zu Fäusten geballt und ihr Blick gewann an Entschlossenheit.
„Wir haben eine Menge Arbeit. Und ich bin nicht gewillt, hier drinnen zu verrecken, weil ihr euren Glauben an euch nicht finden könnt. Ihr werdet euch etwas einfallen lassen müssen, ansonsten gehen wir hier alle drauf. Klärt eure Unzulänglichkeiten später, jetzt ist der Moment zu handeln!“, mahnte Calhoun erneut und obwohl seine Wortwahl wieder alles andere als einfühlsam war, schienen sowohl sie, als auch Neriélle damit klar zu kommen.
Calhoun hatte recht – sie mussten etwas tun! Sie hatten einander durch ihre Unsicherheiten bereits viel zu lange aufgehalten – sie wohl an vorderster Front. Doch nun hatte sich etwas geändert. Ihre Moral war anders und das zeigten auch Neris Worte, die sich ebenfalls an einen Plan machte, etwas zu bewirken.
„Rhuna, wir sollten nichts unversucht lassen. Vielleicht hilft es dir, wenn ich deine Hand nehme und du die Lichtmagie durch mich spürst? Wie gesagt, ich kann im Grunde nur den einen Zauber, aber vielleicht, nun ja vielleicht bringt er dich auf den richtigen Pfad? Wir könnten es zumindest versuchen? Vielleicht schaffen wir es, die beiden zu befreien... und danach Avalinn. Und dann suchen wir gemeinsam den Ort des Rituals und beenden es…?“ Ihre Blicke trafen einander und mit einem zuversichtlichen Lächeln nickte Rhuna.
„Du hast recht, Neri. Lass es uns versuchen!“, antwortete sie, mit ehrlicher Dankbarkeit in der Stimme, ehe Calhouns, erneut recht harte Worte sie zur Eile drängten.
„Hauptsache ihr tut irgendetwas und hört endlich auf, darüber ausschließlich zu reden!“ Und so kam es dann auch. Mit dem Willen alles zu versuchen stellten sich Neri und Rhune vor Yedan und Kayon auf, die noch immer in einem Zustand endloser Qualen gefangen waren. Der violette Blick der Jüngsten legte sich mitleidig und sorgenvoll auf das Gesicht des Halbelfen und in einer liebevollen Geste strich sie ihm über die Wange, bevor sie von ihm abließ und Neriélles Hände ergriff.
Keine Sorge Yedan. Wir schaffen das!, sprach sie in Gedanken einerseits zu ihm, doch auf der anderen Seite auch sich selbst Mut zu. Sie war unglaublich dankbar, dass Neri an ihrer Seite war und ihr half den Weg zu finden, den ihr ursprünglich Avalinn hatte zeigen wollen. Obwohl diese keine meisterhafte Lichtmagierin zu sein schien, hatte Rhuna dennoch das Gefühl, dass sie es schaffen konnten. Vielleicht weil sie einander ein wenig ähnlich waren?
Die Augen schließend und einander an den Händen halten begannen alle beide sich auf sich und ihre Kräfte zu konzentrieren. Zu Beginn schien nicht wirklich etwas zu passieren, doch suchten sie alle beide nach einem Weg… einem Gefühl, dass ihre Kräfte miteinander verbinden konnte. Und als sich dieser Weg in Form eines warmen Gefühls, ähnlich dem eines Sonnenstrahls in ihrem Innern zeigte, schien der nächste Schritt beinahe von selbst zu kommen. Als würde sie einen warmen Lichtstrahl ertasten folgte sie Neris Magie und fand dadurch ihre ganz eigene, die wie eine Flamme entzündet wurde.
Als hätte sich eine Türe in ihrem Innern geöffnet fand sie nun den lang ersehnten Zugang zu ihrer Magie. Das Gefühl war unbeschreiblich und trieb Rhuna vor Wärme und Erleichterung die Tränen in die Augen. Es fühlte sich so an, als hätte sie endlich einen bisher unerreichbaren aber wichtigen Teil ihrer selbst gefunden.
So fühlt es sich also an…, dachte sie beinahe ehrfurchtsvoll und glaubte nicht, dass sie dieses Gefühl jemals wieder vergessen könnte. Und noch etwas war anders: Anstatt aufzubegehren trat ihre Naturmagie demütig beiseite und bildete dieses Mal keine Blockade, die sie zusätzlich auslaugte. Im stummen Dank, verstärkte die Jüngere den Druck ihrer Finger um Neris Hände, denn ohne die andere Shyánerin hätte sie diesen Weg wohl nicht gefunden.
Rhuna spürte, wie sich ihre Magien verbanden und an Stärke gewannen. Das Licht wuchs an und hüllte sie vollständig in ein helles Licht, das von ihnen selbst ausging und das sie kurz darauf in völliger Einigkeit auf Yedan und Kayon lenkten, bis diese aus ihrer Starre erlöst wurden. Anfangs merkte Rhuna nichts von ihrem Erfolg, denn sie hielt weiterhin konzentriert die Augen geschlossen. Doch als die Stimme des Halbelfen an ihre Ohren drang, öffnete sie die Augen und konnte im ersten Moment nicht so recht glauben, dass es wirklich funktioniert hatte.
„Yedan…?“, sprach sie leise seinen Namen aus. Das Licht um sie herum nahm ab und erlosch, doch die Wärme an ihren und Neris Händen war noch immer spürbar. Ihr Blick wanderte kurz von Yedan zu der anderen Elfe, der die plötzlich um den Hals fiel.
„Es hat funktioniert! Neriélle, wir… dank dir haben wir es geschafft!“, rief sie aus und konnte trotz der wieder einbrechenden Dunkelheit um sie herum nicht anders als vor Glück zu lachen. „Danke…!“, flüsterte sie dann noch in ehrlichster Dankbarkeit, ehe sie die Ältere losließ, sich umwandte und nun Yedan umarmte. Ein leichtes Zittern befiel ihren Körper und sie drückte sich an den Brünetten.
„Du Blödmann! Musst du mir… solche Sorgen machen…?“, fragte sie und es war eindeutig, dass sie in diesem Moment ihre Tränen nicht zurückhalten konnte. Rhuna war noch immer überwältigt von diesem wundervollen Gefühl ihre Magie zu finden und einsetzen zu können. Doch nun brach sich auch die Erleichterung frei, dass sie Yedan und Kayon aus ihrem gequälten Zustand hatten befreien können. Sie hob den Blick und schenkte nun auch Kayon einen glücklichen Blick, denn dass auch er wohlauf war, war ihr genauso wichtig.

