Auf neuen Pfaden

Dieses Dorf beweist, dass unterschiedliche Rassen auch friedlich miteinander leben und auskommen können. Menschen und Elfen haben sich zusammengetan und dieses Dorf geschaffen. Im Einklang und friedlicher Harmonie hilft man sich gegenseitig.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Montag 15. Oktober 2018, 17:50

„Er hat also gesagt, dass er dich hübsch findet... so so... und... wie findest du ihn so?“
Gwynn blinzelte überrascht und hob die Augenbrauen.
Ja, wie finde ich ihn überhaupt?
Sie verzog den Mund nachdenklich und sah einen Moment mit zusammen gekniffenen Augen an die Decke.
„Er ist süß … irgendwie etwas erwachsener als die Jungs aus dem Dorf … nicht nur süß.“
, korrigierte sie sich.
„Er sieht sehr gut aus … und er ist ziemlich frech … ich weiß nicht, das klingt irgendwie albern, aber ich hab ein bisschen Angst vor ihm … irgendwie hat er etwas an sich … ich hab so ein komisches Gefühl im Magen, wenn ich an ihn denke und es war schlimmer, als ich mit ihm gesprochen hab… so als wäre es nicht sicher, ihm zu vertrauen.“
, sinnierte sie, und versuchte das schwer fassbare Gefühl in Worte zu fassen.
„Nicht so, als würde er mir ein Leid antun wollen oder als wäre er böse oder so. Nur, als ob er sich einfach nicht so sehr darum kümmert, was mit anderen ist.“
Sie sah ein bisschen unglücklich drein.
„Ich tue ihm unrecht. Er war wirklich nett und will bestimmt nur helfen. Vielleicht bin das auch nur ich und Jungs … egal wie groß sie sind, irgendwie bringen sie mich aus dem Konzept.“
Sie fuhr mit dem Finger über eine der Kerben auf der Holzplatte.
„Ich wette es ist ziemlich aufregend ihn zu Küssen.“
, teilte sie der Holzplatte mit. Sie hörte das leise kichern ihrer Großmutter, die leise sinnierte:
„Ja, das Gefühl kenne ich. Du bist aufgeregt, ängstlich, weist nicht wohin mit deinen Gefühlen und dein Bauch fühlt sich an, als würde er lebendig. Alles kribbelt und wenn er dich ansieht wird dir ganz warm. So ein bisschen Aufregung kann etwas sehr schönes sein. Und zum Thema 'Küssen' würde ich niemals dagegen wetten! Hahaha...“
Jetzt sah Gwynn ihre Großmutter wieder direkt an. Ihre Augen leuchteten vor Neugierde.
„Oma, würdest du mir mehr von Aruns Großvater erzählen? Wie ihr Euch kennen gelernt habt und wie ihr Freunde wurdet?“
Arienh lächelte vor sich hin und fing dann an zu reden:
„Das ist alles schon so lange her... aber an unser erstes Treffen kann ich mich noch gut erinnern!
Ich war unterwegs um Kräuter zu sammeln. Da war diese kleine Lichtung. Alles war voller Moos und Blumen und ich war so müde. Ich hab mich fallen lassen. Es war einfach so einladend. Die Sonne schien und Blütenblätter stoben auf, tanzten in der Luft. Ich fühle mich Florencia ganz nah, also hab ich nur einen Moment die Augen geschlossen. Als ich aufwachte war er da.
Er stand auf meiner Brust, pikste mich mit einer Tannennadel und beschimpfte mich, ich hätte sein Haus zerstört. Ich bin natürlich sofort aufgestanden und hab mir schlimme Vorwürfe gemacht. Er meinte er wohnte in der Blume, die ich platt gelegen hatte. Ich war so...verwirrt und untröstlich, wollte es wieder gut machen, tia... so hatte er mich am Haken. Das er gar nicht dort wohnte, hab ich erst viel später raus bekommen, aber da war es mich dann auch egal.“
Sie lächelte wieder versonnen.
„Eigentlich hatte er auch nicht gesagt, dass es genau diese Blume gewesen ist, aber ich hab es angenommen und er hat mich nicht verbessert... Na ja, ich wusste ja nichts über Feen und ihre kleinen Streiche.“
Sie lacht leise.
„Da ich ihm also etwas schuldete, hab ich zugestimmt mich mit ihm zu treffen. Diese Nacht war unglaublich! Wir haben getanzt, gelacht und... Tia, wir waren glücklich und haben einander viel Freude bereitet.“
Sie grinste und schwieg über weitere Details.
„Ich glaube, manche Feen sind neugieriger als andere. Er war halt sehr neugierig und ich war es auch. Er wollte wissen wie die Menschen so sind, wie sie leben, wie sie lachen, wie sie lieben. Es war ein Abenteuer, aufregend und schön. Aber ich war nun mal ein Mensch und er eine Fee. ...Manchmal...“
Plötzlich wurde sie etwas nachdenklich.
„Manchmal frag ich mich, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wäre ich ihm unter den Feenhügel gefolgt... wäre ich dort geblieben... Aber...“
Dann sah sie Gwynn voller Liebe an.
„...aber dann würde es deinen Vater und auch dich nicht geben. Es war schon gut so, dass ich entschieden hab, hier zu bleiben. Und ich wünsche mir, dass du falls er dich einlädt, du auch ganz genau abwägst, wo du dein Leben verbringen möchtest. Celcia hält noch viele Wunder für dich bereit und erinnere dich auch daran, dass es hier Leute gibt, die dich lieben und brauchen.“
Damit sah sie zu Arbor, der auf der Fensterbank saß. Ein Bein auf jeder Seite des Fensters hatte er seine Wurzeln draußen in die Erde wachsen lassen und hielt gerade eine Nuss in seinen kleinen Händen. Seine Finger drehten den Samen und als er merkte, dass beide Frauen ihn anschauten, versuchte er sich in einem süßen Lächeln. Ja, es gab jede Menge Gründe hier zu bleiben und noch waren das alles ja eh nur Fantasien.
Arienh lachte, als Arbor die Nuss nach draußen fallen ließ und zielstrebig auf Gwynn zu kam, um auf ihren Schoß zu klettern. Der kleine Sariannenbaum war schon wieder ein kleines bisschen gewachsen und stand er nun auf ihren Schenkeln, so konnte er ihr schon gut in die Augen sehen. Die Blätter auf seinem Kopf waren verästelt und er sah schon mehr und mehr wie ein kleiner Junge aus. Mit amüsant ernsthafter Miene öffnete er seine linke Hand, hielt sie mit der Handfläche offen vor sich und wies mit einer schnellen Geste erst auf Gwynn, um dann bestimmt den Zeigezweig auf die offene Handfläche zu drücken, als wäre dort ein Knopf zum drücken. Alles was er sagte klang irgendwie gleich, aber doch war es seine Stimmlage, die jedem kleinen Knarren seiner Äste und dem Rauschen der Blätter einen anderen Klang gaben. Hatte Gwynn verstanden was er meinte? Arienh saß dabei und meinte leise:
„Er will dir wohl sagen, dass du hier her...oder zu ihm gehörst. Da bin ich mir nicht ganz sicher.“
Arbor nickte breit grinsend und kletterte wieder umständlich von Gwynns Schoß um sich dann in seinen Nacht-Bottich zu begeben.
„Wir sollten auch schlafen gehen.“
, meinte die alte Zauberin und räumte noch das Geschirr vom Abendessen weg. Gemütlich zog sich jeder in sein Bett zurück und schon bald holten Gwynn die Aufregungen des Tages ein. Schnell schlief sie ein und träumte...

...von riesigen Blumen, groß wie Häuser, mit Kelchen voller süßem Nektar, von Feen, von ihrem König mit der goldenen Krone, von ihren Flügeln, von Feenstaub und ...von Arun.

Der nächste Morgen kam viel zu schnell.
Die alte Zauberin war schon vor ihrer Enkelin wach, hatte sie schlafen lassen, war dabei einen sämig süßen Haferbrei zu kochen und summte ein fröhliches Lied. Beim Frühstück stellte sie dann fest:
„Wir haben keinen Honig mehr.“
Der letzte Rest war für den Brei verbraucht worden.
„Ich kenne eine gute Stelle wo du noch Bienennester finden könntest. Kennst du die kleine Wiese nördlich oberhalb des Dorfes? Dort wo der Bach die Leute mit Wasser versorgt? Geh seinen Lauf ungefähr eine Stunde hinauf und du kommst einen steilen Wasserfall. Dort kannst du am westlichen Rand hinauf klettern. Sei vorsichtig. Darüber befindet sich ein kleiner Teich mit Wiesen rings umher. Von dort aus siehst du zur linken einen Berg ansteigen. Die Felsen rund herum haben tiefe Spalten und darin bauen sie gern ihre Nester.“
Sie war aufgestanden und hatte aus einer Truhe einen Hut mit breiter Krempe geholt. Ein feines Netz umspannte den Rand und schütze das Gesicht, wenn man es runter rollte. Dazu legte sie lange Handschuhe und ihren eigenen Mantel Gwynn zurecht.
„Tia... wenn wir jetzt häufiger mit Feenbesuch rechnen müssen, sollten wir gut vorbereitet sein.“
Sie legte noch eine gewachste Tasche dazu, in der Gwynn die Waben tragen konnte, sofern sie welche fand.
„Tust du das für mich?“
Arien tat einmal mehr so, als sei sie alt und gebrechlich und stützte sich leise stöhnen auf die Tischplatte. Das sie alt war, das war wohl richtig, aber gebrechlich? Sie lächelte ihr Enkelkind verschmitzt an.
„Dein Feerich würde sich sicher freuen, wenn du ihm zu seinem nächsten Besuch Gebäck anbieten könntest.“

((ooc: Gwynn darf ruhig die Großmutter noch ein bisschen ausquetschen, ich trage dann die Antworten nach. Oder sie macht sich gleich auf den Weg zum Dorf und den Weg dahinter. Es wäre eine Möglichkeit auch die Eltern zu besuchen. Oder sie umrundet das Dorf und beeilt sich den Honig zu holen. Du kannst ihren Weg gern selbst beschreiben, oder später mir überlassen. Alles ganz wie du willst.)
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Dienstag 1. Januar 2019, 22:26

Gwynn erwiderte das verschmitzte Lächeln der Großmutter und errötete leicht bei der Erwähnung Aruhns.
„Natürlich mache ich das, Oma.“
Sie nahm die ältere herzlich in den Arm und drückte sie. Sie hatte Arien schon immer gemocht, aber hier mit ihr zu sein war noch um einiges besser. Sie war wie eine Kombination aus Bester Freundin und Mentorin. Und außerdem unglaublich interessant. Das Mädchen konnte noch immer nicht fassen, dass ihre Großmutter einen Feen Freund gehabt hatte!!!

