Alte Freunde, neue Freunde

Dieses Dorf beweist, dass unterschiedliche Rassen auch friedlich miteinander leben und auskommen können. Menschen und Elfen haben sich zusammengetan und dieses Dorf geschaffen. Im Einklang und friedlicher Harmonie hilft man sich gegenseitig.

Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Samstag 5. Dezember 2015, 19:28

Velten kommt von Begegnung


Tatsächlich versprach Aelith nicht zu viel, denn in ihrer Hütte gab es trotz all der Kräuter, Töpfe und anderem herumliegenden und –stehenden Gerät Platz genug sogar für einen Schlafplatz für einen Zentauren. Wie sich herausstellte, war die Alte eine Heilerin, die sich die Wunden ansah und einige Fragen dazu stellte, die Danika pflichtbewusst beantwortete.
Danach beobachtete die Elfe neugierig, was geschah und welche Kräuter verwendet wurden. Aelith setzte Wasser auf, gab einige getrocknete Pflanzen hinein, wusch die Wunden aus und legte frische Verbände an. Selbst Liyas Flügel untersuchte sie, doch der Vogel wollte sich nicht helfen lassen, auch nicht von der Elfe. Sie wollte schlichtweg nicht weg von Velten oder sich von sonst jemandem angreifen lassen.
„Pff, kleiner Sturkopf!“, schimpfte die Heilerin und schüttelte den Kopf. Sie würde es am Morgen noch einmal versuchen.
Danach wärmte sie den Rest ihres Eintopfes von diesem Tag und setzte ihn ihren unerwarteten Gästen vor. „So, das sollte vorerst genügen. Ruht euch aus, Decken hab ich euch auch hingelegt. Ich gehe jetzt noch feiern. Wäre ja gelacht, wenn mich diese Jungspunde unter den Tisch trinken!“ Kichernd winkte sie der kleinen Gruppe und ließ sie vertrauensvoll in ihrer Hütte zurück.
Zum Stehlen gab es schließlich nichts, da sie nichts allgemein Wertvolles enthielt und die Kräuter könnte sie zur Not wieder sammeln. Ihr Vorrat ging ohnehin durch die lange Kältezeit allmählich zur Neige und bedurfte der Aufstockung. Nichts also, um das sie sich hätte sorgen müssen.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Samstag 12. Dezember 2015, 09:29

Wo sich ihre Reise eher langsam und nicht zuletzt wegen Veltens Verwundung beschwerlicher herausgestellt hatte als gedacht, so waren die letzten Stunde nahezu an dem Zentauren vorüber geflogen. Er konnte nicht einmal mehr klar sagen, wie sie hier in Aeliths Hütte gelangt waren. Danika hatte Allrick und ihn ja eher geführt. Das Mischwesen konnte nicht abstreiten froh über die Entdeckung anderer und vor allem einer Heilerin zu sein, doch Aelith weckte in ihm nach wie vor Misstrauen. Sie mochte alt sein, aber auch sie war ein Mensch. Mehr noch! Sie hatte ihn so seltsam angesehen. Ob sie ihn nur heilen wollte, um ihn als Nutztier oder sonstiges zu missbrauchen?
Der Zentaur dachte an seinen Sohn, an seine zurückgelassene Gefährtin. Die Wunde kümmerte ihn kaum noch, nachdem sie versorgt war. Er lag im Moment ruhig. Selbst Liya gab sich in seinem Arm nicht ganz so störrisch wie bei allen anderen. Er ließ sie gewähren, weil sie selbst verletzt war und es somit nicht leicht hatte. Die Natur nahm sich ihrer an, indem sie ihr Velten als Aufpasser geschickt hatte. Wäre er ein Wolf gewesen, hätte er sie gerissen und der Natur dafür gedankt. Oder den Sternen.
Sein düsterer Blick glitt durch die Hütte. Nie zuvor hatte er ein solches Konstrukt gesehen. Es weckte in ihm durchaus Faszination, obwohl er sich irgendwie eingesperrt vorkam. Es war weder eine Höhle noch die Freiheit des Waldes. Es war keine Lichtung. Man konnte weder die Sterne, ja nicht einmal den Himmel selbst sehen. "Sie hat Bäume geschnitten und geglättet, um sich eine Höhle aus Holz zu errichten", bemerkte er, kulturell gänzlich fremd für Hütten. Nicht einmal die elfischen Gebäude waren ihm weitgehend bekannt, als dass er sie vertraut hätte nennen können. Er erinnerte sich, dass einige seiner Sippe von einer dieser künstlichen Höhlen gesprochen hatten. Nördlich im Arus gab es eine sehr große davon, in der eine ganze Schar von Menschen leben sollte. Sie nannten es Kloster, aber diese Höhle war wenigstens ebenfalls aus Stein gewesen. Keinen Baum hatte man zerschneiden und in flache, lange Teile verarbeiten müssen. Es kam ihm widernatürlich vor.
Trotz allem musste er zugeben, dass man hier als verletzter Vierbeiner gut geschützt war. Sowohl vor Gefahren von außen wie vor den Wetterbedingungen. Noch einmal fiel sein Blick auf die eigene Flanke. Er konnte schwer einschätzen, ob Aelith ihr Handwerk verstand oder wie hilfreich ihr Behandlung gewesen war. Er selbst war kein Heilkundiger, aber Velten spürte, dass es sich besser anfühlte. Das Pochen war aus seinen Muskeln verschwunden und sie schmerzten auch nicht mehr so stark, wenn er das Bein bewegte. Aktuell lag er mit seinem Zentaurenanteil des Körpers auf der angebotenen Sclhlafstatt. Der menschliche Part war jedoch aufgerichtet, hielt Liya geduldig im Arm, doch auch den Speer, den er nicht hatte loslassen wollen. Sie waren immerhin unter Menschen. Sein Misstrauen blieb, selbst durch die Bekanntschaft von Allrick. Das hier war ihr Dorf.
"Ihr habt Euresgleichen gefunden", sprach er nun sowohl Allrick als auch Danika an. "Wie geht es für euch weiter?" Seine Pläne hatten sich nicht geändert. Er würde weiterhin nach Taimi suchen, zu Not diese Menschen und Elfen von hier ausfragen. Für ihn blieb lediglich ungeklärt, ob Danika oder Allrick ihn weiter begleiteten.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 30. Dezember 2015, 20:46

Die junge Elfe war froh, endlich ans Ziel gekommen zu sein. Je länger der Weg gedauert hatte, desto unsicherer war sie geworden, ob die Richtung gestimmt hatte. Kurz war sie tatsächlich davor gewesen, zu verzweifeln und eine Zwangspause einzulegen, auf das sie besser noch eine Nacht im Wald überstanden, denn in die falsche Richtung zu laufen. Doch letzten Endes hatte sie sich nicht geirrt, sondern alles richtig gemacht, sodass sie sich nun in einer zwar spärlich ausgestatteten, aber sicheren und warmen Hütte befanden, in der sie sich würden ausruhen können. Obendrein waren sie direkt an die Heilerin des Dorfes geraten, was nicht nur Danika begrüßte, wenngleich sie wohl die Einzige wäre, die Interesse an der Kunst selbst als lediglich am Ergebnis hatte.
Als Aelith sie allein gelassen hatte, stieg Müdigkeit in ihr auf und sie merkte, wie die Anspannung der letzten Zeit allmählich von ihr abfiel und der Erschöpfung Platz machte. Ihre Augenlider wurden schwerer, wenn sie auch noch diese halten und mit Velten reden konnte.
Lächelnd schüttelte sie den Kopf. „Ich glaube nicht, dass sie es selbst getan hat. Wahrscheinlich haben sie einen Holzfäller oder eher werden die jungen Männer es gemeinsam ausgezogen sein, um danach bauen zu können. Sie haben genug Kraft.“, erwiderte sie. So zumindest war es einst in ihrem Dorf gewesen, während die Frauen die Feinarbeit mit dem Lehm im Anschluss erledigt hatten.
Als sie auf eine Erwiderung oder sonstige Reaktion wartete, merkte sie, wie müde sie inzwischen war, denn ihre Augen begannen zu jucken und leicht schon zu brennen, während sie ein Gähnen noch unterdrücken konnte. Sie wollte sich nicht einfach hinlegen, wenn jemand noch das Bedürfnis hatte zu reden.
Im Gegensatz zu Allrick, der sich brummend eine halbwegs bequeme Position auf dem improvisierten Lager zu suchen begonnen hatte. Sein Rücken brannte nach der Behandlung zwar wie Feuer, aber Aelith hatte erklärt, dass dies für die Heilung notwendig war. Auch wenn er sie nicht kannte, vertraute er darauf, dass die Elfe, die ihm aus Kosral geholfen und ihm das Leben erhalten hatte, eingeschritten wäre, sollte dies nicht stimmen. Blieb ihm nur zu hoffen, dass der Schlaf bald käme und alles auslöschen würde.
Liya indes hatte sich nicht behandeln lassen und wirkte auch nicht gewillt, von Velten abzulassen. Stattdessen putzte sie ihr Gefieder mit Hingabe, um letzten Endes den Schnabel unter den unverletzten Flügel zu schieben und die Augen zu schließen. Völlig würde sie nicht schlafen, dazu hatte sie stets zu sehr auf der Hut zu sein, aber die Natur hatte es so eingerichtet, dass sie sich dennoch ausreichend erholen konnte.
So wurde es allmählich ruhig in der Hütte… bis der Zentaur erneut das Wort ergriff. Allrick brummte nur erneut und drehte sich, sodass er mit dem Gesicht zur Wand lag, die Decke hoch gezogen. Danika lächelte nachsichtig, als keine fünf Sekunden später sein Schnarchen erklang, ohne, dass er geantwortet hätte.
„Bitte entschuldige ihn.“, fühlte sie sich bemüßigt zu sagen und schenkte auch Velten ein Lächeln. „Er hat viel durchgemacht und das nicht nur körperlich.“ Sie zuckte mit den Schultern, ein Schatten huschte bei der Erinnerung über ihr Gesicht, da es bei ihr noch um einiges schlimmer gewesen war. Doch darüber wollte sie jetzt gewiss nicht reden, also widmete sie sich lieber der gestellten Frage.
„Ich weiß nicht, was Allrick vorhat.“, gestand sie. „Aber ich werde erst einmal hier bleiben. Zurück kann ich nicht…“ Nun wurden ihre Augen trotz allem feucht und die Stimme erstarb, als sie daran denken musste, dass es ihre Heimat nicht mehr gab.
Zerstört, alles war zerstört worden und wer bis zu ihrer Flucht noch gelebt hatte, war geschunden und versklavt worden. Ob noch mehr ihrer Bekannten und Freunde hatte fliehen können an jenem Tag? Ob sie diese je wiedersehen würde…? Schwer schluckte sie und schniefte leise, während sie sich hastig über die Augen wischte, unfähig, die obligatorische Gegenfrage zu stellen. Vielmehr wäre sie auf ein bisschen Trost oder Ablenkung angewiesen, um sich nicht all dem Schmerz stellen zu müssen. Noch war sie einfach nicht so weit…
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Montag 4. Januar 2016, 14:49

Die Müdigkeit nagte an ihnen allen. Auch Velten sehnte sich danach, seine Augen zu schließen und endlich mit einem Gefühl der Sicherheit ruhen zu können. Eine gewisse Skepsis blieb bei dem Mischwesen, immerhin befand er sich in einem unnatürlichen Bau von Menschen, doch Danika war freundlich zu ihm gewesen und sie traute Aelith. Er war bereit, aufgeschlossen genug zu sein, es zu versuchen. Er würde schon noch sehen, wohin es ihn führte. Da er im Augenblick aber wirklich müde war - wie alle anderen auch - war er froh, dass es ihn auf ein Lager geführt hatte.
Trotzdem gab es für den Zentauren noch einige offene Fragen, die er unbedingt vor dem Schlafen stellen musste. Ob sie ihm auch Antworten lieferten, das wussten nur die Sterne. Erneut glitt sein Blick nach oben. Zuerst die dunkle Jahreszeit, nun ein Verschlag aus Brettern, der ihm die Sicht zu den Vorsehern seines Volkes versperrte. Das konnte kein gutes Omen sein. Es machte den alteingesessenen Jäger tatsächlich etwas nervös. Aber er ließ sich in seiner üblich ruhigen Art nichts anmerken. Stattdessen lauschte er Danikas Erklärungen zu menschlchem Hausbau. Allrick hatte sich ohnehin längst verabschiedet. Bis auf leichte Laute, die seinen Missfall ausdrückten, weil er so nicht schlafen konnte, kam von ihm nichts mehr. Velten akzeptierte das. Wenn auch er wirklich ruhen wollte, reagierte er manchmal nicht minder brummig. Er konnte den Menschen nachvollziehen. "Ich entschuldige ihn", sagte er daher zur Elfe. Sie gewann erneut seine volle Aufmerksamkeit. "Dann ... werden sich unsere Wege mit dem Morgen trennen", setzte er fort. "Ich bleibe nicht."
Auf einen Abschied verzichtete er jedoch, ebenso wie auf die Nennung seiner Beweggründe. Die gingen niemanden Sippenfremdes etwas an und dennoch würde er sie noch genug dieser Menschen und Elfen mitteilen müssen, um voran zu kommen. So sah zumindest sein Plan für den Folgetag aus. Er hatte vor, sich im Dorf umzusehen, in dem sie nun auch untergekommen waren. Vielleicht kannte diese Aelith ja jemanden, mit dem er über seinen verschollenen Sohn sprechen und die alte Suchfährte wiederaufnehmen konnte. Etwas Anderes blieb ihm kaum übrig.
"Mögen die Sterne über dich wachen", wünschte er Danika einen geruhsamen Schlaf, ehe auch er endlich die Augen schloss.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Sonntag 24. Januar 2016, 20:10