„Keine Zeit für lange Erklärungen!“, holte sie Pitt zurück und erinnerte sie daran, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt war. „Der Dunkle ist weg.“, ergänzte das Ottsel und als die Zurückgebliebenen sich umsahen, konnten sie bemerken, dass auch Avalinns Kräfte am Ende zu sein schienen. Das schwache Leuchten nahm immer mehr ab und auch die Magie von Ajak und den anderen Elfen schien nicht länger gegen die dunkel Übermacht anzukommen. Erneut wuchs das Gefühl der Beklemmung, doch anders als zuvor schaffte es die Hoffnungslosigkeit nicht länger Zweifel zu sähen. Zumindest Rhuna hatte dank Neri, Pitt und Calhoun einen Weg zu ihrer Stärke gefunden und an dieser würde sie festhalten.
„Los! Zum Baum!“, rief Yedan, der Rhunas Hand ergriff und sie mit sich zog. Bereitwillig lief sie hinter ihm her und musste sich nicht einmal umdrehen, um zu wissen, dass auch Neri hinter ihr war. Lag es an dem Verbinden ihrer Kräfte, dass sie glaubte die Anwesenheit der anderen noch immer zu spüren? Es gab ihr auf jeden Fall Sicherheit.
Beim Baum bot sich ein erschreckender Anblick auf Avalinn, in der kaum noch ein Funke Leben zu stecken schien. Die Dunkelheit schien nur an Macht und Stärke zu gewinnen und drohte alles und jeden zu verschlucken. Die Hoffnungslosigkeit drohte ebenfalls sie alle zu befallen, doch dieses Mal war Rhuna nicht willig zu verzweifeln. Ajak und Avalinn hatten alles geben und nicht aufgegeben. Nun war sie an der Reihe! Und obwohl diese ganze Angelegenheit nur indirekt etwas mit Neri zu tun hatte, stand auch sie bei ihnen und war bereit zu kämpfen.
„Sie muss endlich von diesem Baum weg!“, grollte Yedan und zusammen überwandten sie die Ranken, die sie bisher von der Heilerin ferngehalten hatten. Yedan schlug auf die Ranken ein, die sich trotz alldem nicht einen cm lösen wollten. Rhuna hingegen kletterte an einer empor und umschloss mit ihrer, eine von Avalinns reglosen Händen.
„Avalinn! Es wird alles gut! Halt bitte noch ein bisschen durch!“, versuchte sie zu ihrer Freundin durchzudringen, doch diese schien nicht mehr fähig zu sein eine Regung zu zeigen.
Sie mussten sich beeilen, doch anders als vorhin schien sich nun ihre Naturmagie wieder einen Weg in ihr Bewusstsein bahnen zu wollen. Sie spürte ein Kitzeln, das anders war, als das warme Gefühl, das sie zu ihrer Lichtmagie geführt hatte. Doch obwohl es sich unterschiedlich anfühlte, war sich Rhuna plötzlich sicher auch den Zugang zu ihrer Naturmagie zu finden. Doch war nun der rechte Zeitpunkt diesem Teil von sich zu gestatten hervorzutreten? Würde sie Avalinn dadurch eher helfen können?
So oder so diese Ranken mussten verschwinden! Sie entzogen Avalinn ihre Kräfte, die nichts Anderes als Lichtmagie waren. Würden Neri und sie hier nun ihre Lichtmagie wirken, würde der Baum diese Magie nicht direkt absaugen? Machte sich ihre Naturmagie deshalb bemerkbar?
Rhuna fällte einen Entschluss. Sowohl die Licht-als auch die Naturmagie war ein Teil von ihr und sie wollte beiden Teilen in sich vertrauen, dass sie Avalinn helfen konnten. Und so legte sie ihre Hände auf die große Ranke, die den Oberkörper der Lichtmagierin fest umschlungen hielt. Rhuna schloss die ihre Augen und folgte dem kribbelnden Gefühl, ähnlich wie sie es zuvor bei der Lichtmagie getan hatte. Sie musste auf sich vertrauen! Sie war nicht alleine und selbst wenn dieser Versuch nicht funktionieren würde, war die Hoffnung noch nicht begraben. Neri war bei ihnen und warum auch immer, gab ihr das Sicherheit.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Neriélle » Sonntag 2. Juli 2023, 21:35

Neri versuchte, die in der Luft liegende Spannung aufzufangen und ihren Vorwurf an Calhoun nachträglich herunterzuspielen, als sie merkte, dass sie den sonst so unbeeindruckten Dunkelelfen unbeabsichtigt zielsicher getroffen hatte. Sie hatte einfach schneller gesprochen als nachgedacht - mal wieder - und nun blieb ein fader Beigeschmack zurück, als sie an Calhouns durchbohrenden Blick dachte, mit dem er sie betrachtet hatte, nachdem sie versucht hatte, ihm die Mörder-Karte zu zuspielen. Zum Glück gab es da noch Pitt, der die Stimmung zumindest später etwas aufzulockern versuchte, nachdem Rhuna davon sprach, dass sie ihre Magie nicht gezielt einzusetzen vermochte. Natürlich war dies in ihrer derzeitigen Situation definitiv ein Nachteil. Aber dass überhaupt zwei Magiarten in ihr schlummerten und sie theoretisch - vielleicht irgendwann - in der Lage wäre, auf diese zuzugreifen, beeindruckte Neri und sorgte zuallererst für Verblüffung bei der Shyánerin. Rhuna indes war deutlich anzusehen, dass ihre Reaktion sie überraschte. Vermutlich hat sie erwartet, dass ich enttäuscht von ihr bin. Dabei kenne ich die Angst vor der Enttäuschung der anderen nur selbst gut genug. Sie lächelte Rhuna zuversichtlich an. Wer wäre sie, sich das Recht herauszunehmen, darüber zu urteilen, da sie sich doch selbst so schwer damit tat, die Lichtmagie zu nutzen, was in Anbetracht ihrer Abstammung ein Leichtes sein müsste? Pitt lenkte ihre Aufmerksamkeit auf sich und Neriélle blickte auf das Ottsel hinab, das an ihrem Hosenbein zupfte, ehe sie sich verstehend hinunter beugte und ihn auf ihre Hand nahm und auf ihrer Schulter absetzte. “Gewöhn dich nicht dran”, meinte sie noch und zwinkerte Pitt mit einem leichten Lächeln zu, ehe sie zurück zu Rhuna sah, die offenbar immer noch nicht ganz glauben konnte, wie leicht Pitt und sie mit ihrer augenscheinlichen Offenbarung umgingen.

Dann verschwand das Lächeln von ihren Lippen und sie sah zu Calhoun hinüber, den Rhuna um Rat gefragt hatte. Seine Reaktion stand noch aus. Entgegen ihrer Befürchtung wandte er sich aber nicht ab, sondern versuchte, der Anderen tatsächlich einen Rat zu geben, der ihr helfen sollte, das Potenzial beider Magiearten zu nutzen.
„Es gibt immer den Moment, in dem sich ein Potenzial entfaltet und hervorbricht. Du hattest ihn offenbar noch nicht. Und wenn es so sein sollte und du beides zu gleichen Teilen weiterhin in dir trägst, dann kannst du lernen damit umzugehen. Es wird nicht leicht und vielleicht bist du nicht stark genug für diesen Weg. Aber eine Sache, die die Magie unbedingt braucht ist.. Selbstvertrauen.“
Neri erwiderte seinen kurzen Blick bei seinen letzten Worten und dachte über diese nach. Das mit dem Selbstvertrauen bei ihr war so eine Sache - zumindest, wenn es um ihre Magie ging. Neriélle konnte sich nicht vorstellen, etwas Bedeutendes mit ihrer Magie auszurichten - ganz so wie Rhuna offenbar auch. Und sie hielt auch nicht hinter dem Berg damit, dass sie jene und sich für ziemlich schlechte Lichtmagierinnen hielt. Trotz ihres zurückliegenden verbalen Angriffs, der für ihr Gefühl noch in der Luft hing, erklärte der Elf ihr sogar, wie er darauf gekommen war, dass sie beide die Lichtmagie beherrschten.
„Dromar sagte, dass deine kleine Freundin die nächste am Baum wäre, um den Dämon zu nähren. Leuchtet ein, dass sie Lichtmagierin ist. Und bei dir? Du warst halb erfroren im Wald. Um dich herum ein – zugegeben- eher schlechter Kokon aus Licht, der dich unbewusst schützen sollte. Aber das ist nicht das vordergründige Problem. Wir haben eine Menge Arbeit. Und ich bin nicht gewillt, hier drinnen zu verrecken, weil ihr euren Glauben an euch nicht finden könnt. Ihr werdet euch etwas einfallen lassen müssen, ansonsten gehen wir hier alle drauf. Klärt eure Unzulänglichkeiten später, jetzt ist der Moment zu handeln!“
Neriélle nickte verstehend, da seine Worte einleuchtend klangen. Dass jedoch ein Kokon aus Licht sie umgeben hatte, als sie halb erfroren im Wald gelegen hatte, überraschte sie dann doch. Vielleicht war die Lichtmagie in ihr doch stärker, als sie bisher geglaubt hatte?