Aber vielleicht würde Gwynn sich ja auch mit einem Feerich anfreunden! Allerdings stimmte sie ihrem kleinen Freund Abor zu. Sie gehörte hierher, in die Menschenwelt. Und zu ihrem kleinen Freund, den sie hoffentlich mithilfe Aruhns bald verstehen würde! Sie freute sich sehr darauf, mit dem kleinen Sariannen Baum reden zu können.

„Könntest du auf Abor achtgeben? Ich mache mir sorgen, dass der Ausflug etwas zu viel für ihn sein könnte und ich würde ihn gern in deiner Obhut lassen.“
Bat sie ihre Großmutter, verabschiedete sich aber noch einmal persönlich bei dem Setzling und versprach ihm, bald zurück zu sein.
„Pass gut auf Arienh auf, während ich weg bin, Abor!“
Sie zwinkerte ihm zu und drückte ihm noch einen Kuss auf den kleinen Kopf.

Dann nahm sie die Sachen mit, die ihre Großmutter ihr gegeben hatte, wobei sie den Hut noch lose an einem Band auf ihrem Rücken baumeln ließ. Sie wollten die Sonne auf ihrem Gesicht genießen. Lange überlegte sie noch, ob sie im Dorf bei ihren Eltern vorbei sehen wollte, entschied sich dann jedoch um. Sie wusste, dass Beide vermutlich zu dieser Zeit unterwegs sein würden. Stattdessen wollte sie auf dem Rückweg vorbei schauen und ihnen eine kleine Honigwabe mitbringen. So ging sie beschwingten Schrittes den Pfad um das Dorf herum entlang und genoss die Sonne und den Schatten auf ihrer Haut und den frischen Geruch des Waldes um sie herum.

Ganz ihren Tagträumen nachjagend hätte sie sich fast verirrt, während sie sich ausmalte, wie ihre Großmutter wohl als junge Frau ausgesehen haben mochte und sah vor ihrem inneren Auge wie die junge Maid ganz bestürzt dem Feerich beteuerte, dass sie seine Heimatblume nicht zerstören wollte.
Die Beiden waren gerade dabei, ihren ersten Kuss zu teilen (die Fanatsie war defintiv mit den jungen Mädchen durch gegangen) da landete ihr Fuß in einem Kaninchenbau und sie landete mit dem Gesicht im Dreck. Etwas verschämt und erschreckt rappelte sie sich auf und stellte erleichtert fest, dass ihr außer ein paar blauen Fleck und einem Schrecken nichts passiert war.

Aus ihren Gedanken gerissen konzentrierte sie sich wieder und folgte dem von ihrer Großmutter beschriebenen Weg, wobei sie feststellte, dass sie längst am Bach vorbeigelaufen war. Um etwas Zeit aufzuholen joggte sie bis zum Bach und folgte ihm dann pflichtbewusst.

Ganz in ihrem Element lauschte sie dem rauschen der Blätter und dem plätschern des Baches während der Wald sich in all seiner grünbraunen Schönheit präsentierte. Nach einer Weile mischte sich das Rauschen des Wasserfalls unter die Geräusche.

Der Wasserfall war schmal, aber ohne Zweifel hoch. Sie schätzte, dass er sicher zwei Mann hoch war. Suchend sah sie sich nach der Stelle um, die Arien beschrieben hatte. Sie fand schließlich eine etwas zerklüftete Wand, an der ein Baum ganz am Rand seine Wurzeln hinab ranken ließ. Sie boten durchaus halt, auch wenn der Aufstieg nicht leicht werden würde. Und sie musste darauf achten, sich die Fußsohlen nicht an den schärferen Steinen aufzureißen. Gwynn beschloss, dass Arienh diese Stelle gemeint hatte (vor allem da sie das suchen leid war).

Die mahnenden Worte der Großmutter berücksichtigend setzte sie ihre Hände und Füße bedächtig und langsam. Allerdings war es doch um einiges leichter für ein agiles junges Mädchen, als eine alte Frau und so wurde sie ab der Hälfte um einiges mutiger und schneller und fühlte sich wie ein flinkes Eichhörnchen, dass einen Baum in Windeseile erklomm. Das letzte Stück bot einige Herausforderung, denn ein kleiner Erdrutsch hatte den Boden unterhöhlt und die Ebene darüber stand hervor, so dass Gwynn zu einem Umweg gezwungen gewesen wäre. Außer natürlich sie stieß sich fest genug ab, um einen niedrigen Ast zu erreichen und sich daran herauf zu ziehen!

Sie grinste. Sie mochte nicht so kräftig wie ihre Brüder sein aber klettern, das konnte sie! Sie überprüfte ihren halt, machte sich klein, fasste den Ast ins Auge und stieß sich ab. Ihre linke verfehlte den Ast, aber mit der rechten fand sie halt und hielt sich so fest sie konnte. Dann knackte es und der Ast knickte ein. Sie schrie schrill auf und sackte, den Ast noch immer im fest Griff, ab. Noch immer an einigen Fasern hängend hielt der Ast, aber Gwynn schlug mit ihrer Seite gegen ein paar spitze Felsen. Adrenalin schoss ihr durch die Adern und mit aller Kraft zog sie sich hoch und blieb schließlich keuchend auf der Anhöhe liegen. Sie hatte einen Riss in der Tunika und ihre linke Brust schmerzte. Außerdem hatte sie ein paar Schürfwunden am linken Arm. Sie verzog das Gesicht. Hätte sie nur auf Arienh gehört … die zerrissene Tunika würde ärger geben.

Zum Glück hatten Hut und Tasche überlebt. Ächzend stand sie um und sah hinab auf den Wasserfall und den Bach. Von hier oben sah es noch höher aus … gut, dass sie nicht gestürzt war…

Als ihr Blick etwas weiter ging, bemerkte sie eine Stelle, die um einiges besser zum Aufstieg geeignet gewesen wäre, sie hätte nur ein paar Schritte weiter laufen müssen.

„Oups.“

Ertappt drehte sie sich wieder um, um sich den Bienen zu wappnen und zog den Hut auf.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Freitag 4. Januar 2019, 22:28

Natürlich ging Arienh nicht ins Detail ihrer Beziehung zu einem Feerich, aber ihre geröteten Wangen unter den alten wissenden Augen ließen Gwynns Phantasie sprießen wie junge Ranken im frühen Jahr. Sie passte auch gern auf den kleinen Sariannensprössling auf und so konnte die junge Magi sich bald auf den Weg machen um den Honig für ihre Großmutter zu holen.

Der Weg war dann doch nicht so einfach, wie Gwynn es sich vorgestellt hatte und sie verlief sich zum Glück nur ein mal kurz. Der Aufstieg zum Wasserfall war dann auch noch eine selbst erwählte Herausforderung, die sie aber recht gut überstand, auch wenn ein Riss im Gewand und ein paar Kratzer der Lohn waren. Als ihr Blick etwas weiter ging, bemerkte sie eine Stelle, die um einiges besser zum Aufstieg geeignet gewesen wäre, sie hätte nur ein paar Schritte weiter laufen müssen.
„Oups.“
Ertappt drehte sie sich wieder um, um sich den Bienen zu wappnen und zog den Hut auf. Die Gase vor ihrem Gesicht machte die Sicht etwas schlechter, aber trotzdem konnte sie die Umgebung recht gut erkennen. Das sie den Hut gleich aufgesetzt hatte, war auch gut gewesen, denn schon jetzt konnte sie zwischen den üblichen Waldgeräuschen ein deutliches Summen vernehmen.
Gwynn sah sich um fand sich vor einer Quellhöhle in der Felswand wieder. Das summen kam aus dem im Schatten liegenden Eingang, genauso wie das Wasser des Baches, dass sich nah neben ihr in die Tiefe stürzte. Sie konnte über ein paar Felsen im schnellen Strom auch zur anderen Seite hüpfen. Dann führte ein schmaler Pfad ins innere der Höhle, die gar nicht so dunkel war wie vermutet. Immer wieder durchbrach das Licht die Decke, an Spalten und Löchern oder heraus gebrochenen Lücken. Ein Stück musste sie noch gehen und befand sich damit ein gutes Stück unter der Erde. Bald umhüllte sie ein sanftes grünes Licht, dass von den vielen Pflanzen her rührte. Dicke Wurzelstränge hatten sich von oben in das Erdreich gegraben und bildeten teilweise natürliche Treppen, die tiefer in die Spalte führte. Moos wusch an den Felswänden. Das Summen und Rauschen wurde lauter und bald sah Gwyn die Quelle. Es Spalt im Erdinnern speiste den kleinen unterirdischen Bach und sprudelte munter aus dem Stein. Unweit davon, jedoch ein Stück darüber hatten die Bienen ihre Nester gebaut. Dicke klobige Gebilde aus Gold glänzenden Waben hingen an der Decke zwischen den Kanten des Gesteins. Ein bisschen klettern und strecken würde sie sich wieder müssen, aber nicht mehr so sehr wie zuvor. Plötzlich flackerte das Licht und sie sah automatisch nach oben.
War da eben etwas an dem Loch in der Decke vorüber gegangen? Ein Tier vielleicht? Gwynn hielt die Luft an und lauschte. Da! Tatsächlich, da waren Schritte. Eilig und schnell, wie von einem Jäger, dann wieder Stille. Sie kamen näher und da flackerte abermals das Licht über ihr, als ein Schatten auf das Loch viel, dass ungefähr zwei Schritt von ihr entfernt über ihr war. Das Rauschen des Wassers, das Summen übertönte ihren Atem, den sie unwillkürlich kurz eingezogen hatte. Dann hörte sie es. Ein Schnaufen, wie von einem Tier, dass dem schnellen Jäger langsam folgte. Das Schnaufen kam ebenfalls näher und ein deutlich größerer Schatten legte sich über die Spalte über ihr.
Von unten sah sie eine dunkle Nase, die sich mit den Nüstern bebend in das Loch drückte. Dann nieste das Tier und feiner Sprühregen rieselte herab. Ein Laut folgte, der vermutlich das Tier zu Ruhe aufrufen sollte. Was witterte das Ding da oben? Sie? Den Honig? Die Kratzer auf ihrer Haut? Ihr Blut? Ein weiterer Laut erklang leise und das Tier setzte sich nach einem kurzen Grollen wieder in Bewegung. Erstaunlich leise verschwand der Schatten wieder und die leisen Schritte oberhalb Gwynns Versteck entfernten sich wieder. Was wollte sie jetzt tun? Sollte sie nachsehen, was, bzw. wer da gewesen war, oder lieber versteckt ausharren, bis sie weg waren? Irgendwie kribbelte unwillkürlich ihre Haut vor lauter Aufregung.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Freitag 4. Januar 2019, 23:25