Das Misstrauen des Zentauren war zwar verständlich, wenn man ihn und seine Vergangenheit kannte, allerdings an diesem Ort unangebracht. Ihm würde nichts geschehen, denn das Dorf dieser Waldmenschen war ein sicheres Plätzchen.
Ja, Aelith hatte ihn aufmerksam und neugierig gemustert, weil sie lediglich Geschichten über Wesen seiner Art gehört hatte, doch drohte von ihr keine Gefahr, sofern man in unzähligen Fragen keine erkennen wollte. Er könnte unbeschwert ruhen, diese Nacht würden ihm keinerlei Angriffe von wilden Tieren oder feindlich gesinnten Personen drohen.
Auch Danika versuchte, ihm zu zeigen, dass sie es geschafft hatten und in Sicherheit waren, während Allrick bereits den Schlaf der Erschöpften angenommen hatte. Die junge Elfe konnte ebenfalls die Augen kaum noch offen halten, aber sie war ein zu freundliches, mitfühlendes Wesen, als dass sie sich einfach umgedreht hätte und eingeschlummert wäre. Stattdessen kämpfte sie und bemühte sich, ihre Sinne so zusammen zu halten, dass sie ihm seine Fragen beantworten konnte, soweit das in ihrer Macht stand.
Trotzdem sie ihn kaum kannte, war seine Feststellung von einer Art, die sie ein wenig betrübte. „Oh… das ist schade.“, murmelte sie und seufzte leise. „Aber so schnell? Möchtest du deine Verletzung nicht erst heilen lassen?“, stellte sie eine Gegenfrage.
Dann jedoch kamen sie auf ein Thema, das ihr nicht nur nahe ging, sondern auch Tränen herauf beschwor, die ihr unangenehm waren und die sie dennoch nicht zurückhalten konnte. Umso froher war sie im Endeffekt darüber, dass er ihr auf seine Weise eine erholsame Nacht wünschte und sich abwandte. So konnte Danika mit gutem Gewissen sich umdrehen und auf dem behelfsmäßigen Lager zusammen rollen, um still ihren Tränen freien Lauf zu lassen. Es dauerte, bis auch sie einschlief, eine Zeitspanne, in welcher Velten bereits von einem Traum beehrt wurde…

Der Schlaf kam fast ohne Vorankündigung. Die letzten Tage waren sehr hart gewesen und die Verletzung des Zentauren verlangte auch noch immer ihren Tribut. Seine Stärke, sein Stolz und seine pure Willenskraft hatten ihn lange aushalten lassen, doch jetzt holte sich sein Körper, was er brauchte: Schlaf!
Kaum hatten sich seine Lider geschlossen, schien es, als würde er gen Himmel blicken in ein weit geöffnetes Sternenzelt. Abermillionen Lichter hatten sich für ihn versammelt und ließen seine Umgebung in sanftem Licht leuchten. Eine Hand legte sich auf seinen starken Unterarm und sein Kopf wandte sich zur Seite. Shalla, Veltens geliebte Frau, stand nah bei ihm und lächelte. Sie sah den kleinen Hügel hinunter, der sich malerisch vor ihnen ausbreitete. Der Wind zupfte an ihren Haaren und sie sah wunderschön aus.
Noch schöner war das Strahlen ihrer Augen, als sie lachte:„Haahahaha! Schau!“
Velten blickte in die von ihrem schlanken Arm gewiesene Richtung. Am Fuß des Hügels tobte sein junger Sohn einem Fohlen gleich herum. Er versuchte gerade einen Schmetterling zu fangen und sprang dabei mit allen vier Beinen in die Luft. Mit seinen vier Jahren war er schon kräftig und sicher auf ihnen unterwegs.
„Taimi! Lass den kleinen Freund in Ruhe sein Werk tun. Er küsst die Blumen, damit sie nächstes Jahr wieder blühen.“, erklang Shallas Stimme neben Velten und sein Sohn kam munter heran galoppiert.
„Warum macht er das?“
„Weil es seine Aufgabe ist.“
„Wer hat sie ihm denn gegeben?“
„Das war Florensia.“
„Warum gibt sie mir keine Aufgabe?“
„Weil du noch zu klein bist und wachsen musst.“
„Wie kann ich schneller wachsen?“
„Indem du dein Essen immer schön auf isst.“
„Wann gibt es Essen?“
„Bald.“
„Wie bald?“
Velten hörte sich sagen:„Hoffentlich bevor wir beide verhungern oder deiner Mutter der Geduldsfaden reißt.“
Shalla lachte und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. Ihre Augen verwandelten sich so nah vor seinem Gesicht zu zwei funkelnden Sternen und als er die Augen aufschlug, blickte er nach ihr suchend in die Höhe und es mochte den Anschein haben, dass zwei Sterne funkelnd zu ihm herab schauten, verborgen von dem Menschendach.


Als Velten die Augen aufschlug, war es nicht still in der Hütte. Wie lange mochte er geschlafen haben? Stunden vermutlich. Auf jeden Fall hatte sich etwas in diesem Raum verändert, das sich anfangs nicht erkennen ließ. Erst, als sich sein Verstand klärte und die Erinnerung an den Traum immer mehr verblasste, konnte er womöglich ausmachen. Es war noch jemand hier, der zuvor, als er eingeschlafen war, nicht anwesend gewesen war. Aelith…
Die Heilerin war mitten in der Nacht lautlos zurück gekehrt, betrunken zwar, aber sich der Anwesenheit der verletzten Fremden durchaus bewusst genug, um absolut kein Geräusch zu verursachen, als sie zu ihrem eigenen, angestammten Lager schlurfte und es sich dort gemütlich machte. Nun allerdings, im tiefen Schlaf versunken, um wieder nüchtern zu werden und sich von dem Fest zu erholen, konnte sie nicht mehr lautlos bleiben. Als hätte sie sich mit Allrick abgesprochen, gab sie schnarchende Laute immer dann von sich, wenn er in seinem Sägen innehielt. Selbst Liya gab leise, gurrende Geräusche von sich. Lediglich Danika schien derart erschöpft zu schlafen, dass man nichts weiter als tiefe Atemzüge hören konnte, wenn sie einmal für einen flüchtigen Moment lang übertönt wurden.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Dienstag 26. Januar 2016, 12:24

Velten hatte sowohl zu Danika als auch zu Allrick keine allzu großen Bande geknüpft. Sie waren gemeinsam gereist, hatten gemeinsam überlebt. Nun waren sie an einem mutmaßlich sicheren Ort, in jedem Fall einem, an dem er neue Kräfte sammeln konnte. Er hatte nie vorgehabt, in der Elfe oder dem Menschen enge Freunde zu finden. Seine Worte mochten daher kühler herüberkommen als er es beabsichtigte, doch letztendlich zeigte er nur die Fakten auf sachlich neutraler Ebene auf: "Jeder von uns hat seine Gründe für die eingeschlagenen Pfade. Meine führen mich weiter. Auf Verletzungen darf ich nur wenig Rücksicht nehmen." Sie gänzlich zu ignorieren wäre ein Fehler. So viel Vernunft besaß er Zentaur, aber er durfte sich jetzt auch nicht wochenlang schonen. Ein solches Verhalten war etwas für die Kleinsten, Jüngsten und jene, die im Reich von Florencia und Phaun nicht lange überleben würden: die Schwachen. Er durfte sich keine Schwäche erlauben, wenn er seinen Sohn finden wollte.

Sie legten sich zur Ruhe. Die Tränen der Elfe hatte er registriert, doch nichts mehr weiter dazu gesagt. Danika hatte schließlich ebenso dazu geschwiegen. Wenn es ihr ein Bedürfnis würde, mit ihm darüber zu sprechen, so täte sie es. Davon ging Velten aus. Im Stillen gedachte er noch einmal seiner Sippe, seiner zurückgelassenen Shalla, wiederholt Taimi. Dann schlief er ein. In dieser Nacht träumte Velten sogar von ihnen. Es war ein Traum, der ihm Kraft spendete, doch wenn man selbst im Schlaf ans Essen denkt, dann knurrt der Magen beim Erwachen nur noch lauter. Hoffentlich erschreckte Liya sich nicht.
Etwas orientierungslos schaute das Mischwesen sich um. Sein Blick suchte dabei auch den Himmel ab und als er feststellen musste, dass noch immer das Hüttenholz zwischen den Sternen und ihm stand, da erinnerte er sich. So ließ er den Blick weiter umherwandern, denn irgendetwas störte ihn. Der Jäger in ihm spürte eine Veränderung. Nein, er hörte sie. Es war noch jemand hier. Seine Augen fanden den Körper der Heilerin. Sie schlief und langsam dämmerte es Velten, wie die Frau das Holz der Bäume zu Brettern zerteilt haben musste. In Sachen Schnarchen stand sie Allrick nämlich in nichts nach. Abgesehen davon war es ruhig in der Hütte.
Da dem Zentauren die Knochen schmerzten und der Magen knurrte, entschied er, Liya vorsichtig auf dem Lager zu betten und sich dann zu erheben. Es ging recht langsam und die Flanke pochte sogleich wieder etwas, aber es ließ sich ertragen. Eine Mimose war er schließlich nicht. Mit leisem Klackern seiner eisenlosen Hufe strebte er den Weg zur Tür an. Etwas frische Luft würde ihm gut tun.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Dienstag 26. Januar 2016, 19:47

Der Vogel stieß brummende Laute aus, die man ihm gar nicht zugetraut hätte, als Velten das Tier von seinem Arm nahm. Es passte Liya offensichtlich nicht, aber noch war sie selbst zu erschöpft, als dass sie aufgewacht und Alarm geschlagen hätte… oder Protest, je nachdem, wie man das deuten wollen würde. Doch es würde noch kommen, schließlich war sie ebenfalls ein Jäger und diese schliefen nie besonders tief und lange.
Anscheinend gab es allerdings noch jemanden, der wider Erwarten keinen derart tiefen Schlaf hatte, obwohl man das hätte annehmen können. Das Geräusch seiner Hufe war nicht laut und dennoch störend genug, um ein Schnarchen zu unterbrechen. Vielleicht merkte er es nicht oder kümmerte sich nicht darum, auf jeden Fall setzte sich in Veltens Rücken die Alte auf und sah ihm mit undurchdringlicher Miene hinterher.
Bis er die Tür erreicht hatte. Mit erstaunlich klarer Stimme, als hätte sie nicht gerade noch ihren Rausch ausgeschlafen, meinte sie leise, um die anderen nicht zu wecken:„Hältst du es wirklich für klug, einfach so zu verschwinden?“
Sie fuhr sich seelenruhig, sich seiner Aufmerksamkeit erstaunlich sicher, über das etwas wirre, grau-weiße Haar, als wolle sie es ein wenig ordnen. Doch der Versuch war halbherzig und diente eher dazu, es ihm zu überlassen, ob er sich ihr auch zuwandte oder nicht, ehe sie aufstand und sich ausgiebig streckte. Dann schlurfte sie zu der Stelle, an der sie normalerweise kochte, und nahm einen leeren Eimer.
„Du bist verletzt und das recht stark. Außerdem musst du hungrig sein. Wenn du dich also von deinen Freunden nicht einmal verabschieden, sondern dich wie ein Dieb davon schleichen möchtest, solltest du dich wenigstens stärken.“, fuhr sie unbeirrt und von ihrer Ansicht überzeugt fort.
Dann hielt sie ihm den Eimer hin. „Hinter meiner Hütte ist ein Brunnen. Solange du hier bist, können wir deine Kraft ein bisschen einsetzen. Ich richte dir einstweilen etwas zur Stärkung.“ Damit sah sie ihn auffordernd an, den Eimer zu nehmen und die ihm zugewiesene Aufgabe zu erfüllen.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Montag 22. Februar 2016, 14:56