In gewohnt harter Manier erinnerte Calhoun sie beide jedoch schnell wieder daran, dass sie sich etwas einfallen lassen sollten - ganz der Anführer, den sie kennengelernt hatte und der ihr gegenüber schon gewisse Führungsqualitäten bewiesen hatte. Neri musterte ihn, wie er da stand und von ihnen erwartete, endlich etwas zu tun und nicht nur zu plaudern, damit sie aus dieser Welt heraus fanden. Er wollte indes den Ort des Rituals suchen und es unterbrechen. Ganz wohl war Neri bei seinem Plan, sich zu trennen, jedoch nicht. Ihrer Meinung nach war es definitiv sicherer, geschlossen als Gruppe zu agieren.
„Fürs Beschützen und Töten bin ich deine Wahl, hm?“
Diese Worte überraschten sie dann doch - in erster Linie, weil sie so zutreffend waren. Neri fing seinen provokanten Blick auf, der sie innerlich sofort wieder anzustacheln wusste. Als Reaktion darauf strafften sich ihre Schultern und ihre Miene wurde wieder härter. Vergiss nicht den Spaß, dachte sie aufmüpfig, der Gedanke verließ dieses Mal jedoch nicht ihren Mund, auch wenn Calhoun sehen konnte, dass ihr eine Erwiderung auf der Zunge lag und er sie vielleicht auch erahnen konnte. Doch sie sprach sie nicht aus. Schließlich sollte weder Rhuna und auch sonst niemand davon erfahren. Von diesem ersten Impuls abgesehen, stimmten seine Worte Neri aber auch etwas nachdenklicher. Sie fühlte sich tatsächlich sicherer in seiner Nähe. Sie dachte an seine Hand zurück, nach der sie im Reflex gegriffen hatte, als die Schattenwelt über sie hinweg geschwappt war. Ihre Gesichtszüge wurden für ein paar Momente weicher, doch dann schob sie diese Erinnerung schnell zur Seite. Stattdessen musterte sie ihn stumm, wie er für einen Moment lächelnd vor ihr stand. Tat sie ihm Unrecht damit, ihn aufs Töten und Beschützen zu reduzieren? Andererseits wusste sie kaum etwas über ihn und ihre Vorurteile waren daher ganz klarer Meinung, was diesen Dunkelelfen anging.
„Bedaure, es macht mehr Sinn, wenn wir uns aufteilen und somit schneller vorankommen.“
Neri versuchte, sich die Enttäuschung über seine Entscheidung nicht anmerken zu lassen. Während sie es gewohnt war, dass die Männer überschwänglich helfend zur Seite sprangen, sobald sich auch nur die Möglichkeit eines Problems anbahnte, wollte Calhoun sie hier alleine lassen. Neri war im Normalfall viel zu stolz und unabhängig, um solche Hilfe anzunehmen, die doch meistens nur angeboten wurde, weil sie eine Frau war. Doch die derzeitigen Umstände waren alles andere als normal und dass Calhoun - ein Schattenmagier mit seinen Fähigkeiten - sie mit der wenig begabten Rhuna hier in dieser triefenden Schattenwelt alleine lassen wollte, in der ein Dämon auf sie wartete, stieß ihr dann doch auf. Anflehen würde sie ihn aber sicher nicht.
"Dann hoffe ich, dass du den Ort des Rituals schneller findest, als der Dämon uns", erwiderte sie und klang verbitterter als sie wollte. Dann wandte sie sich mit einem undeutbaren Laut zur Seite ab und überlegte stattdessen, wie sie Rhuna aufbauen und helfen konnte, ihre Magie zu nutzen, damit sie einen Weg aus dieser Spiegelwelt herausfanden.

Vielleicht würden sie Yedan und den alten Mann tatsächlich befreien können, die wiederum helfende Hände hatten, die sie hier dringend gebrauchen konnten, wenn sie Avalinn befreien und sich dem Dämon widersetzen wollten. Viel dringender aber brauchten sie ihre Lichtmagie. Würde sie Rhuna helfen können? Sie wollte sie ermutigen, auch wenn sie im Inneren zweifelte, inwiefern sie der anderen mit ihren wenig ausgeprägten Fähigkeiten tatsächlich helfen konnte. Ein Versuch war es jedoch allemal Wert, schließlich war dies offenbar gerade die einzige Möglichkeit, die sie hatten.
„Du hast recht, Neri. Lass es uns versuchen!“ Sie erwiderte Rhunas zuversichtliches Lächeln.
„Hauptsache ihr tut irgendetwas und hört endlich auf, darüber ausschließlich zu reden!, hörte sie dann Calhouns harte Worte und blickte ihn für einen Moment mit schief gelegtem Kopf und finsteren Blick an. Die Zeit rannte ihnen davon und das setzte sie schon genug unter Druck. Dass der Dunkelelf sie auch noch weiter ständig antrieb, ließ sie nur nervöser werden. Schließlich waren Rhuna und sie augenscheinlich die Einzigen, die hier etwas bewirken konnten. Da sollten doch Überlegungen valide sein.
“Also dann..” Neri stellte sich an Rhunas Seite, die sich gerade von Yedan löste und reichte ihr mit fragendem Blick die Hand. Rhuna ergriff direkt beide Hände und Neri ließ es mit einem Lächeln geschehen. Sie musterte die Braunhaarige, die plötzlich voller Tatendrang schien. Die Zuversicht, die sie ausstrahlte, ermutigte wiederum Neri, die aufgeregt die Augen schloss, um sich ganz und gar auf ihre Magie zu konzentrieren. Das war nun alles, was zählte, und das setzte sie entsprechend unter Druck. Sie wollte gerne helfen, doch die Voraussetzungen waren denkbar schlecht. Neri versuchte, ihre Magie hervorzurufen, doch noch überwogen die Zweifel in ihrem Inneren und sie spürte zuerst rein gar nichts. Dann hörte sie Pitts Stimme von ihrer Schulter.
„Selbstvertrauen, meine Damen! Ihr habt den dunklen Ochsen doch gehört.“
Neriélle musste kurz schmunzeln und versuchte dann, ihre Schultern und den restlichen Körper zu entspannen. “Alles klar, Selbstvertrauen”, murmelte sie und wiederholte es in ihrem Kopf, wie ein Mantra, das man nur oft genug sagen musste, um Glauben darin zu finden. Ihr Griff um Rhunas Hände wurde etwas fester, aber nicht schmerzhaft - ein Ausdruck ihrer Konzentration, weil sie mit allen Mitteln die Lichtmagie hervorrufen wollte. Neri versuchte den Gedanken zu verdrängen, dass es ihr widerstrebte, ihre Magie einzusetzen, und dachte an Calhouns Worte zurück. Er schien, anders als Rhuna und sie, Vertrauen in ihrer beider Magie zu haben. Und der Wille, Rhuna und den Dorfbewohnern zu helfen, war letztendlich größer als jede Zurückhaltung oder Furcht vor einer Niederlage. Die unausgereifte Magie in ihren Adern verband sie mit Rhuna. Wenn sie scheiterte, scheiterte auch die Andere. Aber wenn wir Erfolg haben.. wenn ich meine Magie mit Rhunas verbinden kann, dann wären Yedan und der Mann frei. Wir könnten Avalinn helfen. Und wir hätten eine Chance gegen den Dämon.
Erst unterschwellig, drang das warme Gefühl aus ihrem Inneren mehr und mehr in ihr Bewusstsein. Sie spürte die Wärme der Lichtmagie in sich und wie sie förmlich durch ihre Adern zu Rhunas Hände wanderte. Neri öffnete die Augen und blickte auf ihre Hände ab, in denen sich die Magie wie eine kleine Explosion zwischen ihren Fingern verband. “Es funktioniert”, hauchte Neri gleichermaßen fasziniert und ungläubig und erwiderte nun den Druck, der von Rhunas Hände ausging und ihr signalisierte, dass diese etwas spüren musste. Dann registrierte sie das Leuchten, das sie beide vollkommen umgab und immer mehr Macht über die Dunkelheit erlangte und diese verdrängte.

Die Schatten verblassten in dem hellen Licht und schließlich erwachten die beiden Männer aus ihrer Starre. Neris Gesicht strahlte wie das Licht, das sie zuvor umgeben hatte. Sie war überrascht, dass es funktioniert hatte - und stolz! Sie blickte von Yedan zu seinem Begleiter. “Es hat tatsächlich funktioniert!”, rief sie erfreut und schaute Rhuna an, die noch immer mit geschlossenen Augen vor ihr stand. Sie löste den Griff um ihre Hände, damit sie diese für ihren Gefährten frei hatte, doch zu ihrer Überraschung fiel sie ihr selbst um den Hals. Neri entfuhr ein überraschter Laut und sie erstarrte für einen Moment unter der unerwarteten und überschwänglichen Berührung. Dann aber löste sich die Anspannung aus ihrem Körper und sie legte ihre Hände für einen Moment an den Rücken der Anderen.
„Es hat funktioniert! Neriélle, wir… dank dir haben wir es geschafft! Danke…!“ Sie blickte einen Moment in die violetten Augen und nickte verstehend. Dann sah sie lächelnd dabei zu, wie Rhuna endlich ihren Yedan umarmte. Rhunas Lachen war ansteckend und sie verspürte für einen Moment die gleiche beflügelnde Euphorie wie sie. Sie musterte erst Rhuna und Yedan und dann den alten Mann, während ihr Gesicht vor Stolz strahlte. Sie hatten es geschafft! Neri konnte kaum glauben, dass sie das gerade wirklich mit ihrer Magie erreicht hatte.