Gwynns Augen wurden groß und einen Moment dachte sie daran, einfach nur laut zu rufen, um demjenigen zu verdeutlichen, dass sie ihn enttarnt hatte, und er sich gefälligst erkennen zu geben habe, aber ein wirklich sehr ungutes Gefühl in der Magengegend ließ sie zögern. Was, wenn es Menschen von außerhalb des Waldes waren? Sie hatte gehört, dass diese nicht immer freundlich waren und einen frecher Teenager würde sie nicht aufhalten können.
Allerdings konnte der freche Teenager herausfinden, wer da herumschlich und vielleicht sogar, warum! Sie musste nur auf das Tier achtgeben … vielleicht ein Hund? Aber Gwynn war gut mit Tieren … und üblicherweise schnell im Klettern.
Die Schnitte waren ungünstig, weil sie dem Tier tatsächlich verraten konnten, wo sie war, wenn sie falsch stand, aber sie traute sich durchaus zu, einen Hund überlisten zu können. An dem alten Hund des Nachbarn war sie auch schon oft unentdeckt vorbei geschlichen.
Sie lauschte noch einmal aufmerksam, wisperte sehr leise und sorgte dafür, dass Moos unter ihre Fußsohlen wuchs und startete dann ihre Aufklärungsmission.
Der Trick mit den Hunden war doch, nicht in Windrichtung zu ihnen stehen, richtig? Der Rest sollte ja so passen!
Sie sah sich nach einer Möglichkeit um, an den Wänden herauf zu klettern. So konnte sie einen schnellen Blick auf die Personen werfen und sich dann auch schnell wieder zurückziehen. Wenn das nicht ging, musste sie wohl den langen Weg durch die Höhle nach draußen nehmen.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 10. Januar 2019, 14:35

Gwynn lauschte den Geräuschen über ihr. Neugier erwachte in dem jungen Geist, aber dumm war dieser Teenager auch nicht. Mit einer leichten Berührung ihrer Füße wirkte Gwynn den Zauber 'Auf moosigen Pfaden'. Schon waren ihre Sohlen mit einer grünlichen Moosschicht überdeckt, die besser als jeder Lederstiefel schütze und die Geräusche, die beim Gehen entstehen könnten, verschluckten. Sie hätte nun wild herum springen können und ihr Stampfen wäre ungehört geblieben, aber jeder los getretene Stein machte trotzdem Geräusche, also blieb sie vorsichtig. Die Magie war ein wichtiger Aspekt ihres Plans und ohne diesen Zauber hätte sie sich vermutlich auch nicht getraut ihren Plan in die Tat umzusetzen. Hunde waren leicht auszutricksen, wenn man wusste wie.
Der Trick mit den Hunden war doch, nicht in Windrichtung zu ihnen stehen, richtig? Der Rest sollte ja so passen!
Im Moment befand sie sich in einer Höhle, eigentlich einer Falle die auch Schutz vor größeren Wesen bot, in der sie nicht ausweichen oder die Richtung ändern konnte. Was auch immer da oben herum geschnüffelt hatte, es war weiter gezogen und jetzt musste sie sich beeilen. Sie sah sich nach einer Möglichkeit um, an den Wänden herauf zu klettern. So konnte sie einen schnellen Blick auf die Personen werfen und sich dann auch notfalls schnell wieder zurückziehen. Ein Stück neben den Bienennestern sah sie dann einen schmalen Felsvorsprung, an dem sie sich hoch ziehen könnte. Gwynn näherte sich lautlos und das Summen der Bienen um schwirrte sie einen Moment so laut, dass sie kaum etwas anderes hörte. Ein paar der aufgescheuchten Insekten krabbelten neugierig auf ihr herum, um zu gucken, ob sie eine Gefahr für ihr Nest darstellte. Eine tat dies direkt vor ihrem linken Auge auf der Gase die von ihrem Hut herab hing. Gwynn ließ sich jedoch nicht ablenken, erklomm die Felskante und zog sich mit den Händen höher. Ein paar kleine Wurzeln hingen ihr entgegen und sie drückte sie leise beiseite. Vorsichtig, Zentimeter für Zentimeter steckte sie den Kopf durch den schmalen Spalt und hielt den Atem an. Gerade als ihre Augen über die Grasnarbe gucken konnten, sah sie einen unscharfen bräunlichen Schatten zwischen den Bäumen verschwinden. Die Größe ließ sie schlucken. War das ein Wolf? Wenn ja, dann hatte Gwynn noch nie einen so großen gesehen? Die Umrisse hatten danach ausgehen, auch wenn er sehr viel muskulöser gewirkt hatte, als ein normaler Wolf. Sie verharrte noch einen Moment, aber es blieb still. Dann zog sie sich aus der Spalte und nahm den Hut ab um besser sehen zu können. Ein paar Bienen waren ihr gefolgt, aber verstreuten sich hier oben schnell. Gwynn behielt den Wald im Auge. Besonders die Stelle, wo der dunkle Schatten verschwunden war. Als sie sich aufrichtete sah sie aber noch etwas anderes. Hier oben waren auch Spuren neben dem Spalt. Ein Teilabdruck einer monströs großen Pfote hatte sich in die Erde neben dem Stein gedrückt. Der Anblick jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken. Sie kannte Wolfsspuren, aber die waren deutlich kleiner. Sie kannte Wölfe, aber die hielten sich normaler Weise von Menschen fern und jagten im Rudel. Dieser hier war jedoch mit einem Menschen unterwegs gewesen und hörte auf ihn. Das alles war höchst ungewöhnlich.
Sie prüfte die Windrichtung und befand sie für sicher. Gwynn nahm die Verfolgung auf.
Der Wald wurde hier oben etwas lichter und so kam sie schnell voran, aber musste auch aufpassen, dass sie nicht gesehen wurde. Einmal sah sie eine Bewegung zwischen den Bäumen und duckte sich, dann hielt sie mehr Abstand und folgte weiter der Spur. Bald fand sie neben den Abdrücken des großen Wolfs auch leichtere Abdrücke, vermutlich von einem Menschen. Sie waren fast nicht zu sehen, was darauf schließen ließ, dass derjenige es verstand, keine oder wenig Spuren zu hinterlassen. Unwillkürlich schaute sie einmal hinter sich und musste einmal keck lächeln, denn ihr kleiner Zauber hatte noch einen weiteren Vorteil. Sie selbst hinterließ keinerlei Spuren.
Dann dünnte sich der Wald soweit aus, dass sie immer häufiger die Gestalt des Monsterwolfs vor sich sehen konnte. Ihr Puls wurde schneller und das Adrenalin kitzelte in ihren Adern. Sie war dem Jäger auf der Spur. Da war er! Er schlich am Rand einer Lichtung entlang. Das merkwürdige Verhalten, dass Gwynn sofort auffiel, er hatte den Schwanz zwischen die Hinterbeine geklemmt und schlich mit angelegten Ohren herum. Das so ein großes Tier sich vor etwas fürchtete, das war schon komisch. Gwynn konnte nichts ausmachen, was der Grund dafür sein könnte, also schlich sie seitlich zu der Lichtung etwas näher. Der Platz war groß, fast wie der Marktplatz in ihrem Dorf, nur mit mehr Steinen und niedrigen Büschen übersät. Fast hätte sie aufgeschrien, als plötzlich hinter einem Stein auf de Lichtung sich jemand erhob. Gwynn erstarrte in der Bewegung und wusste, dass wenn sie sich jetzt ducken würde, sie sich verraten würde. Sie musste eine Sekunde lang auf ihre natürliche Tarnung als Waldmensch vertrauen, denn der Mann, der dort stand, sah in ihre Richtung. …
Nicht direkt über sie, aber doch sehr nah, ließ er den Blick schweifen und wanderte dabei langsam von ihr weg.
Gwynn stand im Schatten eines Baumes halb hinter einem Busch verborgen. Sie trug ihre übliche Kleidung, die alle in Farben der Natur gehalten waren. Ihre Haut war gebräunt wie die Rinden junger Pflanzen und einzig das Weiß in ihren Augen konnte sie verraten. Sie wagte nicht mal zu blinzeln.
Dann drehte er sich weg und Gwynn ließ sich langsam zu Boden sinken. Ihre Beine zitterten ein wenig. Der Mann den sie eben gesehen hatte, war kein Mensch. Sie kannte Elfen. Ab und zu besuchten Waldelfen ihr Dorf um Handel zu treiben, aber der hier hatte nicht wie einer ausgesehen. Dieser war anders und ...faszinierend dunkel!
Seine Gestalt war schlank und seine Bewegungen fließend wie Wasser. Trotzdem hatte er etwas von einem Raubtier und als sie sein Gesicht gesehen hatte, wusste sie, dass er gefährlich war. Trotzdem war er schön. Seine Haut war dunkelbraun mit einem Schimmer Violett und seine Augen waren petrolgrün, wie ein unterirdischer See. Er war ein Jäger, da war sie sich sicher, oder ein Späher. Er hatte etwas vom Boden aufgehoben und zwischen den Fingern zerrieben, daran gerochen und die silbergrauen Brauen zusammen gezogen. Dann hatte er sich abgewendet und ihre Aufmerksamkeit hatte sich auf seine Kleidung gerichtet. Er trug eng anliegende Lederkleidung, die farblich perfekt zu der Umgebung passte. Matte grau, braun und Grüntöne wechselten sich ab. Sein Oberkörper bildete ein perfektes 'V' und seine starken Arme waren mit Lederriemen umwickelt. Er wirkte erfahren ohne alt auszusehen. Die spitzen Ohren hatte er unter einer Kapuze versteckt, aber sie hatte ihn an seinen mandelförmigen Augen als Elf erkannt. Sein Haar musste Silber sein, wie seine Brauen. Gwynn atmete ein paar Mal schnell und fasste sich dann wieder. Sie musste aufpassen, denn der Mann war gut. Als sie sich das nächste Mal aus der Deckung wagte, war er schon am anderen Ende der Lichtung und sein etwas hässlicher Riesenwolf senkte den Kopf, damit der Mann kurz seine breite Stirn reiben konnte. Dann schwang er sich auf den Rücken des Tiers und ritt langsam davon. Ein Mann, ein dunkler Elf, der auf einem Wolf ritt.... erst jetzt begann ihr Gehirn ihr Gedächtnis zu durchforsten, ob sie schon mal von so etwas gehört hatte. Geschichten von „Dunkelelfen“ und „Wargs“ waren nicht die üblichen Themen, die jungen Mädchen erzählt wurden.
Hatte sie mal die älteren belauscht? Wusste sie etwas oder war sie noch frei von Angst und Vorurteilen?
So oder so, die Neugierde trieb sie nach einer Weile hinaus auf die Lichtung, zu der Stelle, wo der Elfenmann gehockt hatte. Gründlich sah sie sich um und entdeckte die Stelle. Ein bisschen trockenes Moos war heraus gerissen und lag nun ein paar Fuß weiter weg. Was hatte er hier untersucht? Die junge Magi sah sich die Pflanzenfasern genauer an. Sie waren trocken, ausgedorrt aber noch grün... was irgendetwas in ihr irritierte. Das Moos, Gras und auch alle Pflanzen in der näheren Umgebung wirkten, als wären sie starker Sonne ausgesetzt gewesen, so wie in der Zeit der langen Tage, ...aber es war nicht warm sondern kühl und feucht. Bald könnte es vielleicht sogar schneien. Das war selten, aber möglich. Gwynn lief kurz umher, hockte sich mal hier, mal da hin und untersuchte die trockene Lichtung. Was hatte der Mann hier gesucht? Oder hatte er etwas gefunden? War ihm das gleiche wie ihr aufgefallen? An manchen Stellen waren die Pflanzen stärker verdorrt als an andern. Es gab Lücken, wo alles in Ordnung war und dann fand sie auch eine Stelle, wo der Boden regelrecht verkohlt war. Es hatte nicht gebrannt, aber gleich einem Trichter breitete sich von einem Punkt trockenes Gras aus, dass um so weiter sie ging, um so gesünder wurde. Gwynn lief umher und maß den trockenen Bereich der Lichtung ab. Er war breiter als das Haus ihrer Eltern fast so lang wie der Marktplatz. Zu einer Seite verjüngte er sich wie eine Schlange und an der anderen Seite war die Stelle, wo der Boden sehr heiß geworden sein musste. Das ganze war höchst mysteriös! Das alles erkannte sie recht schnell. Sie kannte die Natur und alles was anders war, fiel ihr sofort auf. Und dann war ja da noch dieser Mann...
Gwynn musste sich nun schnell entscheiden, ob sie den Spuren des Riesenwolfes und seinem Reiter folgen wollte, da dieser sich sonst zu weit entfernen würde, sie in verlieren, oder er ihr vielleicht sogar eine Falle stellen könnte... oder ob sie den Abdruck aus Hitze weiter untersuchen wollte. Vielleicht gab es noch Details zu finden, die Aufschluss gaben, was hier passiert war. Honig holen, stand auch noch auf ihrer Liste, aber das hatte gerade kaum Priorität.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Freitag 11. Januar 2019, 22:35