Ein Jäger, der nicht immer seine Umgebung aufmerksam mit allen Sinnen überschaute, konnte schnell selbst zur Beute werden. So entging Velten vor allem das Unterbrechen eines Schnarchgeräusches nicht. Er bemerkte es mehr noch, als dass er das leise Rascheln wahrnahm. Doch er wahrte seinen Beobachter zunächst in Sicherheit, indem er sich nichts anmerken ließ. Der Zentaur setzte weiterhin einen Fuß vor den anderen. Dabei drehte er lediglich den Kopf eine Nuance seitlich. Es half nichts. Auch aus dem Augenwinkel heraus konnte er in der Dunkelheit dieser Hütte kaum etwas ausmachen. Seine Augen hatten sich an den Zustand noch nicht gewöhnt. Er musste sich auf sein Gehör verlassen und das verriet ihm die ungefähre Position desjenigen, der seinen Schlaf beendet zu haben schien.
Schließlich hörte er die Stimme. Eine alte Stimme. Sie alle klangen immer so von Weisheit geprägt. Man konnte sie leicht von denen der Jungen unterscheiden. Aber allem voran war sie dem Mischwesen nicht vertraut. Sie gehörte weder Danika noch war sie so tief, dass er sie hätte Allrick zuordnen können. Jemand Fremdes war hier. Er blieb gerade stehen. Nur den Oberkörper - seinen menschlich wirkenden Anteil - drehte er halb herum. Es genügte, um endlich Schemen auszumachen, deren Blicke auf ihm lagen. Seine Stirn legte sich in Falten. "Wer seid Ihr?", erkundigte sich der Zentaur, anstatt auf die Frage der Alten zu antworten. Wohin er wollte oder wie seine Pläne nun aussahen, ging sie garantiert als Letzten in diesem Hause etwas an. Sein Magen knurrte leise. Vielleicht genügte es, seine Beweggründe zu erahnen. Er war ein kräftiges, hochgebautes Wesen. Jeder Muskel musste gut versorgt sein, also musste Velten viel Nahrung zu sich nehmen. In letzter Zeit hatte er eine gezwungene Diät gehalten. Fisch, seine Notrationen und ein paar Kräuter waren wirklich nichts, womit man ihn lange versorgen konnte. Ein Leben am Limit, wenn man bedachte, wieviel er sonst aß. Zentauren gingen schließlich nicht selten und nicht unbegründet auf die Jagd. Wenn viele in der Sippe Nachwuchs bekamen, musste mancher Speerwerfer oder Schütze unter ihnen schon einmal zum Waldhüter werden und eine andere Richtung einschlagen, um den Wildbestand für ein bestimmtes Gebiet nicht gänzlich auszurotten.
Velten lauschte ihren Worten. Dabei wurde ihm mehr und mehr klar, dass diese alte Frau in diesem Haus leben musste. Es war ihr Heim. Das Mischwesen mochte nicht gänzlich mit der Außenwelt bewandert sein - immerhin war die Alte der zweite richtige Mensch, mit dem er überhaupt jemand gesprochen hatte - aber Höflichkeit war kein Privileg der Zivilisierten. "Danke, dass wir in Eurem ... Bau ... Höhle ... ruhen durften." Nach einem kurzen Zögern, in dem er die Ruhe in Person blieb, fügte er noch an: "Ich bin hungrig, ja. Ich verschwinde nicht." Noch nicht. Dass sich ihre Wege trennen würden, hatte er Danika schließlich schon mitgeteilt. Ihre gemeinsame Reise nahm hier ein Ende. Sie würde kaum nach einem Zentaurenjungen suchen, der von Menschen verschleppt worden war. Dazu hatte sie so wenig Grund wie Velten, in ihrer Gesellschaft zu bleiben.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Sonntag 8. Mai 2016, 20:21

Der alten Heilerin war es gleichgültig, ob er sie sofort bemerkte oder erst, als sie ihn angesprochen hatte. Vielmehr fand sie es schade, dass er sich so heimlich davon stehlen wollte, ohne seine Begleiter zu wecken oder gar mit diesen zuerst gesund zu werden, ehe sie gemeinsam wieder aufbrachen. Anscheinend stimmte da etwas nicht oder es hatte andere Gründe.
Wie auch immer, sie könnte es herausfinden, musste aber nicht. Sie war inzwischen alt genug, um zu wissen, dass jeder etwas für sich behalten konnte und sollte. Wenn jemand ihr etwas zu erzählen hatte, besaß sie stets ein offenes Ohr und einen verschlossenen Mund im Nachhinein. Alles andere lag nicht in ihrer Hand.
Deswegen wartete sie auch auf seine Reaktion und konnte sich, als diese erfolgte, ein leises Glucksen nicht verbeißen. „Wie nett, dass der Gast den Gastgeber fragen muss, wer dieser ist.“ Noch einmal kicherte sie und schüttelte schließlich den Kopf. „Ich habe euch gestern bei mir aufgenommen und mich um eure Wunden gekümmert.“
Von der schlafenden Elfe kam, wie zur Bestätigung, ein Seufzen, dann raschelte es ein wenig, als sie sich auf die andere Seite drehte. Danach war ihr Atem wieder tief und gleichmäßig. Auch von Allrick kam keine Reaktion. Lediglich Liya, der Vogel, begann sich verdächtig zu rühren und leise, wie verschlafen, zu krächzen, weil es nicht mehr gar so bequem und angenehm warm um sie herum war.
Die Heilerin blickte zu ihr hinüber und hob belustigt die Augenbrauen. „Deine… Freundin ruft nach dir, scheint es.“, bemerkte sie in einem vertraulichen Tonfall, wie es sich ältere Personen erlauben durften, ohne dadurch respektlos zu wirken.
Schließlich erhielt sie eine Antwort, wenngleich nicht mit all den Informationen, die sie gerne gehört hätte. Doch sie akzeptierte seine Entscheidung und nickte knapp. „Nicht der Rede wert. Aber wenn du hinausgehst, hol frisches Wasser. Wir brauchen es.“ Mit Absicht betonte sie, dass es nicht allein für sie wäre, und schlurfte etwas näher, da er bislang keine Anstalten gemacht hatte, den Eimer zu nehmen.
Neben ihm stellte sie ihn ab und drückte daraufhin ihren Rücken kurz durch, dass es wie bei trockenen Ästen knackte. „Ich nehme an, mit einem einfachen Brei wirst du nicht lange auskommen. Aber als Frühstück sollte es reichen. Danach sehe ich nach deiner Wunde und beschaffe dir etwas Proviant. Es lohnt sich, wenigstens bis Mittag mit dem Aufbruch zu warten.“, gab sie als Vorschlag zu bedenken, ehe sie sich umwandte und zu der Feuerstelle schlurfte, in der es leicht glomm und über der ein großer, gußeisener Kessel hing.
Als wäre alles gesagt, wandte sie ihm den Rücken zu und überließ es ihm, ob er sich nun doch als helfend erweisen wollte oder nicht.
Liya indes war aufgewacht und hüpfte leise schimpfend auf Velten zu, wie, als würde sie ihm den Vorwurf machen, sie ihres Schlafplatzes so rücksichtslos beraubt zu haben. Und als wäre das nicht schlimm genug, war er beim Ausgang, wie sie aus Erfahrung feststellen konnte, weswegen sie darauf bestand, mitzukommen. Zumindest könnte man den Ausdruck ihrer Augen so deuten, wenn man es in dem vorhandenen Licht erkannte.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Mittwoch 18. Mai 2016, 11:01

Der Zentaur löste den Blick in der Alten im Schatten und richtete ihn auf seine Flanke. Er nickte langsam. Ein seichtes Brummen löste sich aus seiner Kehle. Es signalisierte, dass er verstanden hatte. Diese Alte war jene Heilkundige, die sich um seine Verletzung gekümmert hat. Und das sollte erst gestern her sein. Die Verwundung setzt mir wohl mehr zu als ich mir eingestehen will, wenn ich mich an die Frau nicht mehr erinnere. "Danke", gab er all seine Gedanken in diesem einen Wort wieder. Es klang aufrichtig. Velten war der Frau dankbar, obgleich sie ein für ihn verwirrendes Verhalten an den Tag legte mit ihren Witzeleien. Er stand darüber und nahm es hin.
Was ihn weniger begeisterte war der Hinweis auf Liya. Der Vogel regte sich und schien im Begriff aufzuwachen. Doe Ohren des Mischwesens vernahmen den Laut. Er beließ es dabei. Die Heilkundige hatte den Hinweis gegeben und er wusste, wer sich bei seiner Schlafstatt eingekuschelt hatte. Velten befand es nicht für nötig, nochmal hinzuschauen. Er ging auch nicht weiter auf ihren erneuten Scherz ein. Stattdessen fragte er: "Wo finde ich Wasser?" Velten sah sich durchaus in der Position, nicht nur auszuhelfen, sondern dieser Pflicht nachzugehen. Eine geringe Gegenleistung für ihre heilerischen Fertigkeiten.
Der pferdeähnliche Körper ging etwas in die Knie, als er nach dem Eimer griff. Seine Pranken umfassten den Henkel, der so schmal in ihnen wirkte. Velten war groß und massig. Alles Normalgroße bekam diesen Mickrigkeitsbonus, sobald er es hielt. Interessanterweise kam nicht der Eindruck von Großmotorik auf, wenn man ihn mit Pfeil und Bogen sah. Jetzt jedoch wandelte er sich zum Wasserträger und hätte der Frau wohl auch den Eimer für sich allein nur gefüllt. Dass sie nicht mehr verlangte, wunderte ihn, doch er wies sie auch nicht auf ihr Recht hin. Es war gut, wenn er sich nicht allzu lange mit ihr aufhalten musste. Sie schien nichts über seinen Sohn zu wissen. Stattdessen akzeptierte sie Veltens Wunsch nach Aufbruch, was ihr ein erneutes Nicken seitens des Zentauren bescherte. Bei ihren angebotenen Vorbereitungen sah das Ganze schon besser aus - für ihn, als auch seine Verletzung. "Ich werde warten", teilte er ihr mit.
Auf Liya wartete er jedoch nicht. Mit dem sanften Tadel eines Vaters fast raunte er ihr zu: "Schnatter nicht so laut, du weckst deine Freundin und ihren Begleiter." Daraufhin wandte sich Velten auch schon ab. Er trat aus der Hütte heraus, streckte die Schultern durch und schaute sich erst einmal um. Schließlich musste er sich nun mit wachem Bewusstsein einen Eindruck von seiner Umgebung machen.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Samstag 16. Juli 2016, 16:37

Aelith wartete mit einem nachsichtigen Lächeln auf den Lippen ab, wie dieses majestätische Mischwesen auf sie und ihre Worte reagieren würde. Natürlich würde sie ihn zu absolut gar nichts zwingen, ganz gleich, ob er seine Entscheidungen so fällte, dass sie diese billigen konnte oder nicht. Aber selbstverständlich würde es sie freuen, wenn ihre Ansichten Gehör finden würden, schon allein, weil ein heimliches Verschwinden seinen Begleitern gegenüber… einfach nicht nett wäre.
Mochte auch der Vogel als einziges bislang reagiert haben, gerade das Mädchen hatte gestern Abend auf sie sehr bemüht um die beiden anderen gewirkt. Vor allem wegen ihr würde sich die Heilerin darüber freuen, wenn es zumindest einen Abschied geben könnte, ganz gleich, wie dieser dann aussehen würde.
Da dies ihre Hütte war und sie noch gute Augen hatte, konnte sie im Dämmerlicht einiges erkennen, wenngleich nicht die Mimik des Zentauren in all ihren Einzelheiten verfolgen. Aber sie sah, dass er zu ihr blickte, und bei seinem knappen Dank nickte sie als Zeichen, dass sie das annahm und es ihr auch genügte.
Während sich der Vogel hochkämpfte und zu Velten hüpfte, erklärte sie ihm noch einmal:„Du musst um die Hütte herum, dahinter findest du einen kleinen Brunnen. Vorsicht, das Gewinde ist schon alt und klemmt. Aber das Wasser ist sauber und frisch. Ich brauche zwei volle Eimer.“ Einen zum Kochen und den anderen, um das kostbare Nass heiß zu machen und die Wunde erneut zu säubern. Und wenn er wollte, könnte er im Anschluss daran auch seinen Körper waschen. Aber das würde sie ihm erst nachher sagen.
Da für sie somit beinahe schon alles geklärt war, wandte sie sich um, blieb jedoch stehen, als sie erneut seine Stimme hörte. „Na bitte, geht ja.“, murmelte sie zu sich selbst so leise, dass er es hoffentlich nicht hören würde, denn es hätte ihn vielleicht verstimmen können. Mochten ihre eigenen Kinder längst erwachsen sein, einen gewissen mütterlich-fürsorglichen Tonfall konnte sie nicht immer ablegen. Ganz besonders, da sie als Heilerin das gesamte Dorf versorgte und dadurch alle Bewohner irgendwie als ihre Kinder ansah und behandelte, mochten sie drei oder dreißig Jahre alt sein.
Daraufhin begab sie sich zu der Kochstelle, ging davor in die Hocke, wenngleich bei dieser Bewegung ihre Gelenke laut und vernehmlich knackten, und begann damit, die Glut wieder anzufachen und ihr angekündigtes Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Liya indes dachte nicht daran, ihren neuen Freund einfach so ziehen zu lassen, sondern schimpfte ungeachtet seines Tadels weiter und sprang schließlich hinterher aus der Tür. Neben ihm blieb sie stehen und plusterte sich auf, einerseits, um mehr Beachtung zu finden, und andererseits, um ihr Gefieder dem heraufziehenden Morgen entgegen strecken zu können.
Aufgrund der Jahreszeit ging jetzt erst die Sonne auf, doch es schien ein guter Tag zu werden, denn die Wolken hatten sich verzogen. In der Nacht hatten sie alles noch in eine dünne, weiche, weiße Schicht gehüllt, die noch unberührt war und aus der sich die braunen Hütten sowie die zentrale Feuerstelle mit dem Gestell zum Fleischbraten von letzter Nacht umso deutlicher herausschälten.
Auf den ersten Blick wirkte alles verschlafen und ruhig, vor allem, weil noch keine Kinder herum liefen und lautstark spielten oder die Männer im Freien ihren Aufgaben nachgingen und die Frauen miteinander tratschten. Doch bei genauerem Hinhören waren schon leise Geräusche aus den Hütten auszumachen, in denen die Mütter und ihre weiblichen Verwandten die Feuer schürten und das Frühstück zubereiteten. In manchen Fenstern erkannte man auch noch einen schwachen Lichtschein, mehr bedurfte es für die Frühaufsteher nicht, kannten sie sich schließlich gut genug in ihren eigenen vier Wänden bereits aus.
Allmählich erwachte das Dorf, so wie die Sonne am Horizont immer höher stieg und das zarte Rosa zuerst kräftiger wurde, bis es schließlich verblassen würde bis zum nächsten Morgen. Es war ein schöner, friedlicher Anblick, bei dem man nicht glauben mochte, dass es in anderen Teilen Celcias viel kriegerischer zugehen könnte. Zudem war die Luft frisch und klar, eine Wohltat bei jedem Atemzug, der in weißen Wolken vor dem Mund dampfte, wenn man ihn wieder aus der Lunge kommen ließ.
Mit zunehmendem Licht kam auch die Besonderheit dieses Dorfes zum Vorschein, denn die Hütten waren nicht allein auf dem Boden erbaut worden, sondern zum Teil waren sie auch auf Bäumen mit besonders dicken Stämmen und Zweigen errichtet worden, jetzt von keinem Blattwerk verborgen und dadurch umso besser erkennbar. Eine einzigartige, eigenwillige Siedlung, ganz genauso wie ihre Bewohner, die bewiesen, dass Menschen und Elfen nicht nur ignorant der jeweils anderen Rasse gegenüber stehen mussten.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Freitag 26. August 2016, 17:32