“Wie geht es euch?”, wollte sie stellvertretend von Kayon wissen, da Rhuna mit Yedan beschäftigt war, doch sogleich mischte sich Pitt ein.
„Keine Zeit für lange Erklärungen! Der Dunkle ist weg.“
Neri schaute sich um, um sich selbst davon zu überzeugen. War ja klar, dachte sie bei sich und ließ nur kurz den Gedanken zu, dass sie ihn vielleicht etwas zu sehr herausgefordert hatte. Natürlich war er vordergründig gegangen, um den Platz zu finden, an dem das Ritual ausgeführt wurde. Doch vielleicht kam ihm der Moment ganz gelegen, um sich ihre Vorwürfe nicht weiter anhören zu müssen? Er hatte nicht einmal auf die Befreiung Yedans gewartet, mit dem er ursprünglich gehen wollte. Was blieb, war ein mulmiges Gefühl, das Neris Freude einen Dämpfer versetzte. Als ihr Blick dann auf den Baum fiel, der nicht mehr in Avalinns Licht erstrahlte, erstarb ihr Lächeln vollständig. Die Magie der Heilerin verblasste ganz offensichtlich mehr und mehr.
„Los! Zum Baum!“
„Komm, Liebes!“ Sie schenkte Kayon ein sachtes Lächeln, ehe sie zusammen mit ihm hinter Yedan und Rhuna zum Baum eilte. Neri nutzte die Gelegenheit, endlich den Namen des alten Mannes in Erfahrung zu bringen. Unmittelbar vor dem Baum blieben sie stehen und Neri sah schockiert auf die Heilerin, die weder Licht noch Hoffnung noch Leben ausstrahlte.
“Ist sie … “ tot?, beendete sie gedanklich ihre Frage, die sie nicht auszusprechen wagte. Vor ihren Augen zerfiel die magische Barriere aus Ranken und mit ihnen verschwand die letzte Farbe aus der Schattenwelt, wie ein böses Omen, das sich zeigte.
„Sie muss endlich von diesem Baum weg!“ Neris Augen konnten sich nur schwer von Avalinns Anblick lösen, doch Yedan und Kayon rüttelten sie aus ihrer Schockstarre wach. „Helfen wir ihnen! Alle gemeinsam!“
Neriélle folgte Kayons Aufforderung und überwand wie die anderen die schwarzen Ranken, um zu Avalinn zu gelangen. Als sie gefahrlos die Ranken überwunden hatten und der Weg zur weißhaarigen Heilerin frei war, wollte sich so etwas wie Hoffnung bemerkbar machen. Doch dieser zarte Hauch im Herzen verblasste mit einem Mal. Neri zuckte zusammen, weil sie das Gefühl so völlig unvorbereitet traf. Sie spürte ein Kribbeln in ihrem Nacken, dass sich die feinen Härchen aufstellten, und gleichzeitig ein eisiger Schauer eine Gänsehaut auf ihrem Körper hinterließ. Das Gefühl erinnerte sie an die Situation in Calhouns Schatten und gleichzeitig spürte sie eine anziehende Präsenz in ihrem Rücken, die nichts mit dem Dunkelelfen gemein hatte. Behutsam und mit klopfendem Herzen drehte sich Neri um, augenscheinlich gewappnet für das Schlimmste. Doch hinter ihr war nichts. Bevor dieser Umstand sie in irgendeiner Weise beruhigen konnte, erklang die Stimme in ihrem Kopf
„Lass mich rein, Kind. Lass die Narren hoffen und spüre meine Macht. Zusammen werden wir alles tun können, was immer du schon wolltest. Spürst nicht, wie es dich zu mir zieht?“
Neriélle spürte diese Anziehung sehr wohl. Sie hatte sie schon beim Betreten des Dorfes gespürt. Die Anziehung zur verbotenen Dunkelheit, die noch gefährlicher wirkte als Calhoun. Gefährlich und erschreckend verführerisch. Doch sie hatte Rhunas eindringliche Worte von vorhin noch genau im Ohr. Sie durfte dieser Stimme nicht zuhören und sie dürfte ihr keinen Glauben schenken.
Lass mich in Ruhe! Du bringst nur Leid über die Welt!, zischte sie der Stimme daher in Gedanken zu und versuchte, sich von ihr abzulenken und drehte sich wieder zu Rhuna herum. Überrascht sah sie, dass sie in der Zwischenzeit an einer Ranke bis zu Avalinn hinauf geklettert war und ihre Hand hielt. Calhoun hatte erklärt, dass der Dämon wie ein Blutegel an Avalinns Magie zehren würde - und nun schien nichts mehr von dieser Magie übrig zu sein.
“Rhuna, sei vorsichtig”, mahnte Neriélle daher und verfolgte angespannt, wie Rhuna ihre Hände auf die Ranke legte, die die Heilerin gefangen hielt, und die Augen schloss. Ganz offensichtlich versuchte sie, erneut auf ihre Magie zuzugreifen, und es lag nahe, dass sie nun ihre Naturmagie einsetzen wollte, um die Ranke zu lösen. Dabei würde sie ihr nicht helfen können. Aber vielleicht konnte sie Avalinn helfen? Ihr Halt geben? Die dunkle Präsenz war noch immer so stark, dass Neri den Drang verspürte, ihre Lichtmagie einzusetzen. Die Sorge, diesem verheißungsvollen Flüstern nicht zu widerstehen, war größer als die Angst davor, dass ihr etwas am Baum zustoßen könnte. Kurzerhand folgte sie Rhuna mit findigen Bewegungen die Ranke hinauf und griff nach Avalinns Hand, wie es die Braunhaarige gerade noch getan hatte. Ob sie noch lebte? Neriélle versuchte erneut, ihre Lichtmagie hervorzurufen, in der Hoffnung, dem dunklen Flüstern die Stirn bieten zu können - aber auch in der Absicht, mit ihr vielleicht neue Kräfte in der Heilerin zu säen. Vielleicht würde ihr das Spüren der Lichtmagie helfen und sie zumindest mental noch ein bisschen länger am Leben erhalten? Neri versuchte, die Lichtmagie, die eben noch jede Fasers ihres Körpers durchdrungen hatte, erneut zu rufen, in der Hoffnung, die Dunkelheit dadurch auf Abstand zu halten.

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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Erzähler » Montag 10. Juli 2023, 22:14