Gwynns Geist war so wach wie selten, ihr Geist ganz auf das hier und jetzt konzentriert und ausnahmsweise wanderten ihre Gedanken nicht in Tagträume ab.

Sie und ihre Brüder hatten die Eltern eines Abends belauscht und sie von diesen ‚Dunkelelfen‘ sprechen hören. Gwynn erinnerte sich kaum mehr an Details, nur dass sie ungemein Gefährlich seinen – tatsächlich sogar echte Gruselgestalten!

Auf den riesigen Wolf – man nannte ihn wohl Wurg oder so – traf das definitiv zu, aber der Dunkelelf sah ja fast nett aus. Bis auf diesen messerscharfen kalten Blick. Ihr schauderte als sie sich an die instinktive Warnung in ihrer Magengegend erinnerte. Vielleicht war das eine der Gefahren von diesen Dunkelelfen. Dass man erst auf den zweiten Blick bemerkte, wie gefährlich sie waren.

Aber er hatte sie nicht gesehen!!! Gwynn war schon ein bisschen stolz auf sich, auch wenn ihr schon beim Gedanken an den Moment die Knie wieder weich zu werden drohten.

Die seltsam verbrannten Stellen am Boden waren äußerst seltsam und besorgniserregend großflächig! Allerdings würde diese Stelle nicht wegrennen, der Dunkelelf aber schon! Wer wusste schon, ob er allein war, oder vielleicht sogar Freunde mitgebracht hatte. Natürlich würde Gwynn zum Dorf zurückkehren müssen, um die Menschen dort zu warnen, aber sie wollte vorher so viele Informationen wie nur möglich sammeln! Vielleicht fand der Elf sogar das, was die Stellen am Boden verursacht hatte. So oder so ihr blieb wenig Zeit zu entscheiden und so folgte sie der frischesten Spur – und ihrer Neugierde. Die Bienen hatte sie bereits völlig verdrängt.

Dabei vergaß sie allerdings nicht, wie aufmerksam der Elf war. Vermutlich rettete – neben Gwynns Kenntnissen des Waldes – nur die jagt des Elfen ihren Hals. Offenbar war dieser äußerst auf sein Ziel konzentriert.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Sonntag 13. Januar 2019, 15:29

Gwynn machte sich daran den Dunkelelfen zu verfolgen. Manch einer hätte dies wohl für einen Akt des Wahnsinns gehalten, jugendlichen Wahnsinn, Naivität oder schierer Übermüdigkeit, aber
sie war als Waldmensch aufgewachsen und mit ihrer Umgebung vertraut, machte sich ohne darüber nachdenken zu müssen ihre Umwelt zu eigen. Jeder Baumstamm, jedes Blatt waren ihre Verbündeten. Sie wusste einfach instinktiv wann es gut war stehen zu bleiben, wann sie wie im Wind den Blättern gleich leicht schwanken musste und wann sie sich Deckung suchen musste. Von ihren ersten Schritten an, lernten dies die Waldmenschen und kaum ein Volk war besser darin, nicht entdeckt zu werden als sie. Nicht umsonst hatte man in der Welt bisher kaum etwas von ihnen gehört. Optisch getarnt und vorsichtig schlich sie dem Wurg-Monster hinter her. Den Wind immer im Gesicht konnte sie sich sicher sein, dass er sie nicht witterte. Der Moment in der Höhle war riskant gewesen. Sie ahnte, dass ihr Blut sie verraten hatte, aber der starke Honigduft hatte die winzigen Bluttröpfchen in den Kratzern überdeckt. Sonst hätte das Monster sicher sofort angeschlagen. So aber war es nur neugierig gewesen, warum der Honig ein so besonderes Aroma hatte. Und noch etwas half ihr bei der Verfolgung. Gegen den Geruch, achtete sie auf die Windrichtung, gegen das Gesehen-werden, auf gute Deckung, aber gegen feine Elfenohren half nur Magie und auch hier hatte sie einen Zauber, der jeden ihrer Schritte verschluckte.

Nachdem sie also die Lichtung grob sich angesehen hatte, verließ sie den gewohnten Pfad ihres Lebens und beschritt den eines Jägers. Lautlos bewegte sie sich durch den Wald und folgte der Tierspur. Der Wurg hinterließ eine deutliche Fährte, aber manchmal waren die Abdrücke etwas tiefer, manchmal etwas flacher. Gwynn nahm an, dass sein dunkler Herr nicht die ganze Zeit auf ihm ritt, sondern sich immer mal wieder selbst zu Fuß umsah. Die Spuren des Elfen waren um ein vielfaches schwerer zu verfolgen, deshalb hielt sich Gwynn an die des Tiers.
Bald hatte sie das Gefühl wieder aufgeholt zu haben und hielt vorsichtig Abstand. Ein paar Stunden waren sicher vergangen, in denen sie den Fremden verfolgte. Die Gegend wurde etwas steiniger und immer häufiger fand sie Felskanten oder musste kleine Abhänge erklimmen. Der Wald war dicht und schützte sie. Irgendwann stand sie unter einer Felsnase und ahnte, dass ihr Ziel einen Umweg gemacht hatte um dort hinauf zu gelangen. Klettern konnten die Wurge wohl nicht gut und so kürzte Gwynn hier ihre Verfolgung ab und erklomm den Felsen. Kaum oben angekommen, sah sie gut 30 Schritt weiter weg im Wald das Monster, wie es etwas, das am Boden lag, fraß. Das entfernte Knacken von Knochen jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Gwynn verhielt sich leise und suchte sich eine neue Deckung. Dann sah sie sich genauer um. Wo war der Herr dieses Monsters? In der Nähe entdeckte sie abermals eine Steilwand unter der der Wurg seine Mahlzeit einnahm. Ein Schatten in der Wand ließ vermuten, dass sich dort oben vielleicht der Eingang zu einer Höhle oder mindestens ein tiefer Spalt befand. Ein klein bisschen näher traute sie sich noch. Gerade als sie von einem Baum zu einem nächsten huschte, hörte sie einen dumpfen Schrei. Dann sah sie kurz darauf den Dunkelelfen in der Felswand auftauchen. Da war also eine Höhle. Vermutlich sein Unterschlupf. Er hielt etwas in den Händen. In der Rechten ein martialisch aussehendes Beil mit lang gezogener Klinge und in der anderen ein Bein. Ein Bein?
Er warf es nach unten und das Wolfsmonster stürzte sich erstaunlich flink für seine Masse auf sein Futter. Gwynn musste mehrfach schlucken um den Würgereiz zu unterdrücken, der ihre Kehle kitzelte, als sie die Zehen zucken sah, als der Wurg sein Zähne in die Wade schlug. Als sie wieder hoch zum Elfen sah, da drehte sich dieser gerade wieder um und verschwand in der Felswand. Gwynn wagte sich noch nicht zu rühren, aber das das ein Mensch gewesen war, der da verfüttert wurde, dass brannte sich gerade wie Säure in ihr Gehirn. Nein, sie musste hier weg!
Gerade als sie sich abwenden wollte, erklang noch einmal ein dumpfer Schrei. Nicht laut aufgrund der Entfernung, aber doch noch lebendig. Was sollte sie nur tun?
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Montag 21. Januar 2019, 20:46