Velten erhielt kaum Gelegenheit, sich im ersten Moment umzuschauen. Liya lenkte durch Anwesenheit und Aufplustern die Aufmerksamkeit auf sich. Sogleich wandte der Zentaur den Kopf und schaute auf sie herab. Der Vogel ist verhätschelt, dachte er. Auf diese Weise würde sie niemals wirklich selbstständig, auch wenn es ihr vielleicht gelang zu jagen. In seinem tiefsten Inneren missbilligte Velten das. Er konnte nicht sagen, ob Danikas Erziehung Liyas Charakterzüge hervorgerufen und geprägt hatte, aber es wäre besser, jemand zeigte ihr, dass es nicht immer nach ihrem Willen ging. Jedenfalls nicht vollends. Schließlich war sie frei, nach draußen zu gehen, wenn sie es wollte. Leichtes Brummen begleitete seine Worte, als er mit dem Vogel sprach wie mit einer Gleichgesinnten: "Du kannst mitkommen, aber ich werde dich nicht tragen. Halte Schritt oder bleib zurück." Damit war alles gesagt. Nun widmete sich Velten der Umgebung. Er hatte vor, hinter das Haus und zum Brunnen zu gehen. Zunächst aber wollte er den Ort sehen, bei dem sie Zuflucht gefunden hatten. Seine Augen flogen über die Lichtung. Er betrachtete sich all die Bauten der Menschen, diese Hütten. In ihrem Inneren herrschte das Leben, das den heutigen Tag noch nicht begrüßt hatte. Die feine Schneedecke zeigte sich noch nahezu unberührt. An einigen Stellen sah er andere Vögel. Keiner davon war von Liyas Art. Kleinre Federtiere, die nach Würmern suchten. Ansonsten herrschte so viel Ruhe auf diesem Stück Land mitten im Wald, dass Velten erfurchtsvoll Minuten lang still stand. Er gönnte sich einen tiefen Atemzug und ließ die idyllische Stille auf sich wirken. Ein guter Morgen. Er schätzte diese kleinen Momente der Natur. Sie beruhigten und schenkten einen klaren Blick auf die Situation. Für diesen Zeitraum vergaß er auch gänzlich, dass er verletzt war.
Als letztendlich etwas mehr Leben in den Ort einkehrte, regte sich auch das Mischwesen wieder. Velten suchte noch einmal flüchtig nach Liya, bevor er sich hinter die Hütte begab. Der Brunnen war schnell gefunden. "Aber wie ...?" Er kannte ein derartiges Konstrukt ja gar nicht. Eimer waren ihm nicht einmal wirklich vertraut, obgleich er den vorhandenen schnell als wunderbares Werkzeug erkannte, um Wasser zu transportieren. Nur wie sollte er welches finden? Dieses seltsame Konstrukt mit der Seilwinde, welche ihm genauso ein Rätsel war, forderte ihm einiges ab. Er zeigte jedoch die Neugier eines forschenden Wesens. So lernte er durch Versuch und Erfolg. Beziehungsweise durch Versuch und Niederlage, denn er brauchte eine ganze Weile um zu erkennen, dass sich am unteren Ende des Brunnens Wasser befand und wie es ihm gelang, es nach oben zu schöpfen. Schließlich war der Eimer aber voll. Zufrieden über seinen Erfolg nickte er. Inzwischen war allerdings genug Zeit vergangen, um sich Sorgen machen zu können.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 22. September 2016, 09:57

Der Jagdfalke wollte Aufmerksamkeit, ganz so, wie sie es gewohnt war. Und sie hatte sich Velten als ihren neuen Besitz ausgesucht, nachdem er sich um sie gekümmert und sie das als akzeptabel befunden hatte.
Dass er indes glaubte, Danika hätte das zu verantworten, dann irrte er sich. Sie war lediglich die beste Freundin der ehemaligen Besitzerin, die Liya groß gezogen hatte, gewesen. Dadurch war ihr Verhältnis zwar gut miteinander, jedoch konnte die Elfe nichts für die Erziehung.
Und der Vogel war tatsächlich so aufgezogen worden, dass er sich selbst würde versorgen können, wenn es sein musste, und seine Beute zum Teil auch abgab, allerdings würde sie niemals vollkommen frei sein können. Sie würde immer ein Zuhause mit jemandem benötigen, der sie versorgte. Sie kannte ein vollständig wildes Leben nicht und würde es vermutlich auch nie zur Gänze kennen lernen können, sofern sie nicht durch einen Partner dazu verleitet werden würde. Und selbst dann wäre sie wahrscheinlich leicht zu einer Rückkehr ins Gewohnte zu verführen.
So war es eigentlich kein Wunder, dass sie sich an Velten hängte, auch wenn ihm das nicht so recht zu passen schien. Es kümmerte sie wenig.
Umso beleidigter war sie, als er sie nicht mitnahm, sondern ihr kurzerhand lediglich zusagte, sie könne ihn begleiten. Sie verstand die Worte nicht, aber als er keine Anstalten machte, sie hoch zu heben, gab sie ein schimpfendes Krächzen von sich. Was nicht wirklich etwas zu bringen schien, sodass sie es schließlich sein ließ. Doch ein Blick auf sie und man konnte sich gut vorstellen, trotz mangelnder Mimik, dass sie beleidigt war und schmollte.
Sie wandte sich demonstrativ von dem Mischwesen ab, ohne ihn indes völlig aus den Augen zu lassen. Dadurch folgte sie ihm zwar hüpfend, als er sich in Bewegung setzte, gab allerdings keinen Ton mehr von sich und tat, als wäre es ihre Entscheidung und seine Nähe lediglich geduldet.
Bei dem Brunnen indes sprang sie hoch und schaffte es mit einiger Mühe, auf dem Rand zu stehen zu kommen. Dort machte sie ein paar Schritte, ehe sie eine kleine Mulde gefunden hatte, in der sich Wasser hatte sammeln können. Es war von einer dünnen Eisschicht überzogen, die sie mit ihrem spitzen Schnabel leicht aufhacken und das kalte Nass darunter trinken konnte.
Doch selbst wenn sie das nicht getan hätte, hätte sie Velten keine wirklich große Hilfe sein können, da sie nicht miteinander reden konnten. Wie ein Brunnen funktionierte hatte sie zwar oftmals beobachten können, es hatte sie indes nie sonderlich interessiert, weil es sie nicht betroffen hatte. So trank sie seelenruhig, während ihr Begleiter seine liebe Müh und Not hatte, herauszufinden, was er jetzt tun sollte.

Währenddessen rührte sich im Inneren von Aelith‘ Hütte noch jemand und nach einem kurzen, leisen Wortwechsel verließ die Person das Gebäude, um nach dem Zentauren Ausschau zu halten. Sie hielt sich allerdings zurück, als sie ihn entdeckte, und beobachtete ihn lächelnd einige Zeit lang, wie er sich an dem Brunnen zu schaffen machte. Es war schön zu sehen, dass er nicht aufgab, sondern immer weiter machte, bis es ihm schließlich gelang.
Dass er indes mit so etwas wie einer simplen Brunnenkonstruktion nicht vertraut war, daran hatten weder sie, noch die Heilerin gedacht, da sie beide die Lebensverhältnisse von Veltens Welt nicht kannten. Umso mehr freute sich die Beobachterin darüber, dass er die ihm gestellte Aufgabe dennoch bewältigte. Sie wollte sich schon von ihrer Position lösen, auch, um nicht von Liya verraten werden zu können, sollte diese sie entdecken, als sie ein Geräusch hörte und inne hielt.

Denn noch jemand hatte das Mischwesen entdeckt, war allerdings bei weitem nicht so erpicht auf das Beobachten wie die andere. Stattdessen hieß es bei dem kleinen Wesen volle Attacke nach vorne. So knirschte es leise, als die kleinen, mit Leder verhüllten Füße über die dünne Schneedecke liefen und bei dem Brunnen zum Stehen kamen.
Mit großen, runden Augen sah es hoch zu dem riesigen Wesen, das zum Teil Mensch und zum Teil Pferd war. „Bist du aber groß!“, sprach es auf celcianisch, wodurch es auch für einen Fremden zu verstehen war. „Kannst du auch reden?“, fuhr es neugierig fort.
Es war eindeutig ein Kind dieses Dorfes, denn es hatte gewusst, wo es Wasser würde finden können, hatte auch einen eigentlich viel zu großen Eimer dabei und trug zwar einfach, aber dank der Fellfütterung innen warme Kleidung. Das kinnlange Haar war strubelig und gelockt, ganz so, als hätte es jeder Bürste und jeden Kamm den Kampf angesagt. Die Farbe war nicht so einfach zu erkennen, es könnte ein dunkles Blond oder ein helles Braun sein, mit einem kupferfarbenen Stich darin. Die Augen hingegen waren eindeutig ein blasses Grün und blickten noch völlig unschuldig in die Welt hinaus. Auf der Nasenspitze tummelten sich einige Sommersprossen, die sich auf den Wangen indes allmählich verloren, sodass das Gesicht dadurch nicht verunstaltet wirkte, weil die Flecken zu viel Platz einnahmen.
„Oh, bitte, sag, dass du reden kannst! Auch wenn mir das keiner glauben wird… Weiß Aelith, dass du hier bist? Sie will immer alles gaaaaanz genau wissen!“, plapperte das Kind weiter und zeigte dabei, dass es saubere, wenn auch nicht zu hundert Prozent gerade Zähne hatte. Und vorne fehlte der erste untere Schneidezahn, denn vom Alter her war es genau in der Phase des Wechsels der Milch- zu den bleibenden Zähnen.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Donnerstag 20. Oktober 2016, 10:20