Im dunkelsten Moment fanden Neri und Rhuna auf eine besondere Art zusammen. Eben erst kennengelernt, schufen sie füreinander insoweit Vertrauen, als das sie auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten wollten. Rhuna kämpfte diesen Kampf bereits seit einigen, intensiven Tagen und hätte fast den letzten Halt verloren. Beinahe wäre sie über die Kante der Hoffnungslosigkeit gefallen, weil sie nicht mehr weiter wusste. Doch so wie das kleine Glühwürmchen ihr den Weg aus dem Labyrinth gewiesen hatte, so bildete nun Neriélle ein Lichtkegel inmitten der tiefschwarzen Brandung. Aufgeben war keine Option. Wo Rhuna Yedan, ihre Freunde und ein ganzes Dorf zum Anlass hatte, wollte Neri schlicht und ergreifend nicht draufgehen. Und sie wollte helfen, entdeckte den Wunsch, dass sie etwas beisteuern wollte. Schlussendlich tat sie es aber auch, weil Arunn dringend Hilfe brauchte. Wie es dem kotterschnäuzigen Dessarier wohl derzeit ging? Der Fokus hatte sich vollkommen verschoben und auf einmal kannte sie Calhoun bedeutend besser als ihr eigentlich lieb sein dürfte. Und dennoch… Priorität hatten nun erstmal Yedan und Kayon, dann Avalinn und schließlich der ganze Rest. Neri hatte bisweilen weniger die Schönheit hier erkennen dürfen, doch Rhuna wusste, dass dieser Ort seine ganz eigene Magie innehatte. Schützenswert war wohl alles, doch hier hatte sie bereits angefangen, ihre eigenen Wurzeln zu schlagen. Gemeinsam wollten die unbegabten Lichtmagierinnen es jedoch schaffen. Was allein nicht ging, funktionierte vielleicht vereint. Und so bündelten sie ihre Kräfte und erzeugten damit pures Licht, das die Schatten zu vertreiben wusste. Kayon und Yedan waren befreit und hielten sich auch nicht lange mit Erklärungen auf. Dennoch umarmte der Sarier Rhuna, die ihm überglücklich um den Hals fiel. Yedan strich ihr sanft über das braune Haar, mahnte dann aber zur Eile. Avalinn blieb keine Zeit mehr. Ebenso mischte sich Pitt ein und offenbarte, dass Calhoun verschwunden war. Offenbar hatte er den Moment der Freude für seinen Abgang genutzt. Würde er das Weite suchen? Würde man Neri fragen, besäße er wohl nicht die nötige Moral, um einfach ehrenhalber zu helfen. Ihre Laune bekam einen Dämpfer, denn er ließ nicht nur sie alle im Stich. Er lies sie im Stich. Trotzdem beflügelt von ihrem Tun und dem Nachhall des Gefühls der puren Macht, folgten sie zum Baum. Knorrig und dunkel reckte er seine verdorrten Äste in den schwarzen Himmel. Das Licht der Heilerin verblasste zunehmend und drohte bereits zu erlöschen. Irgendwann erschöpfte sich auch die größte Kraft. Kayon hatte Neri angelächelt, als sie sich vorstellte und mit einem Nicken sich als „Kayon, Yedan’s Vater“, bezeichnet. Für mehr blieb keine Zeit.

Vor dem Baum stehend, konnte einen der Mut schon verlassen. Die Barriere aus Naturmagie war bereits zerfallen, wie die Blätter in der Zeit der dunklen Tage. Ajak und seine Mitstreiter waren nirgends zu sehen. Rhuna aber lies sich dieses Mal nicht beirren. Sie hatte die Macht gespürt, hatte endlich erfahren, wie es sein könnte. Sie wollte diesen Weg gehen, wollte Magie wirken lernen und womöglich sogar in Avalinn’s Fußstapfen treten. Am besten aber angelernt von ihr. Die Angst, dass sie die Elfe verlieren könnten war greifbar. Sie hatte lange durchhalten müssen und der Dämon hatte sich viel an ihr gelabt. Es wurde Zeit, sonst würde es zu spät sein. Also handelte Rhuna. Immer noch hallte die Magie in ihrem Körper nach, doch mit jedem Schritt näher an die dunklen Ranken, die im gleichen Takt pulsierten, wie das schimmernde Licht der Heilerin, erregte ein feines Kitzeln ihre Aufmerksamkeit. Konnte es möglich sein? Würde ihre Magie auch hier helfen können? Sie wusste jetzt, wie es sich anfühlen musste. Wusste, wann es richtig wäre. Und sie fragte sich, ob die Naturmagie hier besser angebracht wäre. So kletterte sie an Yedan vorbei, der bemüht war, die Ranken zu zerstören. Sie kletterte weiter und mit jedem Schritt ihrer nackten Füße auf das knorrige Geäst, fühlte sie die trostlose Kälte. Unbeirrt fand sie Avalinn’s Hand und ergriff jene flehend. Ihre Worte schienen an Avalinn abzuperlen. Es gab keine Reaktion, außer einer: Das Licht wurde für einen Atemzug heller, ehe es wieder verblasste. Hatte sie verstanden? Während Rhuna Avalinn zur Hilfe eilte, ihr gut zusprach und sich ihr ein Gedanke formte, musste Neri am Fuße des Baumes mit anderem umgehen: Die körperlose Stimme lud sie ein, wie eine Freundin. Sie umschmeichelte sie, lockte und umgarnte. Es war nicht leicht, sich dagegen zu behaupten, denn schon immer trug Neriélle eine gewisse Faszination für das Dunkle im Herzen. Nie war sie ebenso rein, wie es von Shyáner Elfen gemeinhin vermutet wurde. Natürlich war nicht jeder absolut reinen Herzens, doch bei Neri lag der Fall noch etwas anders. Der Schattenmagier, der aus dem Tal verbannt wurde, hatte sie hinter ihrem Ofen hervorgelockt und ihr gezeigt, welch aufregendes Kribbeln das Verbotene doch haben konnte. Und sie zog es ganz hinaus in die Welt, wollte mehr wissen, mehr sehen und … mehr über sich selbst erfahren. War das etwa das, was sie finden sollte? Calhoun war ebenfalls ein dunkler Schattenmagier. Und erneut erlag sie der Faszination dafür. Und wie sie dem erlag… Und dann gab es da die Aussage, dass sie so viel besser als Wirt eines Dämons passen würde… woran lag das? War sie denn nicht rein? War sie etwa nicht gut? Nein! Neri weigerte sich, sich von dieser Verlockung aufhalten zu lassen. Sie bot der Stimme in ihrem Kopf die Stirn, verwehrte ihr aber den Einlass.
Die Stimme kicherte leise. „Oh du wirst… ich kann warten.“, säuselte sie liebreizend und der kalte Hauch verschwand aus ihrem Nacken. Neri hatte das Gefühl, die Zeit liefe weiter und sie sah Rhuna auf den Ranken stehen, die Avalinn umgaben. Nein… sie war keine schlechte Elfe! Sie war gut und wie zum Beweis, kletterte sie Rhuna hinterher und versuchte das kleine Wunder von eben zu wiederholen. Ihr wurde dabei aber bewusst, dass Rhuna offenbar dieses Mal auf ihre Naturmagie zugreifen wollte. Dabei würde sie keine Unterstützung sein können. Also probierte Neri etwas anderes: Die toughe Elfe griff nach der kalten Hand der Heilerin und versuchte sich, ebenso wie Rhuna, an das Gefühl von zuvor zu erinnern. Und zu nutzen. Erst geschah weder bei der einen, noch bei der anderen etwas. Dann aber zuckte mit einem Mal die Hand von Avalinn und umklammerte mit einem fast schon schmerzhaften Griff die Finger von Neri. Avalinn riss die Augen auf, die reichlich trüb wirkten und öffnete den Mund zu einem stummen Schrei. Es war unheimlich sie so zu sehen. Dabei überdrehte der Kopf seltsam nach hinten und es schien so, als würde sie Neri direkt ansehen. Neri aber hatte kaum Zeit, sich auf das Bild zu konzentrieren, denn plötzlich spürte sie, dass ihre Lichtmagie sich entfalten wollte. Ja, da war Potenzial, da war mehr als nur eine schnöde Flamme. Sie spürte zwar, dass ihre Magie irgendwie… begrenzt schien, das da etwas war, was ihr offenbar ein immenses Potenzial, wie das von Avalinn verwehrte, doch es reichte aus. Ihre Magie übertrug sich von ihrer Hand auf die von Avalinn. Allerdings konnte Neri deutlich spüren, wie sie nicht mehr fähig war, ihre Hand von der anderen zu lösen. Als verschmolzen sie, schöpfte etwas nun ihre Magie über Avalinn ab. Immer wieder wurde Neri von einem Pulsieren ergriffen, als würde man sie… leer trinken. Sie spürte augenblicklich, wie ihre Kräfte zu schwinden begannen und ahnte, dass sie nun selbst zum Opfer wurde. Allerdings konnte sie auch erkennen, wie das Zehren an Avalinn abebbte und die Heilerin nicht mehr so beansprucht aussah. Sie nahm ihr die Last ein wenig ab… Doch wie lange würde Neri das durchhalten können? Ihre Hoffnung musste auf Rhuna liegen. Denn Rhuna verfolgte das Kitzeln ihrer Magierichtung und spürte diesem nach. Vielleicht war sie dabei so konzentriert, dass sie Neri’s Tun nicht mitbekam, vielleicht aber spornte sie die Notlage ihrer neuen Bekannten auch nur weiter an. Neri gab von sich etwas, um Avalinn zu helfen.