Gwynn wurde es eng um die Brust und sie kämpfte aufkommende Panik nieder. Ein Mensch … der Dunkelelfen hatte einen Menschen gefangen genommen und verfütterte ihn bei lebendigem Leib an seinen Wurg. Sie würgte erneut und nur die Angst davor entdeckt zu werden, hinderte sie daran, sich zu übergeben. Ihr Blick verschwamm als eine Welle aus Hilflosigkeit über sie hinweg spülte.

Ein Mensch – vermutlich sogar ein Mensch den sie kannte – hatte mindestens seinen Unterschenkel eingebüßt und würde auch den Rest seines Körpers an den Magen eines Wurges verlieren. Vor wenigen Sekunden hätte sie das hier für unmöglich gehalten. Wie konnte ein lebendes fühlendes Wesen einem Anderen so etwas antun?! Den Wurg traf keine Schuld, wohl aber den Elfen. Sie biss sich fest auf die Lippe um nicht zu Schluchzen.

Was soll ich nur tun?! Ich kann den Dunkelelfen nicht an dem hindern, was er tut, ich kann den Menschen nicht einfach im Stich lassen und wenn ich versuche, Hilfe zu holen, komme ich höchstwahrscheinlich viel zu spät, um sie oder ihn zu retten!!!

Sie zitterte und machte sich so kleine sie nur konnte, die Hand vorm Mund, um sich daran zu hindern, zu schreien. Mit jedem Knacken und Schmatzen zuckte sie zusammen.

Angst und Entsetzen spülten über sie hinweg, bis sie drohten, sie mit sich zu reißen.

Reiß dich zusammen, Gwynn. Mit Heulen rettest du den Menschen sicher nicht, da holt dich höch …
Sie stockte und verbot sich selbst, den Gedanken weiter zu denken.
Oh Gott, oh Gott, oh Gott!!!

Sie sog scharf die Luft ein und verharrte dann reglos, als ihr bewusst wurde, dass das Geräusch womöglich gehört worden sein könnte.

Was würde ein Erwachsener von mir wollen? Sicher würde sie sagen, ich soll weggehen und Hilfe holen, oder? Aber wenn der Mensch dann stirbt, dann bin ich Schuld, richtig? Ich hab ihm schließlich nicht geholfen und bin einfach weggegangen!

Der Gedanke ließ Gwynn zusammenzucken. Das war einfach undenkbar! Die Waldmenschen nahmen keine Leben!

Gut … ich darf nicht dumm sein, ich muss am Leben bleiben, um die Anderen zu warnen … aber ich könnte schauen, ob ich dem Menschen irgendwie helfen kann … aber dafür muss ich in die Höhle sehen …

Sie wollte die Lichtung umrunden, um sich von der anderen Seite der Höhle – oder Felsspalte – zu nähern. Dann musste sie entweder einen anderen Eingang finden, oder einen Blick in die Höhle werfen, wenn der Elf abgelenkt war. Und irgendwie musste das gelingen, ohne dass sie selbst in die Fänge der Monster geriet.
Ein Zittern ging durch ihren Körper.

Das ist doch unmöglich …

Sie kniff die Augen zu, biss die Zähne zusammen und presste ihre dünnen Hände zu Fäusten.

Ich Versuchs … und wenn es nicht klappt, renne ich so schnell ich kann … und nicht vergessen – nicht in den Feind rennen. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Dann hole ich Hilfe. Nur Schauen, nichts tun …

Dass sie der Anblick eines verstümmelten und verängstigten Menschen noch mehr erschüttern könnte, kam ihr gar nicht.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 23. Januar 2019, 20:31

Gut … ich darf nicht dumm sein, ich muss am Leben bleiben, um die Anderen zu warnen … aber ich könnte schauen, ob ich dem Menschen irgendwie helfen kann … aber dafür muss ich in die Höhle sehen …
Sie wollte die Lichtung umrunden, um sich von der anderen Seite der Höhle – oder Felsspalte – zu nähern. Dann musste sie entweder einen anderen Eingang finden, oder einen Blick in die Höhle werfen, wenn der Elf abgelenkt war. Und irgendwie musste das gelingen, ohne dass sie selbst in die Fänge der Monster geriet. Ein Zittern ging durch ihren Körper.
Das ist doch unmöglich …
Sie kniff die Augen zu, biss die Zähne zusammen und presste ihre dünnen Hände zu Fäusten.
Ich versuchs … und wenn es nicht klappt, renne ich so schnell ich kann … und nicht vergessen – nicht in den Feind rennen. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Dann hole ich Hilfe. Nur Schauen, nichts tun …
Dass sie der Anblick eines verstümmelten und verängstigten Menschen noch mehr erschüttern könnte, kam ihr gar nicht. Schließlich war sie noch jung. Neugierde, gepaart mit dem Wunsch zu helfen mischte sich hier und jetzt zu einer durchaus gefährlichen Verbindung. Langsam zog sie sich erst einmal wieder zurück. Solange der Wurg fraß, waren ihre Geräusche und Gerüche getarnt. Mit ihrem Zauber 'Auf moosigen Pfaden' traute sie sich zu auch leise genug zu sein. Die größte Gefahr entdeckt zu werden, lag im Moment im Gesehen-werden, oder wenn der Wurg sein Mahl beendet hatte und kein Blut mehr seine Nase tränkte. Also prüfte sie noch einmal die Windrichtung und suchte sich einen Weg um irgendwie an diese Höhle zu kommen. Dabei musste sie einen großen Bogen einschlagen um von oben an den Felsvorsprung zu kommen. Die Natur half ihr sogar bei der Suche, denn Gwynn kannte die kleinen Zeichen von Wegen, die selten genommen wurden, von Spuren, die sonst nur andere Waldmenschen fanden.
Es gab zwei Möglichkeiten in die Höhle zu kommen. Eine, der Vordereingang, bei der sie warten müsste, dass der Elf verschwand, denn dieser wurde von ihm gut bewacht und war am einfachsten zugänglich, ...dann gab es aber noch einen sehr sehr engen Spalt in der Nähe, dort wo sie die Haupthöhle vermutete, aber eben nicht ganz sicher sein konnte, ob er wirklich zu dem Opfer führte und ob sie nicht versehentlich stecken blieb. Gwynn war klein und wendig, konnte herausragend klettern, aber sie war sicher lieber vorsichtig, weshalb sie sich für den Spalt entschied und lieber ein paar Kratzer mehr riskierte.
Voll gepumpt mit Adrenalin und Angst schlich sie hoch angespannt zwischen den Felsen umher und suchte nach dem Eingang, ließ sich dann mit dem Kopf voran in den Spalt sinken, als sie ihn gefunden hatte. Vorher hatte sie unnötige Kleidung, Taschen und den Hut abgelegt, mit der sie sich verfangen könnte. Der Gang war sehr schmal. Der Fels rückte näher und die Wände schabten über ihren zierlichen Körper. Kanten, Risse, raue Stellen, sie nutzte alles um Halt zu finden. Es gab mehrere Abzweigungen, die sich dann tiefer im Fels trafen. DA! Sie roch etwas. Sie musste richtig sein. Eine Mischung aus Rauch, ungewöhnlichen Kräutern und Fleisch kroch ihr in die Nase, kratzte in ihrem Hals und wollte sie husten lassen. Sie hatte den natürlichen Kamin in dieser Höhle gewählt und um sie herum staute sich langsam aber sicher die warme Luft eines Lagerfeuers. Sie selbst saß wie ein Fropfen im Schlot und versuchte Luft zu bekommen, eilig zog sie sich weiter, riss sich ein paar neue Schürfwunden, aber schaffte es an eine Stelle zu kommen, wo es weiter war und sich nicht die Luft staute. Der Geruch wurde wieder etwas erträglicher und Gwynn konnte sich tiefer vor arbeiten. Dann sah sie einen Lichtschimmer in ihrem 'Luftschacht'. Sie befand sich gerade an einer Stelle, wo sie halbwegs gut auf dem Bauch liegen konnte und zog sich mit den Armen näher an eine Kante. Wenn sie sich jedoch dann zu schnell bewegen würde, könnte sie abrutschen oder der Fels vielleicht sogar nachgeben. Trotzdem musste sie einen Blick riskieren. Was sie hörte, gefiel ihr sicher auch nicht. Irgendwo in der Nähe vernahm sie ein scharfes Rasseln, dass nach sehr ungesunden Atemgeräuschen klang. Noch ein kleines Stück und dann sah sie ...
...eine Handfläche. Blutig verklebt zeigten die Finger in unterschiedliche Richtungen, so wie die Natur es niemals vorgesehen hatte. Sämtliche Finger waren ausgekugelt worden, dick angeschwollen und an einigen fehlte schon ein Stück, oder zwei... An der Hand hing ein Arm, der von vielen kleinen Brandwunden übersät war. Auch die Schulter war ausgekugelt und das Gelenk unnatürlich verkrümmt. Der andere Arm sah nicht besser aus. 'hier fiel ihr nur auf, dass sämtliche Nägel fehlten und ihm wohl heraus gerissen worden waren. Gwynns Blick wanderte hoch, in das Gesicht eines Mannes, der offensichtlich ohnmächtig war. Die Augenbrauen waren nur noch eine blutige Masse und die Lider darunter so zugeschwollen, dass sie aussahen wie dicke blaue Pflaumen. Aber das Schlimmste war, der lange silbrigen Dorn, der aussah wie eine Stricknadel ihrer Mutter. Sie steckte im inneren Winkel seines linken Auges. Aus seinem linken Ohr war Blut geflossen. Sein Haar war von undefinierbarer Farbe und vollkommen verklebt. Die Nase wahrscheinlich mehrfach gebrochen und die Lippen aufgeplatzt, das Kinn mit einem Bart verklebt. Sein Hals zeigte Würgemahle von einer Kette, die dort um ihn gewickelt worden war und die Rippen traten unter seiner Haut scharfkantig an einigen Stellen aus seinem Leib hervor. Gwynn sah ein paar kryptische Zeichnungen, Tätowierungen in Form eines seltsamen Pfotenabdrucks unter dem verkrusteten Blut auf seiner Brust und... Warum konnte sie nicht endlich weg sehen?!?
Die Haut auf seinem Bauch war an mehreren Stellen aufgeschnitten und anscheinend sogar wieder teilweise vernäht worden. Seine Lenden waren ebenso von Blut verkrustet wie der Rest seines Körpers. Dann fiel ihr Blick auf seine Beine und fast hätte sie sich übergeben. Das linke Bein war bereits bis über das Knie abgetrennt und der Oberschenkelkochen schaute eine Hand breit hell und gruselig sauber aus der verbrannten Wunde hervor. Das andere Bein wirkte noch etwas länger, aber ungefähr ab Mitte des Unterschenkels war es sauber abgetrennt und wirkte frisch kauterisiert. Wie konnte ein Mensch...irgendein Wesen so etwas... so eine Folter überleben?
Gwynns Herz war fast stehen geblieben und begann nun wie verrückt zu rasen. Instinktiv fragte sie sich beim nächsten Blick in den Raum hinein, was dort in dem kleinen Topf über dem Feuer eigentlich kochte.
Von ihrer Position aus konnte sie nur noch eine Art Schlafsack auf der anderen Seite der Höhle ausmachen und ein paar Taschen. Der Elf musst sich weiter vorne beim Eingang befinden. Wenn sie sich von ihrem Standpunkt aus hinunter gleiten lassen würde, wäre sie gleich bei dem Gefangenen, aber sie würde es vielleicht nicht mehr so leicht hinaus schaffen. Aber was ihr jetzt langsam grausam klar und bewusst wurde, sie konnte sich hier oben auch nicht umdrehen! Rückwärts kriechen? Das war unmöglich! Dann blieb sie ganz sicher in der Engstelle stecken und würde am Rauch ersticken! Sie lauschte und wartete... Sie musste da runter...nur wann?
Plötzlich hörte sie leise Schritte und ein Schatten fiel in ihr Sichtfeld. Sie wagte kaum zu atmen und verbot sich die Luft anzuhalten und nur ganz flach und langsam zu atmen, am besten im Rhythmus des Gefangenen. Das schien auch zu funktionieren, denn der Schatten kam näher, bückte sich dann aber zu einer seiner Taschen. Da sah sie dann kurz eine Hand des Dunkelelfen, wie er eine Lederrolle heraus holte und auf seinem Schlafsack ausbreitete. Darin waren sehr unterschiedliche Messer und andere Klingen an kleinen Schlaufen befestigt. Ein paar davon legte er mit den Spitzen voran in die Glut. Dann wandte er sich seinem Gefangenen zu und raunte etwas in dieser gruseligen Sprache:
„Ich bin noch mal kurz draußen. Lauf nicht weg...Ha!... immer wieder lustig.“
Damit verließ er den hinteren Teil der Höhle und kurz darauf hörte Gwynn wie der Wurg so etwas wie ein freudiges Winseln von sich gab. Jetzt oder nie, sagte sie sich und ließ sich mit zitternden Muskeln über die Kannte rollen. Sie fing sich mit den Kniekehlen ab und griff im Schwung nach einem Riss in der nahen Wand um ihren Sprung auf den Boden so leise wie möglich zu gestalten. Kaum dass sie still stand lauschte sie mit angehaltenem Atem, ob der Elf irgendetwas bemerkt hatte und zurück kam.
Es blieb still.
Jetzt musste sie nur schnell entscheiden ob sie eilig wieder hinauf kletterte, oder sich in der Höhle und den Gefangenen noch genauer ansehen wollte.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Mittwoch 13. Februar 2019, 17:08