Zufrieden beobachtete Velten Liyas Versuch, den Brunnenrand zu erklimmen und auch ihre vogeltypischen Tätigkeiten, als sie die sanfte Eisschicht von der Pfütze hackte, um an das flüssige Ziel darunter zu gelangen. Ihm entwich gar ein grauntes Brummen, das der Vogel - hätte er Velten auf diese Art und Weise nur verstanden - als Lob deuten konnte. Wenn sie trotz ihrer Verletzung einen Erfolg erzielt, so sollte es auch mir gelingen. Velten betrachtete das seltsame Wasserloch, das nur künstlichen Ursprungs sein konnte. Ja, er mühte sich eine Weile damit ab, musste nachdenken und verstehen lernen, wie man an den Quell tief unten gelangte. Allzu schwer war es nicht, doch wer nie zuvor einen Brunnen gesehen hatte, für den war es Momente lang Neuland. So bemerkte er die Beobachterin in seinem Rücken nicht.
Dafür fiel ihm die andere Gestalt auf, unter deren Füßen der Boden geräuschvoll knirschte, als sie sich näherte. Veltens Pranke zuckte um den Rand des inzwischen gefüllten Eimers. Für den Augenblick war er versucht, nach seiner Waffe zu greifen. Sie befindet sich noch in diesem ... Haus. Anstatt sich über die eigene Unachtsamkeit zu ärgern, waffenlos ins Unbekannte getreten zu sein, nahm er es hin. Warum lamentieren, was er nun nicht ändern konnte? Zur Not gab es noch die Möglichkeiten, den Eimer nach möglichen Feinden zu wirbeln. Das Wasser darin machte ihn schwer.
Die streng wirkenden Augen des Zentauren aber erfassten nichts, was er auf Anhieb als Feind deklarieren würde. Der Hauch von Überraschung legte sich als Schleier über die Iriden, als er diesen kleinen, gelockten Menschen ausmachte. Die Wachsamkeit legte sich nicht gänzlich, aber Misstrauen zog sich deutlich zurück. Ein Junges.
Velten blieb vollkommen reglos stehen, beide Hände auf dem gefüllten Eimer, die Hufe parallel zueinander. Nur jener mit der verletzten Flanke stand ein wenig versetzt, um das Beim zu entlasten. Sein Schweif zuckte leicht, was man aber eher als Übergangsreaktion bezeichnen konnte. Dem Mischwesen selbst fiel es gar nicht auf. Es war ein Teil von ihm wie das Atmen oder Blinzeln. Außerdem konzentrierte er sich auf den kleinen Menschen.
Das Augenpaar wanderte über die Locken, erfasste die Ärmchen und schätzte anhand der Größe und Statur die physische Stärke des kleineren Wesens ein. Da war ihm Velten sicherlich haushoch überlegen. Nur so Winzlinge machten ihren Nachteil oftmals durch Schnelligkeit wett. Er musste unwillkürlich an ein Kaninchen denken. Selten fanden sie sich in den Wäldern, aber an deren Rändern, wo der Arus in das von seiner Zentaurensippe weitgehend unerfoschte westliche Celcia mündete, da hockten sie oft im Zwielicht eines neuen Tages. Sie kauerten sich auf die Felder, wurden so zum schwer erkennbaren Ziel für den Schützen. Komplizierte wurde es nur, wenn sie den Jäger bemerkten und Haken schlagend ihr Heil in der Flucht suchten. Ohja, so ein Langohr konnte ungemein schnell sein. Wie es wohl mit diesem Menschenkind stand?
"Aelith", war das erste Wort, das wie ein dunkles Grollen Veltens Kehle entstieg und dem Kind somit den Beweis lieferte, dass er zumindest mehr beherrschte als animalische Laute. Sein Blick huschte flüchtig über die Schulter. Falls er dabei die andere Beobachterin entdeckte, ließ er es sich nicht anmerken. Eine Hand senkte sich vom Eimer und in Liyas Nähe. Dort legte sie sich ruhig auf den Stein des Brunnens ab. Das Kind stellte viele Fragen. Velten erkannte die Aufregung, sie erinnerte ihn an den eigenen Sohn. So gelang es dem munteren Lockenkopf zwar nicht, sofort die Pforten zum Herzen des Mischwesen aufzureißen, aber immerhin durfte es einen Blick durch den Spalt eines offenen Fensters hinein werfen.
"Ich kann reden und ja, sie weiß, dass ich hier bin." Das Kind hatte seine Antworten. Velten galt nicht als Plappermaul, also schmückte er seine Worte nicht durch zusätzliche Konversation aus, aus der das Kleine noch mehr Informationen hätte herausziehen können. Er betrachtete es. Dann streckte sich sein rechter Zeigefinger vor und deutete auf den Eimer. "Du sollst Wasser holen", mutmaßte das Mischwesen. Anschließend streckte er die ganze Hand geradezu auffordernd aus. Er hätte mit der bloßen Pranke den Kopf des Kindes zerquetschen können!
"Gib mir das Behältnis. Ich hole dir Wasser aus der tiefen Quelle." Es war weniger ein Akt der Hilfsbereitschaft. Velten wollte noch einmal versuchen, ob ihm das Wasserschöpfen auch dieses Mal gelang. Insgeheim war er schließlich schon stolz auf sich, den Vorgang allein entdeckt und geknackt zu haben.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Freitag 18. November 2016, 13:47

Es war schon etwas schwierig, sich mit einem Vogel zu unterhalten, wenn man die Sprache der Tiere nicht beherrschte. Somit schmollte Liya weiterhin, ohne mitzubekommen, dass der Blick ihres unfreiwilligen Begleiters zufrieden auf ihr ruhte, da sie nicht einfach aufgab, auch wenn es derzeit ein wenig schwer für sie war.
Mit einem gebrochenen Flügel in einer Schiene konnte sie weder fliegen, noch problemlos das Gleichgewicht halten. Trotzdem war ihr Instinkt, etwas zu trinken, stärker und sie sprang auf den relativ niedrigen Brunnenrand, um dort an das kalte Nass gelangen zu können, nachdem der gefrorene Überzug beseitigt war. Das nahm Velten als Ansporn für sich selbst und schaffte schließlich ebenfalls, was er sich vorgenommen hatte.
Dabei wurde er von mehreren Seiten beobachtet, einmal von Danika aus dem Hausschatten heraus, die sich noch unentdeckt wähnte. Und zum anderen eine noch unbekannte Person, die sich nicht derart zurück hielt, sondern neugierig näher kam und sofort lossprudelte, kaum, dass sie angesehen wurde. An Zurückhaltung dachte das Kind nicht oder gar an die Möglichkeit, dass es eine Gefahr hätte darstellen können. Wie auch?
Jeder im Dorf kannte jeden und dieses kleine Wesen war vollkommen unbedarft. In ein paar Jahren würde es vielleicht mal eine Waffe in die Hand gedrückt bekommen, ein kleines Messer oder gar Pfeil und Bogen. Doch bislang war es weit weg von jeglicher ernsthafter Gewalt aufgewachsen und verhielt sich entsprechend unvorsichtig. Stattdessen war das ganze Gesicht reines Staunen über diese unbekannte, seltsam aussehende Gestalt am Brunnen.
Schon sprudelte es aus ihrem Mund heraus, da half auch kein strenger Blick, um es zum Schweigen zu bringen. Erst, als er auf die Fragen reagierte und seine Stimme verlauten ließ, verstummte es… besser gesagt, er. Denn das kleine Wesen war ein Junge, auch wenn man ihm das anhand der Locken oft nicht ansah. Jetzt noch nicht, in späteren Jahren wäre das eine ganz andere Sache.
Der Mund öffnete sich vor Staunen über das tiefe Timbre und darüber, dass dieses Mischwesen tatsächlich sprechen konnte. Und das obendrein auch noch so, dass er es verstehen konnte!
„Oh, ihr Waldgeister, ich glaub, ich träum grad!“ Der Junge rieb sich über die Augen und strahlte danach, da der Hüne vor ihm nicht verschwand oder plötzlich anders aussah, zu Velten hoch. „Bei Phaun und Florencia, das ist ja Wahnsinn!“, sprudelte es sofort wieder aus ihm heraus. Die Augen leuchteten vor Begeisterung, die Lippen waren zu einem breiten Lausbubengrinsen verzogen und es zeigten sich jetzt schon erste Anzeichen, dass dieser kleine Mann einmal ein großer Herzensbrecher werden könnte, wenn ihn im Laufe der Zeit nichts verunstalten würde.
„Sie weiß es?“, ging es dann auch sofort weiter und mit dem Begreifen schob sich auch die Unterlippe schmollend vor. „Und wieso hat sie mir nichts gesagt? Sie weiß doch, wie gern ich mal was Neues erleben würde!“, quengelte er und wirkte dabei nicht ganz unbekannt für den Zentauren. Vielleicht lag es ja am Alter, dass er sich ein wenig so benahm wie Veltens Sohn.
„Hm?“, machte der Junge dann einen Moment lang irritiert und blickte auf seinen Eimer hinab. Daraufhin lachte er auf und fuhr sich mit der freien Hand durch seine ohnehin schon wirren Locken. „Äh… ja, so in etwa. Meine Mutter hat mich raus gescheucht, ich soll mich beeilen, hat sie gesagt. Dabei muss sie doch gesehen haben, dass es geschneit hat und so kalt ist! Aber nein… Ich muss raus. Es war aber so schön warm unter meiner Decke!“, plauderte er und machte gleichzeitig eine theatralische Miene, um Mitleid zu heischen. Sogar ein tiefes, leidendes Seufzen entkam ihm.
Danika in ihrem Versteck musste unwillkürlich schmunzeln. Dieser Junge war zwar nicht verzogen, sein Verhalten war noch im Rahmen der sympathischen Wirkung. Jedoch konnte sie sich gut vorstellen, dass es seine Mutter bei ihm nicht gerade leicht haben mochte. Solange es allerdings nur bei Worten blieb und keine gröberen Taten gäbe, würden sich die Probleme sicherlich in Grenzen halten.
Inzwischen wurde auch Liya auf den Neuankömmling aufmerksam, hüpfte am Rand des Brunnens näher und beäugte ihn skeptisch, hielt sich aber erstaunlicherweise noch zurück.
Währenddessen rundeten sich die Augen des Jungen und er begann wieder zu grinsen. „Wirklich? Das wäre spitze! Und Großmutter Aelith macht sicher schon Frühstück, oder?“, flötete er und wirkte nicht so, als würde er seiner Mutter bald den Gefallen tun und wieder heim kommen. „Weißt du, sie macht immer viel zu viel und freut sich dann, wenn jemand vorbei kommt und das auch verputzt.“ Er lachte und schlug sich auf den flachen Bauch, dem man nicht ansah, wie viel in ihn hinein passen mochte.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Dienstag 6. Dezember 2016, 05:46

Die Brauen des Mischwesens zuckten empor. Er ließ seinen gestrengen Blick lange auf den Locken des Burschen ruhen und so musste jener sich in geduld üben, bis Velten überhaupt wieder zu sprechen begann. Florencia und Phaun. Das ist überraschend, dass ein Menschling unsere Götter erwähnt. Nach einer List sieht es nicht aus. Das Fohlen ist vollkommen arglos. Es verleiht ihm eine aufrichtige Aura. Nicht zuletzt war es aber der schmollende Gesichtsausdruck samt vorgeschobener Unterlippe, der Veltens Herz insgeheim schmolz. Wie konnte ein Vater, der auf der Suche nach eben solch einem Anblick war, eben jenem widerstehen? Velten konnte es nicht. So flackerten die stahlgrauen Iriden des Zentauren etwas milder, als er den Jungen vor sich so sah. Es gab ihm - Velten - Grund genug, den Wassereimer des Burschen befüllen zu wollen. Während er diese Aufgabe anging, meinte er vollkommen tonlos: "Frag Aelith doch."
Ähnlich hatte er auch immer auf das Plappermäulchen seines Sohnes reagiert, wenn dieser ihn einmal mit Fragen löcherte, die eigentlich anderen galten. Warum schimpfte ihn seine Mutter, wenn er zu wild durch das Unterholz preschte? Warum interessierte sich Veltens Freund Noah mehr für die Sterne als für die Jagd? Weshalb schaute ihn die junge Zentaurin dort hinten immer wieder an? Frag sie, hatte Velten stets geantwortet. Anders kam sein kleiner Taimi doch nicht weiter und sein Vater maßte sich nicht an für andere zu sprechen, wenn sie selbst eine Stimme besaßen. Dass er den Menschling nun ebenso behandelte wie seinen eigenen Sohn könnte man glatt als großen Schritt für den vorurteilsbehafteten Zentauren nennen.
Velten füllte den Eimer im Brunnen. Nun, da er herausgefunden hatte, wie er an das Durst stillende Nass in der Tiefe gelangte, war es kein Problem mehr für ihn. Die Bewegungen gingen ihm auch schon flüssiger von der Hand, so dass der Junge seinen Eimer bald zurück erhielt. "Mach deiner Mutter keinen Kummer. Sei ein artiger Sohn ... und nenn mir deinen Namen, Bursche. Ich will ihn mir merken."
Im plappernden Wasserfall des Kleineren wandte Velten dann den Blick zu Aeliths Hütte zurück. Sein Magen gab ein Knurren von sich, das er nicht verhindern konnte. Wie wenig hatte er in letzter Zeit gefressen! Er brauchte mehr, um seine vollen Kräfte nutzen zu können. Da käme ihm ein ausladendes Frühstück gerade Recht. Dennoch hielt sich Velten zurück. Er war Gast, würde daher von sich aus nicht nach Unmengen an Futter verlangen, ganz gleich wie hungrig er insgeheim war. Seine Augen wanderten die Hütte ab. Ob er Danika dabei entdeckte?
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 9. Februar 2017, 12:58