Und Rhuna spürte dieses kleine, vorwitzige Kitzeln. Es war beinahe…. Frech. Schien sich zu verstecken, zu spielen und immer wieder zu entwischen. Es bedurfte einer gehörigen Portion Ruhe, um den Fokus nicht zu verlieren, was in Anbetracht der Umstände wahrlich schwer war. Doch Rhuna schaffte es irgendwie. Sie fand den verschlungenen Pfad durch sich selbst, der wie ein Regenbach mal hierhin, mal dorthin floss. Und schließlich kehrte Ruhe in die Elfe ein. Ruhe und das Gefühl, unerschütterlich zu sein. Es war nicht so machtvoll und pulsierend, wie das Licht, das gleichzeitig Leben bedeutete… Aber es war rein, vollkommen und gütig. Und sie konnte es formen, konnte es nutzen und eine Verbindung mit den Ranken aufnehmen. Das Kalte, Tote verlor an Kraft und Rhuna war in der Lage, mit den Ranken zu… kommunizieren. Als würde sie sie plötzlich verstehen, glaubte sie, dass die Pflanzen sich nicht daran beteiligen wollten, was dort geschah. Als würden sie sie anflehen, ohne ein Wort wahrlich zu sprechen, dass man sie wieder zum Leben erweckte und wachsen ließe. Sie hungerten nach Wachstum, sie dürsteten nach Leben. Es war eine ganz eigene Erfahrung, dieses Magiepotenzial zu erschließen. Und während Rhuna den Pflanzen zuhörte und sie verstand, spürte Neri weiter und weiter, wie das Leben aus ihr weichen wollte. Sie spürte erst eine Müdigkeit, dann war sie regelrecht abgekämpft. Dann setzte sogar ein Ganzkörperschmerz ein. Es ging wahnsinnig schnell. Dabei hüllte ihre Magie sie unkontrolliert in einen Kokon, so wie Calhoun ihn beschrieben hatte, als wolle er sie unbewusst schützen. Doch das führte nur dazu, dass dieses Wesen über Avalinn nur noch stärker und gieriger an ihr sog.
Es wurde unerträglich für Neriélle und als sie fast glaubte, dass sie ihren letzten Atemzug tun würde, fiel sie. Sie fielen alle, denn die Ranken waren dank Rhuna’s Tun – wie auch immer sie sie dann dazu gebracht hatte – bereit ihre Beute aufzugeben. Sie lösten sich, nahmen aber die drei Frauen mit sich und so stürzten alle drei zu Boden. Avalinn blieb leblos liegen. Ihre Kräfte waren aufgebraucht, wähernd Neri das Gefühl hatte, dass der letzte Tropfen Lebensfunke noch in ihr steckte. Und Rhuna konnte fühlen, dass sie die Verbindung zu ihrer Magie – egal ob Licht- oder Naturmagie, verloren hatte. Die Konzentration war fort und so brauchte eine jede von ihnen für sich eine Schrecksekunde Zeit, das Geschehene zu verarbeiten. Doch die gab es nicht. Yedan eilte auf die Frauen zu, um ihnen zu helfen und auch Kayon bemühte sich. Doch als sie bei ihnen ankamen, erzitterte die Erde. Sie bebte regelrecht, ließ die übrigen Ranken sich zurückziehen und auch der Baum zitterte unter dem donnernden Dröhnen, das sich da manifestierte. Plötzlich bekam der Baumstamm Risse und brach splitternd auf. „Vorsicht!“, rief Yedan noch und verbarg Rhuna, Avalinn und Neri schützend hinter sich. Er duckte sich, denn mit einem Mal splitterte der marode Baumstamm und aus seinen Fragmenten entstieg ein Wesen, das niemals so auf Celcia hatte wandeln können. Es war eine Mischung aus roter Glut und tiefschwarzem, tropfenden Teer. Schwefelschwaden stiegen von seinem humanoiden Körper auf, während seine Extremitäten allerdings unnatürlich langgezogen wirkten.

Es war hager, dürr schon fast und besaß einen ovalen Schädel. Alles triefte an ihm, und immer wieder erneuerte sich die teerige Masse. Die Augen des Wesens waren ebenfalls Glutnester. Seine Hände hatten Klauen mit spitzzulaufenden Nägeln und mit jedem Schritt hinterließ er zischende Masse. Und dann öffnete es seinen Mund, der eine Reihe an spitzen Zähnen offenbarte und von einer Gesichtshälfte zur anderen reichte. Es war schaurig. Und als es so lächelte und Neri und Rhuna betrachtete, breitete es seine Arme aus, schien tief Luft zu holen und sie diebisch zu freuen. Mit einer Stimme, die beiden Frauen in ihrer Art und Weise bekannt vorkamen, war es, als würde eine Art Feuer zu ihnen sprechen, das knisterte und knackte und gleichzeitig zischte, als würde es erlöschen. Sein Schlund beherbergte ebenfalls Glut und es stieß mit jedem Wort Asche aus und spuckte Teer. „Ihr habt mich befreit.“, greinte es ihnen entgegen und klang siegesgewiss dabei. „Ich fühle mich stärker denn je. Und ihr… war sehr hilfreich.“. Seine Augen richteten sich auf Rhuna, die sofort einen stechenden, brennenden Schmerz am Handgelenk spürte. Und als das Wesen seine Klauenhand hob, konnte Rhuna nichts anderes tun, als eben jene, markierte Hand ebenfalls zu heben und das Wesen nachzuahmen. Als wäre sie eine Marionette. „Beeindruckend, nicht?“, grinste es erneut fies und zeigte die tödlichen Zähne. Dann schwebte sein Blick zu Neri und Rhuna konnte sich wieder selbst bewegen. „Ahhhh…. Süße Neriélle. Willst du jetzt sehen, was ich in der Lage bin dir zu geben?“, fragte es, beinahe wie eine gutmütige Mutter. Neri konnte augenblicklich vor ihrem geistigen Auge sehen, wie sie mächtig, angesehen und gefürchtet auf einem Thron saß. Wie sie mühelos Magie anwandte, ihr alle zu Füßen lagen und sich gut dabei fühlte. Sie lächelte in dieser Illusion zufrieden. „Lass es uns gemeinsam beginnen, Neriélle.“, säuselte die Stimme, die scheinbar, durch Neri’s geschwächten Zustand, ein viel leichteres Spiel zu haben schien. Dann hörten sie alle plötzlich eine Stimme, die zumindest Neri alsbald bekannt vorkam: Dromar hörte sie von weiter Ferne und er murmelte immer wieder die selben Worte. Immer und immer wieder. Und auch das Wesen reckte seinen Kopf nach der Stimme. Erneut freute es sich. „Diener… treue Diener… sie sind wertvoll, wisst ihr?“, grinste es den jungen Elfinnen entgegen. Und mit einem Mal schwoll die hagere Gestalt wieder etwas an und wurde größer. Es lachte knackend und markerschütternd. „Oh, er ist ein guter. Er weiß was er tut und er tut es schnell. Bald steige ich aus meinem Reich empor und verbreite meine Botschaft.“, kicherte es wahnsinnig und sah wieder Rhuna und Neri an: „Entsagt der Hoffnung. Frönt der Hoffnungslosigkeit!“, offenbarte er und ein eiskalter Schauer fegte über sie hinweg… War dies das Ende?



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Re: Am Ende fängt alles an...