Ab einem gewissen Zeitpunkt während der Musterung des Gefangen stellte sich eine gewisse Taubheit in Gwynn ein, die der Tatsache geschuldet war, dass ihr Verstand nicht begreifen wollte, was da mit dem Mann passiert war.

Sie hatte schon zuvor Angst gehabt, war noch immer erschreckt von der kurzen Phase der Atemlosigkeit, als sie sich durch den Engpass im ‚Schornstein‘ hatte zwängen müssen und war dann in Greifweite des Folterknechts gewesen. Gerade der Rückweg durch diese Stelle bereitete ihr bereits grauen - gerade weil sich der Rauch dann IN der Höhle sammeln würde und im schlimmsten Fall den Dunkelelfen auf sie Aufmerksam machte.
Also schaltete ein Teil von ihr einfach auf Taub, während der Rest zu zittern begann und ihr Tränen über die Wangen liefen.
Schrecklich, das alles hier ist unfassbar unbegreiflich schrecklich!!!

Der Anblick des Gefolterten hatte sich in ihren Geist gebrannt und selbst als sie kurz die Augen schloss, konnte sie die Menschliche Ruine sehen. Verzweifelt fragte sie sich, ob das Tattoo ihr irgendetwas sagen sollte, aber ihr Verstand sperrte sich schlichtweg gegen alles, was größere Denkleistungen erforderte.

Sie war einer der Waldmenschen. Einem Volk dass in seinem Kern Gutmütig und Friedlich war, aber gerade fragte sie sich, ob das Gnädigste, was sie für den Mann am Boden tun konnte, nicht der Tod wäre.

Es gab einfach keine Möglichkeit, dass das Geschöpf am Boden nicht gebrochen sein konnte ... er hatte keine Beine mehr! Ihr Magen drohte, sich wieder zu heben und ein Schluchzen versuchte verzweifelt durch ihre Kehle nach draußen zu dringen.
Florencia, gib mir Kraft!

Sie hielt die Hand vor ihren Mund und kniff ihre Augen kurz zusammen.
Unfähig, einfach zu gehen ließ sie den Blick durch den Raum schweifen, an den scharfen Werkzeugen vorbei, zu dem Mann am Boden. Ihr Herz zog sich zusammen. Er musste so verzweifelt und so allein sein!!! Sie konnte ihn doch nicht so liegen lassen - und doch war das genau dass, was sie würde tun müssen.

Zitternd beugte sie sich über den Gefolterten, um zu sehen, ob er wach war - oder vielleicht noch etwas an sich hatte, was ihr helfen würde, seine Identität festzustellen - oder auch nur die Zeit, die er sich in den Fängen des Dunkelelfen befinden musste.
Dabei war ihr nur allzu bewusst, dass das Grauen auf Zwei Beinen jederzeit wieder auftauchen konnte.

Ihr schauderte bei der Erinnerung an die hübsche Sprache, die mit so viel Verachtung und Schadenfreude gesprochen worden war.
Vielleicht konnte sie dem Gefangenen wenigstens etwas Trost spenden ... oder gar Hoffnung geben- wenn das unter diesen Umständen überhaupt möglich war.