Geduld war nicht gerade die Stärke des kleinen Jungen, was man ihm auch ansehen konnte, denn kaum musste er ein wenig warten, begann er herum zu zappeln. So auch, während er unbedingt Antworten auf seine Fragen haben wollte und nichts anderes zu hören bekam, als dass er jemand anderes diese stellen sollte.
Leise schnaubte er beleidigt. „Ich frag aber dich!“, kam es schon ein wenig trotzig zurück.
Warum nur war das so schwer für Erwachsene zu verstehen? Wenn ihm Fragen in den Sinn kamen, dann stellte er sie eben sofort und wollte auch dementsprechend Antwort bekommen. Aber dieses Weiterschicken war einfach… gemein! Wie sollte er sich das nur alles so lange merken, bis er die richtige Ansprechperson gefunden hätte? Das konnte ja ewig dauern! Und bis dahin hätte er es gewiss vergessen, schließlich gab es so viel anderes, das seine Aufmerksamkeit fesseln konnte. Jeder Moment brachte so viel Neues, konnte unendlich viele Fragen in seinen Gedanken entstehen lassen, die alle immer sofort und unaufhaltsam heraussprudeln mussten.
So wie jetzt, nachdem dieses seltsame Mischwesen einfach so seinen Eimer auffüllen konnte, als wäre das absolut keine Anstrengung. „Bist du aber stark! Du schwitzt nicht einmal oder schnaufst! Wieso macht dir das gar nichts aus? Der Eimer ist immer so schwer!“, plapperte er schon wieder drauf los und war kaum zu bremsen, als gäbe es keine Zeit für Antworten.
Schon wurde ihm der volle Eimer in die Hände gedrückt und wäre ihm beinahe daraus gleich wieder heraus gefallen sowie umgekippt, weil er mit dem Gewicht nicht gerechnet hatte. Ächzend und stöhnend balancierte er ihn solange aus, bis er ihn am Ende lieber abstellte und sich über die Stirn mit dem Handrücken wischte. „Ich will auch so stark sein!“, raunzte er und sah mit großen, runden Augen auf, als die tiefe Stimme wieder ertönte.
Ein kleines Lausbubengrinsen schlich sich in seinen Mundwinkel. „Mach ich nie! Ich bin immer artig!“ Doch das vergnügte Funkeln in seinen Augen zeigte, dass dem wohl nicht stets so war. Zumindest nicht nach Ansicht seiner Mutter.
Dann allerdings begann er breit zu strahlen. „Wirklich? Ich meine, ja, natürlich willst du das. Ich habe auch den besten Namen von allen hier!“, quasselte der Kleine schon wieder und stellte sich in Positur, Hände in die Seite gestemmt und die noch magere, kindliche Brust vorgereckt, als wäre er bereits ein stattlicher Erwachsener.
Lachend fiel er wieder in sich zusammen und griff nach dem Bügel des Eimers, um ihn wenigstens einen oder zwei Zentimeter vom Boden heben und so tragen zu können. „Ich bin Ragin, Sohn der Lykke.“ Er grinste breit und sichtlich stolz auf seine Herkunft.
„Und jetzt geh ich rein, sonst friert mir noch mein Hintern ab.“, meinte er schon wieder absolut spitzbübisch und begann, den Eimer vor sich her zu schleppen. Während er sich darauf konzentrieren musste, um nicht zu stolpern und gar etwas zu verschütten, bewegte er sich in Richtung Hütte, auf der anderen Seite von Danikas Versteck.
Die Elfe bemerkte indes den abtastenden Blick von Velten und hielt es für gekommen, aus dem Schatten der Hütte hervor zu treten. Allerdings erst, als der Junge sie nicht mehr würde sehen können.
Ein mildes Lächeln lag auf ihren Lippen. „Du schließt rasch Freundschaften, scheint mir.“, versuchte sie das Gespräch unverfänglich zu beginnen und hoffte, dass er es ihr nicht übel nahm, dass sie ihn mit dem Jungen gesehen hatte, ohne sich bemerkbar zu machen. Denn Aelith hatte ihr in kurzen Worten gesagt, dass ein Abschied anstünde und sie dazu vielleicht besser die Ruhe hinter der Hütte beim Brunnen nützen könnte.
Doch bevor es zu einem wirklichen Gespräch zwischen ihnen kommen könnte, raschelte das Unterholz ungewöhnlich laut. Danikas Elfenohren zuckten und ihr Kopf wandte sich in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Die Blätter bewegten sich immer stärker und verrieten, dass etwas Größeres sich auf sie zubewegte.
Nach den Erfahrungen in Kosral war die Elfe verschreckt, schrie leise auf und suchte instinktiv Schutz hinter Velten. Doch dieses Mal hätte sie keine Angst haben müssen, denn mit einem sachten Klingeln sprang ein friedliches und sehr selten gesehenes Waldlebewesen auf dem Unterholz hervor.

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Zum Teil war es menschlich, ähnlich wie Velten, das Gesicht und der knapp bekleidete Oberkörper waren diejenigen eines zierlichen Mädchens. Doch die weißen Haare konnten lediglich den Ansatz des Hirschgeweihs kaschieren, nicht jedoch den gesamten Kopfschmuck, zwischen dessen Verzweigungen obendrein kleine Glöckchen hingen und das Klingeln von sich gaben. Auch der restliche Körper war derjenige einer Hirschkuh, sodass dieses Wesen tatsächlich Ähnlichkeit mit dem Zentauren hatte. Einen Moment lang verharrte sie und sah Velten an, als wäre sie erstaunt, ein artverwandtes Wesen zu treffen.
Dann kicherte sie und verschwand mittels zwei langen Sprüngen wieder im Unterholz. Dabei jedoch war ihr etwas zu Boden gefallen, der Aufprall nur von der dünnen Schneedecke gedämpft. Was mochte das nur sein? Sollte das Mischwesen hingehen und nachsehen oder besser den Rückzug antreten? Und… wer war diese Gestalt von gerade eben gewesen?!

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Sollte Velten vortreten, findet er Folgendes im Schnee liegen: ein Falknerhandschuh aus hochqualitativem, vierlagigem Hirschleder
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Mittwoch 22. Februar 2017, 06:50

Auch wenn es ein Menschling war, so erinnerte ihn dieses zweibeinige Fohlen doch sehr an den eigenen Sohn. Die Jugend strotz vor Ungeduld, dachte Velten, ohne anderweitig auf die Zappelei seines Gegenüber einzugehen. Er würdigte seinem Trotz nicht einmal einer weiteren Antwort, denn das Mischwesen hatte sie bereits gegeben. Würde er Aelith nicht fragen, müsste der Junge dumm sterben. Aus Velten bekam er jedenfalls nichts heraus. Der Zentaur schwieg. Zumindest zur ersten Frage. Dass der Bengel unaufhaltsam einen Bahn neugieriger Fragen durch sein Land pflügte und gewaltige Ackernarben hinterließ, musste früher oder später aufgehalten werden. Sonst würde Veltens Heimat seiner ruhigen Nerven doch noch zerstört. Er besaß viel Geduld, ja er konnte sich gar stillschweigend für die aufgeweckte Art dieses Halbstarken begeistern. Umso wichtiger war es, einige grundlegende Fragen wohl doch zu beantworten. Velten wollte es dem Menschen aber nicht zu einfach machen.
"Du wirst dir nicht eine Lektion merken, wenn du meine Worte so schnell abtust, wie Fragen aus seinem Mund sprudeln. Belasse es bei einer und verinnerliche dafür das erlangte Wissen mit ganzem Herzen. So und nun zeige etwas Selbstbeherrschung." Velten stieß ein tonloses Seufzen der Neutralität aus. Eines jener Sorte, die auch dem Jungen etwas Ruhe spenden sollte, indem sie im allgemeinen Lauf ihres Gesprächs eine Pause erzeugte.
Als das Mischwesen glaubte, den richtigen Moment zu erwischen, beantwortete er tatsächlich eine der offenen Fragen. "Ich bin größer und kräftiger gebaut als du kleiner Mensch. Dein Behältnis ist, selbst gefüllt mit Wasser, keine Last für mich."
Irgendwo bezweifelte Velten, dass die Worte den Jungen überhaupt in der Form erreichten, dass er von ihnen würde lernen können. Aber er hatte es versucht. Es war ohnehin des Burschen Entscheidung, ob und inwieweit er sie beherzigte. Zumindest er selbst wollte aus dieser Begegnung etwas mitnehmen, nämlich den Namen des Kleineren. "Ragin, Sohn der Lykke. Mhrm, ich bin Velten", gab selbiger in erneut tiefem Basston von sich. Nachdem sie einander vorgestellt hatten, war es für Ragin aber schon Zeit zur Rückkehr. Sicher wartete Lykke schon auf ihn. Velten hielt den Jungen nicht auf. Er hatte ohnehin jemand entdeckt, dem er seine Aufmerksamkeit schenkte. Danika.
"Für wahre Freundschaft fehlt es wohl an Tiefe", entgegnete er und brachte so das Gespräch gleich zu Beginn etwas ins Stocken. Velten störte das jedoch nicht. Ich bin nicht hier, um Freundschaften zu schließen. Nicht, sollten sie mir nicht helfen können, meinen Sohn zu finden. In dem Fall wäre es vielleicht klüger, Gespräche mit dieser Aelith zu führen, anstelle mit einem Burschen, der kaum in der Lage war, den Mund zu halten.
Noch ehe sie die Unterhaltung fortsetzen konnten, durchbrach Danikas leiser Schrei die entstandene Stille. Ihr folgten das Rascheln der Sträucher, sowie das Erscheinen eines anmutigen Wesens. Eine derartige Gestalt hatte Velten nie zuvor erblickt. Er musterte es, entdeckte Ähnlichkeiten, sowohl zu den Menschen als auch zu ihm selbst. Und doch erinnerte es wiederum an die Hirsche, die der Zentaur gelegentlich jagte - wenn ihm denn welche vor den Bogen kamen. Allein ihr Äußeres bewegte ihn dazu, ihr gleich mehr zu trauen als jedem anderen hier im Walddorf. Velten setzte an, sich ihr zu nähern. Doch es genügte ein Aufstapfen mit einem der gesunden Hufe, da flüchtete das Wesen unter einem Kichern.
"Warte", erhob er seine Stimme, aber es war zu spät. Die geheimnisvolle Halbricke war verschwunden. Nicht nur das, sie hatte auch noch etwas verloren.
Da Velten bezweifelte, dass die verschreckte Danika sich dem verlorenen Gegenstand alsbald näherte, übernahm er diese Aufgabe. Mit beiden Vorderbeinen ging er in die Knie, brummte als seichter Schmerz seine Flanke durchfuhr und griff nach dem Etwas auf der dünnen Schicht der Flockendecke. "Hrm, was ist das?" Er hob das aus Leder gefertigte Ding auf. Es machte auf ihn den Anschein von Kleidung. Eine Schiene für den Arm. Endlich erkannte er es. Es handelte sich um einen großen, sehr gut gearbeiteten Handschuh. Dass er der Falknerei diente, konnte Velten nicht wissen. Kein Zentaur arbeitete mit Raubvögeln zusammen, um zu jagen, wenngleich es einen Fortschritt für seine Sippe bedeuten könnte. Vielleicht ließ sich Liya dazu überreden, sobald ihr Flügel wieder abgeheilt war ... bis dahin wäre sie in der Lage, auf Veltens Arm zu sitzen, ohne ihre Krallen schmerzvoll in sein Fleisch zu versenken.
Prüfend schob das Mischwesen den Handschuh nämlich über seinen Arm. Würde eine helfende Hand wie beispielsweise Danikas ihm die Lederschnüre festziehen, säße der Lederschutz perfekt.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Sonntag 26. März 2017, 14:22

Der Junge hatte noch nie still sitzen bleiben können, sondern hatte sich einfach bewegen müssen. Immer in Aktion, ständig etwas tun und am besten noch draußen an der frischen Luft sein, bei Wind und Wetter. Er war ein absolutes Waldkind, vertraut mit seiner Umgebung und geübt darin, sich in dieser zurecht zu finden. Zur Jagd hatte er noch nicht dürfen, sodass sich erst zeigen musste, ob er dafür wiederum ausreichend Ruhe und Beherrschung würde aufbringen können.
Doch vorerst wollte und musste er die großen Rätsel seiner Welt erkunden und dieses bestand im Moment in dem riesigen Mischwesen vor ihm, das ihm sogar beim Wasserholen half. Dass er nicht laufen oder sonst irgendwie bewegen konnte, führte dazu, dass sein Mund dafür noch schneller Worte hervorsprudeln ließ als sonst. Seine Reue oder sein Willen, das zu ändern, war jedoch lediglich begrenzt, sodass er sich nur flüchtig auf die Unterlippe biss, als er deswegen gescholten wurde.
Vollständig konnte er dem Gesagten sowieso nicht folgen, stattdessen kratzte er sich am Hinterkopf und grinste schief. „Äh… ja… ist in Ordnung…“, murmelte er und war gedanklich ohnehin schon wieder weiter gewandert.
Unzählige neue Fragen schossen ihm durch den Sinn, während er sich bemühte, der nächsten Antwort aufmerksam zu lauschen, aber er biss sich tatsächlich brav auf die Zunge, um sie nicht sofort zu stellen. „Und warum bist du so groß und kräftig? Warum hast du einen Menschen- und einen Pferdekörper?“, sprudelte es hervor, ohne sich darum zu kümmern, ob das frech oder beleidigend sein könnte. Schließlich war es pure Neugier und keine Wertung.
Daraufhin stellte er sich vor, mit sichtlichem Stolz und einem freudigen Funkeln in den Augen, als er den Namen seiner Mutter und somit seine Herkunft erwähnte. Bei dem Namen des anderen kicherte er, weil er seltsam klang, bevor er sich entschloss, lieber mal etwas Wärme zu suchen. Und Aelith, um sie zu löchern…
Also stob er davon und Danika nutzte den Moment, um sich zu zeigen. Sie lächelte, zum Teil entschuldigend, zum Teil gerührt von dem eben Gesehenen, obwohl der Zentaur von Anfang an klar machte, dass er auf ihre Bemerkung nicht so eingehen würde, wie sie es gedacht hätte. Eine Sekunde lang stockte sie irritiert über diese Korrektur, ehe sie sich wieder fangen konnte.
Allerdings kam es zu keinen weiteren Worten, da eine Überraschung negative Erinnerungen in der Waldelfe weckten. Unwillkürlich schrie sie auf und wurde zu einem kleinen Bündel aus Angst, was sie nicht verhindern konnte. Schutzsuchend verbarg sie sich hinter dem großen Mischwesen, konnte aber ein kleines Maß an Neugier nicht verbergen. Es war, als spüre sie, dass von dem Neuankömmling keine Gefahr ausgehen würde, sodass sie hinter Velten hervor spähte.
Was sie zu sehen bekam, ließ sie andächtig staunen und in ihrem Kopf fing es an zu arbeiten, weil sie das Gefühl hatte, als kenne sie diese Gestalt. Zumindest aus Geschichten und Erzählungen… Jedoch wollte es ihr im Moment nicht und nicht einfallen, um das Wesen gebührend ansprechen zu können. Und dann… war es sowieso schlagartig zu spät. Ein letztes Kichern, schon verschwand es wieder im Unterholz, das noch ein wenig raschelte, ehe es schien, als wäre nie jemand daraus hervor oder hinein gesprungen.
Die Furcht fiel von ihr ab, allerdings rühren konnte sie sich dennoch nicht, da sie zu angestrengt überlegte, um auf die Lösung zu kommen. In der Zwischenzeit verlor sie zwar ihre Deckung, denn Velten bewegte sich, doch das machte nichts, nun, wo sie wusste, dass sie diesen Schutz nicht benötigte.
Liya war in dieser Hinsicht aufmerksamer und neugieriger, nachdem sie sich zuvor aufs Beobachten beschränkt hatte. Krächzend kam sie näher gesprungen und erwartete, dass der Zentaur sie auch nachsehen ließ, was da verloren gegangen war. Viel Gelegenheit ließ er ihr zwar nicht, weil sie jedoch damals in Danikas Heimatdorf zum Jagdfalken ausgebildet worden war, erkannte sie dieses Ding rascher als das Mischwesen neben ihr.
Sie krächzte mehrmals auf und versuchte, mit ihren Flügeln zu schlagen, wenngleich nicht deutlich wurde, ob ihr dieser Anblick gefiel oder nicht. Auf jeden Fall wurde deutlich, dass ihr dieses Gebilde aus bearbeitetem Leder in seiner Form nicht unbekannt war.
Endlich bewegte sich auch Danika und ließ ihren Blick andächtig über den Gegenstand gleiten. „Was für ein Geschenk…“, hauchte sie ehrfürchtig und wagte es kaum zu atmen, denn inzwischen war ihr eingefallen, woran sie dieses überraschend aufgetauchte Wesen erinnert hatte.
Ohne zu fragen, griff sie nach den Lederschnüren und band sie routiniert um den Unterarm, denn diese Aufgabe hatte sie in ihrer Heimat öfters übernommen. In einem anderen Leben zwar, aber es war alles vertraut…
Lächelnd blickte sie zu ihm auf. „Weißt du, wer das war? Wenn ich mich nicht irre, hat dir Rhen Tyr eine Gabe hinterlassen!“, wisperte sie. Schon sprang Liya an ihre Seite und krächzte auffordernd, wollte hochgehoben werden und ihren Platz einnehmen.
Die Waldelfe bückte sich und half dem Tier bei seinem Wunsch. Noch ehe Velten ausweichen könnte, sprang der Vogel hinüber und zeigte ihm, wozu dieser Handschuh diente. Erneut versuchte sie mit ihren Flügeln zu schlagen und richtete sich mit geschwellter Brust auf seinem Unterarm auf, sah ihn abwartend an.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Dienstag 18. April 2017, 00:12