Beitrag von Rhuna Bláidyaét » Dienstag 11. Juli 2023, 16:46

Von Neriélles innerem Kampf ahnte Rhuna nichts, als sie an den Wurzeln des Baumes hinaufkletterte, um zu Avalinn zu gelangen. Sorge sprach aus ihrem Blick, als sie das blasse und ausgemergelte Gesicht ihrer sonst so strahlenden Freundin sah, deren Leben nur noch am seidenen Faden hing. Was konnte sie tun, um sie zu befreien? War sie überhaupt dazu in der Lage?
Ein feiner Schmerz zog sich durch ihren Kopf, der von all den gedrängten Entscheidungsfindungen bereits weh zu tun begann. Dabei war die Shyánerin doch nicht gerade geübt darin spontan Entscheidungen zu treffen. Die Sorge, dass sie die falsche treffen und ihre Freundin dadurch umbringen, oder andere in Gefahr bringen konnte, war noch immer unsagbar groß in ihr. Doch die letzten Tage hatten sie auch gelehrt, dass Vorsicht zwar angebracht war, doch dass es nichts brachte, wenn sie sich damit zu lange aufhielt. Dadurch verlor sie nur kostbare Zeit, die sie beinahe nicht besaßen.
Und so verließ sich die junge Elfe auf ihr Gefühl, das sie in diesem Fall nach ihrer Naturmagie suchen ließ. Sie musste an sich glauben, etwas erreichen zu können. Wenn sie von vornherein an sich zweifelte und sich diesen Zweifeln hingab, würde sie niemals über sich hinauswachsen und ihre Lieben beschützen können.
Ihre violetten Augen verschwanden hinter den Lidern und die Hände auf die kalten und spröden Wurzeln legend begann Rhuna sich zu konzentrieren. Sie fühlte in sich hinein und folgte dem frechen Kitzeln, das sie an das Gefühl von vorbeistreifenden Blättern oder Gräsern auf ihrer Haut erinnerte. Anders als bei ihrer Lichtmagie konnte sie keiner Wärme folgen und immer wieder schien ihr das kitzelnde Gefühl wieder zu entgleiten. Die Laute und das Geschehen um sie herum lenkte sie immer wieder ab und jedes Mal, wenn das der Fall war, schien sie den Pfad zu ihrer Naturmagie wieder zu verlieren.
Beruhige dich…! Konzentrier dich nur auf dieses Gefühl und blende alles um dich herum aus!, sprach sich die junge Elfe selbst gut zu und atmete noch einmal tief ein und aus. Sich unter diesen Umständen ganz und gar von den außenliegenden Einflüssen abzukapseln war unglaublich schwer. Doch irgendwie wusste Rhuna, dass dies der einzige Weg war. Die Naturmagie war wie ein flinkes aber scheues Wesen, dass bei der kleinsten Ablenkung ihren Griffen entwischte.
Einige Momente vergingen und nichts schien zu passieren, doch Rhuna Züge entspannten sich zunehmend. Sie fokussierte sich voll und ganz auf dieses Gefühl und empfand plötzlich eine Ausgelassenheit, das sie damals als Kind beim Fangen spielen mit ihrem Bruder empfunden hatte. Und dann plötzlich…bekam sie ihre Magie zu fassen und sie spürte eine noch nie zuvor erlebte Verbundenheit mit der Natur.
Würde man Rhuna auffordern dieses Gefühl zu beschreiben, würde sie es nicht in Worte fassen können. Es war eine stumme Sprache, die doch voller Lebendigkeit, Kraft, Vielfalt und bunter Klänge war. Doch der Klang, dem sie nun lauschte war schmerzerfüllt. Der tote Baum, der ihnen wie ein Feind gegenübergestanden hatte, war in Wahrheit nichts weiter als ein gequältes und hilfloses Lebewesen, das gegen seinen Willen und durch eine dunkle Macht gelenkt, zu all diesen Taten gezwungen worden war. Es wollte Leben - wieder Teil dieser Welt sein, doch die dunklen Mächte missbrauchten das erschöpfte Leben.
Rhuna verstand plötzlich und fühlte in sich große Trauer aufkeimen. Dem Sarius war so viel angetan worden. Und dieser große, majestätische Baum, der vom Keimling an das Leben um sie herum hatte wachsen sehen, war seit Jahren in diesem Zustand gefangen, in dem er das Absterben und die Bedrohung miterlebte und nichts dagegen tun konnte. Hatte denn niemand… seine Stimme hören können?
Rhunas Wunsch den Baum zu trösten und ihm zu helfen sich gegen diese dunkle Kraft aufzubegehren, die es lenkte, wuchs in ihre Magie ein und wie auch immer sie dies tat, schaffte sie es den Ranken soweit wieder Leben einzuhauchen, dass sie sich bewegen und den Klammergriff um Avalinn lösen konnten.
Als würde Rhuna aus einem tranceähnlichen Zustand aufwachen, schreckte sie auf und spürte, wie sie das Gleichgewicht verlor und mit Avalinn, wie auch Neri zu Boden stürzte. Plötzlich war um sie herum wieder alles laut, düster und angespannt. Und kaum eine Sekunde später kam sie unsanft und schmerzvoll auf dem Boden auf.
„Au….!“, gab sie einen leisen Schmerzenslaut von sich, als sie sich kurz darauf wieder zu rühren wagte und sich die schmerzende Stelle an ihrem Kopf hielt. In ihren Ohren hallte ein lautes Klingen, doch ihr blieb keine Zeit sich darauf zu konzentrieren oder sich gar anständig aufzurappeln.
„Neri…?“, rief sie, vom Sturz noch etwas gedrückt, um sich nach dem Befinden der anderen zu erkundigen, ehe sie sich langsam aufrappelte und ihr Blick auf Avalinn fiel. Doch bevor sie auch nur die Hand nach ihrer leblos wirkenden Freundin ausstrecken konnte, erbebte plötzlich die Erde. Rhuna verlor den Halt und fiel auf alle Viere, hob allerdings sofort wieder den Blick und sah mit Schrecken, wie sich die mächtigen Wurzeln windend in den Erdboden zurückzogen und der Baum so stark erzitterte, dass er knackende und holzberstende Geräusche von sich gab und tatsächlich sich Risse durch die Rinde fraßen.
„Vorsicht!“, rief Yedan laut und Rhuna versuchte sich über Avalinns Körper zu werfen, die von ihnen allen am schutzlosesten war. Ein beinahe widerliches und gewaltvolles Knacken und Krachen erfüllte donnernd die Luft und im Augenwinkel musste die Jüngste mit ansehen, wie der Baum splitternd von innen auseinandergerissen wurde.
„Was ist das? Was ist hier los?“, rief sie fragend gegen den Krach, doch die Antwort gab sich in Gestalt eines Wesens, dessen Schatten sie bereits mehrmals begegnet war.
Nein! Nein, nein…. Das darf nicht passieren! Das Blut in ihren Adern fühlte sich an, als würde es gefrieren und Fassungslosigkeit spiegelte sich in ihrem Blick, als sie dem Aufstieg des Dämons zusehen musste. Wie bei Florencia hatte dies geschehen können? Hätte es dafür nicht noch mehr Lichtmagie gebraucht, das er absaugte? Hatte Dromar das Ritual bereits beenden können?
Ein widerlicher Gestank erfüllte die Luft. Rhuna fühlte sich erschüttert und im ersten Moment war sie vom Schreck wie gelähmt. Hatten sie versagt? War nun alles aus?
Das muss… ein Alptraum sein…! Florencia…bitte lass es ein Alptraum sein! Sie spürte, dass ihre Hände zu zittern begannen, doch als sie eine Regung neben sich bemerkte, wurde sie abgelenkt. Ihr Blick fand den von Yedan, der glücklicherweise unverletzt zu sein schien, doch mindestens genauso erschüttert war, wie sie. Würden dies die letzten Momente sein, in denen sie einander sehen konnten? Sie hatten doch kaum Zeit miteinander haben können und … Nein!, unterbrach sich Rhuna selbst in ihren verzweifelten Gedanken. Sie durfte nicht zulassen, dass die Hoffnungslosigkeit sie jetzt schon erfasste. Noch… noch war nicht alles verloren!
In ihrem Blick sammelte sich die Entschlossenheit, die sie in diesem Moment zusammenkratzte. Sie wollte nicht aufgeben! Yedan sollte sein Leben zurückbekommen, seine Heimat, Kayon und… auch sie wollte Zeit mit ihm haben. Nein, noch war sie nicht bereit aufzugeben. Ihr Blick gewann an Mut, als sie den Brünetten ansah, ehe sich ihr Blick auf die groteske Gestalt des Dämons richtete.