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. Februar 2019, 18:31

Es gab einfach keine Möglichkeit, dass das Geschöpf am Boden nicht gebrochen sein konnte ...
Gwynn hielt die Hand vor ihren Mund und kniff ihre Augen kurz zusammen. Unfähig, einfach zu gehen ließ sie den Blick durch den Raum schweifen, an den scharfen Werkzeugen vorbei, zu dem Mann am Boden. Zitternd beugte sie sich über den Gefolterten, um zu sehen, ob er wach war - oder vielleicht noch etwas an sich hatte, was ihr helfen würde, seine Identität festzustellen - oder auch nur die Zeit, die er sich in den Fängen des Dunkelelfen befinden musste. Dabei war ihr nur allzu bewusst, dass das Grauen auf Zwei Beinen jederzeit wieder auftauchen konnte. Ihr schauderte bei der Erinnerung an die hübsche Sprache, die mit so viel Verachtung und Schadenfreude gesprochen worden war. Vielleicht konnte sie dem Gefangenen wenigstens etwas Trost spenden ... oder gar Hoffnung geben, wenn das unter diesen Umständen überhaupt möglich war.
...war es nicht. Hier war alle Hoffnung schon vor langem erloschen und wie lange der Mann schon in den Händen seines Folterknechtes war, war unmöglich einzuschätzen. Es gab frische Narben und jene, die schon verwachsen waren. Vielleicht schon Jahre alt, aber dann könnte man sich auch fragen, ob alle von ein und dem selben Einfluss her rührten, oder vielleicht durch viele unterschiedliche Anlässe hervorgerufen worden waren. Die Höhle gab da mehr Aufschluss. Sie war gut ausgestattet und das Lager zeigte im Gestein Gebrauchsspuren. Auf jeden Fall waren die beiden länger als ein nur ein paar Tage schon hier. Der Dunkelelf hatte einen guten Platz für sein Opfer gewählt. Der Wald schluckte die Geräusche und man hatte hier alles was man brauchte, wusste man wo man suchen musste. Außerdem war das hier „Niemandsland“ … Ein Fleckchen Erde, das niemand beanspruchte, das zwischen den Territorien lag, quasi eine Grenze zwischen den Ländern Celcias. Gwynns Blick fiel auf den Gefolterten.
Der Mann war ein Schatten, ein vergessener Gedanke, eine Erinnerung seiner selbst, mehr nicht. Das Leben was noch in ihm steckte, war einzig und allein für das Anhalten seiner Qualen verantwortlich... und doch...
Als Gwynn näher trat zuckte einmal kurz sein Körper, als hätte er sie vielleicht gehört? Fast hätte sie laut aufgeschrien, doch die drohende Gefahr, das Leid und ihre eigene Angst hatte ihr zum Glück schon zuvor den Atem genommen. So erschrak sie sich nur und starrte auf den Leib hinab, dessen Kopf sich zuckend grob in ihre Richtung bewegte. Sein Brustkorb hob und senkte sich etwas schneller, als rege er sich auf. Die aufgeplatzten Lippen öffneten sich und ließen ein Rinnsal blutigen Speichel frei. Das Geräusch, das er dabei machte, war mehr ein Röcheln als ein Husten. Dann versuchte er zu sprechen, aber sie verstand nichts. Unwillkürlich lehnte sie sich näher zu ihm herab und vernahm etwas, dass kaum einen Sinn machte. Unter blubbernden und zischenden Geräuschen, glaubte sie so etwas wie:
„... *drllhhhusthusthust*...drrritte Klaaaaahhue...*huströchel*...“
, heraus zu hören.
Nur was sollte sie nun mit dieser Information anfangen? Es war überhaupt ein Wunder, dass er gesprochen hatte! Bei der Nadel im Auge, die vermutlich noch deutlich länger war, als das Stück das man sehen konnte, war bestimmt nicht nur sein Auge verletzt, sondern auch Teile dessen, was dahinter lag. Gwynn konnte immernoch gehen... oder sich auf die Suche nach der „dritten Klaue“ machen... oder seinem Leid ein Ende bereiten... oder alles zusammen. Unendlich viel Zeit hatte sie sicher nicht, aber noch war von dem Dunkelelfen nichts zu hören. Vielleicht überlebte der Mann vor ihr sowieso nicht mehr lange. Vielleicht könnte sie später noch, wenn der Dunkelelf seine grausige Tat beendet hatte, diesen Ort genauer untersuchen...oder den Leichnam. Manchmal gab es mehrere Wege zum Ziel. Auch wenn sie befürchtete, das in diesem Fall ALLE Wege furchtbar waren und ihr nicht gefallen würden. Doch trotzdem war sie hier und starrte auf den Mann hinunter.
Dritte Klaue, dritte Klaue, dritte Klaue...
„Unter Druck funktioniert der Kopf nicht richtig, dann atme durch und fang noch mal von vorne an, als hättest du alle Zeit der Welt“
Das hatte einmal Arienh zu ihrer Mutter gesagt, die darauf hin fast an die Decke gegangen wäre. Wenigstens durchatmen war eine Option. Vielleicht fiel ihr dann etwas ein.
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Montag 22. April 2019, 15:32

„Unter Druck funktioniert der Kopf nicht richtig, dann atme durch und fang noch mal von vorne an, als hättest du alle Zeit der Welt“
Gwynn versuchte sich in einem tiefen Atemzug, der eher zu einem leisen abgehackten Schluchzen wurde.

Das alles hier war so furchtbar. Ihr Kopf wollte gar nicht begreifen WIE furchtbar. Ihre Nase lief und ihre Wangen waren feucht. Normalerweise hätte sie sich geschämt zu Weinen, aber neben dem Schrecken und der Angst, die sie gepackt hatten, war da einfach kein Platz mehr.

Sie musste nicht zu ihren Händen sehen, um zu wissen, dass sie zitterte. Ihre Zähne wollten aufeinanderschlagen und nicht zu klappern aufhören, aber das Geräusch hätte sie verraten also hielt sie den Mund leicht offen.

‚Dritte Klaue‘
Was mochte das bedeuten? Es musste wichtig sein, wenn der Gefangene seine kostbare Energie darauf verwandte, sie zu warnen.
Ihr Magen drohte wieder, sich zu drehen und sie unterdrückte mit aller Gewalt das würgen.

Es wäre das richtige, sein Leiden zu beenden – und dann wäre der Dunkelelf gewarnt und würde sie jagen.

Deswegen durfte sie ihn nicht anrühren, aber dann würde er weiter leiden und jede Sekunde länger wäre eine zu viel!

Aber was machte sie sich etwas vor. Gwynn war niemand, der Leben beendete. Und was das betraf, auch niemand der für eine solche Spionage Mission geeignet war!

Ihre Hände zitterten noch immer und sie war nicht sicher, ob sie sich dazu bringen konnte, die Sachen des Dunkelelfen zu durchsuchen. Aber sie wusste auch nicht, ob sie noch einmal her kommen konnte – selbst wenn es vermutlich eine wirklich gute Idee war! Alles in ihr schrie nach Flucht und wollte zurück ins Dorf um sich in die Arme ihrer Mutter zu werfen und zu weinen.

Also biss sie sich feste auf die Lippe, nahm einen tiefen Atemzug und versuchte so ruhig wie möglich nach dieser ‚dritten Klaue‘ zu suchen. Dabei ließ sie jedes Geräusch, und war es noch so klein, zusammenzucken. Der Dunkelelf durfte sie auf gar keinen Fall hier erwischen!!!!

Die dritte Klaue – oder etwas, dass ihr verraten konnte, was es war, finden und dann hier verschwinden!

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Dienstag 30. April 2019, 08:42

Gwynn biss sich fest auf die Lippe, nahm einen tiefen Atemzug und versuchte so ruhig wie möglich nach dieser ‚dritten Klaue‘ zu suchen. Dabei ließ sie ein grollendes Geräusch zusammenzucken. Es kam von draußen und mit heftig pochendem Herzen beugte sie sich etwas näher in Richtung Ausgang der Höhle. Vielleicht konnte sie einen aus einem günstigen Blickwinkel hinunter spähen und sehen, was der Dunkelelf gerade machte.
Es funktionierte.
Eng an die Felswand gepresst hatte sie sich so weit vorgewagt wie sie sich eben traute und linste über die Kannte nach unten. Da war er! Zusammen mit seinem Wurg, diesem Monsterwolf! Sie...
Sie spielten!
Der Anblick hatte etwas so liebevolles, dass es im Zusammenhang mit dem gefolterten Menschen hier oben einfach nur unwirklich wurde. Dieser zugegeben gutaussehende, dunkle Kerl, der gerade sein Reittier „kuschelte“, ihm durchs Fell wuschelte, ihn streichelte und kraulte, dann mit ihm an einem dicken Ast spielerisch zerrte, genau der gleiche Mann war zu so unsagbar bösen Taten fähig, dessen Gwynn hier oben Zeuge geworden war. Und dieser Dunkelelf durfte sie auf gar keinen Fall hier erwischen!!!!
Verstört von dem Anblick zog sie sich wieder in die Höhle zurück und suchte die dritte Klaue – oder etwas, dass ihr verraten konnte, was es war. Sie musste sie einfach finden und dann hier verschwinden!
Noch einmal beugte sie sich über den halbtoten Mann und da sprang es ihr ins Auge.
Die Tätowierung! Die merkwürdig geformte Tatze auf der Brust des Mannes hatte Klauen. Gwynn zögerte, aber streckte dann vorsichtig die Hand aus. Ihre Furcht ließ ihr Finger zittern, als sie sich seiner schweißigen, verklebten Haut näherte. Ganz vorsichtig berührte sie die dritte Klaue und fühlte es. Um ganz sicher zu sein, tastete sie noch mal über eine der anderen, aber dort war es nicht. Unter der Haut der dritten Klaue war etwas hartes ins Muskelgewebe eingebettet. Es war klein und filigran und ein kleines Wunder, dass der Folterer es noch nicht entdeckt hatte. Gwynns Blick fiel auf die Folterinstrumente des Dunkelelfen. Ein Messer mit einer vergleichsweise winzigen Klinge lang dort. …
Konnte sie das tun?
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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Gwynn » Dienstag 16. Juli 2019, 20:46

Noch immer das Bild des Dunkelelfen, der mit seinem monströsen Wolf so liebevoll spielte, vor Augen, fragte sie sich:
Gibt es eine Grenze für empfundenes Grauen?! Habe ich die jetzt erreicht?

Sie wandte sich von der Szene ab und ihrer ‚Aufgabe‘ zu. Ihr wurde klar, was der Gefolterte gemeint hatte und sie musste sich festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, während sie um Luft Rang.
Offenbar nicht.

Sie hatte alles zur Hand, um an das, was der Mann ihr geben wollte, heran zu kommen. Außer dem Wissen und der Courage, mit den Werkzeugen um zu gehen. Aber was auch immer dort verborgen war, der Dunkelelf wollte es offenbar. Das hier was das Einzige, was sie für den Gefangenen tun konnte. Er hatte Wochen, Monate oder Jahrelange Folter überstanden. Gwynn musste es nur ertragen, einen anderen Menschen zu verletzen und dem Mann etwas aus der Brust schneiden.

‘Nur‘

Ihr wurde kalt. Verzweifelt versuchte sie tief Luft zu holen, aber sie konnte sich einfach nicht zu einer ruhigen Atmung zwingen. Mit zitternden Händen und weichen Knien nahm sie das Messer vom Tisch und näherte sich dem Verletzen. Sie ging vor ihm in die Hocke, ein Knie auf den Boden gestützt, und beugte sich vor.

Sein Fleisch fühlte sich gegen ihre kalten schwitzigen Hände brennend heiß und trocken an. Das Messer war scharf, aber ihre Hand war zu zaghaft und zu verschwitzt, also hinterließ sie nur eine dünne zittrige rote Linie auf der gemarterten Haut des Mannes.

Gwynn würde fester drücken müssen und sie wusste, sie hatte nicht die Präzision hatte, um das hier sauber und schnell zu machen. Tränen rannen ihr über die Wangen und stille Schluchzer ließen ihre Schultern zucken. Aber irgendwie … irgendwie musste sie das hier schaffen!