Das hinterlassene Geschenk in den großen Händen sah der Zentaur zu jener Stelle hin, in die das geheimnisvolle Wesen zurück ins Dickicht verschwunden war. Er blickte sehr lange mit stoischem Gesichtsausdruck und ohne sich zu regen. Lediglich seine Daumen fuhren über das gefertigte Leder, aus dem der Handschuh bestand. Endlich senkte Velten den Blick darauf hinab. Zu einer genaueren Inspektion blieb allerdings keine Zeit, denn Liya buhlte erneut um Aufmerksamkeit. Sie erhielt sie. Veltens Augen hefteten sich an den Vogel, der wild mit den Flügeln schlug - mit einem, um genau zu sein.
"Wie lange wird sie die Schiene tragen müssen", erkundigte Velten sich bei Danika, ohne zu ihr zurück zu blicken. Liyas Reaktion konnte er nicht deuten. Irgendwie ahnte er, dass es kein Zeichen von Gefahr darstellte, doch was der Falke von ihr wünschte, blieb ihm verborgen. Dafür sollte Velten kennenlernen, was ein Falknerhandschuh war. Er hatte zumindest verstanden, wie er ihn überzustreifen hatte und die Elfe half ihm bei der Verschnürung aus. Bereitwillig hielt das Mischwesen ihr den Arm entgegen, begutachtete im Anschluss den Sitz des Lederschutzes und nickte.
"Rhen Tyr", wiederholte er den Namen jener geheimnisvollen Schenkerin. "Sie ist flink, aber wohl auch ein Freund. Ich werde ihre Gabe zu würdigen wissen." Da hob er den Arm ein wenig an, drehte ihn. Man wollte sich das Lederstück von allen Seiten betrachten. "Es wird mir einen guten Schutz bieten, wie eine zweite Haut." Wenn Velten um den Herstellungsprozess wüsste, wäre er vielleicht gespaltener Meinung. So aber gefiel ihm die Gabe dieser Rhen doch recht gut.
"Ah, ich verstehe", fügte Velten dann an, als Liya auf seinem Arm abgesetzt wurde. Dieses Mal waren ihre Krallen kaum zu spüren. Ihr Gewicht trat in den Vordergrund, aber man konnte es bei weitem nicht als maßgeblich bezeichnen. Ein kräftiges Wesen wie Velten würde sie lange tragen können. "Sehr nützlich", gab er von sich und streckte die andere Hand nach Liya aus. Ein Versuch, dem Vogel das Gefieder zu kraulen.
"Ist dein Menschenbegleiter schon erwacht?", fragte der Zentaur. Allrick hatte sich in den letzten Reisestunden etwas zurückgehalten. Möglich, dass ihn das Erreichen des Dorfes mehr Kraft gekostet hatte als er zugeben würde. Doch auch Velten schwächelte. Nicht unbedingt wegen der Verletzung. Sein Magen wandelte sich zunehmend in ein flaues Knäuel. Zwar hatten sie Kräuter und Fisch auf ihrem Weg zu sich nehmen können, doch beides reichte nicht aus, einen hungrigen Pferdekörpermagien zu stillen. Und hinzu kam noch der menschliche Magen. Velten ähnelte ja irgendwo einer Kuh. Auf jeden Fall brauchte er nun endlich wieder eine ordentliche Mahlzeit, um seine Energiereserven aufzustocken. Dann würde auch die Heilung seiner Flanke beschleunigt werden.
"Aelith riet mir, zurück zu kommen, um mich von euch zu verabschieden", gestand er Danika. So wies er sie bereits auf seine weiteren Pläne hin, wenn auch indirekt. Zunächst sollte er aber nur Wasser holen und der Eimer war ja schon gefüllt. "Kehren wir in diesen künstlichen Bau zurück."
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 27. April 2017, 12:10

Danika war noch immer ganz erstaunt darüber, welches Wesen sich so unvermittelt gezeigt und ein Geschenk hinterlassen hatte. Es galt Velten, da war sie sich vollkommen sicher, denn sie hatte ihn angelächelt und nicht versucht, auch einen Blick von der Waldelfe zu erhaschen. Fast beneidete sie ihn schon darum, zu gerne hätte sie so etwas auch bekommen, etwas Brauchbares, was sie selbst sich noch nicht hatte zulegen können. Woran sie womöglich noch nicht einmal gedacht hatte…
Aber Rhen Tyr beschloss selbst, wem sie welche Gabe zukommen ließ und wann, darauf hätte Danika also niemals einen Einfluss. Doch vielleicht würden ihre Träume helfen und das mystische Wesen anlocken… irgendwann…
Unwillkürlich lächelte sie leicht und schüttelte den Kopf, um sich selbst aus diesen Hirngespinsten heraus zu holen. Veltens Stimme half ihr dabei und es dauerte nur kurz, bis sie sich wieder zurecht finden konnte.
Sie sah zu dem Vogel hin und legte den Kopf leicht schief. „Hm… Der Flügel ist gebrochen, das wird dauern… Aber vielleicht fragen wir Aelith? Sie hat mehr Möglichkeiten und auch ein größeres Wissen.“, erwiderte sie und das vollkommen neidlos. Die andere hatte mehr Lebenszeit und somit mehr Erfahrung sammeln können. Außerdem war sie nicht heimatlos, sondern sie hatten in ihrer Hütte Unterschlupf gefunden. Es war somit nur nachvollziehbar, dass die Elfe ihre Meinung würde einholen können.
Liya hingegen hatte für all diese Worte nichts übrig, sie erkannte lediglich den Gegenstand wieder und wollte hinauf. Indes musste der Handschuh erst befestigt werden, währenddessen konnte man sich wieder unterhalten.
Unwillkürlich schmunzelte die junge Frau. „Sie weiß um unsere geheimen Wünsche, noch ehe sie uns selbst bewusst werden. Wem sie erscheint und etwas bringt, kann sich sehr glücklich schätzen. Die meisten erleben das nie in ihrem Leben.“, fügte sie hinzu, um noch einmal die Außergewöhnlichkeit des Auftauchens und den Wert der Gabe zu unterstreichen.
Dann endlich konnte sie den Wunsch des Vogels erfüllen, setzte ihn auf den nun geschützten Unterarm des Zentauren. Endlich wirkte das Tier zufrieden, plusterte sich noch einmal auf, ehe es damit begann, sich das Gefieder zu putzen.
Danika nickte auf die Erkenntnis von Velten und lächelte erneut. „Ja, ein Falknerhandschuh. In meinem Dorf gab es auch ein paar, unter anderem Liyas frühere Herrin. Aber nicht von dieser Qualität…“ Sie seufzte und ihr Lächeln zerfaserte bei all den Erinnerungen, die viel zu schmerzhaft waren.
Zum Glück stellte er eine konkrete Frage, die sie davor bewahrte, sich zu sehr auf ihre verborgenen Gefühle zu konzentrieren. „Allrick?“, entkam es ihr und sie schüttelte daraufhin den Kopf. „Nein, er schläft noch. Der Weg hierher hat ihn viel Kraft gekostet. Jedoch kann er sich hier ausruhen und erholen.“, erklärte sie und kraulte dem Vogel seinen Hinterkopf. Liya machte dabei einen äußerst zufriedenen Eindruck.
Sie hörte erst bei seiner folgenden Bemerkung damit auf und sah ihn überrascht wieder direkt an. „Verabschieden? Aber… aber… deine Verletzung! Der Wolfsbiss war stark, du hast eine große Wunde und brauchst ebenfalls ein wenig Zeit!“, begehrte sie auf und schüttelte den Kopf. Traurig senkte sie den Blick. „Doch ich bin niemand, um dir Vorschriften zu machen.“, nuschelte sie niedergeschlagen und so leise, dass sie kaum verständlich war.
Auf den letzten Vorschlag hin nickte sie lediglich betrübt und setzte sich an seiner Seite in Bewegung.

In der Hütte indes hatte die alte Heilerin eine große Schüssel Haferbrei gekocht und mit einigen, getrockneten Kräutern gewürzt, sodass er nicht so langweilig schmeckte. Dementsprechend duftete es in den vier Wänden. Während Allrick auf seinem Schlafplatz noch lautstark schnarchte, saß Aeliths Urenkel bereits mit einer dampfenden Schüssel am grob gezimmerten Tisch und schaufelte sich den leckeren und sättigenden Brei in den Mund.
Die Frau selbst befand sich weiterhin in der Kochecke und bereitete dort einen Beutel vor, den sie mit Verbandszeug und Proviant füllte. Viel hatte sie nicht zu bieten, aber das sollte reichen, um dem Mischwesen eine Weiterreise zu ermöglichen.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Freitag 25. August 2017, 08:38