„Ihr habt mich befreit.“, freute es sich auf eine grausame Art, die in der Shyánerin eine Übelkeit vor Wut hervorrief. Diese schadenfrohe und auf grausame Weise spielerische Art kannte sie bereits aus ihrer ersten Gefangenschaft in der Dunkelheit. Doch auch damals hatte sie ihm irgendwie die Stirn geboten…!
„Ich fühle mich stärker denn je. Und ihr… war sehr hilfreich.“, feixte der Dämon weiter, woraufhin Rhuna abfällig den Mund verzog, als sich ihre Blicke begegneten. Bis sie plötzlich und völlig unerwartet einen stechenden und brennenden Schmerz an ihrem Handgelenk spürte, als hätte man ihr ein Brandeisen auf die Haut gedrückt. Ihr verachtender Ausdruck zerbrach und vor Schmerz und Schreck entfuhr ihr ein unterdrücktes Wimmern. Sie wollte ihre Hand zu sich ziehen, doch bevor sie die brennende Stelle an ihren Oberkörper drücken konnte, hob sich ihr Arm, wie durch eine unsichtbare Macht gelenkt, in derselben Art und Weise, wie es der Dämon mit seiner Klauenhand gerade tat. Verwirrung trat offen erkennbar in ihren Blick und sie versuchte die Kontrolle über ihren Arm zurückzuerlangen und ihn zu sich zu ziehen, was in dem Dämon nur noch offensichtlichere Schadenfreude auszulösen schien.
„Beeindruckend, nicht?“, grinste es fies und als es zu Neri sah, die deutlich angeschlagen aussah, erlangte sie die Kontrolle wieder zurück und drückte ihren Arm an ihren Oberkörper.
„Ahhhh…. Süße Neriélle. Willst du jetzt sehen, was ich in der Lage bin dir zu geben?“, fragte der Dämon mit einer honigsüßen Stimme, die Rhuna ebenfalls schon zu hören bekommen hatte.
„Neri…“, rief sie leise nach der anderen, die für einen Moment kaum ansprechbar zu sein schien, ganz so als… …als würde sie eine Illusion sehen.
Rhuna musterte das Gesicht der anderen Shyánerin und konnte sich gut vorstellen, dass der Dämon seinen Worten gerade tatsächlich Taten folgen ließ. Auch sie hatte er mit solchen Bildern locken und auf seine Seite ziehen wollen. Doch nun schien er sein Auge auf Neriélle gerichtet zu haben.
„Lass es uns gemeinsam beginnen, Neriélle.“, säuselte die Stimme weiter und Sorge trat in Rhunas Blick. Sie beugte sich vor und legte der Elfe eine Hand auf die Schulter, zum Zeichen, dass sie bei ihr war.
Was… ist nur passiert? Vorhin war sie doch noch nicht so erschöpft!, fragte sich die Jüngste, die beim Ausüben ihrer Naturmagie nicht mitbekommen hatte, wie Neri Avalinn geholfen und dadurch selbst Schaden erlitten hatte. Ihre Lage schien immer schlechter auszusehen. Von den anderen Sariern… von Kaja und Ajak… war niemand zu sehen. Doch selbst wenn… was sollten sie gegen einen aus dem Harax stammenden Dämon schon unternehmen können?
Bei dem Gedanken an ihre anderen Freunde, von denen sie nicht wusste, wie es ihnen ging, wallte erneut Sorge in ihr auf, für die sie allerdings wieder keine Zeit bekam. Hatten sie überhaupt eine Möglichkeit das Unglück noch abzuwenden?
Die Luft war zum Bersten gespannt und schien geradezu zu surren. Die Stimmung war gedrückt, doch als würde Florencia ihnen ein Zeichen senden, erklang plötzlich vernehmbar eine Stimme, die immer und immer wieder dieselben Worte murmelte.
Dromar!, schoss ihr der Name des Mannes durch den Kopf und tatsächlich keimte Hoffnung in ihr auf.
„Diener… treue Diener… sie sind wertvoll, wisst ihr? Oh, er ist ein guter. Er weiß was er tut und er tut es schnell. Bald steige ich aus meinem Reich empor und verbreite meine Botschaft.“ Das Wahnsinnige Kichern und die Worte konnten einem allen Mut rauben, doch Rhuna sah sich in ihrer Vermutung nur noch mehr bestärkt: Das Ritual ist noch nicht vorbei!
Die Brünette ergriff leise Yedans Hand und drückte sie. Es war noch nicht alles verloren. Sie mussten Dromar finden und aufhalten! Doch der Dämon hatte sie alle und besonders Neri und sie zu gut im Auge.
„Entsagt der Hoffnung. Frönt der Hoffnungslosigkeit!“, predigte der Dämon mit jauchzender Schadenfreude ihnen entgegen, woraufhin Rhuna sich aufrichtete und Yedans Hand fallen mit einem Mal losließ. Sie hatte eine Entscheidung getroffen und wollte versuchen ihr Bestes dafür zu tun, dass sie doch noch das Ruder rumreißen konnten.
Vor ihren Augen tauchte die Gestalt von Calhoun auf. Weder kannte sie den Dunkelelfen, noch hatten sie sich scheinbar gut verstanden. Schon alleine seine Zugehörigkeit zum dunklen Volk sollte Misstrauen sähen. Doch trotz alldem hatte Rhuna ihm gegenüber das Gefühl gehabt, dass er auf ihrer Seite stand und sie alle … vor allem Neri, nicht im Stich lassen würde.
Florencia, bitte steh uns bei!, richtete sie die gedankliche Bitte an die Naturgöttin, die ihr bisher immer, ohne ihr tatsächliches Wissen, beigestanden hatte.
„Du suchst dir immer den einfachsten Weg, nicht wahr? Was für ein Dämon….!“, rief Rhuna plötzlich und tatsächlich erschreckte sie sich selbst ein wenig über ihre Stimme, die erstaunlich fest klang.
Sie stählerte ihren Blick dazu und ging ein paar Schritte von ihren Freunden fort, in der Hoffnung, dass der Fokus momentan nur auf ihr bleiben würde.
„Ich dachte du hättest es auf mich abgesehen. Aber offenbar habe ich dir zu viele Probleme bereitet. Kein Wunder, dass du aufgegeben hast, immerhin habe ich dir mehr als einmal auf dem Friedhof widerstanden, und selbst in deinem Reich aus Schatten und Verzweiflung, indem du mich in mir selbst gefangen hieltest, hast du mich nicht brechen können.“ Rhuna rieb dem Dämon seine Niederlagen ziemlich bewusst unter die Nase. Sie wusste, dass sie hier nicht nur mit dem Feuer, sondern mit ihrem Leben spielte, doch auf die Schnelle war ihr nichts anderes eingefallen, als den Fokus des Haraxwesens von den anderen abzulenken. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg lag noch immer darin begraben Dromar auszuschalten und das Ritual zu unterbrechen. Auf Calhoun lag gerade ihre einzige Hoffnung, denn solange der Dämon sie alle im Auge behielt würden sie kaum etwas ausrichten können. Würde sie ihn ablenken und Yedan würde vielleicht unbemerkt fliehen und Calhoun zur Unterstützung eilen können… alles war im Grunde einen Versuch wert.
Die junge Elfe blieb stehen und sah den Dämon direkt an. Bisher hatte das Wesen sehr sprunghaft, ja manchmal wie ein kleines Kind gewirkt. War das wirklich so und konnte sie das vielleicht ausnutzen?
„Sag mir, woran machst du deine Opfer fest? Oder ist es gar Dromar, der die Entscheidungen hier trifft? Ist er der eigentliche Herrscher, dem du dienst, wenn du einmal auf der Welt wandeln kannst?“, fragte sie und schien dabei fast unschuldig auf diesen Gedanken gekommen zu sein. „Das würde Sinn ergeben. Ohne ihn würdest du es gar nicht schaffen auf diese Welt zu kommen. Für seine Bemühungen wird er sicher etwas bekommen, damit er sich nicht mehr so feige verstecken muss, wie er es die ganze Zeit übergetan hat.“ Ob Rhuna wusste, was sie hier gerade tat? Tatsächlich nicht wirklich. Sie folgte einfach ihrer Idee und sprach das aus, was ihr einfach durch den Kopf ging.
„Sag mir, wer ist mächtiger? Der Ritualmagier, oder das Wesen, das er durch ein Ritual beschworen hat?“, fragte sie und ihr Blick wurde noch etwas fester, wodurch ihre Augen einen fast rötlichen Stich bekamen. Einen Moment schien sie nichts mehr zu sagen zu haben, doch dann…
„Und was würde mit mir geschehen, wenn ich dein Angebot doch annehmen würde? Wäre ich ein Spielball deines oder Dromars Willen, wenn ich mich dir und der Dunkelheit hingeben würde?“

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