Die Zähne fest aufeinander gepresst setzte sie ein weiteres Mal an, diesmal mit mehr Kraft und betete, dass sie nicht das, was unter seiner Haut lag, versehentlich beschädigte. Und wenn der Schnitt getan war, musste sie es nur noch unter der Haut hervor ziehen …

‚Nur‘

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Re: Auf neuen Pfaden

Beitrag von Erzähler » Sonntag 21. Juli 2019, 13:09

Gwynns Haut war eiskalt. Verzweifelt versuchte sie tief Luft zu holen, aber sie konnte sich einfach nicht zu einer ruhigen Atmung zwingen. Mit zitternden Händen und weichen Knien nahm sie das Messer vom Tisch und näherte sich dem Verletzen. Sie ging vor ihm in die Hocke, ein Knie auf den Boden gestützt, und beugte sich vor. Sein Fleisch fühlte sich gegen ihre kalten schwitzigen Hände brennend heiß und trocken an. Die Stelle, in die sie schneiden wollte, fühlt sich wie eine alte Narbe an. Das Messer war scharf, aber ihre Hand war zu zaghaft und zu verschwitzt, also hinterließ sie nur eine dünne zittrige rote Linie auf der gemarterten Haut des Mannes. Er gab keinen Laut von sich, als sie viel zu zart das Messer über seine glühende Haut zog. Gwynn würde fester drücken müssen und sie wusste, sie hatte nicht die Präzision hatte, um das hier sauber und schnell zu machen. Tränen rannen ihr über die Wangen und stilles Schluchzen ließ ihre Schultern zucken. Aber irgendwie … irgendwie musste sie das hier schaffen!
Die Atmung des Mannes vertiefte sich und mit jedem Einatmen drückte sich sein Brustkorb stärker gegen die Klinge, als wollte er ihr damit helfen. Zu mehr war er jedoch nicht fähig.
Die Zähne fest aufeinander gepresst setzte sie ein weiteres Mal an, diesmal mit mehr Kraft und betete, dass sie nicht das, was unter seiner Haut lag, versehentlich beschädigte. Und wenn der Schnitt getan war, musste sie es nur noch unter der Haut hervor ziehen …
‚Nur‘
Das erste Anritzen der Haut war dabei nicht mal das schlimmste. Es war der Widerstand der festeren Gewebeschichten darunter, den sie überwinden musste. Ihr Angst und Unsicherheit ließen gewiss den Vorgang zitterig und langwieriger sein als nötig, aber schließlich hatte er nur sie. Sie allein konnte ihm helfen seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Sie allein hatte die Möglichkeit, war am rechten Ort zur rechten Zeit um dieses Werk zu vollbringen. Ihre Hand schloss sich nach einigen erfolglosen Versuchen etwas fester um den Griff des Messers und der Mann unter ihr atmete tief ein. Die Spitze drang ein und erreichte eine Schicht aus altem Narbengewebe, dass sie über dem zwischen zwei Muskelfaszien eingebetteten Gegenstand gebildet hatte. Hier blutete das Gewebe auch weniger, war aber härter und Gwynn musste einiges an Mut auf sich bringen, noch ein wenig fester zuzudrücken. Dann glitt die Klinge plötzlich ohne jeden Widerstand tiefer, streifte etwa hartes und sie zog sie schnell wieder hoch. Sie hatte die kleine Tasche zwischen dem Muskelgewebe geöffnet und ganz kurz schimmerte etwas grünes darin, bevor sich der Schnitt mit Blut füllte. Jetzt galt es was auch immer darin verborgen war, heraus zu holen. Gwynn legte das Messer beiseite und tastete sich vorsichtig an den Rand. Jetzt da sie wusste, wo der Gegenstand verborgen war, konnte sie mit etwas Druck von beiden Seiten ihn vielleicht heraus drücken. Sie versuchte es und tatsächlich schob sich etwas an die Oberfläche. Vorsichtig griff sie mit ihren zarten Fingerspitzen in die Wunde, aber durch das glitschige Blut brauchte es zwei Anläufe, bis sie es zu fassen bekam. Mit einem leise schmatzenden Geräusch zog sie etwas heraus, dass auf den ersten Blick wie eine etwas unförmige kleine Scheibe mit einem Loch aussah und in dem Moment, wo das Ding seinen Körper verlassen hatte tat der Mann seinen letzten lange Atemzug... der seinen Körper mit einem leisen, langgezogenen:
„Laahhhuuuuf!“
verließ.



Vollkommen in Gedanken versunken saß Gwynn auf einem alten Baumstamm in der Näher des Hauses ihrer Großmutter und betrachtete das langsam verlöschende Licht zwischen den Bäumen. Rosa, orange und … rote Flecken zeichneten sich auf den grünen Blättern ab... genauso wie damals Blut auf dem kleinen Anhänger den sie jetzt, verborgen unter ihrer Kleidung, an einem Band um den Hals trug.
Immer wieder in stillen Momenten, kamen die Bilder wieder hoch und ihre Hand wanderte zu dem kleinen Anhänger und den Erinnerungen zurück. Die Erinnerungen an den Tag, wo sie Honig holen sollte und einem Dunkelelfen und seinem Opfer begegnete. Ja, sie war gelaufen! Sie war geflüchtet, fort von dem Ort, an dem sie Gevatters Anwesenheit gefühlt hatte. Die Kälte saß ihr noch heute in den Knochen, wenn sie daran dachte, wie sein Körper wohl nur auf diesen Moment gewartet hatte, dass sie ihn erlöste. Kaum hatte sie das Ding entfernt, kaum hatte er seinen langen Atem ausgehaucht, war sein Körper in sich zusammen gefallen, hatte jegliche Spannung verloren, als hätte man die Fäden seiner Existenz durchschnitten. Es war kalt gewesen, so kalt und sogar in ihrer Seele hatte sie gefroren und doch... Sein Gesichtsausdruck... Er hatte gelächelt.
Jetzt hatte er sterben können...
... Dann war sie gerannt, so schnell und leise wie sie nur konnte.Kaum, dass sie durch die Schächte hinaus geklettert war, hatte sie geistesgegenwärtig nicht den gleichen Weg zurück gewählt, sondern war tiefer in die Wälder abgetaucht. Sie hatte sich dem Freund, dem Wald übergeben und war in der Natur untergetaucht. Ihre Magie, ihre Herkunft ausnutzend, hatte sie ihre Spuren verwischt, ihren Geruch getarnt, auch das erbeutete Kleinod gesäubert und war gerannt. Einmal war der Monsterwolf ihr gefährlich nah gekommen, doch da war etwas merkwürdiges geschehen...
Sie hatte ein helles grünes Leuchten zwischen den Bäumen gesehen und hatte sich in einem Busch versteckt. Nur ein paar Sekunden später hörte sie ein Jaulen hinter sich und als sie vorsichtig näher schlich, sah sie den Wurg, wie er von einem Schwarm Wespen attackiert wurde. Das gab ihr die Chance zu entkommen.
Sie hatte weder den Wurg noch den dazugehörigen Mann bis heute wieder gesehen. Sie hatte sich Zeit für ihre Flucht genommen, damit sie den Dunkelelfen nicht zu ihrem Heimatdorf führte. Erst zwei Tage später war sie wieder bei ihrer Großmutter aufgetaucht. Sie hatten sich angesehen und Arienh hatte sie nur schweigend fest in den Arm genommen. Sie hatte sie nicht zum Reden gedrängt. Irgendwann würde Gwynn ihr vielleicht erzählen was sie getan hatte, was sie gesehen hatte. Gwynn hatte sich auch am nächsten Tag bei ihren Eltern erkundigt. Im Dorf war es ruhig geblieben. Niemand hatte einen Fremden gesehen oder gar einen Wurg, auch wenn sie nicht wussten, was sie damit meinte und nur den Kopf schüttelten. Gwynn war wieder zu ihrer Großmutter zurück gekehrt und half ihr wo sie konnte. Auch Abor schien zu spüren, dass sie Zeit für sich brauchte und verhielt sich ruhiger als zuvor. Vielleicht lag es auch an den kühler werdenden Tagen und dass die Natur sich langsam auf die Langen Nächte der dunklen Jahreszeit vorbereitete. Noch waren die Abende meist warm und mild, aber in den Nächten und früh am morgen zog schon kalter Wind über das Land und brachte eine Ahnung von herbstlichen Temperaturen.
Arun hatte sich auch nicht wieder blicken lassen, bist jetzt. Aber es war auch kein Honig im Haus, was das vielleicht erklären konnte.

Gwynn hörte Arienhs schlurfenden Schritte und spürte den Baum leicht wackeln, als sich ihre Oma neben sie setzte. In ihren Händen trug sie zwei Schüsseln mit Bohnen und reichte ihr davon eine.
„Erbsen puhlen.“
Dann folgte geschäftige Stille in der auch Abor sich zu ihnen gesellte und sich die herunter gefallenen Stiele des Gemüses in die angedeuteten Ohren, in die Nase und in den Mund steckte. Im Moment war er in der Phase, wo er alles anfassen oder irgendwo rein stecken musste; vorzugsweise in den Mund. Arienh summte ein kleines Lied und Abor schaukelte im Takt dazu.
„Erbsen rollen über den Weg und sind platt!“
Beim singen des Wortes "platt" schlug sie sich mit den flachen Händen auf den Oberschenkel.
Es folgte:
"Schade, schade, jammer-, jammerschade."
Bei den Wörtern "schade" wurden der Oberschenkel langsam gestreichelt. Während "jammer-, jammerschade" erhöhte sich das Tempo des Streichelns.
Gwynn kannte das Singspiel aus ihrer noch nicht al zu fernen Kindheit und konnte mitmachen.
Die zweite Stimme begann, wenn die erste bei "Schade, schade ..." war.
Aber fühlte sie sich nach den Geschehnissen noch wie ein Kind? Der Versuch ihrer Oma, sie aufzumuntern, war sicher lieb gemeint, doch wie tief saß das empfundene Grauen wirklich? Konnte sie darüber sprechen, oder würde es ihr kleines Geheimnis bleiben?
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