Velten hielt still, während Danika ihm den Falknerhandschuh - diesen wundersamen Armschutz - befestigte. Er bemerkte lediglich Liyas erfolglose Versuche, seinen Arm zu erreichen und ihre Krallen ins Leder des Handschuhs bohren zu können. Der Gegenstand war ihr vertrauter als dem Zentauren und dennoch erkannte Velten langsam den Nutzen. Er lauschte Danikas Worte, gab ein Brummen der Zustimmung ab und als der Handschuh fest saß, meinte er: "Ich werde sorgsam mit diesem Geschenk umgehen, wenn es so wertvoll ist." Und tatsächlich hob Danika Liya anschließend so auf seinen Arm, dass sie auf dem Handschuh sitzen konnte, selbst wenn es für Velten hieß, den eigenen Arm nun in perfekter Diener-Manier eng am Körper angelegt zu halten. Auf diese Weise konnte Liya sich wenigstens etwas gegen die nackte Zentaurenbrust lehnen, um zusätzlichen Halt zu finden. Zufrieden beobachtete das Mischwesen ihr aufgeplustertes Gefieder. "Der Sitzplatz gefällt ihr. Und du bist gar nicht ihre ursprüngliche Gefährtin?" Herrin wollte Velten nicht sagen. Er kannte den Begriff auch nicht gut genug, um ihn einzusetzen. Unter den Zentauren gab es kein Verhältnis, bei dem sich einer seiner Sippe ein Tier auserkor und sich selbst zum Herren über dessen Lebensweise erhob. Hätte Danika es ihm nun genauer erklärt, hätte er vermutlich auch keinen großen Unterschied zu seinem mutmaßlich nun in Gefangenschaft lebenden Sohn und den Dunkelelfen - die er ja nach wie vor für Menschen hielt - gesehen. Auch wenn zwischen Sklavschaft und einem Dienerschaftsverhältnis zu seinem Herrn zu differenzieren war, Velten konnte das nicht.
Das Gesprächsthema wechselte rasch und man kam auf Allrick zu sprechen. Dass er immer noch schlief, wunderte Velten nicht. "Er hat viel geleistet", lobte er den Mann sogar indirekt. "Ich rate ihm, eine Weile hier in seiner Menschenwelt zu bleiben. Aelith und selbst der Nachwuchs wirken freundlich gesinnt. Er wird es nicht schwer haben, sich einen Platz in dieser Sippe zu sichern." Velten straffte seinen Oberkörper etwas. "Ich bin nicht Teil der Menschen und habe weiterzuziehen, sobald es meine Verletzung zulässt. Vielleicht schon früher." Vielleicht jetz, hätte er gern noch angefügt, doch er beließ es bei seiner Aussage. Auch wenn er kein Heilkundiger war, so war Velten sich doch bewusst, dass Danika im Recht lag. Auch er müsste sich erholen. Allein die Sorge um seinen Sohn schürte die eigene Sturheit und den Glauben daran, dass sich sein Zustand schon nicht verschlechtern würde. Taimi war ihm wichtiger.
Allerdings ließ sich das Wesen auf einen Kompromiss ein. Velten war nicht vollkommen blind um seine Gesundheit. "Du sagtest, Aelith wisse viel. Sie wird meine Lage noch besser einschätzen und mir einen Ratschlag geben können, wann es klug ist, weiterzureisen. Letztendlich entscheide ich selbst, wie sehr ich diesen Ratschlag beherzigen werde, aber ich bin bereit, ihn mir anzuhören. Nun lass uns zurückgehen. Ich habe noch diese Aufgabe zu erfüllen."
Er hob den Eimer demonstrativ etwas an und neigte den Oberkörper wieder leicht dabei, um das Gleichgewicht zu wahren. Liya sollte ihm nicht vom Falknerhandschuh rutschen.
So kehrte Velten zurück zu Aeliths Hütte. Seine Schritte blieben besonnen, er bewegte sich unbewusst langsamer und schonte bereits jetzt seine Flanke. Lediglich der köstliche Geruch von Haferbrei - ein Velten ungekanntes Aroma - lockte ihn kurz vor der Tür, seine Gangart zu verändert. Etwas zügiger als beabsichtigt betrat das Wesen die Hütte. "Ich bringe dein Wasser", verkündete er. Sein knurrender Magen teilte zudem mit, dass er auch reichlich Hunger mitgebracht hatte. Velten ließ es sich nicht anmerken, aber er spürte längst, dass er nicht die volle Leistung erbringen konnte, die er mit einem vollen Magen gewohnt war - verletzte Flanke hin oder her. In der letzten Zeit hatte er viel zu wenig gegessen!




Entschuldige, ich habe total übersehen, dass ich hier noch ein Posting offen hatte. Das hat jetzt ungemein lang gedauert :drop:
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Erzähler » Freitag 10. November 2017, 23:33

Der Vogel war bereits von klein auf von Hand aufgezogen worden und kannte tatsächlich solch ein Gebilde, wusste sofort um dessen Bedeutung. Das allein sorgte allerdings nicht dafür, dass sie dort hinauf wollte, um einen Sitzplatz zu erhalten. Nein, es war auch schlichtweg ihr Wille, sich so auf das Mischwesen einzulassen, dass sie ihm erlaubte, sie auch weiterhin zu tragen. Oder sie auf einen Flug zu schicken, sofern ihr Flügel wieder voll einsatzfähig wäre.
Die Waldelfe lächelte leicht, als sie diese Vertrauensbasis erkannte und spürte, dass Liya bestimmt bei Velten in guten Händen wäre. Schließlich hatte sie den Handschuh gut verschnürt und konnte das Tier auf seinen neuen Platz setzen. Wobei dieses leise, scheinbar zufrieden krächzte und sich die Stelle suchte, die sie kannte und wo sie am besten Halt fand.
„Streck deine Finger aus und drück deinen Daumen und deinen Zeigefinger zusammen. So bekommt sie eine gute Fläche.“, erklärte Danika, die zwar selbst auf diese Weise nicht unterwegs gewesen war, es jedoch oft genug bei den anderen ihres Dorfes gesehen hatte.
Wie als Zustimmung krächzte Liya ein weiteres Mal und testete mit ihren Krallen, wie sehr sie sich festhalten musste, um in der Balance zu bleiben. Was für sie noch ein wenig schwieriger als früher war aufgrund ihres gebrochenen Flügels, den sie zum Ausgleich nicht verwenden konnte.
Als er seine Haltung so angepasst hatte, wie sie es kannte, machte sie sich dort breit und plusterte ihr Gefieder, ein Signal ihrer Zufriedenheit. Jetzt fühlte sie sich wohl. Dennoch behielt sie die Umgebung im Blick, dazu war sie zu sehr ein Raubtier.
Indes sah die Waldelfe auf und schüttelte den Kopf. „Nein, sie wurde von einer Freundin aufgezogen.“, erwiderte sie recht schlicht und musste den Kloß in ihrem Hals hinunterschlucken, der sich aufgrund der Erinnerung bildete. Denn sie wusste nur zu gut, was dieser Elfe zugestoßen war, ehe sie das Glück hatte, ihr Leben auszuhauchen. Schwer schluckte Danika und sah rasch zur Seite, um die aufsteigenden Tränen wieder wegzublinzeln.
Da war es ihr nur recht, dass sie über den Menschen sprachen und sie sich ablenken konnte. Sie lächelte erneut ein wenig und nickte zustimmend. „Das stimmt. Und er braucht Zeit, um sich erholen zu können. Hier werden seine Wunden gut heilen können.“, fügte sie hinzu und seufzte lautlos.
Bedauernd sah sie zu Velten hoch. „Es wäre ganz gut, wenn du dir auch mehr Zeit gönnst. Deine Wunde ist tief.“, gab sie zu bedenken, würde es damit allerdings bewenden lassen. Sie hatte kein Recht, ihn zu etwas überreden zu wollen, dazu kannten sie sich auch zu wenig. Aber sie wollte ihm vor Augen führen, dass er sich mit dieser Wunde vor allem bei diesen Wetterverhältnissen schonen sollte. Es wäre ja nur vorteilhaft für die Heilung. Doch das musste er selbst entscheiden.
Immerhin schien er ein wenig vernünftiger zu werden, obwohl sie beinahe schon eine gewisse Kränkung fühlte, dass er die Meinung der älteren Heilerin mehr zu schätzen schien als die ihre. Solange es jedoch aufs selbe Ergebnis hinauslaufen würde, sollte sie sich damit abfinden. Deswegen nickte sie auch und strich Liya noch einmal kurz über das Brustgefieder, das sie prompt ein wenig wieder aufbauschte.
Dann ging sie voran, um aus der Kälte in die Wärme zu kommen. Sie trat zuerst ein und ließ die Tür weit genug offen stehen, dass Velten ihr folgen konnte. Es erging ihr wie ihm, denn bei dem Geruch, den sie ebenfalls nicht kannte, lief ihr das Wasser im Mund zusammen und ihr Magen gab eindeutige Geräusche von sich.
Allrick hatte sich auf seinem Lager noch nicht wirklich gerührt, sodass sie besorgt zuerst zu ihm trat. In dem schummrigen Licht konnte sie erkennen, dass er atmete, was sie innerlich aufatmen ließ.
Aelith warf ihr einen freundlichen Blick zu. „Er wird schon noch aufwachen.“, brummelte sie, als erahne sie die Gedanken der Elfe.
Diese schenkte ihr einen dankbaren Blick und gesellte sich dann zu dem Jungen, der schon an dem recht grob zusammen gezimmerten Tisch saß und sich Löffel um Löffel des Breis in den Mund schaufelte. Er rückte ein wenig zur Seite, um ihr Platz zu machen, sonst war er definitiv mit dem Essen beschäftigt.
Die alte Heilerin brummelte leise vor sich hin und wandte sich an Velten, um den Wasserkübel zum Herd zu schleppen. Dabei ächzte sie und ließ es sich trotzdem nicht nehmen, das persönlich zu machen und sich nicht helfen zu lassen. „Wurde auch Zeit.“, murrte sie dabei und warf ihm einen Blick zu, in dem ein wenig Schalk zu erkennen war, da sie ihre Worte nicht vollständig ernst meinte.
Mit einem leisen Stöhnen setzte sie den Kübel ab und streckte die Hand nach einer großen Kelle aus. Gleichzeitig deutete sie zu dem Tisch, auf dem noch eine unbenutzte, wenngleich gefüllte Schüssel mit einem Löffel darin stand. Die andere hatte sich Danika bereits genommen und trotz allem ein wenig skeptisch begonnen, den Brei zu essen. Es war eine seltsame Erfahrung und dennoch weckte es ihren Appetit, sodass sie weiter aß.
Indes blickte der Junge, den Brei rund um seinen Mund verteilt, auf und grinste kauend das Mischwesen an. „Ich hab dir extra was übrig gelassen!“, meinte er spitzbübisch.
„Ragin!“, entkam es Aelith, nicht sonderlich laut oder streng, aber ausreichend, um den so Angesprochenen leicht zusammen zucken zu lassen. Das Grinsen wurde ein wenig blasser, aber völlig verschwand es nicht. Trotzdem widmete er sich lieber wieder seiner Mahlzeit, in der Hoffnung, noch eine vielleicht bekommen zu können.
Niemand machte besseren Haferbrei als Aelith! Zumindest zu dieser Jahreszeit, wenn die Kräuter zum Würzen rar waren, ansonsten aß er natürlich gerne bei seiner Mutter. Auch wenn diese zu oft der Meinung war, er würde zu viel in sich hinein schaufeln.
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Re: Alte Freunde, neue Freunde

Beitragvon Velten » Mittwoch 6. Dezember 2017, 10:46

Velten nahm die Anweisungen seiner Gefährtin lernwillig auf. Wie Danika ihm geheißen hatte, streckte er seine Finger und berührte mit dem Daumen den Zeigefinger, um sie zusammen zu drücken. Gespannt auf das Ergebnis beobachtete er Liya, die sich nach und nach auf dem Handschuh positionierte, bis sie einen sicheren Halt besaß. Velten nickte zufrieden.
Lediglich ihre Anmerkungen, dass auch er sich eine längere Schonzeit gönnen sollte, kamen beim Mischwesen nicht vollends an. Er war keineswegs unvernünftig. Velten wusste selbst, dass seine Verletzung nicht auf die leichte Schulter genommen werden durfte. Er wusste, dass es um seinetwillen am besten wäre, sich auszuruhen und das nicht nur für ein paar Stunden. Aber hier ging es nicht um ihn. "Die Wunde ist tief", bestätigte er Danika, nickte sogar unter Zustimmung. "Aber eine andere Verwundung bereitet mir größere Sorgen und sie wird weiter aufreißen, wenn ich meinen Weg nicht alsbald fortsetze." Niemals könnte er sich verzeihen, wenn seinem Sohn ein Unglück - ein noch größeres - geschah, nur weil er sich eine Auszeit genommen hätte. Dafür nahm er sogar Folgeschäden durch eine schlecht verheilte Verletzung in Kauf, jedenfalls vorerst.
Velten gab ein Seufzen von sich, das eher einem sachten Brummen gleich kam. In seiner Brust rumorte der dunkle Basston dieses Urlautes wie fernes Donnergrollen. "Ich werde jede Möglichkeit in Anspruch nehmen, mich zu schonen, wenn ich es kann", meinte er dann versöhnlich. Es war keine Ausrede, sondern klang aufrichtig. Velten würde sich bemühen, auch auf sich selbst zu achten, soweit es angesichts der Umstände in seiner Macht stand.

Gemeinsam mit Danika und natürlich Liya kehrte der Zentaur in die Hütte der alten Heilkundigen zurück. An den Tisch konnte er sich nicht setzen, aber Velten trat dort heran. Das Gestell war ihm ohnehin fremd. Zentauren nutzten keine Tische, um ihre Mahlzeiten einzunehmen. Es zog ihn lediglich dorthin, weil der gewitzte Bursche bereits dort saß und sein Essen genoss. Der Anblick wärmte Veltens Herz, wie er es gleichermaßen zum bluten brachte. Obwohl das Menschenkind eben kein Zentaur war, so entdeckte er Ähnlichkeiten im unschuldigen Kindverhalten, das ihn an seinen Nachwuchs erinnerte.
Er sah über den kleinen Spaß des Jungen, dessen Namen er nun auch hatte erfahren können, hinweg. Mit einer Hand griff Velten nach dem Löffel und schaufelte sich etwas Brei darauf. Er hielt nach wie vor Liya, so dass seine Mahlzeit zu einer einhändigen Tätigkeit verdammt war. Dementsprechend aß er langsam. "Die Jungen müssen viel essen, um groß und kräftig zu werden. Auf ihren Schultern ruht die Verantwortung der Zukunft. Ihre Hufe werden der Sippe den Weg zeigen, wenn die Alten nicht mehr sind." Er ließ es beinahe wie ein Tischgebet klingen, dabei waren diese weisen Worte nicht einmal seinem Mund entsprungen. Der Sippenälteste seiner Zentaurengemeinschaft hatte sie ihm gelehrt und Velten lehrte sie seinem Sohn, der sie wiederum eines Tages seinen eigenen Kindern auf den Weg mitgeben würde - falls Taimi jemals nach Hause kehren würde.
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